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ID1820202000

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/202 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 202. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 23. November 2016 Inhalt: Tagesordnungspunkt I (Fortsetzung): a) Zweite Beratung des von der Bundes- regierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haus- haltsjahr 2017 (Haushaltsgesetz 2017) Drucksachen 18/9200, 18/9202 . . . . . . . 20159 A b) Beratung der Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses zu der Un- terrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2016 bis 2020 Drucksachen 18/9201, 18/9202, 18/9827 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20159 B I .9 Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzler- amt Drucksachen 18/9824, 18/9825 . . . . . . . 20159 B Dr . Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) . . . . . . 20159 C Dr . Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . 20165 B Dr . Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20172 B Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 20175 D Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20179 C Thomas Jurk (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20182 B Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 20184 A Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 20186 D Antje Tillmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20188 C Dennis Rohde (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20190 A Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20192 A Sigrid Hupach (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 20193 D Marco Wanderwitz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 20194 D Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20196 B Martin Dörmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20197 D Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20199 B Hiltrud Lotze (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20200 B Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . . 20201 C Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20203 C I .10 Einzelplan 05 Auswärtiges Amt Drucksachen 18/9805, 18/9824 . . . . . . . 20201 D Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 20201 D Doris Barnett (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20206 A Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20208 A Alois Karl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20209 A Dr . Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20211 B Stefan Liebich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 20213 C Roderich Kiesewetter (CDU/CSU) . . . . . . . . . 20214 D Manuel Sarrazin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20216 C Erika Steinbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 20217 D Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20218 D Dr . Bernd Fabritius (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 20219 D Karl-Heinz Wange (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 20221 B Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 202 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 23 . November 2016II I .11 Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Drucksachen 18/9813, 18/9824 . . . . . . . 20222 B Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 20222 C Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 20223 D Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20225 A Karin Evers-Meyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 20226 D Dr . Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20228 C Christine Buchholz (DIE LINKE) . . . . . . . . . 20231 A Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20232 B Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20234 A Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 20234 D Gabi Weber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20237 A Ingo Gädechens (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 20238 A Heidtrud Henn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20239 C I .12 Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftli- che Zusammenarbeit und Entwick- lung Drucksachen 18/9824, 18/9825 . . . . . . . 20240 B Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 20240 C Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20241 D Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20243 B Axel Schäfer (Bochum) (SPD) . . . . . . . . . . . . 20244 C Dr . Gerd Müller, Bundesminister BMZ . . . . . 20245 D Niema Movassat (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 20248 B Sonja Steffen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20249 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20250 D Jürgen Klimke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20252 A Gabi Weber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20253 A Johannes Selle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20254 A Stefan Rebmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20255 A Sibylle Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20256 C Niema Movassat (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 20258 C Sibylle Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 20259 A Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20259 D Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 20261 A (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 202 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 23 . November 2016 20159 202. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 23. November 2016 Beginn: 9 .00 Uhr
  • folderAnlagen
    Niema Movassat (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 202 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 23 . November 2016 20261 Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Beck (Köln), Volker BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 23 .11 .2016 Connemann, Gitta CDU/CSU 23 .11 .2016 De Ridder, Dr . Daniela SPD 23 .11 .2016 Gleicke, Iris SPD 23 .11 .2016 Gysi, Dr . Gregor DIE LINKE 23 .11 .2016 Heller, Uda CDU/CSU 23 .11 .2016 Hennrich, Michael CDU/CSU 23 .11 .2016 Hintze, Peter CDU/CSU 23 .11 .2016 Hirte, Dr . Heribert CDU/CSU 23 .11 .2016 Kofler, Dr. Bärbel SPD 23 .11 .2016 Kretschmer, Michael CDU/CSU 23 .11 .2016 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Marwitz, Hans-Georg von der CDU/CSU 23 .11 .2016 Möhring, Cornelia DIE LINKE 23 .11 .2016 Schimke, Jana CDU/CSU 23 .11 .2016 Schlecht, Michael DIE LINKE 23 .11 .2016 Schnieder, Patrick CDU/CSU 23 .11 .2016 Strebl, Matthäus CDU/CSU 23 .11 .2016 Tank, Azize DIE LINKE 23 .11 .2016 Timmermann-Fechter, Astrid CDU/CSU 23 .11 .2016 Wawzyniak, Halina DIE LINKE 23 .11 .2016 Zeulner, Emmi * CDU/CSU 23 .11 .2016 *aufgrund gesetzlichen Mutterschutzes Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de 202. Sitzung Inhaltsverzeichnis EPL 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt EPL 05 Auswärtiges Amt EPL 14 Verteidigung EPL 23 Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dennis Rohde


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen

    und Kollegen! Wir hören in dieser Woche viel darüber,
    was die einzelnen Fraktionen im Bundeshaushalt 2017
    erreicht haben, was sie gerne erreicht hätten, wo sie
    sich durchgesetzt haben oder vielleicht auch nicht . Ich
    finde aber, wir müssen bei allem, was wir machen, ne-
    ben den konkreten haushaltspolitischen Entscheidungen
    auch ganz grundsätzlich die Frage beantworten, welche
    Form des Zusammenlebens und der gesellschaftlichen
    Ordnung wir uns eigentlich vorstellen . Ich glaube, zwei
    Fragen hängen da ganz eng zusammen . Die eine Frage
    ist: Wie soll unser Land eigentlich in 10, 20 oder 30 Jah-
    ren aussehen? Die andere Frage lautet: Was ist eigentlich
    das große Ganze, für das wir in diesem Bundeshaushalt
    329 Milliarden Euro ausgeben?

    Gerade in Zeiten gefühlter Unsicherheit ist es wichtig,
    eine klare Vorstellung von gesellschaftlichem Miteinan-
    der zu formulieren . Das bedeutet für uns alle, sich der
    Sorgen der Menschen anzunehmen, zu versuchen, ihre
    Unsicherheiten und Ängste zu verstehen, statt sie abzu-
    tun, und die Menschen erst recht nicht für ihr Wahlver-
    halten zu beschimpfen .


    (Beifall bei der SPD)


    Es sind ja grundsätzliche Fragen, die uns erreichen:
    Kann ich in Deutschland noch sicher leben? Ist meine
    Rente und ist die Rente meiner Kinder und Enkelkinder
    noch sicher? Schaffen wir die Integration von Schutzsu-
    chenden, und wie schaffen wir sie? Was ist unsere Ant-
    wort auf die Verrohung der Sprache und die zum Teil wü-
    tende Vehemenz der Auseinandersetzung? Oder – ganz
    grundsätzlich –: Kann ich es eigentlich verantworten,
    Kinder in diese Welt zu setzen? Kann ich mich zeitlich
    um sie kümmern und ihnen ein gesichertes Zuhause
    bieten? Das sind einige der grundsätzlichen Fragen, die

    mich in den letzten Wochen und Monaten in Bürgerge-
    sprächen und Veranstaltungen erreicht haben . Ich glaube,
    sie betreffen uns alle und wir alle haben sie so oder so
    ähnlich bereits gestellt bekommen .

    Ich glaube, man muss oder man sollte als Abgeordne-
    ter Ideale haben, an denen man sich orientiert . Gleich-
    zeitig müssen wir aber auch auf diese konkreten Fragen
    konkrete Antworten finden. Wir müssen die Frage beant-
    worten: Wie soll eigentlich unsere Zukunft, wie soll die
    Zukunft unseres Landes aussehen? Meine Vorstellung ist
    die einer freien Gesellschaft, die Solidarität, Gerechtig-
    keit und das Miteinander lebt und auch verteidigt, einer
    Gesellschaft, in der Respekt, Freiheit und Sicherheit im
    Zentrum der Wertvorstellungen stehen . Dabei ist mir
    aber wichtig: Sicherheit meint nicht nur Sicherheit vor
    Terror oder Gewalt, sondern auch Sicherheit bei der Ren-
    te, Sicherheit im Krankheitsfall, bei der Kinderbetreuung
    oder beim Finden eines geeigneten Arbeitsplatzes .

    Das Ganze hat zentral etwas mit Respekt zu tun . Denn
    wenn wir richtigerweise von den Menschen, die hier le-
    ben, von den Menschen, die zu uns kommen, erwarten,
    dass sie unsere Verfassung, unsere demokratische Grund-
    ordnung, unsere Gesetze respektieren, dann müssen wir
    gleichzeitig als Abgeordnete die Leistungen und die Sor-
    gen der Menschen in unserem Land respektieren .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg . Andreas Mattfeldt [CDU/CSU])


    Deshalb haben wir in dieser Legislaturperiode beispiels-
    weise den Mindestlohn eingeführt . Denn wir schätzen
    nicht nur die Leistung gut bezahlter Führungskräfte, son-
    dern jede Arbeitsleistung in unserem Land, und deshalb
    ist es unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass niemand in
    diesem Land weniger verdient, als der Mindestlohn es
    vorgibt; das gebietet uns der Respekt vor der Leistung
    der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie des Abg . Heinz Wiese [Ehingen] [CDU/CSU])


    Respekt bedeutet für mich auch, dass Männer und
    Frauen in Deutschland für die gleiche Arbeit den glei-
    chen Lohn bekommen .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


    Ich finde,  es  ist  schlichtweg  eine Schande  für  ein  fort-
    schrittliches Land wie unseres, dass Frauen bei uns für
    die gleiche Arbeit weniger bekommen als Männer . Ein
    Land, das die Gleichberechtigung als Staatsziel in der
    Verfassung hat, muss auch den Respekt für die Arbeits-
    leistung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt herstellen . In
    meiner Vorstellung verdienen Männer und Frauen das
    gleiche Geld für die gleiche Arbeit .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


    Es hat auch etwas mit fehlendem Respekt zu tun, dass
    Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere jun-
    ge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, oftmals von
    einer Befristung in die andere geschickt werden, dass
    ihr Arbeitsplatz immer nur auf Zeit besteht, dass manch
    einer als Leiharbeitnehmer gar schlechtere Bedingun-

    Antje Tillmann






    (A) (C)



    (B) (D)


    gen vorfindet als andere, die denselben Job machen. Ich 
    finde,  es  ist  inakzeptabel  und  respektlos, wenn Arbeit-
    nehmerinnen und Arbeitnehmer voll in den Arbeitsbe-
    trieb integriert werden, während durch abenteuerliche
    Werkvertragskonstruktionen die Verletzung sämtlicher
    Schutzrechte hingenommen wird . Das ist nicht meine
    Vorstellung von einem respektvollen Miteinander .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Hier wurde gerade um eine Lösung gerungen . Hier
    wird es Verbesserungen geben . Aber unser Konzept
    bleibt klar „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ab dem ers-
    ten Tag“, liebe Kolleginnen und Kollegen .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Wir reden über Altersarmut . Wir reden darüber, ob
    jemand, der sein Leben lang gearbeitet hat, mit seiner
    Rente auch auskommt, ob er davon seine Miete bezahlen
    kann, ob er seinen Einkauf erledigen kann, ob er seine
    verdiente Freizeit würdig und nach seinen Wünschen
    verbringen kann . Wir haben auf dem Weg dahin einige
    Fortschritte in dieser Legislatur gemacht . Wir haben ein
    Rentenpaket verabschiedet . Wir haben die Mütterrente
    und die Erwerbsminderungsrente verbessert, auch wenn
    ich mir wünschen würde, dass wir die Mütterrente künf-
    tig aus dem Steueraufkommen und nicht zulasten der
    Beitragszahlerinnen und Beitragszahler finanzieren. 


    (Beifall bei der SPD)


    Wir investieren in Mehrgenerationenhäuser . Wir ha-
    ben die Mittel für das Programm „Soziale Stadt“ um
    300 Millionen Euro erhöht . Wir haben im parlamenta-
    rischen Verfahren das Programm „Altersgerecht Um-
    bauen“ mit 75 Millionen Euro verlängert . Das alles sind
    wichtige Etappen auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in
    der der Lebensleistung Respekt entgegengebracht wird .


    (Beifall bei der SPD)


    Für mich gehört zu Deutschland aber auch dazu, dass
    wir bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Ernst
    machen . Das gilt für Familien mit zwei Elternteilen wie
    auch für Alleinerziehende . Die Flexibilität von Arbeits-
    verhältnissen darf nicht zulasten derjenigen gehen, die
    die Leistung erbringen und trotzdem eine Familie grün-
    den wollen . Deshalb sage ich: Die 750 Millionen Euro
    für den Bau und Betrieb von Kindertagesstätten, das El-
    terngeld Plus und insbesondere die Verbesserungen beim
    Unterhaltsvorschuss kommen zur rechten Zeit . Wir wer-
    den noch weitere Anstrengungen unternehmen müssen,
    um in die Zukunft Deutschlands zu investieren .


    (Beifall bei der SPD)


    Liebe Kolleginnen und Kollegen, erlauben Sie mir
    eine kurze Zusatzbemerkung . Kinderrechte haben es
    bei uns bedauerlicherweise noch nicht in die Verfassung
    geschafft . Es sollte uns trotzdem oder gerade deswegen
    bewusst sein, dass insbesondere die Jüngsten in unserer
    Gesellschaft die Wehrlosesten sind und dementsprechend

    besonderer Aufmerksamkeit und des besonderen Schut-
    zes von uns allen bedürfen .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Der Grundstein für einen guten Start ins Leben liegt in
    der Kommune . Er liegt in unseren Gemeinden und Städ-
    ten . Er liegt bei uns vor der Haustür . Finanziell schlecht
    ausgestattete Kommunen bedeuten auch schlechte Start-
    voraussetzungen für die Jüngsten . Eine arme Kommune
    kann  zwangsläufig  weniger  Kindertagesstätten  vorhal-
    ten, oder sie muss sie schlechter ausstatten . Eine arme
    Kommune kann nicht so viel Geld für die Ausstattung
    und die Renovierung von Schulen in die Hand nehmen .
    Eine arme Kommune muss zwangsläufig über die Ein-
    schränkung von freiwilligen Leistungen, die Schließung
    von Bibliotheken oder Schwimmbädern diskutieren . Ge-
    rade darunter leiden besonders die Jüngsten in unserer
    Gesellschaft .

    Daher, ganz egal ob wir selbst kommunalpolitisch ak-
    tiv sind: Wir haben den hohen Stellenwert unserer Städte
    und Gemeinden zu respektieren . Wer Kommunen aus-
    bluten lässt, der trifft damit besonders die Schwächsten
    in unserer Gesellschaft . Von daher war es richtig, dass
    diese Koalition die Kommunen so stark entlastet hat wie
    nie jemand zuvor . Wir respektieren die Leistung, die vor
    Ort erbracht wird . Diesen Weg sollten wir beibehalten,
    liebe Kolleginnen und Kollegen .


    (Beifall bei der SPD)


    Wir müssen auch wollen, dass diese Leistung, das,
    was Städte anbieten, auch weiterhin allen zugutekommt .
    Ich beobachte mit großer Sorge, was sich momentan in
    den Ballungsräumen, in unseren Städten abspielt . Wenn
    Mietpreise Dimensionen erreichen, die sich nur noch
    gutsituierte Mieterinnen und Mieter leisten können, dann
    dürfen wir das nicht ignorieren . Unsere Städte gehören
    allen, liebe Kolleginnen und Kollegen .


    (Beifall bei der SPD)


    Wir haben die Mietpreisbremse auf den Weg gebracht,
    um die Entwicklung zumindest etwas zu dämpfen . Uns
    ist klar: Wenn das nicht so funktioniert, wie wir es uns
    vorgestellt haben, dann werden wir dort nachbessern
    müssen.  Ich finde, dort, wo mehr Menschen hinziehen, 
    muss auch mehr gebaut werden, aber nicht nur im Luxus-
    bereich, sondern bezahlbar für alle .

    Es war daher richtig, dass wir die Mittel für den sozi-
    alen Wohnungsbau, für den sozialen Städtebau zunächst
    verdoppelt und jetzt verdreifacht haben . Eine Rechnung
    sollten wir alle aufmachen können: Wenn die Mietpreise
    weiter in die eine Richtung gehen und das Rentenniveau
    weiter in die andere Richtung geht, dann nehmen wir un-
    seren künftigen Rentnerinnen und Rentnern ihre Heimat .
    Innenstädte zu verwaisten Luxusgegenden umzugestal-
    ten, gehört ausgesprochen nicht zu meinem Verständnis
    von Respekt und Anstand, liebe Kolleginnen und Kolle-
    gen .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Dennis Rohde






    (A) (C)



    (B) (D)


    In meiner Vorstellung von unserer Gesellschaft muss nie-
    mand aus der Stadt wegziehen, weil er sich die Mieten
    nicht mehr leisten kann oder weil es zu wenig Wohnraum
    gibt .

    Wir haben in den vier Haushalten dieser Legislatur ei-
    niges auf den Weg gebracht . Einiges liegt aber noch vor
    uns . Nicht alles kann man dabei rein mit Geld lösen . Un-
    sere Aufgabe ist dabei klar: Wir wollen die Gesellschaft
    zusammenhalten . Wir wollen keine Gesellschaft derer,
    die dazugehören, und derer, die außen vor bleiben müs-
    sen. Alle müssen dieselben Chancen, Pflichten, aber auch 
    Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten haben . Lassen Sie
    uns daran arbeiten – überall und jeden Tag .

    Vielen Dank .


    (Beifall bei der SPD)




Rede von Petra Pau
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)

Das Wort hat der Kollege Rüdiger Kruse für die CDU/

CSU-Fraktion .


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Rüdiger Kruse


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und

    Herren! Streng genommen haben nicht so viele zum
    Thema geredet. Wir befinden uns ja bei den Beratungen 
    zum Einzelplan 04. Zu  ihm findet  inzwischen eine Ge-
    neraldebatte statt; das macht es ja auch spannend . Aber
    eigentlich könnten wir über das Bundespresseamt, über
    Integration, auch über die Nachhaltigkeit und, ja, über
    Kultur reden . Deswegen kommt bei dieser Debatte auch
    immer der Hinweis aus der kulturell interessierten Szene,
    man möge doch die Kultur endlich einmal vom Appen-
    dixcharakter befreien und ihr ein eigenes Ministerium
    schenken . Ist gut gemeint und klingt nach Höherwertung .
    Ich glaube, das Gegenteil wäre der Fall .

    Es gäbe dann ein weiteres Ministerium, das allerdings
    nicht das größte wäre und damit auch nicht den Platz in
    dieser Aussprache hätte . Das wäre dann nur noch höchst
    selten der Fall, zum Beispiel wenn wir es schaffen, einen
    Kulturskandal in Deutschland hinzulegen; aber ansons-
    ten wäre es in dieser Generaldebatte nicht präsent . So ist
    es immer dabei .

    Dann kann man sich überlegen: Würde es besser
    dastehen? Würde es mehr Geld bekommen? Über die
    letzten zehn Jahre ist der Etat von gut 1 Milliarde auf
    1,6 Milliarden Euro in 2017 angewachsen . Das schafft
    nicht  jedes Ministerium; das würde auch der Bundesfi-
    nanzminister nicht mitmachen .

    Damit sind wir natürlich bei einem anderen Thema:
    Es muss immer so sein, dass die Zuständigen, hier die
    Chefin des Bundeskanzleramtes und auch der Bundesfi-
    nanzminister, eine Affinität zum Thema haben. Nur dann 
    kann das funktionieren . In Berlin kann man ja sehen, wie
    personenabhängig das Thema Kultur ist: In einer Senats-
    kanzlei kann man es unterbringen, wenn der Chef selber
    es für ein wichtiges Thema hält . Hat man einen Chef,
    der mit Kultur nicht so viel anfangen kann, reüssiert das

    Thema auch nicht . Aber da müssen wir uns in dieser Ko-
    alition keine Sorgen machen . Bei uns hat es einen hohen
    Stellenwert .

    Hat es denn auch die Sichtbarkeit? Da braucht man
    sich nur anzuschauen, wer die zuständige Staatsminis-
    terin ist, und dann ist die Antwort gegeben: Es hat eine
    hohe Sichtbarkeit . – Eigentlich können wir ja auch zu-
    frieden sein, dass das fast das einzige Thema ist, mit dem
    wir uns jetzt auseinandersetzen .

    Außerdem gibt es noch ein kleines Thema: Die Linke
    beantragt kostenlosen Eintritt in die Museen . Das ist aber
    nichts anderes als ein Hase-und-Igel-Spiel . Der Igel ist
    dabei die Staatsministerin, weil sie dieses Thema aufge-
    worfen hat . Sie hat das für das Humboldt Forum angeregt
    und gesagt: Wo wir jetzt schon dieses Museum bauen,
    wollen wir einmal den britischen Weg gehen und kosten-
    losen Eintritt für die Dauerausstellung anbieten . – Darü-
    ber kann man diskutieren, muss man diskutieren; aber es
    ist auch ein Luxus, dass wir darüber diskutieren können .

    Denn bei einer anderen Ausstellung wären wir jetzt
    eigentlich im Vorfeld der Eröffnung, nämlich bei der
    Ausstellung der Bilder aus dem Teheraner Museum für
    moderne Kunst . Diese sind 1979 – da gab es dort die Re-
    volution – immerhin nicht verbrannt worden . Es handelt
    sich um die größte Sammlung der westlichen Moderne
    außerhalb der westlichen Welt, zusammengetragen von
    der Ehefrau des Schahs von Persien, die nicht klassischer-
    weise wie andere Diktatorenfrauen Schuhe gesammelt
    hat, sondern moderne Kunst . Immerhin sind diese Bilder
    nicht verbrannt worden, aber sie werden seit 1979 – mit
    einer Unterbrechung – im Keller verwahrt . Die sollten da
    jetzt einmal heraus . Im Moment gestaltet sich das aber
    schwierig . Wir können es uns in unserer Welt gar nicht
    vorstellen, dass solche Bilder nicht gezeigt werden kön-
    nen und welcher Aufwand es ist, darüber zu verhandeln .
    Wir wollten diese Bilder gerne zusammen mit denen von
    heutigen Künstlern aus dem Iran zeigen . Dieses Beispiel
    zeigt aber auch, in welch einer guten Situation wir sind .

    Natürlich leben wir nicht im Paradies, übrigens
    auch deswegen nicht, weil eine der Vorbedingungen
    für das Paradies ist, dass man tot ist . Wenn Sie, Frau
    Wagenknecht, aber auf den Normalbürger abstellen – ich
    würde einmal sagen: Normalbürger sind 90 Prozent der
    Menschen – und behaupten, dass der Normalbürger in
    diesem Land ums Überleben kämpfe, dann ist das jen-
    seits von aller Wirklichkeit, und es ist auch eine absolut
    kindische Selbstbetrachtung, wenn ich mir den Rest der
    Welt anschaue .


    (Matthias W . Birkwald [DIE LINKE]: Machen Sie Bürgersprechstunden?)


    – Ja, ich mache Bürgersprechstunden . Da sind Sie über-
    rascht, oder?


    (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Dennis Rohde






    (A) (C)



    (B) (D)


    Wissen Sie eigentlich, wodurch man Volkspartei wird?
    Dadurch, dass man sehr viel mit Bürgern zu tun hat . Das
    müssen Sie uns also nicht erklären .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Harald Petzold [Havelland] [DIE LINKE]: Das können Sie aber gut verbergen, Herr Kollege!)


    Sie sagen, die Normalbürger, 90 Prozent der Men-
    schen, kämpfen ums Überleben . Ich kenne Länder auf
    dieser Welt – Sie auch –, in denen das wirklich der Fall
    ist . Hier ist das nicht so . Das heißt nicht, dass wir alles
    schön und rosig und fertig hätten . Sonst bräuchte man
    uns ja auch nicht .

    Aber diese Argumentation ist gefährlich; denn Sie
    richten damit etwas an . Stellen Sie sich einmal vor, diese
    Normalbürger, diese 90 Prozent, würden Ihnen das ir-
    gendwann glauben, weil sie es ständig hören . Seien Sie
    mal nicht so sicher, dass dieser Populismus mit Ihnen
    nach Hause geht; aber es wird jemand kommen, der das
    einsammelt, und dann haben wir alle den Schaden .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


    Es ist immer so, dass die Solidarität der Gemeinschaft
    und die Demokratie von den Rändern her bedroht wer-
    den . Entschieden wird es aber in der Mitte . Wenn die
    Menschen aus der Mitte anfangen, die Argumentations-
    modelle von extrem links oder extrem rechts zu überneh-
    men, dann ist das Schiff verloren; dann sind wir in Not .
    Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall .

    In dieser Debatte ist es auch um die Frage gegangen,
    mit wem man etwas umsetzen kann . Wenn eine Regie-
    rung handelt, ist es tatsächlich so, dass einem nicht alles
    sofort gelingt .

    Das ist, glaube ich, auch der Grund, warum die Grü-
    nen nicht in der Regierung sind . Herr Hofreiter, Sie ha-
    ben ja die Gelegenheit gehabt, die Energiewende mit
    uns umzugestalten und weiterzuentwickeln . Das wäre
    vielleicht ein sehr spannendes Modell gewesen . Aber Sie
    haben nicht den nötigen Pragmatismus gehabt, sondern
    sind damals nach der Wahl, die nicht so ausgegangen ist,
    wie Sie sich das gewünscht hatten – es gab auch andere,
    die sich etwas anderes gewünscht hatten –, lieber in die
    Teestube verschwunden und haben sich mit sich selber
    beschäftigt . Das hat Konsequenzen .

    Ich würde schon sagen, dass es vielleicht spannender
    wäre, gewisse Themen einmal mit Ihnen zu entwickeln .
    Aber verlässlicher für dieses Land ist es, wenn wir das
    mit den Sozialdemokraten machen . Noch lieber wäre es
    mir natürlich, wenn wir das alleine tun könnten .


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: Das kann ja kommen! Wir sind kurz davor!)


    Dazu müssen wir auch den Mut haben . Wir müssen
    schon unsere Politik verfolgen . Das werden wir auch im
    guten Dialog in diesem Wahlkampf machen . Man muss
    sich schon so darstellen, dass man deutlich macht: Wir

    wollen alleine regieren; die zweitbeste Lösung ist eine
    gute Koalition .

    Um wieder zum Kulturbereich zu kommen: Die Er-
    gebnisse dessen, was wir als Bund auf die Beine gestellt
    haben, wirken im ganzen Land . Es ist zwar nicht die Auf-
    gabe des Bundes, überall etwas zu tun . Aber inzwischen
    tut er überall etwas . Wir tun das zusätzlich; denn wir wis-
    sen, dass wir gar nicht die Leistungen der Kommunen
    ersetzen können .

    Auch da gibt es unterschiedliche Reaktionen . Ich
    greife ein Beispiel heraus: In Berlin haben wir sehr viel
    gemacht, weil es ja auch unsere Hauptstadt ist . Wir ha-
    ben die Staatsbibliothek mit einem Ankaufsetat versehen
    und stellen ihr Geld für längere Öffnungszeiten und den
    Verzicht auf Nutzungsgebühren zur Verfügung . Letzte-
    res liegt eigentlich nicht im großen nationalen Interesse .
    Aber es hilft den Menschen in Berlin und ist ein Angebot,
    Bildungschancen anzunehmen . Wenn dann die neue Kul-
    turverwaltung von Berlin sagt: „Das Erste, was wir tun
    wollen, ist, die Zuschüsse für die Stiftung Preußischer
    Kulturbesitz, die Trägerin dieser Bibliothek ist, zu de-
    ckeln und nicht mehr mitzuziehen“, finde ich das unmög-
    lich . Das ist nicht im Interesse dieser Stadt und nicht im
    Interesse dieses Landes .


    (Volker Kauder [CDU/CSU]: Das merken wir uns für das nächste Mal!)


    Danke .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Johannes Kahrs [SPD]: Gute Rede!)