Protokoll:
16129

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Metadaten
  • date_rangeWahlperiode: 16

  • date_rangeSitzungsnummer: 129

  • date_rangeDatum: 28. November 2007

  • access_timeStartuhrzeit der Sitzung: None Uhr

  • av_timerEnduhrzeit der Sitzung: 18:46 Uhr

  • account_circleMdBs dieser Rede
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 16/129 Rainer Brüderle (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Dr. Peter Struck (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Renate Künast (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Peter Ramsauer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Guido Westerwelle (FDP) . . . . . . . . . . . . Joachim Poß (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) . . . . . . Steffen Kampeter (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Wolfgang Börnsen (Bönstrup) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wahl eines vom Deutschen Bundestag zu entsendenden Mitgliedes des Ausschusses nach Artikel 77 Abs. 2 des Grundgesetzes (Vermittlungsausschuss) Wahl eines Mitgliedes des Parlamentari- schen Kontrollgremiums gemäß §§ 4 und 5 Abs. 4 des Gesetzes über die parlamentari- sche Kontrolle nachrichtendienstlicher Tä- tigkeit des Bundes (Kontrollgremiumsge- setz – PKGrG) (Drucksache 16/7287) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wahl des Abgeordneten Thomas Oppermann als Mitglied des Gemeinsamen Ausschusses gemäß Artikel 53 a des Grundgesetzes, als Mitglied des Ausschusses nach Artikel 77 Abs. 2 des Grundgesetzes (Vermittlungs- 13519 D 13521 A 13527 C 13533 B 13537 D 13541 D 13545 A 13549 B 13552 B 13553 A 13554 C 13563 A Deutscher B Stenografisch 129. Sitz Berlin, Mittwoch, den 2 I n h a l Tagesordnungspunkt II (Fortsetzung): a) Zweite Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2008 (Haushaltsgesetz 2008) (Drucksachen 16/6000, 16/6002) . . . . . . . b) Beschlussempfehlung des Haushaltsaus- schusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bun- des 2007 bis 2011 (Drucksachen 16/6001, 16/6002, 16/6426) 9 Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzler- amt (Drucksachen 16/6404, 16/6423) . . . . . . . P M M N E Z W W A g 13519 A 13519 B 13519 B Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13555 C undestag er Bericht ung 8. November 2007 t : etra Merkel (Berlin) (SPD) . . . . . . . . . . . . . onika Grütters (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . onika Griefahn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . amentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . . rgebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatztagesordnungspunkt 1: ahlvorschlag der Fraktion der SPD: ahl eines Mitgliedes des Gemeinsamen usschusses gemäß Artikel 53 a des Grund- esetzes 13556 D 13559 A 13560 A 13563 A 13567 B ausschuss) und als Mitglied des Parlamenta- rischen Kontrollgremiums gemäß §§ 4 und 5 Abs. 4 des Gesetzes über die parlamenta- II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 129. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 28. November 2007 rische Kontrolle nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes (Kontrollgremiums- gesetz – PKGrG) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt IV: Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD: Zurückweisung des Einspruchs des Bundesrats gegen das Gesetz zur Vorberei- tung eines registergestützten Zensus ein- schließlich einer Gebäude- und Wohnungs- zählung 2011 (Zensusvorbereitungsgesetz 2011 – ZensVorbG 2011) (Drucksachen 16/5525, 16/6455, 16/6456, 16/6728, 16/7085, 16/7222) . . . . . . . . . . . . . . Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Einzelplan 05 Auswärtiges Amt (Drucksachen 16/6405, 16/6423) . . . . . . . Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Lothar Mark (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Norman Paech (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Herbert Frankenhauser (CDU/CSU) . . . . . . . Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Werner Hoyer (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) . . . . . Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . Eckart von Klaeden (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Kerstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD) . . . . . . . Michael Link (Heilbronn) (FDP) . . . . . . . . . . Erika Steinbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD) . . . . Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Thomas Bareiß (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 11 Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung (Drucksachen 16/6413, 16/6423) . . . . . . . E S I J A D B R W K U B J B 1 H I H A A H J S H D T J 13563 B 13563 C 13563 D 13570 A 13563 D 13564 A 13565 B 13572 B 13573 B 13573 C 13574 D 13576 A 13579 A 13580 C 13582 C 13583 D 13585 A 13586 D 13587 D 13588 D 13589 C 13590 A 13590 C 13591 C lke Hoff (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usanne Jaffke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . nge Höger (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . ohannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . lexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Franz Josef Jung, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Elke Hoff (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . irgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . ainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . infried Nachtwei (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . urt J. Rossmanith (CDU/CSU) . . . . . . . . . . lrike Merten (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ernd Siebert (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . ürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . ernd Siebert (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 2 Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Drucksachen 16/6419, 16/6423) . . . . . . . ellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . . ris Hoffmann (Wismar) (SPD) . . . . . . . . . . . eike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . rnold Vaatz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . lexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . eidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin BMZ . . . . . . . . . . . . . . . ürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . ibylle Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . üseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) . . . . . . r. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . hilo Hoppe (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ochen Borchert (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Ute Koczy (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13591 D 0000 A13592 D 13594 A 13595 C 13598 B 13599 C 13600 D 13601 C 13601 D 13603 B 13605 B 13606 B 13607 A 13608 B 13610 A 13610 B 13610 D 13611 A 13612 A 13613 D 13614 D 13616 B 13617 C 13619 A 13620 B 13621 B 13622 C 13624 A 13625 A 13625 D Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 129. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 28. November 2007 III Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . Anlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Maria Michalk (CDU/CSU) zur Abstimmung über den Einzelplan 04 – Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt (Tagesordnungspunkt II.9) 13627 C 13629 A 13629 C Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 129. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 28. November 2007 13519 (A) ) (B) ) 129. Sitz Berlin, Mittwoch, den 2 Beginn: 9.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 129. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 28. November 2007 13629 (A) ) (B) ) sammlung des Europarates Dazu gehören die Herstellung und Beschaffung von Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten * für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- A g d s m g r f B w E g V b 2 I u n J F s k d E n g a r B u g n r h f b a V R f F i s 3 O f Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Ahrendt, Christian FDP 28.11.2007 Andreae, Kerstin BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.11.2007 Beck (Köln), Volker BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.11.2007 von Bismarck, Carl- Eduard CDU/CSU 28.11.2007 Dr. Bunge, Martina DIE LINKE 28.11.2007 Burchardt, Ulla SPD 28.11.2007 Claus, Roland DIE LINKE 28.11.2007 Connemann, Gitta CDU/CSU 28.11.2007 Ernst, Klaus DIE LINKE 28.11.2007 Graf (Rosenheim), Angelika SPD 28.11.2007* Hübner, Klaas SPD 28.11.2007 Irber, Brunhilde SPD 28.11.2007 Juratovic, Josip SPD 28.11.2007 Dr. Krogmann, Martina CDU/CSU 28.11.2007 Dr. Küster, Uwe SPD 28.11.2007 Lehn, Waltraud SPD 28.11.2007 Müntefering, Franz SPD 28.11.2007 Piltz, Gisela FDP 28.11.2007 Raidel, Hans CDU/CSU 28.11.2007 Schmidt (Nürnberg), Renate SPD 28.11.2007 Ströbele, Hans-Christian BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.11.2007 Strothmann, Lena CDU/CSU 28.11.2007 Stübgen, Michael CDU/CSU 28.11.2007 Thiessen, Jörn SPD 28.11.2007 Wegener, Hedi SPD 28.11.2007 (C (D Anlagen zum Stenografischen Bericht nlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Maria Michalk (CDU/CSU) zur Abstimmung über den Einzelplan 04 – Bun- deskanzlerin und Bundeskanzleramt (Tagesord- nungspunkt II.9) Im Jahr 2008 beträgt der Zuschuss des Bundes zu- unsten der zwischen dem Bund und den Ländern Bran- enburg und Sachsen gebildeten Stiftung für das sorbi- che Volk 7,6 Millionen Euro. Das sind 600 000 Euro ehr, als im Haushaltsentwurf der Bundesregierung vor- esehen. Somit ist das Förderniveau 2007 wieder er- eicht. Ich danke insbesondere dem Haushaltsausschuss ür diese Initiative. Meine Zustimmung zum Etat des undeskanzleramtes verbinde ich jedoch mit dem Hin- eis auf zwei ungelöste Probleme, die dringend einer ntscheidung bedürfen: Erstens. Das Finanzierungsabkommen als Rechts- rundlage der gemeinsamen Förderung des sorbischen olkes läuft am 31. Dezember 2007 aus. Darauf habe ich ereits in meiner Erklärung zur Abstimmung zum Etat 007 hingewiesen und eine zeitnahe Lösung angemahnt. ch muss leider enttäuscht feststellen, dass dies nicht mgesetzt wurde. Die Verhandlungen für ein neues Fi- anzierungsabkommen sind zwar vor mehr als einem ahr aufgenommen worden. Sie ruhen jedoch seit dem rühjahr. Damit existiert derzeit für die Stiftung für das orbische Volk weder eine Rechtssicherheit für die Zu- unft, noch ist eine mittelfristige Finanzplanung durch ie Stiftungsgremien möglich. Zweitens. Der Haushaltsausschuss hat 2,6 Millionen uro qualifiziert gesperrt mit der Begründung, dass ei- erseits bis zum 15. Juni 2008 ein neues, in die Zukunft erichtetes Finanzierungsabkommen vorliegen soll und ndererseits die Auflagen aus dem Bericht des Bundes- echnungshofes vom 20. März 2007 erfüllt sein müssen. eide Forderungen sind nicht allein vom sorbischen Volk msetzbar. Der Freistaat Sachsen, der an seiner bisheri- en Förderung ungesperrt festhält, hat in seiner Stellung- ahme auf die sechs Forderungen des Rechnungshofes eagiert und die Förderung des Bundes unter minder- eitspolitischen Gesichtspunkten uneingeschränkt einge- ordert. Dem schließe ich mich an. Das Land Branden- urg unterstützt politisch diese Forderungen, hat aber nalog zum Bund seinen Förderanteil ebenfalls gesperrt. om Bund liegt derzeit noch keine Stellungnahme zum echnungshofgutachten vor. Damit sind die Eckpunkte ür die Wiederaufnahme der Verhandlungen für das neue inanzierungsabkommen aus meiner Sicht unklar. Das st unbefriedigend. Insgesamt beträgt die Haushalts- perre für die Stiftung für das sorbische Volk für 2006 ,2 Millionen Euro. Ausdrücklich erkläre ich aus meiner Kenntnis vor rt, dass in der Summe aller Ausgaben der größte Teil ür den Erhalt der sorbischen Sprache verwendet wird. 13630 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 129. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 28. November 2007 (A) (C) (B) ) Schulbüchern für die Minderheitensprache genauso wie zum Beispiel das gesprochene Wort im Theater oder auf einer CD. Ferner wird davon ausgegangen, dass in der Stiftung selbst seit 1994 keine Evaluierung mehr stattgefunden hat. Als Mitglied des Parlamentarischen Beirates der Stiftung weiß ich, dass zum Beispiel 1997 eine Untersu- chung zum Lese- und Medienverhalten der sorbischen Bevölkerung durchgeführt wurde, in deren Konsequenz Förderprioritäten der Stiftung angepasst wurden. Eine zweite große Evaluation fand von 2000 bis 2002 statt. Seit dieser Zeit wird zugunsten der Sprache zum Bei- spiel die Kunst nachrangig gefördert. Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass ich auch mit dem zweiten Prüfergebnis Verständnisprobleme habe. Im dritten Punkt wird auf die teilweise Übernahme von Aufgaben anderer Träger, vor allem Kommunen verwiesen. Die Mehrbelastungen der Kommunen, im zweisprachigen Siedlungsgebiet, zum Beispiel durch die zweisprachige Beschilderung, sind bisher nirgendwo zu- sammengefasst dargestellt worden. Sie werden aber seit Jahren ganz selbstverständlich von diesen getragen. Wa- rum nach 15 Jahren Zusammenarbeit zwischen der Stif- Volkes, das kein Mutterland hat, nicht ohne Substanzver- lust umsetzbar und würde zunächst die Schließung bzw. Fusionierung aller sorbischen Institutionen bedeuten. Niemand kann von einem Volk verlangen, seine kultu- relle Infrastruktur, die lebensnotwendig ist, da sich das sorbische Volk über die Kulturautonomie definiert, selbst abzuschaffen. Und zuletzt wird im sechsten Punkt des Rechnungs- hofberichtes die Überwindung der Kleinteiligkeit der Minderheitenförderung durch die Bundesregierung an- gemahnt. Auch diesen Punkt können die Sorben nicht beeinflussen. Die zwischen Bund und Ländern bisher vereinbarte jeweils hälftige Förderung der Stiftung ist eine gute Ent- scheidung, die in den zurückliegenden 15 Jahren zu bemerkenswerten Ergebnissen in der Entwicklung der sorbischen Sprache und Kultur geführt hat. Sie berück- sichtigt, dass es sich bei der Förderung des sorbischen Volkes um eine Aufgabe im gesamtstaatlichen Interesse handelt, weil die Kultur autochthoner Minderheiten im- mer auch ein lebendiger Bestandteil der Kultur Deutsch- lands ist und bleibt. Daraus ergibt sich auch die außen- politische Alleinverantwortung des Bundes im Blick auf tung und den Kommunen jetzt eine gegenseitige Auf- rechnung erfolgen sollte, ist nicht nachvollziehbar und widerspricht dem Geist der von der Bundesregierung un- terzeichneten Europäischen Charta zum Schutz der Min- derheitensprachen. Im vierten Punkt wird die Regelung für das sorbische Volk im Einigungsvertrag als verbraucht erklärt, Auch das ist nicht nachvollziehbar und vor allem von den Sor- ben nicht beeinflussbar. Die generelle Umstellung der Förderung des sorbi- schen Volkes auf Projektbasis, wie im fünften Punkt vor- geschlagen, ist mit den ganzheitlichen Aufgaben eines d t w a i P z A d r d k (D ie 1998 unterzeichnete Europarats-Charta der autoch- honen Minderheiten. Zwar ist das Finanzierungsabkommen von 1998, das, ie gesagt, Ende 2007 ausläuft, für die Bundesseite in bsoluten Beträgen klar degressiv ausgelegt, nicht aber m relativen Förderanteil. Durch diese Tatsache war das arlament Jahr für Jahr gefordert, Nachbesserungen vor- unehmen. Das ist künftig weder den Sorben noch den bgeordneten weiter zumutbar. Deshalb erwarte ich, ass in den kommenden Wochen der Entwurf für ein kla- es Finanzierungsabkommen zwischen Bund und Län- ern vorgelegt wird, das den Anspruch eines Zukunfts- onzeptes für das sorbische Volk erfüllt. 91, 1 0, T 129. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 28. November 2007 Inhalt: Redetext Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Anlage 2
Gesamtes Protokol
Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612900000

Die Sitzung ist eröffnet. Liebe Kolleginnen und Kol-

legen, ich begrüße Sie alle herzlich.

Wir setzen unsere Haushaltsberatungen – Tagesord-
nungspunkt II – fort:

a) Zweite Beratung des von der Bundesregierung
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die
Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das
Haushaltsjahr 2008 (Haushaltsgesetz 2008)


– Drucksachen 16/6000, 16/6002 –

b) Beratung der Beschlussempfehlung des Haus-
haltsausschusses (8. Ausschuss) zu der Unterrich-
tung durch die Bundesregierung

Finanzplan des Bundes 2007 bis 2011

– Drucksachen 16/6001, 16/6002, 16/6426 –

Berichterstattung:
Abgeordnete Steffen Kampeter
Carsten Schneider (Erfurt)

Otto Fricke
Dr. Gesine Lötzsch
Anja Hajduk

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Redet
Dazu rufe ich jetzt den Tagesordnungspunkt II.9 auf:

Einzelplan 04
Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt

– Drucksachen 16/6404, 16/6423 –

Berichterstattung:
Abgeordnete Steffen Kampeter
Petra Merkel (Berlin)

Jürgen Koppelin
Roland Claus
Alexander Bonde
Anna Lührmann

Zu diesem Einzelplan liegen zwei Änderu
der Fraktion Die Linke vor. Außerdem liege
schließungsantrag der Fraktion der FDP un
schließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/D

(C (D ung 8. November 2007 0 Uhr or, über die wir am Freitag nach der Schlussabstimung abstimmen werden. Ich mache darauf aufmerksam, dass wir über diesen inzelplan später namentlich abstimmen werden. Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für ie Aussprache dreieinhalb Stunden vorgesehen. – Dazu öre ich keinen Widerspruch. Dann ist das so vereinbart. as ist dann etwa auch die Zeit, zu der mit der nament ichen Abstimmung zu rechnen ist. Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort zuächst dem Kollegen Rainer Brüderle für die FDP-Frakion. (Beifall bei der FDP – Wolfgang Zöller [CDU/ CSU]: Das hätte so ein schöner Tag werden können!)



Rainer Brüderle (FDP):
Rede ID: ID1612900100

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Dank der

eltkonjunktur ist unser Aufschwung noch stabil. Die
teuereinnahmen sprudeln. Der Bundesfinanzminister
ann sich freuen. Nur die Menschen freuen sich nicht;
ie Deutschen haben das Gefühl, dass der Aufschwung
ei ihnen nicht ankommt.

ext

(Beifall bei der FDP)


Das heutige Jackpot-Fieber wundert mich nicht. Die
Menschen wollen sich ihre Aufschwungsdividende jetzt
selbst holen. Sie sagen sich: Beim Lotto gewinnt viel-
leicht einer, bei Schwarz-Rot gewinnt keiner.


(Beifall bei der FDP)


Im Vergleich zu Ihrer Politik sehen die Menschen im
Lotto fast schon eine sichere Form der Vermögensbil-
dung.


(Heiterkeit bei Abgeordneten der FDP – Petra Merkel [Berlin] [SPD]: So ein Miesmacher!)


ng befindet sich im Dauerstreit. Die
t der SPD vor, der Wirtschaft und dem
schaden. Die SPD wirft der Union Wort-
litionsuntreues Verhalten vor. Das wird
ngsanträge
n ein Ent-
d ein Ent-
ie Grünen

Die Regieru
CDU/CSU wirf
Aufschwung zu
bruch und koa






(A) )



(B) )


Rainer Brüderle
garniert mit Ausdrücken, die der Präsident hier im Parla-
ment nie zulassen würde.


(Beifall des Abg. Jürgen Koppelin [FDP])


So sieht es in unserer Bundesregierung aus. Nach zwei
Jahren ist der Wahlkampf zwischen Schwarz und Rot be-
reits voll im Gange.


(Beifall bei der FDP)


Jetzt streitet sich die Koalition sogar über die Außen-
politik gegenüber China und Russland. Wenn man sich
schon außenpolitisch nicht einigen kann, wie soll es
dann innenpolitisch weitergehen? Immer öfter fallen die
Worte Stillstand und Rückschritt. In den wenigen Punk-
ten, in denen sich die Regierung einigen kann, ist von ei-
ner Politik für den Aufschwung nichts zu merken. Im
Gegenteil: Überall setzt die Regierung auf mehr Staat.
Sie gibt mehr aus, sie betreibt interventionistische Poli-
tik und macht Märkte kaputt.

Sie könnten den Haushalt bereits jetzt ausgleichen.
Unsere Haushälter haben in mühevoller Arbeit
400 Anträge erarbeitet. Wenn Sie die darin vorgeschla-
genen Maßnahmen umsetzen, können Sie fast 12 Mil-
liarden Euro einsparen.


(Dr. Peter Struck [SPD]: Lächerlich!)


Das wird ignoriert, weil Sie gar nicht sparen wollen. Sie
gehen in die Vollen, Sie treiben den Haushalt hoch. Sie
haben 47 Milliarden Euro Mehreinnahmen; trotzdem ge-
hen Sie weiter in die Verschuldung hinein. Das ist keine
Politik für die Zukunft.


(Beifall bei der FDP)


Bei Ihnen macht sich eine Staatsgläubigkeit breit.
Die Sozialdemokraten entdecken ihr Programm „Demo-
kratischer Sozialismus“ neu.


(Hüseyin-Kenan Aydin [DIE LINKE]: Gut so! – Heiterkeit bei der FDP)


Die Union macht bei einer solchen Politik auch noch
mit. Die Bahnreform kommt aufs Abstellgleis, die Re-
gierung denkt nach Medienberichten über eine Verstaat-
lichung der Bundesdruckerei nach, und bei EADS steht
die Bundesregierung mehr als kurz davor, politisch Ein-
fluss zu nehmen.

Es ist zu lesen, dass sich die CDU jetzt klarer positio-
nieren und die Reformpolitik fortsetzen will. Der Gene-
ralsekretär der Union wirft der SPD dabei vor, den Staat
als gigantische Umverteilungsmaschinerie zu missbrau-
chen. Das Problem der Union ist aber, dass sie das alles
mitmacht.


(Beifall bei der FDP)


Wir haben jetzt zwei Parteien, die für einen demokra-
tischen Sozialismus sind. Beim Ausgeben sind sie voll
mit dabei, bei der Verkomplizierung sind sie voll mit da-
bei, und beim Griff in die Kasse der Bundesagentur für
Arbeit sind sie voll mit dabei. Sie haben das Antidiskri-
minierungsgesetz mitbeschlossen, und Sie haben die
Zinsschranke und die Funktionsverlagerung als Verkom-
plizierung des Steuerrechts eingeführt. Das führt zu ei-

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(C (D em Beschäftigungsprogramm für Rechtsanwälte, bringt ber keine Rechtsklarheit für Investitionen und führt icht zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland. as ist Ihre gemeinsame Politik. Die Bundeskanzlerin hat hier einmal das Lippenbeenntnis abgelegt: weniger Staat, mehr Freiheit. Wir haen mehr Staat. Jedes neue Gesetz, durch das die Handungsfreiheit der Bürger eingeengt wird, bedeutet mehr taat und ist ein Schritt in Richtung mehr Reglementieung und weniger Freiheit. on Freiheit zu reden und das Gegenteil zu tun, ist kein ortschritt. Mit was beschäftigt sich diese Koalition? Sie beschäfigt sich mit Mindestlöhnen und Höchstgehältern von anagern. Sie schwankt zwischen Populismus und Proektionismus. Es geht im Streit zwischen dem Finanznd dem Wirtschaftsministerium doch nur noch darum, elche Variante des Protektionismus Sie betreiben. Die inen wollen Kapital sammeln, um zu verhindern, dass usländer investieren, die anderen wollen das Außenirtschaftsgesetz manipulieren, um dies zu verhindern. eides ist falsch. Setzen Sie auf den Markt und nicht uf Reglementierung und Interventionismus! Das ist imer unsere Stärke gewesen. Die Mietkosten werden jetzt besteuert. Ich frage ich, wann Sie anfangen, auch die Personalkosten zu esteuern. ie sind doch falsch programmiert. Sie denken falsch, ie müssten sich anders orientieren. Ich trage hier einal ein Zitat aus der Süddeutschen Zeitung zu dem, was ie machen, vor. In der letzten Woche stand dort wört ich: Die Hauptstadt Berlin entwickelt sich mehr und mehr zum Biotop für wirtschaftspolitische Dummheiten. enau so ist es. Sie machen es falsch. Draußen in der Welt gibt es urbulenzen, Dollarkrise und Finanzmarktkrise. Führt ie wirtschaftliche Entwicklung der USA nur zu einer elle, oder gibt es eine Rezession? Wir betreiben keine orsorge dafür. Was wir immer gesagt haben, beweisen ie erneut: Große Koalitionen sind nur scheinbar große oalitionen. Sie haben große Mehrheiten, sie sind aber leinmütig, gehen komische Kompromisse ein und brinen das Land nicht voran. Sie behindern Deutschland. as ist die Politik, die Sie hier betreiben. Rainer Brüderle Wir werden uns nicht einschüchtern lassen und weiter mit aller Klarheit wirken. Es muss in Deutschland noch eine Partei geben, die ihren wirtschaftspolitischen Sachverstand nicht an der Garderobe abgegeben hat. (Beifall bei der FDP – Widerspruch bei der CDU/CSU, der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der FDP)


(Beifall des Abg. Jürgen Koppelin [FDP])


(Beifall bei der FDP)


(Beifall bei der FDP)


(Heiterkeit bei der FDP)


(Beifall bei der FDP)


(Beifall bei der FDP)





(A) )


(B) )


Sie folgen dem Mainstream, gehen nach links und laufen
Lafontaine nach.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er ist doch gar nicht hier!)


Es muss noch jemanden geben, der Ludwig Erhard kennt
und weiß, wie Marktwirtschaft funktioniert.


(Beifall bei der FDP)

Wir wollen Arbeitsplätze schaffen, wir wollen Wachs-
tum erzielen, und wir wollen Fortschritt, damit Demago-
gen und Rattenfänger in der deutschen Politik keinen
Boden bereitet bekommen, auf dem sie Resonanz finden.
Es geht auch um die demokratische Zukunft Deutsch-
lands.


(Anhaltender Beifall bei der FDP)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612900200

Das Wort hat nun die Bundeskanzlerin, Frau

Dr. Merkel.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. Angela Merkel (CDU):
Rede ID: ID1612900300

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ende März haben wir hier in Berlin den 50. Jahrestag der
Römischen Verträge gefeiert. Dabei ist uns allen noch
einmal deutlich geworden, wie lange ein geeintes, in
Frieden und Freiheit verbundenes Europa ein bloßer
Traum war, ein Traum, der aus schmerzlicher Erfahrung
später auf wunderbare Weise Wirklichkeit geworden ist.
Heute – so haben wir es dann in der Berliner Erklärung
geschrieben – sind wir Europäer zu unserem Glück ver-
eint.

Ich sage das, weil in anderen Regionen der Welt ein
friedliches Miteinander der Völker nach wie vor in wei-
ter Ferne liegt. Insbesondere im Nahen Osten sucht die
Weltgemeinschaft – und dies jetzt seit Jahrzehnten –
nach Möglichkeiten für eine umfassende Friedenslö-
sung. Hierzu einen Beitrag zu leisten, das war ein
Schwerpunkt der zurückliegenden EU-Ratspräsident-
schaft Deutschlands. Das ist und bleibt auch ein Schwer-
punkt der gesamten Bundesregierung.

Jetzt scheint es neuen Grund zur Hoffnung zu geben,
dass der Traum eines friedlichen Miteinanders von Israel
und Palästina doch wahr werden könnte. Auch wenn die
Erfahrungen mit früheren Lösungsversuchen einen allzu
naiven Optimismus verbieten: Die Friedenskonferenz in
Annapolis ist die Chance auf einen neuen Verhandlungs-
prozess, an dessen Ende die Vision einer Zweistaatenlö-
sung mit Leben gefüllt werden könnte. Das ist ein hoff-
nungsvolles Signal. Der Bundesaußenminister wird
heute noch darüber berichten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


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(C (D Es kann uns hier in diesem Parlament nicht ruhen lasen, dass Israel und die gesamte Region in einem unsiheren, instabilen Zustand sind. Ich bekenne mich ausrücklich zur besonderen historischen Verantwortung eutschlands für die Sicherheit und Existenz Israels. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


as Eintreten für die Sicherheit Israels ist Teil der
taatsräson Deutschlands und eine Konstante der deut-
chen Außenpolitik.

Im kommenden Jahr feiert der Staat Israel den
0. Geburtstag seines Bestehens. Noch immer ist die Si-
herheit dieses Staates bedroht. Die Führung des Iran
tellt das Existenzrecht Israels in unerträglicher Weise
nfrage. Insbesondere das Nuklearprogramm gibt Anlass
u großer Sorge. Deshalb setzen wir uns mit diplomati-
chen Mitteln für ein Einlenken des Iran ein. Das heißt:
ei Nichtkooperation des Iran sind weitere und schärfere
anktionen unausweichlich; bei Kooperation wiederum

iegen sehr gute Angebote für den Iran auf dem Tisch.
amit wir Erfolg haben, sind zwei Dinge unabdingbar:
ntschlossenheit und Geschlossenheit der internationa-

en Gemeinschaft. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Entschlossenheit und Geschlossenheit brauchen wir
uch bei einem anderen Konflikt, der in ganz besonderer
eise Europa betrifft, nämlich beim Kosovo. Die Euro-

äische Union hat in Bezug auf die Stabilität auf dem
estlichen Balkan eine ganz besondere Aufgabe. Die
eltgemeinschaft schaut an dieser Stelle auf uns. Daher
ar es richtig, dass wir noch einmal Verhandlungspro-

esse eingeleitet haben. Herr Ischinger hat nicht nur un-
eren Dank verdient, sondern auch unsere gesamte Un-
erstützung, alles zu versuchen, um hier zu einer
ernünftigen Lösung zu kommen. Ich möchte von dieser
telle aus noch einmal an die Vernunft aller Beteiligten
ppellieren, einen Weg zu gehen, der für die Stabilität in
esamteuropa verantwortlich ist.

Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen,
ass wir weiterhin den Einsatz der Bundeswehr inner-
alb der NATO-Mission im Kosovo brauchen. Wir wer-
en die rechtlichen Grundlagen dafür immer wieder ab-
hecken, sollten die Verhandlungsprozesse nicht so
rfolgreich sein, wie wir es uns erhoffen. Genauso wer-
en wir uns aber an einer zivilen europäischen Sicher-
eits- und Verteidigungsmission beteiligen, die das Poli-
ei- und Rechtswesen aufbaut.

Das heißt: Deutschland und die Europäische Union
aben hier allergrößte Verantwortung. Der Bundes-
ußenminister und ich werden in den kommenden Räten
lles dafür tun, um das, was wir auf dem westlichen Bal-
an schon geschafft haben, weiterzuentwickeln und zu
inem friedlichen Miteinander zu kommen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Diese drei Beispiele – Naher Osten, Iran und Kosovo –
eigen genauso wie die anderen Aktivitäten unserer Au-
enpolitik: Die Außen- und Sicherheitspolitik der Bun-






(A) )



(B) )


Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
desregierung ist immer auf Werten aufgebaut. Sie ist
wertebezogen. Deutsche Außenpolitik findet nicht im
luftleeren Raum statt. Deshalb gilt: Menschenrechtspoli-
tik und das Vertreten ökonomischer Interessen sind zwei
Seiten einer Medaille und dürfen niemals gegeneinander
gestellt werden.


(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)


Das ist auch und gerade die Grundlage dafür, dass wir
uns für faire Handelsbedingungen im Rahmen der Welt-
handelsorganisation einsetzen. Das ist die Grundlage da-
für, dass wir uns für den Schutz geistigen Eigentums ein-
setzen. Das ist die Grundlage dafür, dass wir auf dem
afrikanischen Kontinent insbesondere eine faire Roh-
stoffpolitik gegenüber den Ländern betreiben wollen, die
einen wirtschaftlichen Aufschwung brauchen. Das ist
auch die Grundlage, auf der wir eine Novelle zum
Außenwirtschaftsgesetz erarbeiten. Denn es heißt heute
in einer globalen Welt, sich auch um die Sicherung der
eigenen, kritischen Infrastruktur zu kümmern. Das ma-
chen die Vereinigten Staaten von Amerika. Das macht
Großbritannien. Das macht Frankreich. Warum soll
Deutschland dies nicht tun? Dies hat mit Protektionis-
mus nichts, aber auch gar nichts zu tun.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Auf dieser Grundlage haben wir durch unser gemein-
sames Engagement in der Koalition das Ansehen
Deutschlands in der Welt in den letzten zwei Jahren ge-
mehrt. Darauf können wir gemeinsam stolz sein.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Deutschland konnte sein Ansehen und sein Gewicht
auch deshalb mehren, weil wir wirtschaftliche Leis-
tungskraft wieder zurückgewonnen haben. Man sollte
sich keine Illusionen machen: Unsere internationale Re-
putation und die wirtschaftliche Lage Deutschlands hän-
gen für viele Menschen auf der Welt auf das Engste zu-
sammen. Das wird jetzt im Inland und im Ausland
bestätigt. Die deutsche Wirtschaft zieht die europäische
Wirtschaft wieder mit nach vorne. Wir sind aus der Rolle
des Letzten herausgekommen. Das Wirtschaftswachs-
tum lag im letzten Jahr bei 2,9 Prozent. Dieses Jahr kön-
nen wir 2,4 Prozent erwarten, nächstes Jahr um die
2 Prozent. Unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit
nimmt zu. Wir sind vom World Economic Forum von
Platz sieben auf Platz fünf hochgestuft worden. Das ist
das Ergebnis der Reformen. Das sind die Erfolge der
Unternehmen. Das sind in ganz besonderer Weise die Er-
gebnisse der Leistungen der Arbeitnehmerinnen und Ar-
beitnehmer, der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Nun wissen wir: Wachstum und Wettbewerbsfähig-
keit allein sind nicht alles. Es ist etwas anderes ganz
wichtig. Aus Wachstum entstehen wieder Arbeitsplätze.
1 Million zusätzliche Arbeitsplätze seit Amtsantritt die-
ser Regierung! 1 Million weniger Arbeitslose seit Amts-
antritt dieser Regierung! Weniger ältere Arbeitslose, we-
niger Langzeitarbeitslose, mehr junge Menschen, die

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(C (D ine Chance haben! Der Beschäftigungsaufbau geht das sagen auch die Unternehmen – 2008 weiter. Weni er Menschen müssen Angst um ihren Job haben. Das eißt, es passiert etwas, was wir in diesem Land brauhen, etwas, das man nicht in Euro und Cent berechnen ann: Der Aufschwung kommt bei den Menschen an, bei mmer mehr Menschen. Das ist eine gute Botschaft für eutschland. Die Zuversicht der Menschen ist gewachsen, eine Zuersicht, deren Grundlage natürlich mit jedem neuen Areitsplatz, mit jeder geglückten Wiedereingliederung in as Arbeitsleben verbreitert werden kann. Mit anderen orten: Die Politik dieser Bundesregierung wirkt. Sie irkt schon im dritten Jahr. Das heißt nicht, dass wir eichtfertig werden dürfen. Das heißt nicht, dass wir uns uf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen dürfen. Es gilt ür uns nur eine Devise: Wir müssen die Grundlagen des ufschwungs stärken, um mehr Menschen in diesem and Chancen zu geben, die sie allemal verdient haben. Dafür gibt es für uns in dieser Bundesregierung einen entralen Maßstab: Wir beschließen Maßnahmen, mit enen weitere Arbeitsplätze geschaffen werden, und unerlassen alles, was Arbeitsplätze gefährdet. Das ist der aßstab unseres Handelns. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Widerspruch bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


etzt werden Sie sagen, dass wir darum manchmal in
ieser Koalition ringen. Ja, das tun wir – das gebe ich
anz freimütig zu –, aber immer in dem Geist, dass wir
rbeitsplätze schaffen und alles verhindern wollen, was
rbeitsplätze kostet.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wir werden das fortsetzen, weil wir wissen, dass es
orgen gibt. Es gibt Fragen, ob die Verwerfungen auf
en internationalen Märkten auch unseren Aufschwung
n Gefahr bringen könnten. Die amerikanische Immo-
ilienkrise, der hohe Ölpreis, der starke Euro, steigende
ebensmittelpreise – das alles kennen wir. Wir können
icht versprechen, dass durch die Politik der Bundesre-
ierung diese Risiken nicht eintreten werden. Das wäre
nredlich. Aber ich bin von einem überzeugt, und das ist
ie gute Botschaft dieses Jahres: Wir haben genug Stärke
iedergewonnen, um die Herausforderungen, die vor
ns liegen, wirklich gut bewältigen zu können. Davon
ind wir überzeugt, und in diesem Geist machen wir
olitik.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


as bestimmt unsere Arbeit für Deutschland, die sich in
ünf Grundsätzen zusammenfassen lässt.

Erstens. Wir wollen die Grundlagen des Auf-
chwungs stärken. Das bedeutet: Sanierung der Staats-
inanzen. Was haben wir erreicht? Wir werden erstmals






(A) )



(B) )


Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
seit der Wiedervereinigung in etwa einen ausgegliche-
nen Staatshaushalt erreichen.


(Widerspruch bei der FDP)


Das Haushaltsdefizit des Bundes – ob es Ihnen passt
oder nicht – ist in den letzten zwei Jahren halbiert wor-
den. Die Maastricht-Kriterien werden seit 2006 wieder
eingehalten. An diesen Fakten lässt sich nicht vorbeire-
den. Sie sind da, sie sind gut, und sie sind richtig.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Nun gibt es Forderungen – die werden auch hier erho-
ben –, dass jeder zusätzliche Cent aus konjunkturbeding-
ten Mehreinnahmen in den Abbau der Verschuldung ge-
steckt werden sollte, unabhängig davon, ob das in den
kommenden Jahren durchzuhalten ist, unabhängig da-
von, ob der Staat dann noch Gestaltungsspielraum und
Investitionsmöglichkeiten hat. Ich sage freimütig: Genau
das machen wir nicht.


(Dr. Peter Struck [SPD]: Richtig!)


Stattdessen haben wir uns für einen langfristigen und
verlässlichen Abbaupfad entschieden, der zusätzlichen
Haushaltsspielraum lässt und wonach auf der Basis der
Steuerschätzungen zwei Drittel der Einnahmen in den
Schuldenabbau, aber ein Drittel in Investitionen für die
Zukunft gesteckt werden. Wir sind von diesem verläss-
lichen Abbaupfad überzeugt. Ich danke dem Finanzmi-
nister, ich danke den Haushältern, und ich danke den
Fraktionen für die Kooperation auf diesem Gebiet.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir haben dabei ein ganz klares Ziel vor Augen, nämlich
2011 einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zu erreichen.
Diesem Ziel fühlen wir uns verpflichtet.

Wir hören auch die Forderungen aus der Opposition,
wir sollten Steuern senken, kostet es, was es wolle.
Meistens fordern das die Gleichen, die vorher das Geld
schon einmal für die Senkung der Neuverschuldung ver-
plant haben.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Auch hier sagen wir: Wir machen eine verlässliche Steu-
erpolitik. Das spiegelt sich in zwei Maßnahmen wider,
die wir ergriffen haben: An der Erbschaftsteuer arbeiten
wir noch, die Unternehmensteuerreform ist verab-
schiedet. Wenn Sie sich den Haushalt für das Jahr 2008
anschauen, dann wissen Sie natürlich, dass sich die Ent-
lastungen für die Unternehmen in diesem Haushalt wi-
derspiegeln. Wir sind überzeugt davon, dass das richtig
ist, weil mehr Investitionen in Deutschland mehr Ar-
beitsplätze für unser Land schaffen. Deshalb haben wir
uns zu diesem Weg entschlossen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir wollen, dass Gewinne wieder stärker in Deutschland
versteuert werden, weil es attraktiver ist, sie hier statt im
Ausland zu versteuern. Aber was wir nicht versprechen
können – auch dazu haben wir uns ganz bewusst ent-
schlossen –, ist, dass wir alle Steuergestaltungs- und
Steuervermeidungsmodelle der Vergangenheit überleben

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(C (D assen. Das ist nicht im Interesse des Gemeinwohls. Desalb haben wir an einigen Stellen Bremsen eingezogen. Bei der Erarbeitung der Reform der Erbschaftsteuer jeder weiß, wie schwierig das nach dem Urteil des undesverfassungsgerichts geworden ist – wollen wir or allen Dingen die Nachfolge innerhalb eines Familiennternehmens erleichtern. Genau das werden wir in den eiteren Beratungen immer wieder deutlich machen. ir wollen sicherstellen, dass diejenigen, die das Rück rat der Wirtschaft in Deutschland sind – die kleineren nd mittelständischen Betriebe, die Familienunternehen, die oft über Jahre und Jahrzehnte in Deutschland hre Heimat haben –, in einer globalen Welt eine faire, ute Chance in diesem Lande haben und dieses Land icht verlassen müssen. Das ist unser Ziel, und das weren wir durchsetzen. Der zweite Grundsatz neben der Sanierung der Finanen heißt: Grundlagen für mehr Beschäftigung fortntwickeln und dadurch auch mehr Teilhabe für Menchen in diesem Land ermöglichen. Was haben wir rreicht? Mit 40 Millionen Erwerbstätigen, 40 Millionen enschen, die sich ihr Geld verdienen können, haben ir ein Rekordniveau erreicht. Ich habe es schon gesagt: ie über 55-Jährigen profitieren jetzt davon. Wir haben in Minus von 20 Prozent bei den älteren Arbeitslosen. ir kommen endlich wieder in die Situation, zu den esseren in Europa zu gehören. Es ist bei der Lebenserartung, die wir heute haben, doch kein Zustand – darüer sind wir uns hier auch alle einig –, dass Menschen ber 55 keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt beommen. Deshalb halte ich diese Botschaft für ganz ichtig. Was sind die Ratschläge? Es ist, wie es immer ist: Die inen sagen, wir könnten eigentlich alle Arbeitsmarktreormen zurücknehmen; denn die Wirkungen zeigen, dass ir auf dem richtigen Pfad sind. Die anderen sagen, die rbeitsmarktreformen seien gar keine echten Reformen; s müsste alles viel härter zugehen. Ich glaube, dass beies mit der Stimme der Vernunft wenig zu tun hat. Wir erden deshalb auch nichts von dem machen, sondern uch hier auf unserem Weg weitergehen. Ich will noch einmal daran erinnern, dass wir die rbeitslosenversicherungsbeiträge Schritt für Schritt esenkt haben. Anfang des Jahres 2008 werden sie sich nnerhalb von zwei Jahren halbiert haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


s ist nicht richtig, dass wir darüber die Solidität der
inanzen der Bundesagentur außer Acht gelassen hätten.
ir haben uns vorgenommen – wir haben das in Mese-

erg als Bundesregierung beschlossen und dafür in der
ittelfristigen Finanzplanung bis 2011 Vorsorge getrof-

en –, für die Bundesagentur Rückstellungen für die Al-
erslasten, die auch für eine Bundesagentur entstehen
davon ist früher nie die Rede gewesen –, zu bilden.






(A) )



(B) )


Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Wir sind froh darüber, dass wir zum ersten Mal sagen
können: Es gibt eine Trendwende bei den Lohnzusatz-
kosten nach unten. Wir schaffen es, unter 40 Prozent zu
kommen. Das ist eine gute Botschaft, die im Übrigen
zeigt, dass wir erreicht haben, was wir uns in dem Regie-
rungsprogramm vorgenommen haben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir folgen konsequent dem Prinzip von Fördern und
Fordern. Es hat eine breite Debatte über die Verlänge-
rung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I für Äl-
tere gegeben. Wir haben eine Einigung gefunden, die der
Tatsache Rechnung trägt, dass Ältere länger brauchen,
um auf dem Arbeitsmarkt wieder vermittelt zu werden.
Ältere erhalten die Chance, besser vermittelt zu werden,
indem wir Eingliederungszuschüsse gewähren, um je-
dem die Möglichkeit zu eröffnen, wieder einen Arbeits-
platz zu bekommen. Das, finde ich, ist die gute Botschaft
für die Älteren. Deshalb bin ich außerordentlich einver-
standen mit der Reform des Arbeitslosengeldes I.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir müssen in der Rentenpolitik so vorgehen, dass
wir wieder ein Reservepolster anlegen. Die Schwan-
kungsreserve, das heißt die Vorsorge, ist jetzt wieder bei
0,7 Monatsbeiträgen angelangt. Wir wollen sie bis auf
eineinhalb Monatsbeiträge aufbauen.

Ich sage ganz eindeutig: Wir stehen zu der Entschei-
dung bezüglich der Rente mit 67. Allen Experten, die
glauben, jeden Tag noch etwas Neues sagen zu müssen,
sage ich aber: Die Menschen haben mit uns Verlässlich-
keit für die Zukunft bekommen, was die Notwendigkeit
der Rente mit 67 anbelangt. Darüber hinaus gibt es keine
Verunsicherung durch diese Bundesregierung; auch das
ist wichtig.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir werden im nächsten Jahr die Aufgabe haben, die
beschlossene Gesundheitsreform so umzusetzen, dass
die Lohnzusatzkosten auch Ende des Jahres 2008 die
40 Prozent nicht übersteigen. Ich glaube, dass die Wett-
bewerbsfähigkeit der Krankenkassen im Rahmen dieser
Gesundheitsreform im Augenblick Schritt für Schritt
wächst.

Ich weiß, viele Menschen machen sich Sorgen: über
den eigenen Job, ob die Rente ausreicht oder ob wirklich
ein Ausbildungsplatz zur Verfügung steht. Genau des-
halb sagen wir: Arbeit ist die beste Form der Teilhabe;
Arbeit ist die beste Form der Chancengerechtigkeit.
Die Linie der Bundesregierung ist daher auch für das
nächste Jahr und das übernächste Jahr „Sanieren, Refor-
mieren, Investieren“. Das ist tatsächlich ein Dreiklang,
und zwar ein richtiger, mit dem wir voranschreiten wer-
den.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Der Aufschwung wird Schritt für Schritt in der Breite
immer mehr spürbar. Das Wachstum des dritten
Quartals 2007 ist zunehmend von der Binnennachfrage
getragen. Die Lohnzusatzkosten sinken, sodass trotz der

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(C (D rhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge der Durchchnittsverdiener im Jahr 2008 netto 270 Euro mehr in er Tasche haben wird. Das sind die ersten Erfolge der olitik der Bundesregierung nach der Sanierung des undeshaushalts. Ich will hier daran erinnern, womit wir begonnen haen: Wir haben mit einem strukturellen Defizit von 0 bis 60 Milliarden Euro begonnen. Faktisch war das efizit bei über 30 Milliarden Euro. Dass wir bei achstum, Beschäftigung und Haushaltssanierung heute o dastehen, wie wir dastehen, ist nur durch den Dreilang „Sanieren, Reformieren und Investieren“ möglich ewesen. Für all die, die dauernd davon reden, wie viel der taat eingreift, ist die wirklich „schlechte“ Nachricht die om Sinken der Staatsquote. Welche Zahl zeigt eigentich besser als die Staatsquote, wie viel Spielräume die ürgerinnen und Bürger wieder haben? Im Jahre 2005 ag die Staatsquote bei 46,9 Prozent. Im Jahre 2008 wird ie bei 43,3 Prozent liegen. Wer einen Vergleich zu den taatsquoten der anderen europäischen Länder zieht, der eiß, dass Deutschland damit gut dasteht und dass wir amit einen guten Platz haben. Das Sinken der Staatsuote bedeutet nichts anderes, als dass die Menschen ehr Freiräume haben für das, was in sie in ihrem Leben elber gestalten wollen. Wir werden den Weg für mehr Beschäftigung weiterehen. Wir wollen die Arbeitnehmerbeteiligung in Form es Investivlohns. Wir wollen die Sanierung der öffentlihen Gebäude voranbringen. Wir wollen die Förderung er haushaltsnahen Dienstleistungen vereinfachen und erbessern, weil wir gerade im Bereich der einfachen ätigkeiten Chancen für Arbeitssuchende sehen. Wir werden den Bürokratieabbau vorantreiben. Die undesregierung ist die erste, die jemals nach den Maß täben des Normenkontrollrats die Informationspflichten ystematisch erfasst hat: Es sind 10 900. Die Bundesreierung hat klar gesagt: Die Bürokratiekosten sollen um 5 Prozent sinken. Sie tritt dafür ein, dass sich derselbe rozess auf europäischer Ebene wiederholt. Wir, die undesregierung, haben uns vorgenommen, die Hälfte er Wegstrecke bis zur Erreichung dieses Ziels bis zum nde dieser Legislaturperiode zurückzulegen. Das ist achprüfbar, das ist messbar, das ist systematisch. Eine olche Form des Bürokratieabbaus hat es in Deutschland och nicht gegeben, und das ist ein Erfolg der Großen oalition. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Natürlich leitet uns die Frage: Wie bekommen wir
ehr Beschäftigung, aber auch Beschäftigung zu fairen
edingungen bei der Entlohnung? Damit meine ich
uch die Frage der Mindestlöhne und alles, was damit
usammenhängt.

Erstens. Bei der Post sehe ich nach wie vor Möglich-
eiten, zu einer Einigung zu kommen.






(A) )



(B) )


Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Zweitens. Obwohl wir unterschiedliche Auffassungen
haben, haben wir mit der Entscheidung, ein Mindestar-
beitsbedingungengesetz zu entwickeln und das Arbeit-
nehmer-Entsendegesetz im Frühjahr des nächsten Jahres
auszuweiten, die Weichen dahin gehend gestellt, dass
mehr faire Löhne gezahlt werden, ohne dass die Tarifau-
tonomie zerstört wird. Mehr Menschen wird die Chance
gegeben, eine Arbeit zu finden.

Unser Wohlstand lebt ganz wesentlich von der Inno-
vationskraft. Deshalb lautet unser dritter Grundsatz:
Wir wollen den Wohlstand von morgen durch Investitio-
nen in Forschung, in Bildung und in die Familien si-
chern. Der Etat der Forschungsministerin profitiert von
den hohen Wachstumsraten: plus 8 Prozent. Die Mittel
für die Projektförderung steigen sogar um 16 Prozent.
Wir haben uns nämlich entschlossen, durch den Bundes-
anteil dazu beizutragen, dass für Forschungs- und Ent-
wicklungsaufgaben Mittel in Höhe von 3 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung stehen. Wir geben
dabei nicht einfach mehr Geld in das System, sondern
haben eine Vielzahl neuer Instrumentarien entwickelt,
die wirklich dafür Sorge tragen, dass die Wirtschaft, ins-
besondere der Mittelstand, ihrer Verantwortung bei For-
schung und Entwicklung besser gerecht werden kann.
Deswegen ist die Wissenschaftsunion eine ganz wichtige
Initiative.

Meine Damen und Herren, die Exzellenzinitiative
hat in Deutschland auch im Hinblick auf den Zusam-
menschluss von Forschungseinrichtungen eine große
Bewegung gebracht. Eine schöne Botschaft, die ich ein-
fach mit einer Gratulation verbinde: Zwei Nobelpreise
für Physik und Chemie in diesem Jahr zeigen: In
Deutschland kann man Spitzenforschung – –


(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Das war auch die Regierung? Bravo!)


– Lieber Herr Westerwelle, das war natürlich nicht die
Regierung.


(Heiterkeit bei der CDU/CSU und der SPD)


Aber es zeigt doch, dass die Bedingungen dafür, in
Deutschland zu forschen, so sind, dass man auch als
Deutscher in Deutschland und nicht nur als Deutscher in
Amerika einen Nobelpreis bekommen kann. Das ist die
Wahrheit.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Es ist doch in keinem Interview mit den beiden Nobel-
preisträgern versäumt worden, dreimal nachzufragen,
wie oft sie schon darüber nachgedacht hätten, nach
Amerika oder sonst wohin zu gehen. Sie haben jedes
Mal erklärt, die Großforschungseinrichtungen in
Deutschland seien gut. Daran müssen Sie doch nicht
herummeckern; das haben Sie doch zum Teil mit gestal-
tet. Meine Güte, wirklich!


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir sind dabei nicht am Ende. Wir werden den nächs-
ten IT-Gipfel durchführen und für einen Spitzencluster-
wettbewerb sorgen. Vor allen Dingen werden wir – das
ist für die Akzeptanz von Forschung und Entwicklung

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(C (D ichtig – Leuchttürme aufbauen: Spitzenprojekte in den ereichen Klimaforschung, Energieeffizienz, Medizin nd Medizintechnik sowie Verkehrsleittechnik. Je besser die Rahmenbedingungen und Strukturen für eschäftigung werden, umso stärker macht sich ein eues Problem bemerkbar: Wie sieht es aus mit unseren achkräften, mit der Bildungssituation und mit der Auschöpfung dessen, was wir an menschlicher Kraft in unerer Gesellschaft haben? Deshalb wird auch in den Jahen 2008 und 2009 das Thema Bildung von ganz esonderer Bedeutung sein. Der Ausbildungspakt in dieem Jahr hat gewirkt. Ich bin deshalb auch dagegen, dass ir hier Zwangsabgaben miteinander vereinbaren. (Zuruf des Abg. Hüseyin-Kenan Aydin [DIE LINKE])


Mein Gott, wir wissen ja Bescheid.


(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


In diesem Jahr sind 60 000 neue Ausbildungsplätze
eschaffen worden; die Wirtschaft hat ihre Versprechun-
en erfüllt. Trotzdem gibt es noch ein riesiges Problem
us den vergangenen Jahren, weil junge Leute in soge-
annten Warteschleifen sind.


(Hüseyin-Kenan Aydin [DIE LINKE]: Aha!)


eshalb müssen wir uns überlegen – dies tun wir auch in
er Bundesregierung –,


(Zuruf von der LINKEN: Wann denn?)


ie wir genau diesen jungen Leuten helfen können; denn
s darf uns kein junger Mensch in diesem Lande verlo-
en gehen, zumal dann nicht, wenn wir anschließend
ieder über Fachkräftemangel sprechen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir wissen auch über den Zusammenhang von Inte-
ration und Ausbildung Bescheid. Wir wissen, was es
ür die Notwendigkeit der Integration und den Fachkräf-
ebedarf bedeutet, wenn heute in Großstädten die Hälfte
ller Kinder bei der Einschulung Kinder mit Migrations-
intergrund sind. Daher haben wir eine nationale Quali-
izierungsoffensive geschaffen, die wir Schritt für Schritt
eiter mit Leben erfüllen werden. Wir müssen und wer-
en auch mit den Ländern über die Schnittstellen zwi-
chen Bildungspolitik der Länder und Ausbildung spre-
hen; denn es kann nicht sein, dass 80 000 junge
enschen in Deutschland aus der Schule herauskommen

nd nicht in der Lage sind, anschließend eine Ausbil-
ung aufzunehmen, sodass es die erste Aufgabe der
undesagentur ist, aus Beitragsgeldern diese jungen
enschen zu qualifizieren. Auch hier werden wir für
eitere Fortschritte sorgen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir haben in die Familien investiert – das wird nie-
and bestreiten –: Elterngeld, Erhöhung der Kinderzu-

age in der Riester-Rente, um hier mehr Generationenge-
echtigkeit zu verwirklichen, wesentliche Schritte zum
usbau der Kinderbetreuung, Hilfe an die Bundesländer
ei einer Aufgabe, die wir als national wichtige Aufgabe






(A) )



(B) )


Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
qualifiziert haben. Aber wir wissen auch, dass uns das
Thema Kinderarmut nicht ruhen lassen kann. Wir wol-
len, dass niemand wegen der Kinder in die Bedürftigkeit
fällt; deshalb muss der Kinderzuschlag weiterentwickelt
werden.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Wegen der Kinder“?)


– Ja, wegen der Kinder nicht in die Bedürftigkeit fällt,
Frau Künast. So ist es. – Deshalb werden wir den Kin-
derzuschlag erhöhen und vereinfachen. Das Bundes-
finanzministerium wird im Jahre 2008 turnusmäßig den
Existenzminimumbericht vorlegen. Wir werden dann
aber nicht ein ganzes Jahr warten, um zu überlegen, was
wir zusätzlich für Familien tun können, sondern schnell
– im Herbst des Jahres 2008 – daraus die notwendigen
Schlussfolgerungen ziehen und handeln.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Meine Damen und Herren, wir haben es trotzdem mit
bedrückenden Zuständen zu tun, wenn wir an Kinder in
Deutschland denken. Der Todesfall der verhungerten
Lea-Sophie war ein letztes aufrüttelndes Beispiel. Ich
sage Ihnen an dieser Stelle ehrlich: Ich halte relativ we-
nig von diesen schnellen Schuldzuweisungen, wer an
welcher Stelle die Verantwortung trägt. Wir stehen vor
einer Situation, in der wir denen, die ihrer Erziehungs-
verantwortung nicht gerecht werden können, helfen
müssen, ohne gleich die gesamte Gesellschaft für un-
mündig zu erklären.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Um hier im föderalen System die richtigen Antworten zu
finden, bedarf es der Kraftanstrengung aller. Ich bitte da-
rum, keine schnelle, sondern die richtige Antwort zu fin-
den, um den Kindern in Deutschland wirklich zu helfen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)


Es gibt neben der mangelnden Fürsorge für jüngere
Menschen, für Kinder, noch etwas, das bedrückend ist.
Das ist die Vereinsamung und Vernachlässigung älterer
Menschen. Die Pflegereform versucht, auf diese Fragen
eine bessere Antwort zu geben, indem wir verstärkte
Prüfaufträge und Qualitätsberichte über Pflegeheime
einführen, die jeder einsehen kann und über die sich je-
der ein Urteil bilden kann, und Kontrollen ermöglichen,
bei denen nicht alles vorher angekündigt wird. Ich
glaube, das ist ein richtiger Schritt. Deshalb ist die Erhö-
hung der Beiträge zur Pflegeversicherung richtig, weil
die Pflegeversicherung Menschen in Not, Menschen im
Alter und Menschen, die diese Republik aufgebaut ha-
ben, hilft. Diesen Weg werden wir auch weitergehen. Ob
es Alzheimer, Demenzerkrankung oder vieles andere be-
trifft: Ich glaube, dass wir mit der Pflegeversicherung ei-
nen richtigen Schritt gegangen sind.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Unser vierter Grundsatz lautet, die Zukunft nicht zu
verbauen. Das hat etwas mit Klimaschutz und Energie-
politik zu tun, die unauflösbar zusammengehören. In
wenigen Tagen findet die Bali-Konferenz statt. Selbst

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(C (D ei kritischster Betrachtung müssen, glaube ich, alle in iesem Hause anerkennen, dass Deutschland beim Kliaschutz sowohl seine Hausaufgaben gemacht hat als uch seine internationalen Aufgaben im Rahmen von 8 und der EU-Präsidentschaft erledigt hat und wir bei iesem Menschheitsthema ein Riesenstück vorangekomen sind. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Der Bundesumweltminister wird mit einem Maßnah-
enpaket für nationale Vorhaben, das wir nächste Wo-

he im Kabinett beschließen werden, nach Bali reisen.
ch will daran erinnern – man kann das heute nachlesen –,
ass Deutschland seinen Verpflichtungen aus dem
ioto-Abkommen nach allen Voraussagen bis 2012
achkommen wird. Die Europäische Union ist noch weit
avon entfernt, das zu tun. Ich kann uns nur alle auffor-
ern, in der Europäischen Union diese Diskussion ver-
tärkt zu führen. Denn unsere Vorreiterrolle europäi-
cherseits wird in vielfacher Weise infrage gestellt
erden, wenn wir unsere eigenen Verpflichtungen aus
ioto in Europa nicht erfüllen. Deshalb wird das auch

ine schwierige Diskussion innerhalb der Europäischen
nion werden.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen vor uns, so-
ohl auf der europäischen als auch auf der deutschen
bene. Ich glaube, wir müssen es schaffen – auch darum
ird die Diskussion gehen –, die Nachhaltigkeit zu unse-

em Leitprinzip zu erklären, das heißt Wirtschaftlichkeit,
oziale Verträglichkeit und Umweltschutz immer wieder
n einen vernünftigen Einklang zu bringen. Darüber wird
s im Einzelfall sicherlich auch Diskussionen geben;
ber diesen Pfad der Nachhaltigkeit als den Grundpfad
nserer Politik anzulegen, halte ich für die richtige Wei-
henstellung für die Zukunft.

Steigende Preise bei Öl, Gas und Strom versprechen,
ie Klimadebatte wieder lebendiger zu machen. Ich sage
n dieser Stelle – weil dazu manches geäußert wird –:
trom und Energie sind nicht zu billig. Die Menschen im
ande leiden zum Teil darunter. Unsere Ansage muss
ein: mehr Energieeffizienz, mehr Energiesparen, Ver-
rauch senken. Aber wir müssen auch aufpassen, dass
ir einen vernünftigen Pfad der Energie finden, auch für
nsere nationale Energieversorgung. Ich will nicht ver-
ehlen, dass ich mit einer gewissen Sorge verfolge, wel-
he Formen der Energieversorgung jetzt allesamt auf
en Prüfstand kommen. Wenn wir keine Kohlekraft-
erke mehr wollen und zudem die Kernkraftwerke ab-

chalten wollen, was nicht meine Position ist – das ist
ekannt –, dann sehe ich doch erhebliche Probleme für
ie Zukunft der Energieversorgung in Deutschland. Ich
uss ganz ehrlich sagen: Mit mir wird es nicht dazu

ommen, dass man überall in Europa Kohlekraftwerke
aut, in Deutschland die Kernkraftwerke abschaltet und
ich anschließend wundert, dass wir kein Energieerzeu-
erland mehr sind.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)







(A) )



(B) )


Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
Wir müssen also die globale Herausforderung sehen.
Das Klimathema ist ein globales Thema. Das entscheidet
sich nicht an der Frage, ob in Saarbrücken oder in Lub-
min ein Kohlekraftwerk steht oder nicht, sondern daran,
dass wir international, global zu Reduktionen kommen,
den Verbrauch senken und die Effizienz steigern. Das
muss der Maßstab des Handelns sein.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Meine Damen und Herren, am Thema Klima sehen
Sie exemplarisch wie wahrscheinlich an keinem anderen
Thema, dass große Herausforderungen der Menschheit
heute nicht mehr dadurch zu lösen sind, dass wir Innen-
und Außenpolitik als zwei völlig getrennte Bereiche der
Politik behandeln. Vielmehr gehört beides zusammen.
Die Frage, wie das geistige Eigentum international ge-
schützt wird, und die Frage, wie sich auch die Schwel-
lenländer in die Problematik des Klimawandels einklin-
ken und Verantwortung übernehmen, sind genauso
wichtig, und an deren Lösung muss genauso viel gear-
beitet werden wie für die Frage, wie wir effiziente Autos
bauen und vernünftige Gebäudesanierung durchführen.

Dies erleben wir nicht nur bei dem Thema Klima und
im gesamten Bereich der klassischen Außenpolitik, son-
dern natürlich auch bei der gesamten Sicherheitspolitik,
bei der Herausforderung des internationalen Terrorismus
und bei der Frage, wie wir ihn in unserem Lande be-
kämpfen. Deshalb kommen auch hier internationale Ko-
operation mit unseren Partnern in der Welt zum Tragen,
die Öffnung Europas – ich erinnere nur daran, dass jetzt
die Grenzübergänge im Rahmen des Schengen-Abkom-
mens auch in Richtung Mittel- und Osteuropa geöffnet
werden – und eine vernünftige Terrorismusbekämpfung
in Deutschland, zu der natürlich auch das Projekt der
Onlinedurchsuchung in unserem Regierungsprogramm
hinzukommt.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Deshalb heißt der fünfte Grundsatz: Innen- und Au-
ßenpolitik sind nicht mehr zu trennen, sondern sie wach-
sen zusammen, und dies macht unsere Politik aus.

Meine Damen und Herren, nach zwei Jahren können
wir sagen: Der Dreiklang von „Investieren, Sanieren,
Reformieren“


(Jürgen Koppelin [FDP]: Und Abkassieren!)


hat sich bewährt. Weil er sich bewährt hat, bleibt er auch
die Richtschnur der nächsten zwei Jahre unserer Arbeit.
Wir wissen: Nichts von dem, was wir erreicht haben, ist
selbstverständlich. Millionen Menschen auf der Welt ste-
hen jeden Morgen auf und überlegen für sich und ihre
Länder, wie sie ihren Wohlstand verbessern können.
Deshalb wäre es die falsche Antwort – wir können auf
die entsprechenden Fragen auch gar nicht mehr allein als
Deutschland eine Antwort geben –, die Hände in den
Schoß zu legen. Dies ist uns bewusst, aber bewusst ist
uns vor allen Dingen, dass diese Große Koalition einen
Auftrag hat, den Menschen in Deutschland in diesem
globalen Wettbewerb eine gute Perspektive zu geben.
Deshalb werden wir unsere Arbeit fortsetzen: entschlos-
sen, geschlossen, gemeinsam ringend um die richtigen

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(C (D ntworten, ja, ringend um die richtigen Antworten, aber it der Entschlossenheit, für dieses Land etwas zu tun. Herzlichen Dank. (Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU – Beifall bei der SPD)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612900400

Nächster Redner ist Dr. Gregor Gysi, Fraktion Die

inke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612900500

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zuerst

urften wir hier Herrn Brüderle hören. Nur mit zwei Sät-
en von ihm will ich mich auseinandersetzen. Sie haben
um einen der Union unterstellt, auch demokratisch-so-
ialistisch zu sein. Ich glaube, es hilft nichts: Ich muss
hnen irgendwann einmal erklären, was demokratischer
ozialismus ist.


(Beifall bei der LINKEN – Lachen bei der FDP – Volker Kauder [CDU/CSU]: Aber nicht heute!)


Nicht heute, Herr Kauder; Sie können ganz beruhigt
ein.

Zum anderen haben Sie gesagt, es gebe glücklicher-
eise eine Partei in diesem Hause, die ihren wirtschaftli-

hen Sachverstand nicht an der Garderobe abgegeben
at. Das stimmt: Das ist die Linke. Diesem Satz wollte
ch ausdrücklich zustimmen.


(Beifall bei der LINKEN – Lachen bei der CDU/CSU und der FDP – Volker Kauder [CDU/CSU]: Wir sind aber nicht im Deutschen Theater!)


Ich wusste, dass Sie sich freuen. Ich wollte Ihnen am
nfang eine kleine Freude machen. Aber jetzt wird es

nders.


Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612900600

Herr Kollege Gysi, jetzt haben Sie zwei Ankündigun-

en gemacht, die Sie im Rahmen Ihrer Redezeit nicht
erden abarbeiten können. Darauf mache ich vorsichts-
alber aufmerksam.


(Heiterkeit bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)



Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612900700

Aber ich bitte darum, dass Sie Ihre Zwischenbemer-

ung nicht auf meine Redezeit anrechnen.


(Heiterkeit und Beifall bei der LINKEN)


Frau Bundeskanzlerin, kommen wir einmal zur Außen-
olitik. Sie stören sich zum Teil daran, wie China versucht,
eltmacht zu werden, und Russland versucht, wieder Welt-
acht zu werden. Sie vergessen nur, darauf hinzuweisen,

ass der Westen, und zwar in Form der USA, Großbritanni-
ns, Frankreichs, Deutschlands und anderer Länder, seinen
nteil daran hat. Ich erinnere mich noch sehr gut an die De-
atten, die wir im Bundestag geführt haben, als man






(A) )



(B) )


Dr. Gregor Gysi
meinte, Bomben auf Belgrad werfen zu müssen, um Men-
schenrechte herzustellen.


(Widerspruch bei der SPD)


– Ich weiß, Sie wollen davon nichts hören.


(Beifall bei der LINKEN)


Herr Scharping sagte, er werde sich davon nicht durch
ein Veto Chinas abhalten lassen. Verstehen Sie, was das
Problem ist? Jelzin wollte das nicht. Der Premierminis-
ter musste mit seinem Flugzeug umkehren, weil ihn kei-
ner zum Gespräch empfing. Was war denn die Schluss-
folgerung der beiden Führungen? Die Schlussfolgerung
war eben nicht: Wir ziehen uns bescheiden zurück. Die
Schlussfolgerung war vielmehr: Unser Nein oder unser
Ja hat nur dann eine Relevanz, wenn dahinter auch
Macht steht, nämlich Weltmacht. – Mit dieser Politik ha-
ben wir es jetzt zu tun.


(Beifall bei der LINKEN)


Daran hat doch Deutschland seinen Anteil; das können
wir doch nicht leugnen.

Nehmen wir die Kriegspolitik; Sie haben dazu kaum
etwas gesagt. Ich sage es noch einmal: Sie werden Terro-
rismus nicht wirksam mit Krieg bekämpfen können.
Krieg erzeugt immer neuen Hass und damit neue Bereit-
schaft zum Terrorismus.


(Beifall bei der LINKEN)


Wenn man sich im Übrigen den Irak, Afghanistan und
vor allen Dingen die Drohung der USA in Bezug auf den
Iran ansieht, dann weiß man: Es geht immer auch um
Ressourcen. Es geht um Erdöl und Erdgas. Als ob wir
seit Jahrhunderten nichts dazugelernt hätten! Immer wie-
der Kriege aus wirtschaftlichen Gründen!


(Beifall bei der LINKEN)


Eine weitere Sache. Ich bin wirklich sehr für Frauen-
rechte und froh darüber, dass sich in Afghanistan etwas
verbessert. Aber ich nehme Ihnen Ihre Ehrlichkeit dies-
bezüglich nicht ab vor dem Hintergrund, dass der König
von Saudi-Arabien hier ist und Sie zu den Frauenrechten
kein einziges öffentliches Wort sagen.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Dann geht es mir darum, dass die Schweiz jetzt gesagt
hat, sie ziehe ihre Soldaten aus Afghanistan ab. Es gibt
drei Felder – das muss ich Ihnen einmal sagen –, auf de-
nen wir von der Schweiz lernen können. Erstens müssen
dort alle mit einem Erwerbseinkommen Beiträge – dies
bezogen auf ihr vollständiges Einkommen – in die Ren-
tenversicherung einzahlen. Zweitens kennt man in der
Schweiz Volksentscheide, und drittens zieht sie ihre Sol-
daten ab, weil sie sagt: ISAF dient nicht mehr der Frie-
denssicherung. – In dieser Hinsicht könnte Deutschland
etwas schweizerischer werden.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


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(C (D Dann zu den Menschenrechten. Frau Bundeskanzlein, da hatte ich bei Ihnen wirklich auf eine Änderung ehofft. Man kann ja unterschiedliche Wege gehen. chröder, Schmidt und andere haben immer gesagt: Wir ischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten ande er Staaten ein, vielleicht in internen Gesprächen, aber icht öffentlich. – Das ist der eine Weg. Sie haben in Russland etwas anderes gemacht. Sie haen mit China etwas anderes gemacht. Ein anderer Weg st, dass man sagt: Ich spreche das öffentlich an, auch enn Putin dabei ist. – Das kann man machen, Frau undeskanzlerin. Aber nun hatte ich gehofft, dass Sie icht einseitig sind, und habe darauf gewartet, was Sie uf der Ranch von Bush sagen. Da haben Sie öffentlich ichts gesagt, kein Wort zu Guantánamo. (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])



Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1612900800
Guantánamo ist
ine schwere Menschenrechtsverletzung. Da sitzen
enschen seit Jahren. Sie wissen nicht, wie lange noch.

ie haben keine Verteidiger. Es gibt für sie kein Recht.
ie sind rechtlos. Das ist überhaupt nicht hinnehmbar.
ie werden weder als Kriegsgefangene noch als Be-
chuldigte behandelt.

Der Höhepunkt waren – das muss ich Ihnen sagen –
eheimgefängnisse der CIA in Osteuropa. Sie müssen

ich das einmal vorstellen: Da sitzen Menschen, die gar
icht wissen, wo sie sind. Sie können keine Briefe an
ngehörige schicken. Es gibt keinen Verteidiger, keinen

uständigen Richter und keinen zuständigen Staatsan-
alt. Sie wissen nicht, ob sie dort ihr Leben lang oder
ur kurze Zeit einsitzen. Sie wissen gar nichts. Hätte ein
ntergegangener Staat so etwas gehabt, wir hätten ganze
ommissionen und Komitees gebildet, um das auszu-
erten, und Sie sagen dazu auf der Ranch nicht ein
örtchen. Das ist nicht hinnehmbar.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Das ist die Einseitigkeit, wie ich sie seit Jahrzehnten
enne. Beim Gegenüber stellt man immer Menschen-
echtsverletzungen fest, und bei Freunden schweigt man
azu. Das ist keine Lösung des Problems. Das ist ein in-
trumentelles Verhältnis zu Menschenrechten.


(Beifall bei der LINKEN)


Aber kommen wir zur Innenpolitik. Frau Bundes-
anzlerin, Sie haben den schönen Satz gesagt: „Der Auf-
chwung kommt bei den Menschen an, bei immer mehr
enschen.“ Offenbar haben Sie nur Kontakt zu

0 Prozent der Menschen


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos] – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das ist ja Blödsinn!)


nd zu 90 Prozent der Menschen nicht. Was glauben Sie,
as die Rentnerinnen und Rentner denken, wenn sie hö-

en, dass der Aufschwung bei ihnen ankommt? Wir hat-
en gerade eine Rentensteigerung von 0,5 Prozent und
ine Inflation von 3 Prozent. Das macht ein Minus von






(A) )



(B) )


Dr. Gregor Gysi
2,5 Prozent. Da sind die Rentnerinnen und Rentner aber
begeistert von dem Aufschwung!


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Sie haben auch einen Satz aufgegriffen, den ich schon
von Herrn Kauder kannte. Er hat in der Sendung Hart,
aber fair gesagt: Sozial ist alles, was Arbeit schafft, und
unsozial ist alles, was Arbeit vernichtet. – Sie machen
sich das viel zu einfach. Es gibt auch Arbeit in Unwürde.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Die ist nicht sozial. Wir brauchen gute Arbeit, wir brau-
chen Arbeit in Würde. Das ist ein großer Unterschied.

Ich will Ihnen einmal sagen, bei wem alles der Auf-
schwung nicht ankommt. Fangen wir einmal mit der
Vermögensverteilung in Deutschland an, bei der die
Ungleichheit übrigens unter Ihrer Verantwortung, Frau
Bundeskanzlerin, noch zugenommen hat. 10 Prozent der
Bevölkerung in Deutschland besitzen zwei Drittel des
Vermögens, und zwei Drittel der Bevölkerung besitzen
kein Vermögen. Das waren einmal weniger. Der Reich-
tum hat zugenommen, und die Armut hat zugenommen.
Wir sind von sozialer Gerechtigkeit weiter entfernt als
zu Beginn Ihrer Koalition. Das ist die Wahrheit.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


2,6 Millionen Kinder leben in Armut. Sie haben kei-
nen Satz dazu gesagt, was Sie dagegen tun wollen.
7,4 Millionen Menschen in Deutschland leben – entwe-
der ausschließlich oder zusätzlich – von ALG II. Die
merken nichts von dem Aufschwung, gar nichts. Darun-
ter sind 1,3 Millionen Aufstocker. Deren Zahl hat zuge-
nommen. Das muss man sich einmal überlegen – Herr
Kauder, Sie sagen, das sei sozial –: Aufstocker sind
Leute, die einen Vollzeitjob haben, aber von dem Lohn
nicht leben können.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Aufstocker arbeiten nicht Vollzeit! Das wissen Sie, Herr Gysi!)


Deshalb müssen sie zusätzlich Sozialleistungen beantra-
gen.

Das ist überhaupt der Gipfel. Sie sagen immer: weni-
ger Staat, mehr Markt. Aber die Risiken der Marktwirt-
schaft soll der Staat tragen.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler müssen Steuern
bezahlen, damit wir die Löhne wieder aufstocken. Das
wollen Sie auch noch vertiefen; Sie wollen ja den Kom-
bilohn erst richtig einführen. Ich kann nur sagen: Das ist
unserer Meinung nach ein völlig falscher Weg.

Den gesetzlichen Mindestlohn lehnen Sie ab. Der
würde das beseitigen. Dann wäre klar, was mindestens
gezahlt werden muss. Dann gäbe es keine Aufstocker
mehr, und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler müss-
ten nicht zusätzlich Mittel zur Verfügung stellen. Aber
das machen Sie nicht, obwohl der Mindestlohn so wich-

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(C (D ig wäre. Sie führen ihn nicht einmal bei den Briefzustelerinnen und Briefzustellern ein. Wir haben dafür noch ine Woche im Dezember Zeit; ich bin sehr gespannt, ob ie in dieser Zeit eine Lösung finden. Sie haben nichts gegen den Verdacht unternommen, rau Bundeskanzlerin, dass die beiden Konkurrenzkonerne, die gerne viel Geld verdienen und an denen Spriner beteiligt ist, bei Ihnen vorstellig wurden und gesagt aben, sie wollten den Mindestlohn nicht. Nun muss ich pringer einmal verteidigen. Ich verstehe ja, dass sie mit illiglöhnen eine hohe Rendite erzielen wollen. Ich ver tehe sogar, dass sie Sie anrufen und sagen, dass sie das erne weiterhin verdienen wollen. Das Einzige, was ich icht verstehe, ist, dass Sie nicht den Mut und die Kraft aben, zu sagen: Das ist ganz nett, aber wir machen das icht; wir werden den gesetzlichen Mindestlohn für die riefzustellerinnen und Briefzusteller einführen. (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


as ist das Problem, mit dem wir es zu tun haben.

Zum Kombilohn sagt selbst der Vorstand der Bun-
esagentur für Arbeit, dass er lieber einen gesetzlichen
indestlohn hätte als die Lohndrückerei über Kombi-

öhne. Jeder kann sich vorstellen, was in unserer Wirt-
chaft passiert, wenn Sie per Gesetz regeln, dass Sie den
est sowieso immer draufzahlen. Dafür haben wir ja die
teuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Auch die 6,6 Millionen Menschen in Minijobs mer-
en übrigens nichts von Ihrem Aufschwung. Deren Zahl
at ebenfalls zugenommen. Außerdem sind inzwischen
00 000 Menschen in Leiharbeit. Ich sage Ihnen noch
inmal: Das ist eine moderne Form der Sklaverei.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


s geht nicht an, dass man zwischen einem Drittel und
er Hälfte von dem verdient, was andere für dieselbe Ar-
eit verdienen. Ebenso geht es nicht an, dass die Stamm-
elegschaften schrittweise ausgewechselt werden, weil
ie über die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter unter
ruck gesetzt werden.


(Zuruf von der CDU/CSU)


Wir können ja gerne zu mehr sozialer Gerechtigkeit
ommen: Für die ALG-II-Empfänger haben wir einen
eihnachtszuschlag beantragt. Aber die christliche Par-

ei sagt natürlich Nein zum Weihnachtszuschlag. Am
4. Dezember werden Sie aber schwülstige Reden hal-
en. Sie hätten Ja sagen müssen zum Weihnachtszu-
chlag für ALG-II-Empfänger.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Die Regelsatzerhöhung haben Sie abgelehnt. Die In-
lationsrate beträgt 3 Prozent, Sie erhöhen aber trotzdem
icht den ALG-II-Regelsatz. Die Kindergelderhöhung
aben Sie verschoben. Frau Bundeskanzlerin, Sie haben
ier die Entscheidung für das Elterngeld und Frau von
er Leyen gewürdigt. Ich muss Ihnen einmal sagen, was
a Übles passiert ist: Die Ärmeren bekamen zwei Jahre






(A) )



(B) )


Dr. Gregor Gysi
lang 300 Euro Erziehungsgeld pro Monat. Die Bezugs-
dauer haben Sie jetzt halbiert. Sie haben dafür gesorgt,
dass sie nur ein Jahr lang Elterngeld erhalten. Dafür er-
halten die Besserverdienenden bis zu 1 800 Euro Eltern-
geld pro Monat. Ich sage Ihnen: Das ist die direkteste
Umverteilung von Arm zu Reich, die hier je beschlossen
worden ist.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Über die Hälfte derjenigen, die Elterngeld beziehen, er-
halten nur 300 Euro. Die Bezugsdauer ist aber um zwölf
Monate verkürzt worden. Das hat mit sozialer Gerech-
tigkeit wirklich überhaupt nichts zu tun.

Zu den Rentnerinnen und Rentnern – ich habe sie
ja schon angesprochen –: Sie haben die Formel verän-
dert. Es gibt keine Beteiligung der Rentnerinnen und
Rentner an der Produktivitätsentwicklung mehr. Auch an
der Lohnentwicklung sind sie kaum noch beteiligt. Wir
haben Nullrunde für Nullrunde gehabt. Real sind das im-
mer Minusrunden, weil es immer Beitrags- und Preis-
steigerungen gab. Auch in diesem Jahr hatten wir letzt-
lich eine Minusrunde, nichts anderes – das ist doch ganz
klar –, weil die Preise viel stärker steigen als die Renten.
Es geht den Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland
– das sind Millionen Menschen – wieder schlechter. Das
ist die Wahrheit. Und es wird ihnen auch im nächsten
Jahr nicht besser gehen.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Dann haben Sie noch beschlossen, das Renteneintritts-
alter auf 67 Jahre zu erhöhen. Frau Bundeskanzlerin, das
ist doch nichts anderes als eine Rentenkürzung. Sie wol-
len einfach zwei Jahre lang keine Rente zahlen. Das ist
alles, was dahintersteckt.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Die SPD hat da mitgemacht.

Kommen wir nun zur Zwangsverrentung. Frau Bun-
deskanzlerin, ich appelliere noch einmal an Sie: Wir ha-
ben in diesem Jahr noch eine Sitzungswoche. Wir kön-
nen da noch etwas machen. Ich will das so seicht wie
möglich machen.


(Joachim Poß [SPD]: „Seicht“ war schon sehr richtig! Von Ihnen kommt sehr viel Seichtes!)


Diese Zwangsverrentung ist wirklich nicht hinnehmbar.
Jährlich sollen 120 000 bis 150 000 Menschen zwangs-
verrentet werden. Diesen Menschen nimmt man die Ent-
scheidungsfreiheit. Einem älteren Menschen von bei-
spielsweise 60 Jahren, der ALG II erhält, sagen Sie: Du
darfst nicht länger ALG II beziehen. Du musst in Früh-
rente gehen, und zwar mit Abzügen, die dein Leben lang
gelten. – Ich halte das für grundgesetzwidrig.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Ich habe die Auswirkungen an einem Beispiel ausge-
rechnet: Nehmen wir einen Durchschnittsverdiener, der

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(C (D 0 Berufsjahre hinter sich hat. Er hätte Anspruch auf ine Rente von 1 051 Euro. Wenn Sie ihn, weil er areitslos ist, jetzt zu einer Frühverrentung zwingen und er höchste denkbare Abzug von 18 Prozent greift – das ntspricht einem Abzug von 190 Euro –, bekommt er tatt 1 051 Euro nur 861 Euro Rente, und zwar auch, enn er 88 oder 89 Jahre alt ist. Wenn Sie mit einer ente in dieser Größenordnung leben müssten, wüssten ie, dass das ein Verlust ist, der einfach nicht hinnehmar ist. Den Menschen jede Entscheidungsfreiheit zu ehmen, halte ich wirklich für indiskutabel. (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Ich appelliere noch einmal an Sie: Es gibt noch eine
itzungswoche in diesem Jahr. Lassen Sie uns hier eine
ösung finden. Wir sind diesbezüglich für eine nament-

iche Abstimmung. Die Sozialdemokratinnen und So-
ialdemokraten können bei diesem Thema nicht mit der
oalitionsdisziplin kommen. Sie müssen dann jährlich
20 000 bis 150 000 Leuten erklären, warum Sie mit da-
ür gesorgt haben, dass sie zwangsverrentet werden.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Noch eine Anmerkung, die das Thema Rente betrifft:
chröder hat ja noch die Riester-Rente eingeführt. Mit
er Riester-Rente hat man der Wirtschaft im Grunde ge-
agt: Ihr braucht nicht mehr mitzubezahlen. Die Arbeit-
ehmerinnen und Arbeitnehmer müssen das alles alleine
ezahlen.


(Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD]: So einen Schwachsinn habe ich lange nicht gehört!)


Moment. – Das ist doch ein großes Geschäft für die
rivaten Versicherungen. Die privaten Versicherungen
aben sich doch als dankbar erwiesen.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


ie Allianz-Versicherung hat im Juli 2007 an die CSU
0 001 Euro gespendet, an die CDU 60 001 Euro ge-
pendet, an die SPD 60 001 Euro gespendet und – man
öre und staune – an die Grünen 60 001 Euro gespendet.
err Westerwelle, was Sie falsch gemacht haben, weiß

ch nicht.


(Heiterkeit bei der LINKEN)


ie haben nur 50 001 Euro bekommen. Die Strafe von
0 000 Euro habe ich nicht verstanden. Meine Partei hat
ar nichts bekommen.


(Zurufe: Oh!)


ch muss Ihnen sagen: Ich bin froh, dass es noch eine
icht von der Allianz gesponserte Partei im Deutschen
undestag gibt.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos] – Volker Kauder [CDU/CSU]: Ihr habt das Vermögen von der alten SED übernommen!)







(A) )



(B) )


Dr. Gregor Gysi
Nun kommen wir zu den Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmern. Der Aufschwung soll ja so stark sein.
Nehmen wir einmal das Pro-Kopf-Einkommen. Ich habe
wirklich gestaunt, als ich die neue OECD-Statistik gele-
sen habe. Es ist interessant, so etwas zu lesen. Nach die-
ser neuen OECD-Statistik ist es so, dass wir in Deutsch-
land im Vergleich der 15 alten EU-Mitgliedsländer beim
Pro-Kopf-Einkommen auf Platz 11 liegen. Die OECD
sagt: Im nächsten Jahr überholt uns Spanien; dann liegen
wir auf Platz 12. Darauf sind Sie stolz, Frau Bundes-
kanzlerin? Das ist wirklich kein Grund, stolz zu sein.


(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)


Die UNO hat gestern eine neue Statistik herausge-
bracht, in der sie feststellt: Wir sind hinsichtlich der Le-
bensqualität um einen Platz nach hinten gerutscht. Wir
sind jetzt auf Platz 22. Im Durchschnitt ist die Lebens-
qualität in Italien, Spanien und den USA höher als in
Deutschland. Das hat die UNO festgestellt, nicht die
Linke. Verstehen Sie? Sie reden hier, als ob in Deutsch-
land alles blühend sei. Davon kann doch gar keine Rede
sein!


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos] – Zurufe von der FDP)


Wir hatten in den letzten zehn Jahren – daran waren
übrigens auch Sie beteiligt; seien Sie von der FDP ein-
mal nicht so laut – in Deutschland einen Reallohnverlust
von 6 Prozent. In denselben Jahren gab es eine Reallohn-
steigerung in Frankreich von 10 Prozent, in den USA
von 23 Prozent, in Großbritannien von 24 Prozent und in
Schweden von 29 Prozent. Daher resultiert doch unser
Abstieg im internationalen Vergleich.

Bei uns boomt nur die Exportwirtschaft, nicht die
Binnenwirtschaft. Denn die Kaufkraft ist nicht gestie-
gen. Was passiert jetzt? Jetzt erleben wir den Verfall des
Dollars. Damit kommt die Exportwirtschaft wieder ins
Schlingern. Sie haben binnenwirtschaftlich nichts vorbe-
reitet, um dafür einen Ausgleich zu haben.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Jetzt sage ich Ihnen – da werden Sie sich wundern –:
Nicht nur für die armen Schichten in Deutschland be-
steht eine große Gefahr, sondern auch für die Mittel-
schicht. Sie zerstören die Schicht der durchschnittlich
Verdienenden, Sie zerstören die Mittelschicht. Ich nenne
Ihnen dafür zwei Beispiele. Das eine Beispiel ist: Sie
wissen, Sie haben den Spitzensteuersatz der Einkom-
mensteuer von 53 auf 42 Prozent gesenkt. Das kostet uns
übrigens jährlich 11 Milliarden Euro. Das sage ich, da-
mit die Leute einmal wissen, auf wie viel Geld Sie da
verzichtet haben. Aber okay, das haben Sie gemacht. Sie
haben die Steuer beim Einkommen allerdings nicht li-
near gestaltet, sondern es gibt einen sogenannten Steuer-
bauch. Das heißt, dass die durchschnittlich Verdienenden
stärker in Anspruch genommen werden, weil Sie bei den
Bestverdienenden nachgelassen haben. Damit zerstören
Sie sozusagen die Schicht der Normalverdienenden, die
Mittelschicht.

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(C (D Ich komme zum zweiten Beispiel. Das betrifft die eiträge zur Sozialversicherung, und zwar aus folgenem Grund: Sie alle haben eine Beitragsbemessungsrenze beschlossen und gesagt: Für ein höheres Einkomen muss man nicht mehr einzahlen. Wenn Sie sagen, ür ein höheres Einkommen müsse man nicht mehr einahlen, dann müssen Sie beim Normalverdienst den Proentsatz erhöhen, damit das Geld reicht. Wieder trifft es ie durchschnittlich Verdienenden. Sie müssen auf ihr anzes Einkommen Beiträge zahlen, während die Bestnd Besserverdienenden nur auf einen Teil ihres Einommens Beiträge zahlen müssen. Ich kann Ihnen Punkt für Punkt belegen, wie Sie geade die durchschnittlich Verdienenden in Deutschland mmer stärker zur Kasse bitten. Auch das hat nicht nur ie Linke festgestellt, sondern die OECD hat jetzt geagt, dass die niedrigen und die durchschnittlichen Einommen in Deutschland im internationalen Vergleich bermäßig stark belastet sind, während die hohen Einommen im internationalen Vergleich stark entlastet ind. Das ist das Ergebnis der Politik von Union und PD. (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Was hat sich für die Ostdeutschen verbessert? Frau
undeskanzlerin, auch Sie sind Ostdeutsche. Gibt es ei-
en einzigen Schritt zur Angleichung der Renten, einen
inzigen Schritt zur Angleichung der Löhne und Gehäl-
er, einen einzigen Schritt zur Angleichung der Arbeits-
eiten? Es gibt ihn nicht. Die Transferleistungen sind
ereinbart; das ist okay. Aber davon müsste man – das
ill ich nicht machen; ich will es nur ansprechen – jetzt
ieder abrechnen, dass Sie bei den übrigen Fördertöpfen
en Osten immer benachteiligen,


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Blödsinn!)


um Beispiel bei Wissenschaft und Forschung und auf
nderen Gebieten.

Es gibt noch eine Schwäche. Sie machen nichts für
trukturschwache Regionen, ganz egal ob in Ost oder
est. Die Kommunen strukturschwacher Regionen

rauchen eine Investitionspauschale, damit sie eigene
irtschaftskreisläufe in Gang setzen können.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Kommen wir einmal zu den Steuern, weil darüber
mmer diskutiert wird. Uns wird Populismus vorgewor-
en. Dazu muss ich Ihnen etwas sagen. Die Körper-
chaftsteuer haben Sie allesamt von 45 Prozent auf in-
wischen ab 1. Januar 2008 15 Prozent gesenkt. Aber
ie vergessen immer, zu erwähnen, dass die Körper-
chaftsteuer in Großbritannien 30 Prozent, in Frankreich
3,3 Prozent und in den USA 35 Prozent beträgt.


(Peer Steinbrück, Bundesminister: Die zahlen auch keine Gewerbesteuer! – Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD]: Da gibt es auch keine Gewerbesteuer! Aber das weißt du nicht! Keine Ahnung!)







(A) )



(B) )


Dr. Gregor Gysi
Ich habe schon gesagt: Den Spitzensteuersatz haben
Sie von 53 auf 42 Prozent gesenkt.

Ich erwähne noch einmal, dass ein Unternehmen, das
etwas verkauft, eigentlich Steuern auf Veräußerungser-
löse zahlen muss. Der Bäckermeister muss heute das
Doppelte zahlen, die Deutsche Bank aber gar nichts
mehr. Diese Steuer haben Sie unter Schröder einfach ge-
strichen. Damals haben Sie von der Union gemeckert,
wieder eingeführt haben Sie diese Steuer aber nicht.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Es gibt in Deutschland keine Vermögensteuer, wie es
in anderen Ländern der Fall ist. Es gibt in Deutschland
keine Börsenumsatzsteuer, wie es in anderen Ländern
der Fall ist. Die deutsche Erbschaftsteuer ist lächerlich.
Da ich Beispiele liebe, habe ich einmal Folgendes be-
rechnen lassen: Auf ein Firmenvermögen von 4 Millio-
nen Euro zahlt man in Deutschland eine Erbschaftsteuer
von 168 000 Euro, in der Schweiz zahlt man
262 000 Euro, in Frankreich zahlt man 660 000 Euro, in
den Niederlanden zahlt man 1,2 Millionen Euro, und
– gleich fallen Sie wahrscheinlich um – in den USA
muss man darauf eine Erbschaftsteuer von umgerechnet
1,6 Millionen Euro zahlen. Unsere Erbschaftsteuer ist lä-
cherlich, aber Sie korrigieren daran so gut wie gar
nichts!


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos] – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Aha! Sie fordern also amerikanische Verhältnisse! Das ist ja interessant!)


Eine Steuer haben Sie allerdings erhöht – das muss
man Ihnen lassen –: die Mehrwertsteuer.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Diese neue Erkenntnis ist wirklich erstaunlich! Sie überraschen mich immer wieder!)


Die Mehrwertsteuererhöhung trifft wieder die durch-
schnittlich Verdienenden, sie trifft die Armen, sie trifft
die Rentnerinnen und Rentner, die Arbeitslosen usw.,
während es die anderen nicht weiter stört.

Nun komme ich auf das Thema Populismus zu spre-
chen.


(Lachen bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Ihre ganze Rede war eine populistische Inszenierung!)


– Für Sie ist soziale Gerechtigkeit populär, für mich
auch. Sie sollten allerdings einmal versuchen, für mehr
soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Das ist das Problem,
über das wir streiten.


(Beifall bei der LINKEN)


Ich möchte etwas zur durchschnittlichen Steuer- und
Abgabenquote in der EU sagen; ich beziehe mich also
nicht nur auf die Höhe der Steuern. Damit das niemand
vergisst: Diese durchschnittliche Quote, die auch die
Steuer- und Abgabenquote der Slowakei, Polens, Lett-

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(C (D ands, Litauens, Estlands, Bulgariens und Rumäniens beücksichtigt, liegt bei 40,8 Prozent. Das wirtschaftlich tärkste Land der EU, Deutschland, hat eine Steuerund bgabenquote von 36,3 Prozent. Es ist also nicht etwa o, dass Deutschland an der Spitze liegt, wie man es erarten würde, sondern wir liegen sogar unter dem urchschnitt. Würde Deutschland bei dem, was ich ge ade genannt habe, im europäischen Durchschnitt liegen, ann hätten wir jährliche Mehreinnahmen von 20 Milliarden Euro. (Zurufe von der SPD: Ui! Ui! – Toll! – Na, so etwas!)


amit ließe sich all das bezahlen, was wir vorgeschlagen
aben. Genau das lehnen Sie aber ab.


(Beifall bei der LINKEN)


Wie ich gehört habe, hat die SPD einen Linksruck
inter sich,


(Dr. Peter Struck [SPD]: So, so!)


eil sie eine geringe Verlängerung der Bezugsdauer des
LG I beschlossen hat. Ich erinnere daran, dass Union
nd FDP einmal eine 32-monatige Bezugsdauer des
rbeitslosengeldes I eingeführt haben, nicht bloß eine
4-monatige. Wenn die Verlängerung der Bezugsdauer
es ALG I auf 24 Monate einen Linksruck bedeutet,
ann müssen Union und FDP damals wohl linksextre-
istisch gewesen sein. Vor diesem Ruf will ich Sie aber

n Schutz nehmen!


(Beifall bei der LINKEN – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, ja! Und Sie waren einmal links-staatstragend! – Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch wirklich dummes Zeug, was Sie da reden!)


Sie haben den Beitragssatz zur Arbeitslosenversiche-
ung gesenkt, und zwar zunächst von 6,5 Prozent auf
,2 Prozent und jetzt von 4,2 Prozent auf 3,3 Prozent;
amit will ich mich heute allerdings nicht näher ausei-
andersetzen.


(Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD]: Das ist auch schwierig für dich! – Weitere Zurufe von der SPD: Ach, nein? – Warum denn nicht? – Mach doch mal! Los!)


a nach einem Aufschwung immer ein Abschwung
olgt, möchte ich Sie nur fragen: Was machen Sie im
bschwung,


(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE LINKE]: So ist es!)


lso dann, wenn die Arbeitslosenzahlen wieder steigen?
ch kann mir schon jetzt vorstellen, dass es in den Debat-
en, die wir dann führen werden, wieder heißen wird:

ir können doch die Beitragssätze nicht erhöhen. Wir
üssen also die Leistungen kürzen. – Das, was Sie hier

eschlossen haben, wird sich für die Arbeitslosen wieder
achteilig auswirken.


(Beifall bei der LINKEN)







(A) )



(B) )


Dr. Gregor Gysi
Eine Entwicklung ist mittlerweile allen deutlich ge-
worden – das ist übrigens eine vernünftige Entwicklung –:
Je stärker die Linke ist, desto sozialdemokratischer wird
die SPD.


(Volker Schneider [Saarbrücken] [DIE LINKE]: Sehr richtig!)


Je stärker die Linke ist, desto sozialer und friedenspoli-
tisch engagierter werden die Grünen. Nur bei der Union
erleben wir die umgekehrte Entwicklung: Die CDU hat
für ihren Parteitag einen Leitantrag beschlossen, in dem
gefordert wird: –


Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612900900

Herr Kollege Gysi, denken Sie bitte an die Redezeit.


Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612901000

– kein Mindestlohn, keine Einschränkung der Zeitar-

beit, keine Einheitsschule! – Frau Bundeskanzlerin, wir
beide haben eine Gemeinschaftsschule besucht. So
schlecht sind wir doch gar nicht ausgebildet!


(Heiterkeit und Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Wolfgang Meckelburg [CDU/CSU]: Sie überschätzen sich mal wieder ein wenig, Herr Kollege!)


Damit haben Sie sich dagegen entschieden, bei der Bil-
dung für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Außerdem
haben Sie sich gegen ein Aufweichen der Rente mit 67
gewandt. Mit anderen Worten: Sie wollen die Armut er-
höhen und den Reichtum stärken. Genau das ist nicht un-
sere Linie. Deshalb bin ich froh, dass es in diesem Hause
eine linke Opposition gibt.

Danke.


(Anhaltender Beifall bei der LINKEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612901100

Dr. Peter Struck ist der nächste Redner für die SPD-

Fraktion.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Dr. Peter Struck (SPD):
Rede ID: ID1612901200

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und

Herren! Wenn Politik nur so einfach wäre, wie der Kol-
lege Gysi es gerade dargestellt hat: höhere Rente, weni-
ger Steuern, keine weiteren Abgaben. So kann man Poli-
tik nicht machen, Herr Kollege Gysi. So kann sich ein
Land wie Deutschland nicht verhalten.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


Wir haben einmal durchgerechnet, was die Verwirkli-
chung Ihrer Vorstellungen und Ihrer politischen Alterna-
tiven zum Haushalt, die Sie auch in den Debatten hier im
Bundestag vorgetragen haben, kosten würde.


(Rainer Fornahl [SPD]: Solide durchgerechnet!)


Ich kann Ihnen nachweisen, Herr Kollege Gysi – und
zwar nicht so flach, wie Sie es hier darstellen, sondern
fundiert –, dass die Verwirklichung Ihrer Vorschläge

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(C (D 50 Milliarden Euro Mehrausgaben pro Jahr für den taat bedeuten würde. Das ist nicht finanzierbar; das ist och völlig klar. Sie versprechen eine Politik nach dem otto: „Im Himmel ist Jahrmarkt; ich führe euch alle in.“ So kann man unser Land doch nicht regieren. Das eht nicht. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Natürlich wären auch wir für eine Rentenerhöhung.
atürlich wären auch wir dafür, vieles anders und besser

u machen. Aber es muss auch finanziell möglich sein;
s muss auch darstellbar sein. Das, was Sie hier als Al-
ernative vorlegen, ist keine Alternative.


(Oskar Lafontaine [DIE LINKE]: Das ist eine Frechheit! 25 Milliarden Unternehmensteuern geschenkt!)


Zu zwei Punkten, die Sie mit Recht angesprochen ha-
en, will ich ganz konkret etwas sagen, weil wir darüber
espräche führen. Die Koalitionsfraktionen sind mit der
undesregierung im Gespräch über eine Neuregelung
er Frühverrentung. Sie haben das Thema angespro-
hen. Gehen Sie davon aus, dass wir noch in der nächs-
en Sitzungswoche dazu ein Gesetz beschließen werden,
as den Menschen, die davon betroffen wären, hilft. Die
oalition ist sich darin einig. Das ist ein großer Erfolg

ür unsere gemeinsame Arbeit und auch für den neuen
rbeitsminister Olaf Scholz, meine Damen und Herren.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


ir werden Ihnen unsere Entscheidung dazu in der
ächsten Woche mitteilen, und wir werden in der nächs-
en Sitzungswoche im Bundestag auch eine entspre-
hende Regelung beschließen.

Frau Bundeskanzlerin, Sie haben eine Rede gehalten,
ie mir heute sehr gut gefallen hat. Das ist ja nicht im-
er so.


(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Heute! Die Betonung liegt auf „heute“! „Heute hat sie gefallen“, wollen Sie sagen!)


Ich habe es ja gesagt: Es ist nicht immer so. – Trotz-
em kann ich es sagen: Ich unterstütze Ihre Politik, so
ie Sie sie dargestellt haben, voll und ganz, wenngleich
ir natürlich in manchen Fragen schon noch Differenzen
aben. Das ist ja auch kein Geheimnis.

Ich will ein Thema offen ansprechen. Wir haben un-
erschiedliche Auffassungen zum Thema Mindestlohn.
ie SPD ist der Meinung, dass es in Deutschland einen
indestlohn geben muss. Sie ist der Meinung, dass je-
and, der den ganzen Tag arbeitet, auch davon leben

önnen muss, ohne Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen.


(Beifall bei der SPD)


Die Union klatscht nicht. Sie sieht das anders. Das ist
ormal in einer Koalition. Wir müssen über bestimmte
inge reden, um herauszufinden, wo es Möglichkeiten

ür eine Einigung gibt.






(A) )



(B) )


Dr. Peter Struck
Wir hatten eine schwierige Debatte zum Thema Post-
mindestlohn, die nach dem jetzigen Stand noch nicht be-
endet ist. Ich gehe davon aus, dass wir in den anstehen-
den Gesprächen die große Chance haben, doch noch eine
Einigung über einen Postmindestlohn zu erreichen, so-
dass der Deutsche Bundestag in der nächsten Sitzungs-
woche beschließen kann, die Briefdienstleister in das
Entsendegesetz aufzunehmen. Das wäre ein Erfolg für
alle, die in diesen Unternehmen beschäftigt sind. Wir ha-
ben einen guten Weg verabredet. Davon können wir aus-
gehen.


(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Hartmut Koschyk [CDU/CSU] – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Da klatscht bei der CDU keiner!)


Ich weiß, dass dazu noch Gespräche unter den Beteilig-
ten zu führen sind, aber wir sind auf einem guten Wege.

Die Kanzlerin hat dargestellt, dass eine Reihe von
Branchen beim Arbeitsminister Anträge auf Aufnahme
in das Entsendegesetz stellen können, zum Beispiel das
Bewachungsgewerbe, Zeitarbeitsfirmen, Gartenbaufir-
men und viele andere. Ich bin schon der Auffassung,
dass wir eine Regelung finden müssen, um diesen Bran-
chen zu helfen. Es geht ja nicht nur darum – das ist mein
erster Ansatz –, dass die Menschen für die harte Arbeit,
die sie leisten, einen ordentlichen Lohn bekommen, son-
dern es geht mir auch um die Unternehmen und die Un-
ternehmer, die darunter leiden, dass andere ihnen über
Dumpinglöhne die Aufträge wegnehmen. Es gibt also
ein beiderseitiges Interesse, einen bestimmten gesetzli-
chen Mindestlohn zu vereinbaren. Wir lassen von die-
sem Thema jedenfalls nicht ab, meine Damen und Her-
ren, wenn es sein muss, bis zur Bundestagswahl im Jahre
2009.


(Beifall bei der SPD)


Im Bereich des Arbeitsmarktes macht mir ein Pro-
blem große Sorgen: die Ausweitung der Leiharbeit in
Deutschland. Wenn ich höre, dass in einem großen Auto-
mobilwerk in Ostdeutschland inzwischen 40 Prozent der
Beschäftigten über Leiharbeitsfirmen in dieses Unter-
nehmen gehen, dann ist in Deutschland etwas nicht in
Ordnung.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Leiharbeit war gedacht als Möglichkeit, in bestimmten
Sondersituationen zusätzliches Personal zu beschäftigen,
mit dem die Firmen nicht dauerhaft belastet sind. Leihar-
beit bedeutet aber nicht, dass normale Arbeitsplätze out-
gesourct werden und die Kollegen die gleiche Arbeit wie
vorher zu schlechteren Bedingungen leisten. Das darf
nicht sein, das wollen wir ändern.


(Beifall bei der SPD)


Wir haben darüber gesprochen, wie lange das
Arbeitslosengeld I gezahlt werden soll. Das ist, wie Sie
wissen, eine schwierige Debatte, auch in meiner Partei
und in meiner Fraktion. Ich will an dieser Stelle ein Wort
zu Franz Müntefering sagen, der heute nicht mehr hier
ist. Ich danke Franz Müntefering, der als Arbeits- und
Sozialminister viel bewegt hat in unserem Land. Ich

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(C (D laube, da spreche ich nicht nur für meine Fraktion, sonern auch für viele andere in diesem Haus. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Die Kanzlerin hat zum Thema Arbeitslosengeld I das
ichtige gesagt. Es ging nach meiner Auffassung auch
arum, dass man zum Beispiel den Menschen, die älter
ls 60 Jahre sind und lange eingezahlt haben, das Gefühl
ermitteln muss, dass sie anders behandelt werden als
iejenigen, die weniger eingezahlt haben und jünger
ind. Das heißt, der Übergang von ALG I zu ALG II
ollte nicht so abrupt sein. Wir haben eine Regelung da-
ür gefunden. Ich hoffe, dass die Menschen das auch in
nspruch nehmen. Wir wissen genau, dass wir im Au-
enblick die Chance haben, bessere Vermittlungsmög-
ichkeiten für ältere Arbeitslose zu erreichen. Die Zahlen
ind genannt worden. Wir sind auf einem guten Weg. Es
ar eine schwierige Debatte; aber das Ergebnis, das die
oalition hier erreicht hat, ist ein gutes Ergebnis. Wir
aben dazu Arbeitsminister Olaf Scholz den Auftrag ge-
eben, ein entsprechendes Gesetz vorzubereiten. Die
PD-Fraktion geht davon aus, dass dieses Gesetz eine
olche Wirkung entfaltet, auch rückwirkend, dass die,
ie gemeinhin davon betroffen sind, von dieser Verbes-
erung beim Arbeitslosengeld I etwas haben.

Es gibt einen Kommunalkombi, es gibt viele Förde-
ungsinstrumente. Ich finde es richtig, dass vereinbart
orden ist, dass der Arbeitsminister uns einen Vorschlag
acht, wie man die Zahl der vielen Förderinstrumente

er Arbeitspolitik komprimieren kann. Das Ministerium
st dabei, und wir werden in Kürze etwas vorlegen. Ein
ommunalkombi für Kommunen, die eine höhere Ar-
eitslosigkeit als 15 Prozent haben, ist absolut richtig.
as hat eine gute Steuerungswirkung, gerade im Osten,
ollege Gysi. Auch da müssen wir solche Förderungs-
aßnahmen ansetzen. Es gibt gar keinen Zweifel, dass
ir das tun werden.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Wir – auch die Kanzlerin und andere – haben viel
ber die Zukunft geredet. Was sind die Zukunftsfragen
es Landes? Ich glaube, die Große Koalition hat wegen
er breiten Mehrheit, die wir hier haben, und wegen ih-
er breiten Mehrheit im Bundesrat eine große Verantwor-
ung. Das kann übrigens nicht heißen, dass wir die
ächsten beiden Jahre, weil angeblich alles abgearbeitet
ei, nur Wahlkampf machen. Das würden uns die Men-
chen nicht verzeihen. Wir sind für andere Aufgaben ge-
ählt worden: etwas für die Menschen in Deutschland

u tun.

Ich nehme als Beispiel die Kinder. Wir haben hier
ine Menge gemacht, zum Beispiel das Elterngeld einge-
ührt. Wir diskutieren über den Rechtsanspruch auf ei-
en Krippenplatz


(Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Und über das Betreuungsgeld!)


nd werden den Gesetzentwurf von Frau von der Leyen,
er auf dem Weg ist, in Kürze, denke ich, verabschieden.






(A) )



(B) )


Dr. Peter Struck
Es ist ein großer Erfolg, dass wir ab dem Jahr 2011
750 000 Plätze in Krippen haben werden und der Bund
dies mitfinanziert. Normalerweise ist das nämlich keine
Aufgabe des Bundes.


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


Wir diskutieren das gerade in der Föderalismuskommis-
sion; dazu komme ich noch. Dass wir als Bund bereit
sind, Geld zu geben, damit Eltern einen Rechtsanspruch
auf einen Krippenplatz für ihre Kinder bekommen, ist
ein großer Erfolg.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir führen eine Debatte über das Betreuungsgeld. Ein
Partner in der Koalition will auf jeden Fall ein Betreu-
ungsgeld festlegen, und zwar schon jetzt. Ich sage dazu:


(Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Dass es kommt!)


Es ist völlig klar, dass über die Frage, ob es ein Betreu-
ungsgeld gibt für die Eltern, die ihre Kinder nicht in eine
Krippe geben wollen, im Jahre 2013 entschieden wird –
nicht in diesem Jahr und nicht im nächsten Jahr. Das
muss klar sein.


(Beifall bei der SPD)


Im Übrigen will ich auch an dieser Stelle noch einmal
darauf hinweisen, dass ich Frau von der Leyens Politik
in vielen Fällen fast hundertprozentig unterstütze, näm-
lich weil sie die gleiche Politik macht, wie sie Renate
Schmidt gemacht hat.


(Beifall bei der SPD)


Das werden Sie nicht bestreiten, Frau von der Leyen. Ich
glaube, Sie haben bei uns manchmal mehr Unterstützung
als in Ihrer eigenen Fraktion oder in Ihrer eigenen Partei.
Aber das ist ja egal, das Ergebnis zählt, und das ist ein
gutes.

Wir haben in der letzten Koalitionsrunde über einen Er-
werbstätigenzuschuss diskutiert und eine Vereinbarung ge-
troffen, dafür aus den Mitteln der Bundesagentur mehr als
1 Milliarde Euro bereitzustellen sowie 200 Millionen Euro
für einen Kinderzuschlag, also besondere Leistungen für
besonders förderungsbedürftige Familien.

Wir haben natürlich über die üblichen Punkte zu dis-
kutieren. Die Opposition sagt, wir müssten das Kinder-
geld erhöhen. Ein entsprechendes Verfahren gibt es
schon. Eine Frage dazu möchte ich hier aber doch öf-
fentlich stellen – wir sind hier ja in der Öffentlichkeit –:
Ist es sinnvoll, das Kindergeld, wenn es an der Zeit ist,
um 6 Euro oder um 10 Euro zu erhöhen, oder ist es nicht
besser, dieses Geld für besondere Anforderungen, die im
Bereich der Familienförderung entstehen, bereitzustel-
len? Als Beispiel nenne ich ein Schulpaket. Wir wollen,
dass auch die Kinder von Eltern, von denen wir wissen,
dass sie das Kindergeld nicht für die Zwecke benutzen,
für die es gedacht ist, eine Hilfe erhalten.


(Beifall bei der SPD)


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(C (D ir wollen zum Beispiel eine Schulspeisung und ein chulpaket ermöglichen, sodass Kinder beispielsweise uch in die Schule gebracht werden. Darüber werden wir och debattieren. Ich sage nicht, dass manche Eltern nicht mit ihren indern umgehen können. Wie könnte ich das sagen? ch weiß aber auch, dass es Situationen gibt, in denen er Staat zum Beispiel auch über eine solche Maßnahme egulierend eingreifen muss. Es ist strittig, und wir weren darüber diskutieren. Ich bin aber optimistisch, dass ir das schaffen. Zur Nachhaltigkeit und zur Zukunftssicherung gehört atürlich auch die Finanzpolitik. Das ist gar keine Frage. err Kollege Gysi, was Sie zu den Finanzen gesagt haen, ist schon sehr absurd. Es ist klar, dass wir beim Abau der Neuverschuldung auf einem guten Weg sind. ch möchte wissen, was Sie gesagt hätten – oder was der ollege Westerwelle sagen würde, der ja noch reden ird –, wenn wir nicht eine so geringe Nettokreditaufahme hätten. Wir sind stolz darauf, dass es mit teinbrück und den Haushältern gelungen ist, die Nettoreditaufnahme auf unter 12 Milliarden Euro zu drüken. Das ist ein großer Erfolg. Bis 2011 wollen wir bei ull sein. Dass wir die Schulden abbauen müssen, ist doch völig klar. Wir haben jetzt eine jährliche Zinslast von 3 Milliarden Euro. Man kann nicht wie Gysi und anere, zum Beispiel die FDP – hier sind Sie sich ja einig –, infach nur fordern, die Steuern zu senken. Das geht och gar nicht. Das ist überhaupt nicht möglich. (Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Wir haben von Steuern gar nicht gesprochen!)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


ir müssen darüber nachdenken, wie wir diese Situation
uch rechtlich in den Griff bekommen.

Sie alle wissen, dass wir in der Föderalismuskom-
ission II über genau diese Frage diskutieren: Wie

önnen wir eine Schuldengrenze einbauen? – Kollege
urgbacher ist gerade nicht da, aber ich sehe im Au-
enblick eine breite Übereinstimmung im Parlament,
ass wir im Zuge der Neuordnung des Art. 115 Grund-
esetz hierzu etwas tun werden. Wir als Bundespoliti-
er erwarten von den Landespolitikern in dieser Kom-
ission, dass eine Regelung hinsichtlich der
egrenzung der Nettokreditaufnahme, die wir festle-
en, möglichst auch auf die Länderhaushalte übertra-
en wird. Das wäre ein guter Weg. Ob man das schafft,
eiß ich nicht. Kollege Günther Oettinger und ich wol-

en als Vorsitzende dieser Kommission Anfang des Jah-
es einen Vorschlag dazu vorlegen.

Zu zwei Bereichen will ich noch etwas sagen. Zu-
ächst zum Thema Klimaschutz. Umweltminister
igmar Gabriel macht eine ordentliche Arbeit. Ich hoffe,
ass sich das auch dann auszahlen wird, wenn wir hier
m Parlament über die Umsetzung der Gesetze zu disku-
ieren haben.

Das KWK, das EEG und andere Gesetze sind vorge-
egt worden. Es ist ein bisschen schwer, den Menschen






(A) )



(B) )


Dr. Peter Struck
zu erklären, was das alles heißt. Man kann es meiner
Meinung nach so zusammenfassen: Wenn man eine Ver-
anstaltung zum Thema Klimaschutz durchführt, muss
man betonen, dass das das Zukunftsproblem ist.

Ich will hinzufügen: Wenn ich nicht so alt wäre,
würde ich mir gerne noch einen Traum verwirklichen.


(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Ach, das kann man so nicht sagen! – Weitere Zurufe von der FDP: Oh!)


– Nein, warte einmal ab, was ich sagen will. – Ich würde
die Erde gerne einmal vom Weltraum aus sehen.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: John Glenn war über 70 Jahre alt! Chancen sind also da!)


Das Geld dafür habe ich nicht, und das Alter ist auch
schon hoch. Ich kann mich erinnern, dass Gagarin, der
erste Mensch, der im Weltraum war, das auch einmal ge-
sagt hat: Wenn man sich die Erde vom Weltraum aus an-
schaut, dann fragt man sich schon, warum wir die Erde
durch Klimaverschmutzung und Kriege kaputtmachen.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das kann man sich hier unten auch fragen!)


Wie gehen wir mit unserem Planeten um?

Deshalb sage ich – das möchte ich deutlich festhal-
ten –: Wir haben gegenüber unseren Enkeln, Urenkeln
usw. eine Verantwortung dafür, dass wir ihnen einen or-
dentlichen Planeten hinterlassen.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


Das heißt übrigens auch, dass wir heute damit anfangen
müssen, uns einzuschränken. Das ist doch völlig klar.
Die Kanzlerin hat es gesagt: Wir müssen Energie sparen.
Wir müssen effizienter mit Energie umgehen. Wir müs-
sen alternative Energien nutzen. Das alles geht aller-
dings auch nicht an dem Geldbeutel der normalen Men-
schen vorbei; überhaupt nicht.

Wir werden Schwierigkeiten mit der Automobillobby
und den Gewerkschaften, die die dort Beschäftigten ver-
treten, haben, wenn wir jetzt sagen: Ihr müsst andere Au-
tos bauen. – Natürlich müssen wir andere Autos haben.
Wir müssen auch über ein Tempolimit diskutieren. Das
haben wir ja diskutiert. Irgendwann kommt es auch. Da
gebe ich Fritz Kuhn recht: Das kommt irgendwann.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Es stellt ja wirklich eine Möglichkeit dar, Energie einzu-
sparen. Ich persönlich bin der Auffassung, dass es richtig
ist, das zu machen.

Frau Kanzlerin, Sie haben dankenswerterweise gesagt
– es ist auch gut, dass wir da mit offenen Karten spielen –,
dass wir unterschiedliche Auffassungen zum Thema
Kernenergie haben. Dabei bleibt es auch. Die SPD wird
sich nicht vom Ausstieg aus der Atomenergie abbrin-
gen lassen. Er ist unverrückbar. Daran werden wir nicht
rütteln.


(Beifall bei der SPD)


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(C (D ie haben eine andere Auffassung dazu. Man muss seen, ob Sie dann eine andere Regierung bilden können der ob wir eine andere Regierung bilden. Auf jeden Fall leibt es bei dem Ausstieg aus der Kernenergie. Das ist m Übrigen auch ein Hinweis darauf, wie man Energieolitik in Deutschland machen muss: mit Steigerung der ffizienz, Einsparungen und alternativen Energien. Zur Außenpolitik nur einige Worte: Weil dieses hema aktuell ansteht, danke ich zunächst Außenminis er Steinmeier für seine Beteiligung an der Annapolisonferenz. Ich glaube, es war wichtig, dass auf Anre ung von Herrn Steinmeier Syrien beteiligt worden ist. hne Syrien passiert in dieser Region nämlich gar ichts; das wissen wir. Das ist ein großer Erfolg, den Sie rreicht haben, Herr Außenminister. ch beschäftige mich lange Jahre mit Israel. Ich bin auch orsitzender des Gesprächskreises Israel meiner Frak ion und bin oft in diesem Land. Ich glaube, viele Unägbarkeiten und Gefahren in dieser Region gehen von iesem ungelösten Konflikt aus. Daran hängt dann alles: ran, Irak – Greater Middle East. Von Präsident Bush ist wieder ein Versuch unternomen worden. Wir begrüßen das. Was Europa bzw. eutschland dazu leisten kann, soll es auch leisten, um iesen Prozess mit zu beschleunigen. Ich bin mir auch anz sicher, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin und Herr ußenminister, das gemeinsam tun werden. Wir, die Ko litionsfraktionen, unterstützen jedenfalls diesen Weg. abei ist völlig klar, dass auch für uns das Existenz echt Israels überhaupt nicht auf dem Spiel steht – überaupt nicht, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der SPD)


Ich sage: Große Koalition heißt große Verantwortung.
a, wofür denn eigentlich? Für die Sicherheit vieler
enschen.

Was erwarten sie? Sie erwarten Sicherheit vor Krank-
eit. Was also passiert mit ihnen, wenn sie krank wer-
en? Da haben wir mit der Gesundheitsreform einen
ersuch gemacht. Er ist nicht ganz gelungen. Ulla
chmidt und ich und andere in meiner Fraktion sagen:
ir wollen eine Bürgerversicherung. – Die Union sagt:
ir wollen eine Kopfpauschale. – Der Streit war nicht

u entscheiden. Trotzdem haben wir mit der Gesund-
eitsreform einen guten Weg gefunden, die Krankenver-
icherungsbeiträge zumindest für die nächsten Jahre sta-
il zu halten.

Was erwarten sie noch? Sie erwarten Sicherheit vor
rbeitslosigkeit. Dazu habe ich einiges gesagt. Die von
ns vorgelegten Programme können sich sehen lassen,
inde ich. Wir dürfen damit aber nicht aufhören. Natür-
ich wollen wir um die unter 25-jährigen Arbeitslosen
ämpfen. Dafür werden Programme vorgelegt. Die An-
ahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss wird ja
mmer größer. Auch da werden wir Akzente setzen. Ich
age zu diesem Bereich: Es ist gut, dass wir einerseits
eld für die Förderung von Kleinkindern in die Hand






(A) )



(B) )


Dr. Peter Struck
nehmen, andererseits aber auch Geld für besondere Pro-
gramme wie „U 25“ in die Hand nehmen.

Ich füge gleich an – auch mit einem gewissen Stolz
auf die Leistung zunächst der SPD-Fraktion und an-
schließend von Frau Schavan –: Dass wir das BAföG er-
höht haben, ist auch ein großer Erfolg, der zur Verbesse-
rung der Bildungschancen in Deutschland beiträgt.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Steffen Kampeter [CDU/ CSU]: Nach anfänglichem Widerstand von Herrn Steinbrück!)


Die Menschen erwarten auch Sicherheit vor der Situa-
tion, dass sie zu einem Pflegefall werden.


(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Tiefensee!)


Dazu haben wir auch etwas beschlossen. Es wird umge-
setzt. Ich habe bei vielen Veranstaltungen zu diesem
Thema gelernt, dass die Kinder, die heute geboren wer-
den – mein jüngstes Enkelkind ist ein knappes Jahr alt –,
eine Lebenserwartung zwischen 80 und 90 Jahren haben –
vielleicht noch mehr.


(Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD]: Mädchen von 100 Jahren!)


– Ja, Mädchen von 100 Jahren. – Man muss sich doch
auf diese Situation einstellen und darf nicht einfach den
folgenden Satz daneben stellen, den ein befreundeter
Arzt, auf die Frage, was man gegen Demenz und Alzhei-
mer tun könne, als Antwort gab, nämlich: Früher ster-
ben. – Die Entwicklung, dass die Menschen zunehmend
älter werden, fordert die Politik massiv heraus. Wir ha-
ben dazu Vorschläge vorgelegt, auch was die Pflegever-
sicherung angeht. Das können aber nur erste Schritte
sein. Hier müssen wir mehr tun.

Letzter Punkt. Die Menschen erwarten äußere und in-
nere Sicherheit vor Terror. Ich glaube, dass das, was die
Bundeswehr im Ausland – in Afghanistan, Dschibuti
und anderswo – leistet, ein hervorragender Beitrag auch
zur Stärkung der Sicherheit in unserem Land ist. Ich
bleibe bei meinem Satz: Deutschlands Sicherheit wird
auch am Hindukusch verteidigt. Der Satz ist richtig.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich bedauere, dass manche diesen Weg überhaupt nicht
mitgehen können. Was wir in Afghanistan machen, ist
kein Krieg, absolut nicht, Herr Kollege Gysi. Sie müssen
nur mit den Menschen dort reden. Dann wüssten Sie es.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ihre Bemerkung zu Jugoslawien und Milošević war ja
nichts anderes als peinlich. Da haben Sie einen ganz
dunklen Fleck auf Ihrer Weste.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Die Menschen erwarten auch Sicherheit im Innern.
Um es noch einmal deutlich zu sagen: Vor Selbstmord-

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(C (D nschlägen ist niemand in Deutschland geschützt. Der taat kann nicht neben jeden Menschen jemanden stel en, der kontrolliert. Das ist völlig ausgeschlossen. Das uss man wissen. Aber wir können natürlich die gesetz ichen Voraussetzungen schaffen, die sicherstellen, dass ir möglichst viel im Griff behalten. Ich habe überhaupt einen Grund, an der Arbeit der Sicherheitsorgane Bundeskriminalamt, Bundesamt für Verfassungs chutz, Landeskriminalämter usw. – zu zweifeln. Ich ill diesen Organen das Instrument der Onlinedurchsu hung geben, allerdings unter engen rechtsstaatlichen edingungen. Die Freiheit der Bürger in Deutschland ist benfalls ein hohes Gut, das wir bewahren müssen, wenn s um die innere Sicherheit geht. Herr Schäuble und ich haben lange Debatten über den insatz der Bundeswehr im Innern geführt, auch hier im lenum. Ich will deutlich festhalten, Herr Kollege olker Kauder: Sie können die Änderung des Art. 87 a es Grundgesetzes so oft fordern, wie Sie wollen, die PD wird die Bundeswehr im Innern nicht einsetzen. as ist ein Thema, bei dem wir kein Einvernehmen erielen können. Also müssen wir uns damit befassen, enn es wieder auf der Agenda steht. Mit uns ist diese nderung jedenfalls nicht zu machen. Ein persönlicher Abschluss: Wir haben jetzt zwei ahre Große Koalition hinter uns. Der Anfang war chwierig, weil die Unterschiede ein bisschen größer aren, als wir alle gedacht haben. (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es ist immer noch schwierig!)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


(Beifall bei der SPD)


rotzdem kann sich das, was wir in den zwei Jahren ge-
eistet haben, sehen lassen. Unser Land ist auf einem gu-
en Weg. Auf diesem guten Weg werden wir weiterge-
en.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612901300

Ich erteile das Wort der Kollegin Renate Künast,

raktion Bündnis 90/Die Grünen.


Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612901400

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau
erkel, Herr Struck, das waren zwei bemerkenswerte
eden, die sich durch Selbstbeweihräucherung und
wige Wiederholungen wie bei einer tibetanischen Ge-
etsmühle ausgezeichnet haben. Sie haben gesagt, wir
eien auf einem guten Weg, und uns erklärt, was Sie
ollen und tun werden. Aber Sie haben nichts Konkretes
esagt. Sie haben nicht gesagt, wie Sie dieses Land
auch mithilfe des Haushaltes 2008 – weiter umbauen
ollen. Ein Totalausfall war das heute Morgen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP – Renate Künast Dr. Norbert Röttgen [CDU/CSU]: Dann müssen wir die Reden noch einmal halten!)





(A) )


(B) )


Sie haben wiederholt auf den Dreiklang aus Sanieren,
Reformieren und Investieren hingewiesen. Darüber
muss ich wirklich lachen


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Dann lachen Sie einmal!)


angesichts der Tatsachen, dass Sie in zwei Jahren
50 Milliarden Euro mehr Steuern einnehmen, aber die
Neuverschuldung gerade einmal um 28 Milliarden Euro
senken, oder dass die Einnahmen um 2,7 Prozent stei-
gen, aber die Ausgaben um 4 Prozent steigen. Ich habe
zwar keinen Nobelpreis für Mathematik


(Joachim Poß [SPD]: Sie haben keine Ahnung!)


und viele draußen auch nicht, aber ich weiß, dass das
nicht Sanieren ist. Sie leben vielmehr über Ihre Verhält-
nisse und auf Kosten folgender Generationen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jürgen Koppelin [FDP])


Das haben Sie, Frau Merkel, dadurch organisiert, dass
Sie am Anfang der Legislaturperiode den Bürgerinnen
und Bürgern durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer or-
dentlich in die Tasche gegriffen haben. Das verteuerte
den Lebensalltag. Wir alle sehen doch, dass im Augen-
blick die Teuerungsrate steigt und das Geld immer we-
niger wert ist. Da können Sie doch nicht behaupten, Sie
seien auf einem guten Weg, oder von Wohlstand für alle
reden. Die Menschen haben faktisch weniger, und Sie
helfen ihnen nicht aus ihrer Lage heraus.

Was mich ärgert, wenn ich den Haushalt betrachte,
ist, dass man keinen Mut hat, an der einen oder anderen
Stelle Subventionen zu streichen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


In diesem Land werden immer noch Dienstwagen in einer
Größenordnung von bis zu 50 000 Euro subventioniert, es
gibt immer noch Ausnahmen von der Ökosteuer, und es
gibt immer noch den faulen Kohlekompromiss. Sie ver-
stecken sich hinter dem Ruhekissen einer noch funktionie-
renden Konjunktur, aber saniert wird hier gar nichts.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sie haben – das haben die Reden gezeigt – überhaupt
kein gemeinsames Leitbild und gar keine gemeinsamen
Werte. Das Wohin ist gar nicht definiert. Es geht schlicht
und einfach darum, diese Legislaturperiode bis zum
Jahr 2009 irgendwie auszuhalten. Aber in Zeiten der
Globalisierung, des demografischen Wandels, des Kli-
mawandels und anderer existenzieller Fragen haben Sie
nach zwei Jahren nicht einmal eine Vision, wohin dieses
Land soll und wie Sie an das Ziel kommen wollen. Ihr
Motto ist: Weiter so und durchwurschteln.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Wer sich um dieses Land Gedanken macht, muss sich
die zentrale Frage stellen, wie wir 2010, 2020 oder 2030
leben wollen. Die richtige Antwort darauf gab nicht die

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(C (D ede von Herrn Struck als Ergänzung zu der der Kanzlein. Ich habe in diesen Wochen nur eine wirkliche eschreibung von Frau Merkel gelesen, und das war ie in Newsweek. Newsweek hat sie als „Lost Leader“ etitelt, also als „verlorene Führerin“. Sie, Frau Merkel, ind keine Reformkanzlerin, auch wenn Sie sich hin und ieder so gerieren. Sie repräsentieren – schade für Herrn öhler; dieses Amt war ja eigentlich schon vergeben –, in Foto ist schöner als das andere, Sie sagen die Dinge o schön, Frau Bundeskanzlerin, aber am Ende ist das ales nichts anderes als ganz großes Kino. Dabei bleibt die eform des Landes auf der Strecke. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Kein Neid! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU)


Ich will Ihnen auch sagen, warum das so ist. Es gibt
mmer wieder verbal, in schöne Worte gefasst, eine ganz
roße und radikale Aufgabendefinition. Dem folgt aber
m Ende nie eine radikale Praxis, dem folgt nie der an-
emessene radikale Wandel, der Umbau der Strukturen.
ber wir wissen: Wenn Sie das Land umbauen und wirk-

ich Klimaschutz betreiben wollen, dann müssen Sie sich
n diesen radikalen Wandel machen, dann müssen Sie
ie Oligopole auflösen, und dann müssen Sie eine de-
entrale Energiewirtschaft schaffen, sonst erreichen Sie
as propagierte Ziel von minus 40 Prozent nie im Leben.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sie wissen doch sehr gut, dass Sie mit der Denkweise
nd den Strukturen von gestern oder heute dieses Land
nd diese Welt nicht ändern können. Sie müssen den
ut haben, etwas Neues zu denken: Denken Sie die
O2-freie Gesellschaft!


(Patrick Döring [FDP]: Dann können Sie das Ausatmen einstellen! – Weitere Zurufe von der FDP)


Dass Sie von der FDP wieder hinter der Zeit sind, weiß
uch ich.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


ei Ihnen zählt nicht die Zukunft, sondern es zählen
teuersenkungen für die, die schon haben. – Wir müssen

ernen eine CO2-freie Gesellschaft zu denken, um zu
issen, wie die Städte funktionieren sollen, wie wir pro-
uzieren und wie wir Mobilität herstellen können.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sprechblasen sind auch CO2-haltig, Frau Kollegin!)


Frau Merkel hat sich ja mit vielen Beratern umgeben.
iner der Berater für Klimaschutz ist Professor
chellnhuber. Der hat nicht weniger gesagt als:

Es geht um die Neuerfindung der modernen Welt.
Der Klimawandel kann nur aufgehalten werden,
wenn sich die Gesellschaften weltweit so radikal
ändern wie zuletzt im 19. Jahrhundert.

enn man Schellnhuber, dem Kanzlerinberater, folgen
ill, reicht es eben nicht, bei der UN zu sagen, bis 2050
üssen wir die CO2-Emissionen um 50 Prozent reduzie-

en, sondern dann muss man hier und jetzt anfangen und






(A) )



(B) )


Renate Künast
den Mut haben, den Vorständen bei den Automobilkon-
zernen und den Vorständen bei den vier Energieversor-
gern auch einmal reinen Wein einzuschenken und von
ihnen zu verlangen, sich zu verändern. Sonst ist Ihre Po-
litik ein Potemkinsches Dorf.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Max Stadler [FDP]: Wollen Sie eine CO2freie Gesellschaft?)


– Wer war denn der Zwischenrufer von der FDP? Wissen
Sie was, kleiner Nachhilfeunterricht: Klicken Sie einmal
im Internet an, welche Forschungsaufträge die Europäi-
sche Union vergibt. Dann kommen auch Sie von der
FDP endlich im Jahr 2007 an. Bei allen jetzt ausgelobten
Forschungsaufträgen geht es um „carbon-free society“. –
Guten Morgen, FDP!


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Max Stadler [FDP]: Wollen Sie eine CO2freie Gesellschaft?)


– Dafür, dass Sie kein Englisch können, kann ich jetzt
auch nichts.


(Unruhe bei der FDP)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612901500

Aber Verhandlungssprache im Deutschen Bundestag

bleibt Deutsch, Frau Kollegin Künast.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Hochmut kommt vor dem Fall, Frau Kollegin!)



Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612901600

Diese Regierung baut einen – –


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Eine Entschuldigung wäre jetzt wohl angemessen!)


– Wissen Sie was, er kann es immer wieder dazwischen-
quäken und zicken. Aber mehr als fünf Mal kann ich ihm
nicht sagen, dass alle Welt Aufträge für eine CO2-freie
Gesellschaft ausschreibt. Wenn er dann noch einmal ruft,
können Sie ja mit ihm reden. Ich kann doch nichts dafür,
dass die FDP selbst dieses nicht merkt.


(Jürgen Koppelin [FDP]: Eine billige Nummer!)


Diese Kanzlerin geriert sich als Klimaqueen. Aber,
Frau Merkel, wir haben uns gefragt, ob das, was Sie in
Ihren Reden sagen, auch wirklich in den Papieren steht.
In den Papieren vom G-8-Gipfel steht das, was Sie be-
hauptet haben, nicht drin. Die USA haben sich nicht
– das sehen wir auch wieder an ihrem derzeitigen Handeln –
zu dem bereit erklärt, was Sie behaupten. Es gibt keine
Bereitschaft für ein aktives Vorgehen in einem multilate-
ralen Prozess.

Sie haben, Frau Merkel, wenn Sie über Klimaschutz
reden und große Worte machen, am Ende nur die aktu-
elle Kostenfrage für die Wirtschaft im Kopf. Wir sagen
aber, in diesem Land muss, wenn es funktionieren soll,
die Wirtschaft auch selber ihren Beitrag leisten. Es kann
nicht sein, dass man regelmäßig Provisionen bekommt,
wenn man Teile der Firma verkauft, wenn man Arbeits-
plätze abbaut. Ich meine, ein Vorstandschef sollte nur

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(C (D rovision bekommen, wenn er – das ist heute schon echnisch möglich! – den Energieverbrauch seines Unernehmens um mindestens 30 Prozent senkt. Das würde inn machen. Das wäre „Eigentum verpflichtet“ in prak ischer Anwendung, eil es an dieser Stelle die Gemeinwohlbindung gibt. ie Unternehmen sollten meines Erachtens aufhören, obbyarbeit zu machen, und stattdessen CO2-Ausstoß nd Energieverbrauch senken. Wenn wir uns jetzt angucken, wie diese Koalition onkret agiert, dann stellen wir fest: Es gibt bei dieser anzlerin den sozialen und ökologischen Wortbruch, en sozialen beim Mindestlohn. Ich muss sagen, das, as Sie da jetzt erzählt haben, reicht mir immer noch icht aus, auch wenn Herr Struck andeutet, man sei auf inem guten Weg. (Dr. Norbert Röttgen [CDU/CSU]: Haben Sie keine Argumente in der Sache?)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


ber beim Klimaschutz opfern Sie sich, Ihre Politik und
ieses Land den Lobbyinteressen. Es reicht nicht aus,
ber Klima zu reden und dann nachher einen Deal wie
err Glos zu machen: Als Dank für die Schaffung von

in bisschen mehr Transparenz kämpft er nun in Brüssel
egen die Trennung von Produktion und Netz bei den
roßen Energieversorgern. Aber gerade diese Trennung
äre ein zentraler Punkt für eine andere Klimapolitik.

Es geht auch nicht, dass man behauptet, eine Reduk-
ion um 40 Prozent vornehmen zu wollen, aber noch
icht einmal ein Programm dafür vorlegt. Ganz unmög-
ich ist schließlich, dass der Bundesumweltminister nun
eine Agenten losschickt oder selber fährt, um überall in
er Republik die Leute von Kohlekraftwerken zu über-
eugen. Damit machen Sie keinen Klimaschutz!


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Was für Agenten schickt Ihnen denn Herr Gabriel? Welche vom CIA?)


inzu kommt, dass Frau Merkel Ole von Beust in sei-
em Bemühen unterstützt, dass von Vattenfall in Ham-
urg-Moorburg ein neues Kraftwerk gebaut wird, durch
as aber die Emissionen in Hamburg um 40 Prozent er-
öht und nicht etwa gesenkt werden. Das ist doch kein
limaschutz. Das ist eher eine Versündigung am Klima.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Was sind denn das für Argumente?)


Wir kennen nur ein klimaschonendes Kohlekraftwerk
n dieser Republik, und zwar das in Ensdorf. Dort haben
ie Bürgerinnen und Bürger durch ein definitives Nein
ntschieden, dass kein Kraftwerk gebaut wird. Ich kann
ie Bürgerinnen und Bürger nur auffordern, zum einen
as zu tun, was die Bürgerinnen und Bürger in Ensdorf
emacht haben, und zum anderen, den Stromanbieter zu
echseln. Wenn die Regierung bestimmte Änderungen
icht herbeiführt, dann müssen die Bürger das selber tun.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)







(A) )



(B) )


Renate Künast
Sie haben in diesen Haushalt trotz vollmundiger An-
kündigung keinerlei zusätzliche Mittel für den Klima-
schutz eingestellt. Zur Verfügung stehen wie im vorheri-
gen Haushalt nicht mehr als 400 Millionen Euro.
75 Prozent der Mittel sind ohne konkrete Bedingungen
gesperrt. Diese Sperre besteht, um die Möglichkeit zu
haben, Gabriel am Nasenring durch die Republik zu füh-
ren, vorneweg durch Herrn Glos, den kurzfristige Wirt-
schaftsinteressen leiten. Insgesamt haben Sie weniger als
die Hälfte dessen, was man durch die Versteigerung der
Zertifikate einnehmen wird, für Klimaschutzmaßnah-
men in den Haushalt eingestellt. Das ist zu wenig.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das ist dummes Zeug!)


Wir brauchen einen Klimaschutzhaushalt. Unser
Vorschlag lautet, dass der entsprechende Haushalt
2,9 Milliarden Euro umfasst. Finanziert werden könnte
dies durch die Einstellung aller Erlöse aus der Versteige-
rung von Zertifikaten, durch Umschichtungen im Ge-
samthaushalt und durch die Kürzung von umweltschäd-
lichen Subventionen. So macht es Sinn. Wir könnten mit
einem solchen Paket ab 2011 weitere 33 Millionen Ton-
nen CO2 einsparen. Weder durch Ihre Reden noch durch
Ihre Vorschläge – ich habe mich gewundert, dass die
Kanzlerin den Klimaschutz so weit hintanstellt –


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Da ist sie relativ unverdächtig, Frau Kollegin!)


kommt es zu Änderungen in der Politik.

Jetzt will ich auf das Thema Sozialpolitik zu spre-
chen kommen.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Schon wieder eine Drohung!)


Auch an dieser Stelle nimmt die Koalition keine gemein-
same Analyse vor und trifft keine Festlegung. Ich habe
schon gemerkt, dass die Kanzlerin ein paar Dinge ange-
sprochen hat und dass Herr Struck nachher sagte, man
sei sich nicht einmal bei der Frage des kostenlosen Mit-
tagessens einig. Sie analysieren die Situation in den
Städten nicht. Das vordringlichste Problem in den Städ-
ten dieser Republik sind nicht die ALG-I-Empfänger,
sondern die Hartz-IV-Empfänger und deren Kinder, die
in Armut leben, die ohne Frühstück in die Schule gehen
und dort kein Essen bekommen. Es geht um Familien, in
denen Armut Generation für Generation vererbt wird.
Denen haben Sie in Ihrem Haushalt 2008 keine Ange-
bote gemacht.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Etwas fahrig, Frau Kollegin! Sehr, sehr fahrig! Sie haben Ihren Parteitag noch nicht ganz verdaut!)


Auch an anderen Stellen – dort, wo es um die finanziell
schwachen und die bildungsfernen Schichten geht – ma-
chen Sie keine Angebote.


(Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Stimmt ja gar nicht!)


Nehmen wir einmal die Präventionsstiftung: Es ist
schon auffallend, über welch lange Zeit sich dieser Pro-

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(C (D ess hinzieht. Dabei wären wegen der Vielzahl von chroischen Krankheiten gerade die Kinder und die Erwachenen aus den bildungsfernen Schichten auf eine gute räventionsarbeit angewiesen. Eine solche Arbeit ist ber gar kein Bestandteil Ihrer Sozialpolitik. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


ie halten Sonntagsreden und haben nicht den Mut, aus-
urechnen, wie hoch Ihre Investitionen sein müssten.

Wir haben auf unserem letzten Parteitag den Be-
chluss gefasst – dazu ist schon ein Zwischenruf ge-
acht worden –, dafür einzutreten, dass 60 Milliarden
uro in den Sozialbereich investiert werden. Wir haben
ns die Mühe gemacht, aufzuzeigen, wie für den Bil-
ungsbereich, für die Infrastruktur, für den Bereich
Kinder und Familien“ 31 Milliarden Euro aufgelegt
erden können. Wenn dem Folge geleistet würde, läge
eutschland gerade einmal etwas über dem Durch-

chnittswert der OECD. Damit wären wir bei den Inves-
itionen für Kinder noch lange nicht so weit wie Däne-
ark. Wir sagen: Wir brauchen in diesem Land

5 Milliarden Euro für bessere Schulen sowie
6 Milliarden Euro für die Kinder- und Jugendhilfe und
ür eine bessere Betreuung. Diese Betreuungsangebote
rauchen wir so schnell wie möglich, am besten jetzt
nd nicht erst 2011.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


An der Stelle muss ich Ihnen, Frau Merkel, vorhalten,
ass Sie sich ein bisschen um das Thema herumgedrückt
aben. Wahrscheinlich haben Sie in Anspielung auf ak-
uelle Todesfälle gesagt, wir brauchten keine vorschnel-
en Reaktionen. Das ist aber nicht der alleinige Kern die-
er Haushaltsfrage. Im Haushalt für das nächste Jahr
uss dafür gesorgt werden, dass die armen Kinder eine
hance bekommen. Dies bezieht sich sowohl auf Kin-
er- und Jugendhilfe als auch auf Bildung, und das Geld
uss jetzt her.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Herr Steinbrück muss die Beratungen der Föderalis-
uskommission für eine Verbesserung der Bildungsfi-
anzierung nutzen. Unterstützen Sie die Länder, auch
enn es eine Landes- und Kommunalaufgabe ist, zum
eispiel durch frei werdende Mittel aus dem Soli-Zu-

chlag. Sie könnten dort bis 2019 frei werdende Mittel in
öhe von 30 Milliarden Euro – –


(Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Wann denn?)


Sie werden in den nächsten Jahren systematisch frei.
itte informier dich darüber! – Diese Mittel kann und
uss man in diesem Land für die Bildungsfinanzierung

utzen.


(Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Sie sind zweckgebunden! – Zurufe von der LINKEN)


ch bin mir sicher: So wie die Menschen bereit waren,
ür den Aufbau Ost einen Soli-Zuschlag zu zahlen, so
ind sie auch bereit, einen nächsten Schritt für die Bil-
ung in diesem Land zu tun, damit jedes Kind eine






(A) )



(B) )


Renate Künast
Chance hat und wir endlich das realisieren, was wir
brauchen: gut ausgebildete, geförderte Kinder.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Führen Sie eine Bundessteuerverwaltung ein. Damit
könnten Sie 15 Milliarden Euro einnehmen. Auch dies
kann zur Herstellung von Chancengerechtigkeit für alle
genutzt werden.

Wir haben auch beschlossen, dass wir nicht auf spä-
tere Erhöhungen warten wollen, sondern wir wollen,
dass die Existenzsicherung bei Hartz IV jetzt gegeben
sein muss. Deshalb ist es richtig, den Hartz-IV-Satz auf
420 Euro zu erhöhen. Das ist nicht mehr und nicht weni-
ger als die Summe, die die Wohlfahrtsverbände errech-
net haben. Was kann daran falsch sein, meine Damen
und Herren? Wir machen auch entsprechende Finanzie-
rungsvorschläge.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Zum Schluss will ich ein Wort zur Außenpolitik sa-
gen. Das Problem unserer Außenpolitik ist, dass es we-
der ein konzertiertes Vorgehen noch Absprachen zwi-
schen dem Außenminister und der Bundeskanzlerin gibt.
Die Konflikte zeigen, dass es kein Konzept gibt: Das
Auswärtige Amt geht in die eine Richtung, die Bundes-
kanzlerin geht, manchmal sogar ganz klandestin, in die
andere Richtung, und dann kritisiert man sich dafür. Den
Dalai-Lama zu empfangen, es aber nicht abzusprechen
und dadurch öffentliche Kritik auszulösen, ist doch ein
klassischer Fehler gewesen. So macht man keine Außen-
politik zugunsten Tibets, zumindest wirkt sie nicht so.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Den saudischen Kronprinzen zu hofieren, hinsichtlich
der Situation der Frauen zu schweigen und nichts zu den
Hinrichtungen zu sagen, Frau Bundeskanzlerin, stellt
ebenfalls infrage, ob Sie es mit Ihrer Menschenrechtspo-
litik wirklich durchgängig ernst meinen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Klaus Uwe Benneter [SPD])


Sie sollten hier mit Ihrer Koalitionsnabelschau aufhören
und zu konzertierten Aktionen kommen.

Beim Thema Außenpolitik gibt es nur eine Gemein-
samkeit in diesem Haus; sie betrifft Russland. Ich for-
dere Sie auf, sich gemeinsam mit der EU für die Freilas-
sung von Kasparow und gegen die Verurteilung anderer
friedlicher Demonstranten einzusetzen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Meine Damen und Herren, der letzte Punkt – Frau
Merkel hat ihn wirklich nur kurz gestreift – ist die Innen-
politik. Dazu kann ich Ihnen nur sagen: Innenpolitik geht
anders, als es Herr Schäuble macht. Ich wäre froh, wenn
Frau Merkel an dieser Stelle einmal aktiv würde und
Herrn Schäuble auf den Boden des bewährten Grundge-
setzes zurückholte. Mittlerweile kritisieren sogar Verfas-
sungsrichter, dass Herr Schäuble eine Art intellektueller
Lust am antizipierten Ausnahmezustand habe und den
Ausnahmezustand in diesem Land zum Normalzustand
machen wolle. Denken Sie nur an das Internet und das

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(C (D andy! Wenn wir zum Beispiel auf China blicken, sagen ir immer, dies seien Instrumente der Freiheit. Unter chäuble sind das Internet und das Handy keine Instruente der Freiheit mehr; vielmehr werden sie im wahrsten inne zu Wanzen in unseren Wohnungen. Dies wird so icht gehen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Elendig dummes Zeug!)


Meine Damen und Herren, wir lehnen diesen Haus-
alt ab. Er ist die Papier gewordene Darstellung, dass
iese Große Koalition ihren Aufgaben nicht gerecht wird
nd keine Ziele hat. Sie doktern ein bisschen herum. Sie
ndern nicht die Wirtschaftsweise und die Strukturen.
ie haben nicht den Mut zu Verhaltensänderungen. Frau
erkel, Sie baden in vielen warmen Worten.

Ich glaube, dass man Ihre Politik, auch wenn Sie noch
o sehr den Dreiklang beschwören, nur so beschreiben
ann: Sie sanieren nicht; Sie reformieren nicht.

Hugo Müller-Vogg, der politische Kommunist


(Lachen bei der CDU/CSU und der FDP)


Entschuldigung, Kolumnist; dieser Versprecher wird
hn hart getroffen haben – der Bild-Zeitung, der in der
ewsweek Frau Merkel als Politikerin ohne innenpoliti-

chen Kompass bezeichnet hat, hat recht. Dieser Haus-
alt macht das Land nicht gerechter, sozialer und ökolo-
ischer, und er macht dieses Land auch nicht zu einem
arktplatz für kreative Ideen. Deshalb lehnen wir ihn

b.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1612901700

Das Wort erhält nun der Kollege Dr. Peter Ramsauer

ür die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Dr. Peter Ramsauer (CSU):
Rede ID: ID1612901800

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und

ollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es
st besonders erbaulich, den Oppositionsreden zuzuhö-
en. Denn in einigen – nicht wenigen – Fällen hat man
en Eindruck, als handele es sich bei den Oppositions-
raktiönchen um Realitätsverweigerer.

Herr Gysi, wenn Sie die Auslandsreisen – insbeson-
ere die USA-Reise – der Bundeskanzlerin kommentie-
en, dann meint man, Sie wären dabei gewesen.


(Dr. Gregor Gysi [DIE LINKE]: Das war öffentlich! Warum nicht?)


assen Sie sich eines sagen: In Sachen Menschenrechte
nd Durchsetzung von Menschenrechten brauchen Sie
nd Ihre Kolleginnen und Kollegen in der linken Frak-
ion als historische Verlängerung der Kommunisten in
er ehemaligen DDR unserer heutigen Bundeskanzlerin
einerlei Nachhilfeunterricht zu erteilen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)







(A) )



(B) )


Dr. Peter Ramsauer
Man kann mit geschickter Diplomatie, wie Angela
Merkel sie betreibt, hinter den Kulissen viel mehr für be-
drohte Völker und für die Menschenrechte tun, als wenn
man alles gleich an die große Glocke hängt.


(Beifall des Abg. Hans Eichel [SPD])

Wir sind nicht an Ihrer sachfremden Hetze, sondern an
effektiver Menschenrechtspolitik interessiert, die die
Kanzlerin und ihr Außenminister betreiben.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Joachim Poß [SPD])


Lassen Sie mich einen anderen Punkt ansprechen. Ich
verstehe nicht – aber vielleicht liegt die Erklärung in Ih-
rer Ideologie –, dass Sie hier anprangern, dass die Abga-
benquote in Deutschland bei 37 Prozent liegt, und eine
wesentlich höhere Quote einfordern. Was soll das? Sie
wollen den Menschen in die Tasche greifen.


(Widerspruch des Abg. Frank Spieth [DIE LINKE])


Wir sind stolz darauf, dass wir eine so niedrige Abga-
benquote haben, weil wir als Staat den Menschen nur
das abverlangen sollten, was wir für die Erfüllung unse-
rer staatlichen Obliegenheiten brauchen, und keinen ein-
zigen Euro mehr. Es offenbart ein ganz besonderes Ver-
ständnis vom mündigen Bürger Ihrerseits, wenn Sie dem
Bürger an den Geldbeutel wollen.


(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Frank Spieth [DIE LINKE])


Lieber Kollege Brüderle, eines habe ich dick, nämlich
meine liberalen Freunde zu kritisieren. Ich möchte aber
etwas klarstellen. Sie haben nur von der Weltwirtschaft
als Lokomotive gesprochen. Es war zwar nicht allein die
Politik der Großen Koalition, die zu den heutigen ausge-
sprochen guten Befunden auf dem Arbeitsmarkt, beim
Budget, beim Wirtschaftswachstum und in anderen Be-
reichen beigetragen hat. Es war aber auch nicht allein die
Weltwirtschaft. Die Weltwirtschaft, die Vernunft der Ta-
rifpartner und die Restrukturierungsanstrengungen der
Wirtschaft selber, aber auch die Politik der Großen Ko-
alition und manches, was wir als Union über den Ver-
mittlungsausschuss bei der Agenda 2010 mitbewirkt ha-
ben, haben zu dem geführt, mit dem wir heute Gott sei
Dank aufwarten können.

Sehr geehrte Frau Kollegin Künast, Sie hätten doch
gern zumindest ein einziges Mal in Ihrer Regierungszeit
eine solche Halbzeitbilanz oder Bilanz vorgelegt, wie
wir sie heute vorlegen können.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was?)


Sie hätten nichts lieber getan, als einmal eine Zwischen-
bilanz oder eine Bilanz vorzulegen, nach der Sie die Ar-
beitslosigkeit innerhalb von zweidreiviertel Jahren um
ein Drittel gesenkt hätten,


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Hans Eichel [SPD])


nämlich von 5,1 Millionen auf 3,4 Millionen. Wie hätte
sich Joschka Fischer aufgebläht,


(Zuruf von der FDP: Das hat er gemacht!)


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(C (D enn es zu seiner Zeit ein gesamtstaatliches Defizit leich null, also einen ausgeglichenen gesamtstaatlichen aushalt, gegeben hätte, wenn in einem wichtigen Be eich der gesetzlichen Sozialversicherung innerhalb von inem Jahr plus einem Tag der Beitragssatz halbiert woren wäre und wenn es über 40 Millionen Erwerbstätige egeben hätte. Ich mache, wahrscheinlich genauso wie Sie, die Erahrung: Wenn man in Gesprächen, bei Versammlungen raußen an der Basis über diese Dinge spricht, dann beommt man oft die Gegenfrage gestellt: Warum sagt das iemand? Warum sagt ihr das nicht? Man kann doch iese Tatsachen nicht oft genug nennen! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


rau Künast, als Sie in der Regierung waren, waren Sie
icht in der Lage, jemals eine solche Bilanz vorzulegen –
ben weil Sie Ihr Gedankengut in die Regierung einge-
racht haben.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also wirklich! Bauern verdienen wegen meiner Politik mehr Geld!)


Sie haben im Zusammenhang mit tariflichen Lohn-
ntergrenzen – andere nennen es Mindestlöhne – von
ortbruch gesprochen. Ich halte Ihnen entgegen, was
ährend der Klausurtagung des Kabinetts am 23. oder
4. August dieses Jahres beschlossen worden ist. Dort
eißt es – ich zitiere –:

Im Zusammenhang mit der Liberalisierung der
Postmärkte zum 1.1.2008 wird die Branche der
Postdienstleistungen noch in 2007 in das Arbeit-
nehmer-Entsendegesetz aufgenommen, wenn die
Tarifpartner einen entsprechenden gemeinsamen
Antrag stellen.

ann kommt ein wichtiger zweiter Satz:

Dabei geht die Bundesregierung davon aus, dass
über 50 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeit-
nehmer in der Postbranche tarifgebunden sind.

Ich erkläre hiermit auch für meine Fraktion: Wenn die
oraussetzungen erfüllt sind, dann werden wir uns
elbstverständlich daran halten. Wo es hier Wortbruch
eben soll, das müssen Sie einmal sagen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Frau Kollegin Künast, was Sie sich auf Ihren Parteita-
en alles geleistet haben, ist ja auch höchst bemerkens-
ert. Vor einigen Wochen auf Ihrem Zerwürfnisparteitag

n Göttingen haben Sie sich von der Außenpolitik verab-
chiedet, die Sie früher betrieben haben und die immer
och einigermaßen vernünftig gewesen ist. Jetzt haben
ie sich auch noch von einer einigermaßen pragmati-
chen Wirtschafts- und Sozialpolitik verabschiedet. Der
arteiaustritt Ihres Kollegen Metzger spricht Bände; er

st einer der Letzten, die Vernunft bewahrt haben.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Möchten Sie ihn haben?)







(A) )



(B) )


Dr. Peter Ramsauer
Ich rufe all diejenigen in Ihren Reihen, die noch einen
Rest von wirtschafts- und sozialpolitischer Vernunft ha-
ben, auf, die Grünen nicht zu verlassen. Es wäre schade
drum.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wollen Sie den Metzger haben?)


Umverteilung ist die Überschrift dessen, was Sie be-
schlossen haben.


(Zuruf des Abg. Dr. Guido Westerwelle [FDP])


– Das ist zu viel erwartet, Herr Kollege Westerwelle. –
Es sind Ladenhüter, die Sie zur Finanzierung vorschla-
gen, wie der Griff in die Taschen der Menschen. Herr
Bütikofer hat gesagt, im Kern gehe es um die Frage, ob
man etwas gegen die soziale Verunsicherung unter-
nehme. Wenn es so ist, dann kann ich nur sagen: Das
Beste gegen soziale Verunsicherung liegt darin, dass wir
Arbeitsplätze sichern und neue schaffen, dass wir für In-
vestitionen in unserem Land sorgen und dass wir solide
öffentliche Haushalte vorlegen. Das dient der Bekämp-
fung sozialer Verunsicherung.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Die Überschrift eines Kommentars einer großen deut-
schen Boulevardzeitung lautet heute: „Die Zahl der Ar-
beitslosen muss weiter sinken!“ Das ist vollkommen
richtig.

Bütikofer sagt weiterhin, die Sozialpolitik der Grünen
müsse visionär und politisch praxistauglich sein. Dazu
kann ich nur sagen, Frau Künast: Sie ist weder praxis-
tauglich noch visionär. Sie wollen die Partei der Vorden-
ker sein. Ich kann nur sagen: Es ist kein Vordenken, son-
dern schlicht und einfach fantasielos, wenn man nur
umverteilen will, was andere erwirtschaften.


(Dr. Norbert Röttgen [CDU/CSU]: Das ist noch nicht einmal Nachdenken!)


Jetzt komme ich auf Franz Müntefering zu sprechen.
Dem Spiegel war ein Zitat zu entnehmen, das ich mir ge-
merkt habe. Müntefering hat gesagt:

Wer glaubt, soziale Gerechtigkeit definiert sich im
Wesentlichen durch Verteilung, der irrt.

Ich kann nur sagen: Franz Müntefering hat vollkommen
recht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Volker Kauder [CDU/CSU]: Guter Mann!)


Man kann bei so vielen sozialen Utopien wie bei den
Grünen und den Linken nicht oft genug in Erinnerung
rufen, was eigentlich eine Binsenweisheit sein sollte,
nämlich dass der Staat, die öffentliche Hand nur so viel
umverteilen kann, wie vorher von denjenigen erwirt-
schaftet wurde, die jeden Tag früh aufstehen, malochen
und an der Wertschöpfung in unserem Land mitarbei-
ten. Deswegen gilt für mich: Wenn umverteilt wird, dann
dürfen diejenigen, die dies erwirtschaften, nicht die
Dummen sein. Die Leistungsträger dürfen nicht die

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(C (D ummen in unserem Land sein, weil sie sich sonst verchaukelt vorkommen. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Jetzt müsst ihr es nur noch machen!)


enn umverteilt wird, müssen zunächst die Leistungs-
räger bedient werden und dann die Bedürftigen. Wir
rauchen einen sauberen Ausgleich zwischen Leistungs-
erechtigkeit einerseits und sozialer Gerechtigkeit ande-
erseits.

Noch etwas anderes: Wir können uns einen sozial und
kologisch starken Staat nur leisten – das haben viel zu
iele einfach vergessen –, wenn wir das dafür Notwen-
ige auch tatsächlich vorher erwirtschaften – nichts an-
eres. Der Sozialstaat ist nur so stark und unsere sozia-
en und ökologischen Standards können nur so hoch sein
ie der Gegenwert, den wir vorher erwirtschaften. Die
raft, die zur Aufrechterhaltung des Sozialstaates und

ur Einhaltung hoher ökologischer Standards nötig ist,
ürfen wir nicht andauernd durch Gängelung mit Füßen
reten.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Ich frage vor allen Dingen die Linken: Ist es unsozial,
enn nach wie vor jeder dritte Euro des Bruttoinlands-
rodukts für soziale Zwecke ausgegeben wird? Ist es un-
erecht und unsozial, wenn die oberen 50 Prozent der
inkommensverdiener 92 Prozent des gesamten Steuer-
ufkommens erwirtschaften?


(Frank Spieth [DIE LINKE]: Wer zahlt die restlichen Steuern? Das ist doch Unsinn!)


ch sage: Dies ist nicht ungerecht. Von Ungerechtigkeit
ann hier überhaupt keine Rede sein. Wer hier von einer
ngerechten Verteilung spricht, ist ein Realitätsverwei-
erer.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Wir haben in der ersten Halbzeit dieser Legislatur-
eriode eine große Fülle von Themen abgearbeitet.
enn man das in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf

ersammlungen, anspricht, blickt man oft in erstaunte
esichter, weil diese Dinge unglaublich schnell verges-

en werden. Ich erinnere an die Genshagener Beschlüsse
es Kabinetts zu Beginn des letzten Jahres, an deren Zu-
tandekommen Volker Kauder, Peter Struck und ich als
raktionschefs beteiligt waren. Es war vorbildlich, was
ier im Einzelnen umgesetzt worden ist und welche
achstums- und Arbeitsmarktimpulse davon ausgegan-

en sind.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Denken Sie an das 25-Milliarden-Euro-Investitions-
rogramm, an die energetische Gebäudesanierung, die
teuerliche Absetzbarkeit der Beschäftigung in Privat-
aushalten und der Handwerkerrechnungen. Liebe Frau
on der Leyen, wir alle können stolz darauf sein, dass
ir mit dem Elterngeld Maßstäbe gesetzt haben. Junge
äter und junge Mütter können sich nun im ersten Le-
ensjahr eines Kindes zu Hause um ihr Baby kümmern.






(A) )



(B) )


Dr. Peter Ramsauer
Ich wehre mich – ich sage es immer wieder – dage-
gen, dass dieses Elterngeld und die Basiszahlung, die wir
verabredet haben, als „Herdprämie“ diffamiert oder,
noch schlimmer, als, wie es in einer Zeitung geschehen
ist, „Aufzuchtprämie“ gebrandmarkt werden. Das lasse
ich mir nicht gefallen, weil es eine Beleidigung der jun-
gen Väter und Mütter in Deutschland ist, die sich um
ihre Kinder kümmern.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wir halten es für eine ganz besonders große gesell-
schaftliche Errungenschaft, wenn sich Familien zu Hause
um die Pflege ihrer alten, pflegebedürftigen Familien-
mitglieder kümmern. Manche krempeln dafür ihr ganzes
Berufsleben um. Wenn aber die Pflege pflegebedürftiger
Familienmitglieder gesellschaftlich erstrebenswert ist,
dann kann es doch zumindest nicht verwerflich sein,
wenn sich junge Väter und Mütter zu Hause um ihre
kleinen Kinder im Vorkindergartenalter kümmern.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wenn das verwerflich sein soll, passen diese beiden Vor-
stellungen nicht zusammen.

Lieber Peter Struck, ich bin dankbar für eine Bemer-
kung, die Du bzw. die Sie gemacht haben


(Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Wechselt das bei euch?)


– das ist mir so herausgerutscht; warum soll man hier an-
ders reden als im sonstigen Umgang miteinander? –,
nämlich dass wir nicht in diesem oder im kommenden
Jahr ein Betreuungsgeld einführen, dass das also noch
nicht kassenwirksam wird, aber dass wir im Koalitions-
ausschuss die klare Verabredung, die jetzt so auch im
Gesetzentwurf steht, getroffen haben, das Betreuungs-
geld einzuführen, wenn der Rechtsanspruch in Kraft
tritt; das ist im Jahr 2013 der Fall.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Eine Reihe von anderen Reformen haben wir be-
schlossen: Rentenreform, Gesundheitsreform, Unterneh-
mensteuerreform. Die Beendigung der Kohlesubventio-
nierung gehört auch dazu. Das ist hochinteressant:
Jahrzehntelang ist von – das gebe ich zu – revierfernen
Ländern, vom Bund der Steuerzahler und von den Wirt-
schaftsliberalen gefordert worden, dass diese größte Sub-
vention abgeschafft wird. Sang- und klanglos ging das
vor wenigen Wochen im Rahmen der Gesetzgebung hier
bei uns im Haus über die Bühne. Ich habe darüber noch
nicht einmal etwas in den Medien gelesen. Aber auch das
ist ein Beispiel – es war zugegebenermaßen schwierig,
weil es unterschiedliche Interessenlagen gab – für das,
was wir, SPD, CDU und CSU, zusammen fertiggebracht
haben. Ich möchte heute solche Leistungen der Großen
Koalition in Erinnerung rufen. Ein Dank auch an die Ver-
nunft all derer, die davon vielleicht negativ betroffen
sind.

Ob bei der Arbeitslosenversicherung oder in anderen
Bereichen: Ich glaube, wir haben überall, lieber Peter
Struck, faire Kompromisse gefunden. Eines wussten wir

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(C (D n der Großen Koalition von Anfang an: Wenn wir diese roße Koalition eingehen, dann müssen wir politikfähig ein, sonst brauchen wir es nicht zu tun. Wenn wir poliikfähig sein wollen, dann müssen wir auch komproissfähig und kompromissbereit sein. Wir haben uns da eiß Gott nicht wenig abverlangt; wir haben uns viel aberlangt. Aber es ist ein ständiges Geben und Nehmen. o ist es in der Politik, genauso wie im Wirtschaftsbeeich. Wir sind zu diesen fairen Kompromissen gelangt. Ein Wort noch zur Außenpolitik, die wiederholt angeprochen worden ist, insbesondere von der Kollegin ünast. In dieses Jahr fallen die Ratspräsidentschaft in er Europäischen Union und die G-8-Präsidentschaft. a kann man nur eines sagen: Für die Bewältigung die er herausfordernden Problemstellungen, die mit beiden ufgaben verbunden waren – neben all den innenpoliti chen Herausforderungen –, eine glatte Eins mit Stern ür die Bundeskanzlerin! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


ie hat die Europäische Union aus einer schwierigen
age herausgeführt mit dem Reformvertrag, der, unge-
chtet seiner verbliebenen Mängel, jetzt auf dem Tisch
iegt. In der G 8 wurden klare Zeichen gesetzt. Im Grunde
enommen war nur mit viel Fantasie zu erwarten, dass
ie, liebe Frau Bundeskanzlerin, in der G 8 plus den fünf
chwellenländern, die dabei waren, das Begehren nach
iner weltweiten Klimaschutzpolitik endlich mit auf
ang 1 der weltpolitischen Tagesordnung setzen konn-

en.

Wenn es die G-8-Gipfel nicht gäbe – das sage ich an
ie Adresse der Globalisierungsgegner und der Tausen-
en von gewalttätigen Demonstranten, die unsere Poli-
isten in Heiligendamm verhauen wollten und verhauen
aben, was eine Schande ist; das nur als Nebenbemer-
ung –,


(Beifall bei der CDU/CSU)


üsste man diese Gipfel erfinden. Wo sonst, wenn nicht
uf solchen weltweiten Foren, sollte man globale He-
ausforderungen denn besprechen? Wo sonst, wenn nicht
nter den 8 plus 5 Staaten, die die Substanz dieser Pro-
leme am ehesten erkennen und erörtern können?

Das gilt zum Beispiel für die Frage weltweiter Min-
eststandards hinsichtlich sozialer Normen. Gerade
eutschland als führende Exportnation, die wie kaum ein

nderes Land mit dem rauen Wind globaler Auseinander-
etzungen in der Weltwirtschaft konfrontiert ist, hat ein
nteresse an weltweit gültigen Standards im Umweltbe-
eich, an weltweit gültigen Standards für den Umgang mit
nergieressourcen, an weltweit gültigen Fairnessregeln

ür den Handel. Wir müssen doch das allergrößte Inte-
esse daran haben, dass vernünftige Lösungen gefunden
erden. Wir brauchen daher nicht weniger, sondern mehr
8. Das liegt im ureigenen Interesse Deutschlands.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


In den nächsten zwei Jahren liegt noch viel vor uns.
ch will die 20 politischen Teilgebiete jetzt nicht im Ein-






(A) )



(B) )


Dr. Peter Ramsauer
zelnen erörtern; das wäre die reinste Litanei. Unser ge-
meinsamer großkoalitionärer Freund Hubertus Heil hat
die Union ermahnt. Er hat gesagt: „Wir dürfen nicht zu-
lassen, dass die Union zur Reformbremse wird.“ Ich ant-
worte ihm: Sie aber auch nicht.


(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir müssen miteinander weiter an Reformen arbeiten.
Wir dürfen auf keinen Fall das tun, was zwei Opposi-
tionsfraktionen wollen, nämlich den Rückwärtsgang ein-
legen. Wir stellen uns mit Augenmaß und in verantwor-
tungsvoller Weise den Herausforderungen der nächsten
zwei Jahre, damit wir der Erwartung, die die Wählerin-
nen und Wähler vor zwei Jahren hatten, gerecht werden,
nämlich unser Land nach vorne zu bringen.

Vielen herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612901900

Das Wort hat jetzt der Vorsitzende der FDP-Fraktion,

Dr. Guido Westerwelle.


(Beifall bei der FDP)



Dr. Guido Westerwelle (FDP):
Rede ID: ID1612902000

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frau Bun-

deskanzlerin, bevor ich Ihre Rede gehört habe, habe ich
mir die Freude gemacht, die Rede, die Altbundeskanzler
Gerhard Schröder im September des Jahres 2000 gehal-
ten hat, also zwei Jahre nachdem er ins Amt gekommen
ist, noch einmal durchzulesen.


(Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Die war gut!)


Die Lage war der jetzigen sehr ähnlich: gute Kon-
junktur und ordentliche Staatsfinanzen;


(Widerspruch bei der CDU/CSU)


durch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen kamen zu-
sätzlich 100 Milliarden DM – damals gab es noch die
D-Mark – in die Staatskasse. Herr Schröder hat damals
genau so gesprochen, wie Angela Merkel heute im Na-
men der Regierung spricht und handelt.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Wenn die Opposition irgendetwas kritisiert, dann redet
sie, so die Bundeskanzlerin, das Land schlecht. Alles
muss zur eigenen Ehre und zum eigenen Lob herhalten.
Das Selbstlob dieser Koalition hatte auch heute pene-
trante Züge.


(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Es wurde damals so getan, als ginge alles auf ewig so
weiter: Die Konsolidierungspolitik hat begonnen! Wir
haben sie in die Tat umgesetzt! Das ist eine Politik, die
diesen Namen wirklich verdient! – Es wurde aber ver-
schwiegen, welche dunklen Wolken am Horizont aufzie-
hen. Genau das machen Sie heute auch. Sie reden nach
zwei Jahren Regierungszeit so, wie Schröder nach zwei
Jahren Regierungszeit gesprochen hat. Wenn das Ihr

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(C (D ufschwung ist, dann – das sage ich Ihnen voraus – weren Sie auch haften müssen, wenn es in den nächsten onaten oder Jahren abwärtsgeht. (Beifall bei der FDP und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


twas mehr Bescheidenheit


(Zurufe von Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD: Oh!)


nd vor allen Dingen etwas mehr Anerkennung der Um-
tände, von denen Ihre Politik derzeit getragen wird, wä-
en richtig und angemessen.


(Beifall bei der FDP – Joachim Poß [SPD]: Das ist Ihre Tugend – Bescheidenheit!)


Mindestens genauso spannend ist das, worüber Sie
icht gesprochen haben. Sie haben nicht über die Kin-
erarmut, die sich in Deutschland verdoppelt hat, ge-
prochen.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sie hat den Kinderzuschlag erwähnt! Sie haben nicht zugehört!)


ie haben nicht über das Handwerk gesprochen, das
msatzeinbrüche in Höhe von ungefähr 20 Prozent hat.
ie haben nicht über den Rückgang beim Bau von Ein-
nd Zweifamilienhäusern um sage und schreibe etwa
3 Prozent gesprochen. Sie haben nicht über die Neuzu-
assungen im Kfz-Bereich gesprochen, die mittlerweile
twa 8 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.

Sie haben auch nicht über das gesprochen, was jeden
eutschen bewegt, nämlich die Tatsache, dass wir im
ovember dieses Jahres eine Preissteigerungsrate in
öhe von 3 Prozent haben. Wenn es eine soziale Politik

n diesem Lande gibt, dann ist es die, dafür zu sorgen,
ass der Euro auch im Inland etwas wert ist und dass
an sich dafür etwas kaufen kann. Inflation ist unsozial.
iese 3 Prozent müssten Sorgenfalten auf Ihrer Stirn
interlassen.


(Beifall bei der FDP sowie der Abg. Anja Hajduk [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Stattdessen schmücken Sie sich hier mit allem, zum
eispiel mit der Weltwirtschaft. Sie schmücken sich auch
it Dingen, die wirklich lange vor Ihrer Zeit erreicht
orden sind, beispielsweise mit den Nobelpreisen.


(Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Jetzt wird es kleinkariert!)


s war für mich tief beeindruckend, dass sogar die No-
elpreise jetzt herhalten müssen. Sie werden nämlich als
eugnis dafür angegeben, wie toll der Forschungsstand-
rt Deutschland ist. An die Physikerin im Kanzleramt
erichtet, sage ich: Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
en einen Nobelpreis gab es für eine Leistung aus dem
ahr 1988, den anderen für eine Leistung aus dem Jahr
981. Entschuldigung, da waren Sie noch nicht Bundes-
anzlerin; man mag es nicht glauben, aber es ist so. Frau
undeskanzlerin, wenn Sie sich mit den Nobelpreisen
on heute schmücken, dann ist das ungefähr so, als






(A) )



(B) )


Dr. Guido Westerwelle
würde sich die spanische Regierung mit der Entdeckung
Amerikas von vor 500 Jahren auszeichnen wollen. Das
ist wirklich nur noch albern.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Hartmut Koschyk [CDU/ CSU]: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!)


Frau Bundeskanzlerin und meine Damen und Herren
von der Koalition – es macht ja Freude, Ihre Reaktionen
hier zu hören –, ich will nun auf das eingehen, was die
Redner der Regierungsfraktionen hier gesagt haben.
Herr Kollege Ramsauer, weil Sie von „Oppositionsfrak-
tiönchen“ gesprochen haben, wollen wir eines festhal-
ten: In diesem Hohen Hause ist keine Partei kleiner als
die CSU.


(Beifall bei der FDP und der LINKEN sowie des Abg. Dr. Peter Struck [SPD] – Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Wir reden von Fraktionen, lieber Freund!)


Das wollte ich nur einmal an die Adresse des stellvertre-
tenden Fraktiönchenvorsitzenden sagen.

Ich will an das erinnern, was die Damen und Herren
der Regierungskoalition uns hier alles erzählt haben. Das
hat ja viel Freude gemacht. Sie haben in den ersten zwei-
einhalb Stunden der Debatte das Hohelied Ihres Erfolges
gesungen. Sie haben gesagt, wie großartig und erfolg-
reich diese Große Koalition, wie Sie sich selbst nennen,
war. Dann stellt sich aber für den unbefangenen Be-
obachter eine entscheidende Frage: Wenn das alles so
toll war, warum lesen wir dann jeden Tag in den Zeitun-
gen, dass Sie da raus wollen? Wenn das alles so toll war,
warum bezichtigen Sie sich dann gegenseitig des Wort-
bruchs und bedenken sich mit allen möglichen weiteren
Beschimpfungen, die man als mitteleuropäisch erzoge-
ner Mensch hier gar nicht vortragen möchte? Da ist unter
der Gürtellinie ausgeteilt worden. So brutal – wie Sie in
dieser Regierung – miteinander umgehen, das würde
sich von den Mitgliedern der bescheidenen Opposition
niemand wagen. Meine Damen und Herren auf der Re-
gierungsbank, es gibt doch überhaupt gar nichts mehr
Gemeinsames.


(Beifall bei der FDP – Zuruf des Abg. Dr. Peter Struck [SPD], an den Abg. Volker Kauder [CDU/CSU] gewandt)


– Jetzt kommt wieder die Geschichte: Mein Freund
Volker.


(Heiterkeit bei der FDP und der LINKEN – Volker Kauder [CDU/CSU]: Nur kein Neid!)


Leute, Leute! Regierung schlägt sich, Regierung verträgt
sich. Mit Verlaub gesagt: Das, was ihr hier abliefert, ist
eine völlig unglaubwürdige Nummer. Jeder Zuschauer
weiß doch: Ihr hasst euch wie die Pest.


(Beifall bei der FDP – Zurufe von der CDU/ CSU und der SPD: Oh!)


Hier etwas von großem Frieden und großem Erfolg zu
erzählen, ist einfach nur noch albern. Früher haben die
Kanzler gerufen: Ich will da rein. Sie rufen mittlerweile:

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(C (D ch will da raus. Mit Verlaub gesagt: Das ist doch nicht rnst zu nehmen; das ist Kulisse. (Hartmut Koschyk [CDU/CSU]: Aber Sie sind ernst zu nehmen?)


Wenn diese Reformpolitik für die Menschen in
eutschland wirklich so erfolgreich war, dann stellt sich
och die Frage: Warum wollen Sie Ihre Reformen in die-
en Wochen und Monaten rückabwickeln? Denn das ist
as Ergebnis des Beschlusses des SPD-Parteitages und
hrer Beschlussfassungen im Deutschen Bundestag!


(Beifall bei der FDP – Ernst Hinsken [CDU/ CSU]: Nach dieser Rede kann man Sie aber auch nicht mehr ernst nehmen!)


Entschuldigen Sie, Herr Kollege Hinsken. Weil Sie ge-
ade dazwischengerufen haben, möchte ich Ihnen ganz
ffen sagen: Nachdem der sozialdemokratische Bundes-
anzler Schröder im Rahmen der Agenda 2010 markt-
irtschaftliche Reformen durch den Deutschen Bundes-

ag gebracht hat, hätte ich mir vor zwei Jahren nicht
orstellen können,


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Dass das mit uns so gut klappt!)


ass diese Reformen dann von einer christdemokratisch
eführten Bundesregierung


(Wolfgang Meckelburg [CDU/CSU]: Aber ohne euch!)


ückabgewickelt werden. Das ist verkehrte Welt!

(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)

err Hinsken, Ihnen nehme ich ja ab, dass auch Sie das

urchtbar finden.

(Heiterkeit bei der FDP)


hr müsst das aber auch einmal sagen! Mannesmut vor
er Königin Throne! Seid ab und zu auch einmal mutig,
ungs!


(Heiterkeit und Beifall bei der FDP)

as, was ihr macht, ist ein Witz.
Lassen Sie uns jetzt einmal über das Sanieren reden;

uch das macht Freude. Ihr Motto lautet ja: Sanieren,
eformieren, Investieren.


(Jürgen Koppelin [FDP]: Und abkassieren!)

um Reformieren habe ich bereits gesagt: Die
genda 2010 wird von Ihnen rückabgewickelt, und das
erkt jeder.
Reden wir also über das Sanieren. Sanieren heißt: so-

ide sein. Man saniert etwas, was schlecht läuft. Meine
amen und Herren von der Großen Koalition, Sie haben
ei Übernahme der Regierung ein Defizit von 30 Mil-
iarden Euro vorgefunden. Dann haben Sie 50 Milliarden
uro mehr eingenommen als erwartet. Trotzdem haben
ie immer noch 12 Milliarden Euro Schulden gemacht.
ie können nicht mit Geld umgehen! Darüber müssen
ir hier sprechen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)







(A) )



(B) )


Dr. Guido Westerwelle
Früher musste man das immer der SPD vorwerfen.
Mittlerweile muss man diesen Vorwurf aber auch an die
Union richten. Wenn es darum geht, mit Geld umzuge-
hen, dann ist Schwarz ein sehr dunkles Rot;


(Beifall bei der FDP)


insofern hat Herr Müntefering recht. Die Union macht es
nämlich genauso wie die SPD. Sie machen Schulden in
Höhe von 12 Milliarden Euro, obwohl Sie lottogewinn-
ähnliche Mehreinnahmen in Milliardenhöhe zu verzeich-
nen haben, mit denen kein Mensch gerechnet hat, nicht
einmal wir als geborene rheinische Optimisten.

Deutschland muss wissen, dass Sie 12 Milliarden Euro
Schulden machen. Die Bürgerinnen und Bürger müssen er-
fahren: Der Staat hat Geld wie Heu. Aber er verplempert es
zu oft in Bereichen, aus denen er sich lieber heraushalten
sollte. Wer trotz der größten Steuererhöhung in der Ge-
schichte dieser Republik immer noch solche Schulden
macht, der kann nicht mit Geld umgehen. Das trifft nicht
mehr nur auf die Genossen zu, sondern längst auch auf die
schwarzen Genossen, die in diesem Hohen Hause sitzen.


(Beifall bei der FDP)


Sie sagen immer, unser Sparbuch, das 400 Anträge
mit Sparvorschlägen enthält, sei nicht solide, und das al-
les könnten wir nicht leisten. Deswegen sollten wir ein-
mal über ein paar Dinge reden. Reden wir doch einmal
darüber, wofür Sie Geld ausgeben; denn das ist erstaun-
lich. Ich hätte gerne folgende Frage beantwortet: Wenn
Sie wirklich sparen wollen – Sie behaupten ja, dass Sie
sparen –, warum beschließen Sie dann in einer Sitzung
des Haushaltsausschusses mal eben und in der Dunkel-
heit der Nacht, in den Ministerien 74 neue Planstellen
zu schaffen, die mit Personen besetzt werden, die nichts
anderes als Wahlkampf machen sollen?


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Außerdem soll es einen dritten Staatssekretär des
Auswärtigen Amtes geben. Willy Brandt kam mit zwei
Staatssekretären aus, Hans-Dietrich Genscher kam mit
zwei Staatssekretären aus, und Joseph Fischer kam mit
zwei Staatssekretären aus. Schätzen Sie sich denn um so
viel schwächer ein, Herr Außenminister, dass Sie jetzt
einen dritten Staatssekretär brauchen? Das ist doch al-
bern!


(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Dann höre ich immer in Anbetracht dieser ganzen
Milliardenbeträge – das macht mich mittlerweile kirre,
und darüber ärgere ich mich auch –, das seien ja alles nur
kleine Summen. Wenn Sie die Summen mit 400 multi-
plizieren, kommen Sie auf 12 Milliarden. Eine Summe
ergibt sich beispielsweise aus den Kopfstellen. Sie
schaffen 74 Stellen neue Stellen. Das kostet die Steuer-
zahler jedes Jahr 6 Millionen Euro mehr. 6 Millionen
Euro jedes Jahr mehr, nur damit Sie sich in den Ministe-
rien mit mehr Personal für den Wahlkampf aufrüsten
können.

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(C (D Wir wollen das einmal übersetzen, meine Damen und erren. 3 750 Familien müssen ein ganzes Jahr lang areiten, um so viel an Einkommensteuer aufzubringen, ie Sie in einer einzigen Haushaltsnacht für Ihre Wahlämpfe mit der Schaffung von Spitzenstellen in den Miisterien verplempert haben. 750 Familien arbeiten in Deutschland ab jetzt für Ihre erplemperung von Steuermitteln für Wahlkampfzweke. Als ob die Parteien nicht finanziert würden! Meine Damen und Herren, wir wollen auch einmal ber die größeren Beträge reden, beispielsweise über Ihre chlacht in Minden, Herr Kollege Kampeter. Jeder meint , es ginge um Hermann den Cherusker. Das ist ein Trepenwitz. Da werden mal eben 1,5 Millionen Euro nach inden mit nach Hause gebracht für eine Schlacht, von er bisher kein Mensch irgendetwas gehört hat. uch wenn Sie dafür zuhause gefeiert werden, Steuereldverschwendung bleibt es trotzdem. Das wollen wir n dieser Stelle festhalten. (Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Wie ist das eigentlich mit dem BeethovenHaus in Bonn?)


(Beifall bei der FDP und der LINKEN)


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Blödsinn!)


Sie rufen „Beethoven in Bonn“ dazwischen? Wenn Sie
en Unterschied zwischen Ludwig van Beethoven und
hrer Pipi-Schlacht in Minden nicht kennen, dann gehen
ie bitte noch einmal auf die Schule, Herr Kollege.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Kommen wir zu den größeren Summen, zu den we-
entlichen Sachen, weil es ja immer heißt, sie würden sa-
ieren. Nichts sanieren Sie. Ich möchte gerne den Da-
en und Herren des Deutschen Bundestages und vor

llem natürlich auch der geneigten Öffentlichkeit einmal
ortragen, wie viel zum Beispiel für einen unserer
chärfsten Wettbewerber in der Weltwirtschaft ausgege-
en wird.

In der letzten Woche wurde veröffentlicht, dass
hina uns mittlerweile auf Platz drei der führenden
irtschaftsnationen in der Welt abgelöst hat. China hat

ns als drittstärkste Wirtschaftsnation in der Welt jetzt
berholt. China hat Währungsreserven von ungefähr
200 Milliarden Euro. Das ist ungefähr so viel wie die

esamten Staatsschulden auf allen Ebenen in Deutsch-
and. Trotzdem zahlen wir jedes Jahr, auch in diesem
ahr wieder, Millionenbeträge an Entwicklungshilfe und
eiterer Hilfe nach China. Wir zahlen reine Entwick-
ngshilfe in Höhe von 67 Millionen Euro, und wenn man

lle offiziellen Zahlungen an China zusammenrechnet,
ahlen wir insgesamt in diesem Jahr 187 Millionen Euro
ur an China.

Meine Damen und Herren, auch das möchte ich ein-
al übersetzen. Ganz Oldenburg oder ganz Göttingen

rbeitet ungefähr ein komplettes Jahr nur dafür, dass wir






(A) )



(B) )


Dr. Guido Westerwelle
die Steuermittel bekommen, die wir anschließend nach
China schenken. Sie vertreten die Meinung: Das muss so
sein. – Das ist Ihr gutes Recht; Sie werden das ja auch so
beschließen. Wir sagen Ihnen dazu: Ein Land, das solche
Währungsreserven hat, ein Land, das uns auf Platz drei
der Wirtschaftsnationen in der Welt ablöst, dann auch
noch mit deutschen Hilfsgeldern zu unterstützen, das ist
einfach Irrsinn gegenüber dem Steuerzahler.


(Beifall bei der FDP)


Ganz Osnabrück arbeitet ein ganzes Jahr nur für die Ent-
wicklungshilfe an China. Darüber müssen wir hier re-
den, das versteckt sich hinter diesen Zahlen.

Meine Damen und Herren, Frau Bundeskanzlerin, wir
und auch Sie in der Koalition sprechen viel über Min-
destlöhne und über die Rückabwicklung einiger Teile
der Agenda 2010. Zu den Mindestlöhnen möchte ich
noch eine Bemerkung machen. Herr Kollege Gysi, ich
habe Ihnen mit Interesse zugehört. Es ist immer interes-
sant und auch unterhaltsam, Ihnen zuzuhören; das wol-
len wir gar nicht bestreiten. Ich persönlich glaube aber,
dass Sie in einem Punkt in Ihrer Einschätzung einen
wirklich massiven Fehler machen. Sie koppeln jedes
Mal die soziale Gerechtigkeit unseres Landes von der
Leistungsgerechtigkeit ab. Sie spielen soziale Gerech-
tigkeit und Leistungsgerechtigkeit gegeneinander aus.
Wir sagen Ihnen: Wer die Leistungsgerechtigkeit seines
Landes vergisst, der wird die soziale Gerechtigkeit sei-
nes Landes verlieren. Das wird zwingend die Folge einer
solchen Politik sein.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich will Ihnen die Zahlen noch einmal nennen, weil sie
auch für unsere Zuschauer wichtig sind: Die oberen
50 Prozent der deutschen Steuerzahler erwirtschaften
etwa 94 Prozent des gesamten Einkommensteuerauf-
kommens der Republik. Sie belasten diejenigen, die den
Karren ziehen, immer mehr. Ich sage Ihnen, wer dabei
unter die Räder kommt: die Ärmsten der Armen, die
Schwächsten der Schwachen. Die leiden unter Ihrer Po-
litik.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich will noch eine Bemerkung zu den Mindestlöhnen
machen, weil ich natürlich ahne, Herr Kollege Struck
– nicht nur nach Ihrer heutigen Rede, sondern auch nach
den Reden von gestern –, dass das Ihr tragendes Thema
sein wird. Ich glaube, dass diese Diskussion zu kurz ge-
griffen ist. Erstens einmal finde ich es nicht in Ordnung,
dass man, wenn man das Fehlen von Mindestlöhnen kri-
tisiert, verschweigt, dass die niedrigen Tariflöhne im Os-
ten immer unten rechts die Unterschrift einer Gewerk-
schaft tragen. Das wollen wir festhalten!


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Immer, wenn wir hier über Dumpinglöhne sprechen, hat
ein Genosse der Gewerkschaft unten rechts unterschrie-
ben. Bei der Post ist das so, und auch in den anderen
Branchen ist das so. Da ist die Frage doch eine ganz an-
dere, eine ordnungspolitisch fundamentale Frage. Jeder

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(C (D ier ist der Meinung: Wer ordentlich arbeitet, muss daon auch leben können. Ich bin mit Ihnen der Meinung: s kann nicht Aufgabe des Staates sein, nachlässige Un ernehmer oder schwarze Schafe in der Unternehmerchaft quasi noch dafür zu bezahlen, dass sie sich so chlecht verhalten; darüber sind wir uns völlig einig. Nur, wohin führt es, wenn wir als Politiker künftig die öhne und die Mindestlöhne festsetzen? Ich sage Ihnen oraus: Dann werden wir das erleben, was Sie im Kanzeramt am Montag letzter Woche gemacht haben, nämich Lohnverhandlungen in der Politik. Die Union sagt: ir sind bereit, 8 Euro Mindestlohn zuzugestehen. Die PD sagt: Unter 9,80 Euro ist mit uns nichts zu machen. – ann sind wir nicht mehr in der sozialen Marktwirt chaft mit Tarifautonomie, wo Vertragsparteien sich eiigen müssen, dann machen wir in Wahrheit Lohndiktat. indestlöhne? Maximallöhne, Obergrenzen für Mana ergehälter? Demnächst vielleicht noch Obergrenzen für nergiepreise? Mindestpreise für Agrarprodukte? Das st mir, offen gestanden, zu viel DDR. Ich bleibe Anhäner der sozialen Marktwirtschaft. (Beifall bei der FDP – Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Egal wer unter die Räder kommt!)


(Joachim Poß [SPD]: Ja!)


Frau Bundeskanzlerin, Sie sagen, dass Sie die
aastricht-Kriterien einhalten. Das ist in der Sache

alsch. Sie halten ein einziges Maastricht-Kriterium ein,
ämlich das Staatsdefizit von 3 Prozent. Die Schulden-
tandsquote von 60 Prozent wird mit 63 Prozent unver-
ndert überschritten; auch das muss gesagt werden.

Zur Innenpolitik noch eine Bemerkung. Meine Da-
en und Herren von der Linken in diesem Hause – da-
it meine ich auch die SPD; das meine ich nicht pole-
isch, sondern als Beschreibung der Sitze hier in diesem
ause –,


(Zuruf von der SPD: Wir haben damit kein Problem!)


enn Sie sagen, dass die Leiharbeit besorgniserregend
unimmt, dann haben Sie eine Entwicklung beschrieben,
ie uns – über die Parteigrenzen in diesem Hohen Hause
inweg – auf Dauer nicht gefallen kann. Nur, wie wir da-
egen vorgehen, das unterscheidet uns. Warum nimmt
enn die Leiharbeit zu? Weil unser Arbeitsrecht in Wahr-
eit immer noch zu starr und zu bürokratisch ist.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


lexibilisieren Sie endlich! Dann haben Sie auch ent-
prechend positive Effekte. Bei den Preisen ist genau
asselbe zu sagen: Es ist wahr, die Preise steigen. Des-
egen kommt der Aufschwung bei den Bürgern auch
icht an. Nur, jemand von der Regierung, der die Preis-
teigerungen beklagt, obwohl er doch mit Steuererhö-
ungen ebendiese Preissteigerungen bewirkt, hat kein
echt, dies zu beklagen.


(Beifall bei der FDP)


Nun sagen Sie, Sie würden den Durchschnittsarbeit-
ehmer im nächsten Jahr um 240 Euro entlasten. Das






(A) )



(B) )


Dr. Guido Westerwelle
mag ja stimmen. Aber Sie verschweigen, dass Sie zu An-
fang dieses Jahres die Arbeitnehmer durchschnittlich um
weitere 1 600 Euro belastet haben. Das ist doch keine
faire Politik.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Sie nehmen den Bürgern das Schwein vom Hof, geben
ein Kotelett zurück und sagen ihnen: Jetzt seid mal
schön zufrieden! Kein Wunder, dass die Bürger das nicht
mit sich machen lassen wollen.


(Beifall bei der FDP)


Ich will mit einer Bemerkung zu einem Thema schlie-
ßen, über das wir heute Nachmittag, soweit ich weiß,
und morgen noch lange reden werden, nämlich über die
Innen- und Rechtspolitik. Auch das muss an dieser Stelle
noch angesprochen werden.

Wir erleben nämlich nicht nur mehr staatliche Bevor-
mundung in der Wirtschaft, sondern wir haben in diesen
ersten zwei Jahren der sogenannten Großen Koalition
auch einen atemberaubenden Abbau von Bürgerfrei-
heiten und Bürgerrechten erlebt. Ich habe nicht die
Absicht, das hier unerwähnt zu lassen, weil ich der fes-
ten Überzeugung bin, dass man die Freiheit unseres Lan-
des nicht schützen kann, indem man die Freiheit unserer
Bürger immer mehr aufgibt. Das ist ein schwerer Fehler.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Ich sage an dieser Stelle: Herr Schäuble setzt in Wahr-
heit geradezu dramatisiert eine Politik fort, die unter
Rot-Grün mit Herrn Schily begonnen wurde. Auch das
ist ein schwerer Fehler.


(Beifall bei der FDP und der LINKEN sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Freiheit muss der Maßstab unserer Republik bleiben.
Freiheit steht an erster Stelle, und zwar nicht die Freiheit
von Verantwortung, sondern die Freiheit zur Verantwor-
tung.

Soziale Marktwirtschaft ist allemal besser als jeder
Weg in Richtung Planwirtschaft oder bürokratische
Staatswirtschaft. Das ist unser Auftrag, und das ist die
geistige Auseinandersetzung, die in diesem Lande über-
fällig ist.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


(Anhaltender Beifall bei der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612902100

Das Wort hat jetzt der Kollege Joachim Poß von der

SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Joachim Poß (SPD):
Rede ID: ID1612902200

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr

Westerwelle, Sie haben mit Ihrer Rede deutlich gemacht,
dass Ihnen die günstige wirtschaftliche Entwicklung in

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(C (D nserem Lande missfällt. Ihnen missfallen die Erfolge m Arbeitsmarkt, obwohl Sie sich doch wie wir über jeen freuen müssten, der Arbeit gefunden hat und jetzt in ohn und Brot steht. Über 1 Million Menschen hat in en letzten Jahren zusätzlich Arbeit gefunden. Was missällt Ihnen denn daran, Herr Westerwelle? (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


as missfällt Ihnen daran, dass wir bei der Konsolidie-
ung der öffentlichen Haushalte so erhebliche Fort-
chritte erzielen konnten? Was missfällt Ihnen daran ei-
entlich?

Herr Westerwelle, Sie stehen für die „dunklen Wol-
en“ – das Wort haben Sie selbst benutzt – in der deut-
chen Politik. Da sollen Sie auch stehen bleiben.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Ulrike Flach [FDP]: Ach, Gott!)


er deutschen Bevölkerung ist nicht zuzumuten, dass
ie aus diesem Schatten auf die politische Sonnenseite
echseln. Das werden wir im Jahre 2009 hoffentlich

uch verhindern können. Ich werde jedenfalls alles dafür
un, und ich bin mir sicher, die Sozialdemokratie insge-
amt auch.

Mit den Beispielen, die Sie gebracht haben – Zahlen-
eispiele von China und anderem –, verzerren Sie die
irklichkeit in grotesker Weise. Wer so redet, der kann

icht verantwortlich Politik gestalten. Das ist die Wahr-
eit, Herr Westerwelle, und das müssen Sie sich schon
ns Stammbuch schreiben lassen.


(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Norbert Barthle [CDU/CSU])


Ich habe es bereits in der ersten Lesung gesagt: Wenn
emand von uns vor zwei Jahren diese günstige Entwick-
ung vorhergesagt hätte, dann wäre er oder sie als Phan-
ast bezeichnet worden. Das ist die Wahrheit.

Im Verlauf dieser Woche wird man feststellen kön-
en: Wir haben den besten Bundeshaushalt seit 1989.
as ist die schlichte Wahrheit und ein Grund zur Freude.

Damit leugnen wir vorhandene Probleme nicht. Wir
lenden diese Probleme doch nicht aus. Wenn man wie
rau Künast oder Herr Westerwelle Kritik übt, dann
ollte man in der Sache aber auch ein bisschen sattelfest
ein.

Frau Künast, Sie haben gesagt, wir würden keine Sub-
entionen abbauen. In dieser Legislaturperiode bauen wir
9 Milliarden Euro an Subventionen ab. Herr Westerwelle
agte, wir würden 74 Stellen draufpacken. Dabei ver-
chweigt er, dass wir in 2008 fast 2 000 Stellen im Bun-
eshaushalt abbauen.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo denn?)


erschweigen Sie den Menschen das doch nicht! Sie er-
ählen doch bestenfalls immer nur die halbe Wahrheit.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Joachim Poß
Frau Künast sagte, es würden beim Soli Mittel freiwer-
den. – Wo denn? Wollen Sie als Bundespolitikerin den
Bund weiter belasten und die Länder weiter aus ihrer Ver-
antwortung entlassen? Beim Soli werden in den nächsten
Jahren leider keine Mittel frei. in absehbarer Zeit jeden-
falls nicht.

Die Rechnungen, die Sie auf Ihrem Parteitag be-
schlossen haben, können Sie doch nicht aufstellen. Sie
als Milchmädchenrechnungen zu bezeichnen, wäre noch
gestrunzt. Wie kann man den Menschen denn solche un-
seriösen Rechnungen präsentieren? Und wie kann man
kritisieren, wir täten nichts für den Klimaschutz?


(Beifall bei der SPD)


Welche Regierung hat denn ein besseres Klimaschutz-
programm beschlossen als die jetzige Regierung? Das
muss man doch sagen, auch in kritischer Rückschau auf
rot-grüne Zeiten.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auf die roten Zeiten!)


Man muss hier doch die Wahrheit aussprechen dürfen,
meine Damen und Herren.

Sofern hier von der Opposition Kritik gekommen ist
– egal ob von Herrn Westerwelle oder Frau Künast –,
war diese Kritik mit politischer Substanz nicht verbun-
den. Von Herrn Gysi will ich gar nicht erst reden. Er
macht jedes Mal dieselben Luftnummern. Ich glaube
aber, dass die Menschen das zunehmend auch erkennen
werden.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Kommen Sie doch einmal zum Inhalt! Von der Luft zum Inhalt!)


Frau Künast, die Nettokreditaufnahme 2008 beträgt
11,9 Milliarden Euro. Das ist der niedrigste Wert seit
20 Jahren. Das ist der Fakt. Was sagen eigentlich die
grünen Haushälter zu ihren eigenen Parteitagsbeschlüs-
sen, Frau Künast?

Auch die Konsolidierungsperspektive bleibt bei uns
unverändert. Die Nettokreditaufnahme wird weiter abge-
senkt, und zwar bis auf null. Da wird nichts zurückge-
dreht, Herr Kollege Westerwelle; da wird keine Politik
zurückgedreht, so wie Sie es hier dargestellt haben.

Im Jahre 2008 wäre – das ist richtig – eine etwas
schnellere Rückführung der Nettokreditaufnahme mög-
lich gewesen. Das ist nicht zu bestreiten. Darauf haben
wir aber verzichtet, und zwar aus guten Gründen. Bisher
ist nämlich unsere Strategie, auf der einen Seite zu kon-
solidieren und auf der anderen Seite Geld für Zukunfts-
investitionen in die Hand zu nehmen, aufgegangen.
Diese Strategie ist – wenn man ehrlich ist – so gut aufge-
gangen, wie wir es vielleicht selbst nicht erwartet hätten.
Warum sollten wir eine erfolgreiche Strategie in 2008
verändern? Dazu gibt es überhaupt keinen Anlass.


(Beifall bei der SPD)


Wir haben die Steuermehreinnahmen zur Rückfüh-
rung der Neuverschuldung und in bestimmten Bereichen

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(C (D ur gezielten Erhöhung von Bundesmitteln genutzt. ahinter steht das gemeinsame Verständnis in der Koali ion und – zumindest bei mir und vielen anderen Sozialemokratinnen und Sozialdemokraten – auch die Übereugung, dass gute und vernünftige Budgetpolitik mehr ein muss als nur die Zurückführung von öffentlichen ufgaben und Ausgaben. Peer Steinbrück spricht hier on „Konsolidieren und Gestalten“. Wir sind zutiefst daon überzeugt, dass eine lediglich fiskalistische Budgetolitik zu falschen Ergebnissen führt. Budgetpolitik muss angesichts der aufgebauten hohen erschuldung natürlich die öffentliche Kreditaufnahme bbauen. Sie muss aber auch bestehende Ungerechtigkeien und große soziale Ungleichheiten verringern. Budgetolitik muss auch die Wachstumskräfte erhalten und stären. Sie muss die Mittel für den Kampf gegen die großen efahren für unsere Umwelt bereitstellen. Das tun wir it dem Klimaschutzprogramm. Frau Kollegin Künast, ich würde mich sehr wundern, enn sich die Grünen von den von mir gerade darge tellten Zielen distanzieren würden. All das kostet aber eld, und zwar viel Geld, das nicht an anderer Stelle einespart werden kann, es sei denn, wir gingen an solche osten wie die Rente, um es offen zu sagen. Aber offenundig wollen auch Sie das ja nicht. Wir sind auf einem guten Wege. Nur wenn wir jetzt in en Klimaschutz investieren, werden wir den nachfolenden Generationen auch eine lebenswerte Welt überassen können. Man darf Generationengerechtigkeit nd Nachhaltigkeit nicht allein auf die Reduktion der öfentlichen Verschuldung verengen. Das ist zumindest icht unsere Sichtweise. Deswegen bekommt der Umweltminister mehr Geld. eswegen kann Frau Schavan für die Erhöhung des AföG mehr Geld ausgeben. Deswegen haben wir die ittel für die Entwicklungszusammenarbeit erhöht. Desegen verstärken wir die Verkehrsinvestitionen. Damit reagieren wir auf drängende Probleme, die für nsere Zukunft von großer Bedeutung sind. Wir geben icht einfach Geld aus. Wir reagieren auf drängende Proleme unserer Gesellschaft, meine Damen und Herren. Das ist etwas komplizierter als schwarz-weiß. Man ennt das Policy-Mix. as ist nicht der Versuch, es allen recht zu machen, sonern die Kunst, verschiedene Politikziele sinnvoll unter inen Hut zu bekommen. Auch bei der Föderalismusreform II darf es nicht azu kommen, dass mit der angestrebten Modifikation er Schuldenregel der Verfassung das gerade gefundene rfolgreiche Gleichgewicht von wirtschaftlicher Impulsebung, Zukunftsgestaltung und Haushaltskonsolidieung möglicherweise wieder infrage gestellt wird. Eine chuldenbremse muss realitätstüchtig sein; wir werden ine solche bekommen. In diesem Sinne werden wir im Joachim Poß nächsten Jahr die Beratungen in der Föderalismuskommission – hoffentlich mit Ihrer Zustimmung – sicherlich zu einem guten Ergebnis führen. Es ist der klare Ansatz der SPD in der Regierungskoalition, immer darauf zu drängen, dass die soziale und die ökologische Dimension der Politik nicht vergessen werden. Das geht weit über Haushaltspolitik hinaus. Franz Müntefering hat das immer genau im Blick gehabt. Noch vor Eintritt in die Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU hat er ganz wichtige gesellschaftspolitische und sozialdemokratische Essentials durchgesetzt, unter anderem den Erhalt der Tarifautonomie. Wir sind für die Tarifautonomie, Kollege Westerwelle. Die Mindestlöhne, die uns vorschweben, untergraben die Tarifautonomie nicht. Sie sind Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft. Oder wollen Sie etwa behaupten, dass 22 von 27 Staaten in der Europäischen Union, darunter auch England, keine soziale Marktwirtschaft bzw. Marktwirtschaft haben? Was Sie gerade behauptet haben, ist doch abstrus. Nein, wir werden in unserem Bestreben nicht nachlassen, zu verhindern, dass Lohndumping von der Gemeinschaft der Steuerzahler noch honoriert wird. Das kann ja wohl nicht sein. Franz Müntefering hat, wie gesagt, schon vor Beginn der Koalitionsverhandlungen Wichtiges für die Arbeitnehmerschaft dieses Landes durchgesetzt. Das gilt auch für den Erhalt der Steuerfreiheit von Sonn-, Nachtund Feiertagszuschlägen. Dafür gebührt ihm der Dank der gesamten Arbeitnehmerschaft bzw. – das hätte ich früher so pathetisch gesagt – der gesamten Arbeiterbewegung. Vor diesem Hintergrund ist für mich völlig unverständlich, wie Franz Müntefering auf manchem Gewerkschaftskongress behandelt worden ist. Es besteht kein Zweifel: Ohne die Sozialdemokraten würde die Politik einer anderen von Frau Merkel geführten Bundesregierung sicherlich an vielen Stellen anders aussehen. Das konnte man auch wieder bei der Rede von Herrn Westerwelle feststellen. Lesen Sie auch den wirtschaftsund arbeitsmarktpolitischen Leitantrag für den CDU-Parteitag in der nächsten Woche! Wir, die Sozialdemokraten, werden in dieser Koalition nicht zulassen, dass das Thema Mindestlohn auf die rein betriebswirtschaftliche Dimension reduziert wird. Es geht beim Mindestlohn um ein zentrales gesellschaftspolitisches und soziales Problem, nämlich darum, dass jeder vollzeitarbeitende Mensch von seiner Arbeit leben können muss. Dafür sollten wir alle in diesem Hause arbeiten. n b g I z w V G B z E d d d ü D w m m g r E w a G G V r d i Ö K l n S t E S K U g t z D b w f m (C (D Am anderen Ende der Gehaltsskala sind die Verhältisse auch nicht in Ordnung. Herr Westerwelle, ich habe ei Ihnen einen Hinweis auf die pervers hohen Managerehälter und -abfindungen vermisst. ch bleibe dabei: Die Millionenabfindungen für Konernmanager sind zu hoch. In die Lohnfindung können ir als Gesetzgeber nicht direkt eingreifen. Es herrscht ertragsfreiheit. Aber die Aufsichtsräte, in denen auch ewerkschafter sitzen, sollten ermuntert werden, an die emessung der Managergehälter etwas kritischer heranugehen, als das in den letzten Jahren geschehen ist. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Zurufe von der FDP: Oh!)





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(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


s müssen auch keine Bonusprogramme aufgelegt wer-
en. Ich stimme dem Kollegen Gerald Weiß oder auch
em saarländischen Ministerpräsidenten zu: Wir sollten
ie steuerliche Anerkennung viel zu hoher Abfindungen
berprüfen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


as hat mit Neid und Populismus nichts zu tun, sehr
ohl aber damit, den Auswüchsen des Raubtierkapitalis-
us zu begegnen und mehr gesellschaftliches Augen-
aß herbeizuführen.

Auch bei der anstehenden Erbschaftsteuerreform ist
anz deutlich, dass die soziale Dimension und die Ge-
echtigkeitsfrage eine ganz wichtige Rolle spielen. Eine
rbschaft bedeutet ganz ohne Zweifel einen Zuwachs an
irtschaftlicher Leistungsfähigkeit beim Erben. Dies

uch steuerlich zu erfassen – natürlich bei gleichzeitiger
ewährung angemessener Freibeträge –, ist ebenso ein
ebot der Gerechtigkeit wie der ökonomischen Vernunft.
öllig zu Recht hat die OECD unsere Nachbarn in Öster-

eich wegen der Abschaffung der Erbschaftsteuer gerügt;
enn die Kehrseite dieser Wohltat für die ganz Reichen
st eine übermäßige Belastung des Faktors Arbeit in
sterreich, wohlgemerkt: in Österreich.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


urzum: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zah-
en die Zeche. Diesen Irrweg werden wir in Deutschland
icht mitgehen, auch wenn in einigen Köpfen hier im
aal noch entsprechende Gespenster ihr Unwesen zu

reiben scheinen. Die Eckpunkte für eine Reform der
rbschaftsteuer, die die Koalition in der Arbeitsgruppe
teinbrück/Koch erarbeitet hat, sind ein ordentlicher
ompromiss. Da gibt es jetzt keinen Grund mehr zur
nruhe, und ich kann nur dringend davor warnen, das
eschnürte Paket in seinen tragenden Elementen nach-
räglich wieder anfassen zu wollen. Dieses Paket bleibt
u, und zwar auch unter dem Weihnachtsbaum.


(Beifall bei der SPD)


ie Einnahmen aus der Erbschaftsteuer werden doch ge-
raucht. Bildung und Betreuung, um nur zwei Stich-
orte zu nennen, sind doch wahrlich Zukunftsaufgaben,

ür die sich in den Ländern und Kommunen in den kom-
enden Jahren große Anstrengungen lohnen.






(A) )



(B) )


Joachim Poß
Dass wir Sozialdemokraten unseren Blick aber auch
auf die ökonomischen Rahmenbedingungen richten,
lässt sich vielfach und eindeutig belegen. Ich komme
zum Stichwort Unternehmensbesteuerung. Kollege
Gysi, da geht es nicht um Geschenke für Konzerne oder
für die Wirtschaft, sondern darum, dass wir endlich
Schluss mit dem skandalösen Zustand machen, dass Ge-
winne von bis zu 100 Milliarden Euro in Deutschland er-
wirtschaftet und im Ausland versteuert werden. Das
wollen wir ändern. Das ist die Gerechtigkeitslücke, um
die es geht.


(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE])


Das ist der Kern unserer Unternehmensteuerreform.

Wir Sozialdemokraten haben außerdem mit Unter-
stützung der kommunalen Spitzenverbände dafür ge-
sorgt, dass in der Unternehmensteuerreform die Gewer-
besteuer verbreitert wurde. Und von dem Kompromiss,
den die SPD-Bundestagsfraktion 2003 herbeigeführt hat,
profitieren die Städte Gott sei Dank bereits seit Jahren.
Schauen Sie sich die Entwicklung der Gewerbesteuer
an! Wenn Sie das kritisieren, dann werden Sie dem-
nächst etwas präziser! Wir können uns aber auch unter
vier Augen darüber unterhalten, damit Sie nicht in jeder
Talkshow immer den gleichen Unsinn erzählen.


(Beifall bei der SPD)


Wir betreiben mit Augenmaß eine Politik der ökono-
mischen Vernunft. Ich finde es bemerkenswert, dass der
Anteil der Agenda 2010 am aktuellen wirtschaftlichen
Aufschwung von vielen immer öfter und immer stärker
gewürdigt wird. Die vorgebrachte Behauptung, wir wür-
den mit den Weichenstellungen von Gerhard Schröder
brechen wollen, ist eine bösartige und in der Regel tak-
tisch motivierte Unterstellung. Hier soll die SPD aus der
politischen Mitte und in die Nähe der Linkspartei ge-
drängt werden. Das werden wir aber nicht zulassen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Wir auch nicht!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612902300

Das Wort hat jetzt die Kollegin Dr. Lukrezia Jochimsen

von der Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612902400

Herr Präsident! Liebe Kollegen und Kolleginnen!

Lieber Kollege Westerwelle, eines vorweg: Wir koppeln
soziale Gerechtigkeit keineswegs von der Leistungsge-
rechtigkeit ab. Sie haben gesagt, Sie hätten Gregor Gysi
gut zugehört. Ihnen ist entgangen, dass er ausdrücklich
die überdurchschnittliche Belastung der Normalverdie-
ner und der Mittelschicht hier in diesem Hause kritisiert
hat.


(Beifall bei der LINKEN)


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(C (D s ist ganz klar, dass wir soziale Gerechtigkeit nicht von eistungsgerechtigkeit abkoppeln. Jetzt einige Worte zum Kulturhaushalt. Da hat die pposition durchaus zu loben: Nach bitteren Sparjahren ibt es jetzt endlich mehr Geld für die Kultur. Als thürinische Abgeordnete mit Standort in Weimar freue ich ich besonders über die 45 Millionen Euro, die die lassik Stiftung Weimar erhält. Damit kann ein bedeu endes Kulturprojekt Wirklichkeit werden, dem ganzen and nützend. Dies gilt auch für die Mehrzahl der übrien Investitionen. Eines aber ist für uns angesichts der Abkehr vom biserigen Kaputtsparen unverständlich: die Unterfinanzieung der Stiftung für das sorbische Volk. eutschland hat sich mit großem Elan für die UNESCOonvention zum Schutz der Vielfalt von kulturellen usdrucksformen engagiert und sie vor einem halben ahr ratifiziert. Da ist es wahrhaft kein gutes Beispiel, enn in der innenpolitischen Realität eine Minderheit fianziell ausgehungert wird. Da geht es um den Erhalt eier uralten, identitätsstiftenden Sprache, es geht um weisprachige Bildung, den Erhalt eines Theaters, eines erlags, eines Instituts. Im Prinzip geht es darum, wie ie Mehrheit mit einer ihrer autochthonen Minderheiten mgeht. Im Detail geht es um 600 000 Euro. Eine kleine umme, wenn man an die 400 Millionen Euro denkt, ber viel Geld für die sorbischen Kultureinrichtungen, enn es ausbleibt. Es gibt nur ein deutsch-sorbisches heater. Wenn es schließen muss, geht ein kulturelles nikat verloren. Kulturelle Vielfalt in einem reichen and sieht anders aus. Wir fordern also, dass der Bundeszuschuss auf ,2 Millionen Euro angehoben wird. Das ist die Summe, ie die Stiftung zur Fortsetzung ihrer Arbeit als unverichtbar ansieht. Da das derzeit geltende Finanzierungsabkommen um Jahresende abläuft, fordern wir außerdem, dass endich ein neues Abkommen zustande kommt, mit dessen ilfe die Kultur der Sorben gepflegt und erhalten weren kann. Alles andere käme einer Assimilierungspolitik leich. Eine zweite Position innerhalb des Kulturhaushalts alten wir für unverantwortbar. Schon im vergangenen ahr wurden die Mittel der Kulturstiftung des Bundes m 3 Millionen Euro verringert. Nun sollen für 2008 ochmals 2 Millionen Euro weniger zugewiesen werden. ls die Stiftung errichtet wurde, wurde ihr zugesichert, ie jährlich mit 38 Millionen Euro auszustatten. Diese usicherung sollte unbedingt eingehalten werden. Die tiftung leistet hervorragende Arbeit, insbesondere da, o sie in die kulturelle Bildung unserer Kinder inves iert. In diesem Bereich ist noch viel zu tun, gerade für en Bund. Das ist seit langem ein Anliegen meiner Frakion. In diesem Sinne bitte ich Sie, unseren beiden Ändeungsanträgen zuzustimmen. Vielen Dank. Das Wort hat der Kollege Steffen Kampeter von der CDU/CSU-Fraktion. Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist an der Zeit, zur Halbzeit der Arbeit dieser Koalition Zwischenbilanz zu ziehen. Ich glaube, dass die unionsgeführte Bundesregierung eine erfolgreiche Bilanz vorlegen kann. Mit unserem Land geht es in vielen Bereichen, beispielsweise auch beim Haushalt, voran. Die Vorfahrtsregel, die heute beschrieben worden ist, muss auch für die zweite Hälfte der Legislaturperiode gelten, nämlich das zu tun, was unserem Land nutzt und die Menschen nach vorne bringt, und das zu unterlassen, was den Aufschwung in diesem Land gefährdet. Das, glaube ich, ist ganz wichtig. Wichtig ist auch, noch einmal deutlich auszusprechen, dass der Aufschwung, über den wir hier schon mehrfach diskutiert haben, bei den Menschen ankommt. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland steigt in die Nähe von 40 Millionen. Noch nie waren in Deutschland so viele Menschen erwerbstätig. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Wir haben erfreuliche Ergebnisse bei der Erwerbsbeteiligung Älterer am Arbeitsmarkt; diese steigt deutlich an, und die Langzeitarbeitslosigkeit sinkt. Auch der Ausbildungspakt wirkt. Das heißt, wir haben einen sehr soliden Anstieg bei den Ausbildungschancen junger Menschen. Das alles bedeutet viele neue Chancen für viele Menschen in diesem Land. So lautet die Halbzeitbilanz der Großen Koalition. Das ist höchst erfreulich. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)





(A) )


(B) )

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612902500

(Beifall bei der CDU/CSU)

Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1612902600

(Beifall bei der CDU/CSU)


In dieser Haushaltsdebatte kann man es, glaube ich,
nicht besser ausdrücken, als Uli Schäfer es heute in der
Süddeutschen Zeitung getan hat: „Stabilität lohnt sich.“
Es lohnt sich für die Menschen, dass wir diese Politik in
Deutschland betreiben. Es zahlt sich im Inland wie im
Ausland aus.

Ich erinnere daran, wo wir vor rund zwei Jahren beim
Haushalt standen. Der Staatsbankrott drohte. Das waren
damals die Schlagzeilen in den Zeitungen. Ich erinnere
mich daran – ich weiß gar nicht, ob es in den Koalitions-
verhandlungen oder öffentlich war –, dass Peer
Steinbrück gesagt hat, so schlimm, wie es mit den
Staatsfinanzen tatsächlich ist, habe er sich das nicht vor-
stellen können. Damit hat er eine zutreffende Beschrei-
bung der finanzpolitischen Leistungen der Vorgängerre-
gierung abgegeben.


(Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Na, na! – Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Diese Sozis!)


Deutschland saß in der Europäischen Union auf der
Anklagebank. Jede Woche wurde aufgrund unserer mie-
sen finanziellen Situation vom Strafverfahren geredet.
Heute, nach zwei Jahren, haben wir das strukturelle De-
fizit von etwa 60 Milliarden Euro halbiert. Noch im

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(C (D rühjahr dieses Jahres haben wir angenommen, dass wir ür den Haushalt 2008 21,5 Milliarden Euro Schulden rauchen. Wir werden ihn Ende dieser Woche mit 1,9 Milliarden Euro neuen Schulden beschließen. as sind 11,9 Milliarden Euro zu viel. Aber es sind imerhin 10 Milliarden Euro weniger, als wir im Frühjahr och gemeinsam zu benötigen glaubten. Die Staatsquote wird im nächsten Jahr auf das Niveau on vor der Wiedervereinigung sinken. Damals war erhard Stoltenberg Finanzminister eines noch nicht iedervereinigten Deutschlands. Das macht deutlich: er Staat zieht sich aus dem privaten Bereich zurück. eniger Staatsquote bedeutet mehr Freiheit für die Bür erinnen und Bürger. In diesem Sinne ist es ein weiterer eleg für den Erfolg der bisherigen Arbeit. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU)


Unser Ziel, 2011 ohne neue Schulden auszukommen,
ird kritisiert. Als damals, beim letzten Mal, ein
ull-Schulden-Haushalt angekündigt wurde, lautete die
ritik, ein solcher Haushalt sei unrealistisch. Heute ist
ie Opposition der Auffassung, ein solcher Haushalt sei
rüher möglich. Das heißt, es wird gar nicht infrage ge-
tellt, dass diese Große Koalition es schaffen kann, ohne
eue Schulden auszukommen. Man mäkelt lediglich an
er Geschwindigkeit herum. Wer hätte das vor zwei oder
rei Jahren angesichts eines drohenden Staatsbankrotts
n diesem Hause eigentlich ernsthaft glauben wollen?


(Beifall bei der CDU/CSU – Widerspruch bei Abgeordneten der SPD – Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Na, na! – Dr. Guido Westerwelle [FDP]: Diese Sozis!)


Ich will an dieser Stelle auch deutlich machen: Entge-
en anderslautenden Behauptungen wird es am Ende des
ächsten Jahres 2 400 Stellen weniger in der Verwaltung
es Bundes geben, weil wir unseren Kurs des Stellenab-
aus in der öffentlichen Verwaltung konsequent fortset-
en. Wir haben ihn gegenüber dem Regierungsvorschlag
och verschärft.

Das bedeutet nicht, dass wir in bestimmten politi-
chen Bereichen keine Schwerpunkte gesetzt haben.
err Kollege Westerwelle, das ist im Übrigen auch auf-
rund von Anregungen der FDP, denen wir folgen konn-
en – die Koalition hat einen entsprechenden Antrag ein-
ebracht –, geschehen. Deswegen sollten Sie mit Ihren
ehr personalisierten Angriffen in der Sache sehr vor-
ichtig sein. Sie haben ja auf die Schröder-Rede nach
wei Jahren seiner Kanzlerschaft verwiesen. Leider ha-
en Sie bei dieser Debatte nicht geredet. Ich möchte Ih-
en einmal ins Stammbuch schreiben, was der Kollege
rüderle damals gesagt hat: Flegelhaftigkeit ist kein Stil
er Politik. – Das will ich hier im Hinblick auf Ihre Rede
inmal in aller Deutlichkeit feststellen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Jörg Tauss [SPD]: Wo er recht hat, hat er recht!)







(A) )



(B) )


Steffen Kampeter
Kollege Brüderle von der FDP hat ausgerechnet, dass
vonseiten der Bundesregierung Mehrforderungen in
Höhe von 30 Milliarden Euro – ich sage das mit einem
leichten Augenzwinkern in Richtung Kabinettsränge –
erhoben worden sind. Wir haben in diesen Haushaltsbe-
ratungen keinen Cent draufgelegt; das muss man einmal
deutlich machen. Natürlich gab es Wünsche; aber die
Haushälter dieser Großen Koalition haben Kurs gehal-
ten. Wünsche gibt es immer in dieser Großen Koalition
und auch in kleinen Koalitionen. Aber wie man damit
umgeht, ob man Kurs hält, das ist entscheidend. Wir ha-
ben entschieden: Trotz Mehrforderungen in Höhe von
30 Milliarden Euro – das ist die Rechnung der FDP –
wird dieser Haushalt gegenüber dem Regierungsentwurf
um keinen einzigen Euro aufgestockt. Das ist eine klare
Kante in der Finanzpolitik.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Zusätzlich ist es uns gelungen, 1 Milliarde Euro weniger
Schulden, als von Steinbrück vorgeschlagen, zu machen.

Ich möchte auf einen Punkt eingehen, der schon ange-
sprochen worden ist, nämlich auf die Kulturpolitik. Wir
sparen nicht um des Sparens willen, sondern wir setzen
auch auf diesem Gebiet Akzente. In den beiden Haushal-
ten, die wir in dieser Woche beraten, wird das größte na-
tionale Kulturinvestitionsprogramm mit einem Volumen
von 400 Millionen Euro auf Kurs gebracht. Das ist ein
wichtiges Signal. Als Beispiel nenne ich die Klassik
Stiftung Weimar oder die Stiftung Preußische Schlösser
und Gärten Berlin-Brandenburg. Dieses Programm ist
ein Angebot an das Land Berlin, nach Abschluss der
Bund/Berlin-Verhandlungen Investitionen in Berlin zu
tätigen. Außerdem ist es ein Angebot an die Stadt Bonn,
für die auch Sie, Herr Kollege Westerwelle, sich einge-
setzt haben. Man kann hier nicht einerseits Ausgaben
geißeln und andererseits diejenigen loben, für die man
selber eingetreten ist. Ich finde, diese Art und Weise des
Umgangs miteinander ist einfach unredlich.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages
hat 39 Millionen Euro für den Bau des Festspielhauses
„Ludwig van Beethoven“ bewilligt. Selbstverständlich
ist Beethoven ein nationales Ereignis. Wenn Sie die
Varusschlacht und den Siebenjährigen Krieg durcheinan-
derwerfen, dann will ich Ihnen das gerne durchgehen
lassen. Aber das eine gegen das andere auszuspielen,
geht nicht. Früher hatten Sie einmal eine „18“ unter dem
Schuh; heute scheinen mir da kleine Karos zu sein.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


So sollte der Umgang zukünftiger Koalitionspartner
nicht sein, die in Nordrhein-Westfalen im Übrigen er-
folgreich zusammenarbeiten.

Wir haben in diesem Haushalt Vorsorge für das Stadt-
schloss getroffen.


(Ulrike Flach [FDP]: Auch für die wachsenden Kosten?)


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(C (D ir haben deutlich gemacht: Wir wollen den Wiederaufau des barocken Stadtschlosses, und wir können dafür inen festen Kostenrahmen ermöglichen. Allerdings chließen sich Kostenmanagement und kulturelles Beusstsein in diesem Falle überhaupt nicht aus. Ein Drittes haben wir in diesem Zusammenhang ge acht: Wir haben für eine Investition in mehrere Asekte der Moderne – auch des 21. Jahrhunderts – gesorgt nd die Mittel für die Kulturhauptstadt Europas 2010 erstärkt. Dies ist ein wichtiger Beitrag für die kulturelle dentität unseres Landes im 21. Jahrhundert. Herr Kollege Kampeter, erlauben Sie eine Zwischen rage des Kollegen Börnsen? Selbstverständlich, Herr Präsident. Herr Börnsen. – Anschließend bitte ich, zum Schluss u kommen. (Heiterkeit bei der CDU/CSU – Dr. Norbert Röttgen [CDU/CSU]: Gutes Timing!)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612902700
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1612902800
Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612902900


Wolfgang Börnsen (CDU):
Rede ID: ID1612903000

Herr Kollege, ich habe bei Ihrer Rede mit Aufmerk-

amkeit verfolgt, dass Sie die großartigen finanzpoliti-
chen Leistungen meines schleswig-holsteinischen
andsmanns Gerhard Stoltenberg, die Orientierung auch

ür diese Regierung gewesen sind, noch einmal erwähnt
aben.

Sie haben nun den Gedanken aufgegriffen, dass der
aushaltsausschuss – Sie persönlich, Frau Merkel und

lle anderen Mitglieder – gesagt habe, wir müssten ver-
tärkt in den Kulturstandort Deutschland investieren,
eil wir wüssten, dass der Wirtschaftsstandort Deutsch-

and dadurch eine stärkere Attraktivität erhält. In diesem
usammenhang hat Ihre Vorrednerin mitgeteilt – –


(Zurufe von der FDP: Frage!)

Ist es richtig, dass sie mitgeteilt hat,


(Heiterkeit bei der CDU/CSU)

ass die autochthone Minderheit der Sorben trotz der
erbesserungen im Kulturbereich schlechter abschnei-
en? Ist diese Information richtig? Vielleicht können Sie
ns auch noch darüber aufklären, dass in alle Bereiche
er Kultur sehr wohl gerecht und umsichtig investiert
orden ist.


Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1612903100

Herr Kollege Börnsen, erstens stimme ich Ihnen zu,

ass die Zusammenarbeit mit der Kollegin Merkel aus-
esprochen angenehm ist und in der Sache erfolgreich
oranschreitet. Ich bin in einer etwas schwierigen Situa-
ion, da ich hier mit zwei Damen Merkel aus unter-
chiedlichen Fraktionen zurechtkommen muss.


(Heiterkeit bei der CDU/CSU und der SPD)

ber bisher ist dies relativ erfolgreich gelungen.






(A) )



(B) )


Steffen Kampeter
Was die Sorben angeht, halte ich in Beantwortung Ih-
rer Frage Folgendes fest:

Erstens. Der Bund hat in den vergangenen Jahren für
die sorbische Volksgruppe über seine Verpflichtungen
aus dem Finanzierungsabkommen hinaus zusätzliche
Leistungen an die Stiftung gezahlt. Wir sind weit über
das hinausgegangen, was wir mit den Ländern Branden-
burg und Sachsen vereinbart hatten.

Zweitens. Wir haben in einem von allen Fraktionen
unterstützten Antrag eine Aufstockung des Zuschusses
an die Stiftung für das sorbische Volk in Höhe von – ich
habe das jetzt nicht im Kopf –


(Petra Merkel [Berlin] [SPD]: 600 000!)


600 000 Euro beschlossen und dies mit einem klaren
Verhandlungsauftrag an den Staatsminister für Kultur
und Medien verbunden, der einer der erfolgreichsten
Minister dieser Bundesregierung ist, was zu Anfang
dieser Legislaturperiode viele gar nicht glauben woll-
ten. Dies wird aber jetzt an Themen wie der Filmförde-
rung oder der Bundeskulturstiftung deutlich. Der klare
Verhandlungsauftrag besagt, mit den Ländern Sachsen
und Brandenburg ein neues Finanzierungsabkommen
auszuhandeln, in ihm die vielen kritischen Anregungen
des Bundesrechnungshofes und des Bundesverwal-
tungsamtes aufzugreifen, die die Zusammenarbeit zwi-
schen Bund, Sachsen, Brandenburg und der Stiftung für
das sorbische Volk betreffen, und anschließend dem
Deutschen Bundestag dieses Finanzierungsabkommen
mit der Perspektive einer fairen Lastenverteilung zwi-
schen den Beteiligten vorzulegen.

Als Union und als Große Koalition stehen wir zu un-
serer Verantwortung für die autochthone Minderheit der
Sorben. Wir haben ein entsprechendes Verhandlungsan-
gebot auch materiell untermauert. Ich halte es für richtig,
dass alle Fraktionen des Deutschen Bundestages zumin-
dest im Haushaltsausschuss diesem Verhandlungsange-
bot zugestimmt haben, und ich bin zuversichtlich, dass
es Bernd Neumann, unserem Staatsminister für Kultur
und Medien, mit seinem Verhandlungsgeschick und sei-
nem Charme gelingen wird, die Verhandlungspartner zu-
sammenzuführen und mit ihnen gemeinsam zu einem
Ergebnis zu kommen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich bedanke
mich für die gute Zusammenarbeit in diesem Bereich der
Kulturpolitik, aber auch im Bereich der Haushaltspolitik
insgesamt. Das Ergebnis, das am Freitag zur Abstim-
mung stehen wird, kann sich sehen lassen. Es ist ein wei-
terer Schritt in Richtung auf ausgeglichene Haushalte
und eine nachhaltige Finanzpolitik. Dies muss ein Mar-
kenzeichen nicht nur der Union, sondern auch jeder Re-
gierung sein, an der die Union aktiv beteiligt ist.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612903200

Das Wort hat jetzt die Kollegin Katrin Göring-

Eckardt vom Bündnis 90/Die Grünen.

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(C (D Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜEN)

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und liebe Kolle-

en! Das ist heute ein schönes Happening.


(Jörg Tauss [SPD]: Früher war ein Happening etwas anderes!)


Nein, das meine ich ernst. 400 Millionen Euro mehr
ür die Kultur: Darüber kann man sich wirklich freuen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP])


Ich gebe allerdings zu: Ich würde mich gerne mit-
reuen, ohne dass das Ganze ein Geschmäckle hat. Wenn
an nach 24 Uhr im Haushaltsausschuss etwas ein-

ringt, was schon am nächsten Tag in einer Regionalzei-
ung als beschlossen dargestellt wird – die Zeitung hat
lso schon gewusst, was beschlossen werden wird, bevor
s im Haushaltsausschuss überhaupt auf dem Tisch lag –,
ann hat das für mich ein Geschmäckle. Das ist nicht
innvoll.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Wer hat das denn gemacht?)


Herr Kampeter, ich will Ihnen auch sagen, warum ich
as nicht sinnvoll finde. Sie haben eben die Varus-
chlacht erwähnt und Herrn Westerwelle belehrt – das ist
n Ordnung; politische Bildung soll es im Deutschen
undestag ja auch geben –, aber ich glaube, dass die
lassik Stiftung Weimar und auch die Stiftung Preußi-

che Schlösser und Gärten es nicht verdient haben, dass
er Eindruck erweckt wird, man schiebe nachts etwas
ber den Tisch nach dem Motto „Für mich Varus und für
ich Goethe“. Das haben sie nicht verdient. Sie sind
ehr wert. Sie sind deutsches Kulturerbe. Das kann man

icht um Mitternacht verhandeln.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das eine ist der Haushalt 2008, das andere ist der Nachtragshaushalt 2007!)


Das ist der entscheidende Punkt. Das eine ist der
aushalt 2008, das andere der Nachtragshaushalt 2007,
al kurz über den Tisch geschoben. Die Hannoversche
llgemeine Zeitung hat von einer Kriegskasse geredet.

Ich glaube, das ist keine sinnvolle Haushaltspolitik,
nd es ist der Projekte, um die es geht, und unseres kul-
urellen Erbes nicht würdig. Wir haben etwas anderes
erdient. Sie hätten Ihre Vorschläge eher vorlegen und
eutlich machen können, welche Wichtigkeit das hat,
tatt Deals zu verabschieden.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich will an dieser Stelle aber vor allem über einen an-
eren Punkt reden, den ich noch viel wichtiger finde,
enn wir in diesem Hause über die Kulturpolitik reden,
nd zwar die Erinnerungskultur. Auch bei diesem
hema sind die Haushaltsberatungen nicht leicht gewe-
en. Salomon Korn hat während Haushaltsberatungen in
er Zeit darauf hinweisen müssen, dass in der Gedenk-






(A) )



(B) )


Katrin Göring-Eckardt
stätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald
nur 50 Prozent der Führungen stattfinden können. Das
halte ich für einen absoluten Skandal, wenn es um
Vergangenheitsaufarbeitung und Erinnerungskultur in
Deutschland geht.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN)


Auch dabei gab es ein langes Hin und Her, ob man
der Gedenkstätte wenigstens 400 000 Euro mehr gewäh-
ren sollte. Es hat einer riesigen Anstrengung bedurft,
aber es ist jetzt beschlossen worden. Dafür bin ich froh
und dankbar.

Was die Erinnerungskultur angeht, will ich mit Blick
auf die Zukunft ausdrücklich vorwarnen – in der glei-
chen Zeit hat nämlich im Kulturausschuss die Anhörung
zur Erinnerungskultur stattgefunden –: Wir können uns
in der Erinnerungskultur keine Schwerpunktverschie-
bung weg von der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit
leisten. Ich glaube, das gebietet die Verantwortung, die
wir in Deutschland für unsere eigene Geschichte haben.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Das hat die Anhörung sehr deutlich gemacht. Wenn man
über das Jahrhundert des Totalitarismus und die beiden
deutschen Diktaturen redet, dann sind wir auf dem fal-
schen Weg. Das halte ich für sehr gefährlich in einer
Zeit, in der Neonazis überall in Deutschland versuchen,
sich zu verankern. Ich halte das für gefährlich in einer
Zeit, in der wir einen Neuanfang bzw. einen Neuauf-
bruch brauchen, gerade weil viele überlebende Zeitzeu-
gen bald nicht mehr da sein werden. Wir brauchen einen
Neuaufbruch für die Aufarbeitung der NS-Vergangen-
heit, die in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle für
unser kritisches Geschichtsbewusstsein spielt.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Es geht nicht an, bei der Zivilgesellschaft zu streichen
und nach dem Motto zu verfahren, an ihrer Stelle werden
es schon die Institutionen in Deutschland machen. Es
geht auch nicht, auf der einen Seite zulasten eines kriti-
schen Geschichtsbewusstseins zu streichen und auf der
anderen Seite davon auszugehen, dass sich die Bedeu-
tung der Gedenkstätten danach bemessen wird, wie wirt-
schaftlich sie sind. Sprich: Eine Gedenkstätte ist umso
wichtiger, je mehr Besucherinnen und Besucher sie hat.
Auch das hat für mich nichts mit kritischem Geschichts-
bewusstsein und mit der Bedeutung zu tun, die wir in
Deutschland aus meiner Sicht mit diesen Gedenkstätten
verbinden müssen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Und als Letztes: Wenn es um die Aufarbeitung unserer
DDR-Geschichte in Deutschland geht, macht es keinen
Sinn, so zu tun, als ob es da nur Repression, Anpassung,
Abhängigkeit, Ausgrenzung und Widerstand gegeben hätte.


(Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Aber verniedlichen wollen wir auch nicht!)



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(C (D Ganz bestimmt nicht. Ich bin bestimmt nicht die Richige, der Sie das sagen müssen, dass wir nicht verniedlihen wollen, nein. Aber der Punkt ist genau, dass wir über das andere benso reden müssen: über Loyalitäten, über ideologiche Überzeugung. Nur dann, wenn wir in Gänze daüber sprechen, werden wir nämlich verhindern, dass die ergangenheit verniedlicht und bagatellisiert wird. Wem ir damit einen Gefallen täten, das wissen wir hier im ause ganz genau. avor müssen wir auf der Hut sein. Wir haben zwei ichtige Debatten dazu vor uns. Ich will das an dieser telle wegen der Zeit nur in Stichworten sagen: Das eine st die Debatte um das sichtbare Zeichen, das andere die ebatte um das Denkmal für Einheit und Freiheit. Beies gehört auch in diesem Sinne zusammen, und ich offe sehr, dass wir mit kritischem Geschichtsbewusstein dafür sorgen, hier nicht eine Schlagseite zu bekomen, die der Geschichtsaufarbeitung, die wir in der Ver angenheit hatten und die wir so dringend brauchen, uwiderläuft. Wir stehen hierbei in einer Verantwortung, ie mehr ist, als die Debatte hierzu am heutigen Tag geeigt hat. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612903300

Das Wort hat jetzt die Kollegin Petra Merkel von der

PD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Petra Merkel (SPD):
Rede ID: ID1612903400

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren!

iebe Kolleginnen und Kollegen! Es stimmt, die Haus-
altsberatungen in diesem Jahr waren sehr erfreulich.


(Lachen bei der FDP)


as in diesem Jahr erfreulich war, sind die Fakten, die
ier schon oft genannt worden sind und die ich auch nicht
erschweigen will: Dass die Nettokreditaufnahme er-
eblich gesenkt werden konnte – von 19,5 Milliarden
uro auf 14,4 Milliarden Euro in diesem Jahr; im nächs-
n Jahr soll sie auf höchstens 11,9 Milliarden Euro fest-
eschrieben werden –, ist ein Erfolg. Dass unser Ziel, ei-
en ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, näherrückt –
pätestens im Jahr 2011 –,


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr gut!)


st ebenfalls ein Erfolg. Dass die Steuereinnahmen höher
ind als erwartet, ist auch gut, und dass sich die wirt-
chaftliche Lage verbessert hat – das Zeichen dafür sind
ber 1 Million Arbeitsplätze mehr –, ist auch etwas, das
ls Erfolg bezeichnet werden kann. Das lassen wir auch
icht kleinreden.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)






)


(B) )


Petra Merkel (Berlin)

Lieber Kollege Kampeter, wer wie Sie nach zwei Jah-
ren Regierungserfahrung glaubt, man müsse nur an einer
Stellschraube drehen, um Erfolg zu haben, der greift
meines Erachtens zu kurz. Dieser Erfolg ist auch darauf
zurückzuführen, dass die rot-grüne Koalition – auch zu-
sammen mit der CDU/CSU im Bundesrat – Reformen in
Gang gesetzt hat, die jetzt Wirkung zeigen. Rot-Grün hat
damit angefangen, die Große Koalition hat dies erfolg-
reich fortgeführt,


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Aber Ihr Parteitag hat sich doch davon verabschiedet, Frau Kollegin Merkel!)


und das ist auch ein Ergebnis von konsequenter Politik,
auf deren Kontinuität zumindest die Sozialdemokraten
stolz sein können; denn sie war erfolgreich.


(Beifall bei der SPD)


Weniger Schulden zu machen, ist ein richtiges und ein
wichtiges Ziel, das wir auch weiterhin verfolgen. Wich-
tig ist aber auch, dass es nicht das einzige und alleinige
Ziel ist, sondern ein Mittel, die Notwendigkeit dafür,
wieder Luft zu bekommen, Handlungsspielräume zu er-
schließen und Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen.
Richtig ist: Haushalts- und Finanzpolitik muss Begehr-
lichkeiten abwehren können, muss aber auch Impulse
geben.


(Beifall bei der SPD)


Wir schmeißen kein Geld zum Fenster hinaus, sondern
investieren angesichts der stabileren Lage in Bereiche,
die die Stabilität sichern und weiter festigen sollen.
Umso erfreulicher ist es, wenn die Einnahmen höher
sind als erwartet; umso erfreulicher ist, dass wir durch
den Nachtragshaushalt 2007 aufgrund höherer Einnah-
men nun auch zusätzliche Mittel hatten, die wir gezielt
einsetzen konnten.

Durch die Steuermehreinnahmen konnten wir mit
dem Nachtragshaushalt wichtige Vorhaben finanzieren
und Schwerpunkte setzen. Mit der Einrichtung eines
Sondervermögens in Höhe von 2,15 Milliarden Euro für
den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige
konnten wir einen wesentlichen Beitrag für eine zu-
kunftsorientierte Familienpolitik leisten. Das ist ein we-
sentlicher Schwerpunkt sozialdemokratischer Politik.


(Beifall bei der SPD)


Wir investieren in Köpfe und somit in Zukunft. Das
tun wir auch mit dem Haushalt 2008 durch die Erhöhung
der BAföG-Bedarfssätze um 10 Prozent und der Freibe-
träge um 8 Prozent.


(Beifall bei der SPD – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr gut!)


Auch das Meister-BAföG steigt. Damit bringen wir
spürbare Verbesserungen und sorgen für mehr Chancen-
gleichheit.

Meine Kolleginnen und Kollegen haben schon darauf
hingewiesen, welche weiteren Schwerpunkte wir im Be-
reich Bildung und Forschung setzen konnten. Die Zah-
len sprechen eine eindeutige Sprache: Wir haben den

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(C (D tat in den Haushaltsberatungen um 163,3 Millionen uro erhöht. Mein Hinweis auf die anderen Einzelpläne ist noch icht zu Ende. Ein Programm, das mir besonders wichtig st, weil es auf eine Initiative von uns Haushältern, teffen Kampeter, zurückgeht, ist: Im Bundesministeium für Wirtschaft und Technologie wird nun ein Proramm zur Umsetzung kreativ-wirtschaftlicher Konzepte eu gestartet. Mit insgesamt 5 Millionen Euro sollen so reativ-wirtschaftliche Projekte aus allen Bundesländern efördert werden. Ich komme jetzt zu einem meiner Etats aus dem Buneskanzleramt, zum Kulturhaushalt. Neben diesen eben enannten Investitionen konnten wir in den Kulturhausalt weitere Mittel einstellen. (Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Sehr gut!)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


o fließen – das haben Sie von der Opposition schon an-
emerkt – zusätzliche Mittel in Höhe von 400 Millionen
uro als Zuschüsse für national bedeutsame Kultur-

nvestitionen. Auf eines möchte ich an dieser Stelle
anz besonders hinweisen: Dies geschah im Parlament
nd durch das Parlament.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


ieses Geld kam nicht durch den von mir durchaus ge-
chätzten Herrn Staatsminister in den Haushalt.


(Zuruf von der CDU/CSU: Der hat aber die Vorbereitung gemacht!)


ass Sie sich, Herr Neumann, über diese Mittel, die Ih-
em Etat zugutekommen, freuen, ist verständlich; das tue
uch ich. Sie haben einen unverhofften Geldsegen erhal-
en, für den Sie nichts tun mussten.


(Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Aber das Geld kommt vom Steuerzahler, nicht vom Parlament!)


ie Bereitstellung dieser zusätzlichen Mittel war ein
unsch des Parlaments und ist auf eine Initiative des

arlaments zurückzuführen. – Das war zur Klarstellung
ötig.


(Beifall bei der SPD)


Diese Mittel sind für mich ein gutes Beispiel, wie
elder gezielt eingesetzt werden können, um Impulse
nd Prioritäten zu setzen. Zunächst einmal sind diese
uschüsse für national bedeutsame Kulturinvestitionen
n die Kofinanzierung durch Länder und Kommunen
owie Private gekoppelt. Das heißt, es fließen mehr Mit-
el, als wir einstellen.

Teil dieses Programms sind Mittel für die Sanierung
er Staatsoper in Berlin, für die Klassik Stiftung Wei-
ar, die Stiftung Festspielhaus Beethoven in Bonn und

ie Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Über die Staatsoper müssen wir noch reden!)


(A)







(A) )



(B) )


Petra Merkel (Berlin)

Hier ganz gezielte Investitionen zu leisten, ist uns mit
diesem großen Programm gelungen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Alle Mittel sind gesperrt, weil wir im Haushaltsaus-
schuss die Entsperrung der Mittel für alle diese Projekte
erst freigeben werden.

Wir haben auch ein Programm für den Denkmal-
schutz in Höhe von 40 Millionen Euro aufgelegt.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Sehr gut! Das ist notwendig!)


Dies wird vielen Ländern und Kommunen zugutekom-
men. Wir haben gemerkt, dass sich die Länder und Pri-
vate daran beteiligen. Dies sind Investitionen, die in den
einzelnen Regionen einen Anker setzen. Das schafft zu-
sätzliche Arbeit und kommt dem Mittelstand zugute.
Diese Art der Impulssetzung streben wir an; deswegen
stellen wir diese 40 Milliarden zur Verfügung.


(Zurufe von der CDU/CSU: Millionen!)


– 40 Millionen, richtig.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Milliarden wären auch gut, sind aber nicht möglich!)


– Richtig, das kommt vielleicht beim nächsten Mal,
wenn es so weitergeht.

Wir begleiten Projekte, auch solche, die eines sehr
sensiblen Umgangs bedürfen. Das „sichtbare Zeichen“
ist für mich so ein Projekt. Es steckt gerade in den Anfän-
gen und benötigt meiner Meinung nach eine sorgsame
und sensible Begleitung. Als „sichtbares Zeichen“ soll
auf der Grundlage der vom Bonner Haus der Geschichte
konzipierten Ausstellung „Flucht, Vertreibung, Inte-
gration“ eine Dauerausstellung in Berlin eingerichtet
werden.

An dieser Stelle erlaube ich mir die persönliche Be-
merkung, dass über die derzeit ins Auge gefasste Unter-
bringung der geplanten Dauerausstellung im Deutsch-
landhaus noch einmal diskutiert werden muss, und zwar
sowohl im Kulturausschuss als auch im Haushaltsaus-
schuss.


(Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Das können wir gerne prüfen!)


Dieser Standort muss meiner Meinung nach überprüft
werden. Die SPD-Fraktion war immer der Auffassung,
dass diese Dauerausstellung in die bestehende Mu-
seumslandschaft eingebettet werden müsse und die euro-
päische Einbindung von zentraler Bedeutung sei.

Ich gebe Folgendes zu bedenken: Eine räumliche
Nähe des „sichtbaren Zeichens“ zum Landesverband der
Vertriebenen in Berlin im Deutschlandhaus könnte zu
Recht den Verdacht erwecken, dass eine inhaltliche
Nähe zu dem vom Bund der Vertriebenen geplanten Zen-
trum gegen Vertreibung geschaffen werden soll. Das wi-
derspräche nach meiner Auffassung der Koalitionsver-
einbarung. Eine deutliche Abgrenzung des „sichtbaren
Zeichens“ von einem Zentrum gegen Vertreibung – so-
wohl räumlich als auch inhaltlich – ist – da bin ich sicher –

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(C (D ür die SPD-Bundestagsfraktion Grundvoraussetzung für ie Umsetzung dieses Projekts. Sie sehen: Es besteht och erheblicher Diskussionsbedarf. (Beifall bei der SPD – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Haben Sie denn einen Alternativvorschlag?)


Ich möchte noch ein Beispiel für den Bereich des Re-
ormierens geben. In diesem Zusammenhang darf ich
uf die Föderalismuskommission II eingehen. Dort
rbeiten wir daran, neue, wirksamere Grenzen und
egrenzungen der Verschuldung zu definieren und zu
ereinbaren. Wir haben uns vorgenommen, die Finanz-
eziehungen und Verwaltungsaufgaben zwischen dem
und und den Ländern neu zu ordnen und dadurch Ein-

parungen zu erzielen.

Ein Bereich, in dem wir meiner Meinung nach tätig
erden können und sollten, ist die Einführung einer
undessteuerverwaltung.


(Beifall bei der SPD)


ährend der zweiten Expertenanhörung der Föderalis-
uskommission II wurde deutlich, dass die Einrichtung

iner solchen Bundessteuerverwaltung sehr wohl inte-
essant ist.

Ich halte es für ein gutes und wichtiges Instrument,
urch eine Bundesbehörde Steuern einzuziehen. Ent-
cheidend ist, dass sich dann kein Land herausmogeln
nd auf seinem Gebiet Betriebsprüfungen vernachlässi-
en kann. Kein Bundesland sollte damit punkten, dass es
eniger Mitarbeiter bei der Steuerverwaltung und Steu-

rprüfung gibt. Sie alle wissen, was das für ein fatales
ignal ist. Laxes Auslegen der Steuergesetze darf nicht
ls Standortfaktor genutzt werden.


(Beifall bei der SPD – Jörg Tauss [SPD]: Wie in Baden-Württemberg!)


a sage ich als Haushälterin: So nicht!

Neben den gleichen Bedingungen für die Durchfüh-
ung in den Ländern, die wir durch eine Bundessteuer-
erwaltung schaffen könnten, gefällt mir besonders ein
harmanter Gedanke: nämlich dass die Effektivitätsge-
inne, die Mittel, die man durch Bürokratieabbau beim
inziehen von Steuern erhält – das sind ungefähr 10 Mil-

iarden Euro –, sowohl dem überschuldeten Bund als
uch den überschuldeten Ländern zugutekommen. Es
ab die Überlegung, dabei auch den Abbau von Alt-
chulden einzubeziehen. Alle würden davon profitieren:
er Bund, die Länder und die Kommunen. Wir sollten
eiterhin darüber nachdenken, ob das nicht ein Weg ist,
en wir gemeinsam gehen können.

Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir solche Re-
ormen in Angriff nehmen können. Wir haben jetzt auf-
rund der Haushaltssituation gute Bedingungen dafür.
ir haben ein Zeitfenster, das wir nutzen sollten. Ich

offe, dass wir gemeinsam in diese Richtung gehen kön-
en.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612903500

Das Wort hat die Kollegin Monika Grütters von der

CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Monika Grütters (CDU):
Rede ID: ID1612903600

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist

nicht selbstverständlich, dass beim Kanzleramt die Kul-
tur ressortiert. Aber daran sehen wir: Hier geht es um
Grundsätzliches, um die Einsicht nämlich, dass natio-
nale Identität vor allem aus dem Kulturleben eines
Landes wächst, aus dem traditionellen Erbe übrigens
ebenso wie aus der künstlerischen Avantgarde.

Diese Bundesregierung mit Bernd Neumann als
Staatsminister für Kultur und Medien kann eine stolze
und auch, wie es in einer Zeitung stand, fröhliche Zwi-
schenbilanz ziehen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Noch nie stieg der Kulturetat so steil an wie seiner, und
noch nie hat eine Bundesregierung die Rolle der Kultur
so eindrucksvoll auch im Haushalt gestärkt wie diese,
lieber Steffen. Seit der Wende gab es übrigens auch
keine Bundesregierung, die die kulturpolitische Rolle
der Hauptstadt so souverän anerkannt hat wie die Regie-
rung Merkel.

Der Kulturetat ist 2006 um 2,1 Prozent gestiegen,
2007 um weitere 3,5 Prozent und jetzt zum dritten Mal
in Folge um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dass
darüber hinaus im zweiten Jahr seiner Amtszeit ein
nationaler Kulturinvestitionsplan in Höhe von
400 Mil-lionen Euro gelingen konnte, hat Bernd
Neumann zu Recht staunende Bewunderung einge-
bracht: Vom „Wunder von Bernd“ ist die Rede,


(Heiterkeit bei der CDU/CSU)


von Neumanns „Kampfdiplomatie“ und vom „Neumann
im Glück“. Chapeau, Herr Staatsminister, dass dieses
Lob auch noch vom immer nörgelnden Deutschen Kul-
turrat kommt.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Immer nörgelnd! Das ist wohl zutreffend!)


Das ist doch ein wahrer Ritterschlag.

Ein Glück für uns ist ebenso, dass die CDU/CSU in
Steffen Kampeter einen wahren Kulturfreund als Chef-
haushälter hat.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Das ist auch ein Gewinn für die Kultur in unserem Land,
für deren Bedeutung so das Bewusstsein geschärft wird –
nicht nur mit der entsprechenden Finanzierung vieler
Maßnahmen, aber eben auch nicht ohne sie. Ich darf zum
Beispiel daran erinnern, dass nach 30 Jahren Hängepar-
tie endlich die UNESCO-Konvention zum Kulturgüter-
schutz umgesetzt sowie die Übereinkunft zur kulturellen
Vielfalt vom Kabinett verabschiedet wurde. Bernd
Neumann hat – das wissen Sie – die Filmförderung und
mit der EU-Fernsehrichtlinie auch die Zukunftsfähigkeit
des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gestärkt sowie die

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(C (D eutsche Welle nach langen Jahren der Kürzung endlich ieder angemessen finanziert. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP]: Ist das hier eine Werbeeinblendung?)


Frau Göring-Eckardt, es ist richtig, dass Erinnerungs-
ultur hier eine zentrale Bedeutung hat. Aber ich muss
ie korrigieren: Bei der Anhörung war es die Mehrheit
er Anzuhörenden, die das Konzept der Regierung zur
ortschreibung des Gedenkstättenkonzepts unterstützt
at. Es geht darum, die Unterstützung der Bundesregie-
ung für national bedeutsame Gedenkstätten der NS-Ter-
orherrschaft zu verstetigen, aber gleichzeitig die Aufar-
eitung der SED-Diktatur in angemessener Weise zu
erstärken.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Genau so war das!)


as ist von fast allen Anzuhörenden getragen worden.

Hierzu gehört auch – Frau Merkel hat es erwähnt –
as sichtbare Zeichen gegen Zwangsmigration, Flucht
nd Vertreibung. Jetzt, nachdem das Konzept vorliegt,
st es Sache des Parlaments, dieses wichtige Vorhaben
um Erfolg zu führen. In diesem Zusammenhang sind
uch die Anstrengungen des Kulturstaatsministers zu
ennen, um in Fragen der Restitution von Kulturgut
öglichst zu bundesweit einheitlichen, moralischen
aßstäben entsprechenden und transparenten Lösungen

u kommen. Die Verbesserung der Provenienzrecherche
st Voraussetzung dafür. Dafür liegt ein neues, solide fi-
anziertes Konzept vor.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Außer zur Initiative „Ein Netz für Kinder“ oder zum
RW-Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ möchte ich

ls Berliner Abgeordnete – sehen Sie es mir bitte nach –
olgendes sagen: Bernd Neumann hat – dafür danke ich

hm – ein großes Herz für die Hauptstadt. Das Bode-
useum wurde im Oktober 2006 wiedereröffnet. Für die

rrichtung des neuen Eingangsgebäudes auf der Mu-
eumsinsel sind immerhin zusätzliche Mittel in Höhe
on 73 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden.


(Klaus Hagemann [SPD]: Hat das der Neumann gemacht?)


as lange währt, wird bekanntlich endlich gut. Daher
in ich zuversichtlich, dass die Verhandlungen des Bun-
es mit Berlin in Sachen Staatsoper – auch hier geht es
mmerhin um 200 Millionen Euro – erfolgreich zu Ende
ebracht werden.


(Zuruf von der CDU/CSU: Wenn der Senat mitmacht!)


Wenn der Senat mitmacht.

Das Bekenntnis zur Kultur ist für uns immer auch ein
ekenntnis zu den Wertegrundlagen unserer Gesell-

chaft. Kultur ist kein dekorativer Luxus, den sich eine
esellschaft leistet, sondern eine Vorleistung, die, so
eine ich, allen zugute kommt.






(A) )



(B) )


Monika Grütters

(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Monika Griefahn [SPD] – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


Diese Regierung hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt,
dass sie die Bedeutung der Kultur für die Kulturnation
Deutschland erkannt hat. Daher darf, wie ich meine,
nicht nur die Frankfurter Rundschau unseren Kultur-
staatsminister getrost als den „Herbstmeister der Großen
Koalition“ würdigen.

Ich danke Ihnen.


(Beifall bei der CDU/CSU – Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr gute Rede!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612903700

Als letzte Rednerin zu diesem Einzelplan hat das

Wort die Kollegin Monika Griefahn von der SPD-Frak-
tion.


(Beifall bei der SPD)



Monika Griefahn (SPD):
Rede ID: ID1612903800

Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kolle-

gen! In den letzten Jahren ist es gute Tradition gewor-
den, dass wir im Rahmen der Debatte über den Kanzler-
haushalt auch eine Kulturdebatte führen. Da der
Staatsminister für Kultur und Medien im Kanzleramt re-
sidiert, kann der Kulturhaushalt in diesem Zusammen-
hang besprochen werden.

Der Haushalt des Kulturstaatsministers wurde schon
mehrfach erwähnt.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Gelobt wurde er!)


Auch vom „Wunder von Bernd“ wurde schon gespro-
chen. Ich möchte meiner Kollegin Merkel ausdrücklich
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Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1612903900
Die Er-
folge sind eher ein Wunder des Parlamentes. Das ist un-
ser Job, und das ist unsere Rolle.


(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])


Deswegen möchte ich mich an dieser Stelle ganz be-
sonders bei den Kollegen im Haushaltsausschuss bedan-
ken, insbesondere bei Petra Merkel. Ohne das Engage-
ment der Haushälter im Ausschuss kann man solche
Projekte nicht auf die Beine stellen. Ganz herzlichen
Dank allen, die dazu beigetragen haben. Petra, ich danke
dir ganz besonders für deinen Einsatz.


(Beifall bei der SPD)


Dieser Geldsegen ist gut angelegt. Mit diesen Mitteln
werden wichtige Investitionen finanziert, die überfällig
sind. Frau Merkel hat die anstehende Sanierung der
Staatsoper in Berlin, das Denkmalschutzprogramm und
anderes erwähnt. In den Haushaltsberatungen war uns
insbesondere die Förderung des Lepsius-Hauses in Pots-
dam und die Erhöhung der Mittel für das Projekt „Kul-
turhauptstadt Essen 2010“ wichtig. Das sind Projekte,
die nicht auf der Strecke bleiben sollen.

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(C (D (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])


Der Denkmalschutz ist uns ein besonderes Anliegen,
eil er auch aus strukturpolitischer Sicht eine große Be-
eutung hat. 2003 endete das sogenannte Dach- und
achprogramm der Bundesregierung für die neuen Bun-
esländer. Zwar gab es im Bereich des Denkmalschutzes
eiterhin Bundesfördermittel, sie hatten jedoch keine
reitenwirkung und entfalteten keine Strahlkraft. Dabei

ind gerade der Denkmalschutz und die Erhaltung des
ulturellen Erbes Bereiche, in denen die Länder bei aller
ulturhoheit auf die Unterstützung des Bundes angewie-

en sind. Viele Gemeinden können die für die Erhaltung
iner Kirche oder eines denkmalgeschützten Fachwerk-
auses erforderlichen Mittel nicht aufbringen. Solche
ebäude sind aber neben den großen Leuchttürmen wie
en preußischen Schlössern und Gärten wichtig, gerade
ür die Menschen vor Ort. Deswegen freue ich mich über
ieses Programm ganz besonders.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Es ist unser Anliegen, diesen Bereich für ganz
eutschland auszubauen. Dabei sollte man wissen, dass
enkmalpflege und Denkmalerhaltung auch zentrale
irtschafts- und Arbeitsplatzfaktoren sind. In diesem
ereich sind viele kleine und mittelständische Unter-
ehmen tätig, die oftmals hochgradig spezialisiert sind.
adurch bleiben zudem Handwerksberufe erhalten, die

onst wahrscheinlich aussterben würden, wie zum Bei-
piel Stukkateure oder Steinmetze. Wie wichtig diese
elten gewordenen Handwerkskünste sind, war bei der
erstellung der Spiegel im Grünen Gewölbe in Dresden

u erleben, das vor einem knappen Jahr von der Bundes-
anzlerin wiedereröffnet wurde. Hier wurde eine Tech-
ik angewendet, die nur noch ganz wenige Experten be-
errschen. Deswegen ist es wichtig, dies weiterhin zu
ördern. Wir sind beim Handwerk weltweit Spitze.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/ CSU])


Das heißt, wir stützen mit dem kulturellen Erbe nicht
ur das materielle Erbe, sondern eben auch das kreative
rbe, das Wissen und die Tradition. Es ist ganz wichtig,
as im Rahmen von Kulturpolitik immer wieder deutlich
u machen und Spitzentechnologie und Tradition hier
emeinsam zu verankern. Unsere lebendige Gesellschaft
ebt von dem Wissen und den Fähigkeiten. Wir müssen
iese weitervermitteln. Kulturpolitik ist eben auch im-
er Bildungs- und Wirtschaftspolitik.


(Beifall des Abg. Joachim Poß [SPD] sowie des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])


ulturpolitik ist gestaltende Politik. Das ist ein wichtiger
unkt.

Stichwort: Grünes Gewölbe und Dresden. In diesem
usammenhang muss ich leider noch eine Randbemer-
ung machen. Während Deutschland für seinen Denk-
alschutz weltweit gelobt und beneidet wird, verspielen
ir gerade beim Streit um die Waldschlösschenbrücke






(A) )



(B) )


Monika Griefahn
in Dresden diese Anerkennung. Kompromisse zur Lö-
sung des Streits sind möglich. Der Bund würde diese so-
gar mit zusätzlichen Mitteln unterstützen. Mittlerweise
gibt es mehr als 20 000 Unterschriften dafür, mit einem
neuen Bürgerentscheid eine Kompromisslösung herbei-
zuführen und einen Tunnel zu bauen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Einzig die Landesregierung in Sachsen hat bisher keine
ernsthaften Bemühungen um einen Kompromiss unter-
nommen. Das finde ich sehr bedauerlich.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN – Jörg Tauss [SPD]: Kulturlos!)


An die Adresse der Bundesregierung möchte ich hin-
zufügen: Die Bundesrepublik steht hier insgesamt in der
Verantwortung. Denn das schlägt auf uns zurück, übri-
gens auch auf die anderen Bundesländer


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP])


und auf die, die weitere Anträge auf Kulturerbestandorte
stellen. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass durch
das Fällen von mehr als hundert Jahre alten Eichen un-
widerrufliche Tatsachen geschaffen werden. Das sind
übrigens Bäume, die in Sachsen einmalig sind. Hier wer-
den gewachsene Strukturen zerstört. Das ist keine gestal-
tende, sondern zerstörerische Politik.


(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie des Abg. Hans-Joachim Otto [Frankfurt] [FDP])


Nun wieder zum Erfreulichen, zu den Steigerungen
im Haushalt 2008. Hier wurden schon die Mittel für die
Gedenkstätten Buchenwald und Dachau erwähnt.
Gedenkstätten sind Lernorte und wichtige gesamtge-
sellschaftliche Aufgaben. Es ist erfreulich, dass die Be-
sucherzahlen in den Gedenkstätten zunehmen und dass
wir uns über Geschichte informieren. Das spricht für
ihre Arbeit. Jedoch müssen die Gedenkstätten in die
Lage versetzt werden, mit den damit verbundenen An-
forderungen umzugehen. Sie müssen mehr Führungen
anbieten und mehr Personal beschäftigen können.

Auch wenn wir jetzt schon Verbesserungen erreichen
konnten, liegen die wichtigsten Fragen im Zusammen-
hang mit der Weiterentwicklung der Gedenkstättenför-
derung durch den Bund noch vor uns. Wir diskutieren
darüber; das wurde schon erwähnt. Vorgeschlagen wird
unter anderem, die Gedenkstätten in den westlichen
Bundesländern in die institutionelle Förderung aufzu-
nehmen. Wir als SPD-Fraktion unterstützen dieses An-
sinnen sehr.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


Wir müssen uns darüber klar sein, dass im nächsten
Jahr wahrscheinlich zusätzliche finanzielle Mittel dafür
nötig sein werden. Das müssen wir bei den zukünftigen
Haushaltsverhandlungen im Auge haben, damit wir ge-
nau diese Lernorte für unsere Kinder und auch andere
Menschen erhalten. Die Kinder werden heute schon

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(C (D urch entsandte Lehrer unterrichtet. Aber die anderen enschen, die in diese Lernorte kommen, haben die chwierigkeit, dort keine Führung zu bekommen. Das üssen wir vorsehen; das ist ganz wichtig. Es gibt weitere politische Schwerpunktthemen, die ns im nächsten Jahr beschäftigen werden. Die Enqueteommission „Kultur in Deutschland“ wird in der nächs en Sitzungswoche ihren Abschlussbericht vorlegen. Wir erden hier darüber diskutieren. Darin werden viele Be eiche unserer vielfältigen Kulturlandschaft beschrieben, ie sonst eher nicht im Mittelpunkt der öffentlichen ahrnehmung stehen. Es ist wichtig, dass sich das im aushalt wiederfindet, zum Beispiel in Form der sozioulturellen Zentren, die oftmals im ländlichen Raum der in städtischen Schwerpunkten das einzige kulturelle ngebot darstellen. Hier werden mit wenigen finanziel en Mitteln vielfältige kulturelle Angebote ermöglicht, ie sich stark an den Interessen und Bedürfnissen sowohl er Bürger als auch der Künstler orientieren. Diese Arbeit wird an Bedeutung zunehmen. Die tärkung der kulturellen Bildung findet in den soziokul urellen Zentren statt; dort wird Kultur als Teil von Interation berücksichtigt. Deswegen müssen wir sie untertützen. Etablierte Kultureinrichtungen haben eine ichtige Vorbildfunktion. Daher müssen Einrichtungen ie Bibliotheken und Musikschulen erhalten werden, erade im ländlichen Raum. Diesen wichtigen Aspekt üssen wir weiterhin im Blick haben. Eine grundsätzliche Anmerkung zum Haushalt: Wir reuen uns über die bereitgestellten Mittel. Wir müssen ns aber immer fragen: Geben wir das Geld an der richtien Stelle aus? Welche Ideen und Vorstellungen verbinen wir damit, dass wir für die Erhaltung des kulturellen rbes Geld ausgeben? Dabei geht es also um Struk urfragen. Im Bericht der Enquete-Kommission werden viele nstöße zur Lösung der vor uns liegenden Aufgaben geeben. Es stellt sich die Frage, welche Schwerpunkte wir n Zukunft beim Einsatz unseres Geldes setzen. Darüber üssen wir im nächsten Jahr intensiv diskutieren. Da ich gerade über den richtigen Einsatz des Geldes preche, möchte ich die „Initiative Musik“ ansprechen. m Jahr 2008 wird hierfür erneut 1 Million Euro zur Verügung gestellt, obwohl mit den konkreten Förderprojeken noch nicht begonnen wurde. Wir tun das, weil wir berzeugt sind, dass wir der Rock-, Popund Jazzszene it diesem Instrument wichtige Anreize geben können. Erste Ziele wie der Spielstättenpreis für Jazzmusik der die Tourbusförderung haben wir in dem Antrag, en wir in den Bundestag eingebracht haben, formuliert. s wird höchste Zeit, dass diese nun durch den Aufichtsrat unterstützt durch Fachleute aus den jeweiligen ereichen umgesetzt werden. Zentral ist: Mit 1 Million uro wollen wir nicht die bestehende Musikwirtschaft Monika Griefahn finanzieren, sondern durch Anreize gerade Nachwuchsprojekten, die es sonst nicht geben würde, eine Chance geben. So sind die Mittel richtig eingesetzt. Ich habe mich persönlich sehr darüber gefreut, dass wir einen Preis für qualitativ hochwertige und kulturell sowie pädagogisch wertvolle Computerspiele initiiert haben; daran arbeite ich zusammen mit anderen Medienund Kulturpolitikern der SPD schon seit vielen Jahren. Jetzt stellen wir 300 000 Euro zur Verfügung, und die Branche hat zugesagt, sich in einer ähnlichen Größenordnung zu beteiligen. An dieser Stelle möchte ich der Kollegin Petra Merkel und dem Kollegen Jörg Tauss, die hier besonders engagiert mitgewirkt haben, ganz herzlich danken. Schon im nächsten Jahr kann eine unabhängige Jury in verschiedenen Kategorien wie „Kinderund Jugendspiel“, „Nachwuchs“ oder „Innovation“ Preise für besonders positive Spiele verleihen. Die Preisgelder müssen wieder für die Entwicklung neuer Spiele eingesetzt werden. So unterstützen wir den Bereich der hochwertigen Computerspiele. Es ist Aufgabe der Kulturpolitik, Anreize zu setzen und Neues und Kreatives zu fördern. Das hat auch für die Kulturwirtschaft einen Wert. Ein Problem haben wir immer noch: die Erforschung der Wirkung von Medien und ihrer Konzentration. Der Medienund Kommunikationsbericht der Bundesregierung liegt noch immer nicht vor. Wir hoffen, dass wir darüber im nächsten Jahr diskutieren und konkrete Maßnahmen umsetzen können. Kulturpolitik findet natürlich nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland statt. Ein wichtiger Bereich, der beim Kulturstaatsminister angesiedelt ist, ist die Deutsche Welle. Ich freue mich, dass wir für die Deutsche Welle 4 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen konnten. Nun können das arabische Programm endlich auf acht Stunden pro Tag ausgeweitet und die Verbesserung von Deutsche Welle TV durch die Kooperation mit ARD und ZDF besser finanziert werden. Dass das Instrument des internationalen Dialogs wichtig ist, erlebe ich immer wieder, wenn ich im Ausland bin. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Abwicklung teurer Altlasten wie des Senders Nauen noch nicht finanziert werden konnte. Diese Belastung hätte ich der Deutschen Welle gern erspart; denn sie muss in die Zukunft und darf nicht in die Vergangenheit investieren. Die Deutsche Welle ist ein Instrument der Außenpolitik. Gott sei Dank haben wir auch im außenpolitischen Bereich eine Erhöhung der Mittel erzielen können; an dieser Stelle möchte ich dem Kollegen Lothar Mark danken, der sich hier besonders engagiert hat. Wir haben eine Erhöhung der Mittel um 82 Millionen Euro erreicht. M t „ l j a B s E v t k M f m G k d s D S t d a I d w p A D s D K s B s D n (C (D it über 40 Millionen Euro werden wir eine Schulinitiaive durchführen. 20 Millionen Euro stellen wir für die Aktion Afrika“ zur Verfügung, in deren Rahmen Schüeraustausche, Medienarbeit, Stipendien und Kulturproekte finanziert werden. Ich glaube, das ist sehr sinnvoll ngelegtes Geld. Denn durch jeden Euro, den man in ildung, Ausbildung und Dialog investiert, kann man ich Investitionen in Krisenprävention oder militärische insätze ersparen. Darauf müssen wir unser Augenmerk iel stärker als bisher richten. Das ist wirklich gut invesiertes Geld. Beim Goethe-Institut wird ab dem nächsten Jahr die omplette Budgetierung eingeführt, für die sich Lothar ark und ich schon seit zehn Jahren einsetzen. Ich bin roh, dass kein Goethe-Institut geschlossen werden usste, sondern dass, im Gegenteil, in Skopje und in den olfstaaten sogar zusätzliche Präsenzen eröffnet werden onnten. Bibliotheken in Bangalore und Mumbai weren ausgebaut und die Sprachangebote vor Ort verbesert. enn es ist uns nach wie vor ein Anliegen, die deutsche prache in anderen Ländern zu vermitteln. Auch das rägt zum Dialog bei. Kommen Sie bitte zum Schluss, Frau Kollegin. Ich bin beim letzten Satz. – Ich freue mich, dass wir iese Aufwüchse erreicht haben und dass die Kultur uch im Haushaltsausschuss als wichtig erachtet wird. ch hoffe, dass das nächste Jahr in Deutschland ein Jahr er Kultur und der Kunst und der Kulturschaffenden erden kann. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich schließe die Aussprache. Wir kommen zur Abstimmung über den Einzellan 04, Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt, in der usschussfassung. Hierzu liegen zwei Änderungsanträge der Fraktion ie Linke vor, über die wir zunächst abstimmen. Wer stimmt für den Änderungsantrag auf Druckache 16/7309? – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – er Änderungsantrag ist abgelehnt mit den Stimmen der oalitionsfraktionen und der Fraktion der FDP bei Zu timmung der Fraktion Die Linke und Enthaltung von ündnis 90/Die Grünen. Wer stimmt für den Änderungsantrag auf Druckache 16/7311? – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – er Änderungsantrag ist mit gleichen Stimmenverhältissen abgelehnt. Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms Wir kommen damit zur namentlichen Abstimmung über den Einzelplan 04 in der Ausschussfassung. Bevor ich die Abstimmung eröffne, möchte ich noch darauf hinweisen, dass wir direkt im Anschluss an die namentliche Abstimmung eine Gremienwahl und unmittelbar danach noch eine namentliche Abstimmung durchführen werden. Ich bitte Sie also, hier zu bleiben. Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die Plätze einzunehmen. – Sind die Urnen besetzt? – Es fehlen noch Schriftführer vonseiten der Koalition. – Ich eröffne die Abstimmung. Gleichzeitig gebe ich Ihnen bekannt, dass eine schriftliche Erklärung der Kollegin Michalk nach § 31 der Geschäftsordnung vorliegt, die wir zu Protokoll nehmen.1)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Zuruf von der SPD: Richtig!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)





(A) )


(B) )


(Zuruf von der SPD: Das ist auch gut so!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612904000
Monika Griefahn (SPD):
Rede ID: ID1612904100

(Beifall bei der SPD)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1612904200




(A) )


(B) )



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612904300

Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine

Stimme nicht abgegeben hat? – Das scheint nicht der Fall
zu sein. Dann schließe ich die Abstimmung und bitte die
Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung
zu beginnen. Das Ergebnis der namentlichen Abstimmung
wird Ihnen später bekannt gegeben.

Interfraktionell ist verabredet worden, die heutige Ta-
gesordnung um die Beratung des Zusatzpunktes 1 – Nach-
wahl zu verschiedenen Gremien – zu erweitern. – Damit
sind Sie ganz offensichtlich einverstanden.

Ich rufe damit Zusatzpunkt 1 auf:

Wahlvorschlag der Fraktion der SPD

Wahl eines Mitgliedes des Gemeinsamen Aus-
schusses gemäß Artikel 53 a des Grundgesetzes

Wahl eines vom Deutschen Bundestag zu ent-
sendenden Mitgliedes des Ausschusses nach

(Vermittlungsausschuss)


Wahl eines Mitgliedes des Parlamentarischen
Kontrollgremiums gemäß §§ 4 und 5 Abs. 4 des
Gesetzes über die parlamentarische Kontrolle
nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes

(Kontrollgremiumsgesetz – PKGrG)


– Drucksache 16/7287 –

Die Fraktion der SPD schlägt auf Drucksache 16/7287
vor, den Kollegen Thomas Oppermann als Nachfolger
für den Kollegen Olaf Scholz erstens in den Gemeinsa-
men Ausschuss nach Art. 53 a des Grundgesetzes, zwei-
tens in den Ausschuss nach Art. 77 Abs. 2 des Grundge-
setzes – Vermittlungsausschuss – sowie drittens in das
Parlamentarische Kontrollgremium zu wählen.

Wir kommen zunächst zur Wahl zum Mitglied des
Gemeinsamen Ausschusses und des Vermittlungsaus-
schusses. Wer stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Ge-
genstimmen? – Enthaltungen? – Damit ist dieser Vor-
schlag mit den Stimmen des ganzen Hauses, ohne
Gegenstimmen und ohne Enthaltungen, angenommen.

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1) Anlage 2

(C (D Jetzt kommen wir zur Wahl zum Mitglied des Parlaentarischen Kontrollgremiums. Hierfür ist laut Gesetz ie Mehrheit der Mitglieder des Hauses erforderlich. er stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Gegenstimen? – Enthaltungen? – Damit ist der Wahlvorschlag it der erforderlichen Mehrheit, und zwar mit den Stimen des gesamten Hauses, angenommen. Damit ist der Kollege Oppermann in diese Gremien ewählt. Jetzt rufe ich den Tagesordnungspunkt IV auf: Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/ CSU und der SPD Zurückweisung des Einspruchs des Bundesrates gegen das Gesetz zur Vorbereitung eines registergestützten Zensus einschließlich einer Gebäudeund Wohnungszählung 2011 (Zensusvorbereitungsgesetz 2011 – ZensVorbG 2011)

– Drucksachen 16/5525, 16/6455, 16/6456, 16/6728,
16/7085, 16/7222 –

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 9. November
egen das genannte Gesetz Einspruch eingelegt.

Bevor wir zur Abstimmung über diesen Antrag kom-
en, bitte ich um Ihre Aufmerksamkeit für einige Hin-
eise zum Abstimmungsverfahren: Es ist namentliche
bstimmung verlangt. Nach Art. 77 Abs. 4 Satz 2 des
rundgesetzes bedarf die Zurückweisung des Ein-

pruchs des Bundesrates, der einstimmig erfolgt ist, ei-
er Mehrheit von zwei Dritteln, mindestens aber der
ehrheit der Mitglieder des Deutschen Bundestages.
er den Einspruch zurückweisen will, muss mit Ja stim-
en. Bitte achten Sie darauf, dass die Stimmkarte, die
ie verwenden, Ihren Namen trägt.

Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den Antrag
er Fraktionen der CDU/CSU und der SPD auf
rucksache 16/7222. Ich bitte die Schriftführerinnen
nd Schriftführer, ihre Plätze erneut einzunehmen. –
ind alle Urnen besetzt? – Das ist der Fall. Dann eröffne

ch die Abstimmung.
Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine

timme noch nicht abgegeben hat? – Das scheint nicht
er Fall zu sein. Dann schließe ich die Abstimmung. Ich
itte die Schriftführerinnen und Schriftführer, auch hier
it der Auszählung zu beginnen. Das Ergebnis wird Ih-

en später bekannt gegeben.

(Unruhe)


Wir haben das Ziel, jetzt die Haushaltsberatungen
ortzusetzen. Das ist nur möglich, wenn diejenigen, die
n den Beratungen nicht teilnehmen und stattdessen an-
eren wichtigen Dingen nachgehen wollen, den Raum
erlassen und die anderen sich hinsetzen.

Wir kommen zum Tagesordnungspunkt II.10:
Einzelplan 05
Auswärtiges Amt
– Drucksachen 16/6405, 16/6423 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Jürgen Koppelin






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt
Herbert Frankenhauser
Lothar Mark
Michael Leutert
Alexander Bonde

Zum Einzelplan 05 liegt ein Änderungsantrag der
Fraktion der FDP vor.

Es ist verabredet, zwei Stunden zu debattieren. –
Dazu höre ich keinen Widerspruch. Dann ist das so be-
schlossen.

Ich eröffne die Aussprache und gebe das Wort dem
Kollegen Jürgen Koppelin für die FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Dr. h.c. Jürgen Koppelin (FDP):
Rede ID: ID1612904400

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Als Hauptberichterstatter für den Etat des Außenminis-
ters


(Jörg Tauss [SPD]: Sie haben das dicke Buch vergessen!)


– das Thema ist zu ernst für solche Zwischenrufe, Herr
Kollege – möchte ich mich ganz herzlich bedanken: zum
einen für die gute Zusammenarbeit mit den Haushältern,
aber auch mit dem ganzen Haus, zum anderen bei allen
Mitberichterstattern, egal von welcher Fraktion. Ich
glaube, wir haben sehr gute Arbeit geleistet; denn wir
haben vieles gemeinsam angeschoben und gestärkt.

Ich nenne hier einiges, das wir alle gemeinsam getra-
gen und für das wir uns stark gemacht haben, zum Bei-
spiel die auswärtige Kulturpolitik; das Goethe-Institut ist
ein Stichwort, aber auch die deutschen Schulen. Ich will
ausdrücklich auch den Kollegen Mark loben, der sich
hierfür immer sehr engagiert. Wir haben uns auch be-
müht, verstärkt Mittel für die Sanierung und Renovie-
rung der deutschen Botschaften zur Verfügung zu stel-
len. Viele Botschaftsgebäude stammen aus den 50er- und
60er-Jahren und sind jetzt dringend renovierungsbedürf-
tig. Auch das haben wir alle gemeinsam mitgetragen.


(Beifall bei der FDP)


Bevor ich jetzt einige kritische Anmerkungen mache,
will ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass sich diese
Anmerkungen nicht an die Mitarbeiterinnen und Mitar-
beiter des Außenministeriums richten, sondern zum ei-
nen an den Finanzminister und zum anderen natürlich an
den Außenminister.

Aus Sicht meiner Fraktion kritisch zu sehen ist die
Personalsituation im Auswärtigen Amt. Sie ist, sehr di-
rekt gesagt, äußerst unbefriedigend. Wenn man verlangt,
dass Deutschland eine wichtige Rolle in der Welt spielt,
dann muss man die Botschaften entsprechend mit Perso-
nal ausstatten; daran geht kein Weg vorbei. Die Arbeits-
belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den
Botschaften ist immens gewachsen, die Personalausstat-
tung ist gesunken. Wir haben den gleichen Personalstand
wie zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung.
Das entspricht nicht dem, was wir brauchen. Die Heraus-
forderungen sind einfach zu groß. Die Leistungsfähig-
keit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bot-

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(C (D chaften ist – das muss ich einfach sagen – an eine renze gekommen. Da gibt es kein Vertun. Hier müssen ir etwas machen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Koalitions-
raktionen, in unseren Diskussionen und auch im Aus-
chuss unterstützen Sie uns; da sind wir uns alle einig.
enn es aber ans Eingemachte geht, dann haben wir Ihre
nterstützung leider nicht. Deswegen sahen wir uns ge-
ötigt, einen Änderungsantrag vorzulegen, in dem wir
uf die Personalsituation hinweisen. Wir bitten Sie herz-
ich, unserem Antrag zuzustimmen. Bitte unterstützen
ie uns nicht nur mit Worten, sondern in der Abstim-
ung hier auch mit Taten. Ich wäre Ihnen sehr dankbar,
enn Sie unserem Antrag zustimmen würden.


(Beifall bei der FDP)


Es gibt einen weiteren Punkt. Wenn wir uns darin ei-
ig sind, dass die Botschaften personell knapp ausgestat-
et sind, dann geht auch kein Weg daran vorbei, zu sa-
en: Der Abbau von Planstellen und Stellen im
uswärtigen Dienst darf nicht in der bisherigen Form
ortgesetzt werden.


(Dr. Werner Hoyer [FDP]: Sehr richtig!)


enn wir schon jetzt einen Mangel haben, können wir
icht noch weiter abbauen.


(Beifall bei der FDP)


Ich möchte die heutige Gelegenheit nutzen, allen Mit-
rbeiterinnen und Mitarbeitern des gesamten auswärti-
en Dienstes meinen Dank und meine Anerkennung für
hre großen Leistungen auszusprechen.


(Beifall des Abg. Dr. Rainer Stinner [FDP])


s mag die eine oder andere Kritik geben – so habe ich
s gelesen –, zum Beispiel am Krisenstab. Wenn die
ritik berechtigt ist, dann ist das zu beheben. Insgesamt

ber leistet unser Krisenstab – unter manchmal er-
chwerten Bedingungen – ganz hervorragende Arbeit;
as sollte man nicht in der Öffentlichkeit zerreden. Hier
inden sich hoffentlich wieder alle zusammen, unter der
eitung des Ministers, der bereits im Gespräch angekün-
igt hat, dass da etwas geschieht. Der Krisenstab hat in
en vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet.
ir sprechen ihm unsere Anerkennung aus.


(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Herr Minister, was wir zu kritisieren haben, ist ein-
eutig; der Kollege Westerwelle hat das vorhin schon
ngesprochen. Sie müssen uns heute hier erklären, wa-
um Sie einen weiteren Staatssekretär brauchen. Wa-
um brauchen Sie einen innenpolitischen Berater? Wa-
um brauchen Sie weiteres Führungspersonal? In den
otschaften wäre mehr Personal notwendig gewesen,
ber doch nicht für Sie für den Wahlkampf. Das ist für
en deutschen Steuerzahler einfach zu teuer. Das sollten
ie uns erklären.


(Beifall bei der FDP und der LINKEN)







(A) )



(B) )


Jürgen Koppelin
Wenn wir in den Botschaften gutes Personal haben
wollen, dann müssen wir es vernünftig bezahlen, auch
unsere Botschafter. Insofern freue ich mich, dass man
zumindest in einem Punkt der FDP gefolgt ist und die
sehr wichtige Botschafterposition in Tel Aviv angehoben
hat. Ich sage der Koalition herzlichen Dank dafür, dass
sie meinem Vorschlag gefolgt ist. Vielleicht sollten wir
uns im nächsten Jahr alle Botschafterstellen angucken.
Man bekommt, gerade in Konkurrenz zur Wirtschaft,
nur dann gute Leute, wenn man sie vernünftig bezahlt,
gerade bei dem Job, den unsere Botschafter machen
müssen.

Ich möchte in aller Kürze noch ein Thema aufgreifen,
zu dem Sie heute ebenfalls Stellung nehmen müssen.
Das ist die Diskrepanz, die ich in Ihren Äußerungen zum
Dalai Lama festgestellt habe. Sie ziehen sich jetzt da-
rauf zurück, dass Sie sie in Ihrer Eigenschaft als stellver-
tretender Parteivorsitzender gemacht hätten. Auch als
Vertreter der FDP, die mit ihrer Friedrich-Naumann-Stif-
tung dem Dalai Lama sehr eng verbunden ist, sage ich:
Es kann nicht sein, dass ein Außenminister die Kanzlerin
kritisiert und sich dann darauf beruft, er habe nicht als
Außenminister gesprochen, sondern als stellvertretender
Parteivorsitzender. Ich sage Ihnen ganz offen: Mir ist
eine Kanzlerin lieber, die den religiösen Führer Dalai
Lama empfängt, als ein Kanzler, der Herrn Putin als auf-
rechten Demokraten bezeichnet.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612904500

Lothar Mark spricht jetzt für die SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Lothar Mark (SPD):
Rede ID: ID1612904600

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kolle-

gen! Mit Freude kann ich Ihnen heute berichten, dass es
in den Haushaltsberatungen gelungen ist, den Ansatz für
den Haushalt 2008 des Auswärtigen Amtes in der Berei-
nigungssitzung um zusätzlich 43,4 Millionen Euro anzu-
heben. Das heißt, in diesem Einzelplan sind nun Mittel
in Höhe von knapp 2,86 Milliarden Euro etatisiert. Im
Vergleich zu 2007 bedeutet dies einen Aufwuchs um
348 Millionen Euro oder um 13,9 Prozent. Die Mittel für
die deutsche Außenpolitik machen damit einen Anteil
am Gesamthaushalt von 1,01 Prozent im Vergleich zu
0,92 Prozent 2007 aus, was angesichts der gestiegenen
internationalen Anforderungen an die Bundesrepublik
seit langem vom Auswärtigen Amt, von meinem
Unionsberichterstatterkollegen Herbert Frankenhauser
und von mir als zuständigem Berichterstatter für die
SPD-Fraktion angemahnt wurde. Damit kommen wir
auch einer Forderung nach, die vom Auswärtigen Aus-
schuss in den vergangenen Jahren immer wieder erhoben
wurde.

Die mit dem Haushalt 2007 eingeleitete Trendumkehr
bei der Stellenausstattung des Auswärtigen Dienstes
konnte für das Haushaltsjahr 2008 fortgesetzt werden,
lieber Kollege Koppelin.

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(C (D eit Beginn der linearen Stellenkürzungen hat sich eine chere zwischen den wachsenden außenpolitischen Aufaben und der schrumpfenden Personalausstattung aufetan. Um die Handlungsfähigkeit des Auswärtigen ienstes auch in Zukunft sichern zu können, bedarf es eier angemessenen Personalausstattung. Dabei ist hervoruheben, dass das Auswärtige Amt Anstrengungen unterommen hat, um die eigenen Strukturen zu modernisieren nd zu verschlanken. er Auswärtige Dienst muss für die besten Köpfe in unerem Land weiterhin attraktiv bleiben. Die Forderung ach einer angemessenen Ausstattung mit Stellen zur trategischen Postenvorbereitung blieb auch in diesem ahr leider unerfüllt. Gerade im Auswärtigen Dienst, wo ie Beschäftigten der Rotation unterliegen, ist die sorgältige Vorbereitung auf den nächsten Posten unverzichtar. Angesichts der knappen Stellenlage erfolgt meines rachtens eine strategische Postenvorbereitung nicht in usreichendem Maße. Die Aufstockungen der Ansätze für die politischen ufgaben mit 21,5 Millionen Euro wie für die auswär ige Kulturund Bildungspolitik mit 15,6 Millionen uro sind das zentrale Ergebnis des Haushaltsaufstel ungsverfahrens für 2008. iesem wachsenden Gestaltungsspielraum muss aber uch ein Zuwachs bei den Betriebsmitteln entsprechen. er ODA-Aufwuchs im Haushalt des Auswärtigen Am es beträgt 272 Millionen Euro. Gemessen an den zusätzichen Mitteln, die aus dem Bundeshaushalt in den DA-Bereich geflossen sind – das sind insgesamt 50 Millionen Euro –, sind das 36,6 Prozent. Damit wird ie langjährige Forderung des Auswärtigen Amtes nach iner proportionalen Teilhabe an zusätzlichen ODAitteln erfüllt. Der ODA-Aufwuchs kommt einer Reihe on Haushaltsposten zugute, zum Beispiel der humanitäen Hilfe, der Krisenprävention, dem Stabilitätspakt für fghanistan, dem G-8-Afrikaprogramm sowie dem Sonerprogramm Afrika in der auswärtigen Kulturund Bilungspolitik. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall des Abg. Jörg Tauss [SPD])


(Beifall bei der SPD)


er Haushalt des Auswärtigen Amtes wird 2008 einen
DA-Anteil von insgesamt 600 Millionen Euro umfas-

en.

Viele Aufgabenwahrnehmungen des Auswärtigen Am-
s sind für die Entwicklung in verschiedenen Ländern
on großer Bedeutung. Das gilt ganz besonders für die
irkung der Kulturarbeit in Entwicklungsländern. Es

st nur folgerichtig, dass ein ausgewogener Anteil am
DA-Zuwachs im Bundeshaushalt auf das Auswärtige
mt entfällt, damit das Gleichgewicht zwischen den sehr
mfassenden wirtschaftlichen und entwicklungspoliti-
chen Maßnahmen sowie den viel geringer angesetzten
ulturprojekten nicht weiter aus dem Lot gerät. Das be-






(A) )



(B) )


Lothar Mark
deutet aber nicht, dass das Auswärtige Amt Arbeit des
BMZ übernimmt.

Unabhängig vom Haushalt des Auswärtigen Amtes
möchte ich darauf hinweisen, dass die Budgetierung im
Gesamthaushalt stärker forciert werden müsste. Erfreut
bin ich, dass der Flexibilisierungsgrad und die gegensei-
tige Deckungsfähigkeit in den einzelnen Titelgruppen im
Gesamthaushalt zugenommen haben.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


Trotzdem will ich anregen, dass der Aufgabenkritik in
allen Ministerien mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.


(Herbert Frankenhauser [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


Der Titel „Demokratisierungs- und Ausstattungshilfe,
Maßnahmen zur Förderung der Menschenrechte“ wurde
um 2,25 Millionen Euro auf über 20 Millionen Euro er-
höht.


(Beifall bei der SPD)


Mit der Aufstockung der Mittel für die Ausstattungs-
hilfe wird das Auswärtige Amt in enger Zusammenarbeit
mit dem Bundesministerium für Verteidigung 2008 in
der Lage sein, die sehr sinnvollen laufenden Projekte
finanziell ausreichend zu unterfüttern. Die Ausstattungs-
hilfe steht für eine besonders effiziente Form der Ent-
wicklungshilfe im Bereich „Auswärtiges Amt und Ver-
teidigungsministerium“.

Der Ansatz „Für humanitäre Hilfsmaßnahmen im
Ausland außerhalb der Entwicklungshilfe“ wurde um
2,2 Millionen Euro auf inzwischen 95,6 Millionen Euro
angehoben. Die Mittel sollen die vom Kabinett bereits
vorgesehenen 10 Millionen Euro für das humanitäre Mi-
nenräumen verstärken.


(Beifall bei der SPD)


Wir alle sind uns einig, dass hier in Zukunft noch mehr
getan werden muss.


(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Jürgen Koppelin [FDP])


Die „Leistungen im Rahmen der Stabilitätspakte
Afghanistan und Südosteuropa der Bundesregierung“
wurden auf 80 Millionen Euro erhöht und in der Bereini-
gungssitzung für die zwingend erforderliche Intensivie-
rung der Maßnahmen zum Wiederaufbau der Polizei in
Afghanistan um weitere 15,7 Millionen Euro aufge-
stockt. Als Haushälter bin ich sehr erfreut, dass damit
dem zivilen Aufbau in Afghanistan immer mehr Bedeu-
tung beigemessen wird.


(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Herbert Frankenhauser [CDU/CSU])


Im Sinne der Haushaltsklarheit und -wahrheit wurden
die Mittel jetzt auch im auswärtigen Haushalt etatisiert.
Auch das sehe ich als einen Erfolg von Herbert
Frankenhauser, mir und vielen anderen, die im Haus-
haltsausschuss dafür gekämpft haben.

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(C (D Die Bundesregierung sollte sich überlegen – hier preche ich auch im Namen meines Berichterstatterkolegen Herbert Frankenhauser –, ob sie nicht, wiederum m Sinne von Haushaltsklarheit und -wahrheit, in Zuunft einen neuen Titel „Friedenskonsolidierung und risenprävention“ einrichten will. (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


ieser sollte unserer Meinung nach mit 1,5 bis 2 Mil-
iarden Euro ausgestattet werden und alle Mittel enthal-
en, die aus den verschiedenen Ressorts wie AA, BMI,
MZ und BMVg in diese Aufgaben fließen. Es geht da-
ei nicht um eine Aufstockung der Mittel, sondern um
ine Bündelung der Bundesgelder in einem Titel. Da das
uswärtige Amt in dem Bereich die Hauptverantwor-

ung trägt, sollte es mithilfe dieses Haushaltstitels schnell
nd strategisch abgestimmt auf verschiedene Krisensitua-
onen und den dringendsten Bedarf reagieren können.

In der Bereinigungssitzung wurde auch der Titel „Ge-
ellschaftspolitische Maßnahmen der politischen Stiftun-
en“ um 1,7 Millionen Euro erhöht. Mit ihrer operativen
rbeit ergänzen die Stiftungen seit vielen Jahren die Au-
enpolitik der Bundesregierung. Das zusätzliche Geld
oll die erfolgreiche Arbeit der Stiftungen unterstützen
nd dafür sorgen, dass sie eine verlässliche und berechen-
are Planungs- und Finanzierungsgrundlage haben.

Lassen Sie mich hier ein anderes Problem ansprechen:
ie neuen EU-Mitgliedstaaten und Industriestaaten wie
üdkorea und Israel sind keine Partnerländer der deut-
chen Entwicklungszusammenarbeit. Die Fortsetzung
er Förderung durch das BMZ birgt die Gefahr, dass un-
ere Partner sich durch die Einstufung als Entwicklungs-
änder vor den Kopf gestoßen fühlen. Die Berichterstatter
ür das Auswärtige Amt und das BMZ müssen deshalb
it den Stiftungen darüber reden, ob die Förderzustän-

igkeit für die neuen EU-Länder und weitere Industrie-
nd Transformationsländer – selbstverständlich ein-
chließlich der Mittelübertragung – künftig in das Aus-
ärtige Amt verlagert werden oder beim BMZ bleiben.

Von den Haushaltsberichterstattern der Koalition
urde auch der Ansatz „Stipendien, Austauschmaßnah-
en und Beihilfen für Nachwuchswissenschaftler, Stu-

ierende und Hochschulpraktikanten aus dem Ausland
owie Betreuung und Nachbetreuung“ um 1 Million
uro erhöht.


(Beifall bei der SPD)


iese Investitionen – genau wie die in unsere Auslands-
chulen – sind rentierliche Investitionen, weil dadurch
achhaltige Bindungen an Deutschland entstehen, die
ich nicht nur strategisch und partnerschaftlich, sondern
uch ökonomisch auswirken. Der Ansatz für „Zuwen-
ungen an Schulen im Ausland“ wurde um 3,4 Millio-
en Euro auf 37 Millionen Euro erhöht.

Bildung ist das Schlüsselthema des 21. Jahrhunderts.
in wichtiges Ziel der auswärtigen Kultur- und Bil-
ungspolitik bleiben die Stärkung und der Ausbau des
etzes deutscher Auslandsschulen einschließlich der






(A) )



(B) )


Lothar Mark

mit meiner Kollegin Monika Griefahn gestritten; ich
wurde jüngst von allen Berichterstatterkollegen unter-

beitern, dem Außenminister und meinen Berichterstat-
terkollegen Jürgen Koppelin, Herbert Frankenhauser,
stützt.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


Die im vergangenen Jahr beschlossene Reform des
Goethe-Instituts als größter AKBP-Mittlerorganisation
ist gemäß Regierungsentwurf nun mit einem institutio-
nellen Förderbeitrag von knapp 120 Millionen Euro pro
Jahr abgesichert. Das Gesamtbudget beträgt jetzt rund
186 Millionen Euro.

An dieser Stelle möchte ich allen Beteiligten sowohl
beim Goethe-Institut als auch im Auswärtigen Amt und
meinem Kollegen Herbert Frankenhauser sehr für ihren
Einsatz im Zusammenhang mit dem 2006 eingeleiteten
Strategie- und Reformkonzept danken, das bereits
erste klar erkennbare Früchte trägt.


(Jürgen Koppelin [FDP]: Damit ist eigentlich alles gesagt!)


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Endgültiges Ergebnis
Abgegebene Stimmen: 576;
davon

ja: 420
nein: 156
enthalten: 0

Ja

CDU/CSU

Ulrich Adam
Ilse Aigner
Peter Albach
Peter Altmaier
Dorothee Bär
Thomas Bareiß
Norbert Barthle
Dr. Wolf Bauer

Günter Baumann
Ernst-Reinhard Beck


(Reutlingen)

Veronika Bellmann
Dr. Christoph Bergner
Otto Bernhardt
Clemens Binninger
Renate Blank
Peter Bleser
Antje Blumenthal
Dr. Maria Böhmer
Jochen Borchert
Wolfgang Börnsen


(Bönstrup)

Wolfgang Bosbach
Klaus Brähmig
Michael Brand
Helmut Brandt
Dr. Ralf Brauksiepe
Monika Brüning

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(D lexander Bonde und Michael Leutert sehr herzlich für ie gute Zusammenarbeit danken. Dank sage ich auch llen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auswärtigen mt für ihre exzellente Arbeit für Deutschland. Vielen Dank. Ich gebe Ihnen jetzt die von den Schriftführern und chriftführerinnen ermittelten Ergebnisse der namentlihen Abstimmungen bekannt, und zwar zunächst zum ntwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Buneshaushalts für das Haushaltsjahr 2008, Einzelplan 04, eschäftsbereich der Bundeskanzlerin und des Bundesanzleramtes: Abgegeben worden sind 578 Stimmen. it Ja haben gestimmt 422 Abgeordnete. Mit Nein ha en gestimmt 156 Abgeordnete. Damit ist der Einzellan 04 angenommen. eorg Brunnhuber ajus Caesar eo Dautzenberg ubert Deittert lexander Dobrindt homas Dörflinger arie-Luise Dött aria Eichhorn r. Stephan Eisel nke Eymer lse Falk r. Hans Georg Faust nak Ferlemann ngrid Fischbach artwig Fischer irk Fischer xel E. Fischer (KarlsruheLand)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612904700
r. Maria Flachsbarth
laus-Peter Flosbach

Herbert Frankenhauser
Dr. Hans-Peter Friedrich


(Hof)

Erich G. Fritz
Jochen-Konrad Fromme
Dr. Michael Fuchs
Hans-Joachim Fuchtel
Dr. Peter Gauweiler
Dr. Jürgen Gehb
Norbert Geis
Eberhard Gienger
Michael Glos
Ralf Göbel
Josef Göppel
Peter Götz
Dr. Wolfgang Götzer
Ute Granold
Reinhard Grindel
Hermann Gröhe
Michael Grosse-Brömer
Unterstützung von Neugründun
gen und Wachstumsregionen.


(Beifall bei Abgeordneten CSU und de An dieser Stelle ist auch die In der Zukunft“ des Auswärtigen nicht nur in diesem Titel, sond 41,5 Millionen Euro zur Verfüg dabei ist die Etablierung eines circa 1 000 Partnerschulen. Im Sinne von Haushaltsklar heit werden künftig fast alle dem ßenden Mittel in einem Titel er auch die weltweite Budgetier gelungen, nachdem das Pilotp verlaufen ist. Dafür habe ich, schuss für den Einzelplan 05 z gen in strategisch wichti der SPD, der CDU/ r FDP)


itiative „Schulen: Partner
Amtes zu nennen, für die
ern insgesamt zusätzlich
ung gestellt wurden. Ziel
erweiterten Netzes von

heit und Haushaltswahr-
Goethe-Institut zuflie-

fasst. Endlich ist ab 2008
ung des Goethe-Instituts
rojekt Italien erfolgreich
seit ich im Haushaltsaus-
uständig bin, gemeinsam

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Ich habe viele Einzelposition
elassen.


(Dr. Werner Hoyer [FD umma summarum ist festzuh entarischen Verfahren innerha m Gesamtumfang von 13,16 chichtet haben. Die Aufstock lan wurden möglich durch K Trennungsgeld, Fahrtkostenzu ostenvergütungen“, „Öffentlic nternationaler Gerichtshof“ – ufgaben vernachlässigen; den apan hinzugekommen – sowi eitrag im Rahmen der G-8-I nd Nichtverbreitungszusamme Abschließend möchte ich d ärtigen Amt und allen uns im ewissenhaft zuarbeitenden Mi (Cen aus Zeitgründen weg P]: 15 Minuten!)


alten, dass wir im parla-
lb des Einzelplans Mittel
Millionen Euro umge-

ungen in diesem Einzel-
ürzungen bei den Titeln
schüsse sowie Umzugs-
hkeitsarbeit“, „Ständiger

ohne dass wir hier unsere
n ein neuer Zahler ist mit
e beim Titel „Deutscher
nitiative zur Abrüstungs-
narbeit“.

en Haushältern im Aus-
mer wieder spontan und

tarbeiterinnen und Mitar-






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt
Markus Grübel
Manfred Grund
Monika Grütters
Dr. Karl-Theodor Freiherr zu

Guttenberg
Olav Gutting
Holger Haibach
Gerda Hasselfeldt
Ursula Heinen
Uda Carmen Freia Heller
Michael Hennrich
Jürgen Herrmann
Bernd Heynemann
Ernst Hinsken
Peter Hintze
Robert Hochbaum
Klaus Hofbauer
Franz-Josef Holzenkamp
Joachim Hörster
Anette Hübinger
Hubert Hüppe
Susanne Jaffke
Dr. Peter Jahr
Dr. Hans-Heinrich Jordan
Dr. Franz Josef Jung
Andreas Jung (Konstanz)

Bartholomäus Kalb
Hans-Werner Kammer
Steffen Kampeter
Alois Karl
Bernhard Kaster

(Villingen Schwenningen)

Volker Kauder
Eckart von Klaeden
Jürgen Klimke
Julia Klöckner
Jens Koeppen
Kristina Köhler (Wiesbaden)

Manfred Kolbe
Norbert Königshofen
Dr. Rolf Koschorrek
Hartmut Koschyk
Thomas Kossendey
Michael Kretschmer
Gunther Krichbaum
Dr. Günter Krings
Johann-Henrich

Krummacher
Dr. Hermann Kues
Dr. Karl A. Lamers


(Heidelberg)

Andreas G. Lämmel
Dr. Norbert Lammert
Katharina Landgraf
Dr. Max Lehmer
Paul Lehrieder
Ingbert Liebing
Eduard Lintner
Dr. Klaus W. Lippold
Patricia Lips
Dr. Michael Luther
Stephan Mayer (Altötting)

Wolfgang Meckelburg
Dr. Michael Meister
Dr. Angela Merkel
Friedrich Merz
Laurenz Meyer (Hamm)


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r. h. c. Hans Michelbach
hilipp Mißfelder
r. Eva Möllring
arlene Mortler
r. Gerd Müller
ildegard Müller
arsten Müller

(Braunschweig)


tefan Müller (Erlangen)

ernward Müller (Gera)

ernd Neumann (Bremen)

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r. Georg Nüßlein
ranz Obermeier
duard Oswald
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ita Pawelski
lrich Petzold
r. Joachim Pfeiffer
ibylle Pfeiffer
eatrix Philipp
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aniela Raab
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r. Peter Ramsauer
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laus Riegert
r. Heinz Riesenhuber
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ohannes Röring
urt J. Rossmanith
r. Norbert Röttgen
r. Christian Ruck
lbert Rupprecht (Weiden)

eter Rzepka
nita Schäfer (Saalstadt)

ermann-Josef Scharf
r. Wolfgang Schäuble
r. Annette Schavan
r. Andreas Scheuer
arl Schiewerling
orbert Schindler
eorg Schirmbeck
ernd Schmidbauer
hristian Schmidt (Fürth)

ndreas Schmidt (Mülheim)

go Schmitt (Berlin)

r. Andreas Schockenhoff
r. Ole Schröder
ernhard Schulte-Drüggelte
we Schummer
ilhelm Josef Sebastian
orst Seehofer
urt Segner
arion Seib
ernd Siebert
homas Silberhorn
ohannes Singhammer
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hristian Freiherr von Stetten
ero Storjohann
ndreas Storm
ax Straubinger

homas Strobl (Heilbronn)


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ans Peter Thul
ntje Tillmann
r. Hans-Peter Uhl
rnold Vaatz
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ndrea Astrid Voßhoff
erhard Wächter
arco Wanderwitz
ai Wegner
arcus Weinberg

eter Weiß (Emmendingen)

erald Weiß (Groß-Gerau)


ngo Wellenreuther
arl-Georg Wellmann
nnette Widmann-Mauz
laus-Peter Willsch
illy Wimmer (Neuss)


lisabeth Winkelmeier-
Becker
agmar Wöhrl
olfgang Zöller
illi Zylajew

PD

r. Lale Akgün
regor Amann
erd Andres
iels Annen

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ainer Arnold
rnst Bahr (Neuruppin)

oris Barnett
r. Hans-Peter Bartels
laus Barthel
ören Bartol
abine Bätzing
irk Becker
we Beckmeyer
laus Uwe Benneter
r. Axel Berg
te Berg
etra Bierwirth
othar Binding (Heidelberg)

olker Blumentritt
urt Bodewig
lemens Bollen
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r. Gerhard Botz
laus Brandner
illi Brase
ernhard Brinkmann

(Hildesheim)

arco Bülow
artin Burkert
r. Michael Bürsch
hristian Carstensen
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r. Peter Danckert
r. Herta Däubler-Gmelin
arl Diller
artin Dörmann
r. Carl-Christian Dressel
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(C (D ernot Erler etra Ernstberger arin Evers-Meyer nnette Faße lke Ferner abriele Fograscher ainer Fornahl abriele Frechen agmar Freitag eter Friedrich artin Gerster is Gleicke ünter Gloser enate Gradistanac ieter Grasedieck onika Griefahn erstin Griese abriele Groneberg chim Großmann olfgang Grotthaus olfgang Gunkel ans-Joachim Hacker ettina Hagedorn laus Hagemann lfred Hartenbach ichael Hartmann ina Hauer ubertus Heil r. Reinhold Hemker olf Hempelmann r. Barbara Hendricks ustav Herzog etra Heß abriele Hiller-Ohm etra Hinz erd Höfer is Hoffmann rank Hofmann ike Hovermann hristel Humme othar Ibrügger ohannes Jung ohannes Kahrs lrich Kasparick r. h. c. Susanne Kastner lrich Kelber hristian Kleiminger ans-Ulrich Klose r. Bärbel Kofler alter Kolbow ritz Rudolf Körper arin Kortmann olf Kramer nette Kramme rnst Kranz icolette Kressl olker Kröning r. Hans-Ulrich Krüger ngelika Krüger-Leißner ürgen Kucharczyk elga Kühn-Mengel te Kumpf hristine Lambrecht hristian Lange r. Karl Lauterbach elga Lopez abriele Lösekrug-Möller Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt Dirk Manzewski Dr. Peter Struck Sabine LeutheusserElke Reinke Lothar Mark Caren Marks Katja Mast Hilde Mattheis Markus Meckel Petra Merkel Ulrike Merten Dr. Matthias Miersch Ursula Mogg Marko Mühlstein Detlef Müller Michael Müller Gesine Multhaupt Dr. Rolf Mützenich Andrea Nahles Thomas Oppermann Holger Ortel Heinz Paula Johannes Pflug Joachim Poß Christoph Pries Dr. Wilhelm Priesmeier Florian Pronold Dr. Sascha Raabe Mechthild Rawert Steffen Reiche Maik Reichel Gerold Reichenbach Dr. Carola Reimann Christel Riemann Hanewinckel Walter Riester Sönke Rix René Röspel Dr. Ernst Dieter Rossmann Karin Roth Michael Roth Ortwin Runde Anton Schaaf Axel Schäfer Bernd Scheelen Dr. Hermann Scheer Marianne Schieder Otto Schily Dr. Frank Schmidt Ulla Schmidt Heinz Schmitt Olaf Scholz Ottmar Schreiner Reinhard Schultz Swen Schulz Ewald Schurer Frank Schwabe Dr. Angelica Schwall-Düren Dr. Martin Schwanholz Rolf Schwanitz Rita Schwarzelühr-Sutter Wolfgang Spanier Dr. Margrit Spielmann Jörg-Otto Spiller Dr. Ditmar Staffelt Dieter Steinecke Andreas Steppuhn Ludwig Stiegler Rolf Stöckel Christoph Strässer J D J J D F R S J D A P G G D L D A H D E D W H U M B N F J D D U R A E P M J U O P H D D H M J D H E B D M D H G J H S H In oachim Stünker r. Rainer Tabillion örg Tauss ella Teuchner r. h. c. Wolfgang Thierse ranz Thönnes üdiger Veit imone Violka örg Vogelsänger r. Marlies Volkmer ndreas Weigel etra Weis unter Weißgerber ert Weisskirchen r. Rainer Wend ydia Westrich r. Margrit Wetzel ndrea Wicklein eidemarie Wieczorek-Zeul r. Dieter Wiefelspütz ngelbert Wistuba r. Wolfgang Wodarg altraud Wolff eidi Wright ta Zapf anfred Zöllmer rigitte Zypries ein DP ens Ackermann r. Karl Addicks aniel Bahr we Barth ainer Brüderle ngelika Brunkhorst rnst Burgbacher atrick Döring echthild Dyckmans örg van Essen lrike Flach tto Fricke aul K. Friedhoff orst Friedrich r. Edmund Peter Geisen r. Wolfgang Gerhardt ans-Michael Goldmann iriam Gruß oachim Günther r. Christel Happach-Kasan einz-Peter Haustein lke Hoff irgit Homburger r. Werner Hoyer ichael Kauch r. Heinrich L. Kolb ellmut Königshaus udrun Kopp ürgen Koppelin einz Lanfermann ibylle Laurischk arald Leibrecht a Lenke M M H P J B D H D C J F D M D D D C F C D D D H M D H D K D H E S D W D W D D H L H C I D U D D K M J K O U D U D K K W D P B Schnarrenberger ichael Link arkus Löning orst Meierhofer atrick Meinhardt an Mücke urkhardt Müller-Sönksen irk Niebel ans-Joachim Otto etlef Parr ornelia Pieper örg Rohde rank Schäffler r. Konrad Schily arina Schuster r. Hermann Otto Solms r. Max Stadler r. Rainer Stinner arl-Ludwig Thiele lorian Toncar hristoph Waitz r. Guido Westerwelle r. Claudia Winterstein r. Volker Wissing artfrid Wolff artin Zeil IE LINKE üseyin-Kenan Aydin r. Dietmar Bartsch arin Binder r. Lothar Bisky eidrun Bluhm va Bulling-Schröter evim Dağdelen r. Diether Dehm erner Dreibus r. Dagmar Enkelmann olfgang Gehrcke iana Golze r. Gregor Gysi eike Hänsel utz Heilmann ans-Kurt Hill ornelia Hirsch nge Höger r. Barbara Höll lla Jelpke r. Lukrezia Jochimsen r. Hakki Keskin atja Kipping onika Knoche an Korte atrin Kunert skar Lafontaine lla Lötzer r. Gesine Lötzsch lrich Maurer orothée Menzner ornelia Möller ersten Naumann olfgang Nešković r. Norman Paech etra Pau odo Ramelow P V D D D F D D A J B D M C B G A E D D H K A B B W P P U D B T U S F R M U M A N J K W O B C K E C Ir D R S D J W J M F H G (D aul Schäfer olker Schneider r. Herbert Schui r. Ilja Seifert r. Petra Sitte rank Spieth r. Kirsten Tackmann r. Axel Troost lexander Ulrich örn Wunderlich ÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN arieluise Beck ornelia Behm irgitt Bender rietje Bettin lexander Bonde kin Deligöz r. Thea Dückert r. Uschi Eid ans-Josef Fell atrin Göring-Eckardt nja Hajduk ritta Haßelmann ettina Herlitzius infried Hermann eter Hettlich riska Hinz lrike Höfken r. Anton Hofreiter ärbel Höhn hilo Hoppe te Koczy ylvia Kotting-Uhl ritz Kuhn enate Künast arkus Kurth ndine Kurth onika Lazar nna Lührmann icole Maisch erzy Montag erstin Müller infried Nachtwei mid Nouripour rigitte Pothmer laudia Roth rista Sager lisabeth Scharfenberg hristine Scheel mingard Schewe-Gerigk r. Gerhard Schick ainder Steenblock ilke Stokar von Neuforn r. Harald Terpe ürgen Trittin olfgang Wieland osef Philip Winkler argareta Wolf raktionslose Abgeordnete enry Nitzsche ert Winkelmeier Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt Enak Ferlemann Ingrid Fischbach Siegfried Kauder (VillingenSchwenningen)


(Wackernheim)





(A) (C)


(B) )


(Everswinkel)


(Wiesloch)


(Wolmirstedt)


(Frankfurt)


(Saarbrücken)





(A) )


(B) )


Ronald Pofalla
Ruprecht Polenz

Annette Widmann-Mauz
Klaus-Peter Willsch
Dirk Fischer (Hamburg)


(Karlsruhe Land)

Dr. Maria Flachsbarth
Klaus-Peter Flosbach

Eckart von Klaeden
Jürgen Klimke
Julia Klöckner
Jens Koeppen
Kristina Köhler (Wiesbaden)


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r. Peter Ramsauer
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Becker

Dagmar Wöhrl
Wolfgang Zöller
Willi Zylajew
Hartwig Fischer (Göttingen) Volker Kauder Daniela Raab Willy Wimmer (Neuss)
Die zweite namentliche
Antrag der Fraktionen der CD
„Zurückweisung des Einspruch
das Gesetz zur Vorbereitung
Zensus einschließlich einer G

Endgültiges Ergebnis
Abgegebene Stimmen: 577;
davon

ja: 421
nein: 50
enthalten: 106

Ja

CDU/CSU

Ulrich Adam
Ilse Aigner
Peter Albach
Dorothee Bär
Thomas Bareiß
Norbert Barthle
Dr. Wolf Bauer
Günter Baumann
Ernst-Reinhard Beck


(Reutlingen)

Veronika Bellmann
Dr. Christoph Bergner
Otto Bernhardt
Clemens Binninger
Renate Blank
Peter Bleser
Antje Blumenthal
Dr. Maria Böhmer
Jochen Borchert
Wolfgang Börnsen


(Bönstrup)

Wolfgang Bosbach
Klaus Brähmig
Michael Brand
Helmut Brandt
Dr. Ralf Brauksiepe
Monika Brüning
Georg Brunnhuber
Cajus Caesar
Leo Dautzenberg
Hubert Deittert
Alexander Dobrindt
Thomas Dörflinger
Marie-Luise Dött
Maria Eichhorn
Dr. Stephan Eisel
Anke Eymer (Lübeck)

Ilse Falk
Dr. Hans Georg Faust

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Abstimmung hatte den
U/CSU und der SPD auf
es des Bundesrats gegen
eines registergestützten

ebäude- und Wohnungs-

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(Hof)


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78 Stimmen abgegeben. Mit
it Nein haben gestimmt 50. E
er Antrag ist gemäß Art. 77 A
it der erforderlichen Mehrhei

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r. Rolf Koschorrek
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r. Hermann Kues
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r. Norbert Lammert
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r. Michael Meister
r. Angela Merkel
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r. Gerd Müller
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(C (D d. Hier wurden ebenfalls Ja haben gestimmt 422, s gab 106 Enthaltungen. bs. 4 des Grundgesetzes t angenommen. r. Heinz Riesenhuber ranz Romer ohannes Röring urt J. Rossmanith r. Norbert Röttgen r. Christian Ruck lbert Rupprecht eter Rzepka nita Schäfer ermann-Josef Scharf r. Wolfgang Schäuble r. Annette Schavan r. Andreas Scheuer arl Schiewerling orbert Schindler eorg Schirmbeck ernd Schmidbauer hristian Schmidt ndreas Schmidt go Schmitt r. Andreas Schockenhoff r. Ole Schröder ernhard Schulte-Drüggelte we Schummer ilhelm Josef Sebastian orst Seehofer urt Segner arion Seib ernd Siebert homas Silberhorn ohannes Singhammer ens Spahn rika Steinbach hristian Freiherr von Stetten ero Storjohann ndreas Storm ax Straubinger homas Strobl ans Peter Thul ntje Tillmann r. Hans-Peter Uhl rnold Vaatz olkmar Uwe Vogel ndrea Astrid Voßhoff erhard Wächter arco Wanderwitz ai Wegner arcus Weinberg eter Weiß erald Weiß go Wellenreuther arl-Georg Wellmann Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt SPD Dr. Lale Akgün Gregor Amann Gerd Andres Niels Annen Ingrid Arndt-Brauer Rainer Arnold Ernst Bahr Doris Barnett Dr. Hans-Peter Bartels Klaus Barthel Sören Bartol Sabine Bätzing Dirk Becker Uwe Beckmeyer Klaus Uwe Benneter Dr. Axel Berg Ute Berg Petra Bierwirth Lothar Binding Volker Blumentritt Kurt Bodewig Clemens Bollen Gerd Bollmann Dr. Gerhard Botz Klaus Brandner Willi Brase Bernhard Brinkmann Edelgard Bulmahn Marco Bülow Martin Burkert Dr. Michael Bürsch Christian Carstensen Marion Caspers-Merk Dr. Peter Danckert Dr. Herta Däubler-Gmelin Karl Diller Martin Dörmann Dr. Carl-Christian Dressel Elvira Drobinski-Weiß Garrelt Duin Detlef Dzembritzki Sebastian Edathy Siegmund Ehrmann Hans Eichel Gernot Erler Petra Ernstberger Karin Evers-Meyer Annette Faße Elke Ferner Gabriele Fograscher Rainer Fornahl Gabriele Frechen Dagmar Freitag Peter Friedrich Martin Gerster Iris Gleicke Günter Gloser Renate Gradistanac Dieter Grasedieck Monika Griefahn Kerstin Griese Gabriele Groneberg Achim Großmann Wolfgang Grotthaus Wolfgang Gunkel Hans-Joachim Hacker B K A M N H D R D G P G P G Ir F E C L J J U D U C H D W F K R A E N V D A J H U C C D H G D L C K H M P U D U M D M G D A T H H J J C ettina Hagedorn laus Hagemann lfred Hartenbach ichael Hartmann ina Hauer ubertus Heil r. Reinhold Hemker olf Hempelmann r. Barbara Hendricks ustav Herzog etra Heß abriele Hiller-Ohm etra Hinz erd Höfer is Hoffmann rank Hofmann ike Hovermann hristel Humme othar Ibrügger ohannes Jung ohannes Kahrs lrich Kasparick r. h. c. Susanne Kastner lrich Kelber hristian Kleiminger ans-Ulrich Klose r. Bärbel Kofler alter Kolbow ritz Rudolf Körper arin Kortmann olf Kramer nette Kramme rnst Kranz icolette Kressl olker Kröning r. Hans-Ulrich Krüger ngelika Krüger-Leißner ürgen Kucharczyk elga Kühn-Mengel te Kumpf hristine Lambrecht hristian Lange r. Karl Lauterbach elga Lopez abriele Lösekrug-Möller irk Manzewski othar Mark aren Marks atja Mast ilde Mattheis arkus Meckel etra Merkel lrike Merten r. Matthias Miersch rsula Mogg arko Mühlstein etlef Müller ichael Müller esine Multhaupt r. 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Rainer Tabillion örg Tauss ella Teuchner r. h. c. Wolfgang Thierse ranz Thönnes üdiger Veit imone Violka örg Vogelsänger r. Marlies Volkmer ndreas Weigel etra Weis unter Weißgerber ert Weisskirchen r. Rainer Wend ydia Westrich r. Margrit Wetzel ndrea Wicklein eidemarie Wieczorek-Zeul D E D W H U M B N D H D K D H E S D W D W D D H L H C In D U D D K M J K O M U D U D K K W P B E P V D D D F D D A J F H G (C (D r. Dieter Wiefelspütz ngelbert Wistuba r. Wolfgang Wodarg altraud Wolff eidi Wright ta Zapf anfred Zöllmer rigitte Zypries ein IE LINKE üseyin-Kenan Aydin r. Dietmar Bartsch arin Binder r. Lothar Bisky eidrun Bluhm va Bulling-Schröter evim Dağdelen r. Diether Dehm erner Dreibus r. Dagmar Enkelmann olfgang Gehrcke iana Golze r. Gregor Gysi eike Hänsel utz Heilmann ans-Kurt Hill ornelia Hirsch ge Höger r. Barbara Höll lla Jelpke r. Lukrezia Jochimsen r. Hakki Keskin atja Kipping onika Knoche an Korte atrin Kunert skar Lafontaine ichael Leutert lla Lötzer r. Gesine Lötzsch lrich Maurer orothée Menzner ornelia Möller ersten Naumann olfgang Nešković etra Pau odo Ramelow lke Reinke aul Schäfer olker Schneider r. Herbert Schui r. Ilja Seifert r. Petra Sitte rank Spieth r. Kirsten Tackmann r. Axel Troost lexander Ulrich örn Wunderlich raktionslose Abgeordnete enry Nitzsche ert Winkelmeier Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt Die Linke. der Westbank und in Gaza beschämend. Das ist auch erbärmlich angesichts der Erfolglosigkeit von 40 Jahren Dr. Norman Paech (DIE L Frau Präsidentin! Liebe Ko Zunächst möchte ich den He herzlich begrüßen. Alle spreche sitzen schon wieder hier. Das s für die Intensität und die Ausf lungen dort. Wonach bemisst sich eig Außenpolitik? Nach dem Belie frageergebnisse widerspiegeln, gen auf die Privatranch von Prä (Jörg Tauss [SPD]: Nimmt man die Lösung von Verbreitung des Friedens in de die Bilanz eher kümmerlich un Herr Außenminister, Sie wa densmission in den USA und h sident Bush zweifelsohne ein Schon seit Wochen versucht ma Gruppenfoto von Annapolis, Eines ist jetzt schon sicher: Die lations-Show wird überhaupt dringlichsten Fragen – ob d INKE)





(A) )


(B) )


(Hildesheim)


(Wackernheim)


(Everswinkel)


(Wiesloch)


(Wolmirstedt)


(Saarbrücken)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der LINKEN)

lleginnen und Kollegen!
rrn Außenminister sehr
n von Annapolis, und Sie
pricht offensichtlich auch
ührlichkeit der Verhand-

entlich der Erfolg der
btheitsgrad, wie ihn Um-

oder nach den Einladun-
sident Bush?

Am Erfolg!)

Konflikten und auch die
r Welt als Maßstab, so ist
d geradezu gefährlich.

ren jetzt gerade auf Frie-
aben als Sherpa von Prä-
e gute Figur gemacht.
n, uns dieses Treffen, das
als Erfolg zu verkaufen.
se gigantische Public-Re-
nichts ändern. Keine der
ie Siedlungspolitik, der

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olitik, die dazu beigetragen h
ästinensischen Staates zu verhi
berhaupt keinen Frieden gebra

Weiter östlich, in Afghanis
ereits in das siebte Jahr. Kein
en Trümmern der alten Gese
in modernes Protektorat erric
ach Nation-Building. In diese
undesrepublik und die NATO
ken sich unaufhaltsam und imm
echtswidrigen Krieg. Die Regi
aupt keine Perspektive, wie
erauskommen will. Stattdess
orderungen nach neuen Ein
ibt es nur eine Alternative:
egner und ziviler Aufbau.

Ich sage Ihnen: Es gibt keine
hnen verbieten würden, aus di
ehmen Sie die Schweiz – es is
ie hat sich wegen der Zweck
SAF verabschiedet.

Im Iran steuern Sie direkt
age Ihrer Politik zu. So viel ist
itik der Sanktionen so verfolg
en Sie irgendwann Ihr Scheit
at, die Bildung eines pa-
ndern und die auch Israel
cht hat.

tan, geht der Krieg jetzt
Ende ist absehbar. Auf

llschaft wollen die USA
hten; sie nennen das ein-
s Projekt haben sich die
eingeklinkt. Sie verstri-
er mehr in einen völker-

erungskoalition hat über-
sie aus diesem Desaster
en werden jetzt wieder
greiftruppen laut. Dabei
Verhandlungen mit dem

Bündnispflichten, die es
esem Krieg auszusteigen.
t schon erwähnt worden –:
losigkeit mittlerweile aus

auf eine weitere Nieder-
klar: Wenn Sie diese Po-
en wie bisher, dann müs-
ern eingestehen, da Iran
Enthaltung

FDP

Jens Ackermann
Dr. Karl Addicks
Daniel Bahr (Münster)

Uwe Barth
Rainer Brüderle
Angelika Brunkhorst
Ernst Burgbacher
Patrick Döring
Mechthild Dyckmans
Jörg van Essen
Ulrike Flach
Otto Fricke
Paul K. Friedhoff
Horst Friedrich (Bayreuth)

Dr. Edmund Peter Geisen
Dr. Wolfgang Gerhardt
Hans-Michael Goldmann
Miriam Gruß
Joachim Günther (Plauen)

Dr. Christel Happach-Kasan
Heinz-Peter Haustein
Elke Hoff
Birgit Homburger
Dr. Werner Hoyer
Michael Kauch

Dr. Heinrich L. Kolb
Hellmut Königshaus
Gudrun Kopp
Jürgen Koppelin
Heinz Lanfermann
Sibylle Laurischk
Harald Leibrecht
Ina Lenke
Sabine Leutheusser-

Schnarrenberger
Michael Link (Heilbronn)

Markus Löning
Horst Meierhofer
Patrick Meinhardt
Jan Mücke
Burkhardt Müller-Sönksen
Dirk Niebel
Hans-Joachim Otto


(Frankfurt)

Detlef Parr
Cornelia Pieper
Jörg Rohde
Frank Schäffler
Dr. Konrad Schily
Marina Schuster
Dr. Hermann Otto Solms
Dr. Max Stadler
Dr. Rainer Stinner
Carl-Ludwig Thiele

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Wir kommen zurück zu unserer Debatte.

Ich gebe das Wort Dr. Norman Paech für die Fraktion

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(C (D lorian Toncar hristoph Waitz r. Guido Westerwelle r. Claudia Winterstein r. Volker Wissing artfrid Wolff artin Zeil ÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN arieluise Beck ornelia Behm irgitt Bender rietje Bettin lexander Bonde kin Deligöz r. Thea Dückert r. Uschi Eid ans-Josef Fell atrin Göring-Eckardt nja Hajduk ritta Haßelmann ettina Herlitzius infried Hermann eter Hettlich riska Hinz lrike Höfken r. Anton Hofreiter Bärbel Höhn Thilo Hoppe Ute Koczy Sylvia Kotting-Uhl Fritz Kuhn Renate Künast Markus Kurth Undine Kurth Monika Lazar Anna Lührmann Nicole Maisch Jerzy Montag Kerstin Müller Winfried Nachtwei Omid Nouripour Brigitte Pothmer Claudia Roth Krista Sager Elisabeth Scharfenberg Christine Scheel Irmingard Schewe-Gerigk Dr. Gerhard Schick Rainder Steenblock Silke Stokar von Neuforn Dr. Harald Terpe Jürgen Trittin Wolfgang Wieland Josef Philip Winkler Margareta Wolf renzverlauf, der Status von Jerusalem oder die Rückehr der Flüchtlinge – ist konkret verhandelt worden. as ist angesichts der katastrophalen Lebenssituation in Dr. Norman Paech nicht auf Druck reagieren wird. Oder es kommt zu dem wiederholt angekündigten Überfall der USA auf den Iran. Die Linke fordert: Trennen Sie sich von dieser Politik der Drohungen und Sanktionen! Verhandeln Sie ohne Vorbedingungen, wie Sie es mit Nordkorea getan haben! Fordern Sie statt Suspendierung der Urananreicherung scharfe internationale Kontrollen und überzeugen Sie die USA davon, dem Iran umfassende Nichtangriffsgarantien anzubieten und die alten Sanktionen aufzuheben! Anderenfalls erhalten Sie das, was Sie immer verhindern wollten, nämlich eine weitere Nuklearmacht im Nahen Osten. Um es deutlich zu sagen: Das Elend Ihrer Außenpolitik sind Ihre Abhängigkeit von den USA und der Verlust der Eigenständigkeit. Wir haben diese Eigenständigkeit bei der Weigerung, am Irakkrieg offen teilzunehmen, einmal aufscheinen sehen. Das war aber nur für kurze Zeit, und dann ist sie wieder erloschen. Aber zu der Politik der Drohungen und der Sanktionen gibt es eine Alternative, zu der Sie die Linke auffordert: Koppeln Sie sich von einer Politik ab, die zu immer mehr Konflikten und immer neuen Kriegen führt, ob im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika oder auch in Europa. Sie reden so viel vom Frieden; aber es kommen immer mehr Konflikte, mehr Gewalt und auch Kriege heraus. Unsere Forderung lautet: Entwickeln Sie eine eigene Außenpolitik, die auf der Achtung der Souveränität und der Gleichheit der Staaten sowie auf einer wirklichen Solidarität beruht. Dann wird es auch eine erfolgreiche und glaubwürdige deutsche Außenpolitik sein. Danke sehr. Als nächster spricht der Kollege Herbert Frankenhauser, CDU/CSU-Fraktion. Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Man kann sich keinen besseren Mitberichterstatter als den Kollegen Lothar Mark wünschen, (Beifall bei der SPD – Zurufe von der CDU/ CSU: Oh!)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der LINKEN)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612904800

(Beifall bei der CDU/CSU)

Herbert Frankenhauser (CSU):
Rede ID: ID1612904900

weil es niemanden gibt, der den Einzelplan 05 exakter
darstellen und erläutern kann.


(Beifall des Abg. Jörg Tauss [SPD])


Deswegen gratuliere ich ihm auch sehr herzlich dazu,
dass sein altes Anliegen endlich erreicht worden ist, dass
der Anteil des Einzelplans 05 am Gesamtetat die 1-Pro-
zent-Marke überschritten hat.


(Beifall bei der SPD)


Kollege Koppelin, Sie haben möglicherweise nicht
ganz mitbekommen, dass wir in der Personalausstattung
des Auswärtigen Amtes eine gewisse Kehrtwende einge-

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(C (D äutet haben. Ich freue mich, dass Sie in Bälde auch für en Einzelplan 05 ein Ausgabenbuch dem Hohen Hause ur Verfügung stellen wollen, das etwa so wie dieses ompendium auf Ihrem Pult aussieht; denn in diesem inzelplan zeigen Sie sich besonders ausgabenfreund ich, auch wenn Ihr Problem beim Protokoll noch nicht bschließend gelöst worden ist. Herr Kollege, möchten Sie denn eine Zwischenfrage on Herrn Koppelin zulassen? Es machte den Eindruck. Außerordentlich gerne. Bitte schön, Herr Koppelin. Lieber Herr Kollege, da Sie gerade von der Personal ituation sprechen, sind Sie natürlich in der Koalition etas besser als wir von der Opposition informiert. Wie ist igentlich der neueste Stand, was das Personal angeht? ch habe den beamteten Staatssekretär, der noch dazuommt, bereits erwähnt. Wie viel Personal geht jetzt om Arbeitsministerium in das Auswärtige Amt oder ird nach dort entliehen? Im Haushaltsausschuss konnte iese Frage nicht beantwortet werden. Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Die ganze ache ist noch im Fluss. (Heiterkeit bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612905000
Herbert Frankenhauser (CSU):
Rede ID: ID1612905100
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612905200
Dr. h.c. Jürgen Koppelin (FDP):
Rede ID: ID1612905300
Herbert Frankenhauser (CSU):
Rede ID: ID1612905400

ber sobald es endgültig entschieden sein wird, werden
ie umfangreich informiert werden, Herr Kollege. Dafür
orge ich persönlich.

Ich lege Wert darauf, dass insbesondere beim Einzel-
lan 05 das Parlament über seine Berichterstatter von
einem Budgetrecht ausgiebig Gebrauch gemacht hat,
as in Laufe der Zeit etwas verloren gegangen war. Ich

preche lediglich ein paar Themen an, da mir der Kol-
ege Mark nur wenige Nischen gelassen hat.

Herr Außenminister, ich bitte Sie, den zu der G-8-Ab-
üstungsinitiative geschlossenen Vertrag bezüglich Russ-
ands zu überprüfen, weil wir doch gewisse Erklärungs-
chwierigkeiten haben. Einerseits stellen wir sehr hohe
eträge für das Abwracken russischer Atom-U-Boote
ur Verfügung, und andererseits erklärt Russland, neue
auen zu wollen.

Ich sehe den Aufbau des neuen Europäischen Aus-
ärtigen Dienstes etwas skeptisch; deswegen gab es eine
perre beim Personal. Hier wollen wir abwarten, wie es
ich im Laufe des Jahres entwickeln wird.

Erfreulicherweise sind wir mit dem leidigen Thema
iegenschaftsmanagement, das alle Bauten des Aus-
ärtigen Amtes im Ausland betrifft, etwas vorangekom-
en, und zwar dahin gehend, dass das Auswärtige Amt






(A) )



(B) )


Herbert Frankenhauser
mehr eigene Entscheidungsmöglichkeiten erhalten wird.
Ich bitte Sie aber nachdrücklich, Herr Außenminister,
prüfen zu lassen, ob wirklich jede Bruchbude, die sich
im Ausland deutsche Botschaft nennt, unbedingt unter
Denkmalschutz gestellt werden muss,


(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)


weil im Ausland insbesondere dann, wenn die örtlichen
Behörden schon die Caterpillar-Planierraupen haben
auffahren lassen, völliges Unverständnis herrscht, wie
solche Dinge mit Millionenaufwand wiederhergestellt
werden. Vielleicht könnten wir hier ein gewisses exterri-
toriales Recht finden. Wir starten auch ein neues Pro-
gramm, mit dem unsere Botschaften im Ausland mit al-
ternativen Energien umfangreich ausgestattet werden,
um auch dort unsere Leistungsfähigkeit auf diesem Ge-
biet zu zeigen.

Wir haben den UN-Beitrag für den Sudan, Herr Au-
ßenminister, um 49 Millionen Euro erhöht. Dort spielt
sich zwar nach wie vor eine Tragödie ab, aber es kann
auch nicht sein, dass durch erhöhte UN-Gelder den deut-
schen Nichtregierungsorganisationen das Personal abge-
worben wird, weil die UNO wesentlich höhere Gehälter
zahlt.

Ich weise darauf hin, dass die Mittel für die Polizei in
Afghanistan um 15,7 Millionen Euro zusätzlich erhöht
worden sind. Es ist bedauerlich, dass die Türkei immer
noch ein Abkommen blockiert und deshalb die Polizei-
kräfte direkt unter den Schutz der ISAF-Truppen gestellt
werden. Ich denke, dass in solchen Krisen und Kriegsge-
bieten die europäischen Ausschreibungsrichtlinien
ebenso in den Papierkorb gehören wie die deutschen
TÜV- und ASU-Vorschriften in Kabul und Umgebung.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


Ich denke, dass wir dabei endlich Nägel mit Köpfen
machen sollten. Letztendlich müsste dann zum Abbau
auch dieser Bürokratie in Brüssel der ehemalige Minis-
terpräsident Edmund Stoiber eingesetzt werden, der da-
für bestimmt die nötige Durchschlagskraft hätte.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Denn der Rechnungshofbericht hat erneut schwerste
Verstöße im Bereich der Haushaltsführung auf europäi-
scher Ebene festgestellt.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Ist das abgestimmt in der CSU?)


Möglicherweise liegt es daran, dass uns der Europäische
Rechnungshof in der Erhöhung des Renteneintrittsalters
schon etwas vorausgegangen ist. Ich habe mit großer
Überraschung gelesen, dass viele Mitglieder schon auf
das goldene Rentenalter von 75 Jahren zusteuern.


(Heiterkeit bei der CDU/CSU und der SPD)


Möglicherweise trübt auch das ehrliche Einkommen von
444 444 Euro etwas den Blick, wodurch zu erklären ist,
dass die Kosten des Neubaus für diese Riege älterer Her-
ren von ursprünglich 26 Millionen Euro mittlerweile
schon bei 83 Millionen Euro angelangt sind.

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(C (D Das ist doch eine sehr erfolgreiche Tätigkeit eines echnungshofes. Vielleicht könnten Sie, Herr Außenmiister, bei der Besetzung künftig auch an Personen denen, die zwar nicht unbedingt aus der Jungen Union ommen müssen, aber vielleicht mittleren Alters sind. as würde diesem Gremium sicherlich gut tun. Es gäbe icherlich auch den einen oder anderen, der diese Arbeit ür ein geringeres Salär tun würde. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wir wissen, dass die Gelder, die der Deutsche Bun-
estag dem Auswärtigen Amt zur Verfügung stellt, or-
entlich verwaltet werden. Vielen Dank, Herr Finanzmi-
ister, dass Sie schon in der Kabinettsvorlage Vorsorge
etroffen und nicht alles dem Budgetrecht des Parlamen-
es überlassen haben.


(Heiterkeit bei der CDU/CSU und der SPD)


Der Vizekanzler und Außenminister, dem wir die Mit-
el für Öffentlichkeitsarbeit etwas gekürzt haben – das
etrifft zwar nicht die innerkabinettliche Kritik, aber
ielleicht hilft es trotzdem –, hat in dieser Woche in ei-
em Interview gesagt, es gebe keine Alternative zu die-
er Koalition, keine Alternative wäre besser für unser
and – und ich ergänze: für diesen Haushalt.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612905500

Jetzt hat Marieluise Beck das Wort für Bündnis 90/

ie Grünen.

Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/DIE
RÜNEN):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

s braucht schon einiges, verehrter Herr Koppelin, ehe
an Ihnen zustimmen kann. Aber in diesem Fall muss
an das wirklich tun, was die Frage der Stellenbeset-

ung und Umwidmung im Auswärtigen Amt anbelangt.
s ist nicht das erste Mal, dass ein Außenminister
leichzeitig Vizekanzler ist. Bisher bedurfte aber noch
ein solcher Vizekanzler der Unterstützung eines beam-
eten Staatssekretärs. Das ist also eindeutig ein Bruch
it der Tradition des Hauses. Angesichts der Besetzung

ich kenne den verehrten Kollegen Tiemann, der sich
isher immer als Arbeits- und Sozialpolitiker hervorge-
an hat – erwarten wir gespannt, welches außenpolitische
eld ihm nun im Auswärtigen Amt übertragen werden
ird.


(Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD]: Der kann das! Guter Mann!)


Ich habe mich eben an dem scheinbar so harmoni-
chen Bild des Verhältnisses zwischen Ihnen, Herr
teinmeier, und der Kanzlerin erfreut. Dies sah in den
ergangenen Wochen doch deutlich anders aus, und
war öffentlich und für jeden wahrnehmbar. Die Kanzle-
in mit ihrer Einladung an den Dalai Lama, die wir rich-
ig fanden, weil es nicht darum geht, sich wegzuducken,






(A) )



(B) )


Marieluise Beck (Bremen)

wenn der chinesischen Regierung etwas nicht passt, ist
dafür von Ihnen öffentlich und deutlich kritisiert wor-
den. Damit sind Sie ihr in den Rücken gefallen. Sie ha-
ben das als Schaufensterpolitik bezeichnet.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Sollen wir jetzt sagen, es sei Schaufensterpolitik gewe-
sen, als Sie das Vorgehen gegen russische Oppositionelle
– zu Recht – gerügt haben? Das war ein deutliches Zei-
chen, das notwendig war.

Diese Auseinandersetzung schwächt das Renommee
der deutschen Außenpolitik, und in Zeiten, da Deutsch-
land gerade auch innerhalb der Europäischen Union so
gebraucht wird wie derzeit, können wir Derartiges nicht
gebrauchen. Jetzt muss tatsächlich irgendwie eine stra-
tegische Gemeinsamkeit entstehen. Ich bin gespannt,
was bei den angesetzten Gesprächen herauskommen
wird.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Klar sollte für uns sein, dass es gegenüber Ländern
mit gravierenden rechtsstaatlichen und menschenrechtli-
chen Defiziten klare Worte und Taten aus Deutschland
gibt und dass dies ein unverrückbarer Grundsatz ist. Das
birgt Herausforderungen hinsichtlich der Frage in sich:
Wie gehen wir mit Ländern um, die zunehmend schwie-
rig werden, die sich eher von der Demokratie weg entwi-
ckeln, statt in die Richtung zu gehen, die wir erwartet
haben? Dies gilt auch für Russland; wir haben es vor
zwei Wochen hier debattiert.

Wo liegen jetzt die strategischen Antworten jenseits
der Benennung des Dilemmas?

Der erste Schlüssel liegt in Folgendem: Wir alle müs-
sen in der Einschätzung dessen, was in Russland derzeit
passiert, realistischer werden. Die Hoffnung, die wir in
den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehabt
haben, dass Russland sich geradezu systematisch in
Richtung auf die westlichen Verfassungen und Demo-
kratien zubewegen werde, erfüllt sich nicht.

Dieser Realismus ist sicherlich vernünftig, weil er
uns einen Blick gibt, mit dem wir uns dann, ohne leicht
verträumt zu sein, auf das einstellen können, was sich
derzeit abspielt. Die Entwicklung geht in Richtung eines
autoritären Staates; das ist das Faktum, mit dem wir uns
auseinanderzusetzen haben.

Trotzdem bleibt natürlich dieses Russland ein wichti-
ger Partner für uns. Wir sind aufeinander angewiesen,
wobei die Betonung bei „aufeinander“ liegt. Nicht nur
wir sind von Russland abhängig; wir sind es in der Ener-
giepolitik, wir sind es in der Klimapolitik, wir sind es bei
der Bewältigung von Krisen von Darfur bis Kosovo und
Iran, wie wir ebenfalls alle wissen. Aber dazu braucht es
Realismus und sicherlich auch sehr viel Gelassenheit
und sehr viel Geduld. Wir müssen nicht gleich alle sprin-
gen, wenn Herr Putin eine zornige Rede hält, denn Russ-
land braucht auch uns, sowohl als wirtschaftlicher Part-
ner, aber auch, weil Russland ein europäisches Land sein
will. Das heißt, wir müssen Russland bei seinen eigenen
Ansprüchen verpflichtend packen. Es ist Mitglied der

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(C (D SZE, es ist Mitglied des Europarates, und es kann ort nicht teilhaben, um die Standards dort auszuhöhen. Vielmehr müssen wir Russland immer wieder darauf erpflichten, diese Standards einzuhalten. Diese Standards sind übrigens nicht nur europäische; u ihnen gehört auch die UN-Charta. Wenn wir auf dieen Standards beharren – dies an den Kollegen Herrn ehrcke –, bedeutet dies nicht, mit dem Zeigefinger auf ussland zu zeigen, sondern es bedeutet: Wir bleiben auf em Boden unserer Werte stehen. Wenn Herr Margelow etzt Präsident der PV des Europarates werden will, uss das ganz deutlich sein. Ein Präsidentenamt kann icht dazu da sein, um die PV des Europarates auszuöhlen. Die Entwicklungen, die wir im Augenblick mit er OSZE haben, sind sehr bedenklich. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN und der FDP)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


ir sollten Russland also innerhalb der Institutionen, in
enen wir uns gemeinsam mit ihm bewegen, beim Wort
ehmen.

Ein zweiter Schlüssel liegt sicherlich im Verhältnis
u Polen. Wir haben mit den Neuwahlen in Polen eine
roße Chance bekommen. Wir sollten die Möglich-
eiten, die sich jetzt mit der Ernennung von Herrn
artoszewski zum außenpolitischen Berater auftun – wir
lle in diesem Haus respektieren und ehren ihn –,


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)


icht verspielen durch die schwierige Debatte über die
stseepipeline und noch viel weniger durch die unselige
ebatte über das Zentrum gegen Vertreibung


(Beifall der Abg. Dr. Angelica Schwall-Düren [SPD])


nd die Form, in der sie geführt wird. In Polen sind wie-
er sehr viele Gräben aufgerissen worden, die durch jah-
elange Verständigung langsam zugeschüttet worden wa-
en. Es ist verheerend. Man kann sich von diesem Platz
ur wünschen, dass endlich ein Schritt in die richtige
ichtung gegangen wird, indem wir uns gemeinsam mit
olen der schwierigen Thematik der Geschichte anneh-
en. Wir sollten den Bund der Vertriebenen nicht vo-

ausmarschieren lassen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP)


Der dritte Schlüssel ist die Gemeinsamkeit innerhalb
er EU-Politik. Jede Bilateralität, jeder bilaterale Schritt
ibt dem Kreml und Russland die Möglichkeit, uns aus-
inanderzudividieren. Dies macht uns viel schwächer,
ls wir es als ein Raum mit 500 Millionen Bürgerinnen
nd Bürgern und mit einer großen Wirtschaftskraft fak-
isch sind. Auch hinsichtlich eines gemeinsamen Vorge-
ens in der EU-Politik ist noch viel zu tun.

Wir alle haben heute gehört: Die Einigung zum
osovo ist nicht eingetreten. Dies ist nicht wirklich

berraschend für uns. Bei allen vorstellbaren Lösungen,






(A) )



(B) )


Marieluise Beck (Bremen)

von denen wir wissen, dass sie alle mit Problemen be-
haftet sind, kann nur die Gemeinsamkeit der EU einen
schwierigen Weg aus der verfahrenen Situation zeigen.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612905600

Frau Kollegin!

Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN):

Es kommt auf die Gemeinsamkeit der EU auch bei
den nächsten Schritten, über die in Bezug auf das Ko-
sovo zu entscheiden ist, an.

Schönen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612905700

Das Wort hat jetzt der Bundesminister Frank-Walter

Steinmeier.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des
Auswärtigen:

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren Abgeordneten! Ich hoffe, man sieht es nicht; aber
ich bin erst vor wenigen Stunden aus Annapolis zurück-
gekommen. Ich will Sie wahrhaftig nicht mit einem Er-
gebnisrapport behelligen, zumal Sie das meiste schon
über die Medien zur Kenntnis genommen haben. Weil
aber die Vorberichterstattung so überaus skeptisch war,
gehe ich davon aus, dass Sie vielleicht an einigen ergän-
zenden Einschätzungen von jemandem interessiert sind,
der das Geschehen vor Ort verfolgt hat.

Ich will einleitend sagen: Ja, es stimmt, bisher sind
alle Bemühungen um Frieden und Stabilität im Nahen
Osten gescheitert. Das ist richtig. Deshalb sind wir gut
beraten, wenn wir mit Realismus und Augenmaß an die
Bewertung der zukünftigen Prozesse nach der Annapo-
lis-Konferenz herangehen. Das alles ist richtig.

Dennoch sage ich jenseits aller professionellen Rou-
tine, die wir gerade auch in der Außenpolitik brauchen:
Wer während der Konferenz einmal einen Blick in das
große Rund der 45 teilnehmenden Staaten werfen
konnte, wer gesehen hat, wie viele Vertreter von Staaten,
die untereinander nicht einmal diplomatische Beziehun-
gen haben, die ihren Kriegszustand nicht beendet haben,
beieinandersaßen, wer sich klarmacht, dass aus den glei-
chen Gründen, wie eben referiert, viele Vertreter der is-
raelischen Delegation, die zahlreich angetreten war, ihre
arabischen Gesprächspartner überhaupt nicht kannten,
keine Direktgespräche mit diesen geführt hatten und na-
türlich erst recht kein Beziehungsnetzwerk zu den arabi-
schen Kollegen hatten, wer die wirklich bewegenden
Reden von Präsident Abbas und Ministerpräsident
Olmert hat hören können, der weiß: Diese Konferenz
war alles in allem ein Ereignis jenseits von außenpoliti-
scher Alltagsroutine. Das war gerade nicht diplomati-
scher Alltag. Bei aller Abgeklärtheit und aller Unüber-
sichtlichkeit der internationalen Konfliktlage, die nicht

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(C (D u leugnen ist – auf einige Stichworte komme ich zurück –, ollten wir die Außergewöhnlichkeit dieses Ereignisses, err Paech, am Ende dennoch wahrnehmen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Wahrnehmen“ heißt ja nicht, schon jetzt daranzugehen,
as Ereignis selbst zu verklären. Es bleibt natürlich da-
ei: Es gibt auch nach der Konferenz von Annapolis
eine Garantie für das Gelingen – so wenig wie bei frü-
eren Versuchen. Aber – das ist entscheidend – in den
ahöstlichen Friedensprozess ist wieder Bewegung ge-
ommen. Schon das ist gut.

Was den jetzt begonnenen Friedensversuch im Nahen
sten von früheren Versuchen unterscheidet, sind aus
einer Sicht fünf Dinge:

Erstens: die Ernsthaftigkeit der Bemühungen beider
onfliktpartner in Palästina und in Israel. Wenn Sie in
en letzten Wochen genau darauf geachtet haben, konn-
en Sie feststellen: Die Konfliktpartner haben im Unter-
chied zu früheren Situationen nicht eine Konferenz
urch Dritte vorbereiten lassen, sondern selbst aktiv
urch Eigeninitiative an der Vorbereitung dieser Konfe-
enz mitgewirkt.

Zweitens. Wer auch immer in Palästina Verantwor-
ung trug, war mit seinen Friedensbemühungen regelmä-
ig in der Arabischen Liga isoliert. Schauen Sie einmal
enau auf die Teilnehmerzahl: Zum ersten Mal haben
ir bei einem solchen Versuch Unterstützung von der
anz großen Mehrzahl der arabischen Staaten. Auch das
st eine Sonderentwicklung.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


Drittens – auch das bitte ich festzuhalten –: Die Gro-
en übernehmen hier wirklich Verantwortung. Wenn ich
die Großen“ sage, dann meine ich zuallererst die USA,
ie mit hohem Risiko – und Respekt von unserer Seite –
u einem Zeitpunkt, als man nicht ahnen konnte, wer an
ieser Konferenz teilnehmen wird, an die Vorbereitung
egangen sind und, was vielleicht noch schwieriger ist,
etzt in dem Follow-up-Prozess eine Art Mittlerrolle,

oderatorenfunktion bei den Einzelverhandlungen zwi-
chen den Palästinensern und den Israelis übernehmen
ollen.

Viertens. Was wir für die USA sagen können, gilt im
ugenblick erstaunlicherweise auch für Russland, das

edenfalls bei diesem Prozess nicht im Abseits stehen
ill. Damit meine ich gar nicht so sehr den russischen
orschlag, einen Follow-up-Prozess zu organisieren und

n regelmäßigen Zeitabständen immer wieder zu unter-
uchen, ob der Friedensprozess tatsächlich Fortschritte
acht. Das ist ein Vorschlag, den viele andere, auch wir
uropäer, ebenfalls gemacht haben. Aber neu ist, dass
ie Russen in der Nahostkonferenz in Annapolis den
orschlag gemacht haben, selbst Verantwortung in die-
em Monitoringprozess zu übernehmen und für die






(A) )



(B) )


Bundesminister Dr. Frank-Walter Steinmeier
nächste Veranstaltung, die wohl im Frühjahr stattfinden
wird, nach Moskau einzuladen.

Fünftens und letztens ist wichtig, dass es zwar nicht
gelungen ist, in dem gemeinsamen Statement von Paläs-
tinensern und Israelis einen Zeithorizont zu vereinbaren,
aber am Ende der Konferenz alle Beteiligten signalisiert
haben, dass sie mit dem Verständnis auseinandergehen,
die Lösung – das heißt die Klärung der offenen Fragen,
die der Zweistaatenlösung entgegenstehen – bis Ende
2008 unter Dach und Fach zu bringen.

Nochmals: Das alles ist noch keine Garantie für das
Gelingen unseres gemeinsamen Bemühens. Aber ich
finde, wir sind weit gekommen, und daran sind viele be-
teiligt. Ich bin wirklich der Letzte, der so tut, als sei das
an allen Stellen und entscheidend deutscher Einfluss ge-
wesen. Ich sehe unsere Möglichkeiten als europäische
Mittelmacht dort sehr realistisch. Aber von großer Be-
deutung ist die Frage: Haben wir die Möglichkeiten we-
nigstens genutzt? Ich meine, wir haben sie außerordent-
lich gut genutzt,


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


gerade in Verbindung mit unserer Präsidentschaft in der
EU und in der G 8.

Wir haben trotz der tiefen Depression nach der Ausei-
nandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah im
letzten Jahr dafür geworben, dass man einen neuen Ver-
such unternimmt. Wir haben uns in den Monaten vor Be-
ginn der Ratspräsidentschaft gemeinsam darum bemüht,
dass das Denken über die Revitalisierung des Nahost-
quartettes wieder möglich wird. Zu Beginn unserer Prä-
sidentschaft in der EU, noch im Januar, hat die erste Sit-
zung des Quartettes stattgefunden, und wir haben mit
unseren durch die Präsidentschaft vorhandenen Mög-
lichkeiten dafür gesorgt, eine – lassen Sie mich es so sa-
gen – vernünftige Choreografie zu gestalten. Es gab
viele – erinnern Sie sich auch an die Diskussionen hier
im Hause –, die den Außenminister oder die Kanzlerin
gedrängt haben, mal eben eine Nahostkonferenz zu ver-
anstalten. Es gab viele, die das befürwortet haben. Ich
habe auch den europäischen Kollegen immer wieder sa-
gen müssen: Ich bin nicht gegen eine Nahostkonferenz;
aber sie ist nur dann sinnvoll, wenn wir die Israelis und
die Amerikaner mit im Boot haben. Sonst ist das Ganze
eine Veranstaltung zur Gewissensberuhigung der Euro-
päer, aber nichts, was den Menschen vor Ort hilft.


(Beifall bei der SPD)


Insofern war die Zeitplanung durchaus richtig.

Wir haben die Zeit seit Januar genutzt, um wahrhaft
schwierige und schwierig bleibende Partner zu überzeu-
gen, bei diesem Prozess nicht dauerhaft vor der Tür ste-
hen zu bleiben. Ich meine natürlich Syrien. Ich meine
immer noch, dass es zwei Gründe für dieses Werben gab:
Erstens. Ich glaube, dass nachhaltiger Frieden im Nahen
Osten nur dann erreicht werden kann – das ist eine alte
Weisheit –, wenn wir die zentralen Konflikte in eine
endgültige Regelung einbeziehen. Der zweite Grund
kommt einem aus anderen Verhandlungssituationen be-

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(C (D annt vor: Wenn man eine Konfliktregelung haben will, ann muss man die Zahl der möglichen Spoiler, der öglichen Störer von außen, möglichst gering halten. eshalb habe ich immer gesagt: So schwierig Syrien ist, o wichtig ist es, Syrien an den Tisch zu holen und dann u prüfen, ob es in der Lage ist, sich konstruktiv zu veralten. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich glaube, diese Beharrlichkeit hat sich gelohnt, weil
ie nachhaltig wirkt. Sie darf aber jetzt noch kein Ende
inden. Wir alle haben nicht nur die Verpflichtung, dafür
u sorgen, dass die Verhandlungsprozesse weitergeführt
erden, sondern wir alle haben auch die Pflicht – hier

ehe ich vor allem Europa und insbesondere Deutsch-
and in der Verantwortung –, den Menschen in Palästina
u zeigen, dass Frieden sich lohnt.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ich hatte mir vorgenommen, am Schluss dieser Be-
erkungen zu Nahost einige Ausführungen als Nachbe-

rachtung zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu
achen. Das erspare ich mir jetzt. Ich glaube, wir müs-

en keinen großen Rückblick gestalten. In diesem Hause
st das Thema vielfach besprochen worden. Abschlie-
end will ich dazu nur sagen: Was das europäische Ver-
assungswerk angeht, wären wir alle gerne weitergekom-
en. Ich bin aber mit all denen einig, die sagen: Keiner

ätte erwartet, dass wir nach einem halben Jahr deut-
cher Ratspräsidentschaft so weit sind. Zwar heißt das
onstrukt nicht Verfassung, immerhin sind aber mehr

ls 90 Prozent des Verfassungstextes Bestandteil der Re-
ormverträge. Zwar heißt der europäische Außenminis-
er nicht Außenminister, sondern weiterhin Hoher Re-
räsentant, aber er hat gemäß den Verträgen all die
unktionen, die ihm auch von der Verfassung zugedacht
aren.

Ich mache diese Bemerkung an dieser Stelle, um Ih-
en zu danken, meine Damen und Herren. Ich weiß na-
ürlich, dass all dies in Europa nicht gelungen wäre,
enn wir uns nicht jederzeit der Unterstützung des Deut-

chen Bundestages gewiss gewesen wären. Am Ende un-
erer Verhandlungen über den Haushalt sehe ich, dass
ich diese Unterstützung nicht auf die Arbeit der Kanzle-
in und des Außenministers im europäischen Gewerbe
eschränkt. Diese Unterstützung zeigt sich auch in den
ahlen des Haushaltes 2008. Ich glaube in der Tat, dass
ie finanzielle Grundlage unserer Arbeit im nächsten
ahr wesentlich besser sein wird. Dafür ganz herzlichen
ank!

Ich freue mich insbesondere darüber, dass der Haus-
altsansatz für die auswärtige Kultur- und Bildungspoli-
ik um etwa 15 Prozent steigt. Ich freue mich darüber,
ass bei den Mitteln für politische Aufgaben, zu denen
er Stabilitätspakt Afghanistan, der Stabilitätspakt für
üdosteuropa, die humanitäre Hilfe und die Krisenprä-
ention zählen, eine Steigerung um 20 Prozent möglich
st. All das ist notwendig.






(A) )



(B) )


Bundesminister Dr. Frank-Walter Steinmeier
Mit Blick auf Südosteuropa nenne ich das Stichwort
„Kosovo“. Es ist hier schon gefallen, zuletzt in dem Bei-
trag von Frau Beck. Das ist ein Feld mit großen Heraus-
forderungen. Das wird es auch in Zukunft bleiben. In
den Tagen um Weihnachten herum werden die Heraus-
forderungen noch größer werden. Ich habe mir sehr ge-
wünscht, dass die Troika – Europa, Russland und Ame-
rika – zu einem abschließenden Ergebnis gekommen
wäre. Etwas Substanzielles ist aber nicht gelungen. Das
mussten wir nach den dreitägigen Verhandlungen ges-
tern in Österreich feststellen. Die Hoffnung bleibt, dass
sich die Troika vielleicht auf einen Verfahrensvorschlag
verständigt, der nicht nur uns hier in Deutschland bei
den weiteren Entscheidungen hilft, sondern auch die
eben angemahnte Einheit in Europa bewahren hilft.

Wir können und müssen an dieser Stelle noch einmal
an die Serben und Kosovo-Albaner appellieren – die
Bundeskanzlerin hat es heute Morgen schon getan –: Er-
innert euch an das Blutvergießen in den 90er-Jahren. Die
Menschen auf dem Balkan dürfen nicht wieder Opfer
tragischer politischer Fehlentscheidungen und Unverant-
wortlichkeit werden.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


Wir haben nicht nur während unserer Präsidentschaft in
der Europäischen Union, sondern auch davor und da-
nach dem westlichen Balkan unsere Hand immer wieder
ausgesteckt. Sie bleibt ausgestreckt. Aber das setzt vo-
raus, dass Entscheidungen in der Region mit Vernunft
gefällt werden.

Ich freue mich sehr, dass auch das Verhältnis zu
Polen hier Erwähnung gefunden hat. Ich glaube, dass
wir jetzt in der Tat Möglichkeiten und Voraussetzun-
gen haben, dieses zuletzt nicht beste Verhältnis zwi-
schen den beiden Ländern durchweg zu erneuern. Ich
habe meinen neuen polnischen Kollegen inzwischen
zweimal gesprochen. Ich sehe politisch und persön-
lich gute Voraussetzungen dafür, dass sich das Ver-
hältnis sehr ordentlich entwickeln wird. Ich glaube,
dass wir die Chance, die sich jetzt bietet, nicht ver-
spielen dürfen; dazu muss ich dieses Haus und uns
selbst nicht ermahnen. Die Chance ist die, dass wir
das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen wie-
der auf die Stufe stellen, die wir bereits in den 90er-
Jahren erreicht hatten.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Zu Afghanistan ist nach den vielen Debatten, die wir
in den letzten Wochen und Monaten hier im Hohen Haus
hinter uns haben, nicht mehr viel zu sagen. Es wird eine
der großen Herausforderungen bleiben, ebenso wie der
westliche Balkan und leider auch Regionalkonflikte in
Afrika, zu denen wir uns verhalten müssen, was nicht
heißt, Auslandseinsätzen zuzustimmen. All das wird vor
unserer Tür liegen.

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(C (D Ich freue mich – lassen Sie mich das zum Abschluss och sagen –, dass in diesem Hause sehr sensibel beobchtet wird, dass sich unsere Stellung in der Welt veränert. Ich glaube, es war Herr Westerwelle, der heute orgen in seiner Rede arauf hingewiesen hat, dass die chinesische Volkswirtchaft die deutsche Volkswirtschaft überholen wird. Er at es ein bisschen kritisch unterlegt und gesagt: Macht twas dagegen. (Dr. Werner Hoyer [FDP]: Ich wundere mich, dass Sie das so verstanden haben!)


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Büttenrede!)


ngesichts des Wachstums der chinesischen Bevölke-
ung haben Sie, glaube ich, Verständnis dafür, dass von
eutscher Seite aus nur beschränkte Möglichkeiten be-
tehen, die Dynamik der chinesischen Volkswirtschaft
inter die unsere zurückzuwerfen.

Wir haben davon auszugehen, dass die Wachstums-
egionen – ob Indien oder China – wachsendes ökono-
isches Gewicht haben und damit den Anspruch verbin-

en, wachsendes politisches Gewicht geltend zu
achen. Darauf reagieren einige mit Panik. Ich finde,

azu gibt es wenig Anlass. Das ist auch nicht geeignet,
ie Dinge zu verändern. Wir müssen uns in der Welt, wie
ch immer sage, besser verständlich machen. Dazu gehö-
en auch die Möglichkeiten der auswärtigen Kultur- und
ildungspolitik. Ich will mich herzlich dafür bedanken,
ass hier zum einen für die Goethe-Institute, zum ande-
en aber auch für wissenschaftliche Austauschpro-
ramme, für Auslandsschulen und für ein Sonderpro-
ramm in Afrika viele neue Möglichkeiten gegeben
ind.

Ich habe die Konflikte, die vor uns stehen, genannt:
fghanistan, Iran, Balkan, Kosovo und Regionalkon-

likte in Afrika. Das ist viel für die Außenpolitik, auch
ür die deutsche Außenpolitik. Ich weiß, dass das alles
ur gemeinsam gelingen wird. Genau das haben wir in
er Großen Koalition in den letzten zwei Jahren bewie-
en, auch während der EU-Ratspräsidentschaft. Diese
emeinsamkeit wird auch die Haltung der Außenpolitik
er Großen Koalition in den nächsten zwei Jahren kenn-
eichnen.

Sie sollten sich gar nicht erst so sehr auf den Fall
hina einschießen. Die aktuellen Unebenheiten im
eutsch-chinesischen Verhältnis, die es zweifellos gibt,
üssen wir beseitigen. Das ist unsere gemeinsame Auf-

abe. Ich werde mich daran beteiligen, und zwar ohne
ass Menschenrechte und nationale deutsche Interessen
egeneinander ausgespielt werden.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612905800

Der Kollege Dr. Werner Hoyer hat jetzt das Wort für

ie FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)







(A) )



(B) )


Dr. Werner Hoyer (FDP):
Rede ID: ID1612905900

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Herr Minister, zunächst einmal herzlichen Dank für Ih-
ren Bericht aus Annapolis! Das, was Sie berichtet haben,
ist in der Tat ermutigend. Hoffen wir, dass jetzt das
kleine Fenster der Gelegenheiten für das, was wir uns
alle erhoffen, genutzt werden kann. Soweit Europa, so-
weit Deutschland dabei eine Rolle zu spielen hat, wün-
sche ich Ihnen eine glückliche Hand. Im Übrigen: Kom-
pliment für Ihre Kondition! Wenn man – wir alle kennen
das – nach einem Nachtflug, wie Sie ihn gerade hinter
sich haben, im Parlament auftreten muss, ist man be-
stimmt „überaus fröhlich“.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der SPD)


Geschlossenheit und Entschlossenheit hat die Bun-
deskanzlerin von den Europäern und vom Westen ver-
langt, gerade im Hinblick auf die großen Herausforde-
rungen im Iran und im Kosovo; das ist richtig und
wichtig. Ich wünschte mir, man würde davon auch bei
der Bundesregierung etwas mehr erkennen. Geschlos-
senheit und Entschlossenheit sind nämlich insbesondere
in der Außenpolitik ein Pfund.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Die Bundeskanzlerin hat auch darauf hingewiesen,
dass es einen sehr wichtigen Zusammenhang zwischen
wirtschaftlicher Leistung und internationaler Reputation
gibt; ich finde, auch das ist sehr wichtig und richtig. In-
sofern schwächt der Rollback in der Reformpolitik unse-
res Landes natürlich auch unser internationales Standing,
unser Ansehen, unseren Einfluss und ökonomisch wie
politisch irgendwann auch unsere Durchschlagskraft.

Das, was im Jahre 2006 geschehen ist, war phänome-
nal. Das Image Deutschlands hat sich sehr schnell ver-
ändert. Das hatte sicherlich mit der Fußballweltmeister-
schaft zu tun, aber nicht nur. Auch die ökonomischen
Rahmenbedingungen hatten sich verändert. Im Ausland
hat man gestaunt. Denn plötzlich war die Stimmung in
Deutschland besser als die Lage, etwas, von dem man ei-
gentlich sagt, dass das mit unserem Nationalcharakter
gar nicht vereinbar ist. Aber es ging. Das hat dazu ge-
führt, dass wir Rückenwind für die deutsche Ratspräsi-
dentschaft bekommen haben, zu deren Gelingen wir als
Opposition der Bundesregierung an dieser Stelle gratu-
liert haben.

Jetzt äußern wir allerdings Kritik. Denn wir müssen
befürchten, dass der deutsche Einfluss zurückgeht, und
zwar aus zwei Gründen: erstens, weil das Vertrauen der
Welt in die Durchhaltefähigkeit Deutschlands bei der
Modernisierung und Dynamisierung unserer Volkswirt-
schaft und unserer Gesellschaft sinkt, und zweitens, weil
von Geschlossenheit und Entschlossenheit wohl keine
Rede mehr sein kann. Das wird an den Debatten, die wir
über die Situation in China und Russland führen, deut-
lich; ich könnte dafür noch weitere Beispiele nennen.

Im Übrigen habe ich das, was Herr Westerwelle heute
Morgen mit Blick auf China gesagt hat, völlig anders
verstanden. Wir sollten die Herausforderung, dass China
ein Wettbewerber Deutschlands ist, fröhlich annehmen.
Das heißt umgekehrt aber nicht, dass wir diesen Wettbe-

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(C (D erber stärken sollten, indem wir ihm in Bereichen Enticklungshilfe zahlen, in denen er sie wirklich nicht raucht. Darum ging es heute Morgen. (Beifall bei der FDP – Walter Kolbow [SPD]: Ihr versteht das immer noch nicht!)


Was die Situation in Russland angeht, möchte ich
on der Bundesregierung eine klare Aussage. Ich
öchte wissen, ob die Neujustierung der Außenpolitik,

ie die Bundeskanzlerin ab 2005 erfreulicherweise voll-
ogen hat, weiterhin gilt und vom Außenminister mitge-
ragen wird oder ob er in seine Loyalität zu Gerhard
chröder zurückfällt. Darum geht es.


(Beifall bei der FDP)


Ich würde außerdem gerne erfahren, was nach der
raftanstrengung der deutschen Ratspräsidentschaft aus
nserer Rolle in Europa wird. Man hat nämlich das Ge-
ühl, dass die Bemühungen Deutschlands ziemlich er-
ahmt sind. Ich kann verstehen, dass die Kräfte der Be-
chäftigten in unseren Ämtern erschöpft sind; denn dort
st eine Riesenleistung erbracht worden. Dass Deutsch-
and gemeinsam mit Slowenien und Portugal noch im-

er an der amtierenden Dreierpräsidentschaft beteiligt
st, davon ist allerdings nur wenig zu spüren. Das mah-
en wir an. Bei manchem, was gegenwärtig geschieht,
rage ich mich: Wo ist denn die gestaltende und nicht nur
ie begleitende oder gar finanzierende Rolle der Euro-
äischen Union, wenn es um die großen Herausforde-
ungen, die wir gegenwärtig zu bewältigen haben, geht?


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Lassen Sie mich eine Bemerkung zu der grundsätzli-
hen Frage machen, die die Diskussionen der letzten
ochen beherrscht hat: interessenorientierte oder werte-

asierte Außenpolitik? Das ist manchmal nur schwer
uszutarieren. Sie haben sich eben Gott sei Dank dage-
en gewehrt, beides gegeneinander auszuspielen;


(Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD]: Das darf man nicht tun! Nein!)


as wäre in der Tat unverantwortlich.


(Beifall des Abg. Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD])


onseiten der Regierung ist in der letzten Zeit allerdings
äufig genug der Eindruck erweckt worden, dass das ge-
an wird.

Der Grad unserer außenwirtschaftlichen Verflech-
ung und unsere Energieabhängigkeit, die wir übrigens
icht erhöhen, sondern durch verschiedenste Maßnah-
en langsam abbauen sollten,


(Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD]: Das machen wir!)


ollten uns zur Vorsicht mahnen. Es ist aber unfair und
ich finde, das ist noch schlimmer – unklug, aktive
enschenrechtspolitik als Schaufensterpolitik zu dif-

amieren, erst recht dann, wenn man geschlagene zwei
age kollektiver Sprachlosigkeit verstreichen lässt, be-
or man zum brutalen Vorgehen der russischen Staats-
rgane gegenüber Oppositionspolitikern Stellung be-






(A) )



(B) )


Dr. Werner Hoyer
zieht. „Unverhältnismäßig hart“ sei das gewesen, heißt
es in der Presseerklärung des Außenministers. Was
wäre eigentlich „verhältnismäßig hart“ gewesen, wenn
es darum geht, freie Bürger, Oppositionspolitiker und
Medien an der Wahrnehmung ihrer Rechte zu hindern?
Hier geht es übrigens um Rechte, die nicht nur in der
russischen Verfassung, sondern auch in der Schlussakte
von Helsinki verankert sind. Daran zu erinnern, ist
keine unangemessene Haltung gegenüber einem Part-
ner, mit dem man gerne zusammenarbeiten will.


(Beifall bei der FDP und der Abg. Marieluise Beck [Bremen] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Natürlich geht es nicht darum, in selbstgerechter Form
Menschenrechte wie eine Monstranz vor sich herzutra-
gen, aber es geht darum, glaubwürdig zu bleiben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Gemeinschaft
der aufgeklärten rechtsstaatlichen Demokratien, sozusa-
gen „der Westen“, wir alle haben in den letzten Jahren
erheblich an Glaubwürdigkeit in der Welt verloren auf-
grund dramatischer Fehlentscheidungen, die nicht wir,
die aber andere auch für uns mit getroffen haben.
Guantánamo Bay, Abu Ghureib – man könnte eine lange
Liste aufstellen.

Wenn wir für die Attraktivität unseres westlichen Le-
bensmodells werben wollen, müssen wir uns auch zu un-
seren Grundüberzeugungen bekennen. Am besten leben
wir sie vor. Am Ende schadet der seinen Interessen, der
seine Grundüberzeugungen versteckt. Da liegt natürlich
auch die Brücke zur Innenpolitik, und das zeigt, wie al-
les ineinandergreift. Wenn man die Freiheitsrechte im
Inneren opfert, um Sicherheit zu garantieren oder glaubt
zu garantieren, wird man am Ende mit leeren Händen
dastehen.

Ein Wort, Herr Minister, zum Thema Abrüstung. Sie
konnten wegen der Fixierung auf den großen und wichti-
gen Teil Annapolis heute dazu wenig sagen. Sie haben in
der letzten Zeit wiederholt Ankündigungen zum Thema
Abrüstungspolitik gemacht. Ich kann bisher noch nicht
erkennen, welches konkrete Handeln der Bundesregie-
rung diesen Ankündigungen folgt.

Wir stehen vor einer ganz schwierigen Situation im
Hinblick auf den KSE-Vertrag. Wir dürfen Russland
nicht geradezu noch in die Hände spielen, wenn es sich
von diesen internationalen Vertragswerken mit dem Hin-
weis darauf verabschiedet, der Westen sei ja noch nicht
einmal bereit, das, was er selber unterschrieben hat, zu
ratifizieren und diejenigen aus der NATO, die gar nicht
erst unterschrieben haben, dazu zu bringen, dieses Ver-
tragswerk zu unterschreiben. Ich bin der Auffassung:
Die Zeit für ein klares Signal durch eine Ratifizierung
des KSE-Vertrages ist reif.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ein letztes Wort zum amerikanisch-indischen
Nukleardeal. Hier wird die Bundesregierung Glaubwür-
digkeit wiederzugewinnen haben. Es ist ja ehrenwert, zu
sagen – die Bundeskanzlerin hat das uns gegenüber auch

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(C (D etan –, das sei vielleicht ein Weg, um die Inder langsam n die internationalen Abrüstungsvertragswerke hineinuziehen und auch die Rolle der IAEO für die Inder zu tärken. Nur wird genau das nicht stattfinden – das haen uns die indischen Kolleginnen und Kollegen klar geagt –, dass gerade diejenigen, die man noch überzeugen üsste, wenn sie denn dem Deal zustimmen sollten, sa en: Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Ende. Wir machen das nur, wenn es keinen weiteren Schritt in zur Internationalen Energieagentur und zu den groen Abrüstungsabkommen gibt. Herzlichen Dank, meine Damen und Herren. Herr Kollege Dr. Andreas Schockenhoff hat jetzt das ort für die CDU/CSU-Fraktion. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! ch will zur Halbzeit der Großen Koalition mit einer rundsatzfrage deutscher Außenpolitik beginnen. Seit er Gründung der Bundesrepublik Deutschland war eutsche Außenpolitik immer dann erfolgreich, wenn sie uf einer engen und solidarischen Zusammenarbeit mit nseren europäischen Partnern aufbauen konnte und enn sie zugleich von einem vertrauensvollen Verhältnis u den USA bestimmt war. Das sind die beiden Grundfeiler deutscher Außenpolitik, an denen nicht gerüttelt erden darf. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612906000
Dr. Werner Hoyer (FDP):
Rede ID: ID1612906100

(Beifall bei der FDP)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612906200
Dr. Andreas Schockenhoff (CDU):
Rede ID: ID1612906300

ann immer eine deutsche Regierung diese Grundlage
nfrage gestellt hat, hat es Deutschland und Europa ge-
chadet. Das war zuletzt im Zusammenhang mit dem
rakkrieg der Fall. Die Folge war: Deutsche Außenpoli-
ik war ohne entscheidenden Einfluss, Europa war ge-
palten, das transatlantische Verhältnis war durch Miss-
rauen belastet.

Heute ist die Lage grundlegend anders. Unter der Re-
ierung Merkel/Steinmeier hat Deutschland wieder maß-
eblichen Einfluss. In den deutsch-amerikanischen Be-
iehungen herrscht wieder ein Vertrauensverhältnis. Auf
ieser Grundlage war es möglich, in der Iranfrage Ein-
luss auf die USA zu nehmen, sodass die Sechserge-
einschaft zusammenblieb und heute eine diplomati-

che Lösung des Nuklearstreits möglich bleibt. Nicht
uletzt auf dieser Grundlage konnte die notwendige Kri-
ik an der Situation in Guantánamo geäußert werden.

Europa ist nicht mehr gespalten. Im Gegenteil: Die
U ist wieder in der Lage, schwierige Zukunftsentschei-
ungen zu treffen. Die unter deutscher Präsidentschaft
ereinbarten Klimaschutzziele und die erfolgreiche Eini-






(A) )



(B) )


Dr. Andreas Schockenhoff
gung auf den Lissabonner Vertrag sind nur zwei Bei-
spiele dafür. Wir hätten dies nicht erreicht, wenn die
Bundeskanzlerin und der Außenminister nicht gegen-
über unseren Partnern deutlich gemacht hätten: Sonder-
wege wird und darf es nicht mehr geben.

Insbesondere in der Politik gegenüber Russland wer-
den unsere EU-Partner, vor allem Polen und die balti-
schen Staaten, wieder im Geiste der Solidarität und des
Vertrauens einbezogen. In diesem Sinne war der EU-
Russland-Gipfel in Samara wichtig, weil er eine klare
Botschaft aussandte: Die Partnerschaft zwischen der EU
und Russland wird umso erfolgreicher sein, je stärker
Russland die EU als eine Solidargemeinschaft versteht
und je mehr sich die EU auch selbst so verhält. Denn Ge-
schlossenheit der EU ist die unverzichtbare Vorausset-
zung dafür, dass wir unser gemeinsames Ziel erreichen:
eine auf den universellen Werten des Europarates basie-
rende strategische Partnerschaft mit Russland. Ich weiß,
dass wir hierfür bei einigen EU-Partnern noch werben
müssen. Aber wenn wir Solidarität zeigen und auf die
Sorgen und Interessen unserer Partner eingehen, dann
werden wir auch dieses Ziel erreichen; davon sind wir in
der CDU/CSU fest überzeugt.

Das gilt auch für die Ostseepipeline. Um es ganz klar
zu sagen: Diese Pipeline liegt im europäischen Interesse,
weil sie für die Energieversorgung Europas unverzicht-
bar ist.


(Beifall des Abg. Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD])


Deshalb muss und wird sie gebaut werden. Aber die Zei-
ten eines Basta-Stils sind vorbei. Niemand setzt die
Energiepartnerschaft mit Russland aufs Spiel, wenn wir
jetzt die Bedenken unserer Partner Schweden und Finn-
land oder die Sorgen der Balten und Polens auszuräumen
versuchen.

Es ist in der Koalition überhaupt keine Frage: Wir
brauchen die strategische Partnerschaft mit Russland,
nicht nur aufgrund unserer gegenseitigen Energieabhän-
gigkeit, sondern auch zur Lösung von Krisen und Kon-
flikten. Iran und Kosovo sind heute ja schon genannt
worden.

Wir begrüßen es nachdrücklich, dass der Außenminis-
ter alle Anstrengungen unternimmt, um den KSE-Ver-
trag zu wahren. Dass Russland seinen Truppenabzug aus
Georgien ein Jahr früher als geplant abschließen will, ist
ein wichtiges und gutes Signal. Auch in der Frage der
Raketenabwehr gibt es Fortschritte. Was Iran betrifft,
wünschen wir uns, dass Russland seinen Einfluss – den
es zweifelsohne hat – noch stärker wahrnimmt.

Zu Kosovo ist hier schon Stellung genommen wor-
den. Nur kurz fünf Punkte:

Erstens. Wir bedauern sehr, dass die Gespräche der
Troika gescheitert sind. Eine verhandelte Lösung wäre
für alle Beteiligten besser gewesen.

Zweitens. Wir müssen realistisch feststellen, dass es
keinen Sinn macht, weiterzuverhandeln, wenn der Wille
zum Einvernehmen nicht da ist. Herr Ischinger hat wirk-

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(C (D ich alle Möglichkeiten genutzt; wir haben Grund, ihm ür seine hervorragende Arbeit zu danken. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Drittens. Die Troika wird ihren Bericht dem VN-Ge-
eralsekretär vorlegen. Wenn im Sicherheitsrat keine Ei-
igung möglich ist, gilt, was Herr Solana kürzlich gesagt
at: Eine Loslösung des Kosovo ohne Billigung des Si-
herheitsrates wäre nicht das Ende der Welt.


(Wolfgang Gehrcke [DIE LINKE]: Ha!)


Viertens. Kosovo wird eine besondere Herausforde-
ung für uns Europäer, nicht nur mit Blick auf die größt-
ögliche Geschlossenheit bei der Anerkennung des
osovo, sondern vor allem bei der immensen Herausfor-
erung, die beim politischen und wirtschaftlichen Auf-
au des Landes zu bewältigen sein wird.

Fünftens. Serbien hat eine klare EU-Perspektive. Da-
um ist es wichtig, dass Politiker wie Präsident Tadic
nd Premier Koštunica ihr Land weiter an die EU heran-
ühren können. Dazu gehören eine baldige Unterzeich-
ung des Assoziierungsabkommens und die Liberalisie-
ung des Visaregimes in Verbindung mit einem
ücknahmeübereinkommen. Gerade die jungen Serben
ollen leichter in die EU reisen können, und ich sehe
einen echten Grund, warum das nicht möglich sein
ollte.

Die strategische Partnerschaft mit Russland ist
ehr als eine auf gemeinsame Interessengebiete be-

renzte Kooperation. Sie ist als eine auf den gemeinsa-
en Werten des Europarates basierende Partnerschaft

onzipiert. Aufgrund dieser gemeinsamen Wertever-
flichtungen haben wir auch das Recht, in angemessener
orm Missstände bei der Demokratie und den Men-
chenrechten in Russland anzusprechen, so wie es die
undeskanzlerin in Samara getan hat. In Wertefragen
ann es keine Kompromisse geben.

Die Rückschläge bei der Demokratie, der Rechtsstaat-
ichkeit, den Menschenrechten und der Meinungsfreiheit
ereiten uns allen hier im Haus große Sorgen. Diese Ent-
icklungen schaden zuerst Russland selbst; denn wenn
ussland den Wandel zu einem modernen, wettbewerbs-

ähigen Staat vollziehen will, dann muss es das Potenzial
nd die Fähigkeiten seiner Bürger besser und vollständig
utzen und dann braucht es eine starke und politisch le-
endige Zivilgesellschaft.

Gerade das Parlament ist der geeignete Ort für den
treit um die besten Lösungen. Wenn die Hürden für den
inzug ins Parlament zu hoch gelegt werden, dann bleibt
in erheblicher Anteil der Bevölkerung nicht repräsen-
iert. Leider – auch das muss man sehr deutlich sagen –
elingt es den liberalen Oppositionsparteien nicht, ihre
erstrittenheit zu überwinden.


(Beifall bei der FDP – Dr. Werner Hoyer [FDP]: Das ist in der Tat ein Jammer!)


Als würde die Verschärfung des Wahlgesetzes zum
orteil der Kreml-treuen Partei „Einiges Russland“ nicht






(A) )



(B) )


Dr. Andreas Schockenhoff
schon ausreichen, wird diese auch im Fernsehen deutlich
bevorzugt. Das völlig unverhältnismäßige Vorgehen der
russischen Staatsmacht – Sie, Herr Hoyer, und auch der
Außenminister haben das angesprochen – ist ein weite-
res Beispiel dafür, dass die Duma-Wahlen nicht fair ver-
laufen.

Was hat sich denn seit den letzten Wahlen verschlech-
tert, dass solche Maßnahmen notwendig sein sollen?
Tatsache ist doch, dass sich die Lage im Land gegenüber
der Jelzin-Ära deutlich gefestigt hat. Dass Präsident
Putin eine enorm hohe Zustimmung hat, wäre eher An-
lass für eine weitere Öffnung und mehr Toleranz gewe-
sen. Ein Staat, der das gesamte Potenzial der Fähigkeiten
seiner Bürger aktivieren muss, braucht diese Öffnung. Er
braucht mehr und nicht weniger unabhängige Medien
und eine kritische Öffentlichkeit. Sie werden der Moder-
nisierung Russlands nicht schaden, sondern sie fördern.

Meine Damen und Herren, es ist gut, dass die Koali-
tion in all diesen Fragen an einem Strang zieht


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo das denn?)


und dass sich die Kanzlerin und der Außenminister
mehrmals mit NGO-Vertretern und Oppositionellen ge-
troffen und die Rückschläge bei der Demokratie und der
Rechtsstaatlichkeit in angemessener Form angesprochen
haben.

Herr Außenminister, Sie haben zuletzt zum Vorgehen
der Staatsorgane in Moskau und Sankt Petersburg ge-
sagt:

Wir bestehen darauf, dass die Freiheit der Bericht-
erstattung und die Meinungsfreiheit in Russland ge-
währleistet werden.

Herr Hoyer, diese Aussage ist klar und deutlich. Wir alle
bestehen darauf. Das zeigt aber doch auch, wie konstru-
iert und haltlos die Behauptungen sind, in der Koalition
stimmten die einen für eine Kooperation und die anderen
für eine Konfrontation mit Russland. Herr Außenminis-
ter, deshalb freue ich mich, dass wir beide gemeinsam
alles unternehmen, um die Kontakte und Bindungen
zwischen den Menschen in Deutschland und Russland
zu vertiefen und damit unsere Beziehungen auch für
schwieriger werdende Zeiten belastbarer zu machen.

Auf Unterstellungen wie „Schaufensterpolitik“ oder
„Russlandpolitik mit ängstlichem Blick auf die Schlag-
zeilen der Presse“ sollten wir verzichten. Das sind nicht
nur sachlich falsche Vokabeln, sie helfen auch keinem
von uns in unserem gemeinsamen Bemühen, die Bezie-
hungen zu Russland zu verbessern. Im Gegenteil: Bei
unseren Partnern werden dadurch Irritationen hervorge-
rufen, die uns allen schaden, erst recht, da weder in der
Sache noch in den Zielen ein Gegensatz besteht. Es wäre
nicht gut, wenn nach außen der Eindruck entstünde, die
Koalitionspartner verfolgten in der Außenpolitik unter-
schiedliche Ziele oder seien sogar gegeneinander auszu-
spielen;


(Dr. Werner Hoyer [FDP]: Der Eindruck ist doch da! – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er ist schon entstanden!)


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(C (D enn dann würden wir genau das verspielen, was wir in en letzten zwei Jahren gemeinsam wiederaufgebaut haen, verehrter Herr Kollege, nämlich Vertrauen in die eutsche Politik und Einfluss der deutschen Politik. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Werner Hoyer [FDP]: Was wollte uns der Dichter damit sagen?)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612906400

Jetzt spricht Wolfgang Gehrcke für die Fraktion Die

inke.


Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612906500

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

err Außenminister, ich glaube schon, dass man die Ge-
ühle nach der Konferenz in Annapolis auf einen Be-
riff bringen kann. Ich empfinde eine Skepsis des Ver-
tandes und eine Leidenschaft der Hoffnung.


(Zurufe von der CDU/CSU und der FDP: Oh! – Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Wie poetisch!)


Ja, da können Sie auch einmal ein bisschen lernen.


(Beifall bei der LINKEN – Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD]: In der Rede, die jetzt kommt?)


kepsis des Verstandes und Leidenschaft der Hoffnung!
ie Hoffnung kann man ganz einfach beschreiben: So-

ange verhandelt wird, wird hoffentlich nicht aufeinan-
er geschossen.


(Beifall bei der LINKEN)


Ich möchte – das will ich dazusagen –, dass meine
reundinnen und Freunde in Israel wieder ohne Furcht in
in Café gehen können. Und ich möchte, dass sich meine
reundinnen und Freunde in Palästina einschließlich
aza im eigenen Land frei bewegen können.


(Beifall bei der LINKEN)


as ist meine Hoffnung in diesem Prozess. Diese Hoff-
ung will ich ausdrücken. Wenn die Verhandlungen da-
in führen – auf welchem Weg auch immer –, dann muss
an sie unterstützen; dann muss man sie vorwärtstrei-

en; dann muss man sie kritisieren. All das gehört dazu.
ch glaube, dass es dringend notwendig wird, dass end-
ich Klarheit über den Endstatus in Israel und Palästina
errscht.

Die Bundeskanzlerin hat vorhin davon gesprochen
das fand ich sehr interessant –, dass die deutsche Au-

enpolitik auf Werte aufgebaut sei.


(Lothar Mark [SPD]: Das ist zutreffend!)


ch halte es seit langem für notwendig, dass wir uns ein-
al grundlegender über die Philosophie der deutschen
ußenpolitik und damit über Werte auseinandersetzen.
Die Bundeskanzlerin hat zwei Werte genannt: Men-

chenrechte und ökonomische Interessen. Das ist
das will ich zugeben – schon einmal ein Fortschritt ge-






(A) )



(B) )


Wolfgang Gehrcke
genüber Rot-Grün; denn Rot-Grün hat immer nur von
Menschenrechten gesprochen, aber völlig anders gehan-
delt.


(Widerspruch beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der FDP: Wo er recht hat, hat er recht!)


Die Bundeskanzlerin gibt zumindest zu, dass ökonomi-
sche Interessen Politik steuern. Das ist, finde ich, ein
Vorteil in Bezug auf die Wahrheitsfindung.


(Beifall bei der LINKEN)


Allerdings werden Menschenrechte nach meinem Ein-
druck mehr und mehr als Argument gebraucht, um öko-
nomische Interessen zu verschleiern.


(Beifall bei der LINKEN)


Der ganze Krieg gegen den Terror ist im Kern, wenn
die ganze ideologische Soße einmal weggenommen
wird, nichts anderes als ein Krieg um Naturressourcen
und geostrategische Macht in der Welt. Das ist der Kern
des Krieges gegen den Terror.


(Beifall bei der LINKEN)


Wenn man mit dieser Politik nicht bricht, wird man an-
dere Probleme nicht lösen können.

Ich will Ihnen eine andere Philosophie der Außenpo-
litik, wie sie mir und meiner Fraktion vorschwebt, ein
wenig vorstellen. Ich möchte schon, dass endlich einmal
wieder darüber nachgedacht wird, ob eine mit den Wor-
ten „Deutschland verweigert den Kriegsdienst und be-
kennt sich zu sozialer globaler Gerechtigkeit“ umschrie-
bene Philosophie nicht eine andere und, wie ich denke,
bessere Philosophie der Außenpolitik wäre.


(Beifall bei der LINKEN – Zuruf der Abg. Marieluise Beck [Bremen] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Ein Pfeiler dieser Philosophie der ist für mich, dass
man sich unbedingt dem Völkerrecht und der Charta
der Vereinten Nationen verpflichtet und nicht, wie die
Bundesregierung das tut, funktional mit dem Völker-
recht umgeht. Was Herr Schockenhoff hier zum Kosovo
gesagt hat, war nichts anderes als ein Aufruf zum Bruch
der UN-Resolution 1244 und zum Bruch des Völker-
rechtes.


(Beifall bei der LINKEN – Zuruf des Abg. Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU])


Das wäre Völkerrecht nach Gutsherrenart, hat aber mit
eigentlichem Völkerrecht überhaupt nichts mehr zu tun.

Ich möchte, dass wir darüber nachdenken, dass man
globale soziale Gerechtigkeit, die für mich Klima- und
Energiepolitik einbezieht, nur dann durchsetzen kann,
wenn man auch klar gegen die Macht der transnatio-
nalen Konzerne Politik macht.


(Beifall bei der LINKEN)


Ohne das geht es einfach nicht. Die Welt ist nun einmal
kein Selbstbedienungsladen für die transnationalen Kon-
zerne und für die USA. Ich bekenne mich ausdrücklich

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(C (D azu, dass ich mich darüber freue, wenn in lateinamerianischen Staaten Energiequellen wieder verstaatlicht erden. Das halte ich für dringend notwendig. Zu einer solchen Außenpolitik würde gehören, dass an endlich nicht nur über Abrüstung redet – der Au enminister redet häufig darüber; das kritisiere ich gar icht; das finde ich sogar notwendig – und sich verbal azu bekennt, sondern, um Abrüstung in Gang zu brinen, auch einseitige Abrüstungsvorschläge im eigenen and verwirklicht. ie Bundesregierung kann damit anfangen, indem sie ordert, dass endlich die amerikanischen Atomwaffen us Deutschland abgezogen werden. Schlussendlich: Außenpolitik ist – und das begrüße ch – Gott sei Dank kein Privileg der Bundesregierung der anderer Regierungen mehr. Demokratisierung in er Außenpolitik heißt, dass die Bevölkerung selbst genauso wie das Parlament – über die Außenpolitik icht nur mitredet, sondern auch mitentscheidet. as wäre unsere außenpolitische Philosophie. Herzlichen Dank. Jetzt hat das Wort der Kollege Eckart von Klaeden für ie CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt sagen Sie einmal etwas zum Lob von Wolfgang Gehrcke!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612906600


Eckart von Klaeden (CDU):
Rede ID: ID1612906700

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kolle-

en! Mich hat gerade die außerordentlich erfreuliche
achricht ereilt, dass die angesehene Zeitschrift Euro-
ean Voice, ein Produkt aus dem Hause des Economist,
nseren Außenminister zum Diplomaten des Jahres ge-
ählt hat. Herzlichen Glückwunsch!


(Beifall im ganzen Hause)


as mag den einen oder anderen den Umstand leichter
rtragen lassen, dass die Bundeskanzlerin von derselben
eitschrift zur Regierungschefin des Jahres gewählt
urde.


(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)


Die Bundeskanzlerin hat vor einigen Wochen den
alai Lama im Bundeskanzleramt empfangen. Sie ist
afür nicht nur von meiner Fraktion, sondern auch von
er demokratischen Opposition dieses Hauses gelobt
orden. Sie hat damit das Wahlversprechen, das die
ozialdemokraten in den Jahren 1998 und 2002 in den






(A) )



(B) )


Eckart von Klaeden
Tibetwahlprüfsteinen gegeben hatten, eingelöst, näm-
lich dass ein sozialdemokratischer Bundeskanzler den
Dalai Lama empfangen wird. Gerhard Schröder ist
möglicherweise wegen der Verkürzung der letzten
Wahlperiode dazu nicht mehr gekommen. Jedenfalls
wurden Termingründe angeführt, warum ein solches
Treffen in den sieben Jahren seiner Regierung nicht
stattgefunden hat. Umso erfreulicher ist, dass dieses so-
zialdemokratische Wahlversprechen nun von der christ-
lich-demokratischen Bundeskanzlerin zur Mitte der Le-
gislaturperiode eingelöst wurde.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Der Streit, der sich in der Öffentlichkeit daran entzün-
det hat, hat, glaube ich, auch etwas damit zu tun, wie man
das Verhältnis zwischen Interessen und Überzeugungen in
der Außenpolitik beurteilt. Herr Gehrcke, Sie haben sich
gerade an Ausführungen dazu versucht. Ich will hier deut-
lich sagen: Wir bekennen uns zu einer wertegeleiteten
Realpolitik. Das heißt, Interessen und Überzeugungen
sind nicht voneinander zu trennen. Wer glaubt, in der Au-
ßenpolitik gehe es allein um Interessen, ist ein Zyniker.
Wer glaubt, in der Außenpolitik gehe es allein um Werte,
ist auf dem besten Wege, aus Enttäuschung ein Zyniker zu
werden. Es ist das Wesen nicht nur, aber ganz besonders
der Außenpolitik, dass beides miteinander verbunden ist.
Verletzungen der Menschenrechte sowie der Prinzipien
von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stellen bei wei-
tem nicht nur, aber auch Investitionshindernisse dar. Das
zeigt, wie sehr Prinzipien und Interessen miteinander ver-
bunden sind.

Menschenrechtspolitik braucht den nachhaltigen
Einsatz hinter verschlossenen Türen. Aber ein solcher
Einsatz wird nur dann erfolgreich sein, wenn er von ei-
nem glaubhaften öffentlichen Bekenntnis begleitet ist.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wer nicht bereit ist, sich öffentlich zu den Menschen-
rechten in einer freien Gesellschaft zu bekennen und das
an seinem Handeln erkennen zu lassen, der hat nicht nur
nach chinesischem Verständnis sein Gesicht verloren.

Damit leite ich über zur Frage der Asienpolitik, die in
der letzten Zeit auch eine Rolle gespielt hat: Meine Frak-
tion hat einen Kongress zur Asienpolitik veranstaltet und
dazu ein Papier vorgelegt. Einer der wesentlichen
Punkte dieses Papiers ist, dass wir uns von einem vor al-
lem ökonomisch bestimmten Blick auf Asien lösen und
endlich die politischen, geopolitischen und sicherheitsre-
levanten Auswirkungen des Aufstiegs Asiens mitberück-
sichtigen müssen. Das heißt nicht weniger Ökonomie,
sondern mehr Ökonomie. Das heißt nicht weniger China,
sondern mehr China. Aber es heißt vor allem, dass wir
uns nicht nur auf die Ökonomie und auf China konzen-
trieren dürfen, sondern dass wir auch die anderen Länder
der Region, insbesondere die demokratischen, stärker in
unseren Fokus rücken müssen. Dazu gehören traditionell
demokratische Länder und Partner wie Japan, Südkorea,
Indien und bestimmte ASEAN-Staaten, aber auch Aus-
tralien und Neuseeland.

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(C (D Deswegen finde ich es bedauerlich, dass die Bundesreierung auf dem jüngsten Jubiläumsgipfel der ASEAN Singapur nur durch einen Beamten und nicht durch ei en Staatsminister vertreten war. Es wäre besser gewesen, enn wir dort auch eine politische Repräsentanz gezeigt ätten; denn wir müssen bei allem Reden übereinander arauf achten, dass sich der schleichende Prozess der Entremdung der ASEAN-Staaten von Europa nicht fortsetzt, ondern in sein Gegenteil verkehrt wird. Dazu gehört zuächst einmal, dass auch solche Treffen angemessen ahrgenommen werden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Das Vorgehen, die Zusammenarbeit mit den Demo-
ratien in Asien zu konstituieren und auszubauen, weil
amit auch in Asien für ein stabileres Umfeld gesorgt
erden kann – dahinter steht im Grunde die Binsenweis-
eit, dass Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Men-
chenrechte zu stabileren politischen Verhältnissen füh-
en –, ist nun als neokonservativ kritisiert worden. Ein
ollege, der das tut, finde ich, weiß nicht, was neokon-

ervativ ist, und er hat relativ wenig Ahnung von Asien
der von Außenpolitik. Ihm würde ich empfehlen, aus-
ahmsweise einmal eine längere Reise nach Asien zu
nternehmen und die Heimreise erst wieder anzutreten,
enn er sich mit diesen Fragen wirklich beschäftigt hat.
ie neuseeländische Premierministerin Helen Clark je-
enfalls, die jüngst in der Stadt war, hat am Montag öf-
entlich kundgetan, dass sie unsere Analyse und die
onsequenzen für die Asienpolitik ausdrücklich teilt.

Wir setzen uns für bessere Beziehungen zu China ein.
ir stehen zur Ein-China-Politik. Wir haben ein Inte-

esse am Erfolg Chinas, und wir befürworten, dass China
ine größere, verantwortungsvolle internationale Rolle
innimmt. Es ist gerade das Nullsummendenken des
alten Krieges, das das eine gegen das andere ausspie-

en will. Aber dazu gehört auch, dass wir China auf Au-
enhöhe begegnen und dass wir darauf achten, dass zum
eispiel der Handel, den wir mit China betreiben, nicht
symmetrisch verläuft.

Während Chinas Exporte in die Europäische Union
oomen, importieren 1,3 Milliarden Chinesen weniger
us Europa als 7,5 Millionen Schweizer. Dabei kann es
icht bleiben. Die beiden wesentlichen Gründe dafür
ind zum einen die künstlich unterbewertete chinesische

ährung und zum anderen der chinesische Protektionis-
us gegenüber dem Marktzugang europäischer und in-

ernationaler Unternehmen. Das kann so nicht weiterge-
en. Auch das müssen wir ansprechen dürfen, genauso
ie Fragen der Menschenrechte, ohne dass man sich
leich den Vorwurf einhandelt, neokonservativ zu sein
der die deutsch-chinesischen Beziehungen zu stören.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht, und die will ich
ns Ende stellen. Der Parlamentarische Staatssekretär im
andwirtschaftsministerium Gerd Müller hat gerade eine
ereinbarung zur engeren Zusammenarbeit in den Berei-
hen Lebensmittelsicherheit und Tier- und Pflanzenge-
undheit unterzeichnet und damit gezeigt, dass es in den
eutsch-chinesischen Beziehungen weitergeht.






(A) )



(B) )


Eckart von Klaeden
Die guten Beziehungen, die auch im chinesischen In-
teresse sind, werden fortdauern. Wir alle werden uns, un-
seren Interessen, aber auch unseren Prinzipien folgend,
dafür engagieren, dass sich die Beziehungen zu China
und zu Asien weiter gut entwickeln können.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612906800

Jetzt hat Kerstin Müller für das Bündnis 90/Die Grü-

nen das Wort.


Kerstin Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612906900

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nach-

dem Herr Schockenhoff hier eher die große Einigkeit der
großen Koalition beschworen


(Markus Löning [FDP]: Der sieht schlecht!)


und Herr von Klaeden die Kontroverse nochmal aufge-
macht hat, möchte ich vorweg einige Bemerkungen zur
außenpolitischen Halbzeitbilanz dieser Bundesregie-
rung machen.

Der Generalsekretär der SPD, Hubertus Heil, hat in der
Tat pünktlich zur Halbzeitbilanz – Herr von Klaeden hat
es angesprochen – recht schwere Vorwürfe gegen die au-
ßenpolitische Linie der Kanzlerin erhoben. Er wirft ihr
vor, mit der menschenrechtsorientierten Außenpolitik
letztlich eine knallharte Politik der Konfrontation gegen
gleich drei wichtige Partner Deutschlands – China, Russ-
land und Türkei – zu verfolgen. Das sei eine Politik der
„amerikanischen Neokonservativen“. Sie, Herr Außenmi-
nister, haben zu dieser Kontroverse heute hier natürlich
nichts gesagt, aber Sie haben der Kanzlerin an anderer
Stelle „Schaufensterpolitik“ in Sachen Menschenrechts-
politik vorgeworfen.

Das ist, finde ich, wirklich starker Tobak. Das macht
vor allen Dingen deutlich, dass nicht nur in der Innenpo-
litik, sondern auch in der Außenpolitik der Großen Ko-
alition keine klare Linie erkennbar ist. Was gilt denn
nun?


(Erika Steinbach [CDU/CSU]: Richtlinienkompetenz der Kanzlerin!)


Ich bitte wirklich darum, dass hier eine Klärung erfolgt
und man nicht so tut, als seien Sie sich in den Grundli-
nien einig.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Werner Hoyer [FDP])


Gilt jetzt also die Symbolpolitik der Kanzlerin oder
eine Politik des sogenannten Dialogs, wie es Herr Heil
genannt hat? Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ge-
rade in der Menschenrechtspolitik kann Symbolpolitik
eine ganz wichtige Rolle spielen, auch wenn das hier
und da um den Preis wirtschaftlicher Profite geschieht.
Ich meine auch, dass sich deutsche Außenpolitik nicht
auf reine Außenwirtschaftspolitik beschränken darf.
Aber wichtig ist auch, dass danach konsequentes Enga-

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(C (D ement folgt, also etwas, was den russischen Oppositioellen, den Tibetanern am Ende wirklich hilft. (Lothar Mark [SPD]: Das geht aber nicht nur mit Konfrontation!)


chließlich ist diese Politik nur dann glaubwürdig, wenn
ie nicht doppelten Standards folgt. Man kann nicht ei-
erseits China und Russland laut kritisieren und anderer-
eits zu den Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Ara-
ien schweigen, wenn eine hochrangige Delegation hier
n Deutschland ist. Das ist eben nicht glaubwürdig.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und der LINKEN)


Ich glaube, wenn diese Linie in der Außenpolitik
icht geklärt wird, dann wird eines jedenfalls sonnenklar
das würde ich sehr bedauern –: Es geht nicht mehr um
en besseren Weg in der Menschenrechtspolitik, sondern
s geht ab jetzt nur noch um Wahlkampf.


(Lothar Mark [SPD]: Es geht um Dialog!)


as, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist eine Zumutung
icht nur für uns, sondern auch für die Wählerinnen und
ähler.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Zu Nahost und Annapolis. Ob Annapolis nicht doch
ur ein Fototermin war oder wirklich der Auftakt zu ei-
em ernsthaften Verhandlungsprozess für eine Zweistaa-
enlösung – wir wünschen uns ja alle, dass es das ist –,
uss wirklich erst noch die Zukunft zeigen. Sicher ist:

m Moment ist das die einzige Chance für einen Prozess;
a stimme ich Ihnen zu. Sicher ist allerdings auch, dass
eide Parteien, Abbas und Olmert, in ihren Gesellschaf-
en wenig Rückhalt für die Umsetzung substanzieller
ortschritte haben. In Israel sitzen die Gegner – sie ha-
en sich ja auch sofort zu Wort gemeldet – sogar in der
igenen Regierung. Die Hamas mobilisiert mit Unter-
tützung Irans Kräfte gegen eine Friedenslösung. Ich
laube, deshalb ist es umso wichtiger, dass es schnell
ichtbare Fortschritte – wie man so sagt – on the ground
ibt, also für Abbas in der Siedlungsfrage und für
lmert in der Frage der Sicherheit.

Die Last der Hauptvermittlung liegt bei den USA.
eider hat die Bush-Administration die Dinge zu lange

reiben lassen. Sie setzt jetzt doch noch auf eine multila-
erale Lösung. Aber der Zeitraum von einem Jahr, den

an sich zum Ziel gesetzt hat, ist sicherlich sehr knapp
emessen, um sämtliche Kernfragen zu klären. Es wurde
a gestern angekündigt, dass es dabei um die Frage der
renzen, der Siedlungen, die Jerusalemfrage und die
lüchtlingsfrage geht. Man muss Israel dazu bewegen
ich glaube, das ist ganz wichtig –, gerade während des
erhandlungsprozesses klare Signale für einen Sied-

ungsstopp zu geben. Das ist für die moderaten Kräfte
m Abbas wichtig. Es geht aber auch um den Abbau von
heckpoints, die Freilassung von Gefangenen. All das
önnte diese stärken.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)







(A) )



(B) )


Kerstin Müller (Köln)

Ein sehr wichtiger Schritt, vielleicht einer der wich-
tigsten, ist in der Tat die Tatsache, dass Syrien mit am
Tisch saß und hoffentlich auch in der Zukunft sitzt.


(Lothar Mark [SPD]: Dafür hat der deutsche Außenminister sehr viel Vorarbeit geleistet!)


Das war ein Erfolg der deutschen Außenpolitik – das
will ich hier sehr klar sagen –, den wir auch sehr begrü-
ßen.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN und der SPD)


Es muss nun gelingen – ich hoffe, dass Sie, Herr Außen-
minister, da weiter die entsprechende Rolle spielen wer-
den –, dass Israelis und Syrer an einen Tisch kommen.
Die Einbindung Syriens, seine schrittweise Loslösung
aus der Achse mit Iran ist wichtig für die gesamte regio-
nale Entspannung und von absolut zentraler Bedeutung.

Gefragt ist aber auch weiter die EU. Was ist eigentlich
ihre Rolle? Der EU-Aktionsplan war zwar richtig und
gut – das habe ich auch mehrfach im Ausschuss gesagt –,
ich meine aber, er ist nicht ausreichend. Die EU muss
klären, was sie zur Lösung der Kernfragen beitragen
kann, zum Beispiel, indem sie die Palästinenser stärker
beim Aufbau eines effektiven Sicherheitsapparats – da
gibt es ja schon erste Ansätze – oder auch bei der ganz
schwierigen Frage der Flüchtlingsrückkehr unterstützt.
Könnte die EU nicht überlegen, schon jetzt einen Ent-
schädigungsfonds für diejenigen Palästinenser vorzube-
reiten, die – das wird ja die Mehrzahl sein – nach Israel
nicht zurückkehren können?


(Beifall des Abg. Wolfgang Gehrcke [DIE LINKE])


Dabei könnte die Europäische Union eine eigene Rolle
spielen.

Wir erwarten ein aktives Engagement der Bundesre-
gierung im weiteren Verlauf des Annapolis-Prozesses.
Wir werben auch für eine eigenständige Rolle der Euro-
päischen Union dabei.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Die Situation in Gaza ist ganz klar einer der Stolper-
steine. Ohne einen neuen innerpalästinensischen Dialog
mit der Hamas wird es für Gaza und insgesamt keine
friedliche Lösung geben. Das müssen die USA und Is-
rael einsehen. Das hat überhaupt nichts mit Sympathien
für die Hamas zu tun. Ich glaube, wir kommen um die-
sen innerpalästinensischen Dialog nicht herum; sonst
fliegt uns der gerade gestartete Friedensprozess gleich
wieder um die Ohren.

Wir brauchen Fortschritte im Nahen Osten auch, um
die arabischen Staaten in den diplomatischen Prozess zur
Lösung des Konflikts um das iranische Atompro-
gramm einzubinden. Dieser Prozess geht im Dezember
auf der Grundlage der Berichte in eine neue Runde. Ich
fordere die Bundesregierung hier dazu auf, weiterhin
konsequent im UN-Sicherheitsrat vorzugehen. Meiner
Meinung nach ist das jetzt das Gebot der Stunde. Gleich-
zeitig erwarten wir neue Vorschläge für einen Kompro-
miss bei der Frage der Aussetzung.

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(C (D Die Geschlossenheit der internationalen Gemeinchaft war bisher das zentrale Instrument. Ich will hier ehr deutlich sagen: Ich glaube, dass eine Eskalationshetorik, wie wir sie von Vertretern der Bush-Adminisration immer wieder hören, gefährlich und nicht der ichtige Weg ist. Ich bedauere sehr, dass es die Bundesanzlerin in den USA vorgezogen hat, zu dem leichtsinigen Sinnieren von Bush über einen dritten Weltkrieg u schweigen. Wir hätten hier deutliche Worte erwartet. s gibt keine militärische Lösung. Es gibt im Iran-Kon likt nur eine Verhandlungslösung. Ein allerletzter Punkt. Wir dürfen im Atomstreit die ranische Zivilgesellschaft nicht vergessen. Es gibt geade hier eine ganz harte Repressionswelle. In der Atomrage gibt es ein ermutigendes Signal aus der iranischen ivilgesellschaft: Die Menschenrechtsanwältin und Frieensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hat eine Friedensruppe gegründet, die sowohl vom Iran als auch von den SA die Einhaltung des internationalen Rechts fordert. as zeigt meiner Meinung nach: Wir müssen im Atom treit jede Eskalationsrhetorik zurückweisen. Wir müsen der iranischen Bevölkerung immer wieder glaubhaft achen: Die UN-Sanktionen sind nicht gegen die irani che Bevölkerung gerichtet. Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Schluss. Kerstin Müller EN)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612907000
Nur so können wir das iranische Regime gemeinsam

n den Verhandlungstisch bringen.

Danke.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612907100

Der Kollege Gert Weisskirchen hat jetzt das Wort für

ie SPD-Fraktion.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)



Gert Weisskirchen (SPD):
Rede ID: ID1612907200

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

ch finde, dass von Annapolis ein ganz ermutigendes
eichen ausgeht. Es macht deutlich, dass die Betroffe-
en, also Palästina und Israel, nicht nur bereit sind, sich
ufeinander zuzubewegen, sondern auch bereit sind, in
ilateralen Gesprächen dafür zu sorgen, dass die wirkli-
hen Konfliktpunkte jetzt angegangen werden können.

Einer dieser Punkte, lieber Kollege Mark und liebe
olleginnen und Kollegen aus dem Haushaltsausschuss,
ird sein, dass den 500 Millionen Euro, die allein in die-

em Jahr zur finanziellen Unterstützung der palästinensi-
chen Autorität bereitgestellt werden, weitere
00 Millionen Euro hinzugefügt werden, und zwar spä-
estens am 17. Dezember, liebe Kollegin Müller, wenn
wohl in Paris – die Pledge-Conference stattfinden
ird. Dort wird darüber nachzudenken sein, wie der Bei-






(A) )



(B) )


Gert Weisskirchen (Wiesloch)

trag der Europäischen Union aussehen kann, damit die
Chance besteht, dass der Prozess, der jetzt so wunderbar
begonnen hat, Fuß greift und zu einem nachhaltigen
wird.

Es geht jetzt darum, dafür zu sorgen, dass sich das ge-
samte regionale Umfeld auf den Frieden konzentriert,
nachdem in den letzten sieben Jahren nichts geschehen
ist. Im Gegenteil: In den Regionen, in Palästina sind die
Ängste eher größer geworden. Nicht vergessen werden
darf auch, dass auf Israel Kassam-Raketen abgefeuert
wurden und dort schreckliche Attentate stattgefunden
haben. Diese Gewaltspirale kann jetzt unterbrochen wer-
den. Dies ist allein schon ein ermutigendes Zeichen, das
uns von Annapolis übermittelt wird, liebe Kolleginnen
und Kollegen.


(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Marieluise Beck [Bremen] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Wer einmal in die Erklärung geblickt hat, die Olmert
und Abbas abgegeben haben, wird erkennen, was Wer-
teorientierung der Außenpolitik bedeutet. Ich zitiere
daraus nur einen Satz:

Wir bringen unsere Entschlossenheit zum Aus-
druck, das Blutvergießen, das Leiden und die Jahr-
zehnte des Konflikts zwischen unseren Völkern zu
beenden.

Was ist dies anderes als werteorientierte Außenpolitik?
Daran mitzuhelfen, dass die ineinander verhakten
Ängste, die so viel Leid verursacht haben, nun ent-
krampft werden können und ein Prozess der Entspan-
nung vorangetrieben werden kann, das ist in praxi werte-
orientierte Außenpolitik, nichts anderes. Wir sollten
nicht über irgendwelche abstrakten Konstruktionen re-
den. Hier geht es um die Freiheit der Menschen sowie
darum, dass sie ihr Menschenrecht auf die Gestaltung ei-
nes unversehrten Lebens wahrnehmen können. Dafür
muss der Frieden so weit wie möglich von außen als Sta-
bilitätsfaktor in die Region hineingebracht werden. Ge-
nau dies kann eine werteorientierte Außenpolitik leisten.

Ich füge in aller Deutlichkeit hinzu: Erfunden wurde
dieser Prozess, der zur Roadmap führte, drüben im Au-
ßenamt gemeinsam von Joschka Fischer und Gerhard
Schröder. Die Erkenntnis von Condoleezza Rice und
George W. Bush hat darin bestanden, die Grundelemente
der Roadmap aufzunehmen und eine Roadmap plus zu
entwerfen. Dies ist werteorientierte Außenpolitik in der
Kontinuität der rot-grünen Koalition und der gegenwär-
tigen Koalition. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst
uns dies nicht vergessen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Ich komme nun zu einem weiteren Bereich werteori-
entierter Außenpolitik. Schauen Sie sich bitte einmal die
Artikel an, die heute Erhard Eppler in der Süddeutschen
Zeitung und Herbert Kremp in der Welt veröffentlicht ha-
ben. Wenn man beide Artikel sehr genau liest und ihre
Argumente auf den Kern reduziert, dann wird man Fol-
gendes feststellen: Beide sagen, dass China und Russ-

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(C (D and – Herbert Kremp spricht auch von Indien – die neue achtkonstellation darstellen. Erhard Eppler spricht hier on der multipolaren Weltordnung der Zukunft. In der Tat, lieber Kollege von Klaeden, müssen wir ns darüber verständigen, was diese neue Dynamik in jeer östlichen Region für uns bedeutet. Darauf gibt rhardt Eppler eine klare und, wie ich finde, überzeuende Antwort: Wenn wir Europäer überhaupt eine hance haben wollen, in dieser neuen Mächtekonstella ion unsere europäische Auffassung von Frieden, Geechtigkeit und Freiheit als ein Denkmodell durchzuseten, dann müssen wir eine neue außenpolitische Debatte ühren und darüber nachdenken, welchen eigenständigen eitrag wir für ein neues Selbstverständnis von Außenolitik leisten können. Nur so werden wir Europäer – wir önnen es nur gemeinsam – in dieser neuen Konstellaion überhaupt eine Stimme haben. Ich bitte darum, dass wir im Auswärtigen Ausschuss der wo auch immer diesen Punkt ganz bewusst konzepionell aufnehmen. Hier spielen nämlich Fragen der enschenrechte, der Freiheit und des Friedens eine ganz entrale Rolle. Hans-Dietrich Genscher und Klaus inkel in der Phase der Entspannungspolitik sowie oschka Fischer und jetzt Frank-Walter Steinmeier haen dazu einen eigenständigen europäischen Beitrag geeistet. Der historische Beitrag muss jetzt wieder aufgeriffen und an die neuen Erfordernisse angepasst erden. Die wesentliche Erkenntnis aus der Zeit des alten Krieges ist, dass die damalige Formel „Wandel urch Annäherung“ im Osten Europas zu Freiheit und ur Einhaltung der Menschenrechte geführt hat. Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Ende. Ich komme zum Schluss. – Es käme jetzt darauf an, ine neue Formel zu erfinden. Ich finde, dass der Außeninister an diesem Punkt konzeptionell richtig sagt, es omme jetzt auf die Annäherung durch die Verflechtung er Gesellschaften, der Ökonomien und der Menschen ntereinander an. Das ist die neue Aufgabe einer euroäischen Außenpolitik. (Beifall bei der SPD – Lothar Mark [SPD]: Und damit dies wirkt, muss der Haushaltsausschuss diese Mittel bewilligen!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612907300
Gert Weisskirchen (SPD):
Rede ID: ID1612907400


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612907500

Jetzt hat der Kollege Michael Link das Wort für die

DP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Michael Link (FDP):
Rede ID: ID1612907600

Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Auch

ie FDP schließt sich pflichtschuldig gerne dem Glück-
unsch zur Wahl zum Diplomaten bzw. zur Regierungs-

hefin des Jahres durch European Voice an. Ich kann
ich allerdings nicht des Eindrucks erwehren, dass nur






(A) )



(B) )


Michael Link (Heilbronn)

das erste Halbjahr ausgezeichnet worden ist. Für das
zweite Halbjahr muss ich für meine Fraktion leider fest-
stellen, dass sich der Bundesaußenminister und die Re-
gierungschefin deutlich unter Wert verkaufen. Das klang
in fast allen Redebeiträgen an; selbst in den Beiträgen
der Koalitionsfraktionen schimmerte durch, dass die Un-
terschiede zwischen diesen beiden Fraktionen immer
deutlicher werden.

Unsere Partner in der EU und außerhalb fragen sich
bei den oftmals zwischen CDU/CSU und SPD bzw.
Kanzleramt und Auswärtigem Amt auseinanderlaufen-
den Stellungnahmen, was eigentlich Wahlkampf und
was die deutsche Position ist. Das kann im deutschen In-
teresse nicht so weitergehen.


(Beifall bei der FDP)


Mit der Russlandpolitik und der Chinapolitik sind
schon entsprechende Beispiele genannt worden. Herr
Weisskirchen hat das Thema Veränderung durch Ver-
flechtung erwähnt. Was dieses Thema angeht, kann ich
nur viel Spaß wünschen. Ich bin sehr gespannt auf die
Äußerungen seitens der CDU/CSU-Fraktion, wie man
russlandpolitisch an diesem Thema weiterarbeiten will.
Ich sehe intern sogar noch eine Verschärfung der Pro-
bleme.


(Dr. Werner Hoyer [FDP]: So ist es!)


Wir können noch andere Beispiele nennen. Was das
sehr wichtige Thema Türkei angeht, stelle ich fest, dass
es in der Regierungskoalition leider fast diametral entge-
gengesetzte Positionen gibt. Das Ergebnis ist, dass wir
leider in diesem Bereich die Entwicklung in Brüssel
nicht mitbestimmen, sondern andere die Debatte bestim-
men. Das kann und darf nicht so weitergehen, vor allem
deshalb, weil angesichts einer nach oben hin entwick-
lungsfähigen portugiesischen Präsidentschaft – wir ha-
ben nicht mehr viel Zeit, wir hätten von dieser Präsident-
schaft mehr erwartet – dringend erforderlich wäre, dass
Deutschland gemäß seinem Gewicht aktiv bleibt und das
Wort Triopräsidentschaft mit Leben füllt.

Ich denke, wir alle haben uns unter Triopräsident-
schaft etwas mehr vorgestellt. Wir wissen zwar, dass das
nicht über Nacht möglich ist – es ist die erste Triopräsi-
dentschaft –, aber wir hoffen, dass Deutschland zumin-
dest unter der so wichtigen slowenischen Präsidentschaft
wieder eine stärkere Rolle spielen wird. Das ist notwen-
dig; denn gerade die Ratifizierung und viele andere
wichtige Themen sind noch lange nicht über dem Berg.
Um nur das Beispiel der EU-NATO-Kooperation zu nen-
nen: Dies ist ein harziges und schwieriges Thema, das
vielen nicht gefällt, aber wir brauchen diese Kooperation
dringend.

Wir brauchen die Fortentwicklung der Berlin-Plus-
Vereinbarung. In diesem Bereich liegt vieles im Argen.
Auch hier ist in der Diskussion Führerschaft aus Berlin
gefordert. Man kann viel entwickeln, auch wenn man
nicht die EU-Präsidentschaft innehat.

Es hat gute Tradition, auch das Thema EU-Haushalt
kurz anzusprechen. Es ist sehr wichtig, dies zu themati-
sieren, weil im nächsten Jahr zwei wichtige Entschei-

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(C (D ungen anstehen. Sie betreffen zum einen die Ratifizieung des Eigenmittelbeschlusses – diese Entscheidung st eher technisch, aber, weil es um sieben Jahre und um mmerhin 20 Milliarden Euro pro Jahr aus Steuermitteln eht, doch wichtig – und zum anderen das sehr wichtige hema Revision des EU-Haushalts 2008/2009. Hierbei sollten wir als Bundestag dringend unsere euen Rechte und die bis April laufende Konsultationshase der Kommission nutzen und offiziell Stellung nehen. Wir sollten diese Phase nicht verstreichen lassen, nd wir sollten uns dann über die schwierige Frage unerhalten, wie wir uns zu der Forderung Ihrer Kollegen us CDU und SPD im Europäischen Parlament nach eier neuen Eigenmittelquelle in Form einer EU-Steuer tellen. Darauf bin ich schon gespannt. Die SPD hat beschlossen – ich habe diesen wunderchönen Parteitagsbeschluss mitgebracht –, für weniger uweisungen aus dem nationalen Haushalt und den angfristigen Aufbau einer neuen Eigenmittelquelle zu lädieren. Das ist nichts anderes als die Art von EUteuer, die leider auch der konservative Berichterstatter es Europäischen Parlaments Lamassoure anstrebt. Es st dringend erforderlich, dass sich der Bundestag hierzu ußert. Ich bin sehr gespannt, wie sich CDU und SPD ei diesem Punkt verhalten werden. Herr Präsident, ich komme zum Schluss. – Wir von er FDP werden bei den wichtigen Themen des ahres 2008 europapolitisch Kurs halten. Das gilt für den U-Haushalt, bei dem wir uns klar gegen eine EUteuer aussprechen, und natürlich für die Ratifizierung es neuen EU-Vertrags, wo wir an der Seite der Bundesegierung stehen; dieser Vertrag muss zügig ratifiziert erden. Vielen Dank. Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Kollegin Erika teinbach das Wort. Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kolle en! Deutsche Außenpolitik muss natürlich Interessenolitik sein. Wer aber glaubt, dass deutsches Interesse ich nur an vollen Auftragsbüchern orientieren darf, der rrt wirklich fundamental. Geld stinkt nicht, pecunia non let, heißt es leider häufig genug sehr lapidar. Geld chreit auch nicht, wenn es auf dem Rücken gequälter enschen verdient wird. Wir in diesem Hause haben ber die Verpflichtung, diese Schreie zu hören. Auch eingehaltene Menschenrechte liegen im deutchen Interesse. Bei deren Verletzung sollten die internaionalen Spielregeln, nach denen man sich zu richten hat, ür alle deutlich gemacht werden. Das ist auch im Inteesse der deutschen Wirtschaft; das will ich ganz deutich sagen. Denn wer Menschenrechte verletzt, der veretzt auch ohne Hemmungen andere Regeln – Stichwort: Erika Steinbach Produktpiraterie. Wir müssen Menschenrechte immer wieder von allen einfordern, die sich mit uns einlassen: gegen Einschüchterungen, gegen Verheißungen anderer Vorteile, gegen Versuchungen. Um aber glaubwürdig Menschenrechte durchzusetzen, muss man die Falschspieler dieser Welt an ihre Verpflichtung auf die Regeln der UNO erinnern und schließlich auch ihre Verfehlungen benennen. Es nützt doch nichts, so zu tun, als bemerkte man die gezinkten Karten der anderen nicht. Das Risiko muss auf der Seite der Menschenrechtsverletzer liegen. Ihre Stärke gegen die Schwachen und Hilflosen zu Hause muss am Ende aber auf dem diplomatischen Parkett ihre Schwäche sein. Das funktioniert aber nur dann, wenn die Vertreter der demokratischen Werte und der Menschenrechte willens sind, dies auch öffentlich und gemeinsam deutlich zu machen. Genau das hat deutsche Außenpolitik zu leisten, und die Bundeskanzlerin tut das nachdrücklich, sehr offensiv und vorbildlich. Sie weiß um die Schwäche herrschender Unrechtssysteme, denn sie kennt die Schwäche solcher Systeme aus persönlicher Erfahrung und weiß auch, an welchen Punkten man nicht nachgeben darf. Deshalb, Herr Außenminister, seien auch Sie beherzt, wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte geht und um die Forderungen derjenigen, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden sind. Gerade eine aufrechte Haltung erzielt Wirkung beim Gegenüber. Werte sind letzten Endes mächtiger als Geld. Der Dalai Lama ist die Inkarnation der Friedfertigkeit und der Gewaltlosigkeit. Ihn in der deutschen Hauptstadt zu empfangen, war in der Tat ein richtiges Zeichen, und dafür gebührt der Bundeskanzlerin unser aller Respekt. Einen solchen Mann empfängt man nicht verschämt im Hinterstübchen, sondern, wie es Angela Merkel getan hat, vor aller Welt im Kanzleramt. Das war richtig, und das war ein Zeichen nach außen. Von daher habe ich durchaus ziemlich fassungslos die offene Kritik des Altbundeskanzlers Schröder zur Kenntnis genommen, mit dem Empfang des Dalai Lama habe die Kanzlerin chinesische Gefühle verletzt, und er sei unglücklich über das Verhalten seiner Nachfolgerin. Er sollte doch einmal nach den Gefühlen derjenigen fragen, die in China in Lagern für die ganze Welt schuften und billig das produzieren, was hier verkauft wird. Er sollte diejenigen befragen, die wegen der Olympischen Spiele aus ihren Häusern vertrieben wurden. Er sollte die Christen fragen, die ihren Glauben nur geheim leben können – wenn sie dem Staat nicht willfährig sind. Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Weisskirchen? v i d J t G s w A L d S l k i W r n g s l s e w D f d l n l t d d g d E u k (C (D Gerne. Frau Kollegin Steinbach, wie bewerten Sie, dass der ormalige Bundeskanzler Gerhard Schröder – Sie haben hn eben erwähnt – den Menschenrechtsdialog mit China adurch befördert hat, dass unter seiner Kanzlerschaft ürgen Habermas nach China gereist ist und dort in unerschiedlichen Debatten an Universitäten genau diesen edanken kontrovers mit einer ganzen Reihe von Mit treitern und Mitdiskutanten dargestellt hat? Ich stelle fest, dass dies in der Weltöffentlichkeit nicht ahrgenommen wurde. (Lothar Mark [SPD]: Das ist aber ein Problem der Medien!)


(Beifall bei der FDP)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612907700

(Beifall bei der CDU/CSU)

Erika Steinbach-Hermann (Plos):
Rede ID: ID1612907800




(A) )


(B) )


(Beifall bei der CDU/CSU)


(Beifall bei der CDU/CSU)


(Beifall bei der CDU/CSU)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612907900
Erika Steinbach-Hermann (Plos):
Rede ID: ID1612908000
Gert Weisskirchen (SPD):
Rede ID: ID1612908100
Erika Steinbach-Hermann (Plos):
Rede ID: ID1612908200

ber ich stelle auch fest, dass der Empfang des Dalai
ama durch die Bundeskanzlerin Merkel überall auf
em Globus deutlich wahrgenommen wurde. Gerhard
chröder hat sich geweigert, den Dalai Lama im Kanz-

eramt zu empfangen. Das ist ein Signal.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es geht nicht nur darum, dass ein ehemaliger Bundes-
anzler der jetzigen Regierungschefin im Ausland derart
n den Rücken fällt, sondern auch darum – Herr Kollege

eisskirchen, letzten Endes denken Sie nicht anders da-
über –, dass damit all denjenigen Menschen und Orga-
isationen, die sich weltweit für die Menschenrechte en-
agieren, ein Schlag ins Gesicht versetzt wird. Dies
chmerzt doch diejenigen, die sich tagtäglich ehrenamt-
ich für andere einsetzen.

Ich bin sehr dafür, dass wir über das Wie in der Men-
chenrechtspolitik eine ernsthafte Debatte führen. Aber
ine solche ernsthafte Debatte kann nur gelingen, wenn
ir in Deutschland gemeinsam vorgehen und wenn diese
iskussion nicht von vornherein erschwert wird.

Herr Außenminister, Sie sind ein liebenswürdiger und
reundlicher Mensch. Deshalb kann ich mir vorstellen,
ass es schon schwerfällt, Ihrem früheren Chef öffent-
ich entgegenzutreten, wenn er die Kanzlerin ins Visier
immt. Ich hätte mir schon gewünscht, Sie hätten dazu
ieber gar nichts gesagt.


(Dr. Ditmar Staffelt [SPD]: Sie hätten Ihre Rede besser auch nicht halten sollen!)


Autoritäre Regime, die Menschenrechte missach-
en, sind selten verlässliche Partner; das können wir
eutlich feststellen. Daher kann ich – erst recht vor
em Hintergrund der leidvollen europäischen Erfahrun-
en im 20. Jahrhundert – jeden vor einer neuen Politik
es Appeasement nur ausdrücklich warnen; denn am
nde zahlen nämlich wir alle den Preis. Dann werden
ns die fehlenden Menschenrechte teuer zu stehen
ommen.


(Beifall bei der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612908300

Das Wort hat nun Kollege Hakki Keskin für die Frak-

tion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Hakki Keskin (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612908400

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die

Kritik der Linken an der Europäischen Union und vor al-
lem am EU-Reformvertrag wird nicht selten als eine an-
tieuropäische Haltung verstanden. Dies ist eine nicht ak-
zeptable, vielleicht sogar gewollt falsche Interpretation.

Deshalb möchte ich hier unterstreichen: Selbstver-
ständlich sind wir für die Europäische Union, weil wir
den Frieden und die freundschaftlichen Beziehungen vor
allem der europäischen Integration verdanken, weil die
EU durch den Wegfall der Binnengrenzen und Grenz-
kontrollen engere Beziehungen ermöglicht und Reise-
möglichkeiten bequemer gestaltet hat und weil die EU
den Bürgern durch Harmonisierungsmaßnahmen beim
Verbraucherschutz und insbesondere durch das Antidis-
kriminierungsgesetz zumindest ein bestimmtes Maß an
Schutz gewährt hat.

Die berechtigten Erwartungen der Menschen an die
EU gehen jedoch viel weiter. Sehr große Teile der Be-
völkerung in den EU-Staaten wollen zu Recht keine EU,
in der eine Rette-sich-wer-kann-Mentalität im Geiste der
neoliberalen Politik zur Rechtsgrundlage wird.

Sie wollen keine EU, in der eine Laisser-faire-Politik
die sozial Benachteiligten in der Gesellschaft zuneh-
mend an den Rand der Gesellschaft drängt. Sie wollen
keine EU, in der eine permanente Umverteilung von un-
ten nach oben stattfindet. Sie wollen keine EU, in der die
Arbeitslosigkeit zu einer Dauerkrankheit der EU-Länder
wird. Sie wollen keine EU, in der fehlende Mindeststan-
dards für Lohn-, Steuer- und Sozialdumping missbraucht
werden. Sie wollen keine EU, in der knapp die Hälfte der
Haushaltsmittel – das waren im Jahr 2007 42,7 Milliar-
den Euro – für Subventionen in die Landwirtschaft
fließt, damit unter anderem die preisgünstigeren Pro-
dukte aus den Entwicklungsländern keinen Zugang in
den Markt der EU finden.

Was wollen die meisten Menschen in der EU? Sie
wollen neben einem friedlichen vor allem ein soziales
Europa.


(Beifall bei der LINKEN)


Sie wollen, dass der Sozialstaat und die sozialen Siche-
rungssysteme EU-weit als Verfassungswerte anerkannt
und durch die Politik umgesetzt werden. Sie wollen die
Einführung von sozialen, steuerlichen und ökologischen
Mindeststandards, damit die soziale Gerechtigkeit als
gesellschaftspolitisches Ziel nicht verloren geht. Sie
wollen, dass die Europäische Zentralbank eine Finanz-
politik für mehr Wachstum und Beschäftigung verfolgt.
Sie wollen, dass es keine Marktbeherrschung und keinen
Marktmissbrauch gibt, wie wir sie in jüngster Zeit im
Energiesektor beim Erdöl, Erdgas und Strom beobach-
ten. Sie wollen keine Privatisierung der Bereiche der öf-
fentlichen Daseinsvorsorge, wie die des öffentlichen

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(C (D ahverkehrs und der Bahnen, der Wasserversorgung und er Energie. Sie wollen, dass die EU nicht militärisch, ondern mit präventiven und zivilpolitischen Strategien nd Maßnahmen zu der Lösung von Konflikten wie auf em Balkan, in Afrika und überall in der Welt einen aßgeblichen Beitrag leistet. Ich komme zum Schluss. Die EU steht auch nach der eutschen Ratspräsidentschaft vor dem ungelösten Zyern-Problem. Dieser Konflikt spielt auch in den Bezieungen der EU zur Türkei eine wichtige Rolle. Die Zyern-Frage müsste mit Bewegung aller Seiten friedlich elöst werden. Dabei darf vor allem die Wiedervereiniung der Insel nicht aus den Augen verloren werden. Ich danke Ihnen. Ich erteile das Wort Kollegen Thomas Bareiß, CDU/ SU-Fraktion. Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und erren! Lassen Sie mich zum Schluss dieser Debatte beonen, wie erfolgreich gerade die Europapolitik der Bunesregierung in den letzten zwölf Monaten war; das war ber nicht selbstverständlich. Ich habe zur Vorbereitung es heutigen Tages noch einmal die Reden der letzten aushaltsdebatte hervorgeholt. Damals wurde klar und eutlich gesagt, vor welch schwieriger Situation wir tanden und welch hohe Erwartungen es gab. Jetzt zeigt ich, wie viel wir erreicht haben. Am 13. Dezember dieses Jahres werden die Staatsnd Regierungschefs in Lissabon den EU-Grundlagenertrag unterzeichnen. Gerade heute sollte darauf hinewiesen werden, dass dies nicht möglich gewesen äre, wenn unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel in er Nacht vom 22. Juni 2007 in Brüssel nicht für diesen ertrag gekämpft hätte. Das kann man nicht oft genug agen. Natürlich gibt es Punkte – der Außenminister hat es esagt –, die wir uns anders gewünscht hätten: Symbole ie eine Flagge und eine Hymne, auch ein gemeinsamer ertekanon. Wir haben dennoch enorm viel erreicht. Jetzt gilt es, diesen Vertrag umzusetzen. Am 1. Januar 009 wird der Grundlagenvertrag in Kraft treten. Ich ürde mir wünschen, dass Deutschland vorangeht und en Vertrag schnell ratifiziert. Die CDU/CSU-Bundesagsfraktion wird ihren Teil tun, damit wir im Parlament n den ersten drei Monaten des kommenden Jahres voankommen. Ich möchte einen weiteren Punkt aufgreifen, der in en letzten sechs Monaten sehr erfolgreich behandelt urde. Klimaschutz ist ein Erfolgsthema der deutschen U-Ratspräsidentschaft geworden. Die EU hat sich unlaublich ambitionierte Ziele gesetzt. Deutschland geht Thomas Bareiß mit gutem Beispiel voran. Wie wir gestern in der Financial Times lesen konnten, hat Deutschland in den letzten 15 Jahren den CO2-Ausstoß um mehr als 16 Prozent reduziert. Demgegenüber stieg der Ausstoß in Frankreich um fast 6 Prozent, (Marieluise Beck [Bremen] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Mit Atomkraft! Darüber sollten Sie einmal nachdenken!)


(Beifall bei der LINKEN)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612908500

(Beifall bei der CDU/CSU)

Thomas Bareiß (CDU):
Rede ID: ID1612908600

(Beifall bei der CDU/CSU)





(A) )


(B) )


Spanien hat sogar mehr als 60 Prozent draufgelegt. Ich
glaube, es ist richtig, dass die Bundeskanzlerin, Angela
Merkel, diese Woche betont hat, dass auch die anderen
EU-Staaten verpflichtet sind, Klimaschutzmaßnahmen
durchzuführen und die entsprechenden Klimaschutzziele
anzustreben.

Klimaschutz ist das eine, Energie- und Rohstoff-
sicherheit sind das andere. In den nächsten Jahren wer-
den wir einen enorm hohen Rohstoffverbrauch haben.
Allein in Europa wird der Gasbedarf in den nächsten
25 Jahren um 80 Prozent steigen. Diesen enormen Zu-
wachs müssen wir decken. Wir müssen schauen, woher
wir Gas und Öl bekommen. Deshalb werden europäische
Projekte wie die Nabucco-Pipeline enorm an Bedeutung
gewinnen. Lieber Kollege Michael Link, auch das Part-
nerschafts- und Kooperationsabkommen mit Russland
ist ganz zentral und muss die Aufmerksamkeit unserer
Politik erfahren.

Lassen Sie mich aus aktuellem Anlass einige Anmer-
kungen zum Thema Galileo machen. Das System, das
als Alternative zum amerikanischen GPS gedacht ist,
muss zum Lackmustest der europäischen Industrie-,
Wirtschafts- und Forschungspolitik werden. Es wird ins-
gesamt etwa 3,4 Milliarden Euro kosten. Nach heutigem
Stand wird es mit Mitteln aus dem EU-Haushalt finan-
ziert werden. Für mich ist das die zweitbeste, man kann
auch sagen: drittbeste Lösung. Es ist aber wichtig, dass
wir dieses Zukunftsprojekt auf europäischer Ebene reali-
sieren. Bei der morgigen Verkehrsministerkonferenz
wird es darum gehen, dass deutsche Firmen eine faire
Chance erhalten, an diesem Projekt beteiligt zu werden.
Wir nehmen unseren Verkehrsminister in die Pflicht.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Die globalen Herausforderungen der nächsten Jahr-
zehnte können aber nicht in Europa allein gelöst werden.
Europa braucht weitere Partner. Der europäische Binnen-
markt, der ein Erfolgsmodell ist, muss erweitert werden.
Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sieht in der Vertie-
fung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen eine
enorme Zukunftsperspektive. Die USA und Europa sind
wirtschaftlich stark miteinander verflochten. 40 Prozent
des globalen Welthandels laufen über diese beiden Kon-
tinente. Ich glaube, es muss unser aller Anliegen sein,
diese wirtschaftlichen Potenziale zu nutzen – im Inte-
resse der Menschen und der Wirtschaft.

Wir haben zwar viel erreicht, es gibt aber noch viel zu
tun. Wir müssen die Menschen beim Thema Europa mit-
nehmen.


(Holger Ortel [SPD]: Das ist wohl wahr!)


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(C (D ir brauchen konkrete Handlungsfelder, um den Menchen zu zeigen, dass Europa etwas bewirken kann. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612908700

Ich schließe die Aussprache.

Wir kommen zur Abstimmung über den Einzelplan 05
Auswärtiges Amt – in der Ausschussfassung. Hierzu
iegt ein Änderungsantrag der Fraktion der FDP vor,
ber den wir zunächst abstimmen. Wer stimmt für diesen
nderungsantrag auf Drucksache 16/7313? – Wer

timmt dagegen? – Enthaltungen? – Der Änderungsan-
rag ist mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen
ie Stimmen der drei Oppositionsfraktionen abgelehnt.

Wer stimmt nun für den Einzelplan 05 in der Aus-
chussfassung? – Wer stimmt dagegen? – Enthaltungen? –
er Einzelplan ist mit den gleichen Mehrheitsverhältnis-

en wie zuvor angenommen.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt II.11 auf:

Einzelplan 14
Bundesministerium der Verteidigung
– Drucksachen 16/6413, 16/6423 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Johannes Kahrs
Susanne Jaffke
Bartholomäus Kalb
Jürgen Koppelin
Dr. Gesine Lötzsch
Alexander Bonde

Zum Einzelplan 14 liegt ein Änderungsantrag der
raktion der FDP vor. Außerdem liegt ein Entschlie-
ungsantrag der Fraktion Die Linke vor, über den wir am
reitag nach der Schlussabstimmung abstimmen wer-
en.

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für
ie Aussprache eineinhalb Stunden vorgesehen. – Ich
öre keinen Widerspruch. Dann ist so beschlossen.

Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort Kol-
egin Elke Hoff, FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Elke Hoff (FDP):
Rede ID: ID1612908800

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen!

iebe Kollegen! Der Einsatz der Bundeswehr in Afgha-
istan geht nunmehr in sein siebtes Jahr, und eine politi-
che Lösung für diesen Konflikt liegt für uns alle er-
ennbar in weiter Ferne. Obwohl die Auslandseinsätze
er Bundeswehr inzwischen deren wichtigste Aufgabe
arstellen und sie die Hauptlast der außenpolitischen
ntscheidungen zu tragen hat, wird den Soldatinnen und
oldaten im Einsatz wieder nicht die Ausrüstung zur
erfügung gestellt, die sie dringend benötigen. Damit ist
ieser Verteidigungshaushalt erneut ein Armutszeugnis
ür diese Bundesregierung.






(A) )



(B) )


Elke Hoff

(Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Kurt J. Rossmanith [CDU/ CSU]: Völlig falsch!)


Alles bleibt beim Alten. Zu viele Großprojekte wer-
den an der Einsatzrealität vorbei beschafft oder neu auf
den Weg gebracht, sodass keinerlei Spielräume gewon-
nen werden können, um planerisch sinnvoll nachzusteu-
ern. Weil aber die Bundeswehr ihre Handlungsfähigkeit
im Einsatz erhalten muss, hat die FDP in den Haushalts-
beratungen eine Vielzahl von konstruktiven Änderungs-
anträgen gestellt.

Wir haben unter anderem beantragt, bei der Beschaf-
fung des Transportflugzeuges A400M die Stückzahl
von 60 auf 49 zu reduzieren. Wir haben weiterhin bean-
tragt, eine angemessene Reduzierung des dritten Loses
des Kampfflugzeuges Eurofighter bzw. dessen Weiter-
veräußerung an Dritte zu prüfen. Wir haben außerdem
beantragt, die Beteiligung am Entwicklungsprogramm
des Raketenabwehrsystems MEADS zu beenden, den
Feldlagerschutz umfassend zu verbessern, den durch die
Bundesregierung ermittelten Bedarf an geschützten
Fahrzeugen unverzüglich zu berücksichtigen und den In-
vestitionsstau in den Bundeswehrkasernen West zügig
zu beseitigen.


(Beifall bei der FDP)


Das alles haben Sie mit Koalitionsmehrheit abgelehnt.

Bei SPD- und Unionsfraktion scheint darüber hinaus
die linke Hand leider nicht zu wissen, was die rechte tut.
Während alle Fachpolitiker im Verteidigungsausschuss
aus gutem Grund beschlossen haben, unverzüglich ein
effektives und am Markt verfügbares Schutzsystem ge-
gen Sprengfallen zu beschaffen und trennungsgeldbe-
rechtigten Soldatinnen und Soldaten mit Wohnung am
Dienstort das Trennungsübernachtungsgeld für die ge-
samte Dauer eines Auslandseinsatzes von vier Monaten
zu zahlen, haben Ihre Haushaltspolitiker diesen wichti-
gen Vorhaben die Zustimmung verweigert. So bleibt al-
les, wie es ist.


(Dr. Werner Hoyer [FDP]: Mehr als ärgerlich!)


Der Steuerbürger zahlt im Jahr 2008 pro Tag beinahe
doppelt so viel für die Kostensteigerungen beim Euro-
fighter wie im gesamten Jahr 2008 für die Beschaffung
von überlebenswichtigen Störsendern. Das ist unverant-
wortlich, da Sprengfallen die tagtägliche Bedrohung für
das Leben unserer Soldatinnen und Soldaten im Einsatz
sind.

Herr Minister, ziemlich genau vor einem Jahr ver-
suchten Sie den Eindruck zu erwecken, die Störsender
für die geschützten Fahrzeuge würden unverzüglich be-
schafft. Sie haben in einem Schreiben an mich vom
29. Januar dieses Jahres in Aussicht gestellt, dass der
Bedarf für den Einsatz in Afghanistan schon ab der ers-
ten Jahreshälfte 2007 gedeckt werden soll. Was ist seit-
her geschehen? Zur Erprobung wurde für jeweils drei
Fahrzeugtypen ein Probeexemplar bestellt. Momentan
befinden sich einige wenige Störsender im Zulauf. Erst
ab 2009 werden der Bundeswehr erwähnenswerte Stück-
zahlen zur Verfügung stehen. Das ist nicht akzeptabel.

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(C (D (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, so ist der Minister!)


enn das, was im Einsatz benötigt wird, Priorität haben
oll, muss dies unverzüglich beschafft werden.

Ähnlich unbefriedigend ist immer noch die Ausstat-
ung im Einsatz mit geschützten Fahrzeugen. Auch hier
ut der Minister öffentlich immer so, als sei alles zum
esten. Sie haben behauptet, dass auf dem Markt verfüg-
are Fahrzeuge mit höherem Schutzniveau über den ein-
atzbedingten Sofortbedarf in erheblichem Umfang be-
chafft werden. Die Anzahl der Fahrzeuge, deren
chutzwirkung unterhalb des geforderten Schutzstan-
ards liegt, sollte kontinuierlich verringert werden, und
ie sollten durch geschützte Fahrzeuge ersetzt werden.

Die Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine
nfrage hat jedoch ergeben, dass heute weniger ge-

chützte Fahrzeuge in Afghanistan im Einsatz sind als
m November 2006. Nach Abzug des Mungo verbleiben
17 Fahrzeuge im Einsatz, die nach Ihrer Definition den
chutzanforderungen genügen. Das sind gerade einmal
0 Prozent der in Afghanistan insgesamt eingesetzten
ahrzeugflotte.

Sie wissen, dass das Patrouillenfahrzeug Wolf keinen
usreichenden Schutz bietet und deshalb schnellstmög-
ich durch ein Nachfolgemodell abgelöst werden muss.
as war auch das erklärte Ziel der Bundesregierung.
eider hat man für den Wettbewerb in dieser Fahrzeug-
lasse Kriterien festgelegt, die niemand erfüllen kann.
ie Entscheidung über ein Nachfolgefahrzeug musste
aher erst einmal ausgesetzt werden, sodass die Bundes-
ehr mindestens ein weiteres Jahr verliert, bis geeignete
ahrzeuge beschafft werden können.

Herr Minister, nehmen Sie die Einsatzrealität endlich
ur Kenntnis! Sonst wird Ihre Bilanz am Ende dieser Le-
islaturperiode noch düsterer ausfallen als Ihre magere
albzeitbilanz zum jetzigen Zeitpunkt.


(Beifall bei der FDP)


in Ehrenmal fernab von Parlament und Öffentlichkeit
nd ein Weißbuch, das in der Schublade verstaubt, rei-
hen als Erfolgsbilanz für dieses Amt leider nicht aus.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612908900

Ich erteile das Wort Kollegin Susanne Jaffke, CDU/

SU-Fraktion.


Susanne Jaffke (CDU):
Rede ID: ID1612909000

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

rau Kollegin Hoff, ich werde auf das, was Sie gesagt
aben, nicht näher eingehen. Eines muss ich Ihnen aller-
ings sagen: Das, was die FDP von sich gibt, ist zum
eil ein Widerspruch in sich. Auf der einen Seite wollen
ie 148 Millionen Euro einsparen; dazu haben Sie im
aushaltsausschuss viele Anträge gestellt. Auf der ande-

en Seite beklagen Sie, was alles nicht getan wird; das ist






(A) )



(B) )


Susanne Jaffke
so übrigens auch nicht richtig. Ihre Kritik halte ich für
nicht gerechtfertigt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Elke Hoff [FDP]: Manches geht auch ohne finanzielle Anstrengungen!)


Gestatten Sie mir zu Beginn meiner Ausführungen
ein persönliches Wort des Dankes. Ich möchte mich bei
den Mitarbeitern des BMVg insgesamt und vor allen
Dingen bei den Mitarbeitern der Haushaltsabteilung be-
danken, die allen Berichterstattern in gewohnter Zuver-
lässigkeit die gewünschten Informationen zeitnah zur
Verfügung gestellt haben. Danken möchte ich ganz per-
sönlich auch dem aus dem Amt scheidenden Staatssekre-
tär Dr. Eickenboom,


(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


der aus vielen Verwendungen, unter anderem als Sekre-
tär des Haushaltsausschusses, die freundlichen Macken
der Haushälter gut kennt und daher oft schon im Vorfeld
anstehender Beschaffungsvorhaben durch intensive, of-
fene Information so manche Woge zwischen den Ent-
scheidern in der Regierungskoalition und in der Opposi-
tion zu glätten half.

An dieser Stelle möchte ich kurz auf einen netten Ar-
tikel hinweisen, der gestern in der Financial Times
Deutschland erschien. Er hatte die Überschrift „Die
heimlichen Herrscher des Geldes“. Jedem, der diesen
Artikel noch nicht gelesen hat, empfehle ich ihn; ich
hoffe, ich muss nicht fürchten, Schleichwerbung zu ma-
chen. Auch wenn einige Kollegen aus den Haushalts-
gruppen darin explizit beschrieben werden, muss ich sa-
gen: Das, was in diesem Artikel steht, stimmt. Es ist ja
nicht immer so, dass das, was in den Zeitungen steht, zu-
trifft; diesmal ist es so.

Im Zusammenhang mit den personellen Veränderun-
gen sage ich Herrn Wolf meinen Glückwunsch, der von
Staatssekretär Eickenboom die Funktion des neuen Ab-
teilungsleiters Haushalt übernimmt. Dadurch ist sicher-
gestellt, dass es auch in Zukunft eine solide Zusammen-
arbeit zwischen den Berichterstattern zum Einzelplan 14
im Haushaltsausschuss und dem BMVg geben wird.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit dem vorliegen-
den Etat, dem Einzelplan 14 für 2008 und dem
41. Finanzplan ist eine gute und tragfähige Grundlage
geschaffen worden, um den Prozess der Anpassung und
Modernisierung der Bundeswehr weiter zu gestalten. Der
heute zu beschließende Etat der Bundeswehr, die eine
Armee zur Landesverteidigung und eine Armee im Ein-
satz ist, beträgt nach intensiver parlamentarischer Bera-
tung einschließlich der Versorgungsausgaben 29,45 Mil-
liarden Euro. Damit steigt der Etatansatz gegenüber dem
Regierungsentwurf um 142 Millionen Euro. Das ist für
Haushälter keineswegs selbstverständlich; denn eigent-
lich sollten wir in unserer Funktion sparen. Dennoch sind
diese Umschichtungen und Erhöhungen aufgabengemäß
und gerechtfertigt. Ich danke allen Kollegen im Aus-
schuss, die diese Notwendigkeiten akzeptiert und mitge-
tragen haben.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


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(C (D Lassen Sie mich, liebe Kolleginnen und Kollegen, nur inige wenige ausgewählte Schwerpunkte benennen, für ie dieser Etat parlamentarisch gestaltet wurde. Zuerst ist die Erhöhung des Wehrsoldes um 2 Euro ro Tag zu nennen. Sie wird ab 1. Januar 2008 gelten nd die Attraktivität der Bundeswehr weiter steigern. eit neun Jahren ist das Einkommen der Personengruppe er Grundwehrdienstleistenden und der freiwillig länger ienenden Wehrpflichtigen nicht mehr gestiegen. Die roße Koalition realisiert die Erhöhung nun, und – wie in geflügeltes Wort sagt – das ist auch gut so. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Als zweiten Schwerpunkt möchte ich das Sonderpro-
ramm „Sanierung der Kasernen West“ nennen. Da-
it sollen durch zusätzlich 116 Millionen Euro gezielt

roße und kleine Baumaßnahmen realisiert werden, was
in durchaus ehrgeiziges Ziel ist. Sicher sind immer
och größere Summen vorstellbar oder wünschenswert.
ber alle Summen, die bewilligt werden, müssen auch

ealisierbar sein. Wer weiß, dass bei Baumaßnahmen mit
en jeweiligen Landes- oder Staatshochbauverwaltun-
en zusammengearbeitet werden muss, der weiß auch,
ie schwierig die Umsetzung ist und dass wir in unse-

em Handeln nicht ganz unabhängig sind.

Als dritten Schwerpunkt lassen Sie mich bitte kurz
ie realisierten Großvorhaben benennen, die unsere
undeswehr im Einsatz dringend benötigt. Es sind dies
ie Beschaffungsprojekte zur Satellitenkommunikation
ur Sicherstellung der Führungsfähigkeit, SATCOM
w 2, genauso wie die Entscheidungen für den dringend
enötigten geschützten Transportraum. GTK Boxer und
uma seien dabei exemplarisch benannt. Die Ausstat-

ung der Marine mit Fregatten der neuesten Generation
ann hier ebenso benannt werden wie die getroffene Ent-
cheidung zur Beschaffung dringend benötigter Luft-
ahrzeuge, vor allen Dingen der Hubschrauber, die für
nsere Soldaten im Einsatz besonders wichtig sind.

Ich würde mir an dieser Stelle – es sei gestattet, das
ier öffentlich anzumerken – ein wenig mehr Termin-
reue der Industrie wünschen, mit der wir Verträge ab-
chließen. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf, und ich
offe, dass sich die Industrie das einmal hinter die Ohren
chreibt.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg. Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Liebe Kolleginnen und Kollegen, planmäßig geht nun
uch der Strukturumbau in der zivilen Verwaltung der
undeswehr voran. Die Zielstruktur für 2010 von 75 000
ivilen Dienstposten nimmt Gestalt an. Der Personalab-
au geschieht sozialverträglich. Die Bundeswehr leistet
amit auch weiterhin einen aktiven Beitrag nicht nur zur
ntbürokratisierung, sondern vor allen Dingen zur Per-
onalrückführung beim Bund insgesamt.






(A) )



(B) )


Susanne Jaffke
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie gewohnt
möchte ich mich auch für die Zusammenarbeit mit mei-
nen jungen Kollegen Berichterstattern – ich schließe den
Kollegen Koppelin ausdrücklich ein – bedanken.


(Heiterkeit)


Sie war wie immer sehr kollegial, wenn auch nicht im-
mer harmonisch. Aber das liegt wohl auch in der ausge-
prägten Persönlichkeitsstruktur einiger Kollegen. Ich
danke allen noch einmal.

Abschließend möchte ich bemerken: Der Etat des
Bundesverteidigungsministeriums weist in die richtige
Richtung, auch wenn die Herausforderungen für die
nächsten Jahre nicht geringer werden. Er verdient die
Zustimmung des gesamten Hauses.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612909100

Das Wort hat nun Kollegin Inge Höger, Fraktion Die

Linke.


Inge Höger-Neuling (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612909200

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Aus Sicht

der Fraktion Die Linke weist dieser Verteidigungshaus-
halt nicht in die richtige, sondern in die völlig falsche
Richtung. Aus unserer Sicht ist es kein Verteidigungs-,
sondern ein Rüstungshaushalt. Er führt keinen einzigen
Schritt in Richtung einer friedlicheren Welt. Im Gegen-
teil, die Militarisierung der Außenpolitik, die hier finan-
ziert werden soll, führt unser Land auf einen globalen
Kollisionskurs.

Hermann Hesse schrieb im Rückblick auf seine Zeit:

An einen Krieg dachte niemand, man rüstete nur so
für alle Fälle …

Wer Frieden will, der muss auch den Frieden vorberei-
ten. Wer aufrüstet, kann nicht glaubhaft für Frieden und
Abrüstung werben.

Ein anderes Zitat. Gustav Heinemann analysierte tref-
fend:

Der Frieden ist der Ernstfall.

Eine glaubwürdige Vorbereitung auf den Ernstfall Frie-
den kann die Linke in dem vorliegenden Haushalt nicht
erkennen. Entsprechend setzt die Linke in ihrem Ent-
schließungsantrag zum Einzelplan 14 deutlich andere
Akzente, die ich kurz erläutern will:

Erstens. Bei Haushaltsberatungen ist immer wieder
die Rede von sparen und Schulden abbauen. Aber bei
diesem Einzelplan, dem drittgrößten Einzelplan, wird
kräftig draufgesattelt.


(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Und das ist auch gut so!)


Weitere Ausgabensteigerungen sind mit den Verträgen
vorprogrammiert. In 2008 wollen Sie für Ihren Einsatz-
haushalt insgesamt 29,3 Milliarden Euro. Nach NATO-
Kriterien wären es gar 31,7 Milliarden Euro. Die Linke
fordert, den Aufwuchs von 911 Millionen Euro rückgän-

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(C (D ig zu machen sowie die bisherige Höhe des Rüstungsaushaltes um 10 Prozent zu reduzieren. (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


nsgesamt sehen wir ein Einsparpotenzial von mindes-
ens 3,9 Milliarden Euro.

Zweitens. Die Planungen für sogenannte Rüstungsin-
estitionen im Bundeswehrplan 2008 machen klar, dass
ie beschlossenen Projekte das vorgesehene Finanzvolu-
en auf Jahre hinaus binden. Bis 2012 sollen laut Bun-

eswehrplan die Rüstungsinvestitionen von 6 Milliar-
en Euro auf 8 Milliarden Euro jährlich steigen. Der
chwerpunkt der Ausgaben liegt dabei auf Mobilität, vor
llem auf der sogenannten Wirksamkeit im Einsatz. Für
ie Verbesserung der Mobilität sind in den nächsten
ahren 15 Milliarden Euro vorgesehen, allein 9 Milliar-
en Euro für den Airbus A400M. Für die Wirksamkeit
m Einsatz sind sogar 50 Milliarden Euro eingeplant.

Im Verhältnis dazu erscheinen die 4 Milliarden Euro,
ie für Überlebensfähigkeit und Schutz eingeplant sind,
einahe bescheiden. Der Schutz der Soldaten spielt of-
ensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. Wirklicher
chutz ist technisch auch nicht machbar. Er ist nur poli-

isch zu gewährleisten. Beenden Sie die Auslandsein-
ätze und holen Sie zum Beispiel die Soldatinnen und
oldaten aus Afghanistan zurück!


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Drittens. Bei den Aufrüstungsprojekten geht es um
ie Vorbereitungen für globale Kriegs- und Besatzungs-
olitik. So wird etwa die Marine durch neue Korvetten
nd Fregatten für viel Geld auf aggressive Einsätze vor-
ereitet. Auch der Eurofighter, ein Projekt aus Zeiten der
lockkonfrontation, ist reine Geldverschwendung. Nun
ird auch noch in seine Umrüstung investiert. Bei der
ehrrollenfähigkeit geht es um die Befähigung zu Flä-

henbombardements – mit Friedenspolitik hat dies defi-
itiv nichts zu tun.

Viertens. Für Auslandseinsätze sind im Haushalt
00 Millionen Euro eingeplant. Dieser Ansatz kann, wie
ir in den letzten Jahren gesehen haben, schnell auf
Milliarde Euro steigen. Die Linke lehnt diese Art der
ilitärischen Weltordnungspolitik grundsätzlich ab.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


ie frei werdenden Mittel sollten in die Bekämpfung der
rmut und Unterentwicklung investiert werden; das
äre endlich effektive Sicherheitspolitik.

Fünftens. Der Einzelplan 14 ermöglicht die fortge-
etzte Investition in eine verfehlte Bündnispolitik. Statt
ie Vereinten Nationen und das Völkerrecht zu stärken,
ird die deutsche Rolle im Rahmen der NATO und der
ilitärischen Komponente der EU gestärkt. Die NATO

st kein Friedensbündnis. NATO-Kampftruppen ebenso
ie EU-Battle-Groups sind Instrumente einer militäri-

chen Außenpolitik. Die Linke fordert deswegen die Be-






(A) )



(B) )


Inge Höger
endigung der deutschen Beteiligung an der NATO-
Response-Force und an den EU-Battle-Groups.


(Beifall des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Dazu gehört die Schließung der entsprechenden Trai-
ningseinrichtungen wie des Gefechtsübungszentrums bei
Magdeburg.

Sechstens. Anstatt sich um zivile Ausbildung und Ar-
beitsplätze für junge Menschen zu kümmern, nutzen Sie
deren Perspektivlosigkeit aus, wenn es darum geht,
junge Soldaten zu rekrutieren. Nicht zufällig entscheiden
sich junge Jugendliche aus ökonomisch schwachen Re-
gionen überdurchschnittlich häufig für eine längere Ver-
pflichtung bei der Bundeswehr. Die Bundeswehr koope-
riert immer stärker mit den Arbeitsagenturen. Die Linke
kritisiert, dass man in den Agenturen mit Argumenten
wie „Dieser Job ist krisensicher“ wirbt. Ein Arbeitsplatz
in der Rüstungsindustrie kostet die Steuerzahler 150 000
bis 200 000 Euro pro Jahr. Mit diesem Geld ließen sich
deutlich mehr und vor allen Dingen sinnvollere zivile
Arbeitsplätze schaffen. Auch die 600 Millionen Euro,
die jährlich für die Wehrpflicht ausgegeben werden, sind
besser in zivile Ausbildungsprogramme investiert.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Siebtens. Bei den Angehörigen der Bundeswehr
wurde in den letzten Jahren massiv eingespart. Die Bun-
deswehr ist überdimensioniert. Wir wollen Strukturver-
änderungen aber nicht auf Kosten der Soldatinnen und
Soldaten durchführen. Die Linke fordert deshalb die
Rücknahme der sozialpolitischen Kürzungen, zum Bei-
spiel beim Weihnachts- und Urlaubsgeld. Zudem soll die
Ost-West-Tarifangleichung auch für die Berufssoldatin-
nen und -soldaten, die Soldatinnen und Soldaten auf Zeit
und die zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch
im Haushaltsjahr 2008 umgesetzt werden.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


Achtens. Früher oder später folgt aus der Rüstungs-
produktion für die eigene Armee auch der Rüstungsex-
port, um diesen Wahnsinn rentabel zu gestalten. Das
jüngste Beispiel dafür ist der Hightechpanzer Puma,
durch den der Haushalt in den nächsten Jahren mit min-
destens 3,4 Milliarden Euro belastet wird. Die Rüstungs-
industrie träumt bereits davon, ihn zu einem Export-
schlager zu machen, wie früher den Leopard. Die Linke
fordert einen sofortigen und vollständigen Stopp der
Rüstungsexporte.

Neuntens. Neue Waffensysteme brauchen wir nicht.
Erforschung, Entwicklung und Erprobung von Rüs-
tungsgütern kann sich unser Land sparen. Das bleibt
auch so, wenn Rüstungsforschung und -entwicklung zu-
künftig über die Europäische Verteidigungsagentur ab-
gewickelt werden. Die politische Kontrolle wird dabei
immer schwieriger. Der Zuschuss für die Europäische
Verteidigungsagentur muss komplett gestrichen werden.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


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(C (D Um die globale Kriegsgefahr einzudämmen, brauchen ir ernsthafte Bemühungen um eine gerechte Verteilung er Ressourcen der Welt. Die Bundesregierung beteiligt ich stattdessen am militärischen Wettlauf um die knaper werdenden fossilen Energieträger. Durch die Untertützung der US-Kriegspolitik, durch Drohungen gegen en Iran und durch eigene militärische Beiträge in geotrategisch sensiblen Regionen trägt die Bundesregieung zur Ausbreitung der Unsicherheit auf dieser Welt ei. Kein Land wird durch die Fähigkeit, andere zu berohen, sicherer. Wir brauchen endlich eine weltweite entschiedene brüstungsinitiative. Wir können und müssen hier beinnen, in Deutschland, in der Europäischen Union und n der NATO. Die Linke fordert die Bundesregierung azu auf, mit eigenen deutlichen Abrüstungsschritten ein laubwürdiges Beispiel dafür zu geben. Vielen Dank. (Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])


(Ulrike Merten [SPD]: Frechheit!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612909300

Das Wort hat nun Kollege Johannes Kahrs, SPD-

raktion.


Johannes Kahrs (SPD):
Rede ID: ID1612909400

Werter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kolle-

en! Liebe Kameradinnen und Kameraden! Wir spre-
hen heute über den Verteidigungshaushalt. Vorher
öchte ich aber noch eine kurze Anmerkung zu meiner
ollegin Höger machen. Frau Kollegin, ich habe nichts
agegen, dass man andere Meinungen vertritt. Im Ge-
enteil: Dafür sind wir hier. Das ist auch zu respektieren
nd in Ordnung. Sachlich sollten sie allerdings richtig
ein:

Erstens. Die Anschaffung der neuen Korvetten, von
enen Sie reden, ist nicht in dieser und nicht in der letz-
en, sondern in der vorletzten Legislaturperiode bespro-
hen und beschlossen worden.

Zweitens. Wir sind das Land in Europa und in der
ATO, das am meisten Geld für den Schutz der Solda-

innen und Soldaten ausgibt. Sie können alle Etats ver-
leichen. Deswegen habe ich diese Anmerkung von Ih-
en nicht wirklich verstanden.

Drittens. Wir sind das Land, das am meisten Geld in
ie Aus- und Weiterbildung sowie Qualifizierung der
oldaten seiner Armee investiert, damit sie auch nach
bschluss ihrer Bundeswehrzeit – nach vier, acht oder

wölf Jahren – Chancen auf dem zivilen Arbeitsmarkt
aben. Es geht also um Qualifikation und Ausbildung.
ie Bundeswehr bildet in großem Maße aus. Ich finde,
as muss man zumindest einmal anmerken, weil wir So-
ialdemokraten stolz darauf sind.


(Beifall bei der SPD – Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Wir auch!)







(A) )



(B) )


Johannes Kahrs
– Ich schließe die Kollegen des Koalitionspartners gleich
mit ein. Wunderbar.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist das erste Mal in allen Debatten heute, dass ihr einig seid!)


– Okay, ich schließe auch die Kollegen von den Grünen
mit ein. Sie haben hier sieben Jahre lang unter Rot-Grün
alles mitgemacht. Vielen Dank.


(Heiterkeit bei der SPD und der CDU/CSU)


Das freut die Linke.


(Birgit Homburger [FDP]: Und wir?)


– Sie von der FDP haben nun überhaupt nichts gemacht.

Nachdem ich hier nun die Noten verteilt habe, schlage
ich vor, dass wir zur Sachebene kommen. Das Volumen
des Verteidigungshaushalts ist um über 1 Milliarde Euro
gestiegen. Im Finanzplan waren bereits Steigerungen in
Höhe von 300 Millionen Euro vorgesehen. Der Finanz-
minister hat noch einmal 600 Millionen Euro draufge-
legt. Vielen Dank, Peer! Zusätzlich hat der Haushalts-
ausschuss dann noch – die Kollegin Jaffke hat es
inhaltlich begründet – 142 Millionen Euro draufgepackt.
In der Sache ist das richtig und gut.

Wir haben dafür gesorgt, dass die Betriebsausgaben
weiter gesenkt werden und die Personalausgaben weiter-
hin rückläufig sind.

Es gibt aber einen Mehrbedarf bei der Materialerhal-
tung. Darum machen wir uns ernsthafte Sorgen. Insbe-
sondere liegen die Wartungsausgaben für Luftfahrzeuge
derzeit bei über 1 Milliarde Euro. Es kann auf Dauer
nicht sein, dass moderne Flugzeuge deutlich wartungsin-
tensiver sind als jahrzehntealte Flugzeuge. Damit muss
man sich beschäftigen.

Die Ausgaben im Bereich Betreiberlösung verdop-
peln sich. Das liegt insbesondere an HERKULES, dem
IT-Projekt der Bundeswehr.

Der Anteil der verteidigungsinvestiven Ausgaben
steigt in diesem Haushalt auf 23,5 Prozent. Das ist gut,
richtig und notwendig.

Ein Großteil des Geldes wird für den Schutz der Sol-
daten verwendet. Das ist hier bereits angesprochen wor-
den. Der Schutz der Soldaten durch ihre Ausstattung mit
dem besten Gerät ist richtig und notwendig.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


Über den Bereich Infrastruktur haben wir – insbeson-
dere auch auf Anregung des Wehrbeauftragten – in den
letzten Wochen und Monaten hier diskutiert. Wir haben
als Haushälter mehr Geld in die Infrastruktur investiert.
Jetzt geben wir für große Baumaßnahmen 500 Millionen
Euro aus – das ist ein Plus von 88 Millionen Euro –, für
kleine Baumaßnahmen 230 Millionen Euro – das ist ein
Plus von 43 Millionen Euro – und für die Unterhaltung
von Grundstücken und Anlagen 450 Millionen Euro; das
ist ein Plus von 62 Millionen Euro, die der Haushaltsaus-
schuss zusätzlich bewilligt hat.

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(C (D Das halte ich für richtig, wichtig und gut. Wir müssen afür sorgen, dass unsere Soldaten in Deutschland antändig untergebracht sind, damit das Ganze auch etwas it Attraktivität zu tun hat. Ich würde gerne noch einen Punkt ansprechen, der ich besonders ärgert. Es gibt den Titel „Einsatzbeding er Sofortbedarf“. Darin kommen die schönen Worte Einsatz“, „sofort“ und „Bedarf“ vor. Dieser Titel wird om Ministerium seit Jahren abgesenkt und nicht ganz bgerufen. In der Truppe im Einsatz versteht das nieand. Von den Kollegen im Verteidigungsund im aushaltsausschuss versteht das auch kaum einer. Die Vorschriften für den Einsatzbedingten Sofortbearf sind inzwischen fast so kompliziert wie die Rege ungen für die normalen Beschaffungsvorgänge. Das alten wir für falsch. Einsatzbedingter Sofortbedarf ollte dafür da sein, schnell und kurzfristig reagieren zu önnen, wenn bei der Truppe im Einsatz etwas benötigt ird. Die Argumentation „Die Truppe ist schon seit Jahren m Einsatz; jetzt muss man gucken, dass der normale eg auch funktioniert“ ist zwar schön, entspricht aber icht der Realität. Ich bin sicher, dass das Parlament dieen Punkt mit dem Ministerium noch einmal intensiv iskutieren wird. Es kann nicht angehen, dass hier dreitellige Millionenbeträge nicht genutzt werden. Das haen wir uns nicht dabei gedacht, als wir den Einsatzbeingten Sofortbedarf zu rot-grünen Zeiten geschaffen aben. Ich möchte mich ganz besonders mit der Attraktiviät des Soldatenberufes auseinandersetzen. Bundesehr geht nun einmal nicht ohne Soldaten, auch wenn an im Ministerium manchmal ein anderes Gefühl hat. Der Soldatenberuf muss auch in Zukunft attraktiv bleien. Das bedeutet, dass verschiedene Maßnahmen wichtig ind. In diesem Zusammenhang kann man sich zwar auch it Zivilbeschäftigten befassen. Das tun wir auch. Man arf aber nicht vergessen, wofür die Bundeswehr da ist. ie Zivilbeschäftigten sind für die Bundeswehr da. Wir rauchen Soldaten. Diese müssen wir wiederum auch erben können. Dafür muss die Bundeswehr attraktiv ein. In diesem Zusammenhang gibt es vier Punkte, die ich ichtig finde. Erstens. Wir haben hier im Parlament dafür gesorgt, ass der Wehrsold um 2 Euro pro Tag erhöht wird. Das st richtig und gut. Es weist in die richtige Richtung. ittelfristiges Ziel muss es aber sein, dass die Bezahung der Soldatinnen und Soldaten an die Gehaltsstrukuren der Bundespolizei angepasst wird. Otto Schily hat ier Wegweisendes geschaffen. Ich finde, wir können ns bei der Bundeswehr an ihm orientieren. Otto … ind’ ich gut. Johannes Kahrs Zweitens. Mit Personalentwicklung und Personalführung sollten wir uns als Parlament etwas mehr beschäftigen. Der Wehrbeauftragte hat diesen Punkt auch aufgegriffen. Wenn ein Soldat weiß, dass er eine bestimmte Chance auf eine Karriere in den Streitkräften hat, dass er auf eine Laufbahn hinarbeiten kann und dass er Planungssicherheit hat, und weiß, was die Bundeswehr mit ihm vorhat und welche Qualifikationen er erhalten kann, dann fühlt er sich wohler. Er braucht eine Berufsperspektive. Das, was die Personalplanung in der Bundeswehr zurzeit macht, hat viel mit gutem Willen zu tun, allerdings auch relativ viel mit Planwirtschaft. Ich finde, dass man auch auf die Bedürfnisse der Soldatinnen und Soldaten eingehen muss. Dafür gibt es schließlich moderne IT. Vielleicht kommen wir da alle zusammen. Planbarkeit ist wichtig. Des Weiteren haben sich viele Zustände in der Bundeswehr geändert. Früher hatten wir die Truppe in der Fläche. Das bedeutete, dass überall Kasernenanlagen vorhanden waren. Die Soldaten, insbesondere die Dienstgrade, wohnten zu Hause und kamen zum Dienst in die Kaserne. Das hat sich heute geändert. Die Bundeswehr hat viele Standorte geschlossen. Die Dienstgrade – Unteroffiziere mit und ohne Portepee, Offiziere – haben ihren Lebensmittelpunkt außerhalb der Kaserne – dort arbeitet in der Regel ihre Frau; die Kinder gehen zur Schule – und pendeln. Das häufige Versetzen wird nicht mehr zum Anlass genommen, umzuziehen. Darauf muss sich die Bundeswehr einstellen. Das heißt, die Infrastruktur ist besonders wichtig. Auch nicht kasernenpflichtige Soldatinnen und Soldaten wohnen oft in der Kaserne und pendeln am Wochenende. Die Infrastruktur ist dafür häufig nicht vorhanden. Viele Feldwebelund Offizierswohnheime wurden geschlossen. Die noch vorhandenen sind in einem bedauerlichen Zustand. Ich glaube, dass wir sehr viel tun müssen, um die Kasernen attraktiver zu machen. Offizierswohnheime – OHGs und UHGs – müssen deutlich besser ausgestattet werden; denn die Dienstgrade, Unteroffiziere mit und ohne Portepee, Offiziere und die Mannschaften wohnen dort. Die Infrastruktur muss entsprechend angepasst werden. Wenn man sich anschaut, wie es bei der Bundeswehr läuft, können einem die Haare zu Berge stehen. Derzeit ist vor Ort entweder ein S-3-Offizier oder ein anderer Beauftragter für die Infrastruktur zuständig. Wenn die Betreffenden nicht gerade im Auslandseinsatz sind oder sich mit Vorbereitungen für NATO Response Force und EU Battle Groups befassen, können sie sich darum kümmern. Dann muss man sich mit dem Infrastrukturstab und der Wehrbereichsverwaltung auseinandersetzen. Alle Stufen müssen durchlaufen werden, einmal die Leiter rauf und runter. Auch das Bundesfinanzministerium will bei jeder Baumaßnahme mitreden. Danach geht es an die Landesbauverwaltungen; es gibt gute und andere. Das alles dauert ewig. Der Soldat vor Ort hat noch nicht einmal das Recht, die Baustelle in seiner Kaserne zu betreten, weil er nicht derjenige ist, der die Baumaßnahme leitet. Der ganze Vorgang dauert bei großen Baumaßnahmen rund fünf Jahre. Das ist indiskutabel; das muss ge ä m s v v s d V d m v k v s n D M A n G v T K s m n g n N T W w k B T W H t S P g W g I n m u e S (C (D ndert werden. Wir müssen die Vorgänge straffen. Das uss schneller gehen. Die Zustände in der Truppe müs en – ich nenne Schwarzenborn als Beispiel – deutlich erbessert werden. Der Wehrbeauftragte hat dazu viel orgetragen. Es reicht aber nicht, die Strukturen zu straffen, chneller zu bauen und intensiver auf die Bedürfnisse er Soldaten einzugehen. Vielmehr müssen auch die orschriften geändert werden, die teilweise noch aus en 50eroder 60er-Jahren stammen. Wie viele Quadrateter sollen einem Soldaten zustehen? Im Rahmen des on uns genehmigten Projektes HERKULES kommt ein einziger privater Internetanschluss für die Soldaten or. Soll es etwa attraktiv sein, dass vier, fünf oder sogar echs Dienstgrade, Zeitsoldaten, auf einer Stube wohen, weil sie erst am Wochenende nach Hause fahren? as funktioniert überhaupt nicht. Teilweise wurde neues obiliar – statt Olympia Buche-Dekor – angeschafft. ber das passt nicht in die Räume. Das kann überhaupt icht angehen. Die Struktur muss verändert werden. leichzeitig müssen die Standards an das heutige Nieau angepasst werden. Am besten sollte man auch drei age im Voraus denken. Es kann nicht angehen, dass es asernen ohne Handyverbindung gibt. Da fragt man ich, in welcher Zeit die Verantwortlichen leben. Das üssen wir verändern. Ich habe mir letztlich ein paar sanierte Anlagen in eier Kaserne angeschaut. Beispiel Sanitärbereich: Früher ab es lange Tröge. Wenn man sich dort nach dem Zäheputzen den Mund ausgespült hat, dann hatten die achbarn rechts und links noch etwas davon. Da diese röge auf dem Markt nicht mehr vorhanden sind, hat die ehrverwaltung sie neu herstellen lassen, damit es diese underbaren Tröge baugleich noch einmal gibt. Ich enne keinen anderen, der diese Dinger nutzt. Aber die undeswehr lässt sie für viel Geld neu herstellen. Diese röge kosten „nur“ das Elffache von dem, was normale aschbecken kosten. (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fast ein Schnäppchen!)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


(Beifall bei der FDP)


(Heiterkeit beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der SPD)





(A) )


(B) )


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


ier muss man prüfen und dringend etwas verändern.

Kollegin Jaffke hat es dankenswerterweise schon ge-
an. Ich möchte – weil er Sozialdemokrat ist – dem
taatssekretär Eickenboom herzlich danken, der unter
eter Struck und dann unter Minister Jung hervorra-
ende Arbeit geleistet hat.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


ir haben ihn mit einer Serenade verabschiedet. Ich
laube, dass die Zusammenarbeit beispielgebend war.
ch gehe davon aus, dass die Zusammenarbeit mit sei-
em Nachfolger ähnlich gut sein wird. Diese Zusam-
enarbeit sowie die Zusammenfassung von Rüstung

nd Haushalt waren segensreich. Deswegen, Peter, noch
inmal herzlichen Dank von uns.

Des Weiteren müssen wir uns die Ausrüstung und die
trukturen genau anschauen.






(A) )



(B) )


Johannes Kahrs
Wir beschaffen teilweise kleine Stückzahlen und Los-
größen, die unwirtschaftlich sind. Das ist der Fluch der
kleinen Zahl. Das ist Manufakturarbeit und Handarbeit;
das macht das Ganze teurer. Man muss sich einmal über-
legen, inwieweit man zu privaten Vorfinanzierungen
kommt und wie man damit das Gerät eher in die Truppe
bekommt. Es kann aber auch nicht angehen, dass Mono-
pole ausgenutzt werden. Wir wollen zurzeit den Bau ei-
nes Einsatzgruppenversorgers in Auftrag geben. Wir ha-
ben vier Werften angeschrieben und dachten, es gäbe
vier Angebote. So etwas nennt sich Wettbewerb. Wir ha-
ben aber nur ein Angebot einer Arge bekommen, in der
sich alle vier Werften zusammengeschlossen haben. Das
ist bestimmt eine wunderbare Sache für alle Beteiligten,
aber garantiert nicht für den Steuerzahler.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Deswegen sollte man sich überlegen, wie man einen
richtigen Wettbewerb veranstaltet. Der kommt allen Be-
teiligten zugute. Das sage ich als Hamburger, der auch
maritime Interessen hat. Deswegen bitte ich das Ministe-
rium darum, das noch einmal zu prüfen. Ich glaube, dass
private Vorfinanzierungen nicht zu Schattenhaushalten
führen dürfen – wie es in verbündeten Ländern wie
Großbritannien und Frankreich der Fall gewesen ist –,
die einem dann auf die Füße fallen. Auch wenn es nicht
modern ist, muss man einfach einmal das Loblied auf die
Kameralistik singen. Da weiß man wenigstens, wo man
bei all den Problemen, die man hat, steht. Wenn man es
schafft, die Kameralistik gängiger zu machen, haben wir
alle etwas davon.

Ich möchte mich ganz herzlich bei den Kolleginnen
und Kollegen Jaffke, Kalb, Koppelin, Lötzsch und
Bonde bedanken. Ich will weder die Linke noch die Grü-
nen oder die FDP von dem Lob ausnehmen. Wir alle
sechs arbeiten hervorragend zusammen. Ich möchte
mich ganz herzlich beim Minister bedanken. Herr Jung
macht seine Arbeit hervorragend. Wir hatten am Anfang
leichte Einstiegsprobleme, aber jetzt kriegen wir das gut
hin. Ihre Staatssekretäre sind fantastisch, auch wenn sie
keine Sozialdemokraten sind.


(Heiterkeit bei der SPD und der CDU/CSU)


Ich bedanke mich insbesondere bei der Truppe für die
wertvollen Hinweise, die mir solche Reden erlauben.

Vielen Dank. Glückauf.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612909500

Das Wort hat nun Kollege Alexander Bonde, Fraktion

Bündnis 90/Die Grünen.


Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612909600

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir

waren ganz erstaunt über so viel koalitionäre Eintracht,
die in diesen Schlussworten dokumentiert worden ist.
Gleichwohl muss man die Untertöne beachten und das
Gesagte mit der Regierungsarbeit des angesprochenen
Ministers vergleichen. Herr Minister Jung, wir haben vor

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(C (D lf Wochen hier in erster Lesung den Haushalt 2008 beprochen. Ich habe damals gesagt, dass Ihr Einzelplan in ahlen gegossener Stillstand ist. Auch im Laufe der aushaltsberatungen hat sich an diesem Urteil nichts ge ndert. Man kann den Einzelplan mit den Worten zusamenfassen: Ein weiteres verschenktes Jahr, weiteres ver chenktes Geld. – Wenn Sie mir den flapsigen Ausdruck rlauben: Der Verteidigungshaushalt ist die Schnarchase unter den Einzelplänen des Bundeshaushalts. (Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Wir fragen uns schon, was mit einem der größten Ein-
elpläne, die der Bundeshaushalt kennt, passiert ist und
elche Linien Sie in zweijähriger Tätigkeit eigentlich
interlassen haben. Bei den notwendigen Strukturrefor-
en arbeiten Sie noch an vielen Baustellen, die Ihr Vor-

änger eröffnet hat. Es ist aber nicht erkennbar, dass Sie
en Umbau der Streitkräfte entscheidend beschleunigen.
berall dort, wo Strukturreformen notwendig wären, ist
ehlanzeige oder pflichtschuldiges weiteres Vorantrei-
en – allerdings mit ausbremsenden Tendenzen – dessen,
as Sie vom Vorgänger übernommen haben, zu ver-

eichnen.

Die Auslandseinsätze sind nicht die Priorität Ihres
andelns. Die Beschaffungen erfolgen mehr nach dem
rinzip „Wünsch Dir was“, als dass die Frage nach der
innvollen Gestaltung einer Armee angesichts der He-
ausforderungen, denen sie bei ihren Einsätzen heute ge-
enübersteht, gestellt wird. Sie haben es geschafft, in die-
em Einzelplan 1 Milliarde Euro einfach versickern zu
assen, ohne dass erkennbar neue Akzente gesetzt wor-
en wären. Ich finde, man muss sich die Beschaffungen
enauer anschauen. Es ist bereits angesprochen worden,
ass von den großen Beschaffungen kaum eine im Zeit-
lan und praktisch keine technisch auf der Höhe ist. Aber
ei allen ist klar, dass sie teurer werden. Bei den kleinen
eschaffungsprojekten reden wir immer über kleine
tückzahlen zu hohen Preisen. Wo die Truppe im Auftrag
er UN notwendige Einsätze durchführt, trifft eine
iobsbotschaft nach der anderen ein.

Gucken wir uns einmal die Projekte an, Herr Minis-
er! Sie geben sich ja immer bewusst industriefreundlich,
obei wir den Eindruck haben, dass Industriepolitik bei

hnen inzwischen die Dimension hat: Scheck unter-
chreiben und warten, was da kommt; denn Koordina-
ion und Auseinandersetzungen mit der Industrie – gege-
enenfalls auch das Einklagen dessen, was Sie als
uftraggeber einfordern müssen – finden nicht statt.

Gehen wir die Projekte also durch! Unterstützungs-
ubschrauber NH-90: massive Verzögerungen, techni-
che Schwierigkeiten. Transportflieger A400M: Kein
ensch weiß, wann er kommt und ob er jemals fliegt.
as den Infanteristen der Zukunft angeht, so lesen wir

erade in den Zeitungen, wie er in der Truppe ankommt.
eim Dingo 2 hört man allenthalben Klagen. Beim
ungo haben Sie es nicht geschafft, der Truppe zu er-

lären, für was er eingesetzt werden soll. Das Ergebnis
ehen wir jetzt mit dem Abzug aus Afghanistan. Was die
ogistik in der Bundeswehr betrifft, so lesen wir allent-






(A) )



(B) )


Alexander Bonde
halben, wie lange es dauert, eine Schraube von Bonn
nach Kabul zu transportieren.

Da haben Sie uns nun in den Zeitungen mit Ankündi-
gungen überrascht, man wolle bei der Logistik privati-
sieren. Ich will an der Stelle offen sagen: Wir hätten von
Ihnen erwartet, dass Sie das Parlament informieren, dass
wir als Berichterstatterinnen und Berichterstatter bei so
gravierenden Veränderungen informiert werden und
nicht von fertigen Projekten aus der Zeitung erfahren,
für die die Bieterkonsortien offensichtlich auch schon
alle feststehen. Auch da scheinen Sie nicht wirklich auf
den Erfolg gepolt zu sein; denn der ist bekanntermaßen
schwierig zu erreichen, wenn man solche gravierenden
Dinge am Parlament vorbei angeht.


(Beifall des Abg. Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und der Abg. Birgit Homburger [FDP])


Ich will noch einmal die Frage, welche Industriepoli-
tik Sie eigentlich machen, sehr deutlich ansprechen. Sie
sind ja sehr stolz darauf, dass Sie die Beschaffungen un-
ter einer industriepolitischen Linie sehen, also dabei da-
von ausgehen, was gut für die deutsche Industrie ist. Ich
finde, Sie vergessen dabei zunehmend die Frage: Was ist
eigentlich gut für die Bundeswehr und für das, was sie
tut? Vor allem vergessen Sie die Frage: Was ist eigent-
lich gut für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler?

Wenn ich mir die Fregatten angucke, die Sie zu exor-
bitanten Preisen gerade beschafft haben, und wenn ich
mir andere Strukturprojekte angucke, dann habe ich den
Eindruck, dass am Ende immer ein möglichst hoher
Scheck steht, den der Minister ausstellt.

Ich habe die große Befürchtung, dass Sie auch beim
A400M wieder nicht die Verhandlungsmacht nutzen, die
Sie als Auftraggeber im Dienste des Bundeshaushalts
nutzen müssen. Wir lesen jeden Tag Meldungen darüber,
wie schwer dieses Projekt vorankommt. Wir wissen alle
genau: Es sind im Vertrag Vertragsstrafen vorgesehen,
und es gibt seitens des Bundes die Möglichkeit, vom
Vertrag zurückzutreten. Jetzt hören wir allenthalben,
dass die Firma sondiert, ob es nicht Möglichkeiten gäbe,
durch Akzeptieren beispielsweise eines neuen Ausliefe-
rungsplans solche Strafzahlungen zu vermeiden.

Deshalb fordere ich Sie auf, Herr Minister, hier ein-
mal klar und deutlich zu sagen: Beabsichtigen Sie, auf
solche Interessen der Industrie einzugehen? Können wir
von Ihnen erwarten, dass Sie auf die Vertragsvorteile, die
der Bund und der Steuerzahler an dieser Stelle haben,
eingehen werden? Stehen Sie zu dem Vertrag? Werden
Sie bei Verzögerungen die notwendigen Zahlungen ein-
fordern? Gehen Sie auf Forderungen der Industrie ein,
ihr entgegenzukommen? Ich will von Ihnen dazu eine
klare Ansage haben. Wir reden hier über viele Millionen
Euro, und Sie dürfen nicht glauben, in dieser Frage am
Parlament vorbei Entscheidungen treffen zu können.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich will abschließend sagen: Es ist wieder ein ver-
schenktes Jahr, was die Reform der Bundeswehr angeht.
Wir reden wieder über verschenkte Gelder. In Ihrem Ein-

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(C (D elplan können ohne eine Veränderung der Struktur und hne eine Gefährdung der Auslandseinsätze 1,4 Milliaren Euro eingespart werden. Die Bundeswehr ist, wenn an es sich genau anguckt, nicht unter-, sondern überfi anziert. Mit jedem Euro, den Sie zusätzlich hineinsteken, werden alte Strukturen zementiert, die auf Dauer osten verursachen. Ich glaube, Mut zur Reform wäre as, was wirklich anstünde. Das wäre richtig für den teuerzahler, und es wäre richtig für die Truppe. Herzlichen Dank. Das Wort hat nun Bundesminister Franz Josef Jung. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Johannes Kahrs [SPD])


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612909700

Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister der Verteidi-
ung:

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
erren! Lieber Kollege Bonde, wissen Sie, was Sie ge-

ade hier alles aufgezählt haben? Wenn man in ein Amt
ls Minister kommt, dann erbt man das eine oder andere.
ll die Verträge, auf deren Erfüllung wir jetzt warten
nd bei denen es Zeitverzögerungen in den Projekten
ibt – von Tiger über NH-90 bis MH-90 –, sind von Ih-
en quergeschrieben worden. Wir müssen jetzt dafür
orgen, dass die Vertragsvoraussetzungen erfüllt werden,
amit wir möglichst rechtzeitig die Objekte bekommen,
ie Sie unter anderen Bedingungen bestellt haben. Die-
en Vorwurf müssten Sie eigentlich an Ihre eigene
dresse richten, und deshalb gebe ich ihn an Sie zurück.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Noch ein Wort zur Opposition. Frau Kollegin Hoff,
ie haben hier gefordert, eine Halbzeitbilanz vorzulegen.
em will ich gerne Rechnung tragen. Als diese Bundes-

egierung ins Amt kam, hat niemand daran gedacht, dass
ir noch nicht einmal ein Jahr später einen neuen Ein-

atz im Kongo und – zur Gewährleistung des Waffen-
tillstands – einen Einsatz vor der Küste des Libanon
urchzuführen haben. Wie Sie wissen, schreitet die Zeit
ehr schnell voran.

Ich darf auf Folgendes hinweisen: Der Einsatz im
ongo hat zur Gewährleistung der demokratischen
ahlen stattgefunden. Über 9 000 Menschen haben für

00 Parlamentssitze kandidiert. Die dortige Infrastruktur
ntspricht nicht der in Deutschland. Dieses Land ist
,6-mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland.
ir haben den Rückfall in den Bürgerkrieg verhindert,

nd unsere Soldaten waren Weihnachten wieder zu
ause. Der Einsatz, den die Bundeswehr in diesem Land

m Rahmen dieser europäischen Mission geleistet hat,
ar sehr erfolgreich.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Zur Halbzeitbilanz gehört ein Blick auf den Einsatz
or der Küste des Libanon. Wir haben erst heute über
ie Perspektive der Friedenskonferenz debattiert; der






(A) )



(B) )


Bundesminister Dr. Franz Josef Jung
Außenminister hat hier berichtet. Ohne dass die Waffen
schweigen, hätte eine solche Friedenskonferenz keine
Aussicht auf Erfolg. Die Bundeswehr leistet deshalb
auch dort einen wichtigen Beitrag. Damals ist die israeli-
sche Seeblockade aufgehoben worden. Wir haben über
10 000 Schiffe kontrolliert. Es wird gewährleistet, dass
auf See kein Waffenschmuggel stattfindet. Das ist eine
wichtige Voraussetzung dafür, dass der Waffenstillstand
anhält. Ich wiederhole: Die Bundeswehr leistet hier
ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu einer friedlichen
Entwicklung in dieser Region.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Ich möchte beim Thema Halbzeitbilanz bleiben. Was
den Afghanistan-Einsatz angeht, ist der Aspekt „Beseiti-
gung der Fähigkeitslücke Aufklärung mit den Tornados“
in den Blickpunkt gerückt. Wir haben die Luftaufklärung
erfolgreich auf den Weg gebracht.

Sie haben despektierlich über das Weißbuch 2006 ge-
sprochen. Es gab in der Bundesrepublik Deutschland seit
1994 kein Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands
und zur Zukunft der Bundeswehr mehr.


(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Besser keines als so eines!)


Unsere Grundstrategie der vernetzten Sicherheit – ohne
Sicherheit keine Entwicklung und ohne Entwicklung
keine Sicherheit – ist mittlerweile die Strategie der ge-
samten NATO. Wir operieren mit dieser Gesamtstrategie
in Afghanistan. Sowohl dieses Weißbuch als auch unser
Einsatz in Afghanistan und die damit verbundene Strate-
gie sind Erfolge unserer Politik.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Ich kann meine Aufzählung fortsetzen. Wir haben die
zivil-militärische Zusammenarbeit in diesem Jahr neu
aufgebaut. Darin werden die föderalen Strukturen abge-
bildet. Zum Schutz Deutschlands gibt es 470 Verbin-
dungskommandos. Sie werden im Wesentlichen von den
Reservisten gestellt, die einen wichtigen Beitrag zur Un-
terstützung der Bundeswehr leisten. Wir haben gerade
gemeinsam mit sieben Bundesländern eine Übung
durchgeführt, bei der es hervorragend funktioniert hat.
Die Bundeswehr leistet damit einen wichtigen Beitrag
zum Schutz Deutschlands. Auch dafür bin ich unseren
Soldatinnen und Soldaten sehr dankbar.

Sie haben die Wehrpflicht erwähnt. Wir, die Koali-
tion, haben entschieden, dass wir an der Wehrpflichtar-
mee festhalten. Dieser Grundsatz ist übrigens auch im
Weißbuch beschrieben. Wir haben entschieden, dass
6 500 Wehrpflichtige mehr eingezogen werden, weil wir
dem Kriterium der Einberufungsgerechtigkeit Rechnung
tragen wollen.


(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Geldverschwendung!)


So werden 80 Prozent der Wehrpflichtigen eines Jahr-
gangs einberufen.


(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Verschwendung von Steuermitteln!)


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(C (D ch bin diesem Parlament dankbar, dass es ermöglicht, ass wir den Wehrsold um 2 Euro pro Tag erhöhen. Die ehrpflichtigen, die ihren Dienst für die Allgemeinheit eisten, haben diese Unterstützung nämlich verdient. Ich erwähne das Einsatz-Weiterverwendungsgesetz. it dem Einsatzversorgungsgesetz wurde eine wichtige rundlage für die Versorgung geschaffen. Wir haben die echtslage dahin gehend ergänzt, dass diejenigen, die in efährlichen Einsätzen verwundet und anschließend geundheitlich wiederhergestellt werden, einen Anspruch uf Weiterbeschäftigung in der Bundeswehr haben. Das ntspricht der Fürsorgepflicht des Staates. Dieses Parlaent hat eine gute Entscheidung getroffen, als es den echtsanspruch auf Weiterbeschäftigung beschlossen at. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Sie haben in despektierlicher Weise das Ehrenmal er-
ähnt. Für diejenigen, die im Einsatz für die Bundes-
ehr ihr Leben gelassen haben – insgesamt geht es um
600 Angehörige der Bundeswehr –, hier in Berlin an

em Platz, der für die Bundeswehr steht, ein würdiges
nd ehrendes Andenken zu schaffen, halte ich für eine
ichtige und wichtige Entscheidung. Deshalb werden wir
ie auch umsetzen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612909800

Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage der

ollegin Hoff?

Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister der Verteidi-
ung:

Wenn es nicht von meiner Redezeit abgeht, ja.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612909900

Ja, das ist ja bekannt.


Elke Hoff (FDP):
Rede ID: ID1612910000

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie hier die Ge-

egenheit nutzen, Ihre Halbzeitbilanz aufzupolieren.


(Zuruf von der CDU/CSU: Das hat er gar nicht nötig!)


ber ich bitte Sie, mir anhand dessen, was ich über das
hrenmal oder das Weißbuch gesagt habe, im Einzelnen
arzustellen, was daran despektierlich sein soll.

Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister der Verteidi-
ung:

Sie haben in Ihrer Schlussbemerkung aus meiner
icht relativ despektierlich von einer mageren Bilanz ge-
prochen und dies auch im Zusammenhang mit dem Eh-
enmal getan. Das Ehrenmal stellt keine magere Bilanz
ar, sondern es ist eine richtige Entscheidung für die
undeswehr und die Tradition, in der sie steht.


(Beifall bei der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Bundesminister Dr. Franz Josef Jung
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich einen letz-
ten Punkt erwähnen. Wir werden jetzt beschließen – da-
für bin ich den Berichterstattern im Haushaltsausschuss
sehr dankbar –, über 1 Milliarde Euro mehr in den Ver-
teidigungshaushalt einzustellen. Diese Mittel brauchen
wir aber auch, um unseren Auftrag zu erfüllen.

Wenn ich alle Punkte, die ich Ihnen genannt habe, zu-
sammenzähle und dann diese Halbzeitbilanz in die Fuß-
ballsprache übersetze, dann kann ich nur sagen: Es steht
9 : 0 für die Sicherheits- und Verteidigungspolitik in
Deutschland.


(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ein Kreisligaergebnis ist das; das muss man wohl sagen!)


Mit diesem Haushalt schaffen wir die Voraussetzungen,
den Anpassungs- und Modernisierungsprozess weiter
voranzutreiben, die Schutzfunktion für unsere Soldatin-
nen und Soldaten weiter zu erhöhen und einen Beitrag
zur Fortentwicklung der wehrtechnischen Industrie zu
leisten, bei der es auch um Arbeitsplätze hier in Deutsch-
land geht. Mit diesem Haushalt gewährleisten wir mehr
Investitionen. Zum ersten Mal können die Personalaus-
gaben auf unter 40 Prozent gesenkt werden. Wir werden
ein Sanierungsprogramm „Kasernenunterkünfte West“
auflegen, weil ich es für notwendig und richtig erachte,
dass wir dann, wenn wir von unseren Soldatinnen und
Soldaten Leistungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft er-
warten, auch die sozialen Rahmenbedingungen so ge-
stalten, dass es attraktiv ist, weiterhin in der Bundeswehr
tätig zu sein.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Meine Damen und Herren, ich will noch einen weite-
ren Punkt aufführen. Die Bundeswehr ist eigentlich der
größte Sportförderer in der Bundesrepublik Deutsch-
land. Von den elf Goldmedaillen, die in Turin erzielt
worden sind, wurden neun von Bundeswehrsoldaten er-
zielt.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Deshalb halte ich es für gut und bin dem Haushalts-
ausschuss dankbar, dass wir die Chance haben, jetzt
noch 120 weitere Soldaten in die Sportförderung einzu-
beziehen.


(Johannes Kahrs [SPD]: Haben wir gerne gemacht!)


Damit werden wir eine Perspektive für die Olympischen
Spiele in Peking und in Vancouver haben. Weil auch da-
mit das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland zu-
sammenhängt, halte ich es für richtig und gut, dass wir
die Sportförderung in dieser Weise ausbauen können.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Wenn ich dies alles zusammenfasse, dann komme ich
zu dem Ergebnis, dass wir mit diesem Haushalt gerade
in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf einem
guten Wege sind. Ich bitte Sie deshalb um Ihre Unter-
stützung, damit die Bundeswehr ihren Einsatz für die Si-
cherheit unserer Bürgerinnen und Bürger sowie für Frie-

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(C (D en, Recht und Freiheit in Deutschland und darüber inaus weiterhin leisten kann. Herr Minister, wenn Sie Ihre Redezeit verlängern ollen, dann können Sie noch eine Nachfrage zulassen. Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister der Verteidiung: Bitte sehr. Herr Verteidigungsminister, ich hatte in meiner Rede ine Frage gestellt, die ich Ihnen erneut stellen möchte: aben Sie im Zusammenhang mit den Verzögerungen eim Projekt A400M vor, weiterhin auf die im Vertrag estgehaltenen Verzugsstrafen, die die Firma dem Bund m Falle eine Verzuges zu leisten hat, bzw. auf ein Künigungsrecht des Bundes zu bestehen? Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister der Verteidiung: Herr Kollege Bonde, zunächst einmal sollten wir, enke ich, alle Anstrengungen unternehmen – ich habe erade bei der Verabschiedung von Staatssekretär ickenboom noch einmal mit Tom Enders darüber geprochen –, damit der A400M möglichst fristgerecht geiefert wird. Denn wir brauchen den A400M gerade im inblick auf die Fähigkeitslücke im Lufttransport drinend. Da ich auf spekulative Fragen generell keine Antwort ebe, will ich nur noch einen Satz hinzufügen: Wir veralten uns vertragsgemäß. Das schließt auch das ein, was ie angesprochen haben. Ich hoffe und wünsche aber, ass wir den A400M noch fristgerecht geliefert bekomen, weil wir ihn im Hinblick auf den Lufttransport und ie Unterstützung dringend brauchen. Sie wissen, dass wir zum Beispiel auch in Darfur vor euen Aufgaben stehen. Deshalb wäre ich dankbar, enn wir den A400M fristgerecht geliefert bekommen. Besten Dank. (Beifall bei der CDU/CSU – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also war der rot-grüne Vertrag doch nicht so schlecht!)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612910100
Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612910200


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612910300

Das Wort hat nun Kollegin Birgit Homburger, FDP-

raktion.


(Beifall bei der FDP)



Birgit Homburger (FDP):
Rede ID: ID1612910400

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

enn wir heute den Verteidigungshaushalt diskutieren,
ann sollten wir auch darüber sprechen, dass die über-
iegende Zahl der Soldatinnen und Soldaten nach wie
or ihren Dienst im Inland verrichten. Wir haben aber in-
wischen auch nahezu 8 000 Soldatinnen und Soldaten,
ie in acht verschiedenen Auslandseinsätzen von Afgha-






(A) )



(B) )


Birgit Homburger
nistan bis zum Horn von Afrika Dienst tun. Ich denke,
die Soldatinnen und Soldaten verdienen für die hohe
Leistungsbereitschaft und auch die vorbildliche Pflicht-
erfüllung in ihrem Einsatz den Dank des ganzen Hauses.
Ich schließe in diesen Dank auch die Polizisten und die
zivilen Aufbauhelfer mit ein.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


Wir haben in den letzten Wochen eine Reihe von Dis-
kussionen geführt. Wir haben insbesondere mehrfach
über Afghanistan diskutiert. Obwohl es hier im Hause
ein unterschiedliches Abstimmungsverhalten gab, hatte
ich den Eindruck, dass wir uns in einem Punkt einig wa-
ren: Wir wollen, dass der Wiederaufbau im Mittelpunkt
steht bzw. ins Zentrum gerückt wird.


(Beifall bei der FDP)


Das haben wir auch gemeinsam beschlossen.

Vor diesem Hintergrund habe ich kein Verständnis für
die Debatte, die in den letzten Tagen aus der Koalition
heraus öffentlich geführt wurde und in der plötzlich eine
schnelle Eingreiftruppe für ganz Afghanistan mit robus-
tem Mandat gefordert worden ist. Ich finde, dass diese
Diskussion einen völlig falschen Schwerpunkt setzt. Wir
führen diese Diskussion zur Unzeit. Es ist geradezu eine
Aufforderung an die NATO-Partner, an Deutschland
weitere militärische Anforderungen zu stellen. Ich stelle
ausdrücklich fest: Solche Diskussionen führen zu nichts
anderem als zur Verunsicherung in der Öffentlichkeit,
aber auch innerhalb der Bundeswehr. Deshalb bitte ich
Sie: Machen Sie endlich Schluss damit, ständig neue
Vorschläge in die Öffentlichkeit zu tragen, und gehen Sie
das an, was wir gemeinsam beschlossen haben! Konzen-
trieren wir uns auf das, was tatsächlich gemacht werden
muss! Ich glaube, damit haben wir wahrlich genug zu
tun.


(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Winfried Nachtwei [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Das gilt für den Wiederaufbau wie auch für die Militär-
ausbildung und die Polizeiausbildung.

Ich will das Thema Polizeiausbildung noch einmal
ansprechen, Herr Minister, weil die Bundeskanzlerin
heute Morgen in ihrer Rede gesagt hat, dass man sich
auch an einer Polizeimission auf dem Balkan beteiligen
wolle. Ich mache darauf aufmerksam, dass derzeit we-
der die Europäische Union noch die Bundesrepublik
Deutschland ihren Aufgaben bei der Polizeiausbildung
in Afghanistan gerecht geworden ist.


(Beifall des Abg. Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Was zugesagt wurde, ist bisher nicht geliefert worden.
Die notwendige Unterstützung ist nicht gegeben worden.
Es ist ein einziges Desaster.

Wenn Sie mit uns der Auffassung sind, Herr Minister,
dass die Polizeiausbildung – auch als Flankierung bzw.
im politischen Zusammenhang – immer wichtiger wird,
dann muss man in Deutschland endlich klare Rahmenbe-

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(C (D ingungen für die Entsendung von Polizisten ins Ausand schaffen. (Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Herr Verteidigungsminister, Sie haben festgestellt,
ass der Einsatz im Kongo ein Erfolg war. Sie haben den
insatz im Kongo ja noch einmal besonders erwähnt.
as hat mich nun einigermaßen überrascht.


(Jürgen Koppelin [FDP]: Das kann man wohl sagen!)


or allen Dingen hat mich überrascht, dass Sie hier ge-
agt haben: Wir haben den Rückfall in den Bürgerkrieg
erhindert. – Wenn man sich die Situation in der Demo-
ratischen Republik Kongo in den letzten Monaten an-
chaut, kommt man zu dem Schluss, dass diese Situation
iemanden befriedigen kann. Es gibt Tausende von
lüchtlingen. Es gibt Kämpfe im Osten. Alles, was viel-

eicht ein bisschen befriedet war, ist wieder aufge-
lammt. Als Einziges hat man erreicht, dass die Wahlen
urchgeführt wurden. Aber ansonsten gibt es bis heute
eine Stabilisierung der Demokratischen Republik
ongo. Der Zustand ist so wie vor dem Einsatz der Bun-
eswehr.


(Beifall bei der FDP – Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]: Das ist absolut falsch!)


Vor diesem Hintergrund möchte ich noch einmal et-
as deutlich machen, auch für meine Fraktion: Wer Sol-
atinnen und Soldaten in einen Auslandseinsatz schickt,
er muss dafür Sorge tragen – der Auffassung sind wir –,
ass es dann auch zu einer politischen Flankierung
ommt, und zwar zu einer dauerhaften politischen Flan-
ierung; ein Konzept muss dahinterstehen. Das war dort
icht der Fall.


(Beifall bei der FDP)


Herr Minister, Sie haben vom Einsatz-Weiterverwen-
ungsgesetz gesprochen. Das hat unsere Unterstützung.
ie haben von der Wehrsolderhöhung gesprochen. Die

st dank des massiven Drucks aus diesem Parlament Gott
ei Dank jetzt realisiert worden. Meine Fraktion hat als
rste einen Antrag dazu gestellt.


(Beifall bei der FDP)


Es steht jetzt das Dienstrechtsneuordnungsgesetz
ur Debatte. Ich möchte Sie bitten, Herr Minister, darauf
influss zu nehmen. Wenn das Dienstrechtsneuord-
ungsgesetz so kommt, wie es jetzt geplant ist, dann
ird es zu einer massiven Benachteiligung der Soldatin-
en und Soldaten führen. Es wird die Attraktivität der
undeswehr weiter verringern. Vor diesem Hintergrund
itte ich Sie: Ändern Sie den Entwurf in den Beratungen
och ab! So kann er jedenfalls die Zustimmung der FDP-
undestagsfraktion nicht finden.


(Beifall bei der FDP sowie des Abg. ErnstReinhard Beck [Reutlingen] [CDU/CSU])


Es bleibt im Übrigen beim Thema „Attraktivität der
treitkräfte“ noch einiges zu tun. Herr Minister, vor we-
igen Tagen hat Ihr Haus eine Studie des Sozialwissen-






(A) )



(B) )


Birgit Homburger
schaftlichen Instituts der Bundeswehr veröffentlicht, wo-
nach eine hohe Attraktivität der Bundeswehr als
Arbeitgeber gegeben sei. Ich zitiere:

Trotz des geringen Wissensstandes wird die Bun-
deswehr dennoch als attraktiver Arbeitgeber ange-
sehen.

Herr Minister, als im April dieses Jahres der Deutsche
Bundeswehr-Verband aufgrund einer Befragung von
45 000 Soldatinnen und Soldaten ein völlig anderes Bild
gezeichnet hat, haben Sie erklärt, dass dies überhaupt
keine vernünftige Grundlage für eine Diskussion sei. Sie
haben seinerzeit erklärt, dass das nicht ausreiche. Ich
möchte Ihnen sagen, dass die Studie, mit der Sie im Au-
genblick in der Öffentlichkeit arbeiten, auf der Basis der
Befragung von 2 224 Personen erstellt wurde. Ich
möchte herzlich darum bitten, dass jetzt auch einmal von
Ihrer Seite auf die Bundeswehr zugegangen wird. Es
kann nicht hingenommen werden, dass Schönfärberei
und auch ein bestimmtes Schönreden hier Platz greifen.
Man sollte diese Studie des Deutschen Bundeswehr-Ver-
bands als Stimmungsbarometer ernst nehmen und in der
Bundeswehr umsteuern.


(Beifall bei der FDP)


Herr Minister, ich habe eine abschließende Bitte. Wir
als FDP-Fraktion sind gern bereit, in diesem Hause Ihre
Arbeit weiterhin konstruktiv zu begleiten, wenn es um
das Wohl der Bundeswehr geht.


(Johannes Kahrs [SPD]: Das wäre aber das erste Mal!)


Aber ich bitte darum, dass die Informationspolitik Ihres
Hauses gegenüber dem deutschen Parlament zukünftig
verbessert wird. Wir haben erst gestern wieder erlebt – in
dieser Woche übrigens schon zweimal –, dass die Öf-
fentlichkeit Dinge erfährt, bevor wir sie erfahren. Das ist
keine gute Zusammenarbeit. Gestern wurde veröffent-
licht, dass die verloren gegangenen Daten beim Zentrum
für Nachrichtenwesen der Bundeswehr wieder rekon-
struiert sind. Das ist ein Erfolg, den dieses Parlament er-
kämpft hat. Man sollte den entsprechenden Bericht dann
zunächst einmal dem Deutschen Bundestag zuleiten und
nicht erst der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Gert Winkelmeier [fraktionslos])



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612910500

Das Wort hat nun Kollege Rainer Arnold für die SPD-

Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Rainer Arnold (SPD):
Rede ID: ID1612910600

Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Der

Einzelplan 14 für das nächste Haushaltsjahr ist ein ange-
messener Haushalt. Er ermöglicht, was in Bezug auf die
Transformation geleistet werden muss. Gleichzeitig ord-
net er sich in die Gesamtsituation ein; Haushalte müssen

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(C (D onsolidiert werden. Insofern ist er ein Stück weit chwierig – wie andere Etats auch. Auch wir möchten dem scheidenden Staatssekretär ickenboom ein ausdrückliches Dankeschön sagen. Er at unglaubliche Verdienste um die Arbeit für diesen aushalt und die Ausstattung der Bundeswehr erworen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ebenso ein Dankeschön an die beiden Haushälter der
oalition: an Frau Jaffke und den Kollegen Johannes
ahrs. Ich denke, bei Johannes Kahrs hat man gemerkt,
ass ein Haushälter nicht immer nur auf das Sparen
chaut – das ist wichtig; das tut ihr –, sondern dass er
leichzeitig – das ist gut für die Bundeswehr – auch eine
anze besondere Affinität zur Sicherheitspolitik und zu
en Bedürfnissen der Frauen und Männer bei der Truppe
at. Danke für diese Arbeit!


(Beifall bei der SPD)


Zur Halbzeit dieser Legislaturperiode möchte ich auf
ie anstehenden Arbeiten und Aufgaben eingehen. Es
leibt dabei: Die Auslandseinsätze stehen selbstver-
tändlich im Mittelpunkt der Debatten.

Frau Homburger, was Sie hier zum Kongo gesagt ha-
en, ist einfach nicht richtig. Natürlich gab und gibt es
in Konzept. Die Vereinten Nationen haben für die dorti-
en fast 17 000 Soldaten ein Konzept. Deutschland hat
abei für eine bestimmte Phase, nämlich zur zusätzli-
hen Absicherung des Wahlkampfes und zur Durchfüh-
ung der Wahlen, einen wichtigen konzeptionellen Bei-
rag geleistet.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


Ich möchte zunächst allen Soldatinnen und Soldaten
en Dank für ihr Engagement in den Einsatzgebieten
ussprechen und daran erinnern, dass es durchaus Solda-
innen und Soldaten gibt, die nicht immer im Mittel-
unkt stehen, zum Beispiel die Frauen und Männer, die
ür Deutschland in Georgien oder in Äthiopien wichtige

issionen erfüllen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Diese Koalition, Herr Minister, hat die Transforma-
ion der Bundeswehr zu Recht im Koalitionsvertrag fort-
eschrieben; denn die bestehenden Ansätze sind alle-
amt richtig. Gleichzeitig glaube ich, dass wir nach
5 Jahren Auslandseinsätzen immer wieder genau
chauen müssen: Sind Veränderungen und neues Lernen
atsächlich notwendig?

Zunächst bleibt richtig, dass wir auch zukünftig Kri-
en nicht nur militärisch begegnen werden und begegnen
ürfen, sondern umfassend zu reagieren haben und vor
llen Dingen alles tun sollten, um im Vorfeld Spannun-
en zu entschärfen. Richtig bleibt auch, dass Konflikte
ort bekämpft werden müssen, wo sie tatsächlich entste-






(A) )



(B) )


Rainer Arnold
hen. Richtig bleibt auch, dass zivil und militärisch abge-
stimmte, gemeinsame Ziele verfolgt werden müssen.

Nachsteuern heißt aber: Die Transformation ist
nichts Bewahrendes und Statisches. Den Istzustand wei-
ter zu stabilisieren, würde nicht ausreichen. Ich möchte
dies an ein paar Beispielen erläutern. Wir alle wissen,
Deutschland will nicht allein in der Welt agieren. Wir
sind vielmehr fest in den jeweiligen Bündnissen veran-
kert. Aber zu beiden wichtigen Säulen in den Bündnis-
sen, zur NRF, zur NATO Response Force, und zur
Battle-Group, gibt es natürlich ganz erheblichen Klä-
rungsbedarf. Deutschland hat seine Fähigkeiten verläss-
lich eingebracht. Wir merken aber im Augenblick, dass
dies parallel zur Einsatzlast kaum zu schultern ist. Ich
glaube schon, dass beide Organisationen, die NATO und
die EU, sehr sorgsam diskutieren sollten, ob beides
gleichzeitig überhaupt sinnvoll geleistet werden kann.

Ein Weiteres im Zusammenhang mit der Transforma-
tion. Wir merken im Augenblick, dass die Trennung zwi-
schen Stabilisierungs- und Eingreifkräften eher künstlich
ist. Die Übergänge sind – das sehen wir in Afghanistan
jeden Tag – eher fließend. Auch über diese Frage muss
in den nächsten Jahren sorgsam diskutiert werden.

Die Frage, ob die Haushaltstitel richtig gewichtet
sind, wurde schon angesprochen. Es lohnt sich schon,
sich einmal den Etat für 2008 anzuschauen. Zwei Drittel
der Beschaffungen sind für die Eingreifkräfte und nicht
für das vorgesehen, was wir in erster Linie erfüllen: Sta-
bilisierungsaufgaben. Das hat etwas mit gebundenen
Mitteln aus der Vergangenheit zu tun; da hat der Minister
völlig recht.

Ich sage aber deutlich – denn das Beispiel A400M
wurde angesprochen –: Wir gehen nicht mehr davon aus,
dass dieses Flugzeug pünktlich zum vorgesehenen Ter-
min geliefert wird. Wir erwarten aber von der Industrie
– da muss der Minister verhandeln –, dass es zu keinen
weiteren Verzögerungen kommt. Selbstverständlich
sollte die Bundesregierung aus unserer politischen Sicht
alles tun, ihre Rechte wahrzunehmen und Schadens-
ersatz einzufordern. Dieses Flugzeug ist für die Einsätze
innerhalb des Bündnisses dringend notwendig.


(Beifall bei der SPD)


Zu diesem Nachjustieren gehört auch: Wir sehen im
Einsatzalltag an vielen Stellen, wie knapp gerade Spe-
zialisten – ob Piloten, spezielle Ärzte und viele andere
mehr – sind. Ich denke, wir brauchen eine Debatte da-
rüber, ob man nicht verstärkt darangehen sollte, diese
Fähigkeiten zusätzlich auszubilden. Das Schmerzhafte
muss dabei mit diskutiert werden: Das wird immer nur
gehen, wenn an anderer Stelle etwas weggeschnitten
wird. Wir möchten Sie, Herr Minister, ermuntern, diese
schwierige Debatte mit anzustoßen.

Das nächste Beispiel betrifft die Ausstattung. Dazu
hat Johannes Kahrs schon einiges gesagt. Die Hauptkri-
tik der Soldaten in den Einsatzgebieten bezieht sich nicht
darauf, dass ihre Ausstattung schlecht wäre. Sie ist nicht
schlecht im Vergleich zu unseren Verbündeten. Die
Hauptkritik lautet: Warum geht es so langsam, und wa-
rum haben wir gelegentlich so unsinnige Vorschriften

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(C (D nd bürokratische Abläufe? – Wir brauchen keine erdebensicheren Container, und wir können mehr handelsbliches Material verwenden. Wir brauchen auch keine bgassonderuntersuchung bei allen Fahrzeugen in fghanistan und vieles andere mehr. Ich glaube, diese egeln passen nicht zu den Einsätzen. Wir begrüßen sehr, Herr Minister, dass zunehmend ie militärischen Voraussetzungen der Uniformträger bei er Führung von Auslandseinsätzen gebündelt wurden nd wohl auch weiter gebündelt werden. Ich denke aber, ass die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr diesem rinzip in einer neuen Organisationsstruktur folgen müsen. Wir sollten über querschnittliche Verantwortung für uslandseinsätze auch bei den zivilen Mitarbeitern achdenken. Dabei geht es nicht nur um die Organisaion, sondern am Ende auch darum, wie zufrieden die rauen und Männer sind, die in der Bundeswehr im All ag ihre Arbeit leisten. Das letzte Beispiel, bei dem meiner Meinung nach eiter gedacht werden muss, ist die Wehrpflicht; der err Minister hat es angesprochen. In den Verteidiungspolitischen Richtlinien steht, dass die Wehrpflicht eiterzuentwickeln ist. Wir sind ein verlässlicher Koali ionspartner und stehen zu dem Beschluss, dass die ehrpflicht die richtige Entscheidung ist. Das ist über aupt keine Frage. s ist gut, wenn der Minister sich Gedanken macht, ob ie Wehrpflicht auch rechtlich Bestand hat, wenn die ienstgerechtigkeit gefährdet ist. Man kann ein Jahr der zwei Jahre 6 000 zusätzliche Soldaten heranholen. ber das darf nicht strukturbildend werden. Es muss die rage beantwortet werden: Was tun sie, haben sie eine innvolle Beschäftigung? Außerdem ist die Frage zu bentworten: Wie werden sie bezahlt? Wenn das längerfrisig zulasten der Anzahl der Zeitund Berufssoldaten eht, ist das exakt der falsche Weg. Dann ist es auch eine Weiterentwicklung der Wehrpflicht, sondern eine ückentwicklung. Ich bitte die Union, vor dem Hintergrund der Vorabe, dass es bei der Wehrpflicht bleibt, mit uns noch inmal darüber zu diskutieren, ob nicht gerade wir in ieser Großen Koalition die Chance nutzen sollten, ein onzept für eine Weiterentwicklung der Wehrpflicht zu ntwickeln, das auch in der nächsten Legislaturperiode, ie immer die Konstellationen dann aussehen mögen, rägt. Das wäre eine typische Aufgabe für eine Große oalition. Wenn wir das nicht gemeinsam leisten, wird ie Wehrpflicht möglicherweise in der nächsten Legislaurperiode viel stärker unter Druck geraten, als wir uns as insgesamt wünschen. Wir stehen weiterhin zur ehrpflicht. Aber wir wollen sie weiterentwickeln, in em wir die Freiwilligkeit stärken, sodass wir am Ende ufgrund des attraktiven Angebots der Bundeswehr eine jungen Menschen zum Wehrdienst zwingen müsen. Lassen Sie mich zum Schluss noch einen Punkt anprechen. Ich wünsche mir sehr, dass wir eine stärkere esellschaftliche Debatte um deutsche Verantwortung Rainer Arnold – nicht um Interessen, wie manche hier verkürzt meinen – in der Welt führen. Dann wäre auch die linke Geisterdiskussion, dass wir Kriegstreiber seien, sehr schnell aus der Welt zu schaffen. Sie isolieren sich und unser Land in der Welt. Denken Sie einmal darüber nach, was die Skandinavier tun. Sie tun dasselbe wie die Deutschen; und sie sind wirklich friedliebende Völker wie wir Deutsche auch. Diese Debatte hätte nicht nur für die Gesellschaft einen wichtigen Wert, sondern auch für die Soldaten, die uns, wenn wir sie besuchen, in erster Linie fragen: Warum sind wir hier? Was tut die Politik, während wir hier für Stabilität sorgen? Was geschieht in diplomatischer Hinsicht? Was ist mit dem zivilen Aufbau? – Diese Fragen der Soldaten werden umso drängender, je länger die Einsätze dauern. Deshalb brauchen wir diese Diskussion. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir uns in der Koalition darauf verständigen, dass auch wir Parlamentarier noch stärkere Impulse für solche gesellschaftlichen Debatten geben, dass wir nicht immer nur über Auslandseinsätze im Einzelnen diskutieren, sondern auch im Grundsatz über Deutschlands Verantwortung in der Welt. Herzlichen Dank. Das Wort hat nun Winfried Nachtwei, Fraktion Bünd nis 90/Die Grünen. Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich kann direkt an die Ausführungen des Kollegen Arnold anschließen und mit dem weitermachen, was heute ansteht: Nach zwei Jahren sollte man versuchen, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Ich will allerdings keine Insiderdiskussion führen, auch wenn die Versuchung sehr groß ist. Es bleibt dabei – ich habe das vor Ort auf dem Balkan, in Afghanistan, vor der Küste Libanons und anderswo erfahren –, dass die Bundeswehrangehörigen professionell und wirksam zur Eindämmung großer Gewalt beitragen. Sie tun das im Auftrag der Vereinten Nationen und im Auftrag dieses Bundestages. Dafür ist ihnen und ihren Angehörigen, die indirekt beteiligt sind, ausdrücklich zu danken. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612910700
Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612910800

Zugleich können wir aber feststellen – das gilt vor al-
lem seit dem letzten Jahr –, dass die Auslandseinsätze
der Bundeswehr zunehmend an Akzeptanz verlieren.
Vor einigen Wochen hat das Institut für Demoskopie Al-
lensbach Zahlen veröffentlicht, nach denen der Anteil
der Bevölkerung, der diese Auslandseinsätze ablehnt,
von 2005 bis 2007 von 34 auf 50 Prozent gestiegen ist.
Die Bevölkerungsumfrage des Sozialwissenschaftlichen
Instituts der Bundeswehr kommt zu etwas niedrigeren
Werten und äußert sich etwas zurückhaltender, es stellt
aber eine ähnliche Tendenz fest. Diese Tendenz spüren

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(C (D ir, die Mitglieder der verschiedenen Parteien, auch in nseren Wahlkreisen. Herr Minister, was ist Ihre Reaktion darauf? Wie veralten Sie sich angesichts dieses objektiv vorhandenen ertrauensverlustes gegenüber der Politik und der Bunesregierung? Sie haben uns einen Brief geschrieben, hre Zwischenbilanz nach zwei Jahren Politik im Verteiigungsund Sicherheitsbereich. Dort steht im Hinblick uf dieses Problem der folgende Satz: „Deshalb werbe ch für einen breiten Dialog.“ Persönlich, sozusagen biateral, kaufe ich Ihnen das ab. Die Frage ist nur, ob es atsächlich einen politischen Dialog gibt. Seit 2006 können wir feststellen – das gilt für die Mitlieder der verschiedenen Fraktionen ebenso wie für ndere –, dass über die Wirksamkeit von Auslandseinätzen, die Kriterien für Auslandseinsätze und die Proleme im Zusammenhang mit den großen, komplizierten tate-Building-Projekten auf multinationaler Ebene insesamt immer stärker diskutiert wird. Vorschläge hinichtlich der Kriterien kamen vom Kollegen chockenhoff, von der CSU-Landesgruppe und von olker Perthes, also von der Stiftung Wissenschaft und olitik. Auch im Friedensgutachten der fünf Friedensorschungsinstitute wurden Vorschläge geäußert. Vor wenigen Wochen hat die Evangelische Kirche in eutschland eine Friedensdenkschrift vorgelegt, in er sie, ausgehend vom Verständnis eines gerechten riedens, eine Ethik rechtserhaltender Gewalt entickelt. Diese Friedensdenkschrift markiert Grenzen des echts auf Selbstverteidigung. Es wäre sehr interessant ewesen, wenn das Parlament diesen Aspekt in der Disussion über die Fortsetzung der Operation Enduring reedom stärker berücksichtigt hätte. Diese Operation wir gehen in das siebte Jahr – bezieht sich ja ausdrück ich auf ein geradezu endlos definiertes Selbstverteidiungsrecht. In dieser Denkschrift wird auch die ethische Fragwürigkeit – das ist zu bescheiden formuliert –, die ethische llegitimität des Drohens mit Atomwaffen festgestellt. as bedeutet das für die fortgesetzte nukleare Teilhabe er Bundesrepublik Deutschland? Was bedeutet das anesichts der Tatsache, dass Sie, Herr Minister, weiterhin on Tornadobesatzungen verlangen, dass nukleare Einätze geübt werden? as ist endgültig nicht mehr zumutbar. Wie steht es nun um das spannende Angebot eines onstruktiven Dialogs? Ich habe den Eindruck, dass Sie nd Ihr Haus nur Monologe, aber keinen politischen ialog führen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sie haben den umfassenden Ansatz und die ver-
etzte Sicherheitspolitik mit dem Weißbuch mehr in
en Mittelpunkt gestellt. Das ist ausdrücklich zu befür-
orten; das ist notwendig. Sehen wir uns aber einmal an:






(A) )



(B) )


Winfried Nachtwei
Das auf der NATO-Ebene in verschiedenen Komitees zu
verankern ist das eine. Das ist natürlich notwendig. Aber
wie sieht es am Boden aus? Wie sieht da die Umsetzung
aus? Ich will ein Beispiel dazu nennen: Sicherheitssek-
torreform, Polizeireform. Wir mussten in der vorherigen
Woche in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lesen,
was Ihr Kollege Innenminister Schäuble dazu gesagt hat.
Ich zitiere:

Mehr deutsche Polizisten zur Ausbildung der af-
ghanischen Kollegen lehnte er indes ab – was die
Anforderungen an die Polizisten betreffe, seien die
Amerikaner dazu besser in der Lage.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Peinlich!)


Solche Worte – das muss ich sagen – sind eine ausdrück-
liche Kapitulation vor dem, was gerade in Afghanistan
notwendig ist.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)


Sie sabotieren ausdrücklich den umfassenden Ansatz,
der wohl insgesamt von der Bundesregierung vor sich
hergetragen wird. Ich muss sagen: Dieser umfassende
Ansatz muss im Kabinett anfangen, damit er nicht nur
Schall und Rauch bleibt.

Danke schön.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612910900

Kollege Kurt Rossmanith hat das Wort für die CDU/

CSU-Fraktion.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Kurt J. Rossmanith (CSU):
Rede ID: ID1612911000

Herr Präsident! Meine verehrten Kolleginnen und

Kollegen! Wir befinden uns jetzt im vierten Jahr nach
der grundlegenden Entscheidung zur Transformation
unserer Streitkräfte. Unser Ziel ist weiterhin, die Ein-
satzfähigkeit zu verbessern und dauerhaft auf entspre-
chend hohem Niveau zu halten. Denn die Vorgaben, das
heißt den Auftrag, haben unsere Soldatinnen und Solda-
ten von uns, also von der Politik, erhalten.

Logischerweise geht Derartiges nicht, wenn man die
entsprechenden Mittel nicht bereitstellt. Gute und lo-
bende Worte allein machen diejenigen, die es gewohnt
sind, harten Dienst zu leisten, unsere Soldatinnen und
Soldaten, nicht glückselig.


(Elke Hoff [FDP]: Sehr richtig!)


Deshalb wurde im Haushalt für den Bundesminister
der Verteidigung – sprich: für die Streitkräfte – schon im
Vorfeld, im Regierungsentwurf des Haushaltes 2008, an-
nähernd 1 Milliarde Euro zusätzlich vorgesehen. Ich darf
mich bei allen Kolleginnen und Kollegen sowohl im
Verteidigungsausschuss als auch im Haushaltsausschuss
dafür bedanken, dass wir es dann noch geschafft haben
– ich glaube, die Notwendigkeit ist unbestritten –, zu-

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(C (D ätzlich rund 150 Millionen Euro auf diesen Plafond raufzusetzen, und zwar für die Modernisierung der lugbereitschaft, die nicht nur den Soldaten, sondern nter anderem auch der Bundesregierung und dem Bunestag zugutekommt, aber auch für die Fortsetzung des ornadoeinsatzes, wofür noch einmal zusätzlich 8 Millionen Euro erforderlich waren. Herr Bundesminister Jung, Sie sind schon auf einen esentlichen Sympathieträger unserer Streitkräfte eingeangen. Das sind die Soldatinnen und Soldaten in den tützpunkten unserer Spitzensportler. Ich freue mich, ass es möglich war, auch hier noch 3,5 Millionen Euro inzubringen, um damit rund 800 Spitzensportlerinnen nd Spitzensportlern der Bundeswehr eine entsprehende Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Vanouver und Peking zu ermöglichen. Wir kommen mit dieser Steigerung um über Milliarde Euro – ermöglicht durch die Beschlüsse des aushaltausschusses und des Verteidigungsausschusses – nserer Aufgabe nach, die Investitionen zur Stärkung er Einsatzfähigkeit der Bundeswehr sowie der Verbeserung der Unterbringung unserer Soldaten entsprechend ortzuführen. Kollege Kahrs hat schon auf den momenanen Zustand der Unterbringung bzw. auf die vorhanenen Mängel hingewiesen. Außerdem haben wir zuätzliche Gelder für militärische Beschaffungen ereitgestellt. Ich gehe davon aus, dass diese Vorhaben eute in zweiter Lesung und am Freitag in dritter Lesung estätigt werden. Frau Homburger, das, was Sie zum Einsatz im ongo gesagt haben, war leider Humbug; enn Sie sind nicht auf die Konsequenzen eingegangen. m Kongo haben unsere Soldaten vereint mit unseren artnern Hervorragendes geleistet und schon im Vorfeld in Riesenchaos verhindert. Es fanden demokratische ahlen statt, deren Ergebnis akzeptiert wurde. as, was Sie gesagt haben, hätte zur Konsequenz gehabt dies haben Sie nicht zum Ausdruck gebracht –, dass ir in einem Land wie dem Kongo, in dem die eine oder ndere Rebellengruppe Unruhe stiftet, ständig Streiträfte hätten stationieren müssen. Ich glaube, das wollte iemand. Die jetzige Situation im Kongo ist für afrikanische erhältnisse relativ stabil. (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ein seltsamer Stabilitätsbegriff!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Birgit Homburger [FDP]: Was denn?)


(Birgit Homburger [FDP]: Na ja!)


ier bitte ich um etwas mehr Ehrlichkeit; die afrikani-
chen Verhältnisse kann man nämlich nicht mit den Ver-
ältnissen bei uns vergleichen. Selbstverständlich müs-
en wir uns bemühen, die Lage im Kongo weiter zu
erbessern und zu stabilisieren, und natürlich, Kollege
onde, können wir in Anbetracht dessen, was dort der-
eit geschieht, nicht glücklich sein.






(A) )



(B) )


Kurt J. Rossmanith

(Birgit Homburger [FDP]: „Nicht glücklich?“ Das ist jetzt Humbug! – Gegenruf des Abg. Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]: Nein! Genau richtig! So muss man das sehen!)


Im Namen meiner Fraktion und sicherlich auch im
Namen der gesamten Koalition sage ich allen Soldatin-
nen und Soldaten, die im Ausland oder in Deutschland
ihren Dienst tun, meinen Dank. Sie leisten einen Dienst
für Freiheit und Frieden. Hier sollten wir es nicht bei
Worten belassen, sondern diese Überzeugung auch da-
durch zum Ausdruck bringen, dass wir dem Haushalt des
Bundesministers der Verteidigung, dem Einzelplan 14,
geschlossen zustimmen.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1612911100

Jetzt erteile ich das Wort Kollegin Ulrike Merten,

SPD-Fraktion.


(Vorsitz:Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner)



Ulrike Merten (SPD):
Rede ID: ID1612911200

Den fliegenden Wechsel oben bemerkend, sage ich

jetzt: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehr-
ten Damen und Herren! Jede Debatte über den Haushalt
ist ein Ringen um die richtigen Schwerpunktsetzungen.
Ich glaube, dieser Haushalt ist uns wirklich gelungen;
obwohl schon einige wichtige Punkte genannt worden
sind, will ich sie noch einmal kurz ansprechen.

Wir planen eine Erhöhung des Wehrsolds; der
Dienst in der Bundeswehr wird also durch einen mate-
riellen Anreiz attraktiver gestaltet. Im Zusammenhang
mit dem Einsatz-Weiterverwendungsgesetz schaffen
wir ein erhebliches Maß an Sicherheit für die im
Auslandseinsatz versehrten Zeitsoldaten, Reservisten,
Beamten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Im
Rahmen des Projekts Schützenpanzer Puma haben wir
uns mit den wichtigen Fragen der Ausrüstung und des
Schutzes der Soldaten im Einsatz beschäftigt. Das Infra-
strukturprogramm West ist hier schon mehrfach er-
wähnt worden.

Um die Modernisierung der Streitkräfte und die Be-
reitstellung der für den Einsatz unverzichtbaren Ausrüs-
tung zu gewährleisten, müssen wir – das wissen wir
nicht erst seit heute – nach neuen Wegen suchen, um die
Investitionen zu erhöhen und die Effizienz der eingesetz-
ten Mittel zu steigern. Daher möchte ich den Schwer-
punkt meiner heutigen Ausführungen bei der Reduktion
der Betriebsausgaben setzen und auf unsere erfolgrei-
che Arbeit auf dem Gebiet der öffentlich-privaten Part-
nerschaft eingehen.

Im Rahmen des Transformationsprozesses hat die
Bundeswehr in den letzten Jahren in großem Umfang
Geräte und Systeme aus der Nutzung genommen, die sie
angesichts ihrer neuen Struktur nicht mehr benötigt. So
wurde in den letzten drei Jahren nicht nur die Anzahl der
Panzer und Schützenpanzer mehr als halbiert, sondern es

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(C (D urde auch eine Vielzahl anderer Geräte und Systeme usgemustert. Um unsere Betriebsund insbesondere die Materialosten weiter zu reduzieren und dadurch noch mehr aum für die Konzentration der Bundeswehr auf ihre ernaufgaben zu schaffen und auch um die Zielstruktur eim Umfang des Zivilpersonals im Transformationsrozess zu erreichen, müssen wir diesen Weg entschlosen weitergehen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Die Bundeswehr als Armee im Einsatz kann nicht
ehr alle sie betreffenden Aufgaben selbst erledigen.
ie muss sich mit dem zur Verfügung stehenden Perso-
al auf die Fähigkeiten konzentrieren, die auf dem Markt
icht zur Verfügung stehen. Dafür braucht sie leistungs-
ähige Unterstützung, auch auf dem Wege von Privati-
ierungen. Hinzu kommt: Die Bundeswehr hat es im
ergleich zu anderen mit besonders kostenintensiven
nd langfristigen Investitionen auf der einen Seite und
it besonders hohen Know-how-Anforderungen auf der

nderen Seite zu tun.

Die Bundeswehr hat deshalb seit 1999 ihre Anstren-
ungen zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und des
nnovationspotenzials sowie zur Erschließung privaten
apitals bei allen Unterstützungsaufgaben erheblich ver-
rößert. Mit fast 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für die Ko-
perationsfelder und Betreiberverträge steht die Bundes-
ehr im Übrigen an der Spitze der öffentlich-privaten
artnerschaften in Deutschland. Auf diesem Weg leis-

en die GEBB und die im Bundesverteidigungsministe-
ium eingerichtete Abteilung Modernisierung eine wert-
olle und unverzichtbare Arbeit.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, erst in der
etzten Woche hat die IT-Gesellschaft in Meckenheim
hren endgültigen Sitz bezogen. Ich kann den vielen
ositiven Stimmen nur beipflichten: HERKULES hatte
inen guten Start.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


ach weniger als einem Jahr hat das Projekt HERKU-
ES mit der BWI nun sein Domizil gefunden und kann
it Jahresbeginn die Integrationsphase starten. Dann
ird die Migrationsphase abgeschlossen sein, in der
00 Soldaten, 400 Siemens- und IBM-Angestellte und
550 gestellte zivile Angehörige der Bundeswehr – si-

her auch so manchen kulturellen Unterschied überwin-
end – ihren neuen Arbeitsplatz für die nächsten Jahre
ingenommen und die zivile, die weiße IT-Infrastruktur
bernommen haben. Dazu wurden an 1 784 Standorten
estandsaufnahmen durchgeführt und bestehende Ver-

räge der Bundeswehr mit mittelständischen Unterneh-
en in Drittverträge migriert.

Obwohl das gesamte ÖPP bis 2014 läuft, soll die Er-
euerung der IT – sprich: die Installation von 140 000
Cs und Servern, 300 000 Festnetztelefonen und 15 000
obiltelefonen – bereits 2010 abgeschossen sein.






(A) )



(B) )


Ulrike Merten
Vielen Mitgliedern des Verteidigungs- und auch des
Haushaltsausschusses war es übrigens bei der Entschei-
dung über HERKULES besonders wichtig, dass kleine
und mittlere Unternehmen am Vertragsvolumen partizi-
pieren. Zwar war eine Mittelstandskomponente von
30 Prozent im Vertrag enthalten, doch war sie aus unse-
rer Sicht zu wenig spezifisch. Der Haushaltsausschuss
drängte daher erfolgreich auf ein konkretes Mittel-
standskonzept und auf jährliche Berichte des BMVg.

Nicht zuletzt hat uns der Koalitionsvertrag aufgege-
ben, die Möglichkeiten der verschiedenen Betreiber- und
Kooperationsmodelle weiterzuentwickeln und noch bes-
sere gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um
das vorhandene Effizienzpotenzial zu nutzen und spe-
ziell die Bundeswehr von Aufgaben zu entlasten. Die
kritische Überprüfung ist hier selbstredend mit einge-
schlossen.

Nach meiner Auffassung haben wir mit der Koopera-
tion mit der Wirtschaft den richtigen Weg beschritten.
Künftige Herausforderungen werden insbesondere ein
effektives Controlling und ein exaktes Haushaltsgebaren
sein sowie die auch vom Bundesrechnungshof konsta-
tierte Möglichkeit des Verlustes bestimmter Fähigkeiten
und Kompetenzen. Das genannte Risiko der Monopol-
bildung sehe ich bislang hingegen weniger.

Doch ich will keinen Hehl aus meiner persönlichen
Meinung machen, dass immer dann, wenn wir durch Ei-
genoptimierung Unterstützungsleistungen wirtschaftli-
cher erbringen können, wir diesen Weg gehen sollten.
Bei jedem neuen ÖPP-Projekt ist allerdings immer wie-
der abzuwägen, für welche Produkte spezielle Bundes-
wehrlösungen notwendig sind und wo handelsübliche
Lösungen den größeren Nutzen bringen. Konkret bei
HERKULES ist die Verantwortung der Bundeswehr be-
rechtigterweise wesentlicher Vertragsbestandteil. Schon
während der Projektlaufzeit ist die Bundeswehr jederzeit
in der Lage, unter bestimmten Bedingungen die unter-
nehmerische Verantwortung zu übernehmen.

Wir sind nicht nur mit diesem Projekt auf dem richti-
gen Weg, sondern auch mit anderen eingeleiteten Projek-
ten, weil sie helfen, den notwendigen zusätzlichen Spiel-
raum zu erarbeiten. Was im Verteidigungsbereich
möglich ist, kann beispielgebend für andere Politikberei-
che sein. Ich glaube, es lohnt sich, sich dies genau anzu-
schauen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612911300

Letzter Redner in dieser Debatte ist der Kollege

Bernd Siebert, CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Bernd Siebert (CDU):
Rede ID: ID1612911400

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Zu Beginn meines Redebeitrags halte ich es für unver-
zichtbar, mich bei den Soldatinnen und Soldaten sowie
den zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bun-

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(C (D eswehr zu bedanken, die unter zum Teil sehr gefährlihen Rahmenbedingungen ihre Aufgaben im Einsatz erüllen und so als Botschafter Deutschlands unser nsehen in der Welt aufwerten. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


n diesen Dank möchte ich ausdrücklich die Reservisten
inbeziehen; denn sie werden bei den Diskussionen sehr
äufig vergessen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)


nsere Soldaten sind gut ausgebildet, sie sind engagiert,
ie sind motiviert, und sie leisten etwas Besonderes;
enn das Ansehen unseres Landes im Ausland wird ge-
ehrt.

Mein Dank richtet sich – das möchte ich in diesem
usammenhang deutlich machen – auch an die Soldatin-
en und Soldaten sowie an die zivilen Mitarbeiterinnen
nd Mitarbeiter in der Heimat; denn nur weil sie ihre
eistung ordentlich erbringen, sind unsere Soldaten im
insatz überhaupt in der Lage, das zu leisten, was sie

eisten. Sie halten ihnen den Rücken frei.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ihnen allen galt und gilt unsere besondere Aufmerk-
amkeit. Daher haben wir in der Großen Koalition ge-
einsam mit der Bundesregierung und natürlich insbe-

ondere mit Minister Franz Josef Jung in den letzten
wei Jahren Projekte zur Verbesserung der Ausrüstung
nd des Einsatzumfeldes auf den Weg gebracht. Wir ha-
en über die Einzelheiten eben schon diskutiert.

An dieser Stelle möchte ich mich kurz mit dem ausei-
andersetzen, was Frau Hoff vorhin gesagt hat. Frau
off hat ein Bild geschildert, das ich mit der Realität
icht in Einklang bringen kann.

Sie hat uns aufgefordert, mehr zu tun. Ich denke, wir
aben im Rahmen des Möglichen vieles getan. Wenn
ier aber gleichzeitig ein Antrag gestellt wird, die Mittel
m Kapitel „Wehrforschung, wehrtechnische und sons-
ige militärische Entwicklung und Erprobung“ – genau
er Bereich, für den, wie ich kritisiere, nicht genügend
a ist – um 185 Millionen Euro zu kürzen,


(Johannes Kahrs [SPD]: Das ist empörend!)


telle ich mir schon die Frage, welche Linie Sie in Ihrer
raktion verfolgen: Wollen Sie mehr fordern, oder wol-

en Sie einsparen?


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Johannes Kahrs [SPD]: Die FDP hat noch nie eine klare Linie gehabt! – Elke Hoff [FDP]: Herr Kollege, wo habe ich das kritisiert?)


Wir haben den Zulauf bzw. die Beschaffung moderner
usrüstung und geschützter Fahrzeuge vorangetrieben.
berstes Ziel war es, unsere Soldaten im Einsatz mit
em bestmöglichen Gerät und dem höchsten Schutz aus-






(A) )



(B) )


Bernd Siebert
zustatten und zugleich dafür Sorge zu tragen, dass die
Soldaten zu Hause auch entsprechend damit üben kön-
nen.


Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612911500

Herr Kollege, die Kollegin Hoff würde gerne eine

Zwischenfrage stellen.


Bernd Siebert (CDU):
Rede ID: ID1612911600

Ich bin der letzte Redner zu diesem Einzelplan. Ich

verzichte auf Zwischenfragen, weil ich die Rede im Zu-
sammenhang vortragen möchte.


(Zuruf von der FDP: Sie wollen nur nicht antworten!)


Darüber hinaus haben wir beispielsweise die soziale
Situation der Soldatinnen und Soldaten nach einem Ein-
satzunfall mit dem Einsatz-Weiterverwendungsgesetz
grundlegend verbessert, dankenswerterweise mit einer
breiten parlamentarischen Mehrheit hier in diesem
Hause.

Aber nicht nur die genannten Einzelprojekte machen
unsere erfolgreiche Bilanz deutlich, auch die vorgese-
hene Finanzlinie für die nächsten drei Jahre gibt Anlass
zur Zuversicht; denn wir reden jetzt über eine Steigerung
von über 1 Milliarde Euro für das Jahr 2008. Ich bin mir
sicher, dass der investive Anteil am Einzelplan 14 auf-
grund der insgesamt geplanten Steigerung um rund
2 Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren deutlich
erhöht werden kann. Ich denke, damit ist unsere Forde-
rung, die wir hier bei der Haushaltsdiskussion vor einem
Jahr vorgetragen haben, in diesem Jahr umgesetzt wor-
den. Wer aber glaubt, dass damit alle Risiken beseitigt
sind, der wird sich irren. Der von einer breiten politi-
schen Mehrheit befürwortete Transformationsprozess
der Bundeswehr ist zwar politisch gewollt und politisch
umgesetzt, in der Praxis aber natürlich noch nicht voll-
ständig vollzogen. Hierzu bedarf es weiterer Anstren-
gungen.

Erwähnen will ich die dringend notwendigen Investi-
tionen in Material und Ausrüstung – deswegen haben
wir die Haushaltsmittel erhöht – sowie in die Infra-
struktur der Kasernen in den alten Bundesländern.
Hier muss ohne Wenn und Aber Abhilfe geschaffen wer-
den. Es ist unsere Pflicht, unsere Staatsbürger in Uni-
form auch nach den Standards der heutigen Zeit unterzu-
bringen. Letztlich ist dies auch ein wichtiger Beitrag für
die Attraktivität des Arbeitgebers Bundeswehr und ein
Zeichen der Wertschätzung gegenüber unseren Soldaten
und Soldatinnen.

Darüber hinaus muss auch die von mir bereits er-
wähnte durchgängige Ausstattung der Truppe mit mo-
dernem und einsatztauglichem Gerät zügig fortgeführt
werden. Dies wird auf der Zeitachse immer noch zu sehr
gestreckt. Wir müssen allerdings nicht immer – das sage
ich ausdrücklich wegen der Diskussionen der letzten
Tage – eine 100-Prozent-Lösung umsetzen, deren
Verwirklichung meist viel Zeit in Anspruch nimmt. Die
90-Prozent-Lösung, die aber unter Umständen sofort

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(C (D erfügbar ist, bietet schnell immer noch mehr Schutz als ine Lösung, die erst in einigen Jahren verfügbar ist. Mir ist klar, dass dieses Ziel nicht durch das monoone Einfordern größerer Finanzmittel erreicht werden ann. Vielmehr muss die Bundeswehr auch weiterhin lle Möglichkeiten zu einer effizienten Erschließung der hr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Mit den Beeiligungsgesellschaften und der Auslagerung von Leisungen, die nicht zum Kernauftrag zählen, wurde der ichtige Weg beschritten. Mit der nun angestrebten Ausagerung logistischer Leistungen sind wir – davon bin ch zutiefst überzeugt – ebenfalls auf dem richtigen Weg. eben diesen erfolgreichen Modellen muss jedoch über eitere Alternativen nachgedacht werden. Es ist aus einer Sicht bedauerlich, dass die alternative Finanzie ung von militärischer Ausrüstung immer wieder an den inwänden einiger Bedenkenträger – so nenne ich sie – cheitert. Dies ist ein Themenbereich, der in den nächsen Jahren auf der politischen Tagesordnung bleiben ird. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass mit dem orliegenden Haushaltsentwurf der Bundesregierung ine solide Finanzplanung für die Bundeswehr ermögicht wurde. Konzeptionell ist die Finanzierung des Vereidigungshaushaltes stimmig. An dieser Stelle ein Dank n die Haushälter und den Finanzminister, der dies geeinsam mit den Haushältern ermöglicht hat. Wichtig bleibt auch weiterhin die Anpassung der Fianzlinie an die Anforderungen der Bundeswehr. urch den eingeschlagenen Weg – die Anpassung der inanzlinie, die Beschränkung der Bundeswehr auf die ernfähigkeit und das Ausschöpfen der Möglichkeiten iner alternativen Finanzierung – kann eine solide Fianzbasis für die Beschaffung von Gerät und zur Hertellung moderner Infrastruktur geschaffen und damit etztendlich zur Attraktivität der Bundeswehr beigetraen werden. Zum Schluss meines Redebeitrages möchte ich mich och einmal ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit it den Kollegen eigentlich aller Fraktionen im Verteidi ungsausschuss bedanken. Es ist schon etwas Besondees, wie sachlich die Diskussionen in der Regel geführt erden, aber insbesondere möchte ich mich bei den So ialdemokraten und bei meinem Koalitionspartner ainer Arnold bedanken, mit dem wir eine hervorraende Zusammenarbeit pflegen. Als Ausdruck dieser guten Zusammenarbeit darf ich ie für Januar 2008 geplante Erhöhung des Wehrsoldes m 2 Euro pro Tag erwähnen, die wir gemeinsam auf en Weg gebracht haben. Die erste Erhöhung seit 1998 st aus meiner Sicht eine notwendige Voraussetzung für ie Akzeptanz des Wehrdienstes bei jungen Menschen in nserem Land und trägt damit zum notwendigen Erhalt er Wehrpflicht bei. Vielen Dank. Ich gebe dem Kollegen Koppelin das Wort zu einer urzintervention. Schade, dass Sie meiner Kollegin Hoff nicht die Mög lichkeit zur Zwischenfrage gegeben haben, Herr Kollege, vor allem, da Sie sie persönlich angesprochen haben. Ihr ganzer Beitrag hat mich sehr gewundert. Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht allzu gründlich in den Haushaltsentwurf geguckt haben. Sonst hätten Sie hier nicht eine solche Rede halten können. Ich stelle fest, dass Sie die mehr als 1 Milliarde Euro, die Sie angeblich zusätzlich bekommen haben, loben. Sie feiern das ab und erklären, was man mit diesem Geld alles machen könne. Sie haben allerdings völlig vergessen, dass der Bundeswehr im Haushalt 2007 allein durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer so viel Geld weggenommen worden ist, dass wir in diesem Haushalt ein Riesendefizit hatten. Das müssen Sie erst einmal ausgleichen. Im Moment haben Sie noch gar nichts zum Verteilen. Allein durch Ihre Erhöhung der Mehrwertsteuer ist bei der Bundeswehr richtig abkassiert worden; das sind fast 700 Millionen Euro. Darauf hätten Sie eingehen können. Sie hätten auch auf andere Dinge eingehen können. Der Einzelplan 14 zeugt nicht von Haushaltsklarheit und -wahrheit. Das merken Sie jedes Mal, wenn es zu Auslandseinsätzen kommt und zusätzliche Leistungen erbracht werden müssen. Dann kommt die „Aktion Klingelbeutel“ des Verteidigungsministers; dann sammelt er überall Geld ein. Hätten Sie sich einmal den Haushaltsentwurf angeschaut, dann hätten Sie die vielen Haushaltsvermerke gesehen. In diesem Fall hätten Sie hier nicht eine solche Rede gehalten. So, wie dieser Haushalt aufgestellt ist – das habe ich in der letzten Haushaltsdebatte schon gesagt –, müssten Sie dem Verteidigungsminister eigentlich das Geld geben und sagen: „Mach damit, was du willst“; denn der von ihm aufgestellte Haushalt hat nichts mit Haushaltsklarheit und -wahrheit zu tun. So müssen Sie auch unsere Anträge sehen. Ich bedauere sehr, dass Sie überhaupt eine solche Rede gehalten haben. Sie sollten in den Haushaltsentwurf schauen. Herr Kollege Siebert, Sie können antworten. Herr Kollege Koppelin, auch mit Ihrer Bemerkung wird das, was Ihre beiden Kolleginnen vorhin vorgetragen haben, nicht richtiger. Ich denke, dass wir mit der Erhöhung der Haushaltsmittel außerordentlich viel Richtiges und Sinnvolles getan haben. Wir haben nämlich zunächst dafür Sorge getragen, dass unsere Soldaten im Einsatz mehr Schutz erhalten. Damit haben wir die erste Pflicht gegenüber unseren Soldaten erfolgreich umgesetzt. V W i i S w D g A a l E i t s D t K f E g (C (D (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612911700




(A) )


(B) )

Dr. h.c. Jürgen Koppelin (FDP):
Rede ID: ID1612911800

(Beifall bei der FDP)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612911900
Bernd Siebert (CDU):
Rede ID: ID1612912000

(Elke Hoff [FDP]: Aber sicher!)


iele andere Aufgaben liegen natürlich noch vor uns.
ir wollen selbstverständlich auch neue Entwicklungen

n Gang setzen. Das wollen Sie auch; so jedenfalls habe
ch Frau Hoff vorhin verstanden.

Vor diesem Hintergrund will ich einmal zitieren, was
ie in Ihrem Antrag geschrieben haben, damit es jeder
eiß:

Der Bundestag wolle beschließen:

Im Kapitel 14 20 – Wehrforschung, wehrtechnische
und sonstige militärische Entwicklung und Erpro-
bung – ist bei Titel 551 11 – Wehrtechnische Ent-
wicklung und Erprobung – der Mittelansatz von
550 Mio. Euro um 185 Mio. Euro auf 365 Mio.
Euro zu reduzieren.

ies widerspricht dem, was Frau Hoff vorhin vorgetra-
en hat.


(Zuruf von der FDP: Das ist Quatsch!)


Weiterhin steht dort:

Bei der Verpflichtungsermächtigung erfolgt eine
Absenkung um 200 Mio. Euro auf 427,6 Mio. Euro.


(Zuruf von der FDP: Was Sie hier machen, ist so etwas von unseriös!)


Ich stelle fest, dass mit der von Ihnen vorgesehenen
bsenkung die Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr nicht

usgeweitet, sondern reduziert wird. Nichts anderes wol-
en Sie mit Ihren Anträgen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612912100

Ich schließe die Aussprache.

Wir kommen zur Abstimmung über den
inzelplan 14 – Bundesministerium der Verteidigung –

n der Ausschussfassung. Hierzu liegt ein Änderungsan-
rag der Fraktion der FDP vor, über den wir zuerst ab-
timmen. Wer stimmt für den Änderungsantrag auf
rucksache 16/7314? – Wer stimmt dagegen? – Enthal-

ungen? – Der Änderungsantrag ist mit den Stimmen der
oalition bei Gegenstimmen der Opposition abgelehnt.

Wer stimmt für den Einzelplan 14 in der Ausschuss-
assung? – Wer stimmt dagegen? – Enthaltungen? – Der
inzelplan 14 ist mit den Stimmen der Koalition bei Ge-
enstimmen der Opposition angenommen.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt II.12 auf:

Einzelplan 23
Bundesministerium für wirtschaftliche Zu-
sammenarbeit und Entwicklung
– Drucksachen 16/6419, 16/6423 –
Berichterstattung:
Abgeordnete Alexander Bonde
Jochen Borchert
Iris Hoffmann (Wismar)

Jürgen Koppelin
Michael Leutert






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner
Zu dem Einzelplan 23 liegt ein Entschließungsantrag
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor, über den wir
am Freitag nach der Schlussabstimmung abstimmen
werden.

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für
die Aussprache Eineinviertelstunden vorgesehen. – Ich
höre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen.

Ich gebe das Wort dem Kollegen Hellmut Königshaus,
FDP-Fraktion.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)



Hellmut Königshaus (FDP):
Rede ID: ID1612912200

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lassen

Sie mich mit einem Glückwunsch beginnen. Frau Minis-
terin Wieczorek-Zeul, Sie hatten vor einer Woche Ge-
burtstag. Dazu gratulieren wir Ihnen ganz herzlich. Es
war nicht irgendein Geburtstag, sondern ein Geburtstag,
an dem die meisten Menschen normalerweise in den Ru-
hestand gehen. Keine Angst, ich will keine platten Sotti-
sen, sondern Ihnen ein ernst gemeintes Kompliment ma-
chen! Ich kenne kaum einen anderen Ressortchef, der so
energisch für seine Ziele kämpft und sie so unbeirrt
durchsetzt.


(Beifall der Abg. Ute Koczy [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Das wird auch in dem Aufwuchs deutlich, den Ihr Haus-
haltsansatz erfahren hat. Es sind immerhin satte 15 Pro-
zent. Kompliment!


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Da kann man doch nicht meckern!)


Was die Ziele angeht, sind wir uns in der Regel einig.
Nur der Weg trennt uns manchmal ein bisschen.


(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Dennoch oder gerade deshalb ist es schmerzhaft, dass
mit diesem Haushaltsansatz wieder falsche Weichenstel-
lungen verbunden sind.

Schon wieder und mehr denn je setzen Sie, Frau Mi-
nisterin, auf die weithin unbefriedigende Budgethilfe,
die oft auf verschlungenen Pfaden über internationale In-
stitutionen – Weltbank, EEF usw. – an fragile Staaten
und nicht selten an korrupte Regime fließt. Eine echte
Verwendungskontrolle ist dann natürlich nicht möglich.
Wir haben noch immer – ich weiß, dass ich das oft an-
spreche; aber man muss es immer wieder tun, weil es um
viel Geld geht – keine Kontrolle über die Mittelverwen-
dung des Europäischen Entwicklungsfonds, keine parla-
mentarische Kontrolle – diese haben wir sowieso nicht,
weil kein Parlament dafür zuständig ist – und auch keine
wirksame Kontrolle durch die Bundesregierung, Frau
Ministerin. Es gibt offenbar noch nicht einmal einen
ständigen deutschen Vertreter in den Steuerungsgremien,
der Kontinuität bei der Aufsicht gewährleisten würde.
Sie sind dort offenbar „blind“.

Das kann so nicht weitergehen. Mit einer geringfügi-
gen Kürzung dieses Einzelpostens hatten die Haushälter

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(C (D ereits einen ersten Warnschuss vor den Bug abgegeben diesen sollte man ernst nehmen –, in der Bereinigungsitzung mit der Kürzung der Weltbankmittel noch einen weiten. Ich bin sicher: Wenn wir uns die von den Hausältern formulierten Sorgen nicht zu Herzen nehmen, ann wird der nächste Schuss als volle Breitseite mitchiffs landen. assen Sie uns diese Mahnzeichen aufgreifen. Wie geagt, wir streiten ja nicht über die Ziele, sondern über die ege dorthin. Das gilt insbesondere im Hinblick auf die ittelverwendung. Der entscheidende Kritikpunkt für die FDP ist die falche Schwerpunktsetzung in der Entwicklungspolitik. ber die Schwellenländer hat Guido Westerwelle am eispiel Chinas in der „Elefantenrunde“ heute Morgen esprochen; ich kann es deshalb kurz machen. Wir förern mit riesigen Beträgen weiterhin Länder, die es eientlich nicht nötig haben. Wir zahlen Südafrika 6 Millionen Euro, China 67,5 Millionen Euro – das ist brigens ein Aufwuchs im Vergleich zum Vorjahr – und ndien 64 Millionen Euro. Die gesamten ODA-Mittel, inschließlich dessen, was aus anderen Haushalten ommt, betragen noch ein Vielfaches davon, im Falle hinas 187 Millionen Euro. Dabei haben diese Länder as weiß Gott nicht nötig. Wenn wir die Devisenreserven allein von China berachten, dann stellen wir fest, dass es mehr ist, als heute orgen angenommen wurde, nämlich 1,411 Billionen ollar. Hinzu kommen die 138 Milliarden Dollar von ongkong, über die die Zentralregierung entscheidet. ch will das nur einmal in Erinnerung rufen: Allein aus en Zinseinkünften dieser Devisenreserven kann das and in neun Stunden die Mittel, die wir im Rahmen der ntwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stellen, erirtschaften. Und Sie glauben, Sie könnten damit Ein luss nehmen? Ich halte das für falsch; denn dieses Geld ehlt natürlich in anderen Ländern. Das Geld, das wir für hina ausgeben, können wir zum Beispiel nicht Niger der Bangladesch geben. Wer braucht die größte Unterstützung zurzeit, auch m deutschen Interesse? Das ist Afghanistan. Was erhält fghanistan? Sie sprechen von einem Aufwuchs. Ich ann den im Haushaltsplan nicht unmittelbar feststellen; as ist ziemlich unübersichtlich. Im Februar letzten Jahes haben Sie uns mitgeteilt, Sie hätten die Hilfe um 0 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro aufgestockt. etzt stehen 70 Millionen Euro im Haushaltsplan. Fragt an nach, wo die Differenz ist, dann wird auf das Ausärtige Amt verwiesen. Im Haushaltsplan für das Ausärtige Amt stehen – das ist richtig – 55 Millionen Euro. ie viel es aber vorher war, wird verschwiegen. Vermut ich ist dort keine Aufstockung erfolgt. Wir konnten das icht ganz nachvollziehen. Das zeigt einmal mehr, dass ie künstliche Trennung von AA und BMZ auch in dieem Punkt zulasten der Haushaltswahrheit und der Hausaltsklarheit geht. Hellmut Königshaus Weil wir gerade beim Organisatorischen sind: Frau Ministerin, was macht eigentlich die Institutionenreform? Was macht die Zusammenführung von KfW Entwicklungsbank und GTZ? Was ist mit „weltwärts“? Soll die Organisation wirklich ohne gesetzliche Grundlage entstehen? Es wird einfach ein Konzept aus der Handtasche gekramt, und dann ist „weltwärts“ da. Die Haushälter bewilligen 70 Millionen Euro, und dann fangen die an, zu arbeiten. Niemand hier im Parlament kennt irgendwelche Rahmenbedingungen. Frau Ministerin, bitte sagen Sie uns, wohin Sie wollen. Aus Ihrem Haushaltsplan ist das jedenfalls nicht ersichtlich. Ich danke Ihnen. Ich gebe das Wort der Kollegin Iris Hoffmann, SPD Fraktion. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist in dieser Legislaturperiode nach wie vor einer der am stärksten wachsenden Einzelpläne im gesamten Bundeshaushalt. Mit einer Steigerung von über 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf weit mehr als 5 Milliarden Euro wird 2008 mit Abstand das bisher beste Jahr in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Blicken wir zurück, können wir feststellen, dass der Haushalt seit dem Jahr 2000 um 1,4 Milliarden Euro angewachsen ist. Diese dynamischen Mittelzuwächse verdeutlichen, welchen Stellenwert die Entwicklungszusammenarbeit in der Politik der Bundesregierung inzwischen hat. Das ist ein Erfolg, der vor allem der Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zu verdanken ist. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der FDP)


(Beifall bei der FDP)





(A) )


(B) )


(Markus Löning [FDP]: Gute Frage!)


(Beifall bei der FDP)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612912300
Iris Hoffmann (SPD):
Rede ID: ID1612912400

Auch wenn wir gelegentlich verschiedene Meinungen
haben, sind wir im Ziel und in der Sache nicht auseinan-
der, geht es doch darum, unseren finanziellen Verpflich-
tungen gerecht zu werden und die Millenniumsentwick-
lungsziele umzusetzen. Unser Anliegen ist es, das Thema
Entwicklungspolitik nicht nur auf der politischen Agenda
nach vorne zu bringen, sondern auch in die Köpfe und
Herzen der Menschen zu tragen, um die Akzeptanz in der
Öffentlichkeit noch weiter zu erhöhen.

Auch in diesem Jahr wurden eindeutige Schwerpunkte
bei der Verteilung der zusätzlich zur Verfügung stehen-
den Mittel gesetzt. Herausheben möchte ich die verstärk-
ten Anstrengungen zum Kampf gegen Aids, Malaria
und Tuberkulose. Hierfür werden im kommenden Jahr
500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


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(C (D avon gehen allein 200 Millionen Euro an den GFATM, en globalen Fonds zur Bekämpfung dieser drei Krankeiten. Damit werden diese Mittel gegenüber dem Vorahr um 130 Prozent erhöht. Auch die Barmittel für die Weltbank und den Europäichen Entwicklungsfonds wachsen deutlich an, bedingt urch Abrufe von Verpflichtungen, die wir bereits in voangegangenen Haushaltsjahren eingegangen sind. Für die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsank werden Ende dieses Jahres durch die Bundesregieung höchstwahrscheinlich Neuzusagen von insgesamt eutlich mehr als 2 Milliarden Euro gemacht. Auch hierür sind im vorliegenden Haushalt bereits entsprechende erpflichtungsermächtigungen eingestellt worden. Auch die Mittel der finanziellen Zusammenarbeit, lso der KfW, werden kräftig aufgestockt. Auf sie entällt mit etwa 300 Millionen Euro fast die Hälfte der geamten Etaterhöhung. Erklärtes Ziel des Bundesministeiums ist es, mit den zusätzlichen Mitteln vor allem die ereiche Zinssubventionen und Programmorientierte emeinschaftsfinanzierungen bzw. Budgethilfen weiter ystematisch auszubauen. Auf Letzteres komme ich späer noch zurück. Bei aller gebotenen Konzentration auf die großen ultiund bilateralen Organisationen war ich doch etwas berrascht darüber, dass es der Bundesregierung trotz der ohen Zuwächse wie im vergangenen Jahr größtenteils icht möglich war, die zivilgesellschaftliche Entwickungszusammenarbeit angemessen am Aufwuchs des aushalts zu beteiligen. Der Haushaltsausschuss hat hier die Forderungen und nregungen der Kolleginnen und Kollegen aus dem usschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Enticklung aufgegriffen und die Mittel für verschiedene ivilgesellschaftliche Organisationen maßvoll angehoen. Dazu gehören beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt nternational, das DGB-Bildungswerk, das Kolpingerk, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die lexander-von-Humboldt-Stiftung und nicht zuletzt die ielen ehrenamtlich tätigen privaten Vereine und Nichtegierungsorganisationen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Budgethilfen, also direkte Zuschüsse zum nationalen
aushalt der Entwicklungsländer, sowie Sektorpro-
ramme und Korbfinanzierungen – in Deutschland unter
em Begriff „Programmorientierte Gemeinschaftsfi-
anzierung“ zusammengefasst – haben in der interna-

ionalen Entwicklungszusammenarbeit zunehmend an
edeutung gewonnen. Die Bundesregierung folgt die-

em Trend und hat die Mittel für diese Instrumente in den
tzten Jahren stark erhöht. Bis Ende 2006 waren bereits
rogramme mit einem Gesamtvolumen von über 1,1 Mil-

iarden Euro zugesagt oder umgesetzt. Zielgröße für
euzusagen im nächsten Jahr sind 400 Millionen Euro,
nd bis 2010 will das Ministerium mindestens zwei Drit-
el seiner bilateralen Entwicklungszusammenarbeit im
ahmen programmbasierter Ansätze abwickeln.






(A) )



(B) )


Iris Hoffmann (Wismar)

Angesichts dieser Zahlen war es nur natürlich, dass
das Thema Budgetfinanzierung in den diesjährigen
Haushaltsberatungen eine hervorgehobene Rolle gespielt
hat. Die Haushälter der Koalition haben sich bereits auf
ihrer Klausurtagung Anfang September intensiv mit die-
sem Thema beschäftigt und haben später auch gemein-
sam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Karin
Kortmann kritisch diskutiert. Dabei sind uns durchaus
die möglichen Vorteile von Budgethilfen deutlich ge-
worden. Beispielhaft möchte ich die bessere Geberhar-
monisierung, eine Stärkung der Eigenverantwortlichkeit
der Partnerregierungen und sinkende Transaktionskosten
nennen. Insbesondere aus haushalterischer Perspektive
dürfen aber die Nachteile keineswegs außer Acht gelas-
sen werden. Hier geht es insbesondere um makroökono-
mische Risiken durch die großen Kapitalzuflüsse über
Budgethilfe sowie verschiedene treuhänderische Risi-
ken, etwa durch Fehlverwendung der Mittel oder man-
gelnde Qualität der durchgeführten Maßnahmen.

Ob am Ende die Vor- oder Nachteile überwiegen,
lässt sich zumindest im Moment noch nicht mit Sicher-
heit sagen, da es bislang nur relativ wenige empirische
Untersuchungen zu den Wirkungen der Budgethilfe gibt.
Eine erste Langzeitevaluierung aus dem Jahre 2006, die
im Auftrag der OECD durchgeführt wurde, bewertet
zwar die Budgethilfe in fünf von sieben untersuchten
Ländern grundsätzlich positiv, kann aber empirisch
kaum eine Wirkung auf das zentrale Ziel der Armuts-
minderung nachweisen.


Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612912500

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des

Kollegen Addicks?


Iris Hoffmann (SPD):
Rede ID: ID1612912600

Nein, ich würde gerne im Zusammenhang vortragen.

Die Experten, die in der kürzlich durchgeführten An-
hörung des Entwicklungshilfeausschusses zu Wort ka-
men, stellten zwar fest, dass Budgethilfe letztlich alter-
nativlos ist, hielten aber auch mit Kritik nicht hinter dem
Berg.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail
gehen. Ich denke, Budgethilfen können zur Umsetzung
der internationalen Agenda in der Entwicklungszusam-
menarbeit beitragen, aber sie sind ein sehr komplexes
und abstimmungsaufwendiges Instrument. Sie sind si-
cherlich kein Allheilmittel, sondern vielmehr ein ent-
wicklungspolitisches Instrument neben anderen. Denn
erst durch die Kombination von Budgethilfen und klassi-
schen Projekten in der Zusammenarbeit mit einem Land
können wichtige Synergieeffekte erzielt werden. Hierbei
ist es wichtig, dass der Ausbau von Budgethilfen nicht
zulasten von Capacity-Development-Maßnahmen geht,
weil sie gerade dazu dienen, Budgethilfen und andere In-
vestitionen der finanziellen Zusammenarbeit vorzuberei-
ten und nachhaltig in Wert zu setzen.

Zudem – ich denke, da sind wir uns alle einig – sind
Budgethilfen grundsätzlich nur in solchen Ländern sinn-
voll, die reformwillig und reformfähig sind und sich an
demokratischen und rechtsstaatlichen Normen orientie-
ren.

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(C (D (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


Der Bundesrechnungshof prüft gegenwärtig die
eutsche Budgethilfe. Er wird seinen Bericht voraus-
ichtlich Ende Februar 2008 vorlegen, sodass er im März
m Haushaltsausschuss beraten werden kann. Angesichts
er Unsicherheiten, mit denen die Budgethilfe bis dato
och behaftet ist, halte ich es durchaus für sinnvoll, im
inne einer wohlwollenden, aber kritischen Begleitung
lle Neuzusagen in diesem Bereich einer Einzelprüfung
u unterziehen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


ieses Vorgehen haben die Haushälter der Koalition üb-
igens bereits Ende Oktober im Berichterstattergespräch
it dem Ministerium angekündigt. Mir ist es wichtig,

ier zu betonen, dass dadurch keine Mittel gekürzt sind.
uch alle Zusagen, die bereits gemacht wurden oder bis
nde des Jahres gemacht werden, sind davon nicht be-

roffen.

Ich komme zum Schluss. Der Haushalt des Bundes-
inisteriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
ntwicklung ist auf einem guten Weg, und das gilt nicht
ur angesichts des Aufwuchses für 2008, sondern auch
ür die Verstetigung des Aufwuchses in der mittelfristi-
en Finanzplanung.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612912700

Ich gebe das Wort der Kollegin Heike Hänsel, Frak-

ion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Heike Hänsel (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612912800

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und

erren! Der Entwicklungsetat 2008 wird massiv erhöht:
m 670 Millionen Euro. Das begrüßen wir natürlich.
ber die Politik der Bundesregierung bleibt – das muss
an ganz klar sagen – gegenüber der Mehrheit der Men-

chen in den Ländern des Südens entwicklungsfeindlich.
b Kriegseinsatz in Afghanistan, Rüstungsexportpolitik,
-8-Politik, Agrar- und Handelspolitik, Energie- und
essourcenpolitik: Es fehlt eine Ausrichtung, die frie-
ens- und entwicklungsfördernd ist.

Ich komme konkret auf Afghanistan zu sprechen.
ie Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit werden

uf 120 Millionen Euro erhöht. Aber das Verhältnis von
ilitär- und Entwicklungsausgaben liegt immer noch

ei fünf zu eins. Sie halten in Ihrer Ausrichtung an der
ivil-militärischen Zusammenarbeit fest, die von vielen
ntwicklungsorganisationen massiv kritisiert wird. Die
undeswehr ist mit ihrer Beteiligung am Krieg in Af-
hanistan ein Teil des Problems und nicht der Lösung,
nd deshalb fordern wir nach wie vor den Abzug der
undeswehr aus Afghanistan.


(Beifall bei der LINKEN)







(A) )



(B) )


Heike Hänsel
Jetzt möchte ich etwas zu den Rüstungsexporten sa-
gen; dieses Thema kam in der heutigen Debatte nämlich
viel zu kurz. Der Rüstungsexportbericht 2007 besagt
ganz klar: Der Rüstungsexport boomt nach wie vor. Die
Genehmigungswerte, vor allem für die Gruppe der ärms-
ten Entwicklungsländer und der Schwellenländer, sind
höher als im Vorjahr. Hinzu kommt, dass davon verfein-
dete Staaten wie Indien und Pakistan betroffen sind.
Zum Beispiel in Pakistan werden mit Lizenz der deut-
schen Firma Heckler & Koch aus Baden-Württemberg
Gewehre produziert, die jetzt zur Bekämpfung Opposi-
tioneller in Pakistan eingesetzt werden. An Indien sollen
120 Eurofighter verkauft werden. Zur Bekämpfung der
Armut in Indien sind die damit verbundenen Kosten im
Haushalt aber nicht vorhanden; von „Armutsbekämp-
fung“ sollte man im Zusammenhang mit diesen Mitteln
daher nicht mehr sprechen.

Für uns ist ganz klar: Wir lehnen Rüstungsexporte in
Krisenregionen ab, auch was die Kleinwaffen angeht.


(Beifall bei der LINKEN)


Wir wissen: Über 90 Prozent der Kriegsopfer sind auf
den Einsatz von Kleinwaffen zurückzuführen. Wir hal-
ten diese Politik der Rüstungsexporte für verantwor-
tungslos und entwicklungsfeindlich.


(Beifall bei der LINKEN)


Jetzt möchte ich etwas zur G-8-Politik sagen. Noch
nie wurde auf einem G-8-Gipfel so viel über Entwick-
lung und die Probleme Afrikas geredet wie dieses Jahr in
Heiligendamm. Wenn man sich die Ergebnisse anschaut,
erkennt man aber, dass sie sehr mager sind. Selbst die
Entwicklungsorganisationen haben in einem Bericht von
dem sogenannten „60-Milliarden-Bluff“ gesprochen. Es
wird jetzt mehr Geld investiert – das stimmt –, zum Bei-
spiel in den globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids
und Malaria. Das schlägt sich im Haushalt nieder: Die
entsprechenden Mittel werden verdoppelt. Wenn wir uns
aber die konkrete Politik anschauen, dann stellen wir
fest, dass beim G-8-Gipfel der Patentschutz massiv vo-
rangetrieben wurde, obwohl er verhindert, dass die Men-
schen in Ländern des Südens einen verbesserten Zugang
zu billigen Medikamenten bekommen. Daran zeigt sich,
dass diese Politik völlig kontraproduktiv zu dem ist, was
formuliert wird. Damit stellen Sie das Patentrecht über
das Recht auf Gesundheit.


(Beifall bei der LINKEN)


Auch im Rahmen der Energiepolitik und des Klima-
schutzes sind die Ergebnisse der G-8-Gipfels völlig un-
verbindlich geblieben, obwohl die Auswirkungen des
Klimawandels zuallererst die Menschen in den Ländern
des Südens betreffen. Es gibt zwar mehr Geld für die
Weltbank, was hier richtigerweise schon erwähnt wurde;
aber die Vergabepolitik der Weltbank führt dazu, dass
nach wie vor zu mehr als 90 Prozent große Erdöl-, Erd-
gas- und Staudammprojekte finanziert werden, aber nur
zu 4 Prozent regenerative Energien. Die Bundesregie-
rung hat Einfluss in der Weltbank; sie hat dort Sitz und
Stimme. Daher kann ich Sie nur auffordern: Nehmen Sie
Ihre Verantwortung wahr, und setzen Sie sich für die

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(C (D örderung regenerativer Energien ein, wenn Sie es mit em Klimaschutz ernst meinen! In diesem Zusammenhang brauchen wir dringend ein oratorium, was die Förderung von Agrotreibstoffen ngeht. Der Anbau der hierfür benötigten Pflanzen in ielen Ländern des Südens wie Brasilien, Kolumbien nd Indonesien fördert eben nicht Klimaschutz und Enticklung, sondern gefährdet Ernährungssouveränität nd trägt zu massiven Menschenrechtsverletzungen bei, ie ich es in Kolumbien selbst gesehen habe. Auch bei der Handelspolitik sind die Weichenstelungen in unseren Augen fatal. Sie wird hauptsächlich uf europäischer Ebene festgelegt, auch mit Einfluss der undesregierung. Die neue Strategie der EU eines „gloalen Europas“ formuliert ganz klar eine aggressive andelsund Marktöffnungspolitik für europäische onzerne, die sich auch auf die Wirtschaftsbeziehungen u den Ländern des Südens negativ auswirkt. Dies erleen wir ganz aktuell in den Verhandlungen über Wirtchaftspartnerschaftsabkommen mit den AKP-Staaten. ir sagen ganz deutlich: Wir wollen die sogenannten PAs in dieser Form nicht. Ende des Jahres wird sich ntscheiden, was dabei herauskommt. Ich fordere Sie, rau Wieczorek-Zeul, auf, sich auf alle Fälle dafür einusetzen, egal wie diese Verhandlungen ausgehen, dass s vonseiten der Europäischen Union keine Zollerhöhunen für Produkte aus den Entwicklungsländern gibt, die ie EPAs nicht unterzeichnet haben. Ich halte es nicht für erantwortbar, hier zu Zollerhöhungen zu kommen. reihandel ist kein Beitrag zur Entwicklung. Wir wollen ndere, solidarische Wirtschaftspartnerschaftsabkomen. Ich komme zum Schluss: Mehr Geld allein bedeutet icht automatisch mehr Entwicklung. Wir setzen uns für ine aktive zivile Friedenspolitik, eine gerechte Handelsolitik und die Umstellung des Weltenergiesystems ein, as ist für uns der beste Beitrag zu Entwicklung. Danke. Nächster Redner ist der Kollege Arnold Vaatz, CDU/ SU-Fraktion. Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Meine sehr verehr en Damen und Herren! Wir sollten nun zur Sachlichkeit urückkehren. Dazu gehört, zunächst einmal zu erwähen, dass wir im Deutschen Bundestag nicht die Enticklungshelfer vor Ort sind. Vielmehr haben wir die ufgabe, die Rahmenbedingungen für deren Einsatz zu chaffen, zu denen der Einzelplan 23 gehört. Arnold Vaatz Wenn wir diesen Einzelplan beschlossen haben, dann gibt es den höchsten Zuwachs, den ein Entwicklungshilfehaushalt jemals im Deutschen Bundestag erfahren hat. Frau Wieczorek-Zeul, ich gratuliere Ihnen dazu. Sie haben enorm daran gearbeitet. Aber Sie müssen natürlich auch zugeben, dass es schon sehr hilft, wenn aus dem Kanzleramt ein bisschen Rückenwind hinzukommt. In der Zeit von Rot-Grün war dies offenbar nicht so einfach möglich. Die Quantität spricht für sich: Ein Aufwuchs von 667 Millionen Euro erhöht den Gesamtetat auf 5,2 Milliarden Euro. Zusammen mit den Mitteln in anderen Bundesressorts steigen die deutschen ODA-Ausgaben auf 9 Milliarden Euro. Das ist eine stolze Summe und ein klares Signal. Auf diese Art und Weise kommen wir unseren internationalen Verpflichtungen Schritt für Schritt nach. Allerdings kann und wird sich unser entwicklungspolitisches Engagement nicht in einer bloßen Erhöhung der Entwicklungshilfegelder erschöpfen. Ich glaube, dass gegenüber Jeffrey Sachs’ Ansatz eines Takeoff infolge einer massiven Zufuhr von ausländischem Kapital große Skepsis angebracht ist. Dieser Zufluss von äußerem Kapital muss in den Zielländern gerade nicht den erwünschten dauerhaften Wachstumsschub auslösen. Wenn lediglich die in einem Land zirkulierende Geldmenge erhöht wird, aber sich sonst nichts ändert, bedeutet das nichts anderes, als dass die Inflation in diesen Ländern angeheizt wird. Das dürfen wir nicht zum Preis der Verschuldung im deutschen Staatshaushalt erkaufen. Aus diesem Grunde müssen wir an dieser Stelle Vorsicht walten lassen. Inflation in armen Ländern schädigt die Ehrlichen und Armen mehr als die Reichen und Korrupten. Das muss man so feststellen. Entscheidend wird sein – Frau Ministerin, hier haben Sie unsere uneingeschränkte Unterstützung –, wie effizient und effektiv das EZ-Geld eingesetzt wird. Darüber sind wir dem Steuerzahler Rechenschaft schuldig. Wir werden ihm auch Rechenschaft ablegen. Das Rechnungshofgutachten ist in Auftrag gegeben. Um die öffentliche Akzeptanz unserer Entwicklungshilfe auch in Zukunft zu sichern, halte ich es für sehr richtig, dass dieser Sperrvermerk bis zu dem Zeitpunkt erhalten bleibt, an dem das Gutachten des Bundesrechnungshofes vorliegt, damit wir uns auf sicherem Terrain befinden, was die Effizienz unseres Mitteleinsatzes betrifft. (Beifall bei der CDU/CSU – Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Provinziell ist das! Kleinkariert! – Gegenruf des Abg. w m s F s a m W d h h d A r d s f b w Z g d s d k D R z A f i I d G d v (C (D Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Herr Kollege Vaatz hat doch recht!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612912900

(Beifall bei der CDU/CSU)

Arnold Vaatz (CDU):
Rede ID: ID1612913000




(A) )


(B) )


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU)


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Hört! Hört!)


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Hört! Hört!)


Die Budgethilfe ist in den letzten Jahren stark ausge-
eitet worden, Frau Koczy. Gerade diese Tatsache
acht es notwendig, zweifelsfrei ihre Wirkungen zu be-

chreiben, damit der Bürger das nachvollziehen kann.
rau Hoffmann, ein internationaler Trend ist gut und
chön,


(Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was heißt hier „Trend“?)


ber er ist kein Argument dafür, etwas uneingeschränkt
itzumachen. Deshalb mahne ich: Gemach, gemach!
ir wollen Effizienz, und wir wollen, dass denjenigen,

ie von uns Geld erhalten, maximale Hilfe zuwächst.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es ist im Übrigen auch falsch, Budgethilfe als ein in-
altliches Thema zu betrachten. Ich glaube, die Budget-
ilfe ist letzten Endes eine Verfahrensweise. Wir dürfen
och nicht den Weg mit dem Ziel verwechseln.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Genau!)


us diesem Grund sollten wir rational an das Thema he-
angehen. In der Öffentlichkeit wird oftmals kritisiert,
ieser Sperrvermerk hindere beispielsweise die Unter-
tützung Südafghanistans. Dieser Satz ist gleich in drei-
acher Hinsicht falsch. Denn erstens ist die Budgethilfe
ei weitem nicht das einzige Instrument, das wir dort an-
enden.


(Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber ein sehr wichtiges! Das ist eines der zentralen Instrumente!)


weitens bedeutet gerade die Budgethilfe die Übertra-
ung von Verantwortung an die lokale Regierung. Wenn
ie Regierung entscheidet, sie nicht in Südafghanistan,
ondern irgendwo anders in Afghanistan einzusetzen,
ann müssen wir das ebenfalls akzeptieren. Sie ist eben
ein zielgenaues Förderinstrument.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


rittens hat sich der Haushaltsausschuss durchaus das
echt vorbehalten, in dringenden Fällen die Sperre auf-
uheben.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das ist sein gutes Recht, Kollege Vaatz! Wir nehmen nur das Haushaltsrecht wahr!)


uch das halte ich für richtig, weil man auf diese Weise
lexibel bleibt. Wir haben das gut gemacht.

Wir sollten, wie gesagt, sehr genau überlegen, wie wir
n Zukunft multilaterale Instrumente einsetzen.

Im Zusammenhang mit Afghanistan betrachte ich
hre Totalkritik an der Afghanistan-Politik als absolut
eplatziert, Frau Hänsel, und zwar aus folgendem
rund: Sie ist friedensfeindlich, weil sie die Argumente
er Terroristen anheizt und diese ermutigt, den Krieg
erschärft fortzuführen.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr wahr!)







(A) )



(B) )


Arnold Vaatz
Solche Argumente entfesseln erst die Kämpfe dort,


(Widerspruch bei der LINKEN)


und sie tragen dazu bei, dass das Leben von deutschen
Entwicklungshelfern und Soldaten gefährdet statt gesi-
chert wird.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)


Auch unser Drängen auf Good Governance haben
wir schon mehrfach beteuert, und dabei soll es auch blei-
ben. Wir müssen von unseren Zielländern erwarten, dass
es tatsächlich eine klare Ausrichtung auf Good Gover-
nance gibt, dass die Länder reformwillig und reformfä-
hig sind und dass die Ursachen, die zu den Entwick-
lungsnachteilen geführt haben, sich nicht immer weiter
verfestigen. Das muss das Kernziel unserer Entwick-
lungspolitik sein.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Frau Ministerin, es ist notwendig, noch kurz auf die
Reformvorhaben in Ihrem Ministerium einzugehen. Ich
halte das für sehr wichtig. Wir müssen die Vorfeldreform
vorantreiben. Das bedeutet, dass wir das ernst nehmen,
was uns dazu geraten worden ist. Ich darf dazu an das
Rechnungshofsgutachten erinnern. Ich halte es für sehr
wichtig, dass die TZ organisatorisch bereinigt wird und
zunächst GTZ, InWEnt, DED und CIM zusammenge-
führt werden. Wenn wir das vollzogen haben, müssen
wir als Nächstes überlegen, wie wir FZ und TZ stärker
miteinander verzahnen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Dabei haben Sie unsere volle Unterstützung, Frau Minis-
terin.

Auf uns wartet ein interessantes neues Jahr. Ich
denke, wir können in dieser Legislaturperiode zusam-
men noch sehr viel erreichen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612913100

Ich gebe das Wort dem Kollegen Alexander Bonde,

Bündnis 90/Die Grünen.


Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612913200

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Im Saal hier merken wir alle, was es an unterschiedli-
chen Konzeptionen gibt und was auch an Streit innerhalb
der Koalition, zwischen den Koalitionsfraktionen und
dem Haus, zwischen dem Haushaltsausschuss und dem
Fachministerium in der Luft liegt. Uns als Grünen ist es
wichtig, Ihnen an dieser Stelle das Signal zu geben: Wir
müssen schon aufpassen, dass wir bei technischen Fra-
gestellungen und inhaltlichen Bewertungen, bei denen
wir auseinanderliegen, nicht Schäden anrichten, die in
der Dimension über das hinausgehen, was tatsächlich
Streitwert ist.

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(C (D (Beifall der Abg. Ute Koczy [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Ich will in diesem Zusammenhang die Bundesregie-
ung auffordern, der Forderung des Haushaltsausschus-
es schnell nachzukommen, was den Bericht zu den Eva-
uationsmöglichkeiten in Bezug auf freiwillige Beiträge
n internationale Organisationen angeht, damit die Irrita-
ionen schnell aus der Welt geschafft werden


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Davon gehen auch wir aus!)


nd wir die Möglichkeit haben, dieses wichtige Instru-
ent für humanitäre Hilfe, Konfliktprävention, multila-

erale Entwicklungszusammenarbeit und vieles andere
nzuwenden. Gerade dann, wenn man, wie wir Grüne,
uf multilaterale und internationale Organisationen setzt,
uss man ein Interesse daran haben, mit geklärten Eva-

uationsverfahren inhaltlich bewerten zu können, was
assiert. Wir erwarten von Ihnen also, dass Sie den be-
echtigten Forderungen aus dem Parlament jetzt zügig
achkommen und damit die unschöne Situation been-
en.

Erfreulich in diesem Einzelplan ist natürlich die Auf-
tockung um 667 Millionen Euro. Sie machen damit – das
estehen auch wir aus der Opposition Ihnen gerne zu – ei-
en guten Schritt in Richtung der Einhaltung der Ver-
flichtungen, was die ODA-Ziele angeht. Sie kommen
amit aber natürlich nicht an die Dimensionen heran, die
ie eigentlich bräuchten, um die Verpflichtungen zu er-
üllen, und das wissen Sie auch.


(Beifall der Abg. Ute Koczy [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


enn wir das mit dem Einzelplan 14 vergleichen, den
ir vorher diskutiert haben, stellen wir fest: Dort reden
ir über fast das Doppelte dessen, was hier mobilisiert
erden konnte. Nichtsdestotrotz, das schmälert die Be-
eutung dieses Schrittes nicht.

Eine Sorge wollen wir bei dieser Diskussion sehr
eutlich formulieren. Dieser Aufwuchs ist wie der ganze
aushalt der Koalition dem Surfen auf einer guten Kon-

unkturwelle geschuldet. Die Frage ist: Woher kommen
igentlich die Mittel, um den Stufenplan zu erfüllen,


(Otto Fricke [FDP]: Aus der Verschuldung!)


enn die Konjunktur einmal nicht mehr in dieser Di-
ension zusätzliche Steuereinnahmen generiert?

Ich will deshalb die neuen Finanzierungsinstru-
ente anmahnen, etwa die Ticket-Tax, das französische
orbild. Selbst die CDU in Baden-Württemberg hat sie

nzwischen zur Forderung erhoben; von dort hätten wir
as als Letztes erwartet.


(Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr schön! – Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]: Was sagt denn Oswald Metzger?)


ch glaube, dass in diesem Bereich eine deutliche Bewe-
ung der Koalition ansteht, weil Sie genau wissen, dass
ie Ziele, denen wir uns gemeinsam zu Recht verschrie-






(A) )



(B) )


Alexander Bonde
ben haben, aus dem Bestehenden nicht erreicht werden
können.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Die Ticket-Tax ist deshalb besonders spannend, weil sie
noch bei einer zweiten wichtigen Thematik eine Len-
kungswirkung entfalten kann, nämlich beim Klima-
schutz. Sie ist ein klassisches Win-win-Instrument.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Ticket-Tax? Wir sind doch im Deutschen Bundestag!)


Tatsache ist, dass der Klimaschutz eine der großen He-
rausforderungen für Ihr Haus darstellt, sehr geehrte Frau
Ministerin.

Das UNDP schreibt in dem Bericht über die mensch-
liche Entwicklung – wir haben es gelesen –, der Klima-
wandel habe in bisher unbekanntem Maß Auswirkungen
für den Kampf gegen die Armut. Sie haben diese These
in vielen Medienberichten unterstützt.

In dem Haushaltsplan, über den wir heute diskutieren,
wird dieser Schwerpunkt allerdings nicht gesetzt. Sie
können nicht einmal benennen, an welchen Stellen ei-
gentlich zum Klimaschutz beigetragen wird. Unsere
Anfrage, in welchem Umfang Ihr Haushalt zu Klima-
schutzmaßnahmen beiträgt und in welchem Umfang zu-
sätzliche Mittel in diesem Bereich zur Verfügung gestellt
werden, blieb unbeantwortet, weil Ihr Haus nicht einmal
in der Lage war, zu identifizieren, was innerhalb der Ent-
wicklungszusammenarbeit in diesem Bereich passiert.
Insofern haben Sie die Aufgabenstellung, den Beitrag,
den die Entwicklungszusammenarbeit für den Klima-
schutz leistet, zu definieren und die in den Medien pro-
pagierte Schwerpunktsetzung in Maßnahmen und im
Mitteleinsatz zu konkretisieren.

Natürlich spielt unsere Interaktion mit den Schwel-
lenländern, denen als Emittenten eine entscheidende Be-
deutung bei der Frage zukommt, ob wir unsere Klimare-
geln einhalten können, die wir uns gemeinsam auf
internationaler Ebene setzen, eine große Rolle. Auch da
werden Sie mit uns in den nächsten Wochen und Mona-
ten und bei der Aufstellung eines nächsten Haushaltes
sehr viel intensiver über die Verantwortung, die Ihr Haus
im Bereich des Klimaschutzes hat, diskutieren müssen.

In der gesamten Diskussion über den Klimaschutz
müssen wir leider auch im Bereich der Entwicklungszu-
sammenarbeit, die hierbei eine entscheidende Rolle spie-
len muss, sagen: Da hat diese Bundesregierung von den
Ankündigungen bis zur Umsetzung der Maßnahmen ihre
Hausaufgaben noch nicht gemacht. Wir werden Ihnen,
Frau Ministerin, da weiterhin sehr genau auf die Finger
schauen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612913300

Das Wort hat die Bundesministerin Heidemarie

Wieczorek-Zeul.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


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(C (D Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für irtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! ch will, weil es mehrfach angesprochen worden ist, ein ort zur sogenannten Budgethilfe sagen, die sehr unter chiedlich ist. Beispielsweise läuft der Weltbankfonds in fghanistan – er wird von der Weltbank kontrolliert und berprüft – unter dem Titel „Budgethilfe“. Ich will an ieser Stelle aber sagen: Getreu dem, was wir in der Kolitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD festelegt haben, fließt Budgethilfe nur an Länder mit einer erantwortlichen Regierungsführung. An korrupte Reime fließt keinerlei Budgethilfe. Da können Sie ganz siher sein. Ich glaube, es ist hier nicht der Ort, um über die Techik im Einzelnen zu diskutieren. Wir alle sind doch der einung, dass die Geber in diesem Bereich kohärenter nd abgestimmter verfahren müssen. Ich will Ihnen dazu in Beispiel nennen: In den wirklich armen Ländern, die er Finanzierung bedürfen – Mali, Senegal, Burkina Faso, iger und Tschad –, gibt es rund 600 Entwicklungspro ekte von jeweils unterschiedlichen Gebern. Diese erforern pro Trimester einen Zwischenbericht. Das ergibt 400 Berichte jährlich, die dann den jeweils zuständi en Ministerien in dem betreffenden Land vorgelegt erden müssen. Es kommen 1 000 Missionen hinzu, die as evaluieren. Ehrlich gesagt, das Ziel muss doch sein, ass die Mittel in diesen Ländern schnell zur Armutsbeämpfung eingesetzt werden. Es kann doch nicht sein, ass eine Zersplitterung stattfindet und den Ländern zuätzliche Verwaltungsarbeit entsteht. Deshalb ist es notendig, andere Instrumente zu entwickeln. Das ist unter nderem die Budgethilfe, aber nur unter anderem. Damit wollte ich einfach einmal deutlich machen, orum es geht. Es geht darum, Schwierigkeiten zu vereiden, und zwar im Interesse der Menschen in den be roffenen Ländern. Es geht nicht um die Technik im Einelnen. Ich bin der EKD für ihre neue Denkschrift dankbar, n der zum Ausdruck gebracht wird: Wirksame Friedensolitik heute heißt: Abbau von Gewalt, Ausbau der interationalen Rechtsordnung, die Förderung weltweiter soialer Gerechtigkeit. Es wird auch gesagt, dass die ntwicklungspolitik in diesem Zusammenhang eine zen rale Rolle spielt. Ich bin allen Kollegen für deren Unterstützung dankar, übrigens auch den Kollegen der FDP. Herr önigshaus, das Ringen mit Ihnen hält ja jung, wie Sie ir dankenswerterweise einmal gesagt haben. (Heiterkeit und Beifall bei der SPD, der CDU/ CSU und der FDP)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


(Beifall bei der SPD)


nsofern halten Sie mich immer in Aktion; das ist okay.


(Dr. Werner Hoyer [FDP]: Wer hätte das gedacht!)


Ja, wer hätte das gedacht; aber so ist es.






(A) )



(B) )


Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
Wir sind ja alle der Meinung, dass Entwicklungszu-
sammenarbeit im 21. Jahrhundert eine wichtige Form
der Friedenspolitik ist. Es lohnt sich, sich dafür zu en-
gagieren, und es ist wunderbar, dass wir die Mittel insge-
samt so deutlich aufgestockt haben. Wir halten nämlich
Wort, Frau Hänsel. Sie haben gesagt, dass die Ergebnisse
von Heiligendamm mager gewesen seien und dass es
kein Follow-up gegeben habe. Ich bin dafür, dass die
Aufstockung der Mittel ehrlich zur Kenntnis genommen
wird. Wir haben gesagt, dass es für Official Develop-
ment Assistance 750 Millionen Euro mehr geben wird,
und das setzen wir in diesem Haushalt um.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


Nehmen Sie das doch zur Kenntnis! Das ist mehr – das
sage ich ausdrücklich –, als es in den Jahren zuvor je-
mals gab, und es ist die höchste Steigerung. Diese ist
aber – das sage ich in Richtung aller Kolleginnen und
Kollegen – in den nächsten Jahren durchaus übertreffbar.
Wir haben ja das Ziel, bis 2010 einen Anteil der Ent-
wicklungshilfe von 0,51 Prozent am Bruttosozialprodukt
zu erreichen.

Zweitens wurden in Heiligendamm 60 Milliarden
Dollar für die Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria
und Tuberkolose zugesagt. In Anwesenheit von Kofi
Annan und mit seiner Unterstützung haben wir im Sep-
tember dieses Jahres 10 Milliarden US-Dollar für die
Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose
eingeworben. Wir halten also Wort und setzen das prak-
tisch um, was wir beschlossen haben. Bitte nehmen Sie
das einfach zur Kenntnis!

Jetzt geht es auch darum, dass wir in Bali Wort hal-
ten. Sie haben das hier angesprochen, Herr Bonde. Alle
Informationen vom Weltklimarat und von der UN-Ent-
wicklungsorganisation, die gestern ihren Bericht vorge-
legt hat, machen deutlich, dass der Klimawandel die An-
strengungen zur Verringerung der Armut dramatisch
beeinträchtigen kann und die menschliche Entwicklung
langfristig und in manchen Bereichen auch kurzfristig
bedroht. Von der Zunahme klimabedingter Katastrophen
von 2000 bis 2004 waren – das macht dieser Bericht
deutlich – über 262 Millionen Menschen betroffen, da-
von 98 Prozent in den Entwicklungsländern. Sie tragen
also die Hauptlast des Klimawandels. In dem Bericht
wird das so beschrieben: Wenn die Menschen in der sich
entwickelnden Welt pro Kopf im gleichen Maße CO2-
Emissionen produziert hätten wie die Menschen in Nord-
amerika, so brauchten wir die Atmosphäre von neun Pla-
neten, um mit den Konsequenzen fertig zu werden.

Die Europäische Union hat heute 500 Millionen Euro
an kostengünstigen Krediten für China zur Verfügung
gestellt. Die politische und wirtschaftliche Zusammen-
arbeit mit den großen Schwellenländern – Brasilien,
Indien, China – ist von strategischer Bedeutung. Das
wurde auch vonseiten der Weltbank durch Präsident
Zoellick unterstrichen.


(Beifall des Abg. Detlef Dzembritzki [SPD])


Ich will das noch einmal sehr deutlich machen. Barroso
hat gesagt, das ist auch eine Frage des Überlebens. Ich
sage an die Adresse der FDP: Der Weitblick von

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(C (D oellick und Barroso sollte für Herrn Westerwelle Anass sein, seine eigene Blindheit in Bezug auf unseren tat zu überwinden. Die Empfehlungen von Westerwelle und der FDP käen Deutschland teuer zu stehen. Jede Woche nimmt hina ein Kohlekraftwerk in Betrieb. Die CO2-Emissioen müssen aber gering gehalten werden, in unserem eienen Interesse. Deutsche Firmen haben da ein riesiges now-how und sind auf dem chinesischen Markt wunerbar positioniert. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


assen Sie uns also zu einer Win-win-win-Situation bei-
ragen: Wir tun etwas für den Klimaschutz, wir tragen
azu bei, dass die CO2-Emissionen in China gemindert
erden, und wir tun etwas für deutsche Unternehmen.
a sind Sie doch auch sonst nicht so pingelig. Seien Sie
och froh, dass ich endlich auch in diesem Bereich aktiv
nterstützung leiste!


(Beifall bei der SPD)


Hier wird nichts verschenkt. Manchmal habe ich das
efühl, dass das – von manchen, nicht von allen in der
DP – nur vorgeschoben wird, um davon abzulenken,
ass sich die FDP von dem 0,7-Prozent-Ziel bei der Ent-
icklungspolitik entfernt hat.


(Hellmut Königshaus [FDP]: Das ist doch Unsinn! Sie haben doch alles mitgetragen!)


eshalb versucht man, die Entwicklungspolitik madig
u machen.

Zum Haushalt. Herr Bonde, kein Ministerium trägt
tärker zum globalen Klimaschutz bei als mein Haus:


(Otto Fricke [FDP]: Was? Das wird der Umweltminister aber anders sehen! Wenn das Herr Gabriel hört!)


uf bilateraler Ebene stellen wir rund 800 Millionen
uro zur Verfügung. Multilaterale Projekte fördern wir
it weiteren 100 Millionen Euro. In Afrika unterstützen
ir die Förderung der erneuerbaren Energien – kosten-
ünstig – mit 20 Millionen Euro. Insbesondere in Afrika,
as die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels
u spüren bekommt, das für den Klimawandel zwar in
einer Weise verantwortlich ist, aber die Konsequenzen
ragen muss, müssen die erneuerbaren Energien geför-
ert werden.

Zum Klimagipfel in Bali. Weltbankpräsident
oellick und ich werden in Bali präsent sein, um deut-

ich zu machen, dass die Fragen, die dort erörtert wer-
en, auch mit Entwicklungspolitik zu tun haben. Es darf
och nicht sein, dass ein Teil der Entwicklungsländer
ute und weitgehende Regelungen verhindert. Deswe-
en wird die Verknüpfung von Klimaschutz und Ent-
icklungspolitik einer unserer Schwerpunkte sein. Es ist
lar, dass erstens eine radikale Reduzierung der Emissio-
en in den Industrieländern notwendig ist. Zweitens
uss der Ausbau einer nachhaltigen Energieinfrastruk-






(A) )



(B) )


Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
tur in den Entwicklungs- und Schwellenländer unter-
stützt werden. Drittens ist die Unterstützung der Ent-
wicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel
notwendig. Viertens müssen die Entwicklungsländer
beim Schutz von Wäldern unterstützt werden. Man muss
immer wieder daran erinnern, dass die Entwaldung für
einen Anstieg der globalen CO2-Emissionen um rund
20 Prozent verantwortlich ist. Den Wald zu schützen, ist
also ein Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen.
Fünftens wird es um eine innovative globale Finanzar-
chitektur zur Finanzierung von Minderungs- und Anpas-
sungsmaßnahmen gehen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir eine Verbin-
dung von Entwicklungs- und Klimaschutzfragen brau-
chen. Der Klimawandel ist in der Tat die größte Sicher-
heitsgefährdung in diesem Jahrhundert. Deshalb sollten
wir unsere Kräfte im Kampf gegen den Klimawandel,
gegen die Armut und den Hunger bündeln. Ich freue
mich, dass ich eine breite Unterstützung in diesem
Hause habe. Ich danke Ihnen sehr dafür.

Danke sehr.


(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612913400

Nächster Redner ist der Kollege Jürgen Koppelin,

FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Dr. h.c. Jürgen Koppelin (FDP):
Rede ID: ID1612913500

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Frau Ministerin, ich habe mich sehr gefreut, noch ein Ar-
gument zu hören, warum die FDP notwendig ist: um Sie
jung zu halten. Das hat mir sehr gut gefallen. Nachträg-
lich noch einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Ge-
burtstag!

Nach dieser Rede nehme ich Ihnen ab, dass Sie in den
Bereichen, über die Sie hier gesprochen haben, unglaub-
lich engagiert sind. Das wissen wir, und davor haben wir
Respekt. Ich darf aber darauf hinweisen – das fiel mir
bei Ihrer Rede auf –, dass Sie nur von Entwicklungszu-
sammenarbeit sprechen. Der Einzelplan 23 bezieht sich
aber auf den Geschäftsbereich des Bundesministeriums
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.


(Markus Löning [FDP]: Das ist es!)


Die wirtschaftliche Zusammenarbeit kommt bei Ihnen
jedes Mal zu kurz.


(Beifall bei der FDP – Markus Löning [FDP]: Völlig richtig! Entwicklung ist Wirtschaft!)


Der Etatentwurf und die Aufstockungen sind zwar
durchaus zu begrüßen, aber der Etatentwurf hatte eine
Schieflage. Der Kollege Königshaus hat darauf hinge-
wiesen, dass die Schwerpunkte teilweise falsch gesetzt
worden waren. Ich will aber ausdrücklich sagen, dass ich
den Abgeordneten, die in der Koalition für den
Einzelplan 23 zuständig sind, und den Mitgliedern des
Haushaltsausschusses – ich glaube, der Kollege Bonde
war teilweise auch dabei – ausgesprochen dankbar dafür

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(C (D in, dass wir es geschafft haben, den Haushaltsplan ein isschen zurechtzurücken. Das muss man anerkennen. ch denke, das war ein Erfolg. Ich gebe zu, dass die FDP bei der Weltbank gerne etas mehr gestrichen hätte. Worum geht es? Es geht gar icht um die Weltbank. Es geht auch nicht um die andeen internationalen Organisationen. Frau Ministerin, Sie aben gesagt, dass Ihr Ministerium die Berichte erhält. s geht darum, dass das Parlament, dass der Geldgeber das sind wir, nicht die Regierung – besser informiert ird und von diesen Berichten hört. Sonst hat man den indruck, dass man Millionen und Abermillionen Euro orthin gibt und nie eine Resonanz bekommt. Da kann hr Haus noch einiges aufarbeiten, wenn Sie meinen, ass wir da falsch liegen. Aber nach dem bisherigen Inormationsstand hatten wir als Haushaltsausschuss keine enntnisse von diesen Dingen. (Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Machen Sie jetzt Koalitionspolitik, Herr Kollege?)


Nun möchte ich Kollegen Bonde direkt ansprechen.
r sagte, für den Klimaschutz sei zu wenig getan wor-
en. Das mag ja sein. Ich finde aber, dass er eines ver-
isst. Ich fand – ich stehe dazu –, dass zum Beispiel ein
roßes Verkehrsprojekt für Saigon ein Riesenbeitrag
um Klimaschutz ist. Das ist meine Auffassung dazu.


(Ute Koczy [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, Siemens unterstützen!)


Sie haben es noch gar nicht. Das ist dummes Zeug –
ntschuldigung, ich nehme das zurück. Das war ein fal-
cher Zuruf: Das Ganze wird ausgeschrieben, und dann
ird man sehen. An der Ausschreibung kann sich
iemens beteiligen. Warum sollte sich Siemens nicht da-
an beteiligen? Für das korrupte Verhalten von Oberma-
agern sollten die Mitarbeiter von Siemens nicht abge-
traft werden. Das sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Frau Ministerin, Sie haben die Zusammenarbeit mit
hina angesprochen. Warum gilt das, was Sie für China

agen, nicht auch für andere Länder? Da sind Sie radikal
nd sagen: Bei Vietnam kommt das nicht infrage. – Bei
hina kommt es infrage. Das müssen Sie uns einmal er-
lären. Sie können uns Berichterstatter ja gerne einmal
inladen; das gab es noch nicht.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das macht jetzt Herr Glos!)


ch würde das Angebot annehmen. Dann könnten Sie
ns erklären, warum Sie das so einseitig sehen.

Es gibt etwas, das Sie überhaupt nicht mehr erwäh-
en. Ich habe das auch in meinem letzten Beitrag gesagt.
ch bin auf Ihrer Seite, wenn es um die Konzentration
n der Entwicklungshilfe geht. Ich glaube, dass wir uns
n vielen Etats verzetteln. Der eine weiß nicht, was der
ndere tut. Ich hoffe, dass es zumindest Abstimmungen
ibt. Alle Ministerien, die mit dem Bereich Entwick-
ungshilfe zu tun haben, müssen wieder einmal zusam-






(A) )



(B) )


Jürgen Koppelin
menkommen. Das fehlt mir. Ihr Ansatz, über die Kon-
zentration der Entwicklungshilfe zu sprechen, war
richtig. Aber dann muss das bitte auch so sachlich ge-
schehen, dass keiner von vornherein den Eindruck hat,
dass es das Ziel sei, dass seine Organisation auf jeden
Fall zerschlagen werden soll.

Ich bin dankbar, dass wir da als Haushaltsausschuss
mithilfe des Rechnungshofes geblockt haben. Frau Mi-
nisterin, ich will nicht zu sehr in die Tiefe gehen, aber
Sie brauchen nur heute die Zeitungen aufzuschlagen,
dann sehen Sie, in welch schwieriger Situation im Au-
genblick die KfW ist. Sie haben gedacht, Sie könnten
der GTZ die KfW zuschlagen. Ich bin sehr froh, dass wir
da geblockt haben. Ich weiß nicht, wie die Diskussion
sonst weitergegangen wäre.

Ich gebe offen zu: Ich und die FDP haben einen um-
fangreichen Wunschkatalog. Ich könnte mir vieles vor-
stellen. Wir haben einen Antrag gestellt, der mir ein per-
sönliches Anliegen ist – das will ich sagen –: Wie
können wir mit jungen Menschen in den Entwicklungs-
ländern digitale Solidarität – so haben wir das genannt –
haben, damit sie Zugriff auf Informationsquellen bekom-
men? Dies steht auf dem Wunschzettel. Da könnte man
noch mehr machen; es ist eine Empfehlung.

Auch Demokratisierung halte ich für dringend gebo-
ten. Wir dürfen da nicht nachlassen und müssen unsere
ganze Kraft mit der GTZ und wem auch immer einset-
zen. Wie gesagt: Unser Wunschkatalog ist umfangreich.
Vielleicht haben wir einmal Gelegenheit, über all diese
Dinge zu sprechen. Darüber würde ich mich freuen.

Die Schieflage dieses Etats ist geblieben. Vieles ist
verbessert worden, aber die Schieflage ist geblieben.
Frau Ministerin, suchen Sie den Kontakt zum Parlament
und zum Haushaltsausschuss. Vielleicht läuft dann zu-
künftig das eine oder andere besser. Ich bin – das will ich
ganz offen sagen, auch wenn wir dem Etat nicht zustim-
men – den beiden Abgeordneten der Koalition im Haus-
haltsausschuss dafür dankbar, wie sie mit der Opposition
eingebunden gearbeitet haben. Der Beifall bei den Sozi-
aldemokraten hat gezeigt, dass Sie dieses Ergebnis in-
zwischen akzeptieren.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Steffen Kampeter [CDU/ CSU]: Sehr gut!)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612913600

Das Wort hat die Kollegin Sibylle Pfeiffer, CDU/

CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Sibylle Pfeiffer (CDU):
Rede ID: ID1612913700

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ein Blick auf den Einzelplan 23 des Haushaltes für das
Jahr 2008 bedeutet für mich Dreierlei: erstens Dank,
zweitens Freude und drittens Nachdenken. Danken
möchte ich zunächst einmal im Namen der Kollegen aus
der Arbeitsgruppe AWZ der CDU/CSU-Bundestagsfrak-

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(C (D ion, aber auch im Namen aller den Helfern und Mitareitern der Durchführungsorganisationen, den NGOs nd der Bundeswehr, allen, die für uns vor Ort in vielen ändern der Welt ihre Arbeit verrichten. Ich denke, ihen gehört unser aller Dank. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)


Entwicklungspolitik umfasst einen Bogen von welt-
eiter Solidarität mit den Ärmsten der Welt bis hin zu
erechtfertigtem Eigeninteresse. Der indische Wirt-
chaftswissenschaftler Coimbatore Prahalad sagte
ierzu:

Wer in den ärmsten Teil der Weltbevölkerung in-
vestiert und dabei Rendite erzielt, hilft nicht nur
sich, sondern auch den Armen.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


Zweitens. Freude empfinde ich, weil der Haushalt des
MZ von allen Ressorts den größten Zuwachs zu ver-
eichnen hat. Das ist gut so; denn der Entwicklungspoli-
ik kommt eine wachsende Bedeutung zu. Entwicklungs-
olitik ist Teil der Außenpolitik und der Verteidigungs-
nd Sicherheitspolitik. Sie ist Innenpolitik und Friedens-
olitik. Diese wachsende Bedeutung wird anerkannt und
erdeutlicht. Sie spiegelt sich in diesem Haushalt wider.

Freude empfinde ich auch darüber, dass die Erhöhung
er Mittel für meine Begriffe und nach Auffassung der
itglieder der Arbeitsgruppe AWZ der CDU/CSU-Bun-

estagsfraktion an einigen richtigen und wichtigen Posi-
ionen vorgenommen wurde, unter anderem bei Kirchen
nd Stiftungen. Das sind zwei ausgesprochen wichtige
kteure der deutschen EZ. Freude empfinde ich als zu-

tändige Berichterstatterin auch über den Mittelauf-
uchs beim Global Fund und beim UNFPA.

Mein dritter Punkt heißt: Nachdenken. Wenn ein
aushalt vorliegt, fordert das geradezu zum Nachdenken
eraus: zum Nachdenken über Strukturen, über Prioritä-
en, über regionale und sektorale Schwerpunkte und über
inen sinnvollen, effizienten und kohärenten Einsatz der
ittel.

Es ist prima, dass die Gebergemeinschaft dem Global
und jetzt so viel Geld für den Kampf gegen HIV/Aids,
uberkulose und Malaria zur Verfügung gestellt hat.
an muss sich allerdings genau überlegen, welche Ver-
endung die enormen zusätzlichen Mittel finden. Ich
offe, dass die Vergabekriterien nicht aufgeweicht wer-
en, um einen schnelleren Mittelabfluss zu ermöglichen.
as wäre fatal, handelt es sich hierbei doch um eine
uasi-Budgetfinanzierung. Meines Wissens hat das
oard des GFATM aber jüngst beschlossen, mehr Mittel

ür Aufklärung und Verhütung, für Genderprojekte, für
ie sexuelle und reproduktive Gesundheit und für die Fa-
ilienplanung zur Verfügung zu stellen. Dies begrüße

ch ausdrücklich. Das ist der richtige Weg.

Ich bin sehr froh, dass die Große Koalition die Mittel
ür den UN-Bevölkerungsfonds erhöht hat. Gerade im
ereich der Frauengesundheit leistet der UNFPA se-
ensreiche Arbeit – ein sichtbares Zeichen, dass die






(A) )



(B) )


Sibylle Pfeiffer
Stärkung der Frauen ein wichtiger Bereich unserer Ent-
wicklungspolitik ist.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Nachdenken sollten wir auch über Folgendes:
Deutschland gibt viel Geld für multilaterale Organisatio-
nen aus, vor allem für die Bekämpfung von HIV/Aids.
Deshalb stellt sich für mich die Frage, ob wir beim
Thema „Gesundheit in den Entwicklungsländern“ in un-
serer bilateralen Zusammenarbeit einen anderen bzw. ei-
nen weiteren Schwerpunkt setzen sollten. Ich meine da-
mit die sogenannten vernachlässigten Krankheiten wie
Lepra, die Schlafkrankheit, die Flussblindheit und das
Dengue-Fieber.

70 Prozent der weltweit 600 Millionen behinderten
Menschen leben in den Entwicklungsländern. Die wirt-
schaftlichen Folgen von Krankheiten und Epidemien
spielen dort eine große Rolle. Die Armutsbekämpfung
ist für das Erreichen der MDGs wichtig. Der Erfolg oder
Misserfolg der Entwicklungszusammenarbeit wird am
Erreichen der MDGs gemessen. Dem Thema Gesundheit
kommt dabei eine sehr große Bedeutung zu; schließlich
beziehen sich drei der sechs Ziele auf dieses Thema.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Aufwuchs im
Haushalt des BMZ ist sehr erfreulich, bedeutet aber eine
noch größere Verantwortung. Wir müssen daran arbei-
ten, in unserer bilateralen Zusammenarbeit noch mehr
Effizienz und Kohärenz zu erreichen. Dies erfordert
mehr Sorgfalt bei der Mittelverwendung und klarere
Schwerpunktsetzungen.


(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612913800

Ich gebe das Wort dem Kollegen Hüseyin Aydin,

Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN – Jürgen Koppelin [FDP]: Es lebe die Weltrevolution!)



Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612913900

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Etat

des Entwicklungshilfeministeriums soll im Jahre 2008
um über 14 Prozent steigen. Das ist kein Grund zum Ju-
beln.


(Otto Fricke [FDP]: Ach nein?)


Das ist überfällig.


(Otto Fricke [FDP]: Was? Sagen Sie bloß!)


Denn der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttoin-
landsprodukt liegt real bei 0,27 Prozent.


(Dr. Karl Addicks [FDP]: Das stimmt doch gar nicht! Das müsst ihr noch einmal ordentlich nachrechnen!)


In Schweden liegt er bei über 1 Prozent. Deshalb muss
die schwedische Regierung diesen Wert im Gegensatz
zur Bundesregierung, die die eigene Entwicklungshilfe-
bilanz um über ein Drittel aufbläht, nicht schönreden.

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(C (D In der Frankfurter Rundschau war zu Recht von eiem großen Bluff die Rede. So werden hierzulande ängst abgeschriebene Altschulden des Saddam-Regimes erbucht, ohne dass damit heute ein einziger zusätzlicher uro im irakischen Haushalt zur Verfügung stünde. Noch absurder: Wenn sich ein in Deutschland lebener Tunesier an der Ruhr-Universität Bochum inschreibt, dann erscheint auch das in der Bilanz der undesregierung als erfolgreiche deutsche Entwick ungshilfe. Wir sprechen hier nicht von Peanuts. Insgeamt werden 750 Millionen Euro als sogenannte Stuienplatzkosten verbucht. Nur eine Minderheit unter den eberländern der OECD macht von diesem Trick Gerauch. Länder wie Großbritannien oder Schweden verichten ganz darauf. Die deutsche Regierung aber ist in iesem Zusammenhang Spitze. Liebe Ministerin, ist eine olche Rechenführung Ausdruck einer guten Regieungsführung, wie wir sie von afrikanischen oder andeen Ländern verlangen? Die Linke sagt: Entwicklungspolitik muss mehr als ine PR-Veranstaltung und auch mehr als Wirtschaftspoitik sein, Herr Koppelin. Sie muss sich daran messen assen, ob sie zur Erreichung der Millenniumsziele in en armen Ländern beiträgt. Entgegen allen Beteuerunen kommen wir gerade in diesem Bereich nur sehr unleichmäßig voran. Wir werden im Jahre 2015 feststelen: Wir haben die Ziele nicht erreicht. Ich nenne einige Zahlen für den Haushaltsplan 2008: ie Aufstockung des multilateralen globalen Fonds zur ekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria wurde ereits erwähnt. Sie wird von uns voll unterstützt. Frau inisterin, Sie können sich sicher sein, dass die Linke ie bei der Erreichung der Ziele und auch bei der Umsetung tatkräftig unterstützt. Die Zusagen für Gesundheit innerhalb der bilateralen usammenarbeit sinken von 108 Millionen auf 65 Mil ionen Euro. Grundbildungsvorhaben stagnieren. Selbst ei großzügiger Berechnung kommen wir auf lediglich 20 Millionen Euro. Mittelzusagen bei Wasser und Umelt sinken. Der Zusagerahmen für Wirtschaftsreform nd Marktwirtschaft – Herr Koppelin, in Ihrem Sinne – ingegen verdoppelt sich auf 423 Millionen Euro. Mit er Förderung von nachhaltiger Entwicklung hat das aus nserer Sicht nichts zu tun. iese Zahlen belegen vor allem eines: die tiefgreifende nkohärenz der deutschen Entwicklungszusammenareit. Dies zeigt sich auch im eigenen Hause. Ich spreche von er lange diskutierten Reform der Institutionen. Ja, wir rauchen eine gemeinsame eigenständige Entwicklungsgentur aus GTZ und KfW-Entwicklungsbank. Dahinter tehen sowohl die Fraktionen von SPD und Grünen als uch die Linke. Das können Sie sofort anpacken und umetzen. Es passiert aber nichts. Das Bundesministerium ist ach dem Eingeständnis seines Staatssekretärs zu chwach, um sich gegen die Verselbstständigung der Hüseyin-Kenan Aydin Durchführungsapparate zu behaupten. Das ist aus meiner Sicht ein ganz erbärmliches Schauspiel. Die Linke hat in den Haushaltsberatungen das Ersuchen nach mehr Mitarbeitern im Entwicklungshilfeministerium unterstützt. Ich hoffe, dass wir damit die Position der politischen Führung im Ministerium gegenüber den Bankern in den Durchführungsorganisationen entscheidend stärken. Lassen Sie mich noch eines hinzufügen. Das deutsche Entwicklungshilfeministerium hat kein Monopol auf die Beschönigung harter Interessenpolitik. Die EU-Kommission ist noch schlimmer. Im Vorfeld des EU-AfrikaGipfels in Lissabon redet sie von Partnerschaft. Tatsächlich ist es jedoch reine Erpressung, wenn die EU-Kommissare Mandelson und Michel die Unterzeichnung neoliberaler Marktöffnungsabkommen mit der angedrohten Kürzung von Entwicklungshilfegeldern erzwingen wollen. Im gemeinsamen Strategiepapier mit der Afrikanischen Union lesen wir viel von der Förderung der Investitionsbedingungen in Afrika. Herr Kollege. Doch die überfällige Ratifizierung der Kernarbeits normen der Internationalen Arbeitsorganisation bleibt ein Nichtthema. Herr Kollege. Ich komme zum Schluss. Ich bitte darum. Meine Damen und Herren, ich möchte im Zusammen hang mit dem EU-Afrika-Gipfel auf einen letzten Punkt hinweisen. Nein, Herr Kollege. Heute wird über Nuklearabkommen und über Kern energie in Afrika diskutiert. In Afrika braucht man keine Atomenergie. Dort hat man genug Sonne. Lassen Sie uns die alternativen Energien in Afrika fördern, aber nicht die Kernenergie! S H h s m f z te v S e k lä e u s v E d l J g E C z d m a s a k w e m d k l M d D m b d v r n w A (C (D Ich gebe das Wort dem Kollegen Dr. Sascha Raabe, PD-Fraktion. Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und erren! Wenn man die Redebeiträge der Opposition geört hat – auch den meines in der Sacharbeit im Auschuss durchaus geschätzten Kollegen Herrn Aydin –, uss man in der Tat sagen: Sie haben recht, Herr Aydin, ür Sie, für die Opposition, ist der Haushalt kein Grund um Jubeln. Denn schon in den letzten beiden Jahren hatn wir eine Steigerung von mehr als 300 Millionen Euro, on über 8 Prozent. In diesem Jahr haben wir sogar eine teigerung von 14 Prozent: 750 Millionen Euro mehr gibt s. Es ist richtig: Sie können da nicht jubeln. Aber wir önnen jubeln, und die Menschen in den Entwicklungsndern können sich freuen, dass es uns gelungen ist, so inen Aufwuchs im Haushalt zu bekommen. Das sollte ns alle stolz machen, und das können Sie von der Oppoition nicht schlechtreden. In diesem Sinne sind auch Ihre Zahlenspielereien zu erstehen. In den letzten Jahren haben Sie kritisiert, die ntschuldung von Entwicklungsländern sollte nicht auf ie ODA-Quote anrechenbar sein. Dennoch hat das vieen Kindern in Afrika geholfen, zur Schule zu gehen. etzt nörgeln Sie, dass die Kosten für Studienplätze anerechnet werden. Es gibt aber sehr viele Menschen aus ntwicklungsländern, die froh sind, dass sie bei uns die hance haben, eine Ausbildung zu bekommen, und die um Teil wieder zurück in ihr Heimatland gehen und ort dafür sorgen, dass eine nachhaltige Entwicklung öglich ist. Ich finde, man darf nicht das eine gegen das ndere ausspielen. Alle Instrumente, die wir anwenden, ind sinnvoll. Die Mittel, die wir jetzt haben, werden uch in Zukunft sehr helfen. Natürlich ist es so, dass die 9 Milliarden Euro im ommenden Haushalt, die insgesamt als öffentliche Enticklungszusammenarbeit anrechenbar sein werden, ine Menge Geld sind. Wir brauchen und wollen ja noch ehr, nämlich das Doppelte bis 2015. Da ist zu Recht ie Frage zu stellen, wie man das als Entwicklungspolitier vor den deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahern rechtfertigt. Unser Fraktionsvorsitzender, Peter Struck, hat heute orgen gesagt, er wäre gerne einmal Astronaut, um sich en Blauen Planeten von oben anschauen zu können. ann würde er sich fragen: Was machen wir eigentlich it unserer Erde und mit den Menschen, die auf ihr le en? Warum zerstören wir die Umwelt, warum müssen urch Kriege Menschen leiden, sterben? Warum leben so iele Menschen in Hunger und Armut? Ich glaube, man muss gar nicht ins Weltall fliegen; es eichen ein paar Flugstunden zu unserem Nachbarkontient Afrika. Da sieht man wirklich eine andere Welt. Ich ar, wie viele Kolleginnen und Kollegen in unserem usschuss, in diesem Jahr in Afrika, unter anderem in Dr. Sascha Raabe Kenia, Mosambik und Malawi. Es ist in der Tat gut, Deutschland einmal zu verlassen und einen Blick auf die Welt außerhalb zu werfen. Ganz Afrika mit seiner rund 1 Milliarde Menschen steht nicht mehr Einkommen zur Verfügung als den etwa 20 Millionen Einwohnern von Bayern und Niedersachsen. Wenn wir in Deutschland über Probleme reden – sie sind tatsächlich da –, zum Beispiel sagen, es sei ein Problem für uns, dass wir eine älter werdende Gesellschaft haben, die Rente mit 67 sei ein Problem, und es sei schlimm, dass unsere Kinder eine Lebenserwartung von 95 bis 100 Jahren haben, dann will ich dem entgegnen: Man muss einmal mit den Menschen in Malawi sprechen, wo die Lebenserwartung bei durchschnittlich 39 Jahren liegt. Man erfährt dort Armut und Elend; aber man erfährt auch Hoffnung. Woher kommt diese Hoffnung? Sie kommt aus dem Stolz, dass es in vielen Ländern gelingt, dass die Menschen sich selbst helfen, dass es – das wird oft vergessen, wenn wir nach Afrika blicken – in vielen Ländern positive Entwicklungen gibt. Diese Menschen sagen: Wir wollen etwas verändern, wir wollen die Ärmel hochkrempeln. Es gibt viele gute Entwicklungszusammenarbeitsprojekte von der GTZ, von der KfW, von unseren Durchführungsorganisationen, aber auch von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ich glaube, alle, die wir im Ausschuss sind – egal welcher Partei wir angehören –, haben viele beeindruckende Beispiele erlebt, dass Menschen als Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer ins Ausland gegangen sind, unter schwierigen Bedingungen arbeiten und die Menschen dort aus Hunger und Elend befreien können, ihnen eine Chance geben. Wenn man in die hoffnungsvollen Gesichter dieser Menschen blickt, sieht man, wie sie trotz ihres Elends und ihrer Armut dankbar und froh sind über die Hilfe, die ihnen gegeben wird. Deshalb sollte das nicht schlechtgeredet werden. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)





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(Jürgen Koppelin [FDP]: Wie bitte?)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
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Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612914100
Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612914200
Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612914300
Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612914400

(Jürgen Koppelin [FDP]: Wir auch!)

Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612914500
Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612914600
Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1612914700

(Beifall bei der LINKEN)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612914800
Dr. Sascha Raabe (SPD):
Rede ID: ID1612914900

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


(Zuruf von der LINKEN: Warum denn?)





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(B) )


In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung habe
ich neulich einen Artikel über Rupert Neudeck, der
durchaus seine Verdienste hat, gelesen. Auch Verdienste
in der Vergangenheit rechtfertigen aber nicht einen sol-
chen Schwachsinn, den er da gesagt hat, nach dem
Motto: Was haben 40 Jahre staatliche Entwicklungszu-
sammenarbeit denn überhaupt gebracht?


(Norbert Königshofen [CDU/CSU]: Reden wir über den Haushalt, oder worüber reden wir gerade?)


Man muss sagen: Die Mittel, die wir als Politiker im
Haushalt zur Verfügung stellen, dienen einem guten
Zweck. Sie haben eine Wirkung vor Ort. Ich glaube, wir
müssen deshalb auch bis zum Jahre 2015 weiter dafür
werben, mehr Mittel zu bekommen, damit wir noch
mehr Menschen helfen können.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


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(C (D Auch im Wirtschaftsbereich müssen wir natürlich twas tun; denn es ist klar, dass Menschen nicht allein it Geld aus Hunger und Armut befreit werden. Das gilt owohl für die WTO als auch für die Verhandlungen der uropäischen Union mit den karibischen, afrikanischen nd pazifischen Staaten. Horst Köhler hat neulich in seiner Berliner Rede geagt – ich zitiere –: Zum Beispiel subventionieren die Industriestaaten allein ihren Agrarbereich mit fast einer Milliarde US-Dollar pro Tag. Den afrikanischen Staaten geben sie eine Milliarde Dollar Agrarhilfen – pro Jahr. … Auch Europa errichtet Handelsbarrieren gegen die Entwicklungsländer, überschwemmt sie … mit Lebensmitteln zu Dumpingpreisen und zerstört damit dort die Erwerbsund Lebensgrundlagen der bäuerlichen Gesellschaften. Deshalb bin ich froh, dass wir eine Ministerin haben, ie, seit sie das Ressort übernommen hat, nicht nur die ichtigen Projekte der Entwicklungszusammenarbeit eiter in den Vordergrund stellt und betreibt, sondern uch die globale Strukturpolitik ganz stark nach vorne ückt und sich mit vollem Einsatz im Kabinett kohärent afür einsetzt, dass Deutschland in Europa im Rahmen er Handelspolitik eine andere Rolle spielt. Wenn unsere uropäischen Partnerländer es zuließen, würden wir erne mehr machen. Ich nenne hier einmal die Franzoen und andere agrarlobbyistische Staaten. Wir als Entwicklungspolitiker werden bei den Verandlungen mit den afrikanisch-karibisch-pazifischen taaten federführend dafür sorgen, ein Wirtschaftsabommen auf Augenhöhe und ein partnerschaftlich faires bkommen abzuschließen. Herr Kollege. Ich glaube, dass wir dort auf einem guten Weg sind, enn wir mit diesen Haushaltsmitteln weiterhin gute rojekte direkt unterstützen, aber auch für eine Weltwirtchaft sorgen, in der sich die Menschen selbst fair am andel und an der Wirtschaft beteiligen können. Desalb bitte ich um Unterstützung für diesen Haushalt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Jürgen Koppelin [FDP]: Für was haben Sie jetzt geworben?)

Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612915000
Dr. Sascha Raabe (SPD):
Rede ID: ID1612915100


Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612915200

Ich gebe dem Kollegen Thilo Hoppe, Bündnis 90/

ie Grünen, das Wort.


(Hellmut Königshaus [FDP]: Thilo, jetzt zur Abwechslung aber bitte einmal zum Haushalt! – Jürgen Koppelin [FDP]: Das war gerade ja Lyrik!)







(A) )



(B) )


Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612915300

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Zum Allgemeinen und Grundsätzlichen habe ich in der
ersten Lesung schon einiges gesagt. Deshalb kann ich es
mir jetzt in der Kürze der Zeit erlauben, nur einige Kon-
flikte und Herausforderungen anzureißen, die in der De-
batte bisher zu kurz gekommen sind.

Erstens: Klimaschutz. Die Ministerin hat die Heraus-
forderungen schon treffend dargestellt. Wir stehen kurz
vor der Klimakonferenz von Bali. Ein ganz wichtiger
Bereich ist der Schutz der Tropenwälder. Ich weiß,
dass das auch dem Kollegen Ruck sehr am Herzen liegt.
Um Ihrer Frage zuvorzukommen: Mit dem, was unter
Rot-Grün dort erreicht wurde, bin ich nicht zufrieden.
Da muss noch kräftig draufgesattelt werden.

Sir Nicholas Stern hat es ausgerechnet und beziffert:
Wir brauchen 15 Milliarden Dollar pro Jahr für einen ef-
fektiven Tropenwaldschutz. Das macht deutlich, wie rie-
sig die Herausforderung ist. 20 Prozent der CO2-Emmis-
sionen resultieren allein aus der Zerstörung der
tropischen Regenwälder. Deshalb ist es absolut notwen-
dig, dort sehr viel mehr zu tun. Wir haben das in mehrere
Anträge für einen Klimaschutzhaushalt hineingeschrie-
ben. Wir sehen, dass es ermutigende Ansätze gibt, aber
das reicht bei weitem nicht aus.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Notwendig sind auch Pilotprojekte, damit die finan-
zielle Kompensierung und Honorierung von vermiede-
ner Entwaldung weiterentwickelt werden kann. Dort
steckt der Teufel im Detail, und es ist sehr schwierig, die
richtigen Instrumente zu finden, mit denen keine fal-
schen Anreize geschaffen werden. Die Einbeziehung des
Tropenwaldschutzes in ein Kioto-II-Abkommen und in
den Clean-Development-Mechanism ist notwendig. Hier
muss es viel mehr Rückenwind geben.

Zweitens. Der Bereich Bio- oder Agrartreibstoffe
hängt damit zusammen. Heike Hänsel hat deutlich auf
die negativen Erscheinungen in Indonesien hingewiesen.
Sie sind wirklich himmelschreiend und müssen gestoppt
werden. Daraus kann aber nicht gefolgert werden – für
Indonesien natürlich schon –, die Entwicklung jetzt ein-
fach anzuhalten. Durch ein Moratorium für fünf Jahre
wird das Ganze nicht aufgehalten.

Es ist notwendig, sich jetzt ganz schnell einzuklinken,
mit Hochdruck den Ausbau der Biotreibstoffe mit öko-
logischen und sozialen Leitplanken zu versehen und ein
Zertifizierungssystem hochzuziehen, das nicht nur die
einzelnen Plantagen im Blick hat, sondern auch die Ver-
drängungsmechanismen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Deshalb bin ich sehr froh, dass es nach langer Zeit erst-
mals wieder gelungen ist, für den 23. Januar 2008 eine
gemeinsame Anhörung von drei Ausschüssen – Agrar-
ausschuss, Umweltausschuss und Entwicklungsaus-
schuss – anzusetzen, auf der genau dieses Thema be-
leuchtet werden soll. Hier wird es um die Fragen gehen,
wie die Biotreibstoffe so ausgebaut werden können, dass

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(C (D s nicht zulasten der Hungernden und zulasten des Klias geht, wie Klimaschutzeffekte genutzt werden kön en und welche Leitplanken eingezogen werden müssen. Zum Schluss – die Zeit läuft ab – möchte ich den onflikt ansprechen, der hier immer zwischen den Zei en zum Ausdruck kam. Herr Kollege Koppelin hat ehrfach eingefordert, dass die Ministerin mehr auf das arlament hören und das Parlament ernster nehmen soll. (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Das steht in der Verfassung!)


Ja, natürlich. – Zum Parlament gehört aber nicht nur
er Haushaltsausschuss, sondern natürlich auch der ent-
prechende Fachausschuss.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


n vielen Konfliktpunkten kommen unsere Ausschüsse
u ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Auch das muss
ier einmal diskutiert werden und sollte auch in allen
raktionen offener diskutiert werden.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Einschlägig ist aber der Gesetzesbeschluss vom Freitag, Herr Kollege! Das ist der Auftrag an die Regierung!)


ch nenne einige Konfliktpunkte:

Erstens. Zum Thema Budgetfinanzierung haben wir
ine große Anhörung durchgeführt, die nicht zu dem Er-
ebnis kam, dass dies alles schlecht ist und die Mittel da-
ür gesperrt werden sollten.

Zweitens. Auch beim Thema multilaterale und bila-
erale Entwicklungszusammenarbeit sind wir zu einer
nderen Bewertung gekommen und können die Verteidi-
ung der anachronistischen Zweidrittel-/Eindrittelrege-
ung nicht verstehen.

Drittens. Ich bin der FDP dankbar, dass sie eine An-
örung ansetzen möchte, die sich mit der Frage befasst,
ann Außenwirtschaftsförderung sinnvoll und legitim

st und wann sie Missbrauch von Steuergeldern darstellt,
twa wenn ein einzelnes Unternehmen den Zuschlag be-
ommt.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Jürgen Koppelin [FDP]: Sehr gut!)


enn Sie das genannte Projekt von Siemens als Klima-
chutzmaßnahme verkaufen wollen, muss auf Folgendes
ingewiesen werden: Es wird so oder so realisiert; wenn
icht von Siemens, dann von einem anderen Konsor-
ium.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN und der SPD)


as Vorhaben, Steuermittel dafür aufzuwenden, damit
in deutsches Unternehmen den Zuschlag bekommt, hat
in Vertreter von Transparency International schon ein-
al vorsichtig als Staatskorruption bezeichnet. Ich denke

lso, dass eine Diskussion zwischen Außenwirtschafts-
örderern und Entwicklungspolitikern dringend notwen-
ig ist.






(A) )



(B) )


Thilo Hoppe
Das Ganze wird auch nicht dadurch besser, dass jetzt
ein Neben-Entwicklungsminister, nämlich Herr Glos,


(Dr. Christian Ruck [CDU/CSU]: Glos ist ein guter Mann!)


Projekte der finanziellen Zusammenarbeit am BMZ vor-
bei realisiert. Da möchten wir noch ganz große Fragezei-
chen setzen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612915400

Letzter Redner in dieser Debatte ist der Kollege

Jochen Borchert, CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Jochen Borchert (CDU):
Rede ID: ID1612915500

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und

Kollegen! Ich denke, viel deutlicher als in diesem Haus-
halt hätte das Bekenntnis Deutschlands zu seiner Verant-
wortung für die Bekämpfung der weltweiten Armut und
für die Entwicklungszusammenarbeit nicht ausfallen
können. Die Bundesregierung und die Koalitionsfraktio-
nen haben bewiesen, dass die im Koalitionsvertrag fest-
geschriebenen Ziele weiter im Mittelpunkt ihrer Arbeit
stehen.

Die Mittel für den Einzelplan 23 sind überproportio-
nal gestiegen. Noch nie wurde Entwicklungszusammen-
arbeit so intensiv diskutiert und gefördert. Die Bundes-
kanzlerin nutzt ihren außenpolitischen Einfluss immer
wieder, um sehr nachdrücklich sowohl entwicklungspo-
litische als auch menschenrechtspolitische Akzente zu
setzen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Die Ministerin verfügt heute über einen Etat, der knapp
1,3 Milliarden Euro über dem letzten der alten Bundes-
regierung aus dem Jahr 2005 liegt. Das ist ein Anstieg
von gut 33 Prozent in drei Jahren. Ich halte das für ein
positives Signal. Unkenrufe sind da völlig fehl am Platz.
Sehr geehrte Frau Ministerin, herzlichen Glückwunsch
zu diesem Etat!


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Mehr als 14 Prozent Steigerung im Haushalt 2008,
eine dreieinhalb Mal höhere Wachstumsrate im Ver-
gleich zum Gesamthaushalt, das ist – ich wiederhole
mich gern – ein überaus positives Signal. Damit macht
Deutschland unmissverständlich klar, dass die Betonung
der Entwicklungspolitik kein Lippenbekenntnis ist. Gut
700 Millionen Euro Aufwuchs – das ist alles andere als
ein Lippenbekenntnis. Das ist ein Bekenntnis zu unserer
Verantwortung.

Für den Erfolg von Entwicklungszusammenarbeit ist
ganz entscheidend, dass Sie die Zivilgesellschaft mit
einbinden und sie – auch finanziell – an dem positiven
Trend beteiligen; denn eine gute Öffentlichkeitsarbeit,
die Präsenz dieses Themas in der Gesellschaft ist, wie ich
denke, dem Engagement der zivilgesellschaftlichen Ini-
tiativen geschuldet. Deshalb haben wir bei den diesjähri-

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(C (D en Haushaltsberatungen wieder zugunsten zivilgesellchaftlicher Organisationen umgeschichtet, allerdings in aßen. Denn auch hier muss gelten: Qualität geht vor uantität. Die Mittel müssen sinnvoll eingesetzt werden. ie Planung braucht einen gewissen Vorlauf. Ein plötzli her Geldregen wäre nicht hilfreich. Wenn man sich den Regierungsentwurf des Einzellans ansieht, fällt einem deutlich auf: Die Erhöhung on gut 700 Millionen Euro kommt hauptsächlich vier iteln zugute. Erstens profitieren die Vereinten Nationen davon. Bei en Mitteln für den GFATM gibt es eine Erhöhung um 13 Millionen Euro auf nunmehr 200 Millionen Euro. as ist eine Steigerung um 125 Prozent. Dies zeigt, dass ir unsere Zusagen von Heiligendamm ernst nehmen. ch bin der Ansicht, dass wir unserer Verantwortung bei er Bekämpfung der drei schlimmsten Immunkrankheien – Aids, Tuberkulose und Malaria – damit sehr deutich gerecht werden. Das wird auch zukünftig so sein. ir müssen aber genau hinsehen, wie diese Mittel in den ändern eingesetzt werden und ob der Einsatz wirklich berall zweckentsprechend und effizient ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


enn ein solcher Aufwuchs ist auch für eine Organisa-
ion wie den GFATM nicht leicht zu schultern. Hierauf
erden wir unser Augenmerk richten müssen.

Zweitens. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der
eltbank. Sie ist ein weiterer multilateraler Geber, der

on der Erhöhung profitiert. Hier handelt es sich um
lanmäßige Abrufe unserer Verpflichtungen aus frühe-
en Jahren. Auch hier spiegelt sich das deutsche Engage-
ent in der Entschuldungsinitiative wider.

Neben dem Europäischen Entwicklungsfonds profi-
iert dann auch noch die Finanzielle Zusammenarbeit
it einem Plus von knapp 300 Millionen Euro. Das ist

in Aufwuchs von gut 26 Prozent. Dies ist ein wichtiges
ignal, ein wichtiges Instrument zur Erreichung unserer
ntwicklungspolitischen Ziele. Hier können wir mit bila-
eralen Mitteln ganz gezielt und mit großem Hebel deut-
che Schwerpunkte in der Entwicklungszusammenarbeit
etzen.


Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612915600

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage der

ollegin Koczy?


Jochen Borchert (CDU):
Rede ID: ID1612915700

Aber gern.


Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612915800

Bitte, Frau Koczy.


Ute Koczy (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1612915900

Danke sehr. – Herr Kollege Borchert, Sie sprachen

on einer Erhöhung der Mittel für die Weltbank und dem
nternationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwick-
ung. Nun wissen wir, dass der ursprüngliche Entwurf






(A) )



(B) )


Ute Koczy
der Regierung mehr Mittel vorsah und der Ansatz für die
Weltbank von den Haushältern der Koalitionsfraktionen
um 100 Millionen Euro gekürzt wurde. Wie rechtferti-
gen Sie das vor dem Hintergrund der sechs Herausforde-
rungen, die global bewältigt werden müssen, von denen
Robert Zoellick, der neue Weltbankpräsident, gespro-
chen hat? Er ist ja sogar, weil er wohl schon etwas ahnte,
hierhin gereist, um über dieses Thema zu diskutieren.
Warum haben Sie sich trotz seiner guten Argumente ent-
schieden, die Mittel zu kürzen?


Jochen Borchert (CDU):
Rede ID: ID1612916000

Frau Kollegin, ich habe eben von den Barmittelansät-

zen gesprochen. Diese haben wir nicht verringert. Viel-
mehr gibt es hier einen deutlichen Aufwuchs zugunsten
der Weltbank. Ich denke, dies darf man dann hier auch
ausführlich erwähnen. Das, was Sie ansprechen, sind
Veränderungen bei Verpflichtungsermächtigungen, auf
die ich gleich im Detail eingehen werde. Ich denke, auch
hier haben wir im Haushaltsausschuss eine verantwor-
tungsvolle Entscheidung getroffen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wichtig ist der verantwortungsbewusste Umgang mit
Steuergeldern. Der Bundesrechnungshof prüft bei der
Budgetfinanzierung – genauso wie in anderen Bereichen –,
ob Steuergelder sparsam und effizient eingesetzt werden.
Herr Kollege Hoppe, Sie haben erklärt, dass in der An-
hörung des Fachausschusses zur Budgetfinanzierung
festgestellt worden sei, dass nicht alles schlecht sei. Das
haben wir nicht erklärt. Wir haben im Haushaltsaus-
schuss auch nicht gesagt, dass hier gespart werden soll.
Wir haben lediglich darauf hingewiesen, dass wir die
Prüfung des Bundesrechnungshofes im Bereich der
Budgetfinanzierung unterstützen.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


Denn wir tragen gegenüber dem Bürger die Verantwor-
tung dafür, dass die Mittel effizient eingesetzt werden.
Deswegen haben wir einen Teil der Mittel für finanzielle
und technische Zusammenarbeit bis zur Vorlage des Be-
richtes des Bundesrechnungshofes zur Budgetfinanzie-
rung gesperrt.

Damit die Dimensionen deutlich werden: Bei der fi-
nanziellen Zusammenarbeit sind von 1,4 Milliarden Euro
40 Millionen Euro gesperrt – das sind weniger als 3 Pro-
zent –, und bei der technischen Zusammenarbeit sind
von 730 Millionen Euro 6,5 Millionen Euro gesperrt –
das ist weniger als 1 Prozent.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Ja!)


Wenn dann erklärt wird, die 2007 mit Afghanistan
geschlossenen Regierungsverträge könnten nicht er-
füllt werden, so ist zu sagen, dass die Zusagen von 2007
von dieser Sperre nicht betroffen sind. Ich sehe auch für
die Verhandlungen 2008 keine konkrete Gefahr. Die Re-
gierungskonsultationen werden erst Anfang des Jahres
2008 beginnen. Sollte es wider Erwarten vor der gene-
rellen Aufhebung der Sperre, das heißt vor Februar oder
März – wir werden über die Aufhebung ja im Frühjahr

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(C (D eraten –, zu einem Abschluss der Regierungsverhandungen kommen, so wird der Antrag auf Entsperrung der ittel im Haushaltsausschuss sicher eine genauso große ehrheit finden wie die Zustimmung zur zivilen Hilfe ür Afghanistan hier im Parlament. Aber wir werden Risiken und Chancen und die Rahenbedingungen der Budgethilfe weiter diskutieren üssen. Ich denke, neben dem effizienten Einsatz der ittel müssen die Vorteile der Budgethilfe schon erheb ich sein, wenn wir auf die sonst mögliche Hebelwirkung ei der finanziellen Zusammenarbeit verzichten wollen. Wir haben noch an einer anderen Stelle gesperrt, nämich bei den freiwilligen Beiträgen an internationale Oranisationen. (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schlimm genug!)


(Beifall bei der CDU/CSU)


iese Sperrungen werden aber in Kürze aufgehoben
erden können, und zwar für den Einzelplan 05 und den
inzelplan 23, nämlich dann, wenn sich die Häuser mit
em Bundesrechnungshof über die Art der Evaluierung
eeinigt haben.

Frau Kollegin, Sie haben darauf hingewiesen, dass
urzeit Verhandlungen über die Wiederauffüllung bei der
eltbank laufen. Wir haben die VE von 1,9 Milliarden

m 100 Millionen Euro abgesenkt und diesen Betrag auf
ie technische und finanzielle Zusammenarbeit verteilt.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Mit guten Gründen!)


an muss sehen, dass zu Beginn der Verhandlungen drei
zenarien diskutiert wurden, nämlich eine Aufstockung
on IDA 15 im Vergleich zu IDA 14 um 10,4 Prozent,
0 Prozent oder 30 Prozent. Im März hatte man sich in
aris auf eine Aufstockung um 20 Prozent verständigt.
afür reichen die Verpflichtungsermächtigungen bei ver-
leichbaren Rahmenbedingungen aus, die jetzt im Haus-
alt stehen. Wir werden jetzt abwarten müssen, zu wel-
hen Ergebnissen die Verhandlungen Anfang Dezember
ühren.

Die Verhandlungen erfolgen unter Parlamentsvorbe-
alt.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr gut!)


as ist nicht nur in Deutschland so. Wir wollen die
ichtige Arbeit der Weltbank weiter unterstützen, und
azu gehört natürlich ein ausreichender finanzieller Bei-
rag. Den werden wir auch leisten. Grundlage unserer
ntwicklungspolitik ist aber die Kombination von bilate-

aler und multilateraler Zusammenarbeit. Beide Berei-
he leisten ihren spezifischen Beitrag zur Erreichung der
illenniumsziele.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Ich begrüße, dass die Weltbank in ihrem Weltentwick-
ungsbericht jetzt das Thema ländliche Entwicklung
ieder stärker betont und in den Mittelpunkt rückt. Auch
enn sich hier schon die ersten Kritiker zu Wort gemel-
et haben, so herrscht Einigkeit darüber, dass ländliche






(A) (C)



(B) )


Jochen Borchert

Entwicklung ein Schlüsselfaktor für die nachhaltige Be-
kämpfung von Armut, Krankheit und Hunger ist. Des-
wegen begrüße ich den Trend, der in diesem Bericht
deutlich wird. Wir haben gerade in diesem Bereich einen
großen Hebel zur Bekämpfung des Hungers.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


Ich begrüße den neuen Freiwilligendienst des BMZ,
der im Haushalt mit 25 Millionen Euro finanziert wird.
Wenn wir es jungen Menschen erleichtern, Erfahrungen
in der Entwicklungszusammenarbeit zu machen, dann
werden diese jungen Menschen, die zwischen sechs und
24 Monate als Entwicklungshelfer gearbeitet haben,
wenn wir es richtig anstellen, die besten Botschafter für
die Entwicklungszusammenarbeit sein. Dies ist eine gute
Chance, die Akzeptanz und die Unterstützung in der Be-
völkerung hierfür zu erhöhen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Ich will abschließend auf einen weiteren Beschluss
im Haushaltsausschuss aufmerksam machen. Von vielen
Seiten haben wir immer wieder gehört, dass der Außen-
auftritt des BMZ einheitlicher gestaltet werden müsse

gramme deutlich als Projekte/Programme Deutsch-
lands gekennzeichnet werden. Die Durchführungs-
organisationen sind als solche kenntlich zu machen.

Sehr geehrte Frau Ministerin, ich bedanke mich bei
Ihnen und Ihrem Haus für die intensive Zusammenar-
beit, für die offene, gelegentlich auch kontroverse De-
batte. Ich möchte mich bei meiner Kollegin Iris
Hoffmann sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit be-
danken und danke allen übrigen Berichterstattern für die
konstruktive Zusammenarbeit im Kreis der Berichter-
statter.

Ich darf Sie alle herzlich bitten, dem Einzelplan 23 in
der vom Ausschuss beschlossenen Form zuzustimmen.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)



Dr. h.c. Susanne Kastner (SPD):
Rede ID: ID1612916100

Ich schließe die Aussprache.

Wir kommen zur Abstimmung über den Einzel-
plan 23, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusam-
menarbeit und Entwicklung, in der Ausschussfassung.
und dass selbst die staatliche EZ nicht mit einem ein-
heitlichen Logo auftritt.


(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Eigentlich unglaublich!)


Zuletzt kam dieser Ruf aus dem BMZ selbst. Demnach
lag nichts näher, als genau dies durch einen parlamenta-
rischen Beschluss sicherzustellen. Deswegen haben wir
beschlossen:

Die Bundesregierung wird aufgefordert, in der
staatlichen bilateralen Entwicklungszusammenar-
beit ausschließlich mit einem einheitlichen Logo
nach außen aufzutreten, damit Projekte und Pro-

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er stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Enthaltun-
en? – Der Einzelplan 23 ist mit den Stimmen der Koali-
ion bei Gegenstimmen der Opposition angenommen.

Wir sind damit am Schluss unserer heutigen Tages-
rdnung.

Ich berufe die nächste Sitzung des Deutschen Bun-
estages auf morgen, Donnerstag, den 29. November
007, 9 Uhr, ein.

Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen
bend.

Die Sitzung ist geschlossen.