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ID1818601200

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    Plenarprotokoll 18/186 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 186. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 7. September 2016 Inhalt: Würdigung von Bundespräsident a. D. Walter Scheel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18407 A Begrüßung des Olympiateilnehmers Andreas Toba . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18408 A Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung): a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaus- haltsplans für das Haushaltsjahr 2017 (Haushaltsgesetz 2017) Drucksache 18/9200 . . . . . . . . . . . . . . . . . 18408 A b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2016 bis 2020 Drucksache 18/9201 . . . . . . . . . . . . . . . . . 18408 B Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Dr . Dietmar Bartsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . 18408 B Dr . Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . 18414 A Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18418 B Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 18423 A Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18423 D Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 18427 C Johannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18432 B Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 18434 C Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 18437 B Dennis Rohde (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18438 D Monika Grütters, Staatsministerin BK . . . . . . 18440 D Sigrid Hupach (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 18442 B Hiltrud Lotze (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18443 C Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18444 B Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 18445 C Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18447 C Burkhard Blienert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 18448 C Einzelplan 05 Auswärtiges Amt Dr . Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18449 D Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 18452 C Jürgen Hardt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . 18453 D Dr . Frithjof Schmidt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18456 A Michelle Müntefering (SPD) . . . . . . . . . . . . . 18457 D Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . 18458 C Dr . Norbert Röttgen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 18459 D Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18461 D Norbert Spinrath (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18462 D Dr . Hans-Peter Friedrich (Hof) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18463 C Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 186 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 7 . September 2016II Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18465 A Alois Karl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18466 B Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Dr . Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18468 C Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 18470 D Karin Evers-Meyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 18472 A Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18473 B Ingo Gädechens (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 18475 A Christine Buchholz (DIE LINKE) . . . . . . . . . 18477 A Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18478 B Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 18480 B Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18480 C Doris Wagner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18480 D Dr . Karl A . Lamers (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 18481 C Lars Klingbeil (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18483 B Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 18484 B Dr . Fritz Felgentreu (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 18485 D Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung Dr . Gerd Müller, Bundesminister BMZ . . . . . 18486 D Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 18489 A Stefan Rebmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18490 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18492 A Sabine Weiss (Wesel I) (CDU/CSU) . . . . . . . . 18493 B Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 18494 C Michaela Engelmeier (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 18496 A Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18497 B Dagmar G . Wöhrl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 18498 C Gabi Weber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18500 C Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 18501 D Gabriela Heinrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 18503 B Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18504 D Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 18505 A (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 186 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 7 . September 2016 18407 186. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 7. September 2016 Beginn: 9 .00 Uhr
  • folderAnlagen
    Gabriela Heinrich (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 186 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 7 . September 2016 18505 Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Binder, Karin DIE LINKE 07 .09 .2016 Bluhm, Heidrun DIE LINKE 07 .09 .2016 Bülow, Marco SPD 07 .09 .2016 Dehm, Dr . Diether DIE LINKE 07 .09 .2016 Gerster, Martin SPD 07 .09 .2016 Hellmich, Wolfgang SPD 07 .09 .2016 Hintze, Peter CDU/CSU 07 .09 .2016 Kolbe, Daniela SPD 07 .09 .2016 Lach, Günter CDU/CSU 07 .09 .2016 Lerchenfeld, Philipp Graf CDU/CSU 07 .09 .2016 Lösekrug-Möller, Gabriele SPD 07 .09 .2016 Marwitz, Hans-Georg von der CDU/CSU 07 .09 .2016 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Neu, Dr . Alexander S . DIE LINKE 07 .09 .2016 Rix, Sönke SPD 07 .09 .2016 Rosemann, Dr . Martin SPD 07 .09 .2016 Schlecht, Michael DIE LINKE 07 .09 .2016 Schmelzle, Heiko CDU/CSU 07 .09 .2016 Schmidt (Ühlingen), Gabriele CDU/CSU 07 .09 .2016 Stadler, Svenja SPD 07 .09 .2016 Steffen, Sonja SPD 07 .09 .2016 Storjohann, Gero CDU/CSU 07 .09 .2016 Walter-Rosenheimer, Beate BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 07 .09 .2016 Weisgerber, Dr . Anja CDU/CSU 07 .09 .2016 Zimmermann (Zwickau), Sabine DIE LINKE 07 .09 .2016 Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de 186. Sitzung Inhaltsverzeichnis EPL 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt EPL 05 Auswärtiges Amt EPL 14 Verteidigung EPL 23 Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Thomas Oppermann


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Lieber Herr Beck, diese angeblich neuen Erkenntnisse

    unserer Nachrichtendienste sind mehrere Jahre alt .


    (Dr . Sahra Wagenknecht [DIE LINKE]: Umso schlimmer!)


    Wir wissen seit Anfang des Jahrzehnts, dass die türkische
    Regierung enge Kontakte mit der Hamas und den Mus-
    limbrüdern pflegt. Das ist nichts Neues. Inzwischen hat
    sich aber auch vieles wieder geändert . Die Türkei hat sich
    inzwischen beispielsweise mit Israel wieder ausgesöhnt
    und pflegt wieder intakte diplomatische Beziehungen.

    Ich glaube, dass uns mit solchen Berichten, wie sie
    da lanciert worden sind, überhaupt nicht geholfen wird .
    Wir müssen aber selbstverständlich immer kritisch sein,
    wenn es um Fragen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit
    geht . Denn wir sind mit der Türkei in der NATO ver-
    bunden, und die NATO hat den Auftrag, die Werte von
    Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit insgesamt
    zu verteidigen . Daran muss man die Türkei auch immer
    wieder erinnern .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg . Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Ich möchte gerne zur Situation im Lande kommen .
    Wir haben am Sonntag einen Wahltag erlebt, an dem
    alle in diesem Haus vertretenen Parteien verloren haben .
    Ich bin froh, dass wir in der jetzigen Debatte nicht den
    üblichen Streit darüber führen, wer am meisten oder am
    wenigsten verloren hat . Denn Verlierer dieser Entwick-
    lung werden nicht einzelne demokratische Parteien sein,
    sondern allenfalls die Demokratie insgesamt .

    Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn die
    Menschen mit Respekt zueinander zusammenleben und
    der Staat den inneren Frieden garantiert . Wenn eine Par-
    tei wie die AfD, die gezielt Stimmung gegen Flüchtlinge
    und Einwanderer bzw . gegen Ausländer macht, nunmehr
    schon zum zweiten Mal mit über 20 Prozent bei einer
    Landtagswahl in ein Parlament einzieht, dann ist das eine
    Gefahr für das friedliche Zusammenleben der Menschen
    in unserem Land .

    Ich sage ganz klar: Wir wollen eine offene, hilfsbe-
    reite und tolerante Gesellschaft . Aber das geht nur in
    einem Staat, der verbindliche Regeln setzt, die für alle
    gelten und die er auch durchsetzt. Ich finde, wir können
    den Rechtspopulisten das Wasser am schnellsten und am
    besten dadurch abgraben, dass wir mit einem handlungs-
    fähigen starken Staat für soziale Sicherheit und für öf-
    fentliche Sicherheit sorgen .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Das Sicherheitsgefühl der Bürger hat sich in diesem
    Sommer grundlegend geändert . Die Anschläge von
    Würzburg, München und Ansbach haben uns im deut-
    schen Alltag getroffen. Diese Anschläge, egal ob sie von
    islamistischen oder rechtsextremen Ideologien motiviert
    waren, haben uns alle tief erschüttert . Aber die Antwor-
    ten auf diese sehr unterschiedlichen Ereignisse haben
    gezeigt, dass wir in der Lage sind, richtig zu handeln . In

    einer Situation, in der Panik und Chaos erzeugt werden
    sollten, haben unsere Sicherheitskräfte mit Ruhe und Ge-
    wissenhaftigkeit reagiert . Dafür möchte ich den Polizis-
    tinnen und Polizisten in unserem Land von dieser Seite
    aus ganz herzlich danken .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie des Abg . Jörn Wunderlich [DIE LINKE])


    Bei Dank aber darf es nicht bleiben . Bereits bei der
    Beratung des vergangenen Haushaltes haben wir uns
    erfolgreich für die Aufstockung der Bundespolizei um
    3 000 Stellen eingesetzt . Das war ein richtiger erster
    Schritt . Jetzt wollen wir weitere 3 000 Stellen im Haus-
    halt verankern. Mehr Polizeipräsenz im öffentlichen
    Raum stärkt nicht nur das Sicherheitsgefühl der Bürge-
    rinnen und Bürger, sondern sie verbessert auch entschie-
    den die Möglichkeit, Gefahren abzuwehren, Straftaten
    aufzuklären und Verbrecher dingfest zu machen . Die
    Bekämpfung von Kriminalität, Gewalt und Terror gehört
    in die Hände einer professionell ausgebildeten und gut
    ausgestatteten Polizei .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Auch wenn asymmetrische Kriege innere und äußere
    Sicherheit immer stärker miteinander verweben, sollte
    man daraus keine falschen Schlüsse ziehen . Wir haben in
    Deutschland eine klare Aufgabenteilung . Die Polizei ist
    zuständig für die innere Sicherheit, die Bundeswehr für
    die äußere Sicherheit . Schon deshalb, weil die Soldaten
    ganz anders ausgebildet werden, ist die Bundeswehr kei-
    ne polizeiliche Reservearmee .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Das Grundgesetz lässt bereits heute zu, dass die Bun-
    deswehr bei besonders schweren Unglücksfällen und
    terroristischen Großlagen eingesetzt werden kann . Diese
    Möglichkeit in besonderen Ausnahmefällen ist sinnvoll .
    Darüber gibt es auch gar keinen Dissens . Dazu brauchen
    wir aber nicht die Ausweitung der Befugnisse der Bun-
    deswehr und auch keine Änderung der Verfassung .

    Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind wahrhaftig
    groß . Deshalb habe ich die herzliche Bitte, dass wir uns
    voll darauf konzentrieren und dass nicht immer wieder
    Ablenkungsdebatten geführt werden . Wenn wir eine star-
    ke Gesellschaft wollen, dann dürfen wir keine schwa-
    chen Diskussionen führen, die an den realen Problemen
    vorbeigehen .


    (Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Da ist was dran!)


    Ich bin Ihnen, Herr Bundesinnenminister de Maizière,
    dankbar dafür, dass Sie eine weitere Phantomdiskussion
    gestoppt haben und vor allem den Berliner Innensenator
    Henkel bei der unseligen Debatte über das Burkaverbot
    in die Schranken gewiesen haben .


    (Beifall bei der SPD)


    Wir können in der Tat nicht alles, was wir ablehnen, auch
    verbieten . Natürlich muss man dazu eine Position haben .
    Und natürlich lehnen wir alle hier die Burka ab . Das ist






    (A) (C)



    (B) (D)


    nicht vereinbar mit den Werten einer offenen Gesell-
    schaft und mit der Gleichberechtigung von Männern und
    Frauen . Aber auch wenn es gute Gründe gibt, die Burka
    abzulehnen, so spüren die Menschen doch ganz genau:
    Mit innerer Sicherheit hat das weiß Gott nichts, aber auch
    gar nichts zu tun . Und deshalb sollte man das auch nicht
    in solche Zusammenhänge stellen .


    (Beifall bei der SPD)


    Wer solche Diskussionen hochzieht, die Angst ma-
    chen, und wer Probleme definiert, für die er anschlie-
    ßend keine Lösungen bringen kann, der trägt dazu bei,
    dass sich Angst und Unsicherheit in dieser Gesellschaft
    verstärken . Der arbeitet am Ende der AfD direkt in die
    Hände .


    (Beifall bei der SPD)


    Das sollten wir unterbinden .

    Ich war letzte Woche hier in Berlin auf dem Alexander-
    platz . Von dort gibt es ja immer wieder auch Beschwer-
    den bezüglich der inneren Sicherheit bzw . über Übergrif-
    fe . Ich habe mit Gewerbetreibenden dort gesprochen, die
    selber schon Opfer von Kriminalität geworden sind . Die
    haben einen ganz einfachen dringenden Wunsch, dass
    nämlich nach dem Vorbild der Davidwache in Hamburg
    auf dem Alex eine Kombiwache eingerichtet wird, in der
    die Bundespolizei – die wegen des Bahnhofs sowieso
    dort sein muss – und die Landespolizei zusammenarbei-
    ten . Ich frage mich: Warum können in diesem Land so
    einfache, verständliche und richtige Wünsche von Ge-
    werbetreibenden nicht schnell umgesetzt werden?


    (Zurufe von der LINKEN)


    Ich fasse noch einmal zusammen: Es darf keine Phan-
    tomdebatten mehr geben . Wir brauchen mehr Polizei auf
    Deutschlands Straßen und Plätzen . Wir brauchen eine
    bessere Ausstattung der Polizei und der Nachrichten-
    dienste sowie einen schnelleren und gezielteren Informa-
    tionsaustausch zwischen den Sicherheitsbehörden; daran
    sollten wir gemeinsam arbeiten .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Auch wenn es keine absolute Sicherheit und keinen
    perfekten Schutz vor Terroranschlägen und Amokläufen
    gibt, müssen wir sehr viel mehr für Prävention und den
    sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft tun . Denn
    wahr ist – auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen –:
    Menschen, die eine Zukunft für ihr Leben und das Le-
    ben ihrer Kinder sehen, sind weniger anfällig für Extre-
    mismus sowie für Hass und Gewalt . Ein guter Schulab-
    schluss, echte Aufstiegschancen und eine Perspektive in
    der Mitte der Gesellschaft gehören deshalb ebenfalls zu
    einer richtig verstandenen Sicherheitspolitik .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Auch deshalb sind Ausstiegsprogramme und Projekte zur
    Reintegration in die Gesellschaft so wichtig . Manuela
    Schwesig hat im vergangenen Jahr mit dem Programm
    „Demokratie leben!“ einen Ansatz gegen Rechtsextre-
    mismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit geschaffen.
    Wir werden nun die Mittel auf 100 Millionen Euro ver-

    doppeln . Das ist eine gute Investition in die Sicherheit
    unserer Gesellschaft .


    (Beifall bei der SPD)


    Ich bin davon überzeugt, dass weniger Menschen
    für Hassbotschaften empfänglich werden, wenn es uns
    gelingt, die Aufnahme von Flüchtlingen in geordnete
    Bahnen zu lenken und die Flüchtlinge mit Bleiberecht
    möglichst schnell und gut zu integrieren . Wir haben mit
    unserem Integrationsgesetz einen großen Schritt nach
    vorn gemacht . Wir haben erstmals verbindliche Regeln
    für die Integration in Deutschland geschaffen. Deren
    Einhaltung müssen wir aber auch einfordern . Fördern
    und Fordern gehören zusammen . Nur wenn beides zu-
    sammengeht, kann Integration funktionieren . Bei För-
    derprogrammen betreffend Wohnraum, Kinderbetreuung
    und Arbeitsplätzen müssen wir genau darauf achten, dass
    Flüchtlinge und Deutsche gleichermaßen davon profitie-
    ren, dass Flüchtlinge und Deutsche nicht gegeneinander
    ausgespielt werden .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Wir sind eines der wenigen Länder mit enormen Steu-
    erüberschüssen; der Bundesfinanzminister hat gestern
    darüber gesprochen . Aber gleichzeitig haben wir einen
    riesigen Nachholbedarf in unserem Bildungssystem .
    Wenn wir nun für die Bildung von Flüchtlingen viel
    tun, müssen wir die Gelegenheit nutzen, auch gezielt die
    Mängel unseres Bildungssystems anzugehen, Mängel,
    die dazu führen, dass viele Menschen in unserem Land
    Nachteile haben . Auf jede Schule, die gut in Schuss ist,
    kommt eine, die dringend sanierungsbedürftig ist . Hier
    bröckelt wortwörtlich das Fundament . Ich kann nur sa-
    gen: Haushaltsüberschüsse auf der einen Seite und sanie-
    rungsbedürftige Schulen auf der anderen Seite, das passt
    nicht zusammen .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Heike Hänsel [DIE LINKE]: Wem sagen Sie das? Sagen Sie das doch Ihren SPD-Leuten in den Ländern! Nils Schmid!)


    Die Bildungschancen sind ebenfalls sehr unterschied-
    lich verteilt . Während drei von vier Akademikerkindern
    studieren, schafft nur jedes vierte Arbeiterkind eine
    Hochschulzulassung . Es geht nicht darum, dass alle stu-
    dieren . Wir brauchen noch dringender gut ausgebildete
    Fachkräfte im Rahmen des dualen Systems . Aber für
    viele Berufe ist heute das Abitur die Ausbildungsvoraus-
    setzung . Wenn es für Sozialdemokraten eine Grundüber-
    zeugung gibt, dann ist es diese: Wenn jemand Bildung
    sucht, wenn jemand Chancen nutzen will, wenn jemand
    einen Abschluss erreichen will, dann darf es keine Rolle
    spielen, woher er kommt .


    (Beifall bei der SPD sowie des Abg . Dr . Stephan Harbarth [CDU/CSU] – Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Warum habt ihr nichts gemacht? Das ist doch seit 20, 25 Jahren bekannt! Heuchlerisch!)


    Einen Bildungs- oder Ausbildungsabschluss gibt es nicht
    ohne eigene Anstrengungen . Aber jeder, der sich an-
    strengt, muss eine Chance haben . Dies muss der Staat

    Thomas Oppermann






    (A) (C)



    (B) (D)


    garantieren . Deshalb: Lassen Sie uns endlich das Koope-
    rationsverbot im Grundgesetz aufheben und gemeinsam
    anfangen .


    (Beifall bei der SPD – Heike Hänsel [DIE LINKE]: Sonntagsreden!)


    Wir haben in der Großen Koalition vieles für die Men-
    schen in unserem Lande


    (Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Nicht erreicht!)


    erreicht . Der Mindestlohn hat zur größten Lohnsteige-
    rung in der jüngeren Geschichte geführt . Mit dem Inte-
    grationsgesetz haben wir die Gesellschaft in schwierigen
    Zeiten zusammengehalten . Wir haben die Frauenquote
    und das Elterngeld Plus eingeführt. Mit einer Pflegere-
    form haben wir enorme Leistungsverbesserungen auf
    den Weg gebracht . Wir haben Milliardenentlastungen für
    Städte und Gemeinden durchgesetzt .

    Übrigens, Kollege Bartsch, im Haushalt stehen nicht
    Entlastungen in Höhe von 600 oder 700 Millionen Euro,
    sondern von 2,5 Milliarden Euro für 2017 . In der mittel-
    fristigen Planung für 2018 sind es Gesamtentlastungen in
    Höhe von 5 Milliarden Euro . Da haben Sie, glaube ich,
    den Haushaltsentwurf nicht richtig gelesen . Ich muss das
    an dieser Stelle richtigstellen .


    (Zuruf des Abg . Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE])


    Wir haben mit all diesen Maßnahmen das Leben für
    viele Menschen in Deutschland spürbar verbessert . Wir
    werden auch in den letzten zwölf Monaten dieser Koali-
    tion daran arbeiten, dass wir in Deutschland eine starke
    Wirtschaft und dass wir ein soziales Land haben werden .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Gestern hat Bundesfinanzminister Schäuble erfreuli-
    cherweise die Feststellung treffen können, dass die er-
    heblichen Haushaltsüberschüsse, die wir haben, Raum
    für eine Steuerentlastung geben . Ich habe noch nicht
    überprüfen können, ob es tatsächlich 15 Milliarden Euro
    sind, die zur Verfügung stehen .


    (Volker Kauder [CDU/CSU]: Glauben wir es!)


    Wir wissen noch nicht, wie es mit dem Soli weiter-
    geht . Wir wissen auch noch nicht, welche Belastungen
    auf den Bund im Rahmen der Bund-Länder-Finanzbezie-
    hungen noch zukommen . Aber es wird Spielraum geben .
    Ich denke, das ist eine Situation, die wir nutzen können
    und nutzen wollen, um kleine und mittlere Einkommen
    in diesem Lande zu entlasten .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Ich bin nicht dafür, dass wir das in dem üblichen Ver-
    fahren machen, mit einer großen Gießkanne, unabhän-
    gig davon, wie groß die Einkommen oder die Vermögen
    sind . Wir wollen Arbeitnehmer entlasten . Dann darf man
    nicht nur auf die Steuern schauen; denn viele im unteren
    und mittleren Einkommensbereich zahlen relativ wenig
    Steuern, aber sie sind durch die Sozialabgaben hoch be-

    lastet . Schon vom ersten Euro an müssen sie 20 Prozent
    Sozialabgaben zahlen . Also müssen wir schauen, ob wir
    eine effektive, zielgenaue Entlastung für Arbeitnehmer
    im unteren und mittleren Einkommensbereich über Ab-
    gaben hinbekommen . Das wäre der richtige Weg für die
    SPD .


    (Beifall bei der SPD)


    Wir haben uns jetzt noch einiges sehr konkret vorge-
    nommen . Wir haben eine erste Rentenreform mit der Ver-
    besserung der Erwerbsminderungsrente, der Mütterrente
    und der abschlagsfreien Rente nach 45 Beschäftigungs-
    jahren gemacht . Jetzt kommt der zweite Teil der Ren-
    tenreform . Die Betriebsrente wollen wir stärken . 40 Pro-
    zent der Arbeitnehmer bekommen keine betriebliche
    Altersversorgung . Deshalb freue ich mich, dass Andrea
    Nahles und auch Finanzminister Schäuble ein Konzept
    erarbeiten, mit dem die Betriebsrente auch für kleine und
    mittelständische Unternehmen attraktiv gemacht wird .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


    Wir sind uns im Grundsatz einig, dass mehr als 25 Jah-
    re nach der deutschen Einheit auch die Angleichung der
    Renten überfällig ist . Mein lieber Kollege Bartsch, was
    Sie da zum Besten gegeben haben, zeigt mir doch, dass
    Sie trotz Ihrer am Ende Ihrer Rede zum Ausdruck ge-
    brachten Bereitschaft, Regierungsverantwortung zu
    übernehmen, davon noch ein Stück weit entfernt sind .
    Das betrifft nicht nur die Außenpolitik.


    (Johannes Kahrs [SPD]: Deshalb hat ja Frau Wagenknecht nicht geredet!)


    Das ist ein klassisches Beispiel . Wir wollen die Anglei-
    chung der Ostrente an die Westrente bei der Rentenhöhe .
    Da sind wir hundertprozentig einer Meinung .


    (Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Das sagen Sie seit 25 Jahren sehr erfolgreich!)


    Aber eine Angleichung bedeutet auch, dass die renten-
    rechtliche Aufwertung von Arbeitnehmereinkommen zu
    Ende gehen muss .


    (Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Warum? Wenn die Löhne gleich sind, dann ja!)


    – „Warum?“ Weil es überall in Deutschland Arbeitneh-
    mer gibt, die diese Aufwertung auch gerne hätten . Sie
    hingegen wollen, dass dies das Privileg einer bestimmten
    Gruppe bleibt . Damit bringen Sie eben keine Gesamtver-
    antwortung für Deutschland zum Ausdruck .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Doch!)


    Andererseits bin ich entschieden der Auffassung, dass
    die Rentenangleichung nicht von den Arbeitnehmern und
    den Beitragszahlern finanziert werden darf, sondern sie
    muss selbstverständlich aus Steuermitteln finanziert wer-
    den .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Herr Schäuble, diese Mittel sind ja nach dem, was Sie
    gestern vorgetragen haben, offenkundig auch vorhanden.

    Thomas Oppermann






    (A) (C)



    (B) (D)


    Ich verstehe nicht, warum eine solche Finanzierung noch
    ein Problem ist .


    (Beifall bei der SPD)


    Zur Lebensleistungsrente . Für mich ist klar, dass, wer
    jahrzehntelang gearbeitet und Rentenversicherungsbei-
    träge gezahlt hat, im Alter mehr haben muss als jemand,
    der gar nicht gearbeitet hat . So haben wir es im Koaliti-
    onsvertrag vereinbart . Deshalb gehe ich davon aus, dass
    sich alle Regierungsparteien daran halten .

    Zu sozialer Sicherheit gehört für mich auch, dass wir
    Menschen mit Behinderungen stärken . Das Bundesteil-
    habegesetz ist eine der großen sozialpolitischen Refor-
    men in dieser Legislaturperiode . Behinderung darf keine
    Armutsfalle sein, nicht für die Menschen mit Behinde-
    rungen, aber auch nicht für ihre Familien .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Auch wenn es nicht im Koalitionsvertrag vereinbart
    ist, kann ich mir vorstellen, dass wir uns noch einmal
    vornehmen, die Situation von 1,6 Millionen Alleinerzie-
    henden, von denen viele nur für einen kurzen Zeitraum
    Unterhaltszahlungen bekommen, zu verbessern. Ich fin-
    de, dass sich Alleinerziehende in Deutschland, von denen
    übrigens die meisten erwerbstätig sind, darauf verlassen
    können müssen, dass sie jeden Monat bis zur Volljährig-
    keit tatsächlich einen Unterhaltsvorschuss bekommen .
    Wenn der Staat ihn leistet, muss er ihn hinterher bei den
    Zahlungspflichtigen wieder eintreiben.


    (Beifall bei der SPD – Jörn Wunderlich [DIE LINKE]: Das haben wir schon vor elf Jahren gefordert! Ihr habt es immer abgelehnt! Seit drei Legislaturperioden immer wieder abgelehnt! Schaumschlägerei! Widerlich!)


    Nachdem wir schon erhebliche Mittel in den sozialen
    Wohnungsbau gesteckt haben, nachdem wir die Mittel
    dafür mehr als verdoppelt haben, müssen wir uns trotz-
    dem noch einmal mit dem Thema „Mieten und Wohnen“
    beschäftigen . Wir haben einen übergroßen Wohnungsbe-
    darf in Deutschlands Ballungszentren . Viele Menschen
    in unseren Großstädten haben Angst davor, dass sie
    durch explodierende Mieten aus ihren Vierteln und Kie-
    zen verdrängt werden . In einer sozialen Marktwirtschaft
    ist es die Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass es
    bezahlbaren Wohnraum gibt und dass Mieter und Mie-
    terinnen Sicherheit haben und sich nicht solche Sorgen
    machen müssen .


    (Heike Hänsel [DIE LINKE]: Ja, ja, dank der Mietpreisbremse!)


    Wir unterstützen Städte wie Hamburg und Berlin nach
    Kräften . Gerade hier in Berlin haben wir mit dem Dra-
    goner-Areal ein Gelände, das von der BImA nach dem
    Prinzip „Wer den höchsten Preis zahlt, der bekommt
    auch diese innerstädtischen Filetstücke“ bebaut wird .
    Ein Investor hat das Doppelte des Verkehrswertes von
    18 Millionen Euro gezahlt . Das ist der falsche Weg .


    (Volker Kauder [CDU/CSU]: Man hätte auf dem Tempelhofer Feld bauen können!)


    Die BImA muss endlich vom Prinzip des Verkaufs zum
    höchsten Preis abkehren, damit kommunale Wohnungs-
    bauprojekte nicht jedes Mal gegen Spekulanten den Kür-
    zeren ziehen .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Meine Damen und Herren, auch ich möchte, dass in
    Zukunft alle gesellschaftlichen Gruppen in unseren Städ-
    ten einen Platz haben und dass die Mittelschichten nicht
    durch Luxussanierungen aus den Innenstädten verdrängt
    werden .

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit .


    (Anhaltender Beifall bei der SPD – Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)




Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

Das Wort erhält nun der Kollege Volker Kauder für die

CDU/CSU-Fraktion .


(Beifall bei der CDU/CSU)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Volker Kauder


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!

    Die Haushaltsdebatte am Mittwoch einer Haushaltswo-
    che ist der Ort, wo über grundsätzliche politische Aufga-
    ben, Herausforderungen, unterschiedliche Auffassungen
    diskutiert und im besten Sinne des Wortes auch gestritten
    wird . Aber natürlich sollte sich die Debatte in der Haus-
    haltswoche von anderen Debatten dadurch unterschei-
    den, dass immer wieder auch der Blick auf den Haushalt
    geworfen wird und die Frage gestellt wird: Reicht das,
    was wir im Haushaltsentwurf vorlegen, um die zentra-
    len großen Aufgaben auch lösen zu können? Wolfgang
    Schäuble hat dazu gestern in seiner Einbringungsrede ei-
    nige wirklich bedeutende Hinweise gegeben .

    Ich möchte weiter an dieser Linie nachvollziehen:
    Welche Herausforderungen haben wir? Welche Instru-
    mente stellen wir dafür zur Verfügung? Reicht das Ganze
    auch? Welchen Beitrag muss der Deutsche Bundestag
    und – darüber wurde bisher gar nicht gesprochen – wel-
    chen Beitrag muss dazu auch der Bundesrat leisten, mei-
    ne sehr verehrten Damen und Herren?


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Denn an der Bundesgesetzgebung wirkt der Bundesrat
    als Verfassungsorgan mit . Dass wir die eine oder ande-
    re Aufgabe nur deswegen nicht lösen, weil wir es nicht
    wollen, stimmt ja nicht; wir können sie deswegen nicht
    lösen, weil es im Bundesrat eine andere Mehrheit gibt .


    (Dr . h . c . Hans Michelbach [CDU/CSU]: Schade!)


    Da, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, ha-
    ben wir nachher noch einiges miteinander zu besprechen;
    darauf komme ich schon noch zurück .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Wenn wir die Situation in unserem Land anschauen,
    erkennen wir: Sie ist natürlich geprägt durch die Diskus-
    sion über Flüchtlinge, über Zuwanderung und über In-
    tegration . Dies hat neben anderen Punkten – ich betone

    Thomas Oppermann






    (A) (C)



    (B) (D)


    dies ausdrücklich – auch am vergangenen Sonntag bei
    der Wahlentscheidung eine Rolle gespielt . Ich bin sehr
    froh darüber, dass alle in diesem Hause erklärt haben,
    dass alle im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien
    nachzudenken haben und sich ihre Gedanken darüber zu
    machen haben: Was ist da geschehen?

    Aber es reicht nicht aus, sich darüber nur Gedanken zu
    machen . Ich habe eine Erfahrung als Generalsekretär der
    CDU in Baden-Württemberg gemacht, als es darum ging,
    auch nach hohen Zahlen von Asylbewerbern, die Repu-
    blikaner wieder aus dem aktiven politischen Geschehen
    herauszubringen . Es ist eine Erfahrung, die mich, wenn
    ich die Wirklichkeit jetzt anschaue, schon etwas beschäf-
    tigt: Es wird nur dann gelingen, wenn wir in der Sache
    bei unterschiedlichen Auffassungen miteinander um den
    besten Weg ringen; aber es wird nicht gelingen, wenn
    wir uns gegenseitig Vorhaltungen machen, die nicht der
    Wirklichkeit entsprechen .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Wenn man, nur um einen kleinen Punktgewinn zu erzie-
    len, dem anderen etwas unterstellt, von dem man hun-
    dertprozentig weiß, dass es nicht stimmt,


    (Sabine Weiss [Wesel I] [CDU/CSU]: Genau!)


    ist dies nicht in Ordnung, um das mal klar zu sagen .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wenn ich mir da den Wahlkampf in Mecklenburg-Vor-
    pommern anschaue, muss ich sagen: Da muss sich man-
    cher überlegen, ob da nicht schon das Ergebnis sein
    muss, so nicht weiterzumachen .

    Herr Bartsch, zunächst einmal haben Sie in einem
    Punkt recht . Wir beide stammen aus dem letzten Jahr-
    hundert . Sie sind 1958 geboren, ich bin 1949 geboren .


    (Zuruf des Abg . Jörn Wunderlich [DIE LINKE])


    Das ist aber – das kann ich nach Ihrer Rede feststellen –
    die einzige Gemeinsamkeit, die wir haben .


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Jetzt will ich sagen: Es ist nicht redlich, einfach davon
    zu reden, es sei bei der inneren Sicherheit nichts gesche-
    hen, es sei bei der inneren Sicherheit gespart worden .


    (Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Ist doch! Es ist gespart worden! – Gegenruf des Abg . Eckhardt Rehberg [CDU/CSU]: Unwahr ist das! Schlicht unwahr!)


    Es ist Fakt – ich habe die Zahlen vorliegen –, dass es
    von 1998 an sowohl beim BKA als auch bei der Bun-
    despolizei an Stellen einen Zuwachs gegeben hat . Es ist
    nicht so, dass dort gespart worden ist . Von 1998 bis 2016
    sind allein bei der Bundespolizei 2 001 Stellen neuge-
    schaffen und besetzt, also nicht nur ausgebracht worden,
    und beim BKA sind 665 neue Stellen nicht nur ausge-
    bracht, sondern besetzt worden .

    Wenn man sich dann aber an dieses Pult stellt und
    sagt, dort sei eingespart worden, dann wird man dabei
    erwischt, dass man etwas Unwahres sagt . Ich kann dazu
    nur sagen: Ich habe den Verdacht, dass vieles von dem,
    was Sie sagen, nicht wahr ist, lieber Herr Dr . Bartsch .
    Darauf muss ich großen Wert legen .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Die Erkenntnis vom letzten Sonntag ist: in der Sache hart
    streiten, aber nicht mit Unterstellungen arbeiten .

    Nun komme ich zum zweiten Punkt, der die Men-
    schen natürlich bewegt hat . Wir wissen sehr wohl, dass
    auch im Zusammenhang mit der Diskussion um Flücht-
    linge in unserer Bevölkerung Fragen zur Türkei gestellt
    werden, und wir wissen sehr genau, dass es hier kritische
    Nachfragen und auch Sorgen gibt . Dabei haben wir als
    Abgeordnete im Deutschen Bundestag bei der Armeni-
    en-Resolution völlig selbstbewusst nur auf uns zu schau-
    en . Ich habe, Herr Dr . Bartsch und Frau Göring-Eckardt,
    nirgendwo aus dem Deutschen Bundestag gehört, dass
    wir unsere Armenien-Resolution infrage stellen, über-
    haupt nicht . Auch die Bundeskanzlerin hat erklärt, dass
    sie ebenfalls zugestimmt hat und sie ebenfalls nicht in-
    frage stellt .


    (Sabine Weiss [Wesel I] [CDU/CSU]: Genau, richtig!)


    Was sollen dann solche Diskussionen, die die Menschen
    nur irritieren und nicht auf der Wahrheit beruhen?


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Sabine Weiss [Wesel I] [CDU/CSU]: Richtig!)


    Dazu kann ich nur sagen: Mit dem wahrheitsgemäßen
    Umgang können wir auch jene isolieren, die am letzten
    Wahlsonntag über 20 Prozent bekommen haben, die aber
    mit den Dingen, wie sie wirklich sind, nicht so umgehen
    wie notwendig, sondern Behauptungen aufstellen und
    Ängste schüren, die nicht der Wirklichkeit entsprechen .
    Das sollten wir in der Auseinandersetzung in diesem
    Hause nicht fortsetzen .

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, ja, im letz-
    ten Jahr sind viele Menschen gekommen . Aber wir ha-
    ben darauf reagiert . Im letzten Monat, im August, sind
    80 Prozent weniger Flüchtlinge nach Deutschland ge-
    kommen als im August des letzten Jahres .


    (Sabine Weiss [Wesel I] [CDU/CSU]: So ist es!)


    Wir haben eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den
    Weg gebracht . Es ist nicht so, als hätten wir nichts getan
    und nur gewartet . Auch aus unserer Koalition war der
    eine oder andere Satz dazu zu hören . Nein, wir haben
    miteinander etwas getan, und das sollten wir auch sagen .
    Wir haben ein Integrationsgesetz auf den Weg gebracht,
    das fordert und fördert . Wir haben zwei Asylpakete be-
    schlossen und damit dafür gesorgt, dass sich in diesem
    Land etwas verändert, und wir haben vor allem mit der
    Einstufung der Balkanstaaten als sichere Herkunftslän-
    der dafür gesorgt, dass sich Menschen vom Balkan – sie
    haben im letzten Jahr ein großes Kontingent von Zuwan-

    Volker Kauder






    (A) (C)



    (B) (D)


    derern gestellt –, nicht mehr auf den Weg machen, weil
    sie sich sagen: Wir kommen aus einem sicheren Her-
    kunftsland, deshalb lohnt es sich überhaupt nicht, dass
    wir Schleppern Geld in die Hand geben . Wir machen uns
    daher gar nicht erst auf den Weg .

    Was heißt „sicheres Herkunftsland“? Frau Göring-
    Eckardt, dabei geht es nicht in erster Linie darum, die
    Menschen dorthin zurückzubringen, vielmehr geht es da-
    rum – das ist eine zutiefst menschliche Aktion –, Men-
    schen davor zu bewahren, sich Schleppern in die Hand zu
    begeben, die letzten Ersparnisse auszugeben, um in ein
    Land zu kommen, in dem ihnen nachher gesagt wird: Es
    war alles umsonst, ihr könnt hier nicht bleiben .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Deshalb ist es notwendig, die Botschaft vom sicheren
    Herkunftsland auszugeben . Es ist notwendig, damit sich
    die Menschen nicht in eine Falle von anderen begeben,
    die, wie mir inzwischen gesagt wurde, durch den Handel
    mit Menschen mehr Ertrag machen als durch den Handel
    mit Drogen .

    Dies, liebe Kolleginnen und Kollegen, dürfen wir auf
    keinen Fall zulassen . Deswegen muss Schlepperbanden
    aus Ländern, die wir zu sicheren Herkunftsländern erklä-
    ren können, das Handwerk gelegt werden .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wie Sie wissen, bin ich ja mit einer ganzen Reihe von
    Kolleginnen und Kollegen aus der Fraktion der Grünen
    in Punkten, wo es um Menschenrechte, Religionsfreiheit
    und verfolgte Christen geht, durchaus einig . Frau Roth
    und ich kreuzen immer wieder einmal unsere Wege in
    solchen Regionen, wo wir gemeinsame Ziele verfolgen .


    (Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nicht die Klingen!)


    – Ja, es ist doch nichts Schlechtes, wenn viele aus dem
    Deutschen Bundestag in den Regionen unterwegs sind,
    wo es wirklich um Menschenrechte geht bzw . darum,
    sich tatsächlich für Religionsfreiheit einzusetzen .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


    Aber dann muss auch die Konsequenz gezogen werden,
    dass wir alles tun, um denen das Handwerk zu legen,
    die diesen Menschen, die uns besonders wichtig sind,
    übel mitspielen . Deswegen meine ich schon, dass Ihre
    Partei jetzt im Bundesrat dem Ministerpräsidenten von
    Baden-Württemberg folgen sollte und ihre Zustimmung
    geben sollte, dass die Maghreb-Staaten zu sicheren Her-
    kunftsländern erklärt werden .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Das würde sehr helfen, um noch einen weiteren Schritt
    zu machen auf dem Weg hin zu den Zielen, die wir errei-
    chen wollen .

    Die Sozialdemokraten, unser Koalitionspartner,
    mit dem wir, wie ich finde, bei allen unterschiedlichen

    Auffassungen und manchem Wahlkampfgeplänkel, das
    schon stattfindet, dem Land eine gute Regierung stellen –
    unter unserer Führung – –


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Heiterkeit des Abg . Johannes Kahrs [SPD] – Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Das war kein unwichtiger Nebensatz!)


    – Herr Kahrs, Sie müssen zugeben, dass ich Ihnen da
    in nichts nachstehe . Von daher gesehen ist das auch in
    Ordnung . – Ich meine also schon, dass man sich als
    SPD-Führungsspitze da nicht hinstellen und herumphi-
    losophieren kann, was noch alles gemacht werden muss .
    Die SPD trägt ja Verantwortung in Bundesländern, die
    im Bundesrat dem nicht zustimmen . Da würde ich mir
    einmal wünschen, dass der SPD-Parteivorsitzende mal in
    seiner Partei darüber redet,


    (Christine Lambrecht [SPD]: In Baden-Württemberg und Hessen!)


    was notwendig ist, um die Ziele zu erreichen, die auch er
    formuliert hat . Das heißt in diesem Fall, im Bundesrat die
    Zustimmung dazu zu geben, weitere Länder zu sicheren
    Herkunftsländern zu erklären .


    (Beifall bei der CDU/CSU – Christine Lambrecht [SPD]: Baden-Württemberg und Hessen auch!)


    Herr Kollege Oppermann lächelt mir zu, weil er weiß,
    dass ich recht habe .


    (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Christine Lambrecht [SPD]: Baden-Württemberg und Hessen!)


    Insofern wird das natürlich auch vorangebracht werden .

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, das heißt
    also: Wir haben doch etwas erreicht . Darauf, was Men-
    schen beunruhigt, was Menschen verunsichert, geben
    wir die Antwort: Ja, das wissen wir, und das nehmen
    wir ernst . – Da sind wir auf dem Weg und haben bereits
    einige Erfolge erzielt . Die Zahl der Abschiebungen ist
    deutlich erhöht worden, die freiwilligen Rückführungen
    funktionieren .


    (Heike Hänsel [DIE LINKE]: Toller Weg! Sehr christlich!)


    Da ist noch manches zu tun, aber wir sind auf dem Weg .

    Wir haben natürlich auch, wenn wir an den Haushalt
    denken, dafür die Voraussetzungen geschaffen, sowohl
    für Integration als auch für all das, was mit dem Thema
    Sicherheit zusammenhängt . Wir haben aber im Zusam-
    menhang mit dem Bundeshaushalt auch eine Aufgabe vor
    uns, die für die Bevölkerung jetzt keinen großen Charme
    hat und die auch keine große Begeisterung oder Anteil-
    nahme auslöst, die aber für die Zukunft von entscheiden-
    der Bedeutung ist . Das ist die Frage der Bund-Länder-Fi-
    nanzbeziehungen, die wir ja in dieser Legislaturperiode,
    wenn es irgend geht, auch noch lösen wollen .


    (Anja Hajduk [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Glauben Sie das?)


    Volker Kauder






    (A) (C)



    (B) (D)


    In diesem Zusammenhang will ich einmal sagen: Ja, dazu
    sind wir bereit. Aber zwei Dinge, finde ich, müssen schon
    einmal klargestellt werden:

    Erst einmal muss klar sein, welche Aufgaben jeder
    hat . Lieber Kollege Oppermann, ich habe ja sehr viel
    Verständnis für die Analyse, was in den Schulen alles
    nicht stimmt, aber – das muss ich einmal sagen – das
    ist nach der Verfassung in erster Linie Aufgabe unserer
    Bundesländer und nicht des Deutschen Bundestages und
    damit auch nicht des Bundeshaushaltes .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Jetzt zu sagen, Schäuble, dieser Wahnsinnstyp, kassiert
    Steuern ein und nur er hat Überschüsse und die Länder
    und Kommunen nicht, entspricht doch nicht der Wahr-
    heit . Mehr als die Hälfte dieser Steuereinnahmen geht an
    die Länder und an die Kommunen . Sie sollen ihre Haus-
    aufgaben machen und nicht immer nur beim Bund antre-
    ten und sagen: Wir wollen Geld .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Aber jetzt kommen die Bund-Länder-Finanzbeziehun-
    gen . Wir werden darüber reden . Eines will ich vorweg
    sagen: Ich will nicht, dass jeder Wettbewerbsgedanke bei
    diesen Bund-Länder-Finanzverhandlungen untergeht .
    Der Wettbewerbsföderalismus hat auch seine Bedeutung .
    Nur zu glauben, die Lösung liege darin, dass der Bund
    alles bezahlt und die Bundesländer dann zufrieden sind,
    hat mit Wettbewerbsföderalismus nichts zu tun . Diesen
    will ich erhalten, liebe Kolleginnen und Kollegen .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Zweitens – hier komme ich auf den richtigen Hin-
    weis, lieber Kollege Oppermann –: Ja, wir sind bereit,
    mit den Ländern darüber zu reden, wo noch etwas getan
    werden muss . Diese Bundesregierung hat so viel Geld an
    die Kommunen gegeben wie noch keine andere Bundes-
    regierung: Milliardenbeträge . Wir haben zum Teil etwas
    korrigiert, was ihr unter Rot-Grün den Kommunen aufs
    Auge gedrückt habt: die Grundsicherung . Das haben wir
    korrigiert . Wir haben die vollständige Finanzierung des
    BAföG übernommen .


    (Widerspruch des Abg . Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    – Augenblick . Die Grundsicherung haben Sie eingeführt .
    Die Hälfte haben die Kommunen zahlen müssen, und
    diese Hälfte haben wir jetzt übernommen . Das ist die
    Wahrheit und nichts anderes .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Wir haben auch beim BAföG den Anteil übernom-
    men, den die Länder bisher gezahlt haben: Milliardenbe-
    träge . Dann haben wir uns darauf verständigt, dass dieses
    Geld wieder in die Hochschulen, aber mindestens in die
    Bildungspolitik zurückfließt. Einige Bundesländer haben
    gesagt, dass es sie gar nicht interessiere, was vereinbart
    wurde, und haben das Geld für Kitas und anderes zur
    Verfügung gestellt . Deswegen sage ich: Es muss ein Ziel
    bei den Bund-Länder-Finanzverhandlungen sein, dass
    wir auch kontrollieren können, ob das Geld, das wir vom

    Bund geben, so eingesetzt wird, wie es vereinbart war . Es
    darf nicht jeder einfach machen, was er will . So können
    wir nicht arbeiten .


    (Beifall bei der CDU/CSU – Michael GrosseBrömer [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


    Von der SPD wird verlangt: Schafft das Kooperations-
    verbot in der Bildung ab . Daraufhin sagen alle: Jawohl,
    wunderbar. Dann kommt der Ruf an den Bundesfinanz-
    minister: Dafür wollen wir Mehrwertsteuerpunkte . – Ich
    bin mir ganz sicher, bei der nächsten Haushaltsdebatte
    kommen Sie und sagen: Jetzt brauchen wir dringend noch
    Geld für die Ausstattung der Grundschulen, der Universi-
    täten . – Da das nicht geht, können wir diesen Weg nicht
    gehen . Wir sind bereit, zu reden . Aber dann muss klar
    sein, dass die Vereinbarung, wofür Geld eingesetzt wird,
    auch gilt, liebe Kolleginnen und Kollegen .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Das ist eine Strukturveränderung, die wir umsetzen müs-
    sen .

    Natürlich bleibt die Integration das große Thema . Hier
    machen Menschen Erfahrungen in ihrem engsten Um-
    feld . Da mag das eine übertrieben sein, und da mag das,
    was erzählt wird – auch bei uns in den Bürgersprechstun-
    den –, nicht immer repräsentativ sein, aber die Menschen
    machen die Erfahrungen, dass bei der Integration nicht
    alles so richtig funktioniert. Ich finde, dass wir nicht zu-
    erst darauf schauen müssen, was die anderen zu erfüllen
    haben, vielmehr müssen wir selbstbewusst formulieren,
    was wir wollen, was in unserem Land gelten soll, wie
    unser Land aussehen soll . Dann sagen wir: Das müssen
    auch diejenigen erfüllen, die zu uns kommen .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Hier höre ich Gott sei Dank Töne, die früher, wenn ich
    sie geäußert hätte, wahrscheinlich Anlass zu ernsten Dis-
    kussionen gegeben hätten . Mit Genehmigung des Präsi-
    denten – – Oh, der Präsident, der mich gestern gerügt hat,
    ist nicht da .


    (Heiterkeit bei der CDU/CSU)


    Mit Genehmigung der Präsidentin bringe ich jetzt ein
    Zitat:

    Wir sprechen von einer Wertegemeinschaft, nicht
    von einer Gesinnungsgemeinschaft . Doch wenn
    man dieses Land verachtet oder für moralisch min-
    derwertig hält: Warum sollte man dann hier leben
    wollen? Das Zusammenleben von Menschen ver-
    schiedener Herkunft, Religion und Kultur verlangt
    allen Anpassungsleistungen ab … Wenn wir errei-
    chen wollen, dass problematische Haltungen und
    Verhaltensweisen hinterfragt werden, dann müssen
    wir unseren Standpunkt begründen und dies auch
    den Kindern in Schule und Alltag pädagogisch ver-
    mitteln . Dazu gehört auch, die Grenzen der Reli-
    gionsfreiheit anzuerkennen, etwa wenn es um den
    Vorrang des staatlichen Bildungsauftrags und die
    Teilnahme aller Kinder am Schwimmunterricht
    geht .

    Volker Kauder






    (A) (C)



    (B) (D)


    Cem Özdemir im August in der Frankfurter Allgemeinen
    Sonntagszeitung.

    Genau dies verlangen wir immer wieder . Nach diesem
    Beitrag erwarte ich Unterstützung für unsere Auffassung,
    dass es in unseren Schulen nur ein einziges Recht gibt,
    und zwar für alle . Und das muss nicht vom Deutschen
    Bundestag, sondern von den Schulbehörden der Länder
    umgesetzt werden, liebe Kolleginnen und Kollegen .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Es muss also klar sein, dass Anpassungsleistungen not-
    wendig sind . Ich stimme da Cem Özdemir voll zu .

    Es ist offenbar schon ein bisschen hilfreich, in Regie-
    rungsverantwortung zu stehen und zu merken, was man
    tun muss . Ich erwarte, dass dies in Baden-Württemberg
    jetzt auch zügig vorangeht . Ich erwarte auch ganz klar,
    dass Religionsfreiheit in unserem Land gilt, dass sie aber
    natürlich auch unter dem Grundgesetz steht . Das gilt für
    alle . Wir sind kein Gottesstaat und wollen es auch nicht
    werden .


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Deutschland – so hat es das Bundesverfassungsgericht
    formuliert – ist ein weltanschaulich neutraler Staat . Er
    ist nicht wertneutral – die Werte kommen aus der christ-
    lich-jüdischen Tradition und dem Grundgesetz –, aber er
    ist weltanschaulich neutral . Weil er weltanschaulich neu-
    tral ist, werden Urteile im Namen des Volkes verkündet .
    Deswegen sind diejenigen, die diesen weltanschaulich
    neutralen Staat vertreten – als Persönlichkeiten im Ge-
    richtssaal, an Schulen –, gehalten, diese Neutralität zu
    zeigen, deswegen haben in solchen Funktionen Kopftuch
    und andere Religionsbezeugungen keinen Platz, meine
    sehr verehrten Damen und Herren .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Punkt, aus, Ende . Das hat mit dem weltanschaulich – –
    Ja, ja, Frau Roth, ich sehe schon, wie Sie sich ob dieser
    Aussage schon wieder leicht erregen . Da kann ich nur
    sagen: Reden Sie mit Ihrem Kollegen Cem Özdemir, der
    recht hat, wenn er sagt, Religionsfreiheit muss sich dann,
    wenn es einen staatlichen Grund gibt, unterordnen . Das
    ist ein wichtiger Punkt, und deswegen sage ich, das muss
    durchgesetzt werden .

    Wir müssen nicht ständig darüber reden, was alles ge-
    macht werden muss . Vielmehr müssen die Dinge, über
    die man sich nach dem Beitrag von Cem Özdemir einig
    ist, jetzt mal kommen – damit die Menschen in ihrem
    Alltag erleben: Da tut sich etwas, da lässt man nicht ein-
    fach nur alles laufen .


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Dafür, dass sich etwas tut, haben wir in dieser Koalition
    gute Beispiele gegeben; es wird weitergehen . Ich erwarte
    nun, dass sich da auch im Bundesrat etwas tut .


    (Hubertus Heil [Peine] [SPD]: Beim Freund Kretschmann!)


    – Herr Kretschmann wird sicherlich mit seinen Grünen
    reden . Das ist ja auch seine Aufgabe als Ministerpräsi-
    dent dieses großen Landes Baden-Württemberg . Ich bin
    mir in der Frage, was im Bundesrat passieren muss, mit
    Herrn Kretschmann völlig einig, muss ich sagen .


    (Christine Lambrecht [SPD]: Oh! Mit Herrn Bouffier auch?)


    – Ja gut, Frau Kollegin, Sie waren sich mit ihm ja auch
    so lange einig, bis Sie in die Opposition gehen mussten .
    Deswegen sollten Sie jetzt hier nicht so eine Diskussion
    führen . Das ist ein klarer Fall .

    Ich komme noch ganz kurz zur Erbschaftsteuer, weil
    sie für die Wirtschaftskraft unseres Landes ein ganz
    wichtiger Punkt ist . Herr Bartsch,


    (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Haben Sie da das Urteil des Bundesverfassungsgerichts?)


    Sie haben hier erklärt, wir sollten uns mal die Erbschaft-
    steuer aus Amerika anschauen .


    (Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Ja, anschauen! Man kann nur lernen!)


    – Ja, ja . Ich sage Ihnen jetzt, was man hier lernen kann . –
    Die Erbschaftsteuerregelung in den Vereinigten Staaten
    hat dazu geführt, dass es dort keine familiengeführten
    mittelständischen Unternehmen mehr gibt . Das ist das
    Ergebnis der dortigen Erbschaftsteuerregelung; denn
    dort wird alles wegbesteuert, was in einem Familienbe-
    trieb gebraucht wird .


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Deswegen ist Ihr Hinweis völlig daneben . Nein, wir
    brauchen eine Erbschaftsteuer – ich hoffe, dass das die
    Grünen mittragen –,


    (Zuruf der Abg . Heike Hänsel [DIE LINKE])


    die einen Teil des Geldes in den Betrieben lässt, damit sie
    Arbeitsplätze schaffen und sich dem Wettbewerb stellen
    können . Dieses Geld soll anders behandelt werden als
    das, was herausgenommen wird, um sich beispielsweise
    eine Segelyacht zu kaufen .


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Das ist der Punkt . Darum muss es gehen, und da sind
    wir uns doch auch einig . Deshalb sollten wir jetzt schnell
    eine Lösung finden.

    Ich kann nur den Hinweis geben: Ich mache mir große
    Sorgen, dass, wenn wir jetzt im Bundesrat nichts hinkrie-
    gen, sich dann das Bundesverfassungsgericht aufgerufen
    fühlt, eine Lösung zu finden.


    (Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Das haben Sie nicht umgesetzt!)


    Das wäre allemal schlechter als das, was wir hier machen
    können . Es liegt doch nicht an uns!


    (Dr . Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Zwei Jahre Zeit!)


    Wir haben im Deutschen Bundestag eine Lösung gefun-
    den . Wir haben ein Gesetz beschlossen . Stimmen Sie

    Volker Kauder






    (A) (C)



    (B) (D)


    dem im Bundesrat doch einfach zu, dann ist alles in Ord-
    nung . So einfach ist die Sache . Sie im Bundesrat sind das
    Problem, nicht der Deutsche Bundestag .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Vorgänge vom
    vergangenen Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern
    haben uns alle bewegt . Wenn wir daraus die richtigen
    Schlüsse ziehen, werden wir auch wieder andere Er-
    gebnisse erzielen, was gut für die Menschen in unserem
    Land wäre .

    Uns, der Großen Koalition, rate ich, dass wir im letz-
    ten Jahr dieser Großen Koalition den Beweis dafür er-
    bringen,


    (Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass ihr euch einfach ein bisschen lieber habt!)


    dass wir in der Lage sind, unserem Land eine gute Regie-
    rung zu stellen, dass wir die Arbeit machen, die von uns
    verlangt wird und die wir uns vorgenommen haben,


    (Heike Hänsel [DIE LINKE]: Das machen Sie ja nicht! – Anja Hajduk [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Das wird schwer! – Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ganz schwierig!)


    dass wir nicht Anlass geben, dass draußen in unserem
    Land die Menschen sagen: Die leisten sich nur noch Dis-
    kussionen . – Denn dadurch geht unter, was wir machen:
    eine gute Arbeit, um unser Land voranzubringen .


    (Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann müssen Sie ganz von vorne anfangen!)


    Dieser Bundeshaushalt ist dafür ein beredtes Beispiel .


    (Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU – Beifall bei Abgeordneten der SPD)