Rede:
ID1501307900

insert_comment

Metadaten
  • sort_by_alphaVokabular
    Vokabeln: 10
    1. Ich: 1
    2. erteile: 1
    3. das: 1
    4. Wort: 1
    5. dem: 1
    6. Kollegen: 1
    7. Ludger: 1
    8. Volmer,Bündnis: 1
    9. 90/Die: 1
    10. Grünen.: 1
  • tocInhaltsverzeichnis
    Erweiterung der Tagesordnung . . . . . . . . . . . 871 A Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung): a) Erste Beratung des von der Bundesre- gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bun- deshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2003 (Haushaltsgesetz 2003) (Drucksache 15/150) . . . . . . . . . . . . . . 871 B b) Erste Beratung des von der Bundesre- gierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung eines Nachtrags zum Bundeshaushaltsplan für das Haushaltsjahr 2002 (Nach- tragshaushaltsgesetz 2002) (Drucksache 15/149) . . . . . . . . . . . . . . 871 B c) Unterrichtung durch die Bundesregie- rung: Bericht über den Stand und die voraussichtliche Entwicklung der Fi- nanzwirtschaft des Bundes (Drucksache 15/151) . . . . . . . . . . . . . . 871 B Einzelplan 04 in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 5: Antrag des Abgeordneten Dr. Wolfgang Schäuble und der Fraktion der CDU/CSU: Für ein glaubwürdiges Angebot der EU an die Türkei (Drucksache 15/126) . . . . . . . . . . . . . . . . 871 C Michael Glos CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . . 871 D Gerhard Schröder, Bundeskanzler . . . . . . . . . 876 C Dr. Guido Westerwelle FDP . . . . . . . . . . . . . 886 D Franz Müntefering SPD . . . . . . . . . . . . . . 889 D Katrin Dagmar Göring-Eckardt BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . 891 A Dr. Angela Merkel CDU/CSU . . . . . . . . . . . . 896 D Franz Müntefering SPD . . . . . . . . . . . . . . . . 905 C Dr. Guido Westerwelle FDP . . . . . . . . . . 908 D Steffen Kampeter CDU/CSU . . . . . . . . . . . . 910 B Antje Hermenau BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 912 A Hans-Joachim Otto (Frankfurt) FDP . . . . . . . 913 A Dr. Christina Weiss, Staatsministerin BK . . . . 913 D Petra Pau fraktionslos . . . . . . . . . . . . . . . . . . 915 B Günter Nooke CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . 916 B Eckhardt Barthel (Berlin) SPD . . . . . . . . . . . 917 C Bernhard Kaster CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . 918 B Einzelplan 05 in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 3: a) Beratung des Antrags der Fraktionen der SPD und des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN: Menschenrechte als Leitlinie der deutschen Politik (Drucksache 15/136) . . . . . . . . . . . . . . 920 B Plenarprotokoll 15/13 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 13. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002 I n h a l t : b) Antrag der Abgeordneten Rainer Funke, Dr. Werner Hoyer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien nicht vergessen (Drucksache 15/64) . . . . . . . . . . . . . . . 920 B Joseph Fischer, Bundesminister AA . . . . . . . . 920 C Michael Glos CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . 921 C Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . . . . . . . 923 B Dr. Peter Struck SPD . . . . . . . . . . . . . . . . 924 D Gernot Erler SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 928 A Ruprecht Polenz CDU/CSU . . . . . . . . . . 928 D Michael Glos CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . 929 A Dr. Wolfgang Gerhardt FDP . . . . . . . . . . . . . . 930 B Dr. Christoph Zöpel SPD . . . . . . . . . . . . . . . 932 C Dr. Gerd Müller CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . 934 A Dr. Ludger Volmer BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 935 D Michael Roth (Heringen) SPD . . . . . . . . . . . 936 C Peter Hintze CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . . . 937 D Christa Nickels BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 939 D Rudolf Bindig SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 940 D Arnold Vaatz CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . 941 B Rainer Eppelmann CDU/CSU . . . . . . . . . . . . 942 B Rudolf Bindig SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . 944 B Angelika Graf (Rosenheim) SPD . . . . . . . . . 944 C Einzelplan 14 Dr. Peter Struck, Bundesminister BMVg . . . . 945 D Dietrich Austermann CDU/CSU . . . . . . . . . . 948 C Verena Wohlleben SPD . . . . . . . . . . . . . . 949 D Alexander Bonde BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 950 C Jürgen Koppelin FDP . . . . . . . . . . . . . . . . . . 952 B Rainer Arnold SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 953 C Günther Friedrich Nolting FDP . . . . . . . . 954 A Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . . . . 954 B Christian Schmidt (Fürth) CDU/CSU . . . . . . 957 A Winfried Nachtwei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 959 D Helga Daub FDP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 961 A Dr. Hans-Peter Bartels SPD . . . . . . . . . . . . . 962 A Thomas Kossendey CDU/CSU . . . . . . . . . . . 963 C Einzelplan 23 Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 965 C Dr. Christian Ruck CDU/CSU . . . . . . . . . . . 967 B Heidemarie Wieczorek-Zeul SPD . . . . . . 969 D Thilo Hoppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 970 C Markus Löning FDP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 972 B Karin Kortmann SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . 973 B Arnold Vaatz CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . . 974 D Karin Kortmann SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . 975 A Heidemarie Wieczorek-Zeul SPD . . . . . . . . . 975 C Peter Weiß (Emmendingen) CDU/CSU . . . . 975 C Detlef Dzembritzki SPD . . . . . . . . . . . . . . . . 977 B Einzelplan 06 Otto Schily, Bundesminister BMI . . . . . . . . . 979 A Thomas Strobl (Heilbronn) CDU/CSU . . . . . 981 B Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast SPD . . . . . 982 B Thomas Strobl (Heilbronn) CDU/CSU . . . . . 983 A Otto Schily SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 984 D Silke Stokar von Neuforn BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 986 A Dr. Max Stadler FDP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 988 A Dagmar Freitag SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 989 B Susanne Jaffke CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . 990 A Sebastian Edathy SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . 991 C Stephan Mayer (Altötting) CDU/CSU . . . . . 993 A Einzelplan 07 Brigitte Zypries, Bundesministerin BMJ . . . . 994 B Dr. Wolfgang Götzer CDU/CSU . . . . . . . . . . 996 C Hans-Christian Ströbele BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 999 D Siegfried Kauder (Bad Dürrheim) CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1001 B Otto Fricke FDP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1002 B Joachim Stünker SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1003 C Norbert Barthle CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . 1005 D Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1007 D Berichtigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1007 D Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 1009 A Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 13. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002II (A) (B) (C) (D) Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 13. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002 871 13. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002 Beginn: 9.00 Uhr
  • folderAnlagen
    Norbert Barthle Berichtigung 12. Sitzung, Seite 744 (B), der letzte Absatz ist wie folgt zu lesen: Wir haben eine Menge getan, um die Eigenkapitalbildung des Mit- telstandes zu erleichtern. Aufgrund unserer Steuerreform ist inzwi- schen die obere Grenzbelastung – 1998 lag sie bei 69 Prozent – auf 51 Prozent gesenkt worden. So etwas haben sie in Ihrer Regierungs- zeit nie zuwege gebracht. Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 13. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002 1009 (C)(A) Adam, Ulrich CDU/CSU 04.12.2002* Borchert, Jochen CDU/CSU 04.12.2002 Bury, Hans Martin SPD 04.12.2002 Büttner (Schönebeck), CDU/CSU 04.12.2002 Hartmut Caesar, Cajus CDU/CSU 04.12.2002 Dr. Däubler-Gmelin, SPD 04.12.2002 Herta Eymer (Lübeck), Anke CDU/CSU 04.12.2002 Gradistanac, Renate SPD 04.12.2002 Großmann, Achim SPD 04.12.2002 Hörster, Joachim CDU/CSU 04.12.2002* Hofbauer, Klaus CDU/CSU 04.12.2002 Kubicki, Wolfgang FDP 04.12.2002 Lintner, Eduard CDU/CSU 04.12.2002* Dr. Lötzsch, Gesine fraktionslos 04.12.2002 Dr. Lucyga, Christine SPD 04.12.2002* Möllemann, Jürgen W. FDP 04.12.2002 Dr. Pinkwart, Andreas FDP 04.12.2002 Rauber, Helmut CDU/CSU 04.12.2002** Dr. Röttgen, Norbert CDU/CSU 04.12.2002 * für die Teilnahme an den Sitzungen der Westeuropäischen Union ** für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung des OSZE entschuldigt bis Abgeordnete(r) einschließlich entschuldigt bis Abgeordnete(r) einschließlich Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Anlage zum Stenografischen Bericht
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Gerd Müller


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CSU)


    Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und

    Herren! Die internationale Ordnung hat sich in der ver-
    gangenen Dekade dramatisch verändert. Wir befinden uns
    hier in einer Grundsatzdebatte; es schauen auch viele
    junge Menschen zu. In den letzten zwölf Jahren hat sich
    viel Positives bewegt: die deutsche Wiedervereinigung,
    der Zusammenbruch der Sowjetunion, die Osterweite-
    rung, die Freundschaft zu Russland. Das ist die eine Seite,
    die nicht zuletzt durch die Politik von Helmut Kohl, der
    Union in Deutschland und in Europa ein Stück weit be-
    fördert wurde.

    Die andere Seite, das sind natürlich der Krieg im ehe-
    maligen Jugoslawien, neue Atommächte sowie die Be-
    drohung durch Saddam Hussein und internationale Terro-
    risten.

    In der Vergangenheit gab es Grundpfeiler deutscher
    Außenpolitik, die zwischen den Parteien unstrittig waren.
    Ich erinnere mich daran, dass ich als junger Mensch gern
    Debatten über dieses Thema im Fernsehen angeschaut
    habe. Da kam ein Stück Konsens zum Tragen, der in
    außenpolitischen Fragen dringend notwendig ist. Die In-
    tegration Europas, die Freundschaft zu den Amerikanern,
    die besondere Beziehung zu Frankreich, unsere verläss-
    liche Rolle in der NATO und die besondere Verantwor-
    tung gegenüber Israel, das sind Grundpfeiler. Es gilt, im-
    mer wieder herauszustellen, dass auf diesem Gebiet ein
    Konsens über die Parteigrenzen hinaus notwendig ist.


    (Wilhelm Schmidt [Salzgitter] [SPD]: Das sollten Sie mal Herrn Schäuble sagen!)


    Es gibt kaum einen europäischen Staat, in dem es einen
    Dissens über grundlegende außenpolitische Positionen
    gibt. Wir haben es an dieser Stelle mit einen wirklichen
    Knackpunkt in der Geschichte des Parlamentarismus in
    Deutschland zu tun. Der Bundeskanzler und der Bundes-
    außenminister haben diesen Grundkonsens aus niederen

    innenpolitischen Motiven – sie wollten eine Wahl gewin-
    nen – verlassen.


    (Lothar Mark [SPD]: Das muss man sofort zurückweisen! – Dr. Ludger Volmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie meinen den Herrn Koch mit seinem Türkei-Antrag!)


    Der eingeschlagene deutsche Sonderweg – Deutsch-
    land bewegt sich außerhalb der Vereinten Nationen, es
    agiert ohne die EU-Partner und ohne den Konsens mit den
    Franzosen – bedeutet in der Irak-Debatte einen Weg der
    Unberechenbarkeit. Mit diesem Weg wurde die Verläss-
    lichkeit Deutschlands in Europa und in der UN infrage ge-
    stellt.

    Es ist schon etwas anmutend, wenn ich zum Thema
    Irak nur kurz reflektiere. Sie sagen jetzt, es sei ein Riesen-
    erfolg, dass Saddam Hussein, der Massenvernichtungs-
    waffen besitzt, bereit ist, die Inspektoren ins Land zu
    lassen. Sie behaupten, man habe sehr viel bewegt. Wer hat
    dies letztendlich bewegt? – Die Weltvölkergemeinschaft,
    gestützt von der unnachgiebigen Haltung der UN, und
    alle, die diese Drohkulisse aufgebaut haben! Wir alle hof-
    fen, dass dies zum Frieden beiträgt. Sie haben sich außer-
    halb der Weltvölkergemeinschaft gestellt. Herr Fischer, es
    war schon ein Stück weit peinlich, dass im irakischen
    Fernsehen auf die Freundschaft zwischen Schröder und
    Saddam Hussein reflektiert wurde.


    (Wilhelm Schmidt [Salzgitter] [SPD]: Nach der „Bild“-Zeitung jetzt ein Zitat von Saddam Hussein! – Rudolf Bindig [SPD]: Die CDU braucht als Instrument Saddam Hussein!)


    Saddam Hussein nahm auf die deutsche Rolle, auf den
    deutschen Sonderweg Bezug.


    (Beifall bei der CDU/CSU – Wilhelm Schmidt [Salzgitter] [SPD]: Aber von Konsens quatschen! Sie sind doch diejenigen, die den Konsens aufkündigen! – Weitere Zurufe von der SPD)


    – Die Argumente treffen offensichtlich.
    Ich frage an dieser Stelle den deutschen Bundesaußen-

    minister: Was ist aus Ihrer Initiative im Europäischen Rat,
    die Entwicklung einer gemeinsamen Position zur UN-Re-
    solution voranzutreiben, geworden? Herr Bundesaußen-
    minister, wo sind Sie geblieben, als es darum ging, vor der
    Abstimmung über diese lebenswichtige Frage den Kon-
    sens mit Frankreich zu suchen?


    (Joseph Fischer, Bundesminister: Daheim!)

    Ab dem kommenden Jahr, wenn Deutschland Mitglied

    des Sicherheitsrates ist, stellt sich die Frage, welche Rolle
    Deutschland dort zukünftig spielen wird. Ich knüpfe an
    das an, was Herr Gerhardt gesagt hat: Herr Bundesaußen-
    minister, was passiert nach dem 8. Dezember? Welchen
    Beitrag wird Deutschland zur Durchsetzung der UN-Re-
    solutionen leisten? Darauf sind Sie uns eine Antwort
    schuldig.

    Sie bieten, was Afghanistan angeht, die Führungsrolle
    Deutschlands an. Wir werden darüber noch gesondert dis-
    kutieren. Man hat den Eindruck, dass es wegen der feh-


    (A)



    (B)



    (C)



    (D)


    934


    (A)



    (B)



    (C)



    (D)


    Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 13. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002 935

    lenden Bündnissolidarität in der Irak-Frage zu einem
    Kompensationsgeschäft kommen soll. Sie bieten diese
    Führungsrolle in einer schwierigen Sicherheitslage an.
    Wir haben dazu eine Vielzahl von Fragen gestellt, gerade
    was den Verteidigungsbereich angeht, die Sie nicht beant-
    wortet haben: Gibt es eine Exit-Strategie? Wie sollen im
    Ernstfall 2 000 bis 5 000 Mann herausgeholt werden? Wo
    ist das Gesamtkonzept für Afghanistan?

    Herr Bundesaußenminister, Sie lassen sich feiern. Ih-
    re Devise lautet: Wir gehen überall rein: Mazedonien,
    Bosnien, Afghanistan.


    (Rudolf Bindig [SPD]: In den Irak gehen wir doch gerade nicht rein! – Wilhelm Schmidt [Salzgitter] [SPD]: Das ist doch unglaublich! Was ist das denn für eine Rede?)


    Sagen Sie der deutschen Öffentlichkeit doch einmal,
    wann wir wieder herausgehen. Welche politischen Initia-
    tiven planen Sie, um politische Befriedung in diesen Re-
    gionen herbeizuführen?


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Ludger Volmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie doch, dass Sie rauswollen!)


    Jetzt komme ich auf die Türkei zu sprechen. Die Türkei
    ist unser Freund und Partner in der NATO und in Europa.
    Dennoch lehnen wir einen Beitritt der Türkei zur EU ab.

    Michael Glos wurde heute früh vom Bundeskanzler zi-
    tiert. Ich zitiere ihn aus demselben Artikel. Die Linie, die
    Kontinuität unserer Argumentation ist klar:


    (Günter Gloser [SPD]: Schlangenlinien!)

    Die Türkei hat noch einen langen Weg nach Europa. Ich zi-
    tiere Michael Glos aus der „Welt“ vom 23. Oktober 1997:

    Mit fast 70Millionen Einwohnern in der Türkei kann
    angesichts des Entwicklungsabstands niemand heute
    daran denken, zwischen Europa und Ankara Freizü-
    gigkeit zu verwirklichen. Dies darf aber nicht bedeu-
    ten, der Türkei ... die Tür ... zuzuschlagen.

    (Joseph Fischer, Bundesminister: Sehr gut!)


    Die Türkei muss als privilegierter Partner der Euro-
    päischen Union behandelt werden. Die Zollunion
    zwischen der EU und der Türkei seit dem 1. Januar
    1996 weist hier den Weg.

    Da hatte er 1997 Recht: Natürlich ist das der Weg. Wir
    stellen uns in die Kontinuität, meine sehr verehrten Da-
    men und Herren. Wir wollen den weiteren Ausbau privi-
    legierter Sonderbeziehungen zur Türkei.


    (Dr. Ludger Volmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber keine Mitgliedschaft!)


    Wir müssen uns auch – lassen Sie mich das mit Blick auf
    die Innenpolitik einflechten – um einen neuen Zugang, um
    andere Wege der Integration und der Ansprache der türki-
    schen Bevölkerung hier in Deutschland bemühen. Wir dür-
    fen nicht das Signal senden, die türkischen Bürger in
    Deutschland stünden abseits. Nein, wir wollen Sonderbe-
    ziehungen zur Türkei und wir wollen den weiteren Ausbau.


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Die Wirtschaftsleistung der Türkei liegt bei 22 Prozent
    des EU-Durchschnitts, die Inflation beträgt 40 Prozent.


    (Vorsitz: Vizepräsident Dr. Norbert Lammert)

    Es gibt dort 12 Millionen Bauern. Die EU-Kommission
    hat gerade die Berechnung vorgelegt: Die Einbeziehung
    der Türkei in die Strukturfonds und den Kohäsionsfonds
    des jetzigen Systems würde 30 Milliarden Euro im Jahr
    kosten.

    Sehr geehrter Herr Außenminister, Sie haben in Nizza
    und in Berlin ja nicht einmal die Voraussetzungen dafür
    geschaffen, die zehn mittel- und osteuropäischen Staaten
    zu integrieren.


    (Günter Gloser [SPD]: Heißen Dampf reden Sie!)


    Wie wollen wir unter diesen Voraussetzungen die Inte-
    gration der Türkei schaffen? Das ist im Augenblick nicht
    möglich.

    Neue Strukturen der Zusammenarbeit sind notwendig;
    ich nenne in diesem Zusammenhang das Stichwort EWR
    Osteuropa. Ich frage an dieser Stelle den Außenminister:
    Könnte das nicht auch auf dem Balkan der zukünftige
    Weg sein? Auch dort müssen wir doch entsprechende
    Überlegungen anstellen. Wo ist Ihr Balkankonzept? Sol-
    daten und Geld ja, aber wo bleibt die politische Perspek-
    tive? Auch in Serbien, Bosnien, Mazedonien und Alba-
    nien bieten Sie als Perspektive nur die EU-Mitgliedschaft,
    wohl wissend, dass der Weg dorthin so nicht möglich ist.


    (Dr. Christoph Zöpel [SPD]: Was?)

    Auch hier brauchen wir neben der Perspektive einer Voll-
    mitgliedschaft neue Denkansätze und neue Strukturen.

    Fragen über Fragen, Herr Bundesaußenminister. In Ih-
    rer bekannten Überheblichkeit interessiert Sie das nicht.


    (Joseph Fischer, Bundesminister: Doch!)

    Keine Antworten, keine Strategien, ein angeknackstes
    deutsch-französisches Verhältnis, die Infragestellung der
    Vereinten Nationen, die Verunsicherung in Israel – eine
    verheerende Bilanz, ein hoher Preis für vier Jahre rot-
    grüne Außenpolitik.

    Danke schön.

    (Beifall bei der CDU/CSU – Gernot Erler [SPD]: Sie sollten auswandern! – Lothar Mark [SPD]: Glauben Sie das selbst? – Günter Gloser [SPD]: Was gibt es da Beifall zu klatschen? So was Niveauloses!)




Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

Ich erteile das Wort dem Kollegen Ludger Volmer,

Bündnis 90/Die Grünen.


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Ludger Volmer


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her-

    ren! In der Tat, es geht nicht nur um Einzelfragen, etwa
    um den Irak oder um Afghanistan, es geht um die Frage
    einer neuen Weltordnung. Diese Frage stellt sich seit

    Dr. Gerd Müller

    Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 13. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 4. Dezember 2002
    Dr. Ludger Volmer
    mindestens zwölf Jahren, seit dem Zusammenbruch der
    bipolaren Weltordnung. Bei der Suche nach der neuen
    Weltordnung gibt es Dispute, auch zwischen demokrati-
    schen Staaten. Wir haben in Europa einen intensiven Dia-
    log darüber, wie die europäische Integration aussehen
    soll. Also ist es folgerichtig, wenn zwischen anderen Staa-
    ten ein Disput über die globale Integration stattfindet. Es
    ist völlig normal, dass die Europäer an diesem Punkt
    manchmal andere Auffassungen haben als die amerikani-
    schen Freunde. Die Frage ist: Wie geht man damit um?

    Ich möchte Ihnen eine kleine Episode erzählen. Ich
    denke sehr gerne zurück an den Kollegen Karl Lamers
    von der CDU, der hier oft vermisst wird. Karl Lamers
    sprach mich vor zwei oder drei Jahren einmal an und
    sagte: Ihr als rot-grüne Regierung müsstet doch das For-
    mat haben, einen begrenzten Disput mit den Vereinigten
    Staaten auch offen auszutragen, und zwar mutiger, als das
    unsere Kohl/Kinkel-Regierung getan hat. Richtig, Herr
    Lamers, sagte ich, aber ich prophezeie Ihnen eines: Sie
    und die Union werden die Ersten sein, die uns dann öf-
    fentlich in den Rücken fallen.


    (Dr. Wolfgang Gerhardt [FDP]: Beides ist korrekt!)


    Genau das haben wir durch die Rede von Herrn Schäuble
    jetzt erlebt.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wenn es nicht einmal mehr möglich sein darf, in einer
    präzise beschreibbaren sicherheitspolitischen Frage ande-
    rer Meinung zu sein als bestimmte Sicherheitskreise in
    den Vereinigten Staaten, dann frage ich Sie: Wo ist denn
    die europäische Freiheit gegenüber den amerikanischen
    Partnern? Können wir uns dann überhaupt noch als Part-
    ner empfinden oder müssten wir uns nicht selbstkritisch
    als Vasallen bezeichnen?

    Einen solchen Status gegenüber den Vereinigten Staa-
    ten wollen wir nicht. Wir wollen Freundschaft, wir wol-
    len Partnerschaft als Konstante der deutschen und der eu-
    ropäischen Außenpolitik. Aber diese Partnerschaft muss
    auch dazu dienen, sich solidarisch darüber zu verständi-
    gen, wie denn die neue Weltordnung aussehen soll, ob
    sie – das ist der europäische Vorschlag und das entspricht
    auch den Grundlinien rot-grüner Außenpolitik – auf Mul-
    tilateralismus setzen soll, hauptsächlich organisiert
    durch die Vereinten Nationen und die anderen Regional-
    organisationen, ob sie bestehen soll aus einer internatio-
    nalen Strukturpolitik, aus einer globalen Ordnungspolitik,
    aus Global Governnance oder ob sie bestehen soll aus der
    Hegemonie der verbleibenden Supermacht.


    (Abg. Dr. Friedbert Pflüger [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage)


    Dass diese Supermacht Interessen hat, die man sogar
    nachvollziehen kann, wenn man sich in ihre Position be-
    gibt, räumen wir ein. Deshalb ist das auch kein gegneri-
    scher Diskurs, sondern ein freundschaftlicher. Wir werden
    nicht Weisungsempfänger sein, von wo auch immer die
    Weisungen kommen sollten. In diesem Sinne werden wir
    weiterhin eine selbstbewusste Politik mit Augenmaß be-
    treiben. Das betrifft den Irak, das betrifft Afghanistan, das
    betrifft die Türkei.

    Sorry, Herr Pflüger, ich habe heute nur vier Minuten
    Redezeit. Deshalb gern ein anderes Mal.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Dr. Gerd Müller [CDU/CSU]: Das war ein Satz! Das war ein Vier-Minuten-Satz!)