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ID1817704900

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/177 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 177. Sitzung Berlin, Freitag, den 10. Juni 2016 Inhalt: Tagesordnungspunkt 28: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Reform des Bauvertragsrechts und zur Än- derung der kaufrechtlichen Mängelhaftung Drucksache 18/8486 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17473 A Heiko Maas, Bundesminister BMJV . . . . . . . 17473 B Karin Binder (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 17474 D Dr . Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) . . . . . . 17476 B Christian Kühn (Tübingen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . 17478 D Dr . Johannes Fechner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 17480 D Alexander Hoffmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . 17482 A Sabine Poschmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 17483 C Volkmar Vogel (Kleinsaara) (CDU/CSU) . . . . 17484 A Tagesordnungspunkt 30: Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Deutsch-indi- sche Bildungs- und Wissenschaftskoopera- tion ausbauen Drucksache 18/8708 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17485 C Dr . Stefan Kaufmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . 17485 D Dr . Rosemarie Hein (DIE LINKE) . . . . . . . . . 17487 A Dr . Simone Raatz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 17488 A Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17489 B Dr . Thomas Feist (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 17490 C Swen Schulz (Spandau) (SPD) . . . . . . . . . . . . 17491 D Dr . Claudia Lücking-Michel (CDU/CSU) . . . 17492 D Tagesordnungspunkt 29: a) Erste Beratung des von den Abgeordne- ten Irene Mihalic, Luise Amtsberg, Volker Beck (Köln), weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die unabhängige Polizeibeauftrag- te oder den unabhängigen Polizeibeauf- tragten des Bundes (Bundespolizeibe- auftragtengesetz – BPolBeauftrG) Drucksache 18/7616 . . . . . . . . . . . . . . . . . 17494 A b) Antrag der Abgeordneten Irene Mihalic, Luise Amtsberg, Volker Beck (Köln), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Aufklärung polizeilichen Fehlverhaltens erleichtern – Ergänzung zum Entwurf eines Gesetzes über die unabhängige Polizeibeauftragte oder den unabhängigen Polizeibeauftrag- ten des Bundes (Bundespolizeibeauftrag- tengesetz – BPolBeauftrG) Drucksache 18/7617 . . . . . . . . . . . . . . . . . 17494 A c) Antrag der Abgeordneten Irene Mihalic, Luise Amtsberg, Volker Beck (Köln), weite- rer Abgeordneter und der Fraktion BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN: Änderung der Geschäftsordnung des Deutschen Bun- destages – hier: Umsetzung des Gesetzes über die unabhängige Polizeibeauftragte oder den unabhängigen Polizeibeauftrag- ten des Bundes (Bundespolizeibeauftrag- tengesetz – BPolBeauftrG) Drucksache 18/7618 . . . . . . . . . . . . . . . . . 17494 B Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17494 B Armin Schuster (Weil am Rhein) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17495 B Frank Tempel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 17496 D Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 177 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 10 . Juni 2016II Günter Baumann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 17497 D Wolfgang Gunkel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 17498 D Dr . Volker Ullrich (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 17500 C Tagesordnungspunkt 31: Beschlussempfehlung und Bericht des Aus- schusses für Wahlprüfung, Immunität und Ge- schäftsordnung – zu dem Antrag der Abgeordneten Dr . Petra Sitte, Jan Korte, Matthias W . Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Transparenz herstellen – Einführung eines verpflichtenden Lob- byistenregisters – zu dem Antrag der Abgeordneten Britta Haßelmann, Volker Beck (Köln), Luise Amtsberg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Transparenz schaffen – Verbindliches Register für Lobbyistinnen und Lob- byisten einführen Drucksachen 18/3842, 18/3920, 18/8742 . . . . 17501 C Bernhard Kaster (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 17501 C Dr . Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 17503 B Sonja Steffen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17504 C Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17505 D Dr . Hans-Peter Uhl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 17506 D Dagmar Ziegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17508 D Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17509 D Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 17511 A Anlage 2 Amtliche Mitteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17511 D (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 177 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 10 . Juni 2016 17473 177. Sitzung Berlin, Freitag, den 10. Juni 2016 Beginn: 9 .00 Uhr
  • folderAnlagen
    Dagmar Ziegler (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 177 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 10 . Juni 2016 17511 Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Amtsberg, Luise BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10 .06 .2016 Bluhm, Heidrun DIE LINKE 10 .06 .2016 Bülow, Marco SPD 10 .06 .2016 Felgentreu, Dr . Fritz SPD 10 .06 .2016 Ferner, Elke SPD 10 .06 .2016 Flachsbarth, Dr . Maria CDU/CSU 10 .06 .2016 Gröhe, Hermann CDU/CSU 10 .06 .2016 Grötsch, Uli SPD 10 .06 .2016 Heck, Dr . Stefan CDU/CSU 10 .06 .2016 Lämmel, Andreas G . CDU/CSU 10 .06 .2016 Lerchenfeld, Philipp Graf CDU/CSU 10 .06 .2016 Leutert, Michael DIE LINKE 10 .06 .2016 Leyen, Dr . Ursula von der CDU/CSU 10 .06 .2016 Liebing, Ingbert CDU/CSU 10 .06 .2016 Maisch, Nicole BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10 .06 .2016 Maizière, Dr . Thomas de CDU/CSU 10 .06 .2016 Malecha-Nissen, Dr . Birgit SPD 10 .06 .2016 Müller (Chemnitz), Detlef SPD 10 .06 .2016 Petzold, Ulrich CDU/CSU 10 .06 .2016 Rawert, Mechthild SPD 10 .06 .2016 Riesenhuber, Dr . Heinz CDU/CSU 10 .06 .2016 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Scho-Antwerpes, Elfi SPD) 10 .06 .2016 Schulz-Asche, Kordula BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10 .06 .2016 Spahn, Jens CDU/CSU 10 .06 .2016 Steinbach, Erika CDU/CSU 10 .06 .2016 Steinbrück, Peer SPD 10 .06 .2016 Strothmann, Lena CDU/CSU 10 .06 .2016 Tack, Kerstin SPD 10 .06 .2016 Tressel, Markus BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10 .06 .2016 Veit, Rüdiger SPD 10 .06 .2016 Wagenknecht, Dr . Sahra DIE LINKE 10 .06 .2016 Weinberg, Harald DIE LINKE 10 .06 .2016 Werner, Katrin DIE LINKE 10 .06 .2016 Wicklein, Andrea SPD 10 .06 .2016 Anlage 2 Amtliche Mitteilungen ohne Verlesung Die folgenden Ausschüsse haben mitgeteilt, dass sie gemäß § 80 Absatz 3 Satz 2 der Geschäftsordnung von einer Berichterstattung zu den nachstehenden Vorlagen absehen: Ausschuss für Wirtschaft und Energie – Unterrichtung durch die Bundesregierung Bundesbericht Energieforschung 2016 Forschungsförderung für die Energiewende Drucksachen 18/8200, 18/8461 Nr. 1.2 Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfol- genabschätzung – Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Bundesregierung zum Deutschlandsti- pendium über die Ergebnisse der Evaluation nach Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 177 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 10 . Juni 201617512 (A) (C) (B) (D) § 15 des Stipendienprogramm-Gesetzes und der Begleitforschung Drucksache 18/7890 Die Vorsitzenden der folgenden Ausschüsse haben mitgeteilt, dass der Ausschuss die nachstehenden Uni- onsdokumente zur Kenntnis genommen oder von einer Beratung abgesehen hat . Petitionsausschuss Drucksache 18/7612 Nr . A .1 EP P8_TA-PROV(2016)0021 Innenausschuss Drucksache 18/6855 Nr . A .1 EP P8_TA-PROV(2015)0388 Drucksache 18/7286 Nr . A .3 Ratsdokument 13819/15 Drucksache 18/8293 Nr . A .1 Ratsdokument 6651/16 Drucksache 18/8668 Nr . A .14 Ratsdokument 8491/16 Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Drucksache 18/8293 Nr . A .14 Ratsdokument 7571/16 Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Drucksache 18/3618 Nr . A .4 Ratsdokument 16115/14 Drucksache 18/3962 Nr . A .1 Ratsdokument 5112/15 Drucksache 18/6855 Nr . A .17 Ratsdokument 13669/15 Drucksache 18/7286 Nr . A .25 Ratsdokument 14270/15 Drucksache 18/7286 Nr . A .26 Ratsdokument 14272/15 Drucksache 18/7422 Nr . A .31 Ratsdokument 15362/15 Drucksache 18/7934 Nr . A .30 EP P8_TA-PROV(2016)0050 Drucksache 18/8140 Nr . A .25 EP P8_TA-PROV(2016)0058 Drucksache 18/8470 Nr . A .31 EP P8_TA-PROV(2016)0133 Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 177 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 10 . Juni 2016 Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de 177. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 28 Bekämpfung von Doping im Sport TOP 30 Deutsch-indische Bildungskooperation TOP 29 Bundespolizeibeauftragtengesetz TOP 31 Lobbyistenregister Anlagen Anlage 1 Anlage 2
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Petra Sitte


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mensch,

    Herr Kaster, ich wusste gar nicht, dass es ein Opfer ist,
    im Bundestag zu sitzen .


    (Beifall bei der LINKEN – Dr . Volker Ullrich [CDU/CSU]: Das hat er gar nicht gesagt! Das war eine sehr gute Rede von ihm!)


    Noch eine kleine Vorbemerkung möchte ich gerne
    machen: Die Opposition, sowohl die Grünen als auch
    wir Linken, hat Konzepte für eine umfassende Transpa-
    renzoffensive vorgelegt . Diese gehen selbstverständlich
    über das Lobbyistenregister, das wir jetzt diskutieren, hi-

    naus. Wir wollen schon, dass der Einfluss von Interessen-
    gruppen im politischen Prozess insgesamt sichtbarer und
    nachvollziehbar wird, und, Herr Kaster, wir reden nicht
    nur über den Bundestag .

    Transparenz ist natürlich kein Selbstzweck . Da muss
    ich dem Sachverständigen, den Sie von der CDU/CSU
    bestellt hatten, Professor Schliesky, widersprechen . Er
    kam in der Anhörung – für die Zuhörer ist das vielleicht
    interessant – doch allen Ernstes auf die Idee, der Oppo-
    sition vorzuhalten, totale Transparenz schade der Demo-
    kratie . Ich zitiere wörtlich:

    Totalitäre Forderungen verheißen … in der Regel
    wenig Gutes und sind selten demokratisch – so
    verhält es sich auch mit der Forderung nach totaler
    Transparenz .

    Noch einmal zur Klarstellung: Es ging in den Anträgen
    überhaupt nicht um Totalität .


    (Beifall der Abg . Halina Wawzyniak [DIE LINKE] – Dr . Johann Wadephul [CDU/CSU]: Auf dem Auge sind Sie blind! Das ist bekannt!)


    Die Vorschläge geben überhaupt nicht her, was dort un-
    terstellt wurde . Aber worum es sehr wohl ging, war: De-
    mokratie für alle .


    (Beifall bei der LINKEN)


    Jeder bzw . jede soll wissen können, wie Entscheidun-
    gen, die unter anderem auch sie betreffen, zustande ge-
    kommen sind . Abgeordnete wurden gewählt, das stimmt;
    Interessenvertreter dagegen nicht . Oft genug hinterlassen
    Lobbyisten ihren Fußabdruck nämlich gar nicht nur im
    Bundestag, sondern vor allem auf der Ebene der Minis-
    terien. Sie arbeiten mit an der Problemdefinition, sie ar-
    beiten mit an Gesetzentwürfen und bei der Ausrichtung
    von Förderprogrammen, und das alles lange vor den Ab-
    geordneten . Das ist von uns auch gemeint und mit einbe-
    zogen . Deshalb habe ich gesagt: Wir reden hier nicht nur
    über den Bundestag .

    Kommen Vorlagen ins Parlament, dann waschen die
    Lobbyisten noch einmal nach . Sie haben es doch selber
    erlebt: Sie haben gewissermaßen eine zweite Chance, die
    Interessen ihrer Auftraggeber einzuspülen . Und natürlich
    bleibt das nicht ohne Rückwirkung auf die Unterstützung
    von Parteien bzw . nicht ohne Wirkung auf Wahlkämpfe .

    Ich darf Sie daran erinnern: Es gab hier schon mas-
    siven Druck, beispielsweise von der Springer-Verlags-
    gruppe, als es um das Leistungsschutzrecht ging . Da hat
    man sich ein Geschäftsmodell vom Bundestag gesetzlich
    schaffen lassen . Damit wurde dann eben auch gleich
    mal die innovative mittelständische Konkurrenz, näm-
    lich kleine und mittelständische Unternehmen, in dieser
    Branche zur Seite gedrängt . Das Gleiche droht jetzt bei
    der Netzneutralität .

    Machen wir uns doch nichts vor: Natürlich weiß ich,
    dass jeder von uns ein mündiger Bürger ist und dass man
    gelegentlich sehr fest im Glauben sein muss . Aber Big
    Player haben doch eine ganz andere Möglichkeit, in die-
    sen Bundestag – in Anführungsstrichen – „hineinzure-
    gieren“ . Sie wissen genauso gut wie ich, dass sie in der

    Bernhard Kaster






    (A) (C)



    (B) (D)


    Politik bestens vernetzt sind . Selbstverständlich können
    Medienkonzerne wie Springer für oder gegen Parteien
    Wahlkämpfe machen .

    Andere Beispiele waren und sind der Einfluss der Au-
    tomobilindustrie auf die Bundesregierung bei der Fest-
    legung von Schadstoffgrenzwerten oder der Einfluss der
    Energieriesen auf die Regularien des Atomausstiegs .
    Umweltverbände hatten nicht annähernd die gleichen
    Möglichkeiten .


    (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN sowie der Abg . Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


    Dieser Chancenungleichheit zwischen den Interessen-
    gruppen sollen unsere Vorschläge ebenfalls entgegenwir-
    ken .

    Sie merken: Wir sind gar keine „Lobbyistenfresser“,
    wie uns unterstellt wird . Wir halten es für völlig normal,
    dass in einer modernen Demokratie vielfältig Interes-
    sen vertreten werden: von Wirtschaftsunternehmen, von
    Verbänden, von Nichtregierungsorganisationen, von Ge-
    werkschaften, von Forschungseinrichtungen, von Bür-
    gerinitiativen oder eben auch von Bundesländern; das ist
    doch völlig klar .


    (Dr . Volker Ullrich [CDU/CSU]: Der Bundesrat arbeitet mit! Der ist Verfassungsorgan! Lesen Sie das Grundgesetz!)


    Politik muss sich aber am Gemeinwohl orientieren, und
    in diesem Sinne ist es notwendig und sinnvoll, wenn wir
    in der Gesetzgebung oder in der Antragsberatung die ver-
    schiedenen Perspektiven aufnehmen .


    (Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Entscheidungen sind seit 1972 ein wenig komplexer
    geworden, Herr Kaster . Der Beratungsbedarf ist gewach-
    sen . Schließlich entstehen die meisten Gesetze nicht hier
    im Haus, sondern zu 75 Prozent bei der Bundesregierung .
    Wir als Abgeordnete müssen uns oftmals, so wie Sie es
    beschrieben haben, selbstständig mit einer Materie be-
    schäftigen . Dazu gehören nicht nur öffentliche Anhörun-
    gen, dazu gehören eben auch vielfältige Einzelgespräche .
    Das ist völlig legitim . Wir verurteilen das auch gar nicht .
    Wir wollen nur, dass solche Vorgänge nachvollziehbar
    und transparent sind . Deshalb haben wir mit unserer Of-
    fensive auch in der Verwaltung angesetzt .

    Nach einer Studie von Transparency International ist
    Deutschland in Sachen Korruption auf Platz 16 gelan-
    det – es wurden 19 Länder und 3 Einrichtungen der EU
    untersucht . Auf EU-Ebene haben alle Einrichtungen ein
    Lobbyistenregister . Mit den von uns vorgeschlagenen
    Maßnahmen können wir nicht nur unsere Platzierung
    aufhübschen, sondern wir können vor allem ein gutes
    demokratisches Werk tun . Herr Kaster, solange Sie Ihre
    modrige Meinung nicht verändern, werden wir solche
    Anträge stellen .


    (Beifall bei der LINKEN – Dr . Johann Wadephul [CDU/CSU]: Unglaublich! Was soll denn das?)




Rede von Ulla Schmidt
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

Vielen Dank . – Für die SPD-Fraktion spricht jetzt die

Kollegin Sonja Steffen .


(Beifall bei der SPD)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Sonja Steffen


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Liebe Gäste auf den Tribünen!

    Mal eben was im Bundestag regeln? Kurz beim zu-
    ständigen Ausschussvorsitzenden anklopfen und ein
    Anliegen vorbringen?

    So beginnt ein Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem
    Februar 2016 mit der Überschrift „Durch die Hintertür“ .


    (Tankred Schipanski [CDU/CSU]: Lesen Sie lieber die Welt!)


    Zahl und Namen der Lobbyisten hat die Bundestags-
    verwaltung nach einem entsprechenden Beschluss des
    Verwaltungsgerichts Berlin vor einiger Zeit veröffent-
    licht, und im Februar 2016 hat der Ältestenrat des Deut-
    schen Bundestages beschlossen, dass Unternehmensver-
    treter zukünftig keine Hausausweise mehr bekommen .
    So einfach durch die Hintertür sind die Dinge heute nicht
    mehr . Das bedeutet, dass die Ausgabe von Dauerauswei-
    sen, mit denen man sich früher im Bundestag frei bewe-
    gen konnte, inzwischen sehr stark eingeschränkt worden
    ist. Man muss sich in ein offizielles Lobbyistenregister
    eintragen lassen, und man muss einem Verband angehö-
    ren .

    Ich zitiere jetzt mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin,
    Herrn Hackmack, den Geschäftsführer von abgeordne-
    tenwatch .de . Er ist nicht unbedingt immer ein Befürwor-
    ter der Arbeit des Deutschen Bundestages und schaut
    sehr kritisch auf die Dinge . Er sagt zu dieser Entschei-
    dung des Ältestenrates:

    Dass die Lobbyisten von Rüstungs- und Autokon-
    zernen zukünftig nicht mehr nach Belieben im Bun-
    destag ein und aus gehen können, ist ein wichtiger
    Schritt auf dem Weg zu einer transparenten und sau-
    beren Politik .

    Die SPD-Fraktion begrüßt diesen Beschluss des Ältes-
    tenrates daher ausdrücklich .


    (Beifall bei der SPD)


    Damit ist jedoch der Forderung der Fraktion Die Lin-
    ke und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen noch nicht
    entsprochen . Wir diskutieren ja heute über Anträge zur
    Einführung eines verbindlichen Lobbyistenregisters, und
    hierbei geht es eben nicht nur um Dauerausweise; denn
    egal ob mit oder ohne Hausausweis, es wird immer Lob-
    bygespräche geben . Sie sind uns übrigens – das haben
    Herr Kaster und übrigens auch Frau Sitte schon gesagt –
    sehr wichtig, und sie sind im Übrigen für alle Abgeordne-
    ten wichtig . Das Grundgesetz erlaubt jedem, seine Inte-
    ressen zu vertreten . Kein Interesse wird ausgeklammert .
    Ob es um die Position der Umweltorganisationen geht,
    um wirtschaftliche Standpunkte von Unternehmen oder
    um Auffassungen von Sozialträgern, spielt aus verfas-
    sungsrechtlicher Sicht keine Rolle . Unsere Demokratie

    Dr. Petra Sitte

    http://www.abgeordnetenwatch.de/
    http://www.abgeordnetenwatch.de/





    (A) (C)



    (B) (D)


    lebt vom freien Austausch der Gedanken und vom Inte-
    ressenausgleich, und das gilt für diesen Bundestag erst
    recht .


    (Beifall bei der SPD sowie des Abg . Bernhard Kaster [CDU/CSU])


    Mir ging es in den letzten Tagen genauso wie Ihnen
    allen: Ich habe verschiedene Gespräche geführt; ich lege
    sie hier gerne offen . Meine Gesprächspartner kamen von
    der IHK Mecklenburg-Vorpommern, von Verdi, von der
    Impfallianz Gavi . Glauben Sie mir, diese Gespräche und
    der Austausch, den sie ermöglichen, sind extrem wichtig,
    sowohl für diejenigen, die etwas von uns erwarten bzw .
    ihre Anliegen vorbringen wollen, als auch umgekehrt für
    uns . Wir informieren uns in dieser Hinsicht gerne . Daher
    wird sich über Sinn und Zweck dieser Gespräche nie-
    mand große Sorgen machen müssen .

    Im Übrigen finde ich es ganz schade, dass der Begriff
    des Lobbyisten und des Lobbyismus so sehr verbrannt
    ist . Das meinen übrigens auch die sogenannten Lobbyis-
    ten selber . Auch ich war in der Anhörung am 11 . Mai,
    und wir haben alle gehört, dass auch die Lobbyverbände
    dort gesagt haben, sie wünschen sich ein verbindliches
    Lobbyistenregister .


    (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja!)


    Denn mit einem verbindlichen Lobbyistenregister,
    Herr Kaster, wäre unserer Meinung nach viel getan .
    Dann käme nämlich endlich der Lobbyismus aus seiner
    Schmuddelecke heraus .


    (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Es geht nun einmal um nichts Geringeres als das Vertrau-
    en der Bürgerinnen und Bürger in das staatliche Handeln
    und um Transparenz als wichtiges Argument dazu .

    Ich meine, das tut uns im Übrigen überhaupt nicht
    weh . Im Gegensatz zu dem, was unsere Koalitionskolle-
    gen äußern, geht es nicht darum, dass wir sozusagen die
    Hosen runterlassen, dass wir uns für alle Gespräche, die
    wir führen, öffentlich rechtfertigen müssen,


    (Max Straubinger [CDU/CSU]: Natürlich!)


    sondern es geht genau um die andere Seite: Es geht nur
    darum, dass die Lobbyverbände ihre Anliegen und ihre
    Hintergründe offenlegen müssen . Das hat also mit einem
    Nackigmachen des Parlamentariers wirklich nichts zu
    tun .

    Aber ich gebe zu, es gab auch kritische Stimmen in
    der Anhörung . Ich habe die Wucht nicht so empfunden
    wie Sie; Sie hatten vorhin gesagt, das war verheerend
    für das Team, das für ein verbindliches Lobbyistenregis-
    ter ist . Ich habe es anders vernommen, aber wir haben
    auch die kritischen Stimmen gehört, und ich kann mir
    vorstellen, dass meine Kollegin gleich auch auf einen
    solchen Punkt eingehen wird . Das betrifft beispielsweise
    die Offenlegung von finanziellen Dingen. Da, denke ich,
    müsste man wirklich noch einmal schauen, ob das mög-
    licherweise zu sehr in das Recht der informationellen

    Selbstbestimmung eingreift . Dass das freie Mandat an
    dieser Stelle betroffen sein soll, sehe ich wirklich nicht .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Aber die kritischen Argumente gegen ein verbindli-
    ches Lobbyistenregister dominieren derzeit – derzeit;
    man weiß ja nie – noch bei den Koalitionskollegen der
    CDU/CSU und hindern uns von der SPD-Fraktion, Ihrem
    Antrag zuzustimmen .


    (Zurufe von der CDU/CSU: Oh!)


    Das ist schade, aber es gibt eine Koalitionstreue, und an
    die halten wir uns .


    (Dr . Volker Ullrich [CDU/CSU]: Eine ganz arme Argumentation ist das! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU – Dr . André Hahn [DIE LINKE]: Freies Mandat!)


    Ich möchte an dieser Stelle aber noch einmal aus-
    drücklich erwähnen, dass sich die Bilanz der Erfolge
    der Koalition – jetzt lobe ich uns – doch sehen lassen
    kann . Es ist zwar schon gesagt worden, aber vielleicht
    noch nicht so deutlich: Wir haben in dieser Legislatur die
    Strafbarkeit der Abgeordnetenbestechung neu eingeführt .
    Wir haben eingeführt, dass es eine gesetzliche Karenzzeit
    für den Wechsel von Regierungsmitgliedern in die Wirt-
    schaft gibt . Ich habe eingangs schon gesagt, dass wir die
    Erteilung von Hausausweisen sehr reglementiert und ihre
    Zahl sehr stark verringert haben . Ich will an dieser Stelle
    noch ausdrücklich betonen: Wir von der SPD-Fraktion
    werden unser Ziel eines verbindlichen Lobbyistenregis-
    ters nicht aus den Augen verlieren .


    (Dr . Volker Ullrich [CDU/CSU]: Wie lange wollen Sie sich eigentlich noch von der Linkspartei binden lassen?)


    Vielen Dank .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg . Dr . Petra Sitte [DIE LINKE])