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ID1402012900

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 14/20 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 20. Sitzung Bonn, Dienstag, den 23. Februar 1999 I n h a l t : Erweiterung der Tagesordnung........................ 1383 B Zusatztagesordnungspunkt 1: Abgabe einer Erklärung der Bundes- regierung zu den gewalttätigen Aktionen aus Anlaß der Verhaftung des PKK- Vorsitzenden Abdullah Öcalan ................. 1383 B Otto Schily, Bundesminister BMI.................... 1383 B Erwin Marschewski CDU/CSU ....................... 1387 A Günter Graf (Friesoythe) SPD ..................... 1388 A Ludwig Stiegler SPD ....................................... 1389 B Dr. Guido Westerwelle F.D.P. ......................... 1391 B Cem Özdemir BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.. 1393 A Petra Pau PDS.................................................. 1394 B Uta Zapf SPD................................................... 1395 B Ruprecht Polenz CDU/CSU............................. 1396 D Dr. Ludger Volmer, Staatsminister AA ........... 1398 B Tagesordnungspunkt 1: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundeshaus- haltsplans für das Haushaltsjahr 1999 (Haushaltsgesetz 1999) (Drucksache 14/300) .................................. 1399 D b) Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht über den Stand und die voraus- sichtliche Entwicklung der Finanzwirt- schaft (Drucksache 14/350) ....................... 1399 D Oskar Lafontaine, Bundesminister BMF ......... 1400 A Friedrich Merz CDU/CSU............................... 1409 D Joachim Poß SPD ........................................ 1412 D Volker Kröning SPD.................................... 1414 B Ingrid Matthäus-Maier SPD ............................ 1416 B Dr. Christa Luft PDS ................................... 1420 B Dr. Günter Rexrodt F.D.P................................ 1420 C Ingrid Matthäus-Maier SPD ............ 1421 D, 1437 D Oswald Metzger BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN................................................................. 1424 B Bartholomäus Kalb CDU/CSU.................... 1425 B Hartmut Schauerte CDU/CSU..................... 1428 D Dr. Uwe-Jens Rössel PDS ............................... 1430 D Hans Georg Wagner SPD ................................ 1432 B Jürgen Koppelin F.D.P. .............................. 1433 D Bartholomäus Kalb CDU/CSU........................ 1437 A Dietrich Austermann CDU/CSU ..................... 1437 B Oswald Metzger BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN ............................................................ 1440 B Jörg Tauss SPD............................................ 1442 B Dr. Konstanze Wegner SPD ............................ 1443 A Gerda Hasselfeldt CDU/CSU .......................... 1445 A Dr. Barbara Höll PDS...................................... 1447 A Fritz Schösser SPD .......................................... 1448 A Susanne Jaffke CDU/CSU............................... 1450 C Edelgard Bulmahn, Bundesministerin BMBF . 1451 B Steffen Kampeter CDU/CSU........................... 1454 C II Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 20. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 23. Februar 1999 Dr. Peter Eckart SPD ....................................... 1457 A Jürgen W. Möllemann F.D.P. ......................... 1458 B Matthias Berninger BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN................................................................. 1460 B Jürgen W. Möllemann F.D.P. ..................... 1461 C Maritta Böttcher PDS....................................... 1463 A Jörg Tauss SPD................................................ 1464 B Dr. Gerhard Friedrich (Erlangen) CDU/CSU .. 1467 B Hans-Josef Fell BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 1469 A Thomas Rachel CDU/CSU .............................. 1470 B Jürgen Trittin, Bundesminister BMU............... 1472 A Jochen Borchert CDU/CSU ............................. 1473 B Ulrike Mehl SPD ............................................. 1475 A Jürgen Koppelin F.D.P. ................................... 1476 D Waltraud Lehn SPD..................................... 1478 B Dr. Reinhard Loske BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN................................................................. 1479 A Eva Bulling-Schröter PDS............................... 1480 C Christoph Matschie SPD.................................. 1481 B Dr. Klaus Lippold (Offenbach) CDU/CSU ..... 1482 D Michael Müller (Düsseldorf) SPD................... 1485 A Nächste Sitzung .............................................. 1486 C Berichtigung ................................................... 1486 B Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten .......... 1487 A Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 20. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 23. Februar 1999 1383 (A) (C) (B) (D) 20. Sitzung Bonn, Dienstag, den 23. Februar 1999 Beginn: 9.00 Uhr
  • folderAnlagen
    Berichtigung 19. Sitzung, Seite 1327 A, 3. Absatz. Der Satzanfang ist zu lesen: „Wie das Sein das Bewußtsein verän- dert, ...“ Michael Müller (Düsseldorf) Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 20. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 23. Februar 1999 1487 (A) (C) (B) (D) Anlage zum Stenographischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt biseinschließlich Baumeister, Brigitte CDU/CSU 23.1.99 Brudlewsky, Monika CDU/CSU 23.1.99 Diemers, Renate CDU/CSU 23.1.99 Ehlert, Heidemarie PDS 23.1.99 Erler, Gernot SPD 23.1.99 Fischer (Frankfurt), Joseph BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 23.1.99 Frick, Gisela F.D.P. 23.1.99 Hasenfratz, Klaus SPD 23.1.99 Hempelmann, Rolf SPD 23.1.99 Dr. Luther, Michael CDU/CSU 23.1.99 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Michels, Meinolf CDU/CSU 23.1.99 Dr. Protzner, Bernd CDU/CSU 23.1.99 Rauber, Helmut CDU/CSU 23.1.99 Roth (Augsburg), Claudia BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 23.1.99 Rupprecht, Marlene SPD 23.1.99 Schindler, Norbert CDU/CSU 23.1.99 Sebastian, Wilhelm-Josef CDU/CSU 23.1.99 Verheugen, Günter SPD 23.1.99 Dr. Waigel, Theodor CDU/CSU 23.1.99 Willner, Gert CDU/CSU 23.1.99 Wissmann, Matthias CDU/CSU 23.1.99 Wohlleben, Verena SPD 23.1.99
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Steffen Kampeter


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Frau Präsidentin!
    Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolle-
    ginnen und Kollegen!
    Die politische Bewertung des Etats, den wir heute in er-
    ster Lesung diskutieren, muß sich zum einen an dem
    orientieren, was die erfolgreiche Regierung Kohl bereits
    im Juli 1998 als Etatentwurf vorgelegt hat. Zum anderen
    muß sich der Etat an den Ankündigungen im Wahl-
    kampf und auch in den vergangenen Monaten unter die-
    ser Bundesregierung messen lassen. Das wird unsere
    Meßlatte für die Beratung des Etats 1999 sein.


    (Beifall bei der CDU/CSU)

    Der Rüttgers-Etatentwurf sah für 1999 einen Zu-

    wachs in einer Größenordnung von 500 Millionen DM
    für Bildung, Forschung und Innovation vor. Der Ge-
    samtplafond betrug 14,428 Milliarden DM. Die zusätz-
    lichen Mittel dieses Etatentwurfes sollten in einer Grö-
    ßenordnung von 250 Millionen DM für Hochschul- und
    Studienbelange, in einer Größenordnung von 175 Mil-
    lionen DM für High-Tech und Innovation und in einer
    Größenordnung von 75 Millionen DM für berufliche
    Bildung und Mittelstand verwendet werden.

    Der heute vorgelegte Plafondentwurf von Frau Bul-
    mahn hat lediglich eine Größenordnung von 15 Milliar-
    den DM. Wenn man gerechterweise allerdings die Mittel
    abzieht, die Sie ans Wirtschaftsministerium abgegeben
    haben – es ist im übrigen kein Ausweis politischer Stär-
    ke Ihres Hauses, wenn Ihnen Kompetenzen im Bereich
    der Luftfahrtforschung weggenommen werden –,


    (Beifall bei der CDU/CSU)

    beträgt der Zuwachs gegenüber dem ursprünglichen Re-
    gierungsentwurf nur noch 400 Millionen DM. Dies an-
    erkenne ich, es ist ein respektabler Zuwachs. Minister
    Rüttgers hätte ihn anständig verkauft. Aber in bezug auf
    Ihre Ankündigung einer zusätzlichen Milliarde für Bil-
    dung und Forschung ist dies eine glatte Zielverfehlung.
    Das ist der erste Minuspunkt für den Etat, den Sie heute
    vorgelegt haben.


    (Beifall bei der CDU/CSU)

    Es ist weiter politisch wichtig, wie der Bundes-

    finanzminister mit Ihrer Ankündigung umgeht und Ihren
    Etat in der mittelfristigen Finanzplanung ausstattet. Da-
    zu haben Sie heute relativ wenig gesagt. Werden die
    finanziellen Versprechungen der Regierung auch in den
    kommenden Etats eingehalten? Alles, was Sie bisher da-
    zu gesagt haben, Frau Bulmahn, war der Verweis auf
    den Beschluß für den Etat 2000 und die mittelfristige
    Finanzplanung im Juli, wenn weitere Wahlen wie zum
    Beispiel in Bremen und die Europawahl abgeschlossen
    sind. Wird es dann die nach Ihrer eigenen Berechnung
    zusätzlich notwendigen rund 1,5 Milliarden DM für Sie
    geben? Wie werden Sie nach dem Familienurteil des

    Bundesministerin Edelgard Bulmahn






    (A) (C)



    (B) (D)


    Bundesverfassungsgerichtes die Etatenge, die auch Herr
    Lafontaine heute nicht hat ausräumen können, für Bil-
    dung und Forschung verkraften? Wie wird der Konflikt
    zwischen zusätzlichem Kindergeld und Zukunftsinvesti-
    tionen ausgehen? Das ist die Meßlatte, an Hand derer
    wir Sie in den nächsten Monaten bewerten werden.


    (Beifall bei der CDU/CSU – Detlev von Larcher [SPD]: Jetzt klatschen die, die das verschuldet haben!)


    Es ist auch eine politisch interessante Frage, die hier
    im Hause erörtert werden muß, was nämlich nach Ihrer
    Ankündigung der Verdoppelung der Ausgaben für
    Bildung und Forschung denn tatsächlich verdoppelt
    worden ist. Vorhin saß noch Karl Diller auf der Regie-
    rungsbank, der in seiner Funktion als haushaltspoliti-
    scher Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion dieses
    Wahlversprechen der SPD wohl ehrlicherweise relati-
    viert hat und als nicht finanzierbar dargestellt hat. Sie
    sprechen auch heute nicht von einer Verdoppelung der
    Ausgaben für Bildung und Forschung, sondern relativie-
    ren das insoweit, als Sie den Investitionsbegriff verwen-
    den: Investitionen in Bildung und Forschung sollen in
    den nächsten Jahren verdoppelt werden. Ich habe Ihren
    Staatssekretär Catenhusen und Ihr Haushaltsreferat
    mehrfach gebeten, mir einmal aufzuschreiben, welchen
    Investitionsbegriff man bei Ihnen hat, damit wir das
    einmal überprüfen können. Weder Herr Catenhusen
    noch Ihr Haus haben diese Frage bis heute beantwortet.
    Da mag der eine oder andere einmal krank gewesen
    sein. Aber die Opposition sollte man auch nicht künst-
    lich dumm halten.


    (Detlev von Larcher [SPD]: Das braucht man nicht!)


    Wir werden prüfen, ob Sie denn tatsächlich Verdoppe-
    lungsabsichten haben.

    In aktuellen Presseveröffentlichungen sprechen Sie
    neuerdings nicht mehr von Verdoppelung, sondern von
    5 Milliarden DM zusätzlich. Das ist zwar keine Verdop-
    pelung, aber immerhin ein Aufwuchs um ein Drittel, der
    respektabel ist. Ich glaube allerdings nicht, daß Sie ihn
    erreichen werden. Das wäre dann eine Lüge über die
    Steigerung von Bildungs- und Forschungsausgaben; sie
    werden wir in diesem Haus geißeln.


    (Beifall bei der CDU/CSU – Lachen bei der SPD)


    Ich will auch an dieser Stelle gerade in bezug auf die
    von Ihnen dargelegten neuen Programmansätze kritisie-
    ren, daß die unverantwortlich späte Vorlage dieses
    Haushaltes gerade im Einzelplan 30 wahrscheinlich zu
    erheblichen Verwerfungen führen wird. Während der
    Rüttgers-Etat Anfang 1999 in Kraft getreten wäre, wird
    dieser Etat nach den bisherigen Planungen erst Mitte des
    Jahres in Kraft treten. Das hat natürlich für neue Pro-
    jekte und Programme, die Sie übernommen und deren
    Zahl Sie teilweise noch gesteigert haben, die Auswir-
    kung, daß die Mittel nicht mehr abfließen werden. Wenn
    Sie heute ankündigen, man müsse Soll mit Soll verglei-
    chen, dann erwidere ich: Das Ausgabensoll in Ihrem
    Haushalt ist nur ein Potemkinsches Dorf, weil Sie nur

    ein halbes Jahr Zeit haben, um die eigentlich für zwölf
    Monate vorgesehenen Ausgaben abfließen zu lassen. Ich
    stelle die Behauptung auf, daß vieles von dem, was Sie,
    Frau Bulmahn, großzügig in Ihrer Rechnung als Zu-
    wachs für Bildung und Forschung ausweisen, nichts an-
    deres als Spielmaterial für die Deckung der Haushalts-
    lücken von Herrn Lafontaine am Ende dieses Jahres ist.
    Darauf werden wir Sie sehr konkret hinweisen. Die
    Mittel können gar nicht innerhalb von sechs Monaten
    sinnvoll und ordnungsgemäß abfließen, wie Sie das
    heute vorgetragen haben.


    (Beifall bei der CDU/CSU – Detlev von Larcher [SPD]: Er hat wirklich nichts in der Hand! Deswegen spekuliert er!)


    Ich will aber auch nicht verschweigen, daß bei ge-
    nauer Durchsicht dieses Haushaltes offensichtlich wird,
    daß viele Teile in ihrer Akzentsetzung dem entsprechen,
    was die Bundesregierung Kohl dem Parlament vorgelegt
    hat. Daraus ziehe ich drei Schlußfolgerungen.

    Erstens. So falsch kann unsere Politik entgegen Ihren
    kritischen Haushaltsreden gar nicht gewesen sein, wenn
    Sie große Teile unseres Etatentwurfes übernehmen.

    Zweitens. Dann kann auch Ihre Ankündigung, Frau
    Minister, nicht stimmen, wonach es mit der Bildungs-
    und Forschungspolitik erst jetzt richtig losgeht, wenn
    Sie gedanklich und finanziell Anleihen bei Jürgen Rütt-
    gers machen.

    Drittens – auch das muß klar sein –: Wir können auch
    nicht alles von dem ablehnen, was Sie heute vorschla-
    gen, weil vieles mit dem übereinstimmt, was wir bereits
    in den vergangenen Jahren eingeleitet haben.

    Deswegen begrüße ich es ausdrücklich – es entspricht
    auch meinem Engagement als Haushaltsberichterstatter –,
    daß Sie DFG, MPG und FhG erstmals in einem Regie-
    rungsentwurf gleich behandeln. Ich begrüße weiterhin,
    daß Sie die Idee der Leitprojekte, die von Jürgen Rütt-
    gers eingeführt worden ist, fortentwickeln, daß Sie die
    Strategie- und damit auch die Wettbewerbsüberlegungen
    in bezug auf die deutsche Forschungslandschaft, die
    nicht ganz ohne Kritik auch bei den Betroffenen geblie-
    ben sind, weiter unterstützen, daß Sie einen Akzent bei
    den überbetrieblichen Ausbildungsstätten des Hand-
    werks setzen, daß Sie eine überproportionale Steigerung
    der Projektförderung, die auch im Rüttgers-Entwurf
    dreimal so stark zugenommen hat wie die institutionelle
    Förderung, vornehmen.


    (Ilse Janz [SPD]: Sie sind vorher dramatisch zusammengestrichen worden!)


    Auch daß Sie in gleicher Größenordnung wie im Rütt-
    gers-Entwurf Mittel für die neuen Länder ausgeben,
    kann von uns eigentlich nur begrüßt werden. Wir sagen
    Ihnen, Frau Minister: Sie haben recht, wenn Sie uns
    zitieren und wenn Sie unsere Politik fortsetzen.


    (Beifall bei der CDU/CSU – Detlev von Larcher [SPD]: Das ist unverfroren!)


    Trotzdem will ich zwei Bereiche nennen, bei denen
    ich glaube, daß dieser Etat auf einige politische Schwie-
    rigkeiten treffen wird. Das ist zum einen der Hoch-

    Steffen Kampeter






    (B)



    (A) (C)



    (D)


    schulbereich, und das ist zum anderen die Weltraum-
    forschung. Sie scheinen sich als finanzielle Ankündi-
    gungsministerin zu verstehen; Sie haben auch eine große
    BAföG-Novelle angekündigt. Wenn wir sie verabschie-
    det hätten, wäre es für Sie dann eine unzureichende Mi-
    ni-Novelle des BAföG gewesen. Der von Ihnen verspro-
    chene und von den Studenten erwartete große Wurf ist
    das nicht. Ihre etwas vagen Äußerungen über die „große
    Strukturreform“ zum Ende des Jahres 1999 lassen mich
    befürchten, daß innerhalb der Bundesregierung noch
    nicht klar ist, wer diese BAföG-Novelle schreibt – Sie
    oder der Bundesfinanzminister. Denn auch in den Län-
    dern ist die Frage völlig umstritten, ob die von Ihnen an-
    gekündigte BAföG-Novelle kostenneutral oder mit zu-
    sätzlichen Ausgaben für die Bundesländer und für den
    Bund zu erfolgen hat. Die Anwort auf diese Frage sind
    Sie, Frau Ministerin, heute schuldig geblieben. In bezug
    auf das BAföG sind Sie das, was Sie Ihrem Vorgänger
    gerne vorgeworfen haben: eine reine Ankündigungsmi-
    nisterin.

    Ich will an dieser Stelle auch darauf hinweisen, daß
    Ihre BAföG-Pläne auch in der eigenen Partei nicht ganz
    unumstritten sind. So haben der Ihnen nicht ganz unbe-
    kannte niedersächsische SPD-Fraktionsvorsitzende, Ga-
    briel, und der niedersächsische Wissenschaftsminister –
    Sie sollten die beiden deswegen gut kennen, weil Sie
    Vorsitzende der niedersächsischen SPD sind und die
    Landesregierung in Niedersachsen von Ihrer Partei ge-
    tragen wird – vor kurzem festgestellt, daß es im Hin-
    blick auf die Studienfinanzierung eine Illusion sei, auf
    sprudelnde Steuerquellen zu spekulieren, und darauf
    hingewiesen, daß die meisten Studenten sowieso aus
    Familien der oberen Mittelschicht kämen, denen Stu-
    diengebühren zuzumuten seien. Assistiert werden sie
    von der Hans-Böckler-Stiftung, die Studiengebühren für
    richtig und notwendig hält.

    Ich kann Ihre Ablehnung von Studiengebühren, die
    Sie gebetsmühlenartig wiederholen, deswegen nicht
    mehr ganz nachvollziehen. Ihr erster Rückzug ist aber,
    so glaube ich, erfolgt, indem Sie gesagt haben, daß Sie
    sich für ein Zweitstudium durchaus Studiengebühren
    vorstellen könnten. Das läßt uns für die weiteren Dis-
    kussionen noch einiges vermuten.

    Ich bin auch etwas in Zweifel, ob die Kategorisierung
    Ihrer Politik als eine „linke SPD-Politik“ ganz zutref-
    fend ist. Zumindest in Zweifel ist auch die „Tageszei-
    tung“, die vor einigen Wochen in Kommentierung Ihrer
    ersten Amtsinhalte zum Thema BAföG geschrieben hat:

    Im nächsten Jahr will sie als ersten Schritt der No-
    velle die Elternfreibeträge anheben. Nicht eben ra-
    dikal, die Idee. Radikalen Vorschlägen, etwa der
    einer komplett elternunabhängigen Förderung für
    alle Studierenden, wird sie dabei ohnehin nicht fol-
    gen. „Ich bin nicht der Meinung, daß man allen Ju-
    gendlichen eine existenzsichernde Förderung durch
    den Staat anbieten kann“, bemerkt Bulmahn. Ihren
    linken studentischen Bündnispartnern aus der Op-
    positionszeit wird das Lachen vergehen.

    Die „Zeit“ kommentiert „Wechsel ohne Verände-
    rung“ und wirft Ihnen vor, daß Sie vor den notwendigen

    Reformen zurückschrecken. Also: Wir werden uns auch
    beim BAföG bei Ihnen noch auf einiges einstellen müs-
    sen. Solide ist das, was Sie hier vorgetragen haben, kei-
    nesfalls.


    (Beifall bei der CDU/CSU)

    In großer Sorge bin ich bezüglich dessen, was Sie

    zum Bereich Weltraumforschung vorgetragen haben.
    Im Haushaltsausschuß bestand in den vergangenen Jah-
    ren zwischen den beiden großen Volksparteien – zumin-
    dest zwischen dem Kollegen Schanz und mir – große
    Übereinstimmung, daß die bemannte und unbemannte
    Weltraumforschung ein Schwerpunkt auch unserer Poli-
    tik sein sollte. Sie werden in den nächsten Wochen, in
    Vorbereitung der ESA-Ministerratskonferenz, als Rats-
    präsidentin nicht ganz ohne Verantwortung sein, was die
    zukünftigen Entscheidungen über die bemannte Raum-
    fahrt, aber auch über die Erweiterung des Ariane-5-
    Projektes angeht. Sie stehen da nicht nur in einer ideolo-
    gischen Verantwortung, sondern in einer gesamteuropäi-
    schen Verantwortung. Denn beispielsweise das Projekt
    der europäischen Raumstation hat nicht nur einen rein
    forschungspolitischen Aspekt, sondern ist darüber hin-
    aus ganz, ganz wichtig für die Einbindung von Russen
    und Amerikanern und somit ein Projekt politischer Ko-
    operation. Wir werden Sie daran erinnern, daß Sie hier
    eine besondere Verantwortung haben.

    Abschließend will ich aus der „Woche“ zitieren. Ei-
    ner Ihrer innerparteilichen Gegner wird dort mit folgen-
    den Einschätzungen zitiert:

    Mit ihrem Hang, neue Institutionen wie eine Bun-
    desethikkommission und „ständig neue Räte“ zu
    fordern, etwa einen Bundesbildungsrat, verschanze
    sich Edelgard Bulmahn „hinter zusätzlichen Auto-
    ritäten“, kritisiert ein SPD-Abgeordneter. Ihr Ar-
    beitsstil zeige „wenig Souveränität im Diskurs“, sie
    monopolisiere Wissen und Macht, ziehe „alles in
    sich hinein“ und habe mit diesem Führungsstil in
    der Arbeitsgruppe der Fraktion einst „großes Mur-
    ren“ hervorgerufen. Hinzu kommen die Marotten
    einer Oberlehrerin: Sie mag den Besucher, der sei-
    nen Fragenkatalog in der eingeräumten Zeit abge-
    arbeitet hat, nicht entlassen, bevor sie ihm nicht in
    den Block diktiert hat, was ihr sonst noch wichtig
    ist – und wonach nicht gefragt wurde ...

    (Ilse Janz [SPD]: Das ist ja jetzt ganz peinlich, Herr Kollege! Mein Gott, ist das dürftig!)


    Frau Ministerin, das ist ein mieser innerparteilicher Um-
    gangsstil. Den werden Sie von uns nicht erwarten.


    (Ilse Janz [SPD]: Peinlich!)

    Wir werden Ihren Etat nach sachlichen, anständigen

    Kriterien prüfen, Sie da kritisieren, wo es notwendig ist,
    Verbesserungsvorschläge machen, wo es notwendig ist,
    und Sie da unterstützen, wo Sie eine richtige Politik ma-
    chen. In diesem Sinne werden wir den Etat 1999 Ihres
    Hauses beraten.

    Danke schön.

    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abge ordneten der F.D.P.)


    Steffen Kampeter






    (A) (C)



    (B) (D)




Rede von Dr. Antje Vollmer
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Das Wort hat
jetzt der Abgeordnete Dr. Peter Eckardt.


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Peter Eckardt


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

    Frau Präsidentin! Meine
    sehr verehrten Damen und Herren! Ich habe mit Steffen
    Kampeter schon seit sieben oder acht Jahren Erfahrung.
    Ich finde es nicht in Ordnung, daß man in einer Bil-
    dungsdebatte eine Ministerin persönlich so angreift.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)

    Wir bemühen uns alle um Bildung und haben alle gute
    Motive. Ich denke, es geht um Argumente und nicht
    darum, jemanden persönlich so zu attackieren. Ich glau-
    be, Herr Kampeter, Sie können ganz sicher sein: Die
    Fraktion der Sozialdemokraten wird sich dafür einsetzen
    und auch durchsetzen, daß es neben der Vorschaltrege-
    lung für das BAföG eine umfassende BAföG-Regelung
    gibt.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)


    Die Fraktion der Sozialdemokraten wird auch dafür ga-
    rantieren, daß es auf Bundesebene und da, wo der Bund
    es beeinflussen kann, keine Studiengebühren oder irgend
    etwas ähnliches gibt. Ich denke, die Frau Ministerin
    kann sich auf diese Position verlassen.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Wir sind in diesem Hause sicher einig, daß Wissen-
    schaft und Forschung, Universitäten und Hochschulen
    einen wichtigen, unverzichtbaren Beitrag für Kultur,
    Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung unseres
    Landes leisten. Wir sind uns aber, glaube ich, auch
    einig, daß der Beitrag der deutschen Hochschulen im
    Wettbewerb mit anderen Gesellschaften und Kulturen,
    in der Konkurrenz der Technologien und auch in der
    Konkurrenz der Märkte noch steigen wird. Wir sind uns
    aber vermutlich – Herr Kampeter, ich bin schon fast
    ganz sicher – nicht einig, wenn ich feststelle, daß die
    Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutsch-
    land in den letzten Jahrzehnten hoffnungslos unterfinan-
    ziert waren und daß der drohende Verlust internationaler
    Reputation zum Teil auf diese Unterfinanzierung zu-
    rückzuführen ist.


    (Jürgen W. Möllemann [F.D.P.]: An wem liegt das denn?)


    Ich kann zu diesem Thema aus Erfahrung sprechen.
    Ich habe in den letzten Jahren an einer deutschen Uni-
    versität gelehrt und geforscht. Es ist keine Übertreibung,
    wenn ich feststelle: Die deutschen Hochschulen sind seit
    den 70er Jahren in einem Zerfallsprozeß. Ich will das
    Lob an Herrn Möllemann ruhig weitergeben: Nach Ih-
    nen war nicht mehr viel. Meine Tochter hätte nie in
    Amerika studieren können, wenn es nicht Ihr Hoch-
    schulsonderprogramm gegeben hätte. Das muß ich per-
    sönlich festhalten. Aber dabei bleibt es dann auch.


    (Beifall bei der F.D.P.)

    – Es gibt manche persönliche Beziehung. Man muß an-
    dere auch loben. Das ist in Ordnung.

    Die Ansprüche von Gesellschaft und Politik an die
    Hochschulen, seit 20 Jahren die studentische Überlast zu
    bewältigen, haben nicht nachgelassen. Vielmehr haben
    sich die wirtschaftlichen und sozialen Ansprüche an die
    Universitäten und Fachhochschulen erhöht. Die Globali-
    sierung der Märkte und Kulturen, die ökonomischen und
    technologischen Herausforderungen stellen die Hoch-
    schulen vor neue Aufgaben.

    Die sozialdemokratische Bundestagsfraktion unter-
    stützt die neue Bildungspolitik der Regierung, jetzt end-
    lich und hoffentlich nicht zu spät mit dieser Unterfinan-
    zierung Schluß zu machen und den Hochschulen und ih-
    ren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder Mut zu
    machen, auch finanziellen Mut: Über 6 Prozent Steige-
    rung des Bundeshaushalts 1999, eine erhebliche Mittel-
    verbesserung im Hochschulbau, in der wissenschaftli-
    chen Nachwuchsförderung, im Bereich BAföG, für den
    internationalen Austausch von Studierenden und Hoch-
    schullehrern, die Frauenförderung und der hochschul-
    politische Beginn neuer Initiativen und Programme, be-
    sonders auch in den neuen Ländern im Bereich der In-
    novationen. Die Fraktion der Sozialdemokraten unter-
    stützt die Regierung in diesen Aktivitäten. Ich denke,
    wir geben den Hochschulen damit wieder eine Perspek-
    tive, sich mit neuer Motivation und innovativen An-
    strengungen den neuen hochschulpolitischen Aufgaben
    zu stellen.

    Natürlich kann von heute auf morgen nicht alles
    finanziert werden, was in den letzten Jahren vernachläs-
    sigt wurde. Wenn Sie die Hochschulbaufinanzierung des
    letzten Jahrzehnts betrachten, wenn Sie an das zum Teil
    marode Mobiliar in den Universitäten, die abgeschriebe-
    nen Gebäude, die altertümliche Technik denken, mit der
    moderne Lehre angeblich eingefordert wird, können Sie
    verstehen, warum viele Kolleginnen und Kollegen an
    den Hochschulen auf die Politik der neuen Regierung
    setzen.

    Keine Mißverständnisse, bitte! Nicht nur mein armes
    Bundesland im Norden der Republik ist von der jahre-
    langen Unterfinanzierung betroffen.


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Wer regiert denn da?)


    – Ich weiß, ich weiß. Die sind manchmal auch nicht bes-
    ser.


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Nicht mehr lange!)


    Schauen Sie sich die Internetseiten der Universität Tü-
    bingen an, auf der die Hochschulleitung gerade in diesen
    Tagen öffentlich und unverfroren klagt, mit welchen
    Kürzungen seitens der Stuttgarter Landesregierung –
    Baden-Württemberg ist nachgewiesenermaßen kein ar-
    mes Land – sie sich herumschlagen muß. Lesen Sie
    nach, welche Folgen die Kolleginnen und Kollegen für
    die Wissenschaft in Deutschland sehen, wenn sich die
    Kürzungen seitens des Landes so weiterentwickeln!

    Nun sind Finanzen in der Wissenschaft nicht alles.
    Ich weiß das. Die notwendigen Reformen der Univer-
    sitäten müssen aus den Universitäten selbst kommen.
    Sie können weder mit der Drohung, den Geldhahn zuzu-






    (B)



    (A) (C)



    (D)


    drehen, erzwungen werden, noch hilft ein üppiger Geld-
    segen.

    Wenn aber die im Interesse der Beschäftigten not-
    wendigen Reformen unserer Hochschulen im Manage-
    mentwettbewerb qualitativ hochwertiger Lehrer und in-
    ternational anerkannter Forscher nicht bald verwirklicht
    werden, wird auch eine Debatte über die Finanzierung
    der Hochschulen insgesamt beginnen. Wir werden den
    Weg der weiteren Privatisierung der akademischen Aus-
    bildung für ausgewählte Kinder ausgewählter Eltern
    nicht mehr sperren können.

    Der Bundeshaushalt 1999 ist nach Meinung meiner
    Fraktion der Beginn der Stabilisierung der öffentlichen
    Verantwortung für Wissenschaft und Forschung und die
    Umkehr von dem bisher eingeschlagenen Weg. Über
    1 Milliarde DM an Steigerung im Bildungshaushalt sind
    schon viel Geld für die Zukunftsinvestitionen Bildung
    und Wissenschaft in diesem Land.

    Ich habe heute morgen gehört, daß Herr Rexrodt die-
    se Zahl heruntergerechnet hat, sie aber immer noch für
    respektabel hält, um dann zu sagen, daß die Ankündi-
    gung, die Bildungsinvestitionen in vier Jahren zu ver-
    doppeln, eine Mogelpackung sei. Fünf Monate sind ver-
    gangen. Auch Herr Kampeter hat für die Opposition
    wiederholt, daß im Jahre 2002 ein politisches Ziel nicht
    erreicht werden kann. Er weiß es offensichtlich schon
    heute.


    (Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Sie haben es für dieses Jahr schon verfehlt!)


    – Ja, ich weiß. – Die Sozialdemokraten werden qualita-
    tiv alles versuchen, Bildung und Wissenschaft weiter
    verstärkt zu fördern und wissenschaftliche Prioritäten zu
    setzen.

    Wenn man selbst studiert und einen gehobenen Platz
    in der Gesellschaft erreicht hat – gestatten Sie mir dies
    als letzten Satz –, die nachfolgende Generation mit Stu-
    diengebühren zu belegen, halte ich im übrigen nicht nur
    sozialpolitisch, sondern auch moralisch für verfehlt.

    Danke schön.

    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)