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ID1312222800

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 13/122 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 122. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 12. September 1996 Inhalt: Glückwünsche zum Geburtstag des Bundeswirtschaftsministers Dr. Günter Rexrodt 10931 B Begrüßung des Präsidenten der Handwerkskammer Budapest und des stellvertretenden Fraktionsführers der sozialistischen Partei im ungarischen Parlament 11008 B Tagesordnungspunkt 1: a) Fortsetzung der ersten Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 1997 (Haushaltsgesetz 1997) (Drucksache 13/5200) . . 10931 A b) Fortsetzung der Beratung der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 1996 bis 2000 (Drucksache 13/5201) 10931 A Dr. Günter Rexrodt, Bundesminister BMWi 10931 B Hans Büttner (Ingolstadt) SPD . . . . 10932 D Hans-Eberhard Urbaniak SPD . . . . 10933 A Ernst Schwanhold SPD . . . . 10934B, 10958 C Kurt J. Rossmanith CDU/CSU 10937 D Margareta Wolf (Frankfurt) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10939 D Dr. Otto Graf Lambsdorff F.D.P. . 10942B, 109558 Rolf Kutzmutz PDS 10944 B Dr.-Ing. Paul Krüger CDU/CSU . 10945D, 10949A, 10950B Eckart Kuhlwein SPD 10947 D Rolf Schwanitz SPD 10948 C Dr. Christa Luft PDS 10949D Anke Fuchs (Köln) SPD . . . . 10951A, 10956B Ulrich Petzold CDU/CSU 10953 A Dr. Heiner Geißler CDU/CSU 10953D, 10954 B Friedhelm Ost CDU/CSU . . . 10956D, 10959A Dr. Norbert Blüm, Bundesminister BMA . 10959 D Ingrid Matthäus-Maier SPD . 10960D, 10981A Oswald Metzger BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10961C Ulrike Mascher SPD 10963 A Ottmar Schreiner SPD 10964 C Dr. Gisela Babel F.D.P 10965 C Hans-Joachim Fuchtel CDU/CSU . . . 10967 D Andrea Fischer (Berlin) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10970B Dr. Barbara Hendricks SPD . 10970D, 10983 B Dr. Barbara Höll PDS 10971 A Annelie Buntenbach BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10971 C Dr. Gisela Babel F.D.P 10973C, 10976A Andrea Fischer (Berlin) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10975 D Petra Bläss PDS 10976 B Dr. Konstanze Wegner SPD 10978 B Karl-Josef Laumann CDU/CSU 10979 D Ottmar Schreiner SPD . . . . 10980C, 10982 B Volker Kauder CDU/CSU 10982 B Leyla Onur SPD 10984 B Dr. Jürgen Rüttgers, Bundesminister BMBF 10986A Edelgard Bulmahn SPD . . . 10987C, 11006C Edelgard Bulmahn SPD 10990 B Steffen Kampeter CDU/CSU 10993 D Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10996 B Franz Thönnes SPD 10996 D Simone Probst BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10997 C Jürgen Koppelin F.D.P 10998 D Dr. Ludwig Elm PDS 11001A Günter Rixe SPD 11002 C Dr. Jürgen Rüttgers CDU/CSU 11003D, 11004A Werner Lensing CDU/CSU 11004 B Dr. Gerhard Friedrich CDU/CSU . . . 11006A Elisabeth Altmann (Pommelsbrunn) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11008 C Jörg Tauss SPD 11009D Jürgen Koppelin F.D.P 11010B Claudia Nolte, Bundesministerin BMFSFJ 11011D Heidemarie Lüth PDS 11013A Christel Hanewinckel SPD 11014 D Johannes Singhammer CDU/CSU . 11015C Peter Jacoby CDU/CSU 11017A Irmingard Schewe-Gerigk BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 11018C Sabine Leutheusser-Schnarrenberger F.D.P 11020A, 11021C Rita Grießhaber BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11021B Rosel Neuhäuser PDS 11021 D Maria Eichhorn CDU/CSU 11022 D Irmingard Schewe-Gerigk BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11023 C Siegrun Klemmer SPD 11024 C Horst Seehofer, Bundesminister BMG . 11026C Klaus Kirschner SPD 11030 D Horst Seehofer CDU/CSU . . 11033A, 11033 C Hubert Hüppe CDU/CSU . . . 11036B, 11038D Waltraud Lehn SPD 11036 C Dr. Wolfgang Wodarg SPD 11037 A Editha Limbach CDU/CSU 11037 C Monika Knoche BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11038B Marina Steindor BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11039A Dr. Dieter Thomae F.D.P 11040C Klaus Kirschner SPD . . . . 11041D, 11044 D Dr. Ruth Fuchs PDS 11042 B Editha Limbach CDU/CSU 11043A Monika Knoche BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11043C Waltraud Lehn SPD 11045 B Wolfgang Gröbl, Parl. Staatssekretär BML 11046A Horst Sielaff SPD 11048 B Bartholomäus Kalb CDU/CSU 11050 D Peter Harry Carstensen (Nordstrand) CDU/CSU 11051B Ulrike Höfken BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11053D Wolfgang Gröbl CDU/CSU 11054 D Ulrich Heinrich F D P. 11055 C Bartholomäus Kalb CDU/CSU . . . . 11056B Dr. Günther Maleuda PDS 11056 D Ilse Janz SPD 11057 D Peter Harry Carstensen (Nordstrand) CDU/CSU 11059B Nächste Sitzung 11059 D Berichtigung 11059 Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . 11060 * A 122. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 12. September 1996 Beginn: 9.02 Uhr
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    Berichtigung 121. Sitzung, Seite 10886D, vorletzter Absatz, Zeile 9: Das Wort „nicht" ist durch das Wort „doch" zu ersetzen. Anlage zum Stenographischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Augustin, Anneliese CDU/CSU 12. 9. 96 Beck (Bremen), BÜNDNIS 12. 9. 96 Marieluise 90/DIE GRÜNEN Borchert, Jochen CDU/CSU 12. 9. 96 Graf von Einsiedel, PDS 12. 9. 96 Heinrich Glos, Michael CDU/CSU 12. 9. 96 Dr. Jacob, Willibald PDS 12. 9. 96 Kurzhals, Christine SPD 12. 9. 96 Möllemann, Jürgen W. F.D.P. 12. 9. 96 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Nitsch (Rendsburg), BÜNDNIS 12. 9. 96 Egbert 90/DIE GRÜNEN Regenspurger, Otto CDU/CSU 12. 9. 96 Schlauch, Rezzo BÜNDNIS 12. 9. 96 90/DIE GRÜNEN Schütz (Oldenburg), SPD 12. 9. 96 Dietmar Thieser, Dietmar SPD 12. 9. 96 Voigt (Frankfurt), SPD 12. 9. 96 Karsten D. Dr. Zöpel, Christoph SPD 12. 9. 96
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Jörg Tauss


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (Plos)

    Herr Kollege Koppelin, da der F.D.P.-Sachverständige mich kürzlich zu einem Fachvortrag eingeladen hat, bei dem parallel zu mir der Wirtschaftsminister Rexrodt referiert hat und nicht Herr Stadler, habe ich den Eindruck, daß die Kompetenzen offenbar durchaus unterschiedlich beurteilt werden.

    (Beifall bei der SPD und der PDS)

    Im übrigen teile ich Ihre Einschätzung nicht; das ist doch klar.
    Während der gesamten Haushaltsberatung haben wir der Bundesregierung nachgewiesen, daß zwischen Sonntagsreden und der Haushaltsrealität, zwischen Ankündigung und Verwirklichung Welten liegen. Diese Differenz wiederholt sich in beunruhigender Selbstverständlichkeit auch beim Etat des sogenannten Zukunftsministers. Edelgard Bulmahn und Günter Rixe haben auf die schlimmsten Versäumnisse bereits hingewiesen. Die Zukunftschancen der jungen Generation werden durch diese Bundesregierung und durch diesen Minister verspielt. Das sind die Ausgangspunkte, von denen wir heute ausgehen müssen.

    (Beifall bei der SPD und der PDS)

    Der „Spiegel" schrieb in dieser Woche: „Die besten Köpfe verlassen das Land". Das gilt übrigens genau für die Bereiche, in denen Sie nicht eine vermeintliche Technikfeindlichkeit der Bevölkerung als Ursache dafür anführen können, wo Sie doch immer nach Schuldigen suchen für das, was in diesem Lande passiert. Sie sind nie schuldig. Ich kann nur sagen: Wenn die besten Köpfe Deutschland verlassen, hat das mehr mit Ihrer Technologiepolitik zu tun als mit der vermeintlichen Technikfeindlichkeit, die Sie an dieser Stelle immer beschwören.

    (Beifall bei der SPD und der PDS sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Ministerium veröffentlicht viele Pressemitteilungen, zum Teil im Internet. Bei einer geniert man sich. Die hatte die Überschrift „Klare Prioritäten und mehr Effizienz". Für begnadete Überschriften ohne jeglichen Inhalt müßten Sie Preise bekommen. Ihre Politik gleicht einem Heißluftballon. Da wird geräuschvoll mit viel heißer Luft eine Hülle gefüllt und als zukunftsweisender Haushaltsentwurf gefeiert. Dem staunenden Publikum wird dann mitgeteilt, daß diese aufgeblasene Hülle auf Grund der Notwendigkeit des Sparens nicht ganz so groß sei wie eigentlich erwünscht, aber immerhin sei der Ballon viel größer, als es alle Beteiligten nach der undifferenzierten Kahlschlagpolitik des Finanzministers erwartet hätten.
    Auf 130 Millionen DM, lassen Sie mich dieses Beispiel bringen, wird - auch der Minister hat es heute wiederholt - der Bereich Multimedia und Informationsdienstleistungen hochgefahren. Soweit der prachtvolle Heißluftballon. Wenn man dann die leere Hülle dieses Ballons in der Landschaft findet, wirkt er ohne heiße Luft ganz und gar nicht mehr beeindruckend.

    (Wolf-Michael Catenhusen [SPD]: Schlaff!)

    Was hat Herr Rüttgers denn getan? Er hat zunächst einmal im Zeichen des schlanken Staates ein neues Referat mit wohlklingendem Namen in seinem Hause eingerichtet. Eigentlich haben wir an Referaten keinen Mangel. Aber auf der anderen Seite kommt es auf dieses eine auch nicht an. Nach diesem bedeutenden Beitrag der Schaffung eines neuen Referates hat dann der Herr Minister die Finanzen aus vier bereits vorhandenen alten Bereichen dem neuen Referat zugeschoben. Nur so kommt er auf seine Steigerungen. Allerdings - Kollegin Bulmahn hat bereits darauf hingewiesen -, statt auf 130 Millionen DM kommt man dann nur auf knapp 97 Millionen. Diese gut 30 Millionen DM Differenz waren wohl der Pressezuschlag beim Ballonstart.
    Aber es kommt noch schlimmer: Diese nur noch 100 Millionen DM - 97 ganz genau - sind zu 90 Prozent in langfristigen Projekten gebunden. Im Anhang zur Pressemitteilung heißt es dann nur noch

    Jörg Tauss
    ganz klein, daß ein anderer Haushaltstitel, nämlich der Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie

    (Wolf-Michael Catenhusen [SPD]: Der hat damit nichts zu tun!)

    - der damit nichts zu tun hat -, um sage und schreibe 123 Millionen DM gekürzt wurde. Das ist in der Tat, Herr Minister, wenn Sie sagen, es gebe keinen Grund zum Weinen, Grund zum Weinen.

    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)

    Fakt in diesem Lande sind nämlich nicht Ihre 130 Millionen DM - alt -, sondern die 123 Millionen weniger, die jetzt bei der Zukunftsgestaltung der Informationsgesellschaft fehlen. Außer Hochglanzbroschüren bleibt nichts übrig.
    Anderswo, wo Kohl nicht regiert, läuft es so: Letzte Woche wurden in den USA allein 100 Millionen Risikokapital für neue Softwareentwicklungen für das Internet bereitgestellt - 100 Millionen Dollar, Herr Rüttgers! Deshalb verlieren wir die besten Köpfe ans Ausland. Dort gibt es 100 Millionen Dollar, dort haben sie Geld, und hier haben sie Rüttgers und seine Pressekonferenzen. Mehr haben sie in diesem Lande nicht an Zukunft. Deswegen geht der Nachwuchs in die USA.

    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der PDS)

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen wir noch einmal andere zu Wort kommen. Der Erfinder des World-Wide-Web hat kürzlich gesagt:
    Bei der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik droht Europa den Anschluß zu verlieren.
    - Den Anschluß verliert es auch infolge Ihrer Politik, obwohl Sie an vorderster Front stehen könnten. - Weiter führte er aus: Als ich Unterstutzer gesucht habe, habe ich keine gefunden. In den USA wurde dann das World-Wide-Web mit zweistelligen Millionenbeträgen entwickelt. Ganz nebenbei entstand ein milliardenschweres Unternehmen. Ich frage mich wirklich, was passieren würde, wenn sich heute ein junger Bill Gates oder ein junger Softwarefreak beim BMBF oder bei seiner Bank melden würde. Beim BMBF bekäme er eine Hochglanzbroschüre, aber kein Geld, und bei der Bank bekäme er allenfalls Kredit für ein Eigenheim, wenn seine Schwiegermutter ihm noch eine entsprechende Unterstützung geben würde. Das ist unser Standortnachteil. Sie investieren in Beton, in sinnlose Projekte, Abschreibungsprojekte. Sie investieren nicht in die Zukunft junger Menschen. Deswegen gehen sie ins Ausland. Das ist der Punkt.

    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der PDS)

    Ein weiteres Zitat vom Petersberg, vom Bertelsmann-Vorstand Herrn Middelhoff, der sagte: „Wir verspielen unsere Zukunft. " Ich will dem Herrn Middelhoff an dieser Stelle ein bißchen widersprechen, weil ich dafür bin, Verantwortliche klar zu benennen. Nicht wir verspielen unsere Zukunft. Die da verspielen unsere Zukunft. Das ist der Punkt, auf den wir ein wenig stärker hinweisen müssen.

    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)

    Man könnte weitermachen: Dem Bundeskanzleramt fällt zur Informations- und Kommunikationstechnologie nichts anderes ein, als daß man sich jetzt einem Projekt von Länderkunde anschließt. Das freut die Außenpolitiker, wenn jetzt Länderkunde begonnen wird. Nein, Lähmung und Mehltau, wohin man sieht.
    Herr Friedrich, Sie haben hier gerade den Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft zitiert.

    (Dr. Gerhard Friedrich [CDU/CSU]: Der hat den Rüttgers gelobt!)

    - Ja. - Ich habe die Bitte an Sie, ihn einmal korrekt zu zitieren. Sie haben ihn nämlich nur teilweise zitiert. Er hat gesagt:
    ... wenn Rüttgers sein Ministerium ein Zukunftsministerium nennt; wenn der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 2,58 Prozent am Bruttosozialprodukt gleichzeitig auf 2,35 Prozent absinkt . . ., dann sind dies nicht die leichthin behaupteten Unterschiede zwischen Sonntagsreden und Realpolitik. Dann sind dies quälende Belege der fortschreitenden Entsolidarisierung unserer Gesellschaft, die sich nicht erlaubt, Opfer für die Daseinsvorsorge ihrer Kinder zu erbringen.

    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der PDS)

    Mit den Worten „quälende Belege der fortschreitenden Entsolidarisierung" ist Ihr Haushalt richtig bezeichnet. Besser hätte diese Opposition, Herr Rüttgers, es auch nicht sagen können. Legen Sie zu, sonst haben Sie Ihr Amt, wie leider bisher bewiesen, verfehlt.

    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der PDS)



Rede von Hans Klein
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CSU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CSU)
Weitere Wortmeldungen zu diesem Geschäftsbereich liegen nicht vor.
Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zum Einzelplan 17.
Ich erteile der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, unserer Kollegin Claudia Nolte, das Wort.

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Claudia Nolte


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (None)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich auf die Debatte der vergangenen Tage zurückkommen. Sie hat

    Bundesministerin Claudia Nolte
    deutlich gezeigt, daß wir uns in einem Punkt einig sind: Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist unser primäres Ziel. Weil es um neue und sichere Arbeitsplätze für Väter und Mütter geht und damit um die Grundlage der Versorgung ihrer Familien, weil es um den jungen Menschen geht, der erfahren muß, daß er gebraucht wird, und weil es um die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht, deren Lebens- und Berufserfahrungen wichtig sind und die spüren sollen, daß wir sie nicht einfach abschieben, brauchen wir eine Politik, die die Grundlagen für mehr Wachstum und Beschäftigung schafft.
    Zur Wahrheit gehört, daß dazu auch unpopuläre Entscheidungen nötig sind. Sparen fällt nie leicht, schon gar nicht in einem Bereich, in dem es um familien- und frauenpolitische und um senioren- und jugendpolitische Aufgaben geht. Deshalb kann es auch keine Kürzung nach dem Rasenmäherprinzip geben.
    Der größte Teil der Kürzungen meines Haushaltsansatzes ist darauf zurückzuführen, daß wir künftig weniger Anspruchsberechtigte beim Erziehungsgeld haben werden und daß die Übergangsregelung des Familienleistungsausgleichs wegfällt. Das allein macht 797 Millionen DM aus.
    Mir war wichtig, mit meinem Haushalt auch weiterhin Kontinuität in den Schwerpunktbereichen sicherzustellen. Dies wird zum Beispiel deutlich bei der Förderung von Jugendverbandsstrukturen, weil ich dem eine besondere Bedeutung zumesse. Wir werden obendrein sogar einzelne Schwerpunkte verstärken. Ich erinnere nur an die Erhöhung der Mittel für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch von 0,5 Millionen DM auf 2 Millionen DM.
    Positiv ist ebenso, daß die freien Träger des Zivildienstes in den neuen Bundesländern auch im nächsten Jahr Aufwandszuschüsse bekommen werden, so daß weitere Zivildienstplätze eingerichtet werden können.
    Junge Menschen brauchen Perspektiven. Deshalb ist es so wichtig, daß sie eine qualifizierte Berufsausbildung haben. Darum haben wir uns in diesem Bereich so engagiert. Ich erwarte, daß auch die Wirtschaft weiterhin ihre Verantwortung wahrnimmt und ihre Bemühungen fortsetzt.

    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der F.D.P.)

    Der Umbruch unserer Wirtschaft von der Industriehin zu einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft wirkt sich schon heute auf den Arbeitsmarkt aus. Hier stecken Risiken, aber auch Chancen. Dafür müssen wir unsere jungen Leute ausrüsten. Das verlangt die Bereitschaft zur Modernisierung im Ausbildungssystem. Wir sind aber auch gefordert, benachteiligte Jugendliche zu fördern, so wie wir das im Rahmen der Projekte arbeitsweltbezogener Jugendsozialarbeit tun.
    Die Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft bietet auch Chancen für Frauen. Frauen waren in Westdeutschland die Beschäftigungsgewinnerinnen. Wenn wir die neuen Bundesländer betrachten und dort die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von Frauen verfolgen, dann sehen wir allerdings, daß wir dort noch vor einer großen Aufgabe stehen und auch weiterhin arbeitsmarktpolitische Instrumente speziell mit Frauenförderung verbinden müssen. Das haben wir mit der Reform des Arbeitsförderungsgesetzes getan, das heißt, wir haben die frauenfördernden Maßnahmen verstärkt.
    Eine Herausforderung bleibt nach wie vor die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zumal sich eine familienfreundliche Arbeitswelt und Wettbewerbsfähigkeit nicht ausschließen. Im Gegenteil, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mit sich im reinen sind, die Familie und Beruf miteinander verbinden können, sind in der Regel auch zufriedenere und damit leistungsfähigere Beschäftigte.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)

    Flexible Arbeitszeitmodelle, Mobilzeit - das sind Stichworte, die heute ein modernes Unternehmen auszeichnen. Daß dies funktioniert, konnte ich mir selber ansehen. Ich war vor kurzem in einem Thüringer Unternehmen, das im Rahmen unseres Modellprogramms „Mobilzeitberatung" mit uns zusammengearbeitet hat. Da war es möglich, innerhalb kurzer Zeit 67 Prozent der Beschäftigten im Bereich Mobilzeit zu beschäftigen. Ich wünsche mir, daß wir noch mehr solche Beispiele haben, daß wir Nachahmer haben, damit gute Konzepte, die es gibt, umgesetzt werden und Eingang in die Praxis finden.
    Liebe Kolleginnen und Kollegen, die notwendigen aktuellen Reformen und Maßnahmen in unserem gemeinsamen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit dürfen uns aber nicht vergessen lassen, daß der demographische Wandel die Entwicklung unserer Gesellschaft und auch unserer Wirtschaft langfristig nachhaltiger beeinflussen wird. Diese Entwicklungen werden uns vor große Herausforderungen stellen, materiell wie immateriell. Ich warne davor, den demographischen Wandel ausschließlich in seiner Finanzauswirkung zu betrachten.
    Die Verschiebung in der Altersstruktur unserer Gesellschaft ist vor allem auch eine Anfrage an unsere Bereitschaft zum solidarischen Handeln. Viele Erhebungen dokumentieren sehr wohl, daß es viel mehr Solidarität in unserer Gesellschaft gibt, als allgemein angenommen wird. Aber sie passiert eben nicht im Scheinwerferlicht der Medien, sondern oft im verborgenen. Paradebeispiel hierfür ist das ehrenamtliche Engagement von Millionen Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes. Diese Menschen, die ehrenamtlich Enormes leisten, verdienen unsere volle Anerkennung und Unterstützung.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)