Protokoll:
17019

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Metadaten
  • date_rangeWahlperiode: 17

  • date_rangeSitzungsnummer: 19

  • date_rangeDatum: 28. Januar 2010

  • access_timeStartuhrzeit der Sitzung: None Uhr

  • av_timerEnduhrzeit der Sitzung: 21:29 Uhr

  • account_circleMdBs dieser Rede
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/19 Tagesordnungspunkt 4: a) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Jahreswirtschaftsbericht 2010 der Bun- desregierung (Drucksache 17/500) . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Jahresgutachten 2009/10 des Sachver- ständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Drucksache 17/44) . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Antrag der Abgeordneten Garrelt Duin, Hubertus Heil (Peine), Doris Barnett, wei- terer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Für eine Politik der wirtschaftli- chen Vernunft – Nachhaltiges Wachs- tum und mehr Beschäftigung schaffen (Drucksache 17/521) . . . . . . . . . . . . . . . . . Garrelt Duin (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulla Lötzer (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Wolfgang Tiefensee (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Heinz Riesenhuber (CDU/CSU) . . . . . . . Rolf Hempelmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Nadine Müller (St. Wendel) (CDU/CSU) . . . Tagesordnungspunkt 5: a) Antrag der Abgeordneten Jutta Krellmann, Sabine Zimmermann, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der 1579 C 1579 D 1579 D 1595 A 1596 C 1597 D 1599 C 1600 D 1602 B 1603 C Deutscher B Stenografisch 19. Sitz Berlin, Donnerstag, de I n h a l Glückwünsche zum Geburtstag des Abgeord- neten Günter Gloser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wahl des Abgeordneten Johannes Röring zum stellvertretenden Mitglied der Parla- mentarischen Versammlung des Europa- rates und der Versammlung der WEU . . . . Wahl der Abgeordneten Dorothee Bär zum stellvertretenden Mitglied des Stiftungsrates der Kulturstiftung des Bundes . . . . . . . . . . Wahl der Abgeordneten Lucia Puttrich in den Beirat der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr . . . . . . . . . . . Wahl des Abgeordneten Torsten Staffeldt als Schriftführer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . R H D S F C D 1579 A 1579 B 1579 B 1579 B 1579 C d) Antrag der Abgeordneten Ulla Lötzer, Dr. Barbara Höll, Matthias W. Birkwald, undestag er Bericht ung n 28. Januar 2010 t : weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Zukunftsprogramm für 2 Millionen Arbeitsplätze (Drucksache 17/470) . . . . . . . . . . . . . . . . ainer Brüderle, Bundesminister BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . r. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . ahra Wagenknecht (DIE LINKE) . . . . . . . . ritz Kuhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . hristian Lindner (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . r. Michael Meister (CDU/CSU) . . . . . . . . . 1580 A 1580 B 1582 A 1583 D 1585 C 1586 C 1588 B 1591 A 1592 C Fraktion DIE LINKE: Lohndumping ver- hindern – Leiharbeit strikt begrenzen (Drucksache 17/426) . . . . . . . . . . . . . . . . 1605 B II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 b) Antrag der Abgeordneten Beate Müller- Gemmeke, Brigitte Pothmer, Kerstin Andreae, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Zeitarbeitsbranche regulieren – Miss- brauch bekämpfen (Drucksache 17/551) . . . . . . . . . . . . . . . . . Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Gabriele Hiller-Ohm (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gitta Connemann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Jutta Krellmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . Ottmar Schreiner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . Gitta Connemann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Ute Kumpf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ottmar Schreiner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Gabriele Molitor (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Josip Juratovic (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) . . . Ulrich Lange (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 22: Antrag der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, Dr. Thomas Gambke, Lisa Paus, weiterer Ab- geordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Grauen Kapitalmarkt durch einheitliches Anlegerschutzniveau überwinden (Drucksache 17/284) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 23: a)–l) Beschlussempfehlungen des Petitionsaus- schusses: Sammelübersichten 8, 9, 10, 11, 12. 13, 14, 15, 16, 17, 18 und 19 zu Petitionen (Drucksachen 17/473, 17/474, 17/475, 17/476, 17/477, 17/478, 17/479, 17/480, 17/481, 17/482, 17/483, 17/484) . . . . . . . . T a b c d e f) g h i) j) k l) Z A n d v B D 1605 B 1605 C 1607 D 1609 D 1610 D 1612 B 1613 B 1614 D 1616 D 1617 D 1619 C 1621 B 1622 D 1623 C 1624 A 1624 C 1624 D 1626 A 1627 B 1628 D 1630 A 1630 B agesordnungspunkt 6: ) Kuratorium der Stiftung „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutsch- land“ (Drucksache 17/528) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Kuratorium der „Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR“ (Drucksache 17/529) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Stiftungsrat der „Stiftung Caesar“ (Centre of Advanced European Studies and Research) (Drucksache 17/530) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Stiftungsrat der „Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF)“ (Drucksache 17/531) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Senat des Vereins „Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.“ (Drucksache 17/532) . . . . . . . . . . . . . . . . Verwaltungsrat bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Drucksache 17/533) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Parlamentarischer Beirat der „Stiftung für das sorbische Volk“ (Drucksache 17/534) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Kuratorium der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ (Drucksache 17/535) . . . . . . . . . . . . . . . . Verwaltungsrat der Deutschen Natio- nalbibliothek gemäß § 6 Absatz 1 Num- mer 1 des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek (Drucksache 17/536) . . . . . . . . . . . . . . . . Stiftungsrat der Bundesstiftung Bau- kultur gemäß § 7 des Gesetzes zur Errichtung einer „Bundesstiftung Bau- kultur“ (Drucksache 17/537) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Kuratorium der Stiftung „Deutsches Historisches Museum“ (Drucksache 17/538) . . . . . . . . . . . . . . . . Stiftungsrat der „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“ (Drucksache 17/539) . . . . . . . . . . . . . . . . usatztagesordnungspunkt 1: ktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktio- en der CDU/CSU und der FDP: Anhalten- er Handlungsbedarf bei der Aufarbeitung on Stasi-Verstrickungen . . . . . . . . . . . . . . . ernhard Kaster (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . r. h. c. Wolfgang Thierse (SPD) . . . . . . . . . 1631 A 1631 A 1631 D 1631 D 1632 A 1632 A 1632 A 1632 B 1632 B 1632 C 1632 C 1632 C 1632 D 1632 D 1633 D Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 III Reiner Deutschmann (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) . . . . . . Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Andrea Astrid Voßhoff (CDU/CSU) . . . . . . . Brigitte Zypries (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP) . . . . . . . . . Wolfgang Tiefensee (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) . . . . . Maria Michalk (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 7: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher EU-Vorgaben sowie zur Änderung steuerlicher Vorschrif- ten (Drucksache 17/506) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hartmut Koschyk, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sabine Bätzing (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Daniel Volk (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Manfred Kolbe (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Nicolette Kressl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Klaus Barthel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Mathias Middelberg (CDU/CSU) . . . . . . Tagesordnungspunkt 8: Antrag der Abgeordneten Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Petra Crone, Iris Gleicke, wei- terer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Kinderschutz wirksam verbessern: Prä- vention im Kinderschutz optimieren – För- derung und frühe Hilfen für Eltern und Kinder stärken (Drucksache 17/498) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marlene Rupprecht (Tuchenbach) (SPD) . . . . Norbert Geis (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Heidrun Dittrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Miriam Gruß (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Katharina Landgraf (CDU/CSU) . . . . . . . . . . P E T a b c B A F M E M H E J T a 1635 A 1636 A 1637 A 1638 C 1639 D 1640 D 1642 A 1643 A 1644 B 1645 B 1645 C 1646 D 1648 A 1649 D 1651 A 1652 C 1653 A 1654 A 1655 A 1656 C 1656 D 1658 A 1659 A 1660 B 1661 C 1662 D Marlene Rupprecht (Tuchenbach) (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . etra Crone (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ckhard Pols (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 9: ) Antrag der Abgeordneten Renate Künast, Bärbel Höhn, Dr. Hermann Ott, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN: Regierungs- und Parlamentshandeln konsequent am 40-Prozent-Klimaziel ausrichten (Drucksache 17/446) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Antrag der Abgeordneten Dr. Hermann Ott, Bärbel Höhn, Hans-Josef Fell, weite- rer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Klima- schutzgesetz vorlegen – Klimaziele ver- bindlich festschreiben (Drucksache 17/132) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Antrag der Fraktion der SPD: Die richti- gen Lehren aus Kopenhagen ziehen (Drucksache 17/522) . . . . . . . . . . . . . . . . ärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ndreas Jung (Konstanz) (CDU/CSU) . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . rank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . ichael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . va Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . ichael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . eidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) . . . . . . . . va Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . osef Göppel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 10: ) Antrag der Fraktion der SPD: Beschäf- tigte vor Arbeitslosigkeit schützen – Konditionen für Kurzarbeit verbessern (Drucksache 17/523) . . . . . . . . . . . . . . . . 1663 A 1664 C 1665 C 1666 D 1667 A 1667 A 1667 B 1668 B 1669 B 1670 A 1670 C 1672 B 1672 C 1673 B 1673 D 1674 B 1675 A 1675 C 1676 A 1676 B 1677 B 1677 C IV Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 b) Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Barbara Höll, Jutta Krellmann, Klaus Ernst, weiteren Abgeordneten und der Fraktion DIE LINKE eingebrachten Ent- wurfs eines Gesetzes zur Abschaffung des Progressionsvorbehalts für Kurz- arbeitergeld (Drucksache 17/255) . . . . . . . . . . . . . . . . Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) . . . . . . . . . . Paul Lehrieder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Jutta Krellmann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Sebastian Blumenthal (FDP) . . . . . . . . . . . . . Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Olav Gutting (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 11: a) Erste Beratung des von der Fraktion der SPD eingebrachten Entwurfs eines … Gesetzes zur Änderung des Umsatz- steuergesetzes (Drucksache 17/520) . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Umsatzsteuerermäßigung für Hotellerie zurücknehmen (Drucksache 17/447) . . . . . . . . . . . . . . . . Sabine Bätzing (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Aumer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . Richard Pitterle (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Dr. Martin Lindner (Berlin) (FDP) . . . . . . . . . Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ernst Hinsken (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Christian Lindner (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ingbert Liebing (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 12: Antrag der Abgeordneten Matthias W. Birkwald, Klaus Ernst, Heidrun Dittrich, wei- terer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Verbesserung der Rentenanwart- schaften von Langzeiterwerbslosen (Drucksache 17/256) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) . . . . . . . Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) . . . Anton Schaaf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . P D M T A b te N b P (D P A W H A U T A c n n (D K D M P M P T a b 1677 D 1677 D 1679 B 1680 B 1681 C 1683 A 1684 A 1685 A 1685 B 1685 B 1687 A 1688 B 1689 B 1691 B 1692 A 1693 B 1693 D 1694 A 1694 D 1695 D 1696 A 1696 D 1698 A ascal Kober (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anton Schaaf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Wolfgang Strengmann-Kuhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . . . . . . . ax Straubinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 13: ntrag der Abgeordneten Priska Hinz (Her- orn), Brigitte Pothmer, Kai Gehring, wei- rer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- IS 90/DIE GRÜNEN: Mehr Jugendlichen essere Ausbildungschancen geben – Dual- lus unverzüglich umsetzen rucksache 17/541) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . riska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . xel Knoerig (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . illi Brase (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . einer Kamp (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . gnes Alpers (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . we Schummer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 14: ntrag der Fraktion der SPD: Mehr Chan- engleichheit für Jugendliche – Ferienjobs icht als regelmäßiges Einkommen anrech- en rucksache 17/524) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . atja Mast (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Carsten Linnemann (CDU/CSU) . . . . . . . atthias W. Birkwald (DIE LINKE) . . . . . . . ascal Kober (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . arkus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aul Lehrieder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 15: ) Antrag der Abgeordneten Christoph Strässer, Dr. Rolf Mützenich, Edelgard Bulmahn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD: Syrien – Abschiebun- gen beenden, politischen Dialog (Drucksache 17/525) . . . . . . . . . . . . . . . . ) Beschlussempfehlung und Bericht des In- nenausschusses – zu dem Antrag der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan Korte, Wolfgang Nešković, weiterer Abgeordneter und der Frak- tion DIE LINKE: Abschiebungen nach Syrien stoppen – Abschiebeab- kommen aufkündigen 1699 D 1700 A 1701 A 1702 A 1703 A 1703 B 1704 A 1705 B 1706 D 1708 B 1709 A 1710 A 1710 B 1711 B 1712 A 1713 A 1714 A 1715 C 1716 B Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 V – zu dem Antrag der Abgeordneten Josef Philip Winkler, Volker Beck (Köln), Ingrid Hönlinger, weiterer Abgeordne- ter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Unverzügliche Aus- setzung des Deutsch-Syrischen- Rückübernahmeabkommens (Drucksachen 17/237, 17/68, 17/570) . . . Angelika Graf (Rosenheim) (SPD) . . . . . . . . Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 16: Antrag der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Tagesordnungspunkt 17: Antrag der Abgeordneten Josef Philip Winkler, Viola von Cramon-Taubadel, Marieluise Beck (Bremen), weiterer Abgeord- neter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Rückschiebungen nach Grie- chenland sofort aussetzen (Drucksache 17/449) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Helmut Brandt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Rüdiger Veit (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . . . Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1716 C 1716 D 1718 A 1720 A 1720 D 1722 A 1729 D 1729 D 1730 B 1732 C 1733 A 1733 D 1734 D Kerstin Andreae, Bärbel Höhn, weiterer Ab- geordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Wiedereinführung der För- derung von Atomexporten stoppen – Keine Hermes-Bürgschaft für Angra 3 in Brasi- lien (Drucksache 17/540) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Andreas G. Lämmel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Rolf Hempelmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Marco Bülow (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Martin Lindner (Berlin) (FDP) . . . . . . . . Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A L A M U E tu s A D (1 1723 B 1723 C 1724 C 1725 D 1726 C 1727 C 1728 A 1728 D nlage 1 iste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . nlage 2 ündliche Frage 65 lla Burchardt (SPD) ntscheidungsgrundlagen für die Einrich- ng bilateraler Wissenschafts- und For- chungseinrichtungen mit Drittstaaten ntwort r. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF 8. Sitzung, Tagesordnungspunkt 3) . . . . . . 1735 A 1735 C Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 1579 (A) ) (B) ) 19. Sitz Berlin, Donnerstag, de Beginn: 9.0
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    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 1735 (A) ) (B) ) Thönnes, Franz SPD 28.01.2010** tionsmöglichkeiten zu erschließen, den beteiligten nieren und damit auch Werbung für den Hochschul- und Forschungsstandort Deutschland zu betreiben, An- kereinrichtungen für die bilaterale Wissenschaftskoope- ration zu schaffen, neue wissenschaftliche Koopera- Strässer, Christoph SPD 28.01.2010* Stüber, Sabine DIE LINKE 28.01.2010 Anlage 1 Liste der entschuldigte * ** A d d D in ri v d d w H v D s E b s g B Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich van Aken, Jan DIE LINKE 28.01.2010 Barnett, Doris SPD 28.01.2010* Ernstberger, Petra SPD 28.01.2010 Fischer (Karlsruhe- Land), Axel E. CDU/CSU 28.01.2010* Fritz, Erich G. CDU/CSU 28.01.2010* Dr. Fuchs, Michael CDU/CSU 28.01.2010 Gerster, Martin SPD 28.01.2010 Göring-Eckardt, Katrin BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.01.2010 Hörster, Joachim CDU/CSU 28.01.2010* Holmeier, Karl CDU/CSU 28.01.2010 Dr. Hoyer, Werner FDP 28.01.2010 Hübinger, Anette CDU/CSU 28.01.2010* Hunko, Andrej Konstantin DIE LINKE 28.01.2010* Lafontaine, Oskar DIE LINKE 28.01.2010 Lazar, Monika BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.01.2010 Nešković, Wolfgang DIE LINKE 28.01.2010 Nestle, Ingrid BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.01.2010 Noll, Michaela CDU/CSU 28.01.2010 Pflug, Johannes SPD 28.01.2010 Schirmbeck, Georg CDU/CSU 28.01.2010 Dr. Schui, Herbert DIE LINKE 28.01.2010 Schuster, Marina FDP 28.01.2010* Spatz, Joachim FDP 28.01.2010 T W D Z A (C (D Anlagen zum Stenografischen Bericht n Abgeordneten für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung des Europarates für die Teilnahme an der Jahrestagung der Ostseeparlamentarier- konferenz nlage 2 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Frage er Abgeordneten Ulla Burchardt (SPD) (18. Sitzung, rucksache 17/493, Frage 65): Mit welchem Konzept bemisst die Bundesregierung den Bedarf, und nach welchen Kriterien entscheidet sie gegenwär- tig über die Einrichtung bilateraler Wissenschafts- und For- schungseinrichtungen Deutschlands mit Drittstaaten? Grundlage der Maßnahmen zur Internationalisierung, klusive bilateraler Forschungs- und Wissenschaftsein- chtungen, sind die Hightech-Strategie für Deutschland om August 2006 und die Internationalisierungsstrategie er Bundesregierung vom Februar 2008. Die Wissenschafts- und Mittlerorganisationen han- eln dabei im Rahmen der Vereinbarungen mit den Zu- endungsgebern autonom. Das BMBF fördert aktuell den Aufbau verschiedener ochschulen im Ausland, die Deutsch-Ägyptische Uni- ersität, die Deutsch-Vietnamesische Universität, die eutsch-Jordanische Universität und die Deutsch-Türki- che Universität. Dabei handelt es sich ausnahmslos um inrichtungen der jeweiligen Gastländer und nicht um ilaterale Einrichtungen. Sie unterstreichen den besonderen Rang der gegen- eitigen Beziehungen. Alle Projekte dienen dem strate- ischen Ziel, deutsche Hochschulen auf interessanten ildungs- und Forschungsmärkten weltweit zu positio- rittin, Jürgen BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 28.01.2010 erner, Katrin DIE LINKE 28.01.2010 r. Westerwelle, Guido FDP 28.01.2010 immermann, Sabine DIE LINKE 28.01.2010 bgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich 1736 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 (A) (C) (B) (D) Hochschulen die Gewinnung von guten Master- und Doktorandenkandidaten zu ermöglichen und Ausbil- dung für deutsche Unternehmen vor Ort zu leisten. In diesem Sinne wird auch an den Aufbau eines Deutsch-Argentinischen Hochschulkollegs gedacht. Derzeit ist eine Absichtserklärung in Vorbereitung, die insbesondere die Einrichtung binationaler Studien- und Promotionsprogramme sowie die Anerkennung von Doppelabschlüssen vorsieht. Das Projekt soll stufen- weise vorangebracht werden, wobei das Deutsch- Argentinische Hochschulkolleg die Endstufe bildet. Die Federführung hierfür liegt beim Auswärtigen Amt. 19. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 28. Januar 2010 Inhalt: Redetext Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Anlage 2
Gesamtes Protokol
Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701900000

Die Sitzung ist eröffnet. Nehmen Sie bitte Platz.

Guten Morgen liebe Kolleginnen und Kollegen, ich
begrüße Sie herzlich.

Der Kollege Günter Gloser hat gestern seinen
60. Geburtstag gefeiert. Dazu möchte ich ihm im Namen
des Hauses herzlich alle guten Wünsche übermitteln.


(Beifall)


Bevor wir in die heutige Tagesordnung eintreten kön-
nen, müssen wir noch eine Reihe von Nachwahlen zu
Gremien durchführen. Die Fraktion der CDU/CSU
schlägt vor, anstelle der Kollegin Beatrix Philipp den
Kollegen Johannes Röring zum stellvertretenden Mit-
glied der Parlamentarischen Versammlung des Euro-
parates und der Versammlung der WEU zu wählen.
Sind Sie damit einverstanden? – Das scheint der Fall zu
sein. Dann ist der Kollege Röring damit gewählt.

Die CDU/CSU-Fraktion schlägt ferner vor, als Nach-
folgerin des Kollegen Hartmut Koschyk die Kollegin
Dorothee Bär zum stellvertretenden Mitglied des Stif-
tungsrats der Kulturstiftung des Bundes zu wählen.
Darf ich auch dazu Ihr Einvernehmen feststellen? – Das

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Redet
ist augenscheinlich der Fall. Dann ist auch die Kollegin
Bär damit gewählt.

Die nächste Nachbesetzung betrifft den Beirat der
Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenver-
kehr. Auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU soll die
Kollegin Lucia Puttrich Nachfolgerin der Kollegin
Julia Klöckner werden. – Auch hierzu kann ich keine
ernsthaften Einwände erkennen und stelle damit wie-
derum das Einvernehmen zur Wahl der Kollegin Puttrich
fest.

Schließlich hat die Kollegin Sibylle Laurischk bedau-
erlicherweise ihr Amt als Schriftführerin nied
Ich bin durch den offenkundigen Eindruck
meine Enttäuschung teilen, mindestens ein we
tet.

(C (D ung n 28. Januar 2010 0 Uhr Als Nachfolger schlägt die Fraktion der FDP den Kolgen Torsten Staffeldt vor. – Auch dazu gibt es offen ichtlich Einvernehmen. Dann ist damit der Kollege orsten Staffeldt zum Schriftführer bestellt. Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 4 a bis 4 d auf: a)


Jahreswirtschaftsbericht 2010 der Bundesre-
gierung

– Drucksache 17/500 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (f)

Finanzausschuss
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Ausschuss für Tourismus
Haushaltsausschuss

b) Unterrichtung durch die Bundesregierung

ext
Jahresgutachten 2009/10 des Sachverständi-
genrates zur Begutachtung der gesamtwirt-
schaftlichen Entwicklung

– Drucksache 17/44 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (f)

Finanzausschuss
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Gesundheit
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Tourismus
Haushaltsausschuss

des Antrags der Abgeordneten Garrelt
bertus Heil (Peine), Doris Barnett, wei-
eordneter und der Fraktion der SPD
ergelegt. –
, dass Sie
nig getrös-

c) Beratung
Duin, Hu
terer Abg






(A) )



(B) )


Präsident Dr. Norbert Lammert
Für eine Politik der wirtschaftlichen Vernunft –
Nachhaltiges Wachstum und mehr Beschäfti-
gung schaffen

– Drucksache 17/521 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (f)

Finanzausschuss
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Arbeit und Soziales
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Haushaltsausschuss

d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Ulla
Lötzer, Dr. Barbara Höll, Matthias W. Birkwald,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE

Zukunftsprogramm für 2 Millionen Arbeits-
plätze

– Drucksache 17/470 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (f)

Finanzausschuss
Haushaltsausschuss

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für
die Aussprache zwei Stunden vorgesehen. – Ich höre
keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen.

Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort dem
Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer
Brüderle.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und
Technologie:

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Gestern
habe ich den Jahreswirtschaftsbericht vorgestellt. Er
trägt die Überschrift „Mit neuer Kraft die Zukunft ge-
stalten“. Deutschland kann gestärkt aus der Krise her-
vorgehen. Deutschland hat die Kraft, und die christ-
lich-liberale Koalition hat die Kraft, dies umzusetzen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Die Prognosen sind längst nicht mehr so düster wie im
Herbst: 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum und 3,7 Millio-
nen Arbeitslose. Das hätte Rot-Grün mit Sicherheit als
grandiosen Boom verkauft. Wir sind da vorsichtiger.
Auch wenn es Chancen gibt, dass es besser läuft und die
Prognosen höher liegen, kann es Rückschläge geben; das
wissen wir alle. Wir fahren noch immer auf Sicht. Aber
die liberal-christliche Koalition hat einen Kompass. Un-
ser Kompass ist die soziale Marktwirtschaft.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Deutschland muss jetzt das Potenzial für dauerhaftes,
selbsttragendes Wachstum wieder aufbauen. Wir brau-
chen einen höheren Wachstumspfad. Das Wachstums-
potenzial wird durch technischen Fortschritt, flexible
Arbeitsmärkte, Wettbewerb auf den Gütermärkten, eine

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(C (D iedrige Steuerbelastung und solide Staatsfinanzen getärkt. Technischer Fortschritt und Wachstumspotenzial: orschung und Bildung sind die Schlüssel zu technichem Fortschritt, zu künftigem Wohlstand. Die Koalion wird die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 013 um 12 Milliarden Euro erhöhen. Das Geld ist das eine, meine Damen und Herren, die instellung zu neuen Technologien das andere. Die Kolition setzt hier auf eine Ermöglichungskultur. Wir ollen keine Verhinderungsoder gar Verteufelungskulr. Wir betonen Chancen neuer Technologien. Wir beto en bei CCS, dass dies vielleicht eine Möglichkeit ist, O2-arm Kohlestrom zu erzeugen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


ir betonen bei der Elektromobilität, dass sie vielleicht
ine Möglichkeit ist, das Auto des 21. Jahrhunderts zu
rfinden. Wir betonen bei der Grünen und Roten Gen-
chnik, dass sie vielleicht die Möglichkeiten zur Be-
ämpfung von Hungerkatastrophen und zur Heilung von
rankheiten bieten wird.


(Beifall bei der FDP)


Es gibt ethische Komponenten des Fortschritts, ich
enne ebenso die ethischen Gegenargumente und re-
pektiere sie, aber Fortschritt per se zu verteufeln, halte
h für falsch, auch ethisch für falsch.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Flexible Arbeitsmärkte und Wachstumspotenzial: Der
buste Arbeitsmarkt ist das Verdienst von Strukturver-

nderungen in Deutschland.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Von Rot-Grün!)


rüher hatten wir die Debatte über „Jobless Growth“,
achstum ohne Beschäftigungseffekte. Mit Blick auf

ie Wirtschaftskrise ist man fast versucht zu sagen: Wir
aben „Growthless Jobs“, Beschäftigungsstabilität trotz
es Wachstumseinbruchs, den wir zu verzeichnen haben.

Diese Entwicklung ist nicht vom Himmel gefallen.
ie Tarifpartner haben flexible Lohn- und Arbeits-

eitstrukturen geschaffen. Das hat sich in der Krise aus-
ezahlt. Die Gewerkschaften haben diese Vereinbarun-
en nicht „betriebliche Bündnisse“ genannt; sonst wären
ie bei Teilen der Opposition vielleicht in den Verdacht
es Neoliberalismus geraten. Die Tarifpartner haben
ragmatische, verantwortungsvolle Lohnpolitik betrie-
en. Ich kann sie in diesem vernünftigen Kurs nur be-
tärken.

Auch der Staat hat seinen Beitrag zur flexiblen Kri-
enbewältigung am Arbeitsmarkt geleistet. Die Kurzar-
eiterregelung hilft den Unternehmen, ihre Belegschaf-
n zu halten. Ich sage aber auch deutlich: Kurzarbeit ist

in für den Staat wie für die Unternehmen teures Instru-
ent. Eine Dauersubventionierung darf es nicht geben.






(A) )



(B) )


Bundesminister Rainer Brüderle
Wettbewerb und Wachstumspotenzial: Wir brauchen
mehr Wettbewerb, um aus der Krise zu kommen. Wett-
bewerb belebt die Wirtschaft. Für manche ist das unan-
genehm, manchmal auch in der Politik. Aber Wettbe-
werb ist das beste Entdeckungsverfahren, ein Garant für
Dynamik. Marktbeherrschende Unternehmen können
wie Mehltau auf unserer vitalen Wirtschaft liegen. Des-
halb wollen wir die Möglichkeit der Entflechtung markt-
beherrschender Unternehmen schaffen. Das amerikani-
sche Recht kennt dieses Instrument schon seit mehr als
100 Jahren. Es kam zwar nur in wenigen Fällen zur An-
wendung, aber allein das Drohpotenzial veranlasst man-
che Unternehmen zu wettbewerbskonformem Verhal-
ten. Selbst wenn man nicht in die Schlacht zieht, kann es
gut sein, ein scharfes Schwert zu haben. Das Bundeskar-
tellamt soll dieses Schwert haben; dort ist es in guten
Händen. Es wird nicht so sein, dass die Politik willkür-
lich etwas gestalten oder zerschlagen kann. Nein, es wird
ein rechtsstaatliches Verfahren werden, ohne politische
Willkür.

Geringe Belastung bei Steuern und Wachstumspoten-
zial: Dauerhaftes Wachstum erreichen wir nur mit nied-
rigen Steuern. Den ersten Schritt haben wir mit dem
Wachstumsbeschleunigungsgesetz gemacht; er ist auch
bitter nötig. Der private Konsum bleibt in diesem Jahr
schwach. Die Vorzieheffekte aufgrund der Abwrackprä-
mie sorgen für eine spürbare Delle. Ein zweiter Schritt
wird folgen. Wir werden das Steuersystem mit einem
Stufentarif einfacher und gerechter machen, wir werden
die Belastung spürbar senken. Dazu bekennt sich die
Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht erneut.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Genauso bekennt sie sich zu einem ehrgeizigen Konsoli-
dierungspfad ab dem Jahr 2011. Beides gehört zusam-
men.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Deutschlands Schuldenbremse ist ehrgeiziger als der
europäische Stabilitätspakt, und das ist richtig. Deutsch-
land muss Stabilitätsanker in Europa bleiben. Wir sind
die größte Wirtschaftsnation der EU. An uns hängt viel,
auf uns wird besonders geachtet, wir haben eine Vorbild-
funktion für die wirtschaftliche Stabilität in Europa, und
wir werden ihr gerecht werden. Einige Eurostaaten zei-
gen gefährliche Schwächen. Das kann fatale Auswirkun-
gen auf alle Staaten der Eurozone haben. Es gibt keine
flexiblen Wechselkurse im Euroraum mehr. Zu starke
Ungleichgewichte zwischen den Staaten können zu er-
heblichen volkswirtschaftlichen Spannungen führen. Ein
Bail-out, eine Gemeinschaftslösung für nationale Schief-
lagen, sollte es nicht geben. Jedes Land muss zunächst
selbst seine Hausaufgaben machen. Die Mitgliedstaaten
stehen jeder für sich in der Verantwortung. Die kann ih-
nen niemand abnehmen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Bei den Schieflagen in einigen Euroländern ist es
wichtig, dass angesichts der Krise die Wirtschafts- und
Finanzpolitik in Europa besser koordiniert werden müs-

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(C (D en. Die EU braucht eine enge Exit-Strategie aus den otmaßnahmen, die ergriffen worden sind. Daraus darf ber nicht der Nukleus einer europäischen Wirtschaftsreierung werden. Wir sollten darauf achten, dass der Subidiaritätsgedanke auch in der EU-Strategie 2020 angeessene Beachtung findet. Die Wirtschaftsund Finanzpolitik der Mitgliedstaan hat im großen Ganzen adäquat auf die Wirtschaftsrise reagiert. Auch die EZB hat Beachtliches geleistet. ine Deflation konnte glücklicherweise verhindert weren. Dazu waren unorthodoxe Maßnahmen notwendig. abei musste das Risiko der Inflation in Kauf genomen werden. Ich bin optimistisch, dass die EZB auch en richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus den unorodoxen Maßnahmen finden wird. Dann ist die Gefahr ines rapide steigenden Preisniveaus ebenfalls gebannt. ewöhnungseffekte an zu niedrige Zinsen dürfen nicht intreten. Es gibt manche Beobachter, die angesichts der iedrigen Zinsen vor der nächsten Blase warnen. Die internationale Staatengemeinschaft muss ein kräfges Signal an die Finanzmärkte aussenden. Die Staaten ind mehr als ein großer Bankensicherungsverein. Sie üssen die Leitplanken für die Märkte neu gestalten. Es eht um die Rückkehr zu Maß und Mitte. Deutschland itt seit längerem für strengere Regeln ein. Auf dem ipfel in Pittsburgh wurden erste Schritte beschlossen. etzt geht es um die Konkretisierung. Durch die aktueln Äußerungen von Präsident Obama hat die Diskus ion über die internationale Finanzarchitektur eine zuätzliche Dynamik bekommen. Ich will sie im Detail icht bewerten, aber das Signal ist wichtig. In Amerika at man erkannt, dass wir strengere Regeln brauchen. ür Deutschland ist klar: Die G 20 sind für die Reguliengsfragen der richtige Rahmen. Im Kern müssen alle aßnahmen auf eine Reduzierung des Moral Hazard, ie die Ökonomen es nennen, hinauslaufen. Wenn jeand im Finanzsektor weiß, dass der Staat eingreift, enn etwas schiefläuft, dann wird er sich selten ordentch verhalten. ir brauchen spürbare Maßnahmen, die jedem am Fianzmarkt klarmachen: Der Staat kann auch anders. Der inanzsektor muss sich angemessen an den Kosten der risenbewältigung beteiligen. Die Einschätzung meines ollegen Schäuble hierzu teile ich uneingeschränkt. uch seine Überlegung zur Managervergütung geht in die chtige Richtung. Wir brauchen eine neue Verantworngskultur in der Finanzbranche. Man kann bessere igenkapitalregeln einführen. Man kann Zweckgesellchaften stärker regulieren. Man kann die Aufsicht veressern. Das tun wir auch. All das sind richtige Maßnahen. Kern aber bleiben die Marktteilnehmer selbst. Ihnen uss bewusst gemacht werden: Ihr haftet am Ende für uer Risiko und nicht der Steuerzahler. Meine Damen und Herren, das Ziel dieser Bundesreierung ist es, die soziale Marktwirtschaft wieder in gerdnete Bahnen zu lenken. Die Zusammenhänge von Riiko und Haftung, von Eigenverantwortung und Bundesminister Rainer Brüderle Leistung müssen wieder deutlich werden. Der Staat muss den Bürgern und den Unternehmen wieder mehr Freiräume geben. Freiräume bedeuten Chancen; aber sie bedeuten auch Verantwortung. Das Verhältnis von Staat zu Privat, die Balance zwischen privaten und staatlichen Entscheidungsmöglichkeiten müssen mit dem Abklingen der Krise neu ausbalanciert werden. Daran werden wir arbeiten. Der Jahreswirtschaftsbericht gibt die Richtung für die marktwirtschaftliche Erneuerung Deutschlands vor. Ich hoffe auf Ihre Unterstützung. Hubertus Heil ist der nächste Redner für die SPD Fraktion. Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her ren! Nach § 2 Abs. 1 des Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft beinhaltet der Jahreswirtschaftsbericht drei Punkte: Es geht darum, deutlich zu machen, welche wirtschaftsund finanzpolitischen Ziele eine Regierung hat. Es geht um die geplanten Maßnahmen in der Wirtschaftsund Finanzpolitik. Nicht zuletzt ist der Wirtschaftsminister, also Sie, Herr Brüderle, aufgerufen, mit dem Jahreswirtschaftsbericht eine Stellungnahme zum Jahresgutachten des Sachverständigenrates abzugeben. Wer Ihre Rede gerade gehört hat, hat festgestellt: Sie haben kein Wort zu dem gesagt, was die Sachverständigen Schwarz-Gelb ins Stammbuch geschrieben haben. Das ist kein Wunder; denn das, was Sie da veranstalten, ist aus Sicht der Sachverständigen ziemlich peinlich. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701900100

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Hubertus Heil (SPD):
Rede ID: ID1701900200

Der Sachverständigenrat hat in seinem Gutachten eine
Überschrift gewählt, die erstaunlich ist. An Ihre Adresse
gewandt, formuliert er die Warnung, die Zukunft nicht zu
verspielen. Wir können es auch konkreter machen. Der
Sachverständigenrat sagt: Wenn in diesem Jahr nicht die
richtigen Entscheidungen getroffen werden, dann droht
Deutschland dauerhaft eine Wachstumsschwäche zulas-
ten von Wohlstand und Beschäftigung. Der Sachverstän-
digenrat sagt auch, dass das, was Schwarz-Gelb mit dem
Koalitionsvertrag und dem sogenannten Wachstumsbe-
schleunigungsgesetz, das nichts anderes als ein Klientel-
bedienungsgesetz ist – ich komme gleich dazu –, in die
Wege leitet, nicht angetan ist, Wachstum wirklich zu ge-
nerieren.

Auch das von Ihnen angestrebte Betreuungsgeld wird
vom Sachverständigenrat als wirtschaftspolitisch und
gesellschaftspolitisch kontraproduktiv angesehen. Nicht
zuletzt warnen alle Mitglieder des Sachverständigenrates
vor dem, was Sie in der Steuerpolitik vorhaben, nämlich

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(C (D teuersenkungen auf Pump und ohne Gegenfinanzieng. Das ist ein Armutszeugnis. Das, was Sie heute in iesem Zusammenhang verschwiegen haben, ist ein irtschaftspolitischer Offenbarungseid der schwarz-gelen Bundesregierung. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Herr Brüderle, ich kann es Ihnen nicht ersparen:
iese Bundesregierung und auch Sie scheinen in dieser
hase den Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Sie haben
eine Konzepte und keine Ideen. Wenn Sie doch einmal
een haben, dann gehen sie in die falsche Richtung.

Wollen wir das einmal miteinander durchgehen. Es ist
chtig, dass wir im letzten Jahr durch die Weltfinanz-
nd Weltwirtschaftskrise den tiefsten wirtschaftlichen
inbruch hatten; er lag bei minus 5 Prozent. Dass
eutschland am Arbeitsmarkt und in der Binnennach-
age bis dato robuster als andere durch diese Krise ge-
ommen ist, das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern
at etwas damit zu tun, dass die damalige Bundesregie-
ng, namentlich die Minister Steinbrück, Steinmeier

nd Scholz, in der Krise das Richtige vorgeschlagen und
urchgesetzt hat, bei der Bankenrettung, bei den Kon-
nkturpaketen und bei der verlängerten Kurzarbeit.


(Beifall bei der SPD – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Diese Regierung ist aber abgewählt worden, vor allem die SPD!)


Es ist richtig: Diese Regierung ist abgewählt worden.
ber ihre Maßnahmen wirken noch. Allerdings verlas-

en Sie diesen Wachstumspfad.

Herr Brüderle, Sie kritisieren etwas, was wir mit Frau
undeskanzlerin Merkel gemeinsam beschlossen ha-
en, nämlich die Umweltprämie. Dazu will ich Ihnen
agen: Natürlich ist es ein unkonventionelles Instrument
ewesen; aber es hat schnell gewirkt. Es hat die Binnen-
achfrage stabilisiert, einen Einbruch verhindert, und es
at Tausende von Arbeitsplätzen bei Automobilzuliefe-
rn und ähnlichen Unternehmen, auch in meiner Hei-
atregion, gesichert.


(Beifall bei der SPD)


as jetzt madig zu machen, ist ziemlich billig. Sie profi-
eren doch von diesen Maßnahmen.


(Joachim Poß [SPD]: Was sagt die CDU dazu?)


In der jetzigen Situation werden die Wachstumszah-
n durch eine leicht anspringende Exportkonjunktur

rfreulicherweise zwar etwas besser. Aber, Herr
rüderle, ob Sie 1,4 oder 1,5 Prozent oder, wie einige In-

titute prognostizieren, 2 Prozent erzielen,


(Joachim Poß [SPD]: Was sagt Frau Merkel eigentlich dazu?)


ll das reicht nicht aus, um den Einbruch, der durch die
ichtauslastung der Kapazitäten unserer Wirtschaft
roht, tatsächlich auszugleichen. Deshalb wird die Ar-
eitslosigkeit dieses Jahr steigen. Deshalb wäre es gebo-
n, dass diese Bundesregierung sagt, was dagegen zu






(A) )



(B) )


Hubertus Heil (Peine)

tun ist. Stattdessen tun Sie nichts, um zum Beispiel die
Binnennachfrage zu stärken. Im Gegenteil, Sie verunsi-
chern die Menschen,


(Beifall des Abg. Joachim Poß [SPD])


indem Sie verschweigen, an welchen Stellen Sie nach
der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kürzen wol-
len. Das führt zu Kaufzurückhaltung. Die Menschen
wissen doch: Das dicke Ende kommt noch.

Legen Sie Ihre Pläne, Herr Schäuble, wo Sie zuschla-
gen wollen, auf den Tisch. Wollen Sie angesichts der
steigenden Zahl von Arbeitslosen den Beitrag zur Ar-
beitslosenversicherung erhöhen? Wollen Sie im Bereich
der Familienleistungen kürzen, wie Frau Homburger es
schon vorgeschlagen hat?


(Birgit Homburger [FDP]: Stimmt doch überhaupt nicht!)


Wollen Sie bei den Infrastrukturinvestitionen kürzen?
Sie sagen nicht, wo Sie sparen wollen. Das ist unehrlich
und wirtschaftspolitisch kontraproduktiv, weil es die
Menschen in diesem Land verunsichert.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Die Zahlen verbessern sich leicht; darüber kann man
sich freuen. Aber es reicht halt noch nicht aus. Wir haben
keinen selbsttragenden Aufschwung. Deshalb ist Politik
gefragt, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und
die richtigen Initiativen zu ergreifen. Wo ist denn Ihr
Konzept – Herr zu Guttenberg, kurzzeitig Bundeswirt-
schaftsminister, hat es angekündigt, aber es ist bis heute
von Ihnen, Herr Brüderle, nicht erarbeitet worden – für
eine moderne und ökologische Industriepolitik? Wo sind
Ihre Ansätze für eine moderne Dienstleistungspolitik von
Menschen für Menschen, mit Arbeitsangeboten, von de-
nen Menschen auch leben können? Wo ist Ihr Konzept
für eine wirkliche Stärkung des Mittelstandes? Sie reden
viel über Mittelstandspolitik, tun aber nichts für die klei-
nen und mittleren Unternehmen. Es gibt zum Beispiel
keine Ansätze und Anregungen, was in dieser Krise zu
tun ist, damit die Maschinenbauindustrie in Baden-
Württemberg, die im Moment notleidend ist, die richtigen
Impulse bekommt. Warum werden keine Vorstellungen
entwickelt, wie das produzierende Gewerbe etwa durch
verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten oder eine Inno-
vationsprämie dabei unterstützt werden kann, in dieser
Phase beispielsweise seinen Maschinenpark zu moderni-
sieren?


(Birgit Homburger [FDP]: Haben wir doch gemacht!)


– Ja, aber Sie können in diesem Bereich mehr tun. Sie
reden – –


(Birgit Homburger [FDP]: Sie haben es abgeschafft!)


– Brüllen Sie nicht, Frau Homburger. Das steht Ihnen
nicht.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Chauvi!)


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(C (D Steuerliche Förderung von Forschung und Entwickng, wie es in Ihrem Koalitionsvertrag steht, ist ein chönes Schlagwort. Aber wo ist Ihr Konzept? Sie könnn doch mit Tax Credits dafür sorgen, dass kleine und ittlere Unternehmen tatsächlich mehr in Forschung nd Entwicklung investieren. Hinzu kommt eines: Die Steuergeschenke, die Sie für enige machen – Stichwort: Mövenpick –, und das, was ie darüber hinaus noch planen, wird Löcher in die öfntlichen Haushalte von Bund, Ländern und Kommu en reißen und die Investitionskraft der öffentlichen and beschädigen; dabei brauchen wir sie 2011 nach ie vor. Frau Roth, die Oberbürgermeisterin von Frankrt, CDU-Mitglied, weist Sie darauf hin, dass Sie den uin der Kommunen vorbereiten, nichts anderes. Das at auch wirtschaftliche Folgen. Sie reden davon, dass mehr in Bildung investiert weren sollte. Wie sollen denn Bund, Länder und Kommuen mehr in Bildung investieren, wenn Sie solche Löher reißen? (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Und dann redet Ihr Herr Lindner davon – er wird ja
leich auch noch reden –, der Staat sei ein teurer
chwächling.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Sie sind ein Schwächling!)


azu kann ich an dieser Stelle nur sagen: Wer unseren
emokratischen und sozialen Rechtsstaat, der gebraucht
ird, um den Rahmen für die soziale Marktwirtschaft zu

etzen und durch eine aktive Wirtschaftspolitik einen
eitrag für Wachstum zu leisten, der jetzt gefragt ist,
ehr in Bildung zu investieren, um einen nachhaltigen
achstumspfad einzuschlagen, erst krankenhausreif re-

et bzw. krankenhausreif durch eine entsprechende Steu-
rpolitik macht und sich dann als Sanitäter anbietet, der
mputiert, der verfolgt ein Konzept, das vorne und hin-
n nicht stimmt. Sie werden scheitern, wenn Sie so wei-
rmachen. Kehren Sie um!

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701900300

Der Kollege Dr. Joachim Pfeiffer ist nun der nächste

edner für die CDU/CSU.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Dr. Joachim Pfeiffer (CDU):
Rede ID: ID1701900400

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In

er Tat, Deutschland ist bisher besser durch die Krise ge-
ommen als befürchtet: Das Wirtschaftswachstum ist,
enn auch so stark wie noch nie, statt um 6 Prozent nur
m 5 Prozent zurückgegangen.






(A) )



(B) )


Dr. Joachim Pfeiffer

(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stark wie noch nie?)


Die Verschuldung ist im letzten Jahr um 3 Prozent ange-
stiegen. Wenn wir uns allerdings mit anderen Ländern
wie Großbritannien, Frankreich und USA vergleichen, in
denen die Neuverschuldung um 10 bis 15 Prozent gestie-
gen ist, dann können wir festhalten, dass wir noch ganz
ordentlich dastehen. Auch die Arbeitslosigkeit ist nicht
auf die erwarteten 5 Millionen gestiegen, sondern bei
3,4 Millionen im Jahresdurchschnitt geblieben. Das ist
auch und vor allem Ergebnis einer klugen Politik in der
Krise, die von großen Teilen dieses Hauses getragen
wurde, auch von der SPD – Gott sei Dank – und ebenso
von der FDP, die damals in der Opposition war. Stabili-
sieren in einer nie dagewesenen Krise des Wirtschafts-
und Finanzsystems und Vertrauen schaffen, das war die
Aufgabe in den Jahren 2008 und 2009.

Die Zahlen der Sachverständigen und der Jahreswirt-
schaftsbericht zeigen, dass es in die richtige Richtung
geht, nämlich nach oben. Aber es gibt in der Tat keinen
Anlass zu Friede, Freude, Eierkuchen im Jahr 2010,
denn wir sind noch nicht über den Berg. In diesem Jahr
wird die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
abnehmen, voraussichtlich in einer Größenordnung von
700 000. Das heißt, 700 000 Personen weniger zahlen in
die Sozialversicherungssysteme ein. Andererseits wird
die Arbeitslosigkeit trotz Wachstums in diesem Jahr zu-
nehmen. Wenn sie, wie vorausgesagt, um die Hälfte, un-
gefähr 350 000, zunimmt – demografiebedingt scheiden
mehr aus dem Arbeitsmarkt aus, als nachkommen –,
dann bedeutet das mehr Ausgaben in dem Bereich. Das
schlägt sich natürlich in den Haushalten nieder.

Auch das vorausgesagte Wachstum ist zum Teil
durch einen statistischen Effekt bedingt, nämlich da-
durch, dass das vierte Quartal weniger schlecht lief als
befürchtet und dass vor allem in diesem Jahr die Maß-
nahmen greifen, die diese Bundesregierung und die Vor-
gängerregierung mit dem Bürgerentlastungsgesetz, dem
Wachstumsbeschleunigungsgesetz und den Konjunktur-
paketen in Kraft gesetzt haben. Das reicht aber nicht aus,
um ein dauerhaftes Wachstum zu organisieren. Dies wird
die Herausforderung des Jahres 2010 und der folgenden
Jahre sein. Nur mit einem dauerhaften Wachstum schaf-
fen wir es, aus der Krise zu kommen und den notwendi-
gen Konsolidierungsbeitrag zu leisten. Jedes Prozent
mehr Wachstum bringt 5 Milliarden Euro mehr Steuer-
einnahmen und damit auch mehr Einnahmen zum Bei-
spiel in der Sozialversicherung.

Deshalb werden wir mit einem klugen Mix von Maß-
nahmen – Herr Brüderle hat es angesprochen – und mit
einem ordnungspolitisch klaren Kompass in allen Sekto-
ren und auf allen Märkten agieren. Im Finanzmarkt wer-
den wir zunächst dafür sorgen, dass die Realwirtschaft
auch im Aufschwung genügend Kredite zur Verfügung
hat und die Finanzierung dort nicht scheitert. Wir haben
bereits viele Instrumente über die KfW neu justiert. Wir
müssen aber auch dafür sorgen, dass insbesondere der
Mittelstand ausreichend mit Krediten versorgt wird.
Deshalb plädiere ich klar für die Idee der portfolio-orien-
tierten Kreditversorgung: Ein Portfoliomix soll durch

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(C (D weckgebundene Globaldarlehen refinanziert werden, amit die dadurch freiwerdenden Mittel zusätzlich in en Kreditmarkt fließen können und so die Kreditversorung gesichert werden kann. So wird der Wirtschaft inlligent auf die Sprünge geholfen, Herr Heil. Es wird auch in diesem Jahr richtig und notwendig ein, das verloren gegangene Vertrauen auf den Finanzärkten wiederherzustellen. Wir müssen dafür sorgen, ass sich die Dinge nicht wiederholen. Dazu gehört, dass ie Rahmenbedingungen international richtig gesetzt erden. Die Bundesregierung unter Führung der Buneskanzlerin arbeitet intensiv daran, dass das gelingt. ir müssen in Deutschland eine Allfinanzaufsicht chaffen, die eine solche Krise zukünftig schlagkräftig erhindern kann. Ich plädiere auch dafür, einen Krisenräventionsfonds zu schaffen, der durch den Finanzsekr gefüllt wird, der die letzte Krise mit ausgelöst hat, nd nicht durch Steuereinnahmen. Auch das trägt dazu ei, zukünftig besser vorbereitet zu sein. Wir werden auch im Bereich der Gründerund achstumsfinanzierung neue Anreize setzen. Wir woln, dass diejenigen, die Unternehmen gründen, Arbeitslätze schaffen und neue Dienstleistungen in den Markt ringen, eine gute Ausstattung erhalten und es dadurch ichter haben. Nicht nur auf den Finanzmärkten, sonern auch auf den Gütermärkten müssen wir alles tun, as wir tun können. Wir werden im Rahmen einer Aus tiegsstrategie, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, eteiligungen der öffentlichen Hand dahin gehend überrüfen, ob eine Privatisierung zur Mobilisierung von achstumspotenzialen beitragen kann. Wir werden den ettbewerb auf allen Gütermärkten verbessern. Bei pielsweise im Bereich der Post wollen wir im Rahmen es Postgesetzes mehr Wettbewerb bei gleichzeitiger ufrechterhaltung einer leistungsfähigen Grundversorung in der Fläche erzielen. (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Die Post zerschlagen!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Auch im Bereich der Telekommunikation werden wir
as deutsche Recht transformieren. Bei der Breitband-
trategie haben wir schon aufgeholt; hier werden wir uns
n die Spitze der Bewegung setzen.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Wo denn? Wie denn?)


uch dies schafft Wachstum.

Wir brauchen eine Reform des Insolvenzrechts, um
en neuen Herausforderungen zu genügen. Restrukturie-
ng und Fortführung sanierungsfähiger Unternehmen
üssen erleichtert werden. Auch damit wollen wir den
rhalt von Arbeitsplätzen verbessern.

Bürokratieabbau ist ein weiteres Stichwort.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Hotels! Bürokratieaufbau!)


uch hier sind Milliardenbeträge einzusparen. Wir wol-
n die Statistikpflichten reduzieren und die Bürokratie
sgesamt um 25 Prozent abbauen. Mit den eingesparten






(A) )



(B) )


Dr. Joachim Pfeiffer
Milliardenbeträgen kann man, geht man intelligent vor,
einen Wachstumsbeitrag leisten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir werden im Rahmen eines klugen Energiekonzep-
tes einerseits ermöglichen, dass der Hauptanteil der
Energieversorgung durch erneuerbare Energien sicherge-
stellt wird; dies stärkt die Wachstumsdynamik bei den er-
neuerbaren Energien. Andererseits werden wir die vor-
handenen Potenziale entsprechend nutzen, beispielsweise
durch eine Rücknahme der willkürlich verkürzten Lauf-
zeiten der Kernkraftwerke. Die Fakten sollten auch Sie
zur Kenntnis nehmen: Wenn wir international übliche
Fristen von 60 Jahren einhalten würden, dann wäre dort
ein volkswirtschaftliches Potenzial von 250 Milliarden Euro
zu heben.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Steinzeitenergiepolitik! Steinzeit!)


Das Wirtschaftswachstum wäre dauerhaft mehr als
0,3 Prozent höher; das sagen uns alle Experten. Für ei-
nen privaten Haushalt mit einem Stromverbrauch von
3 500 Kilowattstunden pro Jahr bedeutete das, dass er
eine um 16 Prozent geringere Stromrechnung zu zahlen
hätte und 150 Euro im Jahr sparen würde. Zudem ist dies
der intelligenteste und preiswerteste Klimaschutz, den
wir nutzen können. Dies alles sind Dinge, die in der
Summe Sinn machen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt werden wir Wachstum
organisieren. Ein Hauptziel muss insbesondere sein,
dass es gelingt, die Sozialversicherungsbeiträge, wie im
Koalitionsvertrag vorgesehen, dauerhaft unter 40 Pro-
zent zu halten, damit Arbeit bezahlbar bleibt und Wachs-
tum ausgelöst werden kann.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir müssen dort, wo es notwendig ist – ich nenne bei-
spielsweise die Hinzuverdienstregelungen; sie haben
sich nicht bewährt; sie fördern die Teilzeitbeschäftigung
und das Verharren im Leistungsbezug; dies halte ich für
nicht richtig –, Anreize schaffen. Das schafft mehr
Wachstum. Arbeit muss sich lohnen.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Warum sind Sie dann gegen Mindestlöhne? Das ist doch unglaublich! Sagen Sie das mal Leuten mit Hungerlöhnen!)


Derjenige, der morgens aufsteht, sich die Mühe macht,
zur Arbeit zu gehen, und abends müde nach Hause
kommt, muss mehr in der Tasche haben als derjenige,
der morgens im Bett liegen bleibt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir werden auch im Bereich der Bildung und For-
schung neue Akzente setzen, und zwar mit 12 Milliarden
Euro.


(Abg. Hubertus Heil [Peine] [SPD] meldet sich zu einer Zwischenfrage)


– Jetzt kommt es wieder zu einer Redezeitverlängerung;
nicht dass nachher wieder Kritik geübt wird.

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(C (D Noch nicht. Aber offenkundig gibt es ein informelles invernehmen, das auf diese Weise herbeizuführen. – itte schön, Herr Heil, Sie haben die Möglichkeit zu eier Zwischenfrage. Herr Kollege Pfeiffer mit drei f wir kennen und schätzen uns durchaus –, ich möchte ie fragen – denn Sie haben den schönen Satz: „Arbeit uss sich lohnen“, den ich aus Herzen unterschreiben ann, zitiert –: Was sagen Sie eigentlich Menschen, die ollzeit arbeiten, 2 oder 3 Euro pro Stunde bekommen nd die von dieser Arbeit nicht leben können, die sich ach Ihren Plänen demnächst Almosen – ergänzende Soialhilfe oder eine Arbeitslosengeld-II-Aufstockung – olen müssen und denen Sie den Mindestlohn verwehn? Was hat das mit „Arbeit muss sich lohnen“ zu tun? h stelle eine weitere konkrete Frage, Herr Pfeiffer, enn Sie gestatten: Sind Sie eigentlich dafür, dass Frau on der Leyen beispielsweise in der Pflegebranche, enn es dort am Freitag eine Einigung gibt, einen tarifli hen Mindestlohn durchsetzt, oder sind Sie wie Herr rüderle der Meinung, dass man das lieber nicht tun ollte? Vielen Dank, Herr Heil. – In der Tat kennen und chätzen wir uns. Deshalb haben Sie es eigentlich nicht ötig, marktschreierisch zu agieren. Wir sollten uns lieer sachlich auseinandersetzen; denn Ihre Marktschreiei hat mich eben sehr an den Kollegen Tauss erinnert, er früher mit ähnlicher Lautstärke unterwegs war. (Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Man merkt, ihr schätzt euch! – Thomas Oppermann [SPD]: Jetzt kommen Sie aber auch mal zur Sache!)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701900500
Hubertus Heil (SPD):
Rede ID: ID1701900600

(Widerspruch bei der CDU/CSU)

Dr. Joachim Pfeiffer (CDU):
Rede ID: ID1701900700

eshalb ist es gut: Wir bleiben bei der Sache und unter-
alten uns über Inhalte.

Wir müssen die Arbeit so organisieren, dass es sich zu
rbeiten lohnt. Im Niedriglohnsektor muss es so attraktiv
ein, dass wir die Leute in Arbeit bringen. Dies haben
ir gemeinsam geschafft. In der Zeit der Großen Koali-
on ist es gelungen, dass die sozialversicherungspflich-
ge Beschäftigung erstmalig zugenommen hat. Wir hat-
n die Höchstzahl an sozialversicherungspflichtig
eschäftigten mit über 40 Millionen im Jahr 2008 er-
icht.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


ies ist nur gelungen, weil wir gerade auch im Niedrig-
hnsektor entsprechende Anreize gesetzt haben, zum
eispiel über Leiharbeit, die eine Brücke in die Beschäf-
gung war und ist.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Was sagen Sie denn jetzt zum Mindestlohn?)







(A) )



(B) )


Dr. Joachim Pfeiffer
Daher plädieren wir auch nicht dafür, die Leiharbeit ein-
zuschränken oder zurückzunehmen; vielmehr müssen
wir sie intelligent machen.


(Thomas Oppermann [SPD]: Sieht Frau von der Leyen das auch so?)


Auch zeigt sich, dass der Mindestlohn nicht die richtige
Lösung ist.

Nehmen wir einmal eine Familie mit zwei Kindern.
Heute hat sie dank der Transferleistungen und der Unter-
stützung, die es gibt, netto fast 2 000 Euro zur Verfü-
gung. Wenn Sie das einmal auf jemanden beziehen, der
im Handwerk oder im Dienstleistungsbereich beschäftigt
ist, dann werden Sie feststellen, dass er niemals mit ei-
nem Mindestlohn – weder von 6,50 Euro noch von
7,50 Euro


(Zuruf von der LINKEN: 10 Euro!)


noch von 10 Euro noch von 12 Euro – auf diese 2 000 Euro
kommen wird. Deshalb wird es immer notwendig sein,
hier die Leute in Beschäftigung zu bringen und mit intel-
ligenter staatlicher Ergänzung Brücken zu bauen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dabei geht es nicht nur um finanzielle Fragen. Vielmehr
ist Arbeit auch ein Wert an sich, und es geht darum, dass
die Menschen einen Beitrag leisten können.

Offensichtlich hält Herr Heil seine Frage für hinrei-
chend beantwortet; er hat sich hingesetzt.


Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701900800

Ich übrigens auch, Herr Kollege, sodass ich Ihnen

keine Hoffnung auf weitere Verlängerung Ihrer Redezeit
machen kann.


(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, das reicht!)



Dr. Joachim Pfeiffer (CDU):
Rede ID: ID1701900900

Abschließend komme ich zum Thema Forschung

und Bildung. Neben den 12 Milliarden Euro, die wir zu-
sätzlich zur Verfügung stellen und die Herr Brüderle vor-
hin bereits angesprochen hat, werden wir das Ziel nicht
aus dem Auge verlieren, bis zum Jahre 2015 10 Prozent
des Bruttosozialproduktes für Bildung und Forschung
auszugeben. Wir werden prüfen, ob wir das ZIM-Pro-
gramm, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand,
das ein großer Erfolg war – durch die Ausweitung auf
die alten Bundesländer haben sich dort die Anfragen ver-
doppelt; dies wirkt für 2009 und 2010 absolut proaktiv
und schafft einen Wachstumsbeitrag –, über 2010 dauer-
haft verlängern.

Außerdem werden wir eine steuerliche Forschungs-
förderung einführen, eine Absetzbarkeit von Ausgaben
für Forschung und Entwicklung, die sich mehr als lohnt.
Sie bringt das Dreifache dessen, was sie kostet. Zum
Beispiel bringt ein 10-prozentiger Tax Credit zunächst
für den Staat einen Steuerverlust von 4 Milliarden Euro
mit sich, mittelfristig aber über 12,4 Milliarden Euro
Mehreinnahmen und eine entsprechende Erhöhung des

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(C (D ruttoinlandsproduktes. Durch diese steuerliche Forchungsförderung lässt sich also dauerhaft eine Wachsmserhöhung um 0,5 Prozent erzielen, wenn man es inlligent macht. Sie sehen, mit klarem ordnungspolitischen Kompass ind wir in der Lage, aus der Stabilisierungsphase in dieem Jahr in eine dauerhafte selbsttragende Wachstumsnd Aufschwungsphase zu kommen. as ist der beste Beitrag zu Wirtschaftswachstum, weil r die Voraussetzung für eine intelligente Konsolidieng schafft. Vielen Dank. Das Wort erhält nun die Kollegin Sahra Wagenknecht, raktion Die Linke. Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! ricksen, täuschen, verschleppen und betrügen – das cheint die wirtschaftspolitische Strategie dieser Bunesregierung zu sein. Da brauchen Sie gar nicht zu lachen. Sie brauchen sich ur das anzuschauen, was Herr Brüderle hier vorgestellt at. Ich denke, solange Sie diese Politik fortsetzen, so nge wird die Hoffnung auf einen selbsttragenden, auf inen wirklichen Wirtschaftsaufschwung nichts als ein ommer Wunsch bleiben. Das Grundproblem ist, dass Sie wirklich glauben, ass es irgendwann einfach so weitergeht wie vor 2008. h kann Ihnen nur sagen: Vergessen Sie es! Es wird kein urück zu einem Modell geben, bei dem die deutsche irtschaft jedes Jahr Exportüberschüsse in irrwitziger rößenordnung aufhäuft und gleichzeitig der Binnenarkt durch Sozialraub und Lohndumping immer mehr iniert wird, wo alles Wachstum nur am Export hängt. in Zurück zu diesem Modell ist weder wünschenswert och denkbar. Es ist nicht wünschenswert, weil das ein Wachstum rzeugt, das an der großen Mehrheit der Menschen voreigeht. Das haben wir beim letzten Wirtschaftsaufchwung gesehen. Es ist auch nicht denkbar, wenn Sie ich die weltwirtschaftliche Situation ansehen. Was war enn die Grundlage dieser Exporterfolge? Das war nicht uletzt die wachsende Verschuldung der amerikanischen onsumenten. Aber diese Konsumenten sind heute aum weniger überschuldet als zu Beginn der Krise. uch der US-Staat ist inzwischen weitgehend an der renze seiner Defizitmöglichkeiten angelangt. Sahra Wagenknecht Oder schauen Sie in andere Regionen der Welt, schauen Sie auf Osteuropa. Die Krise hat in Osteuropa eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Das bedeutet, dass dort Wachstum und Nachfrage auf Dauer am Boden liegen werden. (Jörg van Essen [FDP]: Das war der Kommunismus!)


(Eduard Oswald [CDU/CSU]: Sehr gut!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701901000

(Beifall bei der LINKEN)

Dr. Sahra Wagenknecht (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701901100

(Lachen bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)





(A) )


(B) )


Südostasien – darauf setzen Sie so gern Ihre Hoffnung –
exportiert mehr als es importiert. Das heißt: Die Welt-
wirtschaft wird uns nicht retten. Wer immer nur darauf
setzt, dass das Heil von außen kommen muss, der be-
nimmt sich wie jemand, der in einer kalten Wohnung
sitzt und auf den Winter schimpft, aber nicht auf die Idee
kommt, dass man vielleicht die Heizung anstellen
könnte. So ist Ihre Strategie.


(Beifall bei der LINKEN)


Wer eine wirtschaftliche Erholung will, die diesen Na-
men verdient, der muss aufhören, auf warmes Wetter
draußen zu warten, sondern der muss etwas gegen die
soziale Eiseskälte in der Bundesrepublik Deutschland
tun.


(Beifall bei der LINKEN)


Inzwischen hat es sich selbst bis zu Herrn Brüderle
herumgesprochen, dass wir ein akutes Nachfragepro-
blem haben. Dieses Nachfrageproblem haben wir nicht,
weil den Menschen die Lust, zu konsumieren, abhanden
gekommen ist, sondern weil Millionen Menschen in die-
sem Land einfach nicht mehr das Geld in der Tasche ha-
ben, um sich die Dinge zu kaufen, die sie dringend brau-
chen. Das ist das Ergebnis jahrelanger Lohnsenkungen.
Das ist ein Ergebnis von Rentensenkungen; auch jetzt
haben wir wieder zwei Nullrunden vor uns. Das ist ein
Ergebnis von Sozialabbau.

Ich traue dieser Regierung wirklich viel zu. Aber dass
sie tatsächlich glauben kann, dass sie die Nachfrage im
Land dadurch fördert, dass sie reiche Erben, Besserver-
diener und spendierwillige Unternehmen mit Steuerge-
schenken bedenkt, dass sie wirklich annehmen kann, da-
durch die Nachfrage zu stärken, dazu kann ich nur
sagen: So viel wirtschaftspolitischen Unverstand würde
ich selbst dieser Koalition nicht zutrauen wollen.


(Beifall bei der LINKEN – Jörg van Essen [FDP]: Das müssen Sie gerade sagen!)


Die Große Koalition hat Ihnen ein giftiges Erbe hin-
terlassen, nämlich in Form von 13 Milliarden Euro an
Steuergeschenken, die in diesem Jahr wirksam geworden
sind. Das sind Einnahmeausfälle von 13 Milliarden.
Aber statt sich darüber zu beschweren und sie zu stop-
pen, setzen Sie mit dem Wachstumsbeschleunigungsge-
setz noch einen obendrauf. Ich muss schon sagen: Die
wilde Entschlossenheit, mit der diese Bundesregierung
die öffentlichen Haushalte ganz offensichtlich in den
Ruin hineintreibt, wohl wissend, dass die Haushaltspoli-
tik ab dem nächsten Jahr im selbstgeschaffenen Korsett
der Schuldenbremse stecken wird, lässt den Verdacht
aufkommen, dass es gar nicht so ungewollt ist, dass man
härtesten Spar- und Konsolidierungszwängen unterlie-
gen wird, weil man sich vielleicht so einen guten Vor-

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(C (D and schafft, sich der letzten Reste des Sozialstaates zu ntledigen, also all dem, was Rot-Grün und die Große oalition noch übrig gelassen haben. Man hört schon einiges darüber, was Sie noch vorhaen, auch wenn Sie das offiziell nicht zugeben: Bei der undesanstalt für Arbeit sollen Milliarden eingespart erden. Sie erzählen uns, das sei vielleicht durch Reoranisation und Bürokratieabbau zu machen. Machen Sie och den Menschen nicht so viel vor! Wenn Sie dort illiarden sparen wollen, dann werden Sie die Leistun en kürzen. Das heißt, Sie werden in zynischer Kontiuität das machen, was Ihre Vorgängerregierungen auch chon gemacht haben: Sie werden das Geld am Ende bei enen holen, denen es schon heute dreckig geht, die chon heute nicht mehr menschenwürdig leben können. as werden Sie machen. Das sage ich Ihnen voraus. Man hört, dass die steuerfreien Nachtund Feiertagsuschläge zur Disposition stehen. Man hört und liest im ahreswirtschaftsbericht düstere Andeutungen zur Zuunft der Krankenversicherung, die sich stark nach opfpauschale, das heißt nach rapider Verteuerung und eistungsverschlechterung gerade für Geringverdiener nhören. Sie sollten endlich aufhören, den Leuten vorzugen, Sie wollten die Bezieher unterer und mittlerer inkommen entlasten. In Wahrheit wird Ihre Politik am nde darauf hinauslaufen, dass Schichtarbeiter, Arbeitsse, Rentner und Kranke die Rettung der Zockerbanken nd die Steuersenkungen für reiche Unternehmen, für iche Spitzenverdiener, für reiche Erben zu bezahlen aben. Das ist Ihre Politik. Ich muss sagen: Wer so eine olitik macht, der muss sich nicht wundern, wenn immer ehr Menschen an der Demokratie verzweifeln; der acht die Demokratie nämlich kaputt, indem er ganz enige hemmungslos bereichert und der Mehrheit seiner ähler ins Gesicht schlägt. Wie Sie davon träumen können, unter solchen Bedinungen einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erreihen, bleibt wirklich Ihr Geheimnis. Wir werden in dieer Debatte weiterhin immer wieder darauf beharren: atürlich gibt es zu dieser Art von Politik Alternativen. iese Alternativen liegen eigentlich auf der Hand: Wenn ie jahrelange Umverteilung der Einkommen von unten ach oben den Binnenmarkt zerstört hat, liegt es dann irklich so fern, vielleicht einmal die entgegengesetzte ichtung zu versuchen, das heißt darauf zu setzen, dass tzt diejenigen für die Krise zahlen, die von den Enticklungen vorher profitiert haben, und nicht wieder en Facharbeiter, die Lidl-Verkäuferin oder sogar den artz-IV-Empfänger zur Kasse zu bitten? Warum vereigern Sie sich einer Millionärsteuer? Warum verweiern Sie sich einer Finanzkrisenverantwortungsgebühr, ie Obama sie vorgeschlagen hat, und lassen stattdessen ie Banken schon wieder auf den internationalen Märkn herumzocken, als hätte es überhaupt keine Finanzrise gegeben? Wenn die ständige Schrumpfung des öfntlichen Dienstes und der öffentlichen Investitionen ie Arbeitslosigkeit erhöht hat, liegt es dann so völlig rn, vielleicht auch einmal auf das gegenteilige Konzept u setzen, nicht auf weitere Privatisierung, sondern auf Sahra Wagenknecht den Ausbau des öffentlichen Dienstes und die Erhöhung der öffentlichen Investitionen? Die Bundesrepublik befindet sich in all diesen Bereichen inzwischen in einer peinlichen Schlusslichtposition in Gesamteuropa. Wenn die jahrelange Enteignung der Beschäftigten Kaufkraft und Konsum nach unten gedrückt hat, ist es dann wirklich eine so fernliegende Idee, all die barbarischen Gesetze zurückzunehmen, die genau diesen Lohnraub ermöglicht haben, ganz vorn die Liberalisierung der Leiharbeit und natürlich auch den mit Hartz IV verbundenen Zwang zur Annahme auch noch der letzten Hungerlohnjobs? Die FDP möchte immer so gern Subventionen abbauen. Ich sage Ihnen: Eine Subvention können Sie wirklich abbauen, das ist die Subventionierung der Billigjobs in diesem Land. Das kostet den Steuerzahler inzwischen fast 10 Milliarden Euro im Jahr. Ich sage Ihnen: Schaffen Sie einen Mindestlohn von 10 Euro die Stunde, und Sie werden den größten Teil dieser 10 Milliarden Euro einsparen können! Das ist ein konstruktiver Sparvorschlag. Aber wahrscheinlich wird das bei Ihnen wieder auf taube Ohren stoßen. Der wirtschaftspolitische Kurs, den diese Bundesregierung fährt, ist ein Crashkurs – man kann das nicht anders nennen –, der früher oder später in die nächste große Krise hineinführen wird. Ich kann Ihnen ankündigen: Die Linke wird diesem Kurs weiterhin schärfsten Widerstand entgegensetzen. (Beifall bei der LINKEN – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Da haben wir Angst!)


(Beifall bei der LINKEN)





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(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701901200

Das Wort erhält nun der Kollege Fritz Kuhn,

Bündnis 90/Die Grünen.


Fritz Kuhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Schauen Sie sich einmal die Gestaltung des Titelblatts
des Jahreswirtschaftsberichts an.


(Der Redner hält ein Schriftstück hoch – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Wo ist das Liberale Sparbuch?)


Das ist eine Botschaft für sich: Am Start sind nur Gelbe
und Blaue, Rote sowieso nicht. Einen Weißen sehe ich
noch. Schwarze, die solche Läufe immer gewinnen, sehe
ich auch nicht. Man hat auf eines Wert gelegt – das ist
entscheidend und durchzieht den ganzen Text –: Man
will deutlich machen, dass das kein Fehlstart ist. Die Ka-
meraden kommen recht gleichmäßig aus den Startblö-
cken heraus. Die Botschaft des Jahreswirtschaftsberichts
lautet also:


(Zuruf von der CDU/CSU: Können Sie einmal zur Sache kommen?)


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(C (D s war kein Fehlstart, sondern ein organisierter und in iner gut harmonierenden Koalition gelungener Auftakt r vier Jahre. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


So einfach bekommt man Beifall von Schwarz-Gelb.


(Heiterkeit des Abg. Dr. Frank-Walter Steinmeier [SPD])


Wenn Sie den Text lesen und die Ziele kennen, die ein
ahreswirtschaftsbericht normalerweise aufweisen muss
er muss sie aufgrund gesetzlicher Grundlage haben;
err Heil hat darauf hingewiesen –, dann sehen Sie, dass
ieser Bericht das nicht leistet. Er soll einen Überblick
ber Ihre Vorhaben in der Wirtschafts- und Steuerpolitik
eben, er soll widerspruchsfrei sein, und er soll klären,
ie Sie die verschiedenen Ziele, zum Beispiel Wirt-

chaftswachstum und Haushaltskonsolidierung, gleich-
eitig erreichen wollen.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Ja!)


h sage Ihnen nach aufmerksamer Lektüre dieses Be-
chtes: Er klärt keine der Fragen, die schon letzte Woche
ei den Haushaltsberatungen offengeblieben sind. Viel-
ehr wirft er zusätzliche Widersprüche und Fragen auf.

Es ist nicht geklärt, wie Sie die Ziele Wachstum und
onsolidierung im Jahr 2011 erreichen wollen. Wenn
ie schon keine mittelfristige Finanzplanung zustande
ringen, dann hätte ich zumindest jetzt erwartet, dass,
amit Vertrauen auf den Märkten entsteht, im Jahres-
irtschaftsbericht steht, wie dies gehen soll. Aber, Herr
rüderle, das haben Sie vermieden. Wir haben von Ih-
en allgemeine Lyrik über Konsolidierung gehört, aber
ie haben nicht die Frage beantwortet, wie die einzelnen
osten, die im nächsten Jahr fehlen werden, zu finanzie-
n sind: 11 Milliarden Euro brauchen wir wahrschein-
ch für die Bundesagentur für Arbeit. 10 Milliarden
uro müssen Sie wegen der Schuldenbremse einsparen.
m 19 Milliarden Euro wollen die gelben Helden die
teuern zusätzlich senken. Insgesamt 10 bis 35 Milliar-
en Euro kann die Gesundheitsprämie aus dem Hause
ösler kosten.


(Jörg van Essen [FDP]: Die Gesundheitsprämie ist aus dem Hause Schmidt!)


as sind rund 60 Milliarden Euro, zu denen in diesem
ahreswirtschaftsbericht nichts anderes steht als Wachs-
m, Wachstum, Wachstum. Das ist die einzige Botschaft

ieser Koalition, die hier in diesem Haus und in der Öf-
ntlichkeit bisher gehört wurde. Ich kann nur sagen:
iese Koalition benutzt den Begriff Wachstum wie eine
roge. Sie verfolgen in voller Dröhnung dieses Pro-
ramm und verlieren den Blick für die Wirklichkeit.
enn 1 Prozent Wachstum bringt 5 bis 6 Milliarden Euro
ehr Staatseinnahmen, aber nicht 60 Milliarden. Dazu

räuchten Sie 10 Prozent Wachstum; die haben Sie nicht.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Weil es sich oft so verhält, dass Sie das, was wir sa-
en, nach einem halben Jahr oder einem Jahr auch sagen,






(A) )



(B) )


Fritz Kuhn
will ich Ihnen einmal ernsthaft erklären, warum wir auf
dieser Wachstumsfrage insistieren; es gibt einen einfa-
chen Grund dafür, dass wir von Wachstumsfetischismus
bei Ihnen reden. Auch wir Grüne wissen, dass es mit
Wachstum einfacher ist, einen Staatshaushalt aufzustel-
len; das ist klar. Aber wir wissen auch, dass man sich die
Frage stellen muss, was eigentlich wächst, ob es ein
Wachstum ist, das uns reicher macht, oder ein Wachs-
tum, das uns ärmer macht.

Ich will zwei Beispiele nennen. Wenn wir 20 neue
große Kohlekraftwerke bauen – sie sind ja im Bau oder
in Planung –, dann wird unser Land ärmer, weil wir
durch den CO2-Ausstoß und durch die Beschränkung,
die das für die erneuerbaren Energien praktisch bedeutet,
eine ökologische Verschuldung eingehen. Also wird un-
ser Land dadurch nicht wirklich reicher, sondern ärmer.
Es bringt zwar Wachstum in Ihrem Sinne, aber vermehrt
unsere Wohlfahrt nicht, sondern schwächt sie sogar.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Zweites Beispiel. Wenn wir in jedes Kinderzimmer
einen Fernseher stellen würden, dann würde das Wachs-
tum bringen. Dennoch würde mit diesem Wachstum eine
soziale Verschuldung verbunden sein, weil klar ist, dass
die sozialen Folgekosten, die wir mit so etwas anrichten,
bewältigt werden müssen. Es gibt also Wachstum, das
die Wohlfahrt der Gesellschaft überhaupt nicht mehrt,
obwohl es in einem quantitativen Sinne die Staatsein-
nahmen und das Bruttosozialprodukt vergrößert.

Der Punkt, auf dem wir insistieren, lautet ganz ein-
fach: Es kommt darauf an, in welchen Bereichen der
Staat zusätzliche Wachstumsanreize setzt, ob das Berei-
che sind, die unser Land wirklich stärker und auch nach-
haltig reicher machen, oder ob das nicht der Fall ist.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Darüber müssen wir diskutieren.

Sie werden sehen, dass eine der Folgen der Finanz-
marktkrise eine weltweite intensive Diskussion über
diese Frage sein wird: Was tut unseren Gesellschaften
und unserer Welt und unserer Natur und unserem Klima
eigentlich gut, und was zerstört sie?

Der blinde Wachstumsbegriff, den Sie, Herr Brüderle,
im Jahreswirtschaftsbericht zugrunde legen, beantwor-
tet diese Frage nicht. Wenn Sie dieser Frage nachgehen
würden, müssten Sie sich entscheiden: Wo wollen wir
zusätzliche Investitionen? Wo wollen wir auf die Bremse
treten? Wollen wir – wie die Grünen es vorschlagen –
die Schwerpunkte der Politik bei sozialer Gerechtigkeit,
bei Bildung und bei Klimaschutz setzen? Dagegen sagen
Sie: Ich bin hier der Wirtschaftsminister; ich will, dass
alles wächst, ganz egal, ob es nützt oder schädlich ist. –
Das ist der Unterschied zwischen uns, über den wir in
dieser Legislaturperiode viel zu streiten haben.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sie tun zu wenig für den Binnenmarkt. Die Wachs-
tumshoffnungen, die Sie in diesem Jahreswirtschaftsbe-

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(C (D cht mühsam aufbauen, beziehen sich ausschließlich auf en Export. Sie tun systematisch zu wenig für den Binenmarkt, weil Sie sich der Frage, wie man die Massenaufkraft, die Kaufkraft der kleinen Leute, stärken kann, ystematisch verweigern. (Beifall der Abg. Hubertus Heil [Peine] [SPD] und Ulla Lötzer [DIE LINKE])


Sie haben – das kann man nicht anders sagen – eine
eologische Scheuklappe beim Mindestlohn, und da,
o Sie entlasten, entlasten Sie in sozialer Schieflage.
as sehen wir beim Kindergeld: Die Kinder in Familien,
ie von Arbeitslosengeld II leben – mindestens 1 Million
inder in Deutschland –, bekommen nichts. Jetzt ist für

wei Monate dennoch etwas überwiesen worden. Das ist
berpeinlich! Der, der am Computer den Knopf gedrückt
at, konnte sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, dass
Deutschland jemand auf die Idee kommt, den Reichen

iel, den Mittleren mittel und den Armen gar nichts zu
eben. Und jetzt kommt Frau von der Leyen und sagt:
ir leben in einem Rechtsstaat. Das muss zurückgezahlt
erden. – Man muss einmal die Bürokratiekosten dieser
ückholaktion mit dem vergleichen, was sie bringt.
ielleicht wäre es eine kluge Entscheidung, das Geld
iesen Familien zu lassen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Übrigens: Wie die Bundesregierung bzw. Herr
rüderle die Entwicklung des Binnenmarktes einschätzt,
ann man anhand der Zahlen schon nachlesen: Preisbe-
inigt wird der private Konsum in diesem Jahr um

,5 Prozent sinken – so seine Prognose –, und die Spar-
uote wird um 0,2 Prozent steigen. Das ist das, was wir

mer vorausgesagt haben: Eine Belebung des Binnen-
arktes bringt die Nummer, die die FDP mit dem
achstumsbeschleunigungsgesetz durchgezogen hat

Senkung der Mehrwertsteuer für die Hotels –, nicht.
elbst der Wirtschaftsminister ist an dieser Stelle skep-
sch. Ich rate, nicht nur skeptisch zu sein, sondern diese
olitik einmal zu überprüfen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Der wichtigste Punkt, wo wir eine offenere Sprache
flegen müssen, Herr Wirtschaftsminister, ist die Frage
ankenfinanzierung/Kreditklemme. Die Bankenkrise
t in Deutschland nicht gemeistert; da lügen Sie sich et-
as in die Tasche. Die Experten sagen, dass in den
ilanzen der Banken – auch der Landesbanken – noch
is zu 100 Milliarden Euro an faulen Papieren, an Risi-
en liegen. Deswegen können wir nicht sagen: Eine Kre-
itklemme ist nicht in Sicht, und das, was bei der Ver-
abe von Krediten an Schwierigkeiten bleibt, wird der
reditmediator schon richten.

Wir haben an der Art und Weise, wie Sie die Banken
erettet haben, Verschiedenes kritisiert. Die Kernlinie
nserer Kritik war, dass Sie die Banken viel zu sehr nach
em Freiwilligkeitsprinzip haben agieren lassen. Das be-
ifft das Bad-Bank-Gesetz, aber auch, dass Sie keinen
erbindlichen Stresstest für alle Banken angesetzt haben.






(A) )



(B) )


Fritz Kuhn
Das hat dazu geführt, dass nicht aufgedeckt wird, was an
Risiken noch in den Büchern schlummert, dass das alles
nicht so geht, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir
warnen Sie vor der Vorstellung, man könne durchatmen,
die Bankenkrise sei ausgestanden; denn wir wissen
nicht, was noch auf uns zukommt. Deswegen kann ich
der Tendenz des Jahreswirtschaftsberichts an dieser
Stelle nicht zustimmen.

Die Gemeinden – ich komme nicht darum herum,
diesen Punkt anzusprechen; eine systematische Darstel-
lung dessen fehlt im Jahreswirtschaftsbericht – waren
gerade in einer Krise und einer aufkeimenden Konjunk-
tur immer Konjunkturmotoren. Es ist einer der größten
wirtschaftspolitischen Fehler, dass Sie den Gemeinden
in dem Moment, wo sie investieren sollten, durch das
Wachstumsbeschleunigungsgesetz und durch das, was
Sie sonst noch vorhaben, die finanziellen Mittel entzie-
hen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Das ist wirtschaftspolitisch völlig verkehrt. Wir werden
nicht müde, dies deutlich und klar darzustellen.

Sie drücken sich an einer Frage völlig vorbei, die die
Bevölkerung immer noch sehr umtreibt: Wer bezahlt ei-
gentlich die Kosten der Finanzmarktkrise? Ihre Antwort
„Steuersenkung“ ist keine Antwort auf die Frage: Wer
bezahlt die Kosten der Krise? Ich höre von Frau Merkel,
von der Bundesregierung immer nur internationale Vor-
schläge, die dann auf der G-20-Ebene wieder verläppert
werden, aber nichts Konkretes zu der Frage, was Sie in
Deutschland vorhaben. Ich höre keinen Vorschlag, dieje-
nigen, die riskant spekuliert haben, zur Kasse zu bitten.

Wir sagen Ihnen: Ohne Veränderungen auf der Ein-
nahmeseite unserer Haushalte, ohne eine neue Diskus-
sion über den Spitzensteuersatz und über die Frage, ob
wir eine Vermögensabgabe nach dem Lastenausgleichs-
prinzip brauchen – die Lasten können jetzt nicht mehr
von allen getragen werden –, werden wir die vielen
schwierigen Finanzfragen, die vor uns liegen, nicht be-
wältigen können. Sie diskutieren über Irrealo-Konzepte.
Die einheitliche Gesundheitsprämie ist doch nichts ande-
res als ein Irrealo-Konzept, das Sie unter den bestehen-
den Finanzbedingungen niemals durchbekommen kön-
nen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


Da kann ich nur sagen: Verblendung der größten Art.

Herr Minister, im Bericht steht etwas von „Ideolo-
giefreiheit“ der Energiepolitik. Ich bin wirklich sehr da-
für; aber mir konnte bisher keiner begründen, wieso Sie
mit der Maßgabe, das Zeitalter der erneuerbaren Ener-
gien zu beschreiten, die Atomkraftwerke und die Kohle-
kraftwerke als „Brückentechnologie“ hochleben lassen.
Das ist ein einmaliger Vorgang in der Innovationsge-
schichte der Industriegesellschaften – Sie sollten den
Schumpeter vielleicht noch einmal gründlicher lesen, als
Sie es getan haben –: Die Brücke ins Neue wird durch

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(C (D ie Revitalisierung des Alten beschritten. Großartige otschaft! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


h finde, dass wir einmal ideologiefrei über diesen
unkt reden sollten.

Herr Minister, Sie schreiben sehr allgemein von ei-
em Entflechtungsgesetz als scharfes Instrument gegen
arktbeherrschende Konzentration, das Sie im Rahmen

es Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen auf
en Weg bringen wollen. Ich will Ihnen sagen: Da haben
ie uns, Bündnis 90/Die Grünen, auf Ihrer Seite. Es ist
ie originäre Aufgabe einer vernünftigen Wirtschaftspo-
tik, bei ihrer Rahmensetzung darauf zu achten, dass
onzentrations- und Monopolprozesse unterbunden
erden, weil die ganze Ideologie und Praxis der freien
arktwirtschaft sonst nicht funktionieren können. Da

ind wir auf Ihrer Seite; aber Sie müssen wissen, dass
ir Sie mit Fragen konfrontieren werden. Wir machen
araus keine gemütliche Postdiskussion.

Wir werden die Frage stellen, ob Sie im Energiesektor
inen Wettbewerb ohne Konzentration für gewährleistet
alten oder nicht.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Frank Steffel [CDU/CSU])


ir sagen: Er ist nicht gewährleistet; vier große Energie-
ersorger beherrschen 80 Prozent des Marktes. Sie müs-
en mit einem solchen Gesetz darauf reagieren.

Wir werden fragen: Gilt das auch für Banken? Was ist
it der Deutschen Bank? Hat sie schon solch eine Stel-
ng, dass Sie sagen: Es muss mit der weiteren Konzen-
ation Schluss sein, weil sonst die berühmte Gleichung
too big to fail“ virulent wird? Herr Minister, hier haben
ie unsere Unterstützung; aber freuen Sie sich nicht zu
üh: Hier darf nicht nur gegackert werden, hier müssen
ie legen, und zwar sichtbar und überprüfbar. Wir wer-
en Sie dabei begleiten.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich komme zum Schluss. Wir setzen uns fundamental
on dieser einen Zielsetzung des quantitativen Wachs-
ms ab, die Sie hier verfolgen. Wir wollen, dass die Po-

tik ökologische und soziale Verschuldung als Maßstäbe
it berücksichtigt, mit dem Ziel, diese zu vermeiden,
eil uns das, auch was Technologien angeht, stärker
acht. Wir müssen nicht nur schauen, was wir wachsen
ssen, sondern wir müssen heute auch schauen, wie wir

ystematisch Folgekosten reduzieren können. Das ist das
este für unsere Wirtschaft, unseren Wohlstand und un-

ere Arbeitsplätze.

Ich danke Ihnen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701901400

Der Kollege Christian Lindner erhält nun das Wort für

ie FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)







(A) )



(B) )


Christian Lindner (FDP):
Rede ID: ID1701901500

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Dieser

Jahreswirtschaftsbericht ist keine Maßnahmensamm-
lung, er ist keine volkswirtschaftliche Zahlensammlung,
sondern er ist ein Orientierungspunkt der neuen Wirt-
schaftspolitik. Er beschreibt die Wiederaufnahme ord-
nungspolitischer Traditionen in Deutschland.


(Beifall bei der FDP – Lachen bei Abgeordneten der SPD)


Ich will das deutlich machen, indem ich zwei Dimen-
sionen beschreibe:

Erstens. Wir stärken den Staat als Ordnungskraft
des Wirtschaftsgeschehens, indem wir beispielsweise
auf punktuelle Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen,
wie etwa die Abwrackprämie, verzichten.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Kritisieren Sie etwa die Regierung?)


Wir stärken den Staat als Ordnungskraft des Wirt-
schaftsgeschehens auch durch das neue Entflechtungsin-
strument. Wer dagegen ist, der macht sich zum Anwalt
dominanter privater Konzerne, die Macht über Verbrau-
cher und Wettbewerber ausüben wollen.


(Beifall bei der FDP – Lachen bei der SPD)


Wir stärken den Staat als Ordnungskraft des Wirt-
schaftsgeschehens schließlich auch dadurch, dass wir
wieder eine starke Finanzmarktaufsicht schaffen.


(Zuruf von der SPD: Ja, ja!)


Es war nicht die FDP in Deutschland, die die Banken-
aufsicht zersplittert hat, sondern das waren Sozialdemo-
kraten und Grüne unter dem Bundesfinanzminister Hans
Eichel.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es war nicht die FDP in Deutschland, die sich gegen
eine internationale Finanzmarktregulierung gewandt hat,


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört!)


sondern es war der Sozialdemokrat Tony Blair, der sich
Hand in Hand mit dem neokonservativen George Bush
gegen die notwendige Regulierung gewandt hat. Hier
werden wir als Koalition einen neuen Ansatz wagen.


(Beifall bei der FDP – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So verlieren Sie noch mehr Prozente! Sie sind schon bei 9 Prozent! Bald sind Sie bei 7 Prozent! – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Sie kommen unter 5 Prozent!)


– Sie können sich ja melden, Herr Heil, aber rufen Sie
jetzt nicht unqualifiziert dazwischen!


(Beifall bei der FDP – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die können ja nicht mehr Niveau haben als Sie!)


Die zweite Dimension, die ich beschreiben will, be-
trifft die neue Balance zwischen dem Staat einerseits und
dem privaten Sektor andererseits.

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(C (D Herr Heil, Sie haben eben gesagt, wir hätten Steuergechenke im Sinn. (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Gruß an Herrn Finck!)


llein das Vokabular entlarvt Ihre Denke. Es ist nämlich
icht so, dass der Staat die Bürger finanziert, sondern die
ürger finanzieren bitte schön den Staat.


(Beifall bei der FDP)


ie haben sich mit der Kritik an unserem Wachstumsbe-
chleunigungsgesetz – das betrifft die Grünen und die
inke genauso – von den Alltagssorgen der Menschen
bgekoppelt.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: In den Hotels! – Weiterer Zuruf von der SPD: Wo leben Sie denn?)


urch die kalte Progression und durch die Inflation ha-
en die Beschäftigten in Deutschland in den letzten zehn
ahren reale Einkommensverluste hinnehmen müssen.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Was tun Sie dagegen?)


Was tun wir? Wir sorgen für eine Entlastung der Fa-
ilien in Deutschland im Umfang von 4,6 Milliarden
uro. Das stärkt die Binnennachfrage und ist im Übrigen
uch ein Gebot der Gerechtigkeit.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Diese Entlastungspolitik ist aber nicht nur fair, sie ist
arüber hinaus auch Ausdruck unseres ordnungspoliti-
chen Verständnisses. Hier unterscheiden wir uns von
nen. Wir gehen davon aus, dass das Wissen über die
ukunft dieser Gesellschaft in ihr selbst verstreut und
icht im Büro von Herrn Heil zentral vorhanden ist.


(Heiterkeit bei Abgeordneten der FDP)


ie Mittelständler, die Unternehmen, die Bürgerinnen
nd Bürger haben sehr viel stärker ein Gefühl dafür, was
ukunftsfähig ist und was nicht.

Deshalb sorgen wir mit unserer Entlastungspolitik da-
r – im Übrigen in Verbindung mit einer steuerlichen

örderung von Forschungs- und Entwicklungsinvesti-
onen –, dass das Kapital, die finanziellen Möglichkei-
n, die „fiskalische Feuerkraft“, wie es der Philosoph
eter Sloterdijk genannt hat, auch dezentral bei den
enschen zur Verfügung stehen. So schafft man Innova-

onen, nicht durch Ihre zentralistisch-planwirtschaftli-
he Politik.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf von der SPD: Ah!)


Sie sagen jetzt „Ah!“ und stöhnen herum. Sie haben
ier und heute nichts von Ihren eigenen Vorstellungen
argelegt; aber wir kennen sie ja durch Ihren „Deutsch-
nd-Plan“. Was war das denn? Das war ein Sammelsu-
um.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Ein Konzept! – Zuruf von der SPD: Eine klare Linie!)







(A) )



(B) )


Christian Lindner
Herr Steinmeier hat mit seinen Beamten am grünen
Tisch überlegt, was vielleicht eine Zukunftsbranche sein
könnte, die dann bitte schön mit Subventionen beatmet
werden sollte.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Quatsch! Sie haben das noch nicht einmal gelesen!)


So macht man keine Politik, und das ist Ihnen vom Sach-
verständigenrat damals zu Recht auseinandergenommen
worden.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Jetzt will ich noch einen Satz zu den Grünen sagen,
und zwar zu Herrn Kuhn, weil ich es als eine Anmaßung
empfunden habe, wie Sie hier gesprochen haben, Herr
Kuhn.


(Abg. Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] unterhält sich mit der Abg. Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


– Herr Kuhn, ich spreche mit Ihnen, aber offensichtlich
haben Sie intern andere Gespräche zu führen.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir reden über Sie!)


Sie haben hier von einem Wachstumsfetischismus ge-
sprochen. Das finde ich interessant. Dies ist eine uralte
Debatte, die der Club of Rome schon in den 70er-Jahren
eröffnet hat. Wir wissen heute: Die Grenzen des Wachs-
tums, von denen Sie ja auch auf Ihrer Vorstandsklausur
gesprochen haben, hat der menschliche Geist durch Spit-
zentechnologien und Spitzendienstleistungen immer
überwunden.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Aber was ist das für eine Gesellschaft, über die Sie
sprechen? Der Status quo, den Sie verteidigen, ist die
kärglichste Zukunftsvision, die man haben kann.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein! Das wollen wir gar nicht! Wir wollen Modernisierung! Wir wollen Innovation! Mehr als Sie!)


Wir wollen Wachstum.


(Beifall bei der FDP)


Ich erkläre Ihnen auch, warum. Wir wollen Wachstum,
weil in einer prosperierenden Gesellschaft die Men-
schen, die sich einen sozialen Aufstieg erarbeiten wol-
len, sehr viel leichter zu dem Ziel kommen, ihre Lebens-
bedingungen zu verbessern.


(Garrelt Duin [SPD]: Professor Binse! – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben ja kein Wort verstanden!)


Die statische Gesellschaft, auf die Sie hinauswollen,
kann sozialen Aufstieg nur in einem harten Verdrän-
gungs- und Verteilungswettbewerb organisieren. Das
wollen wir ausdrücklich nicht.

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(C (D Unsere Politik, die auf Wachstum und Arbeit setzt, ist in Gebot der sozialen Gerechtigkeit. Zu ihr gibt es eine Alternative. Ich danke Ihnen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der FDP)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701901600

Lieber Kollege Lindner, das war Ihre erste Rede im

eutschen Bundestag. Ich gebe zu, dass ich nicht darauf
ekommen wäre, wenn man mir das nicht ausdrücklich
itgeteilt hätte. Meine besondere Gratulation und alles
ute für die weitere parlamentarische Arbeit!


(Beifall)


Ich setze das Einverständnis der FDP-Fraktion vo-
us, dass wir die Debatte bei möglichst wenig störender
ortsetzung der Gratulationscour fortsetzen können.

Nun erteile ich das Wort dem Kollegen Dr. Michael
eister für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Michael Meister (CDU):
Rede ID: ID1701901700

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Präsident! Wir

iskutieren den Jahreswirtschaftsbericht 2010 auf dem
ochpunkt einer Krise und können dennoch feststellen,
ass im Jahr 2009 die Arbeitslosigkeit in Deutschland

Durchschnitt niedriger war, als es vor vier Jahren
hne Krise in diesem Land der Fall war. Selbst wenn der
nstieg, der im Jahreswirtschaftsbericht prognostiziert
ird, stattfindet, werden wir in einer besseren Lage sein

ls 2005, als noch keine Krise in Sicht war.

Ich denke, das ist darauf zurückzuführen, dass in der
rbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik in den vergange-
en Jahren die Weichen richtig gestellt worden sind. Das
ar Politik für die Menschen in Deutschland. Diese
luge und zielführende Politik wollen wir auch weiter-
hren.


(Beifall bei der CDU/CSU – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Schade, dass Sie es nicht machen!)


Wir haben in der Finanzmarktkrise gesehen, dass die
taaten in der Weltgemeinschaft die letzten Vertrauens-
eber waren, um fehlendes Vertrauen in den Märkten zu
rsetzen.


(Beifall des Abg. Hubertus Heil [Peine] [SPD])


Ich freue mich über den Beifall, Herr Heil. –


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Die FDP klatscht ja nicht!)


h gebe allerdings zu bedenken, dass wir vor zwei Auf-
aben stehen. Wenn die nächste Krise kommt,


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist immer noch dieselbe Krise!)







(A) )



(B) )


Dr. Michael Meister
werden wir darauf achten müssen, dass die Staaten noch
in der Lage sind, als Vertrauensgeber Krisenhilfe zu leis-
ten.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Auch richtig!)


Ich will zwei Dinge anmahnen. Zunächst einmal müs-
sen wir darauf achten, dass wir unsere eigene Hand-
lungsfähigkeit bewahren. Das bedeutet Haushaltskonso-
lidierung, die Hebung von Innovationspotenzialen und
Strukturveränderungen. Das müssen wir auch bei ande-
ren Staaten anmahnen, weil wir Krisenprävention nicht
alleine betreiben können.

Wir werden des Weiteren dafür sorgen müssen, dass
die Initiative von Präsident Obama genutzt wird, um in-
ternational zu Absprachen für eine bessere Regulierung
der Finanzmärkte zu kommen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Sagen Sie das Minister Brüderle!)


– Ich glaube, dass in der Koalition eine große Einigkeit
darüber besteht, dass Regulierung notwendig ist, dass sie
besser ausgestaltet werden muss als in der Vergangenheit
und dass wir den Willen haben, das auch international zu
vereinbaren und umzusetzen. Ich hoffe und wünsche,
dass auch andere Länder nicht nur diskutieren, sondern
die Absprachen jeweils in nationales Recht umsetzen.
Basel II war ein Negativbeispiel. Damals gab es Abspra-
chen, die nicht umgesetzt wurden. Das darf nicht wieder
geschehen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Die Wachstumsprognose für 2010 ist einerseits er-
freulich, weil sie von einem Plus von 1,4 Prozent aus-
geht. Andererseits muss man sehen, dass es einen statis-
tischen Überhang aus 2009 gibt. Wir haben nach wie vor
positive Wirkungen aus den staatlichen Konjunkturpro-
grammen und durch die Auswirkungen der internationa-
len Konjunkturmaßnahmen zu verzeichnen. Das heißt,
der Aufschwung ist nach wie vor nicht selbsttragend.
Deshalb bin ich der Meinung, dass wir alles tun müssen,
um Insolvenzen zu vermeiden und dadurch Beschäfti-
gung zu sichern.

Dazu hat diese Koalition bereits etwas geleistet. Wir
haben die Sanierungsklausel im Steuerrecht entschärft.
Wir haben die Zinsschranke für den Mittelstand im Steu-
errecht entschärft, und wir haben dafür gesorgt, dass Un-
ternehmen nicht durch ertragsunabhängige Steuerbe-
standteile belastet werden. All diese Maßnahmen stehen
im Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Damit sollen In-
solvenzen vermieden und Arbeitsplätze in Deutschland
erhalten werden. Das war leider Gottes mit den Sozial-
demokraten nicht möglich. Sie haben aus rein ideologi-
schen Gründen Arbeitsplätze und Unternehmen aufs
Spiel gesetzt. Diese Politik haben wir beendet. Ich
glaube daher, dass wir jetzt auf dem richtigen Weg sind.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Herr Heil, Sie haben hier einen vollkommen falschen
Widerspruch aufgebaut. Sie haben nämlich versucht, die
Bürger gegen den Staat zu stellen.

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(C (D ür uns gibt es keinen Widerspruch zwischen Bürgern nd Staat. Wir sind der Meinung, dass der Bürger in dieem Land handlungsfähig sein muss, dem wir ihm Freiheit durch Bürokratieabbau und auch nanzielle Handlungsfreiheit gewähren und ihm Chanen eröffnen, dass er in diesem Land Arbeit hat. Deshalb aben wir das Wachstumsbeschleunigungsgesetz verabchiedet (Lachen des Abg. Hubertus Heil [Peine] [SPD])


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Nein! Nein!)


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Ja!)


nd andere Entlastungsmaßnahmen mit einem Gesamt-
olumen in Höhe von 24 Milliarden Euro beschlossen,
ie den Bürgern in diesem Land an erweiterter finanziel-
r Handlungsmöglichkeit für 2010 zur Verfügung ste-
en. Das ist die richtige Politik für die Menschen in die-
em Land.


(Beifall bei der CDU/CSU – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Können Sie das mit den Hotels noch mal erklären, Herr Meister?)


Das ist keine Politik gegen die Kommunen. Ich will
rwähnen, der Bundesfinanzminister hat in der Schluss-
nde der Haushaltsdebatte sehr wohl darauf hingewie-

en, dass wir die Not der Gemeinden erkannt haben


(Widerspruch bei der SPD)


nd dass wir zeitnah beginnen werden, an dieser Stelle
en Kommunen Handlungsfähigkeit zurückzugeben.
as heißt, wir spielen hier die Interessen der Beteiligten
icht gegeneinander aus,


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Doch!)


ondern wir versuchen in kluger Weise, Bürger und
taatliche Verwaltungsebenen für die Zukunft hand-
ngsfähig zu machen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Warum verschweigen Sie die Hotelregelung?)


Ich komme zu dem Kollegen Kuhn, der das Thema
achstum angesprochen hat. Wachstum ist wahrlich

icht alles. Aber ohne Wachstum werden wir aus dieser
rise nicht herauskommen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


re Aussage ist richtig. Wir dürfen uns nicht nur auf
achstum konzentrieren. Wir dürfen aber auch keine
eden gegen Wachstum halten, und wir dürfen keine Po-
tik gegen Wachstum machen, sondern wir müssen
achstum in ein Gesamtkonzept stellen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Ich greife Ihr Beispiel von den Kohlekraftwerken
erne auf. Der Neubau von Kohlekraftwerken mit gerin-
eren Emissionen in Deutschland ist, wenn sie als Ersatz
n die Stelle von alten Kraftwerken treten, sowohl hin-
ichtlich der Innovation als auch hinsichtlich der Ökolo-
ie eine Dividende für unser Land. Deshalb sollten wir






(A) )



(B) )


Dr. Michael Meister
nicht wie die Grünen den Neubau verhindern, sondern
ihn fördern, was unseren Bürgern in Form niedrigerer
Energiepreise und dem Klimaschutz und unserer Um-
welt zugutekommt.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir machen keine ideologiebetriebene Politik. Wir
schließen einzelne Technologien nicht aus, sondern wir
sagen klar und deutlich: Wir wollen verträgliche Preise,
wir wollen unsere Ziele ökologisch erreichen – ich
nenne in diesem Zusammenhang den Ausbau der erneu-
erbaren Energien und die CO2-Reduzierung –, und wir
wollen eine sichere Versorgung. An diesen Parametern
orientieren wir uns und nicht an ideologischen Vorprä-
gungen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Der Staat musste in der Krise sowohl im Finanzsektor
wie auch in der Realwirtschaft an der einen oder anderen
Stelle eingreifen und Hilfestellung gewähren. Das war
leider notwendig, weil die Marktteilnehmer an der einen
oder anderen Stelle ihre Verantwortung nicht wahrge-
nommen haben. Ich möchte allerdings auch darauf hin-
weisen, es war eine Maßnahme in der Not, und sie ist
nicht auf Dauer angelegt. Deshalb wird es jetzt darauf
ankommen, dass wir eine Exit-Strategie formulieren:
Wie steigt der Staat aus seinem Engagement so aus, dass
wir keine Verwerfungen in der Wirtschaft und keine Ver-
werfungen am Arbeitsmarkt bekommen?

Die erste Frage, die sich in diesem Zusammenhang
stellt, lautet: Wie ziehen wir in geeigneter Weise die
nach wie vor vorhandene Überliquidität weltweit aus
den Märkten heraus, und zwar so, dass wir nicht in eine
neue Krise hineinkommen?


(Zuruf der Abg. Ulla Lötzer [DIE LINKE])


Da setze ich darauf, dass wir, was die nationale Finanz-
politik und die Abstimmung der internationalen Finanz-
politik angeht, und auch die Notenbanken eine kluge
Strategie an dieser Stelle fahren, um das Ziel, Überliqui-
dität abzubauen, zu erreichen. Wenn wir das nicht schaf-
fen, bilden sich neue Blasen und neue Gefahren, was zu
neuem Schaden führen kann.

Ich will noch das Thema Kreditversorgung für die
Unternehmen ansprechen. In der Diskussion tauchen
zwei Positionen auf, die manchmal widersprüchlich er-
scheinen. Wer die Berichte der Bundesbank liest, der
kommt zu dem Schluss, dass es in Deutschland makro-
ökonomisch keine Kreditkrise gibt. Wer aber als Abge-
ordneter gelegentlich die mittelständischen Unterneh-
men in seinem Wahlkreis besucht,


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Was heißt hier „gelegentlich“? Regelmäßig!)


der hört dort sehr wohl, dass es gesunde Unternehmen
mit vernünftigen Konzepten gibt, die riesige Probleme
haben, eine Finanzierung sowohl für Investitionen als
auch für Betriebsmittel zu bekommen.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Ja, das stimmt!)


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(C (D as mag zunächst einmal widersprüchlich erscheinen. ber ich glaube, dass diese beiden Positionen keinen iderspruch darstellen. Man muss sich anschauen, wer redite bekommt und an welcher Stelle es möglichereise Lücken gibt. Wir müssen uns unser Bankensystem einmal genau nsehen. Das deutsche Bankensystem hat die größten ebel in Bezug auf das Verhältnis von Eigenkapital zu reditausgaben eingesetzt. Wenn wir wirklich zu einer euregulierung der internationalen Finanzmärkte komen, dann wird dieser große Hebel in Deutschland nicht ehr möglich sein. Das bedeutet, dass die Banken mehr igenkapital brauchen und dass die Kreditvolumina, enn das Eigenkapital nicht schnell genug aufgebaut ird, geringer werden. Deshalb plädiere ich an dieser telle dafür, dass wir in Deutschland ein Verbriefungsesetz schaffen, nach dem hochwertige Mittelstandskreite verbrieft werden können und das die Banken in die age versetzt, Kredite zu vergeben. Es ist wichtig, nicht amsch zu verbriefen, wohl aber hochwertige Mittel tandskredite nach klaren Kriterien in die Verbriefung zu ringen. Das wird uns an dieser Stelle wirklich einen chritt voranbringen. Hier können wir national handeln. Wir müssen des Weiteren darüber nachdenken – dait komme ich zur Größe der Banken –, wo wir über aupt Begrenzungen setzen können. Ich glaube, auch ier müssen wir das Eigenkapital berücksichtigen. Wenn ie Größe wächst, sollte auch das Eigenkapital steigen. as Eigenkapital muss meiner Meinung nach aber auch teigen, wenn das Risiko wächst. Wenn wir beides geetzlich regeln, wird es – da Eigenkapital Geld kostet – ine natürliche Grenze für Risikoaversion und Größenachstum geben. In diese Richtung sollten wir die Disussion führen, um einerseits marktwirtschaftliche Prinipien aufrechtzuerhalten und andererseits das Spiel Am Ende wird uns der Staat schon aus der Not helfen“ u beenden. Dafür müssen wir – marktwirtschaftlich gerdnet – klare Grenzen setzen. Ich freue mich, dass wir jetzt im Einzelfall versuchen, en Widerspruch zwischen Makround Mikroökonomie, en ich in Bezug auf die Kreditversorgung der mitteltändischen Unternehmen angesprochen habe, durch ilfestellung des Kreditmediators aufzulösen. Wir haen mit dem Wirtschaftsfonds „Deutschland“ ein wichties Instrument. Nun geht es aber um die spannende rage: Wie können gesunde Unternehmen tatsächlich an ittel aus diesem Fonds kommen? Wir wollen nicht den ranken Unternehmen helfen, wohl aber den gesunden; iesen müssen wir das Geld zugutekommen lassen. Im inzelfall gibt es oft kleine Haken und Ösen, die beseigt werden müssen. Ich hoffe, dass der Kreditmediator ie Dinge ein Stück weit voranbringt. Der Geschäftsklimaindex in Deutschland ist jetzt ehnmal in Folge angestiegen. Trotz Wirtschaftsund inanzkrise herrscht Optimismus unter den Menschen. ir als Politik sollten dies als Chance begreifen, die Fol en der Wirtschaftsund Finanzkrise gemeinsam zu be Dr. Michael Meister wältigen. Die Bundesregierung ist auf einem guten Weg. Wir sollten als Deutscher Bundestag unseren Beitrag dazu leisten. Vielen Dank. Nun erhält der Kollege Duin für die SPD-Fraktion das Wort. Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Kuhn, Sie haben zu Beginn Ihrer Rede den Jahreswirtschaftsbericht hochgehalten und ein paar Bildbeschreibungen abgegeben. Dabei haben Sie aber vergessen, dass das Bild ausgesprochen unscharf ist. Das Bild ist damit zu Recht auf der Titelseite des Jahreswirtschaftsberichts; denn die vorgelegte Konzeption ist unscharf, besteht aus vagen Ankündigungen und bleibt hinter dem, was man in einer solch schweren Krise in Deutschland zu erwarten hat, deutlich zurück. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der CDU/CSU)


(Beifall bei der CDU/CSU)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701901800

(Beifall bei der SPD)

Garrelt Duin (SPD):
Rede ID: ID1701901900

Herr Brüderle sagt immer – ich weiß nicht, was er im
Moment sagt und mit wem er gerade telefoniert; auf je-
den Fall einen schönen Gruß –, Wirtschaft sei zu 50 Pro-
zent Psychologie.


(Zuruf von der CDU/CSU: Er ist nicht der Urheber dieses Satzes!)


– Richtig, er ist nicht der Urheber dieses Satzes. – Das
mag sein. Aber das Problem ist, dass Herr Brüderle uns
im Unklaren darüber lässt, was die anderen 50 Prozent
für die Bundesrepublik Deutschland eigentlich sein sol-
len, mit denen wir das Ganze voranbringen sowie Stabi-
lität und Wachstum erreichen wollen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Die Menschen in Deutschland, die Arbeitnehmerin-
nen und Arbeitnehmer, und nicht zuletzt die Unterneh-
men haben – so will ich es formulieren – großes Glück
gehabt, dass im Jahr 2008 und im Wesentlichen im Jahr
2009 andere regiert haben als Sie, dass Peer Steinbrück,
Olaf Scholz und andere Sozialdemokraten im Kabinett
dafür gesorgt haben, dass es einen klaren Plan gab, aus
dem hervorging, wie mit dieser Krise umzugehen ist,
dass man Weitsicht bewiesen hat und dass die richtigen
Instrumente in der Großen Koalition auf den Weg ge-
bracht worden sind.

Sie machen nun zweierlei: Erstens. Sie werfen gezielt
Geld aus dem Fenster, und zwar für Einzelne und We-
nige, auch noch Geld, das Sie eigentlich gar nicht haben.


(Beifall bei der SPD)


Zweitens kündigen Sie nur an, dass man eine strenge
Haushaltskonsolidierung brauche. Sie lassen vermis-

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(C (D en – ich bin sicher, dies wird sich nach der Nordrheinestfalen-Wahl ändern –, den Leuten reinen Wein ein uschenken und ihnen mitzuteilen, wo Sie denn dann ürzen wollen, damit das Geld, das Sie zum Fenster hiausgeworfen haben, wieder in den Haushalt eingestellt ird. Das ist unverantwortlich. Dadurch entsteht auch kein Wachstum. Das, was Kolge Lindner hier geäußert und wobei er laut die ideoloische Pauke geschlagen hat, war im Wesentlichen ohne ubstanz. Dass jemand wie er nur solche ideologischen hrasen dreschen kann, das leuchtet mir ein. Denn wenn an seit dem 20. Lebensjahr nur in Parlamenten an ei em Pult wie diesem gestanden hat, ist wenig anderes zu rwarten; deswegen ist das nicht verwunderlich. Aber entscheidend ist etwas anderes: Kein Institut in eutschland würde auch nur ansatzweise Ihre Ideologie estätigen, weder in Bezug auf das Wachstumsbeschleuigungsgesetz noch auf das, was im Koalitionsvertrag teht. Ich darf Ihnen, Herr Brüderle – Herr Heil hat vorin schon darauf hingewiesen –, noch einmal wörtlich itieren, was auf Seite 3 des Gutachtens des Sachvertändigenrates steht: Insgesamt gesehen, vermag der Koalitionsvertrag in einer Reihe von wichtigen Punkten nicht zu überzeugen. Nicht nur mangelt es an konkreten Schritten zur Rückführung der staatlichen Neuverschuldung, stattdessen werden Steuererleichterungen und zusätzliche Ausgaben in Aussicht gestellt. Das Zitat geht weiter; das ist der entscheidende Satz: Wenn sie schon glaubt, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu haben, dann sollten diese besser für Zukunftsinvestitionen eingesetzt werden, anstatt sie beispielsweise in Form von Betreuungsgeld und Steuernachlässen für Hotelbetriebe zu verwenden. Hier ist nicht Oppositionspolitik zitiert worden, sonern dies steht im Sachverständigengutachten. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


arauf haben Sie keine entsprechende Antwort gegeben.


(Christian Lindner [FDP]: Hat denn der Sachverständigenrat zum SPD-Plan etwas gesagt? Zitieren Sie das mal!)


Ich bin ganz sicher, dass wir ein paar Elemente in die
iskussion einbringen müssen; einige davon sind hier

chon genannt worden, im Übrigen gerade von Herrn
eister, der das Thema Verbriefungsgesetz angespro-

hen hat. Ich bin mir sicher, dass wir in sehr konstruktive
espräche darüber einsteigen können, weil dies ein
hema ist, das in der Tat dringend einer vernünftigen
ösung zugeführt werden muss.

Aber wir brauchen zunächst den Grundsatz – das be-
ifft nicht nur das Ressort von Herrn Brüderle, sondern






(A) )



(B) )


Garrelt Duin
in gleicher Weise das von Herrn Schäuble und auch von
Frau Aigner, wenn man es genau sieht –, dass kein
Markt, kein Produkt und kein Akteur auf diesem Markt
in Zukunft unreguliert und unbeaufsichtigt bleiben darf.
Wir brauchen dort verschärfte Regeln. Von Ihnen, Herr
Brüderle, Herr Schäuble, aber auch Frau Bundeskanzle-
rin, erwarte ich mehr Energie, um das umzusetzen, was
in Pittsburgh beim G-20-Gipfel verabredet und als Ziel
beschrieben worden ist. Wir benötigen eine internatio-
nale Finanztransaktionssteuer.


(Beifall bei der SPD)


Für die Erreichung dieses Ziels muss von Ihrer Seite
mehr Kraft aufgewendet werden, und auch wenn diese
Steuer international zunächst nicht durchzusetzen ist, so
muss doch dieses Ziel bestehen bleiben. Dann muss man
auf der europäischen Ebene anstreben, etwas zustande
zu bringen. Ich füge ausdrücklich hinzu: Wenn auch dies
in den nächsten Monaten nicht zu erreichen ist, dann
muss es eine nationale Börsenumsatzsteuer geben.


(Beifall des Abg. Joachim Poß [SPD])


Dies jedenfalls raten wir Ihnen eindeutig, und unsere Be-
reitschaft, das umzusetzen, ist vorhanden.

Im Übrigen, Herr Brüderle, brauchen wir eine viel
stärkere europäische Koordinierung. Es reicht nicht
aus, nur auf die Geldpolitik auf der europäischen Ebene
zu blicken und auf die dortige Rolle der EZB und des
ECOFIN zu verweisen. Vielmehr brauchen wir eine
engere Abstimmung und eine engere Koordinierung
auch in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Das heißt
zum Beispiel, dass man den Vorschlag des Ratspräsiden-
ten, von Herrn Zapatero, ernst nimmt und noch einmal
darüber nachdenkt, ob es nicht richtig ist, 1 Prozent zu
investieren und noch einmal öffentliche Investitionen
auszulösen, damit Menschen gut durch diese Krise kom-
men und in Arbeit bleiben oder Arbeit finden können.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Ich kann aus Zeitgründen nicht mehr auf das einge-
hen, was wir im Bereich der Bildung benötigten. Das,
was Sie vorschlagen, ist viel zu wenig. Wir bräuchten
eine viel größere Anstrengung. Ich nenne einmal die
Zahl von rund 10 Milliarden Euro, die allein der Bund
jährlich investieren müsste, um im Bereich der Bildung
voranzukommen.

Abschließend will ich jedoch auf einen Punkt aus Ih-
rer Rede zu sprechen kommen. Sie haben über die Kurz-
arbeit gesprochen und zu Recht beschrieben, dass dies
ein wirksames Instrument war, um Menschen in Arbeit
zu halten. Sie haben aber darüber hinaus einfach nur da-
von gesprochen, dass es ein teures Instrument und eine
Subvention sei. Dieser Sprachgebrauch entlarvt Sie;
denn ich habe nicht den Eindruck, dass diejenigen, die in
den großen Betrieben, um die es dabei in erster Linie
geht, als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gezwun-
gen sind, kurz zu arbeiten, sich als Subventionsempfän-
ger empfinden. Sie wissen genau, mit welcher psycholo-
gischen Wirkung das Wort Subvention in Deutschland
gebraucht wird. Das ist aus meiner Sicht im Zusammen-
hang mit der Kurzarbeit vollkommen unzulässig.

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(C (D ier geht es doch darum, die Menschen in Arbeit zu haln. Natürlich wissen die Betriebe, dass das ein teures In trument ist, aber es geht doch darum, die Fachkräfte in en Betrieben zu halten. Sie können nicht einerseits den achkräftemangel, der auf uns zukommt, beklagen und ndererseits eine Beschränkung auf nur 18 Monate einhren. ir brauchen eine längere Perspektive für die Menschen den Betrieben, damit sie in Arbeit bleiben und damit ie mit dem Einkommen, das sie zur Verfügung haben, en Konsum ankurbeln. Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der SPD)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701902000

Nächste Rednerin ist die Kollegin Ulla Lötzer, Frak-

on Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Ursula Lötzer (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701902100

Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Herr

indner, wenn Sie sich hier hinstellen und sagen, Um-
erteilung mittels Steuersenkung zugunsten von Vermö-
enden und Konzernen sei etwas Neues, dann ist das
erlogen; es ist auch verlogen, zu sagen, damit werde die
innennachfrage gestärkt. Wir wissen, dass diese Politik
den letzten Jahrzehnten die Armut verschärft hat, die
innennachfrage ruiniert hat, zu Spekulationen auf den
inanzmärkten geführt hat und damit die Krise mit ver-
rsacht hat. Sonst gar nichts.


(Beifall bei der LINKEN)


Lassen Sie mich zu dem Punkt „privat versus Staat“
ommen. Herr Brüderle, Sie schreiben in Ihrem Jahres-
irtschaftsbericht, eine der Herausforderungen sei die
tabilisierung der Konjunktur. Umso erstaunlicher
nde ich allerdings, dass Sie im gleichen Atemzug an-
ündigen, dass Sie die staatlichen Konjunkturpro-
ramme kürzen bzw. nicht mehr weiterführen wollen. Im
ahr 2009 wurden Ausgaben in Höhe von 33 Mil-
arden Euro geplant und fast vollständig realisiert. Das
ar uns zu wenig; es hat aber trotzdem Beschäftigung
esichert, und zwar die von Handwerkern, die von kom-
unalen Aufträgen abhängig sind, und die von Bauar-

eitern. Besonders erfolgreich war das Gebäudesanie-
ngsprogramm, das dann aufgestockt wurde.

Diese Mittel waren nicht nur konjunkturell wichtig;
eit langem liegt Deutschland im europäischen Vergleich
ei öffentlichen Investitionen zurück. 40 Milliarden Euro
ehr müssten alleine Bund, Länder und Kommunen
hrlich investieren, um nur im europäischen Durch-

chnitt zu liegen, geschweige denn um Spitzenwerte er-
ielen zu können.

Die Bürgerinnen und Bürger merken Ihr Verständnis
on Staat in dieser Hinsicht überall: fehlende oder marode






(A) )



(B) )


Ulla Lötzer
Schulen und Kindergärten, Verkehrssysteme, die die Luft
verpesten, ungedämmte Gebäude, die viele CO2-Schäden
verursachen, und vieles andere mehr. Jetzt kürzen Sie die
Mittel bereits auf 28 Milliarden Euro und nehmen mit Ih-
rem Steuersenkungsprogramm den Kommunen die not-
wendigen Mittel für die Investitionen weg. Das ist unserer
Auffassung nach ein Skandal, Herr Brüderle.


(Beifall bei der LINKEN sowie der Abg. Wolfgang Tiefensee [SPD] und Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Wir fordern die Aufstockung, nicht die Kürzung. Wir
wollen ein Zukunftsprogramm von 50 Milliarden Euro
für öffentliche Investitionen von Bund, Ländern und
Kommunen. Wir brauchen sie, um die Daseinsvorsorge
zu erhalten, wir brauchen sie, um den ökologischen Um-
bau, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, einzulei-
ten, und wir brauchen sie für den Ausbau regenerativer
Energien. Wir brauchen sie darüber hinaus zur Stabilisie-
rung der Konjunktur, um Arbeitsplätze zu sichern. Der
Chef des Internationalen Währungsfonds, Strauss-Kahn,
hat kürzlich gewarnt, dass eine zweite Rezession drohe,
wenn die Industrieländer ihre Konjunkturprogramme zu
früh beendeten. Lassen Sie sich das doch endlich eine
Warnung sein, und folgen Sie unseren Ratschlägen!


(Beifall bei der LINKEN)


Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang auch auf
das öffentliche Personal zu sprechen kommen. Auch da
ist Deutschland Schlusslicht, auch da haben Sie keine
Kraft, Zukunft zu gestalten, wie es so schön verheißt.
Soziale Dienstleistungen sind Gradmesser für Beschäf-
tigung und Wohlstand. Sie entscheiden über Lebensqua-
lität. Allein 400 000 zusätzliche Beschäftigte fehlen in
der Ganztagsbetreuung, sagt das DIW. Studien zur Al-
tenpflege besagen, dass dort demnächst 500 000 Arbeits-
plätze benötigt werden. Deshalb ist die Schaffung von
1 Million Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst ein wei-
terer Schwerpunkt unseres Programms.


(Beifall bei der LINKEN)


Dritter Schwerpunkt. Die Arbeitslosigkeit ist vor al-
lem in den exportabhängigen Industrieregionen, zum
Beispiel in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württem-
berg, gestiegen, und Kurzarbeit – das sagen auch Sie –
schützt nicht ewig vor Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig
leistet sich der Exportweltmeister Deutschland eine völ-
lig überaltete Industrie. Unter dem Druck kurzfristiger
Renditeorientierung sind langfristige Ziele wie ökologi-
sche Erneuerung und Innovation der Industrie auf den
Hund gekommen. Aus einem Gutachten für das Um-
weltministerium der letzten Regierung geht hervor, dass
der Investitionsanteil der Industrie von 25 Prozent im
Jahr 1970 auf 18 Prozent gefallen ist und sich somit
ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt befindet. Drin-
gend erforderlich ist, die Sicherung von Arbeitsplätzen
mit dem notwendigen ökologischen Umbau der Indus-
trie zu verbinden.


(Beifall bei der LINKEN)


Sie haben hier viel von Anreizen, Steuernachlässen
und anderen Maßnahmen gesprochen, mit denen Sie

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(C (D achstum und Innovationen fördern wollen. Nach der erfassung sollen wir die Industrie aber nicht reizen; ielmehr heißt es dort: Eigentum verpflichtet. Verpflicht ist somit die Politik, die Rahmenbedingungen so zu etzen, dass auch die Industrie dem Gemeinwohl dient nd nicht nur den Profiten einiger weniger. Wir fordern eine aktive Industriepolitik, die den notendigen ökologischen Umbau mit sozialen Fragen wie eschäftigungssicherung verbindet. Wir wollen, dass us dem Deutschlandfonds dafür 25 Milliarden Euro in ie Hand genommen werden. Bevor Herr Lindner wieer „SED“ und „Planwirtschaft“ schreit: In Frankreich ird so vorgegangen. In Brasilien wird erfolgreich Indusiepolitik betrieben, indem Mittel als staatliche Beteiliung vergeben werden, verbunden mit Auflagen für ökogischen Umbau und mit demokratischer Kontrolle. – r Deutschlandfonds schafft weder Rahmenbedingun en für den ökologischen Umbau, noch ist er demokrasch kontrolliert. Es ist ein Schattenhaushalt, über den llein Staatssekretäre und Minister verfügen. Wir wollen Alternativen zu Ihrer Exportorientierung, ie am Ende ist. Wir bieten Ihnen eine Alternative, die irtschaftsdemokratisierung mit ökologischer Erneueng, sozialen Dienstleistungen und öffentlicher Da einsvorsorge verbindet. Das schüfe Kraft für Neues, icht aber Ihre Fortschreibung der Umverteilungspolitik. Danke. Der Kollege Dr. Georg Nüßlein ist der nächste Redner r die CDU/CSU-Fraktion. Herr Präsident! Meine Damen! Meine Herren! Es ist elbstverständlich, dass eine so wichtige Landtagswahl ie die in NRW ihre Schatten vorauswirft; man hat es sbesondere bei den Reden der Opposition gespürt. Ich in der Auffassung, dass dieser Jahreswirtschaftsbericht ie besondere Chance geboten hat, in dieser Debatte heuszukehren, dass es eine historische Gemeinschaftsistung der Politik und insbesondere der Bundespolitik ar, das zu erreichen, was wir hier geschafft haben. Es äre gut gewesen, wenn Sie das einmal angesprochen ätten. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Garrelt Duin [SPD]: Die Große Koalition, richtig! Sie hätten zuhören müssen! Genau das haben wir gesagt! – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Danke für das Lob!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701902200

(Beifall bei der CDU/CSU)

Dr. Georg Nüßlein (CSU):
Rede ID: ID1701902300

ahlkampfgetöse gehört zwar dazu – ich mache das
uch gerne –; dennoch wäre es besser gewesen, wenn
ie hier ein bisschen leiser getreten hätten.

Es geht hier darum, den Bürgerinnen und Bürgern
ertrauen zu vermitteln. Das ist uns bisher sowohl auf






(A) )



(B) )


Dr. Georg Nüßlein
den Finanz- als auch auf den Arbeitsmärkten gelungen;
das muss man einmal betonen. Ich nehme zur Kenntnis,
dass wir jetzt einen spürbaren Anstieg der Arbeitslosig-
keit bekommen; so lauten die aktuellen Meldungen. Jetzt
geht es darum, zu verhindern, dass das gewonnene Ver-
trauen verloren geht. Dazu muss die Politik ihren Beitrag
leisten. Dazu leisten in diesem Land insbesondere die
vielen mittelständischen Unternehmer einen ganz ent-
scheidenden Beitrag. Deshalb möchte ich an der Stelle
wieder einmal eine Lanze für den Mittelstand brechen.
Ich meine nämlich, dass der Mittelstand in dieser
schwierigen Situation in der Lage ist, Deutschland zu
stabilisieren.


(Beifall bei der CDU/CSU)


In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle der
Banken angesprochen. Es ist natürlich völlig richtig,
Herr Kuhn: Freiwilligkeit macht nur Sinn, wenn Verant-
wortung auch wahrgenommen wird.


(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wird aber nicht wahrgenommen!)


Die Politik muss somit einerseits dafür Sorge tragen,
dass die Banken die notwendigen Spielräume haben, an-
dererseits aber auch, wenn sie zur Kenntnis nimmt, dass
die Banken diese nicht so nutzen, wie wir uns das vor-
stellen,


(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schauen Sie sich einmal die Bayerische Landesbank an!)


sich über weitere Maßnahmen Gedanken machen. Da
pflichte ich Ihnen völlig bei.


(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr gut!)


Angesichts der Meldungen, dass noch Eigenkapitalaus-
fälle in Höhe von 90 Milliarden Euro drohen und des-
halb die Spielräume, Kredite zu gewähren, permanent
enger werden, sind Vorschläge wie der des Kollegen
Meister, ein Verbriefungsgesetz zu erlassen, ganz zen-
tral. Das sind Dinge, die man dann auch entsprechend
schnell umsetzen muss.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wenn wir sagen, wir haben den Mittelstand im Blick,
müssen wir uns Gedanken darüber machen, ob wir das
auch im Tagesgeschäft tun. Bei all den wünschenswerten
Dingen, die wir in den Bereichen des Verbraucherschut-
zes und des Datenschutzes sowie in anderen Bereichen
noch gestalten wollen, müssen wir uns immer die Frage
stellen, welche Auswirkungen das letztendlich auf klei-
nere und mittlere Unternehmen hat.

Normalerweise wird in einer solchen Debatte – indi-
rekt ist das heute auch passiert – regelmäßig auf Erhard
rekurriert:


(Eduard Oswald [CDU/CSU]: Ludwig, und nicht Heinz!)


Wohlstand für alle heißt aber auch Teilhabe für alle. Jetzt
ordne ich das, was der Bundeswirtschaftsminister derzeit

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(C (D Bereich des Kartellrechts vorschlägt, einmal in dieen Kontext ein. Ich gehe davon aus, dass es so gemeint t. Er hat sein Vorhaben heute leider nur mit der Sentenz egründet: Si vis pacem para bellum! Also: Rüste dich r den Krieg, wenn du Frieden willst! – Wenn Sie uns, err Minister, sagen würden, wen Sie damit meinen und ei welchen Fällen ein solches Zerschlagungsgesetz irkung zeigen kann, dann sind wir als CSU eng an Ihr Seite. Die Vorschläge, die ich bisher gehört habe, ha en mich nicht überzeugt. Mich würde überzeugen, wenn Sie sagen würden, ass es im Handel eine Konzentration der Macht gibt, ie den Mittelstand massiv bedroht, (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die CSU hat doch jetzt schon die Hosen voll!)


ass diese Marktmacht, auch wenn sie vielleicht auf der
erbraucherseite noch nicht zum Tragen kommt, insbe-
ondere auf den Beschaffungsmärkten den Mittelstand
efährdet, dass also die Gefahr besteht, dass von der
andwirtschaft über die mittelständischen Zulieferer bis
in zum mittelständischen Einzelhandel ein Totalscha-
en entsteht. In dieser Republik haben wir ja die Situa-
on, dass derzeit sechs Große im Lebensmittelbereich
arüber entscheiden, was 90 Prozent der Bürgerinnen
nd Bürger auf den Tisch bekommen. Hier haben wir ein
ligopol mit ganz außerordentlicher Marktmacht. Ich
ehaupte, dass diese Marktmacht auch eingesetzt wird,
war nicht auf der Verbraucherseite, jedoch auf der Be-
chaffungsseite.

Wenn das Instrument, das Sie vorschlagen, dabei hel-
n würde, das eine oder andere wieder zurechtzurücken,

odass der Mittelstand auch in diesen Bereichen gemäß
em Motto „Teilhabe für alle“ wieder mehr atmen und
tärker zum Zuge kommen kann, dann würde uns das
urchaus gefallen; das hätte einen gewissen Charme.
enn es sich nur um ein allgemeines Instrument handelt,

as man an die Hand bekommen möchte, weil es andere
ie zum Beispiel die USA auch haben, dann tue ich
ich, ehrlich gesagt, auch mit Blick auf Art. 14 des
rundgesetzes ausgesprochen schwer, dem zu folgen.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Herr Nüßlein, Sie haben es erkannt: Das ist Placebo!)


Ansonsten wird im Zusammenhang mit dem Mittel-
tand immer das Thema Bürokratieabbau angespro-
hen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man hier mit
rozentzahlen hantieren sollte. Wenn man nämlich von
inem Abbau von 25 Prozent spricht, dann taucht immer
ie Frage auf, von welcher 100-Prozent-Basis man aus-
eht. Ich bin mir allerdings sicher, dass in diesem Be-
ich noch sehr viel mehr drin ist und hier insbesondere

as deutsche Steuerrecht immenses Potenzial bietet.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Vor allem bei den Mehrwertsteuersätzen!)


ir müssen daher im Rahmen der Steuerreform zwei
inge tun: Auf der einen Seite müssen wir den Mittel-

tandsbauch abbauen. Auf der anderen Seite müssen wir
Interesse unseres Mittelstands für Steuervereinfa-

hungen sorgen.






(A) )



(B) )


Dr. Georg Nüßlein

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Sie machen das Gegenteil! Reden Sie mal mit Geschäftsreisenden über Frühstück!)


Nun hat die Kollegin von der Linken vorhin den öko-
logischen Umbau der Wirtschaft mit Blick auf die Ar-
beitsplätze angesprochen. Zunächst einmal muss es uns
doch darum gehen, Arbeitsplätze zu sichern. Wenn das
gleichzeitig mit einem ökologischen Umbau, wie Sie es
taufen, geschieht, dann muss Ihnen doch klar sein, dass
dafür ein längerer Zeitraum nötig ist.


(Ulla Lötzer [DIE LINKE]: Deshalb muss man ja mal anfangen!)


Über diesen längeren Zeitraum diskutieren wir hier. Das
tun wir zu Recht, insbesondere in der Energiepolitik.


(Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Umsetzen! Ihr habt Umsetzungsprobleme!)


Da geht es um die Frage: Wie können wir die erneuerba-
ren Energien so weit ausbauen, dass sie die Hauptrolle
im Energiemix spielen? Wie können wir das erreichen,
ohne energieintensive Bereiche aus dem Land zu treiben
oder die Strompreise unsozial zu verteuern? Wir sind für
einen dynamischen Energiemix, wobei die erneuerbaren
Energien sukzessive aufwachsen und dann die klassi-
schen Energieformen ersetzen sollen. Wir müssen aber
mit Blick auf die Preise dafür sorgen, dass die Laufzei-
ten der Atomkraftwerke verlängert werden, bis wir diese
ökonomische Erwägung realisieren können.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Das hat mit Preisen nichts zu tun, sondern mit Profiten!)


Nun sagen Sie, das sei widersprüchlich. Ich bestreite
das massiv. Wir haben einen Einspeisevorrang im EEG,
an dem niemand rütteln wird. Das heißt, die erneuerba-
ren Energien sind in keiner Weise gefährdet. Im Gegen-
teil: Derjenige, der heute in ein Kohlekraftwerk inves-
tiert, muss sich die Frage stellen, wie lange er am Markt
damit reüssieren kann. Denn nach der Merit-Order kom-
men zuerst die erneuerbaren Energien und dann die
Kernenergie; die Energieformen, die teuer sind und CO2
produzieren, werden sukzessive verschwinden. Das ist
eine klare Linie.

Meine Damen und Herren, ich erwarte keinen Kon-
sens, aber ich erwarte zumindest, dass keine falschen
Dinge behauptet werden. Die Verlängerung der Laufzeit
der Atomkraftwerke hat nichts, aber auch gar nichts mit
den erneuerbaren Energien zu tun.

Vielen herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701902400

Das Wort erhält nun der Kollege Wolfgang Tiefensee

für die SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)


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(C (D Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her n! Liebe Gäste! Der Jahreswirtschaftsbericht trägt eine berschrift, die sehr markige Worte beinhaltet. Da wird on „neu“, von „Kraft“, von „Zukunft“ und von „gestaln“ gesprochen. (Volker Kauder [CDU/CSU]: Sehr gut! – Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Das passt nicht zu Ihnen! – Ulla Lötzer [DIE LINKE]: Es wäre schön, wenn es so wäre!)

Wolfgang Tiefensee (SPD):
Rede ID: ID1701902500

enn man den Bericht liest, kann man nichts erkennen,
as neu oder kraftvoll ist, was nach Gestaltung schreit
der einen zukünftigen Weg beschreibt. Im Deutschen
ibt es ein schönes Bild. Der Volksmund sagt: Es gibt
enschen, die mit dem Hintern einreißen, was andere
it den Händen aufgebaut haben. – Es besteht die Ge-
hr, dass das, Herr Nüßlein, was die Große Koalition

nd davor die rot-grüne Koalition aufgebaut haben und
as sich an guter Substanz im Jahreswirtschaftsbericht
nd auch im Haushalt 2010 findet, durch diese Bundes-
gierung und speziell durch einen Wirtschaftsminister

ingerissen wird, der nicht auf dem richtigen Pfad, son-
ern auf einem falschen Pfad ist.


(Beifall bei der SPD)


Ich bedaure es sehr, dass Herr Lindner nicht da ist. Ich
nde es gut, wenn diejenigen, die eine Rede halten,

uch später noch anwesend sind, damit man sie anspre-
hen kann. – Auf der Besuchertribüne sitzen junge
äste. Ich finde es gut, dass sie da sind. Sie sprechen,
err Brüderle, oft sehr vage und nebulös. Eines ist aber
mer sehr klar: Sie sprechen von einem bestimmten

taatsverständnis. Dieses Staatsverständnis fließt auch in
ie einzelnen Maßnahmen ein, auf die ich noch konkret
u sprechen kommen will. Zu Beginn meiner Rede
öchte ich Herrn Lindner und Herrn Nüßlein ganz klar

agen: Das Staatsverständnis, das Sie haben, teilen wir
icht. Es macht uns Angst; es ist gefährlich.


(Beifall bei der SPD)


arum, liebe junge Leute? Hier wird kein Gegensatz
wischen Bürger und Staat aufgebaut, sondern hier wird
ünstlich ein Gegensatz zwischen Wirtschaft und Staat
ufgebaut, als ob die Wirtschaft um ihrer selbst willen
as Primat hätte. Das ist nicht so. Herr Brüderle, verlas-
en Sie diesen Pfad!


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


er baut die Straßen – nicht nach Theben, aber zu den
nternehmen? Wer sorgt für die Qualifikation der Fach-

rbeiterinnen und Facharbeiter? Wer gewährleistet die
icherheit? Wer bietet Lebensqualität in den Städten, da-
it die Menschen, die arbeiten sollen, sich wohlfühlen?
och wohl der Staat. Deshalb: Desavouieren Sie den
taat nicht, sondern stützen Sie ihn in seiner Leistungs-
higkeit!


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Ernst Hinsken [CDU/CSU]: Wer zahlt die Steuern?)







(A) )



(B) )


Wolfgang Tiefensee
Ich will durchexerzieren, was sich im Jahreswirt-
schaftsbericht und in Ihren Vorhaben findet. Der erste
Punkt ist, dass Sie die Steuern senken und gleichzeitig
den Haushalt konsolidieren wollen. Sie werden im vor-
liegenden Jahreswirtschaftsbericht der Forderung nicht
gerecht, diese Quadratur des Kreises aufzulösen


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


und zu beweisen, was Sie dem Sachverständigengutach-
ten entgegenzusetzen haben. Von einem neutralen Gut-
achten kann man, da es um eine der größten Volkswirt-
schaften der Welt geht, erwarten, dass man, Herr
Brüderle, nicht nur sagt: „Wir wollen eine Schippe
drauflegen“ oder: „Wir haben den richtigen Kompass“;
vielleicht schauen Sie auch mal auf den Kompass. Es
geht vielmehr auch darum, dass man deutlich macht, wa-
rum durch Steuersenkungen und weitere Verschul-
dung Wachstum entstehen soll. Diese Begründung sind
Sie uns schuldig geblieben.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Daraus folgt, dass Sie die Kommunen arm machen.
Ich hatte zwischen Weihnachten und Silvester 2008 das
große Vergnügen, ein Konjunkturprogramm zur Gebäu-
desanierung und ein Konjunkturprogramm im Verkehrs-
bereich auszuarbeiten. Wenn Sie den Kommunen das
Geld wegnehmen, brauchen Sie sich nicht zu wundern,
dass nicht weiter investiert wird.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Das ist der völlig falsche Weg. Aus diesem Grund sage
ich: Verlassen Sie diesen Pfad!

Zur Arbeitsmarktpolitik. Hier schlagen Sie einen Irr-
weg ein. Auf der einen Seite, Herr Nüßlein, wird ab und
zu gelobt, dass die Geltungsdauer der Regelung zum
Kurzarbeitarbeitergeld verlängert worden ist. In der
Regel wird dann von „man“ gesprochen; man nennt
nicht Ross und Reiter, nicht diejenigen, die das geschafft
haben.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Olaf Scholz!)


Aber es geht nicht nur um das Kurzarbeitergeld, son-
dern, Herr Brüderle, auch um den Kommunalkombi, der
zum Beispiel im Osten unserer Republik viel bewirkt
hat. Tausende Langzeitarbeitslose sind in Arbeit gekom-
men. Warum beenden Sie dieses Programm? Herr Vaatz,
warum beenden es der Ministerpräsident, der Finanz-
und der Wirtschaftsminister im Freistaat Sachsen? Men-
schen, die in Arbeit sind, werden herausgedrängt. Das ist
der falsche Pfad. Verlassen Sie ihn!


(Beifall bei der SPD)


Das Gleiche gilt für die Mindestlöhne. Es ist mehr-
fach angesprochen worden: Wir brauchen einen gesetzli-
chen Mindestlohn, aber nicht aus ideologischen Grün-
den, Herr Brüderle, sondern aus dem einfachen Grund
– Herr Lindner, ich freue mich, dass Sie wieder da sind –,
dass zu einer menschenwürdigen Arbeit ein menschen-

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(C (D ürdiger Lohn und damit ein menschenwürdiges Leben ehören. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


enn Sie das nicht gewährleisten, dann wird es nicht
ur weniger Kaufkraft geben und der Staat wesentlich
ehr Steuergelder aufbringen müssen – dies ist übri-

ens, wenn Sie so wollen, eine Subvention –, sondern
ann brauchen Sie sich nicht zu wundern – auch dies ist
ieder ein ostspezifisches Problem –, dass die Men-

chen von Ost nach West gehen und die Facharbeiter
ort fehlen, wo wir sie dringend brauchen, um die Indus-
ie aufzubauen.


(Beifall bei der SPD)


Jetzt stehen marktgerecht ausgestaltete Vermitt-
ngsgutscheine auf der Tagesordnung. Auch soll Bür-

erarbeit ausprobiert werden. Wenn Sie schon den Pfad
er Großen Koalition und letztlich den der rot-grünen
egierung fortsetzen – man liest es im Jahreswirtschafts-
ericht und im Haushaltsentwurf 2010 –, dann doch bitte
uch in diesem Bereich. Warum muss Bürgerarbeit aus-
robiert werden? Warum wollen wir den Menschen zum
eispiel im Osten, aber auch in anderen strukturschwa-
hen Gebieten sagen: „Wir experimentieren erst noch
in bisschen; das, was funktioniert, werfen wir weg“?
erlassen Sie diesen Pfad! Er ist falsch.


(Beifall bei der SPD)


Summa summarum: Herr Brüderle, Herr Lindner,
berdenken Sie Ihr Grundverständnis von Staat und
irtschaft; denn Sie verlassen einen guten Pfad und ge-

en in die Irre. Lassen Sie uns in der Zukunft darüber
iskutieren. Es ist keine theoretische Debatte. Das Wohl
nd Wehe von Tausenden Menschen einer der stärksten
dustrienationen Europas und damit eine globale Ent-
icklung hängen an der Frage, ob Sie diesen Irrweg ver-
ssen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1701902600

Nun erhält der Kollege Dr. Heinz Riesenhuber das

ort für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Dr. Heinz Riesenhuber (CDU):
Rede ID: ID1701902700

Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kolle-

en! Herr Tiefensee, Sie haben uns aufgefordert, über
as Verhältnis von Wirtschaft und Staat nachzudenken.
err Tiefensee, wir glauben nicht, dass der Staat die
ufgabe hat, Chancen für Zukünfte vorherzubestimmen.
ielmehr glauben wir, dass die Wirtschaft aus eigener
erantwortung Zukunft schaffen muss, dass der Staat da-
ei helfen und unterstützen kann, dass wir auf die Initia-
ve des Einzelnen vertrauen, dass wir die Freiräume






(A) )



(B) )


Dr. Heinz Riesenhuber
schaffen müssen, dass der Einzelne vorangehen und auf-
bauen kann, nicht aber, dass der Staat eng gestrickte Pro-
gramme auflegt, bei denen gesagt wird, was der Einzelne
tun soll.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir haben vom Sachverständigenrat und anschlie-
ßend auch im Jahreswirtschaftsbericht drei zentrale He-
rausforderungen benannt bekommen: erstens, die Wirt-
schaft zu stabilisieren. Hier greift der Staat in Krisen ein,
und er hilft. Aber – so haben es Herr Brüderle und
Michael Meister gesagt – der Staat muss auch schauen,
wie schnell er sich zurückziehen kann, damit es nicht
kontraproduktiv wird; denn er weist nicht die Zukunft.
Die Zukunft kann der Staat nicht erfinden. Er muss Frei-
raum schaffen, damit Zukunft von denen geschaffen
werden kann, die in Wissenschaft und Wirtschaft die Ar-
beit zu tun haben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Aber bei der Bildung soll er sich engagieren!)


Zweitens, Haushalte zu konsolidieren. Darüber haben
wir mit Wolfgang Schäuble in der vergangenen Woche
diskutiert.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Wo?)


Drittens, Wachstumsspielräume zu erweitern. Dies
wird hier definiert. Es wird gesagt, wo dies erfolgen soll:
in Bildung, in Forschung und in Innovation. Die Kolle-
gin Nadine Müller wird nachher über Bildung sprechen,
einen der zentralen strategischen Bereiche.


(Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da sind wir mal gespannt!)


Forschung und Innovation sind die Felder, auf denen Zu-
kunft entsteht. Die Frage, ob Kreativität möglich ist, ist
zuerst eine Frage an die Wissenschaftler und an die Un-
ternehmer. Wir fahren Bürokratie nicht nur zurück, um
Kosten zu senken, sondern auch, um Freiheiten zu schaf-
fen, um die Möglichkeit zu Neuem zu eröffnen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


In einer schwierigen Zeit werden wir dabei durchaus
helfen. Bei der Forschung für den Mittelstand haben
wir mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittel-
stand in der Krise gewaltige Summen draufgelegt; in
diesem Jahr sind es 450 Millionen Euro zusätzlich zu
den bisherigen 313 Millionen Euro. Was ist der Sinn?
Dass auch unter dem Druck der Krise die mittelständi-
schen Unternehmen, die Quelle für viele Innovationen
sind, imstande sind, ihre Forschung durchzuhalten und
Zukunft zu schaffen. Damit sie sich nicht nur mit Kri-
senmanagement befassen, legen wir so viel Geld drauf.
Eine der interessanten Herausforderungen, lieber Herr
Brüderle, wird sein, wie wir in der nächsten Runde die
Voraussetzungen dafür schaffen, dass hier nichts ab-
bricht und dass die Förderung auf hohem Niveau fortge-
setzt wird, damit wir einen Übergang bekommen, der in
eine gute Zukunft hineinträgt.

Bei diesem Zentralen Innovationsprogramm wird der
Übergang wichtig sein, und es wird wichtig sein, dass

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(C (D as Signal an den Mittelstand von den Unternehmen vertanden wird: Macht die Forschung nicht kleiner! Stellt uch in der Krise junge Wissenschaftler ein! – Wir haben s 1994 und vorher schon 1979 erlebt, dass, wenn die irtschaft in der Krise nicht einstellt, anschließend die ahlen junger Studenten zurückgehen, die Ingenieure, hemiker oder Physiker werden wollen. Das aufzuholen, braucht dann Jahre. Deshalb halte h es für prima, dass Herr Hambrecht für die chemische dustrie erklärt hat: Wir werden durchhalten. Wir wer en auch in der Krise einstellen. – Das brauchen wir: taat und Wirtschaft als Partner. Das ist die Stärke. Das t die Voraussetzung für eine vernünftige Strategie. Zur Hightech-Strategie: Herr Kuhn verlangt ein achstum mit menschlichem Gesicht. Jawohl! Im Jahswirtschaftsbericht heißt es, dass sich die Förderung er Schlüsseltechnologien der Hightech-Strategie zunehend an gesellschaftlichen Zielen wie Gesundheit, Si herheit, Alter, Kommunikation und Mobilität orientien wird. Es ist genau diese Strategie aus einem Guss, ie dem Einzelnen Freiheit und die Chance gibt, seine olle zu finden und erfolgreich zu sein, für sich selbst nd für uns alle. Es gibt einige Bereiche, in denen wir noch viel tun üssen. Manches ist in dem vorzüglichen Bericht mit leganter Beiläufigkeit erwähnt. Wenn es in einer einzien Zeile unter Punkt 69 des Anhangs heißt, dass wir die linische Forschung stärken wollen, ann ist das hochinteressant. Dahinter steht die Tatsache, ass zwar in den Haushalten der Länder 3 Milliarden uro für klinische Forschung und die Unterstützung der niversitätskliniken zur Verfügung stehen, aber der Wis enschaftsrat mahnt seit Jahren an, dass davon vielerorts eniger als 10 Prozent in die Forschung eingehen. Die es Problem zu beheben, wird eine faszinierende Aufabe für die Bundesregierung im Zusammenspiel mit ielen sein. Es ist wichtig, dass wir bei der steuerlichen Forchungsförderung weiterkommen. Im Jahreswirtchaftsbericht heißt es – er baut auf dem Gutachten des achverständigenrats auf –: Die Bundesregierung strebt an, mit einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung zusätzliche Forschungsimpulse insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen auszulösen. (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Wo ist das Konzept dafür?)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Aber wie?)


as ist eine prachtvolle Bundesregierung.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Nicht schnacken! Machen!)


enn sie etwas anstrebt, dann wird sie es auch errei-
hen. Wir werden alle helfen, dass dies gelingen kann.
h weiß, dass das unter dem Druck der Situation der






(A) )



(B) )


Dr. Heinz Riesenhuber
Haushalte und der Finanzen nicht einfach ist. Aber die
Zukunft liegt darin, dass wir eine unbürokratische For-
schungsförderung von kleinen und mittleren Unterneh-
men vorantreiben, die für Technik offen ist und Zukunft
nicht vorschattiert, dass wir das tun, was zwei Drittel der
OECD-Staaten tun, was Großbritannien überprüft, no-
velliert und neu aufgestellt hat. Die Elemente sind vor-
handen. Die Ministerien haben in der vergangenen
Legislaturperiode darüber nachgedacht. Der BDI unter-
stützt es inzwischen. Lange genug hat es gedauert, aber
wir freuen uns drüber.

Hier besteht eine Chance für Neues. Sie besteht im
Aufbruch der Einzelnen mit Zuversicht in eine Zukunft.
Rainer Brüderle hat Deutschland als Gründerland be-
zeichnet. Dabei zu helfen, ist nicht eine Sache der Grün-
derfonds und -programme allein. Wir haben prachtvolle
Programme: EXIST, High-Tech-Gründerfonds, ERP-
Startfonds, EIF/ERP-Dachfonds. Niemand hat so viele
Fonds staatlich mitfinanziert wie wir. Aber in steuerli-
cher Hinsicht sind wir noch nicht so weit, wie es sein
soll. In der letzten Legislaturperiode kamen wir nicht so
weit. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Rahmenbe-
dingungen gegeben sind, dass die Gründerzahlen steigen
können, dass der Wagniskapitalmarkt wieder funktio-
niert.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701902800

Herr Kollege Riesenhuber, Sie müssen zum Ende

kommen.


Dr. Heinz Riesenhuber (CDU):
Rede ID: ID1701902900

Daraus entsteht Zukunft. Daran arbeiten wir. – Wenn

Sie meinen, ich soll aufhören, dann tue ich dies gerne,
obwohl über die Zukunft Deutschlands, für die wir ge-
wählt sind, noch Grundsätzliches in fröhlicher Gemein-
samkeit zu sagen ist.


(Eduard Oswald [CDU/CSU]: Heinz, sprich weiter!)


Lassen Sie uns daran arbeiten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701903000

Das Wort hat nun der Kollege Rolf Hempelmann für

die SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Rolf Hempelmann (SPD):
Rede ID: ID1701903100

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!

Lieber Herr Riesenhuber, wir sehen uns ja häufig im
Ausschuss. Ich genieße Ihre Redebeiträge immer. Sie
können ja nicht viel falsch machen. Denn bei Ihrer Flug-
höhe kommt man selten ins Detail, aber genau da sind
wir im politischen Alltag gefordert, und genau da erwar-
ten die Menschen Antworten von uns.


(Beifall bei der SPD)


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(C (D Der Jahreswirtschaftsbericht sagt auch etwas zum hema Energie. Das muss er natürlich tun. Die Energie t nun einmal die wichtigste Ressource in einem Nochdustrieland wie der Bundesrepublik Deutschland. Desegen ist es notwendig, dass etwas dazu gesagt wird, ie es in diesem Bereich weitergehen soll. Wenn es um die Zukunft geht, ist der Bericht allerings diffus – da ist der Wirtschaftsbericht an diesem unkt nicht anders als an allen anderen –: Da wird auf ie Zukunft verwiesen, insbesondere auf den Herbst des ahres und das dann vorzulegende Energiekonzept. enn auf die Vergangenheit Bezug genommen wurde, urde ein Häkchen gemacht. Da hat die Große Koalition ffenbar ganz gut gearbeitet. 15 Häkchen und 8 Vereise auf die Zukunft, das ist das, was in diesem Bericht um Thema Energie gesagt wird. Auch wenn grundsätzlich auf die Zukunft verwiesen ird, darauf, dass ein Energiekonzept vorgelegt werden oll, gibt es in einem Punkt ganz offensichtlich eine Setung: Das ist die Laufzeitverlängerung für die deutchen Kernkraftwerke. Was bedeutet das eigentlich? h glaube, Herr Nüßlein hat eben behauptet, dass der ereich der erneuerbaren Energien von einer Verlängeng der Laufzeiten nicht betroffen ist, nicht darunter idet. Der Bundesverband Erneuerbare Energie hat den öder, der ihm angeboten wurde, abgelehnt. Man wollte m von dem Aufkommen, das im Zusammenhang mit er Laufzeitverlängerung erwirtschaftet wird – 50 Proent sollen ja dem Staat zufallen –, ein bisschen abgeen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Erneuerbare nergie sagt: Nein, wir brauchen das nicht, wenn es eine ernünftige Energiepolitik gibt, wie es sie in den letzten lf Jahren gab. Das Traumpaar Atom und Wind ist kein raumpaar. enn jetzt behauptet wird, dass man die Atomenergie underbar raufund runterregeln kann, ist man offen ichtlich einer Verwechselung unterlegen. Das ist richtig r Gaskraftwerke, trifft in dieser Form auf Kernkrafterke aber nicht zu. Die Fachleute wissen, dass man dort ur sehr begrenzt regeln kann. Das gilt vor allen Dingen r die benötigte Minutenreserve. Das ist die Energie, die chnell zur Verfügung stehen muss. Außerdem hat das en Preis, dass man mehr Brennstäbe braucht, weil sie chneller verbraucht sind. Das heißt, dass das Ganze uch unter Entsorgungsgesichtspunkten eine Milchmädhenrechnung ist. Der Bundesverband stellt absolut zutreffend fest: Die undesregierung baut ihr Energiekonzept um die Atomraft herum. Was bedeutet das eigentlich? Das bedeutet um Beispiel – dazu gibt es Gutachten, die auch von tadtwerken vorgelegt worden sind –, dass man nachteige Wirkungen für den Wettbewerb in Kauf nimmt: ie Neuen haben mehr Schwierigkeiten, auf den Markt u kommen, und die Marktmacht der Alten, die 80 Proent der Erzeugung in Händen haben, wird zementiert. ann kommt der Wirtschaftsminister und sagt: Ich habe ine Antwort darauf; mir schwebt ein Entflechtungs Rolf Hempelmann oder Zerschlagungsgesetz vor. Ich will gar nicht sagen, dass man grundsätzlich nicht auch über so etwas reden kann. Aber wir haben gerade festgestellt, dass das Rezept zur Kompensation dieser nachteiligen Wirkung der Laufzeitverlängerung in der Koalition noch strittig ist. Die CSU hat Bedenken angemeldet. Wenn man eine Struktur schafft, für die man anschließend Korrekturen finden muss, man diese Korrekturen aber noch strittig stellt, dann ist das eine Politik, die wir öffentlich nicht unkritisiert lassen können. Fast noch wichtiger ist der Hinweis in diesem Gutachten auf die negativen Auswirkungen auf die Investitionen in den Kraftwerkspark. Dabei geht es zum Beispiel auch um Investitionen in Kraft-Wärme-Koppelung, aber – da lasse ich Sie nicht raus – auch um Investitionen in die erneuerbaren Energien. Wir haben gegen Ende der letzten Legislaturperiode versucht, eine Regelung zu finden, die es den Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien leichter macht, es für sie attraktiver macht, in die Direktvermarktung zu gehen, sich also vom Erneuerbare-Energien-Gesetz ein Stückchen zu lösen. Das wird aber überhaupt nicht funktionieren, wenn sie mit dann weiter perpetuierten, eigentlich abgeschriebenen Kernkraftwerken in Konkurrenz treten müssen. Da ist der Zusammenhang mit den erneuerbaren Energien. Diesen lösen Sie nicht auf. Sie wollen die Direktvermarktung, Sie wollen die Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien, und gleichzeitig bauen Sie das größte Hindernis dazu auf, das man sich vorstellen kann. Vernachlässigt werden alle anderen wichtigen Zukunftsthemen, zum Beispiel das Thema Effizienz. Wir hätten schon in der letzten Legislaturperiode gerne einen ambitionierten Gesetzentwurf dazu verabschiedet. Dazu ist es leider nicht gekommen. Konkretes dazu findet sich auch nicht im Jahreswirtschaftsbericht. Gerade jetzt ist ein Thema aktuell, das die Effizienz im Gebäudebereich betrifft: die energetische Effizienz. Da hätten Sie die Gelegenheit gehabt, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm aufzustocken, so wie wir es im letzten Jahr gemacht haben. Sie tun das nicht, obwohl es ein Programm ist, das sich über Steuerrückflüsse selbst finanziert und das – Herr Nüßlein hat den Mittelstand hochgehalten – insbesondere Beschäftigung im Mittelstand generiert. Das geben Sie auf bzw. fahren es deutlich herunter. Etwas, was bewährt ist, wird sozusagen aufgegeben – das wurde hier schon an anderer Stelle kritisiert –, und etwas Neues ist noch nicht in Sicht. Diese Politik führt nicht in die Zukunft. Im SPD-Antrag finden sich Vorschläge für eine ökologische Industriepolitik. Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen über das Zukunftskonzept Energie. Was Sie bisher liefern, ist jedenfalls für uns keine Konkurrenz. Vielen Dank. F a e s k fi lu s b s D ti b la te D k k – ti fe k R in T la d n F In ti te z D s S 1 d (C (D Das Wort hat nun Nadine Müller für die CDU/CSU raktion. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der SPD)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701903200

Nadine Müller (St. Wendel) (CDU/CSU):
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die

ktuelle wirtschaftliche Entwicklung ist wie eine sehr
mpfindliche Pflanze. Sie kann schnell eingehen; denn
ie ist anfällig und abhängig von äußeren Einflüssen. Sie
ann aber durchaus auch groß und stark werden. Wir be-
nden uns in einer Phase der konjunkturellen Erho-
ng. Allerdings ist diese noch fragil und muss stabili-

iert werden.


(Eduard Oswald [CDU/CSU]: So ist es!)


Vor diesem Hintergrund macht der Jahreswirtschafts-
ericht drei Herausforderungen aus, vor denen wir heute
tehen. Kollege Riesenhuber hat sie bereits aufgezählt.
a ist zum Ersten die wirtschaftliche Lage, die kurzfris-
g stabilisiert werden muss. Dazu ist im Laufe der De-
atte, denke ich, das Wesentliche gesagt worden.

Zum Zweiten müssen wir die öffentlichen Haushalte
ngfristig konsolidieren. Das liegt mir gerade als Vertre-
rin der jungen Generation ganz besonders am Herzen.
ie Schuldenbremse gibt uns da einen schwierigen, aber
onsequenten und konkreten Weg vor. Dazu gibt es
eine Alternative.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Zuruf des Abg. Ulrich Kelber [SPD])


Um eine Konsolidierung überhaupt zu ermöglichen
damit bin ich beim dritten Punkt –, wird es mittelfris-
g darauf ankommen, Wachstumsspielräume zu schaf-
n. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass wir in Zu-
unftstechnologien investieren müssen. Kollege
iesenhuber ist darauf sehr detailliert eingegangen. Wir
vestieren in Forschung, in Innovationen und in den
echnologietransfer. So sorgen wir dafür, dass Deutsch-
nd weiterhin das Land der hochwertigen Produkte und
er Zukunftstechnologien bleibt.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Allerdings bringt uns die beste Innovationsförderung
ichts, wenn wir nicht genügend Fachkräfte haben:
achkräfte, die forschen und entwickeln und dadurch die
novationen hervorbringen, und Fachkräfte, die Innova-

onen in Produkte umsetzen. Deshalb ist eine der größ-
n Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahr-

ehnte aus meiner Sicht der erhöhte Fachkräftebedarf.
em zu begegnen, haben wir uns auf die Fahne ge-

chrieben. Unsere Antwort darauf ist eine ganz klare
chwerpunktsetzung auf Investitionen in die Bildung.
2 Milliarden Euro wird die Bundesregierung in Bil-
ung und Forschung investieren.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)







(A) )



(B) )


Nadine Müller (St. Wendel)

Nun hat Herr Duin – er ist, glaube ich, gerade nicht
im Saal – bereits gesagt, das sei zu wenig. Auch Herr
Kuhn hat das gestern im Ausschuss angesprochen. Mir
ist aufgefallen, Herr Kuhn, dass Sie das heute in der De-
batte nicht mehr erwähnt haben. Vielleicht haben Sie die
alten Unterlagen herausgeholt und sich daran erinnert,
dass vor nicht allzu langer Zeit auch Sie in Regierungs-
verantwortung waren. Wenn man das, was Sie in Ihrer
Zeit in die Forschung investiert haben, mit dem, was in
den letzten Jahren investiert wurde, vergleicht, kann man
deutliche Unterschiede feststellen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Unter Rot-Grün sind die Ausgaben für Forschung und
Entwicklung innerhalb von sieben Jahren um 0,7 Mil-
liarden gestiegen. In den vier Jahren, die die CDU/CSU
regiert hat, sind die Ausgaben für Forschung und Ent-
wicklung um 3,1 Milliarden gestiegen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


In einem Schaubild des Statistischen Bundesamtes, das
im Jahreswirtschaftsbericht 2009 abgedruckt ist, wird
das grafisch dargestellt: Die Kurve, die die Ausgaben für
Forschung und Entwicklung zeigt, verläuft bis 2005 re-
lativ gerade, danach folgt ein steiler Aufstieg. Schöner
kann man das mit Worten eigentlich nicht beschreiben.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Deshalb, lieber Kollege Kuhn, ist es unglaubwürdig,
wenn die Grünen heute mangelnde Investitionen in Bil-
dung und Forschung beklagen.

Klar ist: Die Politik kann den Fachkräftemangel nicht
allein bewältigen. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
müssen Hand in Hand arbeiten. Ein Bereich, in dem das
sehr gut funktioniert, ist der Ausbildungspakt. Durch
den Ausbildungspakt wurde die Ausbildungssituation
für junge Menschen deutlich verbessert. Im vergangenen
Jahr hatten wir trotz der Wirtschaftskrise mehr unbe-
setzte Stellen als unversorgte Bewerber. Für die gemein-
same Kraftanstrengung aller Partner des Ausbildungs-
paktes möchte ich an dieser Stelle herzlich danken.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Schade ist allerdings – das möchte ich an dieser Stelle
erwähnen –, dass sich die Gewerkschaften dem Ausbil-
dungspakt nach wie vor nicht angeschlossen haben. Ich
appelliere an die Gewerkschaften: Geben Sie sich einen
Ruck und machen Sie beim neuen Ausbildungspakt im
Herbst dieses Jahres mit! Es geht um die Zukunft unserer
jungen Menschen, es geht um die Zukunft unserer Be-
triebe und nicht zuletzt um die Arbeitsplätze in unserem
Land.


(Eduard Oswald [CDU/CSU]: Sehr gut!)


Nicht miesmachen, sondern mitmachen! In diesem Fall
lohnt es sich wirklich.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


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(C (D Gemeinsame Kraftanstrengungen braucht es aber uch in anderen Bereichen: bei der Weiterbildung, bei en Hochschulen, bei der Berufsorientierung. Im Jahresirtschaftsbericht 2009, aber auch im Jahresgutachten 009/10 des Sachverständigenrates zur Begutachtung er gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – über dieses ahresgutachten debattieren wir heute ja auch – wird das ilweise sehr detailliert angesprochen. Zwei andere, entscheidende Themen bleiben im Jahsgutachten des Sachverständigenrates allerdings leider ahezu unerwähnt: Gleichstellung und die Vereinbarkeit on Familie und Beruf. Hier ist Kritik angebracht; denn eide Themen sind maßgeblich für die Zukunftsfähigkeit eutschlands, gerade im wirtschaftlichen Bereich. Desalb sollte sich auch das Jahresgutachten des Sachvertändigenrates mit diesen Themen beschäftigen. Gleichstellung in der Wirtschaft ist – im Gegensatz u Gleichstellung in anderen Bereichen – in erster Linie in Frauenthema. Betrachten wir die Zusammensetzung er Führungsetagen und Aufsichtsräte der Unternehmen Deutschland, finden wir überwiegend Männer. In vien Branchen, gerade in den Zukunftstechnologien, fehn Frauen. Wir können auf die Frauen in Zukunft aber icht verzichten. rauenförderung ist nicht nur unter Gleichstellungsgeichtspunkten ein wichtiges Thema, sondern liegt auch allgemeinen wirtschaftlichen Interesse. (Beifall des Abg. Hubertus Heil [Peine] [SPD])


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


aher begrüße ich die „Bundesinitiative zur Gleichstel-
ng von Frauen in der Wirtschaft“, mit der die Bundes-
gierung dieses Thema konkret angeht.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Zuruf von der SPD: Ein Gesetz machen!)


Die Bundesregierung kümmert sich auch um die Ver-
esserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
as ist wichtig; denn wir können weder auf Kinder ver-

ichten noch auf ihre gut ausgebildeten Väter und Müt-
r. Damit junge Familien Familie und Beruf vereinbaren
önnen, müssen wir junge Familien viel mehr unterstüt-
en als bisher. Damit haben wir in der letzten Legislatur-
eriode begonnen. Liebe Kollegen, als die CDU/CSU in
er vergangenen Legislatur die Betreuungsmöglichkei-
n ausgebaut und das Elterngeld eingeführt hat,


(Zuruf von der SPD: Die CDU/CSU?)


ar gerade in meinem Bekannten- und Freundeskreis
as Aufatmen vieler junger Familien regelrecht zu hö-
n.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Mit dem Teilzeitelterngeld macht Ministerin Kristina
öhler weitere wichtige Schritte zu mehr Flexibilität.
as alles sind überfällige Maßnahmen. Wenn wir jetzt
icht tätig werden, verliert entweder der Arbeitsmarkt
ie jungen Paare, oder die jungen Paare verlieren die






(A) )



(B) )


Nadine Müller (St. Wendel)

Lust am Kinderkriegen. Beides können wir uns auf
Dauer nicht leisten – im Interesse der jungen Paare, aber
auch in unserem eigenen Interesse.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Die christlich-liberale Koalition tut alles, um hier zu hel-
fen. Es wäre schön, wenn sich auch der Sachverständi-
genrat in seinem nächsten Gutachten mit dieser Thema-
tik eingehend befassen würde.

Insgesamt gilt: Wir sind in vielen Bereichen auf ei-
nem guten Weg. Vieles wurde begonnen, Probleme wur-
den erkannt. Für die Vermeidung des Fachkräftemangels
trägt nicht nur die Politik Verantwortung. Auch die Wirt-
schaft muss hier einen deutlichen Beitrag leisten.
Schließlich geht es um ihren Fachkräftebedarf und ihr
Potenzial an gut ausgebildeten Mitarbeitern.

Bund, Länder, Wirtschaft und Gesellschaft müssen
gemeinsam die wichtigen Zukunftsaufgaben angehen.
Die CDU/CSU-Fraktion will das gerne tun. Packen wir
es deshalb gemeinsam an!

Danke schön.


(Beifall bei der CDU/CSU – Eduard Oswald [CDU/ CSU]: Hervorragend! Ausgzeichnet!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701903300

Kollegin Müller, dies war Ihre erste Rede im Deut-

schen Bundestag. Unsere herzliche Gratulation und viele
gute Wünsche für die weitere Arbeit!


(Beifall)


Ich schließe die Aussprache zu diesem Thema.

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf
den Drucksachen 17/500, 17/44, 17/521 und 17/470 an
die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorge-
schlagen. Sind Sie damit einverstanden? – Das ist der
Fall. Dann sind die Überweisungen so beschlossen.

Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 5 a und 5 b
auf:

a) Beratung des Antrags der Abgeordneten Jutta
Krellmann, Sabine Zimmermann, Klaus Ernst,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE
LINKE

Lohndumping verhindern – Leiharbeit strikt
begrenzen

– Drucksache 17/426 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)

Rechtsausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie

b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Beate
Müller-Gemmeke, Brigitte Pothmer, Kerstin
Andreae, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Zeitarbeitsbranche regulieren – Missbrauch
bekämpfen

– Drucksache 17/551 –

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(C (D Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Arbeit und Soziales Rechtsausschuss Ausschuss für Wirtschaft und Technologie Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für ie Aussprache eineinhalb Stunden vorgesehen. – Ich öre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. Damit eröffne ich die Aussprache und erteile dem ollegen Klaus Ernst für die Fraktion Die Linke das ort. Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und erren! Wieder einmal debattieren wir im Deutschen undestag über die Leiharbeit. Anlass ist dieses Mal die irma Schlecker. (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ganz schlechte Presse für Sie heute!)


(Beifall bei der LINKEN)

Klaus Ernst (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701903400

arum? Bei der Firma Schlecker wird den Verkäuferin-
en gekündigt; dann wird ihnen angeboten, bei den
euen XL-Märkten als Leiharbeiterinnen wieder anzu-
ngen. Etwa 4 300 Leute sind betroffen. Ihnen wird ge-

agt, sie könnten dort für die Hälfte des Lohnes arbeiten,
hne Weihnachts- und Urlaubsgeld, bei weniger Ur-
ubstagen. Bereits 1 000 der kleinen Filialen der Firma
chlecker wurden geschlossen. Das Problem dabei ist:
ll das, was die Firma Schlecker hier macht, ist voll-
ommen legal.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das ist das Schlimme!)


Für die betroffenen Schlecker-Beschäftigten heißt
as: Inzwischen werden Stundenlöhne von nur
,50 Euro bezahlt. Der Tariflohn wäre 12,70 Euro. Die
eiharbeitsfirma Meniar, für die die Arbeitnehmer letzt-
ndlich arbeiten müssen, hat einen Tarifvertrag mit der
arifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeit-
rbeit, CGZP, abgeschlossen.

Was sind die Folgen für die Beschäftigten? Inzwi-
chen dürfte es sich herumgesprochen haben; der Stern
at in seiner Ausgabe vom letzten Donnerstag in einer
ehr deutlichen Sprache vom „Geschäftsmodell Ausbeu-
ng“ gesprochen. Die Menschen leben in Angst vor
ündigung, werden gezwungen, unbezahlte Überstun-
en zu machen, schuften bis zu 60 Stunden in der Woche
r einen Hungerlohn usw.

Hier liegt die Situation vor, dass die Menschen bei der
eiharbeitsfirma dieselbe Arbeit machen wie Festange-
tellte, aber nur die Hälfte des Lohns verdienen. Das ist
in absolut unakzeptabler Zustand.


(Beifall bei der LINKEN)


r hat mit modernen Arbeitsbedingungen nichts zu tun.
achdem Sie von den Grünen und der SPD bei diesem
hema inzwischen eine andere Position einnehmen,
ürde ich mich im Übrigen freuen, wenn Sie darüber
achdenken könnten, was Sie damals eigentlich ange-






(A) )



(B) )


Klaus Ernst
stellt haben, als Sie die Leiharbeitsregelungen gelo-
ckert haben.

Der Punkt ist: Immer mehr Arbeitnehmer in Leih-
arbeitsfirmen sind Aufstocker, so auch bei der Firma
Schlecker. Sie werden zum Teil aus Steuergeldern be-
zahlt, während Herr Schlecker, der Eigentümer dieses
Unternehmens mit einem geschätzten Vermögen von
2,4 Milliarden Euro, weniger Lohnausgaben hat. Wir
finanzieren mit Steuergeldern die billigen Löhne und
den Reichtum von Anton Schlecker. Das ist zurzeit der
Zustand.


(Beifall bei der LINKEN – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Unerhört!)


Was macht die Bundesregierung? Noch im November
hat sie auf Anfrage von Sabine Zimmermann erklärt:

Die Bundesregierung ist kein Forschungsinstitut,
dessen Aufgabe es wäre, solchen Einzelfällen nach-
zugehen.

Keine zwei Monate später sehen wir jetzt, dass Frau von
der Leyen – leider ist sie nicht da – inzwischen dieses sehr
wichtige Thema aufgreift. In der Sendung Anne Will hat
sie am 10. Januar 2010 gesagt – ich zitiere wörtlich –:

Bei Schlecker gucken wir sehr genau hin, ob da
Missbrauch betrieben wird oder ob Gesetze umgan-
gen werden. Wenn das der Fall ist, werden wir diese
Schlupflöcher schließen.

Man solle die Leiharbeit insgesamt doch bitteschön nicht
verteufeln, das wäre ja offensichtlich sozusagen nur ein
Ausreißer.

Ich kann nur sagen: Schlecker ist kein Einzelfall.
Wenn man so tut, als wäre dies ein Einzelfall, dann will
man die Leiharbeit offensichtlich generell nicht regeln,
sondern dann will man das nur auf einen Einzelfall
schieben. Das werden wir nicht zulassen.


(Beifall bei der LINKEN)


Ich möchte einige Beispiele aus der Realität der Bun-
desrepublik Deutschland aufzeigen:

Bei dem Unternehmen BMW in Leipzig arbeiten rund
30 Prozent der Beschäftigten als Leiharbeitnehmer. Das
hat im Übrigen überhaupt nichts mehr mit Auftragsspit-
zen zu tun, wie oft argumentiert wird. Es müsste sich ja
schon um eine Hochebene handeln, wenn 30 Prozent der
Arbeitnehmer Leiharbeiter sind. Auftragsspitzen in
Höhe von 30 Prozent sind keine Spitzen mehr.

Bei dem Siemens-Schaltwerk in Berlin waren von
2 200 Beschäftigten 600 Leiharbeitnehmer.

Die Braunschweiger Zeitung beschäftigt Leiharbeit-
nehmer, wobei diese Angestellte der eigens dafür
gegründeten Druck- und Verlags-Service GmbH sind.
Deren einziger Kunde ist die Braunschweiger Zeitung.
Der Lohnunterschied zu den Festangestellten beträgt
1 000 bis 1 500 Euro im Monat. Die Leute dort haben
weniger Urlaubstage, sie erhalten weniger Zuschläge, sie
haben keine Freischicht usw.

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(C (D Bei der Schmitz Cargobull AG in Altenberge kamen uf 440 Beschäftigte mit einer Festanstellung in der pitze bis zu 600 Leiharbeitskräfte. Nach Protesten der Metall und der Belegschaft ist die Quote nun auf twa 30 Prozent abgesenkt worden. Ich könnte diese Liste beliebig lange fortsetzen. Wer ei dieser Situation und bei dieser Realität noch sagt, es andele sich bei der Leiharbeit um ein Einzelproblem, er verkennt die Realität und der will das Problem verchleiern. Das ist die Realität. Der Sinn der Leiharbeit ist inzwischen nicht mehr, uftragsspitzen abzudecken, der Sinn ist auch nicht ehr, wegen Krankheit oder aus anderen Gründen kurzistig Personal auszugleichen, sondern der Sinn der eiharbeit ist ganz einfach erstens eine Lohnsenkung r die Beschäftigten und zweitens eine Disziplinierung er Arbeitnehmer, die nicht in Leiharbeit beschäftigt, ondern im selben Unternehmen wie die Leiharbeiter st angestellt sind. Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können, ber was glauben Sie eigentlich, wie es wirkt, wenn zwei eute nebeneinander dieselben Tätigkeiten ausüben, woei der eine 30 oder 40 Prozent weniger Lohn erhält? as ist offensichtlich das, was der eine oder andere hier nter Motivation versteht. Glauben Sie denn wirklich, ass unter solchen Bedingungen tatsächlich eine Belegchaft vorhanden ist, die sich bemüht und richtig motiiert den Betrieb voranbringt? Ich denke, das glauben ie selber nicht. Wir haben das Problem – das ist ein anderer Gesichtsunkt bei der Leiharbeit –, dass dadurch auch das eschäftigungsrisiko weg von den eigentlichen Arbeitebern hin zu den Beschäftigten verlagert wird. Der ewinn wird oft auch als Risikozuschlag bezeichnet. h sage Ihnen: Wenn nicht mehr der Arbeitgeber, son ern letztendlich die Beschäftigten das Risiko tragen, eil sie sofort entlassen werden, wenn irgendetwas racht, dann ist letztlich auch der Gewinn des Unternehens infrage gestellt. Wenn der Gewinn der Risikozu chlag ist, das Risiko aber die Arbeitnehmer tragen, dann üssten sie letztendlich auch den Gewinn erhalten. So infach ist die Lage. Meine Damen und Herren, ich brauche Ihnen die Dan nicht weiter aufzuzählen und nenne nur einige unkte: Zwischen 1997 und 2007 betrug die Zunahme ei der Leiharbeit 235 Prozent, zwischen 2003 und 2009 am über eine halbe Million Beschäftigte in der Zeitareitsbranche neu hinzu usw. Ich glaube, wenn man hier och von Einzelproblemen redet, dann verkennt man die ealität wirklich. Wie konnte es dazu eigentlich kommen? Warum haen wir das Problem? Unter Rot-Grün wurde die Leihrbeit 2002 im Ersten Gesetz für moderne Dienstleistunen am Arbeitsmarkt in einer Weise dereguliert und offähig gemacht, dass man sich heute nicht wundern Klaus Ernst muss, dass diese Leiharbeit auch in der Form praktiziert wird, wie sie praktiziert wird. Was ist passiert? Das Befristungsverbot bei der Leiharbeit ist aufgehoben worden. Das Synchronisationsverbot bei der Leiharbeit ist aufgehoben worden. Danach darf ein Leiharbeiter nur genau so lange eingestellt werden, wie er verliehen wird. Das Wiedereinstellungsverbot bei der Leiharbeit ist aufgehoben worden. Die Beschränkung der Überlassungsdauer auf zwei Jahre ist aufgehoben worden. Es gab ursprünglich eine Begrenzung der Überlassungshöchstdauer bei Leiharbeit auf drei Monate, die inzwischen aufgehoben worden ist. Dafür hat man im Gesetz den Gleichstellungsgrundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, Equal Pay, verankert, der aber durch Tarifverträge ausgehebelt werden kann. Im Ergebnis haben wir die Billigtarifverträge der Christlichen Gewerkschaften. Diejenigen, die dieses Gesetz damals gemacht haben, hätten wissen müssen, dass dies passieren wird. Erstens haben die Gewerkschaften damals davor gewarnt, das Gesetz so zu verabschieden. (Anette Kramme [SPD]: Das stimmt doch gar nicht! Die haben mit am Verhandlungstisch gesessen!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der LINKEN)


Auch Rot-Grün ist gewarnt worden.


(Widerspruch des Abg. Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


– Ich kann Ihnen gerne vorlesen, Herr Kuhn, auch das,
was Sie bzw. Ihre Fraktion damals gesagt hat.

Zweitens wollten Sie mit diesem Gesetz bewusst dazu
beitragen, dass die Löhne gesenkt werden. Aus den Pro-
tokollen geht hervor, dass durchaus zur Debatte stand,
Tarifverträge abzuschließen, die unter dem Niveau des
Equal-Pay-Grundsatzes lagen. Das war die damalige Si-
tuation.

Heute sagt die SPD, sie wolle alles anders machen.
Ich will aber festhalten, dass auch Klaus Brandner,
Hubertus Heil, Elke Ferner, Olaf Scholz und Anette
Kramme damals dieser Liberalisierung der Leiharbeit
zugestimmt haben. Ich halte das für eine Sauerei.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Aha! Anette Kramme ist also schuld!)


Klaus Brandner hat am 15. November 2002 im Bun-
destag gesagt:

Mit den neuen Bestimmungen holen wir die Leihar-
beit insgesamt aus der Schmuddelecke.

Auf dem SPD-Parteitag am 13. November 2009 hinge-
gen hat Herr Gabriel gesagt – ich zitiere –:

Was wir aber falsch gemacht haben, ist Folgendes:
Wir haben das Scheunentor für Scheintarifverträge
mit Scheingewerkschaften so aufgemacht, dass für
viele Leih- und Zeitarbeit der Regelfall geworden
ist und dass sie mit Armutslöhnen zu leben haben,
liebe Genossinnen und Genossen.

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(C (D ich wundert, dass euch das immer erst in der Opposion einfällt statt dann, wenn ihr regiert und es ändert önntet, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, Geossinnen und Genossen. (Beifall bei der LINKEN – Anette Kramme [SPD]: Schauen Sie doch mal auf die Beschlüsse des Parteitages! – Gegenruf der Abg. Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Ihr habt das Gesetz gemacht!)


Deshalb fordern wir Linken – Sie können beweisen,
ass Sie es mit der Regelung der Leiharbeit ernst mei-
en; denn wir haben einen entsprechenden Antrag in den
eutschen Bundestag eingebracht –: Erstens darf der
rundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nicht un-
rlaufen werden, auch nicht durch Tarifverträge. Es war
r großer Fehler, dass Sie das ins Gesetz aufgenommen

aben.

Zweitens müssen Leiharbeitnehmer wie in Frankreich
esser gestellt werden als die normalen Arbeitnehmer,
eil sie besonders flexibel sein müssen.


(Beifall bei der LINKEN)


eshalb fordern wir eine Zulage in Höhe von 10 Prozent
es Bruttolohns für Leiharbeitnehmer in den Betrieben.


(Beifall bei der LINKEN)


Die Überlassungshöchstdauer muss wieder auf drei
onate begrenzt werden, und vor allen Dingen brauchen
ir wieder mehr Mitbestimmungsrechte für die Be-
iebsräte.


(Beifall bei der LINKEN)


er weiß besser, ob reguläre Arbeitsverhältnisse zu-
unsten von Leiharbeit beendet werden sollen, als die
etriebsräte? Sie können beurteilen, ob Leiharbeitneh-
er dazu benutzt werden, die Zahl der Stammbeschäf-
gten abzubauen.

Sie haben Gelegenheit, unserem Antrag zuzustim-
en. Dann werden wir die Ernsthaftigkeit Ihrer gegen-
ärtigen Debatte überprüfen können.

Danke für die Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701903500

Das Wort hat nun der Parlamentarische Staatssekretär

alf Brauksiepe.

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Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1701903600

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es

acht nach meiner Auffassung Sinn, dass wir uns an
ieser Stelle mit einigen Fakten der Zeitarbeit auseinan-
ersetzen, um kein Zerrbild entstehen zu lassen. Zu den
akten gehört: Die Zeitarbeit baut Brücken für den Ein-
tieg oder die Rückkehr in sozialversicherungspflichtige
eschäftigung, gerade auch für Menschen, die sonst nur
eringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Fakt ist
eiter: Die Zeitarbeit sorgt für die Flexibilität, die die
nternehmen heute dringend brauchen, um marktge-






(A) )



(B) )


Parl. Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe
recht auf Nachfragespitzen oder Auftragsflauten reagie-
ren zu können. Das sichert übrigens gerade auch die Ar-
beitsplätze in der Stammbelegschaft. Das sind im Kern
die Botschaften des Elften Berichts der Bundesregierung
über Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmer-
überlassungsgesetzes, die das Kabinett beschlossen hat
und über die wir in der nächsten Zeit noch diskutieren
werden.

Der Bericht macht unter anderem deutlich, dass über
60 Prozent – die neuesten Zahlen liegen bei 62,2 Pro-
zent – der Menschen, die in Zeitarbeitsunternehmen ein-
gestellt werden, vorher nicht beschäftigt waren. 11,4 Pro-
zent waren überhaupt noch nie beschäftigt. Zeitarbeit ist
in der Regel kein Traumjob, und sie braucht einen ver-
nünftigen rechtlichen Rahmen. Aber sie ist eine Chance
für Menschen, aus der Langzeitarbeitslosigkeit wieder in
Beschäftigung zu kommen. Diese Chance müssen wir
im Interesse der arbeitsuchenden Menschen nutzen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Wir haben in Deutschland mehrere Hunderttausend
Menschen, die noch nie gearbeitet haben. Die Zeitar-
beitsbranche prägt weiß Gott nicht das Geschehen auf
den Arbeitsmärkten. Aber sie bietet vielen Menschen
eine große Chance, wieder in Beschäftigung zu kom-
men.

Ich will noch ein paar Fakten hinsichtlich der Bedeu-
tung der Zeitarbeit hinzufügen. Die Anzahl der Ar-
beitsplätze in der Zeitarbeit ist in der Krise zurückge-
gangen. Das ist zu befürchten gewesen. Die Zeitarbeit ist
ein Stück weit ein Frühindikator. Wir können jetzt aber
feststellen: In der Zeitarbeit gibt es wieder einen ersten
Aufwuchs von Beschäftigung.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Stimmt!)


Wir haben heute die neuen Zahlen vom Arbeitsmarkt
vorliegen. In einem Jahr ist die Zahl der Arbeitslosen bei
5 Prozent Wirtschaftsschrumpfung um gut 100 000 ge-
stiegen. Natürlich ist das eine traurige Entwicklung.
Aber dass es angesichts von 5 Prozent Wirtschafts-
schrumpfung gelungen ist, auf dem Arbeitsmarkt
Schlimmeres zu verhindern, ist ein Erfolg, der auf den
Rahmenbedingungen beruht, die wir gesetzt haben. Das
hat auch etwas mit der Zeitarbeit als Chance zu tun, die
seit dem Mai letzten Jahres von zunehmend mehr Men-
schen ergriffen wird. Auch das ist wichtig und sollte in
diesem Zusammenhang erwähnt werden.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Um die Dimension deutlich zu machen, über die wir
reden: Nach den Zahlen von heute haben wir in Deutsch-
land insgesamt über 40 Millionen Erwerbstätige. Fast
28 Millionen sind sozialversicherungspflichtig beschäf-
tigt. Hinzu kommen geringfügig Beschäftigte, Beamte
und Selbstständige. Im Juni 2009 gab es in der Zeitarbeit
rund 600 000 Beschäftigte. Das sind etwa 1,5 Prozent
der Erwerbstätigen in Deutschland.

In der Zeitarbeit gibt es 50 840 Personen, die sozial-
versicherungspflichtig beschäftigt sind und darüber hi-
naus noch Arbeitslosengeld II bekommen. Darunter sind

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(C (D iejenigen, die Teilzeit in der Zeitarbeit arbeiten oder die der Zeitarbeit geringfügig beschäftigt und anderswo ozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Gut 50 000 enschen bezogen auf 40 Millionen Erwerbstätige in eutschland ergeben einen Anteil von 1,25 Promille. Ich age dies nur, um einmal die Dimension deutlich zu mahen. 1,25 Promille kann je nach Lebenslage eine Menge ein. Aber hinsichtlich der Zahl der Erwerbstätigen in eutschland ist es eine kleine Zahl. Man entwirft ein völges Zerrbild, wenn man so tut, als würde diese kleine ruppe der Beschäftigten den Arbeitsmarkt in Deutschnd prägen. So kann man die Diskussion nicht führen. Wir haben bei der Zeitarbeit wieder einen leichten nstieg der Beschäftigung. Das hat etwas mit den Aufagsspitzen zu tun. Damit komme ich auf das zurück, as eben gesagt worden ist. Es ist ja richtig, dass im uge der Gesetze für moderne Dienstleistungen am Areitsmarkt der Zeitarbeitssektor neu geregelt worden ist. ber für über die Hälfte aller Zeitarbeitnehmer endet das eschäftigungsverhältnis nach maximal 89 Tagen, also ach weniger als drei Monaten. Das heißt, die Abdekung von Auftragsspitzen mit kurzfristiger Beschäftiung – unabhängig davon, ob man das gut findet oder icht – ist der Regelfall. Über 60 Prozent sind weniger ls drei Monate beschäftigt. Das zeigt, Zeitarbeit hat etas mit der notwendigen Flexibilität in der Wirtschaft u tun. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir zur Kenntnis ehmen: Das Dauerarbeitsverhältnis in der Zeitarbeit ist icht der Regelfall. Wir wünschen uns natürlich, dass Menschen aus der angzeitarbeitslosigkeit über die Zeitarbeit wieder eine erspektive auf eine andere Beschäftigung bekommen. (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Reden Sie mal über den Missbrauch!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


ir stellen fest, dass dies in vielen Fällen auch gelingt.
und zwei Drittel der Beschäftigten sind auch zwei

ahre nach der Beschäftigung in einem Zeitarbeitsunter-
ehmen weiterhin sozialversicherungspflichtig beschäf-
gt. Sie werden nicht alle von dem Unternehmen, in dem
ie gearbeitet haben, übernommen. Sie gehen zum Teil
andere Unternehmen, oder sie nehmen einen anderen
rbeitsplatz im Rahmen der Zeitarbeit ein. Aber es han-
elt sich immer noch um sozialversicherungspflichtige
eschäftigungsverhältnisse, für die der Kündigungs-

chutz und diejenigen Regelungen im Wesentlichen gel-
n, die auch für die anderen Arbeitnehmerinnen und Ar-
eitnehmer gelten.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: So ist es!)


olche Wirkungen haben manche anderen arbeitsmarkt-
olitischen Instrumente leider nicht. Wenn es also ge-
ngt, einen bedeutenden Teil der Menschen in Beschäf-
gung zu bringen oder zu halten, dann zeigt das: Dies ist
in arbeitsmarktpolitisches Instrument, das sehr wohl
eine Berechtigung hat.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)







(A) )



(B) )


Parl. Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe
Es macht sicherlich Sinn, über Korrekturen zu reden, wo
sie notwendig sind. Aber man sollte das Kind nicht mit
dem Bade ausschütten. Vielmehr muss man sehen, dass
wir hier einen grundsätzlich sinnvollen Rahmen haben.

Ich war überrascht, von meinem Vorredner zu hören,
er wisse schon, dass bei Schlecker alles vollkommen le-
gal gewesen sein soll. Es verwundert mich dann aber,
dass Sie mir immer so viele Fragen stellen, Herr Kollege
Ernst. Sie wollen doch immer ganz genau wissen, wie
die Bundesregierung das sieht. Ich kann das dem Hohen
Hause sagen: Wir prüfen selbstverständlich – bei uns ist
die Prüfung allerdings nicht so schnell abgeschlossen
wie bei der Linken; wir prüfen eben gewissenhaft; es
handelt sich natürlich nicht um einen Regelfall; denn
man würde über Schlecker nicht ständig reden, wenn das
überall landauf, landab passierte –, ob in diesem Fall die
bestehende Gesetzeslage eingehalten worden ist.


(Anette Kramme [SPD]: Wir prüfen, und wir prüfen, und wir prüfen! – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Es gibt noch mehr als nur Schlecker!)


Selbstverständlich werden wir uns Gedanken darüber
machen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.
Für uns ist völlig klar: Die Bundesregierung und die
christlich-liberale Koalition werden Missbrauch in der
Zeitarbeit nicht dulden. Das ist mit uns nicht zu machen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Abgesehen davon, dass es sich unbestreitbar nicht um
den Regelfall handelt, wollen wir in der Tat nicht, dass
Menschen für einen deutlich niedrigeren Lohn an ihren
alten Arbeitsplatz gestellt werden und die gleiche Arbeit
leisten müssen. Das ist nicht Sinn und Zweck der Zeitar-
beit.


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Nicht reden, sondern handeln!)


Dafür sind die Regelungen nicht gemacht worden. Wir
werden sehr wohl prüfen, wo das passiert und was man
dagegen tun kann.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Wie lange wollen Sie noch prüfen?)


Ich bin dankbar, dass die deutlichen Worte, die unsere
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen dazu in
der Öffentlichkeit gefunden hat, dazu geführt haben,
dass schon vor Abschluss einer rechtlichen Prüfung die
Firma Schlecker eingelenkt und klar erklärt hat, dass
diese Praxis nicht fortgesetzt wird. Es ist wichtig, dass
wir diese Initiative ergriffen haben und dass dieser Teil-
erfolg erzielt worden ist.


(Beifall bei der CDU/CSU – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Aber die anderen gibt es noch!)


Das hat unsere Ministerin im Gegensatz zu dem, was Sie
verkündet haben, erreicht.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Und was ist mit den anderen Unternehmen? Was machen Sie da? Sie gucken doch nur zu!)


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(C (D ir werden also den Missbrauch bekämpfen, wo er stattndet. ber wir werden das Instrument der Zeitarbeit als eines on vielen Instrumenten in der Arbeitsmarktpolitik in eiem vernünftigen Rahmen fortführen; denn es bietet vien Menschen Chancen. Ich will noch etwas zu den Tarifen sagen. Gesetzlich t klar geregelt, dass Equal Pay dort gilt, wo es keine bweichenden Tarifverträge gibt. Mein Eindruck ist, ass manches bei den Tarifvertragsparteien, auch bei den ewerkschaften und insbesondere bei den Christlichen ewerkschaften, in Bewegung gekommen ist und dass s in Zukunft eine Perspektive für bessere Abschlüsse ibt. Wir sagen als Staat allerdings ganz klar: Wir legen icht die Löhne fest. Der Staat ist nicht der bessere ohnsetzer in der Zeitarbeitsbranche, genauso wenig ie in anderen Branchen. (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Aufstocken soll er!)


(Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Wie denn?)


ir haben es hier mit einem Rahmen zu tun, den die
t-grüne Regierung geschaffen hat. Wir werden prüfen,
o die Regelungen so missbrauchsanfällig sind, dass
an sie korrigieren muss.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701903700

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des

ollegen Ernst?

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Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1701903800

Gern, Herr Kollege.


Klaus Ernst (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701903900

Herr Brauksiepe, da Sie sich immer freuen, wenn man

nen Fragen stellt, möchte ich Ihnen ein, zwei stellen.
ind Sie mit mir der Auffassung, dass das Ergebnis Ihrer
rüfung und die Folgen, die Sie daraus ableiten, nur sein
önnen, dass gleiche Arbeit auch gleich bezahlt werden
uss, und dass deshalb die Ausnahmeregelungen im

eltenden Gesetz, die zur Folge haben, dass von dem
rundsatz Equal Pay permanent nach unten abgewi-

hen wird, und zwar nicht nur bei Schlecker, sondern
uch bei vielen anderen Unternehmen, so geändert wer-
en müssen, dass gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit
ewährleistet ist? Sind Sie mit mir der Auffassung, dass
eiharbeitnehmer, die in ihrem Job ganz besonders flexi-
el sind und permanent bei unterschiedlichen Arbeitge-
ern eingesetzt werden, besonders entlohnt werden müs-
en, weil sich Leistung lohnen muss, und dass deshalb
in Aufschlag in Höhe von 10 Prozent durchaus ein sinn-
oller Weg ist?


(Beifall bei der LINKEN)


D
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1701904000

Herr Kollege Ernst, ich habe eben schon gesagt, dass

h es nicht als meine Aufgabe und auch nicht als die






(A) )



(B) )


Parl. Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe
Aufgabe des Parlaments ansehe, Löhne festzusetzen und
von daher auch über einen angemessenen Lohn zu ent-
scheiden. Vielmehr besteht die Aufgabe darin, einen ver-
nünftigen Rahmen für die Regelungen in der Zeitarbeit
zu setzen, und diesen Rahmen haben wir nach meiner
Überzeugung. Über Einzelheiten wird man dann spre-
chen können.

Ich bin auch nicht ganz so sicher wie Sie, ob man ei-
nem Facharbeiter einer Stammbelegschaft gerecht wird,
wenn man sagt, jemand, der seit Jahrzehnten in einen
Betrieb eingearbeitet ist, bringe wirklich exakt die glei-
che Arbeit wie jemand, der aus der Langzeitarbeitslosig-
keit kommt und erst einmal wieder neu anfangen muss.
Ich bin nicht ganz sicher, ob jeder, der jahrelang arbeits-
los war, gleich so gute Arbeit verrichten kann wie je-
mand, der seit Jahrzehnten zuverlässig an seinem Ar-
beitsplatz seine Arbeit verrichtet.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Das haben wir doch: Leistungsbeurteilung und Leistungslohn!)


Von daher traue ich mir die Äußerung gar nicht zu, dass
jeder Zeitarbeitnehmer immer vom ersten Tag an eine
gleich gute Arbeit leistet wie jemand aus der Stammbe-
legschaft. Meine Erachtens können das die Tarifver-
tragsparteien viel besser entscheiden als wir.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Es geht ja um Grundsätze!)


Deswegen sollen sie es entscheiden, und deswegen ha-
ben sie es entschieden, und deswegen sage ich nicht: Der
Ralf Brauksiepe, die Bundesregierung oder die christ-
lich-liberale Koalition wissen es besser.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Herr Brauksiepe, Sie eiern herum!)


Sie wissen es allerdings nach meiner festen Überzeu-
gung auch nicht besser, worin der richtige Lohn besteht.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Deswegen überlassen wir es den Tarifvertragsparteien.

Meine Damen und Herren, Missbrauch zu bekämpfen
und die Chancen zu nutzen, die die Zeitarbeit für Men-
schen bietet, die lange arbeitslos sind, das sind wichtige
Voraussetzungen dafür, um am Arbeitsmarkt Erfolge zu
erzielen, um insbesondere in dieser Krise Menschen in
Beschäftigung zu halten bzw. wieder in Beschäftigung
zu bringen.

Lassen Sie es mich abschließend noch einmal sagen,
weil es da in der Tat durchaus Wahrnehmungsunter-
schiede gibt: 1,25 Promille der Erwerbstätigen sind in
der Zeitarbeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt
und bekommen zusätzlich Arbeitslosengeld II. Das ist
kein Phänomen, das diese Wirtschaft prägt.

Auch Folgendes sage ich ganz deutlich: Wenn es uns
gelingt, in dieser Zeit Langzeitarbeitslose wieder in Be-
schäftigung zu bringen, dann ist das ein Erfolg. Ich weiß,
dass die Arbeitsplätze in der Zeitarbeit für die Allermeis-
ten keine Traumjobs sind. Für mich war ein ganz typi-

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(C (D ches Beispiel, als in meinem Wahlkreis jemand zu mir agte: Ich habe eine Arbeit in der Zeitarbeit. Ich bin da icht glücklich; ich würde gern woanders hingehen. ber ich war vorher arbeitslos, und bevor ich wieder areitslos werde, bleibe ich lieber in der Zeitarbeit. – Auch as gehört zur Realität in Deutschland. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Lohnsklaven, nichts anderes!)


Von daher müssen wir alle Kräfte darauf konzentrie-
n, wieder mehr Wachstum zu haben. Dann werden wir
ieder mehr Beschäftigung und in der Folge auch mehr
ut bezahlte Beschäftigung bekommen. Das ist es, wofür
ir den Rahmen setzen.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Leiharbeit nimmt schon wieder zu, Herr Brauksiepe!)


Auch im Zusammenhang mit dem Thema Nied-
iglöhne sage ich Ihnen noch einmal: Die Bundesregie-
ng hat nicht entschieden, dass es einen Niedriglohn-

ektor geben soll. Wir setzen die Rahmenbedingungen
r möglichst viel Arbeit.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Sie lassen es zu! Das ist der Punkt! Sie machen nichts dagegen!)


ber ich sage Ihnen noch etwas: Nach den gängigen sta-
stischen Definitionen beginnt der Niedriglohnsektor
ei zwei Drittel unter dem Durchschnittslohn. Das sind
Deutschland unter 9,62 Euro. Wenn jemand drei Jahre

rbeitslos war und er eine Beschäftigung für 9,60 Euro
ndet, und sei es in der Zeitarbeit,


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Sie haben 6 Euro, 4 Euro und 3 Euro! Null Ahnung! – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Wo leben Sie denn?)


ann kann man durchaus sagen, statistisch haben wir ei-
en Niedriglöhner mehr. Aber wir haben vor allem einen
angzeitarbeitslosen weniger. Sie können schreien, so-
nge Sie wollen: Für die Menschen, die dann wieder für

inen ordentlichen Lohn in Arbeit kommen, weit über
llen Mindestlohnforderungen, und für ihre Familien ist
as ein großer gesellschaftlicher Fortschritt, und an die-
em gesellschaftlichen Fortschritt arbeiten wir weiter,
uch gegen Widerstände.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Arbeiten Sie für 3 Euro, und dann denken Sie anders!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701904100

Das Wort hat nun Kollegin Gabriele Hiller-Ohm für

ie SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Gabriele Hiller-Ohm (SPD):
Rede ID: ID1701904200

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Was sich

ie Drogeriekette Schlecker in Bezug auf ihre Arbeit-






(A) )



(B) )


Gabriele Hiller-Ohm
nehmerinnen und Arbeitnehmer geleistet hat, ist
schlichtweg eine Sauerei, und zwar XXL.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Hier hat ein Unternehmer mit sehr viel Raffinesse ein
unzureichendes Gesetz zulasten seiner Beschäftigten
schamlos ausgenutzt. Es ist gut, dass sich die Menschen
darüber öffentlich empören und sich mit solchen miesen
Machenschaften nicht länger abfinden.


(Beifall bei der SPD)


An uns liegt es jetzt, die Weichen richtig zu stellen,
Missbrauch zu verhindern und die Rechte von Arbeit-
nehmerinnen und Arbeitnehmern zu stärken. Ich hoffe
sehr, dass uns dies hier gemeinsam gelingen wird. Ich
halte es für gut, dass auch die CDU/CSU und an der
Spitze die neue Arbeitsministerin von der Leyen Hand-
lungsbedarf sieht und Änderungen angekündigt hat.
Diese Einsicht von CDU/CSU hätte ich mir allerdings
schon während der gemeinsamen rot-schwarzen Regie-
rungszeit gewünscht.


(Beifall bei der SPD)


Vieles wäre uns und vor allem den betroffenen Men-
schen erspart geblieben. Herr Brauksiepe, prüfen alleine
wird hier nicht weiterhelfen. Taten müssen folgen.


(Beifall bei der SPD)


Meine Damen und Herren, die Fraktionen der Linken
und der Grünen haben mit ihren Anträgen einen guten
Aufschlag gemacht. Wir werden im Februar ebenfalls
unsere Forderungen zur Arbeitnehmerüberlassung vor-
legen. Es ist bedauerlich, dass es uns mit den bisherigen
Reformen nicht gelungen ist, die Leiharbeit endgültig
aus der Schmuddelecke herauszuholen. 2003 waren wir
gemeinsam mit den Grünen und mit den Gewerkschaften
auf einem guten Weg. Herr Ernst, wir haben die Refor-
men gemeinsam in engem Schulterschluss mit den Ge-
werkschaften durchgeführt. Darauf möchte ich aus-
drücklich an dieser Stelle hinweisen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Die rot-grüne Bundesregierung hat dafür gesorgt,
dass für die Leiharbeitsbranche endlich Regeln geschaf-
fen wurden. Bis zum Beginn der weltweiten Wirtschafts-
und Finanzmarktkrise hat die Leiharbeit in Deutschland
mit dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit zu senken.
Viele Leiharbeiter stehen aber heute in der Krise als
Erste wieder auf der Straße. Über 250 000 Leiharbeiter
wurden in sehr kurzer Zeit entlassen. Leider ist es den
Tarifparteien nicht gelungen, das hohe Arbeitsplatzrisiko
durch gute und faire Löhne auszugleichen oder über-
haupt Lohngerechtigkeit in der Branche herzustellen.
Das ist ärgerlich; denn die rot-grüne Bundesregierung
hat 2003 ausdrücklich eine grundsätzliche Gleichstel-
lung von Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern
mit den Festangestellten in den Betrieben im Arbeitneh-
merüberlassungsgesetz festgeschrieben.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


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(C (D Allerdings – das ist die große Schwachstelle – kann urch eine anderslautende Tarifvereinbarung von diesem uten Grundsatz abgewichen werden. Diese Ausnahmegelung wird rigoros genutzt, um Lohndumping in der eiharbeitsbranche durchzudrücken – und das leider icht nur bei Schlecker. So betrug der durchschnittliche erdienst eines Leiharbeiters im zweiten Quartal 2009 775 Euro. Das durchschnittliche Arbeitnehmereinkomen lag dagegen bei 3 128 Euro. (Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das kann nicht stimmen, Frau Hiller-Ohm!)


ir sprechen also über eine Lohndifferenz von rund
400 Euro. 2006 erhielten 20 Prozent der in regulären
eschäftigungsverhältnissen Beschäftigten einen Niedrig-
hn. Bei den Leiharbeitern waren es schon damals

7 Prozent.

Wie konnte es dazu kommen? Durch Schaffung du-
ioser Gewerkschaften wie der Tarifgemeinschaft
hristlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal-

erviceagenturen wurde die Arbeitnehmerseite systema-
sch geschwächt. Diese Scheingewerkschaften haben
rbeitgeberfreundliche Tariflöhne zulasten der Beschäf-
gten ausgehandelt. Es ist ein gutes Zeichen, dass das
andesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg der Tarifge-
einschaft Christlicher Gewerkschaften jetzt die Tarif-
higkeit abgesprochen hat.


(Beifall bei der SPD)


ut wäre es, wenn derartige Arbeitnehmernichtvertre-
ngen grundsätzlich verschwinden würden.

Wir können hier im Bundestag unseren Beitrag dazu
isten, und zwar durch einen flächendeckenden gesetz-
chen Mindestlohn.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


erade in der Leiharbeit ließe sich so Lohndumping
irksam bekämpfen. In ihrem Antrag bekennen sich die
rünen zum Tarifvertrag, den der DGB abgeschlossen
at: 7,31 Euro für den Westen und 6,36 Euro für den
sten. Ich bin überrascht, dass die zentrale Forderung ei-
es Mindestlohns in dem Antrag der Linksfraktion hin-
egen überhaupt nicht auftaucht.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das ist doch albern! Wir haben genug Anträge vorgelegt, die Sie abgelehnt haben! – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Ist Ihnen entgangen, dass wir 10 Euro fordern?)


ir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen
inen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens
,50 Euro. Meine Damen und Herren von den Mindest-
hnverweigererfraktionen CDU/CSU und FDP, die heu-
ge Antragsberatung wäre völlig überflüssig, wenn Sie
ich unserer Position zum Mindestlohn angeschlossen
ätten.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: „Wenn ich“ und „hätte ich“!)







(A) )



(B) )


Gabriele Hiller-Ohm
Fakt ist: Sehr viele Zeitarbeiter können trotz einer
Vollzeitarbeit nicht von ihrem Lohn oder Gehalt leben
und sind auf aufstockende Sozialleistungen angewiesen.
Über 0,5 Milliarden Euro musste der Staat für zu nied-
rige Leiharbeiterlöhne zuschießen. Das ist für diese Be-
schäftigten zutiefst demütigend und auch volkswirt-
schaftlich der falsche Weg.


(Beifall bei der SPD)


Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich komme aus dem
schönen Schleswig-Holstein.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Hier haben die SPD-Bundestagsabgeordneten schon im
Frühjahr 2008 gemeinsam mit der IG-Metall ein umfas-
sendes Positionspapier zur Leiharbeit verabschiedet.
Leider fehlte uns bisher der richtige Partner, um die nöti-
gen Gesetzeskorrekturen umzusetzen. Wichtige Forde-
rungen sind: Stopp von Lohndumping durch einen ge-
setzlichen Mindestlohn; gleicher Lohn für gleiche
Arbeit, weg mit dem Tarifvorbehalt; gleiche Rechte für
Leiharbeiter und Stammpersonal, übrigens auch bei der
Weiterbildung; Synchronisationsverbot und Höchstquote
für Leiharbeiter in den Belegschaften; Begrenzung der
Verleihzeiten; Verbot von konzerninternen Verleihun-
gen; Stärkung der Betriebsräte.


(Gabriele Lösekrug-Möller [SPD]: Lauter gute Vorschläge!)


Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, dass der
öffentliche Druck jetzt auch die CDU/CSU zum Handeln
veranlassen wird und dass es uns im weiteren Beratungs-
verfahren gelingt, gemeinsam eine gute Lösung für die
Probleme der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in
Deutschland zu finden.

Danke schön.


(Beifall bei der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701904300

Das Wort hat nun Heinrich Kolb für die FDP-Frak-

tion.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)



Dr. Heinrich L. Kolb (FDP):
Rede ID: ID1701904400

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die

heutige Debatte gibt Anlass, über die aktuelle Situation
der Zeitarbeit in Deutschland einmal grundlegend
nachzudenken. Ich will zunächst einmal festhalten: Die
Reform der Leiharbeit mit dem Ersten Gesetz für mo-
derne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist eine Erfolgs-
geschichte, mit der deren Väter und Mütter, so auch
Mutter Hiller-Ohm heute, nichts mehr zu tun haben wol-
len. Das steht auf einem anderen Blatt. Das geht weiter
bei den Grünen. Die Überschrift ihres Antrags „Zeit-
arbeitsbranche regulieren – Missbrauch bekämpfen“ ist
ein Indiz dafür, dass auch sie die Rolle rückwärts üben
wollen. Weiter geht es auch bei den Linken. „Lohndum-
ping verhindern – Leiharbeit strikt begrenzen“, so die
Überschrift ihres Antrages. Aber von Ihnen, Herr Ernst,
haben wir sowieso nichts anderes erwartet.

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(C (D Man muss feststellen – ich habe von einer Erfolgsgechichte gesprochen –: Die Zeitarbeit ist ein wichtiges strument auf dem Arbeitsmarkt. Zeitarbeit schafft in inem herausragenden Maße neue sozialversicherungsflichtige Beschäftigung, und zwar mehr als jedes anere arbeitsmarktund beschäftigungspolitische Instruent. Ich frage mich, Herr Ernst, wie man auf die Idee ommt, diese erfolgreiche Maßnahme, dieses erfolgreihe Instrument strikt eingrenzen zu wollen. Nach den Reformen von 2003 hat sich die Anzahl er Zeitarbeitsplätze in den folgenden Jahren mehr als erdoppelt – ich sehe das als Erfolg –: In der Spitze haen mehr als 800 000 Menschen eine Beschäftigung ber die Zeitarbeit gefunden. Besonders wichtig: 60 Proent, zeitweise 70 Prozent der Zeitarbeiter waren zuvor icht regulär beschäftigt. Das zeigt die Stärke der Zeitareitsunternehmen quasi als Scout; sie sind bahnbrechend r arbeitslose Berufsrückkehrer, Berufseinsteiger, Per onen aus der stillen Arbeitsmarktreserve. Das alles steht elften AÜG-Bericht. Durch die Zeitarbeitsunterneh en wird eine Integrationsleistung erreicht, von der die undesagentur für Arbeit in Nürnberg nur träumen kann. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Herr Kollege Ernst, ja, es gibt in Einzelfällen den Ver-
uch, das Instrument der Zeitarbeit zu missbrauchen.
as beobachten wir sehr genau. Wir werden diesen
issbrauch ohne Wenn und Aber erfolgreich bekämp-
n.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


a sind wir uns mit unserem Koalitionspartner absolut
inig. Davon auszugehen, Zeitarbeit an sich sei Miss-
rauch, wie Sie und auch die Grünen es in ihrem Antrag
n, halten wir aber für vollkommen verfehlt. Die große
ahl der Zeitarbeitsverhältnisse läuft vollkommen kor-
kt und in geordneten Bahnen ab. Für jeden, der das
issen will, ist das alles mit der Darstellung im elften
ÜG-Bericht sehr transparent. Frauen sind eben nicht
berproportional betroffen; vielmehr wird nur etwa ein
iertel der Arbeitsplätze in der Zeitarbeit von Frauen be-

etzt. Ausländer werden eben nicht ausgebeutet; viel-
ehr sind nur gerade einmal 13 Prozent der Zeitarbeiter
usländer. Die Zeitarbeitsquoten liegen mit 2,5 Prozent
zugegeben, das ist eine Verdoppelung gegenüber 2004;
ber das hat Rot-Grün mit seiner Reform damals wohl so
ngestrebt – in einem Rahmen, der absolut akzeptabel
t. Das kann man doch bei einer Gesamtabwägung wohl
aum anders sagen. Deswegen rate ich uns, hier nicht in
ktionismus auszubrechen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Nun zum Fall Schlecker: Das Ministerium prüft hier
uf Anregung der Koalitionsfraktionen den Sachverhalt,
nd es schaut auch, ob es noch andere Fälle von Miss-
rauch gibt und was man dagegen tun kann. Ohne dem
rgebnis dieser Prüfung jetzt vorzugreifen, kann man
chon einmal – Herr Ernst, Sie wollen es ja immer genau
issen – zwei Dinge festhalten:






(A) )



(B) )


Dr. Heinrich L. Kolb
Es gibt keine flächendeckende Flucht in die konzern-
interne Zeitarbeit. Das lässt sich auch aus dem AÜG-Be-
richt herauslesen. Wenn es sie doch gäbe, so wäre es für
die Tarifpartner, die daran ja ein nachhaltiges Interesse
haben müssten, ein Leichtes, durch einen entsprechen-
den Zuschnitt des Anwendungsbereiches des Tarifvertra-
ges Konzernbereiche von Zeitarbeit auszuschließen und
damit die Abweichung vom Grundsatz des Equal Pay
bzw. des Equal Treatment unmöglich zu machen. Wenn
es die Tarifpartner nicht hinbekommen, kann der Gesetz-
geber das gegebenenfalls tun. Damit wäre das Problem
der konzerninternen Leiharbeit gelöst.

Ich sage auch sehr deutlich – das ist ein zweiter Fall
von Missbrauch, den ich zu erkennen glaube –: Da, wo
über die Nachwirkung ausgelaufener Tarifverträge
ein Problem entsteht, insbesondere von Haustarifverträ-
gen, lässt sich durch eine gesetzliche Klarstellung leicht
Missbrauch abstellen.

Wie gesagt, wir werden sehen, was die Analyse des
Ministeriums am Ende ergibt, und werden unsere Politik
daran entsprechend ausrichten.


(Abg. Klaus Ernst [DIE LINKE] meldet sich zu einer Zwischenfrage)


Ich möchte noch auf einen dritten Punkt eingehen,
aber zuvor möchte der Kollege eine Zwischenfrage stel-
len, Herr Präsident.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701904500

Also, Herr Kolb hat Ihnen quasi schon das Wort er-

teilt. – Bitte schön.


Klaus Ernst (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701904600

Danke für die Gelegenheit zu einer Zwischenfrage,

Herr Dr. Kolb.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das verlängert meine Redezeit!)


– Mache ich gerne. Sie wissen ja, ich höre Ihnen gerne
zu.

Sie sagen, überwiegend laufe im Bereich der Zeitar-
beit alles korrekt. Jetzt wissen wir aber aus der Praxis,
dass die Löhne tatsächlich unterschiedlich sind, obwohl
Leute die gleiche Tätigkeit machen. Auch bei Facharbei-
tern ist es nicht so, dass sie automatisch alle das Gleiche
verdienen. Wenn einer neu im Betrieb ist, bringt er in der
Regel noch nicht die volle Leistung und verdient so-
wieso weniger. Das wäre aber richtig, weil er nicht – wie
ein Leiharbeiter – die gleiche Leistung erbringt. Nun
meine konkrete Frage: Halten Sie es wirklich für korrekt
und für motivierend für die Belegschaften, wenn akzep-
tiert wird, dass für gleiche Arbeit unterschiedliche
Löhne gezahlt werden?

Dann haben Sie auf die Tarifverträge hingewiesen.
Ich weiß, Sie kennen die Realität; Sie selbst haben ja ein
Unternehmen. In der Realität ist es aber doch so, dass
das Zustandekommen von Tarifverträgen davon abhängt,
ob eine Organisationsmacht vorhanden ist und sich die
Arbeitnehmer überhaupt gewerkschaftlich organisieren
können. Sie wissen doch ganz genau, dass das in einer

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(C (D eiharbeitsfirma nicht klappt. Das klappt bei den christchen Gewerkschaften nicht, und auch bei den DGBewerkschaften – das gebe ich selbstkritisch zu – ist die erhandlungsmacht nicht sehr groß. Deshalb meine weite Frage: Wie wollen Sie das ausgleichen, wenn es rifautonomisch überhaupt nicht funktioniert? Danke schön. – Ich habe mich natürlich wie Sie auch, err Kollege Ernst, gefragt, was Rot-Grün damals bei em Ersten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Areitsmarkt überhaupt bewogen hat, zum einen von Equal reatment zu sprechen, zugleich aber zu erlauben, dass on tarifvertraglichen Vereinbarungen abgewichen weren kann. h glaube, dass ich die Intention der Kollegen von Rotrün richtig interpretiere, wenn ich es so darstelle, dass s insbesondere bei kurzfristiger Zeitarbeit und bei häug wechselnden Einsätzen für das Entleihunternehmen chwer und mit sehr viel Bürokratie verbunden ist, nachuhalten, welche Tarifbedingungen am jeweiligen Einatzort tatsächlich zu beachten sind. Nein, das ist keine Verrenkung. Ich interpretiere das so nd meine mich zu erinnern, dass das damals in der Deatte hier in diesem Hause sogar so vorgetragen worden t, Herr Kollege Ernst. Wenn das so ist – ich glaube, man muss das so sehen –, ann gibt es auch gute Gründe, bei kurzfristigen Einsäten so vorzugehen. E eben diesem kurzfristigen Geschäft – häufig wech elnde Einsatzorte – gibt es auch ein langfristig angelegs Projektgeschäft der Zeitarbeitsunternehmen. Man ann und muss auch feststellen dürfen, dass bei diesen rojektgeschäften in der Regel auch sehr ordentlich beahlt wird. Da werden nämlich hochqualifizierte Arbeitehmer, Ingenieure und andere Spezialisten im Bereich er Technik, an entsprechende Einsatzorte vermittelt. ier gibt es das von Ihnen angesprochene Problem chon einmal nicht. Mit anderen Worten: Bei einer Gesamtabwägung der mstände halte ich es für verantwortbar, so zu handeln, ie es die Kollegen von Rot-Grün damals getan haben, ämlich zu sagen, es dürfe eine Abweichung vom rundsatz des Equal Treatment auf der Basis eines Tarifertrages geben. Ihre zweite Frage war die nach der Tarifmächtigkeit. ir haben das auch im Ausschuss schon diskutiert. Ich te dringend dazu, die entsprechende Entscheidung ab uwarten. Zwei Entscheidungen befinden sich zwar chon auf dem Rechtsweg, aber eine letztinstanzliche ntscheidung steht noch aus. Man kann sie erahnen; ber in einem Rechtsstaat gehört es sich, abzuwarten, bis Dr. Heinrich L. Kolb das Verfahren beendet ist, um dann zu beurteilen, ob zum Beispiel Gewerkschaften Tarifverträge abgeschlossen haben, die sie nicht hätten abschließen dürfen. Aber eine Verhandlungsmacht ergibt sich aus dem erstgenannten Aspekt für die Gewerkschaften sehr wohl. Die Arbeitgeber haben ein großes Interesse daran, Tarifverträge abzuschließen, weil sie ansonsten das Equal Treatment praktizieren müssten. Das ist auch der Grund, warum es in der Vergangenheit – der BZA hat erst vorgestern einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen – immer wieder gelungen ist, Tarifverträge abzuschließen, von denen man nicht gehört hat, dass diese von ihrem Regelungsinhalt her Gegenstand besonderer Kritik gewesen wären. (Klaus Ernst [DIE LINKE]: Ohne Mächtigkeit!)


(Beifall bei der LINKEN)

Dr. Heinrich L. Kolb (FDP):
Rede ID: ID1701904700

(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Nach unten!)


(Zuruf von der LINKEN: Eine Verrenkung!)

Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1701904800




(A) )


(B) )


Damit habe ich die Frage beantwortet. Sie dürfen sich
bis zur nächsten Frage gerne setzen, Herr Kollege Ernst.


(Ute Kumpf [SPD]: Oberlehrerhafter Stil!)


Ich will eine dritte Anmerkung machen, was die
Frage eines Mindestlohns in der Zeitarbeit anbelangt.
Zunächst einmal möchte ich – zu der Frage möglicher
Konsequenzen der Arbeitnehmerfreizügigkeit komme
ich später – sagen, dass es aus meiner Sicht keinen
Grund gibt, aktuell einen Mindestlohn in der Zeitarbeit
einzuführen, weil – ich habe es eben gesagt – nur durch
Tarifvertrag vom Gleichbehandlungsgrundsatz abgewi-
chen werden kann. Das hat dazu geführt, dass wir eine
nahezu 100-prozentige Tarifbindung haben. Selbst in
dem Fall, dass die CGZP für nicht tariffähig erklärt
würde, bin ich mir ziemlich sicher, dass wir innerhalb
kürzester Zeit wieder eine 100-prozentige Tarifbindung
hätten,


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Ohne Verhandlungsmacht, ohne Mitglieder?)


und zwar aus den Gründen, die ich schon dargestellt habe:
weil die Arbeitgeber dann sofort in einen anderen Ver-
band eintreten oder versuchen würden, mit den Gewerk-
schaften einen Haustarifvertrag zu schließen. Welchen
Sinn also soll ein Mindestlohn vor diesem Hintergrund ei-
ner 100-prozentigen Tarifbindung aktuell überhaupt ha-
ben? Das war ja auch die Frage, die sich die Große Koali-
tion wohl gestellt hat, Frau Hiller-Ohm, und wegen der
sie sich bewusst entschieden hat, die Zeitarbeit im Gegen-
satz zu anderen Branchen nicht in das Mindestarbeitsbe-
dingungengesetz aufzunehmen.

Bleibt als vierter und letzter Punkt die Frage: Führt die
Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa notwendig zu ei-
nem Mindestlohn bei der Zeitarbeit? Auch darüber soll-
ten wir sine ira et studio, ohne Zorn und Eifer, in aller
Ruhe nachdenken. Zunächst einmal glaube ich, dass die
Vorstellung, Deutschland würde mit Herstellung der Frei-
zügigkeit von ausländischen Zeitarbeitern überrannt,
überzogen ist; denn auch nach der Herstellung der Frei-
zügigkeit brauchen die Verleiher eine Zulassung in
Deutschland, wenn sie tätig werden wollen. Zum anderen
stellt sich die Frage, wie viele Menschen zu welchen Löh-
nen tatsächlich in Deutschland als Zeitarbeiter tätig wer-
den wollen. Zurzeit gibt es neun polnische Leiharbeitsun-
ternehmen in Deutschland. Wir wissen aus dem

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(C (D aisonarbeitergeschäft, dass die Polen längst an Deutschnd vorbei Richtung England ziehen und dort zu attrakveren Bedingungen tätig werden. (Klaus Ernst [DIE LINKE]: Weil sie dort mehr verdienen!)


Man kann insgesamt sagen, dass der Einfluss auslän-
ischer Entleiher auf das Gesamtgeschehen der Zeitar-
eit in Deutschland bisher jedenfalls vernachlässigbar
t. Auch wenn sich das künftig in einem bestimmten
aße ändern sollte, bleibt doch die Frage, ob es zu ech-
n Marktverwerfungen kommen wird. Ich glaube, es
ibt – in dem Rahmen, den die bürgerlich-liberale Koali-
on für die Zeitarbeit mit dem Koalitionsvertrag ge-
chaffen hat, und auch mit der ergänzenden Verabredung
wischen den Fraktionsvorsitzenden – gute Möglichkei-
n, auf eventuelle Verwerfungen im Markt der Zeitar-
eit zu reagieren.

In diesem Zusammenhang will ich abschließend da-
uf hinweisen – das ist der letzte Satz, Herr Präsident –,

ass in den Branchen, die bereits heute in das Arbeitneh-
er-Entsendegesetz einbezogen sind, auch nach der
erstellung der Freizügigkeit bei Entsendung in diese
ranchen nach § 8 Arbeitnehmer-Entsendegesetz der je-
eils für diese Branche allgemeinverbindlich erklärte
indestlohn ohnehin zu zahlen ist. Wenn also ein polni-

cher Leiharbeiter in das Bewachungsgewerbe entsendet
nd dort eingesetzt würde, wäre schon nach heute gel-
ndem Recht für diesen Leiharbeiter der für das Bewa-

hungsgewerbe allgemeinverbindlich erklärte Mindest-
hn anzuwenden.

Ob sich das in den anderen Bereichen, wo wir bisher
ie Notwendigkeit des Mindestlohns nicht gesehen ha-
en, anders darstellen wird, sollten wir zu gegebener
eit prüfen. Das wollen wir im Gespräch mit unserem
oalitionspartner, lieber Karl Schiewerling, gerne tun.

edenfalls besteht heute nach unserer Auffassung –


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701904900

Herr Kollege, Sie haben schon weit überzogen.


Dr. Heinrich L. Kolb (FDP):
Rede ID: ID1701905000

– danke, Herr Präsident – kein Anlass für ein vor-

chnelles, überzogenes Handeln nach dem Muster der
nträge von Grünen und Linken.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701905100

Das Wort hat nun Kollegin Beate Müller-Gemmeke

r die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜEN)

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegin-

en und Kollegen! Anfang 2009 bekam ich einen Pro-
pekt von einer Zeitarbeitsfirma in die Hand gedrückt.
ie Überschrift lautete: „Alle müssen raus!“ Hoppla,
achte ich, wieso macht eine Zeitarbeitsfirma Schluss-






(A) )



(B) )


Beate Müller-Gemmeke
verkauf? Dabei ging es aber nicht um Kühlschränke oder
Waschmaschinen, sondern um Menschen, die zu Dum-
pinglöhnen vermittelt werden sollten. Im Text stand:

Kalkulieren Sie mit spitzem Bleistift, dank unserer
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Hilfs- und Fachkräfte.

So etwas nenne ich menschenverachtend.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Natürlich ist dies ein Einzelfall, und nicht alle Unter-
nehmen missbrauchen die Zeitarbeit und betreiben mo-
dernen Menschenhandel. Dies möchte ich hier explizit
sagen, um die Kolleginnen und Kollegen der Regie-
rungsfraktionen gleich am Anfang zu besänftigen.

Aber ebenso schockierend ist der Fall Schlecker.
Dort findet derzeit eine beispiellose Umstrukturierung
statt. Mit dem Instrument Zeitarbeit sollen die Personal-
kosten deutlich gesenkt werden. Das Skandalöse daran
ist, dass Schlecker bestehende Gesetzeslücken ausnutzt.
Bisherige Schlecker-Filialen werden geschlossen. Den
Beschäftigten wird gekündigt, und anschließend werden
sie über eine eigens gegründete Zeitarbeitsfirma wieder
eingestellt, und zwar zu deutlich geringeren Löhnen und
Urlaubsansprüchen sowie ohne Anspruch auf Urlaubs-
und Weihnachtsgeld. So werden Tariflöhne unterlaufen.
Der Kündigungsschutz wird umgangen und den Be-
schäftigten der Bestandsschutz genommen. Hier sind
Korrekturen überfällig.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Schlimm ist, dass Schleckers Vorgehen legal ist.
Schlecker ist kein Einzelfall. Laut der Studie des Insti-
tuts Arbeit und Qualifikation ist dies gängige Praxis in
7 Prozent der Unternehmen mit betrieblicher Interessen-
vertretung. Deswegen muss die Politik sofort aktiv wer-
den und diesem Missbrauch einen Riegel vorschieben.
Aus diesem Grund fordern wir in unserem Antrag, dass
die konzerninterne Arbeitnehmerüberlassung gesetz-
lich verhindert wird.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Das reicht aber nicht. Die Zeitarbeit wurde in den
letzten Jahren vor allem auch zum Abbau von Stamm-
personal missbraucht. Eine von Arbeitsminister
Laumann in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass ein
Viertel der Unternehmen die Zeitarbeit zur Substitution
von Stammbelegschaften nutzt. Nicht nur das: Viele Un-
ternehmen benutzen die Zeitarbeit auch als strategisches
Instrument, um Stammbelegschaften unter Druck zu set-
zen. Ihnen werden Zeitarbeitskräfte zur Seite gestellt, die
zu deutlich geringeren Konditionen arbeiten müssen.
Die Festangestellten haben damit natürlich permanent
das Gefühl, dass sie ihre relativ sicheren Jobs gegen die
Zeitarbeitskräfte verteidigen müssen. Diese hingegen
wollen natürlich ein Jobangebot haben.

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(C (D Ein Beispiel aus einem Zweischichtbetrieb: Eine chicht bestand nur aus Zeitarbeitskräften, die andere chicht aus Stammpersonal. Zuerst haben die Zeitareitskräfte 10 Prozent über Soll gearbeitet. Dann zog die tammbelegschaft nach. Das ging so lange, bis der Beieb bei 170 Prozent der früheren Leistung angekomen war. Ich hoffe nicht, dass die FDP jetzt denkt, das t ja super für das Unternehmen. Denn solch ein System ewirkt, dass die Menschen mit der Zeit völlig ausgerannt sind. Die Zahl der Arbeitsunfälle und psychichen Erkrankungen nimmt massiv zu. Das kann für Unrnehmen nicht gut sein. Echtes Engagement entsteht icht in einem Klima der Angst. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Von den Linken werden wir immer wieder lautstark,
err Ernst, daran erinnert, dass wir Grüne der damaligen
eform zugestimmt haben. Sie haben recht. Allerdings
ar unsere Intention eine völlig andere.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ihr seid sozusagen von der SPD überrannt worden!)


ir wollten faire Bedingungen und mit dem Instrument
er Zeitarbeit Erwerbslose in Beschäftigung bringen.
as hat aber nicht funktioniert. Keiner konnte wissen,
ass der Tarifvorbehalt die sogenannten christlichen Ge-
erkschaften mit ihren Gefälligkeitstarifverträgen auf
en Plan ruft. Es war auch nicht absehbar, dass so viele
nternehmen im Rahmen der Zeitarbeit das eigene Per-

onal in die Wüste schicken.

Wir sehen die Fehlentwicklung. Für mich ist es ent-
cheidend, dass wir den Mut und die Ehrlichkeit besit-
en, dies einzugestehen. Deswegen haben wir schon im
ahr 2009 einen Antrag gestellt, um den Missbrauch der
eitarbeit zu verhindern, und zwar lange, bevor die Dis-
ussion um Schlecker losging.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wir haben erkannt, dass in der Zeitarbeit ein enormer
egelungsbedarf besteht. Von der CDU/CSU und der
DP habe ich bisher wenig zu diesem Thema gehört. Im
egenteil, das Ministerium von Frau von der Leyen hält
mer noch daran fest, dass sich die Zeitarbeit erfolg-

ich entwickelt hat und als arbeitsmarktpolitisches In-
trument unverzichtbar ist. Dies wurde heute ja noch-
als gesagt.

Die Bundesregierung hat aber mit dem 11. Bericht
ber die Erfahrungen und Anwendungen des Arbeitneh-
erüberlassungsgesetzes das Gegenteil belegt. Die
ahrscheinlichkeit, nach einem Einsatz in der Zeitarbeit

om Entleihbetrieb übernommen zu werden, ist gering;
ie liegt gerade bei 7 Prozent. Von daher kann überhaupt
icht von einem funktionierenden Klebeeffekt gespro-
hen werden. Auch die Laumann-Studie, die Ihnen be-
annt sein müsste, bestätigt: Wer vor dem Einsatz in der
eitarbeit arbeitslos war, ist es hinterher mit hoher
ahrscheinlichkeit wieder. Deswegen sage ich der Mi-

isterin, auch wenn sie heute nicht anwesend ist: Der






(A) )



(B) )


Beate Müller-Gemmeke
Klebeeffekt ist ein Mythos. Bitte nehmen Sie dies end-
lich zur Kenntnis.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Die Zeitarbeit ist also kein arbeitsmarktpolitischer Se-
gen. Im Gegenteil, sie führt dazu, dass der Aufbau regu-
lärer Beschäftigungsverhältnisse ins Stocken gerät. Dies
hat der letzte Aufschwung gezeigt.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das gibt die Statistik aber nicht her!)


Sie ist aber der Preis für die Flexibilität, die für die Un-
ternehmen geschaffen wird. Ich denke, alle politischen
Parteien, sogar die Gewerkschaften, sind bereit, diesen
Preis für eine ökonomische Flexibilität zu zahlen. Jeden-
falls habe ich weder von der Fraktion Die Linke noch
von den Gewerkschaften die Forderung gehört, dass die
Zeitarbeit gänzlich abgeschafft werden soll.

Was wir in unserem Antrag fordern, ist eine sinnvolle
Regulierung, damit die Zeitarbeit nicht zum Beispiel für
niedrige Löhne missbraucht wird; die Zeitarbeitsbeschäf-
tigten müssen Lohneinbußen zwischen 35 und 45 Prozent
hinnehmen. Dazu müssen sie nur einmal in die Laumann-
Studie hineinschauen. Deshalb fordern wir, dass der
Tarifvorbehalt gestrichen wird. Der Gleichbehandlungs-
grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ muss ohne
Wenn und Aber gelten.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Als Ausgleich für die hohen Flexibilitätsanforderun-
gen fordern wir die Einführung einer Prämie in Höhe
von 10 Prozent des Bruttolohns.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Wir auch! Das steht in unserem Antrag!)


– Seit neuestem möchte Die Linke dies auch.

Diese Prämie gibt es bereits in Frankreich. Dort hat
sie sich nicht als Hinderungsgrund für den Einsatz von
Zeitarbeit erwiesen. Die Prämie passt auch gut zum Slo-
gan der FDP, dass sich Leistung wieder lohnen müsse.
Der Unterschied zu den Konzepten der FDP ist nur, dass
die Prämie die Steuerzahler kein Geld kostet. Im Gegen-
teil, sie führt sogar zu höheren Einnahmen in der Sozial-
versicherung.

Wichtig ist uns auch die Wiedereinführung des Syn-
chronisationsverbots. Es soll dazu führen, dass die
Zeitarbeitskräfte länger bei den Verleihern beschäftigt
werden und vor allem in verleihfreien Zeiten eine Quali-
fizierung erhalten können. In diesem Punkt geht unser
Antrag weit über die Forderungen der Fraktion Die
Linke hinaus.

An dieser Stelle fordern wir auch einen angemessenen
branchenspezifischen Mindestlohn, der in verleihfreien
Zeiten gilt. Nur so kann dafür gesorgt werden, dass Zeit-
arbeitskräfte auch in verleihfreien Zeiten von ihrem
Lohn leben können.

Ich komme zum Schluss. Wir wollen, dass die Zeitar-
beit wieder zu einem verträglichen Instrument für die

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(C (D irtschaft und die Beschäftigten wird, wir wollen, dass ie Menschen angemessen bezahlt und würdig behandelt erden, und wir wollen, dass mit dem nächsten Konjunkraufschwung nicht mehr die Zeitarbeit, sondern reguläre eschäftigungsverhältnisse die höchsten Wachstumszahn aufweisen. Die Substitution von Stammbelegschafn muss endlich ein Ende haben. Zeitarbeit muss wieder u dem werden, was sie ursprünglich war: ein Instruent zum Abfedern von Auftragsspitzen, nicht mehr nd nicht weniger. Wir fordern die Regierungsfraktionen auf, die Zeitareit so schnell wie möglich zu regulieren. Gerade in der rise hat sich gezeigt, dass aus dem sogenannten Klebe ffekt ein Schleudersitz in die Arbeitslosigkeit wurde. (Gitta Connemann [CDU/CSU]: Das stimmt einfach nicht, Frau Kollegin!)


ach der Krise wird die Zeitarbeit einen neuen Auf-
chwung erleben – anstelle von regulären sozialversi-
herungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Vorlauf zu regulären Beschäftigungsverhältnissen!)


h frage Sie von den Regierungsfraktionen: Wollen Sie
as wirklich? Wenn nein, dann müssen Sie handeln.

Vielen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Als Sie regierten, wollten Sie es genau so haben!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701905200

Das Wort hat nun Kollegin Gitta Connemann für die

DU/CSU-Fraktion.


Gitta Connemann (CDU):
Rede ID: ID1701905300

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Fall

chlecker ist Anlass der heutigen Debatte: Völlig zu
echt! Denn das Gebaren dieses Konzerns empört wohl
den in diesem Haus.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Schlecker kündigte Mitarbeitern – ich habe übrigens
eine Zweifel, Herr Kollege Ernst, ob diese Kündigun-

en legal waren; die Überprüfung wird es zeigen –, aber
ie sind eben nicht angegriffen worden. Vielmehr kehr-
n die Mitarbeiter in das Unternehmen zurück, einge-

tellt als Zeitarbeitnehmer von einem früheren Schle-
ker-Manager. Sie machen dieselbe Arbeit zu einem
chlechteren Lohn. Dazu gibt es aus meiner Sicht nur ei-
es zu sagen: Das ist unanständig.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Zuruf von der SPD: Sauerei!)


Tausende Schlecker-Mitarbeiter sind Opfer kalten
ewinnstrebens. Das ist ein Skandal. Leider hat Schle-

ker prominente Genossen, zum Beispiel die AWO
estliches Westfalen. Sie gründete eine eigene Zeitar-

eitstochter, um Küchenkräfte zu verschieben.






(A) )



(B) )


Gitta Connemann
Die Frankfurter Rundschau ist ein weiteres Beispiel.
Die Beilagen werden nach Informationen des Deutschen
Journalisten-Verbandes von der Tochterfirma Presse-
dienst GmbH geliefert. Redakteure dieser Firma sind
ehemalige Pauschalisten der Frankfurter Rundschau.
Meine Damen und Herren von der SPD, das ist Ihr Ver-
lag; denn Sie sind immerhin mit 40 Prozent beteiligt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Frau Hiller-Ohm, Sie sagen, Sie wollten etwas tun. Dann
fangen Sie bei Ihren eigenen Betrieben an.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Zum Beispiel Verdi. Wenn es nach dem Willen dieser
Gewerkschaft geht, werden die Beschäftigten ihrer Bil-
dungsstätten laut einem Artikel im Spiegel schon bald in
eine neue Gesellschaft ausgelagert und zu schlechteren
Konditionen weiterbeschäftigt. Auch das ist ein Skandal.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ein jeder kehr’ vor seiner Tür und sauber ist der Stadtverkehr!)


Schlecker und seine Genossen spielen ein perfides
Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Das ist eines gewiss
nicht: klassische Zeitarbeit. Denn das typische Dreiecks-
verhältnis von Arbeitnehmer, Entleiher und Verleiher be-
steht nur auf dem Papier. Das ist eine reine Umgehung
der Vorschriften. Das ist für mich Scheinzeitarbeit statt
Zeitarbeit.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die Fakten belegen: Scheinzeitarbeit ist zum Glück
die Ausnahme. Der aktuelle Bericht der Bundesregie-
rung über Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeit-
nehmerüberlassungsgesetzes – übrigens noch unter der
Regentschaft von Olaf Scholz vorbereitet – zeigt: Nur
2 Prozent der Betriebe, die Zeitarbeit nutzen, haben Be-
schäftigung abgebaut und gleichzeitig Zeitarbeit aufge-
baut. Die Methode Schlecker ist die absolute Ausnahme.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Der Fall Schlecker darf nicht dazu missbraucht wer-
den, die gesamte Zeitarbeitsbranche in Misskredit zu
bringen.


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Das macht die Branche selbst!)


Dies tun die vorliegenden Anträge. Die Linken und
Bündnis 90/Die Grünen benutzen den Fall Schlecker und
fordern einmal mehr die Regulierung der Zeitarbeit.
Doch das ist der falsche Weg.


(Brigitte Pothmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann helfen Sie doch, Missbrauch zu verhindern!)


Denn in Wirklichkeit war die Zeitarbeit im Aufschwung
ein Turbo für den Arbeitsmarkt. Die Unternehmen haben
neue Flexibilität genutzt, die Einstellungsbereitschaft ist
gestiegen. Die Zeitarbeit war gerade für die Schwächs-
ten eine Brücke in die Beschäftigung.

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(C (D (Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hier ist doch eine Märchenstunde!)


Um die Fakten zu nennen: 52 Prozent der Zeitarbeiter
aren zuvor arbeitslos. 9 Prozent waren ohne Berufser-
hrung. Unter normalen Verhältnissen hätten sie keine
hance auf dem Arbeitsmarkt gehabt. Viele von ihnen
aben erst über die Zeitarbeit den Sprung in die Festan-
tellung geschafft.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das ist wahr! Das muss man einfach zur Kenntnis nehmen!)


Frau Kollegin Müller-Gemmeke, es gibt den Klebeef-
kt.


(Ute Kumpf [SPD]: Nur kein Superkleber, mehr ein Kleister!)


r ist kein Mythos. Schauen Sie sich bitte die Zahlen des
B an, das die entsprechenden Statistiken führt. 15 Pro-

ent der Zeitarbeiter schaffen den Sprung in die Festan-
tellung bei den Entleihunternehmen. Wenn Sie die Zeit-
rbeit zu Tode regulieren wollen, dann nehmen Sie diesen
enschen die Chance auf einen Einstieg in den Arbeits-
arkt. Das ist mit uns nicht zu machen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich sage aber auch: Die Branche muss jetzt die Gele-
enheit nutzen, ihre schwarzen Schafe auszusortieren.
er Missbrauch der Zeitarbeit kann durch einen Tarif-
ertrag gestoppt werden. Wir begrüßen deshalb die Er-
lärung von DGB und BZA, die die Methode Schlecker
erurteilen. Diese Erklärung reicht aber nicht. Arbeitge-
erverbände und Gewerkschaften müssen sich tarifver-
aglich darauf verständigen, dass in Fällen wie Schle-
ker und bei anderen potemkinschen Zeitarbeitsfirmen
er Zeitarbeitstarifvertrag nicht zur Anwendung kommt,
ondern die Konditionen des Mutterkonzerns gelten.
ie Methode Schlecker wäre auf einen Schlag reizlos.

Nur wenn die Tarifvertragsparteien eine solche Rege-
ng nicht zustande bringen, sind wir als Gesetzgeber

efordert; denn wir sehen uns der Tarifautonomie ver-
flichtet.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701905400

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der

ollegin von der Linksfraktion?


Gitta Connemann (CDU):
Rede ID: ID1701905500

Ja, natürlich.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701905600

Bitte schön.


Jutta Krellmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701905700

Erst einmal vielen Dank, Frau Connemann. Wenn ich

as Stichwort „Flexibilität“ höre, gehen bei mir immer
lle Warnlichter an. Ich erlebe immer wieder, dass im
runde jede Belegschaft in jedem Betrieb absolut flexi-
el ist. Es gibt Arbeitszeitkonten, es gibt Kurzarbeit und
lles mögliche andere. Für was brauchen Betriebe noch






(A) )



(B) )


Jutta Krellmann
Leiharbeit? Im Grunde langt es doch, wenn man die Be-
fristungen anwendet. Es gibt die Möglichkeit, Men-
schen befristet in Betrieben einzustellen. Es ist nicht not-
wendig, dass Betriebe von außen Leiharbeitnehmer
einstellen. Im Grunde geht es doch nur darum – das
bleibt am Ende nur übrig –, die Löhne und die Entgelte
zu reduzieren, indem man billigere Kräfte einstellt, in-
dem man ihnen nicht das gleiche Lohnniveau bietet nach
dem Motto: Gleiches Geld für gleiche Arbeit.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das ist entlarvend für Ihre Denkweise, Frau Kollegin!)



Gitta Connemann (CDU):
Rede ID: ID1701905800

Frau Kollegin, Sie reihen hier ein Klischee an das an-

dere. Aber das macht es nicht richtiger.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Ist aber kein Argument!)


Zum einen ist der Einsatz von Leiharbeitern für ein
Entleihunternehmen nicht günstiger als der Einsatz von
Festbeschäftigten; denn ein Entleihunternehmen muss zu
dem entsprechenden Lohn für den Beschäftigten immer
noch eine entsprechende Pauschale an das Zeitarbeits-
unternehmen zahlen. Das ist Punkt eins.


(Anette Kramme [SPD]: Das rentiert sich immer noch, wenn man sich die Löhne der Zeitarbeitnehmer anguckt! – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Bei halbem Lohn rentiert es sich schon!)


Punkt zwei: Die von Ihnen angesprochene Flexibilität
betrifft nur die Flexibilität in dem Arbeitsverhältnis. Da
ist über Zeitarbeitskonten usw. tatsächlich viel gesche-
hen. Darum geht es aber nicht. Wir brauchen ein Mittel,
damit Betriebe zum Beispiel auf Arbeitsspitzen ebenso
flexibel reagieren können wie zum Beispiel auf den
Wegfall von Aufträgen.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Befristung!)


Dazu ist die Befristung kein gutes Instrument;


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Warum nicht?)


denn die Befristung – so, wie die befristeten Arbeitsver-
träge in der Regel ausgestaltet sind – sieht vor, dass eine
Kündigung vor dem Ende der Befristung nicht möglich
ist. Das heißt, man ist an die Befristungsdauer gebunden.
Das geschieht aus gutem Grund, übrigens auch zum
Schutz des Beschäftigten, verhindert aber den flexiblen
Einsatz.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Bei drei Monaten Dauer bei der Leiharbeit?)


Das Dritte ist: Eine Befristung ist möglich. Eine be-
fristete Weiterbeschäftigung sieht das derzeitige Arbeits-
recht allerdings nicht vor.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Der Klebeeffekt!)


Deshalb wollen wir als christlich-liberale Koalition das
Ersteinstellungsgebot aufheben. Das ist gut für den Ar-

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(C (D eitsmarkt. Das ist ein weiterer Punkt auf unserer genda. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Die sollen weiterbeschäftigt werden!)


Ebenso steht eine Regelung zur Verhinderung des
issbrauchs auf unserer Agenda. Das hat übrigens nicht

ur die Bundesregierung angekündigt. Ich sage an dieser
telle sehr deutlich: Die christlich-liberale Koalition hat
urch ihre Sprecher sofort reagiert. Ich sehe Karl
chiewerling und Dr. Heinrich Kolb. Sie haben sehr
eutlich für uns alle gesagt: Wir werden den Missbrauch
toppen. Dazu stehen wir als Koalition,


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP])


ber nicht so, wie die Linken oder Bündnis 90/Die Grü-
en sich das wünschen. Meine Damen und Herren von
er Opposition, die Erfüllung Ihrer Forderungen würde
as Ende der Zeitarbeit in Deutschland bedeuten.

Sie fordern eine Flexibilitätsprämie wie in Frank-
eich. Haben Sie sich die dortigen Verhältnisse einmal
ngesehen? Französische Zeitarbeitsunternehmen sind
ben keine Arbeitgeber, sondern reine Vermittlungs-
genturen. Ein Arbeitnehmer ist dort nur für die Dauer
es Einsatzes beim Kunden beschäftigt, im Übrigen sehr
urzzeitig, im Schnitt 9,5 Tage. Danach ist er arbeitslos
nd muss sich selbst wieder um einen neuen Einsatz be-
ühen. Diese Flexibilitätsprämie in Frankreich ist also

ine reine Kompensation für das Fehlen eines Dauerar-
eitsverhältnisses. Das wünschen Sie sich für Deutsch-
nd? Da sage ich im Namen unserer Fraktion sehr klar:
iemals.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Sie haben keine Ahnung von der Realität!)


In Deutschland sind Leiharbeitnehmer bei den Zeitar-
eitsunternehmen sozialversicherungspflichtig ange-
tellt. Sie werden auch in verleihfreien Zeiten bezahlt.
ie haben alle Arbeitnehmerrechte wie zum Beispiel
nsprüche auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, auf
ezahlten Urlaub, Kündigungsschutz etc.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Vor allem Kündigungsschutz! Betrogen und beschissen werden die!)


ur der Arbeitsort wechselt häufiger. Bei uns herrschen
eine französischen Verhältnisse, und das ist gut so.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


enn wir brauchen die Zeitarbeit als vollwertigen Ar-
eitgeber und als unverzichtbaren Beschäftigungsmotor,
uch in der Krise.


(Brigitte Pothmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Frau Connemann, Leiharbeit ist wohl ein Paradies?)


etriebe können kurzfristig auf die gesunkene Auftrags-
ge reagieren und bei einer Konjunkturerholung die






(A) )



(B) )


Gitta Connemann
Produktion schnell anpassen. Damit stärkt die Zeitarbeit
auch in der Krise die Wettbewerbsfähigkeit. So werden
übrigens auch Stammarbeitsplätze im Einsatzbetrieb
gesichert.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Wie viele Spenden bekommen Sie von denen?)


Meine Damen und Herren von der Linken und den Grü-
nen, ich weiß, das wollen Sie nicht hören. Denn Sie be-
gründen Ihre Anträge mit der gegenteiligen Behauptung,
Stammbeschäftigte würden durch Leiharbeit verdrängt.
Das ist ein gängiges Argument. Doch Sie bleiben den
Nachweis schuldig.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Bei Schlecker ist es doch so!)


Sie können diesen Nachweis auch nicht führen; denn
die Statistik zeigt vollkommen andere Zahlen.


(Brigitte Pothmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Reden Sie einmal mit Arbeitsminister Laumann aus Nordrhein-Westfalen!)


Demnach liegt die Zeitarbeitsquote in Deutschland bei
– ich betone das – nur 2,6 Prozent.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Eben! – Klaus Ernst [DIE LINKE]: 2,6 Prozent zu viel!)


Bei diesen 2,6 Prozent ist die Verweildauer nur kurz. Sie
liegt unter drei Monaten.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Da geht es auch mit Befristung!)


Nur jeder zehnte Leiharbeitnehmer hat eine Verweil-
dauer von einem Jahr oder mehr, so zeigt es der aktuelle
Bericht der Bundesregierung


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP], an Abg. Klaus Ernst [DIE LINKE] gewandt: Den Sie sich durchlesen sollten, Herr Ernst! Ich weiß, Detailkenntnis macht politikunfähig, aber so ist es!)


und bestätigt damit übrigens auch die Feststellung des
Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der
Bundesagentur für Arbeit. Ich zitiere:

Für die häufig formulierte Begründung, dass Entlei-
her systematisch reguläre Arbeitskräfte durch Leih-
arbeiter ersetzen, liefern die Auswertungen keine
empirische Evidenz. … Langfristige Einsätze – und
nur sie sind geeignet, reguläres Personal zu erset-
zen – gibt es nur selten.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Ihnen fehlen die Argumente für Ihre Anträge. Sie
wollen eine Branche regulieren, die übrigens mittelstän-
disch geprägt ist. Dem bürokratischen Aufwand, der üb-
rigens mit der Einhaltung des Gleichbehandlungs-
grundsatzes verbunden wäre, die Sie einfordern, sind
diese mittelständischen Unternehmen nicht gewachsen.

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(C (D Frau Kollegin, Sie müssen bitte zum Schluss kom en. Für jeden Mitarbeiter müsste vor jedem Einsatz im inzelnen geklärt werden, welche Bedingungen gelten. as hätte eine Marktbereinigung zulasten des Arbeitsarktes, zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeit ehmer und zugunsten von Arbeitslosigkeit zur Folge. eswegen werden wir Ihre Anträge ablehnen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701905900
Gitta Connemann (CDU):
Rede ID: ID1701906000


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701906100

Das Wort hat nun Kollege Ottmar Schreiner für die

PD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)



Ottmar Schreiner (SPD):
Rede ID: ID1701906200

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das

t schon ziemlich heftig, was von der christlich-libera-
n – ich dachte immer, es sei eine christdemokratisch-li-
erale – Koalition gesagt wird. Ich fühle mich als Christ
usgegrenzt, wenn Sie hier von einer christlich-liberalen
oalition reden. Frau Connemann, das geht ein bisschen
eit.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Wie dem auch sei, zunächst einmal möchte ich ein
aar Bemerkungen zu dem machen, was der Vertreter
er Bundesregierung, Herr Brauksiepe, hier gesagt hat.
ie haben zum einen gesagt, Sie seien im Prüfvorgang,
ie würden prüfen, ob es bei Schlecker mit rechten Din-
en zugeht oder ob Rechtsverstöße zu beobachten sind.
iese Prüfung haben die zuständigen Fachleute bei der
undesagentur für Arbeit längst abgeschlossen.


(Anette Kramme [SPD]: Ja, genau!)


h zitiere hier aus dem Handelsblatt vom 11. Januar
010. Dort heißt es folgendermaßen:

Schlecker hat offenbar Stammbelegschaft entlas-
sen, um sie dann in einer eigens gegründeten Zeit-
arbeitsfirma zu niedrigeren Löhnen wieder einzu-
stellen.

Was ist denn das anderes, Frau Connemann, als der
ustausch von relativ ordentlich bezahlten Stammbeleg-

chaften durch Billigstlöhner?


(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Sehen Sie sich doch die Zahlen an!)


as ist doch exakt das, was wir Ihnen hier vorhalten,
orüber zu diskutieren ist.






(A) )



(B) )


Ottmar Schreiner

(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Weiter heißt es im Handelsblatt vom 11. Januar von
der Sprecherin der Nürnberger Behörde:

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz verbietet so
etwas nicht. Hier sind politische Entscheidungen
nötig.

Das ist exakt die Position der Bundesagentur für Arbeit.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Die Bundesregierung kann sich auch zu Tode prüfen, bis
das Ergebnis so ist, wie sie es haben will.


(Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]: Sagen Sie doch mal etwas zur Frankfurter Rundschau!)


– Ich sage auch etwas zur Frankfurter Rundschau und,
wenn Sie wollen, auch zu den anderen Vorgängen. Wer
auch immer diese Form von Lohndumping betreibt, ist
zu kritisieren – ob das die Frankfurter Rundschau ist, ob
das Schlecker ist oder wer auch immer das sein mag.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Herr Brauksiepe, Sie haben zum Zweiten das Beispiel
gebracht, ein Langzeitarbeitsloser, der drei Jahre arbeits-
los gewesen ist, freue sich, wenn ihm ein Bruttostunden-
lohn von 9,60 Euro gezahlt wird. 9,60 Euro ist der
Grenzwert in Richtung Niedriglohnsektor. Das ist ein
außerordentlich beschönigendes Beispiel. Es hat mit den
Realitäten des deutschen Arbeitsmarktes leider über-
haupt nichts zu tun.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ich nenne Ihnen ein paar andere Zahlen: Nach einer
Untersuchung des Instituts für Arbeit und Qualifikation
hat Deutschland mit einem Anteil von 23 Prozent an der
Gesamtbeschäftigung inzwischen nach den Vereinigten
Staaten von Amerika den zweitgrößten Niedriglohnsek-
tor aller vergleichbaren Industrieländer. Die Amerikaner
liegen bei 25 Prozent, die Franzosen bei 11 Prozent, die
Dänen bei 7 Prozent. Wir haben nicht den geringsten
Grund, stolz darauf zu sein, dass wir inzwischen Vize-
weltmeister in Sachen Niedriglöhne sind, lieber Kollege
Brauksiepe. Das Gegenteil ist der Fall.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Dafür ist die rot-grüne Koalition verantwortlich, Herr Schreiner! Sie wollten das!)


Wie bereits gesagt, sind die 9,60 Euro exakt die Ober-
grenze des Niedriglohnsektors. Millionen von Arbeit-
nehmerinnen und Arbeitnehmern befinden sich trotz
Vollzeitarbeit im Armutslohnsektor, verdienen also we-
niger als 7,50 Euro brutto. Noch nicht eingerechnet sind

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(C (D abei die vielen anderen, die im Bereich der 400-Euroobs, der zeitlichen Befristung usw. usf. ähnlich niedrige tundenlöhne haben. Insoweit müsste das Blickfeld der undesregierung in dieser Frage deutlich erweitert weren. Des Weiteren haben Sie auf die Brückenwirkung, den lebeeffekt der Leiharbeit hingewiesen. Frau onnemann hat eben das Nürnberger Institut für Areitsmarktund Berufsforschung zitiert mit der Schätung, dass etwa 15 Prozent der Leiharbeiter übernomen werden. Das heißt im Umkehrschluss: 85 Prozent er Leiharbeiter werden nicht übernommen. Was ist das r ein äußerst bescheidener Klebeeffekt, für den man rbeitsformen in Kauf nimmt, die inzwischen flächeneckend mit Lohndumping zu tun haben! (Beifall bei Abgeordneten der SPD, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Herr Schreiner, jetzt einmal zur SPD!)


Wir werden in Kürze einen Antrag einbringen, der klar
um Ausdruck bringen wird, dass wir auf dem Grund-
atz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ beharren wer-
en, liebe Frau Kollegin.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Sie sind doch Christdemokratin. Dann müssten Sie
ir einmal erklären, was christlich sein soll an einer Po-
tik, die tatenlos hinnimmt, dass Millionen von Arbeit-
ehmerinnen und Arbeitnehmern in ihrer Würde tief ver-
tzt werden, weil sie mit Hungerlöhnen nach Hause
eschickt werden, von denen sie nicht leben können.
as ist daran christdemokratisch? Das müssen Sie mir

inmal erklären.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Was ist an Ihrer Politik sozialdemokratisch? – Gitta Connemann [CDU/ CSU]: Fangen Sie bei Ihren eigenen Betrieben an, lieber Herr Schreiner!)


Die Liberalen sind ein hoffnungsloser Fall, Herr Kolb;
ie wollen wir jetzt nicht weiter in die Diskussion einbe-
iehen.

Ich will Ihnen ein paar Zahlen zur Leiharbeit vortra-
en. Wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass Leih-
rbeitnehmer gegenüber Stammarbeitnehmern, die die
leiche Tätigkeit ausführen, im Durchschnitt 30 Prozent
eniger verdienen. Wir wissen aus Untersuchungen der
ngsten Zeit, dass jeder achte Leiharbeitnehmer trotz
ollzeitarbeit Aufstocker ist, also von zusätzlichen Leis-
ngen nach Hartz IV abhängig ist.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Was Sie alles wissen! Es genügt nicht, zu wissen – Sie müssen etwas tun! Was tun Sie im Hinblick auf die Zustände bei der Frankfurter Rundschau?)


Herr Kolb, Sie haben im Moment Sendepause.






(A) )



(B) )


Ottmar Schreiner

(Beifall bei Abgeordneten der SPD, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Wir wissen aus Untersuchungen, dass im Jahr 2008 der
Bund, das heißt, der Steuerzahler, die Löhne der Leihar-
beitsfirmen mit rund 500 Millionen Euro bezuschussen
musste, damit überhaupt ein Einkommen in Höhe von
Hartz IV herausgekommen ist. Das ist doch ein Skandal
ohne Ende! Es kann doch nicht sein, dass Betriebe unter-
stützt werden, deren Geschäftsidee darauf beruht, dass
der Steuerzahler für sie die Löhne zahlt.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wer hat denn die Möglichkeit dazu geschaffen?)


Mit sozialer Marktwirtschaft hat das nichts mehr zu tun,
Herr Kollege Kolb.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Alles rot-grüne Gesetzgebung, Herr Schreiner! – Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP] meldet sich zu einer Zwischenfrage)


– Das sieht nach einer Zwischenfrage aus, Herr Präsi-
dent.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701906300

Ja. Ich genehmige sie. Bitte schön.


Dr. Heinrich L. Kolb (FDP):
Rede ID: ID1701906400

Herr Kollege Schreiner, was Sie vorgetragen haben,

war ein bisschen zu viel.

Ich habe ein paar Fragen an Sie: Erstens. Seit wann
gehören Sie dem Deutschen Bundestag an? Zweitens.
Würden Sie bestätigen, dass die Notwendigkeit, einen
Niedriglohnsektor einzuführen, zu Zeiten der rot-grünen
Koalition hier im Deutschen Bundestag erkannt und um-
gesetzt wurde?


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Das bestreitet keiner!)


Drittens. Würden Sie bestätigen, dass auch die Mög-
lichkeit zur Aufstockung Gegenstand und Ergebnis rot-
grüner Politik ist? Ich weiß: Sie hatten mit alledem
nichts zu tun; Sie waren einer dieser Exoten. Ich lasse es
trotzdem nicht zu, dass Sie heute hier in den Ganges stei-
gen und sich sozusagen von aller Schuld freiwaschen
wollen. Sie sagen: Ich weiß, ich weiß. Ich sage Ihnen: Es
genügt nicht, zu wissen; man muss auch tun.

Ich frage Sie viertens. Was werden Sie konkret tun,
damit sich die beschriebenen Verhältnisse bei der Frank-
furter Rundschau in Zukunft ändern?


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Ottmar Schreiner (SPD):
Rede ID: ID1701906500

Ich weiß nicht, wie ernst man diese Zwischenfrage

nehmen sollte.


(Dr. Martina Krogmann [CDU/CSU]: Sehr ernst!)


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(C (D ochmals: Ich werde versuchen, der Sache mit der rankfurter Rundschau auf den Grund zu gehen. (Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]: Das steht doch seit Monaten überall in der Presse!)


Ja gut, das mag sein. – Ich habe einleitend gesagt:
Wer auch immer diese Form von Lohndumping be-
eibt, ist zu kritisieren“. Das muss abgestellt werden.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


ie Aussage ist völlig klar. Was mehr wollen Sie hören?

Im Übrigen ist der Niedriglohnsektor nicht von Rot-
rün erfunden worden; in Deutschland gab es auch vor
998 einen Niedriglohnsektor.


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Genau!)


ichtig ist aber der Hinweis, dass durch gesetzliche
aßnahmen nach 1998, insbesondere nach 2002, der
iedriglohnsektor in Deutschland zusätzlich an Fahrt
ewonnen hat.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ihre Schuld! Unter Ihrer Verantwortung!)


Was soll das heißen? Entschuldigung! Mir ist derjenige
eber, der Fehlentwicklungen einräumt und sie abzustel-
n versucht, als jemand, der blind mit dem Kopf durch
ie Wand will; das wäre blinder Dogmatismus, den Sie
ffenkundig auch nicht wollen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


eien Sie doch froh, dass diese Entwicklungen erkannt
erden, die – ich vermute, ohne Absicht – jetzt eingetre-
n sind.

Niemand konnte übrigens voraussagen, dass die sich
hristlich nennenden Gewerkschaften in diesem Aus-
aß Lohndumping betreiben und damit die Abwärtsspi-
le in Gang setzen würden.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das ist doch bei VW auch betrieben worden!)


ie müssen mir als Experten noch erklären, was an die-
en Gewerkschaften christlich ist.


(Dr. Martina Krogmann [CDU/CSU]: Glauben Sie, Sie sind christlich? Was ist das für eine Arroganz!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701906600

Herr Kollege, Sie haben eine Zwischenfrage, nicht

wischenrufe zu beantworten.


Ottmar Schreiner (SPD):
Rede ID: ID1701906700

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg sagt:

as sind überhaupt keine Gewerkschaften, weil es ihnen
n Tarifmacht fehlt. Es ist anzunehmen, dass das Bun-






(A) )



(B)


Ottmar Schreiner
desarbeitsgericht den Vorgang möglicherweise in ähnli-
cher Form bewertet. Dann bricht der ganze Laden an
dieser Ecke zusammen; dieser Art von Gefälligkeitsver-
einbarungen und Scheintarifverträgen wäre zunächst
einmal die Grundlage entzogen. Das wäre in der Tat eine
außerordentlich wünschenswerte Lösung.

Wenn Sie schon über die Gründe diskutieren, müssen
Sie diese Entwicklungslinien mit einbeziehen, um den
Sachverhalt, über den wir reden, zu verstehen. Der ent-
scheidende Punkt ist nicht: Wer hat wo was verursacht?
Der entscheidende Punkt ist, ob die Mehrheit dieses
Hauses bereit ist, dafür zu sorgen, dass wir in Deutsch-
land Verhältnisse haben, wie sie in anderen europäischen
Ländern gang und gäbe sind.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Sie hatten elf Jahre Zeit! – Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP] nimmt wieder Platz)


– Herr Kolb, bleiben Sie ruhig stehen! Dann habe ich ein
bisschen mehr Redezeit.


(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der SPD – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Der Präsident gab mir ein Zeichen!)


– Herr Präsident, der Herr will noch stehen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701906800

Herr Kolb hat eine Zwischenfrage gestellt; aber jetzt

sind Sie ständig mit Zwischenrufen beschäftigt. Darauf
wollte ich nur hinweisen.


Ottmar Schreiner (SPD):
Rede ID: ID1701906900

Herr Kolb, wenn Sie eine Zwischenfrage auf der

Seele haben, kann man Sie entlasten. Das ist nicht das
Problem.


(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ich würde noch eine weitere Zwischenfrage stellen!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701907000

Herr Kollege, ich bitte Sie, in Ihrer Rede fortzufahren.


Ottmar Schreiner (SPD):
Rede ID: ID1701907100

Herr Kollege Kolb, um die Frage abschließend zu be-

antworten:


(Dr. Martina Krogmann [CDU/CSU]: Das ist jetzt aber keine Antwort mehr! Die Zeit ist vorbei!)


Wir wissen, dass Deutschland nach Untersuchungen der
OECD, die die Zustände übrigens sehr hart kritisiert, das
einzige Land ist, wo der Grundsatz „Gleicher Lohn für
gleiche Arbeit“ nicht gilt.


(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Doch, der gilt!)


Entweder machen alle anderen alles falsch und wir ma-
chen alles richtig oder umgekehrt.

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(C (D Frau Kollegin Connemann, niemand will, wie Sie es nterstellt haben, „die Zeitarbeit zu Tode regulieren“. as hat kein Mensch behauptet; das findet sich in keiem der Anträge. an kann doch nicht im Ernst von „zu Tode regulieren“ prechen, wenn wir europäische Standards auch in eutschland anwenden wollen. In anderen europäischen ändern funktioniert die Leiharbeit, auch aus Sicht der eschäftigten, wesentlich besser, als es in Deutschland er Fall ist. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Ich möchte zum Schluss sagen – der Präsident ist sehr
treng hinsichtlich der Einhaltung der Redezeit –, dass
ich inzwischen über die Hälfte der Beschäftigten unter
0 in prekären Arbeitsverhältnissen befindet: Leihar-
eit, zeitlich befristete Verträge, missbräuchlicher Ein-
atz von Praktikanten. Weniger als die Hälfte der unter
0-Jährigen ist in regulärer, dauerhafter Beschäftigung.
as ist eine Entwicklung, die nicht mehr hingenommen
erden kann. Wenn sich ein 30-jähriger junger Mann
der eine 28-jährige junge Frau in einem zeitlich befris-
ten Beschäftigungsverhältnis befindet, dann kann sich
ieser Mann oder diese Frau eben nicht verantwortlich
r ein Kind entscheiden, weil er oder sie nicht weiß, ob

as Kind in zwei Jahren noch anständig gekleidet und er-
ährt werden kann. Das heißt, wir haben es in der Breite
it einer eindeutigen Überflexibilisierung zulasten der
icherheit der Beschäftigten in Deutschland zu tun.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


ieses Maß an Überflexibilisierung muss abgebaut wer-
en, um wieder eine vernünftige Balance zwischen Fle-
ibilisierung und Sicherheit zu erreichen.

Meine Damen und Herren von der Regierungskoali-
on, Sie täten gut daran, wenn Sie damit bei der Leih-
rbeit beginnen und sie in eine Form bringen würden,
odurch dieses Instrument nicht mehr als hemmungslo-

es Lohndumpinginstrument zulasten der Menschen in
eutschland benutzt werden kann.

Schönen Dank.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701907200

Jetzt folgen zwei Kurzinterventionen. – Zunächst

pricht Kollegin Connemann.


Gitta Connemann (CDU):
Rede ID: ID1701907300

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Kollege

chreiner, Sie hatten mich in unterschiedlichen Bemer-
ungen persönlich angesprochen. Ich habe in Ihren Aus-
hrungen allerdings eine Stellungnahme zu den Vorgän-

en vermisst, die in Ihren eigenen Betrieben stattfinden.

Beispiel Frankfurter Rundschau.
)






(A) )



(B) )


Gitta Connemann

(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Hat er doch gesagt! Sie haben nicht zugehört! Unglaublich!)


Sie haben gesagt, das prüfen zu wollen, weil es Ihnen
nicht bekannt sei.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Sonst weiß er alles!)


Es wundert mich sehr, dass Sie sich mit vielen Erkennt-
nisquellen nicht auseinandersetzen, obwohl Sie sonst al-
les zu wissen scheinen.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Genau!)


Ich würde Ihnen sehr empfehlen, hierzu beim Deut-
schen Journalisten-Verband, einer Gewerkschaft, nach-
zufassen. Dieser Deutsche Journalisten-Verband hält
übrigens fest, dass es eine SPD-Beteiligung nicht nur
bei der Frankfurter Rundschau, sondern auch bei den
folgenden Zeitungen gibt, die Redakteure in Form von
Leiharbeitnehmern einsetzen:

Die SPD ist über den Madsack-Konzern zum Beispiel
an der Leipziger Volkszeitung beteiligt. Das Blatt be-
schäftigt elf Leihredakteure.

Die SPD ist an der Neuen Westfälischen in Bielefeld
beteiligt.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Beteiligt!)


– Auch wenn sie nur daran beteiligt ist. Die Pauschalis-
ten sollen dort Arbeitnehmer werden – allerdings in ei-
ner Leiharbeitsfirma.

Die SPD ist an der Oberhessischen Presse in Marburg
beteiligt. Dieses Blatt beschäftigt drei Redakteure über
die Leiharbeitsfirma Browa.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Na, so was!)


Die SPD ist an der Sächsischen Zeitung beteiligt. Die-
ses Blatt beschäftigt Leiharbeiter über die SZ Sachsen
GmbH.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das sieht nicht gut aus, Herr Schreiner!)


Davon wissen Sie tatsächlich nichts?


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Doch! Das wissen wir!)


Das wollen Sie mir erzählen? Wie wollen Sie darauf rea-
gieren? Meinen Sie nicht, mehr Sein als Schein wäre
gut? Nur: Sie haben das heute nicht unter Beweis ge-
stellt.

Im Übrigen möchte ich einem beliebten Argument in
Ihrer Rede ebenfalls entgegentreten. Sie sind auf das
Thema Aufstockung eingegangen. Die Aufstockung in
Deutschland ist aber kein Problem aufgrund der Lohn-
höhe, sondern aufgrund der Arbeitszeit.


(Anette Kramme [SPD]: Ja, das ist klar: Wenn man Minijobs befördert, wie Sie, dann ist das ein Problem aufgrund der Arbeitszeit!)


Wenn Sie sich die Daten ansehen, dann werden Sie fest-
stellen, dass nur 28 000 in Vollzeit beschäftigte Arbeit-

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(C (D ehmer aufstocken. Alle anderen Aufstocker befinden ich in Teilzeitarbeitsverhältnissen. Ich möchte Sie bitten, auch das zur Kenntnis zu nehen. Zeichnen Sie hier keine Zerrbilder von etwas, was icht der Wirklichkeit entspricht. Nun hat Kollegin Ute Kumpf das Wort. Danach ant ortet Kollege Schreiner. (Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Wieso antwortet er nicht sofort?)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701907400


Ute Kumpf (SPD):
Rede ID: ID1701907500

Verehrte Kollegin Connemann, Sie waren ja in der

nquete-Kommission „Kultur in Deutschland“.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das ist jetzt aber eine Dreiecksintervention! Das geht nicht!)


Doch. Ich möchte für die SPD ganz gerne eine Klar-
tellung treffen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701907600

Ich darf eine Zwischenbemerkung machen.

Die Reihenfolge der Kurzinterventionen ist nicht fest-
elegt. Wenn es zwei Kurzinterventionen auf eine Rede
ibt, dann können sie doch wohl hintereinander erfolgen,
odass der Redner auf beide antworten kann.


Ute Kumpf (SPD):
Rede ID: ID1701907700

Genau. – Sie erhalten dann auch noch eine Antwort

on dem Kollegen Ottmar Schreiner.

Ich möchte Sie gerne hinsichtlich des Vorgangs bei
er Frankfurter Rundschau aufklären.

Auch Ihnen müsste die Situation in der Medienland-
chaft bekannt sein: Das sind ziemliche Haifischbecken.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ach!)


Hören Sie bitte erst einmal zu. – Bei der Frankfurter
undschau – daran sind wir beteiligt – besteht folgender
achverhalt: Es gab die Pauschalisten, die nur ein Zei-
ngeld erhalten haben. Diese Pauschalisten haben von

ich aus das Interesse bekundet, durch eine Zeitarbeits-
rma übernommen zu werden, weil sie – vielleicht ken-
en Sie solche Verläufe – aus ihren sehr prekären Ar-
eitsverhältnissen in eine einigermaßen geordnete Form
es Zeitarbeitsverhältnisses überführt werden wollten.


(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Auf einmal ist Zeitarbeit geordnet!)


o ist der Sachverhalt.

Genauso bekannt ist unsere Position, dass Zeitarbeit
icht verwerflich ist. Das haben wir auch nie bestritten.


(Beifall des Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP])


Moment, klatschen Sie nicht vorher! – Ich kenne sehr
ohl die Situation in meinem eigenen Wahlkreis, dass
an für Auftragsspitzen und besondere Situationen auf






(A) )



(B) )


Ute Kumpf
Zeitarbeit zurückgreift, und weiß, dass dies auch manche
Gewerkschaften und Betriebsräte wollen, damit die
Stammbelegschaft geschützt wird. Zeitarbeit kann aber
nicht als generelle Lösung dienen und muss tariflichen
Regelungen unterworfen werden. Das hat mein Kollege
Ottmar Schreiner zur Genüge ausgeführt.

Ich will noch etwas zu dem Beispiel Frankfurter
Rundschau sagen, weil Sie immer wieder darauf gepocht
haben. Sachverhalt ist der, dass die Abwicklung auf ei-
genen Wunsch der Pauschalisten erfolgt ist.


(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Genau wie auf eigenen Wunsch der Schlecker-Mitarbeiter, oder was? – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Nach dem Motto „Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, darf man den Kopf nicht hängen lassen“!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701907800

Kollege Schreiner, bitte.


Ottmar Schreiner (SPD):
Rede ID: ID1701907900

Auch ich möchte kurz zur Aufklärung der Frau Kolle-

gin Connemann beitragen, weil sie meine Aussage eben
hinterfragt hat. Jeder achte Vollzeitbeschäftigte in der
Leiharbeit bezieht ergänzende staatliche Leistungen,
weil das Einkommen so niedrig ist, dass es unterhalb der
Hartz-IV-Grenze liegt. Das haben Sie infrage gestellt
und mit völlig anderen Zahlen operiert. Ich frage mich,
welcher Quelle Sie Ihre Zahlen entnehmen. Ich offen-
bare Ihnen jetzt die Quelle meiner Zahl und zitiere kurz
aus dem Bericht „Leiharbeit in Deutschland. Fünf Jahre
nach der Deregulierung“ des DGB-Bundesvorstands.
Darin heißt es:

Das niedrige Lohnniveau in Verbindung mit weite-
ren missbräuchlichen Praktiken hat dazu geführt,
dass inzwischen jeder achte Beschäftigte in der Leih-
arbeit (12,6 Prozent) trotz Vollzeittätigkeit (94 Pro-
zent waren in Vollzeit beschäftigt) auf ergänzende
staatliche Transferleistungen angewiesen ist. Damit
sind Beschäftigte in der Leiharbeit fünfmal so häufig
auf ergänzende Unterstützung angewiesen wie Be-
schäftigte anderer Branchen. Allein für die Unter-
stützung der Leiharbeiter müssen staatliche Stellen
rund 500 Millionen Euro pro Jahr aus Steuermitteln
aufwenden.

Ich hoffe, der notwendigen Aufklärung Genüge getan
zu haben. Wir können die Zahlen im Rahmen der Fach-
diskussion im Ausschuss abgleichen. Es kann kein Pro-
blem sein, sich der Wahrheit zu nähern, wenn der gute
Wille da ist.


(Beifall bei der SPD und der LINKEN)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701908000

Das Wort hat nun Kollegin Gabriele Molitor für die

FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


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(C (D Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Erlauben ie mir als neues Mitglied dieses Hohen Hauses einige orte zu dieser Debatte. Ich bin recht erstaunt darüber, elchen Berg uns Vertreter der Vorgängerregierung hinrlassen haben. Wir wollen uns dessen annehmen. Wir aben auch gesagt, dass wir die missbräuchliche Praxis der Leiharbeit angehen wollen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Gabriele Molitor (FDP):
Rede ID: ID1701908100

Im Dezember 2009 wurden 3,3 Millionen Arbeits-
se gezählt. Heute Morgen sind die aktuellen Zahlen

er Bundesagentur veröffentlicht worden. Danach sind
,6 Millionen Menschen ohne Arbeit. Wenn wir diese
enschen fragen, ob es ihnen lieber ist, bei einer Zeit-

rbeitsfirma tätig zu sein, als keine Arbeit zu haben, liegt
ie Antwort doch klar auf der Hand: Zeitarbeit ist besser
ls null Arbeit.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Die FDP hat schon immer die Position vertreten, dass
eitarbeit eine wichtige Rolle am Arbeitsmarkt spielt.
h habe der Debatte eben entnommen, dass diese Praxis

ffensichtlich auch bei den SPD-nahen Zeitungen geübt
ird.

Reguläre Zeitarbeit heißt im Normalfall, dass Arbeit-
ehmer Verträge mit Zeitarbeitsfirmen abschließen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701908200

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der

ollegin Pothmer von den Grünen?


Gabriele Molitor (FDP):
Rede ID: ID1701908300

Ja, gerne.


Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701908400

Frau Molitor, sind Sie bereit, zur Kenntnis zu neh-

en, dass keiner der hier vorliegenden Anträge zum Ziel
at, die Zeitarbeit abzuschaffen, sondern zum Ziel hat,
ie Zeitarbeit


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Unmöglich zu machen!)


u regulieren, damit sie nicht dazu genutzt wird, regu-
re Arbeitsplätze zu ersetzen?

Sind Sie ferner bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass
angrenzenden, vergleichbaren europäischen Ländern

as Volumen der Zeitarbeit deutlich höher ist als in
eutschland und die Regelungen für die Zeitarbeit dort
ngefähr dem entsprechen, was im Antrag von Bünd-
is 90/Die Grünen niedergelegt ist?


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wollen Sie also noch mehr Zeitarbeit?)


Verbesserte Regelungen für die Zeitarbeit sind mithin
ein Instrument, um Zeitarbeit zu reduzieren, sondern
in Instrument, um die Zeitarbeit vernünftig zu regulie-






(A) )



(B) )


Brigitte Pothmer
ren und sie auch auszuweiten, weil sie dann aus der
Schmuddelecke herauskommt, Frau Molitor.


(Beifall des Abg. Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])



Gabriele Molitor (FDP):
Rede ID: ID1701908500

Zunächst einmal will ich deutlich sagen: Zeitarbeit

steht für mich nicht in der Schmuddelecke.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Es gibt sehr wohl Zeitarbeitsunternehmen, die reguläre
Beschäftigung anbieten. In dem, was Sie in Ihren Anträ-
gen fordern, sehe ich schlicht und ergreifend die Gefahr,
dass durch vorschnelle Regulierung auf lange Sicht Zeit-
arbeitsplätze abgeschafft werden.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Darum geht es denen im Kern!)


Dem treten wir entgegen.


(Brigitte Pothmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist in Frankreich und den Niederlanden nicht der Fall!)


– Frau Kollegin, da sind die Dinge anders geregelt. Das
Beispiel Frankreich ist eben schon angeführt worden.
Dort ist die Zeitarbeit auftragsbezogen geregelt. Die
Mitarbeiter werden von einer Agentur vermittelt und
werden nach Beendigung des Auftrags entlassen. Die
Beschäftigung endet zu diesem Zeitpunkt.


(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch in Deutschland nicht anders!)


– Die Zeitarbeitnehmer in Deutschland bekommen aber
dann, wenn die Beschäftigung endet, weiter ihren Lohn,
weil sie weiterhin bei der Zeitarbeitsfirma beschäftigt
sind. Das müssen Sie zur Kenntnis nehmen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das musste mal klargestellt werden!)


Ich bin der festen Überzeugung, dass sich das Instru-
ment der Zeitarbeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt be-
währt hat. Wir merken jetzt: Besonders zu Beginn eines
wirtschaftlichen Aufschwungs und nach einer Krise, wie
wir sie auch in Deutschland hatten, hat die Zeitarbeit
positiven Einfluss auf die Entwicklungen am Arbeits-
markt. Wenn zurzeit Arbeitsplätze entstehen, dann vor-
rangig in der Zeitarbeit.


(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Finden Sie das wirklich gut?)


Das zarte Pflänzchen der Erholung am Arbeitsmarkt dür-
fen wir nicht durch übereilte Regelungen erdrücken.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Natürlich hat der Fall Schlecker die Kritiker von Zeit-
arbeit auf den Plan gerufen. Wegen eines schwarzen

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(C (D chafes dürfen wir jedoch nicht die gesamte Branche in isskredit bringen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Eine ganze Herde zu schlachten, kommt nicht infrage!)


as Problem ist die missbräuchliche Nutzung des Instru-
ents Zeitarbeit. Diesen Missbrauch – das haben wir ge-

agt – gilt es zu verhindern. Das wollen wir angehen.

Was nutzt uns denn ein ausgefeiltes Arbeitsrecht,
enn es in letzter Konsequenz Arbeitsplätze vernichtet?


(Ottmar Schreiner [SPD]: Das ist doch Quatsch!)


it Interesse habe ich gelesen, dass die SPD nach ihrer
lausurtagung verkündet hat, die Interessen von Arbeit-
ehmern stärker zu vertreten. Wir, die FDP, wollen nicht
ur die Interessen von Arbeitnehmern, sondern auch die
teressen von arbeitslosen Menschen vertreten.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


enn wir wissen, dass etwa 60 Prozent der Zeitarbeiter
orher keine Beschäftigung hatten.


(Gitta Connemann [CDU/CSU]: Genauso ist es!)


Lassen Sie mich ganz klar sagen: Wir müssen zwei
hemen voneinander trennen, die in der Diskussion im-
er wieder gerne in einen Topf geworfen werden, näm-
ch Missbrauch der Zeitarbeit und Mindestlöhne. Auch
Ihren Anträgen, liebe Kolleginnen und Kollegen von

er Linken und vom Bündnis 90/Die Grünen, ist diese
ermischung vorgenommen worden. Das wird der Sache
icht gerecht.


(Beifall des Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP])


assen Sie uns die Diskussion über Mindestlöhne füh-
n, wenn sie spruchreif ist. Alles zu seiner Zeit. Das ha-

en wir im Koalitionsvertrag auch so festgehalten.


(Beifall bei der FDP)


Gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten ermög-
cht die Zeitarbeit den Unternehmen, sich an die jewei-
ge Auftragslage flexibel anzupassen. Mir ist lieber, ein
nternehmen bleibt bestehen und kann weiterhin Arbeit

nbieten, als dass es in die Insolvenz geht.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Zusätzlicher Personalbedarf kann schnell gedeckt
erden. Mittlerweile sind 760 000 Zeitarbeitnehmer vor

llem in mittleren und größeren Betrieben eingesetzt.
ir sprechen hier von Menschen, die wieder eine Arbeit

ufgenommen haben. Das ist allemal besser, als arbeits-
s zu sein.

Wir Liberale machen eine Politik für Arbeitslose und
eschäftigte. Die Leih- oder Zeitarbeit darf nicht ge-

chwächt werden. Weil die Zeitarbeit nach unserer Auf-
ssung auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen
ird, treten wir Missbräuchen entschieden entgegen.






(A) )



(B) )


Gabriele Molitor
Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701908600

Das Wort hat der Kollege Juratovic für die SPD-Frak-

tion.


(Beifall bei der SPD)



Josip Juratovic (SPD):
Rede ID: ID1701908700

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen

und Herren! Kolleginnen und Kollegen! Vor meiner
Wahl in den Deutschen Bundestag im Jahr 2005 habe ich
22 Jahre im Werk eines deutschen Automobilherstellers
gearbeitet. Ich habe in diesen Jahren und auch nach mei-
ner Wahl in den Deutschen Bundestag mitverfolgt, wie
die Leiharbeit Einzug in das Werk hielt. In den vergan-
genen Jahren musste ich leider feststellen, dass vielerorts
reguläre Beschäftigungsverhältnisse durch Leiharbeit er-
setzt wurden. Das war nicht beabsichtigt, als die
rot-grüne Bundesregierung das Arbeitnehmerüberlas-
sungsgesetz änderte. Geplant war vielmehr, mit dem In-
strument der Leiharbeit den Bedarf an Arbeitskräften in
Spitzenzeiten abzudecken. In der damaligen Zeit dach-
ten viele Unternehmen über eine Auslagerung der Pro-
duktion in das osteuropäische Ausland nach. Wie viele
andere Arbeiter hatten auch wir davor Angst. Für uns be-
deutete die Reform des Arbeitsnehmerüberlassungsge-
setzes unter Rot-Grün, dass unsere Arbeitsplätze an den
deutschen Standorten gesichert werden und Langzeitar-
beitslose einen leichteren Zugang zum ersten Arbeits-
markt bekommen. Ich bin mir sicher, dass mit der Leih-
arbeit einige Arbeitgeber davon abgehalten wurden, ihre
Produktionsstätten ins Ausland zu verlagern.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Eine interessante Rede!)


Deswegen wurden damals Änderungen bei der Leihar-
beit von allen Beteiligten unterstützt: von der Politik,
den Arbeitgebern und den Gewerkschaften.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Außer von Ottmar Schreiner!)


Wir mussten jedoch in den vergangenen Jahren fest-
stellen, dass die Leiharbeit von Unternehmen für andere
Zwecke missbraucht wurde. Schlecker nutzte die Leihar-
beit, um Lohndumping zu betreiben; das ist kein Einzel-
fall. In vielen Unternehmen wird die Leiharbeit dafür
missbraucht, die Lohnstückkosten zu senken. Ein Unter-
nehmen, das dabei nicht mitmacht, verliert oft den An-
schluss an die Konkurrenz. Die Praxis wird von Pseudo-
gewerkschaften unterstützt, die sich heuchlerisch auch
noch als christlich bezeichnen. Wir reden immer wieder
über Ethik in der Wirtschaft. So wie Leiharbeit aktuell
stattfindet, entspricht das jedoch keinen ethischen Maß-
stäben. Es ist unethisch, wenn Unternehmen ihre Mitar-
beiter in zwei Kasten einteilen: in die Stammbelegschaft
und die Leiharbeiter. Es ist unethisch, wenn Leiharbeiter
in manchen Fällen nur 50 Prozent des Lohnes erhalten,
den ihre Kollegen der Stammbelegschaft für dieselbe
Tätigkeit bekommen.

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(C (D Es läuft etwas komplett schief, wenn jeder achte Leihrbeitnehmer trotz Vollzeittätigkeit auf eine ergänzende taatliche Unterstützung angewiesen ist. Für einen Leihrbeiter ist es unmöglich, einen Kredit oder eine Wohung zu erhalten, weil er keine stabile Beschäftigung voreisen kann. In der Krise konnten durch die Kurzarbeit war viele Beschäftigte vor einer Kündigung bewahrt erden. Die Leiharbeiter haben jedoch – weitgehend unemerkt – ihre Arbeit verloren. Die OECD spricht im Zuammenhang mit der Leiharbeit von einer Zweiklassenesellschaft auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die eiharbeit ist bei uns eine Form prekärer Beschäftigung. ie Leiharbeit sorgt dafür, dass in Deutschland zahlreiche inder in Armut aufwachsen. Kolleginnen und Kollegen on der Regierungskoalition, es ist nicht gerade glaubürdig, dass sich die ehemalige Familienministerin und tzige Arbeitsministerin ernsthaft Sorgen um Kinderarut macht und eine der Hauptursachen der Kinderarmut noriert. Wir Sozialdemokraten haben in der Großen Koalition ehement Änderungen bei der Leiharbeit angemahnt. ie Union hat aber den offensichtlichen Handlungsbearf bestritten und bestreitet ihn noch immer. Es geht ns nicht darum, die Leiharbeit komplett abzuschaffen. Wir wollen weiterhin die positiven Effekte der Leihrbeit nutzen, denn mit der Leiharbeit können kurzfrisge Auftragsspitzen in Unternehmen bewältigt werden, nd sie kann als Übergang in eine reguläre Beschäftiung dienen. Aber wir müssen Tarifflucht und Lohnumping in der Leiharbeit einen Riegel vorschieben. (Beifall bei der SPD – Gitta Connemann [CDU/CSU]: Da sind wir dabei!)


s muss klar sein: Wer dieselbe Arbeit verrichtet und un-
r denselben Bedingungen arbeitet, der bekommt auch
enselben Lohn.

Ich begrüße die Anträge von Linken und Grünen,
enn sie zeigen, dass beide Parteien Handlungsbedarf
ei der Leiharbeit sehen. Leider bieten die Anträge aber
um Teil widersprüchliche und nicht vollständig durch-
achte Lösungen an, so zum Beispiel in Bezug auf die
orderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Das wol-
n zwar beide; auch wir wollen dies. Doch eine Forde-
ng von 10 Prozent Flexiprämie nur für Leiharbeiter ist

igentlich ein Widerspruch zur Forderung „Gleicher
ohn für gleiche Arbeit“. Flexibilisierung ist in allen Be-
ieben bei der Gesamtbelegschaft gerade jetzt in Krisen-
eiten hoch im Kurs. Viel wichtiger wäre es, dass die
eiharbeit schnellstmöglich in den Geltungsbereich des
rbeitnehmerentsendegesetzes aufgenommen wird, da-
it der Mindestlohn für diese Branche gewährleistet
ird.

Des Weiteren fordert die Linke, dass die Betriebsräte
einem Entleihbetrieb im Rahmen des Betriebsverfas-

ungsgesetzes ein zwingendes Mitspracherecht hinsicht-
ch des Einsatzes der Leiharbeiter bekommen. Meines
rachtens ist dies bereits jetzt über die Anwendung ver-
chiedener Paragrafen des Betriebsverfassungsgesetzes
eitgehend möglich. Viel wichtiger wäre für mich eine
usweitung des § 14 des Arbeitnehmerüberlassungsge-






(A) )



(B) )


Josip Juratovic
setzes, damit der Entleihbetrieb Übersicht über die Be-
dingungen der Arbeitnehmer in dem Verleihunterneh-
men bekommt, ohne dass sich Arbeitnehmervertreter
wegen Verletzung des Betriebsgeheimnisses strafbar ma-
chen. Dies kann man über § 80 Abs. 1 Satz 1 des Be-
triebsverfassungsgesetzes abdecken, weil danach der
Betriebsrat über die Einhaltung gesetzlicher Regelungen
wacht.

Der Forderung der Grünen, die Anzahl aller Mitarbei-
ter in einem Betrieb innerhalb eines bestimmten Zeit-
raums für die Anzahl der Betriebsräte zugrunde zu le-
gen, stimme ich zu. Aber ich bezweifle, dass bei
Betriebsratswahlen das Wahlrecht eines Leiharbeiters ab
dem ersten Tag gerecht gegenüber den Kandidaten und
der Stammbelegschaft ist.

Sehr geehrte Damen und Herren, wir brauchen bei der
Leiharbeit Änderungen mit Augenmaß. Deswegen wer-
den wir Sozialdemokraten im Februar einen Antrag ein-
bringen, der die positiven Effekte der Leiharbeit weiter-
hin gewährleistet und den Missbrauch beseitigt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der SPD – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das war eine gute Rede, Herr Juratovic!)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701908800

Das Wort hat der Kollege Peter Weiß für die Unions-

fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Peter Weiß (CDU):
Rede ID: ID1701908900

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle-

gen! Ich empfinde es als sehr erstaunlich, wie die Kolle-
ginnen und Kollegen aus der SPD-Fraktion und aus der
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hier zum Thema Zeit-
arbeit aufgetreten sind. Vielleicht muss man zum
Schluss der Debatte Folgendes noch einmal für alle fest-
halten, bevor es in Vergessenheit gerät: Die rechtlichen
Grundlagen für die Leiharbeit, die wir heute in Deutsch-
land haben, und die Tatsache, dass Leiharbeit in den letz-
ten Jahren in Deutschland salonfähig geworden ist, ent-
springen rot-grüner Gesetzgebung.


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Ja! Das bestreitet ja keiner!)


Mit dem Job-Aktiv-Gesetz und den sogenannten
Hartz-Gesetzen wurde der Startschuss zu einer weiteren
Deregulierung der Leiharbeit gegeben.


(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Schwarz-gelbe Verbote! – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Von morgens bis abends mea culpa!)


Alle Verwerfungen, über die wir diskutieren, sind Pro-
bleme, die auf der Grundlage dieser gesetzlichen Rege-
lungen von Rot-Grün entstanden sind. Das muss man
festhalten.


(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


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(C (D Nun hat Kollege Schreiner gefragt: Was ist christlich? m dies zu beantworten, müsste ich jetzt einen theologi chen Vortrag halten; das will ich nicht tun. Aber ich ann eines sagen: Unchristlich ist mit Sicherheit, mit em Finger auf eine christlich-liberale Regierung zu zeien, die seit wenigen Wochen im Amt ist, und sie dafür erantwortlich zu machen, dass all die Probleme, die in iesem Land aufgrund rot-grüner Gesetzgebung besteen, noch nicht beseitigt sind. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Sie haben sich doch verweigert!)


Nun zur eigentlichen Problemstellung. Gerade die
ede des Kollegen Juratovic, für deren ersten Teil ich
ich vor allem bedanken möchte, hat sehr sachlich und

üchtern gezeigt, was die Absicht der Gesetzgebung war.
ie Absicht war, einerseits Leiharbeit vereinfacht zur
nwendung zu bringen und andererseits für eine bessere

oziale Absicherung der Beschäftigten zu sorgen. Gleich-
eitig sollte die Leiharbeit eine arbeitsmarktpolitische
unktion übernehmen, indem vor allem Arbeitslose
ber Leiharbeit in dauerhafte Beschäftigung auf dem ers-
n Arbeitsmarkt vermittelt werden sollten. Das war die
bsicht der Gesetzgebung.

Jetzt, über fünf Jahre später, kann man positiv fest-
tellen: Zeitarbeit ist ein wichtiges integratives arbeits-
arktpolitisches Instrument. Sie ermöglicht vielen Men-

chen, deren formale Qualifikationen nicht ausreichend
ind und die sonst kaum einen Zugang zum Arbeitsmarkt
ätten, Arbeit zu finden. Zwei von drei Zeitarbeitern wa-
n zuvor arbeitslos, und jeder Zehnte hatte zuvor über-

aupt noch nie einen Arbeitsplatz. Nun kann man über
ie Frage, was diese Zahlen bedeuten und was es mit
em sogenannten Klebeeffekt, also dem Umstand, dass
mand aus der Leiharbeit in eine unbefristete Beschäfti-
ung übernommen wird, auf sich hat, trefflich diskutieren.
h finde – ob man die Zahlen hin- oder herschiebt –, wir

ollten über jeden glücklich sein, der die Chance hat, aus
er Arbeitslosigkeit herauszukommen, um wieder mit
igener Hände Arbeit Geld zu verdienen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Karl Schiewerling [CDU/CSU]: Und das ist christlich!)


Und das ist christlich, Herr Kollege Schiewerling. In
er Tat. –


(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auch für 5,60 Euro?)


Aber genauso gilt, dass die Fehlentwicklungen bei
er Inanspruchnahme von Zeitarbeit einer Korrektur be-
ürfen. Das prominente Beispiel Schlecker ist schon
ehrmals erwähnt worden. Es sind einige mehr oder
inder wenig rühmliche Genossinnen und Genossen

on Schlecker benannt worden. Dass man die eigenen
itarbeiterinnen und Mitarbeiter sämtlich entlässt und

ie postwendend über eine Zeitarbeitsfirma zu einem ge-
ngeren Lohn wieder einstellt, ist in der Tat unanstän-
ig, und das ist ein Missbrauch von Zeitarbeit.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)







(A) )



(B) )


Peter Weiß (Emmendingen)

Das hat auch nichts mit sozialer Marktwirtschaft zu tun.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Was passiert jetzt?)


Offensichtlich haben einige Unternehmen nicht verstan-
den, was Zeitarbeit ist, sondern sie missbrauchen die
Zeitarbeit als ein Geschäftsmodell, auf dem die Existenz
eines Betriebes zu 100 Prozent beruhen soll. Ein solches
Verhalten bringt inzwischen die eigentlich in Deutsch-
land anerkannte Branche Zeitarbeit in der Tat in Verruf.


(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Von wem ist die anerkannt? Von der Deutschen Börse?)


Meines Erachtens schneiden sich solche Unternehmen
ins eigene Fleisch. Deshalb bin ich unserer neuen Bun-
desarbeitsministerin Dr. Ursula von der Leyen dankbar,
dass sie wenige Tage nach ihrem Amtsantritt unmissver-
ständlich erklärt hat, dass sie künftig genau hinschauen
wird, wo Missbrauch geschieht,


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Das wird aber schön!)


und dass sie willens ist, diese Schlupflöcher, die einen
Missbrauch von Zeitarbeit ermöglichen, zu schließen.
Deshalb bin ich zuversichtlich, dass diese Koalition das
Notwendige tun wird, um wieder Ordnung auf dem Zeit-
arbeitsmarkt herzustellen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Die Oppositionsfraktionen, die hier Anträge gestellt
haben, brauchen sich nicht zu belobigen. Es ist doch of-
fenkundig: Auf die klare Ansage von Ursula von der
Leyen haben sich die Oppositionsfraktionen bemüht,
schnell einen Antrag zu pinseln.


(Zuruf von der SPD: Welche klare Ansage?)


Ich darf einen höflichen Hinweis geben: Die Opposition
müsste eigentlich die Regierung antreiben, aber sie sollte
nicht der Regierung hinterherlaufen.


(Widerspruch bei der SPD und der LINKEN – Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Das ist doch lächerlich! – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Ist denn schon Fasching?)


– Entschuldigung, kaum hatte sich Frau von der Leyen
geäußert, habt ihr von den Linken und den Grünen ange-
fangen, Anträge zu schreiben. Das kann jeder machen.
Nach der Vorlage von Frau von der Leyen einen Antrag
zu schreiben, ist keine Oppositionsarbeit.


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Wo sind denn die Taten von Frau von der Leyen?)


Ich will ein weiteres Wort sagen. Leiharbeit sollte den
Unternehmen mehr Flexibilität ermöglichen, aber sie
sollte kein Instrument zu Lohndumping und unfairem
Wettbewerb sein.


(Beate Müller-Gemmeke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie wollen Sie es denn jetzt machen?)


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(C (D Die Zeitarbeitsbranche ist aus bekannten Gründen die inzige Branche, die zu 100 Prozent tarifgebunden ist; as gibt es sonst nirgendwo. Aber anstatt dass durch die ereinbarten Tarifverträge ein Wettbewerb um besonders ute Vergütungen erfolgt, wird in einigen Teilbereichen ider ein Wettbewerb nach unten ausgetragen. Das kann benfalls nicht im Sinne qualifizierter Zeitarbeit sein. ie Zeitarbeitsbranche nimmt damit nämlich letztlich in auf, dass sie in Verruf gerät und dass Zeitarbeit mit Bilgarbeit gleichgesetzt wird. Meine sehr geehrten Damen und Herren, um es klar nd deutlich zu sagen: Wir wollen gute Zeitarbeit. Wir ollen Missbrauch und Fehlentwicklungen verhindern. afür benötigen wir offensichtlich zusätzliche Regelunen. Ich vertraue darauf, dass uns unsere Bundesarbeitsinisterin – ich verweise auf die klare Ansage, die sie emacht hat – demnächst einen praktikablen Vorschlag orlegt, wie wir dafür sorgen können, dass Zeitarbeit in eutschland eine Zukunft hat und dass Missbrauch und ehlentwicklungen unterbunden werden. Vielen Dank. Das Wort hat der Kollege Ulrich Lange für die nionsfraktion. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Sie sagen jetzt, was gemacht wird!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701909000


Ulrich Lange (CSU):
Rede ID: ID1701909100

Der Letzte kann natürlich immer noch etwas dazu sa-

en. – Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kol-
gen! Die Causa Schlecker hat ein mediales Trommel-
uer gegen die Zeitarbeitsbranche hervorgerufen, wie
h meine, zu Recht. Das sage ich als Christsozialer, da-
it sich alle eingebunden fühlen, Herr Schreiner. Mit

ns, der christlich-liberalen Koalition, wird es ein „Ge-
chäftsmodell Ausbeutung“, wie der Stern vergangene
oche schrieb, nicht geben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Was ist bei Schlecker passiert? Schlecker hat faktisch
nternehmensintern verliehen. Das klassische Dreieck
er Zeitarbeit „Zeitarbeitnehmer, Zeitarbeitgeber und
eitarbeitskunde“ ist nicht beachtet worden. Das ist
eine Zeitarbeit in dem Sinne, wie wir echte Zeitarbeit
erstanden wissen wollen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Meine Damen und Herren der Fraktionen der Grünen
nd der SPD, immer wieder hat man in dieser Debatte
edacht: Wir können es langsam nicht mehr hören. Lei-
er müssen Sie sich noch einmal anhören, wie ich darauf
inweise: Die schrankenlose Zulassung von Leih- und
eitarbeit ist in Ihrer und nicht in unserer Regierungszeit
eschlossen worden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)







(A) )



(B) )


Ulrich Lange
Herr Kollege Schreiner, Sie können hier noch so laut
reden – auch ich versuche es gerade –, Sie sitzen mit
dem, was Sie hier machen, in der Populismusfalle.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wenn Sie jetzt die Zeitarbeit anprangern, müssen Sie
sich vorhalten lassen, dass diese zeitarbeitsrechtlichen
Regelungen von Ihrer Koalition stammen. Ihre Koalition
hat auch die Möglichkeit geschaffen, das Equal Pay aus-
zuhöhlen. Diese Möglichkeit haben doch nicht wir ge-
schaffen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Urheber dieses neuen Arbeitnehmerüberlassungs-
gesetzes war nicht die heutige Koalition. Es ist aber be-
zeichnend, dass es einer christlich-liberalen Koalition
bedarf, um jetzt gegen Schlupflöcher vorzugehen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dass der Stern jetzt das Ende der Ära der Liberalisierung
im Arbeitsrecht fordert, ist eine Tragik für die Sozial-
demokratie. Das müssen Sie sich angesichts dessen, was
in den letzten Jahren mit Ihrer Politik passiert ist, doch
ganz besonders zu Herzen nehmen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Meine Damen und Herren von den Grünen, man kann
sich irren; aber Motivirrtum ist unbeachtlich. Sie müssen
sich vorher überlegen, was Sie tun, und nicht erst in der
Opposition.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Der Bericht der Bundesregierung über die Anwen-
dung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes zeigt, dass
Zeitarbeit Brücken zur Arbeit baut für Menschen, die
sonst schlechte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt
hätten; wir haben die Zahlen vorhin schon mehrfach ge-
hört. Zeitarbeit schafft Perspektiven;


(Dr. Diether Dehm [DIE LINKE]: Nein!)


das zeigt der Bericht ganz deutlich. Wir sind fest ent-
schlossen, Missbrauch in der Zeitarbeitsbranche zu be-
kämpfen. Wir reichen nicht die Hand für systematische
Tarifflucht, die zu sozialer Schieflage führt. Aber ich
sage es mit gleicher Deutlichkeit: Wir sind nicht für eine
Änderung des Betriebsverfassungsrechtes, wie von
Linken und Grünen jetzt gefordert wird.


(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der FDP: Wir auch nicht!)


Diese Maßnahme würde eine Hürde für die Entstehung
von Arbeitsplätzen darstellen. Sie führte letztlich dazu,
dass Zeitarbeit in den Betrieben gar nicht mehr möglich
wäre. Das wollen wir nicht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Es muss auch weiterhin möglich bleiben, flexibel einzu-
stellen, ohne Einigungsstellen anzurufen. Einigungsstel-
len kosten Zeit und Geld. Sie tragen zu dem, was wir mit
Zeitarbeit erreichen wollen, nichts bei.

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(C (D Ich appelliere aber auch an die Zeitarbeitsbranche: chwarze Schafe haben sie in Verruf gebracht. Unsere orstellung von Zeitarbeit ist es nicht, dass Stammbelegchaft ersetzt wird. Das will ich hier auch in aller Deutchkeit sagen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


h bin froh – wir alle begrüßen es –, dass unsere neue
undesarbeitsministerin angekündigt hat, dass, wenn es
u keiner tariflichen Lösung kommt, dem Missbrauch
on Zeitarbeit mit einem konkreten Gesetzentwurf ent-
egengetreten wird.

Wir müssen jetzt die Schlupflöcher stopfen, die Sie
ährend der rot-grünen Koalition eröffnet haben. Das ist
och die Tatsache.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ute Kumpf [SPD]: Hatten wir zwischendrin nicht eine Große Koalition?)


Na ja, da waren Sie doch auch dabei.


(Zurufe von der SPD)


ir können doch an dem im Koalitionsvertrag enthalte-
en Rechtsgedanken der „Zuvor-Arbeitsverhältnisse“,
ie wir sie im Teilzeit- und Befristungsgesetz vorfinden,

nknüpfen. Da machen wir das doch. Setzen und ver-
auen wir auf die Stärke der Tarifparteien! Das möchten
och auch Sie. Stärken Sie Ihre Gewerkschaften! Halten
ir aber zugleich an Tariföffnungsklauseln fest! Fördern
ir die Tarifautonomie! Sie ist die Grundlage der sozia-
n Marktwirtschaft.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Meine sehr verehrten Damen und Herren von der Op-
osition, Mindestlöhne sind kein Allheilmittel und bie-
n erst recht keine Arbeitsplatzgarantie.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


er in unseren Augen bessere Weg ist die Allgemeinver-
indlichkeitserklärung von Tarifverträgen. Schreiben
ir die differenzierte Rechtsprechung zum Verbot sitten-
idriger Löhne gesetzlich fest, um Lohndumping zu
erhindern und soziale Verwerfungen zu vermeiden.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Gute Idee!)


Meine sehr geehrten Damen und Herren, machen wir
ns die Mühe zur differenzierten Betrachtung. Geben
ir guter und seriöser Zeitarbeit den erforderlichen ge-

etzlichen Rahmen in einem gesicherten Tarifgefüge.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


ies führt zu motivierten Arbeitnehmerinnen und Ar-
eitnehmern. Dies bietet einer Vielzahl von Arbeitslosen
ine Perspektive und ein Sprungbrett in eine Dauerbe-
chäftigung. Den schwarzen Schafen und Schlupflöcher-
uchern, die die Senkung von Personalkosten und den
exiblen Einsatz von Arbeitskräften falsch verstehen,
ie kein Gefühl für Verantwortung, Betriebstreue, Zu-
erlässigkeit und hohen persönlichen Einsatz von Ar-
eitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben, sagen wir






(A) )



(B) )


Ulrich Lange
aber genauso klar: Wir stellen uns vor die Arbeitnehme-
rinnen und Arbeitnehmer. Missbrauch jedoch werden
wir nicht akzeptieren, Missbrauch werden wir nicht dul-
den. Wir werden handeln.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701909200

Kollege Lange, das war Ihre erste Rede in diesem Ho-

hen Hause. Wir gratulieren Ihnen dazu recht herzlich
und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit.


(Beifall)


Ich schließe die Aussprache.

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf
den Drucksachen 17/426 und 17/551 an die in der Tages-
ordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind
Sie damit einverstanden? – Das ist der Fall. Dann sind
die Überweisungen so beschlossen.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 22 auf:

Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dr. Gerhard Schick, Dr. Thomas Gambke, Lisa
Paus, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Grauen Kapitalmarkt durch einheitliches
Anlegerschutzniveau überwinden

– Drucksache 17/284 –
Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuss (f)

Rechtsausschuss
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz

Es handelt sich um eine Überweisung im verein-
fachten Verfahren ohne Debatte.

Interfraktionell wird vorgeschlagen, die Vorlage auf
Drucksache 17/284 an die in der Tagesordnung aufge-
führten Ausschüsse zu überweisen. Sind Sie damit ein-
verstanden? – Das ist der Fall. Dann ist die Überweisung
so beschlossen.

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 23 a bis 23 l auf.
Es handelt sich um die Beschlussfassung zu Vorlagen,
zu denen keine Aussprache vorgesehen ist.

Wir kommen zu den Beschlussempfehlungen des
Petitionsausschusses.

Tagesordnungspunkt 23 a:

a) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 8 zu Petitionen

– Drucksache 17/473 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
hält sich? – Die Sammelübersicht 8 ist einstimmig ange-
nommen.

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(C (D Tagesordnungspunkt 23 b: b)

ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 9 zu Petitionen

– Drucksache 17/474 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
ält sich? – Die Sammelübersicht 9 ist ebenfalls einstim-
ig angenommen.

Tagesordnungspunkt 23 c:

c) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 10 zu Petitionen

– Drucksache 17/475 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
ält sich? – Die Sammelübersicht 10 ist mit den Stim-
en der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion und der FDP-
raktion gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei
nthaltung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ange-
ommen.

Tagesordnungspunkt 23 d:

d) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 11 zu Petitionen

– Drucksache 17/476 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
ält sich? – Die Sammelübersicht 11 ist einstimmig an-
enommen.

Tagesordnungspunkt 23 e:

e) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 12 zu Petitionen

– Drucksache 17/477 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
ält sich? – Die Sammelübersicht 12 ist mit den Stim-
en der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion, der FDP-
raktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bei
nthaltung der Fraktion Die Linke angenommen.

Tagesordnungspunkt 23 f:

f) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 13 zu Petitionen

– Drucksache 17/478 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
ält sich? – Die Sammelübersicht 13 ist mit den Stim-
en der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion, der FDP-
raktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gegen
ie Stimmen der Fraktion Die Linke angenommen.






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Petra Pau
Tagesordnungspunkt 23 g:

g) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 14 zu Petitionen

– Drucksache 17/479 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
hält sich? – Die Sammelübersicht 14 ist mit den Stim-
men der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion und der FDP-
Fraktion gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei
Enthaltung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ange-
nommen.

Tagesordnungspunkt 23 h:

h) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 15 zu Petitionen

– Drucksache 17/480 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
hält sich? – Die Sammelübersicht 15 ist mit den Stim-
men der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion und der FDP-
Fraktion gegen die Stimmen der Fraktion Bündnis 90/
Die Grünen bei Enthaltung der Fraktion Die Linke ange-
nommen.

Tagesordnungspunkt 23 i:

i) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 16 zu Petitionen

– Drucksache 17/481 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
hält sich? – Die Sammelübersicht 16 ist mit den Stim-
men der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion und der FDP-
Fraktion gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke und
der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen angenommen.

Tagesordnungspunkt 23 j:

j) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 17 zu Petitionen

– Drucksache 17/482 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
hält sich? – Die Sammelübersicht 17 ist angenommen.

Tagesordnungspunkt 23 k:

k) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitions-
ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 18 zu Petitionen

– Drucksache 17/483 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
hält sich? – Die Sammelübersicht 18 ist angenommen.

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(C (D Tagesordnungspunkt 23 l: l)

ausschusses (2. Ausschuss)


Sammelübersicht 19 zu Petitionen

– Drucksache 17/484 –

Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer ent-
ält sich? – Die Sammelübersicht 19 ist mit den Stim-
en der Unionsfraktion und der FDP-Fraktion gegen die
timmen der SPD-Fraktion, der Fraktion Die Linke und
er Fraktion Bündnis 90/Die Grünen angenommen.

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 6 a bis 6 l auf. Wir
ommen zu zwölf Gremienwahlen, die wir mittels
andzeichen durchführen werden.

Tagesordnungspunkt 6 a:

Kuratorium der Stiftung „Haus der Ge-
schichte der Bundesrepublik Deutschland“

– Drucksache 17/528 –

Dazu liegt ein gemeinsamer Wahlvorschlag aller
raktionen auf Drucksache 17/528 vor. Wer stimmt für
iesen Wahlvorschlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer
nthält sich? – Der Wahlvorschlag ist einstimmig ange-
ommen.

Tagesordnungspunkt 6 b:

Kuratorium der „Stiftung Archiv der Parteien
und Massenorganisationen der DDR“

– Drucksache 17/529 –

Wir stimmen über den Wahlvorschlag der Fraktionen
er CDU/CSU, der SPD, der FDP und der Fraktion Die
inke auf Drucksache 17/529 ab. Wer stimmt für diesen
ahlvorschlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält

ich? – Der Wahlvorschlag ist einstimmig angenommen.

Tagesordnungspunkt 6 c:


(Centre of Advanced European Studies and Research)


– Drucksache 17/530 –

Wir stimmen über den Wahlvorschlag der Fraktion
er CDU/CSU auf Drucksache 17/530 ab. Wer ist für
iesen Wahlvorschlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer
nthält sich? – Der Wahlvorschlag ist einstimmig ange-
ommen.

Tagesordnungspunkt 6 d:

Stiftungsrat der „Deutschen Stiftung Friedens-
forschung (DSF)

– Drucksache 17/531 –

Wir stimmen über den Wahlvorschlag der Fraktionen
er CDU/CSU, der SPD und der FDP auf
rucksache 17/531 ab. Wer stimmt für diesen Wahlvor-

chlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? –
er Wahlvorschlag ist einstimmig angenommen.






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Petra Pau
Tagesordnungspunkt 6 e:

Senat des Vereins „Hermann von Helmholtz-
Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren
e. V.“

– Drucksache 17/532 –

Es liegt ein Wahlvorschlag der Fraktionen der CDU/
CSU und der SPD auf Drucksache 17/532 vor. Wer
stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Wer stimmt dage-
gen? – Wer enthält sich? – Auch dieser Wahlvorschlag
ist einstimmig angenommen.

Tagesordnungspunkt 6 f:

Verwaltungsrat bei der Bundesanstalt für Fi-
nanzdienstleistungsaufsicht

– Drucksache 17/533 –

Hierzu liegt ein Wahlvorschlag der Fraktionen der
CDU/CSU, der SPD, der FDP und der Fraktion Die
Linke auf Drucksache 17/533 vor. Wer stimmt für diesen
Wahlvorschlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält
sich? – Der Wahlvorschlag ist einstimmig angenommen.

Tagesordnungspunkt 6 g:

Parlamentarischer Beirat der „Stiftung für
das sorbische Volk“

– Drucksache 17/534 –

Wir stimmen über den Wahlvorschlag der Fraktionen
der CDU/CSU und der SPD auf Drucksache 17/534 ab.
Wer stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Wer stimmt da-
gegen? – Wer enthält sich? – Der Wahlvorschlag ist ein-
stimmig angenommen.

Tagesordnungspunkt 6 h:

Kuratorium der „Stiftung Denkmal für die er-
mordeten Juden Europas“

– Drucksache 17/535 –

Dazu liegt ein Wahlvorschlag der Fraktionen der
CDU/CSU, der SPD, der FDP, der Fraktion Die Linke
und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Druck-
sache 17/535 vor. Wer stimmt für diesen Wahlvor-
schlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? –
Der Wahlvorschlag ist einstimmig angenommen.

Tagesordnungspunkt 6 i:

Verwaltungsrat der Deutschen Nationalbiblio-
thek gemäß § 6 Absatz 1 Nummer 1 des Geset-
zes über die Deutsche Nationalbibliothek

– Drucksache 17/536 –

Hierzu liegt ein Wahlvorschlag der Fraktionen der
CDU/CSU und der SPD auf Drucksache 17/536 vor.
Wer stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Wer stimmt da-
gegen? – Wer enthält sich? – Dieser Wahlvorschlag ist
einstimmig angenommen.

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(C (D Tagesordnungspunkt 6 j: Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur gemäß § 7 des Gesetzes zur Errichtung einer „Bundesstiftung Baukultur“ – Drucksache 17/537 – Wir stimmen über den Wahlvorschlag der Fraktionen er CDU/CSU, der SPD und des Bündnisses 90/Die rünen auf Drucksache 17/537 ab. Wer stimmt für die en Wahlvorschlag? – Wer stimmt dagegen? – Wer entält sich? – Der Wahlvorschlag ist einstimmig angenomen. Tagesordnungspunkt 6 k: Kuratorium der Stiftung „Deutsches Historisches Museum“ – Drucksache 17/538 – Hierzu liegt ein Wahlvorschlag der Fraktionen der DU/CSU, der SPD und der FDP auf Drucksache 17/538 or. Wer stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Wer timmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Wahlvorchlag ist einstimmig angenommen. Tagesordnungspunkt 6 l: Stiftungsrat der „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“ – Drucksache 17/539 – Hierzu liegt ein Wahlvorschlag der Fraktionen der DU/CSU und der FDP auf Drucksache 17/539 vor. er stimmt für diesen Wahlvorschlag? – Wer stimmt da egen? – Wer enthält sich? – Der Wahlvorschlag ist eintimmig angenommen. Ich rufe den Zusatzpunkt 1 auf: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und der FDP Anhaltender Handlungsbedarf bei der Aufarbeitung von Stasi-Verstrickungen Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Kollege ernhard Kaster für die Unionsfraktion. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! m 15. Januar 1990 erstürmten die Menschen die Stasientrale in der Normannenstraße, und im Dezember 991 beschloss der Deutsche Bundestag das Stasi-Untergen-Gesetz. Die Bundestagskolleginnen und -kollegen on damals, die Bürgerinnen und Bürger und vor allem ie Opfer der menschenverachtenden Stasi-Machenchaften konnten mit Sicherheit nicht ahnen, dass 5 Jahre, geschweige denn 20 Jahre nach dem Fall der auer das Thema der Stasi-Verstrickungen auch in un eren Parlamenten noch so aktuell ist: in Brandenburg, Deutschen Bundestag und hier auch noch in der heu gen Sitzung des Geschäftsordnungsausschusses. Bernhard Kaster Damals konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, dass 20 Jahre nach dem Fall der Mauer im Brandenburger Landtag ehemalige Stasi-Zuträger gleich in Fraktionsstärke vertreten sind. Genauso wenig war sicherlich vorstellbar, dass noch in dieser Wahlperiode ein Abgeordneter der Linksfraktion auf der Internetseite des Deutschen Bundestages lakonisch „ließ mich 1983 als IM des MfS verpflichten“ vermerkt und auf seiner eigenen Homepage die Tätigkeit für die Stasi in einer chronologischen Harmlosigkeit darstellt, als wäre es die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern. (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn er nichts geschrieben hätte, hätten Sie auch gemeckert!)


(Beifall bei der CDU/CSU)

Bernhard Kaster (CDU):
Rede ID: ID1701909300




(A) )


(B) )


(Reiner Deutschmann [FDP]: Unglaublich!)


Dies kann so nicht sein, dies muss uns, verehrte Kol-
leginnen und Kollegen, aufrütteln. Es muss noch einmal
klar ausgesprochen werden, was es denn heißt, sich frei-
willig bei der DDR-Geheimpolizei verpflichten zu las-
sen. Was war denn das, eine Tätigkeit beim MfS?

Es geht hier um Verbrechen an jungen Menschen. Es
waren die Bespitzelung von und der Verrat an Nachbarn,
Freunden, Arbeitskollegen. Was eine IM-Tätigkeit be-
deutet, kann man in den mit Zweidrittelmehrheit be-
schlossenen Bundestagsdrucksachen zu den Überprü-
fungsverfahren zu Heinrich Fink oder Christa Luft oder
Roland Claus oder Gregor Gysi nachlesen. Hier wurden
junge Menschen, Jugendliche mit existenzvernichtenden
Folgen ans Messer geliefert. Berufliche und persönliche
Perspektiven wurden völlig zerstört. Das Widerlichste
daran ist: Es wurde Vertrauen missbraucht, Vertrauen
von Menschen in ihren angeblichen Freund oder Nach-
barn, Vertrauen von Jugendlichen in ihren Jugend-
klubleiter, Vertrauen in seelsorgerische Gespräche oder
Vertrauen von Mandanten in ihren Anwalt. Vertrauen in
unsere parlamentarische Demokratie, in die Vertrauens-
würdigkeit der Abgeordneten zu schaffen, war auch ein
Motiv für das Stasi-Unterlagen-Gesetz und die Überprü-
fungsverfahren nach dem Abgeordnetengesetz.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Genau richtig gehandelt damals!)


Bei den Abstimmungen über das Stasi-Unterlagen-
Gesetz im Jahre 1991 oder bei der Verlängerung der
Fristen im Jahre 2006 war sich dieses Parlament mit
Ausnahme der SED-Nachfolger PDS und Linke darin ei-
nig, dass diese Gesetze und Verfahren einen Beitrag zur
Selbstreinigung des Parlamentes leisten müssen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. h. c. Wolfgang Thierse [SPD])


Es kann nicht sein, dass Menschen, die das eigene
Volk auf hinterhältigste Weise bespitzelt und verraten
haben, heute Abgeordnete sind.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


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(C (D as Bundesverfassungsgericht hat es auf den Punkt geracht. Zu diesen Überprüfungsverfahren sagt das Bunesverfassungsgericht: Das Überprüfungsverfahren beruht auf der Prämisse, dass die frühere Tätigkeit eines Abgeordneten für den Staatssicherheitsdienst diesem die Legitimität nehme, Abgeordneter des Deutschen Bundestages zu sein. as muss auch für die Zukunft gelten. Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass nach wie vor ringender Handlungsbedarf besteht. Wir alle haben die rößte Bewunderung und den größten Respekt vor allem or dem Mut der Menschen, die diesen unmenschlichen achtapparat vor 20 Jahren zerstört und die friedliche evolution herbeigeführt haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Brigitte Zypries [SPD] und Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


ein tiefer Respekt gilt auch den Opfern, die drangsa-
ert, eingesperrt und ihrer persönlichen und beruflichen
erspektive beraubt worden sind – mit Wirkungen bis
eute.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Schlimm genug!)


s wäre fatal, wenn auch nur der Eindruck entstehen
önnte, dass mit einer auslaufenden Frist ein Schluss-
trich gezogen würde.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Dazu darf es nicht kommen!)


Die aktuellen Ereignisse zeigen: Heute, im Jahre 2010,
arf es nicht um Befristungen und Abschluss gehen, son-
ern es muss um Entfristung und Öffnung gehen. Wir
üssen das schlimmste Kapitel des SED-Unrechtsre-

imes weiter aufklären. Jeglicher Verharmlosung müs-
en wir entschieden entgegentreten.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701909400

Das Wort hat der Kollege Dr. Wolfgang Thierse für

ie SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1701909500

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Offensichtlich ist

uch die DDR-Vergangenheit eine Vergangenheit, die
icht vergeht. Seit 20 Jahren beschäftigen wir uns mit
iesem belastenden Erbe. Ich weiß nicht, die wievielte
ebatte das zu diesem Thema ist, an der ich mich betei-
ge, die wievielte Überprüfung ich beantragt habe.

Ich gehörte zu denen, die vor knapp 20 Jahren in der
olkskammer für die Öffnung der Akten eingetreten






(A) )



(B) )


Dr. h. c. Wolfgang Thierse
sind, die für die Einrichtung einer Stasi-Unterlagen-Be-
hörde gesorgt haben. Das Thema ist nicht erledigt. Das
überraschend anhaltende Interesse Betroffener an der
Einsicht in die Akten – damit konnte man nicht rechnen,
dass auch nach 20 Jahren so viel Interesse an den Akten
besteht – erinnert uns daran. Es gibt immer neue Enthül-
lungen, zuletzt auch in Brandenburg. Das ist eigentlich
wenig überraschend, wenn man die menschliche Natur
kennt. Wer gibt schon freiwillig Schuld zu?

Der Brandenburger Weg – von dem immer wieder die
Rede war – wurde zunächst von einer Ampel-Koalition
und dann von einer Großen Koalition gegangen. Ich er-
innere daran, weil ich glaube, dass eine parteipolitische
Instrumentalisierung der Vergangenheit nicht sehr viel
hilft, sondern dem Anliegen eher schadet.


(Beifall bei der SPD und der LINKEN)


Bei allem verständlichen Eifer und der Emotionalität,
die ich teile, sollten wir uns immer wieder daran erin-
nern, dass die Demokratie – das ist einer ihrer großen
Vorzüge – Menschen immer wieder die Chance gibt,
sich in ihr zu verändern.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Das heißt: Wir sollten der Versuchung widerstehen, an-
deren ein Kainsmal aufzudrücken, sie dauerhaft in das
Gefängnis ihrer Vergangenheit einzusperren. Ich hoffe,
darin sind wir uns einig.

Vor diesem Hintergrund gibt es für mich, für uns, ein
Kriterium, eine Bewertungsregel, die aus zwei Punkten
besteht. Erstens. Wer einmal Macht über Menschen
missbraucht hat, soll nie wieder Macht über Menschen
bekommen.


(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Zweitens. Es muss die Frage gestellt werden: Wie ist
einer mit der Stasi-Vergangenheit, der SED-Vergangen-
heit, der Blockparteivergangenheit in den vergangenen
20 Jahren umgegangen? Hat er, hat sie geschwiegen
oder gar gelogen, oder war er, war sie ehrlich und hat
sich in der gemeinsamen Demokratie bewährt? Auch das
sollte in die Bewertung einfließen. Das geht nie ohne die
Prüfung des einzelnen Falls und ohne genaue, sehr diffe-
renzierte Bewertung. Genau dafür bleibt der Zugang zu
den Akten notwendig. Deswegen sind wir für eine Ver-
längerung der Überprüfungsmöglichkeiten nach den
§§ 21 und 22 des Stasi-Unterlagen-Gesetzes über 2011
hinaus.

Bei Menschen in herausgehobenen Positionen in Poli-
tik, Verwaltung, Justiz, Bundeswehr und Sport sollen die
Bürger sicher sein können, dass sie nicht früher Macht
missbraucht haben. Deswegen empfiehlt die SPD-Frak-
tion ihren Mitgliedern, sich auf eine Stasi-Mitarbeit
überprüfen zu lassen. Ich tue das auch. Ich glaube, bei
mir ist es das sechste oder siebte Mal. Deswegen soll
nach unserer Auffassung die Stasi-Unterlagen-Behörde
selbstverständlich über das Ende der Amtszeit von
Marianne Birthler hinaus weiterbestehen und weiterar-
beiten können. Ich sage das, weil es in der vergangenen

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(C (D egislaturperiode in den Reihen der CDU ganz andere ositionen gab, die das Ende dieser Behörde wollten. (Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Nicht der Aufarbeitung! – Weiterer Zuruf des Abg. Arnold Vaatz [CDU/CSU])


Ich rede doch präzise: das Ende der Behörde, Kollege
aatz. Ich weiß doch, wer das mit anderen zusammen
amals gefordert hat.


(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir auch! – Ute Kumpf [SPD]: Wir vergessen nicht so schnell!)


Wir haben in der Gedenkstättenkonzeption vereinbart,
ass der Bundestag eine Expertenkommission einberuft,
ie Vorschläge entwickelt, wie die unterschiedlichen
ufgaben der Behörde in der Zukunft – in welcher insti-
tionellen Form und durch wen – zu verwirklichen sind.
er Zugang zu den besonderen Akten verlangt nach be-

onderen Zugangsregeln. Schließlich sind diese Akten
icht auf rechtsstaatliche Weise zustande gekommen.
iese Akten sind das Erbe eines Unrechtsstaats. For-

chung und politische Bildung sind andere Aufgaben
ieser Behörde. Wir sollten sehr genau und sehr sachlich
arüber debattieren, in welcher Form diese Aufgaben in
er nächsten Legislaturperiode weitergeführt werden
ollen.

Es muss auch weiterhin einen eindeutig rechtsstaat-
ch geregelten Umgang mit den Hinterlassenschaften ei-
es Unrechtsstaats geben. Ich denke, es muss uns auch
m ein gemeinsames Eintreten gegen billige parteipoliti-
che Instrumentalisierung von Vergangenheit gehen.
ann will ich noch daran erinnern – auch darum muss es
ns gehen –: Die Stasi war Auftragnehmer und nicht
uftraggeber.


(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Eben!)


s muss uns immer auch um das politische System ge-
en, innerhalb dessen die Stasi gehandelt hat.


(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und die Partei, für die sie gearbeitet hat!)


Und die Partei, die SED.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Da sind wir uns einig!)


Um die Gewichte richtig zu setzen, sage ich zum
chluss: Die DDR war mehr als ein SED- und Stasi-
taat. Also sollten wir die Anstrengungen vermehren,
ns Alltag, Widerstand, Opposition und die Freiheitsge-
chichte, die da begonnen hat, zu vergegenwärtigen. Das
erliner Abgeordnetenhaus hat erfreulicherweise dies-
ezüglich einen Vorschlag gemacht. Ich habe sehr dafür
ekämpft, dass in die Gedenkstättenkonzeption genau
ieser Punkt Eingang findet. Der Bund steht auch hier in
er Verpflichtung. Wir sollten die falsche Faszination
urch die Krake Stasi überwinden, ohne die Erinnerung
u verdrängen und die Aufarbeitung dieses Kapitels zu
eenden.






(A) )



(B) )


Dr. h. c. Wolfgang Thierse

(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701909600

Das Wort hat der Kollege Reiner Deutschmann für die

FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Reiner Deutschmann (FDP):
Rede ID: ID1701909700

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten

Damen und Herren! Die Deutsche Demokratische Repu-
blik trug zwar das Wort „demokratisch“ im Namen, aber
sie war keine Demokratie. Sie war auch kein Rechtsstaat
und schon gar nicht ein Hort der Freiheit. Sie bekämpfte
Andersdenkende. Sie bekämpfte diejenigen, die sich
Freiheit und Demokratie wünschten. Sie bekämpfte die
Menschen, die Sozialismus und Kommunismus nicht als
die einzig richtige Lehre akzeptierten. Kurzum: Sie war
eine typische Diktatur.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz: MfS, war
das wichtigste Unterdrückungsorgan in den Händen der
herrschenden SED. Sie war das sogenannte Schild und
Schwert der Partei. Rechtsstaatliche und moralische
Werte wurden durch die Stasi außer Kraft gesetzt, und
das Leben der Opfer wurde buchstäblich aus den Angeln
gehoben. Die Stasi manipulierte, ruinierte und zerstörte
zahlreiche Existenzen. Zehntausende unschuldige Men-
schen erlitten als Opfer der Stasi in den Gefängnissen
körperliche und seelische Gewalt. Sie sind noch heute
von den Narben des Stasi-Treibens gezeichnet. Solche
Narben auf der Seele heilen eben schwer. Wer davon ei-
nen emotionalen Eindruck erhalten möchte, sollte sich
das von Opfern aufgeführte Theaterstück Staats-Sicher-
heiten des Hans-Otto-Theaters ansehen.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Guter Vorschlag!)


Mutige Demonstranten haben die Akten der Stasi für
die Nachwelt gesichert, so wie am 15. Januar 1990 in der
Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße, sicher-
ten Bürgerinnen und Bürger der DDR überall die Akten-
bestände vor weiterer Zerstörung. Nur wegen dieses be-
herzten Eingreifens sind wir heute überhaupt in der
Lage, das Wirken der Stasi mithilfe der Birthler-Behörde
aufzuklären. Für ihren Mut können wir den damaligen
Akteuren nicht dankbar genug sein.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es ist unerträglich, wenn wir in regelmäßigen Abstän-
den damit konfrontiert werden, dass Mandatsträger die
Öffentlichkeit über ihre Zusammenarbeit mit der Stasi
täuschen. Im Potsdamer Landtag führen Linke und leider
auch die SPD seit Monaten ein Stasi-Schmierenstück
erster Güte auf.


(Ute Kumpf [SPD]: Na, na, na!)


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(C (D rst gestern berichtete die Presse über einen Pädagogen nd SPD-Lokalpolitiker aus Brandenburg, der als IM Wolfgang“ mit dem MfS zusammengearbeitet hat. Geau dieser IM hat sich mit Lehrmaterialien über die Gechichte der Stasi für Brandenburger Schulen befasst. as ist ein für mich unfassbarer Vorgang. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Der Gesetzgeber hat mit dem Stasi-Unterlagen-Ge-
etz eine Regelung geschaffen, mit der ehemalige Stasi-

itarbeiter aus öffentlichen Ämtern ferngehalten wer-
en sollen. Die sogenannte Regelüberprüfung auf Stasi-
ätigkeit ist in den §§ 20 und 21 des Stasi-Unterlagen-
esetzes geregelt. § 20 erfasst einen klar definierten Per-

onenkreis von Richtern über Soldaten bis zu Beamten.
s ist den Opfern der Stasi nicht zu vermitteln, wenn die
äter von einst in Amt und Würden leben dürfen, wäh-
nd die Geschädigten selbst oft in Gefängnissen wert-

olle Jahre ihres Lebens verloren haben oder auf andere
eise in ihrem Leben beschränkt wurden. Deswegen

nd gerade auch wegen der aktuellen Ereignisse in Bran-
enburg ist sich die Koalition einig, dass die Überprü-
ng auf Stasi-Mitarbeit auch 20 Jahre nach dem Mauer-
ll über 2011 hinaus möglich sein muss.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


in Schlussstrich kommt für uns nicht infrage.

Schon in der 16. Wahlperiode hat die FDP-Bundes-
gsfraktion die Stärkung der Aufarbeitung des Stasi-
nrechts gefordert. Auf dem Gebiet der alten Bundes-
publik und Westberlins haben mindestens 3 000 inoffi-

ielle Mitarbeiter der Stasi gewirkt. Sinnbildlich für
ieses Problem steht der Fall der IM „Helene“ im Bun-
eswirtschaftsministerium. Hier handelt es sich laut
tasi-Akten um eine noch heute aktive, allerdings nicht
itende Beamtin, die vor dem Fall der Mauer für das
fS spioniert hat. Bei der letzten Novellierung des

tasi-Unterlagen-Gesetzes 2006 wurde die Überprüfung
on Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes
uf die Leitungsebene beschränkt. Demzufolge kann das
MWi als Dienstherr laut Stasi-Unterlagen-Gesetz kei-
en Einblick in die Stasi-Akte der Beamtin nehmen, um
ienstrechtliche Maßnahmen einzuleiten.

Deswegen werden wir Liberale uns nicht nur dafür
insetzen, dass die Regelüberprüfung über 2011 verlän-
ert wird, sondern auch dafür, dass bei begründetem
erdacht einer willentlichen und wissentlichen Stasi-
itarbeit diese Überprüfung auch für Beamte und Ange-

tellte unterhalb der Leitungsebene möglich sein soll.

Danke.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])







(A) )



(B) )


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701909800

Das Wort hat die Kollegin Dr. Jochimsen für die Frak-

tion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701909900

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Herr Kollege Kaster, Sie haben hier wörtlich gesagt,
Gregor Gysi habe junge Menschen ans Messer geliefert.


(Manfred Grund [CDU/CSU]: Das hat er nicht gesagt! – Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Ach!)


Ich fordere Sie auf, diesen ungeheuren Vorwurf zurück-
zunehmen.


(Beifall bei der LINKEN)


Das ist nicht die Art und Weise, wie wir in einem Parla-
ment miteinander umgehen sollten. Das ist ungeheuer-
lich. Das können Sie nicht beweisen. Das nehmen Sie
bitte im Namen der politischen Kultur zurück.


(Beifall bei der LINKEN)


Zuerst habe ich heute gedacht, ich lese nicht richtig.
Wann läuft die Regelung des im Jahre 2006 novellierten
Stasi-Unterlagen-Gesetzes aus, führende Beamte und
Angestellte im öffentlichen Dienst, kommunale Wahlbe-
amte, ehrenamtliche Richter, Sportfunktionäre, Inten-
danten usw. usw. auf eine eventuelle Stasi-Vergangenheit
zu überprüfen? Ende Januar 2010? In einem halben
Jahr? Ende 2010? Weit gefehlt. Sie läuft 2011 aus, also
in 23 Monaten. Deswegen müssen wir uns heute in einer
Aktuellen Stunde mit diesem Thema befassen. Ich muss
Ihnen ehrlich sagen: Das nenne ich eine Phantom-
debatte, eine Gespensterdebatte.


(Beifall bei der LINKEN – Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: So etwas ist nicht zum Lachen! Das ist eine Verhöhnung der Opfer! – Zuruf von der FDP: Pfui!)


In Wirklichkeit geht es Ihnen doch gar nicht um eine Ge-
setzesnovellierung; denn Sie haben ja keinen Antrag
oder sonst etwas eingebracht; Sie hantieren nur mit ein
paar Zeitungsmitteilungen. Es geht Ihnen um etwas ganz
anderes: Es geht Ihnen um eine Debatte über Branden-
burg, wo die SPD mit der Linken regiert, was Ihnen
nicht gefällt, und es geht Ihnen um uns, Die Linke, ins-
gesamt.


(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der FDP: Das stimmt!)


Dann sagen Sie das doch endlich! Dann führen wir eine
Debatte über die Linke und über Brandenburg, aber
nicht eine Debatte über die Änderung eines Gesetzes, die
erst in 23 Monaten auf der Tagesordnung steht. Das ist
kein Thema für eine Aktuelle Stunde.


(Zuruf von der FDP: Das ist leider immer aktuell!)


Wir können gern über die Brandenburger Fälle von
Stasi-Verstrickungen reden. Diese Fälle haben uns Linke

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(C (D chwer getroffen. Kennen Sie den Beschluss unserer artei aus dem Jahre 1991? Wer für ein Amt kandidiert, uss offenlegen, ob es Stasi-Zusammenarbeit gab und elcher Art sie war. Thomas Nord zum Beispiel hat dies eit Jahren so gehalten: Er führt die Tatsache in seinem lyer auf, den er in einer Auflage von 30 000 Exemplan hat drucken lassen. Jeder, der ihn gewählt hat, wusste escheid. Thomas Nord wurde übrigens direkt gewählt; ber das nur nebenbei. Im Fall von Gerd-Rüdiger Hoffmann wussten die ähler nicht Bescheid und die Partei Die Linke und die raktion im Landtag auch nicht. Gerd-Rüdiger Hoffmann urde aus der Fraktion ausgeschlossen. Wenn die Wahrheit jahrelang verschwiegen wird, hat as meiner Meinung nach nichts mit Überprüfungsregengen zu tun, sondern mit Ängsten und mit der Verbreing von Ängsten. Wenn wir Offenheit wollen – und die ollen wir –, müssen wir uns mit der Vergangenheit difrenziert auseinandersetzen. as ist aber etwas ganz anderes als die Diskussion, die ie führen, und Ihr Vorstoß heute. Was wird heute hier efordert? Die Überprüfung von Mitarbeitern im öffentchen Dienst bis 2016 fortzusetzen, it der Option auf eine weitere Verlängerung. Das wän dann 25 Jahre Überprüfung oder noch länger. Ich frage Sie: Soll es nie eine Verjährung für Stasierstrickungen geben? um Rechtsstaat gehört der Rechtsgedanke der Verjähng, im Strafrecht wie im Zivilrecht. (Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der FDP: Mord verjährt nicht!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Zuruf von der FDP: Mindestens!)


(Zuruf von der FDP: Am besten wäre das so!)


ie Zeit spielt bei Fragen der Schuld eine entscheidende
olle. Selbst die Tatbestände der gefährlichen Körper-
erletzung oder der schweren Freiheitsberaubung ver-
hren nach zehn Jahren. Bei schwerer Vergewaltigung
t die Tat ebenfalls nach zehn Jahren verjährt, und das
arf bei der Einstellung in den öffentlichen Dienst nicht
inmal geprüft oder ermittelt werden. Auch dort gibt es

mer Betroffene, die diese Verjährung nicht verstehen.
er Rechtsstaat hat sie dennoch beschlossen.

Wissen Sie von der FDP eigentlich, was Burkhard
irsch 1991 gesagt hat, nachdem beschlossen worden
ar, dass 15 Jahre lang überprüft werden soll? Ich

itiere:

Ich sage Ihnen, dass es ganz und gar unserer
Rechtstradition widerspricht, einem Täter über ei-
nen so langen Zeitraum hinweg eine Tat … nachzu-
halten: 15 Jahre! Wenn ich Zweifel am Gesetz
habe, dann an diesem Teil, der einen Zug der Erbar-
mungslosigkeit hat und nicht die Kraft findet, zu sa-
gen, dass in fünf oder sechs Jahren, jedenfalls in






(A) )



(B) )


Dr. Lukrezia Jochimsen
diesem Jahrhundert, die allgemeine Durchleuch-
tung der Vergangenheit endet …

Das war vor 19 Jahren, und das war die Stimme eines
hochangesehenen FDP-Abgeordneten. Dem ist nichts
hinzuzufügen.


(Beifall bei der LINKEN – Gisela Piltz [FDP]: Auch er irrt sich manchmal!)


Jetzt kommt unser Credo als Linke, das wir – das wird
ja immer gefordert – wie ein Mantra vor uns her tragen
sollen: Ja, wir sind für die Aufarbeitung der DDR-Ver-
gangenheit, und zwar je vertiefter und differenzierter,
desto besser; aber wir sagen Nein zu weiteren Überprü-
fungsfristen für den öffentlichen Dienst. Wir haben
schon die Verlängerung der Überprüfungsfristen über
2006 hinaus abgelehnt, weil wir dadurch das Prinzip der
Verhältnismäßigkeit verletzt sehen. Für eine Verlänge-
rung bis 2016 oder über 2016 hinaus gilt das erst recht.

Ich danke Ihnen.


(Anhaltender Beifall bei der LINKEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701910000

Das Wort hat der Kollege Wolfgang Wieland für die

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701910100

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und

Herren! Frau Kollegin Jochimsen, die Gysi-Debatte hat-
ten wir hier vor einem halben Jahr. Es bleibt unverges-
sen, wie er hier einzog. Deswegen will ich gar nicht da-
rauf eingehen.

Aber zum Stichwort „ans Messer liefern“: Vor kur-
zem hat Herr Gysi vor laufender Fernsehkamera Ihren
Bundesgeschäftsführer ans Messer geliefert.


(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der CDU/ CSU, der SPD und der FDP – Widerspruch bei der LINKEN)


Selbst Ihr Parteivorsitzender Bisky fühlte sich an stali-
nistische Zeiten erinnert.

Ich rede gerne zu Brandenburg. Ich habe diese Aktu-
elle Stunde – wir haben sie nicht beantragt – so verstan-
den, dass wir auch zu aktuellen Dingen reden.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP)


Matthias Platzeck hat – das hätte er lieber nicht tun
sollen – die Bildung der rot-roten Regierung als eine
Geste der Versöhnung überhöht und behauptete damit
werde „ein ungesunder Riss“ geheilt, der sich „auch
nach 20 Jahren … wieder zunehmend“ durch die ost-
deutsche Gesellschaft ziehe. Dann kam der Naziver-
gleich; auch den erspare ich Ihnen nicht. Platzeck wört-
lich:

Die gelungene Demokratisierung, die Westdeutsch-
land nach 1945 sehr zügig zu einem anerkannten
Staat unter Gleichen machte, konnte überhaupt nur
unter der Voraussetzung gelingen, dass ehemalige

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(C (D Mitläufer und, wo verantwortbar, selbst Täter des Nationalsozialismus nicht dauerhaft ausgegrenzt blieben, sondern einbezogen wurden. Dass ich das noch erleben durfte! Eine Rehabilitieng der Globkes und Oberländers nach dem Vorbild der Bonner Ultras“ – so hieß es früher immer bei Ihnen – t nun auf einmal beispielhaft. Das kommt nicht von ns, nicht von Hubertus Knabe, sondern von Ihrem oalitionspartner; aber Sie haben danach nicht halb so ut aufgeschrien, wie Sie eben aufgeschrien haben. Das t wirklich unglaublich. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP)


Aufgestöhnt haben andere, zum Beispiel Richard
chröder. Er fragte verstört: „Versöhnung mit wem?“
itat:

Dass ein Riss durch die ostdeutsche Gesellschaft
gehe, halte ich für eine überdramatisierende Be-
schreibung. Nach einer Revolution gibt es unver-
meidlich Verlierer, nämlich die Privilegierten der
Diktatur. Die Position, die sie nur in einer Diktatur
haben konnten, konnten sie eben deshalb danach
nicht mehr haben: SED-Bezirkschef, Politbüromit-
glied. Solche „Verlierer“ gibt es besonders viele in
der Ost-Linken. … Und natürlich stilisieren sie alle
sich als Opfer. Aber auf mein Mitleid warten sie
vergeblich. Sie werden auch gar nicht darauf rech-
nen.

Richard Schröder lag so richtig wie fast immer. An ei-
er Stelle muss man ihn korrigieren: Nicht alle SED-Be-
irkschefs fielen tief; manche fielen gar nicht. Heinz
ietze blieb gleich auf seinem alten Arbeitsplatz im
reml sitzen und war bis zur Wahl die graue Eminenz in
randenburg; jetzt leitet er als Vorstandsvorsitzender
re Rosa-Luxemburg-Stiftung. Selbst wenn ich wollte

das muss ich Ihnen sagen –, fiele mir gar kein Naziver-
leich ein.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP)


Jetzt sagen Sie hier stolz: Alle haben doch vorher of-
ngelegt; Herr Nord, die Fraktionsvorsitzende Kaiser,

er Innenpolitiker Scharfenberg usw. haben gesagt, dass
ie bei der Stasi waren. Das ist es doch: Sehenden Auges
at man dieses Bündnis geschlossen. Der Fehler von
latzeck war – das muss man so hart sagen –, dass er den
chlussstrich vor der Aufarbeitung ziehen wollte. Das
lappt nie, das klappt nirgendwo, das ist krachend schief-
egangen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP)


ir freuen uns, dass Brandenburg mit Ulrike Poppe nun-
ehr endlich eine Stasi-Landesbeauftragte hat. Wir
euen uns, dass nun eine Enquete-Kommission diese
erkwürdigkeiten vom Anfang der 90er-Jahre enthüllen
ill.

Ich komme noch einmal auf Heinz Vietze zurück. Er
at den schönen Satz gesagt:






(A) )



(B) )


Wolfgang Wieland
Ich habe keine Berichte für die Stasi geschrieben.
Sie wurden für mich geschrieben.

Da hat er etwas Wahres gesagt: Die Stasi war Ihr Auf-
tragnehmer, Schild und Schwert Ihrer Partei. Das müs-
sen Sie endlich klären. Stattdessen geht Ihre designierte
Parteivorsitzende Gesine Lötzsch zur Initiativgemein-
schaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Ange-
höriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der
DDR. Das tut sie nicht etwa, um denen die Meinung zu
sagen,


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Woher wissen Sie das denn?)


um gegen deren Geschichtsrevisionismus vorzugehen,
sondern um sich dort als Heilige Johanna der Alttsche-
kisten abfeiern zu lassen. Das ist ein Skandal; dazu müs-
sen Sie Stellung nehmen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP)


Sie wollen auch noch Sahra Wagenknecht zur stell-
vertretenden Parteivorsitzenden machen. Für sie war die
DDR „das friedfertigste und menschenfreundlichste Ge-
meinwesen, das sich die Deutschen im Gesamt ihrer Ge-
schichte bisher geschaffen haben“; Erich Honecker ge-
bühre deshalb „unser bleibender Respekt“. Die Mauer ist
für sie eine Maßnahme „zur Grenzbefestigung …, die
dem lästigen Einwirken des feindlichen Nachbarn ein …
Ende setzte“. An der Mauer wurden selbst Kinder in Ih-
rem Auftrag erschossen.

Wie menschenfreundlich das Gesicht der DDR war,
können Sie am besten im Stasi-Knast in Hohenschön-
hausen sehen, einem Ort völliger Entrechtung und De-
mütigung. Sie glauben doch nicht, dass Sie mit dieser
personellen Aufstellung auch nur als Diskurspartner, ge-
schweige denn als Bündnispartner infrage kommen. Das
ist eine Schande.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


Abschließend: Wir haben eine Aufarbeitungsinstanz,
das ist die Birthler-Behörde. Wir müssen sie besser aus-
statten und dürfen die Aufarbeitung nicht ins Bundes-
archiv abschieben. Die geschredderten Akten müssen
endlich zusammengesetzt werden. Hierdurch sind neue
Erkenntnisse zu erwarten.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


Es muss für die Zukunft dieser Behörde geplant werden.

Ich schließe mit einem Zitat von Marianne Birthler:

Das Ziel der Aufarbeitung ist zunächst, dass die
Opfer mit ihrem Schicksal klarkommen und die Tä-
ter zu ihrer Verantwortung stehen. Versöhnung ist
etwas Zusätzliches, sie kann sich aus der Auseinan-
dersetzung zwischen Opfern und Tätern ereignen.
Sie braucht die Wahrheit und oft auch Zeit, und sie
lebt von der Einsicht der Täter.

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(C (D Diese Einsicht – das ist die bittere Wahrheit – haben ie von der Linkspartei bis heute vermissen lassen. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP – Ingbert Liebing [CDU/CSU]: Peinlich für die Sozis! – Zurufe von der LINKEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701910200

Für die Unionsfraktion hat nun die Kollegin Andrea

oßhoff das Wort.


Andrea Astrid Voßhoff (CDU):
Rede ID: ID1701910300

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kolle-

en! Als ich gefragt wurde, ob ich in dieser Aktuellen
tunde heute reden wolle, habe ich einen Moment gezö-
ert. Wenn man wie ich das Glück hatte, frei von Zwän-
en einer Diktatur und ohne Stasi aufwachsen, studieren
nd arbeiten zu dürfen, dann sollte man beim Umgang
it diesem Thema vielleicht etwas zurückhaltend sein.

Dass ich dennoch rede, hat zwei Gründe:

Zum einen ist es meine feste Überzeugung, dass wir
ach wie vor eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung
nd Verantwortung haben, die Folgen der DDR-Diktatur
ufzuarbeiten – auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


arin werde ich auch durch viele Gespräche mit SED-
pfern bestätigt, deren Lebens- und Leidensweg uns al-
n dauerhaft Verpflichtung sein muss. Liebe Frau

ochimsen, ich weiß nicht, wie oft Sie Gelegenheit hat-
n, mit diesen Opfern zu reden. Tun Sie es! Sie müssten
ann einen Teil Ihrer heutigen Aussagen mehr als korri-
ieren.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Zum anderen können die politischen Ereignisse in
randenburg natürlich nicht unkommentiert bleiben.
ass die Brandenburger SPD aus machttaktischen Grün-
en eine rot-rote Koalition eingegangen ist, ist ein demo-
ratischer Vorgang, auch wenn mir dies politisch nicht
efällt. Bitter und von einer fatalen Symbolik sind aber
ie Tatsachen, dass der Koalitionsvertrag für die Partei
ie Linke von früheren Stasi-Spitzeln unterzeichnet
urde und dass in der Folgezeit weitere führende linke
andtagsabgeordnete als IM enttarnt wurden. Wochen-
ng haben Schlagzeilen die Medienlandschaft be-
errscht, wonach die Stasi in Brandenburg mit am Regie-
ngstisch sitzt und das Land im Stasi-Sumpf versinkt.

Offenbar mit der Absicht, aus diesen Negativschlag-
eilen herauszukommen, hat Ministerpräsident Platzeck
iese Koalition sodann kurzerhand als Versöhnungspro-
kt mit einem fragwürdigen historischen Vergleich aus-
erufen. Verehrter Herr Ministerpräsident, das ist ein un-
uglicher Versuch. Versöhnung kann man nicht per
oalitionsbeschluss anordnen. Sie setzt – das ist heute
esagt worden – Aufarbeitung voraus. Versöhnung und
ergebung sind zudem keine politischen Kategorien. Sie






(A) )



(B) )


Andrea Astrid Voßhoff
können nur in Anspruch genommen werden, wenn die
Opfer konsequent darin eingebunden werden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Was gehörte zu einer der ersten Amtshandlungen die-
ser neuen Landesregierung? Anfang Januar kam heraus,
dass der neue brandenburgische Finanzminister von den
Linken eine langjährige Verwaltungspraxis des Landes
aufgehoben hat, die beinhaltete, etwaige systemnahe
Dienstzeiten der Landesbeamten für Dienstjubiläumszu-
wendungen nicht anzuerkennen. Sollte den ehemaligen
Mitarbeitern des MfS durch diese Anrechnung auch der
systemnahen Jahre bei Jubiläen im öffentlichen Dienst
so kurz vor Weihnachten noch ein schönes Geschenk auf
den Gabentisch gelegt werden? Das ist ein Hohn gegen-
über den Opfern.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN] – Maria Michalk [CDU/ CSU]: Ungeheuerlich!)


Es scheint aber wohl so zu sein, dass man dadurch, dass
es öffentlich geworden ist, jetzt auf dem Rückzug ist und
dies verhindern will. Und das ist auch gut so.

Wenn dann in den Medien aktuell auch noch berichtet
wird – das ist heute schon genannt worden –, dass ein
früherer Stasi-Spitzel Lehrpläne für die Behandlung der
Stasi im Unterricht an Brandenburger Schulen schreiben
konnte, dann zeigt dies, wie dringend dieses Thema auf
die politische Tagesordnung und auch in dieses Haus ge-
hört.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ingbert Liebing [CDU/CSU]: Skandal!)


Die Ereignisse in Brandenburg machen zweierlei
deutlich: Zum einen hat die Linke in der Aufarbeitung
der Stasi-Verstrickungen komplett versagt. Das ist auch
heute wieder deutlich geworden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Sie haben sich zur Rechtsnachfolge der SED bekannt.
Dies hat Ihr Bundesschatzmeister vor noch nicht einmal
einem Jahr an Eides statt versichert. Die daraus mögli-
cherweise resultierende besondere Verantwortung haben
Sie schlicht nicht wahrgenommen. Nur darauf hinzuwei-
sen, dass sich die Betreffenden selbst outen sollen, reicht
nicht, meine Damen und Herren von den Linken.


(Michael Leutert [DIE LINKE]: Die CDU muss erst die Presse darauf hinweisen!)


Sie stehen jetzt durch die Ereignisse in Brandenburg vor
dem Scherbenhaufen Ihrer immer wieder behaupteten
Aufarbeitungsbemühungen.

Meine Damen und Herren von der SPD, werben Sie
bei Ihren Genossen in Brandenburg für das, was seit ei-
nigen Wochen immer wieder eindrucksvoll von vielen
Bürgern auf einer Montagsdemo in Potsdam gefordert
wird, nämlich die SPD-Stasi-Koalition in Brandenburg
zu beenden!

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(C (D Zum anderen müssen wir uns in diesem Hause fragen, b im Lichte der Brandenburger Ereignisse bundespoliticher Handlungsbedarf besteht. Das ist heute schon erähnt worden. Ich kann mich dem nur anschließen. uch ich stimme den Überlegungen zu, die im Jahr 2011 uslaufende Frist zur Regelanfrage nach dem Stasi-Unrlagen-Gesetz zu verlängern. Die Verlängerung ist notwendig. Denn einen Schlusstrich darf es erst recht nach den aktuellen Entwicklunen in Brandenburg nicht geben, auch nicht im Jahr 20 ach dem Fall der Mauer. Das sind wir vor allem den pfern schuldig. ich zu ihnen immer wieder zu bekennen, ist das eine. mer wieder zu hinterfragen und Schlussfolgerungen u ziehen, ob wir ihrem Schicksal ausreichend Rechung tragen, ist das andere. Deshalb ist es zu begrüßen, ass die christlich-liberale Koalition im Koalitionsverag eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung der ituation der Opfer, aber auch zur weiteren Aufarbeitung er SED-Unrechtsdiktatur vereinbart hat. Ich denke, das t mehr als notwendig. Manche fragen, ob das alles im Jahr 20 noch erforderch ist. Dafür darf es keine zeitliche Begrenzung geben. h glaube – das hat auch Herr Thierse heute gesagt –, ie Aufarbeitung der Geschichte ist eine Daueraufgabe. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701910400

Für die SPD-Fraktion hat nun die Kollegin Brigitte

ypries das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Brigitte Zypries (SPD):
Rede ID: ID1701910500

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und

erren Kolleginnen und Kollegen! Die friedliche Revo-
tion von 1989 war für Deutschland und die Welt ein

roßartiges Ereignis. Wie bei jeder Revolution stellt sich
uch hier die Frage nach der Verantwortung der Täter
es alten Regimes.

Einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung hat unsere
ustiz geleistet: Sie hat die Schreibtischtäter des Polit-
üros zur Verantwortung gezogen, und sie hat jene ange-
lagt, die als Mauerschützen an der Grenze geschossen
aben. Bei diesen einfachen Grenzsoldaten stand sicher-
ch nicht die Vergeltung im Vordergrund. Die Strafen
elen auch zumeist sehr milde aus.

Es ging um etwas, was auch bei den Stasi-Verstri-
kungen wichtig ist: um Aufklärung, Transparenz und
m Offenlegung der historischen Wahrheit. Das ist – das






(A) )


)

Brigitte Zypries
haben einige meiner Vorredner schon betont – vor allem
für die Opfer der Diktatur bis heute sehr wichtig.

Mit der Gründung der Gauck-Behörde wurden die in-
stitutionellen Voraussetzungen für die Aufarbeitung der
Stasi-Vergangenheit geschaffen. Mehr als 2,6 Millionen
Bürgerinnen und Bürger haben seither Einsicht in ihre
Akten beantragt. Das zeigt, wie sehr die Menschen in
Ost und in West mit der Aufarbeitung ihrer Vergangen-
heit beschäftigt sind. Es ist seit Jahren kein Rückgang zu
verzeichnen. Im letzten Jahr gab es über 100 000 Anfra-
gen zur persönlichen Akteneinsicht.

Dabei geht es im Wesentlichen um persönliches Fehl-
verhalten, um moralische Schuld. Gerade diejenigen, die
im wiedervereinigten Deutschland in demokratisch ge-
wählten Organen Verantwortung übernehmen wollen,
müssen sich meines Erachtens dieser Frage nach ihrer
Vergangenheit stellen. Denn die Menschen, die bei der
Wahl über die künftigen Abgeordneten entscheiden, ha-
ben ein Recht darauf, über die moralische Integrität der
künftigen Volksvertreter vollständig informiert zu sein.

Es ist gewiss nicht einfach, sich selbstkritisch mit der
eigenen Biografie auseinanderzusetzen. Es geht auch
keineswegs nur um die Stasi. Eine Stütze der Diktatur
waren auch die vielen Funktionäre der Blockparteien.
Politische Überheblichkeit ist deshalb völlig fehl am
Platz.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sich der eigenen Vergangenheit kritisch zu stellen, ist
eine große persönliche Herausforderung für jeden, der
davon betroffen ist. Aber gerade von den Menschen, die
im demokratischen Deutschland mitgestalten wollen,
kann man dieses Maß an Auseinandersetzung mit der ei-
genen Biografie erwarten. Die Bürger verstehen das
auch, und sie respektieren es. Denn wie anders ist es zu
erklären, dass Abgeordnete gewählt werden, obwohl sie
ihre Stasi-Vergangenheit offengelegt haben?

Das zeigt, dass ein offener Umgang mit der eigenen
Vergangenheit durchaus auch positiv wahrgenommen
wird. Ich denke etwa an die ehemalige DDR-Sprinterin
Gesine Tettenborn. Sie hat sich gerade in dieser Woche
große Hochachtung erworben, weil sie ihren Weltrekord
von 1984 aus der Bestenliste hat streichen lassen. Sie
hatte diesen Rekord damals mit Doping erzielt. Sie sagt
heute dazu: Ich will nicht lügen.

Unter diese Maxime sollten auch alle Abgeordneten
in den Parlamenten des Bundes und der Länder ihre Ar-
beit stellen. Deshalb fordere ich alle Kolleginnen und
Kollegen auf: Scheuen Sie sich nicht, der Wahrheit ins
Auge zu sehen! Sorgen Sie selber für Klarheit, und set-
zen Sie sich mit den Fehlern der Vergangenheit ehrlich
auseinander!

Mir ist noch etwas anderes wichtig. Das betrifft vor
allem die Kolleginnen und Kollegen, die wie ich aus
Westdeutschland stammen. Ich meine, für Überheblich-
keit bei uns ist kein Platz. Wir sollten stattdessen aner-
kennen, dass sich Menschen ändern können, dass man
aus seinen Fehlern lernen kann und dass jeder das Recht

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(C (D uf eine bessere Einsicht hat. Das ist im Übrigen auch ine Erfahrung der alten Bundesrepublik. Dort waren urt Georg Kiesinger, Walter Scheel oder Karl Carstens ute Demokraten, obwohl sie früher Mitglieder der SDAP gewesen waren. Aber die Lehre aus der westdeutschen Geschichte ist uch, dass dort die Schatten der Vergangenheit zu lange erdrängt worden sind. Das ist heute anders, und das uss auch so bleiben. Jeder muss sich auch künftig umssend über seine Stasi-Vergangenheit informieren önnen. Deshalb wird die SPD dafür eintreten, dass die ültigkeitsdauer des Gesetzes über die Stasi-Unterlagen erlängert wird und dass die Birthler-Behörde bestehen leibt. Es wäre schön, wenn wir auch die Robert-Havemannesellschaft künftig mit einer institutionellen Förderung edenken und von der Projektförderung wegkommen önnten, um diesen Anteil der Erinnerung an die DDR nd der Aufarbeitung dieser Zeit auch noch bewältigen u können. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701910600

Für die FDP-Fraktion hat nun der Kollege Kurth das

ort.


(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Arnold Vaatz [CDU/CSU])



Patrick Kurth (FDP):
Rede ID: ID1701910700

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und

erren! Sehr geehrte Frau Zypries, das, was bisher vor-
etragen wurde, war doch sehr abstrakt. Aber wir alle
issen: Das Leben ist konkret, und das Wirken der Stasi
ar konkret. Auch die Wirkung der Stasi bis heute bleibt
onkret:

Renate Adolph, Die Linke, Landtag Brandenburg,
nttarnt Ende 2009; Gerlinde Stobrawa, Die Linke, IM
Marisa“, enttarnt Ende 2009; Gerd-Rüdiger Hoffmann,
ie Linke, Landtag Brandenburg, IM „Schwalbe“, ent-
rnt Ende 2009.

Brandenburg ist das eine. Sind neue Daten aufge-
ucht? – Nein. Ende 2008: Volker Külow, Die Linke,
ächsischer Landtag, IM „Ostap“. Mitte 2006: Ina
eukefeld, thüringischer Landtag, IM „Sonja“ für die
olitische Kriminalpolizei. Frank Kuschel – ein beson-
ers schwerer Fall –, IM „Fritz Kaiser“, sitzt bis heute

thüringischen Landtag.

Das sind nur einige wenige konkrete Fälle, von denen
ir sicher wissen. Es gibt aber zum jetzigen Zeitpunkt
och mehr Fälle, von denen wir noch gar nichts wissen.
s gibt leider auch Fälle, von denen wir wissen, über die
ir aber nichts sagen dürfen – leider.


(Zuruf von der FDP: Pfui! – Zurufe von der LINKEN)


Sie haben es doch vorhin bewiesen. Wir haben ja eben
on IM „Notar“ und von ähnlichen Dingen gehört.

(B)







(A) )



(B) )


Patrick Kurth (Kyffhäuser)


(Karin Binder [DIE LINKE]: Es wird nicht wahrer, wenn Sie es wiederholen!)


Das Perfide an diesem System ist doch: Es sind alles
Beispiele dafür, wie ehemalige Stasi-Spitzel oder -Mitar-
beiter über all die Jahre seit der Wende ihre Tätigkeit
bewusst verschwiegen haben. Sie haben sich dem einen
Staatsapparat angedient und haben dann, wenn man so
möchte, im nächsten Staatsapparat nahtlos weiter
Karriere machen wollen. Das ist der eigentliche Skandal:
weiterhin Karriere machen. Das ist ein Schlag in das Ge-
sicht der Opfer.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Wer glaubte, einen Schlussstrich unter die Aufarbei-
tung des DDR-Unrechts ziehen zu können, sieht sich ge-
rade durch die Vorfälle in Brandenburg getäuscht. Es ist
nicht möglich. Großer Dank an die Birthler-Behörde, die
hier – manchmal mit Gegenwind – engagiert arbeitet,
und Dank auch an diejenigen, die sich immer wieder
politisch für die Aufarbeitung einsetzen. Bei uns war es
Herr Lanfermann, der immer wieder forderte: Wir brau-
chen einen Stasi-Unterlagenbeauftragten in Branden-
burg. – Er wurde dafür auch zurechtgewiesen. Es hieß,
man brauche so etwas nicht mehr. Erst als Herr Platzeck
gar keine andere Wahl mehr hatte, hat er sich zu einem
solchen Schritt entschließen können. Das war viel zu
spät, wie wir nun wissen; denn sonst wären manche Ko-
alitionen erst gar nicht zustande gekommen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Der brandenburgische Ministerpräsident Platzeck
spricht davon, dass Zeit für eine Versöhnung sei. Was
heißt denn Versöhnung? Das heißt, zwei gehen aufeinan-
der zu. Kann man denn von Versöhnung sprechen, wenn
einer die ganze Zeit verheimlicht, was er gemacht hat,
und erst durch einen Dritten enttarnt wird? Kann man
denn dann von Versöhnung in dem Sinne sprechen, dass
zwei aufeinander zugehen? Ich glaube, für eine Versöh-
nung muss zuallererst das ganze Ausmaß des Unrechts
aufgedeckt und aufgearbeitet werden. Vor allem muss
die Wahrheit ans Licht gebracht werden.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie des Abg. Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Solange sich die Täter des Stasi-Unrechtssystems dem
nicht stellen und sich nicht ehrlich damit auseinanderset-
zen, sondern heimlich weiterhin in hohen – zum Teil
staatlichen – Ämtern fungieren, ist eine Versöhnung sehr
schwierig. Zum Teil ist sogar das Gegenteil von Versöh-
nung der Fall. Es ist Hohn und Spott für die Opfer und
unsere demokratische Gesellschaft, wenn sich ehemalige
Stasi-Offiziere regelmäßig unter die Teilnehmer von
Veranstaltungen mischen und die Wortergreifungsstrate-
gien extremistischer Parteien nutzen. Solange das pas-
siert, brauchen wir eine Aufarbeitung.

Wir brauchen Aufarbeitungsbemühungen aus folgen-
den Gründen, über die zumindest unter den Demokraten
hier im Parlament Konsens herrschen muss:

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(C (D Erstens. Die politische Hygiene ist immer Grundlage es demokratischen Zusammenlebens und der demokraschen Zusammenarbeit. Wer einst seine engsten Beannten ausspioniert hat und dies auch 20 Jahre nach der ende verheimlicht, gehört der in die öffentliche Veraltung oder in die Parlamente? Zweitens. Wir dürfen mit den Aufarbeitungsbemüungen nicht nachlassen, weil wir erst jetzt die technichen Möglichkeiten haben Ihre Wortergreifungsstrategien hatte ich schon angeprochen –, die vielen Aktenschnipsel zusammenzuseten. Bisher gibt es Puzzler, die jeden Tag versuchen, die kten wiederherzustellen, ohne zu wissen, welches Bild m Ende herauskommen soll. Nun wird durch das raunhofer-Institut ein System entwickelt, das die Aknschnipsel automatisch zusammensetzt. Sie wissen si herlich oder haben sogar eine bessere Ahnung als ich, essen Akten in den letzten Stunden der DDR bzw. der ende zuerst vernichtet wurden. Drittens. Wir dürfen mit den Aufarbeitungsbemühunen nicht nachlassen, weil wir es insbesondere den Oprn schuldig sind. Mir geht es dabei um folgende Opfer: ie Stasi hat eine perfide Methode angewendet. Sie hat gendwann die Betreffenden nicht mehr in den Knast esteckt, sondern durch ganz andere Maßnahmen mundt gemacht. Wer denkt denn an diejenigen, die kein Abir machen durften? (Beifall bei Abgeordneten der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Zuruf von der LINKEN)


er denkt denn an diejenigen, die nicht studieren durf-
n? Wer denkt denn an diejenigen, die einfache Tätig-
eiten bzw. Berufe ausüben mussten und nach der
ende arbeitslos wurden? Das ist das Verschulden der-
nigen, die gespitzelt haben.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Ich komme zum Schluss, Frau Präsidentin. – Viertens.
ir brauchen eine weitere Aufarbeitung, um urteilsfähig

u bleiben; das ist das Wichtigste. Aufarbeitung betrei-
en wir auch wegen der Erinnerung und der Sühne. Aber
ir müssen urteilsfähig bleiben. Urteilsfähigkeit heißt,

us der Geschichte zu lernen. Urteilsfähigkeit heißt, die
rkenntnisse für die Zukunft zu gebrauchen. Urteilsfä-
igkeit heißt, nichts zu vertuschen. Urteilsfähigkeit
eißt, dass auch die nachwachsenden Generationen aus
iesem Unrecht lernen und richtige Entscheidungen tref-
n können, auch in Abwesenheit von Zeitzeugen.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701910800

Bevor ich dem nächsten Redner das Wort gebe, ein

inweis: Es gab offensichtlich das eine oder andere
issverständnis in der Auslegung der Geschäftsord-

ung. Aus mehreren Fraktionen wurde das Bedürfnis
ach Fragen bzw. Stellungnahmen signalisiert. Wir sind
ber in der Aktuellen Stunde und haben uns selbst die






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Petra Pau
Regel gegeben, dass das in einer Aktuellen Stunde nicht
möglich ist. Auch wenn das den einen oder anderen bis
zum Ende dieser Debatte beschweren wird, wird man
diese Auseinandersetzung woanders führen müssen. Ich
sage aber auch ausdrücklich: Zurufe und Beifallsbekun-
dungen sind nach unserer Geschäftsordnung natürlich
vorgesehen. Auch darüber existierte offensichtlich ein
Missverständnis.

Das Wort hat der Kollege Wolfgang Tiefensee für die
SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Wolfgang Tiefensee (SPD):
Rede ID: ID1701910900

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen

und Kollegen! Liebe junge Gäste! In der Aktuellen
Stunde zum anhaltenden Handlungsbedarf bei der Auf-
arbeitung von Stasi-Verstrickungen haben Sie, sehr ver-
ehrte Kolleginnen und Kollegen der schwarz-gelben Ko-
alition, vernommen,


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Der christlich-liberalen Koalition!)


dass wir als SPD sowohl für eine Fristverlängerung als
auch für den Fortbestand der Birthler-Behörde stehen.


(Zuruf von der CDU/CSU: Und für die rot-rote Koalition in Brandenburg!)


Jetzt könnte man sich fragen, warum eigentlich diese
Aktuelle Stunde stattfindet.


(Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Brandenburg ist nicht weit!)


Mich beschleicht das Gefühl, dass mit dieser Aktuellen
Stunde und mit deren Überschrift eine Subbotschaft ver-
mittelt werden soll, nämlich die, dass die christlich-libe-
rale Koalition aus Damen und Herren bestehe, die sich
dieses Themas mit dem erhobenen Zeigefinger, sozusa-
gen mit der weißen Weste, annehmen und es okkupieren
könnten, während auf der anderen Seite diejenigen stün-
den, die Belehrung benötigten.


(Andrea Astrid Voßhoff [CDU/CSU]: Das stimmt doch gar nicht!)


Ich will ganz deutlich sagen: Die SPD-Fraktion braucht
in der Tradition von Schwante vom 7. Oktober 1989
keine Belehrung, wie wir mit Stasi und Unrecht in der
DDR umgehen.


(Beifall bei der SPD – Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU]: Siehe Brandenburg!)


Jetzt stellt sich die Frage: Spielt nicht etwa Branden-
burg die Hauptrolle? Wenn es so ist, dann hätte man das
ja anders vermerken können. Hierzu als Erstes: Lieber,
verehrter Kollege Kurth, Sie haben auf die Fakten und
auf das Konkrete hinweisen wollen. Wieso unterläuft Ih-
nen der Fehler, hier nicht deutlich zu sagen, dass Minis-
terpräsident Platzeck das Stasi-Unterlagen-Gesetz und
die Einrichtung der Beauftragten nicht etwa im Zusam-
menhang mit der Koalitionsbildung in Angriff genom-
men hat, sondern bereits weit zuvor, dass es sein Vor-
schlag ist, der einstimmig angenommen wurde, die von

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(C (D ir sehr verehrte Ulrike Poppe einzusetzen? Warum tun ie so, als habe es erst der Koalitionsverhandlungen oder gendwelcher Machtoptionen bedurft, um diesen Schritt u gehen? Das ist falsch, das ist nicht redlich, und es tellt den Ministerpräsidenten in ein falsches Licht. Das eise ich zurück. Das Zweite. Wenn wir auf Brandenburg schauen, ist olgendes Tatsache: Wir hatten es – das klang bei olfgang Thierse bereits an – zunächst mit einer Am elkoalition und schließlich mit einer Großen Koalition u tun, die diese Schritte einvernehmlich gegangen ist. Meine sehr verehrten Damen und Herren, dieses hema eignet sich nicht, um mit Schaum vor dem Mund o zu tun, als hätte man eine weiße Weste. Mir persönch hat man in meinem Leben vor 1989 viele Steine in en Weg gelegt; aber ich werde sie, um einen biblischen ergleich aufzugreifen, nun nicht als Erster werfen und o tun, als hätte ich keine Schuld. Wichtig ist, meine sehr erehrten Damen und Herren von der schwarz-gelben oalition: Lassen Sie ab davon, so zu tun, als wären Sie ie einzigen Gralshüter in dieser Angelegenheit! Auch ir stehen dazu, dass wir in dieser Richtung Aufarbeing brauchen. Worum geht es jetzt? Es geht letztlich darum, dass wir ie Geschichte aufarbeiten, weil es nicht zuletzt für die ngen Leute wichtig ist, zu erkennen, dass die Diktatur ine Diktatur des Alltags gewesen ist, eine Diktatur, die owohl aus Stasi und Partei als auch aus den vielen betanden hat, die mitgelaufen sind. Ich will in Richtung der Linken, wenn ich Ihnen dieen Ratschlag geben darf, nachdrücklich sagen: Nutzen ie jede Gelegenheit, um deutlich zu machen, dass diese DR nicht nur ein Unrechtsstaat gewesen ist, sondern ass Mauer, Schießbefehl und Stasi die Geschäftsgrundge der DDR gewesen sind, nicht aber eine irgendwie ebensächliche Fehlentwicklung! Tun Sie alles dafür, ass nicht verniedlicht und verharmlost wird! (Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE]: Das tun wir doch nicht!)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD und der LINKEN)


Tun wir auf der anderen Seite alles dafür, um diffe-
nziert zu sagen: Die DDR bestand aus Menschen, die
r Leben gelebt haben und die durch die Stasi nicht des-

vouiert wurden.

Es geht also um eine differenzierte Aufarbeitung. An-
esichts der Tatsache, dass der ehemalige, bis zum Jahre
008 stellvertretende Ministerpräsident von Branden-
urg, Herr Junghanns, noch im Juli 1989 sagte: „Was die
auer betrifft, so lassen wir uns deren Schutzfunktion

icht ausreden“, und dass die Biografie des Ministerprä-
identen des Freistaates Sachsen stückweise ans Tages-
cht kommt, sie gedeutet und umgedeutet wird,


(Zuruf von der CDU/CSU: Jetzt wird es aber platt! – Zuruf von der LINKEN: „CDU“ muss man dazusagen!)







(A) )



(B) )


Wolfgang Tiefensee
sollten wir alles dafür tun, sehr differenziert mit dieser
Angelegenheit, vor allen Dingen aber mit den Menschen
umzugehen, die in einem Rechtsstaat das Recht haben,
dass die Diktatur nach rechtsstaatlichen und nach
menschlichen Gesichtspunkten aufgearbeitet wird. Das
ist die Bundesrepublik Deutschland, die wir gewollt ha-
ben.


(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701911000

Das Wort hat der Kollege Stephan Mayer für die

Unionsfraktion.


Stephan Mayer (CSU):
Rede ID: ID1701911100

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolle-

ginnen! Sehr geehrte Kollegen! Die Vorfälle in Branden-
burg in den letzten Wochen und Monaten, aber auch die
heutige Debatte – das sage ich ganz offen – zeigen, dass
es weiteren Aufklärungs- und Handlungsbedarf bei der
Aufarbeitung von Stasi-Verstrickungen gibt.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Herr Kollege Tiefensee, ich möchte dem Eindruck, den
Sie zu erwecken versuchen, entgegentreten, nämlich
dass die christlich-liberale Koalition das Schwarzer-
Peter-Spiel betreibt und wir hier mit dem erhobenen Zei-
gefinger stehen. Ich möchte dies in aller Deutlichkeit
von uns weisen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es
nach wie vor in den nächsten Jahren und in den nächsten
Jahrzehnten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein
wird, alles dafür zu tun, dass dieses krasse und men-
schenunwürdige Unrechtsregime, das 40 Jahre in der
DDR geherrscht hat, aufgearbeitet wird. Man darf kei-
nen Schlussstrich ziehen.


(Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE]: Das sagt doch niemand! Kein Mensch sagt: Schlussstrich!)


Ich möchte durchaus zugestehen, dass es ehrenwerte
SPD-Politiker gab, die sich dieser Bemühungen in den
letzten 20 Jahren angenommen haben. Ich möchte aber
genauso in aller Deutlichkeit hier zum Ausdruck brin-
gen, dass ich den Versuch des brandenburgischen Minis-
terpräsidenten Platzeck, jetzt von einer großen Versöh-
nungskampagne zu sprechen, für reichlich naiv und
kurzsichtig halte.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Versöhnung kann nur individuell erfolgen.

Ich halte es für sehr bemerkenswert und bedenklich,
dass es selbst 20 Jahre nach der Wiedervereinigung im-
mer noch Montagsdemonstrationen bedarf, in denen
„Stasi raus!“-Rufe skandiert werden, um deutlich zu ma-
chen, dass hier noch vieles aufgeklärt werden muss. Um
eines klarzumachen: Versöhnung kann und wird immer
nur individuell sein, Versöhnung kann aber auch nur auf
Wahrhaftigkeit beruhen. Versöhnung kann nur auf Auf-
klärung aufbauen.

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(C (D (Halina Wawzyniak [DIE LINKE]: Ja, Aufklärung!)


eswegen ist es notwendig, dass weiterhin alles dafür
etan wird, dass die perfiden Verbrechen, die von der
tasi begangen wurden, weiter aufgearbeitet werden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Es gibt nun einmal im Bundesland Brandenburg große
nzulänglichkeiten. Es gab seit 1991 keine Überprüfung

ines Landtagsabgeordneten auf eine informelle Mitar-
eit bei der Stasi. Das Land Brandenburg hat als erstes
undesland der neuen Länder schon 1995 die Regelüber-
rüfung im öffentlichen Dienst eingestellt. Erst jetzt,
0 Jahre nach der Wiedervereinigung, ist auf den starken
ruck der CDU im Brandenburgischen Landtag hin


(Zuruf von der LINKEN: Oh!)


ine Stasi-Unterlagenbeauftragte berufen worden. Das
t eine himmelschreiende Unzulänglichkeit, meine sehr
erehrten Kolleginnen und Kollegen von der Linkspar-
i.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE]: So viel zum Thema Wahrhaftigkeit! – Weiterer Zuruf von der LINKEN: Zehn Jahre habt ihr nichts gemacht!)


n Zynismus und Sarkasmus nicht mehr zu übertreffen
t es meines Erachtens, dass Finanzminister Markov,
er der Linkspartei angehört, angeordnet hat, dass die
itgliedsjahre bei der Stasi bei der Berechnung von
ienstjubiläen angerechnet werden. Das ist eine Verhöh-
ung der Zigtausend Stasi-Opfer, die verleumdet wur-
en, die gefoltert wurden und von denen viele ums Le-
en kamen.


(Beifall des Abg. Wolfgang Börnsen [Bönstrup] [CDU/CSU])


eswegen ist es richtig, dass der Spiegel von dieser Wo-
he „Das organisierte Vergessen“ titelt und Frau Birthler
om „Kartell des Schweigens“ spricht.

Die Stasi kann auch in diesem Zusammenhang nicht
oliert betrachtet werden. Die Stasi wurde in der ehema-
gen DDR als das „Schild und Schwert der Partei“ be-
eichnet. Die Stasi hat nun einmal das totalitäre und dik-
torische Herrschaftssystem der DDR gestützt und
esichert. Die DDR war ein Unrechtsstaat. Ich halte es
r außerordentlich bedenklich, dass es in stärkerem
aße Versuche gibt, dieses Unrechtsregime zu beschö-

igen und zu verharmlosen.


(Halina Wawzyniak [DIE LINKE]: Von wem denn? Doch nicht von uns!)


ie DDR war ein unterwandertes Land. In den 40 Jah-
n, in denen es die DDR gab, arbeiteten insgesamt über

00 000 DDR-Bürger informell für die Stasi. Selbst im
ezember 1988 waren nach offiziellen Statistiken noch
74 000 Bürgerinnen und Bürger der DDR Informelle
itarbeiter der Stasi.


(Karin Binder [DIE LINKE]: Und da waren keine von der CDU dabei?)







(A) )



(B) )


Stephan Mayer (Altötting)

Ich kann allen nur das jüngste Werk von Jürgen
Schreiber mit dem Titel Die Stasi lebt empfehlen. Ich
glaube, das bringt es auf den Punkt. Die Stasi lebt, weil
diejenigen, die in der Stasi aktiv waren, die Informelle
Mitarbeiter waren, nach wie vor in verantwortungsvoller
Position in unserem Land und insbesondere in Branden-
burg tätig sind.


(Dr. Lukrezia Jochimsen [DIE LINKE]: Wohin wenden Sie sich?)


Ich möchte in aller Deutlichkeit sagen: Es ist wirklich
außerordentlich zynisch und perfide, dass die Stasi im
brandenburgischen Landtag immer noch über Fraktions-
stärke verfügt.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Das Interesse an der Stasi ist ungebrochen. Deswegen
ist es notwendig, dass wir uns weiterhin mit ihr beschäf-
tigen. Jährlich steigt die Anzahl der Anträge von Perso-
nen, die sich über die Stasi informieren wollen, die Ein-
blick in ihre Stasi-Akten oder in andere Akten, die über
sie geführt wurden, nehmen wollen. Deswegen ist es
richtig, dass es über das Jahr 2011 hinaus die Möglich-
keit gibt, nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz Überprü-
fungen derjenigen vorzunehmen, die exponierte Positio-
nen und Ämter in unserem Staat einnehmen wollen.

Lassen Sie mich abschließend sagen: Ich glaube, dass
es ganz wichtig ist, die Gedenkstätte in Hohenschönhau-
sen zu stärken. Es ist für Gesamtdeutschland peinlich,
dass die Gedenkstätte in Hohenschönhausen im letzten
Jahr kurz vor der Insolvenz stand. Ich kann nur jeder
Bürgerin und jedem Bürger, insbesondere den jungen
Leuten in Deutschland empfehlen, diese Gedenkstätte zu
besuchen. Dann wird einem nämlich schnell bewusst,
dass die Ostalgie, die teilweise um sich greift, vollkom-
men deplatziert ist. Wir, der Bundestag, müssen alles da-
für tun, dass die Gedenkstätte in Hohenschönhausen un-
ter der hervorragenden Leitung von Dr. Knabe weiterhin
so erfolgreich und so konstruktiv wirken kann.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701911200

Das Wort hat die Kollegin Maria Michalk für die

Unionsfraktion.


Maria Michalk (CDU):
Rede ID: ID1701911300

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Als wir Anfang der 90er-Jahre begannen, die Aufarbei-
tungsdebatte über die DDR-Geschichte, die Rolle der
SED und ihres „Schildes und Schwertes“, der Staats-
sicherheit, zu strukturieren – wie Sie wissen, hat der
Deutsche Bundestag zu diesem Zweck eine Enquete-
Kommission eingesetzt –, gab es immer wieder Stim-
men, die meinten, man solle den Aufbau und Einheits-
prozess nicht durch das ewige Bohren in der Vergangen-
heit belasten und stören; denn das könnte sich wie eine

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(C (D rake lähmend auf das vereinte Deutschland legen, und an komme nicht so voran, wie man sich es wünsche. ott sei Dank war das nicht die Meinung der Mehrheit unserem Land. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


ndere glaubten, dass bald „Gras über die Aufarbei-
ngsdebatte zur Stasiverstrickung wachsen“ werde, und

offten, sich unbehelligt eine neue persönliche Karriere
ufbauen zu können. Auch sie tippten falsch. Schon der
olksmund weiß, dass irgendwann ein „Esel“ daher-
ommt, der das Gras frisst, und dann alles wieder zum
orschein kommt. Brandenburg ist ein beredtes Beispiel.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich weiß nicht mehr, wie oft wir hier im Hohen Haus
ie Notwendigkeit der Aufarbeitung von SED-Herr-
chaft und Stasi-Verstrickungen debattiert haben. Aber
h weiß, dass es richtig ist – das hat auch die Aktuelle
tunde gezeigt –, neben den vielen aktuellen politischen
ukunftsaufgaben in der Befassung mit unserer jüngsten
eschichte nicht nachzulassen; denn Zukunft hat Her-
unft. Wenn die Fragen nach Verstrickung und Verant-
ortung verstummen, die Verdrängung System bekommt
nd ein kollektives Schweigen normal wird, dann ist un-
ere Demokratie in Gefahr.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


och die Instrumente, die wir uns gegeben haben, von
er Aktenaufbewahrung und -aufarbeitung in der Stasi-
nterlagen-Behörde über das Stasi-Unterlagen-Gesetz
is hin zu unseren Landesbeauftragten, von denen Bran-
enburg nun Gott sei Dank auch einen bekommt, si-
hern, dass die damals Herrschenden heute nicht sagen
önnen: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. – Das
eiste von dem, was die Verantwortungsträger damals

urch Bespitzelung und Repression veranlasst haben zu
okumentieren, richtet sich heute zum Teil auf sie selbst.
owohl die Befehls- als auch die Umsetzungsstrukturen
er SED und ihrer Helfershelfer sind uns bekannt. Trotz-
em gibt es noch eine Menge zu erforschen. Wir sollten
icht nachlassen. Schritt für Schritt kommen wir der
ahrheit näher.

Der menschenverachtende Charakter, der hinter die-
em System stand, mahnt uns, nach wie vor darauf zu
chten, dass sich die damaligen Machtinhaber nicht aus
er Verantwortung herauswinden können. Nächste Wo-
he wird es 20 Jahre her sein, dass sich die SED von ih-
m Parteikürzel trennte und sich PDS nannte. Egal, wie

ich die vereinte Linke heute oder in Zukunft nennt, sie
teht – wir haben es heute gesehen – in der Tradition der
ED; denn diese Partei hat sich nie aufgelöst.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Zurufe von der LINKEN)


Wir wissen heute, dass viele Menschen unter Druck
esetzt wurden oder auch aus Karrieregründen Fünfe ge-
de sein ließen, aber später aus Gewissensgründen oder

urch Einsicht einen Schlussstrich gezogen haben. Wir
rauchen – das sage ich ausdrücklich auch an Herrn






(A) )



(B) )


Maria Michalk
Tiefensee – sie alle für die vielen Aufgaben in unserem
Land. Das gehört zur Demokratie. Wir reichen ihnen die
Hand. Das entspricht unserem christlichen Menschen-
bild; denn dazu gehört auch die Vergebung. Was wir aber
nicht brauchen und was wir auch nicht zulassen werden,
ist, dass die Stasi-Verstrickung bei der Berufung in hohe
öffentliche Ämter keine Rolle mehr spielen soll. Das
wäre verantwortungslos gegenüber der Zukunft.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Stasi-Verstrickung und ein hohes öffentliches Amt in ei-
ner Demokratie, das ist wie Feuer und Wasser; das passt
nicht zusammen. Deshalb handelt es sich hierbei auch
um eine Frage der Eignung für das hohe Amt, das ange-
strebt wird.

Wie schwierig es ist, im konkreten Fall nach Vorlage
von Unterlagen aus der Behörde der BStU in den Ver-
trauensgremien eine objektive Bewertung und eine Emp-
fehlung für die jeweils betroffene Person auszusprechen,
das haben wir auf allen Entscheidungsebenen erlebt.
Trotzdem dürfen und werden wir uns vor dieser Aufgabe
auch in Zukunft nicht scheuen.

Wir haben mit dieser Aktuellen Stunde erreicht, dass
bis auf die Fraktion der Linken alle Fraktionen in diesem
Hohen Hause erklärt haben, bei einer Veränderung der
Frist für die Regelüberprüfung bei der Übernahme hoher
politischer Ämter oder Mandate mitzuwirken. Darauf
freuen wir uns. Das ist doch ein gutes und schönes Er-
gebnis dieser Aktuellen Stunde.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701911400

Die Aktuelle Stunde ist beendet.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 7 auf:

Erste Beratung des von der Bundesregierung ein-
gebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umset-
zung steuerlicher EU-Vorgaben sowie zur
Änderung steuerlicher Vorschriften

– Drucksache 17/506 –
Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuss (f)

Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Haushaltsausschuss gemäß § 96 GO

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
Aussprache eine Dreiviertelstunde vorgesehen. – Ich
höre keinen Widerspruch. Dann ist so beschlossen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor ich die Aus-
sprache eröffne, bitte ich all diejenigen, die an ebendie-
ser teilnehmen wollen, Platz zu nehmen, und diejenigen,
die anderen Verpflichtungen nachgehen müssen, uns zu
ermöglichen, dass wir dieser Aussprache entsprechend
folgen können.

Ich eröffne die Aussprache.

Das Wort hat der Parlamentarische Staatssekretär
Hartmut Koschyk.

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H
Hartmut Koschyk (CSU):
Rede ID: ID1701911500


Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen!
it dem jetzt in erster Lesung zu beratenden Gesetzent-
urf werden erforderliche Anpassungen des deutschen
teuerrechts an europäische Vorgaben vorgenommen.
um einen ist der nationale Gesetzgeber aufgerufen, das
msatzsteuerrecht an sekundäres Gemeinschaftsrecht

nzupassen. Zum anderen bedürfen vom Europäischen
erichtshof in jüngster Zeit getroffene Entscheidungen
er Umsetzung in nationales Recht. Auch werden in die-
em Gesetzentwurf zwei wichtige steuerpolitische Maß-
ahmen, die Gegenstand des Koalitionsvertrages von
DU, CSU und FDP sind, aufgegriffen. Dies betrifft
um einen die Einschränkung der Umsatzsteuerbefrei-
ng auf Post-Universaldienstleistungen, mit denen eine
ächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung mit
ostalischen Dienstleistungen sichergestellt wird. Zum
nderen geht es um die steuerliche Förderung von Mitar-
eiterkapitalbeteiligungen.

Die Liberalisierung auf dem Postmarkt macht eine
npassung der geltenden Umsatzbesteuerung von Post-
ienstleistungen erforderlich. Dass eine derartige Anpas-
ung nicht einfach ist, können wir alle daran sehen, dass
s in der letzten Legislaturperiode nicht gelungen ist,
ich auf eine einvernehmliche Lösung zu einigen. Denje-
igen, die daran denken, alle Postdienstleistungen um-
atzsteuerpflichtig zu machen, ist entgegenzuhalten, dass
ie EU-Mitgliedstaaten auch nach dem Wegfall des
ostmonopols für die Postdienstleistungen öffentlicher
osteinrichtungen, die dem Gemeinwohl dienen, eine
efreiung von der Umsatzsteuer vorsehen müssen.

Die Mehrwertsteuerbefreiung bleibt für flächende-
kende Universaldienste in der Postbranche erhalten.
nter die Begünstigung fallen somit Leistungen, die

ine Versorgung der Gesamtbevölkerung zuverlässig
ewährleisten. Die Unternehmen müssen sich verpflich-
n, tatsächlich flächendeckend und bundesweit alle
ost-Universaldienstleistungen oder einen Teilbereich in
iner bestimmten Qualität und zu einem angemessenen
reis anzubieten. So kann sichergestellt werden, dass
ostdienstleistungen auch weiterhin für die breite Bevöl-
erung, das heißt für jede Bürgerin und jeden Bürger,
rschwinglich bleiben.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Mit einer solchen Regelung, die allen Unternehmen
rmöglicht, Postdienstleistungen an Letztverbraucher
ei Erfüllung bestimmter Kriterien steuerbefreit anbieten
u können, erreichen wir eine Gleichbehandlung glei-
her Umsätze. Neue Wettbewerbsnachteile entstehen
icht; sie werden vielmehr beseitigt.


(Manfred Kolbe [CDU/CSU]: So ist es!)


uf der anderen Seite bedeutet dies aber auch: Werden
ie genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, kann keine
msatzsteuerbefreiung mehr gewährt werden. Dies be-






(A) )



(B) )


Parl. Staatssekretär Hartmut Koschyk
trifft beispielsweise Geschäftskundenprodukte, für die
individuelle Absprachen getroffen worden sind.

Die zweite Maßnahme aus der Koalitionsvereinba-
rung betrifft die steuerliche Förderung der Mitarbeiter-
kapitalbeteiligungen. Bisher ist bei der Steuerbefreiung
der Mitarbeiterkapitalbeteiligungen, die 2009 durch das
Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz eingeführt wurde,
die Entgeltumwandlung, das heißt die Umwandlung von
regulärem Arbeitslohn in Mitarbeiterkapitalbeteiligun-
gen, ausgeschlossen. Dies wird in der Praxis vielfach als
hemmend angesehen. Mit der Neufassung der steuerli-
chen Norm nehmen wir uns jetzt dieser Problematik an.
Insgesamt versprechen wir uns von der Verbesserung der
Rahmenbedingungen zur steuerlichen Förderung der
Mitarbeiterkapitalbeteiligung die weitere Verbreitung
von Arbeitnehmerbeteiligungen und eine stärkere Teil-
habe der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg ihrer
Unternehmen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Daniel Volk [FDP])


Die Bundesregierung sieht dabei übrigens keinen
Zielkonflikt zwischen Mitarbeiterkapitalbeteiligung und
betrieblicher Altersversorgung. Der steuerliche För-
derrahmen für die Altersversorgung beträgt bis zu
4 440 Euro im Jahr und liegt damit deutlich höher als die
steuerliche Förderung von Vermögensbeteiligungen in
Höhe von maximal 360 Euro. Auch ist der Anteilser-
werb durch Arbeitnehmer kein Beitrag zur Altersvor-
sorge, da die Anteile jederzeit veräußert werden können.
Im Ergebnis muss jeder Arbeitnehmer für sich entschei-
den, welche Form der staatlichen Förderung er in An-
spruch nimmt.

Lassen Sie mich kurz die anderen Maßnahmen des Ge-
setzespaketes vorstellen. Es geht um eine Neufassung der
entsprechenden Normen des Umsatzsteuergesetzes. Dies
dient dazu, die Richtlinie zur Bekämpfung des Steuerbe-
trugs bei innergemeinschaftlichen Umsätzen von Dezem-
ber 2008 umzusetzen. Mit der Neuregelung schaffen wir
nun auch in Deutschland die Voraussetzungen für einen
noch schnelleren Austausch von Informationen über Um-
sätze zwischen den beteiligten Mitgliedstaaten. Schließ-
lich erweitern wir im Einklang mit den europäischen Vor-
gaben den Kreis der Unternehmer, die eine Umsatzsteuer-
Identifikationsnummer erhalten können.

Zudem geht es um die Umsetzung von zwei Entschei-
dungen des Europäischen Gerichtshofs. So ist jetzt vorge-
sehen, die Zulageberechtigung bei der Inanspruchnahme
der sogenannten Riester-Förderung an das Bestehen einer
Pflichtversicherung in der inländischen gesetzlichen
Rentenversicherung bzw. an den Bezug einer inländi-
schen Besoldung zu koppeln. Außerdem sollen die Rege-
lungen für die steuerlich geförderte zusätzliche private
Altersvorsorge künftig auch für die Anschaffung bzw.
Herstellung einer selbstgenutzten Wohnimmobilie im
EU- oder EWR-Ausland gelten.

Wir sehen auch eine Änderung der degressiven Ab-
schreibung von bestimmten Gebäuden vor. Sie soll künf-
tig auch bei solchen Gebäuden möglich sein, die in ei-

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(C (D em anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder es Europäischen Wirtschaftsraums gelegen sind. Schließlich geht es um die Umsetzung einer weiteren ntscheidung des EuGH. In Zukunft sind auch Spenden n gemeinnützige Einrichtungen in anderen Mitgliedtaaten der Europäischen Union und in Staaten des euroäischen Wirtschaftsraums steuerlich abziehbar. Die Bundesregierung begrüßt ausdrücklich, dass die oalitionsfraktionen im Zusammenhang mit diesem Ge etzespaket auch bei anderen wichtigen Fragen Ändengen vornehmen. Ich darf in diesem Zusammenhang lgende Stichworte nennen: Funktionsverlagerung, rleichterungen für Leasingunternehmen und die Einbeiehung des CO2-Emissionszertifikatehandels in Maßahmen zur Bekämpfung von Umsatzsteuerbetrug bei arussellgeschäften. Sie sehen, noch nicht einmal 00 Tage nach Bildung dieser Regierung legen wir ein eiteres wichtiges Maßnahmenpaket vor, (Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Umverteilung von unten nach oben!)


as auf der einen Seite wichtige EU-Maßnahmen um-
etzt und auf der anderen Seite Impulse für Wachstum
nd Beschäftigung in Deutschland setzt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701911600

Das Wort hat die Kollegin Sabine Bätzing für die

PD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Sabine Bätzing (SPD):
Rede ID: ID1701911700

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und

ollegen! Wir behandeln heute ein Sammelsurium ganz
nterschiedlicher Regelungen, die die Regierung als
msetzung steuerlicher EU-Vorgaben bezeichnet. Ich
öchte zunächst mit dem Kernpunkt des Gesetzentwur-
s, mit der Umsatzsteuerbefreiung für Post-Universal-

ienstleistungen, beginnen. Das Urteil des EuGH bildet
abei die Basis für diese Debatte.

Einen Aspekt möchte ich etwas näher beleuchten,
ämlich die Frage, ob auch Leistungen, die in AGBs ge-
gelt sind, umsatzsteuerbefreit sind. Im Gesetzentwurf
ird dies verneint. Die SPD-Bundestagsfraktion ist je-
och der Auffassung, dass sie sehr wohl umsatzsteuerbe-
eit sein sollten. Die entscheidende Frage dabei lautet:
en will das europäische Recht durch die Umsatzsteuer-

efreiung, die es für Universaldienstleistungen gewäh-
n will, begünstigen? Soll nur der private Endverbrau-

her, der seinen einzelnen Brief beim Postamt oder bei
er Verkaufsstelle des Mitbewerbers einliefert, steuer-
ch entlastet werden, oder soll auch der gemeinnützige,
icht vorsteuerabzugsberechtigte Verein, der per Mailing
u einer Spendenaktion für Erdbebenopfer aufruft, ge-
eint sein?

Ich habe die Gelegenheit genutzt, bei einem Wohl-
hrtsverband in meinem Wahlkreis nachzufragen. Die
hrlichen Ausgaben für Porto belaufen sich dort auf






(A) )



(B) )


Sabine Bätzing
über 25 000 Euro. Durch den vorliegenden Gesetzent-
wurf würden knapp 5 000 Euro Mehrkosten entstehen.


(Dr. Daniel Volk [FDP]: Woher wissen Sie denn, dass das Porto steigt?)


Ich frage Sie: Ist dies für einen solchen Träger überhaupt
zumutbar? Wie viel ist dies hochgerechnet auf alle be-
troffenen Träger ehrenamtlicher Leistungen?


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Zum Beispiel die Kirchen!)


Wer zahlt für diese Mehrkosten letztendlich die Zeche?


(Dr. Daniel Volk [FDP]: Woher wissen Sie denn, dass das Porto steigen wird?)


Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes trifft zu
der Frage, ob dies von der Umsatzsteuer befreit werden
soll, nach meiner Auffassung keine eindeutige Feststel-
lung. Ich meine allerdings, dass es dem Gedanken der
Europäischen Union eher entspricht, wenn man auch
diese Leistung in die Umsatzsteuerbefreiung einbezieht.
Diese Auffassung bestätigt im Übrigen auch eine große
Wirtschaftskanzlei, die sicherlich nicht im Ruf steht,
wettbewerbsfeindlich zu sein.


(Beifall bei der SPD – Dr. Daniel Volk [FDP]: Nein, aber von der Post beauftragt!)


Die Anhörung wird mit Sicherheit nichts anderes erge-
ben; denn schließlich will die EU eine Grundversorgung
aller Bürgerinnen und Bürger mit Postzustellung und
Postabsendung fördern. Die ehrenamtliche Tätigkeit ge-
hört sicherlich zu dieser Grundversorgung. Wir halten
die Regelung im Gesetzentwurf für falsch, die die Leis-
tungen aus Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht
von der Umsatzsteuer befreit; denn sie stehen grundsätz-
lich allen Bürgern zu gleichen Bedingungen zur Verfü-
gung und unterscheiden sich damit ganz wesentlich von
den individuell ausgehandelten Leistungen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich
aber noch kurz auf Ihre Änderungsanträge eingehen.
Grundsätzlich begrüßen wir es, dass dem Umsatzsteuer-
betrug im Emissionshandel durch die Anwendung von
Reverse Charge begegnet werden soll.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Zeitlich ist dies gerade noch rechtzeitig, um einen ent-
sprechenden Beschluss des Bundesrates vorwegzuneh-
men. Aber ein bisschen verwundert hat mich dies schon;
denn die Bundesregierung hat mir auf meine schriftliche
Frage am 28. Dezember 2009 noch geantwortet, dass sie
keine Daten über das Umsatzsteueraufkommen und die
damit zusammenhängenden Betrugsfälle durch die ent-
geltliche Übertragung von CO2-Zertifikaten hat. Jetzt,
vier Wochen später, stellen Sie auf einmal die Eilbedürf-
tigkeit fest, die ein normales Gesetzgebungsverfahren
unmöglich macht.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Ja, wir haben jetzt den 28. Januar, Frau Kollegin!)


Das ging ganz schön schnell; aber wir freuen uns, dass
Sie jetzt unsere Erkenntnisse teilen.

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(C (D Ein kleiner Wertungswiderspruch, Kolleginnen und ollegen von der Union, entsteht allerdings, wenn der andel mit Schrott und Altmetall sowie die Gebäudereiigung nicht gleichzeitig in dieses eilbedürftige Verfahn, das Reverse-Charge-Verfahren, aufgenommen wer en, obwohl dort schon in der letzten Legislaturperiode inigkeit über die Handlungsnotwendigkeit bestand. ier wollen Sie – so Ihre Ankündigung – stattdessen ein guläres Gesetzgebungsverfahren abwarten, obwohl die änder auf eine Regelung drängen. Damit nicht genug; Sie schieben uns noch zwei weire Änderungen unter, die einen ganz wesentlichen Unrschied zwischen den Volksparteien zeigen. (Dr. Daniel Volk [FDP]: Welche Volksparteien? Ich kenne nur eine!)


as Sie, Kolleginnen und Kollegen von der Union, mit
ns in der Regierung nicht machen konnten, setzen Sie
tzt durch.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Gott sei Dank!)


ährend die SPD bei der Unternehmensteuerreform das
teresse an Steuereinnahmen mit dem Interesse der Un-
rnehmen abgewogen hat, zählt für Sie offensichtlich
ur das, was Ihre Geldgeber sich von Ihnen wünschen.


(Beifall bei der SPD)


ie Wunscherfüllung erfolgt erstaunlich schnell, näm-
ch umgehend. Oder wie erklären Sie sich, dass Sie auf
in Schreiben eines Lobbyisten hin


(Joachim Poß [SPD]: Hört, hört!)


lötzlich Leasingunternehmen begünstigen?


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Nicht begünstigen, sondern gleichstellen mit Finanzinstituten! Das ist ein himmelweiter Unterschied!)


önnte dies eventuell, gegebenenfalls damit zusammen-
ängen, dass die Capital Lease Transportmittel GmbH
er CDU in den letzten sechs Jahren 230 800 Euro ge-
pendet hat?


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Immer die gleiche dumme Masche! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU: Unglaublich! Schäbig!)


ie dem auch sei; umso wichtiger ist es deshalb, dass
ir die Vielzahl an Regelungen zum Thema einer Anhö-
ng machen, um uns auch hier intensiv beraten zu las-

en.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Da hätten Sie sich besser mit Alkoholkonsum beschäftigt, Frau Kollegin!)


Schließen möchte ich mit einem Ceterum censeo für
iese Legislaturperiode. Ceterum censeo: habitudinem
voris clientium esse abolendam. Wer eine Übersetzung
ünscht, ist herzlich eingeladen, der späteren Debatte






(A) )



(B) )


Sabine Bätzing
über die Aufhebung der Umsatzsteuerermäßigung bei
Hotels zu folgen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der SPD – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Über die SPD-Medienbeteiligung haben Sie nicht gesprochen!)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701911800

Das Wort hat der Kollege Dr. Daniel Volk für die

FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Dr. Daniel Volk (FDP):
Rede ID: ID1701911900

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Werte

Frau Kollegin Bätzing, es ist schon sonderbar, wie Sie
hier irgendwelche Konstruktionen darlegen. Wenn wir
uns die veröffentlichten Spenden der SPD genauer an-
schauen und daraus konstruieren, was Sie jeweils in Ge-
setzesform umgewandelt haben, kämen auch wir auf
eine sehr lange Liste.


(Widerspruch bei der SPD – Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Vorsicht!)


Aber diese schäbige Art der Auseinandersetzung ma-
chen wir bestimmt nicht mit.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Wir haben heute das Gesetz zur Umsetzung steuerli-
cher EU-Vorgaben zu beraten, ein Gesetz, das das deut-
sche Steuerrecht EU-freundlicher machen wird. Das
werden auch die Bürgerinnen und Bürger spüren. Als
Beispiel sei die Vereinfachung der Altersvorsorge ge-
nannt; denn wir werden die Gewährung der Altersvor-
sorgezulage unabhängig vom Wohnsitz der jeweiligen
Person garantieren.

Mit dem Gesetz werden wir auch einen drohenden
Umsatzsteuerbetrug beim CO2-Emissionshandel be-
kämpfen. Scheingeschäfte mit Klimazertifikaten haben
in mehreren europäischen Ländern Steuerverluste von
knapp 5 Milliarden Euro verursacht. Allein in Bayern
untersucht die Münchner Steuerfahndung dubiose Trans-
aktionen in dreistelliger Millionenhöhe. Bislang waren
vor allem Großbritannien, Frankreich, Dänemark, die
Niederlande und Spanien betroffen. Vielleicht ist das
auch die Erklärung dafür, Frau Bätzing, dass Sie am
28. Dezember die von Ihnen zitierte Auskunft bekom-
men haben; denn es droht jetzt nach Deutschland zu
wandern.


(Sabine Bätzing [SPD]: Einverstanden!)


Der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten gilt als
effizientes Mittel im Kampf gegen den Klimawandel.
Doch wie die europäische Polizeibehörde Europol mit-
teilte, könnten in einigen Staaten bis zu 90 Prozent des
Handelsvolumens auf Betrug zurückgehen. Durch das
Grundkonzept für den Steuerbetrug durch sogenannte
Karussellgeschäfte wird die spezifische Regelung des in-
nergemeinschaftlichen Erwerbs genutzt. Deshalb reagie-
ren wir jetzt mit konkreten Änderungen im Steuersys-
tem; denn diese milliardenschweren kriminellen

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(C (D etrügereien gefährden die Glaubwürdigkeit des gesamn EU-Emissionshandels. Großbritannien und Frankreich wählten den ersten öglichen Weg. Die Niederlande und Spanien wählten inen anderen Weg. Auch wir halten das sogenannte Reerse-Charge-Verfahren für die Emissionsrechte als Sortmaßnahme für den besseren Weg, den wir nun auch ehen werden. Damit schieben wir nicht nur den berchteten Einnahmeausfällen bei den Finanzämtern ei en Riegel vor, sondern bannen auch die Gefahr des eputationsund Vertrauensverlustes im gesamten CO2arkt. angfristig sollten wir aber auch hier die Umstellung on der Sollauf die Ist-Besteuerung prüfen; denn die t-Besteuerung würde dem Umsatzbetrug die Grundge komplett entziehen. Ein weiteres großes Thema ist die Neuregelung der ewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Finanzierungsufwendungen für Finanzdienstleistungsunternehmen, lso zum Beispiel Leasingunternehmen. Neben den Kreitinstituten leisten nämlich auch die Leasingunternehen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Fi anzierungssituation in Deutschland, insbesondere der es Mittelstandes. Diese Leasingunternehmen wurden isher gegenüber anderen Finanzunternehmen steuerlich enachteiligt, und ich sage: bewusst benachteiligt. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: So ist das!)


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


iese Benachteiligung beenden wir.


(Joachim Poß [SPD]: Das ist auch Lobbyismus!)


ir entschärfen damit in der Krise eine Ungleichheit ge-
de in der Mittelstandsfinanzierung und lösen gleichzei-
g eine Investitionsbremse, was den vielen mittelständi-
chen Unternehmen in Deutschland helfen wird.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


urch eine verstärkte Investitionstätigkeit vor Ort wer-
en gerade auch die Kommunen profitieren.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: So ist das!)


Lassen Sie mich klar sagen: Mit dem Ende dieser Be-
achteiligung ergibt sich eine Gleichstellung, keine Pri-
ilegierung.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Nicolette Kressl [SPD]: Das ist nicht wahr! Das ist Aufsicht light!)


iese Zuspitzung aus der linken Hälfte dieses Hauses ist
in unverhältnismäßiger Angriff auf die vielen Leasing-
nternehmen in unserem Land, die auch in schwierigen
eiten einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierungssi-
herheit in Deutschland geleistet haben.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Sabine Bätzing [SPD]: Das stimmt einfach nicht!)







(A) )



(B) )


Dr. Daniel Volk
Wir erleichtern mit unserer Politik die Finanzierungs-
bedingungen für den Mittelstand; denn bei der FDP hat
der Mittelstand nicht nur in Sonntagsreden seinen Platz.


(Joachim Poß [SPD]: Das werden wir in der Anhörung klarstellen!)


Im Zentrum unserer Politik stehen die vielen kleinen
mittelständischen Unternehmen in unserem Land. Des-
halb machen wir eine mittelstandsfreundliche Politik.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Wir haben für die vielen mittelständischen Unterneh-
men, die keine großen Steuerbüros haben, eine weitere
Erleichterung geschaffen. Wir beseitigen die negativen
Auswirkungen der Regelung der Funktionsverlagerung
auf den Forschungs- und Entwicklungsstandort Deutsch-
land. Wir haben bewusst keine Pflicht für den Unterneh-
mer vorgeschrieben, sondern wir lassen jedem einzelnen
Unternehmen ein Wahlrecht, sodass jeder Unternehmer
selbst entscheiden kann, welche Bewertung für ihn am
unbürokratischsten und sinnvollsten ist.

Damit erreichen wir, dass die Besteuerung von soge-
nannten Funktionsverlagerungen den internationalen
Standards entspricht und nicht zulasten deutscher Ar-
beitsplätze geht. Im Zukunftsbereich Forschung und
Entwicklung erleichtern wir damit zusätzliche Investitio-
nen in Deutschland und schaffen günstigere Rahmenbe-
dingungen für die Entstehung neuer, zukunftssicherer
Arbeitsplätze in unserem Land.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Eine weitere Frage, über die wir heute zu diskutieren
haben, ist die Umsatzsteuerregelung im Postsektor.


(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sehr richtig!)


Der Markt für Postdienstleistungen hat in den letzten
Jahren seine Rolle als Wachstumsmotor bestätigt. Für
die Verbraucher hat der dynamische Wettbewerb zu qua-
litativ hochwertigen Dienstleistungen mit stabilen Prei-
sen geführt. Gleichwohl wird der Wettbewerb zwischen
der Deutschen Post AG und anderen Postdienstleistern
nach wie vor durch eine unterschiedliche umsatzsteuerli-
che Behandlung beeinträchtigt.


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Zahlen die anderen Anbieter Tariflöhne?)


Zu Beginn des Jahres 2008 konnte im Postsektor
ein vielseits erwarteter Meilenstein erreicht werden:
Nach fast 500-jähriger Bestandskraft wurde das
staatliche Monopol für die Beförderung von Brie-
fen zugunsten einer zeitgemäßen Wettbewerbslö-
sung aufgegeben und der Markt vollständig geöff-
net. Der Weg zu neuen Geschäftsmodellen, zu mehr
Wachstum und Innovation ist seitdem frei.

Das ist nicht von mir,


(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Aber trotzdem gut!)


sondern das schreibt die Bundesnetzagentur in ihrem ak-
tuellen Tätigkeitsbericht.

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(C (D Frau Bätzing, ich glaube, dass Sie einem großen issverständnis erliegen: Eine Umsatzsteuerverpflichng heißt nicht automatisch, dass die Preise um 9 Prozent steigen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wettbewerb sinken die Preise nämlich. Das ist der
ntscheidende Punkt.


(Sabine Bätzing [SPD]: Reden Sie einmal mit denen, die da beschäftigt sind! – Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist die FDP! Deswegen sinken gerade die Preise für Übernachtungen in Hotels!)


ören Sie auf, ein Klima der Angst zu schüren, indem
ie sagen, dass wir uns Briefe in Zukunft nicht mehr
isten können. Wir sind hier in einem Bereich, in dem
on der Regulierungsbehörde genehmigte Entgelte fest-
esetzt werden, und die gelten.


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: So ein Blödsinn!)


Festzuhalten bleibt: Wir marktwirtschaftlichen Ord-
ungspolitiker sind zurück in der Regierungsverantwor-
ng. Wir schieben dem Steuerbetrug einen Riegel vor.
ir beenden steuerliche Ungleichheiten und sorgen so
r mehr Wachstumsimpulse. Wir schaffen mehr Wettbe-
erb, von dem die Verbraucher insgesamt profitieren,

owohl durch niedrigere Preise als auch durch ein viel-
ltigeres Angebot an Dienstleistungen.

Ich danke.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: FDP im Sinkflug!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701912000

Nächste Rednerin ist die Kollegin Dr. Barbara Höll

r die Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Barbara Höll (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701912100

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und

ollegen! Schwarz-Gelb macht im neuen Jahr genau da
eiter, wo sie im alten Jahr aufgehört haben: Sie vertei-
n weiter Steuergeschenke für große Konzerne, und das
anze unter falscher Flagge.


(Dr. Daniel Volk [FDP]: Geschenke kann nur der machen, der auch Eigentümer ist!)


Man muss allerdings sagen, dass das Einfallstor für
iese rasante und einfache Umsetzung des Vorhabens die
PD für Sie geöffnet hat. Gemeinsam setzten Sie – lei-
er – die Unternehmensteuerreform 2008 durch. Das hat
indestens 10 Milliarden Euro Mindereinnahmen verur-

acht. Damit ist das ein Geschenk an die Konzerne.


(Beifall bei der LINKEN – Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Quatsch ist das!)







(A) )



(B) )


Dr. Barbara Höll
Als Feigenblatt bauten Sie damals wenigstens einige
Gegenfinanzierungsmaßnahmen ein.


(Joachim Poß [SPD]: Wir haben die Schlupflöcher dichtgemacht! Und mit Recht! Darauf kam es an!)


Die braucht Schwarz-Gelb jetzt nur noch – eine nach der
anderen – einzukassieren, um auf diese Art und Weise
weitere große Entlastungen für die Konzerne bereitzu-
stellen. Das haben Sie im Dezember mit Ihrem Klientel-
bedienungsgesetz getan.


(Gisela Piltz [FDP]: Wie gut, dass Sie nie über Hartz-IV-Empfänger sprechen!)


Weitere 3 Milliarden Euro werden uns dadurch mindes-
tens verloren gehen, die Sie den großen Konzernen
schenken.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Das müsste doch Ihrer Stamokap-Theorie entsprechen!)


Diesmal täuschen Sie vor, dass Sie nur EU-Vorgaben
umsetzen wollen. Aber Sie mogeln wieder einfach Steu-
ergeschenke an die Konzerne in dieses Gesetz.


(Zuruf von der SPD: So ist es!)


Ich mache Ihnen das an drei Beispielen deutlich:

Erstens. Die Rücknahme einer Gegenfinanzierungs-
maßnahme ist die eben von Ihnen erwähnte grenzüber-
schreitende Verlagerung von betrieblichen Funktionen.
Wir haben hier gemeinsam und einvernehmlich ver-
sucht, das zu begrenzen, weil es nicht der kleine Betrieb
ist, der Funktionsverlagerungen ins Ausland vornimmt.
Da müssen wir doch einmal ein bisschen in der wirt-
schaftlichen Realität bleiben.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Daniel Volk [FDP]: Schauen Sie doch einmal in die Realität!)


Wer so etwas vornimmt, hat natürlich ein Steuerbüro.
Dieses wurde genutzt, um Gewinne im Ausland und Ver-
luste im Inland zu verrechnen. Das wollen Sie jetzt wie-
der ermöglichen.

Zweitens: Ausweitung von Steuerprivilegien. Sie sa-
gen, dass Sie jetzt hier die Ungleichbehandlung beseiti-
gen. Am 20. Januar 2010 bekamen wir einen Brief vom
Deutschen Factoring-Verband, und am 26. Januar, sechs
Tage später, haben wir dann einen Umdruck der Koali-
tion auf dem Tisch,


(Dr. Daniel Volk [FDP]: Da sieht man: großartige Koalition!)


in dem das Anliegen dieses Verbandes eins zu eins über-
nommen wird. Es gehört schon einiges dazu, diese Kli-
entelbedienungspolitik so dreist umzusetzen.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


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(C (D Ich frage Sie: Warum muss der Bäckermeister an der cke Gewerbesteuer zahlen, Finanzdienstleister aber icht? (Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Dann müssen Sie aber die Banken mit einbeziehen!)


as habe ich Sie hier schon vor zwei Jahren gefragt. Wir
rauchen eine Ausweitung der Gewerbesteuerpflicht,
m die Finanzkraft der Kommunen zu stärken. Wir soll-
n sie nicht weiter schwächen und dann noch erzählen,
as schaffe Arbeitsplätze.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Daniel Volk [FDP]: Die Unternehmen müssen erst einmal in Deutschland bleiben!)


Drittens. Sie machen hier eine steuersubventionierte
ohnsenkung. Unternehmen sollen in Zukunft abgaben-
nd steuerfrei einen Teil des Lohns in Vermögensbeteili-
ungen umwandeln können. Die Unternehmen haben
lso eine doppelte Dividende: Löhne senken, Steuern
nter. Besser kann man sich das wirklich nicht vorstel-
n. Der Gipfel der Dreistigkeit ist: Sie weisen auf zwei
mdrucken einfach einmal aus, dass das uns als Steuer-

ahlerinnen und Steuerzahler überhaupt nichts kosten
ürde, die Belastung würde 0 Euro betragen. Für wie
umm halten Sie uns hier im Parlament und auch die Be-
ölkerung? Das geht wirklich zu weit.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Sie setzen hier ein Projekt um, an dem sich Peer
teinbrück in der letzten Legislaturperiode schon einmal
ersucht hatte. Sie wollen das bewährte System der flä-
hendeckenden und universalen Bereitstellung von Post-
ienstleistungen aushöhlen und die Deutsche Post als de-
n einzige Anbieterin zerschlagen. Das ist Ihr Ziel. Das
anze verkaufen Sie hier, indem Sie sagen, dass Sie EU-
orgaben umsetzen. Aber weder das angeführte Urteil
es Europäischen Gerichtshofs noch die Postdienste-
chtlinie noch die Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie – al-
s EU-Ebene – verpflichtet Sie, das zu tun.

Wenn von Ihnen die Frage gestellt wird, ob es nicht
innvoll sei, dass mehrere Briefkästen aufgestellt wer-
en, frage ich: Ist es sinnvoll, dass an meinem Briefkas-
n pro Tag drei Briefträgerinnen vorbeikommen, von
enen eine von der Deutschen Post noch tariflich bezahlt
ird und die anderen, um im Wettbewerb großartig
arktanteile erwerben zu können, zu Niedriglöhnen lau-
n müssen?


(Dr. Daniel Volk [FDP]: Gucken Sie einmal bei den Subunternehmern der Deutschen Post!)


as ist das Ziel Ihrer Politik. Dabei nehmen Sie in Kauf,
ass ein funktionierendes wichtiges Instrument im Be-
ich Infrastruktur hier einfach zur Disposition gestellt
ird. In der Art und Weise, wie Sie das hier vorstellen,
hnen wir es ab.


(Beifall bei der LINKEN)







(A) )



(B) )


Dr. Barbara Höll
Wir sind auf die Beratung gespannt. Die Punkte, die
ich hier kritisiert habe, werden wir Ihnen nicht durchge-
hen lassen. Ich freue mich, dass es in einigen Punkten
eine Übereinstimmung in der Opposition gibt, sodass Sie
da einen starken Widerstand erhalten werden.

Danke.


(Beifall bei der LINKEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701912200

Das Wort hat nun der Kollege Dr. Thomas Gambke

für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Meine Damen und Herren! „Gesetz zur
Umsetzung steuerlicher EU-Vorgaben sowie zur Ände-
rung steuerlicher Vorschriften“ – hinter diesem Wortun-
getüm verbirgt sich eine Menge wichtiger Änderungen.


(Dr. Daniel Volk [FDP]: So ist es!)


Manche sind notwendige Korrekturen – da gebe ich Ihnen
recht –, aber manche der Korrekturen sind substanzielle
Änderungen in der Steuergesetzgebung mit erheblichen
Auswirkungen. Ich finde es ganz schön erstaunlich, was
da sozusagen im Nebensatz mit durchgewinkt werden
soll.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Zunächst einmal zur Anhörung gebracht werden soll, Herr Kollege!)


– Zur Anhörung. Wir wollen einmal sehen, wie wir da
herauskommen.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Richtig!)


Zunächst zur vorgeschlagenen Änderung der Umsatz-
steuerregelung bei Postdienstleistungen. Schön, dass
jetzt auch die FDP die EU-Vorgaben zur Kenntnis nimmt


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Leo Dautzenberg [CDU/ CSU]: Das müssen Sie jetzt nur noch der Linken sagen!)


und das tut, was wir Grünen schon vor einem Jahr gefor-
dert haben. Allerdings hat die FDP bereits angekündigt,
die jetzige Regelung kippen zu wollen. Das habe ich
sehr deutlich bei Ihnen herausgehört.


(Nicolette Kressl [SPD]: Richtig!)


Plädiert die FDP bei den 7 Prozent für die Hoteliers aus
Wettbewerbsgründen für gleiche Mehrwertsteuersätze in
Europa, ist ihr das bei den Postdienstleistungen offen-
sichtlich egal.


(Nicolette Kressl [SPD]: Das ist Ideologie!)


In den meisten Ländern der EU sind die Universalpost-
dienstleistungen von der Umsatzsteuer befreit.

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(C (D (Dr. Daniel Volk [FDP]: Machen wir jetzt auch!)


ber zwischen den Zeilen sagen Sie, dass Sie zu etwas
nderem wollen, nämlich zu den 19 Prozent. Wenn man
ie Spendentätigkeit der Deutschen Post mit der der Ho-
llerie vergleicht, kann man nur sagen: Ein Schelm, wer
öses dabei denkt!


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Der Wettbewerb, den wir uns wünschen – mit einer
ernünftigen Grenzziehung für die sogenannten Univer-
alpostdienstleistungen –, wird durch den vorliegenden
esetzentwurf ermöglicht.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Was wollen Sie denn jetzt, Herr Kollege? – Zuruf von der FDP: Das ist doch gut so!)


ber einzelne Grenzziehungen, zum Beispiel betreffend
ie Allgemeinen Geschäftsbedingungen, müssen wir im
etail sicherlich noch reden.


(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau!)


Eine funktionierende Marktwirtschaft braucht klare
arktregeln. Wir wollen mit diesen Regeln die Grund-

ersorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen si-
herstellen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der FDP: Genau!)


ie FDP aber – das ist mein Eindruck – will diese Ver-
ntwortung eigentlich nicht für alle Bürgerinnen und
ürger übernehmen, sondern nur für eine bestimmte
ruppe. Das ist Klientelwirtschaft, und das werden wir
nen nicht durchgehen lassen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


o viel zu den Postdienstleistungen.

In diesem Gesetzentwurf stehen noch zwei Änderun-
en, zu denen ich kritisch etwas anmerken möchte. Die
ine ist die steuerliche Förderung von Mitarbeiterkapi-
lbeteiligungen. Die Einführung von Mitarbeiterkapital-
eteiligungen hat schon die Große Koalition beschlossen –
egen unseren Willen. Sehenden Auges wollen Sie das
ebot der Risikostreuung missachten und Angestellte
och mehr den Risiken von Fehlentscheidungen des Ma-
agements aussetzen.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Sind Sie jetzt für Mitarbeiterbeteiligung oder nicht?)


s geht zwar auch um Chancen. Fakt bleibt aber, dass
ngestellte – und das auch noch staatlich gefördert – in

ine doppelte Abhängigkeit von ihrem Unternehmen ge-
racht werden: Geht es der Firma oder der Branche
chlecht, besteht die Gefahr, dass neben dem Arbeits-
latz auch noch die Altersrücklagen verloren gehen.
urch die vorgeschlagene Regelung, einen Teil des Loh-






(A) )



(B) )


Dr. Thomas Gambke
nes für Unternehmensbeteiligungen einzusetzen, würde
das noch verstärkt.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Seit wann hat sich das geändert, Herr Kollege?)


Eine Regelung, den Vorstand nicht nur am Gewinn,
sondern auch an Verlusten des Unternehmens zu beteili-
gen, bringen Sie hier nicht ein. Die Mitarbeiter wollen
Sie diesen Risiken jedoch aussetzen. Das ist schlicht un-
verantwortlich und kann so nicht funktionieren.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Klaus-Peter Flosbach [CDU/CSU]: Das können die Mitarbeiter doch freiwillig machen!)


Am Dienstagabend haben Sie en passant schnell noch
eine Änderung des Außensteuergesetzes eingebracht, die
Funktionsverlagerungen in Drittländer betrifft. Worum
geht es? Es soll verhindert werden, dass Konzerne die
Entwicklung hier in Deutschland als Aufwand steuer-
mindernd geltend machen, die Gewinne aber ins Aus-
land verlagern können.

In der Regel wird das befeuert dadurch, dass ausländi-
sche Standorte mit geringer oder gar keiner Steuerlast lo-
cken. Zum Beispiel gewährt Singapur acht bis neun
Jahre Steuerfreiheit durch den sogenannten Pioneer-Sta-
tus. Viele deutsche Unternehmen haben das ausgenutzt.

Das sollte dadurch verhindert werden, dass vor allem
die immateriellen Werte eines Geschäftes bei einer
Funktionsverlagerung ins Ausland durch die Bildung ei-
nes sogenannten Transferpaketes abgebildet werden. Na-
türlich wirft die Bewertung dieses Transferpaketes Pro-
bleme auf; d’accord.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Aha!)


Aber statt an einer Lösung des Problems zu arbeiten und
dabei die Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren, wollen
Sie durch eine Rückkehr zu Einzelverrechnungspreisen
faktisch den alten Zustand wiederherstellen. So einfach
dürfen Sie es sich nicht machen, meine Damen und Her-
ren.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Mit dieser Änderung bei Funktionsverlagerungen ver-
zichten Sie auf Steuereinnahmen in Höhe von 1,8 Milliar-
den Euro, die als Gegenfinanzierung für die Unterneh-
mensteuerreform 2008 eingeplant sind.


(Nicolette Kressl [SPD]: Das steht aber so nicht drin!)


Angesichts der Haushaltslage ist das ungeheuerlich.
Wieder werden vor allen Dingen die Kommunen darun-
ter zu leiden haben.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Sie geben eine wichtige Zielsetzung auf: War es nicht
Konsens in diesem Hause, dass wir verhindern müssen,

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(C (D ass in Deutschland die Entwicklung gemacht wird, die ntsprechenden Gewinne aber im Ausland anfallen, hne dass zumindest ein Teil dieser Gewinne nach eutschland zurückfließt? Hier soll – die Lobby lässt rüßen – mit heißer Nadel gestrickt werden. Meine Daen und Herren von den Koalitionsfraktionen, an dieses hema müssen Sie mit mehr Tiefgang gehen. So können ir Ihnen das nicht durchgehen lassen. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN – Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Warten Sie einmal die Anhörung ab, Herr Kollege!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701912300

Nächster Redner ist der Kollege Manfred Kolbe für

ie CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)



Manfred Kolbe (CDU):
Rede ID: ID1701912400

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

er heute eingebrachte Regierungsentwurf eines Geset-
es zur Umsetzung steuerlicher EU-Vorgaben sowie zur
nderung steuerlicher Vorschriften enthält eine Vielzahl
on gesetzlichen Vorschriften, die Sie, Herr Staatssekre-
r, vorgestellt haben.

Zentrale Änderung im Bereich der Umsatzsteuer ist
ie Neufassung des § 4 Nr. 11 b UStG, die einerseits den
mfang der bisherigen Umsatzsteuerbefreiung bei Post-
niversaldienstleistungen einschränkt, andererseits die
tzt enger gefasste Umsatzsteuerbefreiung nicht nur der
eutschen Post AG, sondern auch den privaten Mitbe-
erbern einräumt. Dies ist ein Gebot der Gerechtigkeit
nd der Wettbewerbsgleichheit. Deshalb unterstützt
eine Fraktion diese Änderung.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Frau Kressl, der jetzige Gesetzentwurf ist insoweit
ortgleich mit dem am 29. Januar 2009 – morgen vor

inem Jahr – von der Großen Koalition eingebrachten
ntwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Umsatz-
euergesetzes. Deshalb gehen wir bei diesem Gesetzent-
urf von der vollen Unterstützung durch die SPD-Fraktion

us.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701912500

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage der

ollegin Kressl?


Manfred Kolbe (CDU):
Rede ID: ID1701912600

Ja.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701912700

Bitte sehr.






(A) )



(B) )


Nicolette Kressl (SPD):
Rede ID: ID1701912800

Sehr geehrter Herr Kolbe, ist Ihnen bewusst, dass es

nach diesem Zeitpunkt vor einem Jahr eine EuGH-Ent-
scheidung gegeben hat, die, wie Frau Kollegin Bätzing
ausgeführt hat, inzwischen von Wirtschaftskanzleien,
zum Beispiel von Freshfields, ausgelegt worden ist?
Diese Auslegungen besagen deutlich: Nach der EuGH-
Entscheidung muss der AGB-Bereich von der Umsatz-
steuer befreit werden. Müssten wir uns eigentlich nicht
einig sein, dass wir diese neuen Auslegungen, die nach
dem alten Gesetzentwurf entstanden sind, im neuen Ge-
setzentwurf berücksichtigen müssen?


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Ist die Gesetzgebung oder eine Kanzlei entscheidend? Das Posthorn lässt grüßen!)



Manfred Kolbe (CDU):
Rede ID: ID1701912900

Frau Kressl, die EuGH-Entscheidung ist ergangen.

Ihre Kollegin Bätzing hat, wenn ich es noch richtig im
Ohr habe, gesagt, dass in der EuGH-Entscheidung ge-
rade hierzu keine klare Aussage getroffen wurde. Somit
hat sich die Situation nicht grundlegend verändert. Vor
einem Jahr wurde über die Frage diskutiert; darüber wird
auch jetzt in der Anhörung zu diskutieren sein.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Man ändert seine Meinung immer so, wie man es braucht! – Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Nicht dass Sie demnächst die Christel von der Post sind, Frau Kollegin!)


Ich komme zu einer anderen Vorrednerin, Frau Höll,
die von Steuergeschenken an Unternehmen und von der
Zerschlagung der Post gesprochen hat. Das ist wirklich
abartig. Das will keiner. Gerade diejenigen, die wie ich
einen Flächenwahlkreis vertreten, wissen die Leistungen
der Deutschen Post zu schätzen. Auch das will ich hier
sagen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich habe aber keine Probleme, wenn die Post zweimal
am Tag kommt. Ich habe auch keine Probleme damit,
dass es heute mehrere Zeitungen, nicht nur eine Zeitung
gibt, obwohl das mehr Journalisten kostet,


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


und dass es heute mehrere Gaststätten gibt, nicht nur die
HO, wo man immer nur schwer einen Platz bekam.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Das ist eine grundlegende Frage, in der wir uns unter-
scheiden. Die Deutschen haben in den letzten 20 Jahren
klar zum Ausdruck gebracht, was sie wollen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich komme jetzt wieder zur Umsatzsteuerbefreiung.
Nach dem geltenden § 4 Nr. 11 b UStG sind die unmit-
telbar dem Postwesen dienenden Umsätze der Deutschen
Post AG von der Umsatzsteuer befreit. Dies galt also

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(C (D isher allein für die Deutsche Post AG. Mit dem vorlieenden Gesetzentwurf wollen wir die Steuerbefreiung ntsprechend dem Art. 132 Abs. 1 a der Mehrwertsteuerystemrichtlinie unter Berücksichtigung, Frau Kressl, er Auslegung des EuGH-Urteils vom 23. April 2009 usgestalten. Nunmehr sollen nur noch Post-Universalienstleistungen von der Umsatzsteuer befreit sein, mit enen durch einen oder mehrere öffentliche oder private nternehmer eine Grundversorgung der Bevölkerung si hergestellt wird. Den Nutzern muss ein Universaldienst ur Verfügung stehen, der ständig allen Nutzern flächeneckend postalische Dienstleistungen in einer bestimmn Qualität zum tragbaren Preis bietet. Damit wird die ngst fällige Wettbewerbsgleichheit hergestellt. Künftig sind noch folgende Post-Universaldienstleisngen von der Umsatzsteuer befreit: die Beförderung on Briefsendungen einschließlich der Versendung von dressierten Büchern, Katalogen usw. bis 2 000 Gramm, ie Beförderung von adressierten Paketen bis 10 Kiloramm sowie Einschreibeund Wertsendungen. Künftig ind nicht mehr von der Umsatzsteuer befreit: Paketsenungen mit einem Gewicht von 10 bis 20 Kilogramm, dressierte Bücher, Kataloge, Zeitungen und Zeitschrifn mit einem Gewicht von mehr als 2 Kilogramm, Exresszustellungen und Nicht-Nachnahmesendungen. (Iris Gleicke [SPD]: Die Entbürokratisierung schreitet voran! Können wir das noch auswendig lernen?)


Ja, das ist interessant.

Nicht unter die Befreiung fallen nach dem Gesetzent-
urf auch Leistungen, deren Bedingungen zwischen den
ertragsparteien individuell vereinbart werden – inso-
eit besteht Übereinstimmung – und die aufgrund von

llgemeinen Geschäftsbedingungen zu abweichenden
ualitätsbedingungen oder günstigeren Preisen erbracht
erden. Das ist der eigentlich strittige Punkt in diesem
esetzgebungsverfahren.

Durch den Regierungsentwurf wurde hier eine Vor-
abe gesetzt. In der Anhörung werden wir auch andere
einungen hören. Dazu dient ja auch die Anhörung am

. Februar 2010.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: So ist es!)


ie Anhörung wird an diesem Punkt sicherlich interes-
ant werden. Danach werden wir eine fundierte Ent-
cheidung fällen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Insgesamt hält meine Fraktion den Gesetzentwurf,
en die Bundesregierung hier vorgelegt hat, für vernünf-
g. Beide Seiten sind nicht ganz zufrieden und haben
och den einen oder anderen Wunsch. Dies spricht für
inen guten Kompromiss und einen guten Einstieg in die
eratungen.

Danke.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)







(A) )



(B) )


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701913000

Für die SPD-Fraktion hat nun der Kollege Klaus

Barthel das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Klaus Barthel (SPD):
Rede ID: ID1701913100

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Meine Damen und Herren! Ich muss auch noch einmal
auf die Post eingehen, weil sich das geradezu anbietet,
um noch einmal deutlich zu machen, was diese Koalition
unter der Überschrift „Gleicher Wettbewerb und Libera-
lisierung“ meint und wie sie versucht, die Wettbewerbs-
regeln so umzudeuten, dass die Lasten auf jeden Fall die
Verbraucher und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh-
mer tragen müssen.

Der EuGH hat deutlich gemacht, dass die Mehrwert-
steuerbefreiung für alle Unternehmen, die öffentliche
Postdienste erbringen, nicht nur rechtmäßig, sondern
zwingend ist. Insofern gibt es hier nur einen relativ ge-
ringen Spielraum zur Auslegung. Das Kriterium für die
Steuerbefreiung ist die Erbringung eines Universaldiens-
tes.

FDP und Teile der Union behaupten immer, dass dann
gleicher Wettbewerb herrscht, wenn man die Mehrwert-
steuerpflicht im Bereich der Post für alle einführt oder
abschafft. Das ist Humbug, und das ist auch die Auffas-
sung des EuGH und der EU-Kommission; denn man
kann nur Gleiches gleich behandeln, und man muss Un-
gleiches ungleich behandeln.


(Beifall bei der SPD)


Ein Unternehmen, das im Auftrag der Politik gemäß
der Verfassung Leistungen erbringt, also im öffentlichen
Auftrag – man sollte vielleicht ab und zu einmal in die
Verfassung hineinschauen; ich empfehle die Lektüre von
Art. 87 f Grundgesetz, in dem es um das flächende-
ckende Angebot von Postdienstleistungen geht –, ist
doch anders zu behandeln als jemand, der sich die Rosi-
nen heraussucht, womit sich möglichst viel Geld verdie-
nen lässt, während ihm alles andere egal ist, weil man
dafür ja die Deutsche Post AG hat, die das dann erledigt.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


In Zukunft soll natürlich jeder, der für sich die Ver-
pflichtung übernimmt, Universaldienstleistungen zu er-
bringen, auch dieses Privileg – in Anführungszeichen –
der Steuerbefreiung in Anspruch nehmen können, wäh-
rend dies für alle anderen nicht gilt. Daran lässt sich
auch überhaupt nicht deuteln. Selbst die Kommission,
die uns deswegen ja verklagt hatte, sagt inzwischen – ich
darf zitieren –: Wie aus dem entsprechenden Abschnitt
hervorgeht, erfolgt nach Auffassung der Kommission
aus dem Urteil in der Rechtssache TNT, dass der Anbie-
ter von Universaldienstleistungen wegen der besonderen
rechtlichen Grundlage, aus der sich die besonderen Ver-
pflichtungen für einen solchen Anbieter ergeben, zur
Mehrwertsteuerbefreiung berechtigt ist. – Klarer kann
man das doch nicht sagen. Hier gibt es keinen Millimeter
Auslegungsspielraum.

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(C (D Was ein Universaldienst ist, ist bei uns im Postgesetz nd in der Post-Universaldienstleistungsverordnung stgelegt. Ich kann mir überhaupt nicht erklären, warum s hier plötzlich die von Herrn Kolbe so eindrucksvoll ufgelisteten Universaldienstleistungen wie Nachnahesendungen und Pakete mit einem Gewicht von 10 bis 0 Kilogramm und Eilsendungen geben soll, die bei uns er Gesetz als Universaldienstleistung definiert sind, ber nicht von der Mehrwertsteuer befreit sein sollen, ährend es andere Universaldienstleistungen gibt, die on der Mehrwertsteuer befreit sein sollen. Abgesehen von dem bürokratischen Humbug – es uss sich noch zeigen, wie Sie steuerrechtlich unter cheiden wollen, ob in einem Postauto Universaldienstistungen wie Pakete transportiert werden oder Katage, die schwerer als 2 Kilo sind – (Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er muss dann zweimal fahren!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


t es überhaupt Unfug, eine solche Unterscheidung zu
effen. Die europäische Postdienste-Richtlinie besagt
indeutig, dass es Aufgabe der einzelnen Mitgliedstaaten
t, den Universaldienst zu definieren.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Nichts anderes machen wir! – Dr. Daniel Volk [FDP]: Das tun wir!)


Sie rechnen bei Ihrem Vorhaben mit Mehreinnahmen
on 350 Millionen bis 500 Millionen Euro. Die span-
ende Frage ist, wer diese 500 Millionen Euro bezahlt.
s ist völlig klar: Das ist eine Verbrauchsteuer, und als
olche ist sie von den Verbrauchern zu zahlen. Wer sind
diesem Fall die Verbraucher? Das sind all diejenigen,

ie Postdienstleistungen in Anspruch nehmen müssen,
ie nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind. Das sind neben
anken und Versicherungen, die andere Wege finden,
ie Kosten auf ihre Kunden abzuwälzen – das können
ir auf unseren Kontoauszügen sehen, wenn wir sie uns
och zuschicken lassen –, im Wesentlichen die Wohl-
hrtsverbände, die Kirchen, die Deutsche Rentenversi-

herung, die Krankenkassen, die Kommunen und die öf-
ntlichen Verwaltungen. Sie bezahlen die 350 Millionen

is 500 Millionen Euro, und sie werden sich sehr dafür
edanken, dass wir jetzt auch noch über die Umsatz-
teuer eine sozial ungerechte Umverteilung vornehmen,
dem wir die Umsatzsteuerentlastung von den Kirchen

nd Sozialverbänden zu den Hotels verlagern. Das ist
mverteilung à la Schwarz-Gelb; das muss man ganz
eutlich sagen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Wer dann sagt, das werde der Wettbewerb regeln, das
önne gar nicht ganz auf die Kunden abgewälzt werden,
er muss wissen, dass im Postwesen 80 Prozent der Kos-
n Personalkosten sind. Insofern gibt es so gut wie
eine Abwälzungsmöglichkeiten. Das heißt, wenn es
icht die Verbraucher bezahlen, dann bezahlen es die
eschäftigten.






(A) )



(B) )


Klaus Barthel
Wie wir heute gehört haben, ist der Postmindestlohn
leider nicht rechtskräftig. Das bedeutet also ganz klar,
was die Unternehmen schon angekündigt haben: Wenn
die bestehende Mehrwertsteuerregelung entfällt, dann
tragen die Beschäftigten die Kosten in Form von Ar-
beitsplatzverlust oder von niedrigeren Einkommen.

Auch das ist offensichtlich schwarz-gelbe Politik. So
etwas kann man nicht machen, und schon gar nicht mit
der Begründung, das habe etwas mit fairem Wettbewerb
oder mit europäischen Regelungen zu tun. Ich empfehle,
die entsprechenden Texte zu lesen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701913200

Letzter Redner in dieser Debatte ist nun der Kollege

Dr. Mathias Middelberg für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Mathias Middelberg (CDU):
Rede ID: ID1701913300

Danke schön. – Verehrte Frau Präsidentin! Meine Da-

men und Herren! Ich hatte mich eigentlich auf das
Thema Mitarbeiterbeteiligung konzentrieren wollen.
Aber nach der vorangegangenen Debatte möchte ich mir
noch einige andere Bemerkungen erlauben.

Eine Vorbemerkung betrifft die Post-Universaldienst-
leistungen. Hier sind zwei wichtige Stichworte genannt
worden. Das war zum einen der Hinweis auf das Stich-
wort „Grundversorgung“.


(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sehr richtig!)


Dazu haben Sie, Frau Bätzing, ausgeführt, dafür könne
unter Umständen maßgeblich sein, was in den AGBs der
Unternehmen dazu festgelegt würde. Das kann meiner
Einschätzung nach nicht maßgeblich sein. Denn die All-
gemeinen Geschäftsbedingungen werden von den Unter-
nehmen selbst festgelegt, sodass man im Grunde alles
Mögliche hineinschreiben kann. Das kann also nie ein
sachlich vernünftiges Abgrenzungskriterium zur Bestim-
mung des objektiven Begriffs „Grundversorgung“ sein.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Im Übrigen wäre ich auch zurückhaltend in der Ein-
schätzung der genannten Rechtsanwaltskanzlei. Ich habe
vielfältig mit ihr zu tun gehabt. Sie hat in meinem beruf-
lichen Vorleben auch die Unternehmung Porsche bei der
versuchten Übernahme von VW beraten.


(Zuruf von der FDP: Hört! Hört!)


Die Beratung ist nicht besonders glücklich verlaufen.
Das Vorhaben ist auch mehrfach gerichtlich gescheitert.
Ich würde mich also nicht unbedingt allein auf solche
anwaltlichen Urteile stützen wollen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Sabine Bätzing [SPD]: Dann warten wir die Anhörung ab!)


– Dazu warten wir die Anhörung ab.


(Sabine Bätzing [SPD]: Genau!)


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(C (D Der Kollege Volk hat ebenfalls einen sehr wichtigen inweis gegeben: Selbst wenn wir bestimmte Leistunen, die jetzt im Postbereich angeboten werden, aus der ehrwertsteuerbefreiung herausnehmen, führt das nicht otgedrungen dazu, dass in diesen Fällen die Preise steien. In dem Bereich kommt es vielmehr zu vermehrter onkurrenz. Wir werden dann das Gleiche wie beim Tekommunikationsmarkt erleben. Dazu ein Hinweis: Die iberalisierung im Telekommunikationsmarkt hat dazu eführt, dass wir 1998 für ein zweiminütiges Ferngepräch noch 1,45 DM – das wären gut 73 Cent – bezahn mussten und heute dasselbe Gespräch zum Preis von Cent führen können. Das ist ein erheblicher Vorteil für lle Verbraucher in diesem Land. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Das ist Liberalisierung!)


as belegt, dass das Herausnehmen von Leistungen aus
er Mehrwertsteuerbefreiung nicht zu Preissteigerungen
hren muss.

Das Thema Mitarbeiterbeteiligung halte ich für be-
onders wichtig. Was Ihre Kritik angeht, Herr Gambke:
h finde es durchaus berechtigt, die Einbeziehung der
ntgeltumwandlung in die steuerliche Begünstigung
um Aufbau einer Mitarbeiterkapitalbeteiligung zu hin-
rfragen. Ich glaube aber, dass dies ein notwendiger
chritt ist, um die Maßnahme Mitarbeiterkapitalbeteili-
ung attraktiv zu gestalten und um voranzukommen. Es
t eine enorm wichtige Maßnahme, die auch die Große
oalition mit in die Wege geleitet hat. Ich zitiere an die-

er Stelle sehr gern Ihren früheren Arbeitsminister Olaf
cholz, der gesagt hat, das sei ein Startschuss für eine
euentwicklung in Deutschland und ein neues Kapitel,
as mehr Gerechtigkeit schaffe und die Akzeptanz der
ozialen Marktwirtschaft stärke.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


iese Einschätzung halte ich für absolut richtig. Deswe-
en sollten wir alles dafür tun, dass wir mit dem Projekt
itarbeiterkapitalbeteiligung Erfolg haben. Auch wenn

och weitere sinnvolle Vorschläge dazu gemacht wer-
en – –


(Joachim Poß [SPD]: Gegen Mitarbeiterkapitalbeteiligung hat doch keiner etwas gesagt!)


Ja, aber zum Thema Entgeltumwandlung. Deswegen
ar es mir wichtig, darauf einzugehen. Es ist schön, dass
ie an dieser Stelle deutlich signalisieren, diesen Weg
it uns zu gehen.


(Joachim Poß [SPD]: Bitte keine Unterstellungen!)


Um Gottes Willen! Das war keine, Herr Poß. Sie hät-
n sorgfältig zuhören müssen.


(Joachim Poß [SPD]: Nicht Feindbilder oder Pappkameraden aufbauen – auch nicht in der ersten Rede!)


Im Übrigen hat Herr Staatssekretär Koschyk treffend
arauf hingewiesen, dass es sich bei der Mitarbeiterkapi-
lbeteiligung zunächst um einen relativ geringen För-






(A) )



(B) )


Dr. Mathias Middelberg
derrahmen handelt und die Konkurrenz zur betrieblichen
Altersvorsorge eher überschaubar ist. Man sollte im
Blick behalten, dass die Mitarbeiterkapitalbeteiligung in
der Tat etwas anderes als die Altersvorsorge oder eine
normale Vermögensbildung ist.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Carl-Ludwig Thiele [FDP])


Es bedeutet nämlich – das ist die Philosophie –, die
Arbeitnehmer am Produktivkapital ihres Unternehmens
und eventuell weiterer Unternehmen zu beteiligen. Ich
halte das für eine enorm wichtige und grundlegende
Maßnahme. Sie ist, wenn man bedenkt, dass die Kapital-
intensität der Produktion in Deutschland immer bedeu-
tender wird, ein schon fast zwingender Schritt, den wir
machen müssen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich möchte zwei abschließende Bemerkungen zum
Thema Gleichstellung in der Besteuerung der Leasing-
unternehmen machen.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Das ist der Anachronismus der Klassen!)


Ich sage ganz bewusst „Gleichstellung“. Frau Höll, so
lustig das Beispiel mit dem Bäcker auch war, so unzu-
treffend ist es.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Eben!)


Denn der Bäcker ist tatsächlich, wie wir jetzt neumodern
sagen, in der Realwirtschaft unterwegs. Die Leasingun-
ternehmen sind Finanziers. Sie machen ein Finanzge-
schäft und sind damit fast gleichermaßen unterwegs wie
die Banken.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: So ist es!)


Bisher war es so geregelt, dass sie ausschließlich im
Bereich der Finanzierung tätig sein durften. Wenn diese
Unternehmen nur einen zusätzlichen Service anboten,
waren sie im Grunde genommen von den gewerbesteuer-
lichen Hinzurechnungen ausgeschlossen. Das war ein-
deutig nicht sachgerecht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Das haben wir jetzt korrigiert. Ich bin überzeugt, dass
wir das Richtige gemacht haben.

Ich sehe, dass meine Redezeit abgelaufen ist. Ich
komme schnell zum Ende. Ich bin das hier noch nicht
gewohnt. Ich bitte um Entschuldigung.

Es ist deshalb so wichtig, dass wir etwas für die Lea-
singunternehmen tun, da sie Finanzgeschäfte für die
Wirtschaft, besonders für den Mittelstand, in Deutsch-
land machen.


(Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sehr richtig!)


Viele Mittelständler wickeln ihre Finanzierung über
Leasing von Produktionsmitteln, von Fahrzeugen und
anderem ab. Es macht keinen Sinn, sich über eine Kre-
ditklemme im Mittelstand und in der Wirtschaft zu un-
terhalten, wenn man sich nicht auf der anderen Seite ent-
schieden für gute Bedingungen hinsichtlich der

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(C (D inanzierung gerade des Mittelstandes in Deutschland insetzt. Ich danke Ihnen. Herr Kollege Dr. Middelberg, das war Ihre erste Rede diesem Hause. Ich gratuliere Ihnen sehr herzlich dazu nd wünsche Ihnen in Ihrer weiteren Arbeit viel Freude nd Erfolg. Nun schließe ich die Aussprache. Interfraktionell wird Überweisung des Gesetzenturfs auf Drucksache 17/506 an die in der Tagesordung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. – Wie ich ehe, sind Sie damit einverstanden. Dann ist die Übereisung so beschlossen. Ich rufe nun den Tagesordnungspunkt 8 auf: Beratung des Antrags der Abgeordneten Marlene Rupprecht Gleicke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD Kinderschutz wirksam verbessern: Prävention im Kinderschutz optimieren – Förderung und frühe Hilfen für Eltern und Kinder stärken – Drucksache 17/498 – Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Rechtsausschuss Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Gesundheit Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die ussprache eine Dreiviertelstunde vorgesehen. – Ich ehe, auch damit sind Sie einverstanden. Dann können ir so verfahren. Ich eröffne die Aussprache. Als erste Rednerin hat as Wort die Kollegin Marlene Rupprecht für die SPDraktion. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und ollegen! Wir beraten heute in erster Lesung einen Anag der SPD-Fraktion zum Kinderschutz. „Kinderschutz irksam verbessern: Prävention im Kinderschutz optiieren – Förderung und frühe Hilfen für Eltern und Kin er stärken“ lautet der Titel. Es ist nicht das erste Mal, ass wir im Bundestag über den Schutz von Kindern deattieren. Zuletzt war das 2009 der Fall. Oft gaben chreckliche Fälle Anlass zur Debatte. Wir glaubten ann, ganz schnell reagieren zu müssen. Die letzte Reierung, die Regierung der Großen Koalition, hatte noch inen Gesetzentwurf zum Kinderschutz vorgelegt. Dieer wurde aber nach einigen Verhandlungen und trotz erbesserungen nicht nur von uns, der SPD, sondern uch von der Fachwelt bzw. den Fachverbänden abge Marlene Rupprecht lehnt, und das aus gutem Grund; denn Kinderschutz braucht Besonnenheit, Fachwissen, Fachkenntnisse und Sachverstand und keine Schnellschüsse. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701913400

(Beifall)


(Beifall bei der SPD)

Marlene Rupprecht (SPD):
Rede ID: ID1701913500




(A) )


(B) )


Obwohl wir versucht haben, noch etwas zu ändern, und
viel Arbeit hineingesteckt haben – ich war daran betei-
ligt –, finde ich unsere Ablehnung gut; denn wir dürfen
nicht unter tagesaktuellem Druck handeln. Das wird we-
der den Kindern noch unserer Arbeit gerecht. Wir müs-
sen zudem die Fachwelt, die sich täglich mit dem Thema
befasst, einbeziehen. Wir dürfen nicht von oben nach un-
ten verordnen. Vielmehr muss der Weg von unten nach
oben gehen. Das ist die richtige Vorgehensweise.

Ich möchte deutlich herausstellen, dass ein Grund,
warum wir das Ganze abgelehnt haben, war, dass die Ba-
lance zwischen Prävention und Intervention im Gesetz-
entwurf – im Gegensatz zu unserem jetzigen Antrag –
nicht gegeben war. Es gab kein ausgewogenes Verhält-
nis. Nun stellt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen
Prävention und Intervention die Grundlage unseres An-
trags dar.


(Beifall bei der SPD)


Ich möchte grundsätzlich betonen: Der größte Teil der
Eltern erzieht seine Kinder gut


(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP)


und gibt sich redlich Mühe. Fehler darf man machen.
Schließlich sind wir alle Menschen. Manchmal brauchen
Eltern Hilfen, obwohl sie alles gut machen. Die Eltern
wollen Hilfen ohne Diskriminierung annehmen können.
Insbesondere Eltern mit hoher Gefährdung – dazu gehö-
ren zum Beispiel Eltern mit Suchtproblematik – muss
Hilfe gewährt werden. Aber im Notfall müssen auch
Maßnahmen der Intervention greifen. Deshalb enthält
unser Antrag ein Bündel an Maßnahmen, die ergriffen
werden sollen.

Bereits 2005, mit der letzten Reform, dem Kinder-
und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz, haben wir
den § 8 a SGB VIII, den sogenannten Kinderschutzpara-
grafen, verändert. Wir haben eingeführt, dass schnellere
Meldungen erfolgen: Dazu braucht es aber auch Fach-
kräfte, die tatsächlich mit einem solchen Fall umgehen
können. Auswirkungen dessen sind bisher nicht analy-
siert worden; zumindest liegt dem Parlament nicht vor,
dass eine Auswertung stattgefunden hat. Es ist keine
Schwachstellenanalyse vorgenommen worden, und nach
wie vor besteht beim Kinderschutz ein Mangel an Zah-
len und Statistik. Wir wollen die Umsetzung des § 8 a
überprüfen und feststellen, inwieweit Handlungsbedarf
gegeben ist.

Das Nächste ist: Wir haben 2000, als wir die gewalt-
freie Erziehung ins BGB eingeführt haben, festgestellt,
dass Eltern Hilfe brauchen, also der § 16 SGB VIII die
Förderung der Elternkompetenz und der Erziehungsfä-
higkeit beinhalten muss. Wenn man jetzt nachforscht,
bemerkt man, dass das Ganze nicht wie gewollt umge-
setzt wird. Auch diesen Paragrafen wollen wir genau an-

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(C (D chauen, damit er zielgerichteter Hilfen zur Förderung er Erziehungskompetenz in den Mittelpunkt stellt. Wir haben eine weitere Schwachstelle entdeckt. Sie esteht darin, dass gefährdete Eltern und deren Kinder äufig Ortswechsel vornehmen und umziehen. Damit es esser klappt und die Hilfe wirklich nahtlos und ohne ücke übergeht, müssen wir Wert darauf legen, dass die uständigkeitswechsel reibungslos funktionieren. Wir erden nicht fordern, dass man ein entsprechendes Verhren genau festschreibt. Meines Erachtens werden die achleute wissen, wie es auszugestalten ist. Wir müssen doch darauf achten, dass diese Schwachstelle ausgeerzt wird. Wichtig ist – das ist im Kinderund Jugendhilfegesetz eit 1991 in Westdeutschland festgeschrieben; ich werde icht müde, es zu sagen –, dass alle am Wohlergehen des indes Beteiligten zusammenarbeiten. Diese Kooperaon ist gesetzlich verankert. Wir wollen, dass alle Befsgruppen, die mit Kindern arbeiten, die ihre Berufs ruppe betreffende Gesetzgebung noch einmal daraufhin berprüfen, an welchen Stellen die Kooperation so wie Kinderund Jugendhilfegesetz verpflichtend festgechrieben werden kann. Das ist im Sinne einer guten Koperation und schnellen Hilfe wichtig, damit sich keine erufsgruppe und niemand sonst davonstehlen und saen kann, das interessiere ihn nicht. Dazu gibt es gute eispiele über das Nationale Zentrum Frühe Hilfen, das stgestellt hat, wo es klappt, zum Beispiel in Rheinlandfalz mit dem Projekt „Guter Start ins Kinderleben“, in essen Rahmen man die Kooperation beispielhaft umetzt. Ja, auch in Bayern. Das wollte ich gerade sagen; ich omme ja aus Bayern. Dort gibt es die KoKis, die Koorinierenden Kinderschutzstellen. Ich nenne nur einige ute Beispiele; es gibt im Bundesgebiet viele davon. Ganz wesentlich ist Folgendes: Kinderschutz ist narlich Aufgabe aller am Leben von Kindern Beteiligten, ller mit Kindern Lebenden, zuallererst Aufgabe der Elrn; an sie gerichtet habe ich schon Dank gesagt. Aber uch Erzieherinnen und Erziehern, Lehrern und Lehrennen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendmter danke ich hier noch einmal ausdrücklich; denn sie tehen immer vor der Alternative, zu schnell oder zu spät u intervenieren, und laufen somit ständig Gefahr, von iesen Mühlsteinen zerrieben zu werden. Diesbezüglich chtige Entscheidungen erfordern eine hohe Qualifikaon; auch darauf müssen wir achten. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der SPD)


(Norbert Geis [CDU/CSU]: Oder in Bayern!)


Kinderschutz ist aber nicht nur für diese Gruppen von
ürgerinnen und Bürgern wichtig, sondern für alle, weil
s eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und
ufgabe ist. Deswegen müssen die Rechte der Kinder

uf Schutz, Förderung, Beteiligung und kindgerechte
ebensverhältnisse in dem Gesetz niedergelegt werden,
dem all das niedergeschrieben ist, was die Gesell-






(A) )



(B) )


Marlene Rupprecht (Tuchenbach)

schaft als wichtig für das Zusammenleben befindet,
nämlich im Grundgesetz.

Packen wir das Ganze deshalb gemeinsam an. Unsere
Kinder haben es verdient, dass wir uns mit großer Ernst-
haftigkeit und gegenseitigem Respekt ihrem Aufwach-
sen in Wohlbefinden widmen und uns darum kümmern.
Ich bin bereit. Positive Signale habe ich von der gestri-
gen Anhörung aus dem Ministerium bekommen. Wenn
dies der Startschuss für ein gemeinsames Finden von Lö-
sungen für unsere Kinder ist, dann bin ich guten Mutes,
dass wir es hinbekommen.

Danke schön.


(Beifall bei der SPD)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701913600

Nächster Redner ist der Kollege Norbert Geis für die

CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Norbert Geis (CSU):
Rede ID: ID1701913700

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und

Herren! Verehrte Frau Rupprecht, ich glaube, dass wir in
vielen Punkten übereinstimmen. Wir konnten eben in
unseren Reihen eine Verständigung darüber herstellen,
was Sie inhaltlich gesagt haben. Wir hoffen, dass wir,
was den Kinderschutz betrifft, zu einem gemeinsamen
Ergebnis kommen. Ich bedauere, dass der Entwurf eines
Kinderschutzgesetzes, der lange vorbereitet worden ist
und nicht erst gegen Ende der letzten Legislaturperiode
gerade noch auf den Tisch gelegt worden ist, sondern der
am 17. März letzten Jahres von der Bundesregierung
verabschiedet und dem Parlament zugeleitet worden ist,
nicht Gesetz geworden ist. Ich finde aber auch, dass die
Diskussion, die jetzt neu – auch durch Ihren Antrag –
entstanden ist, nützlich sein kann, und glaube, dass wir
zu einem guten gemeinsamen Ergebnis über die Par-
teigrenzen hinweg kommen können.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Es gibt natürlich schon Unterschiede und Versuche,
diese klarzumachen. Es geht in dem Kinderschutzgesetz
um die Organisierung des Kinderschutzes. Es geht nicht
um neue Straftatbestände, deren Einführung hin und
wieder verlangt wird. Wir haben in der zurückliegenden
Zeit alle möglichen Lücken, die sich aufgetan haben,
nach unserer Auffassung geschlossen. Wir haben das Se-
xualstrafrecht verschärft, und wir haben die Sicherungs-
verwahrung eingeführt, über die wir allerdings aufgrund
des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte vom 17. Dezember des letzten Jahres neu
nachdenken müssen. Die Sicherungsverwahrung ist eine
echte Maßnahme der Prävention. Es kann nicht sein,
dass potenzielle Straftäter frei herumlaufen und unsere
Kinder diesen Straftätern ausgesetzt sind. Der Staat muss
die Kinder schützen. Deswegen brauchen wir die Siche-
rungsverwahrung. Ich meine, dass die Richter des Euro-
päischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu sehr von
dem Gedanken des Strafrechts ausgegangen sind. Für
uns ist das eine Maßnahme der Prävention, und die wol-
len wir beibehalten.

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(C (D Meine sehr verehrten Damen und Herren, ein Weites: Sie wollen die Kinderschutzrechte oder die Kinderchte – das ist nicht so ganz deutlich geworden – in die erfassung aufnehmen und berufen sich dabei in Ihrem ntrag auf die Kinderrechtskonvention der UNO aus em Jahr 1989. In der Tat steht dort, dass die Kinder geau dieselben Rechte haben wie auch die Erwachsenen. s gibt keinen Unterschied zwischen Mensch und ensch. Die Rechte der Menschen, der Bürgerinnen und ürger, sind durch das Grundgesetz hinreichend gesihert. Deswegen ist es nicht notwendig, dass wir Kinderchte eigens ins Grundgesetz schreiben, zumal wir imer dann, wenn wir spezielle Rechte in das Grundgesetz ufnehmen, verengen und nicht ausweiten. Jedenfalls esteht die Gefahr dazu. Deswegen bin ich der Auffasung, wir sollten die Verfassung in dieser Frage nicht beühen, sondern wir sollten unser Augenmerk insbeson ere auf dieses Kinderschutzgesetz richten und in dieses lles hineinbringen, was möglich und notwendig ist, um u einem guten Ergebnis zu kommen. Frau Rupprecht, Sie haben mit Recht angesprochen, ass die meisten Familien die Kinder richtig erziehen nd dass der Schutz der Kinder in den Familien am besn gewährleistet ist. Das geht auch aus dem Übereinommen der UNO hervor. Die Familie gilt es zu schüten und zu stärken. Dabei wird nicht die sehr wolkige efinition zugrunde gelegt, dass Familie dort ist, wo für inander Verantwortung entsteht, sondern Familie im eneren Sinn ist dort, wo Eltern für ihre Kinder verantortlich sind. Diese Sorge der Eltern für ihre Kinder ist as elementare Recht der Eltern. Das sollten wir nicht erniedlichen oder verwässern. Es geht um den Schutz uch des Elternrechts in dieser Frage. Dieser ist insbeondere dann zu wahren, wenn das Jugendamt eine Einriffsmaßnahme treffen will. Wir wollen in diesem Geetz die Prävention und die staatliche Intervention orsehen. Dort, wo eine Intervention vonnöten ist, weil ie Gefährdung des Kindes nur durch einen Eingriff verindert werden kann, muss immer wieder mit dem Recht er Eltern auf Sorge für das Kind, auf Kontakt mit dem ind abgewogen werden. Es darf nicht so weit führen, ass man glaubt, ein Kind nur auf irgendeinen Hinweis in aus einer Familie herausholen zu dürfen. Hier muss it sehr viel Sensibilität gearbeitet werden. Sie ist in den eisten Fällen vorhanden. Wir müssen bei einem solchen Kinderschutzgesetz erücksichtigen, dass die Ärzte und auch die Hebammen sie haben zu Neugeborenen und vor allen Dingen zu en Müttern der Neugeborenen einen engen Kontakt – erpflichtet werden, sich aus ihrer Tätigkeit ergebende inweise an das Jugendamt weiterzugeben. Wir sollten uch eine Regelung treffen – Sie haben sie angesprohen –, dass die Jugendämter untereinander Kontakt aufehmen, wenn eine Familie in den Zuständigkeitsbeich eines anderen Jugendamtes zieht. Dann muss eine erpflichtung bestehen, dass die entsprechenden Untergen so schnell als möglich dem zuständigen Jugendamt ukommen. Norbert Geis Notwendig ist auch, dass die Jugendämter ein Recht zur Einsichtnahme in das Bundeszentralregister haben, wenn ein schwerwiegender Verdacht gegeben ist. Wir müssen eine Regelung finden – in Bayern und auch in Rheinland-Pfalz gibt es sie bereits –, dass von den Ärzten Früherkennungsuntersuchungen vorgenommen werden. Wie ich bereits angesprochen habe, müssen wir den Hebammen, die zu den jungen Familien, insbesondere zu den jungen Müttern, einen engen Kontakt haben, die Möglichkeit verschaffen, über eine längere Zeit, etwa über sechs Monate, tätig zu sein und einen entsprechenden Ausgleich zu erhalten. Wie ich eingangs gesagt habe, hoffe ich, dass wir zusammen zu einem guten Ergebnis kommen. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Das Wort hat nun die Kollegin Heidrun Dittrich für die Fraktion Die Linke. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Woran denken die Bürger im Lande, wenn sie das Wort „Kinderschutz“ hören? An vernachlässigte Kinder und an das Jugendamt. Das Jugendamt wird hauptsächlich als Eingreifbehörde gesehen, und die Kindeswohlgefährdung wird viel zu häufig als individuelles Versagen der Eltern dargestellt. Dies blendet aber aus, dass die Eltern in die Lage versetzt werden müssen und Bedingungen vorfinden müssen, um die Bedürfnisse ihrer Kinder nach körperlichem und seelischem Wohlergehen, Anregung und Spiel, Schutz und Geborgenheit befriedigen zu können. Die Situation vieler Familien ist aber gerade durch Unsicherheit und Perspektivlosigkeit gekennzeichnet. Wer heute noch beschäftigt ist, kann morgen schon entlassen sein. Die berüchtigten Hartz-Gesetze und die Zunahme unsicherer Beschäftigungsverhältnisse haben dazu geführt, dass eine Familienplanung erschwert wird. In Hannover wird zum Beispiel bei Continental die LkwReifenherstellung komplett wegfallen. Bei VW wurden zuerst die Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter von Entlassung bedroht, und selbst bei der Stadtverwaltung, also im öffentlichen Dienst, werden Auszubildende erstmals nicht übernommen. Die Drangsalierung bei den Jobcentern macht den Menschen Angst und beschädigt ihre Würde; denn sie können nichts dafür, dass ihr Arbeitsplatz wegfällt. Meine Damen und Herren, glauben Sie denn, dass diese soziale Verunsicherung an den Eltern und an den Kindern spurlos vorübergeht? Kinder reagieren sensibel auf die Ängste ihrer Eltern. Psychische Erkrankungen und Suizide bei Kindern nehmen zu. Dies ist Ausdruck einer tiefen Verunsicherung in unserer Gesellschaft. ti k k k p re n w ru W m A ri D m s S u m z ru a K C J d s d e S N d fl z w w a ä O d 1 fo s ti k w R s (C (D Die Jugendhilfe mit ihren pädagogischen und prävenven Angeboten kann Kinder und Eltern ermutigen; sie ann sie zum Jobcenter begleiten. Aber Arbeitsplätze ann die Jugendhilfe nicht hervorzaubern, auch keine leineren Klassen, nicht mehr Erzieherinnen oder Lehrersonal an Schulen. Die Jugendhilfe kann als Teilbeich der Sozialpolitik die gesamtgesellschaftliche Lage icht ausgleichen. Ich meine, dass der Ansatz für einen irksamen Schutz der Kinder vor allem in der Verbesseng der Lebenslagen der Familien liegt. ir leben im Zeitalter der Patchworkfamilien; deshalb uss auch das Steuerrecht auf diese Familienform, auf lleinerziehende und Unterhalt zahlende Väter ausgechtet sein. ie Kinder profitieren dann von einem höheren Einkomen. Seit Jahren, und nicht erst mit dem Wachstumsbechleunigungsgesetz, werden im öffentlichen Bereich teuergelder sozial ungerecht umverteilt, umverteilt von nten nach oben. Steuerliche Entlastungen für Unternehen und die Rettung der Großbanken werden mit Kür ungen im sozialen Bereich bezahlt. Von diesen Einspangen werden auch die Sozialarbeiterinnen und Sozial rbeiter in den Jugendämtern nicht verschont. Durch die ürzungen in den Jugendämtern ging der präventive harakter der Jugendarbeit verloren. Das Kinderund ugendhilfegesetz stellt aber gerade die Prävention in en Vordergrund. Es ist bekannt, dass bei Abbau der öffentlichen Daeinsvorsorge der Anteil der ratsuchenden Familien und ie Fallzahlen ansteigen. Durch stetigen Personalabbau ntstand eine Überlastung der Sozialarbeiterinnen und ozialarbeiter in den Allgemeinen Sozialen Diensten. icht einmal die Fälle von Kindesmisshandlung mit Toesfolge, die sich bundesweit häufen, führen zu einer ächendeckenden Aufstockung in den Allgemeinen Soialen Diensten. Ja, es gibt bis heute keine an die Einohnerzahl angelehnten Mindeststandards für die notendige bezirkliche Sozialarbeit. Auf Überlastungs nzeigen von Kolleginnen und Kollegen in den Jugendmtern wurde unzureichend reagiert. Es kam damit zum rganisationsversagen im Jugendamt Bremen. Den Tod es misshandelten zweijährigen Kevin, festgestellt am 0. Oktober 2006, werden wir wohl nicht vergessen. (Dr. Helge Braun [CDU/CSU]: Das ist wohl wahr!)


(Beifall bei der CDU/CSU)





(A) )


(B) )


(Beifall bei der CDU/CSU)

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701913800

(Beifall bei der LINKEN)

Heidrun Dittrich (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701913900

(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Zuruf von der FDP: Gerade in Berlin!)


Mit dem großen Kitastreik im Sommer letzten Jahres
rderten die Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen bes-

ere Arbeitsbedingungen für sich und damit eine qualita-
v bessere pädagogische Betreuung. Die frühen Hilfen
önnen nur dann als Prävention verstanden werden,
enn sie allen Eltern zugutekommen und nicht nur für
isikofamilien gelten. Sie beseitigen aber nicht den Per-

onalmangel in den Jugendämtern. Nicht nur Eltern






(A) )



(B) )


Heidrun Dittrich
müssen in die Lage versetzt werden, geduldig mit ihren
Kindern umzugehen, auch die pädagogischen Kräfte im
öffentlichen Dienst benötigen mehr Zeit, damit sie sich
beständig den Familien zuwenden können und nicht erst
kommen, wenn es brennt.


(Beifall bei der LINKEN)


Hierzu sind erforderlich – das waren die Forderungen
aus dem Streik –: eine Verdopplung des Personals in den
Allgemeinen Sozialen Diensten der Jugendämter, Zeit
für die soziale Arbeit im Stadtteil und Zeit für die Bera-
tung der Kinder und Eltern.


(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)


Diese Forderungen sind der Familienministerin wohlbe-
kannt.

Der beste Kinderschutz ist daher nach unserer Mei-
nung eine solidarische Sozialpolitik ohne Ausgrenzung.


(Beifall bei der LINKEN)


Wir sind uns wohl alle einig, dass Kinder die Zukunft
der Gesellschaft sind. Daher müssen wir uns fragen las-
sen: Wie sieht eigentlich eine sichere Zukunft aus? Wel-
che Welt wollen wir unseren Kindern vererben? – Auf
jeden Fall eine Welt ohne Krieg in Afghanistan; eine
Welt mit Löhnen, die zum Leben reichen, und sozialer
Absicherung; eine Welt ohne Atomkraftwerke und ohne
Klimakatastrophe. Diese Welt für unsere Kinder zu
schaffen, das ist unsere Aufgabe.


(Beifall bei der LINKEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701914000

Frau Kollegin Dittrich, wenn ich es richtig sehe, war

das Ihre erste Rede hier. Herzlichen Glückwunsch dazu,
verbunden mit den besten Wünschen für Ihre weitere Ar-
beit.


(Beifall)


Nun hat das Wort die Kollegin Miriam Gruß für die
FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Miriam Gruß (FDP):
Rede ID: ID1701914100

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und

Herren! Kinderschutz, also Kinder vor Vernachlässigung
und Misshandlung zu schützen, ist uns nach wie vor ein
sehr zentrales Anliegen. In der Tat gab es in der letzten
Legislaturperiode dazu eine entsprechende Initiative,
und es wurde uns ein Gesetz vorgelegt. Aber ich finde es
richtig und wichtig und gut, dass wir jetzt noch einmal
darüber reden und damit auch die Chance haben, Verbes-
serungen in diesem Gesetz vorzunehmen.

Ich freue mich sehr – das war insbesondere uns von
der FDP ein großes Anliegen –, dass dieses Gesetz jetzt
zwei Schwerpunkte beinhalten soll, nämlich Prävention
und Intervention.


(Beifall bei der FDP)


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(C (D Zum Thema Prävention. Uns muss eines immer beusst sein: Ein Kind, das in seinem Leben einmal missraucht oder misshandelt worden ist, wird das nie mehr s. Das begleitet einen Menschen ein Leben lang. Auch ls Erwachsener hat man unter den Folgen von Missandlung und Missbrauch, die man als Kind erlebt hat, u leiden. Deswegen ist es so wichtig, dass wir präventiv tig werden: damit es erst gar nicht dazu kommt, damit in Mensch nicht sein Leben lang leiden muss. Dazu gibt s viele Vorschläge, auch von der SPD, die wir ausrücklich begrüßen. Neben diesen Vorschlägen möchte ich ein weiteres hema ansprechen, das meines Erachtens häufig zu kurz eleuchtet wird. Oftmals werden Erwachsene zu Tätern, ie selbst Misshandlung oder Missbrauch erfahren haen. on daher ist es ganz wichtig, die Erwachsenen in den lick zu nehmen und diese, wie wir es im Koalitionsverag formuliert haben, stark zu machen. Dazu zählen um Beispiel Verbesserungen bei der psychischen Aufrbeitung von selbst erlebter Misshandlung oder erlebm Missbrauch. Dazu zählt aber auch, zu lernen, wie an mit Kindern gewaltfrei umgeht, wenn man selbst ewalt erfahren hat. Deswegen sind bei der präventiven ufgabe die Elternbildung und das Starkmachen der Elrn meines Erachtens ein sehr wichtiger Punkt. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD]: Ja!)


Frau Rupprecht und Herr Geis haben bereits einige
unkte genannt. Familienhebammen können in der El-
rn-Kind-Beziehung bzw. für die werdenden Eltern eine
ichtige Rolle spielen, weil sie an den Familien nahe
ran sind, weil sie niedrigschwellig in den Familien tätig
erden. Es können vertrauensvolle Beziehungen aufge-
aut werden, die eine Stigmatisierung vermeiden. Denn
der von uns hat manchmal eine Frage; jeder erlebt viel-
icht einmal eine Überforderungssituation. In einer sol-

hen Situation möchte man nicht als jemand stigmati-
iert werden, der mit dem Kind nicht umgehen kann.
eshalb ist eine Familienhebamme, zu der man schon
üh Vertrauen aufbauen kann, eine wichtige Ansprech-
artnerin. Auch die Grünen haben in der vergangenen
egislaturperiode hierzu schon Anträge gestellt.


(Ekin Deligöz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mehrere! – Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr gute!)


Eine weitere wichtige präventive Maßnahme ist die
erbesserung der Zusammenarbeit aller am Aufwachsen
er Kinder Beteiligten. Wir hören von den Jugendämtern

mer wieder, dass viele Angst haben, die Probleme, die
ie mit manchen Fällen haben, mit anderen zu bespre-
hen. Diese Angst müssen wir ihnen nehmen, indem wir
nen sagen, dass wir hinter den Mitarbeiterinnen und
itarbeitern der Jugendämter stehen. Und nicht nur das:
nsere Aufgabe ist es vielmehr auch, in den Ländern da-
r zu sorgen, dass die Jugendämter personell und finan-

iell besser ausgestattet werden. Denn sie wollen ihre
ufgaben erfüllen; aber sie geraten an ihre Grenzen.






(A) )



(B) )


Miriam Gruß
Deswegen müssen wir sie unterstützen. Dazu rufe ich
Sie alle auf, liebe Kolleginnen und Kollegen: Wir dürfen
die Jugendämter nicht im Stich lassen; denn sie sind die-
jenigen, die diese Arbeit hervorragend leisten.


(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Verschiedene Projekte sind schon angesprochen wor-
den. In Augsburg beispielsweise war immer wieder
„Hallo Baby“ ein Thema. Da werden Begrüßungsbriefe
geschrieben, was wir nur anerkennen können. Fast wäre
das aus datenschutzrechtlichen Gründen gescheitert.
Aber auch in Bayern ist jetzt festgestellt worden, dass
dieser Weg durchaus möglich und gangbar ist. Die Poli-
tik – das will ich betonen – steht hinter dieser Möglich-
keit.

Zum Thema Intervention. Auch das ist ein wichtiges
Stichwort; denn wenn es zu spät ist für die Prävention,
muss man einschreiten. Dafür brauchen wir den Staat,
einen starken, handlungsfähigen Staat – hinter dem auch
wir als FDP stehen –, der sich schützend vor die Kinder
stellt.


(Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich dachte, der Staat ist ein Schwächling! Das hat Herr Lindner gesagt! Ein „teurer Schwächling“!)


Natürlich zählt aber nicht nur der Staat; vielmehr zählen
wir alle. Das Stichwort lautet: Hinsehen, nicht wegse-
hen! Das ist ein Anliegen, das durch die Berichterstat-
tung der letzten Jahre in unser aller Köpfe gebrannt
wurde: dass wir alle Zivilcourage zeigen, hinschauen,
aufmerksam sind, beobachten und dann entsprechend
einschreiten und möglicherweise Fälle melden.

Aber beim Einschreiten sind natürlich auch die Ärzte
gefragt. Uns als FDP ist es ganz wichtig, dass einerseits
die Ärzte in einer rechtssicheren Situation sind und an-
dererseits das Verhältnis von Patienten, also Eltern mit
Kindern, zum Arzt nicht durch die Angst belastet wird,
beim Arzt kein Vertrauensverhältnis vorzufinden. Von
daher begrüße ich es, dass die Ministerin gestern mit vie-
len Verbänden gesprochen hat. Der Koalition wird es ein
Anliegen sein, entsprechende Regelungen zu finden, die
beides im Blick haben; dies ist meines Erachtens wich-
tig.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Uns war aber auch wichtig: Wir brauchen Qualitäts-
standards in der Kinder- und Jugendhilfe. Wir brauchen
in regelmäßigen Abständen eine Evaluation in der Kin-
der- und Jugendhilfe, und wir müssen, last, but not least,
die Forschung ausbauen.

Es gibt noch viel zu tun. Wir haben dies nicht nur im
Koalitionsvertrag festgeschrieben, sondern bereits erste
Schritte gemacht. Ich würde mich freuen, wenn wir in
großem Konsens ein neues Kinderschutzgesetz auf den
Weg bringen würden. Ich finde nicht nur den Namen
wunderschön, sondern auch den Inhalt immer besser.
Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.

Vielen Dank.

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(C (D (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie der Abg. Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD])



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701914200

Nächste Rednerin ist die Kollegin Ekin Deligöz für

ie Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701914300

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

h finde es sehr gut, dass wir in dieser Legislatur schon
ehr frühzeitig anfangen, dieses Thema zu bearbeiten;
enn wir alle wissen, es besteht großer Handlungsbedarf.
ir haben in diesem Bereich sehr viel zu regeln. Leider
t die Vorlage des Entwurfs eines Bundeskinderschutz-
esetzes in der letzten Wahlperiode schiefgegangen, weil
as Ministerium nicht in der Lage war, die Bedenken der
achleute mit aufzunehmen. Es ist sehr viel Porzellan
erschlagen worden.


(Zuruf von der CDU/CSU: Das ist aber nicht ganz richtig!)


ir müssen nun das Vertrauen in die politische Hand-
ngsfähigkeit zurückgewinnen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


Dazu gehört, dass wir unser Handeln sehr breit anle-
en. Ich möchte jenseits dessen, was wir grundsätzlich
rauchen, auf das Bundeskinderschutzgesetz eingehen.
ir müssen einen soliden Vorschlag machen. Solide

eißt, dass wir den Mut haben sollten, bereits vorhan-
ene Instrumente zu evaluieren. Ich spreche da ganz be-
onders § 8 a SGB VIII an. Er stellt eine richtige Verbes-
erung im Bereich der Kinderschutzstrukturen dar. Wir
üssen uns die Ergebnisse aber erst einmal anschauen,

evor wir vorschnell daran herumwerkeln.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


enn wir müssen den Menschen Handlungssicherheit in
iesem Bereich geben.

Zur Prävention. All das, Frau Gruß, was Sie dazu ge-
agt haben, wissen wir im Grundsatz bereits. Wir brau-
hen aber auch einmal eine Vorlage zur konkreten Um-
etzung und sollten nicht nur darüber reden. Im Moment
egt dazu leider nicht sehr viel vor.

Ich weiß nicht, ob uns die heutige Debatte weiter-
ringt. Der Antrag, den die SPD vorgelegt hat, beinhaltet
war sehr viele und richtige Punkte, ein paar wesentliche
inge fehlen aber. Diese muss man aufnehmen. Sie be-

iehen sich zum Beispiel auf den 13. Kinder- und Ju-
endbericht. Über diesen Bericht hätten wir eigentlich
chon in der letzten Wahlperiode diskutieren können.
ies haben wir nicht gemacht. Man könnte wahlkampf-
chnische Gründe dahinter vermuten; aber ich will na-
rlich nichts Böses unterstellen. Jetzt ist es aber an der
eit, diesen Bericht vorzulegen, über ihn öffentlich zu
iskutieren und die kritischen Punkte in den Mittelpunkt
u rücken. Man sollte dies alles nicht noch mehr in die
ukunft verschieben. Denn wenn es solche Berichte






(A) )



(B) )


Ekin Deligöz
gibt, dann sollten wir den Anstand haben, uns mit den
Ergebnissen auch dann zu befassen, wenn sie der Regie-
rung oder uns nicht passen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ein weiterer Punkt ist: Sie geben in diesem Antrag
zwar den Sachstand der Fachdiskussion wieder; das ist
gut. Aber entscheidende Fragen bleiben nach wie vor
unbeantwortet. Gerade da besteht Handlungsbedarf. Ein
Beispiel ist die Problematik im Hinblick auf die Schnitt-
stellen der verschiedenen Leistungsebenen. Das zu be-
nennen, ist einfach. Aber in welchem Gesetz könnten
wir dies bearbeiten und welche detaillierten Lösungen
formulieren? Es gibt ein paar Modelle; aber die reichen
bei weitem nicht aus. Die Regierung ist uns letztendlich
einen Gesetzentwurf schuldig. Hier müssen wir dringend
handeln; die Problematik nur zu erkennen, reicht nicht.

Zur Familienbildung. Sie sprechen von verbindlichen
Leistungen. Jetzt müssen wir aber definieren, was ver-
bindliche Leistungen sind. Sollen diese immer noch frei-
willig gewährt werden, oder wollen wir einen Rechtsan-
spruch vorsehen, zum Beispiel in § 16 SGB VIII. Das
wäre eine gute Sache; Rechtsansprüche kosten aber
Geld. Auch das muss man einbeziehen. Man muss klar
Farbe bekennen und darf sich nicht hinter Allgemein-
plätzen verstecken.

Sehr gut ist es, dass die Jugendhilfe angesprochen
wird. Sie benötigt natürlich Ressourcen. Sie braucht
Leute. Es wird mehr Zeit für die Kinder, die Familien
und die Eltern benötigt. Der Ausbau der Kapazitäten ist
notwendig. Das wird natürlich immer schwieriger, wenn
wir den Kommunen den letzten Atem nehmen, über den
sie noch verfügen, um in diesem Bereich überhaupt han-
deln zu können. Wir wissen doch, dass gerade die frei-
willigen Aufgaben, um die es auch bei der Jugendhilfe
geht, in Haushaltssicherungsplänen als Erste gekürzt
werden müssen.


(Dr. Helge Braun [CDU/CSU]: Stimmt doch nicht!)


Wenn Sie den Kommunen wirklich alle Handlungsspiel-
räume nehmen, dann können wir im Bereich der Jugend-
hilfe nicht immer mehr verlangen. Deshalb bin ich an
diesem Punkt ganz stark dafür, dass wir in diesem Be-
reich den Kommunen den Rücken stärken.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


Was den Kitabereich angeht, reicht es nicht aus, nur
über quantitative Aspekte zu reden – das ist wichtig –;
aber wir müssen auf der Bundesebene endlich einmal an-
fangen, auch über Qualität, besonders die Strukturquali-
tät, sowie darüber zu reden, was wir vielleicht im Kin-
der- und Jugendhilfegesetz dazu unternehmen können.
Qualität ist das A und O, wenn es um die frühe Förde-
rung und um besseren Schutz und Stärkung der Kinder
geht.

Zu den Hebammen: Die Grünen haben schon 2006
hierzu einen sehr guten Antrag eingebracht. Wenn Sie
ihn gut finden, dann übernehmen Sie es. Wunderbar, ich

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(C (D eue mich. Hauptsache, es passiert in diesem Bereich etas, und dies ist notwendiger denn je. Natürlich gibt es auch Gesetzeslücken. So müssen twa bei der Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Gesundeitssystem und Behindertenhilfe die gesetzlichen Regengen nachjustiert und geschärft werden. Ich halte es uch immer noch für wichtig, dass wir umdenken. Wir rauchen einen Paradigmenwechsel und müssen die inder in den Mittelpunkt stellen. Dies heißt für mich ach wie vor, Kinderrechte in die Verfassung aufzunehen und eigenständige Rechte für sie zu sichern, damit ir im Bereich des Kinderschutzes selbstbewusst haneln können und uns nicht nur auf unsicherem Terrain ewegen. Dies halte ich für sehr notwendig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


Noch eines zur Regierung: Sie haben bis jetzt noch
icht viel Erhellendes gemacht. Sie machen es immer
inter den verschlossenen Türen und sozusagen geheim.
ringen Sie doch ein bisschen Licht! Warum verstecken
ie sich? Sie haben vielleicht etwas Gutes; dann zeigen
ie es uns. Was Sie aber an Pressemitteilungen herausge-
eben haben, ist bisher nicht gut. Sie wiederholen die
ehler, die Frau von der Leyen gemacht hat: die Infor-
ationsweitergabe von Berufsgeheimnisträgern zu the-
atisieren und eine anständige Evaluation zu § 8 a
GB VIII überhaupt nicht anzusprechen. Das ist ein
ehler. Frau von der Leyen ist genau an diesen Punkten
escheitert.


(Lachen bei der CDU/CSU)


enn Sie nicht scheitern wollen, dann distanzieren Sie
ich von Ihrer eigenen Presseerklärung. Das ist der fal-
che Weg. Ich teile hier die Einschätzung der Praktiker
nd der Fachleute. Diese Ideen sind nutzlos und kontra-
roduktiv. Bitte vermeiden Sie dies!


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701914400

Das Wort hat nun die Kollegin Katharina Landgraf für

ie CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Katharina Landgraf (CDU):
Rede ID: ID1701914500

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der An-

ag der SPD ruft in mir widersprüchliche Gefühle her-
or. Es geht um ein Thema, das mir sehr am Herzen
egt. Aber er macht mich wütend und traurig zugleich.
arum? Wir wollen alle mehr Schutz für die Kinder:
ehr Schutz vor Misshandlung und Vernachlässigung.
ieses Ziel hätten wir im vorigen Jahr schon fast er-
icht. Aber auf der Zielgerade haben Sie, meine Damen

nd Herren von der SPD, uns alle ausgebremst.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


iese Verschleppung zulasten der Kinder war und ist un-
erantwortlich. Das müssen Sie sich zu Recht vorwerfen
ssen.






(A) )



(B) )


Katharina Landgraf
Dass Sie hier und heute diesen Antrag stellen, der
viele Regelungen des von Ihnen boykottierten Kinder-
schutzgesetzes von damals enthält, ist der Gipfel. Dies
könnte man auch als Scheinheiligkeit pur bezeichnen.
Aus meinem christlichen Verständnis vermute ich aber,
zumal ich Sie sehr schätze, Frau Rupprecht, dass es sich
um späte Reue und Einsicht handelt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Sie dürfen nicht die Unwahrheit sagen!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701914600

Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der

Kollegin Rupprecht?


Katharina Landgraf (CDU):
Rede ID: ID1701914700

Ja.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701914800

Bitte, Frau Rupprecht.


Marlene Rupprecht (SPD):
Rede ID: ID1701914900

Frau Kollegin Landgraf, in der gestrigen Anhörung

des Ministeriums ist deutlich geworden, dass alle aufge-
atmet haben, dass wir keinen Schnellschuss gemacht
hatten, weil in dem Entwurf zum Kinderschutzgesetz im
Sommer Intervention und Repression die wesentlichen
Elemente waren. Mittels eines Antrags haben wir ver-
sucht, noch andere Elemente nachzuschieben; dies ist
aber gescheitert. Es gebietet der Respekt voreinander,
dies zu erkennen. Wir waren der Auffassung, dass es
besser ist, etwas nicht zu machen, bevor man es falsch
macht. Für mich ist wirklich die Frage, ob Sie den Ge-
setzentwurf gut gekannt haben, der im Sommer vorlag.
Wenn man ihn und alle Bemühungen, an denen ich
auch beteiligt war, gut gekannt hat, kann man ihn so
nicht als – –


(Zuruf von der CDU/CSU: Fragen, nicht Erklärungen abgeben!)


– Ich habe gefragt, ob sie ihn gekannt hat.


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Man muss nicht fragen!)


– Ich weiß, ich kann eine Erklärung abgeben; das weiß
ich alles. Trotzdem wäre es mir wichtig, wenn das noch
einmal deutlich wird. Gestern wurde in der Anhörung
des Ministeriums deutlich klar: Es ist gut. Heute hat mir
jemand gesagt: Sie haben darauf angestoßen, dass es
nicht durchgejagt wurde. Der neue Staatssekretär, Herr
Hecken, hat in der Anhörung gesagt, es ist gut, dass wir
jetzt neu starten können und dass wir all das, was nicht
gemacht wurde, einarbeiten können. Ich glaube, das soll-
ten wir alle zur Kenntnis nehmen.


Katharina Landgraf (CDU):
Rede ID: ID1701915000

Frau Kollegin Rupprecht, Sie wissen, dass ich Sie

schätze. Wir verstehen uns gut. In einigen Fragen bin ich
aber anderer Meinung. Ich hätte es besser gefunden,
wenn wir es gleich verabschiedet hätten; denn die Zeit

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(C (D ilt, und wir müssen uns zum Schutz vor weiterer Verachlässigung endlich auf eine Linie einigen und Geetze verabschieden. Die Themen, die gestern besprohen wurden, kann man nachbessern. Es war von § 8 a GB VIII die Rede gewesen, der sowieso evaluiert wird. (Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD]: Das ist der neue Ansatz!)


Genau. Das kommt jetzt dazu. Ich sehe ein, dass das
ut so ist.


(Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD]: Das sehe ich auch so!)


ber dass wir es nicht geschafft haben, ärgert mich wirk-
ch. Ich denke, jetzt müssen wir wirklich ran.


(Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD]: Nach vorne gucken!)


as will ich in meinen Ausführungen gleich darlegen.

In diversen Details bestätigen Sie unseren alten Ge-
etzentwurf für einen wirksameren Kinderschutz. Zum
eispiel fordern Sie uns auf, die Regelung des § 86 c
GB VIII – hierbei geht es um das sogenannte Jugend-
mt-Hopping bei Wohnortwechsel – zu überarbeiten.
arüber hat schon der Herr Kollege Geis gesprochen.

Die Forderung nach Kinderrechten im Grundgesetz
t meiner Meinung nach nicht schädlich, aber auch nicht
irklich hilfreich. Es ist eine symbolträchtige Veranke-
ng der Rechte, die den Kindern ohnehin schon nach

er Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu-
tehen. Das stellen Sie in Ihrem Antrag übrigens auch
st. Welchem Kind hilft es, wenn im Grundgesetz seine
echte verankert sind, aber die Eltern nicht danach han-
eln? Was wirklich hilft, sind klare bundesgesetzliche
egelungen, wie wir sie mit einem neuen Kinderschutz-
esetz schaffen werden. In erster Linie helfen starke und
ündige Eltern.

Vieles in Ihrem Antrag ist richtig, was sicher daran
egt, dass es schon in unserem Entwurf eines Kinder-
chutzgesetzes aus der letzten Wahlperiode stammt.
och es ist auch die reinste Polemik darin zu finden:
ass Sie beispielsweise das Wachstumsbeschleuni-
ungsgesetz als Initiative bezeichnen, welche den wirk-
amen Kinderschutz konterkariert, entbehrt jeglicher Lo-
ik.

Die Forderung der Bundesregierung, gemeinsam mit
en Ländern den Ausbau der Kinderbetreuung für unter
reijährige voranzubringen, kann getrost als obsolet be-

eichnet werden. Genau dies ist bereits in vollem Gange.
lles, was darüber hinausgeht, ist Ländersache. Die
auptsache ist, dass wir unser Ziel, bis 2013 für 35 Pro-

ent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz zur
erfügung zu stellen, erreichen.

Nach der Anhörung zum Kinderschutzgesetz vom
ai 2009 hatten wir einige Regelungen im Gesetzent-
urf im Sinne der Experten verändert, Frau Rupprecht.
elbst mit diesen Änderungen konnte die SPD nicht le-
en. Wir stehen nach wie vor dazu. Darum erläutere ich
tzt, was in Ihrem Antrag alles fehlt und was wir im






(A) )



(B) )


Katharina Landgraf
Kinderschutzgesetz beschließen werden. Es besteht nun
aus zwei Säulen: Prävention und Intervention.

Ich werde zwei Punkte aus dem Bereich der Präven-
tion hervorheben, die ich für besonders wichtig erachte.
In Zukunft soll für alle Personen, die sich mit Kindern
und Jugendlichen beschäftigen, die Vorlage eines erwei-
terten Führungszeugnisses erforderlich sein. Dieses listet
– anders als das einfache Führungszeugnis – auch ein-
schlägige Straftaten im Bagatellbereich auf. Außerdem
werden wir die Rechtsgrundlagen für Hebammen und
Familienhebammen verbessern. Damit schaffen wir
niedrigschwellige und frühe Hilfen für Familien. Dazu
gehört natürlich auch der Hausbesuch, bei dem vor allem
das Kind selbst, aber auch seine persönliche Umgebung
in Augenschein genommen werden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Im Bereich der Intervention muss vor allem Rechts-
sicherheit für Ärzte und andere Berufsgeheimnisträger
hinsichtlich der Weitergabe von Informationen geschaf-
fen werden. Dies haben uns auch die Experten bei der
damaligen Anhörung zum Kinderschutzgesetz bestätigt.
Die Lösung ist eine bundeseinheitliche Norm. Eine sol-
che ist für die wirksame Vernetzung unerlässlich. Das
sehen sowohl Ärzte als auch Kriminalbeamte so.

Daher kam es vor einigen Jahren in Duisburg zur
Gründung der Datenbank „Riskid“, der „Risikokinder-
Informationsdatei“. Das ist ein Portal, auf das nur Ärzte
zugreifen können, um Informationen über Verdachtsfälle
von Kindesmisshandlung auszutauschen. Durch Eingabe
der Personalien kann ein Arzt erfahren, ob ein Kind
schon einmal bei Kollegen vorstellig geworden ist oder
ob Vorsorgeuntersuchungen eingehalten wurden. So
kann man das sogenannte Doktor-Hopping stoppen und
Leben retten. Allerdings ist „Riskid“ mit derzeit gelten-
dem Recht nicht vereinbar. Gerade las ich einen sehr
treffenden Satz in der Zeitschrift Der Kriminalist vom
Bund Deutscher Kriminalbeamter:

Ärzte dürfen sich zwar bei einem Verdacht auf
Schweinegrippe austauschen, bei einem Verdacht
auf Kindeswohlgefährdung gilt das aber nicht.

Das müssen wir unbedingt ändern.

Zusätzlich müssen die Ärzte beispielsweise durch
Fortbildungen noch stärker für Anzeichen von Miss-
handlungen sensibilisiert werden. Erst gestern fand im
Ministerium ein breit angelegtes Fachgespräch – wir
sprachen schon davon – mit gut 50 Kinderschutzexper-
ten aus Ländern, Kommunen und von Fachorganisatio-
nen zum Kinderschutzgesetz statt. Das Konzept, das von
uns und dem Ministerium vorgelegt wurde, fand eine
breite Unterstützung. Die Fachwelt wurde also wirklich
einbezogen. Es wurde auch über Schnittstellen der ein-
zelnen Ebenen gesprochen. Wir werden jetzt dafür sor-
gen, dass es bald, ohne weitere Verzögerungen zum Ab-
schluss dieses längst überfälligen Gesetzes kommt. Das
sind wir unseren Kindern schuldig.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


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(C (D Nächste Rednerin ist die Kollegen Petra Crone für die PD-Fraktion. Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kol gen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Kinderschutz irksam verbessern“, das klingt nicht nur wie eine elbstverständlichkeit. Alle Redner und Rednerinnen ier und heute haben versichert: Kinderschutz ist ihnen ichtig, wichtig, wichtig. Doch auf dem Weg zu einem ptimalen Kinderschutz zeigen sich die Unterschiede; err Geis, auch Sie haben die festgestellt. Für die SPD heißt Kinderschutz vorrangig Prävenon. rävention sollte so früh wie möglich beginnen; denn rävention bedeutet Erziehung zur Eigenverantworng. In Kindern stecken vielfältige Begabungen und otenziale. Die können sie aber nur entfalten, wenn sie üh und individuell gefördert werden; denn Entwickng ist umweltabhängig. Eltern wollen das Beste für ihre Kinder geben. Aber ie Anforderungen an sie steigen ständig. Gleichzeitig aben sich die Familienstrukturen verändert. Sie bieten vielen Fällen kein Hilfsnetz mehr nach dem Motto: ie Oma für den guten Rat zur richtigen Zeit. Alle Elrn – das ist unabhängig vom Verdienst – können in ine Situation rutschen, die ihnen ausweglos erscheint. ber gerade Eltern, die in besonders riskanten Verhältissen leben, sind auf Hilfe angewiesen. Schon seit dem 30. April 2009 liegt dem Bundesmiisterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der 3. Kinderund Jugendbericht vor. Leider wurde er im lenum immer noch nicht behandelt. Weder Frau von er Leyen noch Frau Köhler haben ihn bisher offen deattieren lassen. Warum nicht? Etwa weil darin der Präention ein höherer Stellenwert zukommt, als es CDU nd CSU gern hätten? (Dr. Martina Krogmann [CDU/CSU]: Nein! Wir wollen auch Prävention!)

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701915100

(Beifall bei der SPD)

Petra Crone (SPD):
Rede ID: ID1701915200

(Beifall bei der SPD)


der weil es Geld kostet, eine vernünftige und wirksame
frastruktur aufzubauen? Die Experten fordern in die-

em Bericht eine bessere Verzahnung von Akteuren der
inder- und Jugendhilfe, ohne die gesamte Verantwor-
ng für die Jugendförderung an diese abzugeben.


(Beifall bei der SPD)


Die SPD stützt diese Forderung. Wir gehen sogar da-
ber hinaus: Wir fordern ein spezielles Präventionsge-

etz.


(Beifall bei der SPD)


ir brauchen eine Netzwerkbildung, eine Präventions-
ette „frühe Kindheit“, die schon mit dem Einsatz von
ebammen beginnt. Sie können sich bereits frühzeitig
m die Gesundheit des Kindes im Mutterleib kümmern






(A) )



(B) )


Petra Crone
und auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von
Mutter und Kind Einfluss nehmen – und dies flächende-
ckend.

Damit wird ein Vertrauensverhältnis zu jungen Eltern
aufgebaut, um die Schwelle bei der Suche nach Hilfe
und Unterstützung so niedrig wie möglich zu halten. Da-
rum haben wir – genauso wie Experten und Verbände –
den gesetzlich verpflichtenden Hausbesuch abgelehnt,
Frau Landgraf,


(Katharina Landgraf [CDU/CSU]: Er ist nicht so schlimm!)


den Frau von der Leyen vorgeschlagen hat. Wir lehnen
ihn auch heute noch ab, weil er Vertrauen zerstören kann
und damit kontraproduktiv ist.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Katharina Landgraf [CDU/ CSU]: Was ist denn das für ein Vertrauen?)


In einigen Städten und Gemeinden gibt es schon jetzt
vorbildliche Strukturen; das ist eben angesprochen wor-
den. Ich aus Nordrhein-Westfalen kenne zum Beispiel
das Dormagener Modell. Dort wurde ein sinnvolles Prä-
ventionsnetzwerk geschaffen; denn zu schützen sind alle
Kinder vom Baby bis zum Jugendlichen.

Meine lieben Kollegen und Kolleginnen von der Ko-
alition, ich habe schon eine Idee, wie das finanziert wer-
den kann. Werfen Sie den Plan für das Betreuungsgeld
auf den Müllhaufen der Geschichte; da gehört er hin,
denn er ist rückwärtsgewandt.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf CDU/CSU: Was hat das mit Prävention zu tun?)


Nehmen Sie die Milliarden in die Hand und stecken Sie
sie in Kinderschutz und Kindertagesstätten. Ich habe
noch eine zweite Idee: Machen Sie das Schuldenbe-
schleunigungsgesetz rückgängig, das die Kommunen fi-
nanziell ausblutet.


(Beifall bei der SPD und der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Dann bleiben sie in der Lage, ein Netzwerk von Gesund-
heitshilfe, Bildungswesen und Jugendhilfe aufzubauen.

Die Investition in den Kinderschutz rechnet sich spä-
testens dann, wenn weniger Kinder in Heimen unterge-
bracht werden müssen, wenn weniger Geld für die reak-
tive Gesundheitspflege ausgegeben werden muss. Um es
deutlich zu sagen: Es geht nicht um freiwillige Leistun-
gen, sondern um den ganz elementaren Schutz vor Ge-
walt und Vernachlässigung sowie um das jedem Kind
zustehende Recht auf die Entwicklung und Entfaltung
seiner Persönlichkeit. Darum muss das Kinderrecht ins
Grundgesetz. Denn im Grundgesetz steht das, was uns in
der Gesellschaft wichtig ist.


(Beifall bei der SPD)


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(C (D Frau Kollegin Crone, auch für Sie war dies die erste ede im Deutschen Bundestag. Ich gratuliere auch Ihnen ehr herzlich und wünsche Ihnen für die weitere Arbeit lles Gute. Letzter Redner in dieser Debatte ist nun der Kollege ckhard Pols für die CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701915300

(Beifall)



Eckhard Pols (CDU):
Rede ID: ID1701915400

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Zu-

unft von Kindern ist unsere Verantwortung. Ihr Wohl-
rgehen ist unsere Pflicht. Kinder benötigen unseren
chutz, da sie sich als schwächste Glieder unserer Ge-
ellschaft nicht selbst schützen können: Schutz vor Ver-
achlässigung und vor jeglicher Form körperlicher, see-
scher und sexueller Gewalt. Den Kinderschutz in
eutschland haben wir in den letzten Jahren bereits
eutlich verbessert, zum Beispiel durch das Gesetz zur
eiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe im Jahre

005.

Die SPD hat jedoch zum Ende der vergangenen Le-
islaturperiode – sicherlich auch aus wahltaktischen
ründen – ein dringend benötigtes Kinderschutzgesetz
lockiert, auf das sich sogar die Ministerpräsidenten der
undesländer parteiübergreifend geeinigt hatten und
ber das auf Grundlage eines Entwurfes des Familienmi-
isteriums verhandelt worden war. Dies geschah nach
em Motto: Gönnen wir der damaligen Bundesfamilien-
inisterin Dr. Ursula von der Leyen nicht noch einen
eiteren Erfolg in Sachen Familien- und Kinderpolitik,
achdem sie dieses Feld aus dem Schattendasein geholt
at, das es bei Rot-Grün fristete.


(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh!)


Nun will die SPD mit ihrem Antrag zur Verbesserung
es Kinderschutzes Versäumtes wiedergutmachen. Diese
insicht ist durchaus lobenswert, Frau Rupprecht,
ommt aber reichlich spät, da die Blockade uns wichtige
onate zulasten betroffener Kinder gekostet hat.


(Beifall bei der CDU/CSU – Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD]: Ich schiebe es darauf, dass Sie neu sind!)


Die Ansätze in dem Antrag der SPD sind wenig ziel-
hrend: Da wird auf einer grundgesetzlichen Veranke-
ng von Kinderrechten bestanden, die unnötig ist. Wir

on der Union sind der Meinung, dass die im Grundge-
etz bereits verankerten Kinderrechte ausreichend sind.
ie müssen nur mit Leben erfüllt werden, sprich: Es
uss endlich ein Gesetz zum Schutz von Kindern verab-

chiedet werden.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Marlene Rupprecht [Tuchenbach] [SPD]: Das eine tun und das andere nicht lassen!)







(A) )



(B) )


Eckhard Pols
Dies ist im Übrigen auch die Auffassung vieler Exper-
ten.

Ich möchte aus Art. 6 des Grundgesetzes zitieren – in
diesem Artikel geht es um Familien und Kinder –:

Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürli-
che Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen ob-
liegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die
staatliche Gemeinschaft.

Jetzt kommt das Wichtigste:

Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dür-
fen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der
Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsbe-
rechtigten versagen oder wenn die Kinder aus ande-
ren Gründen zu verwahrlosen drohen.

Durch eine Änderung des Grundgesetzes würden fal-
sche Hoffnungen geweckt. Durch eine Änderung oder
Ergänzung des Grundgesetzes lässt sich der Kinder-
schutz nicht verbessern.

Notwendig ist vielmehr ein umfassendes Kinder-
schutzgesetz, das auf zwei Säulen beruht. Diese beiden
Säulen sind – Frau Landgraf hat das schon gesagt – Prä-
vention und Intervention.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Prävention heißt: Vorbeugung und Früherkennung.
Ein funktionierendes soziales Frühwarnsystem von Risi-
kofrüherkennung bis hin zu wirksamen Hilfen ist Vo-
raussetzung für die Prävention von Kindervernachlässi-
gung und Kindesmisshandlung. Der Kinderschutz kann
sicherlich nicht allein durch ein Gesetz oder durch Ein-
führung einer zusätzlichen Früherkennungsuntersuchung
verbessert werden. Vielmehr braucht es ein ganzes Netz
von Hilfen, die frühzeitig ansetzen müssen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Vor der Geburt des Kindes, aber auch danach müssen
wir den Eltern Hilfestellung geben: durch Entwicklungs-
begleitung, durch Beratung über Pflege und Erziehung
von Kindern und durch Frühförderung. Nur so können
wir den Schutz- und Entwicklungsbedürfnissen des Kin-
des gerecht werden und die vorrangige elterliche Erzie-
hungsverantwortung und -kompetenz stärken.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Der präventive Ansatz umfasst aber auch die gezielte
Unterstützung von Eltern in belastenden Lebenssituatio-
nen, die spezifische Risiken für Kinder bergen können.
Welches sind die wirksamsten Zugangswege zu risiko-
belasteten Eltern? Und sind die Hilfen, die angeboten
werden, die richtigen? In unterschiedlichen Modellpro-
jekten im Rahmen des Aktionsprogramms „Frühe Hilfen
für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ be-
schäftigen sich die Kommunen derzeit mit diesen Fra-
gen, die insbesondere die Phasen der Schwangerschaft,
der Geburt und des frühen Säuglingsalters betreffen. Er-
forderlich ist ebenfalls eine enge, verlässliche Vernet-
zung und Zusammenarbeit von Behörden, Diensten und

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(C (D inrichtungen wie Kinderärzten, Hebammen, Geburtsliniken, Kinderund Jugendhilfe, aber auch Schwanerschaftsberatung, Frauenhäuser, Polizei und Gerichte. ies ist eine zentrale Voraussetzung, um Entscheidungen ualifiziert treffen zu können. Auch hier sind noch Fragen offen: Welche Rahmenedingungen brauchen wir, damit diese Netzwerke funkonieren? Was ist förderlich bzw. hinderlich bei der Koperation zwischen der Kinderund Jugendhilfe und em Gesundheitssystem, und wo gibt es Lücken in der ilfestruktur? Im Bereich der Intervention werden wir uns zur Erhöung der Rechtssicherheit und zum Schutze unserer Kiner für klare bundeseinheitliche Regelungen einsetzen nd für die Weitergabe von Informationen an das Juendamt im Falle von Gefährdungen des Kindeswohls. Ich freue mich daher ganz besonders, dass unsere Failienministerin, Frau Dr. Kristina Köhler, das Kinder chutzgesetz ganz oben auf ihre Agenda gesetzt hat. Meine Damen und Herren, im Interesse eines aktiven nd wirksamen Kinderschutzes wünsche ich mir, dass ir trotz aller unterschiedlichen Ansichten, die hier ge ußert wurden, gute, konstruktive und zielführende Areit leisten, damit dieses so wichtige Thema nicht in die ühlen von Halbherzigkeiten gerät. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


um Wohle unserer Kinder fordere ich Sie alle zur prak-
schen Mitarbeit auf. Ich hoffe, dass wir dieses wichtige
orhaben bald erfolgreich zum Abschluss bringen wer-
en.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701915500

Herr Kollege Pols, auch Ihnen gratuliere ich zu Ihrer

rsten Rede sehr herzlich. Ich wünsche Ihnen in Ihrer
eiteren Arbeit viel Freude und Erfolg.


(Beifall)


Damit schließe ich die Aussprache.

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
rucksache 17/498 an die in der Tagesordnung aufge-
hrten Ausschüsse vorgeschlagen. – Ich sehe, Sie sind

amit einverstanden. Dann ist die Überweisung so be-
chlossen.

Ich rufe nun die Tagesordnungspunkte 9 a bis 9 c auf:

a) Beratung des Antrags der Abgeordneten Renate
Künast, Bärbel Höhn, Dr. Hermann Ott, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN

Regierungs- und Parlamentshandeln konse-
quent am 40-Prozent-Klimaziel ausrichten

– Drucksache 17/446 –






(A) )



(B) )


Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt
b) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Dr. Hermann Ott, Bärbel Höhn, Hans-Josef Fell,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN

Klimaschutzgesetz vorlegen – Klimaziele ver-
bindlich festschreiben

– Drucksache 17/132 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (f)

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung Haushaltsausschuss

c) Beratung des Antrags der Fraktion der SPD

Die richtigen Lehren aus Kopenhagen ziehen

– Drucksache 17/522 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (f)

Auswärtiger Ausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Haushaltsausschuss

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen. – Ich sehe,
dass Sie auch damit einverstanden sind. Dann können
wir so verfahren.

Ich eröffne die Aussprache und erteile als erster Red-
nerin das Wort der Kollegin Bärbel Höhn für die Frak-
tion Bündnis 90/Die Grünen.


Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701915600

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Klimakonferenz von Kopenhagen ist gescheitert.
Nun kommt es auf uns an. Die Welt braucht jetzt Vorrei-
ter im Klimaschutz. Und Deutschland braucht die Wirt-
schaftskraft und die Arbeitsplätze, die eine solche Vor-
reiterrolle mit sich bringt.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Frank Schwabe [SPD])


Das heißt, die Konsequenz aus dem Scheitern von Ko-
penhagen kann nicht die Abschwächung der deutschen
Klimaziele sein; denn das würde letzten Endes den Kli-
maschutz untergraben und der Zukunftsfähigkeit unserer
Wirtschaft schaden.

Wir haben es im Automobilbereich gesehen: Wenn
man die Trends verschläft, gefährdet man die Arbeits-
plätze. Das soll uns beim Klimaschutz nicht passieren.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


Deshalb habe ich mit großer Sorge gehört, wie die Bun-
deskanzlerin letzte Woche in ihrer Regierungserklärung
das deutsche Klimaziel für 2020 infrage gestellt hat. Das

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(C (D iel ist, die deutschen Treibhausgasemissionen bis 2020 m 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Dazu hat die anzlerin in ihrer Regierungserklärung von diesem Pult us gesagt: Was ich nicht zulassen werde …, ist, dass wir von 30 auf 40 Prozent gehen, andere ihre Position nicht verändern und wir anschließend etwas versprechen sollen, was wir zum Schluss realistischerweise nicht halten können. as klingt für mich wie eine Relativierung des 40-Proent-Ziels. Wenn es nicht so gemeint ist, liebe CDU/ SU, können Sie heute mit einer Zustimmung zu unsem Antrag deutlich machen, dass Sie das Ziel der Re uktion um 40 Prozent weiterhin verfolgen wollen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Wir dürfen beim Klimaschutz nicht zurückweichen,
ondern müssen vorangehen. Deshalb schlagen wir im
weiten Antrag, den wir jetzt zur Abstimmung stellen,
in Klimaschutzgesetz vor. Wir wollen ein Klimaschutz-
esetz, weil wir damit Klimaziele verbindlich festschrei-
en und präzisieren sowie ihre Erreichung regelmäßig
berprüfen können. Andere Länder haben es vorge-
acht: Zum Beispiel hat Großbritannien 2008 ein sol-

hes Gesetz eingeführt. Brasilien hat nach der Konferenz
Kopenhagen gesagt: Wir zeigen es der Welt; wir sind

uverlässig und setzen ein Klimaschutzziel fest. Anfang
ieses Jahres ist ein entsprechendes Gesetz in Brasilien
Kraft getreten.

Es wäre ein tolles Signal, wenn wir im Bundestag sa-
en würden: Das machen wir auch.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


h spreche die Kollegen Göppel und Jung an, mit denen
ir viele gute Sachen auf den Weg gebracht haben: Es
äre eine gute Sache, das fraktionsübergreifend hinzu-
ekommen. Wir bieten Ihnen hier die Zusammenarbeit
n.

Ein Klimaschutzgesetz kann viel leisten. Bislang ist
s so: Es gibt Klimaschutzziele; aber sie sind nicht mehr
ls politische Versprechungen. Wir wollen eine größere
erbindlichkeit der Klimaschutzziele erreichen: eine
onkrete Klimaschutzstrategie, Zwischenziele, Sektor-
iele – etwa in den Bereichen Verkehr und Landwirt-
chaft – sowie mehr Transparenz und Kontrolle. Jedes
ahr muss geklärt werden: Sind wir auf einem guten
eg? Wir können nicht heute hier Versprechungen ma-

hen, von denen wir wissen, dass sie bis 2020 gar nicht
ingehalten werden.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)


Eines kann ein Klimaschutzziel nicht: Es kann wirk-
ame Klimaschutzmaßnahmen nicht ersetzen. Da herrscht
ei der Regierung leider völlige Fehlanzeige. Herr Mi-






(A) )



(B) )


Bärbel Höhn
nister Röttgen redet viel und schön über den Klima-
schutz; aber er tut das Gegenteil bzw. gar nichts:


(Zuruf von der FDP: Blödsinn!)


kein Effizienzgesetz, keine Energiesparfonds, kein Tem-
polimit. Stattdessen unterstützt der Minister neue, klima-
schädliche Kohlekraftwerke und den Ausbau von Flug-
häfen. Das ist das Gegenteil von Klimaschutz.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Minister Röttgen möchte den erneuerbaren Energien
die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken
als Bremsklotz entgegenstellen. Das ist keine Brücke,
das ist ein Bremsklotz, eine Mauer, gegen die Sie die er-
neuerbaren Energien fahren.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Mit der überzogenen Kürzung der Solarförderung
droht Minister Röttgen ganze Branchen zu ruinieren, wie
das die letzte Koalition zum Beispiel mit den Biokraft-
stoffen ja auch schon gemacht hat. Wir brauchen mehr
Klimaschutz, und wir brauchen in diesem Bereich mehr
Arbeitsplätze in Deutschland.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Wenn man weiter so wie die jetzige Bundesregierung
vorgeht, dann ist Deutschland nicht Vorreiter im Klima-
schutz; denn als Vorreiter im Klimaschutz brauchen wir
beides: ehrgeizige Ziele und konsequentes Handeln. Das
wollen wir erreichen – auch mit diesem Antrag.

Wir bitten Sie um gute Beratungen im Ausschuss
nach der Überweisung und darum, dass wir gemeinsam
ein solches Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen.

Vielen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701915700

Nächster Redner ist der Kollege Andreas Jung für die

CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Andreas Jung (CDU):
Rede ID: ID1701915800

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich erinnere mich an die Debatte vor dieser Konferenz
von Kopenhagen.


(Ulrich Kelber [SPD]: Ja!)


Bei dieser Debatte haben wir einvernehmlich gesagt:
Dieser Gipfel von Kopenhagen darf nicht scheitern.

Heute stellen wir ebenfalls gemeinsam fest: Es ist
zwar ein kleiner Schritt erreicht worden, aber das, was
wir uns erhofft und wofür wir, die Bundesregierung und

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(C (D uch die Europäische Union gekämpft haben, ist nicht rreicht worden. Davon sind wir weit entfernt. Ich laube, deshalb ist es normal, dass sich bei denen, die abei waren, und bei denen, die diesen Prozess beobacht haben, Ernüchterung und Enttäuschung breitmachen. (Ulrich Kelber [SPD]: Nachdenklichkeit wäre auch nicht schlecht!)


enn man die Konsequenzen zu ziehen hat, dann muss
an aber auch die Frage beantworten, woran dieser Gip-
l gescheitert ist.


(Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, das fragen wir!)


Zunächst ist hier die USA zu nennen. Auch wir alle
emeinsam hatten große Hoffnungen in Präsident
bama und in die von ihm angekündigte neue Politik
esetzt, die er bei diesem Gipfel zumindestens noch
icht erfüllen konnte. Die Angebote, die die USA vorge-
gt haben, kamen spät und waren unzureichend.

Es ist die Volksrepublik China zu nennen, die sich ge-
en die Vereinbarung verbindlicher und nachprüfbarer
limaschutzziele gewehrt hat. Nach unserem Eindruck
at sie sich sogar mehr als bei vergangenen Gipfeln da-
egen gewehrt. Sie hat gesagt: Wir, China, und die ande-
n armen Länder müssen außen vor bleiben. Wir armen
änder dürfen nicht belastet werden.


(Zuruf von der CDU/CSU: So war es! – Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt ja gar nicht!)


Das alles hat dazu geführt, dass die Verhandlungen
uf diesem Gipfel nicht nur schwierig waren, sondern
ass die entscheidenden Ziele am Ende nicht erreicht
urden.

Es ist auch eine chaotische Organisation zu nennen,
urch die vieles erschwert wurde.

Zu nennen ist sicherlich auch eine undiplomatische
oderation der dänischen Präsidentschaft, durch die

ieles noch mehr erschwert wurde.

Schließlich ist auch die eine oder andere Blockade zu
ennen. Für die Motivation, solche Blockaden zu errich-
n, kann man zumindest teilweise Verständnis haben,
Ergebnis haben sie aber dazu geführt, dass wertvolle

eit verloren wurde.


(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber was machen wir hier? Darum geht es heute!)


Ich will gar nicht bestreiten, dass ein solcher Gipfel
uch Anlass sein kann, die eigene Strategie zu überden-
en, aber zunächst einmal will ich festhalten: Geschei-
rt ist dieser Gipfel an anderen, gescheitert ist er nicht

n der EU und nicht an der Bundesrepublik, die mit der
undeskanzlerin und mit dem Bundesumweltminister
länzend verhandelt hat.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt kommen Sie endlich einmal zur Sache!)







(A) )



(B) )


Andreas Jung (Konstanz)

Der Umweltminister hat in der Haushaltsdebatte als
Konsequenz aus diesem Gipfel gesagt, dass die Parole
jetzt heißen muss: Jetzt erst recht! Was heißt dieses
„Jetzt erst recht“?

Für mich heißt das zum einen, dass wir feststellen
müssen, dass zwar ein Klimagipfel, aber eben nicht der
Klimaschutzprozess gescheitert ist und dass es deshalb
nach wie vor keine Alternative zu dem Klimaschutzpro-
zess unter dem Dach der Vereinten Nationen gibt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Zum anderen: Wenn man dann fragt, was mit der ei-
genen Strategie ist und ob wir genauso weitermachen
wollen wie zuvor, dann muss die Botschaft „Jetzt erst
recht“ heißen, dass wir als Bundesrepublik und als Euro-
päische Union unsere Vorreiterrolle ausbauen. Wir als
Bundesrepublik bekennen uns dazu. Minister Röttgen
hat ganz eindeutig klargestellt, dass es keine Relativie-
rung des unkonditionierten 40-Prozent-Ziels der Bun-
desrepublik Deutschland gibt.

Ich persönlich bin der Meinung, dass unsere Bot-
schaft an die EU sein sollte, dass auch sie ihr 30-Pro-
zent-Ziel unkonditioniert erklärt und damit das nachvoll-
zieht, was wir in Deutschland schon gemacht haben.
Damit könnten wir gemeinsam deutlich machen, dass es
jetzt darauf ankommt, dass diejenigen, die den Erfolg
wollen, schneller vorangehen und zeigen, dass Klima-
schutz und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehören
und dass unkonditionierte Ziele deshalb keine Bedro-
hung, sondern gerade auch für Arbeitsplätze und Wirt-
schaft eine Chance sind.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701915900

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des

Kollegen Kelber?


Andreas Jung (CDU):
Rede ID: ID1701916000

Wie immer sehr gerne.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701916100

Bitte.


Ulrich Kelber (SPD):
Rede ID: ID1701916200

Danke schön. Es beruht ja auch auf Gegenseitigkeit,

Zwischenfragen zuzulassen.

Ich habe mich sehr über die von Ihnen geäußerte per-
sönliche Meinung zum unkonditionierten 30-Prozent-
Ziel gefreut. Teilen Sie auch meine Einschätzung, die die
internationalen und nationalen Nichtregierungsorganisa-
tionen in Kopenhagen vorgetragen haben, dass es die
letzte Chance der Europäischen Union gewesen ist, im
weiteren Prozess aus der konditionierten Klimaschutzzu-
sage – die Bedingung ist, dass andere mitmachen – eine
unkonditionierte Klimaschutzzusage zu machen?

Wissen Sie, dass es die Bundeskanzlerin war, die an-
ders als der französische Staatspräsident, der britische
Premierminister und die Vertreter der skandinavischen
Staaten in Kopenhagen dagegen gestimmt hat? Wissen

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(C (D ie, dass in dieser Woche auch der deutsche Vertreter in rüssel erneut gegen ein unkonditioniertes Klimaschutziel gestimmt hat? Würden Sie uns darin unterstützen, as zu ändern? Herr Kollege Kelber, erstens glaube ich, dass ich ein eutig meine Auffassung klargemacht habe, die wohl uch geteilt wird, dass dieser Gipfel nicht an der Bunesrepublik Deutschland oder der EU und auch nicht dan gescheitert ist, ob die EU konditionierte oder unkon itionierte Angebote gemacht hat. Ich glaube, da gibt es ein Vertun. Zweitens teile ich ausdrücklich nicht die Auffassung, ass Kopenhagen oder bestimmte Angebote in Kopenhaen die letzte Chance gewesen sind. Das würde nämlich der Konsequenz bedeuten, dass wir jetzt keine Chance ehr haben und die Flinte ins Korn werfen könnten. Das t ausdrücklich nicht meine Auffassung. Ich glaube, dass wir jetzt erst recht die Chance ergrein und uns daranmachen müssen, in Deutschland und in er Europäischen Union mit klaren Zielen und Maßnahen voranzugehen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Sie haben die Frage gar nicht beantwortet! – Ulrich Kelber [SPD]: Zu Frau Merkel sagen Sie nichts mehr?)

Andreas Jung (CDU):
Rede ID: ID1701916300

Frau Merkel hat eindeutig klargemacht, dass auch sie
eiterhin zu der Vorreiterrolle der Bundesrepublik und
er Europäischen Union steht, und zwar sowohl bei den
erhandlungen auf internationaler Ebene als auch bei
en Maßnahmen, die in Deutschland zu treffen sind.


(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber Sie können dem Antrag zustimmen! Der sieht ja 40 Prozent vor!)


Ich kann in der knappen Zeit nicht auf jeden einzel-
en Einwand von Frau Kollegin Höhn eingehen. Ich will
ur die Kritik, die sehr pauschal vorgetragen wurde,
benfalls pauschal zurückweisen.


(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie war sehr konkret! Mit einem Zitat!)


enn die Bundesregierung geht konsequent den Weg des
limaschutzes weiter. Das gilt auch für die Bereiche, in
enen es um Energieeffizienz und Energiesparen geht.
eshalb sind wir gemeinsam froh, dass die Mittel für die
ebäudesanierung fließen. Übrigens sind dafür im letz-
n Jahr so viele Mittel geflossen wie wohl noch nie.

Deshalb stehen wir auch dafür, verlässliche Grundla-
en für erneuerbare Energien zu schaffen, und zwar so-
ohl beim Erneuerbare-Energien-Gesetz als auch beim
arktanreizprogramm, und deshalb waren wir auch

ankbar dafür, dass unser Haushälter Bernhard Schulte-
rüggelte eindeutig klargemacht hat, dass der Sperrver-
erk beim Marktanreizprogramm verschwinden sollte.
enn es sollte für den Umwelthaushalt kein Risiko






(A) )



(B) )


Andreas Jung (Konstanz)

bedeuten, ob mit Zertifikaten mehr oder weniger Geld
erzielt werden kann.

Frau Kollegin Höhn, Sie haben die Automobilindu-
strie angesprochen. Die Bundesregierung hat klarge-
macht, dass sie im Verkehrsbereich einen klaren Schwer-
punkt auf das Thema Elektromobilität setzen möchte,
um zu erreichen, dass wir im Verkehr, der in Deutsch-
land zu einem erheblichen Anteil zu den CO2-Emissio-
nen beiträgt, umweltfreundlicher und effizienter unter-
wegs sind.

Ich glaube, das alles sind Maßnahmen, durch die un-
terstrichen wird, dass die Bundesregierung einerseits die
Ziele ernst nimmt und andererseits konkrete Maßnah-
men angeht, um diese Ziele zu verwirklichen.

Ich freue mich auf die Debatte über diese Maßnah-
men wie auch über Ihren Antrag und andere Vorschläge
im Plenum und im Ausschuss.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701916400

Herr Kollege, gestatten Sie noch eine Zwischenfrage

der Kollegin Bulling-Schröter?


Andreas Jung (CDU):
Rede ID: ID1701916500

Bitte schön.


Eva-Maria Bulling-Schröter (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701916600

Danke schön, Herr Kollege Jung. – Wir stimmen da-

rin überein, dass wir mehr Energieeffizienz brauchen.
Darin sind wir uns auch im Umweltausschuss sehr einig.
Meine Frage ist: Wann legt die Koalition das Energieef-
fizienzgesetz vor? Sie wissen, dass es in der letzten Le-
gislaturperiode nicht verabschiedet wurde, weil sich der
Wirtschaftsminister und der Umweltminister uneinig
waren. Nun ist die Situation folgende: Die EU wartet.
Wenn wir das nicht umsetzen, muss die Bundesrepublik
Strafe zahlen. Das wollen wir alle nicht. Im Sinne der
Energieeffizienz frage ich deshalb: Wann können wir
dieses Gesetz im Umweltausschuss verhandeln?


Andreas Jung (CDU):
Rede ID: ID1701916700

Frau Kollegin, Sie werden Verständnis dafür haben,

dass ich Ihnen kein genaues Datum nennen kann. Wie
auch ich wissen Sie, dass wir nicht nur einen neuen Wirt-
schaftsminister, sondern auch einen neuen Umweltmi-
nister haben. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir
sehr bald über dieses Gesetz beraten und darüber spre-
chen werden, wie wir die Verbesserung der Energieeffi-
zienz über die Maßnahmen hinaus, die wir bereits ergrif-
fen haben, voranbringen können. Ich denke, dass die
neue Koalition gerade an dieser Stelle Schwerpunkte set-
zen wird. Denn wir wissen: Die Energieeffizienz, ein
Bereich, in dem wir einsparen können – ich habe den
Gebäudebereich genannt –, ist einer der Bereiche, in
dem wir den Klimaschutz besonders effizient vorantrei-
ben können. Wir können uns also gemeinsam darauf
freuen, dass wir schon bald entsprechende Gesetze bera-
ten können.

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(C (D (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Eva Bulling-Schröter [DIE LINKE]: Also keine Strafzahlung?)


Ich komme damit zum Ende meiner Rede. Ich möchte
sthalten, dass wir uns national auf einem guten Weg

efinden. Wir geben das an Europa weiter und sollten
emeinsam dafür arbeiten, dass Kopenhagen nicht der
ndpunkt war. Wir sollten Anlauf für einen neuen Ver-
uch nehmen, um am Ende zu erreichen, was wir alle für
otwendig halten, nämlich ein internationales, ein ver-
indliches und ein ehrgeiziges Klimaschutzabkommen
nter Einbeziehung der Industriestaaten, aber auch unter
erücksichtigung und Mitwirkung der Schwellen- und
ntwicklungsländer. Dazu gibt es nach wie vor keine Al-
rnative.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701916800

Nächster Redner ist der Kollege Frank Schwabe für

ie SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Frank Schwabe (SPD):
Rede ID: ID1701916900

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

anzlerin Angela Merkel hat Ende Dezember vor einem
chlechtreden der Ergebnisse des Klimagipfels in Ko-
enhagen gewarnt. Ich sage klipp und klar: Wenn man
ie Ergebnisse an den Zielen misst, bleibt nur eine
chlussfolgerung: Die Konferenz in Kopenhagen ist ge-
cheitert.

Warum ist sie gescheitert? Sie ist sicherlich an China,
n den USA und anderen gescheitert. Aber auch Europa
at nicht alles getan, was es in Kopenhagen und vor Ko-
enhagen hätte tun können. Kollege Jung hat gerade ge-
agt, dass die Regierung glänzend war. Ich sage: Die Re-
ierung ist glänzend gescheitert, und zwar mit ihrer
trategie und ihrer falschen Einschätzung der politischen
age vor Kopenhagen und in Kopenhagen.


(Beifall bei der SPD und der FDP)


Es war falsch, zu glauben, dass es eine Schlussrunde
eben würde und Europa in dieser Schlussrunde das
nkonditionierte 30-Prozent-Ziel auf den Tisch legen
önnte. Zu dieser Schlussrunde kam es gar nicht. Europa
at sich aus dieser Schlussrunde herausmanövriert und
eine Dynamik erzeugt. Deutschland war maßgeblich
aran beteiligt.

Was mich in der Tat interessiert, ist etwas, das gerade
icht deutlich geworden ist – gleich spricht aber noch ein
edner von der Koalition –: Was ist denn nun eigentlich
ie Position der Bundesregierung zum unkonditionier-
n 30-Prozent-Ziel? Wenn ich den Herrn Kollegen

ung richtig verstanden habe, hat er Bundesminister
öttgen so interpretiert, dass dieser für ein unkonditio-
iertes 30-Prozent-Ziel eintritt. Wie aber verträgt sich
as mit den Ausführungen der Kanzlerin in der Haus-
altsdebatte der letzten Woche? Da hat sie sich nämlich
usdrücklich dagegen ausgesprochen, als Europäische






(A) )



(B) )


Frank Schwabe
Union mit einem unkonditionierten Ziel voranzugehen.
An dieser Stelle hätte ich gerne Klarheit.

Was wir in Kopenhagen sicherlich erlebt haben, ist
eine Neuaufstellung der Welt, eine neue Situation für
Europa. Man muss darüber reden, wie Europa und die
europäischen Institutionen gestärkt werden können und
wie man auf solchen Konferenzen auftritt. Dazu werden
wir an anderer Stelle noch Gelegenheit haben. Heute
werden wir das nicht umfassend erläutern können.

Was wir aber erläutern können, ist die deutsche Rolle
in Kopenhagen. Es war eine unsägliche Debatte, die die
Bundesrepublik Deutschland vor Kopenhagen zur Frage
der Verrechnung der Posten für die Entwicklungszusam-
menarbeit mit den Aufwendungen für den Klimaschutz
begonnen hat.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Man muss sich vergegenwärtigen, mit wem man auf
internationaler Ebene eigentlich redet. Es gibt ein Zitat
des Vertreters von Tuvalu in Kopenhagen, der gesagt
hat:

Es ist nicht leicht für einen Mann, das zuzuge-
ben, aber heute morgen erwachte ich weinend.

Es geht um die Existenz von Staaten, dramatische Verän-
derungen in vielen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und
Asiens sowie kaum vorstellbare Probleme. Trotzdem
wollen Sie von der Koalition, angeführt von Herrn
Niebel, diese Staaten gewinnen, indem Sie die Mittel für
den Umgang mit dem Klimawandel, Deichbau, Wald-
schutz und andere Maßnahmen mit den Mitteln für die
Armutsbekämpfung und die Malariaprophylaxe verrech-
nen. Das ist nicht nur zynisch. Vielmehr scheitern Sie
mit solchen Plänen auf der internationalen Bühne. Des-
wegen fordere ich Sie auf: Korrigieren Sie Ihre Position
– Sie haben heute oder demnächst im Deutschen Bun-
destag Gelegenheit dazu –, damit Deutschland wieder
eine führende Rolle in Europa einnehmen kann und da-
mit Europa letztendlich weltweit führend sein kann!


(Beifall bei der SPD)


Es geht nicht nur um eine führende Rolle in der inter-
nationalen Politik, sondern auch um Glaubwürdigkeit in
der nationalen Politik. Es geht jetzt um die Frage, ob Kli-
maschutz Hemmschuh oder Fortschrittsmotor ist. Wir be-
grüßen in der Tat das unkonditionierte 40-Prozent-Ziel.
Wir begrüßen auch, dass auch Sie sich mittlerweile un-
konditioniert dazu bekennen. Aber es reicht eben nicht,
schöne Reden zu halten, wie es Herr Röttgen und andere
gelegentlich tun. Sie betreiben ein Versteckspiel in der
Energiepolitik. Sie wollen erst im Oktober ein Energie-
konzept auf den Tisch legen, Hauptsache, nach der Land-
tagswahl in Nordrhein-Westfalen. Klar ist aber schon
jetzt: Sie wollen die Atompolitik fortsetzen. Sie wollen
die Sonnenenergieförderung herunterfahren. Sie sind au-
ßerdem beim Thema Energieeffizienz unambitioniert.

Feld eins, die Atompolitik. Man muss Ihnen von der
Regierung und in der Koalition bei diesem Thema jeden
Wurm aus der Nase ziehen. Sie wollen tricksen und Alt-
reaktoren wie Neckarwestheim und Biblis A am Netz
lassen. Sie leiten die Energieversorgungsunternehmen

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(C (D eradezu zum Vertragsbruch an. Das führt zu nichts anerem, als dass den Energieversorgern die Taschen gellt werden. Sie bremsen Investitionen. Das Ganze ist so will ich das nennen – mit einer Schamprämie verunden, die vielleicht gut gemeint ist, aber im Endeffekt r die Förderung der erneuerbaren Energien nichts ringt, weil sie viel zu spät kommt. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Damit komme ich zu Feld zwei. Wenn Sie die erneu-
rbaren Energien fördern wollen, dann dürfen Sie nicht
ur Abbruchbirne greifen und massive Einschnitte im
rneuerbare-Energien-Gesetz vornehmen. Das ist bis-
ng das einzig Konkrete, was Sie bislang auf den Tisch
elegt haben. Warme Worte reichen nicht aus. Es gibt
assive Auseinandersetzungen in der Koalition. Ich
öchte den Kollegen Michael Fuchs, Vorsitzender des
arlamentskreises „Mittelstand“ der Union, aus dem
eutigen Handelsblatt zitieren:

Ziel müsse es sein, zusätzliche Milliardenbelastun-
gen für die Verbraucher und unsere Wirtschaft zu
vermeiden. „Strom muss in Deutschland bezahlbar
bleiben. Nur so bleiben wir wettbewerbsfähig“ …

r fordert eine Kappung der Subventionen für Sonnen-
nergie um 25 bis 30 Prozent. Das hört sich an wie Vor-
chläge aus der Steinzeit oder wie die Debatten von vor
0 Jahren. Ich bin gespannt, wie die Debatte ausgeht.
enn gleichzeitig war heute in der Frankfurter Rund-

chau zu lesen: Der CDU-Bundestagsabgeordnete
lrich Petzold kündigte in der Mitteldeutschen Zeitung
iderstand seiner Fraktion an. Wichtig wäre, dass es für

iese Branche schnell Klarheit gibt, damit Investitionssi-
herheit gewährleistet ist.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Eva Bulling-Schröter [DIE LINKE])


Feld drei ist gerade genannt worden. Es handelt sich
m das Thema Energieeffizienz. Es ist schon für die
roße Koalition unrühmlich gewesen, dass wir nicht zu

inem Energieeffizienzgesetz gekommen sind. Sie wol-
n nun eine Eins-zu-eins-Umsetzung im Rahmen der
uropäischen Union. Sie wollen von dem Effizienzziel,
m 3 Prozent pro Jahr zu steigern, abrücken. Sie sind
icht mehr in der Lage, die EU-Vorgaben zu erfüllen,
nd sehen sich nun mit Klageverfahren der Europäi-
chen Union konfrontiert.

Wenn man die in der Großen Koalition gemeinsam
efassten Klimabeschlüsse von Meseberg im Jahr 2007
ugrunde legt und nachrechnet, dann kommt man zu ei-
em Reduktionsziel von 35 bis 36 Prozent. Wenn man
erücksichtigt, dass Sie die Vorgaben nicht einhalten und
ass schon zuvor Dinge verwässert wurden, dann kommt
an vielleicht auf knapp 30 Prozent. Das reicht nicht

us. Sich viele Ziele zu setzen, ist das eine. Etwas ande-
s ist aber, Ziele entsprechend zu unterlegen. Deswegen
rdern wir genauso wie die Fraktion der Grünen ein
limaschutzgesetz in Deutschland, das sich am Climate
hange Act orientiert, den es in Großbritannien schon

eit 2008 gibt. Das bringt zweierlei: zum einen ein lang-
istiges Klimaschutzziel von 80 bis 95 Prozent bis zum






(A) )



(B) )


Frank Schwabe
Jahr 2050 und zum anderen eine jährliche Überprüfung
der Maßnahmen der Regierung durch ein unabhängiges
Gremium, zu dessen Vorschlägen sich die Regierung
entsprechend verhalten muss. Das fordern wir. Sie haben
ja bis zum Oktober Zeit, ein entsprechendes Gesetz vor-
zulegen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in jedem Scheitern
liegt aber auch eine Chance, hier die Chance, den inter-
nationalen Wettbewerb um das beste Klimaschutzgesetz
zu beginnen, zu begreifen, dass Klimaschutz im nationa-
len Interesse liegt, unabhängig davon, was international
geschieht. Um diese Chance zu wahren, dürfen Sie in der
Regierung aber die Energiewende nicht blockieren, denn
damit würden Sie ökonomische Chancen und Vertrauen
in der Welt verspielen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701917000

Das Wort hat jetzt der Kollege Michael Kauch von

der FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Aber nicht wieder der Opposition die Schuld am Scheitern geben!)



Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701917100

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Klima-

schutz ist eine Frage von Generationengerechtigkeit; Kli-
maschutz ist aber auch eine Aufgabe für eine Innova-
tionsstrategie in diesem Land. Wenn wir Vorreiter im
Klimaschutz sind und davon ausgehen, dass dies der
weltweite Trend ist, dann ist es eben auch eine kluge
Technologiepolitik, Vorreiter beim Klimaschutz zu sein.
Deshalb – das sage ich sehr eindeutig – steht diese Koali-
tion für 40 Prozent CO2-Verringerung bis zum Jahr 2020,
ohne Wenn und Aber.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Deshalb, meine Damen und Herren, werden wir wei-
terhin das Einsparziel von 80 bis 95 Prozent bis zum
Jahr 2050 in die Verhandlungen in dem UN-Prozess auf-
nehmen und daran auch unsere Szenarien ausrichten,
beispielsweise für das Energiekonzept, an dem diese Re-
gierung arbeitet.

Der Deutsche Bundestag hat eine CO2-Reduzierung
um 40 Prozent bis 2020 bereits beschlossen – da waren
Sie alle hier –, nämlich am 3. Dezember 2009, ein so
ambitioniertes Ziel, wie es der Deutsche Bundestag vor-
her nicht beschlossen hat: 40 Prozent bis 2020 unkondi-
tioniert, 80 bis 95 Prozent bis 2050. Deshalb haben wir
überhaupt keinen Nachholbedarf. Es ist nicht nötig, dass
die Opposition jetzt hier einen Schaufensterantrag stellt.
Wir springen nicht über jedes Stöckchen, das Sie uns
hinhalten. 40 Prozent galt vor Kopenhagen, 40 Prozent
gilt nach Kopenhagen, und das wird diese Koalition so
verwirklichen, unabhängig von Ihrem Antrag.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


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(C (D Herr Kollege Kauch, erlauben Sie eine Zwischenfrage er Kollegin Höhn? Ja. Bitte schön, Frau Höhn. Herr Kollege Kauch, ich habe eben die Bundeskanz rin zitiert. Aus dem Zitat wird sehr deutlich, dass sie eineswegs mehr zu diesem 40-Prozent-Ziel steht, sonern dass sie es infrage stellt. Sie haben jetzt sehr deutch gesagt, Sie stehen trotzdem zu diesem 40-Prozentiel. Wir stellen heute einen Antrag zur Abstimmung, der ie Frage zu beantworten trachtet, ob diese Koalition eiterhin zum 40-Prozent-Ziel steht. Stimmen Sie unsem Antrag zu, ja oder nein? Das wüsste ich gern. Liebe Frau Höhn, als wir in der Opposition waren, ha en wir diese Spielchen auch gemacht; das gehört ja irendwie zum Geschäft. (Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Umweltschutz ist kein Spiel!)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701917200
Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701917300
Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701917400
Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701917500
Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701917600

ber wenn der Umweltminister hier erklärt – die Kanz-
rin hat das überhaupt nicht infrage gestellt –, dass das
iel von 40 Prozent unkonditioniert gilt, wenn der Ko-
litionspartner, die FDP, erklärt, dieses Ziel gelte unkon-
itioniert, wenn dies der Außenminister und der Ent-
icklungshilfeminister sagen, dann, liebe Frau Höhn,
önnen Sie davon ausgehen, dass diese Zusage auch
timmt.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Meine Damen und Herren, wir werden deshalb das
n, was in der Koalitionsvereinbarung steht. Wir wer-

en im Jahr 2010 das Integrierte Klima- und Energiepro-
ramm daraufhin überprüfen, ob die Ziele der Bundesre-
ierung erreicht werden. Zu diesen Zielen gehört die
eduzierung der CO2-Emissionen unkonditioniert um
0 Prozent bis 2020. Ebenso wissen wir, dass wir mit
em, was die früheren Regierungen hierzu geliefert ha-
en – auch die rot-grüne –, diese 40 Prozent nicht errei-
hen. Deshalb müssen wir herausfinden, wie wir unser
iel erreichen können.

Wir haben einen Emissionshandelssektor, auf dem eu-
parechtlich bis 2020 alles geregelt ist. Das heißt, wenn
ir zusätzliche Maßnahmen ergreifen wollen und müs-

en, dann muss dies in den Nichtemissionshandelssekto-
n passieren, also konkret im Wärmesektor und im Ver-

ehr. Da wir wissen, dass der Wärmesektor bei der CO2-
insparung tendenziell billiger ist, wird das der Schlüs-
el sein, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Ob wir in diesen Sektoren dann eine gesetzliche Fi-
ierung von Zielgrößen brauchen, werden wir bei der






(A) )



(B) )


Michael Kauch
Überprüfung des Integrierten Klima- und Energiepro-
gramms diskutieren. Ich sage aber auch ganz klar: Die
gesetzliche Fixierung von Zielgrößen spart noch keine
Tonne CO2 ein. Da muss man schon konkrete Maßnah-
men benennen, die dann auch umgesetzt werden: bei den
Bürgern, bei den Unternehmen. Mit vielen kleinen Ein-
zelmaßnahmen – nicht mit großen Überschriften – wer-
den wir das 40-Prozent-Ziel erreichen.


(Beifall der Abg. Marie-Luise Dött [CDU/ CSU])


Die FDP wirbt weiterhin dafür, dass wir – anders als
es beispielsweise die Grünen wollen – den Emissions-
handel ausweiten, nämlich auf die Bereiche von Wärme
und Verkehr; denn das würde bedeuten, dass eine gesetz-
liche Obergrenze festgelegt wird, die dann auch für je-
den Bürger und jedes Unternehmen verbindlich ist – an-
ders als das im Klimaschutzgesetz vorgesehen ist, das
Sie vorschlagen. Wir halten das weiterhin für den richti-
gen Weg und werben auch bei unserem Koalitionspart-
ner dafür, noch einmal in diese Richtung zu denken.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701917700

Herr Kollege Kauch, erlauben Sie eine weitere Zwi-

schenfrage, und zwar des Kollegen Schwabe von der
SPD?


Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701917800

Ja.


Frank Schwabe (SPD):
Rede ID: ID1701917900

Herr Kauch, habe ich Ihre Ausführungen zur Frage

der gesetzlichen Fixierung und zur Frage der einzelnen
Maßnahmen richtig verstanden in dem Sinne, dass Sie
ein Klimaschutzgesetz für überflüssig halten?


Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701918000

Lieber Kollege Schwabe, es gilt das, was ich gesagt

habe: Wir werden beim Integrierten Klima- und Ener-
gieprogramm überprüfen, welche Maßnahmen notwen-
dig sind. Wir werden auch prüfen, ob ein solcher Weg
sinnvoll ist. Ich sage aber deutlich: Der beste Weg wäre
die Ausweitung des Emissionshandels auf die Bereiche
Wärme und Verkehr. Über zweitbeste Lösungen werden
wir sprechen, wenn es so weit ist, lieber Kollege.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Stellen Sie als FDP den Antrag? Wir stimmen zu!)


Nun zur internationalen Verhandlungsposition. Wie
schaffen wir es, die Ziele, die wir uns gesetzt haben,
auch tatsächlich zu erreichen? Wenn wir vorangehen
wollen, wenn wir das auch unkonditioniert wollen, wer-
den nationale Alleingänge für sich genommen – das ist
doch klar – nicht reichen. Deshalb steht die FDP weiter-
hin zum Prozess in den Vereinten Nationen. Ein Abdrif-
ten in bilaterale Abkommen wäre auch aus übergeordne-
ten Gründen der Außenpolitik der falsche Weg. Wir
glauben: Weltinnenpolitik muss bei den Vereinten Natio-
nen gemacht werden.

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(C (D (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir stehen also zum UN-Prozess, aber auch wir sa-
en: Es kann nicht so weitergehen wie bisher. Bisher ist
s nämlich wie folgt: Man verhandelt auf Beamtenebene
in Jahr lang. Dann gibt es eine große Konferenz. Die
taats- und Regierungschefs reisen an den letzten beiden
agen an, und dann wundert man sich darüber, dass die
eit nicht reicht, um eine Einigung herbeizuführen.

Es ist wichtig, dass man vor den UN-Verhandlungen
uf der Ebene der Staats- und Regierungschefs – im
ahmen der G 8 plus 5 oder der Gruppe der 20, wenn
an noch mehr Schwellenländer einbinden will – zu

ubstanziellen Vorergebnissen kommt. Das ist die He-
usforderung, vor der wir stehen. Es darf nicht einfach

usiness as usual mit den Beamten geben, sondern wir
rauchen politische Führung, politische Führung von
uropa, politische Führung von den USA. Notwendig ist
ber auch eine Verantwortung der Schwellenländer, allen
oran China. Wir sind bereit, voranzugehen, aber wir er-
arten von den anderen, dass sie ihre Beiträge interna-
onal überprüfen lassen. Das ist die Mindestvorausset-
ung, die wir an die Schwellenländer richten müssen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701918100

Das Wort hat die Kollegin Eva Bulling-Schröter von

er Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Eva-Maria Bulling-Schröter (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701918200

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich

preche jetzt nicht über Spielchen, wie vorhin gesagt
urde, sondern über den Klimagipfel. Der Klimagipfel
ar aus Sicht der Linken ein Desaster – das muss man
mer wieder sagen –: kein verbindliches ambitioniertes

limaschutzabkommen, sondern nur ein unverbindli-
hes, völlig unzureichendes Abschlussdokument, das le-
iglich zur Kenntnis genommen werden konnte. Mehr
ar da nicht. Das ist das Ergebnis des größten UN-Kli-
agipfels aller Zeiten nach zweijähriger Vorbereitungs-

eit. Da kann ich nur sagen: Bravo!

Dass das Abschlussdokument nicht verabschiedet
urde, empfinde ich persönlich nicht als einen Bein-
ruch; denn es steht überhaupt nichts darin. Also braucht
an auch nichts zu verabschieden. In diesem Dokument
t das Ziel formuliert, die Erderwärmung auf unter
Grad zu begrenzen. Diese Formulierung bleibt folgen-
s und ist nichtssagend. Die notwendigen Minderungs-

iele werden eben nicht benannt. Dafür befindet sich in
iesem Dokument eine leere Tabelle mit dem Aufruf an
ie Industrieländer, bis Ende Januar an das UN-Klima-
ekretariat freiwillig, also nach Klingelbeutelmethode,

inderungsziele für 2020 zu melden. Ich bin gespannt,
as dabei herauskommt. Wahrscheinlich kommt das
leiche wie in Kopenhagen heraus.






(A) )



(B) )


Eva Bulling-Schröter
Wenn ich mir anschaue, was da angeboten wurde,
dann stelle ich fest: Die Summe dieser Angebote würde
zu einer Erderwärmung von durchschnittlich 3,5 Grad
Celsius führen. Der Chef des PIK, des Potsdam-Instituts
für Klimafolgenforschung, Herr Schellnhuber, spricht
allerdings davon, dass dann über Land eine Erderwär-
mung von 5 Grad Celsius befürchtet werden müsse. Man
muss den Menschen in diesem Land sagen, worum es
überhaupt geht: Es geht um eine zu befürchtende Klima-
erwärmung von 5 Grad und nicht von 2 Grad oder
1,5 Grad. Hier müssen wir handeln, im Interesse der
Menschen, die demnächst wahrscheinlich absaufen wer-
den.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Die Industrieländer haben zu wenig vorgelegt – wir
haben es gehört –: Die USA haben ein Minus von
4 Prozent angeboten. Der CO2-Ausstoß der USA ist von
1990 bis jetzt um 17 Prozent gestiegen. Das ist natürlich
zu viel. Die USA müssen sich bewegen. An diesem
Punkt liegt die Hauptursache für die Blockade des Gip-
fels und nicht bei den angeblichen Desperado-Staaten
wie Venezuela oder Bolivien.


(Michael Kauch [FDP]: Ihre Freunde!)


– Meine Freunde. – In Bezug auf Hugo Chávez und Evo
Morales ist von einigen eine Gespensterdebatte angesto-
ßen worden. Ich muss Ihnen sagen: Mir haben die beiden
gut gefallen. Endlich wurde auf der Klimakonferenz ein-
mal über Kapitalismus, über Arm und Reich und über
Verantwortung gesprochen. Ich finde, es ist an der Zeit,
dass das in viel größerem Ausmaß geschieht.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701918300

Frau Kollegin Bulling-Schröter, erlauben Sie eine

Zwischenfrage des Kollegen Kauch?


Eva-Maria Bulling-Schröter (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701918400

Ja, klar.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701918500

Bitte schön, Herr Kauch.


Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701918600

Liebe Kollegin, können Sie als Vertreterin der neuen

Kommunistischen Internationalen – wie immer man die
Achse mit Venezuela und Bolivien nennen mag – mir er-
klären, was die von Ihnen offensichtlich befürwortete
Linie zu Venezuela und Bolivien in Verbindung mit ei-
nem Land wie Saudi-Arabien bringt? Venezuela und
Saudi-Arabien hatten eine gemeinsame Verhandlungs-
position: Wir blockieren diese Konferenz; wir blockie-
ren die Verhandlungen. Das bedeutet ganz klar, dass Sie
als Linke es hier offensichtlich begrüßen, dass ein feuda-
les und in seinem wirtschaftlichen Gehabe eher kapita-
listisches Regime, das vom Ölverkauf lebt, durch Ihre
sozialistischen Freunde unterstützt wurde.

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(C (D (Ulrich Kelber [SPD]: Die Frage ist sehr berechtigt!)



Eva-Maria Bulling-Schröter (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701918700

Ich höre gerade: „Die Frage ist sehr berechtigt!“ Mir

eht es um die Reden. Dabei ging es um Arm und Reich
nd um Verantwortung. Dass die Ölstaaten eine Verant-
ortung haben, das wissen Sie so gut wie ich; Sie ken-
en mich.


(Beifall bei der LINKEN)


an muss Lösungen finden. Wir sind der Meinung: Fos-
ile Energien müssen eingespart werden. Auch wir als
dustriestaat müssen eventuell dafür bezahlen, dass

iese Länder kein Öl mehr fördern. Das müssen wir dis-
utieren; da sind wir uns einig.


(Ingbert Liebing [CDU/CSU]: Schön um die Frage herumgeredet! Keine Antwort auf die Frage! – Zuruf des Abg. Ulrich Kelber [SPD])


Bei Saudi-Arabien nicht. Es geht um andere Länder.

Es ist kein Wunder, dass sich die Supermacht China
ei den mickrigen Angeboten der Industriestaaten wei-
ert, verbindliche Zielstellungen zu übernehmen. Es ist
uch nicht überraschend, dass Tuvalu wenig Lust hat,
einen Untergang zu beschließen, oder Nicaragua seine
ersteppung. Es wurden wenige finanzielle Beschlüsse
efasst, und es wurde viel diskutiert. Es ist nicht klar,
er die versprochenen 100 Milliarden Dollar zahlt. Die
U und Deutschland haben keine Vorreiterrolle einge-
ommen. Notwendig ist, dass sich die EU und Deutsch-
nd zum informell längst beschlossenen Ziel bekennen,
en CO2-Ausstoß um 30 Prozent zu senken. Zu der ver-
prochenen Summe von 100 Milliarden Dollar kann ich
ur fragen: Wie soll das aufgeteilt werden? Ein Drittel
ollen die Entwicklungsländer selbst bezahlen. Ein wei-
res Drittel soll über Carbon-Markets, das heißt über
DM usw., aufgebracht werden. Wir haben viel darüber
esprochen. Dabei handelt es sich zum großen Teil um
ule Zertifikate. Einen solchen Weg kann man den Ent-
icklungsländern nicht zumuten. Außerdem soll das
anze auf die Entwicklungshilfe angerechnet werden.

Ich kann dazu nur sagen: Die Bilanz von Kopenhagen
t verheerend, sowohl in klimapolitischen als auch in
ürgerrechtlichen Fragen.


(Dr. Michael Paul [CDU/CSU]: Mit Bürgerrechten kennen Sie sich gut aus!)


s gab Übergriffe gegen friedliche Demonstrantinnen
nd Demonstranten, Pfefferspray-Angriffe und Schlag-
tockhiebe. Medienvertreter wurden verprügelt. Das ist
r mich keine Demokratie. Wir wollen eine offene De-
okratie.


(Beifall bei der LINKEN)


Wir wollen den offenen Diskurs über diese Fragen.
as sind übrigens Überlebensfragen. Das trifft uns,
enn auch etwas später, nämlich genauso wie viele an-
ere. Es wird endlich Zeit, dass gehandelt wird. Ein Kli-
aschutzgesetz ist wichtig. Es ist ein erster Schritt, ge-

ügt aber noch lange nicht.






(A) )



(B) )


Eva Bulling-Schröter

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Ingbert Liebing [CDU/CSU]: So ein Schmarrn!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701918800

Zu einer Kurzintervention erteile ich das Wort dem

Kollegen Michael Kauch.


Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1701918900

Liebe Kollegin Bulling-Schröter, wie Ihre Vorredner

von der SPD haben Sie hier eine Falschbehauptung in
den Raum gestellt. Es ist, denke ich, an der Zeit, Ihren
Unterstellungen entgegenzutreten und einmal die Sach-
lage klarzustellen.

Sie reden immer davon, wir würden die Mittel für den
internationalen Klimaschutz, die an die Entwicklungs-
länder fließen, mit der Entwicklungshilfe verrechnen.
Das, meine Damen und Herren, tun wir nicht. Wir stellen
frisches Geld bereit. Das, was wir tun, ist, dass wir diese
Gelder auf die Entwicklungshilfequote anrechnen. Ge-
nau das haben die alte Regierung und selbst die rot-
grüne Regierung getan.


(Ulrich Kelber [SPD]: Oh nein!)


Das hat sich nicht geändert, meine Damen und Herren.

Ich sage auch ganz klar


(Abg. Frank Schwabe [SPD] meldet sich zu einer Kurzintervention)


– jetzt kommt wieder eine Wortmeldung von der SPD –:
Obwohl die SPD elf Jahre die Entwicklungshilfeministe-
rin stellte, hat sie es nicht geschafft, die 0,7-Prozent-
Quote zu erreichen. Es ist ganz klar: Sie laufen hier der
Fata Morgana, dass die Verhandlungen angeblich an der
Haltung von Herrn Niebel gescheitert seien, hinterher.
Es ist absoluter Nonsens, wenn Sie das Herrn Niebel in
die Schuhe schieben wollen. Diese Regierung macht
eine hervorragende Klimapolitik im Umwelt- und im
Entwicklungsministerium.


(Widerspruch bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Kopenhagen hat gezeigt: Bei den Finanztransfers für
den Waldschutz, beim Technologietransfer und bei den
Anpassungsmaßnahmen für die armen Staaten haben wir
eine Grundsatzeinigung hinbekommen.


(Ulrich Kelber [SPD]: Sie wissen, dass Sie die Unwahrheit sagen?)


Deshalb können Ihre Argumente eigentlich nur falsch
sein, meine Damen und Herren.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wären Sie wenigstens dagewesen in Kopenhagen!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701919000

Ich habe jetzt mehrere Wortmeldungen zu Kurzinter-

ventionen. Wenn ich die zuließe, würde das aber die De-

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(C (D atte verfälschen. Ich schlage vor, dass ich jetzt Frau ulling-Schröter die Gelegenheit gebe, zu antworten, nd dass wir dann in der Debatte weiter fortfahren. (Heidemarie Wieczorek-Zeul [SPD]: Ich wurde doch persönlich angesprochen!)


Sind Sie persönlich angesprochen worden? – Gut,
ann schlage ich vor, dass wir die Wortmeldung von
rau Wieczorek-Zeul vorziehen.


(Widerspruch bei der LINKEN)


Entschuldigung, die Kurzintervention erfolgte auf den
edebeitrag von Frau Bulling-Schröter. Sie hat das
echt zu antworten. Wir können nicht eine Kurzinter-
ention auf Kurzinterventionen mit erneuter Antwort-
öglichkeit zulassen. Das entspräche nicht der Ge-

chäftsordnung.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Wenn Sie Ihre Kurzintervention abgeben wollen, Frau
ieczorek-Zeul, dann ziehen wir sie jetzt vor. Dann hat

rau Bulling-Schröter die Chance, zu antworten.


Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD):
Rede ID: ID1701919100

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will jetzt zu

em klimapolitischen Teil nichts weiter sagen, als dass
s wirklich eine falsche Behauptung ist, dass wir keine
ortschritte – das habe ich hier schon mehrfach geschil-
ert – bei der Official Development Assistance erreicht
ätten. Wir haben im Jahr 2001 zusammen mit der Euro-
äischen Union einen Stufenplan zur Steigerung der
ittel für die Entwicklungszusammenarbeit, die Official
evelopment Assistance, erstellt. Dieser sah vor, bis

um Jahr 2005 eine ODA-Quote von 0,33 Prozent zu er-
ichen. Das haben wir geschafft. Im Jahr 2005 haben
ir dann im Rahmen der Europäischen Union einen wei-
ren Stufenplan erstellt, der für das Jahr 2010 eine
DA-Quote von 0,51 Prozent und für das Jahr 2015 von
,7 Prozent vorsieht.

Sie werden es in den Haushaltsberatungen erleben,
ass wir das 0,51-Prozent-Ziel entsprechend unterfüttern
erden. Im Hinblick darauf ist zum Beispiel die Einfüh-
ng einer internationalen Finanztransaktionsteuer ein

anz wichtiger Punkt; hierdurch könnte nämlich der Fi-
anzsektor herangezogen werden, um mitzuhelfen, die
eche für den Schaden zu zahlen, den er angerichtet hat.

Vergessen zu erwähnen haben Sie, dass im Koalitions-
ertrag zwischen CDU, CSU und FDP für das Erreichen
er 0,7-Prozent-Quote kein festes Jahr genannt wird und
an sich auch nicht auf ein Zwischenziel festgelegt hat.
ehen Sie deshalb einmal mit sich selbst kritisch zurate,

tatt andere anzugreifen. Dass die FDP jetzt das Ent-
icklungsministerium hat, muss andere Ursachen haben.
ersuchen Sie nicht andauernd, das zu begründen, indem
ie die vorherige Regierung und ihre Arbeit schlechtma-
hen. Das ist völlig unakzeptabel.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der FDP: Oh! – Ulrich Kelber [SPD]: Das weiß er doch auch! Er musste was anderes sagen!)







(A) )



(B) )


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701919200

Jetzt hat die Kollegin Bulling-Schröter das Wort.


Eva-Maria Bulling-Schröter (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701919300

Herr Kauch, ich weiß nicht, warum Sie sich so aufge-

regt haben; ich verstehe es nicht. Feststellen kann man,
dass die vorherigen Regierungen das 0,7-Prozent-Ziel
alle nicht erreicht haben. Aus entwicklungspolitischer
Sicht wäre es allerdings dringend notwendig. Die Linke
hat das immer kritisiert, egal wer an der Regierung war.

Jetzt aber zu Ihrer Anrechnung. Sie sagen ja, das wird
nicht angerechnet.


(Michael Kauch [FDP]: Es wird angerechnet!)


Dazu zitiere ich aus dem Antrag der Koalition zu den
Klimaverhandlungen – es ist nur ein Satz –:

… sicherzustellen, dass die Beiträge für die Finan-
zierung des internationalen Klimaschutzes und der
Anpassungsmaßnahmen auf das Ziel angerechnet
werden,


(Frank Schwabe [SPD]: Aha! – Michael Kauch [FDP]: Angerechnet! Nicht verrechnet! 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit … zur Verfügung zu stellen … Was heißt „anrechnen“? Da müsste man vielleicht einmal ein paar Kollegen fragen. Es heißt natürlich „verrechnen“. Das ist so auch in den Medien diskutiert und in den Debatten besprochen worden. Wenn das nicht so ist, können Sie das ja hier noch richtigstellen. Wir würden es begrüßen, wenn es nicht angerechnet wird. Wir beschließen das mit; die Opposition steht dahinter. Denn so kann man mit Entwicklungsländern nicht umgehen. Auch wenn Sie das vielleicht nicht glauben: Wir haben in den Entwicklungsländern viele Gespräche geführt, die ergeben haben, dass sie sich vorgeführt fühlen. Nur mit Glasperlen kommt man im 21. Jahrhundert nicht weit. (Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Frank Schwabe [SPD]: Schämen Sie sich!)


(Zuruf von der FDP: Dann fragen Sie mal!)


(Zurufe von der FDP: Nein!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701919400

Als letzter Redner zu diesem Tagesordnungspunkt hat

der Kollege Josef Göppel von der CDU/CSU-Fraktion
das Wort.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Josef Göppel (CSU):
Rede ID: ID1701919500

Meine Damen und Herren! Mein Thema ist: Die rich-

tigen Lehren aus Kopenhagen ziehen. So lautet ja auch
der hier vorliegende Antrag. Natürlich gab es durch den

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(C (D erlauf der Konferenz in Kopenhagen eine Debatte daber, ob es überhaupt Sinn macht, diesen Weg weiterzu ehen, bei dem man aufgrund des Prinzips der Freiwilgkeit immer auf den Letzten warten und den kleinsten emeinsamen Nenner finden muss und mehr eigentlich icht herauskommt. Ich war sowohl bei dieser internationalen Klimakonrenz als auch bei den Klimakonferenzen in den fünf ahren davor. Meine persönliche Erfahrung ist: Man uss trotz aller Schwächen den Weg des internationalen bereinkommens gehen. Aber ebenso ist meine Erfahng, dass wir die Entwicklung mit Brückenköpfen und anz konkreten Projekten sehr viel schneller voranbrinen und damit auch das wirtschaftliche Interesse am Kliaschutz stärker befördern können. Ich möchte zwei Beispiele nennen, die die Brücke zur ntwicklungspolitik schlagen: Vor den Konferenzräumen in Kopenhagen hatten ichtregierungsorganisationen ihre Ideen ausgestellt. arunter war ein Vorschlag von sechs Ländern in Afrika, om Senegal quer über den Kontinent bis Äthiopien eine npflanzung zu machen, auf einer Länge von etwa 000 Kilometern am Südrand der Sahara und 25 Kiloeter tief, um den Sand aufzuhalten. Das ist ein Projekt, as die Afrikaner sich selber ausgedacht haben. Ihr Wille t auch, dass die Einheimischen diese Pflanzungen urchführen. Sie brauchen natürlich Hilfe, weil die posiven Wirkungen solcher Pflanzungen nicht sofort moner zu Buche schlagen. Sie haben uns auch gesagt, dass esonders die Frauen eingesetzt werden sollen, weil sie ie entscheidenden Meinungsträgerinnen sind. Sie haben ogar davon gesprochen, Großmütter einzusetzen. Denn ie Großmutter kann durchaus bestimmen, dass die Zieenherde nicht mehr dahin getrieben werden darf, wo ine Anpflanzung ist, damit diese wirklich hoch wächst. h bin der Meinung: Solche konkreten Projekte sollten ir auch von Deutschland aus aufgreifen und unterstüt en. Ein anderes Beispiel: Wir haben Leute aus Burundi etroffen und sie gefragt: Was wäre eurer Meinung nach ie wirksamste Maßnahme für euer Land? Sie haben klar esagt: Dies wäre eine Produktionsstätte für Solarkoher, damit unsere Leute nicht jeden Tag kleine Büsche bhacken müssen, die sie als Feuerholz zum Kochen erwenden. Es gibt im technologischen Bereich natürlich weitere rojekte. Wichtig ist aber, dass wir diese Dinge, die baal zu sein scheinen, nicht geringschätzen, sondern dass ir im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit auf olche Projektvorschläge eingehen. Das ist ein Parallelrogramm zum Vorantreiben von internationalen Konfenzen. Ich möchte zum Verlauf der Debatte hier eines sagen: iebe Kolleginnen und Kollegen von den Oppositionsaktionen, zum 31. Januar 2010 ist die Meldung fällig, elches Klimaziel Deutschland hat. Gehen Sie davon us, dass es das 40-Prozent-Ziel sein wird. Daran ist ichts zu deuteln. Josef Göppel (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Eben nicht! Das steht bei der EU nicht drin!)





(A) )


(B) )


– Frau Kollegin Höhn, wir brauchen nicht alle vier Wo-
chen dasselbe zu beschließen. Ich möchte Ihnen aller-
dings sagen: Ich habe eine gewisse Sympathie dafür,
dass unsere Klimaschutzanstrengungen, die sich schon
konkret beziffern lassen, in ein Gesetz Eingang finden.
Wenn die Vereinigten Staaten, wie wir alle heute früh ge-
hört haben, noch in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetz
verabschieden werden, dann wird die Diskussion bei uns
an Geschwindigkeit zunehmen, und es wird ihr noch
mehr Nachdruck verliehen. Entscheidend ist, dass wir
konkret handeln. Die Minderung der CO2-Emissionen
um 22 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990, die
Deutschland bisher erreicht hat, ist ein Fakt. Das, was
Präsident Obama angeboten hat, sind 4 Prozent, bezogen
auf 1990 – und dies mit drei großen Fragezeichen.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701919600

Herr Kollege Göppel, erlauben Sie, dass die Frau

Höhn eine Zwischenfrage stellt?


Josef Göppel (CSU):
Rede ID: ID1701919700

Gerne.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701919800

Frau Kollegin Höhn.


Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701919900

Danke schön, Herr Kollege Göppel. – Ich schätze Sie

ja sehr. Aber können Sie nicht bestätigen, dass – anders,
als Sie es eben gesagt haben – nicht Deutschland den in-
ternationalen Gremien das 40-Prozent-Ziel melden
muss, sondern dass es darum geht, was die EU meldet?
Die EU hat gerade beschlossen, dass sie eine Reduktion
um 30 Prozent nicht ohne Wenn und Aber meldet, son-
dern nur konditioniert. Das ist etwas anderes als das, was
Sie eben gesagt haben.


Josef Göppel (CSU):
Rede ID: ID1701920000

Frau Kollegin Höhn, Sie wissen doch genau, dass sich

das 30-Prozent-Ziel der EU aus nationalen Minderungs-
anstrengungen zusammensetzt.


(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber die hat die EU gar nicht weitergemeldet!)


Angesichts des Potenzials, das Deutschland hat, ist ent-
scheidend, was wir anbieten. Aufgrund unseres klar er-
klärten Ziels besteht die realistische Chance, die anderen
in Europa zur Anerkennung des 30-Prozent-Ziels zu
bringen.


(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber das haben sie doch gerade nicht gemacht!)


Genau das hat Frau Merkel von diesem Pult aus erklärt.
Dabei bleibt es.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


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(C (D Die Uhr zeigt, dass ich keine Redezeit mehr habe. Ich bedanke mich. Schönen Abend. Ich schließe die Aussprache. Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der raktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/446 it dem Titel „Regierungsund Parlamentshandeln kon equent am 40-Prozent-Klimaziel ausrichten“. Wer timmt für diesen Antrag? – Wer stimmt dagegen? – Entaltungen? – Dann ist der Antrag mit der Mehrheit der oalitionsfraktionen abgelehnt. Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf en Drucksachen 17/132 und 17/522 an die in der Tagesrdnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind ie damit einverstanden? – Das ist der Fall. Dann ist das o beschlossen. Ich rufe die Tagesordnungspunkte 10 a und b auf: a)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701920100

Beschäftigte vor Arbeitslosigkeit schützen –
Konditionen für Kurzarbeit verbessern

– Drucksache 17/523 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Haushaltsausschuss

b) Erste Beratung des von den Abgeordneten
Dr. Barbara Höll, Jutta Krellmann, Klaus Ernst,
weiteren Abgeordneten und der Fraktion DIE
LINKE eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes
zur Abschaffung des Progressionsvorbehalts
für Kurzarbeitergeld

– Drucksache 17/255 –
Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuss (f)

Ausschuss für Arbeit und Soziales

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
ussprache eine halbe Stunde vorgesehen. Gibt es Wi-
erspruch? – Das ist nicht der Fall. Dann ist das so be-
chlossen.

Ich eröffne die Aussprache und erteile als erster Red-
erin der Kollegin Gabriele Lösekrug-Möller von der
PD-Fraktion das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Gabriele Lösekrug-Möller (SPD):
Rede ID: ID1701920200

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
eine Damen und Herren! Ich freue mich sehr, dass ich

u dem Antrag der SPD sprechen darf, der die wichtige
otschaft selbstverständlich in seinem Titel führt. Es
eht darum, Beschäftigte vor Arbeitslosigkeit zu schüt-
en und die Konditionen für Kurzarbeit zu verbessern.
ies ist dringend nötig. Wir hätten gar nicht tätig werden






(A) )



(B) )


Gabriele Lösekrug-Möller
müssen, hätte die schwarz-gelbe Regierung die guten
Konditionen gelassen, die wir in der Großen Koalition
aus gutem Grund so formuliert hatten und die wirklich
vielen Menschen in Deutschland ermöglicht haben, ihre
Arbeit zu behalten. Weltweit – aus den USA und aus
europäischen Ländern – sind wir dafür gelobt worden.
Wir sind mit diesem Instrument zum Vorbild geworden.

Sicherlich ist die Kurzarbeit nicht das einzige Instru-
ment oder der einzige Grund dafür, dass wir in der
Bundesrepublik Deutschland über einen in der Krise be-
merkenswert stabilen Arbeitsmarkt verfügen. Auch Un-
ternehmen und Beschäftigte und ihre Vertretungen haben
viel dazu beigetragen. Deshalb gilt auch ihnen mein
Dank, dass sie in den letzten Monaten konstruktiv dafür
gesorgt haben, dass Arbeit erhalten blieb und Unterneh-
men so auf Dauer gute Perspektiven haben.

Was aber hat stattgefunden? Kaum war der Regie-
rungswechsel vollzogen, hat man sich darangemacht, die
Bedingungen für Kurzarbeit auf einen Stand zurückzu-
führen, von dem wir sagen: Er mag vor der Krise akzep-
tabel gewesen sein, ist es jetzt aber keinesfalls. Zurzeit
haben wir zwar einen relativ stabilen Arbeitsmarkt; aber
die Frage, ob schon alles vorbei ist, wir uns zurückleh-
nen können und Ruhe einkehren wird, werden viele
wohl mit Nein beantworten müssen. Konjunkturelles
Kurzarbeitergeld ist ein Hauptelement aktiver Arbeits-
marktpolitik. Sie haben die Bedingungen verschlechtert.
Deshalb sagen wir: Wir wollen den alten Zustand wie-
derherstellen.


(Beifall bei der SPD)


Damit verfolgen wir zwei Ziele: Wir wollen Beschäf-
tigte vor Arbeitslosigkeit schützen und – dies ist uns
genauso wichtig – den im Kern gesunden Unternehmen
ermöglichen, ihre gut ausgebildeten Beschäftigten zu
halten. Damit legen wir eine stabile Basis für einen Auf-
schwung, den wir wohl alle wollen.


(Beifall bei der SPD)


Wir wissen: 2009 war ein schwieriges Jahr; 2010 wird
nicht einfacher werden. Wir können auch nicht sagen:
2011 werden wir alle Probleme gelöst haben. Deshalb
kämpfen wir für die Verlängerung der Brücke „konjunk-
turelle Kurzarbeit zu optimalen Bedingungen“.

Wir haben viele auf unserer Seite. Mich hat es beson-
ders gefreut, dass sich auch Herr Kannegiesser so geäu-
ßert hat. Dies sollte eine Überlegung auf Ihrer Seite wert
sein.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Beginn einer wunderbaren Freundschaft!)


– Eben, genau deshalb könnten Sie ihm ja vielleicht eher
als uns folgen. Das verstehe ich ja.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Wir alle sehen: Der Arbeitsmarkt ist angespannt, und
auf ihm sind regionale und zeitliche Disparitäten zu er-
kennen. Wir haben dazu eine Information der Bundes-
agentur für Arbeit bekommen, in der deutlich wird, dass
die Kurzarbeit wie schlechtes Wetter auf einer Wetter-
karte durch das ganze Land zieht. Dieses schlechte

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(C (D etter ist noch nicht vorbei. Deshalb müssen wir darauf chten, dass die Bedingungen gut bleiben und dass die nternehmen, die Mut haben, eine langfristige Perspekve erhalten. Welche Branchen nutzen die Kurzarbeit bisher eigentch? Wir wissen: Am stärksten ist Kurzarbeit im Machinenbau vertreten; die Quote beträgt dort 22,7 Proent. In der Metallindustrie, in der Automobilbranche, ei der Herstellung elektronischer und optischer Erzeugisse gibt es viel Kurzarbeit. Das sind aber Branchen, die ine sehr langfristige Planungssicherheit brauchen. Insorn ist das Signal, das Sie gesetzt haben, falsch. Ich ziere aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung on Frau von der Leyen. Sie schreibt: „Der Arbeitsmarkt raucht weiter die volle Aufmerksamkeit.“ Das unterchreibe ich sofort. Ich zitiere weiter: Wir müssen genau beobachten, ob das Bemühen der Unternehmen, Beschäftigte im Betrieb zu halten, weiter trägt – damit wir flexibel und kurzfristig reagieren können. Das hat sich in der ganzen Krisenzeit bewährt. echt hat sie. Sie schreibt allerdings auch: „Noch ist unlar, welche Entwicklung die nächsten Monate dominien wird.“ Wenn das so ist, frage ich mich, warum man ann vorschnell so restriktive Entscheidungen getroffen at. Deshalb sagen wir: Weg mit der Begrenzung auf 8 Monate! Wir wollen, dass weiterhin Sozialbeiträge urch die BA übernommen werden, auch über 2011 hiaus. Ich darf aus dem Jahresgutachten des Sachverstänigenrates zitieren: Entscheidend für die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird sein, wie die Unternehmen in den kommenden Monaten die Kosten der Weiterbeschäftigung relativ zu den Entlassungsund späteren Such-, Einstellungsund Einarbeitungskosten einschätzen werden. Dass die Kostenabwägung bisher zugunsten des Haltens der Arbeitskräfte ausgefallen ist, liegt nicht zuletzt an der Kostenerleichterung durch die Veränderung bei der Kurzarbeiterregelung. o der Sachverständigenrat recht hat, hat er eben recht. Wir müssen dafür sorgen, dass es einen erleichterten ugang zur Kurzarbeit gibt. Wir wollen auch für Zeitrbeitsfirmen die Option auf Kurzarbeit erhalten. Die onderregelung für Qualifizierungsmaßnahmen muss is Ende 2011 verlängert werden. Deshalb heißt es auch: tandhaft bleiben bei Qualifizierung! Wir haben gelernt, ass da die Unternehmenskultur in Deutschland deutlich esser werden kann. Wir haben einen zaghaften Einstieg ber die konjunkturelle Kurzarbeit. Das wollen wir ausauen. Dabei müssen wir bleiben. Wir sehen, wie gut das er Metallbereich beispielsweise in Baden-Württemerg macht. Das heißt aber noch lange nicht, dass es in anz Deutschland optimal läuft. Gabriele Lösekrug-Möller Wir wollen dieses gute Instrument behalten. Wir müssen aber auch den Missbrauch im Blick behalten. Den lassen wir nicht durchgehen. Wir wissen, dass es zu Jahresanfang 800 Verdachtsfälle gab, davon sind fast 200 Verfahren eingestellt worden. 130 Verfahren sind noch im Gange. Es ist richtig, dass die Staatsanwaltschaft tätig wird. Denn eins ist klar: Wir haben ein gutes Instrument. Wir wollen es behalten. Wir wollen zurück zur alten Regelung. Das ist der feste Wille der SPD. Meine große Bitte an die neue Koalition ist, zu überlegen, ob sie nicht etwas vorschnell war. Ihre Ministerin zeigt schon millimeterweise Einsicht. Wir wollen wieder dahin, dass ein gutes Instrument gut angewendet wird; denn wir alle haben ein Interesse daran, dass für die Unternehmen und für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland aus der Krise eine Chance wird. Das ist unser Ziel. Deshalb wäre es gut, wenn Sie unserem Antrag zustimmen würden. Danke schön. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)





(A) )


(B) )



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701920300

Das Wort hat jetzt der Kollege Paul Lehrieder von der

CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Paul Lehrieder (CSU):
Rede ID: ID1701920400

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen!

Werte Kollegen! Liebe Kolleginnen und Kollegen von
der SPD, insbesondere Sie, geschätzte Frau Kollegin
Lösekrug-Möller, mit dem heutigen Antrag fordern Sie
verbesserte Konditionen für Kurzarbeit. Wie Sie wissen,
sind wir für konstruktive Vorschläge, auch und gerade
von unseren Freunden von der geschätzten Opposition,
jederzeit dankbar.


(Zuruf des Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP])


– Da haben Sie völlig recht, Herr Kolb.

Ich muss jedoch darauf hinweisen, dass die unionsge-
führte Bundesregierung der vergangenen und der laufen-
den Legislaturperiode bereits umfassende und kosten-
intensive Verbesserungen der Kurzarbeit auf den Weg
gebracht hat, welche sich in der derzeitigen Wirtschafts-
krise sehr gut bewährt haben. Ich will auch nicht verheh-
len, dass der frühere Arbeitsminister Olaf Scholz einen
nicht unerheblichen Anteil daran hat.

Arbeitsplätze von Arbeitnehmerinnen und Arbeitneh-
mern in Deutschland konnten dadurch gesichert werden.
Kurzarbeit hilft, Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Sie ist
ein flexibles Instrument, das besonders den unterschied-
lichen Entwicklungen der einzelnen Branchen und
Regionen Rechnung trägt. Außerdem können Unterneh-
men und Betriebe durch das Instrument der Kurzarbeit
bei verbesserter Auftragslage die Produktion mit ihren
bewährten und eingearbeiteten Mitarbeitern wieder
hochfahren.

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(C (D Wie Sie sich sicherlich noch erinnern können, haben ir dazu in der letzten Wahlperiode gemeinsam mit Ihen von der SPD im Rahmen des Maßnahmenpakets Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“, em sogenannten Konjunkturpaket I, dem Gesetz zur Siherung von Beschäftigung und Stabilität in Deutschnd, Konjunkturpaket II, und dem 3. SGB-IV-Ändengsgesetz diverse Regelungen umgesetzt, welche vor icht allzu langer Zeit von den Kolleginnen und Kolleen der SPD noch für erforderlich, aber auch für ausreihend befunden wurden. bwohl sie Ihnen noch geläufig sein dürften, meine lieen Kolleginnen und Kollegen, werde ich die mit Ihnen emeinsam beschlossenen Regelungen gerne noch einal kurz nennen: Wir haben die Bezugsfrist des Kurzarbeitergeldes auf 8 Monate verlängert und die Antragstellung für Arbeiteber vereinfacht. Die Agenturen für Arbeit erstatten ab em siebten Monat der Kurzarbeit die vollen Beiträge ur Sozialversicherung, die auf Kurzarbeit entfallen. In en ersten sechs Monaten werden die Beiträge zur Soialversicherung zur Hälfte von den Agenturen für Areit übernommen. Für jene Mitarbeiter, die während der urzarbeit an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, önnen in dieser Zeit die Sozialversicherungsbeiträge zu 00 Prozent übernommen werden. Auch die Weiterbilungsmaßnahmen selbst werden von den Agenturen für rbeit umfangreich gefördert. Die Bedingung, dass minestens ein Drittel der Belegschaft von einem Entgeltusfall betroffen sein muss, wird ausgesetzt: Um für einen der mehrere Beschäftigte Kurzarbeitergeld beantragen u können, reicht der Nachweis eines Entgeltausfalls von ehr als 10 Prozent. Der Arbeitgeber kann bei der Anagstellung wählen, ob er davon Gebrauch machen öchte. Arbeitszeitkonten müssen vor Bezug des Kurz rbeitergeldes nicht ins Minus gebracht werden. Ab dem . Januar 2008 durchgeführte vorübergehende Änderunen der Arbeitszeit aufgrund von Beschäftigungssichengsvereinbarungen wirken sich nicht negativ auf die öhe des Kurzarbeitergeldes aus. Kurzarbeitergeld kann uch uneingeschränkt für Leiharbeitnehmer sowie für efristet Beschäftigte beantragt werden. Unter dem ehemaligen Bundesarbeitsminister Dr. Jung urde durch die Zweite Verordnung zur Änderung der erordnung über die Bezugsfrist für das Kurzarbeitereld die Bezugsfrist für das Kurzarbeitergeld verlängert, nd das ist gut so. Für Kurzarbeit, die ab dem Jahr 2010 eginnt, kann bis zu 18 Monate lang Kurzarbeitergeld ezahlt werden. Ohne den Erlass der Verordnung hätte ie Bezugsfrist für Kurzarbeitergeld, wenn die Kurzareit 2010 begonnen wird, entsprechend der gesetzlichen egelung nur 6 Monate betragen. Mit der Verordnung urde die Bezugsfrist auf 18 Monate verlängert. Das eißt, vieles von dem, was Sie sich für die Zukunft wünchen, haben wir für die laufende Bezugszeit bereits ein tück weit berücksichtigt, und zwar auch nach Ende der Paul Lehrieder Großen Koalition. Die Verlängerung gilt nur für jene Betriebe, die mit der Kurzarbeit 2010 beginnen. Den Arbeitgebern, die im Vertrauen auf eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation keine Entlassungen vornehmen, wird somit Planungssicherheit gegeben. Gegebenenfalls ist im Sommer auch für die Zeit nach dem 1. Januar 2011 eine Verlängerung zu prüfen – Sie haben auf entsprechende Äußerungen unserer Bundesarbeitsministerin, Frau von der Leyen, hingewiesen –, sofern die wirtschaftlichen Rahmendaten dies dann notwendig machen. Zum jetzigen Zeitpunkt ein Signal zu senden, dass wir auch im Jahr 2011 in erheblichem Ausmaß mit Kurzarbeit rechnen, halte ich schlichtweg für den falschen Weg. Frau Kollegin Lösekrug-Möller, Sie haben selbst ausgeführt, dass wir zurzeit einen relativ stabilen Arbeitsmarkt haben. (Brigitte Pothmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber warum denn?)


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: So ist das!)


(Beifall bei der CDU/CSU)





(A) )


(B) )


Was in einem halben oder Dreivierteljahr sein wird, kön-
nen weder Sie noch ich verlässlich voraussagen. Sie ha-
ben auch ausgeführt, Frau Lösekrug-Möller – ich darf
Sie zitieren –: „Das schlechte Wetter ist noch nicht vor-
bei.“ – Sie kommen mir vor wie jemand, der bei Sonnen-
schein bzw. heranziehenden Wolken bereits den Regen-
schirm aufspannt, noch bevor die ersten Regentropfen
fallen.


(Beifall bei der CDU/CSU – Anette Kramme [SPD]: Das ist doch lächerlich!)


Wie auch unserem Koalitionsvertrag zu entnehmen
ist, ergreifen wir effektive Maßnahmen, um die in der
Geschichte der Bundesrepublik einmalige Finanz- und
Wirtschaftskrise rasch zu überwinden und gestärkt aus
ihr hervorzugehen. Die von uns getroffenen Maßnahmen
haben zur Robustheit des Arbeitsmarktes in der Krise
entscheidend beigetragen und bedürfen keiner weiteren
Ergänzung. Wir geben damit sowohl den Arbeitnehmern
und ihren Familien als auch den Unternehmen und Be-
trieben in der derzeit schwierigen Wirtschaftssituation
Sicherheit und Stabilität.


(Beifall bei der CDU/CSU)


– Danke schön. – Deshalb müssen wir heute die weiter-
gehenden Anträge leider ablehnen.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701920500

Das Wort hat die Kollegin Jutta Krellmann von der

Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Jutta Krellmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701920600

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und

Kollegen! Kurzarbeit war schon in der Vergangenheit im
Bundestag immer wieder ein Thema. Die Bundesregie-
rung klopft sich auf die Schulter, um sich dafür zu loben,

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(C (D ie sie dafür gesorgt hat, mit dem Instrument der Kurzrbeit Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Regelmäßig gibt es ann einen Zwischenruf von der SPD: Olaf Scholz ist es ber gewesen. – Betriebsräte, Vertrauensleute und Geerkschaften kommen als Akteure so gut wie gar nicht or. Ich möchte an dieser Stelle all meinen Kolleginnen nd Kollegen in den Betrieben ganz große Anerkennung afür aussprechen, dass ihnen das gelungen ist. Ich kenne nicht wenige Betriebe, in denen Betriebste und Betriebsrätinnen gegen den anfänglichen Willen rer Geschäftsleitungen Kurzarbeit auf den Weg ge racht haben. Geschäftsleitungen und Personalabteilunen einiger Maschinenbaubetriebe hatten noch nicht reasiert, dass sie in einer Krise waren. Aber die eschäftigten, Betriebsräte und Betriebsrätinnen hatten ehr schnell gemerkt, dass die Arbeit im Grunde wegricht. Kurzarbeit auf zwei Jahre zu verlängern, war chtig. Kurzarbeit auf 18 Monate zu verkürzen, ist lsch. Die Krise ist nicht vorbei. Im Schiffund im Anlagenau kommt die Krise aufgrund langer Auftragsvorläufe nd Lieferzeiten gerade erst an. Auch in Teilen der Aumobilindustrie beginnen erst jetzt mit dem Ende der bwrackprämie die Beschäftigungsprobleme. Die Linke at bereits in ihrem 10-Punkte-Sofortprogramm direkt ach der Bundestagswahl die Verlängerung der Kurzareit auf drei Jahre gefordert. Wir freuen uns, dass die PD unser Anliegen aufnimmt. Betriebsräte und Betriebsrätinnen, Gewerkschaften nd Geschäftsleitungen brauchen Planungssicherheit nd Instrumente zum Handeln. Kurzarbeit inklusive der efreiung von Sozialversicherungsbeiträgen – ich habe ehört, was Herr Lehrieder eben gesagt hat; ich hätte erne einmal schriftlich von Ihnen, wo das steht; denn ach meinen Informationen ist es nicht so – (Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Das können Sie gern haben!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


uss erhalten bleiben, genauso wie die Qualifizierungs-
öglichkeiten während der Kurzarbeit. Außerdem ist es

in Fehler, gerade jetzt geförderte Altersteilzeit abzu-
chaffen.


(Beifall bei der LINKEN – Brigitte Pothmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer will das denn?)


uch sie ist ein Instrument, das dabei helfen kann, Men-
chen in Arbeit zu halten und die Einstellung und Über-
ahme von Beschäftigten und Auszubildenden zu unter-
tützen.

Diejenigen, die schon jetzt in Kurzarbeit sind, waren
om ersten Tag an Betroffene der Krise, ganz im Gegen-
atz zu den Banken, für die man große Rettungsschirme
ufgespannt hat. Kurzarbeit ist für Beschäftigte nicht
ostenlos. Die Bundesagentur für Arbeit ersetzt nur 60
zw. 67 Prozent des Entgeltverlustes. Das sind teilweise






(A) )



(B) )


Jutta Krellmann
erhebliche Einschnitte für die Betroffenen; denn die mo-
natlichen Belastungen durch Miete, Lebensunterhalt und
weitere laufende Kosten bestehen zu 100 Prozent weiter.

Jetzt bekommen diese Beschäftigten möglicherweise
noch eine Rückzahlungsforderung durch das Finanzamt.
Das darf nicht sein.


(Beifall bei der LINKEN)


Eigentlich ist Kurzarbeitergeld steuerfrei; so glaubt man.
Allerdings muss man in den Einkommensteuererklärun-
gen das komplette Jahreseinkommen versteuern. Dann
ist Kurzarbeitergeld plötzlich zu versteuerndes Einkom-
men. So will es der Progressionsvorbehalt. Damit kön-
nen plötzlich erhebliche Nachzahlungsforderungen ent-
stehen, mit denen die Betroffenen nicht gerechnet haben
und für die sie keine Rücklagen gebildet haben. Aus die-
sem Grund fordert die Linke den Verzicht auf den soge-
nannten Progressionsvorbehalt bei Kurzarbeitergeld zu-
gunsten von Beschäftigten und deren Familien und zur
Stärkung bzw. zum Erhalt der Binnennachfrage.


(Beifall bei der LINKEN)


Das Kurzarbeitergeld ist schon ausgegeben; die Be-
troffenen haben keinen finanziellen Spielraum für Rück-
zahlungen. Wir hatten in der vergangenen Legislaturpe-
riode bereits einen Antrag auf Abschaffung des
Progressionsvorbehaltes eingebracht; jetzt tun wir es er-
neut. Denn das Problem für Tausende von Beschäftigten
ist immer noch nicht aus der Welt. Hier muss dringend
eine Lösung gefunden werden.

Ich fasse zusammen: Wir brauchen einen Instrumen-
tenkasten für Betriebsräte und Betriebsrätinnen, Ge-
werkschaften und Personalabteilungen in Form von Ver-
längerung des Zeitraums für Kurzarbeit auf 36 Monate,


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: 36 Monate?)


Erhalt der Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge
durch die Bundesagentur für Arbeit, Qualifizierungs-
maßnahmen während der Kurzarbeit,


(Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Reichtum für alle!)


Förderung von Altersteilzeit, Verzicht auf den Progres-
sionsvorbehalt und, wo Sie das sagen, Herr Kollege,
Reichtum für alle.

Vielen Dank.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701920700

Frau Kollegin Krellmann, auch Ihnen gratuliere ich

zu Ihrer ersten Rede im Deutschen Bundestag.


(Beifall)


Das Wort hat der Kollege Sebastian Blumenthal von
der FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


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(C (D Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wie allge ein bekannt, haben wir in den vergangenen anderthalb ahren die heftigste Wirtschaftsund Finanzkrise unserer eit erlebt. Um den wirtschaftlichen Einbruch abzufedern und berbrückend Arbeitsplätze zu sichern, sind die aktueln Regelungen für Kurzarbeit sehr hilfreich gewesen. uf die Details der Erfolge der Regelungen für Kurzareit ist bereits mehrfach eingegangen worden; deswegen öchte ich das nicht wiederholen. Ich komme zu dem, was die SPD fordert. Das Instruent der Kurzarbeit wirkt nur kurzzeitig und begrenzt. o war es von Anfang an geplant; denn wenn sich bei en betreffenden Unternehmen mittelfristig kein Wachsm einstellt, werden die Nachteile der Regelungen für urzarbeit die Vorteile überwiegen. (Anette Kramme [SPD]: Ich glaube nicht, dass wir Babysitter sind! Das muss jedes Unternehmen selber entscheiden!)

Sebastian Blumenthal (FDP):
Rede ID: ID1701920800

aher möchten wir der Forderung, den Zeitraum für
urzarbeit zu verlängern, nicht folgen.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Kurzarbeit
ine Subvention aus öffentlichen Mitteln ist, Frau Kolle-
in. Die SPD fordert in dem vorliegenden Antrag eine
eitere Verlängerung des Zeitraums für Kurzarbeit. Wir

ollten uns die Konsequenzen einmal anschauen. Wenn
ir den Zeitraum für Kurzarbeit einfach verlängern, füh-
n wir eine Dauersubventionierung ein.


(Anette Kramme [SPD]: Für ein Jahr – das soll eine Dauersubventionierung sein?)


Hören Sie bitte zu! Sie müssen sich auch mit den Kon-
equenzen auseinandersetzen, die die Regelung, die Sie
rdern, zur Folge hätte. – Diese Regelung würde wei-
re hohe Kosten verursachen, sie würde den Staatshaus-
alt nachhaltig belasten, vor allem aber würde sie die
rbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer belasten, die das
urzarbeitergeld über ihre Versicherungsbeiträge mitfi-
anzieren müssen.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU)


ir würden eine weitere Subvention schaffen, die, wie
ir das in der Vergangenheit bereits mehrfach erlebt ha-
en, zu Mitnahme- und Gewöhnungseffekten führen
ürde: Es gab zum Beispiel Fälle, dass bei Automobil-
erstellern trotz steigender Nachfrage infolge der Ab-
rackprämie und trotz monatelanger Wartezeiten bei
kw-Bestellungen Zehntausende Mitarbeiter in Kurzar-
eit geschickt wurden, gleichzeitig aber Boni ausgeschüt-
t wurden. Es besteht also die realistische Gefahr von
itnahmeeffekten. Darüber sollten wir uns Gedanken
achen. Letztendlich würden solche Mitnahmeeffekte

en Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schaden;
enn sie finanzieren all das indirekt mit.

Zum anderen würden Steuermittel und Versicherungs-
eiträge verwendet, um Unternehmen künstlich am Le-
en zu erhalten. So ist es zum Beispiel bei einem großen






(A) )



(B) )


Sebastian Blumenthal
Versandhändler geschehen. Wenn das Unternehmen,
weil es keine wirtschaftliche Basis mehr gibt, dann in die
Pleite entlassen werden muss, verlieren die Arbeitneh-
merinnen und Arbeitnehmer doch ihren Arbeitsplatz.
Das ist eine Konsequenz, die man sich immer wieder vor
Augen führen muss, die Sie bei Ihrem Antrag aber völlig
aus den Augen verloren haben. Kurzarbeit in solchen
Unternehmen hat dazu beigetragen, dass wertvolle Zeit
verloren gegangen ist, die die betreffenden Arbeitneh-
mer hätten nutzen können, um sich auf dem Arbeits-
markt neu zu orientieren. Das ist ja auch eine Chance,
die man einmal erwähnen sollte.

Anstelle von dauersubventionierter Kurzarbeit


(Anette Kramme [SPD]: Für Hoteliers und Erben!)


brauchen wir klare und verbindliche Wachstumsstrate-
gien. Genau das ist das Kernthema der FDP und der
Bundesregierung. Dafür haben wir das Wachstumsbe-
schleunigungsgesetz verabschiedet. Der erste Beitrag ist
also bereits geleistet.

Nach aktuellen Prognosen und Modellrechnungen
wird die Schwarzarbeit in Deutschland in diesem Jahr
ein rekordverdächtiges Volumen von bis zu 260 Milliar-
den Euro annehmen. Das entspricht knapp 15 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts, ist also jeder siebte Euro, der
erwirtschaftet wird. Auch das ist ein interessanter Punkt,
den Sie einmal berücksichtigen sollten.

Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, die
Menschen wieder in legale Beschäftigungsverhältnisse
zu überführen. Das ist der Ansatz, den wir weiter verfol-
gen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Wir haben doch schon einen Niedriglohnsektor!)


Eine wichtige, für uns unverzichtbare Maßnahme dazu
ist eine grundlegende Reform der Einkommensteuer.
Dafür tritt die FDP in der Regierungskoalition an. Wir
brauchen spürbare steuerliche Entlastungen, damit sich
legale Arbeit wieder lohnt.


(Beifall bei der FDP – Anette Kramme [SPD]: Das glauben Sie immer noch? – Gegenruf des Abg. Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Das glauben die seit 1945!)


– Das glaube ich auf jeden Fall. Darum haben wir dieses
Ziel beschlossen.


(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihr Koalitionspartner klatscht ja gar nicht!)


Jetzt komme ich zu den Linken, die hier die zweite
Vorlage zu diesem Thema eingebracht haben. Man muss
eine interessante Veränderung Ihrer Einstellung betrach-
ten. Vor kurzem gab es eine Pressemitteilung der Frak-
tion der Linken, in der der Einsatz von Konjunkturmaß-
nahmen gefordert wird.

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(C (D enau das ist Bestandteil des Wachstumsbeschleuniungsgesetzes. Sie müssen einmal erkennen, dass genau as, was Sie fordern, bereits von der Regierung umgeetzt wurde; das müssen Sie zur Kenntnis nehmen und nerkennen. Zwei Wochen zuvor wurde eine andere ressemitteilung von Ihnen herausgegeben, in der Sie agen, es gebe überhaupt keinen Spielraum für Steuerenkungen. Das ist ein Widerspruch: Innerhalb von zwei ochen behaupten Sie zunächst, dass Steuersenkungen icht möglich sind, und wenig später fordern Sie Konnkturmaßnahmen. (Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Auf der Ausgabenseite!)


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Ja!)


Herr Kollege, da sind Sie grundsätzlich auf dem richti-
en Weg. Zu diesem Erkenntnisgewinn möchte ich Ih-
en gratulieren und Sie ermuntern, auf dieser Ebene wei-
r mitzuarbeiten. Dann können Sie unsere Arbeit
onstruktiv begleiten.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: So ein Unfug!)


Damit eine Steuerreform langfristig und nachhaltig
irkt, müssen drei Kriterien erfüllt werden: Die Steuern
üssen niedrig, fair und einfach ausgestaltet sein. Hier

at der Entwurf der Linken konkrete Defizite, auf die ich
tzt im Einzelnen eingehe. Die Linken fordern nämlich,
ass der Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld
bgeschafft wird. Es gibt allerdings eine Vielzahl von
eistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen.
azu gehören zum Beispiel das Mutterschaftsgeld, das
rankengeld und das Übergangsgeld. Es gibt ein Dut-

end weiterer Leistungen; ich habe diese drei exempla-
sch herausgegriffen.

Wir stellen uns schon die Frage, wie hier die soziale
usgewogenheit, die Sie sonst immer betonen, gewähr-
istet wird. Ihre Initiative lässt diese Frage völlig unbe-

ntwortet und ist daher unzureichend.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


ier stellt sich einfach die Frage: Warum soll eine Bä-
kereifachverkäuferin, die kein Kurzarbeitergeld be-
ieht, mehr Steuern zahlen als ein Facharbeiter, der
urzarbeitergeld bekommt und ein höheres Einkommen

ls die Verkäuferin hat? Das ist ein Widerspruch, den Sie
icht auflösen können.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701920900

Herr Kollege Blumenthal, erlauben Sie eine Zwi-

chenfrage der Kollegin Höll?


Sebastian Blumenthal (FDP):
Rede ID: ID1701921000

Nein, ich möchte den Gedanken zu Ende führen; ich

erzichte.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701921100

Bitte schön, keine Zwischenfrage.






(A) )



(B) )


Sebastian Blumenthal (FDP):
Rede ID: ID1701921200

Sie verletzen hier den Grundsatz, dass gleich hohe

Einkommen gleich besteuert werden müssen. Wo bleibt
hier die soziale Ausgewogenheit? Es ist schon bemer-
kenswert, wenn ich als Mitglied der Freien Demokraten
Sie an diesen Aspekt erinnern muss. Vielleicht gehen Sie
noch einmal in sich und kommen zu einer vernünftigen
Schlussfolgerung.

Abschließend möchte ich sagen: Wenn wir hier eine
Verbesserung der Situation der Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer erreichen wollen, dann brauchen wir im
Zuge der Einkommensteuerreform drei konkrete Maß-
nahmen, nämlich einen flachen und abgestuften Tarif-
verlauf, hohe Freibeträge und niedrige Steuersätze. Das
nützt den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und
den Familien am meisten. Dafür stehen die FDP und die
Regierungskoalition.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701921300

Das Wort hat die Kollegin Brigitte Pothmer von der

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701921400

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich

glaube, wir sind uns wirklich fraktionsübergreifend da-
rüber einig, dass die Kurzarbeit ein geeignetes und gutes
Instrument ist, um in der Krise Arbeitslosigkeit abzufe-
dern. Ich glaube, da brauchen wir uns jetzt nicht gegen-
seitig katholisch zu machen.

Ich will darauf hinweisen: Kurzarbeit ist eine große
Leistung der Solidargemeinschaft – also nicht nur der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die über Lohn-
verzicht ihren Beitrag leisten, oder der Arbeitgeber, die
einen erheblichen Teil der Festkosten weiter tragen müs-
sen –, die dieses Kurzarbeitergeld mit 5 Milliarden Euro
finanziert.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Birgitt Bender [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das sollte man nicht vergessen!)


Frau Lösekrug-Möller, da ist es eigentlich nur richtig
und fair, dass wir uns intensiv Gedanken darüber ma-
chen, an welcher Stelle das Kurzarbeitergeld dringend
und sinnvoll eingesetzt werden muss.

Es gibt, glaube ich, gar keinen Zweifel, dass das In-
strument der Kurzarbeit in der Krise weiter genutzt wer-
den soll. Frau Lösekrug-Möller, auch nach Ihrem Bei-
trag ist mir aber nicht klar geworden, warum wir heute,
zum jetzigen Zeitpunkt, die Bezugsdauer des Kurzarbei-
tergeldes auf 36 Monate verlängern sollten. Im Moment
ist nicht abzusehen, ob diese Form der Laufzeitverlänge-
rung nötig ist; wir sind gegen die eine, vielleicht auch
gegen die andere Form der Laufzeitverlängerung. In der
jetzigen Situation, in der keiner genau abschätzen kann,
wie sich die Krise weiterentwickeln wird, ist es falsch,

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(C (D ine Entscheidung zu treffen, die auf drei Jahre ausgegt ist. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der CDU/CSU)


Frau Lösekrug-Möller, ich möchte Sie noch auf etwas
nderes hinweisen. Sie haben in Ihrem Antrag darauf
ingewiesen, dass die OECD empfohlen hat, das Kurzar-
eitergeld auf andere Länder zu übertragen, weil es ein
eeignetes Kriseninterventionsinstrument sei. Sie haben
ber nur die halbe Wahrheit gesagt. Die OECD gibt
eutschland auch auf, jetzt damit anzufangen, darüber
achzudenken, wie wir diese Subventionierung wieder
eenden können.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wir haben schon die Lösung!)


ubventionierungen sind manchmal notwendig, aber
an muss den Zeitpunkt sehr genau abpassen, ab wann
an diese vielleicht auch wieder beendet.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


In die gleiche Richtung geht auch das Institut für Ar-
eitsmarkt- und Berufsforschung in einem Gutachten. Es
ird gesagt: Durch das Kurzarbeitergeld kann nicht über

inen langen Zeitraum dafür gesorgt werden, Arbeits-
lätze tatsächlich zu erhalten. – Bei der Idee des Kurzar-
eitergeldes geht man quasi von einer „Untertunnelung“
er Krise aus. Es gibt ein Problem, das „untertunnelt“
ird, sodass die Situation nach der Krise genauso wie
or der Krise ist. Ich habe erhebliche Zweifel daran.

In dieser Krise geht es auch um erhebliche struktu-
lle Probleme. Wenn wir die strukturellen Probleme

icht angehen, dann schmeißen wir viel Geld aus dem
enster heraus. Die Beschäftigten werden gehalten, aber
obald die Zahlung des Kurzarbeitergeldes eingestellt
ird, zahlen wir für die Arbeitslosigkeit. Ich finde, das
t einfach zu wenig. Das können wir so nicht machen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


h finde übrigens, dass wir im Ausschuss intensiv darü-
er reden sollten, und ich finde auch, wir sollten darüber
achdenken, ob wir dazu nicht eine Anhörung durchfüh-
n. Das würde sich wirklich einmal lohnen.

Ich will aber noch auf etwas anderes hinweisen: Ich
in sehr unzufrieden damit, wie die Kurzarbeit mit der
ualifizierung verknüpft worden ist. 1 Million Men-

chen befinden sich im Durchschnitt in Kurzarbeit. In
ieser Zeit haben insgesamt nur 100 000 Menschen pa-
llel dazu an Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen.


(Anette Kramme [SPD]: Besser als gar nichts, oder!?)


as sind nur 10 Prozent, liebe Leute. Das ist einfach viel
u wenig.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Anette Kramme [SPD]: Besser als gar nichts!)







(A) )



(B) )


Brigitte Pothmer
Wir alle wissen, dass wir in Deutschland ein Qualifi-
zierungsdefizit größter Ordnung haben. Das wäre die
Chance gewesen, die Krise tatsächlich zu nutzen, dieses
Qualifizierungsdefizit zu verringern.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ich glaube, die vier Minuten sind vorbei!)


Deswegen lohnt es sich, im Ausschuss auch darüber
noch einmal nachzudenken.

Ich glaube, es wird im Ausschuss eine sehr solidari-
sche Diskussion auf einem guten fachlichen Niveau ge-
ben. Insofern freue ich mich auf die Beratungen.

Danke schön.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Man konnte in weiten Teilen zustimmen!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701921500

Als letzter Redner zu diesem Tagesordnungspunkt hat

nun der Kollege Olav Gutting von der CDU/CSU-Frak-
tion das Wort.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Olav Gutting (CDU):
Rede ID: ID1701921600

Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen!

Wir müssen den Menschen in dieser Krise Antworten
darauf geben, wie wir unser Land aus dem Tal heraus-
führen. Hierfür war die Ausweitung und die Verlänge-
rung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes ganz un-
bestritten eine richtige Maßnahme.


(Beifall des Abg. Paul Lehrieder [CDU/CSU])


Was wir nicht brauchen, sind solche Anträge wie der
vorliegende von der Linkspartei,


(Dr. Kirsten Tackmann [DIE LINKE]: Doch!)


mit denen populistische Ziele verfolgt werden. Das wird
auch dadurch nicht besser, dass Sie diesen Antrag nun
schon zum zweiten Mal stellen.

Die Linke will die Abschaffung des Progressionsvor-
behaltes für Kurzarbeitergeld. Damit will sie anerkannte
steuerrechtliche Grundsätze aushebeln;


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Die sind denen nicht bekannt! – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Die kennen sie nicht!)


denn durch den Progressionsvorbehalt wird ja die Be-
steuerung nach der Leistungsfähigkeit sichergestellt.
Hier verstehe ich Sie nun wirklich nicht. Ich dachte im-
mer, die Linken seien gerade diesem Prinzip verbunden.
Wer mehr verdient und mehr erhält, der muss höhere
Steuern zahlen als derjenige, der weniger hat.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: So, wie es denen passt!)


Vor diesem Hintergrund ist die Forderung, die Sie hier
stellen, schon etwas verwunderlich. Tatsache ist doch,
dass Lohnersatzleistungen und damit auch das Kurzar-

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(C (D eitergeld steuerfrei sind. Sie werden lediglich zur Bechnung des individuellen Steuersatzes herangezogen. enn wir nun bestimmte steuerfreie Einkünfte beim rogressiven Verlauf des Einkommensteuertarifs außer nsatz lassen würden, dann würde dies nicht nur bedeun, dass für diese Einkünfte ein Steuerausfall zu ver eichnen ist, sondern auch, dass ein niedrigerer Steueratz für die übrigen Einkünfte angewendet wird. Ich hatte Sie eigentlich immer so verstanden, dass die inken keine Steuersenkungen wollen. Sie wettern ja uch immer gegen unsere Pläne, gerade die Bezieher iedriger und mittlerer Einkommen zu entlasten. Wenn h die Worte Ihres Parteivorsitzenden richtig in Erinneng habe, dann hat er sinngemäß gesagt: Diese Steuer enkungen der christlich-liberalen Koalition dürfen nicht ein; denn dadurch werden die Kommunen in die Pleite etrieben. Aber nichts anderes als eine Steuersenkung it einer gewissen Unwucht propagieren Sie jetzt, und war völlig inkonsequent. Warum sollte der Progressionsvorbehalt nur für das urzarbeitergeld aufgehoben werden? Diese Frage urde bereits gestellt. Was ist mit den anderen zahlrei hen Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld und Inolvenzgeld? (Zuruf von der LINKEN: Hotelübernachtungen!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


in kompliziertes Einkommensteuersystem mit einer
ielzahl von Ausnahmen und wiederum Ausnahmen
on diesen Ausnahmen haben wir schon. Wir brauchten
onstruktive Vorschläge zu einer Reform der Einkom-
ensteuer anstelle solcher Anträge.

Uns in der Union geht es in allererster Linie um ein
infacheres und schon deswegen gerechteres Steuersys-
m.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


r Antrag, den wir heute debattieren, ist aber in keiner
eise für eine Vereinfachung geeignet.


(Zuruf von der LINKEN: Doch!)


Grundsätzlich muss gelten, dass sich die Einkommen-
teuer nach der individuellen Leistungsfähigkeit des ein-
elnen Steuerzahlers richtet. Dazu gehört in diesem Sys-
m zwingend der Progressionsvorbehalt. Wir wollen

ine Reform der Einkommensteuer, durch die neben der
ereinfachung gerade die Steuerzahler mit mittleren und
iedrigen Einkommen entlastet werden.


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Und vor allem die Reichen!)


as sind doch all die Menschen, die morgens aufstehen,
ur Arbeit gehen und hart für ihre Brötchen arbeiten. Sie
u entlasten, das sind wir ihnen schuldig.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wenn wir mehr Wachstum wollen, dann müssen wir
nser Steuerrecht leistungsgerechter gestalten und dür-
n gerade nicht, wie in Ihrem Antrag geschehen, die
eistungsfähigkeit ausblenden. Erste Schritte in die rich-






(A) )



(B) )


Olav Gutting
tige Richtung haben wir in dieser Koalition schon ge-
macht. Das Bürgerentlastungsgesetz, die Absenkung des
Eingangssteuersatzes, die Anhebung des Grundfreibetra-
ges, die Rechtsverschiebung des Tarifs und das Wachs-
tumsbeschleunigungsgesetz zusammen entlasten die
Menschen in diesem Land seit dem 1. Januar um knapp
22 Milliarden Euro.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Abschließend will ich als Fazit festhalten: Unter dem
Gesichtspunkt einer gerechten Besteuerung nach der
Leistungsfähigkeit ist im Einkommensteuerrecht der
Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld nur folge-
richtig und deswegen beizubehalten. Ergo werden wir
Ihren Antrag ablehnen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701921700

Ich schließe die Aussprache.

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf
den Drucksachen 17/523 und 17/255 an die in der Tages-
ordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind
Sie damit einverstanden? – Das ist der Fall. Dann sind
die Überweisungen so beschlossen.

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 11 a und 11 b auf:

a) Erste Beratung des von der Fraktion der SPD ein-
gebrachten Entwurfs eines … Gesetzes zur Än-
derung des Umsatzsteuergesetzes
– Drucksache 17/520 –
Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuss (f)

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Tourismus
Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 GO

b) Beratung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN

Umsatzsteuerermäßigung für Hotellerie zu-
rücknehmen
– Drucksache 17/447 –
Überweisungsvorschlag:
Finanzausschuss (f)

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
Ausschuss für Tourismus
Haushaltsausschuss

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen. Gibt es Wi-
derspruch dagegen? – Das ist nicht der Fall.

Dann eröffne ich die Aussprache und erteile als erster
Rednerin der Kollegin Sabine Bätzing von der SPD-
Fraktion das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Sabine Bätzing (SPD):
Rede ID: ID1701921800

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und

Kollegen! Da ich beabsichtige, wie vorhin angekündigt,

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(C (D eine Rede mit einem lateinischen Zitat zu beenden, erde ich sie auch so beginnen: Quousque tandem, can ellaria? ie lange noch wollen Sie diese unsolide Haushaltspolik fortsetzen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der nion? Diese Frage mag vielleicht verfrüht erscheinen, ist och die schwarz-gelbe Regierung noch gar nicht so nge im Amt. Aber seien Sie versichert: Aufgrund der nkündigungen und vor allen Dingen der Nichtankündiungen Ihrer Regierung insbesondere in der Finanzpolik werden wir diese Frage immer wieder und bei jeder elegenheit stellen. Einen ersten Anlass dazu hat uns bereits Ihr erstes esetz gegeben, mit dem Sie unter anderem den Um atzsteuersatz für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent esenkt haben. Das war eine offensichtliche Fehlentcheidung. Dies sehen nicht nur wir alleine so. Mit unserem heutigen Gesetzentwurf wollen wir Ihen die Gelegenheit geben, diesen Fehler wieder gutzuachen Wenn Sie diese Gelegenheit nicht nutzen und icht zustimmen, dann werden Sie sich unseren Fragen uch weiterhin stellen müssen. Wir werden Sie wieder nd wieder fragen, was Sie denn zu tun gedenken, um re Steuergeschenke zu finanzieren. Wir werden Sie ieder und wieder fragen, wem Sie das Geld wegnehen, mit dem Sie Ihre Steuergeschenke finanzieren. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


Ohne jetzt näher auf die Details des Spendenrechts
inzugehen: Der Wähler wird sich schon seinen eigenen
eim darauf machen, wenn eine Partei Geld geschenkt
ekommt und dieses mit Steuergeldern zurückzahlt.


(Beifall bei der SPD)


r wird auch erkennen, dass dies bei FDP und Union mit
rößerer Häufigkeit vorkommt und es sich um höhere
ummen handelt als bei den anderen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, zurück zu Ihrer
eutigen Chance und unserem Gesetzentwurf. Die Ex-
erten in der Anhörung, vor allem die aus der Wirtschaft
ich nenne beispielhaft den BDI und den DIHK; sie
ind wahrlich nicht SPD-nah –, waren sich beim
achstumsbeschleunigungsgesetz einig: Die Umsatz-

teuerermäßigung für Übernachtungen ist – ich will es
orsichtig formulieren und zitiere aus der Anhörung Pro-
ssor Dr. Homburg – ökonomischer Irrsinn. Denn sie
hrt ausschließlich zu mehr Bürokratie.


(Zuruf von der CDU/CSU: Quatsch!)


ie führt nicht zu mehr Wachstum, und sie führt schon
ar nicht zur Senkung der Übernachtungskosten.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)







(A) )



(B) )


Sabine Bätzing
Einen Monat nach Inkrafttreten haben sich diese Aus-
sagen in der Praxis bestätigt. Tatsächlich haben 7 Pro-
zent der Hotels die Preise gesenkt, 14 Prozent aber ha-
ben sie erhöht. Sie argumentieren immer wieder, dass
vorrangig investiert wird


(Ingbert Liebing [CDU/CSU]: Richtig! Wird ja auch!)


und dass nur dort, wo nicht investiert wird, die Preise ge-
senkt werden. Das ist eine clevere Argumentation und
eine geschickte Strategie. Fakt ist leider: Es passiert
nichts. Die Hotels stecken sich ihr schwarz-gelbes Steu-
ergeschenk in die Tasche, und das war es.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie des Abg. Richard Pitterle [DIE LINKE] – Gisela Piltz [FDP]: Wie war das noch mit der Abwrackprämie?)


Dies ist auch der Grund, warum sich praktisch jeder
Betroffene in der Republik – Reiseveranstalter, Finanz-
ämter, Steuerberater und Steuerzahler – über diese Rege-
lung beschwert. Selbst die begünstigten Hotels sind nicht
glücklich, weil sie mit den Details der Regelung – zum
Beispiel in Bezug auf die Umsatzsteuerausweisung des
Frühstücks – nicht zurechtkommen.


(Ingbert Liebing [CDU/CSU]: Ist doch auch falsch!)


Auch Sie, meine Damen und Herren von der CDU,
haben das in weiten Teilen so gesehen. Prominente Mit-
glieder Ihrer Fraktion wie der Bundesfinanzminister ha-
ben das durchblicken lassen, und andere, zum Beispiel
Herr Professor Dr. Lammert, der Präsident dieses Hau-
ses, haben es offen gesagt. Das ist durchaus positiv anzu-
rechnen. Leider haben Sie nicht danach gehandelt.


(Beifall bei der SPD)


Es stellt sich mir daher die Frage: Wenn Sie den Feh-
ler erkannt haben, warum haben Sie dem Wachstumsbe-
schleunigungsgesetz in dieser Fassung dennoch zuge-
stimmt? Streit in der Koalition zu vermeiden, kann nicht
Ihr Argument gewesen sein; denn Sie streiten sich an-
dauernd. Was – das ist die Frage – hat Ihnen die FDP im
Gegenzug zugesagt? Oder entscheidet die FDP bei Ihnen
in der Steuerpolitik allein?


(Zuruf von der FDP: Leider nicht!)


Oder – was noch viel schlimmer wäre – wird die Steuer-
politik in Zukunft auch in anderen Bereichen durch ge-
zielte Spenden bestimmt werden? Beim Ausschließlich-
keitskriterium lässt sich der Verdacht nicht völlig
ausräumen, wie wir vorhin erfahren haben. Bedeutet das
vielleicht, dass wir uns gegen eine entsprechende
Spende unseren Mindestlohn hätten kaufen können?


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Wie dem auch sei: Wir überlegen, was die Gründe da-
für waren, dass Sie zugestimmt haben. Das kann man
mit Koalitionsräson begründen.


(Ingbert Liebing [CDU/CSU]: Vielleicht auch mit guten Erkenntnissen!)


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(C (D ber Koalitionsräson gilt doch nur für das größere anze. Auch wir haben in unserer Regierungszeit – ich ill nichts beschönigen – die eine oder andere bittere ille schlucken müssen. (Christian Lindner [FDP]: Und Spende bekommen!)


ir wussten aber genau, was wir jeweils im Gegenzug
ekommen und dass es den Kompromiss und die Ab-
prache wert war. Bei uns gab es kein „Wünsch dir was“
ach dem Motto: Geld her! Dann bekommt ihr euren
unsch erfüllt.


(Christian Lindner [FDP]: Was war denn mit der Abwrackprämie?)


Entsprechende Überlegungen bei Ihnen vermissen
icht nur wir, sondern die ganze Republik. Im Gegenteil:
m das Steuergeschenk durchzusetzen, haben Sie auch
och die widerstrebenden Länder gekauft. Womit, haben
ie uns allerdings bis heute nicht gesagt. Wir fragen uns:
erden Sie, die CDU, auch an anderer Stelle Steuer-

läne der FDP mittragen, die selbst von Experten massiv
ritisiert werden, ohne dagegenzuhalten?

Wir geben Ihnen mit unserem Gesetzentwurf die Ge-
genheit, Ihre falsche Entscheidung zu korrigieren und
r Übernachtungen wieder den angemessenen Umsatz-

teuersatz zu erheben. Wir fordern von Ihnen – genauso
ie die Kanzlerin in ihrer Antrittsrede von der Opposi-
on –, an der Verbesserung Deutschlands mitzuwirken.
ir fordern Sie auf, individuelle Größe zu zeigen. Wir

chten diese Forderung nicht an FDP und CSU, weil wir
issen, dass das wahrscheinlich vergebens ist. Aber wir
chten sie an die CDU, in der viele Abgeordnete in die-
er Sache richtig entscheiden würden, wenn sie sich
auten. Wenn Sie es nicht für uns tun, dann trauen Sie
ich wenigstens für Ihre Kommunen, Ihre Länder und
en Bund, für den Sie Verantwortung tragen, und erspa-
n Sie den Gebietskörperschaften Mindereinnahmen in
öhe von 1 Milliarde Euro.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der CDU/CSU: Die Sie schon fünfmal anderen versprochen haben!)


Wir werden die Nachricht über Ihr Abstimmungsver-
alten den Bürgern sicherlich nicht vorenthalten. Wir
erden das jedes Mal tun, wenn Sie von der Allgemein-
eit Opfer verlangen, obwohl keine Notwendigkeit dafür
esteht und es sich um reine Klientelpolitik handelt.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


ir werden jedes Mal den Wähler fragen, ob er es rich-
g findet, dass rund 45 000 Hotels mehr Geld bekom-
en, während er höhere Abgaben und Steuern zahlen
uss.


(Beifall bei der SPD)


ir werden ihn fragen, ob er von der Umsatzsteuerermä-
igung für Hotels profitiert hat. Wir werden dieses
hema immer wieder bei der Regierung in Zahlen nach-
agen. Alles das können Sie sich mit einer mutigen Ent-

cheidung bei der späteren Abstimmung ersparen.


(Beifall bei der SPD)







(A) )



(B) )


Sabine Bätzing
Ansonsten werden Sie von mir noch öfter hören: „Cete-
rum censeo: Habitudinem favoris clientium esse abolen-
dam.“ Im Übrigen bin ich der Meinung: Ihre Klientelpo-
litik gehört abgeschafft.

Danke schön.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701921900

Das Wort hat der Kollege Peter Aumer von der CDU/

CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Peter Aumer (CSU):
Rede ID: ID1701922000

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her-

ren! Erlauben Sie mir, meine Überraschung darüber aus-
zudrücken, dass heute die erste Beratung über Ihren Ge-
setzentwurf auf der Tagesordnung steht, Frau Kollegin
Bätzing. Vielleicht schaffen wir es, dass Sie heute – das
haben Sie von uns gefordert – die Chance zu einer besse-
ren Erkenntnis nutzen. Entscheidungen, die dieses Hohe
Haus mehrheitlich getroffen hat, zu akzeptieren, gehört
zu einer guten Zusammenarbeit.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


In Ihrem Gesetzentwurf, meine sehr geehrten Damen
und Herren von der SPD, bezeichnen Sie die Ermäßi-
gung des Umsatzsteuersatzes für Beherbergungsleistun-
gen durch die christlich-liberale Koalition als eklatante
Fehlentscheidung.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


– Danke schön. Ich hoffe, dass Sie auch gleich noch klat-
schen. – Die SPD beantragte im Bayerischen Landtag
bereits im Jahr 2006 – das sollte man bitte nicht verges-
sen; ich zitiere wörtlich –:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, ihren Ein-
fluss

– man spricht bei der SPD von Einfluss –

dahin gehend geltend zu machen, dass der Bund für
die Hotellerie den reduzierten Mehrwertsteuersatz
in Höhe von 7 % einführt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wie kommt der plötzliche Meinungsumschwung zu-
stande? Jetzt, da das Anliegen der SPD erfüllt ist, kom-
mentiert der bayerische SPD-Landesvorsitzende Pronold
die Maßnahme wie folgt: Die CSU hat Subventionen
ohne sachliche Begründung durchgesetzt,


(Beifall bei der SPD)


und zwar zugunsten ihrer Klientel. Da drängt sich doch
die Frage auf: Gehört die Bayern-SPD mittlerweile zur
Klientel der CSU? Meines Erachtens sollte sich die SPD
in Bayern vergegenwärtigen, dass sie, nur weil wir das
getan haben, was die SPD gefordert hat, noch nicht zur
Klientel der CSU gehört.

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(C (D (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Zuruf von der FDP: Die bereiten die Fusion mit der Linken vor!)


Die angeblich fehlende sachliche Begründung liefert
ie SPD in Bayern im vorgenannten Antrag selbst:

Die Bundesregierung wird aufgefordert, die deut-
sche Hotellerie wettbewerbsfähiger zu machen, in-
dem sie die Umsatzsteuer für die Hotellerie senkt.

ie recht Sie doch haben, liebe Kolleginnen und Kolle-
en der bayerischen SPD.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


An dieser Stelle kann ich nur dem wirtschaftspoliti-
chen Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag,
errn Dr. Martin Runge, recht geben, der die Debatte
m die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes als sehr
eicht empfindet. Er sieht es genauso wie die CSU.


(Joachim Poß [SPD]: Seicht ist der Vorgang!)


Seicht ist Ihr Vorgehen, nicht unseres.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


r hat recht, weil es Ihnen nicht um die Sache geht,
eine sehr geehrten Damen und Herren, sondern weil

ersucht wird, etwas zu konstruieren. Käuflichkeit,
lientelpolitik und vieles mehr führen Sie ins Feld. Ih-
en geht es gar nicht um Inhalte. Doch was macht die
PD bei dieser Debatte? Sie weiß heute nicht mehr, was
ie gestern gesagt hat.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: So ist es!)


Die christlich-liberale Koalition hat eine klare Linie,
inen klaren Kurs. Wir haben das, was wir in unseren
ahlprogrammen versprochen haben, gehalten und
üssen nicht die in der Vergangenheit gutgeheißenen
orderungen nun bekämpfen. Wir stehen zu unserer Ver-
inbarung im Koalitionsvertrag.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Im Folgenden führe ich einige inhaltliche Aspekte an,
enn Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren der
pposition, diese überhaupt sehen und zur Kenntnis
ehmen wollen.

Durch die Ermäßigung der Umsatzsteuer bei Beher-
ergungsleistungen stärken wir die internationale Wett-
ewerbsfähigkeit des deutschen Hotel- und Gastrono-
iegewerbes. Der überwiegende Teil der europäischen
itbewerber in dieser Branche profitiert bereits von er-
äßigten Umsatzsteuersätzen, Herr Poß.


(Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum müssen die Übernachtungen billiger werden?)


enn Sie zu Ende gesammelt haben, nehmen wir die
ox gern mit. Wir finden bestimmt eine gute Gelegen-
eit, den Inhalt zu verwenden.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)







(A) )



(B) )


Peter Aumer
Ich vertraue weiterhin auf die Prognosen des Deut-
schen Hotel- und Gaststättenverbandes und das zielge-
richtete Handeln jedes einzelnen Hoteliers und Unter-
nehmers. Der Großteil dieser Unternehmer ist im
mittelständischen Gewerbe tätig.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Bereits jetzt werden Investitionsmaßnahmen umgesetzt,
die konkrete Impulse in unserer wirtschaftlich schwieri-
gen Zeit geben.

Unsere tourismuspolitische Sprecherin Marlene
Mortler hat mir von einem Gespräch erzählt, bei dem
deutlich wurde, dass gerade diejenigen, die Urlaub auf
dem Bauernhof anbieten, im Durchschnitt 5 000 Euro im
Jahr investieren und diese Mittel zielgerichtet für Inves-
titionen zur Steigerung der Qualität verwenden. Der da-
durch ausgelöste Impuls ist meines Erachtens ein wichti-
ger Beitrag gewesen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Mit Ihrem Verhalten schüren Sie nicht nur die Politik-
verdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger, meine sehr
geehrten Damen und Herren der Opposition; Sie verletz-
ten auch das Vertrauen in die Wirksamkeit und Nachhal-
tigkeit der Politik. Leisten Sie wirkungsvolle und kon-
struktive Oppositionsarbeit! Das bisher Dargebotene
erscheint eher spärlich.

Die christlich-liberale Koalition hat einen ersten Teil
ihrer Wahlversprechen


(Joachim Poß [SPD]: Genau!)


mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz umgesetzt,
Herr Poß, und damit Wort gehalten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Mit Ihrer Politik der Willkür werden Sie sicherlich nicht
das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen. Das hat
auch die letzte Wahl deutlich gezeigt.

Ich empfehle Ihnen, die Menschen und auch Ihre
Wählerinnen und Wähler mit Blick auf die in diesem
Haus getroffenen Entscheidungen ernst zu nehmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Hans-Peter Friedrich [Hof] [CDU/CSU]: Sehr gute Rede!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701922100

Herr Kollege Aumer, auch Ihnen gratuliere ich im

Namen des ganzen Hauses zu Ihrer ersten Rede im Deut-
schen Bundestag.


(Beifall)


Jetzt hat das Wort der Kollege Richard Pitterle von
der Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Richard Pitterle (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701922200

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegin-

nen und Kollegen! Einen Monat ist die Regelung zur

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(C (D teuerermäßigung für die Übernachtung in Hotels alt, nd schon hat sie für viel Aufregung und die heutige Deatte im Bundestag gesorgt. Nun fragen sich die Bürgennen und Bürger: Wissen die im Bundestag eigentlich, as sie da tun? (Gisela Piltz [FDP]: Ja! Wir schon! – Christian Lindner [FDP]: Wisst ihr es denn auch?)


Wie sieht die Regelung in der Praxis aus? Durch die
msatzsteuersenkung sind weder die Hotelpreise gesun-
en – nach Angaben vom Focus dieser Woche sind sie
ilweise sogar gestiegen –, noch haben die Hotelbe-

chäftigten mehr Geld bekommen. Hingegen haben Sie
r mehr Bürokratie gesorgt. Jetzt werden die Übernach-
ng mit 7 Prozent, das Frühstück und andere Zusatzleis-
ngen des Hotels aber mit 19 Prozent besteuert. Diese
usatzleistungen müssen auf der Rechnung extra ausge-
iesen werden. Die Hotels müssen sich neue Software

ulegen. Das ist für die großen Hotelketten kein Pro-
lem, für Besitzer kleinerer Hotels jedoch eine zusätzli-
he finanzielle und arbeitsmäßige Belastung.

Aber auch die Hotelgäste haben das Nachsehen. Bis-
er bekam zum Beispiel eine Betriebsrätin oder ein Be-
iebsrat nach einer Schulung eine Rechnung des Hotels,
ie beim Arbeitgeber zur Auszahlung eingereicht wer-
en konnte. In dieser Rechnung war die Übernachtung
it Frühstück in einem Gesamtbetrag ausgewiesen. Da
h vor meiner Wahl in den Bundestag als Rechtsanwalt
tig war, rufen mich heute die Mandanten an und fra-
en, ob es sein könne, dass der Arbeitgeber für das mit
2 Euro ausgewiesene Frühstück nur noch den steuerli-
hen Pauschbetrag von 4,80 Euro bezahlen müsse. Sie
ind ziemlich aufgebracht.

Genauso geht es vielen Arbeitnehmerinnen und Ar-
eitnehmern im Außendienst sowie anderen Dienstrei-
enden. Auch sie finden auf der Hotelrechnung Positio-
en, die vom Arbeitgeber nicht mehr in voller Höhe
rstattet werden; wenn doch, werden sie als vermögens-
erte Vorteile versteuert


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Ein geldwerter Vorteil ist das!)


nd auch der Sozialversicherungspflicht unterworfen.
as zum Thema „Arbeitgeberbeiträge senken!“.

Kein Wunder, dass der Spiegel in dieser Woche über
ie Klagen der Hotelbesitzer berichtet, wonach viele
rer Gäste es vorziehen, statt in ihrem Hotel bei
cDonald’s nebenan zu frühstücken. Verstehen Sie das

nter „Beschleunigung des Wachstums“?


(Beifall bei der LINKEN)


enn die Anzahl der Frühstücksgäste bei McDonald’s
eiter wächst, sollte man anfangen, die Konten der FDP

u beobachten.


(Beifall bei der LINKEN)


Warum haben Sie die Folgen Ihres Handelns nicht be-
acht? Fast alle Expertinnen und Experten bei der Anhö-
ng im Finanzausschuss waren sich doch darin einig,

ass dieses schwarz-gelbe Geschenk von circa 1 Mil-






(A) )



(B) )


Richard Pitterle
liarde Euro an das Hotelgewerbe nicht die Ergebnisse
zeitigen würde, die Sie uns versprochen haben.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Erzählen Sie mir bitte nicht wieder, auch andere Parteien
hätten diese Forderung in ihrem Forderungskatalog ge-
habt; denn das ist keine Entschuldigung dafür, wie Sie
die Forderung konkret umgesetzt haben.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Lachen bei der CDU/CSU und der FDP)


Ja, es ist wahr: Auch die Linke hatte die Forderung in ih-
rem Wahlprogramm,


(Zuruf von der FDP: Genau!)


aber sie war in einen Katalog von Maßnahmen eingebet-
tet. Vorrangig haben wir einen ermäßigten Steuersatz auf
Kinderkleidung, Medikamente und arbeitsintensive
Handwerkerleistungen gefordert – das ist der Punkt –,
und davon steht in Ihrem Gesetz kein Wort.


(Beifall bei der LINKEN)


Meine Damen und Herren der Koalition, wenn Sie
schon nicht auf die Meinung der Expertinnen und Exper-
ten


(Zuruf von der FDP: Von der Linken?)


gehört haben, dann sollten Sie sich anschauen, was für
einen Schlamassel Sie in der Realität angerichtet haben.
Bekanntlich geht Erfahrung vor Belehrung. Ich sage Ih-
nen: Fehler zu machen, ist menschlich, auch für eine Re-
gierung; aber einen Fehler zu machen, ihn nicht einzuge-
stehen und nicht zu korrigieren, ist politische Dummheit.


(Beifall bei der LINKEN)


Haben Sie den Mut, Ihren Fehler zu korrigieren! Neh-
men Sie die Regelung zurück! Mit unserer Unterstüt-
zung können Sie in diesem Fall ausnahmsweise rechnen.

Danke.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Dr. Thomas Gambke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701922300

Herr Kollege Pitterle, auch Ihnen gratuliere ich im

Namen des Hauses zu Ihrer ersten Rede im Bundestag.


(Beifall)


Jetzt hat der Kollege Dr. Martin Lindner von der
FDP-Fraktion das Wort.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Dr. Martin Lindner (FDP):
Rede ID: ID1701922400

Herr Präsident! Verehrte Damen! Meine Herren! Eine

Bemerkung vorweg: Nehmen Sie grundsätzlich ernst,
was in unseren Wahlprogrammen steht.


(Beifall bei der FDP)


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(C (D as mag bei Ihnen anders sein. In Ihren Wahlprogramen steht irgendetwas, und man hält sich daran oder icht. Wir aber meinen es so, wie es in unseren Programen geschrieben steht. In der Hotellerie in Deutschland arbeiten 1 Million enschen – 100 000 davon sind Auszubildende – in 40 000 vorwiegend kleinen und mittelständischen Unrnehmen. 22 von 27 Staaten in der Europäischen nion, alle unsere Nachbarstaaten mit Ausnahme Dänearks, kennen einen reduzierten Mehrwertsteuersatz. amit wäre dieser Debattenbeitrag eigentlich schon zu nde gebracht. Was wir gemacht haben, ist lediglich ine Frontbegradigung, ist lediglich die Herstellung gleiher Wettbewerbsverhältnisse für unsere Wirtschaft, für ie Hotellerie in Deutschland. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es schadet nicht, Vergleiche zu ziehen. In diesem Ge-
erbe hatten wir letztes Jahr einen realen Umsatzrück-
ang von 6,3 Prozent. Was wir mit dieser Ermäßigung
er Umsatzsteuer erreicht haben, ist lediglich, dass in
ieser Branche wieder investiert werden kann. Es ging
och nicht darum, die in Deutschland eh schon relativ
eringen Hotelpreise abzusenken, sondern darum, dass
ie Menschen anständig entlohnt werden können.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Nicolette Kressl [SPD]: So? Da haben wir aber etwas anderes gehört! – Sabine Bätzing [SPD]: Einmal so, einmal so! Wer hat den Bürgern etwas anderes erzählt?)


ie sitzen doch immer nur hier, fordern die Einführung
on Mindestlöhnen und quatschen irgendetwas von
ohndumping. Wenn es aber einmal darum geht, einen
o arbeitsintensiven Bereich zu stärken, damit die Men-
chen anständiges Geld für ihre Arbeit bekommen, dann
ind Sie dagegen. Sie sind eine Klientelpartei. Außer
artz IV können Sie nichts bieten. Wir sorgen für an-

tändige Löhne, und das ist auch gut so.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Die Linken können doch nur Geld verteilen!)


Sie machen nichts als Sprüche. Hier eine Konnexität
it einer Spende herzustellen, das ist schon abenteuer-
ch. Bereits das Tourismuskonzept der FDP-Bundes-
gsfraktion aus dem Jahre 2000 hat die Forderung nach

iner Absenkung der Umsatzsteuer für die Hotellerie
nthalten. 2005 wurde diese Forderung wiederholt, 2007
och einmal. Sie werden doch nicht ernsthaft auf die
ee kommen, dass ein Unternehmer, der noch halbwegs

ei Trost ist, 1 Million Euro spendet, um eine Forderung,
ie schon seit zehn Jahren von einer Partei erhoben wird,
uasi zu untermauern. Dieser Unternehmer ist doch
icht geisteskrank.


(Beifall bei der FDP – Sabine Bätzing [SPD]: Da waren Sie aber noch nicht an der Regierung!)







(A) )



(B) )


Dr. Martin Lindner (Berlin)

Das Schlimme ist: Sie wissen das ganz genau. Hier geht
es um nichts anderes als darum, Dreck zu spritzen.


(Patrick Kurth [Kyffhäuser] [FDP]: Sehr richtig!)


Lassen Sie mich gerade in die Richtung der Grünen
etwas zum Begriff der Klientelpolitik sagen. Wenn Sie
diesen Ausdruck in den Mund nehmen, dann fällt mir
mein alter Lehrer ein, der immer sagte: Wenn man mit
dem Finger auf jemanden deutet, sollte man bedenken,
dass drei auf einen selbst zurückzeigen. Bei Ihnen kom-
men zehn Finger zurück. Es gibt doch keine klientelisti-
schere Partei als Bündnis 90/Die Grünen.


(Beifall bei der FDP – Kerstin Andreae [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was?)


Ich erläutere Ihnen das einmal an einem klassischen
Beispiel. Wie wir gerade lernen, erhält die Solarwirt-
schaft in Deutschland durch Subventionen Margen, von
denen andere nur träumen können. Wer kümmert sich
darum, dass es der Solarwirtschaft weiterhin traumhaft
geht? Bündnis 90/Die Grünen! Sie sind sich nicht zu
schade, Ihre ganzen Vorfeldorganisationen wie die Deut-
sche Umwelthilfe – deren Geschäftsführer ist zufällig Ihr
ehemaliger Staatssekretär Baake – in Marsch zu setzen,
damit sie ihre dicken Subventionen behalten können.
Diese Organisationen haben keine Umsatzrückgänge
von 6 Prozent. Sie sind die Klientelpartei. Wenn ich ge-
nauso niveaulos wäre wie Sie, dann würde ich Ihnen
jetzt Ihre ganzen Spenden aus der Solarwirtschaft auf-
zählen, wie es der Kollege Altmaier gemacht hat.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Das erspare ich Ihnen aber und uns genauso.

Besonders lächerlich wird es dann, wenn Ihr Ge-
schäftsführer Beck daherkommt und, um uns Klientelis-
mus nachzuweisen, uns eine Beitragsreduzierung von
5 Prozent durch die DKV vorhält. Ich habe schon Angst
bekommen: Gestern haben wir die Einladung eines Deli
Lama, einer Art Salatservice, bekommen. In dieser Ein-
ladung stand: Mitarbeiter und Abgeordnete der FDP-
Fraktion erhalten einen Rabatt von 15 Prozent. – Da
habe ich gesagt: Um Gottes willen, werft das Ding weg!
Holt euch bloß nicht einen Salat mit einem Preisrabatt
von 15 Prozent. Sonst kommt der Kollege Beck wieder
und haut uns das Ganze um die Ohren. – Kollege Beck
würde natürlich nie auf die Idee kommen, seiner eigenen
Fraktionsvorsitzenden vorzuhalten, dass sie im Wahl-
kampf forderte, einen Toyota Prius zu kaufen, wo doch
gleichzeitig Herr Al-Wazir im Wahlkampf für einen sehr
günstigen Preis einen Toyota Prius gefahren ist. Das
würde er nie tun.


(Beifall bei der FDP)


Uns aber einen Rabatt vorzuhalten, der jedem Kegelklub
gewährt wird, dazu sind Sie sich nicht zu blöd.

Am Schlimmsten ist die SPD. Ihnen kann man als
Einzigen keine Klientelpolitik vorwerfen. Sie haben
keine Klientel mehr. Sie haben einen Rest von Wählern,

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(C (D ie aus Sentimentalität oder Tradition SPD wählen, aber lientel haben Sie keine mehr. (Nicolette Kressl [SPD]: Haben Sie einmal Ihre Umfragen gesehen?)


Haben Sie einmal Ihre gesehen? Sie ziehen hier eine
opulistische Nummer ab, aber trotzdem sind Sie in der
ählergunst noch nicht gestiegen. Sie haben den Partei-

orsitzenden gewechselt, Sie sind trotzdem noch im Tal.
as wollen Sie eigentlich noch machen, um in der Wäh-
rgunst zu steigen? Sie bleiben bei 20 Prozent. Da kön-
en Sie machen, was Sie wollen.


(Beifall bei der FDP)


Das wundert mich natürlich auch nicht. Ihr stellver-
etender Parteivorsitzender Wowereit, den ich nun ein
aar Jahre kenne, kritisiert diese Spende und sagt, das sei
in Riesenskandal. Das ist derselbe Wowereit, der sich
on der Berlinwasser Holding ein Spenden-Dinner aus-
chten ließ, nachdem er sie vorher teilprivatisiert hatte.
in Spenden-Dinner eines teilprivatisierten Unterneh-
ens, dessen Einnahmen sich ausschließlich aus Zwangs-

ebühren der Bürger rekrutieren! Dieser Wowereit
acht nun die Backen dick über Parteispenden.


(Sabine Bätzing [SPD]: Der hat aber keinen Gesetzentwurf eingebracht!)


h lache mich tot.

Oder nehmen Sie Herrn Gabriel: Er fordert uns jetzt
uf, diesen Vorgang juristisch überprüfen zu lassen.
iebe Freunde, juristisch ist an dem Ding alles einwand-
ei.


(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hier ist doch kein Parteitag!)


ir haben alles deklariert, alles ist geklärt.


(Nicolette Kressl [SPD]: Ist denn schon Fastnacht?)


at er denn schon die 150 000 Euro, die die SPD einen
onat vor Einführung der Abwrackprämie von der Au-
mobilindustrie bekommen hat, nach Haiti gespendet?
enn er es gemacht hat, dann legen Sie doch den Über-
eisungsträger auf den Tisch.


(Beifall bei der FDP)


Ihre albernen Anträge werden wir ablehnen; das ist
lar.


(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hochmut kommt vor dem Fall!)


as wir allerdings ernst nehmen werden, ist das Thema
arteienfinanzierung. Darauf können Sie sich verlassen.
ir werden sehr genau schauen, wie sich Parteien in
eutschland finanzieren, insbesondere wenn sich Par-
ien aus Beteiligungen an Verlagsgesellschaften finan-

ieren,


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


dem sie von der parteieigenen Gesellschaft zweistel-
ge Millionenbeträge pro Jahr abkassieren






(A) )



(B) )


Dr. Martin Lindner (Berlin)


(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Und Leiharbeiter beschäftigen!)


und den Menschen, denen sie diese Medien zumuten,
überhaupt nicht sagen, dass hinter dieser Zeitung, hinter
diesem Medium eine Partei steckt, wenn auch nur mit ei-
ner Minderheitsbeteiligung. Ich lese Ihnen mit Erlaubnis
des Herrn Präsidenten – –


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701922500

Nein, Herr Lindner, es ist zwar Ihre erste Rede, aber

Sie überziehen jetzt schon die zweite Minute.


Dr. Martin Lindner (FDP):
Rede ID: ID1701922600

Dann erspare ich Ihnen das Zitat von Inge Wettig-

Danielmeier.
Ich sage Ihnen aber eines: Wir werden dafür sorgen,

dass in diesem Bereich genauso viel Transparenz herr-
schen wird und jeder Bürger erfahren wird,


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Schluss jetzt!)


dass nicht die Genialität von Herrn Gabriel oder von
Herrn Steinmeier Redakteure dazu verführt hat, ein sol-
ches Loblied auf sie zu singen, sondern dass das der Be-
teiligung der SPD an dem entsprechenden Verlag zu ver-
danken ist. Verlassen Sie sich darauf: Transparenz bei
der Parteienfinanzierung wird ganz oben auf der Agenda
dieser Regierung stehen!


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Sabine Bätzing [SPD]: Wir freuen uns darauf!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701922700

Herr Kollege Lindner, auch Ihnen gratuliere ich zu Ih-

rer ersten Rede im Deutschen Bundestag. Man hat aber
gemerkt, dass Sie im Landesparlament von Berlin schon
ausreichend Zeit zum Üben hatten.


(Beifall)

Das Wort hat jetzt der Kollege Thomas Gambke von

Bündnis 90/Die Grünen.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Herr Lindner, Sie nehmen zwar jetzt die Gratulationen
für Ihre erste Rede entgegen, ich möchte Sie aber doch
bitten, Ihre Aufmerksamkeit kurz auf das zu richten, was
ich zu sagen habe.

Ich habe den Eindruck, Herr Lindner, dass Sie hier
mit sehr viel heißer Luft versucht haben, einen Vorgang
schönzureden. Ich habe keinerlei Fakten gehört.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Waren Sie draußen? – Weiterer Zuruf von der FDP: Was?)


Doch die Fakten sollten Sie sich einmal anhören: Die
Steuerermäßigung für Hotels kommt beim Kunden nicht
an;


(Nicolette Kressl [SPD]: Das wollte er ja auch gar nicht, hat er gesagt!)


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(C (D ie ersten Umfragen haben das klar ergeben. Im Gegenil, die Preise gehen sogar leicht nach oben. Geschäftsisen – auch das ist Fakt – verteuern sich, weil weniger bgesetzt werden kann. Das Steuersystem wird durch eitere Ausnahmetatbestände nicht einfacher, sondern omplizierter. Lassen Sie mich noch eines sagen: Der CSU-Mann uttenberg wurde heute Morgen als der große Ordungspolitiker bezeichnet, und es wurde viel über Ordungspolitik geredet. Als Neuling in diesem Parlament atte ich wirklich die Hoffnung, da auch einmal Taten zu rleben. Aber wenn Sie diese Regelung, die dem, was ie bei einer Umsatzsteuerreform brauchen und wollen, iametral gegenübersteht und um 180 Grad entgegenteht, als eine Maßnahme verkaufen wollen, die in die chtige Richtung geht, dann müssen Sie wirklich mit aneren reden. Hier im Parlament nimmt Ihnen das nieand ab. Das ist einfach unglaubwürdig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Nicolette Kressl [SPD]: Das war ja auch eine Fastnachtsrede!)


Wir haben im Finanzausschuss nach dem Normen-
ontrollrat gefragt. Ein Redner hat hier von Tricksen,
äuschen, Tarnen gesprochen; genau das haben Sie ge-
acht. Sie haben abgelehnt, dieses Gesetz durch den
ormenkontrollrat prüfen zu lassen. Jetzt sagt die Bun-
esregierung, dass alle Gesetze geprüft werden sollen.
ie sind gerade noch durch die Lücke gehuscht, weil Sie
icht wollten, dass unabhängige Experten Ihnen vor-
chnen, was das an zusätzlichen Bürokratiekosten be-

eutet. Das haben Sie vermieden, weil Sie schlicht und
infach Angst vor der Wahrheit hatten.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)


Der Kollege Hinsken – Herr Aumer kommt aus Re-
ensburg, habe ich gerade gesehen – hat hier als Nieder-
ayer die geringe Entfernung zu Schärding erwähnt.


(Patrick Kurth [Kyffhäuser] [FDP]: Fakten! Wir wollen Fakten hören!)


h komme aus Niederbayern und war, als ich den Inn
ntlanggeradelt bin, auch in Schärding, weil es das
chönste Barockstädtchen Österreichs ist. Die Mehr-
ertsteuer war jedenfalls nicht der Grund, warum ich
ort war. Dann bin ich nach Breitenberg im Bayerischen
ald, 5 Kilometer von der österreichischen Grenze ent-
rnt, gefahren, um von dort auf den Dreisessel zu mar-

chieren. Auch hier spielte die Mehrwertsteuer keine
olle.

Die Niederbayern sollten da mal hinhören. Den Cam-
ingplatz in Rostock vergleichen Sie mit einem Hotel in
izza. Es ist doch absoluter Blödsinn, anzunehmen, dass
a Wettbewerb eine Rolle spielt. Das können Sie doch
iemandem erzählen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Waren Sie mal in Rostock? Oder war Niederbayern und Berlin bisher alles?)


Nein. Ich wollte nur die Begründung erwähnen.






(A) )



(B) )


Dr. Thomas Gambke
Die IHK Passau, Herr Lindner, hat mich im Mai letz-
ten Jahres gebeten und aufgefordert: Arbeitet bitte gegen
die 7 Prozent! – Sie haben uns dazu mit Informationen
versorgt, die ich Ihnen gleich vorlesen werde. Damals
haben, wie wir wussten, die Franzosen die Mehrwert-
steuer in der Gastronomie abgesenkt. Jetzt liegen die ers-
ten Ergebnisse vor. Die Franzosen haben sogar Freiwil-
ligkeit vereinbart. Ziel war die Schaffung von 40 000
zusätzlichen Arbeitsplätzen. Nur 6 000 sind es, wohl-
wollend gerechnet, geworden.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701922800

Herr Kollege Gambke, ich muss Sie unterbrechen. Er-

lauben Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Hinsken?


Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701922900

Sehr gerne.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701923000

Bitte schön, Herr Hinsken.


Ernst Hinsken (CSU):
Rede ID: ID1701923100

Werter Herr Kollege Gambke, ich habe mich gemel-

det, weil Sie mich namentlich genannt, aber nicht gese-
hen haben.


(Heiterkeit)



Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701923200

So ist es; tut mir leid.


Ernst Hinsken (CSU):
Rede ID: ID1701923300

Ich bin ein niederbayerischer Landsmann, aber ich

stelle fest: Sie verstehen vielleicht viel vom Radfahren
und vom Wandern, aber von der Hotellerie relativ wenig.
Sie haben bei Ihrer Wanderung durch Niederbayern und
nach Schärding vielleicht alles Mögliche gemacht, aber
nicht mit den Hoteliers gesprochen; sonst hätten Sie mit-
bekommen, dass diese sehr große Schwierigkeiten ha-
ben, überhaupt über die Runden zu kommen.

Jetzt meine Frage: Was sagen Sie zu der Aussage Ih-
res wirtschaftspolitischen Sprechers im Bayerischen
Landtag, Herrn Dr. Runge, dass diese Mehrwertsteuer-
senkung dringend erforderlich ist, dass sie geboten ist
und dass sie unter allen Umständen schnellstmöglich
durchgesetzt werden muss? Wollen Sie dem widerspre-
chen,


(Nicolette Kressl [SPD]: Ja!)


oder welche Meinung vertreten Sie hier?

Diese Aussage hat er im April letzten Jahres getrof-
fen, also wenige Monate vor den Bundestagswahlen. Bei
den Grünen weiß anscheinend die Rechte nicht mehr,
was die Linke tut. Das ist das große Problem. Darum
wäre es gut, wenn Sie sich erst einmal informieren wür-
den, bevor Sie hier das Wort ergreifen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Der sucht ja auch an der pommerschen Grenze nach Nizza!)


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(C (D Vielen Dank, Herr Kollege Hinsken, für diese Frage. atürlich rede ich mit Herrn Dr. Runge, und natürlich enne ich seine Meinung dazu. Ich kann Ihnen auch saen, wie sie begründet ist. s gibt viele, die sich über die Umsatzsteuerreform Geanken gemacht haben und die ordnungspolitische rundsätze einführen wollten, im Gegensatz zu dem, as Sie gemacht haben. Man hat sich gefragt, was diese rdnungspolitischen Grundsätze sein könnten. Herr r. Runge hat gesagt: „Arbeitsintensive Dienstleistunen“ könnten ein Bereich sein, in dem ein verminderter ehrwertsteuersatz angewendet werden könnte. Genau arauf bezog sich die Aussage der bayerischen Grünen u diesem Thema. (Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Was halten Sie denn davon?)

Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701923400

(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Aha!)


s ging darum, ordnungspolitische Grundsätze einzu-
hren. Die Hotellerie gehört zu den arbeitsintensiven
ienstleistungen. Schauen Sie sich die Erklärungen der
ayerischen Grünen von letzter Woche an; da werden
ie das sehen.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Was Sie davon halten, hat er gefragt!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701923500

Herr Kollege Gambke, erlauben Sie eine Nachfrage

es Kollegen Hinsken?


Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701923600

Bitte sehr.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701923700

Bitte schön, Herr Hinsken.


Ernst Hinsken (CSU):
Rede ID: ID1701923800

Ich möchte mich kurzfassen, Herr Gambke. Ich

öchte Ihnen empfehlen, einmal nachzulesen, was Herr
r. Runge genau gesagt hat. Da finden Sie das Gegenteil
on dem, was Sie hier ausgeführt haben. Er lag richtig,
nd Sie liegen falsch. Wenn Sie auf den Pfad der Tugend
urückkehren und sich von ihm etwas sagen lassen, dann
egen auch Sie in Zukunft richtig.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Nicolette Kressl [SPD]: Was war die Frage?)



Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701923900

Herr Hinsken, Sie können nicht einfach ignorieren,

as mir in schriftlicher Form vorliegt. Es tut mir leid,
ie haben nicht zu Ende gelesen. Sie sollten nicht das
erauslesen, was Sie lesen oder hören wollen, sondern
as, was wirklich geschrieben und gesagt wurde.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich kann es Ihnen nicht ersparen: Was Sie hier zum
esten gegeben haben, erinnert mich an den Cheflob-






(A) )



(B) )


Dr. Thomas Gambke
byisten der Tourismus- bzw. Hotelleriebranche, aber
nicht an jemanden, der ernsthaft will, dass wir mit der
Umsatzsteuerreform weiterkommen, der sich ernsthaft


(Dr. Joachim Pfeiffer [CDU/CSU]: Er heißt doch Ernst!)


mit dem Thema beschäftigt, wie man zum Beispiel das
Wachstum beschleunigt, und der keine Klientelbeglü-
ckungspolitik machen will.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Ihr seid doch die Klientelpartei!)


Damit müssen Sie sich auseinandersetzen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701924000

Jetzt kommen Sie bitte zum Schluss, Herr Gambke.


Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701924100

Sehr gerne.

Wer hier glaubwürdig über Ordnungspolitik reden
und bei den Wählern Verständnis dafür erzeugen will,
dass die Beiträge zu den Sozialversicherungssystemen
steigen, sollte nicht für die eigene Klientel, die Hotelbe-
sitzer und Steuerberater, noch etwas aus der Kasse neh-
men.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Solarwirtschaft!)


Ich fordere Sie auf: Stimmen Sie mit den Grünen


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Für mehr Subventionen für die Solarwirtschaft!)


für die Abschaffung der Umsatzsteuerermäßigung.

Danke schön.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701924200

Zu einer Kurzintervention erteile ich das Wort dem

Kollegen Christian Lindner.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Ein Lindner kommt selten allein!)



Christian Lindner (FDP):
Rede ID: ID1701924300

Herr Präsident, vielen Dank. – Ich will Ihren Redebei-

trag zum Anlass nehmen, auf ein eklatantes Missver-
ständnis hinzuweisen, dem Sie und im Übrigen auch die
antragstellende Fraktion unterliegen. Hier wird nämlich
fortwährend davon gesprochen, dass die Hauptintention
der Reduzierung des Umsatzsteuersatzes für die Hotelle-
rie gewesen sei, Preissenkungen für Hotelgäste zu errei-
chen. Das ist ein Irrtum. Diese Maßnahme ist deshalb in
das Wachstumsbeschleunigungsgesetz eingeordnet wor-
den, weil wir uns davon einen Konjunkturimpuls erhof-
fen.

Tatsächlich zeigen aktuelle Berichte, dass dieses Ge-
setz diesen Zweck erfüllt. So hätten Sie heute Nachmit-

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(C (D g bei der dpa lesen können – ich darf zitieren –, dass vor allem kleinere Betriebe“ diese Reduzierung „für die odernisierung ihrer Bäder, Fenster, Heizungsund üftungsanlagen oder die Fortbildung ihrer Mitarbeiter utzen“ wollen. Anders, als Sie glauben machen wollen, enn Sie in diesem Zusammenhang von Hoteliers bzw. on Fünfsternehäusern sprechen, heißt es im Übrigen eiter – das hätten Sie vor Ihrer Rede wissen können –: Die Branche sei in Deutschland im Vergleich zum Ausland sehr mittelständisch geprägt. Der Anteil der großen Ketten mache gerade einmal gut 3 Prozent der fast 38 000 Betriebe aus. Damit ist diese Maßnahme auch unter konjunkturolitischen Gesichtspunkten viel treffsicherer als all das, as die SPD mit ihrem Bundesfinanzminister Steinbrück eschlossen hat. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Nicolette Kressl [SPD]: Peinlich, peinlich!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701924400

Herr Kollege Gambke, Sie haben die Möglichkeit, zu

rwidern.


Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701924500

Vielen Dank. – Ich habe sehr häufig auch andere

timmen aus Ihrer Partei gehört. Da ging es um Preise
r Übernachtungen. Das können Sie jetzt nicht einfach
egdrücken.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


h habe auch etwas von Wettbewerb gehört.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Wir wollen keinen ruinösen Wettbewerb! Wir wollen gesunden Wettbewerb!)


Sie sollten sich einmal dahin gehend sortieren, was
ie wirklich wollen. Warum haben Sie nicht zumindest
ereinbarungen getroffen, in denen Sie nachweislich
stlegen, wie hoch die Investitionen sein sollen? Ich

age noch einmal: In Frankreich wurde dies gemacht und
icht eingehalten. Wir wissen ja, was man von freiwilli-
en Vereinbarungen zu halten hat. Aber Sie haben sich ja
och nicht einmal bemüht, so etwas zu vereinbaren.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


etzt wollen Sie uns aber verkaufen, dass da etwas pas-
iert. Es tut mir leid, aber das ist nicht sehr glaubwürdig.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701924600

Jetzt kommen wir zum letzten Redner zu diesem Ta-

esordnungspunkt. Es handelt sich um Ingbert Liebing
on der CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Ingbert Liebing (CDU):
Rede ID: ID1701924700

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und

Herren! Die Oppositionsfraktionen von SPD und
Bündnis 90/ Die Grünen beantragen mit gleicher Zielset-
zung die Rücknahme eines Gesetzes, das der Deutsche
Bundestag am 4. Dezember beschlossen hatte und das
erst seit vier Wochen in Kraft ist. Ich finde es schon er-
staunlich, welche Schlüsse Sie nach vier Wochen ziehen
können, wenn es um die Frage geht, ob ein Gesetz funk-
tioniert oder nicht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Der Branche sollte man etwas mehr Zeit geben, zu zei-
gen, was möglich ist und was nicht.

Diese Anträge sind in der Form und in der Sache
– dies haben wir heute erlebt – Klamauk und kein Bei-
trag zur Lösung der Probleme unseres Landes.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dabei ist es überhaupt kein Geheimnis, Herr Gambke,
dass es auch in unserer Fraktion unterschiedliche Auf-
fassungen zu diesem Thema gegeben hat.


(Dr. Thomas Gambke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört, hört!)


Es gibt nicht wenige, denen eine Diskussion über dieses
Thema im Zusammenhang mit der gesamten Umsatz-
steuerproblematik lieber gewesen wäre. Aber für den
Budenzauber, den Sie hier veranstalten, hat bei uns nie-
mand Verständnis.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die Anträge sind in der Form daneben; denn es ist
schon ein merkwürdiger Stil, Debatten und Entscheidun-
gen, die gerade erst geführt und getroffen wurden, we-
nige Wochen später wieder aufzuwärmen. Wenn es die
Strategie der Opposition sein soll, in dieser Wahlperiode
immer die Schlachten von gestern zu führen, dann ist das
ein Armutszeugnis für die Opposition.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wenn Sie ankündigen, Frau Kollegin Bätzing, dass sie
das regelmäßig machen wollen, dann erst recht. Offen-
sichtlich haben Sie keine besseren Argumente und The-
men, als dass Sie uns mit längst ausdiskutierten und ent-
schiedenen Sachfragen kommen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sabine Bätzing [SPD]: Die zu Misserfolgen führen!)


Für mich ist es schon bezeichnend – das ist schon ge-
sagt worden –, dass es auch in Ihren Reihen nicht wenige
gegeben hat und gibt, die dieser Umsatzsteuersenkung
für das Beherbergungsgewerbe sehr wohl etwas Positi-
ves abgewinnen können.


(Sabine Bätzing [SPD]: Zu dieser Zeit niemals! Vor 14 Jahren!)


Die Tourismuspolitiker Ihrer Fraktion im Tourismusaus-
schuss vertreten dies; aber sie sind heute nicht einmal
hier. Wo sind sie denn? Wahrscheinlich ist es ihnen pein-
lich, was Sie hier an Anträgen vorgelegt haben.

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(C (D (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sabine Bätzing [SPD]: Uns war das Allgemeinwohl wichtiger!)


Diese Anträge sind auch in der Sache daneben; denn
ie schüren Neidkomplexe, indem Sie das Beherber-
ungsgewerbe darstellen, als bestehe es nur aus wenigen
otelketten oder einigen reichen Hoteliers, die sich die
aschen vollstopfen. Davon ist doch die Rede. Welches
ild haben Sie eigentlich von der touristischen Branche
unserem Land? Diese Branche steht in einem harten
ettbewerb, der nicht zuletzt deswegen in Europa härter

eworden ist, weil inzwischen 21 Länder um uns herum
en abgesenkten Mehrwertsteuersatz eingeführt haben –
icht zuletzt deshalb, weil der damalige SPD-Finanz-
inister Steinbrück einer entsprechenden EU-Regelung

usdrücklich zugestimmt hat.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


un argumentieren Sie, es müssten auch die Preise sin-
en, wenn es um den Wettbewerb mit den Nachbarlän-
ern geht. Ich halte es schon für bedauerlich, dass man
nen erst erklären muss, dass Wettbewerb nicht nur

ber den Preis, sondern auch über die Qualität geführt
ird. Entscheidend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis
nd nicht nur ein Preiskampf.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701924800

Herr Kollege Liebing, der Kollege Gambke würde Ih-

en gern eine Zwischenfrage stellen. Erlauben Sie das?


Ingbert Liebing (CDU):
Rede ID: ID1701924900

Ja, gerne.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1701925000

Bitte schön.


Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701925100

Vielen Dank, Herr Kollege. – Wenn Sie von Wettbe-

erb sprechen, wie kommentieren Sie dann die Mel-
ung, dass Deutschland nach dem Sparkassen-Touris-
usbarometer Spanien und Italien in Bezug auf
bernachtungen als Marktführer in der EU abgelöst hat?


Ingbert Liebing (CDU):
Rede ID: ID1701925200

Ich gebe Ihnen dazu gern eine passende Antwort, weil

ir, die Tourismuspolitiker unserer Fraktion, gerade ges-
rn mit Professor Feige, der dieses Tourismusbarometer

rstellt hat, und dem Sparkassen- und Giroverband zu-
ammengesessen haben. Sie haben aus ihrer Gesamtbe-
achtung ein Fazit gezogen, weil wir gefragt haben, was
an jetzt tun müsse, um der Branche zu helfen. Sie ha-

en uns Folgendes gesagt: Entscheidend sind Innovatio-
en, Investitionen und die Stärkung der Wettbewerbsfä-
igkeit in Europa.

Das ist das Fazit aus dem Tourismusbarometer. Genau
eswegen senken wir den Umsatzsteuersatz: für Innova-
on, für Investition und für eine bessere Wettbewerbsfä-
igkeit in Europa.






(A) )



(B) )


Ingbert Liebing

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Faire Löhne!)


Ein Beispiel: Ein Betrieb in der Schweiz hatte im ver-
gangenen Jahr bei einem Umsatz von 1 Million Euro ei-
nen um 125 000 Euro höheren Ertrag als sein deutscher
Kollege. Über diesen Ertrag kann er verfügen, um ein
besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen, egal ob
durch Preissenkungen oder für Investitionen in bessere
Qualität. Bei der Qualität haben wir in Deutschland
Nachholbedarf. An der Erkenntnis führt kein Weg vor-
bei. Wir kennen doch Betriebe im Charme der 70er- und
80er-Jahre. Aber es gibt auch Betriebe, die top sind, weil
sie in den letzten Jahren investiert haben. Aber wer top
ist, muss auch viel tun, um top zu bleiben. Für diese In-
vestitionen leisten wir einen Beitrag.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Hellmut Königshaus [FDP]: So ist das!)


Das Bild von einigen wenigen reichen Hoteliers, das
Sie von der Branche zeichnen, geht an der Wirklichkeit
völlig vorbei. Wir haben es mit einer stark mittelstän-
disch geprägten Branche zu tun. Es gibt insgesamt
45 000 Betriebe. Dreiviertel aller Hotels verzeichnen ei-
nen Jahresumsatz von weniger als 500 000 Euro. Dazu
gehören kleine Landpensionen und Bauernhöfe mit we-
nigen Ferienwohnungen, hinzu kommen Campingplätze
und zahlreiche private Kleinvermieter mit ein oder zwei
Appartements. Zur Branche gehören auch über
350 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Zehntau-
sende Auszubildende. Sie alle profitieren davon, wenn
es ihrem Betrieb besser geht, wenn er wettbewerbsfähi-
ger ist. Die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Branche
ist ein wichtiger Grund, warum wir dieses Gesetz genau
so gestaltet haben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die Senkung des Umsatzsteuersatzes ist ein Bestand-
teil des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes. Das Gesetz
trägt diesen Namen nicht ohne Grund. Es geht um neues
Wachstum. Ich bin überzeugt: Hiermit schaffen wir
neues Wachstum; denn wir geben den Betrieben Luft für
Investitionen. Ich habe 300 Hotels, Pensionen und Cam-
pingplätze in meinem Wahlkreis angeschrieben und
nachgefragt, wie die neuen finanziellen Spielräume ge-
nutzt werden. Mir wurden viele Beispiele genannt, wie
investiert wird. Ein renommiertes Hotel wollte
900 000 Euro investieren. Die Bank hat das nicht finan-
ziert. Die Branche ist derzeit schlecht geratet. Nach die-
ser Gesetzesänderung ist die Wirtschaftlichkeit des Be-
triebes besser. Der Betrieb bekommt den Kredit. Es wird
investiert. Das sind 900 000 Euro, die auch dem Hand-
werk zugutekommen.

Wir fordern Bürokratieabbau. Sie sagen: Das Gesetz
bedeutet mehr Bürokratie.


(Sabine Bätzing [SPD]: Das sagen nicht nur wir! Das sagen auch die Hoteliers, die IHK und der BDI!)


Ich will Ihnen zwei Antworten vorlegen, die mir Hote-
liers gegeben haben. So groß ist der zusätzliche bürokra-

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(C (D sche Aufwand, der die Beschränkung auf die Beherberungsleistung erfordert, nämlich gar nicht. (Christian Lange [Backnang] [SPD]: Die Wirtschaftsverbände sind dagegen!)


it entsprechender EDV-Software ausgerüstet sind die
arginalen Änderungen der Stammdaten leicht zu be-
ältigen – so ein Hotelier. Ein anderer sagt: Da wir das
rühstück aus grundsätzlichen Erwägungen stets ge-
ennt aufführen, gibt es keinen bürokratischen Auf-
and. – Das sind Antworten auf die Panikmache, die Sie
etreiben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich kann Sie, meine Damen und Herren von der Op-
osition, nur auffordern: Beenden Sie endlich Ihre un-
ägliche Kampagne! Sie schaden dem Ansehen einer
ranche. Sie hat es nicht verdient, dass Sie Ihre parteipo-
tischen Spielchen auf ihrem Rücken austragen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sabine Bätzing [SPD]: Beenden Sie Ihre Klientelpolitik!)


eteiligen Sie sich lieber an der Lösung der tatsächli-
hen Probleme unseres Landes. Davon gibt es genug.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sabine Bätzing [SPD]: Die werden Sie auch nicht lösen!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701925300

Ich schließe die Aussprache.

Interfraktionell wird die Überweisung der Vorlagen
uf den Drucksachen 17/520 und 17/447 an die in der
agesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen.
ind Sie damit einverstanden? – Ich sehe, das ist der
all. Dann sind die Überweisungen so beschlossen.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 12 auf:

Beratung des Antrags der Abgeordneten
Matthias W. Birkwald, Klaus Ernst,
Heidrun Dittrich, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion DIE LINKE

Verbesserung der Rentenanwartschaften von
Langzeiterwerbslosen

– Drucksache 17/256 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)

Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Haushaltsausschuss

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
ussprache eine halbe Stunde vorgesehen. – Ich sehe,
ie sind damit einverstanden. Dann können wir so ver-
hren.

Ich eröffne die Aussprache. Als erster Redner hat das
ort der Kollege Matthias Birkwald für die Fraktion Die

inke.


(Beifall bei der LINKEN)







(A) )



(B) )


Matthias W. Birkwald (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701925400

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten

Damen und Herren! Mitte der 90er-Jahre wurden für
Langzeiterwerbslose noch weit über 200 Euro im Monat
in die Rentenkasse eingezahlt. Unter Rot-Grün war es
vor zehn Jahren noch knapp die Hälfte. Mit der Einfüh-
rung des unsäglichen Hartz-IV-Gesetzes vor fünf Jahren
sank der Rentenbeitrag für Langzeiterwerbslose auf mo-
natlich 78 Euro. Im gleichen Maße sinken natürlich
die Rentenansprüche der Betroffenen.

Doch damit nicht genug: Um weitere 2 Milliar-
den Euro auf dem Rücken der Langzeitarbeitslosen ein-
zusparen, hat die Große Koalition ohne Gegenstimmen
der FDP den Beitrag zur Rentenversicherung nochmals
fast halbiert, von 78 Euro auf nur noch 40 Euro pro Mo-
nat. Das sind sage und schreibe 80 Prozent weniger als
vor 15 Jahren. Das bedeutet: Für ein Jahr Hartz-IV-Be-
zug erhalten die Betroffenen etwas mehr als 2 Euro
Rente. 2 Euro! Damit brauchten Langzeiterwerbslose
mehr als 300 Jahre für eine Rente auf Hartz-IV-Niveau.
Das ist Altersarmut per Gesetz. Das ist Sozialraub. Das
ist völlig inakzeptabel, und das muss ganz dringend wie-
der geändert werden.


(Beifall bei der LINKEN – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Alles von Rot-Grün gemacht!)


Die Altersarmut von morgen wird auch das Ergebnis
dieses langjährigen Sozialabbaus durch SPD und Grüne
sowie Union und FDP sein.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Was haben wir denn damit zu tun?)


Jedes Jahr mit Hartz-IV-Bezug ist ein verlorenes Jahr für
die Alterssicherung langzeiterwerbsloser Menschen. Mit
dieser Politik haben Sie die Alterssicherung der Lang-
zeitarbeitslosen ruiniert.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Alles die böse SPD!)


Diese Politik schadet den Betroffenen; denn ihre Alters-
armut ist damit vorprogrammiert.

Für die künftigen Rentnerinnen und Rentner gilt
Art. 1 des Grundgesetzes genauso wie für alle anderen in
Deutschland: „Die Würde des Menschen ist unantast-
bar.“ Das gilt auch für die Würde von Erwerbslosen, die
das Rentenalter erreicht haben. Darum sollten wir alles
daransetzen, Armut zu verhindern und Altersarmut gar
nicht erst entstehen zu lassen.


(Beifall bei der LINKEN)


Die Rentenkürzungen münden – so sieht es auch der
Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband – für viele
Langzeitarbeitslose zwangsläufig in die Grundsicherung
im Alter, also im SGB XII. Damit schieben Sie einen
Teil der Kosten der Langzeiterwerbslosigkeit auf die
Kommunen ab. Erwerbslosigkeit und ihre Spätfolgen
sind aber ein gesamtgesellschaftliches Problem und kei-
nes, das den Kommunen übergeholfen werden darf.


(Beifall bei der LINKEN)


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(C (D ie Minibeiträge reißen Löcher in die Rentenkassen. er Verband Deutscher Rentenversicherungsträger hat chon vor Jahren gewarnt, die Minibeiträge könnten die osten, die aus den Ansprüchen aus Rehamaßnahmen nd Erwerbsminderungsrenten entstünden, nicht ansatzeise decken. Ein Grund mehr, umgehend angemessene eiträge für Langzeiterwerbslose in die Rentenversicheng einzuzahlen. Der tiefere Sinn der bisherigen Politik scheint mir aners gelagert zu sein. Die fünf Wirtschaftsweisen des achverständigenrates nehmen da kein Blatt vor dem und. Sie sagen – ich zitiere –: Der Zweck dieser aus Steuermitteln finanzierten Rentenversicherungsbeiträge liegt … nicht darin, den Begünstigten einen relevanten Rentenanspruch aufzubauen, sondern ihnen einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente oder die Riester-Förderung zu eröffnen und zudem eine Unterbrechung rentenrechtlicher Zeiten zu verhindern. uf Deutsch heißt das: Die Rentenbeiträge für Langzeitrwerbslose sind gar nicht für ihre Alterssicherung geacht. Das ist doch zynisch. Herbert Rische, der Präsident der Deutschen Rentenersicherung Bund, sagte zu dem Thema im Deutschndradio Kultur, wir sollten uns – ich zitiere – darüber Gedanken machen, ob man auch hier – so wie beim rbeitslosengeld I – einen Bezugspunkt hinsichtlich des orherigen Einkommens nimmt …, zum Beispiel etwas eniger als 80“ Prozent, „aber doch ein bisschen mehr ls heute.“ Sie sehen: Wir Linken stehen mit unseren orderungen nach besseren Rentenanwartschaften von rwerbslosen nicht allein. Darum fordere ich Sie auf: olgen Sie mit uns den Appellen, Forderungen und Vorchlägen des DGB, der IG Metall, des Sozialverbandes eutschland, der Volkssolidarität, des Sozialverbandes dK und des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverandes: Bekämpfen Sie Altersarmut, bevor sie entsteht! Herzlichen Dank. Nächster Redner ist der Kollege Peter Weiß für die DU/CSU-Fraktion. Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle en! Die neue Regierungskoalition aus CDU, CSU und DP hat in ihrer Koalitionsvereinbarung eine, wie ich nde, bemerkenswerte und sehr wichtige Festlegung geoffen, die ich deswegen wörtlich zitiere: Wir verschließen die Augen nicht davor, dass durch veränderte wirtschaftliche und demographische Strukturen in Zukunft die Gefahr einer ansteigenden Altersarmut besteht. Deshalb wollen wir, dass Peter Weiß sich die private und betriebliche Altersvorsorge auch für Geringverdiener lohnt und auch diejenigen, die ein Leben lang Vollzeit gearbeitet und vorgesorgt haben, ein Alterseinkommen oberhalb der Grundsicherung – um in der alten Sprache zu sprechen: oberhalb des Sozialhilfeniveaus – erhalten, das bedarfsabhängig und steuerfinanziert ist. Hierzu wird eine Regierungskommission einen Vorschlag für eine faire Anpassungsregel entwickeln. Während sich die Linke – das ist typisch – einzelne Rosinen herauspickt, wollen wir als Koalition eine grundlegende Regel für alle schaffen, die Rentenversicherungsbeiträge gezahlt haben, durch die ihnen garantiert wird, dass sie nach einer langen Phase der Erwerbstätigkeit oder auch der Nichterwerbstätigkeit, in der auf jeden Fall Rentenversicherungsbeiträge gezahlt worden sind, ein Einkommen im Alter haben, das über der Grundsicherung liegt. Mit diesem grundlegenden Ansatz führen wir eine zusätzliche Schutzklausel in das deutsche Rentenrecht ein; das geht weit über das hinaus, was die Linke vorschlägt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701925500

(Beifall bei der CDU/CSU)

Peter Weiß (CDU):
Rede ID: ID1701925600




(A) )


(B) )


Wir wissen, dass gerade die Linke, aber auch andere,
Parlamentsdebatten gern für Märchenstunden nutzen.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Es ist ja auch schon spät!)


Als das Sozialgesetzbuch II, das gemeinhin immer noch
als Hartz IV betitelt wird – diesen Titel würde ich lieber
weglassen –, eingeführt wurde, hat man zwei unter-
schiedliche Systeme, die steuerfinanziert waren, nämlich
die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe, zusammenge-
führt. Das war und ist bis zum heutigen Tag ein sozialpo-
litischer Meilenstein.


(Dr. Michael Meister [CDU/CSU]: So ist es!)


Sozialhilfeempfänger haben in der Vergangenheit null
Entgeltpunkte für Rentenansprüche erwerben können.


(Anton Schaaf [SPD]: Das stimmt!)


Mit dem Sozialgesetzbuch II haben wir Hunderttausende
Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfänger in
Deutschland in die Lage versetzt, zum ersten Mal über-
haupt einen Rentenanspruch erwerben zu können.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Karl Schiewerling [CDU/ CSU]: Und Recht auf Rehabilitation!)


Deshalb war und ist es richtig, dass wir bei Menschen,
die im Prinzip erwerbsfähig sind, aber aus unterschiedli-
chen Gründen nicht arbeiten können, nicht zwischen de-
nen unterscheiden, die einen Rentenanspruch bekom-
men, und denen, die keinen Rentenanspruch bekommen,
sondern dass wir allen einen Rentenanspruch zuspre-
chen. Wenn die Linke hier immer wieder fordert,
Hartz IV müsse weg, dann ist das ein Schlag ins Gesicht
der ehemaligen Sozialhilfeempfängerinnen und Sozial-

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(C (D ilfeempfänger, die zum ersten Mal in ihrem Leben eien Rentenanspruch begründen können. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch bei der LINKEN)


Das Interessante ist übrigens, dass der Antrag, der uns
eute vorliegt, mehr als substanzlos ist. Er besteht aus
cht Sätzen, und anschließend werden zwei Aufsätze zi-
ert.


(Dr. Kirsten Tackmann [DIE LINKE]: Zu Ihrer Aufklärung!)


as kann man machen. Der Punkt ist nur der: Man sollte
olche Aufsätze bis zum Ende durchlesen. Dann passiert
s einem nicht, dass man einige ganz wichtige Passagen
bersieht. Zum Beispiel hält der Beitrag von Christina
übbeke im IAB-Kurzbericht Einmal arm, immer arm?
st, dass man eben nicht sagen kann, dass der Arbeitslo-

engeld-II-Bezug automatisch ein erhöhtes Risiko von
ltersarmut bedeutet, sondern dass es auch auf verschie-
ene andere Faktoren ankommt und dass vor allen Din-
en die älteren Bezieher von Arbeitslosengeld II schon
eute aus unterschiedlichen Vorphasen, auch der Berufs-
tigkeit, einen Rentenanspruch erworben haben, der
eutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt. Deswe-
en weise ich die These, ALG II bedeute automatisch
ltersarmut, entschieden zurück.

Die Linke hat einen zweiten Punkt einfach vergessen.
h möchte vor allen Dingen die Kolleginnen und Kolle-

en aus der Fraktion Die Linke herzlich einladen, mor-
en, Freitagvormittag, 9 Uhr, an der Debatte teilzuneh-
en; denn morgen früh beraten wir einen Gesetzentwurf

er Bundesregierung, der einen wichtigen Beitrag zur
erhinderung von Altersarmut enthält.

Wir werden das Schonvermögen – heute 250 Euro
ro Lebensjahr – verdreifachen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


as ist ein entscheidender Punkt. Die Riester-Rente ist
hnehin geschützt. Aber auch wer rechtzeitig für das Al-
r vorgesorgt hat, nach einem langen Berufsleben aber
ider noch arbeitslos wird, aus dem Arbeitslosengeld-I-
ezug herausfällt und Arbeitslosengeld II beziehen
uss, braucht jetzt nicht zuerst sein Vermögen einzuset-

en, bevor er staatliche Hilfe bekommt. Das Vermögen,
as er fleißig angespart hat, schonen wir in einem we-
entlich höheren Maße, als dies je der Fall war, damit es
m im Alter zur Verfügung steht.

Das Motto „Leistung muss sich lohnen“ muss auch
Hinblick auf die Vorsorge für das Alter gelten. Die

hristlich-liberale Koalition setzt dieses Motto in die Tat
m. Das beste Mittel gegen Altersarmut ist, wenn das,
as angespart ist, im Alter zur Verfügung steht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701925700

Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.


Peter Weiß (CDU):
Rede ID: ID1701925800

Ich habe das Signal schon gesehen, Frau Präsidentin.






(A) )



(B) )


Peter Weiß (Emmendingen)

Durch die Rosinenpickeranträge der Linken wird so-
zialpolitisch überhaupt nichts bewegt. Wir verfolgen ei-
nen generellen Ansatz. Wir verfolgen vor allen Dingen
den Ansatz: Wer für das Alter vorsorgt, fährt mit der
christlich-liberalen Koalition besser, als er je in der Ver-
gangenheit gefahren ist.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch bei der LINKEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701925900

Für die SPD-Fraktion spricht nun der Kollege Anton

Schaaf.


(Beifall bei der SPD)



Anton Schaaf (SPD):
Rede ID: ID1701926000

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Bevor

ich zu dem Antrag der Linken komme, möchte auf einen
Punkt eingehen, der mir in der vorherigen Debatte auf-
gefallen ist: Der Herr Kollege Blumenthal hat zum
Thema Kurzarbeit etwas gesagt, was ich hinterfragen
möchte. Er hat das, was der ehemalige Arbeitsminister
Olaf Scholz gemacht hat, nämlich die Förderung der
Kurzarbeit, als Subvention bezeichnet. Die Tatsache,
dass wir viel Geld in die Hand nehmen, um die wirt-
schaftliche Substanz in den Betrieben und Arbeitsplätze
zu erhalten, damit Deutschland nach dieser Krise zu-
kunftsfähig ist, als Subvention zu bezeichnen, finde ich
ziemlich abenteuerlich.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Wenn das tatsächlich Ihre Auffassung ist, Herr
Blumenthal – das kann durchaus sein; das kennzeichnet
ein Stück weit Ihr Verständnis vom Sozialstaat –, dann
müssen Sie mir einmal erklären, wie Sie zustimmen
konnten, als in Ihrem Koalitionsvertrag vereinbart
wurde, die Zuverdienstgrenzen anzuheben. Das ist eine
unmittelbare Subvention der Löhne, die die Arbeitgeber
zahlen. Auch das müssten Sie dann als Subvention be-
zeichnen.


(Beifall bei der SPD)


Welches Staatsverständnis die FDP hat, ist mir in den
letzten Tagen wieder aufgefallen. Herr Lindner hat eben
für die Büttenrede im Kölner Karneval geübt. Gesagt
wird aber immer das Gleiche: Wir brauchen eine neue
Balance zwischen Privat und Staat; das Bürgergeld soll
kommen; die Zuverdienstgrenze soll angehoben werden. –
Sie haben schon ein merkwürdiges Verhältnis zum So-
zialstaat; das haben Sie, Herr Kollege Blumenthal, eben
noch einmal deutlich dokumentiert. Übrigens: Die Ent-
lastung der Hoteliers bei der Umsatzsteuer ist eine echte
Subvention, die Sie beschlossen haben, nicht wir.


(Beifall bei der SPD)


Sie jammern über 6 Prozent Umsatzrückgang in der Ho-
tellerie. Vielleicht sollten Sie im Zusammenhang mit
dieser Debatte einmal darüber nachdenken, wie man den
Menschen ein ordentliches Einkommen sichert; dann
können sie vielleicht wieder in Urlaub fahren.

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(C (D (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Herr Birkwald, ich habe Sympathie für Ihren Ansatz,
u sagen: Wir müssen eine Menge unternehmen, um Al-
rsarmut zu vermeiden. In der Tat – das ist nicht wegzu-
iskutieren – zeichnet sich ein Zunehmen der Altersar-
ut ab. Das hat mit der Einkommenssituation zu tun,

as hat sicherlich mit Erwerbslosigkeit zu tun, das hat
ber auch etwas mit Lohndrückerei und damit zu tun,
ass sich die Regierungskoalition beharrlich weigert,
indestlöhne einzuführen.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Und mit Beschlüssen der rot-grünen Koalition hat es etwas zu tun!)


r Vorschlag reicht aber bei weitem nicht aus, um Al-
rsarmut zu verhindern. Das ist nur ein kleiner Ein-

chnitt. In der Begründung Ihres Antrags haben Sie die
indestlöhne erwähnt. Da bin ich sofort wieder bei Ih-

en. Allerdings hat Kollege Weiß an dieser Stelle recht.
enn wir uns dieses Instrument anschauen, dann sehen
ir, dass es im Hinblick auf das Alter nicht armutsver-
eidend wirkt. So ist das Instrument aber auch nicht an-

elegt.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Der Mindestlohn auch nicht! Ein Stundenlohn von 7,50 Euro verhindert keine Altersarmut!)


Wir haben 1 Million Menschen aus der Sozialhilfe
erausgeholt. Damit sind rechtliche Ansprüche etwa in
en Bereichen Reha und Erwerbsminderungsrente ver-
unden, die vorher nicht bestanden haben. Wohin würde
s führen, wenn wir auch im Bereich des SGB II armuts-
ste Rentenbeiträge zahlen würden? Wie steht es hier

m das Abstandsgebot? Man müsste den Arbeitnehme-
nnen und Arbeitnehmern, die Steuern und Sozialbei-
äge zahlen, erklären, wie das wirkt und was das bedeu-
t.

Ich glaube außerdem, dass andere Maßnahmen viel
irksamer sein könnten. Beispielsweise kann man sich
edanken darüber machen, eine nachgelagerte Betrach-
ng durchzuführen und Zeiten der Arbeitslosigkeit hö-

er zu bewerten, sodass jemand, der langjährig versi-
hert war, einschließlich der Zeiten der Arbeitslosigkeit
eispielsweise auf 30 Entgeltpunkte kommt. Man könnte
ie Arbeitslosigkeit also nachgelagert höher bewerten,
nstatt eine vorgelagerte Bewertung durchzuführen. Ich
in auch bei Ihnen, wenn Sie – auch das steht nur in der
egründung Ihres Antrags – eine Weiterentwicklung der
ente nach Mindesteinkommen fordern. In der Krise

ollte man zumindest darüber nachdenken, dieses Instru-
ent zu verlängern. Dieses eine, isolierte Instrument,

as Sie in Ihrem Antrag fordern, ist nicht zur Bekämp-
ng der Altersarmut geeignet.

Herr Kollege Weiß, Sie haben bei der Frage, wie man
ie Armutsvermeidung am besten in den Griff bekommt,

Koalitionsvertrag insbesondere die Frage der privaten
nd betrieblichen Altersvorsorge für Geringverdiener in
en Fokus genommen. Mir wäre es lieb gewesen, wenn
ie alten Kollegen der Union aus den Sozialausschüssen
afür gesorgt hätten, dass im Koalitionsvertrag gestan-






(A) )



(B) )


Anton Schaaf
den hätte: Die gesetzliche Rentenversicherung soll ver-
breitert und substanziell verbessert werden, und zwar für
alle Menschen. Das haben Sie aber nicht im Koalitions-
vertrag durchgesetzt.

Ich komme zur realen Politik der Koalition und zur
Frage des Zuverdienstes. Das ist eine ganz spannende
Frage. Anstatt dafür zu sorgen, dass die Menschen or-
dentliche Ansprüche aus Arbeit erwerben können, wol-
len Sie die Zuverdienstgrenzen anheben, und dann wird
eben draufgezahlt. Wir haben schon jetzt eine Aufsto-
ckerproblematik. Menschen, die sich in solchen Arbeits-
verhältnissen befinden, werden niemals ordentliche An-
sprüche für das Alter erwerben können. Das ist doch
Fakt.


(Beifall bei der SPD)


Es ist der falsche Weg, die private Altersvorsorge zu
stärken. Die gesetzliche Altersvorsorge muss gestärkt
werden; wir müssen mehr Menschen einbeziehen. Hier
reden wir zum Beispiel über die drohende Gefahr im Zu-
sammenhang mit der Solo-Selbstständigkeit, wo es ein
Riesenproblem gibt. Da kann die Antwort doch nicht
sein – Sie haben sie gebracht –: Wir öffnen die Riester-
Förderung auch für Selbstständige. – Das ist doch der
falsche Weg. Wir haben die Riester-Förderung vor dem
Hintergrund der Absenkung des Rentenniveaus als
Nachteilsausgleich für die betroffenen gesetzlich Versi-
cherten installiert. Diejenigen, die nicht gesetzlich versi-
chert sind, werden durch die Absenkung des Rentenni-
veaus nicht benachteiligt; aber Sie wollen ihnen die
Vorteile der Riester-Förderung einräumen. Ich halte den
Weg, den Sie da gehen, für völlig falsch. Ich bin der fes-
ten Überzeugung – das habe ich immer gesagt –: Man
kann die Menschen am besten vor Altersarmut schützen,
wenn man ihnen Arbeit verschafft, die aber auch ver-
nünftig bezahlt wird, also sozialversicherungspflichtige
Arbeit. Ihr Weg ist völlig falsch.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Was ist mit den vielen Leuten, die Sie mit den Ich-AGs in die Solo-Selbstständigkeit gehetzt haben?)


Ich sage noch etwas zum Mindestlohn, weil einem in
diesem Zusammenhang immer wieder Vorwürfe ge-
macht werden. Herr Kollege Weiß, Sie wissen, dass wir
in der letzten Legislaturperiode über branchenspezifi-
sche Mindestlöhne geredet und sie zum Teil vereinbart
haben. Ich finde, wir haben das teilweise sehr ordentlich
geregelt; immerhin sind einige Branchen hinzugekom-
men.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Heute ist eine weggefallen!)


Ich weiß noch nicht, wie es jetzt mit der Lex FDP aus-
sieht: Die FDP kann eventuell Mindestlöhne, die wir
vereinbart haben, im Kabinett anhalten. Das ist schon ein
starkes Stück. Das müssen Sie mit denen ausmachen.

In der Großen Koalition stand auch die Frage des
Mindestlohns im Bereich der Zeit- und Leiharbeit auf
der Tagesordnung. Hier lagen Anträge vor, die von Ar-
beitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam unterstützt
wurden. Die Union hat den Mindestlohn in der Zeit- und

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(C (D eiharbeitsbranche verhindert, und zwar aus ideologichen Gründen. Da gibt es Dumpinglöhne, die von hristlichen Gewerkschaften ausgehandelt wurden. ann sagt die Union, es gebe konkurrierende Tarifveräge und deshalb werde kein Mindestlohn eingeführt. Wir waren, wenn es darum geht, Menschen vor Alrsarmut zu schützen, schon einen Schritt weiter: Zuindest haben wir branchenspezifische Mindestlöhne ereinbart. Ich sage aber noch einmal: Ziel ist ein verünftiges Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Wer Vollzeit rbeitet, muss ein anständiges Einkommen und einen antändigen Rentenanspruch haben, sodass er seine Famie ernähren kann. Man muss von seiner Arbeit leben und sich durch sie rdentliche Ansprüche erwerben können. Das, was Sie insichtlich des Einkommens betreiben, ist ganz genau as Gegenteil. Alle rentenpolitischen Maßnahmen weren Ihnen nicht helfen – und Heilsversprechungen auch icht. Sorgen Sie dafür, dass die Menschen ordentliche Minestlöhne und Einkommen haben! Beenden Sie die chmuddelgeschichten bei der Zeitund Leiharbeit! ann sind wir schon ein Stück weiter. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701926100

Nächster Redner ist der Kollege Pascal Kober für die

DP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Pascal Kober (FDP):
Rede ID: ID1701926200

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen –

sbesondere der Linkspartei! Wir als christlich-liberale
egierungskoalition freuen uns natürlich über jeden, der

ich darüber Gedanken macht, wie eine drohende Alters-
rmut zu verhindern sein wird. Insofern finden wir das
ut. Vielleicht sind Sie auch dadurch auf den Gedanken
ekommen, dass Sie unseren Koalitionsvertrag gelesen
aben.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Vielleicht auch das Positionspapier der FDP!)


ort ist nämlich klar ausgeführt, dass wir uns diesem
hema stellen wollen.

Altersarmut könnte in der Tat zu einem größeren Pro-
lem werden, wenn wir es jetzt nicht beherzt anpacken.

Koalitionsvertrag haben wir bereits einen wesentli-
hen Teil der Lösungen dafür vereinbart. Morgen wer-
en wir eine erste Säule zur Beratung hier in den Bun-
estag einbringen. Herr Weiß hat es schon erwähnt: Wir
erden den Freibetrag beim Schonvermögen für Hartz-
-Empfänger, der der verbindlichen Altersvorsorge

ient, auf 750 Euro pro Lebensjahr verdreifachen. Das
t das eine.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)







(A) )



(B)


Pascal Kober
Zum anderen haben wir im Koalitionsvertrag auch schon
festgelegt, dass wir selbst genutzte Immobilien umfas-
send schützen werden. Auch das ist vereinbart; auch das
wird kommen. Mit diesen beiden Maßnahmen erreichen
wir freilich noch nicht jeden; auch das wissen wir. Da es
aber von Tag zu Tag glücklicherweise immer mehr Men-
schen gibt, die privat für ihr Alter vorsorgen – im Übri-
gen auch aus Verantwortung der Solidargemeinschaft
gegenüber –, erreichen wir mit dieser Maßnahme zu-
künftig immer mehr Menschen.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701926300

Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des

Kollegen Schaaf?


Pascal Kober (FDP):
Rede ID: ID1701926400

Ja.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701926500

Bitte sehr.


Anton Schaaf (SPD):
Rede ID: ID1701926600

Das ist sehr freundlich, Herr Kollege. – Können Sie

mir hinsichtlich des Schonvermögens beantworten, wie
viele Betroffene nach den aktuellen Zahlen von dieser
Anhebung des Schonvermögens tatsächlich profitieren?
Mir liegen Zahlen vor, wonach es um 0,5 Prozent sind.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wir sehen das Zukünftige vorher!)



Pascal Kober (FDP):
Rede ID: ID1701926700

Herr Schaaf, ich sehe es Ihnen nach, dass Sie auf-

grund der Vorbereitung auf Ihre Zwischenfrage die letz-
ten Sätze nicht gehört haben. Ich habe gerade darauf hin-
gewiesen, dass dadurch, dass immer mehr Menschen
privat vorsorgen werden, was wir alle miteinander wol-
len, in Zukunft auch immer mehr Menschen davon be-
troffen sein werden. Ich füge aber hinzu, Herr Schaaf: Es
muss natürlich unser aller Bemühen sein, dass möglichst
wenige Menschen in die Situation kommen, Hartz IV
beziehen zu müssen.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Wir werden alle Hoteliers! Dann geht es gut!)


Hier strengen wir uns an; das kann ich Ihnen versichern.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wenn sie ihren Arbeitsplatz erst gar nicht verlieren, dann brauchen sie diese Regelung nicht!)


Ich bin mir sicher, dass durch die Verdreifachung des
Schonvermögens – mit Blick auf die Zukunft gedacht,
und über die Zukunft reden wir – einige soziale Härten
in unserer Gesellschaft verhindert werden. Lieber Herr
Schaaf, auch deshalb ist die Kritik, die jetzt gerade aus
den Reihen der SPD zu diesem Thema kommt, wonach
das nur einen sehr eingeschränkten Personenkreis betref-
fen würde – Sie haben das gerade gesagt –, schlichtweg
falsch. Das zeigt nur, dass Sie nicht weit genug in die
Zukunft blicken.

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(C (D (Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Er sollte einmal zurück in die Vergangenheit blicken!)


Erhöhung des Schonvermögens und Schutz der selbst
enutzten Immobilie: Das sind schon einmal zwei ganz
esentliche Pfeiler, mit denen wir die gröbsten Unge-
chtigkeiten der rot-grünen Hartz-IV-Reformen beseiti-

en wollen und mit denen wir dem Problem einer zu-
ünftig drohenden und sich möglicherweise auswei-
nden Altersarmut begegnen werden. Bei diesen beiden
feilern wird es aber nicht bleiben. Herr Weiß hat das
chon ausgeführt. Wir haben im Koalitionsvertrag da-
ber hinaus vereinbart, eine Regierungskommission

um Thema einer drohenden Altersarmut einzusetzen,
eren Ergebnisse wir als selbstbewusste Parlamentarier
atürlich kritisch prüfen, dann aber auch zur Grundlage
nserer künftigen Arbeit und Entscheidung machen wer-
en.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Klar ist aber auch, dass es bei all unseren Bemühungen,
ie rot-grünen Hartz-IV-Reformen gerechter zu machen
nd die gröbsten Härten abzumildern, das vordergrün-
igste Ziel dieser christlich-liberalen Regierung und Re-
ierungskoalition ist, dass sich möglichst viele Menschen
sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen

efinden, sie damit eigene Beiträge in die gesetzliche
entenversicherung einzahlen und in der Lage sein wer-
en, zusätzlich privat für ihr Alter vorzusorgen und in den
enuss einer betrieblichen Altervorsorge zu kommen.
azu ist ohne Frage ein Bündel von sozialpolitischen, ar-
eitsmarktpolitischen, bildungspolitischen, familienpoli-
schen, wirtschaftspolitischen, finanzpolitischen und
aushaltspolitischen Maßnahmen notwendig, die wir aber
llesamt zügig angehen werden und zu einem guten Teil
uch schon angegangen sind.

Es gibt aber auch noch ein anderes wichtiges Ziel die-
er Regierungskoalition, nämlich die Haushaltskonsoli-
ierung.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Oh! Die haben Sie aber ein bisschen aus den Augen verloren!)


azu stehe ich auch als Sozialpolitiker, der ohne Zweifel
nanzielle Mittel für seinen Bereich und vor allen Din-
en für die Menschen, für die wir Politik machen,
raucht.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das macht dann die nächste Regierung!)


Aber als Sozialpolitiker dieser christlich-liberalen Re-
ierungskoalition stellen wir uns auch der Herausforde-
ng, dass wir in Zukunft noch besser begründen müs-

en, wofür wir Geld einsetzen werden. Wir werden
achweisen, was es für die Betroffenen wirklich bewirkt,
nd wir werden vor allen Dingen sagen, wie viel es ist.
azu findet sich in Ihrem Antrag leider nichts, liebe
olleginnen und Kollegen der Linkspartei. Darin heißt

s lapidar:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregie-
rung daher auf, die Rentenanwartschaften von
)






(A) )



(B) )


Pascal Kober
Langzeiterwerbslosen umgehend deutlich zu ver-
bessern.

Wie viel es sein wird, was es kosten wird, und wie
man es macht, schreiben Sie nicht.


(Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Wir wollten euch Gelegenheit zu positiver Gestaltung geben!)


Das liegt vielleicht daran, dass Sie das, was Sie politisch
wollen, selbst für nicht finanzierbar halten, oder dass Sie
das, was Sie finanzieren wollen, gegenüber Ihrer eigenen
Anhängerschaft politisch nicht vertreten wollen.

Wir wollen Politik anders machen. Wir denken etwas
länger nach, beraten uns intensiv, berechnen und geben
an, ob es etwas kostet und gegebenenfalls wie viel, und
werden damit, ganz im Sinne der betroffenen Menschen,
erfolgreich sein.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701926800

Nächster Redner ist der Kollege Wolfgang

Strengmann-Kuhn für die Fraktion Bündnis 90/Die Grü-
nen.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Soziale Sicherheit ist ein Menschenrecht. Art. 22 der
Menschenrechtserklärung sollte für uns alle der Maßstab
sein, wie man mit den Schwächsten der Gesellschaft,
den Langzeitarbeitslosen, umgeht.

Wie zum Beispiel Herr Koch, mein Ministerpräsident
in Hessen, herumschwadroniert und über die Hartz-IV-
Empfänger herzieht, ist nicht der Umgang mit den Lang-
zeitarbeitslosen, den wir uns wünschen. Das, was die
Ministerin dazu gesagt hat, war nur ein bisschen abge-
schwächt.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Mit demselben Ansatz gehen wir auch an die Rente
und die Rentenansprüche von Langzeitarbeitslosen he-
ran. Es ist völlig richtig, dass der Betrag von 2,19 Euro
lächerlich ist.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Aber durch RotGrün eingeführt, Herr Strengmann-Kuhn!)


– Nein.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Doch! Und dann kamen 2,19 Euro heraus!)


– Er ist von der Großen Koalition auf 2,19 Euro halbiert
worden.

Herr Birkwald hat vorhin das Prozedere beschrieben.
Herr Weiß hat darauf hingewiesen, dass es gar nicht da-
rum ging, einen Satz zu finden, der nach 40 Jahren Ar-
beitslosigkeit eine existenzsichernde Rente ergeben
würde.

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(C (D (Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das habe ich anders in Erinnerung!)


as ist der nächste Punkt. Wir haben einen Kritikpunkt
egenüber der Linken. Denn man muss ehrlich sein:
uch eine Erhöhung würde noch keine existenz-

ichernde Rente bedeuten, es sei denn, man verzehnfacht
der verfünfzehnfacht den Satz. Dann müsste man aller-
ings auch sagen, wie das Ganze zu finanzieren wäre.

Sie von der Linken nicken zwar, aber in Ihrem Antrag
t nichts dazu enthalten. Im Antrag wird eine deutliche
rhöhung gefordert, aber was heißt das denn? Damit
önnen Sie uns nicht kommen. Es ist viel zu billig, ein-
ch zu sagen, dass die Welt besser werden muss. Dem

ann man sich nicht verschließen; das ist völlig richtig.
ber was heißt „deutlich besser“? Meinen Sie das Fünf-
che, Zehnfache oder Zwanzigfache?

Bei einer deutlichen Erhöhung auf ein existenzsi-
herndes Niveau, zum Beispiel um das Zehnfache, gäbe
s das Problem, das Herr Schaaf angesprochen hat. Was
äre dann beispielsweise mit den Geringverdienern?
üsste man das nicht auch auf sie beziehen? Es gibt

iele Folgeeffekte.

Sie sagen auch nicht, wie Ihre Forderungen finanziert
nd umgesetzt werden sollen. Es fehlt also noch einiges.

Ähnlich verhält es sich mit dem Gesamtproblem der
ltersarmut. Auch das ist nur eine Teilgruppe. Man
raucht aber ein Gesamtkonzept. Dazu haben Sie in der
egründung zu Ihrem Antrag ein paar Stichpunkte ge-
annt, aber das ist noch ein bisschen wenig. Sie müssen
ehr leisten. Für unsere Fraktion kann ich versprechen,

ass wir ein Gesamtkonzept gegen Altersarmut vorlegen
erden.

Die schwarz-gelbe Koalition hat in ihrem Koalitions-
ertrag angekündigt, etwas machen zu wollen. Der Satz,
er vorgelesen wurde, strotzt allerdings vor Widersprü-
hen. Es wird eigentlich nicht ganz klar, was dabei he-
uskommen soll. Es wird nicht deutlich, dass Sie eine

xistenzsichernde Rente haben wollen.


(Anton Schaaf [SPD]: Doch! Das ist klar!)


a steht etwas von betrieblicher und privater Alters-
icherung, die irgendwie besser auf die Grundsicherung
ngerechnet werden soll. Es soll weiterhin eine bedürf-
gkeitsgeprüfte Leistung geben. Diesem Satz zufolge
andelt es sich also eher um eine Grundsicherung de
xe als um eine existenzsichernde Rente. Wir dagegen

treben ebendiese an.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Wir werden, wie gesagt, ein Konzept dazu vorlegen.
h bin auf das Konzept der Regierung und auf das Kon-

ept der Linken gespannt. Vielleicht kommt sogar noch
on der SPD ein Gesamtkonzept zum Thema Alters-
rmut.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wir haben unser Konzept schon vorgelegt! – Anton Schaaf [SPD]: Ich habe eben schon Stichworte geliefert!)







(A) )



(B) )


Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
Ich finde allerdings, dass man sich diese Ein-Satz-An-
träge, die die Linke manchmal einbringt, eigentlich spa-
ren kann. Ziehen Sie den Antrag am besten einfach zu-
rück. Wenn dann alle Konzepte vorliegen, können wir
eine ausführliche Diskussion darüber führen.

Herzlichen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701926900

Letzter Redner in dieser Debatte ist nun der Kollege

Max Straubinger für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Max Straubinger (CSU):
Rede ID: ID1701927000

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen!

Die Linken haben heute wieder nur zu einem bestimm-
ten Thema einen Antrag eingebracht, in diesem Fall zur
Altersarmut. Diesen Antrag haben sie auf die Langzeit-
arbeitslosigkeit abgestellt.

Ich glaube, dass dies der Sache in keiner Weise ge-
recht wird. Sie müssten nämlich zuerst definieren, was
Langzeitarbeitslosigkeit überhaupt bedeutet. Ich kann
mich durchaus erinnern, dass man von Langzeitarbeits-
losigkeit spricht, wenn ein Jugendlicher länger als ein
halbes Jahr arbeitslos ist. Bei Älteren spricht man von
Langzeitarbeitslosigkeit, wenn sie über ein Jahr arbeits-
los sind.

Ich kann mir bei weitem nicht vorstellen, dass bei ei-
nem Jugendlichen, der sieben, acht oder selbst zwölf
Monate arbeitslos ist, dann wieder eine Arbeit bekommt
und der sein Arbeitsleben von 45 Jahren noch vor sich
hat, die Altersarmut vorprogrammiert ist. Von diesem
Gesichtspunkt aus ist der Antrag abzulehnen. Er ist wei-
terhin den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern ge-
genüber nicht gerecht. Es geht schließlich darum, dass
das Äquivalenzprinzip in der Rente eine Grundlage hat.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die beste Vorsorge gegen Altersarmut – das haben
wir auch im Koalitionsvertrag niedergelegt – sind mög-
lichst viele Arbeitsplätze und damit möglichst sozialver-
sicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bei gu-
ter Bezahlung. Dafür stehen wir. Daran werden wir
arbeiten.

Im Hinblick auf die Forderungen der SPD und der
Grünen möchte ich Folgendes sagen: Mit gesetzlichen
Mindestlöhnen werden Sie die Altersarmut nicht be-
kämpfen. Denn wenn jemand 45 Jahre lang auf einen
Stundenlohn von 7,50 Euro angewiesen ist, wird er hin-
terher auch auf Grundsicherung angewiesen sein.


(Anton Schaaf [SPD]: Aber der Betrag ist verhandelbar!)


Das kann es nicht sein. Deshalb ist es besser, starke Ta-
rifparteien, starke Gewerkschaften und starke Arbeitge-
berverbände zu haben. Wir als christlich-liberale Regie-
rung werden für ein gutes wirtschaftliches Umfeld
sorgen, damit in unserem Land viele Arbeitsplätze ent-
stehen.

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(C (D Den Menschen wird dadurch ermöglicht, nicht nur entenanwartschaften zu begründen, sondern auch Eientum zu bilden. Dies ist ein entscheidender Gesichtsunkt. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen Eigenm erwerben können und Eigentum gebildet werden ann. Man muss sich ein eigenes Haus leisten können, as im Falle von tatsächlicher Altersarmut geschützt ist. ür eine entsprechende Regelung haben wir bereits georgt. Darüber hinaus muss die Möglichkeit, privat vorusorgen, geschützt werden. Das werden wir morgen in er Parlamentsdebatte ausführlicher diskutieren. Kollege Schaaf hatte vorhin gefragt, wie vielen Menchen das nützt. Ich sage: Es nützt allen Menschen, die öglicherweise von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht ind, aber schon seit langer Zeit arbeiten und Vermöensbildung betrieben haben. Wir garantieren damit den enschen letztendlich Sicherheit. Das ist doch das Ent cheidende für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitneher und nicht die Anzahl derjenigen, die davon einen utzen haben. Das Beste ist, wenn niemand diese Regengen in Anspruch nehmen muss und jeder bis zum enteneintrittsalter einer Beschäftigung nachgehen ann. Sie von der Linken haben besondere Probleme mit er Eigentumsbildung in unserer Gesellschaft. Eigentum t bei Ihnen verpönt; denn Eigentum muss nach Ihrer uffassung stark besteuert werden und entsprechend mit rbschaftsteuer belegt werden. Das zeigt deutlich den eientumsfeindlichen Charakter Ihres Antrags. Sie wollen ar nicht die Menschen in die Lage versetzen, eine wichge Grundlage für ihre Altersvorsorge zu legen. Sie run nur nach sozialen Leistungen. Ihr Antrag enthält etwas versteckt den Ruf nach einer indestrente bzw. einem Mindesteinkommen. Das zeigt ehr deutlich, dass es sich hier um keine gute sozialpolische Agenda handelt. Sie wollen letztendlich vom soenannten Äquivalenzprinzip in der gesetzlichen Rennversicherung, mit dem wir über Jahrzehnte gut efahren sind, abweichen. Das ist sozialpolitisch nicht innvoll; denn damit werden geringfügig Beschäftigte nd Teilzeitbeschäftigte deutlich besser gestellt als Beiagszahlerinnen und Beitragszahler, die Vollzeit geareitet haben. Wir werden sicherlich noch Gelegenheit haben, in nhörungen über diesen Antrag zu diskutieren. Es wäre ut, wenn sich die Linke darauf verständigen könnte, ass unser gesetzliches Rentenversicherungssystem eine roßartige Grundlage ist, Altersarmut vorzubeugen, und enschen, die keine ausreichende Rente haben, einen ervorragenden Schutz durch eine Grundsicherung bei rwerbsunfähigkeit bzw. im Alter bietet. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Ich schließe die Aussprache. Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf Drucksache 17/256 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe, das ist der Fall. Dann ist die Überweisung so beschlossen. Wir kommen nun zum Tagesordnungspunkt 13: Beratung des Antrags der Abgeordneten Priska Hinz weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mehr Jugendlichen bessere Ausbildungschancen geben – DualPlus unverzüglich umsetzen – Drucksache 17/541 – Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen. Sind Sie damit einverstanden? – Das ist der Fall. Dann können wir so verfahren. Ich eröffne die Aussprache. Als erste Rednerin hat das Wort die Kollegin Priska Hinz für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Schönen guten Abend! Auch wenn uns noch nicht alle aktuellen Zahlen der Nachvermittlung vorliegen, kann man grundsätzlich ein paar Fakten feststellen, die noch immer für den Ausbildungsbereich gelten. Etwa 50 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber im letzten Jahr haben keinen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. Der Verbleib von etwa 100 000 Jugendlichen ist völlig unklar. Man weiß nicht, ob sie in Maßnahmen, zu Hause oder in Beschäftigung sind. Es gibt zudem 300 000 Altbewerber. Wir haben des Weiteren ein völlig ineffektives und circa 3 bis 5 Milliarden Euro teures Übergangssystem. Trotz aller Anstrengungen des Handwerks und der Industrie ist die Zahl der Ausbildungsverträge im letzten Jahr einzig und allein im öffentlichen Dienst gestiegen. Ansonsten haben die Ausbildungsangebote abgenommen. Das heißt im Klartext, wir brauchen ein konjunkturunabhängiges System für die Ausbildung, in dem mehr Ausbildungsbetriebe eingebunden sind: Ausbildungsbetriebe, die nur besondere Sparten ausbilden können, solche, die keine Ausbildungstradition haben, und kleine Ausbildungsbetriebe, die das allein nicht stemmen können. Wir haben ein System entwickelt – darüber haben wir hier schon mehrfach diskutiert –, mit überbetrieblichen Ausbildungsstätten gemeinsam die Betriebe dazu zu bringen, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. Das hätte den Effekt, dass wir mehr Quantität hätten, das heißt eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen, a li d q D Z fi a h v c A m fe li d w s s a W A – n w d m u w m ta k h ti A s d s C (C (D ber auch einen qualitativen Sprung, weil in überbetriebchen Ausbildungsstätten die Betriebe beteiligt sind und ort tatsächlich etwas anderes stattfindet als in den deualifizierenden Warteschleifen, die wir zurzeit haben. as System ist anschlussfähig an das, was DIHK und DH bislang vorgelegt haben: an das System der Qualizierungsbausteine, wie es der ZDH vorgelegt hat, und n die Skizze „Dual mit Wahl“, die der DIHK vorgelegt at. Was aber macht die Bundesregierung? Sie kürzt im orliegenden Haushalt die Mittel für die überbetrieblihen Einrichtungen, anstatt sie massiv auszubauen. uf dem Bildungsgipfel wird zwar viel diskutiert; aber it den Ländern wird nicht einmal darüber geredet und stgehalten, wie man die berufliche Ausbildung tatsächch reformiert. All die Versuche, Projekte und Modelle, ie immer stückchenweise vom Haushalt mitfinanziert erden, führen nicht dazu, dass man einen besseren Ein tieg in die Ausbildung hat und man für Altbewerber tatächlich gute, qualifizierende Systeme und Einstiegsngebote schafft. Es gibt keine Durchlässigkeit hin zur eiterbildung, und es gibt keine ausreichende Zahl von usbildungsangeboten. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der CDU/CSU: Das stimmt doch gar nicht!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)





(A) )


(B) )

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701927100
Priska Hinz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701927200

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Ulrike Flach [FDP]: Stimmt gar nicht!)


Natürlich stimmt das. Diese Fakten können Sie doch
icht leugnen. Die Fakten liegen auf dem Tisch, und es
ird nicht besser, wenn Sie immer nur auf den Ausbil-
ungspakt schielen und immer noch Vereinbarungen nur
it dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag

nd dem ZDH treffen. Das ist sicherlich ganz schön und
ichtig, aber es reicht nicht aus.

Wir brauchen eine Reform der Ausbildung, bei der
ehr Akteure ins System einbezogen werden, damit wir
tsächlich eine entsprechende Qualität für Nachwuchs-
räfte und soziale Integration hin zur Beschäftigungsfä-
igkeit junger Leute erreichen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Es geht nicht an, dass wir eine solche Desintegra-
onsstrategie fahren. Deswegen bitten wir Sie, unseren
ntrag im Ausschuss ordentlich zu beraten und ihm an-

chließend zuzustimmen sowie im Haushalt möglichst
ie Mittel für die überbetrieblichen Einrichtungen aufzu-
tocken.

Danke schön.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701927300

Nun hat das Wort der Kollege Axel Knoerig für die

DU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Axel Knoerig (CDU):
Rede ID: ID1701927400

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen

und Kollegen! Uns liegt ein Antrag der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „Mehr Jugendli-
chen bessere Ausbildungschancen geben – DualPlus un-
verzüglich umsetzen“ vor. Dabei geht es in erster Linie
darum, neben Berufsschule und Betrieb eine staatliche
überbetriebliche Ausbildungsform als dritte Säule neben
dem dualen System aufzubauen. Das soll nach Meinung
der Grünen zu einer Neustrukturierung der gesamten Be-
rufsausbildung führen. Über 300 000 junge Leute, die
sich in Warteschleifen befinden, sollen einer Ausbildung
zugeführt werden.

Dazu merke ich für die CDU/CSU-Bundestagsfrak-
tion Folgendes an:

Erstens. Wir sind auch durch unsere Verbundenheit
mit dem ländlichen Raum und durch die damit einherge-
henden Kontakte mit bodenständigen Handwerksmeis-
tern der festen Überzeugung, dass unser duales Berufs-
ausbildungssystem überaus erfolgreich ist.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Zweitens. Wir glauben nicht, dass ein stärkerer staat-
licher Einfluss auf die Berufsausbildung die Lage der
schwer vermittelbaren Jugendlichen – um solche handelt
es sich überwiegend – nachhaltig verbessert.


(Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Überbetriebliche Einrichtungen werden von den Betrieben getragen und nicht vom Staat!)


Drittens. Wir sind der Überzeugung, dass die Unter-
nehmen und Handwerksbetriebe sich der Problematik
des demografischen Wandels und der daraus resultieren-
den Knappheit an qualifizierten Mitarbeitern bewusst
sind.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dass dies so ist, kann man schon daran ablesen, liebe
Kolleginnen und Kollegen, dass der stärkste Einbruch
der Konjunktur in Friedenszeiten seit der Weltwirt-
schaftskrise nicht zu einem entsprechenden Anstieg der
Arbeitslosigkeit in 2009 geführt hat. Warum ist das so?
Weil die Unternehmen Fachkräfte an Bord halten wol-
len, dafür die Kurzarbeiterregelung nutzen und auch in
Zukunft nutzen können.

Ich habe in meinem Wahlkreis die wissenschaftlich
fundierte Initiative „Qualifizieren statt Entlassen“ ge-
startet, die von zwei Professoren der privaten FOM,
Hochschule für Oekonomie & Management, entwickelt
worden ist. Unternehmer und Handwerker der Region
wollen qualifizierte Leute auch über die Durststrecke
hinweg im Unternehmen behalten und sind bereit, dafür
auch Gewinneinbußen oder sogar Verluste hinzuneh-
men.

Viertens. Wenn ich mir vor diesem Hintergrund über-
lege, warum es so viele junge Leute in Warteschleifen
gibt, komme ich zu dem Schluss, dass dies sicher nicht
deshalb so ist, weil unsere Unternehmer und Hand-
werksmeister ausbildungsfeindliche Egoisten sind, de-

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(C (D en womöglich der Staat die Notwendigkeit von Ausbilung und Investitionen in Bildung erklären und dies ogar noch vormachen müsste. Ich kenne genügend Beiebe, die mehr oder überhaupt Jugendliche ausbilden ürden, wenn sie entsprechend qualifizierte junge Leute nden würden. Fünftens. Ich sage auch ganz klar: Dabei geht es überaupt nicht um theoretisches Überfliegertum. Ein Dacheckermeister sucht keinen Schüler, der sich für die elativitätstheorie von Einstein interessiert; er sucht jeanden, der sich für das Handwerk begeistert, notwen ige Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit und Ehrlicheit mitbringt und ein entsprechendes Sozialverhalten an en Tag legt. enn er solche Jugendliche nicht findet, wird Ausbilung nicht nur uninteressant, sondern objektiv unmögch. Sechstens. Der Zentralverband des Deutschen Handerks geht davon aus, dass rund jeder vierte Jugendliche icht ausbildungsfähig sei; jährlich verließen 8 Prozent er Schüler ihre Klassen ohne Abschluss; dazu kämen eitere 15 Prozent, die selbst in den Hauptfächern Maematik und Deutsch unzureichend ausgebildet seien. iese Defizite beseitigen Sie mit Ihrem Antrag nicht. ier muss im Vorfeld, insbesondere bei Familien und chulen, angesetzt werden. Siebtens. Das bedeutet, dass notwendige Sekundärgenden und Eigenverantwortung in der Erziehung in eutschland wieder einen höheren Stellenwert bekomen müssen. adurch wurde unser Land zu einem der erfolgreichsten änder der Welt. Durch Fehlentwicklungen wie die antiutoritäre Erziehung und die Spaßgesellschaft haben wir ukunftsfähigkeit verloren. (Lachen bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


iese gilt es zurückzugewinnen. Wir müssen die eigent-
chen Probleme lösen und dürfen nicht, wie die Grünen
eabsichtigen, an den Symptomen herumdoktern. Viel
ichtiger ist es, den Kindern wieder Leistungsbereit-

chaft und Freude an der eigenen Arbeit sowie soziale
erantwortung beizubringen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Achtens. Bei der Neujahrsansprache der Kreishand-
erkerschaft in meinem Wahlkreis Diepholz-Nienburg I

agte deren Kreishandwerksmeister sinngemäß: Junge
enschen, die sich für eine Ausbildung interessieren,

ollen praxisfähig sein und nicht durch die Qualitätshür-
en der Theorieausbildung an einem Abschluss gehin-
ert werden. Die übertriebene Verschulung in der Aus-
ildung ist im Handwerk eine Hürde für den
uszubildenden. Der Handwerksmeister muss wieder

inen Mehrwert bekommen, der sich aus der Praxisfä-






(A) )



(B) )


Axel Knoerig
higkeit der Berufsausbildung ergibt. Die Qualitätshürden
der beruflichen Ausbildung dürfen also nicht so hoch
sein, dass der gute Praktiker an der Theorie versagt und
keinen Abschluss macht.

Die Grünen wollen mit ihrem Modell noch mehr
Theorie.


(Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich glaube, Sie haben es einfach nicht verstanden!)


Wir brauchen aber weniger. Auch das ist eindeutig ein
Beleg dafür, dass das Vorhaben „DualPlus“ in Wahrheit,
wenn man von der erfolgreichen dualen Ausbildung in
Deutschland ausgeht, eigentlich ein „DualMinus“ wäre.
Wir sagen eindeutig Nein zu „DualPlus“, weil unser be-
stehendes duales Ausbildungssystem ein wirkliches
„DualMultiPlus“ ist.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701927500

Herr Kollege Knoerig, das war Ihre erste Rede im

Deutschen Bundestag. Ich gratuliere Ihnen dazu sehr
herzlich und wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit viel
Freude, Erfolg und alles Gute.


(Beifall)


Nächster Redner ist nun für die SPD-Fraktion der
Kollege Willi Brase.


(Beifall bei der SPD)



Willi Brase (SPD):
Rede ID: ID1701927600

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Sehr geehrte Damen und Herren! Als Mitglied zweier
Berufsbildungsausschüsse muss ich mich schon ein biss-
chen darüber wundern, dass man hier sehr schnell meh-
rere Hunderttausend Jugendliche als nicht ausbildungs-
fähig abgestempelt hat. Man hat behauptet, sie seien
nicht in der Lage, täglich zur Arbeit bzw. zur Ausbildung
zu gehen. Ich halte das für schlecht.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich habe selten Handwerksmeister oder Kleinbetrieb-
ler erlebt, die sagen: Mit diesen jungen Leuten können
wir nichts anfangen. Im Gegenteil, sie sagen schon seit
Jahren – auch wir haben hier darüber diskutiert –: Der
Übergangsbereich – wir bekommen ihn jedes Jahr im
Berufsbildungsbericht zahlenmäßig vor Augen geführt –
muss endlich einmal vernünftig geordnet werden, nach
dem Motto „Weniger ist mehr“. Es blickt nämlich keiner
mehr durch, was wir dort an Maßnahmen haben.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Dazu habe ich wenig bzw. gar nichts gehört.

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(C (D Eine Randbemerkung sei erlaubt: Wenn Sie die ÜBS, ezogen auf den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, in ine Ecke stellen, aber gleichzeitig im Haushaltsplan die ittel für die ÜBS auf über 50 Millionen Euro auf tocken, dann müssen Sie mir einmal im Ausschuss erlären, wie das inhaltlich zusammenhängt. Das ist ein chlechtes Vorgehen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ich möchte auf den Bereich Übergangsmanagement
ingehen. Dankenswerterweise hat eine Kollegin von
ns die Regierung angeschrieben und gefragt, wann wir
ndlich anfangen, diesen Bereich vernünftig zu organi-
ieren. Die Antwort war sehr erstaunlich: Die Bundes-
gierung will erst eine Vorstudie und dann eine Evalua-
on durchführen; danach will sie entscheiden, was sie
t. Meine Güte, bis diese Entscheidung getroffen ist, ge-

en wieder drei oder vier Jahre ins Land. Das bringt
och den jungen Leuten und auch unseren Unternehmen
ichts, weil sie nämlich Fachkräfte suchen. Da müssen
ir etwas tun.


(Beifall bei der SPD)


Meine Bitte ist – die FDP spricht häufig vom Eintre-
n der politisch-geistigen Wende in Deutschland; das
ennen wir aus alten Zeiten –: Geben Sie einmal Gas!
aden Sie die Ministerpräsidenten und die Kultusminis-
r ein – Frau Schavan kann das tun –, und beschäftigen
ie sich damit, wie es in diesem Bereich aussieht! Wir
issen, dass dieser Bereich vor allen Dingen regional zu
etrachten ist. Ich kann Ihnen Beispiele von Nürnberg
is Hamburg dafür nennen, dass sich die Zuständigen in
en Gebietskörperschaften mit den örtlichen IHKs, mit
en Gewerkschaften, mit der Agentur für Arbeit, mit den
rgen zusammensetzen, um sinnvolle Maßnahmen
urchzuführen. All dies wäre zu bündeln.

Das setzt allerdings voraus, dass die Kommunen auch
ukünftig in der Lage sind, entsprechende Finanzen vor-
uhalten. Wenn Sie die in Ihrem Koalitionsvertrag for-
ulierten steuerpolitischen Vorschläge umsetzen, dann

ommt auf die Kommunen möglicherweise einiges zu.
ie bekommen dann ein weiteres Problem, weil Sie den
ommunen mit Ihrer Steuerpolitik Geld wegnehmen,
as sie unbedingt brauchen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Im Antrag der Grünen und auch im Koalitionsvertrag
on Schwarz-Gelb habe ich gelesen, dass man zur Be-
ältigung der schwierigen Aufgabe – das will ich durch-

us anerkennen – differenzierte und modularisierte An-
ebote machen will. Das Berufsprinzip will man dabei
ahren.


(Beifall der Abg. Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


as ist denn das Berufsprinzip? Das Berufsprinzip der
ualen Ausbildung wird nicht dadurch gewahrt, dass
an eine Abschlussprüfung bei der IHK macht. Das ist

in bisschen billig. Die Ausbildung in Arbeits- und Ge-
chäftsprozessen, also dort, wo das reale wirtschaftliche






(A) )



(B) )


Willi Brase
Leben stattfindet, verbunden mit der notwendigen Un-
terstützung und der wichtigen theoretischen Unterwei-
sung, die Erlangung der Beschäftigungsfähigkeit in ei-
nem Zeitraum von drei bis dreieinhalb Jahren, das
zusammen ist das Berufsprinzip. Frau Hinz, wir müssen
sehr intensiv darüber streiten, ob dieses Prinzip über
DualPlus aufrechterhalten werden kann. Wir müssen
auch der Frage nachgehen, was die Koalition vorhat, um
dieses Problem in den Griff zu bekommen.

In Ihrem Koalitionsvertrag steht auch, dass Sie die
Gewerkschaften und die Kommunen gerne einladen
wollen, an einem Pakt für Ausbildung teilzunehmen.
Das halte ich für eine gute Sache.


(Beifall des Abg. Dr. Philipp Murmann [CDU/ CSU])


Ich habe von den Gewerkschaften gehört, dass sie bei
der Betrachtung dessen, was wir haben, gern eine ehrli-
che Bilanz hätten. Für eine solche Bilanz brauche ich nur
den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung zu zitie-
ren: Es fehlen nicht nur Ausbildungsplätze für die noch
Unversorgten, sondern auch beinahe 250 000 Plätze für
die sogenannten Altbewerber.

Wir haben damals das Ausbildungsbonusprogramm
auf den Weg gebracht mit mittlerweile 30 000 Geförder-
ten. Meine Frage wäre an dieser Stelle, da die FDP das
Programm ja massiv kritisiert hat:


(Patrick Meinhardt [FDP]: Richtig!)


Wie läuft es bei Ihnen weiter? Wird der Ausbildungsbo-
nus weitergeführt? Können wir damit rechnen, dass er
auch durch Kampagnen begleitet wird, damit weiterhin
junge Leute gerade auch aus dem Altbewerberbereich in
dieses Programm aufgenommen werden und somit eine
vernünftige Perspektive erhalten bzw. für sich entwi-
ckeln können? Es wäre eine wichtige und gute Sache,
wenn Sie das auf den Weg brächten.

Wenn wir ehrlich sind – das sage ich nicht nur heute
hier, sondern das habe ich auch zu Zeiten der Regie-
rungsbeteiligung meiner Partei gesagt –, müssen wir uns
eingestehen, dass wir zwar einen Weg entwickelt haben,
um am 30. Juni und am 31. Dezember statistische Zah-
len zu erhalten, die wir dann wunderbar bewerten kön-
nen, es aber auch immer wieder vorkommt, wie wir wis-
sen, dass sich junge Leute gar nicht mehr melden. Diese
gelten dann nach unserer Definition als „versorgt“.
Wenn man das Problem auch im Hinblick auf die demo-
grafische Entwicklung vernünftig in den Griff bekom-
men will, dann müssen wir dazu übergehen, ehrliche Er-
hebungen über die Zahlen an unversorgten jungen
Leuten durchzuführen und all denen dann auch ein ver-
nünftiges Angebot zu unterbreiten.

Wir haben die Berufseinstiegsbegleitung auf den Weg
gebracht. Ich höre sehr Gutes über die Arbeit der Berufs-
einstiegsbegleiter. Dass bestimmte junge Leute an die
Hand genommen werden, ist eine wichtige Sache. Dazu
steht nicht viel im Koalitionsvertrag. Wir sind deshalb
sehr gespannt, was die neue Koalition in den nächsten
Wochen und Monaten tun wird, um jungen Leuten ein

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(C (D ernünftiges Mittel, ein vernünftiges Angebot an die and zu geben, damit sie auch eine Perspektive haben. Es gibt ein weiteres Problem: die Ausstattung der Befskollegs. In manchen Regionen sind sie gut ausgestatt, in anderen Regionen weniger gut. Ich will nur darauf erweisen, dass man sich immer vor Augen halten sollte, ass immer zwei Teile dazugehören, wenn das duale ystem vernünftig laufen soll. Es nutzt den jungen Leun überhaupt nichts, wenn sie in ihren Unternehmen zw. Betrieben fantastisch ausgebildet werden, aber im erufskolleg die Bedingungen schlecht sind, weil die otwendige Zahl an Fachlehrern nicht vorhanden ist. ieses Problem müssen Sie angehen. Deshalb noch einal unsere Aufforderung: Rufen Sie die entscheidenden eute zusammen! Überlegen Sie, wie Sie hier voranommen und vor allen Dingen endlich einmal das Überangssystem vernünftig auf den Weg bringen können! or Ort gibt es viele gute praktische Beispiele. Darauf ann man sich beziehen. Das ist eine gute Sache. Die Weiterentwicklung der dualen Ausbildung war eientlich immer eine Angelegenheit des ganzen Parlaentes und kein Thema, mit dem man sich am Rande efasste. Ich darf daran erinnern, dass wir die Reform es Berufsbildungsgesetzes in diesem Parlament ohne egenstimme beschlossen haben. Es gab nur Zustimung und Enthaltungen. Nach fünf Jahren sage ich: iese Reform hat sich in weiten Teilen schon ausbe ahlt. Wir haben damals im Gesetz verankert, dass die erufsorientierung wieder ein Stück weit stärker in die ände der Betriebe gelegt wird. Wir haben Möglichkein aufgezeigt, wie in schwierigen Zeiten über eine schusche Ausbildung in Vollzeit gegengesteuert werden ann. Hier stelle ich auch die Frage: Wie wollen Sie diees zeitlich befristete Element gemäß § 43 Abs. 2 positiv utzen, damit nicht noch mehr junge Leute in Wartechleifen geparkt werden – es handelt sich ja um mehre Hunderttausende –, sondern eine vernünftige Aus ildung machen können? Nutzen Sie die Instrumente! Damit tun Sie etwas Gus für das Land, aber vor allen Dingen für die betroffeen jungen Leute. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Für die FDP-Fraktion spricht nun der Kollege Heiner amp. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! eine Damen und Herren! Mit diesem Antrag verhält es ich wie mit grünem Tee: im Urzustand schon ein ungeießbares Gebräu! eider wird das Gesöff nicht besser, wenn man es immer nd immer wieder neu aufgießt. Es ist dann genauso Heiner Kamp fade wie Ihr x-ter Antrag zum sogenannten DualPlusModell, liebe Kolleginnen und Kollegen der Grünen. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – René Röspel [SPD]: Er ist übrigens gesund, der grüne Tee!)


(Beifall bei der SPD)

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701927700

(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)

Heiner Kamp (FDP):
Rede ID: ID1701927800

(Willi Brase [SPD]: Grüner Tee ist sehr gut!)





(A) )


(B) )


Dieses Modell ist ein Ladenhüter – keiner will es, vor al-
lem nicht die Kammern, denen Sie eine tragende Rolle
zubilligen wollen. Fragen Sie doch einmal beim Hand-
werk nach! Gehen Sie doch einmal zu den Kammern!


(Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit denen sind wir dauernd im Gespräch!)


Da wird Ihnen kein Jubel entgegenschlagen – höchstens
die Tür.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Kein Wunder! Sie wollen zwei bewährte Elemente
unserer beruflichen Bildung, das duale System der be-
trieblichen Ausbildung und die überbetrieblichen Aus-
bildungsstätten, miteinander kreuzen. Eine Maßnahme,
die für sich genommen gut ist und sich wie die überbe-
trieblichen Ausbildungsstätten durchaus bewährt hat,
wird durch die zwangsweise Integration in das erfolgrei-
che und anerkannte duale System nicht besser.


(Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das schlägt das Handwerk ja selber vor!)


Die FDP will am Erfolgskonzept der Kooperation von
Betrieb und Berufsschule festhalten.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Sonder-, Übergangs-, Misch- und Scheinlösungen leh-
nen wir ab. Unser Anliegen ist es, die Berufsausbildung
im Gespräch mit den Akteuren – hier sind die ausbilden-
den Betriebe ein wichtiger Ansprechpartner – krisen-
und zukunftssicher zu machen. Während die Grünen an
Modellen stricken, die sich auf Parteitagen nett verkau-
fen, vor denen aber in der realen Welt alle Betroffenen
die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, die Büro-
kratie aufbauen, Ausbildungsunternehmen belasten und
das Dualsystem der betrieblichen Bildung aushöhlen,
setzt sich die FDP mit den Betroffenen zusammen und
sucht nach echten Wegen zur Weiterentwicklung der Be-
rufsbildung.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Nicht zuletzt deshalb hat die FDP-Fraktion bereits
2007 mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks
eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet. Aus dieser Zu-
sammenarbeit ist ein Positionspapier hervorgegangen,
das in zehn Punkten die erforderlichen Maßnahmen zur
Verbesserung der Ausbildungssituation in Deutschland
aufzeigt.

Die Ausweitung des Einzugsgebiets der überbetriebli-
chen Ausbildungsstätten auf das herkömmliche Feld der
Berufsbildung ist nicht praktikabel. Wir zweifeln keines-
wegs an der Funktionalität der überbetrieblichen Bil-
dungsstätten – dort, wo sie gebraucht und von den Betei-
ligten gewünscht werden. Daher hält die FDP die

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(C (D berbetriebliche Ausbildung gerade zum Beispiel im andwerk zur Vermittlung von Ausund Fortbildungshalten sogar für unverzichtbar. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha! Jetzt doch!)


och unser Orientierungspunkt ist und bleibt dabei die
etriebliche Ausbildung. Diese ist das deutsche Erfolgs-
odell. Hierauf müssen wir unser Augenmerk richten.
enn nur diese sichert erstaunliche Quoten des Über-
angs in den Beruf und bewahrt uns vor einer Jugendar-
eitslosigkeit wie in Skandinavien oder Frankreich. Die
berbetriebliche Ausbildung kann deswegen nur als
tütze der betrieblichen Ausbildung dienen. Sie wird
iemals als eigener Pfeiler in einem „trigonalen Ausbil-
ungssystem“ eine positive Wirkung entfalten können.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Was sagt denn Herr Kretschmer dazu, was den Osten angeht?)


Lassen Sie mich auch kurz auf die in Ihrem Antrag
nterschwellig mitklingende Kritik am Ausbildungspakt
ingehen. Seit 2003, dem letzten Jahr vor dem Ausbil-
ungspakt, gibt es zum Beispiel im Bereich der Indus-
ie- und Handelskammern trotz Krise ein Plus von
Prozent bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträ-
en, und dies bei einem gleichzeitigen Rückgang der
chulabgängerzahlen um 5 Prozent. Reden Sie doch mit
en Betroffenen statt über sie!


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


ann wüssten Sie auch, dass es selbst im Jahr der Krise,
009, keine Lücke auf dem Ausbildungsmarkt, sondern
in Überangebot an Lehrstellen gab. 9 600 unvermittel-
n Jugendlichen im September 2009 standen 17 300 of-
ne Lehrstellen und 20 000 freie Einstiegsqualifizie-
ngsangebote gegenüber. Statt Anträge mit unseriösen
ahlen zu verbreiten, sollten Sie besser das Gespräch
it den Betroffenen suchen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist eine
rrungenschaft, der gerade vor dem Hintergrund des de-
ografischen Wandels eine große Bedeutung zukommt.
urch ihre enge Verzahnung mit und Verankerung in der
eruflichen Praxis gelingt es dem dualen System, Aus-
ildungsinhalte auf dem neuesten Stand zu halten.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund halte ich es ge-
dezu für aberwitzig, dass die Grünen die Berufsbil-

ung nun für Freilandversuche heranziehen wollen. In
amburg gehen Schüler und Eltern bereits gegen eine
erkorkste grüne Bildungspolitik auf die Straße.


(Willi Brase [SPD]: Grün-schwarz, Herr Kollege! Dass Sie sich so davonstehlen, das ist typisch!)


offen wir, dass es bei der beruflichen Bildung nicht erst
o weit kommen muss.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)







(A) )



(B) )


Heiner Kamp
Die FDP hält nichts von diesen fragwürdigen Experi-
menten. Wir werden an Bewährtem festhalten und Ände-
rungen dort vornehmen, wo es sinnvoll und erforderlich
ist. Dabei wird die FDP den eingeschlagenen Weg fort-
setzen und mit den betroffenen Akteuren im Gespräch
sachgerechte Lösungen entwickeln.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Ein besonderes Anliegen ist mir persönlich eine bes-
sere Verzahnung von Aus-, Weiter- und Hochschulbil-
dung. Nach einer dualen Ausbildung zum Industriekauf-
mann und Betriebswirt (VWA) habe ich an der
Universität Münster Betriebswirtschaft studiert und war
selbst von den Problemen der mangelnden Anrech-
nungsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Teilen
des Bildungssystems betroffen. Hier müssen wir das Bil-
dungssystem effizienter gestalten. Ich fordere Sie alle
dazu auf, daran mitzuarbeiten.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Zuruf von der FDP: Bravo!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701927900

Herr Kollege Kamp, auch für Sie war dies die erste

Rede im Deutschen Bundestag. Ich gratuliere sehr herz-
lich und wünsche Ihnen weiterhin viel Freude, Erfolg
und Spaß an der Arbeit.


(Beifall – Heiner Kamp [FDP]: Herzlichen Dank!)


Nun hat das Wort für die Fraktion Die Linke die Kol-
legin Agnes Alpers.


(Beifall bei der LINKEN)



Agnes Alpers (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701928000

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und

Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohe Ju-
gendarbeitslosigkeit, nur ein Viertel der Betriebe bilden
noch aus, Hunderttausende von Jugendlichen sind in
Übergangsmaßnahmen, meist ohne Ausbildungsper-
spektive. Jeder vierte Hauptschüler und jede vierte
Hauptschülerin ist vier Jahre nach dem Schulende immer
noch ohne Ausbildung. Besonders betroffen sind Ju-
gendliche, die in Armut leben, junge Menschen mit Mi-
grationshintergrund und Menschen mit Behinderung. –
Das ist das Kielwasser des Flaggschiffes unserer Bil-
dungsministerin.

In meiner Heimatstadt Bremen hatte 2008 nur die
Hälfte der Schulabgängerinnen und Schulabgänger eine
Chance, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Zusätzlich
suchten 3 000 Altbewerberinnen und Altbewerber sowie
Tausende von Schülerinnen und Schülern aus dem Um-
land einen Ausbildungsplatz in unserer Stadt. So gingen
80 Prozent der Schülerinnen und Schüler ohne Haupt-
schulabschluss, die Hälfte aller Hauptschülerinnen und
Hauptschüler sowie 25 Prozent der Realschülerinnen
und Realschüler in das sogenannte Übergangssystem.
Wir Linke sagen: Es ist die Aufgabe der Politik, Rah-

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(C (D enbedingungen zu schaffen, damit endlich jeder Juendliche eine qualifizierte Ausbildung erhält. s geht um eine Ausbildung für alle. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, ollen dieses Ziel erreichen, indem Sie das ganze Ausildungssystem in Module zerlegen, die wahlweise im etrieb und/oder in überbetrieblichen Ausbildungsstätn absolviert werden. In der jetzigen Situation sind berbetriebliche Ausbildungen wichtig, weil sie für viele ugendliche die einzige Chance sind, überhaupt einen usbildungsplatz zu erhalten. Aber mit Ihrem Modell kzeptieren Sie, dass sich die Betriebe weiterhin aus ihr Verantwortung stehlen. Dabei kann es schnell passien, dass es bald noch weniger Ausbildungsplätze gibt. (Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Jetzt muss eigentlich die CDU/CSU klatschen!)


(Beifall bei der LINKEN)


ie sagen: Module sind ein Anreiz für die Betriebe, weil
ie so nur Bausteine der Ausbildung übernehmen müs-
en. Die Kammern sollen dafür in den Betrieben werben.

Ich habe 16 Jahre in der überbetrieblichen Ausbil-
ung gearbeitet und kann Ihnen nur eines sagen: Die Be-
iebe werden da nicht mitmachen. Noch viel wichtiger
t: Die Jugendlichen, die keine Ausbildung bekommen
nd die in diesen überbetrieblichen Ausbildungen unter-
ebracht werden sollen, brauchen kein flexibles Modul-
opping, sondern einen verlässlichen Betrieb, in dem sie
andlungsorientiert lernen und zusätzlich individuell ge-
rdert werden.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


r Modell bietet das nicht.

Wenn wir das Problem der Ausbildungsmisere grund-
ätzlich in den Griff bekommen wollen, müssen wir end-
ch alle Betriebe


(Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Zwingen!)


erbindlich an der Ausbildung der jungen Menschen be-
iligen. Dann nützt es nichts, zu sagen: Die jungen
enschen wollen keine Leistung zeigen. Worin besteht

ie Leistung von 75 Prozent aller Betriebe, die weder für
ie Jugendlichen noch für ihre Zukunft sorgen?

Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, erstens
is zum Sommer 2010 ein Konzept für die berufliche
ildung vorzulegen, zweitens die Betriebe wieder in die
erantwortung zu nehmen, den Jugendlichen qualitativ
ochwertige Ausbildungsplätze anzubieten, und drittens
ine Ausbildungsumlage einzuführen,


(Heiner Kamp [FDP]: Hatten wir schon, hat nicht funktioniert!)


amit Ausbildung endlich nicht mehr von wirtschaftli-
her Konjunktur abhängt.

Vielen Dank.


(Beifall bei der LINKEN)







(A) )



(B) )


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701928100

Letzter Redner in dieser Debatte ist nun der Kollege

Uwe Schummer für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Uwe Schummer (CDU):
Rede ID: ID1701928200

Verehrtes Präsidium! Meine Damen und Herren! Das

duale System steht für betriebliche Praxis mit begleiten-
der Theorie. Der Antrag, den die Grünen eingereicht ha-
ben, kehrt dieses Prinzip um. Das heißt im Grunde: viel
Theorie und wenig Praxis. Sie haben gesagt, geschätzte
Kollegin Hinz, dass die Kammern eine Vorlage für diese
Ausarbeitung geliefert hätten. Seit Montag habe ich ver-
zweifelt versucht, irgendjemanden bei IHK und ZDH zu
finden, der Ihr Konzept unterstützt. Ich habe niemanden
gefunden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Heiner Kamp [FDP]: Es gibt auch keinen!)


Von daher kann ich nur empfehlen: Reden Sie einmal
mit den Kammern und versuchen Sie, ihnen dies näher-
zubringen.

Konsequent ist eben, dass bei uns Ausbildung origi-
när von der Wirtschaft und subsidiär vom Staat organi-
siert wird, der vorausschauend Hilfe zur Selbsthilfe zu
leisten hat, wenn es einen Mangel gibt. Die betriebliche
Praxis führt bei uns auch zu einer schnellen Integration
in den Arbeitsmarkt. Dies zeigt die Zahl der Arbeitslo-
sen bis 25 Jahre im europäischen Vergleich. Bei uns sind
es 11 Prozent; diese Zahl ist natürlich zu hoch. Aber
wenn man die verschulten Berufsausbildungen beispiels-
weise in Großbritannien sieht, dann stellt man fest, dass
dort die Jugendarbeitslosigkeit bei 17,5 Prozent liegt, in
Frankreich bei 22,5 Prozent und in Spanien bei
35,7 Prozent. Das heißt, aufgrund der dualen Ausbildung
haben wir in Deutschland die besten Daten bei der Inte-
gration von jungen Menschen, die qualifiziert worden
sind.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dieses duale System ist auch in der Krise stabil. Zwei
von drei Jugendlichen absolvieren derzeit eine duale
Ausbildung. Das sind 1,5 Millionen Azubis in
500 000 Betrieben, und allein die Wirtschaft finanziert
in Deutschland die Qualifikation, die Ausbildungsvergü-
tungen und die Ausbildungswerkstätten jährlich mit
30 Milliarden Euro. Andere Volkswirtschaften wären
dankbar, wenn sie eine Kultur der Wirtschaft wie in
Deutschland hätten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das reicht leider nicht aus!)


Bei Ihrem Modell frage ich mich und fragen sich an-
dere, beispielsweise Vertreter der Kammern, wer bei ei-
nem neuen Modell die Ausbildungsvergütung zahlen
soll. Der Staat? Wollen Sie die Betriebe, wie es zu Recht
angemerkt wurde – was natürlich noch nicht heißt, dass
wir Sie von der Linkspartei gut finden –, wirklich aus
der Verantwortung für die Ausbildung entlassen, wie es
bei Ihnen mitschwingt, indem man sie weitgehend auf

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(C (D ie Zuständigkeit für Module und Praktika verweist? enn Module permanenten Prüfungsstress schaffen, wie ir das auch im Zusammenhang mit Bologna diskutien, dann frage ich, ob es nicht sinnvoll wäre, den Ju endlichen, die Sie meinen, beim systematischen Lernen u helfen. Wir benötigen andere Formen des Lernens nd der Prüfungen – wie Stufenausbildungen und getreckte Abschlussprüfungen –, als Sie vorschlagen. Bisher sind Ausbildung und Prüfung nicht in einer and. Das heißt, es gilt der Grundsatz, der bei Ihnen icht mehr eingehalten wird: Wer lehrt, prüft nicht. Wie ollen Sie dies in Ihrem Konzept vernünftig auf den eg bringen? 2005 haben wir – Willi Brase hat es erwähnt – in Bunestag und Bundesrat einstimmig eine Berufsbildungsform verabschiedet; es war die erste seit 1977. Ich mpfand den Ansatz als richtig, die Elemente dieser Befsbildungsreform, nämlich Stärkung der Verbundaus ildung, Aufwertung von Stufenausbildung und estreckte Abschlussprüfung, erreichen zu wollen. Gleihes gilt für die Anerkennung ausländischer Bildungseiten, was die Folge hat, dass heute nicht 2 000 Auszuildende wie im Jahre 2005, sondern über 10 000 Teile rer Ausbildung im Ausland absolvieren. Ich denke ber auch an die Zulassung vollzeitschulischer Berufsusbildung zur Kammerprüfung, die befristet ist. Nach nf Jahren ist es sinnvoll, diese Elemente der Berufsbil ungsreform zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Wir erden nicht mehr 25 Jahre warten. Ich denke, dass wir inen gemeinsamen Ansatz haben, das Thema Berufsusbildung frühzeitig ins Zentrum der parlamentarischen ebatte zu stellen. Wir als Koalitionsfraktionen werden ine entsprechende Überprüfung und Fortentwicklung inbringen. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Entfristen Sie den 43er?)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir haben eine Alternative zu dem, was die Grünen
ihrem Antrag vorstellen.


(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Das war eine Frage!)


ie wollen „neue überbetriebliche Ausbildungsstätten …
ls Träger der Ausbildung“ aufbauen. Sie wollen, dass
ammern die Betriebe anwerben, die Module und nicht
ehr vollständige Berufsbilder anbieten. Die „gesamte
erufsausbildung“ soll „neu strukturiert und in bundes-
eit anerkannten Modulen organisiert“ werden.

Das heißt, Sie wollen ein neues System und keine Re-
rm im System, wie das immer die Mehrheitsmeinung
Parlament gewesen ist. Deshalb werden wir zu einem
iteinander aufrufen. Wir werden Reformen anbieten,

ie pragmatisch und lösungsorientiert sind. Wir wollen
ein Ideal, das sich wunderbar zeichnen lässt, aber in der
raxis elendig scheitert.

Ich fordere Sie auf: Lassen Sie uns bei der Überprü-
ng der Berufsbildungsreform gemeinsame Wege ge-

en. Vielleicht kann das heute ein Anfang sein. Wir von






(A) )



(B) )


Uwe Schummer
der christlich-liberalen Koalition werden weitere und
bessere Papiere vorlegen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Priska Hinz [Herborn] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da sind wir ja mal gespannt!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701928300

Ich schließe die Aussprache.

Auch hier wird interfraktionell die Überweisung der
Vorlage, und zwar auf Drucksache 17/541, an die in der
Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. –
Ich sehe, Sie sind damit einverstanden. Dann ist die Über-
weisung so beschlossen.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 14 auf:

Beratung des Antrags der Fraktion der SPD

Mehr Chancengleichheit für Jugendliche –
Ferienjobs nicht als regelmäßiges Einkommen
anrechnen

– Drucksache 17/524 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Arbeit und Soziales (f)

Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ausschuss für Bildung, Forschung und
Technikfolgenabschätzung
Haushaltsausschuss

Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
Aussprache eine halbe Stunde vorgesehen. – Ich sehe
dazu keinen Widerspruch. Dann werden wir so verfah-
ren.

Ich eröffne die Aussprache. Als erste Rednerin hat
das Wort die Kollegin Katja Mast für die SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Katja Mast (SPD):
Rede ID: ID1701928400

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle-

gen! Unser Antrag liegt auf dem Tisch. Wir wollen, dass
jeder Jugendliche von seinem Ferienjob gleich viel hat;
denn für uns ist der Ferienjob vor allen Dingen der Ein-
stieg in den beruflichen Aufstieg, der Einstieg in die
praktische Berufsorientierung. Jeder Jugendliche, der in
den Ferien arbeitet, zeigt ein Höchstmaß an Eigeninitia-
tive und nutzt seine Ferienzeit sinnvoll, um Praxiserfah-
rung in einem Betrieb zu sammeln.


(Beifall bei der SPD und der LINKEN)


Was will die SPD im Detail? Wir fordern die Bundes-
regierung auf, ein Gesetz vorzulegen. Wir machen kon-
krete Vorschläge; denn wir lassen uns an unserem
Grundsatz „fördern und fordern“ messen. Frau von der
Leyen muss unseren Antrag nur noch zu einem Gesetz
machen. Derzeit ist es so: Jugendliche, die Sozialgeld
beziehen, müssen einen Teil des Ferienjobgehalts für
den Lebensunterhalt aufwenden. Bei vier Wochen Fe-
rienjob mit einem Gehalt von 1 200 Euro sind das im-
merhin bis zu 600 Euro.

Sie erinnern sich: In meiner letzten Rede zu diesem
Thema im November habe ich Ihnen Markus und Julia

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(C (D orgestellt. Markus, Kind einer alleinerziehenden Mutter us Pforzheim, konnte kein Jimi Hendrix werden; denn eine E-Gitarre kostete 1 200 Euro, aber er musste 00 Euro seines Gehalts für den Lebensunterhalt aufenden. Julia, die bei einem Ferienjob ebenfalls 200 Euro verdient hat, konnte diese voll in den Führerchein investieren. Ihre Eltern sind Lehrer. Das ist eine erechtigkeitslücke, die wir mit unserem Antrag klug chließen. Die SPD-Bundestagsfraktion will, dass jede Schülerin nd jeder Schüler bis 25 Jahre das angemessene Gehalt es Ferienjobs behalten kann, nd das unabhängig vom sozialen Status der Eltern. Als Ferienjob gilt in Anlehnung an das Jugendarbeitschutzgesetz ein Job mit einer maximalen Dauer von ier Wochen für alle Jugendlichen unter 25 Jahren. Nur o bleibt der Anreiz zur Berufsorientierung für alle Juendlichen gleich. Nur so bauen wir Chancen im Bilungssystem auf. Gut ist, dass die SPD-Bundestagsfraktion mit dem eutigen Antrag eine Lösung für das Herzensanliegen es Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder vorlegt. r hat in der Sendung hart aber fair im August letzten ahres gesagt – ich zitiere –, es müsse doch möglich ein, für vier Wochen eine Ausnahmeregelung zu mahen und die Arbeit von Schülerinnen und Schülern icht anzurechnen. Auch der Kollege Lehrieder von der CSU hat im Noember in einer Bundestagsdebatte (Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Es freut mich, dass Sie zugehört haben!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der SPD und der LINKEN)


eine ausgestreckte Hand für die Lösung des Problems
ngeboten.


(Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Die ist immer noch ausgestreckt!)


ir von der SPD schlagen ein, geschätzte Regierungs-
oalition.


(Beifall bei der SPD – Paul Lehrieder [CDU/ CSU]: Wir hatten gesagt: bis Mitte des Jahres!)


ir nehmen Sie beim Wort und messen Sie an Taten.


(Anton Schaaf [SPD]: Wollen wir einmal gucken, wie der Lehrieder sich da rauswindet!)


Sie, Kollege Lehrieder, sagten doch – ich zitiere aus
em Protokoll des Deutschen Bundestages vom Novem-
er –:

Auch ich bin der Meinung, dass die Eigeninitiative
von Schülern nicht blockiert werden darf.


(Beifall bei der SPD – Anton Schaaf [SPD]: Recht hat der Mann! – Gegenruf des Abg. Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Recht hat der Mann!)







(A) )



(B) )


Katja Mast
Wir, die SPD, machen Ihnen ein Angebot: Wir lösen
Ihr Problem. Von der Union liegt seit August bis heute
keine Lösung vor. Ich fordere Sie auf: Stimmen Sie dem
SPD-Antrag zu. Stimmen Sie für Ihre Ziele. Stimmen
Sie für Markus und Julia.

Ich weiß, gleich wird von der FDP- und der CDU/
CSU-Fraktion wieder das Argument kommen, man
müsse doch nur die Hinzuverdienstgrenzen erhöhen,
dann sei das Problem von Markus gelöst. Mitnichten.
Heute liegt die Grenze bei 100 Euro. Markus braucht
eine Grenze von 1 200 Euro. So weit wollen Sie nicht
gehen. Das wissen Sie ganz genau. Sie brauchen eine
Regelung. Wir, die SPD, legen heute diese Regelung vor.
Stimmen Sie zu.


(Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Die haben die Linken vor acht Wochen schon vorgelegt!)


Im Übrigen zu Ihren unkonkreten Vorschlägen, die
Hinzuverdienstgrenzen beim Arbeitslosengeld anzuhe-
ben: Es ist kein Zufall, dass all jene Parteien, die einen
gesetzlichen Mindestlohn ablehnen, die Hinzuverdienst-
grenzen anheben wollen. Das führt nämlich nur zu ei-
nem, zum Ausbau von Hungerlöhnen per Gesetz.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Wir legen heute einen konkreten Vorschlag vor, der
unserem Sozialstaatsverständnis entspricht: „Fördern
und Fordern“ und „Die Gemeinschaft hilft, wenn du dir
selbst nicht helfen kannst.“ Das unterscheidet uns auch
von den Kolleginnen und Kollegen optisch ganz links
von mir. Ihr Antrag vom November war unkonkret und
ohne Richtung. Da muss ich Ihnen widersprechen, Kol-
lege Lehrieder. Konstruktive Opposition geht anders, mit
konkreten Vorschlägen. Das zeigen wir heute.

Unser Vorschlag bedeutet Chancengleichheit für alle
Jugendlichen in der Berufsorientierung. Er bedeutet,
dass junge Erwachsene durch Eigeninitiative und Leis-
tung ihre Ziele verfolgen können. Ich fordere Sie alle
auf: Unterstützen Sie den Antrag, und gehen Sie unseren
Weg mit.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, „Menschen stär-
ken, Wege öffnen“, das ist der Anspruch, den die SPD-
Fraktion verfolgt. Wir wollen, dass im nächsten Sommer
Markus und Julia beide ihren Ferienjob gerne machen.
Wir brauchen diese Lösung. Verbauen Sie nicht den Ein-
stieg in den beruflichen Aufstieg wegen vermeintlicher
Koalitionszwänge. Zeigen Sie Feingefühl, und folgen
Sie dem Wunsch des Kollegen Kauder: hart aber fair.


(Beifall bei der SPD)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701928500

Nächster Redner ist der Kollege Dr. Carsten

Linnemann für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Dr. Carsten Linnemann (CDU):
Rede ID: ID1701928600

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Meine sehr verehrten Damen! Meine Herren! Fast das

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(C (D leiche Thema wie im vergangenen Jahr im November eim Antrag der Linken, fast die gleiche Uhrzeit, auch amals haben wir abends debattiert (Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: 21.04 Uhr war es damals!)


21.04 Uhr, also stimmt es fast –, und fast die gleiche
esetzung im Plenum, aber exakt dieselbe Antwort der
DU/CSU-Bundestagsfraktion: Wir sind bei diesem
hema bereits am Ball.


(Katja Mast [SPD]: Wo ist Ihr Vorschlag?)


ie Bundesregierung hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt,


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


nd diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem
GB II insgesamt und damit auch mit den Hinzuver-
ienstmöglichkeiten. Sie wissen ganz genau, dass am
. Februar dieses Jahres ein ganz wichtiges Urteil aus
arlsruhe über die Regelsatzbemessungen ansteht.


(Katja Mast [SPD]: Das hat mit den Ferienjobs nichts zu tun!)


ie können die Anrechnung der Leistungen aus Ferien-
bs nur im Kontext hiermit sowie den Hinzuverdienst-
öglichkeiten sehen. Das ist alles ein Thema.

Frau Mast, ich geben Ihnen ja in der Sache recht
nicht dass wir uns da falsch verstehen –, dass Ferien-
bs nicht nur einen rein monetären Effekt haben. Wenn
nge Menschen im Sommer in einem Betrieb einen Fe-
enjob haben, lernen sie soziale Kompetenz, persönliche
ompetenz, praktische Kompetenz und Teamfähigkeit.
lles, was Sie gesagt haben, stimmt. Deshalb gehen wir
ieses Thema an.


(Katja Mast [SPD]: Stimmen Sie doch einfach zu!)


Die notwendige Ehrlichkeit sollten wir aber schon ha-
en. Ich habe mich sowohl mit Vertretern der Argen in
einem Wahlkreis, in meiner Region sowie mit dem
orstand der Bundesagentur für Arbeit unterhalten. Wir
ollten die Bedeutung dieses Themas jetzt nicht über-
chätzen. Im Verwaltungsalltag hat es eine nachrangige
elevanz.


(Anette Kramme [SPD]: Vielleicht weil die Jugendlichen Geld abführen müssen!)


uch das gehört zur Ehrlichkeit. Damit will ich nicht sa-
en, dass wir dieses Thema nicht angehen. Wir werden
s tun. Wir sollten es im Kontext tun. Es gibt die entspre-
hende Arbeitsgruppe, und – Herr Lehrieder hat es be-
its gesagt – im Sommer wird sie ihre Ergebnisse vorle-

en. Das Arbeitsministerium hat die Federführung und
rbeitet mit Vertretern aus den Bereichen Wirtschaft, Fi-
anzen, Gesundheit und Steuern zusammen. Sie sehen:
as Thema wird komplett untersucht. Deshalb sollten
ir abwarten.

Ich halte Ihren Vorschlag zum jetzigen Zeitpunkt für
lickwerk. Wir brauchen Politik aus einem Guss.






(A) )



(B) )


Dr. Carsten Linnemann

(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wachstumsbeschleunigungsgesetz!)


Wir müssen das im Kontext sehen. Das wurde viel zu
lange nicht gemacht. Die CDU/CSU-Fraktion steht für
Politik aus einem Guss. Deshalb werden wir Ihrem An-
trag heute nicht folgen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701928700

Für die Fraktion Die Linke spricht nun der Kollege

Matthias Birkwald.


(Beifall bei der LINKEN)



Matthias W. Birkwald (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701928800

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten

Damen und Herren! Ferienjobs nicht auf Hartz IV anzu-
rechnen, ist in erster Linie eine Frage sozialer Gerechtig-
keit. Es ist schon seit langem bekannt, dass Schülerinnen
und Schüler nicht allein deshalb jobben, weil ihre Eltern
wenig Geld haben. Bei Ferienjobs geht es um die wert-
volle Erfahrung, etwas aus eigener Kraft zu schaffen,
sich Ziele zu setzen und sie auch zu erreichen. So ent-
steht Selbstbewusstsein.


(Beifall bei der LINKEN und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Diese wichtige Lebenserfahrung darf Schülerinnen und
Schülern nicht deshalb verleidet werden, weil ihre Eltern
Hartz IV beziehen. Das ist und bleibt diskriminierend.


(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, in der
vergangenen Wahlperiode, Anfang September 2009, ha-
ben Sie unseren Vorschlag, Ferienjobs nicht anzurech-
nen, schnöde abgelehnt. Klaus Wowereits Versprechen
in der Sendung hart aber fair, diese Gerechtigkeitslücke
zu schließen, war wohl nicht ganz ernst gemeint. Sie er-
innern sich an die Enttäuschung der 15-jährigen Laura,
die gejobbt hatte, um sich einen Elektrobass zu kaufen.
Hartnäckig wie wir sind, hatten wir Linken im Novem-
ber 2009 erneut einen Antrag eingebracht, in dem gefor-
dert wurde, auf die Anrechnung von Verdiensten aus Fe-
rienjobs auf das Arbeitslosengeld II zu verzichten. Nun
legen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD,
einen Antrag vor, den ich mit Ausnahme eines – aller-
dings entscheidenden – Wortes teilen kann. Der Gang in
die Opposition hat also offensichtlich zu einem Sinnes-
wandel bei Ihnen geführt oder einen Lernprozess ausge-
löst. Wie auch immer, herzlich willkommen auf der rich-
tigen Seite.


(Beifall bei der LINKEN)


Ja, Ihr Antrag weist in die richtige Richtung,


(Zuruf des Abg. Otto Fricke [FDP])


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(C (D ber Sie bleiben leider auf halber Strecke stehen. Sie ollen die Ferienjobs zeitlich auf vier Wochen im Jahr egrenzen und berufen sich dabei auf das Jugendarbeitschutzgesetz. Einverstanden. Warum aber wollen Sie zuätzlich begrenzen, wie gut der Ferienjob bezahlt sein arf? Sie wollen „angemessene Einnahmen“ von Schülennen und Schülern freistellen. Doch was heißt „angeessen“? (Dr. Michael Meister [CDU/CSU]: Das klärt ein Richter beim Bundesverfassungsgericht!)


olche unbestimmten Rechtsbegriffe gibt es im SGB II
chon viel zu viele. Auch darum gibt es so viele erfolg-
iche Klagen gegen Hartz IV. Nein, das würde nur zu
echtsunsicherheit und neuem Chaos zulasten der Be-
offen führen. Das gilt es zu verhindern.


(Beifall bei der LINKEN)


Es mag sein, dass einige ganz wenige die Freistellung
on Einkommen aus Ferienjobs über Gebühr nutzen
önnten. Das rechtfertigt aber keinesfalls schikanöse
ontrollen aller Ferienjobberinnen und Ferienjobber,
ie es sie gäbe, folgte man dem Antrag der SPD. Nein,
eue Kontrollen – die noch dazu über das für alle gel-
nde sozial-, arbeits- und steuerrechtliche Maß hinaus-
ehen – lehnt die Linke entschieden ab.


(Beifall bei der LINKEN)


Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, Sie
ersuchen krampfhaft, sich – auf dem Rücken der Be-
offenen – von unserem Antrag abzugrenzen.


(Katja Mast [SPD]: Nein!)


as ist hart, aber nicht fair.


(Beifall bei der LINKEN)


Es ist doch so: Jobbende Schülerinnen und Schüler
önnen rein gar nichts dafür, wenn ihre Eltern schon
nge arbeitslos sind. Deshalb sollten Jugendliche ihr in
en Ferien hart verdientes Geld komplett ausgeben dür-
n – für eine Gitarre, für Reisen, für ein Mokick oder
r was auch immer. In meiner Heimatstadt Köln gibt es

in schönes Sprichwort: Mer muss och jönne künne. Auf
ochdeutsch: Man muss auch gönnen können. Gönnen
ie, liebe Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten,
en Schülerinnen und Schülern ihren ganzen Lohn aus
em Ferienjob und verzichten Sie darauf, den Ferienver-
ienst von Jugendlichen aus SGB-II-Haushalten einzu-
chränken! Es muss doch darum gehen – darin sind wir
ns doch einig –, die ungerechte und entmutigende Son-
erbehandlung von Schülerinnen und Schülern aus ar-
en Familien abzuschaffen. Lassen Sie uns deshalb

eine neue Sonderbehandlung einführen!

Zum Schluss möchte ich ein Wort an die Kolleginnen
nd Kollegen von Union und FDP richten


(Zuruf von der SPD: Wird auch Zeit!)


nd sie heute erneut an das Versprechen erinnern, dass
er Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Volker Kauder,
der Fernsehsendung hart aber fair abgegeben hat. Er

at versprochen, dass es nicht dabei bleiben dürfe, dass,
ie es in dieser Sendung eindruckvoll geschildert wor-






(A) )



(B) )


Matthias W. Birkwald
den ist, eine Schülerin von ihrem gesamten Lohn aus
dem Ferienjob nur 100 Euro behalten darf. In dieser Hin-
sicht habe ich den Redebeitrag von Herrn Dr. Linnemann
mit großer Freude vernommen. Ich fordere Sie auf: Le-
gen Sie zügig einen entsprechenden Gesetzentwurf vor!
Das Problem muss in den Osterferien endlich vom Tisch
sein.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Meine Damen und Herren von der FDP, die Leistung
von Ferienjobberinnen und Ferienjobbern aus Hartz-IV-
Haushalten am Fließband, am Schreibtisch, im Lager
oder am Computer muss sich genauso lohnen wie die al-
ler anderen jobbenden Schülerinnen und Schüler.

Vielen herzlichen Dank.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701928900

Nächster Redner ist der Kollege Pascal Kober für die

FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Pascal Kober (FDP):
Rede ID: ID1701929000

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das ist heute meine fünfte Rede im Deutschen Bundes-
tag. Ich bin neu gewählt worden, rede heute aber schon
zum zweiten Mal zum gleichen Thema.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP, der SPD und der LINKEN)


Das ist wirklich etwas Besonderes; das hatte ich so nicht
erwartet.

Am 26. November 2009 haben wir über einen nahezu
identischen Antrag diskutiert. Er ist ein bisschen detail-
reicher ausgeführt; aber im Grundsatz geht es heute um
den gleichen Antrag.


(Katja Mast [SPD]: Das ist ein konkreter Vorschlag!)


Deshalb wundert es mich, dass Sie es nicht für nötig
befunden haben, einmal nachzulesen, was die Kollegin-
nen und Kollegen von der Union und von der FDP, aber
auch von den anderen Fraktionen in dieser Debatte ge-
sagt haben.


(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das haben wir! – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Sie können auch auf Ihren Redebeitrag verzichten!)


Für den Grundgedanken habe ich durchaus Sympa-
thie bekundet. Kollege Birkwald, wir von der FDP glau-
ben wirklich, dass Leistung sich lohnen muss. Das muss
natürlich – da haben Sie völlig recht – für jede Leistung
gelten, insbesondere für die Leistung von Jugendlichen,
die sich die Mühe machen, in einem Ferienjob zu arbei-
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(C (D Ich habe an dem Antrag der Linken kritisiert, dass sie ur die materiellen Vorteile für die Jugendlichen – den erdienst und den Vergleich mit anderen Jugendlichen – esehen hat. Dieser Punkt ist jetzt von der SPD aufgegriffen woren: Man hat sich die Mühe gemacht, auch die Gedanken on den Chancen, die ein Ferienjob für die Orientierung ei der Berufswahl bietet, und von den Chancen, die ein erienjob für die Stärkung des Selbstbewusstseins bietet, u Papier zu bringen. All das finden wir auch. Ich habe amals gesagt, dass uns Liberalen die Erfahrung des Gengens besonders wichtig ist. Das ist – mein Kollege arsten Linnemann hat das auch gesagt – wirklich eine ute Sache. (Christian Lange [Backnang] [SPD]: Wenn das so ist, dann nichts wie zustimmen!)


Ich habe aber auch kritisch angemerkt, dass Miss-
rauch ausgeschlossen werden muss. Wir müssen irgend-
ie sicherstellen, dass es wirklich die Jugendlichen sind,
ie arbeiten, und dass das Geld wirklich den Jugendlichen
ur Verfügung steht. Das mag nicht das größte Problem
ein; aber auch dieses Problem sollten wir im Auge be-
alten.


(Anette Kramme [SPD]: Das geht künftig alles auf ein Sperrkonto!)


Ich habe einen weiteren Punkt kritisiert; es wundert
ich wirklich, dass Sie sich nicht die Mühe gemacht ha-

en, sich daran zu erinnern oder, wenn Sie damals nicht
ugehört haben, es nachzulesen. Uns von der FDP wun-
ert, dass Sie hier nur an diejenigen denken, die für eine
egrenzte Zeit in einem Ferienjob arbeiten. Was ist denn
it den Jugendlichen, die Woche für Woche vielleicht
eitungen austragen,


(Otto Fricke [FDP]: Da denken die nicht dran! Dass man die SPD an so etwas erinnern muss!)


abysitten, den Rasen des Nachbarn mähen etc.? Es gibt
anz andere Arbeitsverhältnisse als nur Ferienjobs. Was
t mit diesen Jugendlichen? Wir von der christlich-libe-
len Koalition wollen sie jedenfalls nicht vergessen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Katja Mast [SPD]: 100 Euro Zuverdienst im Monat!)


Jetzt haben Sie uns vorgeworfen, dass seit August in
ieser Frage nichts geschehen ist. Nun möchte ich zu-
indest klarstellen, dass wir von der FDP am 27. Sep-
mber in die Regierung gewählt wurden


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das bereut die Mehrheit der Deutschen schon!)


nd der Bundestag erst seit November tagt. Insofern
age ich nur eines: Hätten Sie sich vielleicht mehr Zeit
elassen und mehr darüber nachgedacht, was Sie bei den
artz-IV-Reformen tun, dann wäre vielleicht manches
r die Betroffenen nicht so hart gekommen, wie es sich
tzt darstellt.


(Anette Kramme [SPD]: Sagen Sie das Ihrem Koalitionspartner! – Katja Mast [SPD]: Das Pascal Kober kommt aus dem Vermittlungsausschuss! – Gegenruf des Abg. Otto Fricke [FDP]: Sie haben doch dem Vermittlungsausschussergebnis zugestimmt!)





(A) )


(B) )


Wir stellen uns im Sinne der betroffenen Menschen
unserer Verantwortung. Wir werden jetzt sukzessive, gut
durchdacht, die gröbsten Härten und Ungerechtigkeiten,
die Rot-Grün in die Gesetze geschrieben hat, ausbessern.


(Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Wir haben uns auf den Weg gemacht und bereits ange-
kündigt, dass wir im Rahmen der Diskussion über Hin-
zuverdienstmöglichkeiten auch über dieses Thema bera-
ten und entscheiden werden. Das heißt nicht unbedingt,
dass es zu einer Aufrechnung kommen wird. Wir werden
prüfen, wie wir das lösen können. Seien Sie einmal ge-
spannt, wie wir ganz in Ihrem Sinne, im Duktus Ihres
Antrages, einen gescheiten Antrag vorlegen werden.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Katja Mast [SPD]: 1 200 Euro für Markus!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701929100

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht nun

der Kollege Markus Kurth.


Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701929200

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Herr Kober, eines vorweg: Ihr Vergleich mit den Schüle-
rinnen und Schülern, die Woche für Woche Zeitungen
austragen oder den Rasen des Nachbarn mähen, hinkt
schon allein deshalb, weil es einen Freibetrag von mo-
natlich 100 Euro gibt.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)


Solche Jobs fallen unter diese Regelung; ein solcher
Hinzuverdienst jeden Monat ist abgedeckt.


(Otto Fricke [FDP]: Und bei 101 Euro?)


Es geht tatsächlich und konkret um die Ferienjobs.
Natürlich betonen alle Fraktionen wie schon im Novem-
ber 2009, dass eine Gesetzesänderung notwendig ist, um
jugendlichen Schülerinnen und Schülern in Arbeitslosen-
geld-II-Bedarfsgemeinschaften die deprimierende Erfah-
rung zu ersparen, dass von ihrem ersten selbstverdienten
Geld der größte Teil wieder genommen wird.

Herr Lehrieder, Frau Mast hat Sie bereits zitiert, ich
darf etwas hinzufügen. Sie sagten am 26. November
auch:

Deshalb kann niemand wollen, dass die SGB-II-
Gesetzgebung einen gegenläufigen, die Schüler de-
motivierenden Effekt entwickelt.


(Zuruf von der CDU/CSU: Recht hat er!)


Das Protokoll verzeichnet an dieser Stelle „Beifall bei
der CDU/CSU und der FDP“.

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(C (D (Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Von euch nicht! Nicht von den Grünen, Herr Kurth!)


Herr Kober, in derselben Debatte haben Sie Ihre
rundsätzliche Sympathie – das haben Sie jetzt bekräf-
gt – für den Antrag der Fraktion Die Linke ausge-
rückt.


(Pascal Kober [FDP]: Für den Kerngedanken, Herr Kurth!)


Nein, ich habe das im Protokoll nachgelesen: Sie ha-
en von grundsätzlicher Sympathie gesprochen. Sie ha-
en auch gesagt:

Immerhin greifen Sie ein Kernelement liberaler Ge-
rechtigkeitsvorstellungen auf, das wir gerne unter
dem Motto „Leistung muss sich lohnen“ zum Aus-
druck bringen.


(Pascal Kober [FDP]: Richtig! – Otto Fricke [FDP]: So ist es!)


Bei so viel Zustimmung zum Anliegen sollte man
einen, dass eine gesetzliche Regelung bei der nächst-

esten Gelegenheit zu erwarten wäre.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Otto Fricke [FDP]: So war das bei Rot-Grün immer! Bei jeder Gelegenheit ein Gesetz!)


etzt wäre die Gelegenheit da: Morgen beraten wir in
rster Lesung ein Gesetz zur Stabilisierung der Finanz-
ge der Sozialversicherungssysteme. Hier schlägt die
undesregierung unter anderem vor, das Schonvermö-
en von Langzeitarbeitslosen für die Altersvorsorge
eutlich zu erhöhen.


(Otto Fricke [FDP]: Richtig so!)


ffensichtlich handelt es sich dabei um eine Einzellö-
ung. Es wäre ein Leichtes, in demselben Gesetz eine
eitere Einzellösung zu treffen, nämlich die Anrech-
ung von Ferienjobs zu regeln.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE])


Herr Lehrieder, im November 2009 war Ihr Kernvor-
urf an die Linken, man dürfe „keinen Flickenteppich

chaffen“. Ja, wo ist denn jetzt die von Ihnen angekün-
igte Lösung „im Gesamtzusammenhang“? Haben Sie
icht vor zwei Monaten den Eindruck erweckt, eine Lö-
ung des Problems stünde unmittelbar bevor? Ich zitiere
ie wiederum aus dem an dieser Stelle sehr hilfreichen
lenarprotokoll:

Wir

Sie meinten die Regierungskoalition –


(Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Christlich-liberale!)


haben uns längst an die Arbeit gemacht und das
gründlicher und umfassender, als Sie es vorschla-
gen.






(A) )



(B) )


Markus Kurth
So, so: „gründlicher und umfassender“. Halten Sie
denn Ihre gründlichen und umfassenden Ergebnisse un-
ter Verschluss, oder, liebe Kolleginnen und Kollegen
von der Union, mauert der Koalitionspartner, weil viel-
leicht gerade kein passender Spender in Sicht ist?


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Otto Fricke [FDP]: Super! Applaus! So ein kluger Mann und dann so eine Rede!)


Sie haben noch eine zweite Gelegenheit zur Verbesse-
rung der Hinzuverdienstmöglichkeiten; denn wir werden
in den nächsten Monaten das Gesetz zur Neuordnung der
Jobcenter beschließen. Auch hier könnten Sie eine sinn-
volle Regelung unterbringen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE] – Anette Kramme [SPD]: Eine sehr gute Idee, Herr Kurth!)


Wir, die Oppositionsfraktionen, sollten zusammen einen
Änderungsantrag einreichen.


(Otto Fricke [FDP]: Ein rot-rot-grüner Antrag! Den möchte ich sehen!)


Es stellt sich die Frage, ob sich, wenn man sich diesen
Gesetzentwurf, den Arbeitsentwurf, näher anschaut,
auch nur ein Hinweis darauf findet. Nein, ganz im Ge-
genteil: Sie wollen die Sanktionen verschärfen. Daran
zeigt sich, was Sie von Union und FDP wirklich wollen.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Anette Kramme [SPD]: Genau!)


Sie bieten denjenigen jungen Menschen, die in ALG-II-
Bedarfsgemeinschaften leben und Leistungen erbringen
– etwa im Ferienjob –, keine verbesserten Anreize, son-
dern Sanktionen. Wie wäre es, wenn Sie von der Regie-
rungskoalition sich einmal darum kümmern würden, die
Anreize für diejenigen zu verbessern, die arbeiten wol-
len?

Wir vom Bündnis 90/Die Grünen fordern schon seit
langem eine verbesserte Förderung von Arbeitslosen, ei-
nen höheren Regelsatz – insbesondere für Kinder und
Jugendliche – und eine Verbesserung der Arbeitsanreize.
Daher werden wir den Antrag der SPD-Fraktion unter-
stützen.

Vielen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Anette Kramme [SPD]: Wir revanchieren uns!)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701929300

Letzter Redner in dieser Debatte ist nun der Kollege

Paul Lehrieder für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Pascal Kober [FDP])


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(C (D Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen nd Kollegen! Als ich den Antrag der SPD auf den chreibtisch bekommen habe, habe auch ich erst einmal berlegt: Da war doch schon einmal etwas, das haben ir doch erst vor wenigen Wochen behandelt. Genau vor cht Wochen haben wir bereits über einen ähnlichen Anag der Linkspartei diskutiert. Ich habe erst gedacht, das ei ein Fall kollektiver Amnesie aufseiten der SPD. Man at es über die Feiertage vergessen. Am 26. Januar 2010 erhielten wir den Antrag der PD, der im Wesentlichen inhaltsgleich mit dem ist, was ie Linken gefordert haben, nd nur marginale Änderungen enthält. Sie wollen uns as nun als neuen Wein in alten Schläuchen verkaufen. (Max Straubinger [CDU/CSU]: Praktisch abgeschrieben!)

Paul Lehrieder (CSU):
Rede ID: ID1701929400

(Katja Mast [SPD]: Nein!)


Meine lieben früheren Koalitionspartner von der
PD,


(Otto Fricke [FDP]: Das muss „meine früher lieben“ heißen!)


ie müssen das einfach realisieren: Die Linken waren
ier schneller. Sie hecheln den Linken hinterher. Nichts
ehr bedeutet Ihr heutiger Antrag.


(Beifall des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE])


Sie haben das völlig zu Recht ausgeführt.

Liebe Kollegin Mast, wenn Sie das Protokoll vom
6. November 2009 gelesen haben – ich unterstelle das –,
ann wissen Sie, dass nicht nur das darin steht, was Sie
itiert haben.


(Anette Kramme [SPD]: Sie haben nicht zugehört!)


ichts ist schlimmer als Halbwahrheiten. Diese sind oft
chlimmer als eine Lüge.

Jawohl, auch wir sehen hier einen Handlungsbedarf.
s ist auch völlig richtig, dass unser Fraktionsvorsitzen-
er bereits im August in der Sendung hart aber fair ge-
agt hat, hier bestehe Handlungsbedarf. In der Debatte
m 26. November 2009 haben wir hier zur gleichen Zeit
m selben Ort ausgeführt, dass wir bis Mitte des Jahres
ine Lösung bei den Hinzuverdienstgrenzen anstreben –
icht mehr und nicht weniger. Lieber Herr Kurth, wir ar-
eiten gründlich und nicht vorschnell.


(Gabriele Hiller-Ohm [SPD]: Sehr langsam! – Abg. Katja Mast [SPD] meldet sich zu einer Zwischenfrage)


Kollegin Mast, ich lasse grundsätzlich liebend gern
ine Zwischenfrage zu, aber wir sind heute arg in Ver-
ug, und ich will meine Redezeit eh nicht komplett aus-
chöpfen.

Wir haben zu dem Thema das Wesentliche gesagt. Sie
aben meine Argumente bereits nachgelesen. Ich glaube,






(A) )



(B) )


Paul Lehrieder
das meiste ist bereits in der Debatte über den Antrag der
Linken ausgeführt worden. Hartz IV ist ein lernendes
System. Kollege Linnemann hat völlig zu Recht darauf
hingewiesen: Am 9. Februar 2010 gibt es eine Entschei-
dung zu den Bedarfssätzen für Kinder. Auch hier müssen
wir etwas tun.

Im Übrigen haben wir mit unseren früheren Partnern
– auch das haben Sie längst vergessen – die Hartz-IV-
Sätze für 6- bis 13-Jährige zum 1. Juli 2009 um 35 Euro
erhöht. Wir haben das Schulstarterpaket eingeführt, und
wir werden jetzt das Schonvermögen verdreifachen.
Dazu werden wir morgen etwas ausführen.

Hartz IV ist ein lernendes Problem, Hartz IV ist nicht
perfekt, und bei Hartz IV gibt es noch Ungereimtheiten.
Eine der Ungereimtheiten bei Hartz IV ist die fehlende
Motivation für Schüler, sich zur Integration ins Berufsle-
ben rechtzeitig zu einem Unternehmen aufzumachen, da
sie den Hinzuverdienst nicht für sich behalten dürfen.
Hier werden wir etwas ändern. Wir, die christlich-libe-
rale Koalition, haben das Thema auf dem Schirm.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: SchwarzGelb heißt das!)


Bevor wir zu schnell handeln und einen Schuss aus
der Hüfte abgeben, werden wir das gründlich und or-
dentlich ausarbeiten. Ich hoffe, dass wir bis zum
Sommer die Lösung vorlegen können. Sie wird besser
als beide Papiere sein: besser als das Papier der Linken
vom 25. November 2009 und besser als das Papier der
SPD vom 26. Januar 2010. Deshalb werden wir heute
auch den vorliegenden Antrag der SPD ablehnen.

Danke schön.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701929500

Ich schließe die Aussprache.

Interfraktionell wird die Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 17/524 an die in der Tagesordnung aufge-
führten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit ein-
verstanden? – Das ist der Fall. Dann ist die Überweisung
so beschlossen.

Wir kommen zu den Tagesordnungspunkten 15 a und
15 b:

a) Beratung des Antrags der Abgeordneten
Christoph Strässer, Dr. Rolf Mützenich, Edelgard
Bulmahn, weiterer Abgeordneter und der Frak-
tion der SPD

Syrien – Abschiebungen beenden, politischen
Dialog fortführen

– Drucksache 17/525 –

b) Beratung der Beschlussempfehlung und des Be-
richts des Innenausschusses (4. Ausschuss)


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(C (D – zu dem Antrag der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan Korte, Wolfgang Nešković, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE Abschiebungen nach Syrien stoppen – Abschiebeabkommen aufkündigen – zu dem Antrag der Abgeordneten Josef Philip Winkler, Volker Beck weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Unverzügliche Aussetzung des DeutschSyrischen Rückübernahmeabkommens – Drucksachen 17/237, 17/68, 17/570 – Berichterstattung: Abgeordnete Reinhard Grindel Rüdiger Veit Hartfrid Wolff Ulla Jelpke Josef Philip Winkler Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die ussprache eine halbe Stunde vorgesehen. – Ich sehe, ie sind damit einverstanden. Dann können wir so verhren. Ich eröffne die Aussprache. Als erster Rednerin erile ich der Kollegin Angelika Graf für die SPD-Frakon das Wort. Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! ie relativ gute Nachricht zuerst: Der seit seiner Abchiebung aus Deutschland im September 2009 in syricher Haft befindliche syrische Kurde Khaled Kenjo ist nscheinend aus der Haft geflohen – wir hatten in unsem Antrag die Begleitung seines Prozesses durch die eutsche Botschaft gefordert – und hat in der Türkei syl beantragt. Er klagt in einem Interview darüber, in Damaskus zuächst sieben Tage in einer winzigen Einzel-Dunkelzelle stgehalten worden zu sein. Sie sei so klein gewesen, ass er sich zum Schlafen nicht habe ausstrecken könen. Er sei vier Tage von der Staatssicherheit verhört orden. Man habe ihm bei allen Verhören die Augen erbunden und die Hände gefesselt. Er sei geohrfeigt nd mit Kabeln auf die Füße und andere Körperteile gechlagen worden. Zentral während der Verhöre sei die Frage nach der eilnahme an einer Demonstration in Berlin gegen das eutsche Rückübernahmeabkommen mit Syrien im Jahr 008 gewesen. Die SPD-Bundestagsfraktion ist der Meiung, dass dieses Rückübernahmeabkommen gekündigt erden muss. Wir orientieren uns dabei an Art. 3 der Eupäischen Menschenrechtskonvention, die Folter und unenschliche Behandlung verbietet. Dabei nehmen wir durchaus positiv zur Kenntnis, ass sich die Stellung Syriens in der internationalen Polik verbessert hat, unter anderem durch die Aufnahme Angelika Graf diplomatischer Beziehungen zum Libanon und die Bereitschaft, mit den USA und Israel zu verhandeln. Wir bedauern es sehr, dass die Zeichnung des Assoziationsabkommens mit der EU durch Syrien bisher nicht erfolgt ist. Aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion muss die Bundesregierung den Öffnungsprozess Syriens gegenüber den Nachbarländern in der Region und der internationalen Gemeinschaft weiter unterstützen, auch und gerade in Hinsicht auf den Nahostkonflikt. Das Angebot an Syrien zur Zeichnung des Assoziationsabkommens, und zwar inklusive der Menschenrechtserklärung, muss die Bundesregierung gemeinsam mit der EU aufrechterhalten. Den positiven Signalen in der Außenpolitik stehen leider sehr negative Signale hinsichtlich der Menschenrechtslage in Syrien gegenüber. Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, sich bilateral und auch auf EUEbene für eine Verbesserung der Menschenrechtslage in Syrien sowie für die Freilassung syrischer politischer Gefangener einzusetzen. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der SPD)

Angelika Graf (SPD):
Rede ID: ID1701929600




(A) )


(B) )


Ein genauer Blick auf die Menschenrechtslage in
Syrien zeigt, dass Folter, Misshandlung von Gefangenen
und das Verschwindenlassen von Menschen leider keine
Ausnahmeerscheinungen sind. Es gibt Korruption, Zen-
sur und keinen verlässlichen Rechtsstaat.

Seit 1963 gilt in Syrien der Ausnahmezustand, wes-
wegen die rechtsstaatlichen Elemente der Verfassung
weitgehend außer Kraft sind. Das Auswärtige Amt
spricht übrigens von einem von Sicherheitsapparaten
und vom Militär geprägten autoritären Regime.

Es gibt in Syrien etwa 13 Menschenrechtsorganisatio-
nen, darunter auch kurdische. Diesen gilt unsere Unter-
stützung. Ihre Lage ist sehr schwierig. Politisch sensib-
len Vereinen wird in der Regel die Registrierung
verwehrt. Das hat zur Folge, dass jemand, der sich in
nicht genehmigten Vereinen engagiert, mit bis zu drei
Jahren Haft bestraft werden kann.

Schikane und Verhaftungen sind keine Seltenheit. Es
gibt laut dem von Menschenrechtsanwälten betriebenen
Syrian Human Rights Information Link fast 1 000 politi-
sche Gefangene in Syrien. 2008 gab es 183 Festnahmen
und 129 Verurteilungen.

Andere Organisationen sprechen von noch höheren
Zahlen. Ich verweise auch darauf, dass der Menschen-
rechtspreis des Deutschen Richterbundes an einen syri-
schen Anwalt gegangen ist, der unter Einsatz seines Le-
bens Menschen in Syrien verteidigt. Er konnte zur
Preisverleihung übrigens nicht erscheinen, weil er in Sy-
rien im Gefängnis saß.

Wir wissen also, wie sich die menschenrechtliche
Lage in Syrien darstellt. Das betrifft insbesondere die Si-
tuation der rund 2 Millionen Kurden im Land. Noch viel
stärker aber betrifft es die 250 000 bis 300 000 Kurden in
Syrien ohne syrische Staatsangehörigkeit sowie alle poli-
tisch engagierten Kurden. Wir wissen auch, wie die erste

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(C (D ilanz des 2009 in Kraft getretenen Rückführungsabommens mit Syrien aussieht. Im ersten Halbjahr 2009 urden 28 Personen abgeschoben, in drei Fällen kam es nmittelbar im Anschluss zu Inhaftierungen. Entsprehende Nachfragen des Auswärtigen Amtes wurden von en syrischen Behörden nicht beantwortet. Wir müssen damit rechnen, dass weitere solche Fälle lgen, wenn nicht die Reißleine gezogen wird. Neben iner Inhaftierung kann Ausgewiesenen zum Beispiel ine Anklage wegen Verbreitung von Lügen und Bechädigung des Ansehens Syriens im Ausland drohen. ies sind alles Punkte, die man sehr ernst nehmen muss. itte Dezember 2009 hat die Bundesregierung die Bun esländer genau deshalb in einem Rundschreiben aufgerdert, Rückführungen illegal aufhältiger Personen ach Syrien mit besonderer Sorgfalt zu prüfen. Das Bunesamt für Migration und Flüchtlinge wurde gebeten, orerst keine Asylanträge als offensichtlich unbegründet bzulehnen und Entscheidungen über Folgeanträge zuckzustellen. Das ist aus unserer Sicht nicht ausrei hend. Wir brauchen einen Abschiebestopp und eine ündigung dieses Rückübernahmeabkommens. (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Bei syrischen Staatsangehörigen und bei für Syrien
estimmten Staatenlosen müssen Abschiebungen so
nge ausgesetzt werden, bis sich die Menschenrechts-
ge in Syrien erkennbar verbessert hat. Die Notwendig-
eit dafür können wir nicht nur den dokumentierten In-
aftierungen, sondern auch der Reaktion – vielmehr der
angelnden Reaktion – der syrischen Behörden auf

eutsche Nachfragen hinsichtlich des Schicksals der Ab-
eschobenen entnehmen.

Der aktuelle Zustand führt zudem zu einer tiefen Ver-
nsicherung der von Abschiebung bedrohten Syrer, die
ein Dauerzustand sein darf. Die taz hat am Montag be-
chtet, dass die Empfehlungen des Bundes an die Län-
er bisher wohl nicht gefruchtet haben. So ist von einem
all die Rede, wo ein Syrer am 5. Januar 2010 um 5 Uhr
orgens von der Polizei abgeholt worden ist, um ihn so-
rt abzuschieben, was durch den Niedersächsischen

lüchtlingsrat und einen von ihm eingeschalteten An-
alt gerade noch verhindert werden konnte. Es reicht
eshalb offensichtlich nicht, Empfehlungen auszuspre-
hen und dann zu hoffen, dass schon alles gut gehen
ird. Es reicht nicht, darauf zu vertrauen, einen Rechts-

taat zu haben, der schon verhindern wird, dass Abschie-
ungen in menschenrechtlichen Katastrophen enden.
enau das ist aber passiert. Wir sprechen nicht von ir-
endwelchen erfundenen Situationen. Wir brauchen also
ine klare Rechtslage. Die Bundesregierung ist in der
ringschuld, diese klare Rechtslage zu schaffen.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Das aber geht nur mit einer Kündigung dieses Rück-
bernahmeabkommens.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte
m Zustimmung für unseren Antrag. Was die Anträge
er Grünen und Linken betrifft, gibt es Kollegen in unse-






(A) )



(B) )


Angelika Graf (Rosenheim)

rer Fraktion, die aus gutem Grund die Meinung vertre-
ten, unser Antrag sei der differenzierteste und der beste,
und man müsse deshalb die anderen Anträge, die in die
gleiche Richtung gehen, ablehnen. Es gibt auch andere
Meinungen; das sage ich hier ganz deutlich. Der Men-
schenrechtsausschuss hat gestern eine andere Empfeh-
lung ausgesprochen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch eine ange-
nehme Debatte über dieses wichtige Thema. Ich glaube
wirklich, dass es wert ist, sich mit diesem Thema zu be-
schäftigen. Ich bedaure sehr, dass wir das zu so später
Stunde tun.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701929700

Nächster Redner ist der Kollege Reinhard Grindel für

die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Reinhard Grindel (CDU):
Rede ID: ID1701929800

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

In Deutschland leben rund 7 000 ausreisepflichtige Per-
sonen mit syrischer Staatsangehörigkeit, die sich trotz
der Ablehnung ihres Asylantrages zum Teil schon des-
halb seit vielen Jahren in unserem Land aufhalten, weil
es in der Vergangenheit ausgesprochen schwierig war,
Passersatzpapiere für sie zu beschaffen. Weil dies den
Asylbewerbern bekannt ist, haben sie in nahezu allen
Fällen ihre Ausweispapiere vernichtet und über ihre
Identität getäuscht. Allein dies macht die große Bedeu-
tung des Rückführungsabkommens mit Syrien deutlich,
das zu einem deutlich besseren Kooperationsverhalten
der syrischen Behörden geführt hat.

Die effektive Durchsetzung bestehender Ausreise-
pflichten durch die Ausländerbehörden der Länder und
Kommunen ist ein wichtiges Element unserer Auslän-
derpolitik. Um die Integration der rechtmäßig in
Deutschland lebenden Ausländer konsequent zu fördern,
ist es geboten, den Zuzug insbesondere von solchen aus-
ländischen Personen zu steuern, die entweder illegal in
unser Land kommen oder bei denen absehbar ist, dass
sie kein Recht haben, auf Dauer in Deutschland zu leben.
Die Anerkennungsquote bei Asylbewerbern mit syri-
scher Staatsangehörigkeit liegt bei rund 2 Prozent.

Syrien war seit langem ein Problemstaat im Rückfüh-
rungsbereich. Ein besonderes Problem für unsere Aus-
länderbehörden war, dass Syrien bislang keine Rück-
übernahme von Staatenlosen und Drittstaatsangehörigen
zugelassen hat, obwohl eine Vielzahl Ausreisepflichti-
ger, die aus Syrien kommen, lediglich vorgibt, staatenlos
zu sein oder eine andere als die syrische Staatsangehö-
rigkeit zu besitzen.


(Angelika Graf [Rosenheim] [SPD]: Woher wissen Sie das?)


Durch das Rückführungsabkommen hat sich die syrische
Regierung verpflichtet – das ist die Antwort auf Ihre
Frage –, wesentlich zügiger Passersatzpapiere für seine

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(C (D taatsangehörigen zur Verfügung zu stellen und vor alm die Rückführung von vermeintlich staatenlosen Per onen oder Drittstaatsangehörigen zu ermöglichen, wenn iese über einen Aufenthaltstitel oder ein Visum der syschen Seite verfügen oder unmittelbar aus Syrien chtswidrig nach Deutschland eingereist sind. Bei den ckgeführten Personen handelt es sich überwiegend um bgelehnte Asylbewerber, die zum Teil – das muss man issen – erhebliche Straftaten verübt haben. Abschieungen gehören nicht nur zu einer glaubwürdigen Ausnderpolitik, sondern liegen auch im Interesse der Si herheit der Menschen in unserem Land. Das darf man ei diesem Thema nicht übersehen. Humanitäre und menschenrechtliche Aspekte werden, nd zwar völlig unabhängig von diesem Abkommen, ohehin in jedem Einzelfall sehr sorgfältig geprüft. Dabei ird auch die Menschenrechtslage im jeweiligen Herunftsland berücksichtigt. In einer ganzen Reihe von ällen haben dementsprechend syrische Staatsangehöge subsidiären Schutz erhalten. Kollegin Graf hat völg zu Recht darauf hingewiesen: Das Bundesinnenmiisterium hat nochmals mit Schreiben vom 16. Deember 2009 gebeten, bei Abschiebungen nach Syrien it besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob im Einzelfall ziel taatsbezogene Abschiebehindernisse vorliegen könnn. Die Bundesländer haben den Ausländerbehörden or Ort dementsprechende Weisungen erteilt. Nach dem ückführungsabkommen ist es vorgeschrieben – Frau ollegin Graf, das haben Sie nicht erwähnt –, dass sich yrien an die international üblichen Menschenrechtstandards hält. Das ist Teil des Abkommens. Darauf achn wir – das werde ich gleich noch deutlich machen – ei der Umsetzung des Abkommens. Bei allem Verständnis für Ihre berechtigten Hinweise uss man in dieser Debatte auch erwähnen: Die Mitar eiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge owie die Mitarbeiter in den Ausländerbehörden der änder und Kommunen leisten eine schwierige Arbeit. ie machen sie verantwortungsbewusst und haben es daer nicht verdient, dass man ständig unterstellt, dass sie chtswidrig handeln und es an der notwendigen Sorgfalt hlen lassen, was die Prüfung möglicher Abschiebehin ernisse angeht. Man muss nicht nur mit den rückfühngspflichtigen Ausländern, sondern auch mit den Mit rbeitern der Ausländerbehörden anständig umgehen. Würden wir auf das Rücknahmeabkommen verzichn, wären erhebliche Pulleffekte für zusätzliche illegale uwanderung zu befürchten. In der Vergangenheit – Exerten wie der Kollege Veit wissen das – sind viele türkiche Kurden nach Deutschland gekommen und haben ahrheitswidrig angegeben, sie seien syrische Staatsanehörige oder aus Syrien stammende staatenlose Kuren. (Ulla Jelpke [DIE LINKE]: Woher wissen Sie das alles?)


(Beifall bei der CDU/CSU)


(Beifall bei der CDU/CSU)


Wir wissen das aus den Befragungen und den Erkennt-
issen, die sich im Laufe der Verfahren ergeben haben.






(A) )



(B) )


Reinhard Grindel
Jeder, der sich in der Szene auskennt, weiß, dass das in
der Tat so gewesen ist. Es macht vor dem Hintergrund
der bisherigen Schwierigkeiten, die wir mit der Rück-
führung in Richtung Syrien hatten, ja auch Sinn; denn
sie haben dies im Lichte der größeren Chancen getan,
auf Dauer in Deutschland bleiben zu können, weil es
eben bis 2008 ausgesprochen schwierig war, Rückfüh-
rungen nach Syrien durchzuführen.

Durch das deutsch-syrische Abkommen ist hier eine
gewisse Eindämmung gelungen. Bei einer Aufkündi-
gung des Abkommens – auch das muss man wissen –
spielten wir wieder Schleuserbanden in die Hände. Dass
diese Banden auch kleinste Rechtsänderungen zur
Kenntnis nehmen und darauf reagieren, um ihre verbre-
cherischen Ziele sofort umzusetzen, konnte man gestern
auf Seite 3 der Berliner Zeitung sehr eindrucksvoll an-
hand eines vietnamesischen Beispiels lesen. Wir sollten
die Schlupflöcher für illegale Zuwanderung nicht öffnen,
sondern sie schließen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es gibt überhaupt keine Veranlassung für einen gene-
rellen Abschiebestopp, und einen solchen hat auch kein
Bundesland, sei es von der SPD, von den Grünen oder
von der Linkspartei mitregiert, bislang in der Innenmi-
nisterkonferenz beantragt.

Mittlerweile haben sich die ausreisepflichtigen syri-
schen Staatsangehörigen auf die Situation eingestellt. In
nahezu allen Fällen, in denen die Abschiebung angekün-
digt wird, werden Asylfolgeanträge gestellt. Das war der
Hintergrund des Falles in Niedersachsen, nicht aber, dass
sich dort humanitäre Organisationen davorgestellt hät-
ten. Der entsprechende abzuschiebende Ausländer hat
auf dem Flughafen in Frankfurt einen Asylfolgeantrag
gestellt.

Bisher sind lediglich in drei Fällen Inhaftierungen
von rückgeführten Personen bekannt geworden, wobei
in zwei Fällen die Betroffenen nach einer Befragung
durch die syrischen Behörden auf freien Fuß gesetzt
wurden. Nur in einem Fall – das ist richtig – soll es zu ei-
nem längeren Gefängnisaufenthalt gekommen sein. Die
näheren Umstände kennen unsere Vertretungen in Syrien
nicht; vielmehr beruhen die Unterlagen, aus denen Sie
ebenfalls zitiert haben, auf Angaben des entsprechenden
Anwalts.

Die Forderung nach einer Aufklärung des Sachver-
halts durch die deutschen Behörden und einer entspre-
chenden Berichterstattung an den Bundestag geht schon
deshalb ins Leere, weil es sich bei den rückgeführten
Personen eben gerade um syrische Staatsangehörige
handelt und die Behörden in Damaskus deshalb nicht zur
Auskunft gegenüber unseren diplomatischen Vertretun-
gen verpflichtet sind.

Natürlich – ich unterstreiche das – ist Folgendes rich-
tig: Die allgemeine Menschenrechtslage in Syrien ist kri-
tisch; sie ist nicht hinzunehmen. Es gibt Verhaftungen
und Folter. Die politische Opposition ist strikter Kon-
trolle unterworfen. Diese allgemeine Lage reicht aber
eben nicht zur Begründung eines Asylantrages oder ge-
nerellen subsidiären Schutzes aus,


(Ulla Jelpke [DIE LINKE]: Das ist Zynismus!)


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(C (D ondern es müssen Umstände hinzukommen, die eine inividuelle Verfolgung begründen. Das ist kein Zynismus, Frau Jelpke, das ist die gelnde deutsche Rechtslage, mit der Sie als Linkspartei ielleicht nicht so vertraut sind. Ausweislich des letzten allgemeinen Lageberichts des uswärtigen Amtes zu Syrien werden rückgeführte Per onen bei ihrer Ankunft von syrischen Behörden über ihn Auslandsaufenthalt und den Grund der Abschiebung efragt. Danach wird ihnen, so das Auswärtige Amt, in er Regel die Einreise ohne weitere Schwierigkeiten getattet. In Einzelfällen werden Personen für die Dauer eier Identitätsüberprüfung durch die Einreisebehörden stgehalten. (Zuruf der Abg. Angelika Graf [Rosenheim] [SPD])


Die Yeziden unterliegen aufgrund ihrer Religion kei-
en staatlichen Repressionen. Sie werden vom syrischen
taat als kurdische Muslime behandelt.

Dieser Lagebericht – auch das muss man nun einmal
agen – stammt vom 9. Juli 2009. Er ist also unter der
erantwortung des früheren Außenministers, des Kolle-
en Steinmeier, heute Fraktionsvorsitzender der SPD, er-
tellt worden.


(Zuruf von der CDU/CSU: Sehr richtig!)


eines Erachtens ist die SPD mit diesem Antrag einmal
ehr auf der Flucht vor ihrer eigenen Vergangenheit.
ehr glaubwürdig ist das nicht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die Bundesregierung hat gemeinsam mit den Part-
ern in der EU mehrfach der syrischen Seite ihre große
esorgnis über die Menschenrechtslage in dem Land
eutlich gemacht. Die EU-Zusammenarbeit ist im Fall
yrien besonders intensiv. Es werden Prozesse beobach-
t, und es wird intensiver Kontakt mit Bürgerrechtlern
nd Vertretern verschiedener Minderheiten gepflegt.

Gleichzeitig gibt es aber das große Interesse der Bun-
esrepublik Deutschland an der Rückführung von Perso-
en, die nicht nur unseren Staat über viele Jahre hohe
ozialausgaben gekostet haben, sondern die auch ein
riminalitätsrisiko darstellen. Sie haben, Frau Graf, von
er relativ kleinen Zahl der abgeschobenen Personen ge-
prochen. In aller Regel handelt es sich dabei um Allein-
bende, nicht um Familien, und es handelt sich auch

um überwiegenden Teil um Personen, die Straftaten be-
angen haben. Es gibt ein Interesse daran, dass wir – un-
r Beachtung der humanitären und Menschenrechtsstan-
ards – sie wieder in ihre ursprüngliche Heimat
urückführen. Deshalb wäre es zum jetzigen Zeitpunkt
nverantwortlich, das Rückübernahmeabkommen mit
yrien auszusetzen oder sogar zu kündigen – ein Ab-
ommen, das von dem SPD-geführten Auswärtigen Amt
008, unter der Mitverantwortung des Kollegen Erler,
erhandelt worden ist.

Wir als CDU/CSU halten an diesem Abkommen fest,
eil es uns hilft, eine ganz wichtige Glaubwürdigkeits-






(A) )



(B) )


Reinhard Grindel
lücke in unserer Ausländerpolitik zu schließen. Deshalb
lehnen wir die Anträge der Opposition ab.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701929900

Für die Fraktion Die Linke hat nun die Kollegin Ulla

Jelpke das Wort.


(Beifall bei der LINKEN)



Ulla Jelpke (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701930000

Frau Präsidentin! Liebe Gäste auf der Tribüne, die Sie

Migranten aus Syrien und Kurden sind und dieser De-
batte heute folgen! Meine Damen und Herren! Die Linke
fordert schon lange, dass Abschiebungen nach Syrien
sofort gestoppt werden müssen und das Rückübernah-
meabkommen mit Syrien aufgekündigt werden muss;


(Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Aber das ist doch ein sozialistisches Regime in Syrien!)


denn die Bundesregierung liefert damit dem syrischen
Regime Oppositionelle regelrecht ans Messer. Das ist
unverantwortlich und muss sofort beendet werden.


(Beifall bei der LINKEN)


Es ist schon lange bekannt, dass in Syrien gefoltert
wird und die Menschenrechte nicht viel wert sind. Ganz
besonders gilt dies für Angehörige der kurdischen Min-
derheit. Von Anfang an hat die Linke dagegen protes-
tiert, Herr Grindel, ein Abschiebeabkommen mit einem
dezidierten Folterstaat zu schließen – mit einem Staat,
der die meisten internationalen Menschenrechtsabkom-
men nicht unterzeichnet hat, zum Beispiel auch die Gen-
fer Flüchtlingskonvention nicht. So etwas geht unseres
Erachtens gar nicht.


(Beifall bei der LINKEN)


Das Abschiebeabkommen ist, wie das von Herrn
Grindel richtig dargestellt wurde, in der Tat von Innen-
minister Schäuble ausgehandelt worden. Aber auch ich
denke, es ist wenig glaubwürdig, wenn die SPD heute so
tut, als hätte sie es nicht verhindern können. Nichtsdesto-
trotz, in der Opposition hat die SPD die Menschenrechte
wiederentdeckt.


(Angelika Graf [Rosenheim] [SPD]: Unsinn!)


Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Das ist aber nicht
mein Problem. Mir geht es um die Sache. Deswegen
sage ich: besser spät als nie. Von daher sollte man die
Position der SPD hier jetzt respektieren.

Auch das Auswärtige Amt, Herr Grindel, gibt mittler-
weile zu: Die Menschenrechtslage in Syrien ist unbefrie-
digend. Es gibt Folter, Misshandlung und Fälle von Ver-
schwinden-Lassen. Die Kollegin Graf hat schon auf den
Fall des Kurden Khaled Kenjo aufmerksam gemacht, der
versucht hat, in Deutschland Asyl zu bekommen, dann
nach Syrien abgeschoben wurde und dort, wie wir gehört
haben, sieben Tage in Dunkelhaft gehalten wurde, gefol-

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(C (D rt wurde, es dann aber glücklicherweise geschafft hat, ieder aus Syrien herauszukommen. Ich bin der Meiung, dass Deutschland alles tun sollte, damit Khaled enjo wieder nach Deutschland kommen kann, hier aufenommen wird und nach dem, was er erlebt hat, entprechend versorgt wird. Was Sie hier heute vorgeführt haben, Herr Grindel, eigt, dass das Abschiebeinteresse dieser Bundesregieng offensichtlich schwerer wiegt als die Sicherheit von enschen, die seit vielen Jahren in Deutschland leben. as ist so, obwohl Sie alles das wissen, was in Syrien assiert. Das hat auch die Debatte gestern im Innenauschuss gezeigt. Sie lehnen unsere Anträge gänzlich ab. h finde es ziemlich zynisch, Herr Grindel, wenn Sie sa en – sei es im Innenausschuss oder heute hier –, es eien nur drei Leute verhaftet worden, verhört worden; ei einem sei es ein bisschen schiefgegangen. Ich öchte Sie gern einmal fragen: Woher wissen Sie ei entlich, was mit anderen Abgeschobenen passiert ist? ine Anfrage des Bayerischen Flüchtlingsrates beipielsweise hat ergeben, dass das Auswärtige Amt von er syrischen Regierung keine Antwort auf die Frage beommt, was mit den Flüchtlingen dort überhaupt pasiert ist. Das gilt auch für die konkreten Fälle, wie man achlesen kann. Deswegen bleibt die Linke dabei: Das ückübernahmeabkommen mit Syrien muss sofort geündigt werden. Das gebieten die Menschenrechte und ie Humanität. (Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der LINKEN)


ehr als 8 000 Menschen fürchten, dass sie abgescho-
en werden. Diese Menschen brauchen einen sicheren
ufenthalt und eine Zukunftsperspektive ohne Angst.

Ich sage hier ganz deutlich: Wir werden weiter Druck
achen mit den zahlreichen Flüchtlingsinitiativen und
enschenrechtsorganisationen, die in den vergangenen

agen auf die Straße gegangen sind und dafür eingetre-
n sind, dass es eine humane Politik für die Flüchtlinge

us Syrien gibt. Ich hoffe, dass wir andere Fraktionen
afür gewinnen, diese Aktionen zu unterstützen.

Ich danke.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701930100

Nun hat das Wort der Kollege Hartfrid Wolff für die

DP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)


Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Dass die

PD, wenn sie an der Regierung ist, ihre Wahlverspre-
hen wenig ernst nimmt, ist in Deutschland inzwischen
attsam bekannt. Neu aber ist der umgekehrte Vorgang.
ine ehemalige Regierungspartei distanziert sich nur we-
ige Wochen nach ihrer Abwahl von der eigenen Politik.
as ist es, was wir im Fall des Rückübernahmeabkom-






(A) )



(B) )


Hartfrid Wolff (Rems-Murr)

mens mit Syrien nun zur Kenntnis nehmen müssen. Es
ist wirklich bizarr, wenn der ehemalige Vizekanzler und
Außenminister Steinmeier, der dieses Abkommen mit
Syrien ausgehandelt hat, plötzlich als Fraktionsvorsit-
zender in der Opposition so seine ureigene Regierungs-
arbeit für unsinnig erklärt.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es ist leider nichts Neues, wenn ich feststelle: Die
Menschenrechtslage in Syrien ist schwierig; Meinungs-
und Versammlungsfreiheit sind nicht gegeben; die In-
landsopposition ist starken Repressionen ausgesetzt.
Dies benennt die neue Bundesregierung ebenso wie ihre
Vorgängerin.

Das Abkommen war bereits in Zeiten der Verhand-
lungen heftiger Kritik ausgesetzt. Flüchtlingshilfeorgani-
sationen haben Abschiebungen nach Syrien generell ab-
gelehnt. Da ist es auch aus Ihrer Sicht konsequent, wenn
Sie entsprechende Beschleunigungsmechanismen ableh-
nen. Die Vorgängerregierung mit Vizekanzler Steinmeier
hat sich dennoch für ein Abkommen mit Syrien entschie-
den. Rückübernahmeabkommen sind ein anerkanntes In-
strument des Ausländerrechts, um die Durchsetzung der
Ausreisepflicht und damit demokratischen Rechts zu ef-
fektivieren.

Allerdings sind Abkommen dieser Art keine Blanko-
schecks für Ausländerbehörden; vielmehr ist weiterhin,
wie immer, genau zu prüfen, ob im Einzelfall die Vo-
raussetzungen für die Asylgewährung bzw. die Gewäh-
rung sonstigen Schutzes vorliegen. Die Abkommen set-
zen erst danach ein, wenn feststeht, dass jemand zur
Ausreise verpflichtet ist.

Wenn die Linken hier eine Aufgabe des Abkommens
fordern, ist das aus ihrer Sicht folgerichtig: Eine mög-
lichst weitgehende Aushöhlung des Ausländerrechts
durch inflationären Umgang mit dem Abschiebestopp ist
hier Programm. Das ist einfach die linke Spielart von
„am deutschen Wesen soll die Welt gewesen“.


(Rüdiger Veit [SPD]: Wer hat dir denn das aufgeschrieben?)


Dies ist aus Sicht der FDP zu einfach.

Die Forderung der vorliegenden Anträge, das Rück-
übernahmeabkommen auszusetzen, lehnen wir ebenso
ab wie die Forderung, die Abschiebungen nach Syrien
sofort generell zu stoppen. Für einen Abschiebestopp
sind in erster Linie die Länder, nicht der Bund, zustän-
dig. Generelle Abschiebestopps können auch nur ein
letztes Mittel für eine besonders eskalierende Situation
sein.

Die Linken fordern die Bundesregierung auf, gegen-
über den Bundesländern anzuregen, generell ein huma-
nitäres Bleiberecht zu gewähren. Eine generelle Ge-
währleistung würde die Systematik unseres Asyl- und
Aufenthaltsrechts aushebeln: Dieses sieht vor, dass in je-
dem Einzelfall die besondere Verfolgungssituation nach-
zuweisen ist.

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(C (D (Frank Tempel [DIE LINKE]: Das wäre menschlich!)


Falle einer erkennbaren Verfolgung gewährt die Bun-
esrepublik bereits heute Schutz. Das muss und wird
uch so bleiben.

Die Grünen fordern, dass das Schicksal der bisher
ach Syrien Abgeschobenen durch die Bundesregierung
ufgeklärt und der Bundestag darüber unterrichtet wird.
as ist selbstverständlich und, soweit bislang möglich,

uch schon geschehen.

Laut Antrag soll die Bundesregierung auch die Er-
enntnisse über den Umgang mit nach Syrien Abgescho-
enen bei der Anerkennungspraxis des Bundesamtes für
igration und Flüchtlinge berücksichtigen. Auch dazu
t zu sagen: Selbstverständlich wird die Lage in Syrien
die Bewertung einbezogen. Das Bundesinnenministe-
um hat dankenswerterweise die Länder nochmals sen-
ibilisiert und gebeten, bis zu einer abschließenden Klä-
ng anstehende Abschiebungen nach Syrien mit

esonderer Sorgfalt zu prüfen.

Dass Rückübernahmeabkommen sowohl auf nationa-
r wie europäischer Ebene nur mit Staaten abgeschlos-

en werden sollen, die die wesentlichen menschenrecht-
chen Übereinkommen unterzeichnet haben, ist
ohlfeil. Auch für die FDP-Bundestagsfraktion ist unbe-

treitbar, dass Rückübernahmeabkommen nicht einfach
lind abgeschlossen werden dürfen.


(Angelika Graf [Rosenheim] [SPD]: Das ist doch schon mal was!)


er jeweilige Partner muss nicht nur beim Abschluss,
ondern auch danach, bei der Durchführung des Abkom-
ens, in die Pflicht genommen werden. Diese Aufgabe

immt die Bundesregierung wahr.


(Angelika Graf [Rosenheim] [SPD]: Wo?)


Gerade vor dem Hintergrund der Verantwortung für
ndere Fälle, liebe Kollegin, muss die Notwendigkeit ei-
es Abschiebestopps genau geprüft werden. Auch des-
alb werden wir die Menschenrechtslage in Syrien unse-
rseits weiterhin kritisch und regelmäßig beobachten

nd, wenn nötig, auch die entsprechenden Maßnahmen
rgreifen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701930200

Herr Kollege Wolff, Sie haben heute Geburtstag. Ich

ratuliere Ihnen sehr herzlich


(Beifall)


nd wünsche Ihnen einen ganz besonders schönen
bend am heutigen Festtag und ansonsten alles, alles
ute.


(Rüdiger Veit [SPD]: Und gute Erkenntnisse im nächsten Lebensjahr!)


Als nächster Redner hat das Wort der Kollege Volker
eck für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.






(A) )



(B) )


Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701930300

Herr Kollege Wolff, herzlichen Glückwunsch zum

Geburtstag. Trotzdem muss ich sagen: Das, was Sie und
Herr Grindel hier abgeliefert haben, war vom Niveau her
ein Tiefpunkt der Debatte des heutigen Tages.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Sie treten hier als christlich-liberale Koalition an; aber in
Ihren Reden habe ich weder etwas Christliches noch et-
was Liberales gefunden.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Es steht doch außer Zweifel – das sagt ja sogar der
Bericht des Auswärtigen Amtes –


(Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Plattitüden, Herr Kollege!)


– reden Sie einmal über die Menschen in diesem Zusam-
menhang! –,


(Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Sollten Sie tun!)


dass abgeschobene Syrer in Syrien mit dem Tatvorwurf
festgenommen wurden, dass sie in Deutschland an De-
monstrationen gegen das deutsch-syrische Abschiebeab-
kommen teilgenommen oder dass sie hier Asylanträge
gestellt haben. Das heißt doch, eine Abschiebung von
Personen, auf die diese Tatbestände zutreffen, ist nicht
zu verantworten. Das gilt doch faktisch für alle. Sie ha-
ben doch alle einen Asylantrag gestellt. Deswegen wird
ihnen dann in Syrien vorgeworfen, sie hätten das Land
beleidigt und Respekt gegenüber dem syrischen Staat
vermissen lassen. Das wissen wir doch. Wir können uns
als Bundestag, als Gesetzgeber, und als Bundesregierung
doch nicht dümmer stellen, als wir sind.


(Beifall bei der SPD)


Wir wissen, dass das passiert ist. Das ist eine neue Sach-
lage, die man zur Kenntnis nehmen muss, selbst wenn
man bei der Ratifizierung des Abkommens noch wegge-
schaut hat. Das ist geschenkt.


(Zuruf des Abg. Reinhard Grindel [CDU/CSU])


Aber wenn wir sehen, dass wir durch die praktische
Umsetzung des Abkommens, also durch Abschiebung,
Leib, Leben und Freiheit von Menschen gefährden, dann
muss man die Umsetzung aussetzen. Von mir aus müs-
sen Sie es nicht kündigen. Mir ist erst einmal auch egal,
welchen Aufenthaltsstatus die Betroffenen bekommen.
Diese Frage können wir später klären. Ich bin da ganz
bei Ihnen. Jetzt geht es aber erst einmal darum, das Le-
ben dieser Menschen zu retten. Deshalb haben wir es in
unserem Antrag auch so soft formuliert, dass Sie, wenn
Sie noch ein Stückchen Humanität im Herzen und im
Kopf haben, unserer Forderung, das Abkommen auszu-
setzen, keinen mehr abzuschieben und die Leute hier zu
lassen und uns um all die zu kümmern, die wir abge-

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(C (D choben haben, zustimmen müssten. Ich erwarte von der undesregierung, dass sie uns auflistet, wer abgeschoen wurde, und in Erfahrung bringt, ob diese Menschen och leben, ob diese Menschen noch in Freiheit sind der ob sie verschwunden sind, wie es wahrscheinlich ls Ergebnis festzustellen sein wird. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)


Herr Grindel, ich habe in Ihrer Rede sehr viel über die
ystematik des Ausländerrechts gehört.


(Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Es geht ja auch um Ausländerrecht!)


uch ich bin dafür, dass jemand, der weder Flüchtling
och legaler Migrant ist, nicht hier bleiben darf, sofern
s keine humanitären Abschiebehindernisse gibt. Das ist
elbstverständlich; denn ansonsten macht eine gesteuerte

igrationspolitik keinen Sinn. Aber dieses Prinzip kann
an nicht um jeden Preis gegen Menschen durchsetzen,

ei denen de facto EMRK-Abschiebehindernisse beste-
en.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)


s ist doch ganz offensichtlich, dass die Garantien der
enschenrechtskonvention in Syrien nicht respektiert
erden. In diesem Fall kommt es nicht auf das kodifi-

ierte Recht an, sondern auf die tatsächliche Praxis.
iese haben wir ja nun kennengelernt. Sie machen sich

um Komplizen eines Regimes, das die Menschenrechte
it Füßen tritt, wenn Sie ihm die Menschen ans Messer
efern, indem Sie sie im Rahmen eines solchen Abkom-
ens abschieben.

Ich bin wirklich entsetzt, dass man hier so hartherzig
arüber herzieht und keine effiziente Maßnahme ergreift.
s gibt einen Brief des Bundesinnenministeriums – wie
underbar! Aber was schert sich Ihr niedersächsischer
nenminister darum? Am 5. Januar wurde – Frau Graf

at es zitiert – erneut versucht, einen kurdischen Syrer
bzuschieben. Das konnte vom Anwalt gerade noch ver-
indert werden. Aber in unserem Rechtsstaat, der huma-
itär orientiert ist, muss doch klar sein, dass nicht nur
erjenige, der einen Anwalt griffbereit hat, sein Leben
tten kann. Vielmehr müssen unsere Gesetzgebung und

nsere Verwaltungspraxis von Anfang an garantieren,
ass die Menschen nicht in ein Land abgeschoben wer-
en, in dem sie umgebracht werden, in dem sie festge-
etzt werden und ihre Freiheit verlieren oder in dem sie
urch Folter ihre Gesundheit verlieren.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)


as ist das Mindeste, was ich von Ihnen erwartet habe.
h bin entsetzt, dass Sie das nicht machen – vielleicht

icht auf Grundlage der Anträge der Opposition; das
äre ja geschenkt. Aber Sie haben nicht im Ansatz er-
ennen lassen, dass Ihnen das Leben und die Freiheit
ieser Menschen etwas wert sind. Sie wollen zynisch
re ausländerrechtliche Logik exekutieren – auf dem
ücken dieser Menschen. Ich bin wirklich entsetzt.






(A) )



(B) )


Volker Beck (Köln)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701930400

Damit schließen wir die Aussprache.

Wir kommen noch zu einigen Abstimmungen, zu-
nächst zu Tagesordnungspunkt 15 a. Dabei geht es um
die Abstimmung über den Antrag der Fraktion der SPD
auf Drucksache 17/525 mit dem Titel „Syrien – Abschie-
bungen beenden, politischen Dialog fortführen“. Wer
stimmt für diesen Antrag? – Wer ist dagegen? – Enthal-
tung? – Der Antrag ist damit mit den Stimmen der Koali-
tionsfraktionen bei Enthaltung der Fraktion Die Linke
abgelehnt.

Tagesordnungspunkt 15 b: Abstimmung über die Be-
schlussempfehlung des Innenausschusses auf Drucksa-
che 17/570. Der Ausschuss empfiehlt unter Buchstabe a)
seiner Beschlussempfehlung die Ablehnung des Antrags
der Fraktion Die Linke auf Drucksache 17/237 mit dem
Titel „Abschiebungen nach Syrien stoppen – Abschiebe-
abkommen aufkündigen“. Wer stimmt für diese Be-
schlussempfehlung? – Wer ist dagegen? – Enthaltung? –
Die Beschlussempfehlung ist damit mit den Stimmen der
Koalitionsfraktionen und großen Teilen der SPD-Frak-
tion bei Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/Die
Grünen und der Fraktion Die Linke sowie einer Enthal-
tung bei der SPD-Fraktion angenommen.

Wir sind noch beim Tagesordnungspunkt 15 b. Unter
Buchstabe b) seiner Beschlussempfehlung empfiehlt der
Ausschuss die Ablehnung des Antrags der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 17/68 mit dem
Titel „Unverzügliche Aussetzung des Deutsch-Syrischen
Rückübernahmeabkommens“. Wer stimmt für diese Be-
schlussempfehlung? – Wer ist dagegen? – Enthaltung? –
Die Beschlussempfehlung ist mit den Stimmen der
Koalitionsfraktionen und Teilen der SPD-Fraktion bei
Gegenstimmen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der
Fraktion Die Linke und Teilen der SPD-Fraktion ange-
nommen.

Ich rufe nun den Tagesordnungspunkt 16 auf:

Beratung des Antrags der Abgeordneten Sylvia
Kotting-Uhl, Kerstin Andreae, Bärbel Höhn, wei-
terer Abgeordneter und der Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN

Wiedereinführung der Förderung von Atom-
exporten stoppen – Keine Hermes-Bürgschaft
für Angra 3 in Brasilien

– Drucksache 17/540 –
Überweisungsvorschlag:
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (f)

Auswärtiger Ausschuss
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung
Haushaltsausschuss

Wie in der Tagesordnung ausgewiesen, werden die
Reden zu Protokoll genommen. Es handelt sich dabei
um die Reden folgender Kolleginnen und Kollegen:
Andreas Lämmel, Rolf Hempelmann, Marco Bülow,

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(C (D r. Martin Lindner, Dr. Gesine Lötzsch, Sylvia Kottinghl und Parlamentarischer Staatssekretär Peter Hintze. Dieser Antrag zeigt erneut, dass die Grünen aus gu m Grund auf der Oppositionsbank sitzen. Ihre Anträge aben ökonomisch sowie klimaund energiepolitisch einen Bezug zur Realität. Sie bevorzugen die Bequemchkeit Ihrer ideologischen Kuschelecke und verschlieen die Augen vor den Tatsachen. Worum geht es? Seit 1975 existiert ein Abkommen wischen der Bundesrepublik Deutschland und Brasilien ur friedlichen Nutzung der Kernenergie. 1976 begann er Bau der Kraftwerke Angra 2 und 3. In den 1980erahren wurden die Arbeiten an Angra 3 unterbrochen. ngra I und 2 leisten bisher einen Beitrag von 4 Prozent ur brasilianischen Stromerzeugung. Die brasilianische egierung hat im Juni 2007 die Fertigstellung von ngra 3 beschlossen. Brasilien ist ein aufstrebendes Schwellenland. Zwichen 1990 und 2005 hat sich der Stromverbrauch in rasilien um fast 75 Prozent gesteigert. Dieser Wachsmskurs ist auch zu begrüßen, da auf diesem Wege viele rasilianer der Armut entkommen konnten. Wollen wir ns als Vertreter des deutschen Volkes dieser erfreulihen Entwicklung entgegenstellen? Ist es den Kollegen on den Grünen denn lieber, wenn die Menschen in chwellenund Entwicklungsländern in Armut leben nd mit internationaler Entwicklungshilfe alimentiert erden müssen? Oder unterstützen wir ihren Weg he aus aus der Armut? Brasilien ist gegenwärtig die zehntgrößte Volkswirtchaft der Welt. Nach der kurzen Rezession des verganenen Jahres wird für 2010 ein Wachstum von 5 Prozent rwartet. Darüber hinaus verfügt Brasilien über umfangiche Devisenreserven (2009: 218,5 Milliarden US-Dolr oder 14,7 Prozent BIP)

Andreas G. Lämmel (CDU):
Rede ID: ID1701930500

rasilianischen Finanzministeriums stellt also eine
laubhafte Sicherheit dar. Die finanziellen Risiken und
amit die Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme
er Bürgschaft sind folglich eher gering.

Die Fortsetzung des Wachstumskurses in Brasilien
rfordert einen entsprechenden Ausbau der Stromver-
orgung. Die Internationale Energieagentur, IEA, pro-
nostiziert bis 2020 die Erhöhung des Strombedarfs um
0 Prozent. Brasilien verlässt sich an dieser Stelle bisher
umfangreichem Maße auf die Wasserkraft als Energie-
äger.

Dies ist erfreulich, und sicher können wir Deutschen
a auch noch etwas lernen, obgleich das Potenzial deut-
cher Gewässer vergleichsweise gering ist, Elbe und
hein sind weder Amazonas noch Iguaçu. Das Potenzial
um Ausbau der Wasserkraft besteht weiterhin, obgleich
icht mehr in dem Maße wie in der Vergangenheit. Wei-
rhin bedingt die Fokussierung auf einen Energieträger
uch Abhängigkeiten. Diese Erfahrung machte Brasi-
en im Jahre 2001, als in Folge einer Dürre Elektrizität
ationiert werden musste. Es ist daher verständlich, dass
rasilien sein Energieträgerportfolio erweitern will.


(A) )



(B) )

Bei der Erweiterung des Angebots an Energieträgern
setzt Brasilien auch auf fossile Energieträger. Brasilien
hat hier umfangreiche eigene Vorkommen. Im Jahr
2007 wurde das wohl drittgrößte Ölfeld der Welt – circa
33 Milliarden Barrel – vor der Küste Brasiliens ent-
deckt. An dieser Stelle zeigt sich aber auch, dass die
Grünen ein Problem mit der Realität haben. Wenn
Klimaschutz ernsthaft auf der Agenda steht, dann ist es
absolut widersprüchlich, einer aufstrebenden Volkswirt-
schaft, wie der brasilianischen, den Zugang zu emissi-
onsfreier Stromerzeugung zu verwehren. Wir können in
Deutschland und Europa gar nicht ausreichend konven-
tionelle Kraftwerke und Fabriken abschalten oder auto-
freie Sonntage veranstalten, um die globalen CO2-Emis-
sionen zu reduzieren, wenn die Brasilianer ihren
zusätzlichen Strombedarf ausschließlich durch Gas,
Kohle und Öl decken. Meinen Sie – von den Grünen – es
nun ernst mit dem Klimaschutz oder nicht?

Selbstverständlich ist beim Bau eines Kernkraftwer-
kes der Aspekt der Sicherheit von herausragender Be-
deutung, dies gilt im politischen und im technischen
Sinne. Das Projekt Angra 3 entspricht deutschen und in-
ternationalen Standards. Dies haben Untersuchungen
des deutschen Instituts für Sicherheitstechnologie, ISTec
GmbH, ergeben. Dies gilt sowohl für die Standards der
Internationalen Atomenergiebehörde, IAEA, als auch
die der deutschen Genehmigungspraxis. Bei diesen Un-
tersuchungen wurden auch regionale Risiken wir Erdbe-
ben oder Erdrutsche betrachtet und entsprechend in die
Projektplanung einbezogen. Dass die deutsche Nuklear-
technik zu den weltweit sichersten gehört, sollte an die-
ser Stelle auch erwähnt sein.

Auch im politischen Sinne ist der Export deutscher
Nukleartechnik unbedenklich. Brasilien ist eine stabile
Demokratie. Brasilien hat umfangreiche völkerrechtli-
che Abkommen ratifiziert. Jetzt hier alle aufzuzählen,
würde den Rahmen sprengen. Es seien hier die wichtigs-
ten und obligatorischen genannt: der Atomwaffensperr-
vertrag, der Nichtverbreitungsvertrag und der Atom-
waffenteststoppvertrag. Zusätzlich hat Brasilien an
einer atomwaffenfreien Zone in Südamerika mitgearbei-
tet. Des Weiteren ist die bisher betriebene und in Angra 3
vorgesehene niedrige Urananreicherung zur Herstel-
lung von Atomwaffen ungeeignet. Brasilien hat zudem
entschieden, auf die Wiederaufbereitung zu verzichten.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch der
in der brasilianischen Verfassung niedergeschriebene
Verzicht auf Nuklearwaffen.

Das Problem der Endlagerung besteht selbstver-
ständlich auch in diesem Fall. Gegenwärtig befindet
sich am Standort Angra I und 2 ein Zwischenlager, wel-
ches bis 2017 erweitert wird. Seitens der brasilianischen
Regierung ist noch keine Entscheidung zur Endlagerung
hochradioaktiver Abfälle gefallen. Auch auf diesem Ge-
biet können die brasilianisch-deutschen Energiebezie-
hungen noch intensiviert werden.

Ein weiterer Aspekt, der mir sehr wichtig ist, sind die
Arbeitsplätze in Deutschland. 5 200 Mitarbeiter der
AREVA NP GmbH in Erlangen und weitere in kleinen
und mittleren Zulieferbetrieben sind von diesem Auftrag

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(C (D bhängig. Ein Großteil der Wertschöpfung wird in eutschland stattfinden und hier bei uns Arbeitsplätze nd kommunale Gewerbesteuern sichern. Ich weiß, iese Fragen des politischen Alltags – Arbeitsplätze und teuern – sind für die Kollegen der Grünen nicht sonerliche interessant. Bedenken Sie bitte schließlich den positiven Effekt eies energiepolitischen Austausches mit Brasilien. Ich atte es am Beispiel der Wasserkraft und der Endlageung schon erwähnt. In Brasilien verfügt man über verefte Kenntnisse und Erfahrung in der Nutzung von Biothanol als Energieträger. Hier gibt es sicher auch für eutschland interessante Erkenntnisse zu gewinnen. Si her gibt es in Brasilien auch Potenzial für deutsche Meoden der Steigerung von Energieeffizienz und deutsche echniken bei den erneuerbaren Energien. Wie werden ie Verantwortlichen in Brasilien wohl reagieren, wenn ie Mitglieder des Deutschen Bundestages ihnen besserisserisch und belehrend diese Anfrage verwehren? iese Potenziale einer brasilianisch-deutschen Energieartnerschaft zur Beruhigung der grünen Psyche oder effender: Psychose zu verschenken, dient niemandem, icht in Brasilien, nicht in Deutschland und dem Weltlima schon gar nicht. Dieser Antrag ist daher abzulehnen. Er ist ökonoisch und ökologisch unkonstruktiv. Grundsätzlich begrüßen wir als SPD-Fraktion die nterstützung deutscher Investitionen im Ausland und alten das Instrument der Hermesabdeckungen für richg und wichtig. Dennoch müssen bei jedem Projekt insesondere die ökonomischen Risikoabschätzungen enau beleuchtet werden, bevor ein solcher Antrag geehmigt werden kann. Im vorliegenden Fall hat die Bunesregierung viele wichtige Aspekte entweder nicht beücksichtigt oder falsch eingeschätzt. Der Bericht der undesregierung an den Ausschuss wirft mehr Fragen uf, als er Antworten gibt. In dem Bericht werden keine ussagen zu einer Ausfallwahrscheinlichkeit getroffen. och gerade bei einer Bürgschaft in Höhe von über Milliarden Euro, für die ja im Zweifelsfall der deutche Steuerzahler geradesteht, sollte das Risiko eines usfalls genau geprüft werden. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweien, dass der geplante Reaktortyp Stand der Technik der 0er-Jahre in Deutschland ist und heute in Deutschland nter keinen Umständen eine Baugenehmigung erhalten ürde. Es liegt auf der Hand, dass der Einsatz derart alr Technik die ökonomischen Erfolgsaussichten dieses rojektes erheblich mindert und damit das Ausfallrisiko eutlich erhöht. Deshalb erwarten wir von der Bundesgierung klare Aussagen zu den wirklichen ökonomi chen Risiken der beantragten Bürgschaft. Im Umgang mit dieser Bürgschaft zeigt sich wieder inmal, dass die Bundesregierung das Thema Atomkraft hne Rücksicht auf Verluste in den Mittelpunkt ihres olitischen Handelns stellt: Noch vor der Diskussion um in Gesamtenergiekonzept verhandelt sie mit den großen raftwerksbetreibern über eine Laufzeitverlängerung, Andreas G. Lämmel gebene Reden ohne sich Gedanken über die negativen Auswirkungen auf Wettbewerb und Investitionen zu machen. Ihnen geht es nur darum, ein Zeichen für die Atomkraft zu setzen. Auch die Unterstützung der Bürgschaft soll außenpolitisch zeigen, dass die Regierung den breit in der deutschen Gesellschaft angelegten Konsens des Atomausstiegs wieder verlässt. Weder offensichtlich ökonomische noch sicherheitspolitische Risiken können die schwarz-gelben Ritter der Atomkraft stoppen. Zudem stellt sich die Frage, ob eine Bürgschaft seitens des Bundeshaushaltes in diesem Fall wirklich das richtige Instrument darstellt; denn das deutsche Unternehmen Siemens wird sich bis Ende 2012 aus dem Areva-Konzern zurückziehen. Dann würde der deutsche Steuerzahler die Risiken eines französischen Staatsunternehmens tragen. Hier erwarten wir ebenfalls eine klare Aussage der Bundesregierung. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Prüfung des Antrags unter anderem auf Grundlage der deutschen Genehmigungspraxis für Kernkraftwerke erfolgt ist. Dies verwundert uns doch sehr, ist doch in Deutschland 1988 das letzte Kernkraftwerk ans Netz gegangen. Insofern kann in diesem Zusammenhang nicht von einer wirklichen Genehmigungspraxis gesprochen werden. Deshalb wollen wir von der Bundesregierung wissen, ob auch neuere externe Risiken, wie die Gefahr eines Terrorangriffs, bei der Beurteilung berücksichtigt wurden. Beim Export von nukleartechnischen Gütern, insbesondere in Schwellenländer, muss aus meiner Sicht stets auch die Frage der Nichtverbreitung von Atomwaffen im Mittelpunkt der Prüfung stehen. In diesem Zusammenhang sind wir beunruhigt, dass Brasilien bis heute nicht das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat, welches der Internationalen Atomenergiebehörde, IAEA, unangemeldete Kontrollen ermöglicht. Da passt es ins Bild, dass Brasilien im Jahr 2006 den Kontrolleuren dieser Behörde den Zutritt zu den zentralen Urananreicherungsanlagen in Resende zunächst verweigerte und damit erhebliche Spannungen auslöste. Ich gehe auch davon aus, dass der Bundesregierung die Tatsache bekannt ist, dass Brasilien gegen internationale Konventionen verstößt, indem es über keine unabhängige Atomaufsicht verfügt. Vielmehr liegen Förderung und Kontrolle der Atomenergie in den Händen ein und derselben Behörde, was sowohl eine Verletzung des Euratom-Vertrags als auch eine Verletzung der Internationalen Konvention zur Atomsicherheit bedeutet. Im Übrigen hat der brasilianische Kongress selbst diese Vorschrift im Jahre 1998 in nationales Recht übernommen. Es sollte der Bundesregierung doch zu denken geben, dass sich die Verantwortlichen der brasilianischen Atompolitik nicht einmal an die eigenen Gesetze halten. Neben der Berücksichtigung der genannten ökonomischen Risiken und Sicherheitsbedenken ist die Bundesregierung nach OECD-Leitlinien verpflichtet, ökologische und soziale Risiken zu prüfen. Ob dies mit der notwendigen Sorgfalt geschehen ist, muss bei genauer Betrachtung stark bezweifelt werden. Denn bisher ist die Frage der Lagerung der verbrauchten Brennelemente völlig ungeklärt. Brasilien verfügt weder über ein Zwischennoch über ein Endlager für atomare Abfälle. Nach unse re lä ti d c g le d s m d d n T z k re R m n d d re A h H fa d D in D te H fo d d a im k u d N L w w k z g li e d Zu Protokoll ge (C (D n Informationen sollen die Brennstäbe auf dem Gende des Kraftwerks gelagert werden. Wie weit die dorgen Kapazitäten reichen und was bei Erschöpfung erselben mit den Abfällen passieren soll, ist offen. Zudem fordern wir von der Bundesregierung, die Siherheitssituation vor Ort zu prüfen. Denn welche Folen es für Mensch und Umwelt hat, wenn diese Brennemente nicht sachgemäß gelagert werden oder gar in ie falschen Hände gelangen, kann sich jeder selbst vortellen. In Brasilien gibt es ein potenzielles Erdbebengebiet it instabilen Gesteinsschichten. Dieses befindet sich in er Nähe des geplanten Standortes. Dies zeigte sich einrucksvoll, als bei Bauarbeiten an Angra 2 das Maschienhaus von Angra 1 absackte. Auch bezüglich dieser atsache lassen sich die Risiken kaum seriös abschäten. Es sind also noch viele Fragen offen, ohne deren lare und ausführliche Beantwortung durch die Bundesgierung eine Genehmigung dieser Bürgschaft hohe isiken mit sich bringt: für den Bundeshaushalt und dait für den deutschen Steuerzahler, für die internatioale Sicherheit und nicht zuletzt für die Menschen und ie Umwelt in Brasilien. Abschließend möchte ich noch eine Anmerkung zu em gesamten Verfahren machen, in dem die Bundesgierung eine grobe Missachtung des Parlaments zum usdruck gebracht hat. Grundsätzlich muss der Hausaltsausschuss über beantragte Bürgschaften in dieser öhe informiert werden. Ich denke, es gehört zu einem iren Umgang miteinander, dass die Abgeordneten vor er Presse und der Öffentlichkeit informiert werden. och bereits am 2. Dezember vergangenen Jahres war den Zeitungen über die geplante Bürgschaft zu lesen. en ganzen Dezember über wurde auf verschiedenen Inrnetseiten bereits über diese Pläne diskutiert. Der aushaltsausschuss dagegen wurde erst im Januar inrmiert. Dies ist aus unserer Sicht eine Missachtung es Parlaments, die so nicht hingenommen werden kann. Es ist skandalös, dass mit deutschen Steuergeldern er Bau des brasilianischen Atomkraftwerks Angra 3 bgesichert werden soll. Kaum ist die neue Regierung Amt, überhäuft sie die Atomwirtschaft mit Geschenen. Der Atomausstieg soll rückgängig gemacht werden, nd zusätzlich wird großzügig auch noch eine milliarenschwere Hermesbürgschaft für den Export von ukleartechnologie genehmigt. Willkommen in der obbyrepublik! Die Begünstigungen an die Hoteliers irken gegenüber den Geschenken an die Atomlobby ie Peanuts. Wurden von Union und FDP die Atomraftgegner häufig als ideologisch verbohrt diffamiert, eigt sich am konkreten Beispiel, wer wirklich ideoloisch verblendet handelt. Nicht nur, dass man sich generell wieder für die Mögchkeit der Kreditabsicherung für Nukleartechnologiexporte einsetzt, sondern es werden dann nicht einmal ie Bedingungen der individuellen Projekte ausführlich Rolf Hempelmann gebene Reden geprüft. Es scheint die Bundesregierung schlichtweg überhaupt nicht zu interessieren, dass es sich im Falle von Angra 3 um einen veralteten und damit noch unsichereren Reaktortyp handelt, dass Teile benutzt werden, die seit Jahren eingemottet sind, und dass der Standort im einzigen erdbebengefährdeten Gebiet Brasiliens liegt. Hinzu kommt, dass die Endlagerfrage komplett ungeklärt ist, dass Brasilien keine unabhängige Atomaufsicht besitzt und nicht einmal das Zusatzprotokoll des Atomwaffensperrvertrags unterschrieben hat. Wir dürfen doch kein Land in einer so sensiblen Technologie unterstützen, wenn es nicht einmal bereit ist, unangekündigte Kontrollen der Internationalen Atomenergie-Behörde zu akzeptieren. Was ist das für ein Signal, das wir setzen? Union und FDP sprechen immer davon, dass die Atomenergie nur eine Brückentechnologie ist, aber hier unterstützen sie ein Atomprojekt, das eventuell ein halbes Jahrhundert in Betrieb sein wird und das gleichzeitig viele Projekte der erneuerbaren Energien verhindern wird. Das geplante brasilianische AKW wäre in Deutschland schon vor Jahren nicht genehmigungsfähig gewesen. In Brasilien setzt die Bundesregierung aber offenbar andere Maßstäbe an. Sie macht sich durch diese riskante Bürgschaft mitverantwortlich dafür, dass die Gesundheit vieler Menschen gefährdet wird, die im Einzugsbereich des AKW leben müssen. Zur Wirtschaftlichkeit. Alle Erfahrungen zeigen, dass AKW-Neubauten nie zum kalkulierten Preis fertiggestellt werden. Das brasilianische AKW Angra 2 war ein ökonomisches Desaster, der Neubau des finnischen AKW in Olkiluoto wird zu einem gigantischen Zuschussgeschäft für Areva, und selbst in den USA liegt das Ausfallrisiko bei AKW-Neubauten laut einer Studie des USamerikanischen Bundesrechnungshofes bei über 50 Prozent. Quintessenz: Die Kreditausfallwahrscheinlichkeit bei diesem Projekt ist hoch. Schon das argentinische AKW Atucha hat den deutschen Steuerzahler über 900 Millionen Euro gekostet. Sollte Brasilien in eine finanzielle Notlage geraten, nutzt auch die Gegengarantie des brasilianischen Finanzministeriums nicht viel. Es ist bitter: Die Motivation der Bundesregierung, die deutsche Atomwirtschaft zu hofieren, scheint größer zu sein als ihre Motivation, den Steuerzahler vor zusätzlichen Lasten zu schützen. Hinzu kommt, dass die Exportgarantie in Milliardenhöhe einem Unternehmen gewährt wird, das nur zu einem Drittel in deutscher Hand ist und in absehbarer Zeit komplett in französischen Besitz übergeht. Zusammenfassend stelle ich fest: Das Vorgehen der Bundesregierung ist sicherheitstechnisch, energiepolitisch und auch ökonomisch unsinnig und es ist gefährlich. Leider kommt es noch schlimmer: Die Anträge für AKW-Projekte in Pakistan und Kaliningrad liegen den Ministerien schon vor, und auch in diesen Fällen soll es Befürworter geben. Die Bundesregierung wird zum Sponsor dafür, dass auch in sensiblen Regionen wieder mehr auf Atomenergie statt auf saubere Zukunftstechnologien gesetzt wird. Ich möchte daran erinnern: Auch das iranische AKW Buschehr, welches aufgrund seiner G w e in s m s E k r v te A S r E a m G A li te S g k Z fo ti li h n r S d d r s fo F R D k w z s s A tu h le w s d Zu Protokoll ge (C (D efahr für den Weltfrieden weltweit im Fokus steht, urde mit Hermesbürgschaften abgesichert. Lernen Sie endlich aus Ihren Fehlern. Wir brauchen ine Regierung, welche Sicherheit und Zukunftsfähigkeit die globale Energiepolitik bringt und keine Lobbyge chenke verteilt. In Zeiten einer gerade zögerlich wieder in Fahrt kom enden Wirtschaft haben wir in der Koalition beschlosen, „die Entscheidungsverfahren für die Garantien für xportkredite, Investitionen und ungebundene Finanzredite zu beschleunigen und vorrangig an der Sicheung des Standortes Deutschland und der Förderung on Wirtschaft und Beschäftigung im Inland“ auszurichn. Genau diese Ziele können durch die Bürgschaft für ngra 3 in Brasilien erreicht werden: zum einen das tärken des Standortes Deutschland durch die Absicheung eines Auftrages an ein Unternehmen mit Sitz in rlangen und 5 200 Beschäftigen in Deutschland, zum nderen die Förderung eines Hochtechnologieunternehens auf internationale Ebene. Der vorliegende Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die rünen beruht auf Unwissenheit und dem Schüren der ngst. Doch die Lage der Sicherheit stellt sich tatsächch wie folgt dar: Erstens. Durch das Deutsche Institut für Sicherheitschnologie wurden die vorliegenden brasilianischen tudien und die erteilten Umweltund Baugenehmigunen geprüft auf Umweltverträglichkeit, Sicherheitsonzept, Brennstoffkreislauf sowie Betriebsführung. usätzlich wurden die relevanten Standards und Anrderungen der Internationalen Atomenergieorganisaon, der EU sowie die Nuclear Guidelines der staatchen US-Exportkreditagentur US Ex-Im Bank erangezogen. Das Projekt hält also deutsche und interationale Standards ein. Auch die neuen Herausfordeungen durch mögliche terroristische Aktionen, wie die icherheit bei Flugzeugabstürzen, wurden bedacht. Bei er Festlegung des Konzepts wurden seinerzeit gemäß er internationalen Praxis die IAEA Safety Guides beücksichtigt. In diesem Rahmen wurde die Luftverkehrsituation im Bereich der Anlage berücksichtigt. Demzulge sind in der Umgebung des Projektgebietes keine lugplätze vorhanden, und es besteht auch kein erhöhtes isiko durch Flugaufkommen von Militärmaschinen. ie Anlage kann, wie auch bei deutschen Kernkraftwer en üblich, mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen versehen erden, um auch gegen einen etwaigen gezielten Flug eugabsturz – terroristischer Anschlag – gerüstet zu ein. Diese Maßnahmen bestehen beispielsweise in vertärkter Luftraumüberwachung in Kombination mit der bschaltung des Reaktors sowie Vernebelungseinrichngen. Zudem zeigen neuere Studien, dass die Beton ülle der Reaktorgebäude größere Explosionsdruckweln, als bisher angenommen, abtragen können. Auch seismische Studien waren Gegenstand der Umeltstudien. Weltweit betrachtet gehört der brasiliani che Schild zu den geologisch stabilsten Formationen er Erde. Die brasilianische Umweltgenehmigung um Marco Bülow gebene Reden fasste auch Auflagen hinsichtlich der Risiken im Falle eines Erdbebens sowie weitergehende Auflagen zur Überwachung von Gebieten und zur Stabilisierung von Hängen, die Anzeichen für Erdrutsche aufweisen. Die vorgeschriebenen Untersuchungen wurden allesamt zur Zufriedenheit der brasilianischen Umweltbehörde abgeschlossen. Zweitens. Genau wie in Deutschland ist der Betreiber des Kraftwerks – hier Eletronuclear – für die Zwischenlagerung der abgebrannten Brennelemente am Standort verantwortlich. Am Projektstandort Angra sind Zwischenlager für Brennelemente in Betrieb. Mittelfristig ist neben den schon bestehenden Nassund Trockenlagern ein weiteres Nasslager bis 2017 geplant. Die Endlagerung liegt im Verantwortungsbereich des Staates und somit bei der nationalen Nuklearenergiekommission. Drittens. Brasilien hat den Atomwaffensperrvertrag ratifiziert, das später hinzugekommene und freiwillige Zusatzprotokoll aus Gründen des Eingriffs in die Staatssouveränität und zum Schutz gegen Industriespionage indes nicht. Brasilien bemüht sich allerdings, die Kontrollen entsprechend der Vorgaben der IAEO gleichwohl zu erfüllen. Brasilien hat daneben eine Reihe von Verträgen unterschrieben, wie den Atomwaffenstopp-Vertrag und das Abkommen über das Verbot der Produktion von spaltbarem Material für Atomwaffen, und hat an einer atomwaffenfreien Zone in Südamerika mitgewirkt. Zur behaupteten Sorge der Oppositionsparteien, Brasilien könne Atomwaffen bauen, ist zu entgegnen, dass die beiden bisher betriebenen Anlagen und das geplante Projekt Angra 3 nur eine niedrige Urananreicherung besitzen. Diese Anlage ist zur Herstellung von Atomwaffen ungeeignet, zumal Brasilien sich entschieden hat, auf eine Wiederaufbereitung zu verzichten. Ferner hat Brasilien zusammen mit Argentinien eine regionale Aufsichtsbehörde zur Kontrolle von Nuklearmaterial gegründet und sogar in der Verfassung den Verzicht auf Atomwaffen aufgenommen. Brasilien als zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt ist ein wirtschaftlich stabiles Land. Im Hinblick auf die Garantie des brasilianischen Finanzministeriums und die vergleichbar geringe internationale Verschuldung und die hohen Devisenreserven bestehen auch haushaltspolitisch keine Bedenken. Sogar im Verlauf der Krise hatte Brasilien lediglich eine Minirezession und verzeichnete zwischen April und Juni 2009 bereits wieder Wachstum. Laut German Trade and Invest wird Brasilien schon 2010 wieder ein Wachstum von circa 5 Prozent erreichen. Viertens. Bei dem Antragsteller handelt es sich um das deutsche Unternehmen Areva NP GmbH in Erlangen mit 5 200 Mitarbeitern. In die Areva NP sind die Nuklearaktivitäten der Siemens AG aufgegangen. Gerade mit Blick auf den Erhalt und die Sicherung der Arbeitsplätze im Hochtechnologiesektor ist somit eine Absicherung dieses Projekts mit einer Hermesbürgschaft mehr als geeignet. Zum einen trägt das Projekt in erheblichem Umfang zur Sicherung des stetig steigenden brasilianischen Energiebedarfs sowie zur Diversifizierung des S te A c m s B w B b B D d w E m a e B s B s m p d h im B u s is C d D d R n d s s v e s ti S s P tr s d in Zu Protokoll ge (C (D trommixes bei. Zum anderen werden durch die verbriefn deutschen Lieferungen und Leistungen zahlreiche rbeitsplätze in Deutschland gesichert. Dementsprehend begrüßt meine Fraktion die Vergabe einer Heresbürgschaft für Angra 3 in Brasilien. Bündnis 90/Die Grünen ist eine Klientelpartei, die ich ausschließlich auf ein bestimmtes Segment im ereich regenerativer Energien konzentriert. Verantortungsvolle Regierungspolitik hat wieder die volle andbreite eines vernünftigen Energiemixes im Auge zu ehalten. Darüber hinaus ist es unsere Pflicht, einen eitrag zum Erhalt hochwertiger Arbeitsplätze in eutschland zu leisten. Daher lehnen wir den Antrag er Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ab. Die Bundesregierung will den Bau des Atomkraft erks Angra 3 in Brasilien durch Siemens mit einer xportkreditgarantie ermöglichen. Die Steuerzahler üssten mit 2,5 Milliarden Euro haften. Im Haushaltsusschuss haben wir sehr ausführlich über die Risiken ines solchen Geschäfts diskutiert. Die Vertreter der undesregierung konnten auf unsere Fragen keine seriöen Antworten geben. Es ist nicht akzeptabel, dass die undesrepublik solche Risikotechnologien weiter untertützt und dafür noch die Steuerzahler in Haftung nehen will. Umweltorganisationen benennen vier Kritikunkte an diesem Risikogeschäft. Ökonomische Risiken. Gerade bei Atomanlagen ist as Ausfallrisiko für Bürgschaften enorm hoch, da sie ohe Anfangsinvestitionen erfordern und es oftmals zu mensen Kostenund Bauzeitüberschreitungen kommt. ereits der Bau von Angra 2 hat mit 25 Jahren Bauzeit nd einem zweibis dreimal höheren Preis als veranchlagt enorm zur Verschuldung Brasiliens beigetragen. Politische Risiken. Die brasilianische Atomaufsicht t nicht unabhängig, denn ein und dieselbe Behörde, die NEN ie Förderung und Kontrolle von Atomkraft zuständig. ie Internationale Konvention zur Atomsicherheit, die er brasilianische Kongress 1997/98 in nationales echt übernommen hat, schreibt eine funktionale Trenung zwischen Aufsichtsbehörde und Förderern/Nutzern er Atomenergie vor. Die bestehende Struktur entspricht omit nicht einmal geltendem brasilianischen Recht, gechweige denn europäischen Standards. Sicherheitsrisiken. Vom Stand der Technik ist Angra 3 ergleichbar mit dem in den 70er-Jahren in Deutschland rrichteten Kraftwerk Grafenrheinfeld. Dabei handelt es ich um einen Druckwasserreaktor der zweiten Generaon. Der Neubau eines Atomkraftwerkes nach diesen tandards wäre heute in Westeuropa nicht mehr durchetzbar. Ungelöste Müllentsorgung. Zentrales ökologisches roblem der Anlage ist die auch nach 20 Jahren Beiebslaufzeit von Angra 1 noch immer sehr provisori che Lösung für die radioaktiven Abfälle. Zurzeit lagert er radioaktive Müll der Atomreaktoren Angra 1 und 2 sogenannten blauen Schwimmbecken unter Wasser. Dr. Martin Lindner gebene Reden Der brasilianische Umweltminister Minc kritisiert diese Lagerung als völlig unzureichend und fordert endlich eine Langzeitlösung für die Abfälle. Tatsächlich empfehlen sich die geologischen Verhältnisse in diesem von Erdbeben und Erdrutschen gefährdeten Küstengebirge zwischen Rio und São Paulo weder für sensible Bauwerke noch für die Zwischenlagerung von strahlendem Müll. Dieser Analyse ist nur hinzuzufügen, dass die Bundesregierung im Wissen um die genannten Probleme trotzdem an einer Hermesbürgschaft festhält. Das zeigt, dass die Bundesregierung der Atomlobby blindlings folgt. Offensichtlich wird Politik nicht mehr gewählt, sondern nur noch bestellt. Die Linke als großspendenfreie Partei folgt den Empfehlungen der Umweltverbände und lehnt die Bürgschaft ab. 2001 wurde in Deutschland die Exportförderung von Atomtechnologie beendet. Das hatte seine guten Gründe, die bis heute ungeschmälert gelten. Zur Deckung des weltweiten Energiebedarfs spielt Atomkraft eine geradezu verschwindende Rolle. Daran ändert auch der ständige Versuch der Liebhaber dieser Technologie, das anders darzustellen, nichts. Atomenergie wird global weder für die künftige Energieversorgung noch für den Klimaschutz von größerer Bedeutung sein. Demgegenüber stehen die unverantwortbaren Risiken der Atomkraft, die dort noch steigen, wo keine unabhängige Atomaufsicht besteht oder Atomanlagen in erdbebengefährdeten Gebieten geplant werden. Beides trifft auf Brasilien zu, für dessen geplantes Atomkraftwerk Angra 3 Siemens/Areva eine Hermesbürgschaft von bis zu 2,5 Milliarden Euro beantragt. Wir wissen, dass der Bau von Atomkraftwerken in vielen Ländern insgeheim mit der Hoffnung verbunden ist, darüber in den Kreis der Atommächte aufzusteigen. Atomtechnik birgt immer die Gefahr des militärischen Missbrauchs. Die internationale Debatte um das Atomprogramm des Iran zeigt exemplarisch die große Sorge, die viele Staaten hier umtreibt. Das Ziel der Bundesregierung 2001 war, solche Risiken durch den Ausschluss der Förderung für Atomtransporte zu verringern. Dazu gehörte die Haltung, weltweit für den Ausstieg aus der zivilen wie militärischen Nutzung der Atomenergie zu werben, sich für eine Stärkung des Nicht-Verbreitungsregimes von Atomwaffen einzusetzen und die Atommächte bezüglich ihrer Abrüstungsverpflichtungen zu mahnen. CDU, CSU und FDP haben sich nun laut Koalitionsvertrag entschieden, die gute Praxis der Hermes-Umweltleitlinien nicht mehr anzuwenden. Wenige Monate nach der Regierungsübernahme durch Schwarz-Gelb steht der Antrag von Siemens/Areva als Präzedenzfall zur Entscheidung an. Nichts an diesem Antrag spricht dafür, ihn zu bewilligen. Hermesbürgschaften für Atomtechnologie bergen grundsätzlich ein hohes Risiko für den Bundeshaushalt. Die ständigen Begleiter der jüngsten AKW-Projekte, als da wären: explodierende Kosten, Verzögerungen im Bau u s g h e a lo g k z n n g K n m d k la Ih d g fü a B m S re m b n m In d k s w E p D w d d la re A d H z p fa te F Zu Protokoll ge (C (D nd schlechte Planungen, erhöhen das Kreditausfallriiko überdurchschnittlich, wie das Congressional Budet Office, eine Art amerikanischer Bundesrechnungsof, errechnet hat. Aber eine Bürgschaft für den Bau ines Atomreaktors in Angra dos Reis ist noch aus ganz nderen, darüber hinausgehenden Gründen abzulehnen. Die erdbebengefährdete Region liegt nur rund 100 Kimeter von der Millionenstadt Rio de Janeiro entfernt, anz sicher nicht der geeignete Standort für ein Atomraftwerk. Brasilien hat ein wichtiges Zusatzprotokoll um Atomwaffensperrvertrag bis heute nicht unterzeichet und hat keine unabhängige Atomaufsicht. Die funktioelle Trennung von Betrieb und Aufsicht über Atomanlaen ist also nicht möglich. Auch wenn mir Ihre, verehrte olleginnen und Kollegen von den Regierungsfraktioen, Haltung zur Atomkraft bei allem Unverständnis einerseits bewusst ist, so gehe ich doch davon aus, ass Sie solche Unsicherheitsfaktoren nicht gutheißen önnen. Sie bereiten die Rückkehr zur Atomkraft in Deutschnd derzeit auf allen Kanälen vor. Unsere Einschätzung rer Absicht kennen Sie, und wir werden uns mit Ihnen arüber weiterhin gründlich auseinandersetzen. Heute eht es um die Frage einer Bürgschaft mit Steuergeldern r ein ökonomisch unsinniges und ökologisch nicht ver ntwortbares Projekt. Sie müssen diesen Antrag auf ürgschaft ablehnen. Eine Lex Siemens in Verbindung it der Inkaufnahme extremer Risiken, für die vor allem ie, meine Damen und Herren von der FDP, sich bei Ihm ständigen Gerede von Mittelstandsförderung schäen müssten, ist nicht das, was dieses Land derzeit raucht. P Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gibt ir heute Gelegenheit, über ein ganz entscheidendes strument der Außenwirtschaftsförderung zu sprechen: ie Exportkreditgarantien des Bundes. Erstens. Die Exportkreditgarantien des Bundes, beannter unter dem Namen Hermesdeckungen, haben ich gerade in der jetzigen Finanzkrise besonders beährt. 2009 war ein schwieriges Jahr für die deutsche xportwirtschaft, und auch in diesem Jahr wird die Exortwirtschaft vor großen Herausforderungen stehen. ie Bundesregierung unterstützt die deutsche Exportirtschaft gerade jetzt mit Hermesdeckungen. Mit iesem Instrument ermöglicht und erleichtert die Bunesregierung den Zugang deutscher Exporteure zu Ausndsmärkten und schützt – gegen Zahlung risikogechter Prämien – vor dem Ausfall ihrer uslandsforderungen. Das gilt für alle Bereiche der eutschen Exportwirtschaft. Das heißt für mich auch: ermesdeckungen müssen für alle zulässigen Exporte ur Verfügung stehen. Das schließt den zulässigen Exort von Nukleartechnologie mit ein. Auch hier müssen ire Wettbewerbsbedingungen für unsere Industrie geln. Zweitens. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und DP wurde festgeschrieben, dass die sogenannten Dr. Gesine Lötzsch gebene Reden Parl. Staatssekretär Peter Hintze OECD-Umweltleitlinien alleiniger Maßstab für die Umweltprüfung bei den Hermesdeckungen sind. Diese international anerkannten Leitlinien erlauben Deckungen bei Exporten von Nukleartechnologie. Demgegenüber machte eine in der rot-grünen Koalition eingeführte Praxis Hermesdeckungen für solche Exporte leider unmöglich. Diese Praxis, die einseitig zulasten der deutschen Industrie ging, haben wir nun beendet. Die seinerzeitige Praxis war ohnehin durch die inzwischen international vereinheitlichten Regelungen überholt. Würde die Bundesregierung auch weiterhin Exportkreditgarantien in diesem Bereich verweigern, könnte dies dramatische Folgen für deutsche Exporteure haben. Diese könnten sich im internationalen Wettbewerb ohne staatliche Risikoabsicherungen nur schwer behaupten; denn ihre Wettbewerber in Frankreich, Japan oder den USA haben die Möglichkeit, staatliche Sicherungen zu erhalten. Im Übrigen bliebe die Entscheidung anderer souveräner Staaten, Nuklearanlagen zu errichten, durch einen Ausschluss von Deckungsmöglichkeiten in Deutschland gänzlich unberührt. Selbstverständlich gilt für die Bundesregierung, dass vor der Entscheidung für eine Deckung eine gründliche Prüfung durchgeführt wird. Eine solche Prüfung ist gerade auch bei Exporten von Nukleartechnologie neben der Prüfung des Ausfuhrrechts dringend geboten. Drittens. Der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht das Projekt Angra 3 in Brasilien an. Eine Deckung über circa 1,5 Milliarden Euro für den Weiterbau des Kernkraftwerks Angra 3 wurde beantragt. Die Bundesregierung hat den Haushaltsausschuss wegen des großen Deckungsvolumens am Mittwoch dieser Woche über den Antrag unterrichtet. Die Verträge für den Bau dieses Kernkraftwerks wurden bereits 1976 geschlossen, ruhten jedoch aufgrund der damaligen Finanzschwierigkeiten Brasiliens. Die vertraglichen Vereinbarungen sehen allerdings die Verpflichtung zur Fertigstellung von Angra 3 vor. Die brasilianische Regierung hat sich für die Fertigstellung entschieden. Dieses Vorhaben bewegt sich auch im Rahmen der zwischen Brasilien und Deutschland geschlossenen Verträge. So wurde unter der Regierung von Bundeskanzler Schmidt 1975 das deutsch-brasilianische Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie geschlossen. Das im Mai 2008 unterzeichnete deutsch-brasilianische Energieabkommen lässt das Abkommen aus 1975 unberührt. Die Bundesregierung hält das zugrunde liegende Exportgeschäft für förderungswürdig: Erstens sichert der Exporteur durch diese Exporte für den Weiterbau von Angra 3 in erheblichem Maße Arbeitsplätze in Deutschland. Zweitens trägt das Projekt zur Sicherung des deutschen Know-hows in der Nukleartechnologie bei, und drittens hilft dieses Projekt Brasilien, seinen stetig wachsenden Energiebedarf zu decken und seinen Energiemix zu diversifizieren. Lassen Sie mich noch zwei weitere, bereits häufig aufgegriffene Punkte ansprechen: Dies betrifft zum einen d h s B tr S E u B li tu Z A n li s w d w ü D fü v Ü d u H u G g d P n D d s S g (C (D ie Umweltauswirkungen und zum anderen die Sichereitsaspekte. Auch das Projekt Angra 3 wurde selbstvertändlich nach den OECD-Umweltleitlinien geprüft. Die undesregierung hat einen externen Gutachter beaufagt. Dieser hat die Umweltverträglichkeit und das icherheitskonzept untersucht und ist zu einem positiven rgebnis gekommen. Das Projekt hält internationale nd nationale Standards ein. Zum anderen liegen uns keine Hinweise vor, dass rasilien sein Kernenergieprogramm nicht ausschließch zivil nutzen will. Brasilien hat den Nichtverbreingsvertrag unterzeichnet, an einer atomwaffenfreien one in Südamerika mitgewirkt und den Verzicht auf tomwaffen in die Verfassung aufgenommen. Viertens. Die Bundesregierung wird die Indeckungahme von Nukleartechnologieexporten selbstverständch intensiv prüfen. Vor jeder Deckungsentscheidung chauen wir uns mögliche Auswirkungen – seien es Umeltoder seien es Sicherheitsaspekte – genau an. Auf er Grundlage einer solchen gründlichen Prüfung sind ir hier zum Ergebnis gekommen, dass die Deckung bernommen werden sollte. Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf rucksache 17/540 an die in der Tagesordnung aufgehrten Ausschüsse vorgeschlagen. Sind Sie damit ein erstanden? – Ich sehe, das ist der Fall. Dann ist die berweisung so beschlossen. Ich rufe nun den Tagesordnungspunkt 17 auf: Beratung des Antrags der Abgeordneten Josef Philip Winkler, Viola von Cramon-Taubadel, Marieluise Beck ter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rückschiebungen nach Griechenland sofort aussetzen – Drucksache 17/449 – Überweisungsvorschlag: Innenausschuss Auch hier ist in der Tagesordnung ausgewiesen, dass ie Reden zu Protokoll gegeben werden. Dabei geht es m die Reden folgender Kolleginnen und Kollegen: elmut Brandt, Rüdiger Veit, Hartfrid Wolff, Ulla Jelpke nd Josef Philip Winkler. In ihrem Antrag fordert die Fraktion Bündnis 90/Die rünen die Bundesregierung auf, weitere Überstellunen von Asylbewerbern nach Griechenland im Rahmen er Dublin-II-Verordnung sofort auszusetzen und die rüfung der Asylanträge durch die Ausübung des sogeannten Selbsteintrittsrechts gemäß Art. 3 Abs. 2 der ublin-II-Verordnung im nationalen Asylverfahren urchzuführen. Hintergrund des vorliegenden Antrags ind Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts, das seit eptember 2009 durch mehrere einstweilige Anordnunen Überstellungen von Asylbewerbern gemäß der Dublin-II-Verordnung nach Griechenland ausgesetzt hat. Eine erste Entscheidung in der Hauptsache wird bis zum Sommer dieses Jahres erwartet. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen begründet ihren Antrag damit, eine Fortsetzung von Überstellungen nicht besonders Schutzbedürftiger nach Griechenland sei zum einen eine Brüskierung des Bundesverfassungsgerichts. Zum anderen sei nach Berichten internationaler Menschenrechtsorganisationen in Griechenland der Zugang zum Asylverfahren nicht gewährleistet. Den Antrag lehnen wir aus mehreren Gründen ab. Meine Damen und Herren von Bündnis 90/Die Grünen, Sie versuchen in Ihrem Antrag den Eindruck zu vermitteln, als seien nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts Rücküberstellungen nach Griechenland derzeit unzulässig. Das ist unseriös. Zumindest die Juristen unter Ihnen wissen doch – jedenfalls gehe ich davon aus, dass sie es wissen –, dass Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts ausschließlich auf einer Abwägung zwischen den Folgen, die ohne den Erlass der einstweiligen Anordnung eintreten, wenn die Hauptsache für den Antragsteller erfolgreich wäre, und den Folgen für den umgekehrten Fall beruhen. Das heißt, die einstweiligen Anordnungen, auf die Sie in Ihrer Begründung abstellen, enthalten gerade keine Aussagen zur Zulässigkeit der Überstellungen nach Griechenland. Sie enthalten auch keine Beurteilung der Situation in Griechenland. Vielmehr lassen sie gerade die Erfolgsaussichten der Verfassungsbeschwerde offen. In diesem Zusammenhang noch Folgendes: Sie sprechen von einer Brüskierung des Bundesverfassungsgerichts. Meines Wissens haben Sie jedoch bereits vor den Beschlüssen des Bundesverfassungsgerichts in Anknüpfung an entsprechende Forderungen von UNHCR und Pro Asyl unter anderem eine vollständige Aussetzung von Überstellungen gemäß der Dublin-II-Verordnung nach Griechenland befürwortet. Es wird Sie deshalb sicherlich nicht überraschen, dass ich Ihnen Ihre Besorgnis um das Ansehen des Bundesverfassungsgerichts nicht abnehme. Ihrer Forderung wurde bzw. wird aus folgenden Gründen nicht entsprochen: Für sogenannte DublinRückkehrer besteht in Griechenland grundsätzlich Zugang zu Asylverfahren. Die griechische Regierung hat im Jahr 2008 erklärt, dass es aufgrund des unverhältnismäßig hohen Zustroms von Asylbewerbern und Migranten erhebliche Probleme bei der Aufnahme und der Durchführung von Verfahren gegeben habe, die Lage sich aber deutlich verbessert habe. Auch der UNHCR stellt in seinen Studien aus den Jahren 2007 und 2008 fest, dass Dublin-Rückkehrer grundsätzlich die Möglichkeit haben, einen Asylantrag zu stellen. Griechenland hatte bereits 2007 gegenüber den Dubliner Büros der Mitgliedstaaten mitgeteilt, dass die sogenannte Abbruchpraxis nicht mehr vollzogen wird. Im Sommer 2009 hat die griechische Regierung das Asylantragsverfahren dezentralisiert. Es ist aber noch zu früh, um Aussagen über die Auswirkungen des neuen Verfahrens zu treffen. Die Bewertung der Vereinbarkeit von Re g li s la e m d s g d 3 w a d re Ü D d li d w g r E k A k u V A re G B a s s li la lu d D s n e s z s v d b Zu Protokoll ge (C (D elungen des griechischen Asylrechts mit EG-Recht obegt im Übrigen der Europäischen Kommission. Gegen den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen pricht auch, dass bislang Belgien, Dänemark, Finnnd, Frankreich, Großbritannien, Italien und andere uropäische Staaten grundsätzlich Überstellungen geäß der Dublin-II-Verordnung nach Griechenland urchführen. Auch nach der höchstrichterlichen Rechtprechung dieser Mitgliedstaaten sind Rücküberstellunen nach Griechenland möglich. Nach einer Entscheiung des niederländischen Raad van State vom 1. August 2009 kann nach Griechenland überstellt erden. Der österreichische Asylgerichtshof entschied m 16. Januar 2009, dass eine Überstellung nach Griechenland keinesfalls eine Verletzung des Art. 3 EMRK und somit auch keinen Anlass zur zwingenden Ausübung des Selbsteintrittsrechtes Österreichs arstelle. Der Europäische Gerichtshof für Menschenchte hat mit Entscheidung vom 2. Dezember 2008 eine berstellung nach Griechenland für zulässig erklärt. ie Bundesregierung geht daher zu Recht nach wie vor avon aus, dass die griechische Regierung die erforderchen Maßnahmen ergreift bzw. bereits ergriffen hat, um ie mit dem hohen Zustrom von Migranten und Asylbeerbern verbundenen Schwierigkeiten zu bewältigen. Zwar erscheint nicht gänzlich ausgeschlossen, dass egenwärtig und in Zukunft im Einzelfall noch Schwieigkeiten bei der Durchführung von Asylverfahren, wie insatz von Dolmetschern, Bereitstellung von Unterünften, möglich sind. Dies mag auch bei einzelnen sylbewerbern zu persönlichen Härten und Schwierigeiten führen können. Aber der Bundesregierung und nserer Fraktion liegen keine Hinweise auf gravierende erstöße gegen fundamentale Gewährleistungen des sylrechts oder Kerngewährleistungen des Flüchtlingschts oder der Menschenrechte in Griechenland vor. riechenland selbst weist zudem auf eine bevorzugte ehandlung sogenannter Dublin-Rückkehrer hin. Ich möchte darüber hinaus auf folgendes Problem ufmerksam machen: Nur bei einer gerichtlichen Entcheidung zur vorübergehenden Aussetzung verlängern ich Fristen zur Überstellung. Würde ohne eine gerichtche Entscheidung von Überstellungen nach Griechennd abgesehen, entstünde wegen Ablaufs der Überstelngsfrist eine deutsche Zuständigkeit zur Durchführung er Asylverfahren. Das wollen wir nicht. Außerdem würde der sogenannte Pull-Faktor nach eutschland noch weiter verstärkt, wenn durch die zu tändigen Behörden generell Dublin-Überstellungen ach Griechenland ausgesetzt würden. Schon 2009 war in sprunghafter Anstieg unerlaubter Einreisen an deutchen Flughäfen bei Flügen aus Griechenland zu vereichnen. Nach den vorliegenden Feststellungen haben ich die unerlaubten Einreisen gegenüber 2008 mehr als ervierfacht. Auch das wollen wir verhindern. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge trägt er Situation in Griechenland Rechnung, indem es bei esonders schutzbedürftigen Personen, zum Beispiel für Helmut Brandt gebene Reden Minderjährige, für Flüchtlinge hohen Alters oder bei denen Schwangerschaft, ernsthafte Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit oder eine besondere Hilfebedürftigkeit vorliegen, von seinem Selbsteintrittsrecht gemäß Art. 3 Abs. 2 der Dublin-II-Verordnung sehr großzügig Gebrauch macht und von einer Überstellung nach Griechenland absieht. So machte das Bundesamt 2009 in circa 700 Fällen Gebrauch von seinem Selbsteintrittsrecht. Dem standen circa 200 Überstellungen gegenüber. Im Jahr 2008 war das Größenverhältnis noch umgekehrt: 222 Überstellungen standen 130 Selbsteintritten gegenüber. Ich finde, das beweist einen sehr verantwortungsvollen Umgang des Bundesamtes mit der tatsächlichen Situation. Ferner wird der Überstellungszeitraum grundsätzlich ausgeschöpft, um so durch eine zeitliche Streckung der Überstellungen eine Entlastung Griechenlands zu erreichen. Es existieren mehrere bilaterale Hilfsangebote: Deutschland hat Griechenland mehrfach bilaterale Unterstützung bei der Durchführung von Asylverfahren angeboten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat schriftlich seine Unterstützung angeboten, zum Beispiel beim Einsatz von Dolmetschern im Asylverfahren, dem Zugriff auf sein Informationssystem zu Herkunftsländern und bei Recherchen zu länderkundlichen Themen sowie bei der Zurverfügungstellung von Schulungspersonal und Formblättern. Außerdem wurde Griechenland die Entsendung eines BAMF-Verbindungsbeamten an die griechische Asylbehörde angeboten. Der Einsatz des Verbindungsbeamten könnte neben der Unterstützung im Dublin-II-Verfahren auch den Austausch von Herkunftsländerinformationen oder von Informationen über Strukturen und Abläufe im Asylverfahren umfassen. Außerdem möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass Griechenland finanzielle Hilfe der EU, zum Beispiel aus dem Europäischen Flüchtlingsfonds, und voraussichtlich künftig neben der finanziellen Hilfe auch organisatorische und personelle Unterstützung vom EU-Asylunterstützungsbüro erhält bzw. erhalten wird. Abschließend stelle ich klar, dass kein Zweifel daran besteht, dass die Bundesregierung bzw. die dafür zuständigen Behörden die Ausübung des in der Dublin-II-Verordnung vorgesehenen Selbsteintrittsrechts gegenüber Griechenland im Lichte der Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts auch weiterhin in jedem Einzelfall sorgfältig prüfen werden. Der Aussetzungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist damit zurückzuweisen. Seit Beginn des Jahres 2008 wurden wir verstärkt durch viele NGOs auf die schwierige Lage von Flüchtlingen in Griechenland und insbesondere bei Rücküberstellungen gemäß der Dublin-II-Verordnung hingewiesen. Es erfolgten Berichte seitens des Innenministeriums an den Innenausschuss über die Prüfung des Selbsteintrittsrechts bei Dublin-II-Verfahren gegenüber Griechenland. Schließlich hatte ich die Gelegenheit, mir a s la S A g v jä 2 B N 1 s le A w g n H c v tr g b d n n s s c m s a s g k – b b a n A b v tr A li A D H h e s lä h h d Zu Protokoll ge (C (D nlässlich einer Reise einer Delegation des Innenauschusses des Deutschen Bundestages nach Griechennd vom 8. bis 12. Juni 2009 selbst ein Bild über die ituation der Flüchtlinge und die Durchführung des sylverfahrens vor Ort zu machen. In Griechenland werden jährlich rund 150 000 illeale Flüchtlinge registriert; die Dunkelziffer dürfte aber iel höher sein. Demgegenüber ist die Ziffer der hrlichen Erstbearbeitungen von Asylanträgen mit 0 000 auffallend gering. Nicht besser sieht es bei der earbeitung der Einspruchsbescheide in 2. Instanz aus: ach einem Bericht des Auswärtigen Ausschuss vom 3. März 2009 werden im Jahr etwa rund 3 000 Einpruchsbescheide bei 30 000 offenen Entscheidungsfäln und jährlich mindestens 10 000 Neuzugängen erteilt. llein das Verhältnis dieser Zahlen verdeutlicht gut, was ir im Rahmen der Delegation als Fazit mit nach Hause enommen haben: Griechenland hat weder materiell och personell die Mittel, um des Flüchtlingsstroms err zu werden. So werden Flüchtlinge, die erst gar kein Schutzersuhen vortragen, zwar dazu aufgefordert, das Land zu erlassen; eine Ausreiseüberwachung oder sonstige Beeuung findet aber nicht statt. Zudem sind Rückführunen von Griechenland in andere Länder meistens prolematisch. Insbesondere Rückführungen in die Türkei, em Land also, aus dem fast alle asiatischen und afrikaischen Flüchtlinge nach Griechenland einreisen, könen kaum durchgeführt werden. Die Flüchtlinge werden chlicht sich selbst überlassen. Nicht viel besser sieht die Situation der Asylantragteller aus. Diese werden zwar im besten Fall als Asylsuhende registriert und erhalten ein „rosa Dokument“ it einer Gültigkeitsdauer von sechs Monaten. Mit die er Bescheinigung halten sie sich legal in Griechenland uf und sind berechtigt, zu arbeiten. Theoretisch haben ie einen Anspruch auf Unterkunft, Gesundheitsversorung und ein Recht auf Zugang zu Bildung. In der Praxis önnen diese Rechte aufgrund von Kapazitätsmängeln es soll zum Beispiel nur rund 700 Wohnplätze für Asylewerber geben – selten gewährleistet werden. Das Prolem beginnt allerdings schon damit, dass längst nicht lle Flüchtlinge die tatsächliche Möglichkeit haben, eien Asylantrag zu stellen und sich registrieren zu lassen. Die große Mehrheit der Asylanträge wird bei der usländerbehörde in der „Petrou Ralli-Straße“ in Athen earbeitet. Diese hat eine Kapazität zur Bearbeitung on maximal 80 Fällen am Tag, also maximal 400 Anägen in der Woche und im besten Fall 20 000 im Jahr. us eigener Anschauung weiß ich, dass es vielen Flüchtngen erst gar nicht gelingt, zu einem Schalter in der usländerbehörde vorzudringen. Wir haben bei unserer elegationsreise gesehen, dass Flüchtlinge unter freiem immel zu Hunderten vor der Ausländerbehörde ansteen, um überhaupt erst einen Termin zur Vorsprache zu rhalten. In der Praxis werden auch sie zumeist sich elbst überlassen. Uns wurde zwar gesagt, dass die Ausnderbehörde in Athen Dublin-II-Fälle bevorzugt be andelt; doch angesichts der geschilderten Eindrücke abe ich erhebliche Zweifel an der Durchführbarkeit ieser Aussage. Helmut Brandt gebene Reden Das in dem Antrag angesprochene Beobachtungsergebnis internationaler Menschenrechtsorganisationen, dass die Situation für Asylsuchende in Griechenland seit langem gegen internationale und europäische Standards für Verfahren zur Überprüfung der Flüchtlingseigenschaft verstößt und dass vor allem der Zugang zum Asylverfahren nicht gewährleistet ist, deckt sich mithin mit den Erfahrungen der Teilnehmer der Delegationsreise des Innenausschusses nach Griechenland. Von den gravierenden humanitären und sozialen Problemen bis hin zu sozialer Verelendung, die aus dem Fehlen fast jeglicher staatlicher Fürsorge für Flüchtlinge resultieren, konnten wir uns vor Ort leider selbst überzeugen. Entscheidend ist aber schließlich, dass sich das Bundesverfassungsgericht in sechs Beschlüssen dafür ausgesprochen hat, im Eilverfahren die Überstellung nach Griechenland in Dublin-II-Fällen zu stoppen. Das oberste deutsche Gericht hielt in diesen sechs Beschlüssen die Verletzung elementarer Rechte für die Zurückzuführenden für möglich. Im Beschluss 2 BvQ 56/09 führt das Bundesverfassungsgericht aus, dass „bereits die Erreichbarkeit des Antragstellers in Griechenland für die Durchführung des Hauptsacheverfahrens nicht sichergestellt“ sei, „sollte ihm, wie von ihm, gestützt auf ernstzunehmende Quellen, befürchtet, in Griechenland eine Registrierung faktisch unmöglich sein und ihm die Obdachlosigkeit drohen“. Und die Gefahr der Obdachlosigkeit realisiert sich für Flüchtlinge täglich hundertfach in Griechenland. Wenn selbst das Bundesverfassungsgericht die Gefahr sieht, dass die Rechte von Flüchtlingen bei einer Rückführung nach Griechenland verletzt werden, so darf sich die Bundesregierung dem nicht verschließen. Es kann nicht sein, dass sie die Rechte von Flüchtlingen weiter sehenden Auges gefährdet. Rückführungen nach Griechenland im Rahmen des Dublin-II-Verfahrens sind zumindest bis zur Entscheidung in der Hauptsache des Bundesverfassungsgerichts auszusetzen und die Prüfung des Asylantrages im Wege des Selbsteintrittsrechts durchzuführen. Ich möchte hier kurz erwähnen, dass es uns immerhin schon unter der Großen Koalition gelungen ist, zusammen mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine flexible Rückführungspraxis einzuführen, die besonders schutzbedürftige Personen von der Rückführung nach Griechenland ausgenommen hat. An dieser Stelle muss jedoch deutlich gesagt werden, dass wir uns in Zukunft als Europäer konkrete Gedanken über die Entwicklung eines echten Lastenteilungssystems in der EU machen müssen, das die Dublin-II-Verordnung als reinen Zuständigkeitsmechanismus sinnvoll ergänzt. Die Vermeidung der konstanten einseitigen Überlastung einzelner Staaten wie zum Beispiel Malta oder eben Griechenland ist erstens Voraussetzung für einen effektiven Flüchtlingsschutz und zweitens ein Gebot europäischer Solidarität. In diesem Sinne hat sich während unserer Delegationsreise nach Griechenland unsere Sorge bezüglich einiger hundert Zurückgeführter im Rahmen von Dublin II hin zu dem Massenphänomen der totalen V la h d G s D d s U M b V e s d w s te U e c r O c g w s a s s A b n la ih a In A M F d fü s c P d s a L m te re le E c Zu Protokoll ge (C (D erelendung von Flüchtlingen in den vollkommen übersteten Staaten der EU-Außengrenzen gewendet. Für eute empfehle ich jedoch aus den genannten Gründen ie Zustimmung zu dem Antrag von Bündnis 90/Die rünen. Hartfrid Wolff Ziel der Dublin-Verordnung ist es, den EU-Mitglied taat festzulegen, der für die Prüfung eines von einem rittstaatsangehörigen gestellten Asylantrages zustänig ist. Dadurch soll verhindert werden, dass eine Peron in mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen nion einen Asylantrag stellt. Zuständig ist meist der itgliedstaat, den der Antragsteller als Erstes in der EU etreten hat. Eine wichtige praktische Folge aus dieser erordnung ist, dass ein unzuständiger Mitgliedstaat die ntsprechenden Drittstaatsangehörigen an den als zutändig festgestellten Mitgliedsstaat abschiebt. Dort soll ann ein entsprechendes Asylverfahren durchgeführt erden. Die Abschiebungen nach Griechenland stehen bereits eit längerer Zeit unter massiver Kritik von den bekannn Organisationen Pro Asyl, Amnesty International und NHCR. Hauptprobleme sind dabei: Griechenland hat ine besonders geringe Anerkennungsquote für Asylsuhende. Asylsuchende werden bereits für die Durchfühung von Asylverfahren in Haftanlagen untergebracht. ft können sie gar keinen Asylantrag stellen. Anwaltli he Vertretung wird ihnen nicht gewährt. In die Überleungen muss andererseits sicherlich mit einbezogen erden, dass Griechenland aufgrund seiner geografi chen Lage eine besonders hohe Anzahl an Flüchtlingen ufzunehmen hat. Auch wird von allen Seiten, einchließlich des UNHCR und der EU, darauf hingewieen, dass Griechenland in den letzten Jahren erhebliche nstrengungen unternommen habe, um die Bedingungen ei den Asylverfahren zu verbessern, jedoch besteht achweislich noch deutlicher Nachholbedarf. Es ist zu begrüßen, dass die Bundesrepublik Deutschnd auf dem letzten Rat der Justizund Innenminister re Hilfe gegenüber Griechenland in praktischer Art ngeboten hat. Staatssekretär Peter Altmaier führte im nenausschuss vom 18. Juni 2008 aus, dass sich das ngebot der Bundesregierung auf die Entsendung von itarbeitern des Bundesamtes für Migration und lüchtlinge bezog. Diese sollten bei der Bewältigung er praktischen Probleme Hilfe leisten. Das Bundesamt r Migration und Flüchtlinge ist besonders angewie en, jeden Einzelfall der Rücküberstellung nach Griehenland sorgfältig zu überprüfen. Nach Angabe von ro Asyl werde auch generell bei besonders schutzwürigen Gruppen, wie Minderjährigen und Kranken beipielsweise, in Einzelfällen jeweils von der Abschiebung bgesehen. Es erscheint jedoch angesichts der prekären age der Asylantragsteller in Griechenland sinnvoll, omentan auf Rücküberstellungen dorthin zu verzichn. Die Bundesregierung sollte daher generell von ihm Selbsteinstrittsrecht Gebrauch machen. Ein generels Selbsteintrittsrecht nimmt momentan innerhalb uropas ausschließlich Norwegen wahr. Die diesbezüglihe Forderung der Grünen läuft letztlich auf eine deut Rüdiger Veit gebene Reden sche Sonderolle hinaus. Dies ist auf Dauer nicht vernünftig. Griechenland sollte nicht von seiner unabweisbaren Verpflichtung der Einhaltung der Menschenrechtsstandards bzw. der Vorgaben der EU bei den Asylverfahren entbunden werden. Allerdings ist mittelfristig eine gerechtere Verteilung der Lasten anzustreben. Da gerade die Bundesrepublik Deutschland in den 90er-Jahren die Hauptlast der Balkan-Flüchtlinge getragen hat, liegt die Verantwortung nun eigentlich bei anderen Staaten der EU. Es wäre wünschenswert, wenn auch die Grünen ihre an sich berechtigte Kritik vor allem an die Regierung Griechenlands, aber auch anderer EU-Staaten richteten, und nicht die Missstände in Griechenland zulasten Deutschlands entschuldigen. Wenn Europa flüchtlingsfreundlicher werden soll, darf kein Staat aus seiner Verantwortung für ein korrektes Verfahren entlassen werden. Der Antrag der Grünen ist aber ein Aufruf, die Situation in Griechenland zu lassen, wie sie ist, und die Probleme einfach nach Deutschland zu verlagern. Das ist inakzeptabel. Das Bundesverfassungsgericht hat in den vergange nen Monaten in mehreren Fällen entschieden, dass über Griechenland eingereiste Asylbewerber nicht zurückgeschoben werden dürfen. Nach der geltenden Rechtslage müssen Flüchtlinge in dem Staat ihr Asylverfahren betreiben, über den sie in die EU eingereist sind. In sechs Fällen hat das höchste deutsche Gericht die Rückschiebungen per einstweiliger Anordnung ausgesetzt. Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung keine Veranlassung sieht, von Rücküberstellungen nach Griechenland generell Abstand zu nehmen und das Asylverfahren in Deutschland zu betreiben. Wie eine Kleine Anfrage unserer Fraktion ergeben hat, gibt es ja nicht nur die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Auch zahlreiche Verwaltungsund Oberverwaltungsgerichte haben in die gleiche Richtung entschieden. Sogar das bayerische Staatsministerium des Innern hat angewiesen, von Rücküberstellungen nach Griechenland zunächst abzusehen. Nur die Bundesregierung stellt sich wieder einmal stur und schiebt Asylbewerber ins Elend ab. Denn genau das droht ihnen in Griechenland, weil die Versorgung von Flüchtlingen dort weiterhin die EUStandards verletzt. Das wird sich angesichts der schweren Haushaltsund Finanzkrise in Griechenland auch erst einmal nicht ändern. Das Bundesverfassungsgericht hat sich in seinen Entscheidungen auf diese Zustände im griechischen Asylsystem berufen. Das Gericht hat vor diesem Hintergrund aber auch allgemein Zweifel an der sogenannten Sichere-Drittstaaten-Regelung geäußert. Nach dieser Regelung gilt ein Asylantrag in Deutschland als unerheblich, wenn der Antragsteller über einen sicheren Drittstaat eingereist ist. Ob dieser Drittstaat im konkreten Fall wirklich sicher ist, wird im Asylverfahren nicht mehr geprüft. Auf dieser Grundlage funktioniert auch das Asylsystem der EU. In diesem Sinne will das Bun d n n ü r d d r li in is d C la T A li e D d m le ih m te d n A s a B s S E m s te S d m d E N A G d n m tr s e Zu Protokoll ge (C (D esverfassungsgericht seine eigene Rechtsprechung och einmal grundsätzlich überdenken. Daran anknüpfend, fordert die Fraktion der Grünen un, dass keine Asylbewerber mehr nach Griechenland berstellt werden sollen. Bis das Bundesverfassungsgeicht in der Hauptsache entschieden hat, solle die Bunesrepublik das Asylverfahren durchführen. Diese Forerung ist in der aktuellen Situation nahe liegend und ichtig. Aber sie geht am Kern des Problems vorbei. Der egt ganz woanders: Selbst die EU-Kommission musste zwischen einräumen, dass die EU weit davon entfernt t, ein harmonisches Asylsystem geschaffen zu haben, as wirklich allen Flüchtlingen in jedem Land gleiche hancen bietet, erfolgreich ein Asylverfahren zu durchufen. Die Zahlen sind ja bekannt: Während beispielsweise schetschenen in einigen EU-Staaten keine Chance auf syl haben, werden sie in anderen Ländern als Flüchtnge anerkannt. Auch bei irakischen Flüchtlingen gibt s EU-weit ganz unterschiedliche Anerkennungsquoten. avon abgesehen gibt es für jeden Flüchtling auch anere gute Motive, sich ein bestimmtes Land als Aufnaheland auszusuchen. Die Linke hat aus all diesen Gründen bereits in der tzten Legislaturperiode gefordert, dass Asylsuchende r Aufnahmeland eigenständig aussuchen können. Dait soll auch dem Problem begegnet werden, dass Staan an den Außengrenzen der EU, die sich mit der Zahl er Asylsuchenden in ihrem Land überfordert sehen, icht zu einer äußerst restriktiven Anerkennungsund ufnahmepraxis greifen, um weitere Flüchtlinge abzuchrecken. Die Bundesregierung, sowohl die letzte als auch die mtierende, betätigt sich auf europäischer Ebene als remserin des Ausbaus eines harmonisierten europäichen Asylsystems. Beispielsweise hat sich Wolfgang chäuble in die Phalanx derer eingereiht, die aus dem uropäischen Asylbüro einen zahnlosen Papiertiger geacht haben. Die Äußerungen seines Nachfolgers las en vermuten, dass die Misere des europäischen Asylsysms weitergehen wird. Der Antrag der Fraktion der Grünen ist uns in diesem inne nicht weitgehend genug. Jenen Schutzsuchenden, enen die Rückschiebung nach Griechenland droht, uss selbstverständlich geholfen werden. Das kann aber ie Weiterentwicklung des Flüchtlingsschutzes in der uropäischen Union nicht ersetzen. Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜEN)

Rolf Hempelmann (SPD):
Rede ID: ID1701930600




(A) )


(B) )

Marco Bülow (SPD):
Rede ID: ID1701930700




(A) )


(B) )

Dr. Martin Lindner (FDP):
Rede ID: ID1701930800




(A) )


(B) )

Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701930900




(A) )


(B) )

Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1701931000
Peter Hintze (CDU):
Rede ID: ID1701931100







(A) )


(B) )

Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701931200
Helmut Brandt (CDU):
Rede ID: ID1701931300

(A) )


(B) )





(A) )


(B) )

Rüdiger Veit (SPD):
Rede ID: ID1701931400




(A) )


(B) )





(A) )


(B) )

Ulla Jelpke (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1701931500
Das Bundesverfassungsgericht hat unterdessen die

ussetzung der Abschiebung von Asylsuchenden nach
riechenland im Rahmen des EU-Verteilungssystems,
er Dublin-II-Verordnung, in acht Einzelfällen angeord-
et. Das Gericht stützt sich dabei auf „ernst zu neh-
ende Quellen“, wonach eine ordnungsgemäße Regis-
ierung als Asylsuchender in Griechenland unmöglich

ein könnte. Trotz der mittlerweile ergangenen acht
instweiligen Anordnungen des Bundesverfassungsge-




Hartfrid Wolff (Rems-Murr)

gebene Reden






(A) (C)



(B) )


Josef Philip Winkler

richts betreibt das Bundesamt für Migration und Flücht-
linge weiterhin die Rückschiebung von Asylsuchenden
nach Griechenland. Dies wollen wir mit dem vorliegen-
den Antrag verhindern.

Denn das Asylverfahren in Griechenland ist weiter-
hin eine Frage des Zufallsprinzips. Nicht nur Pro Asyl
und Human Rights Watch, sondern auch der UNHCR

bruar 2003, Dublin-II-Verordnung) angeordnet. Dafür
war wie in dem der einstweiligen Anordnung vom
8. September 2009 – 2 BvQ 56/09 – zugrunde liegenden
Fall ausschlaggebend, dass möglicherweise bereits mit
der Abschiebung oder in ihrer Folge eintretende Rechts-
beeinträchtigungen nicht mehr verhindert oder rückgän-
gig gemacht werden könnten.
berichten, dass das Asylverfahren in Griechenland in
vielerlei Hinsicht an erheblichen Mängeln leidet. Von ei-
nem fairen Verfahren, wie es nach dem internationalen
Flüchtlingsrecht und den EU-Richtlinien über die Auf-
nahme von Flüchtlingen, die Durchführung des Asylver-
fahrens und die Kriterien für die Anerkennung als
Flüchtling vorgesehen ist, kann man nicht sprechen. So
kommen Inhaftierungen ohne Haftgrund vor, Dolmet-
scher bei der Befragung über die Fluchtgründe sind
nicht garantiert, es gibt keine Unterbringung während
des Asylverfahrens, der Zugang zur zentralen Asylbe-
hörde in Athen ist nur an einem einzigen Tag möglich.
Dies alles räumt das BMI auch in zahlreichen Stellung-
nahmen an den Petitionsausschuss des Bundestages ein,
will die Menschen aber dennoch weiter zurückschicken.

Das ist aus grüner Sicht untragbar, denn Deutschland
trägt angesichts dieser dem Bundesinnenministerium
schon länger bekannten Situation in Griechenland ge-
rade auch für rücküberstellte Personen aus Deutschland
eine Mitverantwortung. Aus unserer Sicht sollte
Deutschland die Asylverfahren hier in Deutschland
durchführen.

Auch bei hohen Zugangszahlen von Asylantragstel-
lern muss ein faires Verfahren unter Einhaltung der Min-
deststandards aus der EU-Flüchtlingsaufnahme-Richtli-
nie, der EU-Asylverfahrens-Richtlinie und der EU-
Qualifikations-Richtlinie erfolgen.

Die südlichen Außengrenzländer der EU haben mit
einer großen Zahl schutzsuchender Menschen zu tun:
Griechenland vor allem mit Flüchtlingen aus dem Irak,
Afghanistan, Iran. Viele dieser Menschen haben
schwerste Menschenrechtsverletzungen durchlitten und
suchen nach einem sicheren Platz. Deutschland sollte
sich intensiv für eine Neuregelung der Verteilungsrege-
lung innerhalb der EU einsetzen. Bis zu einer Neurege-
lung darf aber das Prinzip der „Verknappung von
Zugangsmöglichkeiten zum Asylverfahren“ in Griechen-
land nicht weiterpraktiziert werden. Denn es trifft Opfer
von Menschenrechtsverletzungen. Dies ist nicht hinzu-
nehmen.

Bestätigt in dieser Haltung fühlen wir uns auch durch
das Bundesverfassungsgericht: Dieses hat erneut mit
Beschluss vom 8. Dezember 2009 (2 BvR 2780/09) die
Aussetzung der Abschiebung eines Asylsuchenden nach
Griechenland im Rahmen des EU-Verteilungssystems
(Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Fe-

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Zwar wird die Rückschiebung besonders schutzbe-
ürftiger Flüchtlinge nach Griechenland in der Regel
icht vollzogen, die Argumentation des Bundesamtes für
igration und Flüchtlinge, dass man von Asylbewer-

ern, die nicht besonders schutzbedürftig sind, erwarten
önne, dass sie auch unter gegebenenfalls erschwerten
edingungen das Asylverfahren in Griechenland durch-
hrten – Drucksache 16/14149 (neu) –, ist aber men-

chenrechtlich höchst bedenklich.

Die Antragsteller der bisherigen positiven Eilverfah-
n vor dem Bundesverfassungsgericht gehörten gerade

icht dem Kreis besonders schutzbedürftiger Personen
n, bei denen die Bundesrepublik Deutschland vom
elbsteintrittsrecht gemäß Art. 3 Abs. 2 der Dublin-II-
erordnung Gebrauch macht.

Wenn aber das Bundesverfassungsgericht die Verlet-
ung elementarer Rechte in Griechenland für möglich
ält und deswegen nach einer Abwägung die Rückfüh-
ung unterbindet, darf sich die Bundesregierung dem
icht verschließen. Dennoch Rückführungen vorzuneh-
en, ist nicht nur eine Brüskierung des Bundesverfas-

ungsgerichts, sondern heißt auch, die Menschenwürde
er Asylsuchenden sehenden Auges zu gefährden.

Daher fordern wir, Rückschiebungen nach Griechen-
nd im Rahmen des Dublin-II-Verfahrens sofort bis zur
auptsacheentscheidung des Bundesverfassungsge-

ichts auszusetzen und die Prüfung der Asylanträge im
ahmen des Selbsteintritts im nationalen Asylverfahren
urchzuführen.


Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1701931600

Interfraktionell wird die Überweisung der Vorlage auf

rucksache 17/449 an den Innenausschuss vorgeschla-
en. Sind Sie damit einverstanden? – Das ist der Fall.
ann ist die Überweisung so beschlossen.

Damit sind wir am Schluss der heutigen Tagesord-
ung.

Ich berufe die nächste Sitzung des Deutschen Bun-
estages auf morgen, Freitag, 29. Januar 2010, 9 Uhr,
in.

Ich schließe die Sitzung, wünsche Ihnen allen noch
inen schönen Abend und den Freunden aus der FDP
ine schöne Geburtstagsfeier.