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ID1606500600

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    Plenarprotokoll 16/65 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 65. Sitzung Berlin, Dienstag, den 21. November 2006 I n h a l t : Tagesordnungspunkt I: a) Zweite Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2007 (Haushaltsgesetz 2007) (Drucksachen 16/2300, 16/2302) . . . . . . . b) Beschlussempfehlung des Haushaltsaus- schusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2006 bis 2010 (Drucksachen 16/2301, 16/2302, 16/3126) Einzelplan 01 Bundespräsident und Bundespräsidial- amt (Drucksachen 16/3101, 16/3123) . . . . . . . Einzelplan 02 Deutscher Bundestag (Drucksachen 16/3102, 16/3123) . . . . . . . Einzelplan 03 Bundesrat (Drucksache 16/3123) . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 08 Bundesministerium der Finanzen (Drucksachen 16/3108, 16/3123) . . . . . . . in Verbindung mit Einzelplan 20 Bundesrechnungshof (Drucksache 16/3123) . . . . . . . . . . . . . . . . Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Joachim Poß (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . Dr. Michael Meister (CDU/CSU) . . . . . . . . . Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peer Steinbrück, Bundesminister BMF . . . . . Dr. Hermann Otto Solms (FDP) . . . . . . . . . . . Dr. Ole Schröder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Steffen Kampeter (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . Bernhard Brinkmann (Hildesheim) (SPD) . . . Ulrike Flach (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Georg Fahrenschon (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Jörg-Otto Spiller (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU) . . . . . . Einzelplan 17 Bundesministerium für Familie, Senio- ren, Frauen und Jugend (Drucksache 16/3123) . . . . . . . . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ole Schröder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Ina Lenke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Diana Golze (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 6403 A 6403 B 6403 B 6403 C 6404 A 6404 A 6404 A 6404 B 6407 A 6410 A 6412 C 6416 A 6420 A 6425 B 6426 D 6427 B 6430 D 6432 B 6432 C 6434 A 6435 B 6437 B 6438 A 6438 D 6440 C 6440 D 6442 C 6444 A 6444 D II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 65. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 21. November 2006 Dr. Frank Schmidt (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Ina Lenke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ingrid Fischbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ina Lenke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nicolette Kressl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ina Lenke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nicolette Kressl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Elke Reinke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Singhammer (CDU/CSU) . . . . . . . . Sönke Rix (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Thomas Dörflinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Christel Humme (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 15 Bundesministerium für Gesundheit (Drucksachen 16/3114, 16/3123) . . . . . . . Dr. Claudia Winterstein (FDP) . . . . . . . . . . . . Ewald Schurer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frank Spieth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Norbert Barthle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Daniel Bahr (Münster) (FDP) . . . . . . . . . . Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulla Schmidt, Bundesministerin BMG . . . . . Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frank Spieth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Ulla Schmidt, Bundesministerin BMG . . . . . Daniel Bahr (Münster) (FDP) . . . . . . . . . . . . . Annette Widmann-Mauz (CDU/CSU) . . . . . . Dr. Martina Bunge (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Elisabeth Scharfenberg (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Maria Eichhorn (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jella Teuchner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Rolf Koschorrek (CDU/CSU) . . . . . . . . . Einzelplan 07 Bundesministerium der Justiz (Drucksachen 16/3107, 16/3123) . . . . . . . in Verbindung mit Einzelplan 19 Bundesverfassungsgericht (Drucksache 16/3124) . . . . . . . . . . . . . . . Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Brigitte Zypries, Bundesministerin BMJ . . . . Wolfgang Nešković (DIE LINKE) . . . . . . . . Dr. Ole Schröder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lothar Binding (Heidelberg) (SPD) . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Jürgen Gehb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Daniela Raab (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . Anlage 2 Erklärung des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Einzelplan 07 – Bun- desministerium der Justiz (Drucksache 16/3107) 6446 B 6446 D 6448 D 6449 B 6450 C 6452 B 6454 A 6454 C 6456 A 6456 D 6457 A 6458 C 6459 C 6461 A 6462 D 6464 B 6466 A 6466 A 6467 C 6469 B 6470 D 6471 D 6473 B 6475 A 6475 D 6478 D 6479 B 6480 A 6481 D 6484 C 6485 C 6486 C 6487 C 6488 C 6490 D 6492 B 6492 B 6492 C 6493 B 6495 B 6497 B 6498 C 6500 A 6501 B 6502 B 6504 C 6505 D 6507 A 6507 D Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 65. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 21. November 2006 6403 (A) ) (B) ) 65. Sitz Berlin, Dienstag, den 2 Beginn: 10.0
  • folderAnlagen
    Anlage 2 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 65. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 21. November 2006 6507 (A) (C) (B) ) Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Binder, Karin DIE LINKE 21.11.2006 Eymer (Lübeck), Anke CDU/CSU 21.11.2006 Fell, Hans-Josef BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 21.11.2006 Roth (Heringen), Michael SPD 21.11.2006 Schily, Otto SPD 21.11.2006 Schummer, Uwe CDU/CSU 21.11.2006 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich * A S Fischer (Karlsruhe- Land), Axel E. CDU/CSU 21.11.2006* Gabriel, Sigmar SPD 21.11.2006 Großmann, Achim SPD 21.11.2006 Hettlich, Peter BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 21.11.2006 Hilsberg, Stephan SPD 21.11.2006 Hoppe, Thilo BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 21.11.2006 Hovermann, Eike SPD 21.11.2006 Irber, Brunhilde SPD 21.11.2006 Jelpke, Ulla DIE LINKE 21.11.2006 Merten, Ulrike SPD 21.11.2006 Nitzsche, Henry CDU/CSU 21.11.2006 Ortel, Holger SPD 21.11.2006 Röspel, René SPD 21.11.2006 S S D W W Z (D für die Teilnahme an den Sitzungen der Westeuropäischen Union nlage 2 Erklärung des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Einzelplan 07 – Bundesministerium der Justiz (Drucksache 16/3107) Ich erkläre im Namen der Fraktion des BÜNDNIS- ES 90/DIE GRÜNEN, dass unser Votum „Nein“ lautet. chwabe, Frank SPD 21.11.2006 panier, Wolfgang SPD 21.11.2006 r. Terpe, Harald BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 21.11.2006 ellenreuther, Ingo CDU/CSU 21.11.2006 olff (Wolmirstedt), Waltraud SPD 21.11.2006 immermann, Sabine DIE LINKE 21.11.2006 65. Sitzung Berlin, Dienstag, den 21. November 2006 Inhalt: Redetext Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Anlage 2
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Gesine Lötzsch


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Vielen Dank. – Herr Präsident! Meine sehr geehrten

    Damen und Herren! Ein BBC-Reporter fragte mich
    letzte Woche, warum die Bundesregierung denn in ei-
    nem Umfragetief sei, wo doch die Konjunktur anspringe
    und die Arbeitslosigkeit sinke.


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr wahr!)


    Die Antwort findet sich unter anderem in einer repräsen-
    tativen Umfrage unter 600 Führungskräften aus Wirt-
    schaft, Politik und Verwaltung. Mehr als die Hälfte der
    Befragten gab zu Protokoll, dass der wirtschaftliche
    Aufschwung nichts mit der Arbeit der Regierung zu tun
    habe. In dieser Frage scheint sich also die so genannte
    Elite ausnahmsweise mit der Mehrheit der Bevölkerung
    einig zu sein.

    Ich möchte zu Ihrer Überraschung die allgemeine
    Kritik etwas relativieren; denn immer dann, wenn die
    Regierung den Vorschlägen der Linken folgt, ist sie in
    Maßen erfolgreich.


    (Beifall bei der LINKEN – Jürgen Koppelin [FDP]: Hört! Hört!)


    Die Linke fordert seit Jahren mehr öffentliche Investitio-
    nen. Die Bundesregierung hat dieser Forderung teilweise
    nachgegeben und es zeigt sich, dass bei deren Umset-
    zung zur kurzfristigen Belebung der Binnennachfrage
    beigetragen wurde. Ich will Sie daran erinnern, damit Sie
    Ihre eigene Geschichte nicht vergessen, dass Herr Merz
    und die neoliberale Lobby


    (Jürgen Koppelin [FDP]: Klassenkampf!)


    noch vor ein paar Jahren heftig gegen öffentliche Inves-
    titionsprogramme wetterten und ausschließlich auf Steu-
    ersenkung für Kapitalgesellschaften und Besser- und
    Bestverdienende setzten.


    (Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD]: Das wird durch ständiges Wiederholen nicht besser! Das ist immer noch falsch!)


    Aber alle Erfahrung hat gezeigt: Die Steuersenkungen
    brachten Steuerausfälle und keine neuen Arbeitsplätze.
    Darum ist die fortdauernde Steuersenkungspolitik für
    Besserverdienende falsch und wird von uns abgelehnt.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Ich will auf eine weitere beachtliche Wirkung der
    Linken hinweisen. Inzwischen spricht man sogar von ei-
    nem Linksruck in der CDU. Das ist natürlich etwas über-
    trieben, aber Herr Rüttgers ist nicht dafür zu kritisieren,
    dass er – wie wir als Linke – die Verlängerung der
    Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I fordert; zu kriti-
    sieren ist nur, dass er dafür das Geld den jungen Arbeits-
    losen wegnehmen will. Das ist absurd und gesellschafts-
    politisch kontraproduktiv.

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    (C (D (Beifall bei der LINKEN – Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD], zur FDP gewandt: Das verhindert die FDP mit!)


    ir als Linke haben einen Antrag zur Verlängerung der
    ezugsdauer des Arbeitslosengeldes I eingebracht. Am
    onnerstag wird dazu eine namentliche Abstimmung

    tattfinden. Dann werden die Bürgerinnen und Bürger
    issen, wer wirklich wofür steht. Wir beantragen zusätz-

    ich die Anhebung des Arbeitslosgeldes II auf 420 Euro
    m Monat und übernehmen damit die begründete Forde-
    ung der Wohlfahrtsverbände. Auch hier, so denke ich,
    üssen Sie den Bürgerinnen und Bürgern zeigen, wofür

    ie stehen.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Obwohl ich einiges Positive benannt habe, will ich
    or Euphorie warnen, nicht nur was den Linksruck in der
    DU betrifft, sondern auch was den wirtschaftlichen
    ufschwung betrifft. Es gibt eine verbreitete Wahrneh-
    ungsstörung bei CDU, CSU und SPD. Es gibt nämlich

    icht den Aufschwung. Der wirtschaftliche Auf-
    chwung ist klar dreigeteilt. Für einen sehr kleinen Teil
    er Gesellschaft geht es immer aufwärts, egal wie die
    llgemeine wirtschaftliche Lage ist. Ich denke zum Bei-
    piel an die 300 reichsten Deutschen, die jedes Jahr im
    Manager-Magazin“ genannt werden.


    (Eduard Oswald [CDU/CSU]: Was lesen Sie denn alles?)


    gal ob Krise oder Konjunktur, es herrscht immer
    hampagnerstimmung und es gibt immer einen Grund

    ür die Vorstände von Siemens, der Deutschen Bank
    der der Deutschen Bahn, sich die Gehälter dramatisch
    u erhöhen. Dieser Teil der Bevölkerung lebt in Sicher-
    eit, weil es wirtschaftlich und politisch für ihn keine
    berraschung gibt. Der Bundesrechnungshof hat in der

    etzten Woche kritisiert, dass es vor allem im Süden
    eutschlands schon Steueroasen für Millionäre gibt.
    esserverdienende haben dort bei einer normalen Le-
    enserwartung Prüfungen des Finanzamtes nicht zu er-
    arten. Diese Situation ist wirklich obszön, meine Da-
    en und Herren.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Für die Mittelschicht wird das Leben immer mehr zu
    iner Fahrt in der Achterbahn. Angst macht sich breit.
    mmer mehr Menschen stehen vor existenziellen Fragen:

    erden sie ihre Arbeit behalten? Verzichten sie auf ihr
    ehalt, um ihre Arbeitsplätze scheinbar zu sichern und
    m dann doch, wie die Mitarbeiter von BenQ, entlassen
    u werden?

    Und was noch schlimmer ist: Für eine immer größer
    erdende Gruppe von Menschen in unserem Land wird
    er soziale Abstieg durch den allgemeinen wirtschaftli-
    hen Aufschwung nicht einmal aufgehalten. Diese Men-
    chen haben trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs kei-
    en Cent mehr in der Tasche. Im Gegenteil, gerade arme
    enschen werden durch die Politik dieser Regierung

    och ärmer und ihre Chancen, aus der Armut zu entflie-
    en, noch geringer. Wir teilen diese Einschätzung übri-
    ens mit Bischof Huber. Er erklärte in der vergangenen






    (A) )



    (B) )


    Dr. Gesine Lötzsch
    Woche, es sei skandalös, dass in unserem reichen Land
    Armut wieder erblich ist. Ich glaube, das ist ein Armuts-
    zeugnis für unsere Gesellschaft.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Besonders bedrückend ist die Konzentration der Ar-
    mut in den neuen Ländern. Aber das spiegelt sich im
    Haushalt 2007 nirgends wider. Die meisten vermeiden
    auch, über Armut zu sprechen, sondern sprechen zum
    Beispiel von der Überschuldung einiger Bundesländer
    und von der angeblichen Verschwendung von Solidar-
    paktmitteln in Ostdeutschland. Der Zusammenhang von
    Armut und Überschuldung ist offensichtlich noch nicht
    allen deutlich geworden. Nicht nur die Herren Stoiber,
    Koch und Wulff, sondern auch Herr Steinbrück forderte
    nach dem Urteil gegen Berlin Verschuldungsobergren-
    zen für die Länder. Das klingt gut, das klingt entschlos-
    sen, das ist aber grober Unfug. Damit würde man näm-
    lich gegen die Erscheinung eines Problems vorgehen,
    nicht aber die Ursachen bei den Wurzeln packen.


    (Beifall bei der LINKEN – Dirk Niebel [FDP]: Das ist Verschwendung, meinen Sie? Das Problem heißt Verschwendung!)


    Sechs Bundesländer haben verfassungswidrige Haus-
    halte. In diesen Ländern ist die Nettokreditaufnahme hö-
    her als die Investitionen. Wenn aber sechs von 16 Bun-
    desländern, Herr Kollege, ihren Haushalt nicht in den
    Griff bekommen, kann man ja wohl nicht mehr von Ein-
    zelfällen sprechen. Dafür muss es doch wohl gemein-
    same Ursachen geben.


    (Dirk Niebel [FDP]: Kollektive Verschwendung!)


    Die Finanzkrise des Bundes, der Länder und Gemein-
    den ist vor allem ein Ergebnis der falschen Steuerpolitik
    der alten und der neuen Bundesregierung.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Allein die Steuersenkungen der rot-grünen Bundesregie-
    rung haben jährliche Ausfälle von 60 Milliarden Euro
    für Bund, Länder und Gemeinden verursacht.

    Ein letztes Wort noch zur Finanzsituation Berlins.
    Kulturstaatsminister Neumann wirft Berlin vor, dass es
    aus der Finanzierung des Stadtschlosses aussteigt. Diese
    Kritik ist mir völlig unverständlich. Die Bundesregie-
    rung kann doch nicht einerseits behaupten, Berlin spare
    nicht ausreichend, und gleichzeitig erwarten, dass Berlin
    ein völlig nutzloses Stadtschloss mit dreistelligen Millio-
    nenbeträgen finanziert. Das wäre wirklich Verschwen-
    dung. Herr Kollege Niebel, an der Stelle hätten Sie „Ver-
    schwendung“ dazwischen rufen können.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Meine Damen und Herren, wir müssen uns fragen, ob
    der Haushalt 2007 einen Beitrag dazu leistet, die Pro-
    bleme der Gegenwart und der Zukunft in unserem Land
    zu meistern. Der Haushalt 2007 belastet vor allem arme
    Menschen, Rentner, Familien und Kinder mit rund
    30 Milliarden Euro. Gleichzeitig aber plant die Bundes-
    regierung eine Unternehmensteuerreform, die die Un-

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    (C (D ernehmen um 29 Milliarden Euro entlasten soll. Das ist icht nur sozial ungerecht, das ist obszön. (Beifall bei der LINKEN – Bernhard Brinkmann [Hildesheim] [SPD]: Das stimmt ja auch nicht!)


    abei liegt der effektive Steuersatz für Unternehmen in
    eutschland schon jetzt bei nur 16 bis 18 Prozent und
    amit sind deutsche Unternehmen weltweit mehr als
    ettbewerbsfähig. Es bedarf also keiner weiteren Steuer-

    ntlastung von Unternehmen. Wer das fordert, vertritt
    obbyinteressen und nicht die Interessen des gesamten
    olkes, wie es unser grundgesetzlicher Auftrag ist,
    eine lieben Kolleginnen und Kollegen.

    Wer behauptet, dass die Unternehmensteuerreform
    en Steuerzahler gar nichts kosten wird, der erinnere
    ich bitte an die letzte Steuerreform: Im Jahre 2001 wur-
    en in Deutschland zum Beispiel noch 25,5 Milliarden
    uro Körperschaftsteuer gezahlt. Ein Jahr später fielen
    ie Einnahmen unter null und die Finanzämter mussten
    ogar 426 Millionen Euro an Unternehmen zurückzah-
    en. Wenn das nicht eine Umverteilung von unten nach
    ben ist!

    Wir als Linke wollen einen politischen Richtungs-
    echsel. Weitere Steuersenkungen für Unternehmen

    chaffen keine neuen Arbeitsplätze. Das hat die alte, rot-
    rüne Regierung eindrucksvoll bewiesen. Dafür wurde
    ie abgewählt. Die Lasten in unserem Land müssen neu
    erteilt werden. Starke Schultern müssen wieder mehr
    ragen und schwache Schultern müssen entlastet werden.

    er diesen Richtungswechsel nicht will, der setzt auf
    onfrontation und nimmt das Auseinanderdriften in un-

    erer Gesellschaft billigend in Kauf. Sagen Sie nicht hin-
    erher, Sie hätten es nicht gewusst!


    (Beifall bei der LINKEN)


    Während der Haushaltsberatungen ging es auch um
    ie Verwendung der zu erwartenden Mehreinnahmen.
    er SPD-Vorsitzende Beck schlug als Erstes vor, dieses
    eld in die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu ste-

    ken. Einen absurderen Vorschlag eines SPD-Vorsitzen-
    en habe ich lange nicht gehört. Aber er wurde ihm au-
    enscheinlich relativ schnell ausgeredet.

    Wir als Linke wollen die Mehreinnahmen nutzen, um
    robe Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft zu be-
    ämpfen. Wie bereits erwähnt, wollen wir das Arbeitslo-
    engeld II – bekannt als Hartz IV – auf 420 Euro im Mo-
    at anheben. Weiterhin wollen wir die Zuschüsse für die
    rankenkassen erhöhen, um ein Ansteigen der Kassen-
    eiträge im nächsten Jahr zu verhindern. Wir haben dazu
    inen Antrag in die Beratungen eingebracht, der von der
    oalition abgelehnt wurde. Allerdings hat die Bundes-
    anzlerin persönlich unseren Antrag in einer Miniver-
    ion übernommen. Ihr ging es dabei allerdings weniger
    m höhere Beiträge als vielmehr um die Umsetzung ih-
    es alten Konzeptes von der Kopfpauschale. Das lehnen
    ir als unsolidarisch ab.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Ich will betonen, dass wir in unserem Entschließungs-
    ntrag und auch in den Haushaltsberatungen sowohl






    (A) )



    (B) )


    Dr. Gesine Lötzsch
    Vorschläge für Mehreinnahmen als auch Einsparvor-
    schläge gemacht haben. Auf einige dieser Einsparvor-
    schläge möchte ich hier eingehen. Ich kann dabei an den
    Kollegen Koppelin von der FDP anknüpfen. Die Bun-
    desregierung will im nächsten Jahr noch einmal mehr
    Geld für Verteidigung ausgeben. Ich sage Ihnen:
    28 Milliarden Euro sind eine Stange Geld. Zum Ver-
    gleich: Für zivile Investitionen gibt die Bundesrepublik
    in der gleichen Zeit nur 24 Milliarden Euro aus, also
    4 Milliarden Euro weniger als für den Militärhaushalt.
    Ich finde, da stimmt es vorne und hinten nicht.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Ist es nicht völlig verrückt, dass wir in Friedenszeiten
    mehr Geld für Rüstung und Militär ausgeben als für zi-
    vile Investitionen? Offensichtlich hat fast niemand in
    diesem Lande damit ein Problem. Selbst der Bund der
    Steuerzahler, der sich sonst immer meldet, schweigt sto-
    isch, wenn es um die Verschwendung von Steuermitteln
    bei der Bundeswehr geht.


    (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)


    Die Bundesregierung versucht nun, die hohen Ausga-
    ben mit der steigenden Terrorgefahr zu begründen. Doch
    schaut man sich die großen Beschaffungsprojekte der
    Bundeswehr an – wir werden darüber morgen ausführ-
    lich diskutieren –, erkennt man, dass die meisten dieser
    Projekte noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammen.
    Kann mir jemand aus der Koalition erklären, wie man
    mit Panzerhaubitzen Terroristen jagen will?


    (Zuruf von der CDU/CSU: Nein!)


    – Nein, auch der Minister nicht.


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Im Zweifel kann es der Abgeordnete Jung erklären!)


    Der Innenminister hat mit der gleichen Begründung
    in letzter Sekunde ein 132-Millionen-Euro-Programm in
    den Haushaltsausschuss eingebracht. Dabei setzt man
    auf flächendeckende Überwachung und auf den Abbau
    von Bürgerrechten. Die SPD hätte ein solches Paket vor
    zwei Jahren nur mit spitzen Fingern angefasst und sich
    angewidert abgewandt. Nun hat sie zugestimmt.


    (Jürgen Koppelin [FDP]: Das ist leider wahr!)


    Abschließend will ich auf eine weitere Einsparmög-
    lichkeit hinweisen. Wir sind der Auffassung, dass die
    kostenintensive Teilung der Bundesregierung mit den
    Standorten Bonn und Berlin ein Ende finden muss.
    Der Wanderzirkus sollte spätestens bis zum Jahr 2012
    beendet sein. Es kann doch nicht sein, dass wir uns in ei-
    nem Land, in dem wir von jedem Mobilität und Flexibi-
    lität verlangen, diesen Luxus an ministeriellem Behar-
    rungsvermögen leisten.


    (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Meine Damen und Herren, mein letzter Satz: Selbst-
    verständlich fordern wir auch an dieser Stelle die Rück-
    nahme der Mehrtwertsteuererhöhung. Diese Steuererhö-
    hung ist unsozial und Gift für die Konjunktur. Sie ist

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    (C (D enauso unsozial wie dieser gesamte Haushalt. Darum ehnen wir ihn ab. Vielen Dank. Dr. Michael Meister ist der nächste Redner für die DU/CSU-Fraktion. Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und erren! In dieser Woche werden wir den Bundeshausalt 2007 verabschieden. (Jürgen Koppelin [FDP]: Auf Nimmerwiedersehen!)


    (Beifall bei der LINKEN)


Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

(Beifall bei der CDU/CSU)

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Michael Meister


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    ie Kollegen im Haushaltsausschuss haben eine gute
    rundlage dafür geschaffen, dass die Koalition im Jahre
    007 einen entscheidenden Schritt auf dem Konsolidie-
    ungspfad vorankommen wird.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, insbesondere von
    er FDP, selbst die kritische Öffentlichkeit erkennt mit-
    lerweile an, dass die Koalition beim Projekt Etatsanie-
    ung auf dem richtigen Wege ist.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    uch Herr Kollege Koppelin – man hat es an seinem Re-
    ebeitrag gemerkt – hat ja keinen richtigen Ansatzpunkt
    efunden, um Kritik zu üben. Populismus, Herr
    oppelin, ersetzt keine solide und seriöse Finanzpolitik

    ür die Bundesrepublik Deutschland.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    Binnen zwölf Monaten hat diese Koalition die Netto-
    reditaufnahme im Bundeshaushalt etwa halbiert. Wir
    aben sie von einem Niveau von 40 Milliarden Euro auf
    nter 20 Milliarden Euro Nettoneuverschuldung ge-
    enkt. Zwar ist auch in Zukunft eine weitere Absenkung
    er Nettokreditaufnahme ein Gebot der Stunde,


    (Ulrike Flach [FDP]: Da ist Herr Steinbrück aber anderer Meinung!)


    ber man sollte den gewaltigen Schritt, den wir nach
    orne gemacht haben, anerkennen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    Weiterhin reden wir im Zusammenhang mit dem
    aushaltsentwurf 2007 – das ist hier schon vorgetragen
    orden – über die niedrigste Nettokreditaufnahme seit
    er Wiedervereinigung. Auch an diesem gewaltigen
    chritt zeigt sich, wie ich glaube, dass diese Koalition
    as Thema „Konsolidierung des Bundeshaushaltes“
    rnst nimmt.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Auch auf Folgendes möchte ich hinweisen: Nachdem
    eutschland fünf Jahre hintereinander, nämlich in den

    ahren 2001 bis 2005, Kriterien des Maastrichtvertrages






    (A) )



    (B) )


    Dr. Michael Meister
    verletzt hat, unterschreiten wir nun sowohl 2006 als auch
    2007 das Kriterium der Nettoneuverschuldung und kom-
    men in 2007 in die Nähe von 2 Prozent Nettoneuver-
    schuldung. Das ist doch etwas: Wir halten europäisches
    Recht ein, eigentlich eine Normalität, aber um dies zu
    realisieren, waren gewaltige Anstrengungen nötig. Ich
    würde mich freuen, wenn das in dieser Debatte zur
    Kenntnis genommen würde.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Der Hinweis, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass
    dies alles über Maßnahmen auf der Einnahmeseite
    realisiert wird, ist falsch. Die Konsolidierung erfolgt
    überwiegend auf der Ausgabenseite.


    (Jürgen Koppelin [FDP]: Wo denn? Erzählen Sie dazu einmal etwas!)


    Dies haben wir vereinbart und nun umgesetzt. Selbst
    wenn Sie hundertmal etwas anderes behaupten, wird das
    damit nicht richtiger. Fakt bleibt: Wir konsolidieren vor-
    nehmlich über Maßnahmen auf der Ausgabenseite.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Ulrike Flach [FDP]: Stimmt doch gar nicht!)


    In der Situation, die wir vorgefunden haben, wäre es
    uns nicht möglich gewesen – das hat uns der Vorsitzende
    des Sachverständigenrates in der Anhörung zum Haus-
    haltsbegleitgesetz bestätigt –, sowohl das Neuverschul-
    dungskriterium aus dem Maastrichtvertrag als auch die
    Vorgaben von Art. 115 des Grundgesetzes einzuhalten,
    wenn wir nicht gleichzeitig neben den Sparbemühungen
    auf der Ausgabenseite auch auf der Einnahmeseite etwas
    getan hätten.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Deshalb haben wir uns nicht mit Freude, sondern aus
    Verantwortung vor der Aufgabe dazu entschlossen, auch
    etwas auf der Einnahmeseite zu tun.


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr wahr!)


    Jetzt dürfen Sie sich gerne mit uns darüber freuen,
    dass wir die Vorgaben des Art. 115 des Grundgesetzes
    im kommenden Haushalt wieder einhalten werden; denn
    die Nettokreditaufnahme ist niedriger als die Investi-
    tionssumme, und zwar nicht nur deshalb, weil die Netto-
    kreditaufnahme sinkt, sondern auch, Herr Koppelin
    – das nehmen Sie ja nicht zur Kenntnis –, weil die Inves-
    titionssumme wieder steigt. Das bedeutet, wir tun auch
    qualitativ etwas für den Bundeshaushalt,


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Jürgen Koppelin [FDP]: Nennen Sie einmal den Prozentsatz!)


    indem wir zum Beispiel die Bereiche Forschung und
    Technologie stärken. Ich erinnere an das Programm zur
    Hightech-Strategie von Kollegin Schavan. Wir haben
    uns als Koalition „committed“, dass dies auch in den
    nächsten vier Jahren mit dem entsprechenden Geld un-
    terlegt wird und dass wir dafür sorgen, dass wir bei For-

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    (C (D chung, Technologie und Entwicklung an der Spitze arschieren und damit trotz angespannter Haushaltslage inen wesentlichen Beitrag zu Wachstum und Beschäftiung leisten. (Ulrike Flach [FDP]: Deswegen kommt es auch beim Kunden nicht an!)


    Es kommt sehr wohl beim Kunden an. Es liegt ein
    tück weit an Ihrer Realitätsverweigerung, dass Sie ein-
    ach nicht erkennen, dass wir eine halbe Million Arbeits-
    ose weniger,


    (Ulrike Flach [FDP]: Aber doch nicht durch die Hightechstrategie! Das ist doch Quatsch!)


    00 000 Sozialversicherungspflichtige mehr und einen
    assiven Aufwuchs bei den Steuereinnahmen haben und

    ass das Wachstum höher ist, als in den vergangenen
    ünf, sechs Jahren überhaupt zu träumen war. Kommen
    ie doch mal in die Realität, bevor Sie hier Zwischen-
    ufe machen!


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Ulrike Flach [FDP]: Sie reden doch von Hightech!)


    Wir haben auch etwas getan, um die Investitions-
    edingungen zu stärken. Denn wir haben doch gelernt,
    ass wir, wenn wir nur sanieren, die Konjunktur abwür-
    en würden. Wir müssen neben der Haushaltssanierung
    nd dem Sparen, was richtig und wichtig ist, auch für
    ehr Wachstum sorgen. Dazu haben wir zunächst ein-
    al Investitionsanreize gesetzt. Ich nenne nur die günsti-

    en Investitionsbedingungen für die Unternehmen über
    ie degressive AfA und die Möglichkeiten im Privat-
    aushalt. Das dient der Ankurbelung der Konjunktur.
    ir sind jetzt in der Pflicht – das wird der dritte Schritt

    ein –, dies auch mit strukturellem Wachstum zu unter-
    üttern. Meine Bitte ist, dass Sie nicht nur Zwischenrufe
    achen, sondern gelegentlich auch mit einem konstruk-

    iven Vorschlag kommen, wie man das eine oder andere
    rojekt struktureller Reformen nach vorne bringen kann.


    (Ulrike Flach [FDP]: Da liegt ein Antrag vor!)


    Ich greife den Einwurf von Herrn Koppelin zum
    hema Lohnnebenkosten, Arbeitskosten auf. Es ist doch
    in gewaltiger Schritt, wenn wir zum 1. Januar 2007 den
    eitrag zur Arbeitslosenversicherung um 2,3 Prozent-
    unkte senken können.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    as dient der Förderung der legalen Arbeit in Deutsch-
    and. Deshalb können Sie nicht sagen, es geschehe nichts
    n dieser Stelle.

    Dann sagen Sie, der Rentenbeitrag steige leider. Ich
    laube, genauso wichtig wie die Zahlen, die wir nennen,
    st die Tatsache, dass Politik in Deutschland verlässlich,
    erechenbar und stetig ist.


    (Jürgen Koppelin [FDP]: Was?)


    it dem Rentenbeitrag, den wir jetzt festlegen, können
    ir über die komplette Wahlperiode hinweg ein stabiles






    (A) )



    (B) )


    Dr. Michael Meister
    Niveau halten. Damit sorgen wir für verlässliche Rah-
    menbedingungen an dieser Stelle.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Ich hätte mich gefreut, wenn Sie, Herr Koppelin, in der
    Öffentlichkeit gesagt hätten: Zur Sanierung der Renten-
    versicherung startet die Koalition das Projekt „Rente mit
    67“ und die FDP geht, weil sie das für richtig hält, kräf-
    tig mit voran. –


    (Otto Fricke [FDP]: Sie haben ja noch nicht einmal etwas vorgelegt!)


    Ich habe von Ihnen keinen Ton dazu gehört. Sie verwei-
    gern sich den strukturellen Reformen, sind aber nicht be-
    reit, andere Vorschläge zu machen. Das muss man ein-
    fach einmal deutlich festhalten.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Jürgen Koppelin [FDP]: Das liegt doch noch nicht einmal auf dem Tisch! – Ulrike Flach [FDP]: Das ist doch alles virtuell!)


    Liebe Kolleginnen und Kollegen, sanieren, investie-
    ren, reformieren – das ist, glaube ich, der richtige Drei-
    klang. Ich sage allerdings deutlich: Wir dürfen nach die-
    sem ersten gewaltigen Sanierungsschritt nicht übermütig
    werden. Wir müssen der Konsolidierung des Haushalts
    auch für die folgenden Jahre erste Priorität einräumen,
    damit die Handlungsspielräume künftiger Generationen
    nicht noch weiter beschnitten werden. Ein Blick auf die
    Zinslasten im Bundeshaushalt – wir geben rund 15 Pro-
    zent unseres Geldes für Zinsen aus; das heißt, wir kom-
    men für Ausgaben auf, die in der Vergangenheit zu viel
    getätigt worden sind, und zwar zulasten der Zukunft –
    zeigt, dass es dringend notwendig ist, dass wir an dieser
    Stelle umsteuern und zu einer Finanzierung der Zukunft
    übergehen, meine Damen und Herren.


    (Otto Fricke [FDP]: Wie wollen Sie das denn machen?)


    Ich will an dieser Stelle folgenden Einwurf machen.
    Wir haben ja ein außerordentlich niedriges Zinsniveau.
    Dennoch bin ich der Meinung, dass es für die Menschen
    in unserem Land neben der Haushaltskonsolidierung un-
    geheuer wichtig ist, dass wir auch eine unabhängige
    Geldpolitik haben,


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sehr wahr! – Ulrike Flach [FDP]: Das müssen Sie Herrn Poß sagen!)


    die für stabiles Geld und eine niedrige Inflation sorgt,
    was die Basis einer vernünftigen Sozialpolitik ist; denn
    es gibt nichts Unsozialeres als steigende Inflationsraten.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wir stellen uns den weiteren Herausforderungen. Bei
    einem gesamtstaatlichen Defizit von 2 Prozent ist die
    Konsolidierung nicht beendet. Vielmehr muss sie weiter-
    geführt werden. Deshalb werden wir in den kommenden
    Jahren in einer Größenordnung von gesamtstaatlich rund
    10 Milliarden Euro weiter konsolidieren müssen. Dabei
    sind unsere Annahmen für Wachstum und Beschäftigung

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    (C (D urückhaltend; das ist vorhin schon angesprochen woren. Ich warne hier auch vor jeglicher Euphorie. Diese at in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass wir imer wieder am Jahresende mit Negativbotschaften über ascht wurden. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal die rfahrung gemacht, dass die Botschaften positiv waren. eshalb ist das der richtige Ansatz. Auch Herr Engels vom Bundesrechnungshof sagt ich darf zitieren –: Rechnet euch nicht die Steuern schön, weil sonst der Haushalt sofort wieder in eine Schieflage kommt, dieweil alle Welt der Notwendigkeit enthoben ist, an der Ausgabenseite zu sparen und Prioritäten zu setzen. echt hat er. ie Koalition handelt gemäß dieser These. Deshalb sind ir auf dem richtigen Weg. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    (Beifall bei der FDP)


    Ich will darauf hinweisen, dass vor 40 Jahren etwa
    7 Prozent der Wirtschaftsleistungen für Investitionen in
    ie Zukunft und 22 Prozent für Sozialausgaben einge-
    etzt wurden. Heute, also 40 Jahre später, geben wir
    twa 10 Prozent weniger für Investitionen und 10 Pro-
    ent mehr für Sozialausgaben aus. An dieser Stelle be-
    teht für uns also die große Herausforderung, im Haus-
    alt umzusteuern, die Investitionen wieder zu stärken
    nd durch vernünftige Reformen die Aufwendungen
    ür Sozialleistungen zurückzuführen. Das hat nichts mit
    ozialabbau zu tun. Die entscheidende Frage ist, wie
    ieder mehr Menschen in den ersten Arbeitsmarkt kom-
    en. Wenn das der Fall ist, müssen wir weniger für So-

    ialleistungen ausgeben und haben gleichzeitig mehr
    öglichkeiten für die Finanzierung unserer gesamtstaat-

    ichen Aufgaben. Unser Ansatz ist also, durch Verbesse-
    ung der Chancen am ersten Arbeitsmarkt das von mir
    oeben beschriebene Problem zu lösen.


    (Vorsitz: Vizepräsidentin Petra Pau)


    Ich will noch auf einen Punkt eingehen, den meine
    orrednerin von der PDS angesprochen hat. Es geht um
    as Thema Sicherheit. Ich glaube, es ist die Grundforde-
    ung an jedes Staatswesen, seinen Bürgern Sicherheit zu
    ewähren.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Sicherheit, aber keine Überwachung!)


    in Staat, der seinen Bürgern keine Sicherheit gewährt,
    ird von ihnen nicht mehr akzeptiert. Es ist daher rich-

    ig, dass sich diese Koalition dazu entschieden hat, im
    ereich des Bundesministers der Verteidigung und des
    undesinnenministers die notwendigen zusätzlichen
    ufwendungen für mehr Sicherheit zu tätigen, um den
    or uns liegenden Herausforderungen durch den interna-
    ionalen Terrorismus gerecht zu werden. Ich sage ein-
    eutig: Auch hier ist die große Koalition auf dem richti-






    (A) )



    (B) )


    Dr. Michael Meister
    gen Wege und handelt im Interesse der Bürger der
    Bundesrepublik Deutschland.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wir haben die Föderalismusreform I abgeschlossen.
    Auch dies war ein gewaltiger Schritt in den ersten zwölf
    Monaten.


    (Beifall des Abg. Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU])


    Wir stehen nun vor einem weiteren großen Projekt. Wir
    haben uns nämlich darauf verständigt, eine
    Föderalismusreform II auf den Weg zu bringen, bei der
    es um die Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern
    und Gemeinden geht. An dieser Stelle ist es wichtig
    – wir reden ja auch über Defizite –, einmal zu überprü-
    fen, ob die heutigen Verschuldungsregeln, die im Grund-
    gesetz und im Maastricht-Vertrag enthalten sind, über-
    haupt noch konsistent zueinander sind oder ob es nicht
    notwendig ist, sie besser aufeinander abzustimmen und
    sie in der Weise zu gestalten, dass tatsächlich eine Poli-
    tik für zukünftige Generationen gemacht wird. Deshalb
    ist es richtig, dass dieser Punkt an dieser Stelle auf der
    Tagesordnung steht. Die Koalition wird sich auch dieser
    Herausforderung stellen.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Ich will abschließend noch auf das Thema Strukturre-
    formen eingehen. Herr Koppelin sagte, die Koalition
    käme beim Thema Unternehmensteuerreform nicht
    voran. Wie auch der Kollege Poß habe ich der Arbeits-
    gruppe angehört, die sich mit dieser Reform befasst hat.
    Die Koalition hat sich trotz dieses hochkomplexen The-
    mas auf schlüssige und tragfähige Eckpunkte geeinigt.
    Man kann also nicht den Eindruck gewinnen, dass es bei
    diesem Thema nicht vorangegangen ist. Jetzt stehen wir
    vor der Aufgabe, die Eckpunkte mithilfe eines Gesetzes
    umzusetzen. Nach den ersten Einschätzungen des ZEW
    aus Mannheim werden wir dann, was die Wettbewerbs-
    fähigkeit des Standorts Deutschland betrifft, vom letzten
    Platz auf einen Platz im Mittelfeld vorrücken.

    Ich hätte mir gut vorstellen können, dass kritisiert
    werden würde, warum wir nur solche Punkte beschlos-
    sen haben, die uns vom Tabellenende ins Mittelfeld füh-
    ren, und nicht solche Punkte, die uns weiter an die Spitze
    führen. Eine solche Debatte hatte ich eigentlich erwartet.
    Aber die Debatte in Deutschland verläuft in die andere
    Richtung. Es wird die Frage gestellt, ob wir überhaupt
    vom Tabellenende weg müssen. Ich sage dazu eindeutig
    Ja. Wenn wir langfristig Wachstum und Beschäftigung
    wollen, dann müssen wir etwas für bessere Standortbe-
    dingungen in Deutschland tun, was uns vom Tabellen-
    ende ins Mittelfeld führt.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Beifall bei der FDP)


    Ich würde mich freuen, wenn diese Unternehmensteu-
    erreform als eine Zukunftsinvestition verstanden würde.


    (Zuruf des Abg. Jürgen Koppelin [FDP])


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    (C (D ch persönlich glaube, Herr Koppelin, dass über mehr achstum und Beschäftigung der Bundeshaushalt und uch die Haushalte von Ländern und Kommunen daueraft stabilisiert werden. Sie werden nicht durch Einzelaßnahmen stabilisiert, sondern durch die Schaffung on besseren Rahmenbedingungen für Wachstum und eschäftigung. In diesem Zusammenhang ist die Unterehmensteuerreform ein herausragender Pfeiler. Ich will auf einen weiteren Punkt hinweisen. Wir disutieren hier über Geld, also über die Frage: Was kostet ns diese Reform? Das ist eine sehr statische Betrachung. Denn wir unterstellen bei dieser Betrachtung, dass ir das Steuerrecht ändern und sich alle Mitspieler geauso verhalten wie vorher, dass kein Einziger sein Veralten nach der Reform des Steuerrechts ändert. Das ist och eine Annahme, die nicht von dieser Welt ist. Es ist och folgendermaßen: Wenn ich die Regeln ändere, veralten sich die Spieler auf dem Spielfeld anders. Wenn ch den Fußballern heute erlaube, auch die Hände zu beutzen, dann werden sie ab morgen auch mit den Hänen spielen. Solange dies verboten ist, tun sie es nicht. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Sehr sachkundig!)


    as heißt, Regeländerungen führen zu Verhaltensände-
    ungen. Das muss zur Kenntnis genommen werden. Des-
    alb müssen wir aufhören, von statischen Betrachtungen
    uszugehen, und müssen zu dynamischen Betrachtungen
    bergehen. Denn unser Land braucht Dynamik und nicht
    tatik.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wer eine dynamische Betrachtung durchführt, wird
    ehen, dass es zu Verhaltensänderungen der Steuer-
    flichtigen kommt. Kollege Poß hat zu Recht angespro-
    hen, dass wir dafür sorgen wollen, dass Gewinne, die in
    eutschland erwirtschaftet werden, auch hier der Be-

    teuerung unterzogen werden. Wir erwarten Verhaltens-
    nderungen. Wir stoßen sie durch die von uns getroffe-
    en Maßnahmen an.

    Wenn man vom Tabellenende ins Tabellenmittelfeld
    ommen will, dann geht es auch darum, am Standort
    eutschland für mehr Investitionen, mehr Beschäftigung
    nd damit natürlich für mehr Einnahmen zu sorgen, die
    ir bei geringeren Tarifen erzielen wollen. Man sollte

    lso keine statische Betrachtung anstellen, sondern die
    ynamik, die erzeugt wird, zur Kenntnis nehmen.

    Das, was wir zur Sanierung des Bundeshaushaltes
    ufgelegt haben, ist ein sehr ehrgeiziges Programm. Ich
    laube, dass es uns gelungen ist, die verschiedenen Bau-
    teine, nämlich Sanieren, Investieren und Reformieren,
    n richtiger Weise zusammenzuführen und zu mischen.
    iese Koalition unter Führung der Union ist auf dem

    ichtigen Wege.

    Ich freue mich auf diese Haushaltswoche und glaube,
    ass sowohl das Parlament als auch die Öffentlichkeit
    nseren Weg bestätigen werden.

    Vielen Dank.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)







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