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ID1812010400

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    13. Grünen: 1
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/120 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 120. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 9. September 2015 Inhalt Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung): a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2016 (Haushaltsgesetz 2016) Drucksache 18/5500 . . . . . . . . . . . . . . . . . 11603 A b) Beratung der Unterrichtung durch die Bun- desregierung: Finanzplan des Bundes 2015 bis 2019 Drucksache 18/5501 . . . . . . . . . . . . . . . . . 11603 B Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Dr . Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 11603 B Dr . Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . 11609 A Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11614 C Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 11619 A Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11622 A Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 11625 B Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11625 D Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 11625 D Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 11627 C Martin Gerster (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11630 A Ewald Schurer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11631 C Monika Grütters, Staatsministerin BK . . . . . . 11632 D Sigrid Hupach (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 11634 A Burkhard Blienert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 11635 A Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 11636 D Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11637 D Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 11639 B Dr . Eva Högl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11640 A Einzelplan 05 Auswärtiges Amt Dr . Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA 11642 B Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11645 C Dr . Franz Josef Jung (CDU/CSU) . . . . . . . . . 11646 C Stefan Liebich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 11647 B Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11647 D Dr . Frithjof Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11649 C Niels Annen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11651 A Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . 11652 B Jürgen Hardt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 11653 C Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 11655 C Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 120 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 9 . September 2015II Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11655 D Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11656 C Detlef Seif (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11657 C Alois Karl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11659 A Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Dr . Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMVg . . . . . . . . . . . . . . 11661 A Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11663 D Karin Evers-Meyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 11665 A Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11666 B Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 11667 D Dr . Alexander S . Neu (DIE LINKE) . . . . . . . 11669 C Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11671 B Doris Wagner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11672 D Ingo Gädechens (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 11674 A Lars Klingbeil (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11675 B Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 11676 B Dr . Fritz Felgentreu (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 11677 C Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung Dr . Gerd Müller, Bundesminister BMZ . . . . . 11678 D Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11681 B Sonja Steffen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11682 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11683 D Dagmar G . Wöhrl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 11685 A Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 11686 D Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11688 B Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11689 D Jürgen Klimke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11691 B Gabriela Heinrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 11693 A Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11694 C Stefan Rebmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11696 A Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11697 D Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 11699 A (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 120 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 9 . September 2015 11603 120. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 9. September 2015 Beginn 9 .00 Uhr
  • folderAnlagen
    Stefan Rebmann (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 120 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 9 . September 2015 11699 Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Amtsberg, Luise BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Beck (Bremen), Marieluise BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Becker, Dirk SPD 09 .09 .2015 Brand, Michael CDU/CSU 09 .09 .2015 Brandl, Dr . Reinhard CDU/CSU 09 .09 .2015 De Ridder, Dr . Daniela SPD 09 .09 .2015 Dröge, Katharina BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Ebner, Harald BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Groth, Annette DIE LINKE 09 .09 .2015 Hartmann (Wackern- heim), Michael SPD 09 .09 .2015 Hirte, Dr . Heribert CDU/CSU 09 .09 .2015 Irlstorfer, Erich CDU/CSU 09 .09 .2015 Kiziltepe, Cansel SPD 09 .09 .2015 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Klein-Schmeink, Maria BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Kolbe, Daniela SPD 09 .09 .2015 Lenkert, Ralph DIE LINKE 09 .09 .2015 Mihalic, Irene BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Mortler, Marlene CDU/CSU 09 .09 .2015 Obermeier, Julia CDU/CSU 09 .09 .2015 Pfeiffer, Sibylle CDU/CSU 09 .09 .2015 Renner, Martina DIE LINKE 09 .09 .2015 Röspel, René SPD 09 .09 .2015 Sarrazin, Manuel BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Schwarzelühr-Sutter, Rita SPD 09 .09 .2015 Tressel, Markus BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Satz: Satzweiss.com, Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de http://www.satzweiss.com http://www.printsystem.de http://www.betrifft-gesetze.de 120. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 1 Einbringung Haushaltsgesetz 2016 – Finanzplan des Bundes 2015 bis 2019 Epl 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Epl 05 Auswärtiges Amt Epl 14 Verteidigung Epl 23 wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Sonja Steffen


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Mi-

    nister, auch von den Haushaltspolitikern alles Gute zum
    runden Geburtstag!

    Meine Damen und Herren! Liebe Gäste! Wenn man
    die schwierigen Haushaltsdebatten der letzten Tage ver-
    folgt hat, stellt man fest: Es gibt einen Grund zur Freude .
    Es ist der folgende: Während die Entwicklungszusam-
    menarbeit in den letzten Jahren aus meiner Sicht doch
    eher ein Schattendasein führte, ist sie in diesen Debatten
    zu einem überragend wichtigen Thema geworden . Das
    hat mich sehr gefreut . Es freut mich auch, dass wir heute
    endlich einmal zu halbwegs prominenter Zeit über diesen
    Einzelplan reden .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


    Bei uns im Bundestag, aber auch innerhalb der gesam-
    ten Bevölkerung ist inzwischen deutlich geworden, dass
    die Entwicklungszusammenarbeit in der Zukunft mit
    über das Schicksal der gesamten Menschheit entscheiden
    wird . Es gibt eine aktuelle Studie von Emnid – sie ist ganz
    neu –, die besagt, dass sich 81 Prozent der Deutschen –
    das sind vier von fünf Deutschen – für die ODA-Quote
    aussprechen . 81 Prozent der Deutschen wollen mehr für
    die Bekämpfung der Armut und für Forschung und Ent-
    wicklung in Bezug auf sogenannte Armutskrankheiten
    ausgeben, und, Herr Minister, rund jeder Zweite würde
    Fairtrade-Produkte kaufen, und zwar nicht nur Schokola-
    de und Kaffee, sondern auch Textilien .

    Für das kommende Haushaltsjahr haben wir in unse-
    rem Einzelplan – das ist schon gesagt worden – 880 Mil-
    lionen Euro mehr als dieses Jahr . Das ist tatsächlich eine
    beispiellose Entwicklung . In den letzten zehn Jahren ist
    unser Einzelplan um fast 100 Prozent gewachsen . 2005
    waren es circa 3,8 Milliarden Euro, jetzt sind wir bei
    7,4 Milliarden Euro . Der große Sprung ist sehr erfreulich .
    Auf der anderen Seite müssen wir aber auch sehen, dass
    sich beispielsweise die Zahl der Flüchtlinge in diesem
    Zeitraum um 20 Millionen Menschen erhöht hat .

    Wir müssen uns auch der Frage stellen, ob die Ent-
    wicklungszusammenarbeit in der Vergangenheit mög-
    licherweise versagt hat . Diese Frage kann jedoch nicht
    mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden . Es
    gibt beispielsweise eine erfreuliche Zahl: Die Zahl der
    ärmsten Menschen – das sind diejenigen, die weniger als
    1,25 Dollar täglich zur Verfügung haben – hat sich welt-
    weit in den letzten 15 Jahren halbiert . An dieser Stelle
    können wir also sagen: Wir haben das Millenniumsziel,
    das wir uns gesetzt hatten, erreicht .

    Wir müssen daneben auch bedenken, dass es Flucht
    und Migration schon immer gab – aus unterschiedlichen
    Gründen . Die Menschen wurden vertrieben, oder sie ha-
    ben sich selbst auf den Weg gemacht .

    Michael Leutert






    (A) (C)



    (B) (D)


    Ich habe mich heute Morgen sehr gefreut, als Kom-
    missionspräsident Juncker in seiner Grundsatzrede fol-
    genden Satz gesagt hat, den ich für sehr wichtig halte:
    Wir alle sind Flüchtlinge . – Das galt bis 1989 übrigens
    auch für viele Osteuropäer . Es gab viele Flüchtlinge aus
    Osteuropa, und manchmal muss man glauben, dass die
    osteuropäischen Länder derzeit von einer gewissen Am-
    nesie befallen sind, was sehr traurig ist .

    Konflikte sind also die Hauptursache für Flucht und
    Vertreibung . Nur ein Bruchteil der Menschen macht sich
    aus rein ökonomischen Interessen auf den Weg .

    55 Prozent der Flüchtlinge – das wurde schon gesagt –
    kommen aus fünf Kriegs- oder Krisenstaaten . Dazu ge-
    hören Afghanistan, Somalia, der Irak, Syrien und der
    Sudan . Wir müssen uns fragen: Wo kann die Entwick-
    lungszusammenarbeit ansetzen, um Fluchtursachen wir-
    kungsvoll entgegenzutreten? Müssen wir vielleicht ande-
    re Prioritäten setzen?

    Wichtig ist, dass wir den Aufwuchs der Mittel, den wir
    jetzt zur Verfügung haben, diese 880 Millionen Euro, tat-
    sächlich wirkungsvoll einsetzen . Es darf nicht sein, dass
    wir nach dem Gießkannenprinzip vorgehen und jeden
    Titel – oder auch jeden zweiten – mit etwas mehr Geld
    ausstatten . Das geht so nicht . Wir brauchen einen kon-
    zentrierten Ansatz und einen Fokus .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


    Auch ich bin der Meinung, dass wir diesen Fokus im
    kommenden Haushaltsjahr auf die Fluchtursachen rich-
    ten müssen .

    Herr Minister, Sie haben ganz recht: Wir dürfen darü-
    ber unsere anderen Aufgaben natürlich nicht vergessen .
    Wir haben in dieser besonderen Situation jetzt aber die
    Möglichkeit für besondere Maßnahmen .

    Mein Kollege Kahrs hat gestern schon den Vorschlag
    gemacht, 560 Millionen Euro der 880 Millionen Euro –
    um diesen Betrag wurde die ursprüngliche Finanzpla-
    nung erhöht – für die Bekämpfung der Fluchtursachen
    einzusetzen . Ich kann mich ihm nur anschließen .


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU)


    Die Frage, die wir uns natürlich auch noch stellen
    müssen, ist: Wo können diese Mittel dann eingesetzt wer-
    den? Ich mache dazu einmal drei Vorschläge:

    Der erste Vorschlag betrifft präventive Aufgaben . Wir
    müssen die politische Beratung vor Ort stärken und dafür
    sorgen, dass Bürgerkriege, Terrorismus und Korruption
    schon an Ort und Stelle bekämpft werden . Dafür haben
    wir hier wirklich sehr gute Institutionen: unsere politi-
    schen Stiftungen, die Kirchen, die privaten Träger und
    den Zivilen Friedensdienst . Wir müssen aber auch Insti-
    tutionen wie die Deutsche Welle stärker unterstützen,
    weil sie vor Ort sehr wichtige Arbeit leisten können .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


    Ein zweites Handlungsfeld – das ist auch schon vom
    Minister angesprochen worden –: Wir müssen gezielt
    in Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft investieren .
    Das Thema Gesundheit ist mir an dieser Stelle besonders

    wichtig . Es geht um ganz wichtige Fonds wie GFATM
    und GAVI . Ich freue mich, dass GAVI in dem Haushalt
    2016 mehr Geld erhält . Ich meine, wir müssen auch bei
    GFATM noch einmal nachdenken, ob wir hier nicht noch
    etwas drauflegen wollen.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Es geht darum, die Erforschung von Armutskrankhei-
    ten zu unterstützen . Es kann nicht sein, dass wir dem-
    nächst wieder von einer Krankheit wie Ebola überrascht
    werden und noch nicht einmal Impfstoffe zur Verfügung
    haben, um vorbeugend tätig zu werden .

    Es ist ganz wichtig, dass wir die gesundheitliche Ver-
    sorgung in den Flüchtlingscamps vor Ort und in den An-
    rainerstaaten besser unterstützen . Ich weiß nicht, ob es
    bekannt ist: Die Krankheit Kinderlähmung, die wir mit-
    hilfe unserer Impfallianzen schon fast ausgerottet hatten,
    ist wieder ausgebrochen . In der Ukraine sind zwei neue
    Fälle von Kinderlähmung aufgetreten . Das liegt an den
    widrigen Umständen in den Flüchtlingslagern . Da müs-
    sen wir unbedingt ran .


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Zum Thema Bildung, Herr Minister, will ich nur noch
    Folgendes sagen: Es reicht nicht, nur Schulen zu bauen .
    Es ist zwar toll, wenn wir das machen . Aber es kann nicht
    sein, dass 90 Kinder in einer Klasse von einem Lehrer
    unterrichtet werden . Diese Klasse ist am Anfang voll und
    im Nullkommanichts wieder leer . Wir müssen auch die
    Lehrerausbildung fördern . Deshalb freue ich mich auch
    sehr, dass Sie vorhin die Ausbildungszentren angespro-
    chen haben .

    Nun bin ich, wie ich sehe, schon fast am Ende meiner
    Redezeit angelangt .

    Mein dritter und letzter Punkt . Entwicklungsländer,
    die Flüchtlinge in ihrer Region aufnehmen, müssen wir
    unbedingt stärker unterstützen .

    Ich meine, wir haben in den kommenden Wochen
    noch viel zu tun . Lassen Sie uns einen besonderen Fo-
    kus auf die Mittel legen, die uns zusätzlich zur Verfügung
    stehen . Ich freue mich auf die Beratungen .

    Vielen Dank .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)




Rede von Claudia Roth
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank, Kollegin Steffen . – Nächste Rednerin:

Anja Hajduk für Bündnis 90/Die Grünen .


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Anja Hajduk


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und

    Herren! Ja, es ist richtig: Dieser Haushaltsplan im Be-
    reich Entwicklungszusammenarbeit steigt um einen er-
    heblichen Anteil – es ist ein zweistelliger Prozentsatz –,
    nämlich von 6,5 Milliarden Euro auf 7,4 Milliarden Euro .
    Herr Minister, das ist erst einmal eine frohe Botschaft .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Sonja Steffen






    (A) (C)



    (B) (D)


    Aber man muss auch ganz nüchtern sagen: Das ist ab-
    solut notwendig . Ihr Etat hat einen Anteil von 2,2 Prozent
    am Gesamthaushalt . Ich nehme einmal – ganz zufällig –
    einen anderen Etat zum Vergleich: Der Etat für Verteidi-
    gung hat einen Anteil von 11 Prozent am Gesamthaus-
    halt . Wir leben in einem Zeitalter, in dem international
    niemand infrage stellt, dass das eine Epoche ist, in der
    wir das Ausmaß von globaler Flucht erleben – mit 60, 70
    oder 80 Millionen Menschen auf der Flucht . Diese Zahl
    steigt in Zukunft vielleicht sogar noch an . Vor diesem
    Hintergrund ist es schlicht eine moralische Pflicht und
    auch vernünftig, in den eigenen Haushalten völlig neue
    Akzentsetzungen vorzunehmen .


    (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN, der CDU/CSU und der SPD)


    Da ist ein Anteil von 2,2 Prozent am Gesamtetat doch
    nicht genug .

    Deswegen sage ich Ihnen, Herr Minister: Die Erhö-
    hung des Etats für das Jahr 2016 ist begrüßenswert; aber
    umso bedauerlicher ist es, dass die Langfristentwicklung
    stagniert . Das passt nicht zusammen . Sie haben mir ja
    gerade applaudiert aus den Koalitionsreihen, dass das
    wohl richtig ist . Aber man muss sagen, dass es nicht in
    Ordnung war, Herr Minister, als Sie im Mai dieses Jahres
    mit den EU-Kollegen eine Vereinbarung getroffen haben,
    die Erreichung des 0,7-Prozent-Ziels erst für 2030 anzu-
    streben . Sie verantworten eine Finanzplanung, in der Ihr
    Etat, also Geld für die Entwicklungszusammenarbeit, mit
    einem Anteil von 0,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt
    stagniert . Das passt nicht zusammen . Das ist nicht genug,
    und da muss die Regierung nachbessern .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg . Heike Hänsel [DIE LINKE])


    Vor dem Gipfel in New York war dieses fehlende Signal
    eine Enttäuschung für die internationale Gemeinschaft .
    Da reicht der Hinweis auf den Gipfel in Elmau nicht aus .
    Es wird noch zwei Gipfel geben . Ich kann nicht erkennen,
    dass Deutschland seine Verantwortung so wahrnimmt,
    dass international das Gefühl aufkommt: Mensch, die
    ziehen uns wirklich nach vorne . – Nein, das Gegenteil ist
    der Fall: Enttäuschung .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Ich will nicht sagen, dass international nicht auch an-
    erkannt wird, was Deutschland leistet; wir brauchen aber
    eine andere Langfristplanung . Wir werden von grüner
    Seite mit Blick auf eine wirklich integrierte Betrachtung,
    was den Einsatz von ODA-Mitteln für klassische Ent-
    wicklungszusammenarbeit und für den internationalen
    Klimaschutz angeht, entsprechende Vorschläge während
    dieser Haushaltsverhandlungen vorlegen .

    Ich möchte noch einen anderen Punkt ansprechen, bei
    dem ich glaube, dass wir wirklich auf einem falschen Weg
    sind. Sie, Herr Minister, sollten darauf Einfluss nehmen.
    Darüber müssen Sie sich im Kabinett vielleicht richtig
    streiten . Es geht darum, dass wir in einem Punkt, der in
    Addis Abeba als Ziel angestrebt wurde, einen wirklich
    großen Schritt weiterkommen, nämlich bei der Bekämp-

    fung der Steuervermeidung in Entwicklungsländern . Wir
    können nicht immer nur über ODA-Mittel reden . Wir
    müssen auch ernst nehmen, dass den Entwicklungslän-
    dern jährlich bis zu 1 Billion US-Dollar an finanziellen
    Ressourcen durch illegale Kapitalabflüsse und auch
    durch legale Steuervermeidung internationaler Konzerne
    verloren gehen . Allein auf Afrika bezogen, sind das 50
    bis 60 Milliarden US-Dollar .

    Sie haben gerade über das Thema Fluchtursachen
    gesprochen . Wenn die reichen Länder des Westens kei-
    ne internationale Steuerpolitik ermöglichen, die diese
    teilweise auch legalen Steuergestaltungsmöglichkeiten
    verhindert, dann fehlt uns ein ganz wesentlicher Faktor
    bei der Fluchtursachenbekämpfung . Und da müssen wir
    heran .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


    Sie haben im Juli dieses Jahres eigentlich das Gegen-
    teil getan . Einerseits hat die Bundesregierung eine Initi-
    ative – die Addis Tax Initiative – ins Leben gerufen, was
    richtig ist . Diese konzentriert sich darauf, die Steuerbasis
    der Entwicklungs- und Schwellenländer in Augenschein
    zu nehmen . Gleichzeitig haben Sie aber leider von die-
    sem Ziel abgelenkt, indem Sie nicht zugelassen haben,
    dass die internationale Gemeinschaft an die ursprüngli-
    che Forderung nach einer Gesamtbesteuerung der akti-
    ven Konzerne herangegangen ist .

    Insofern kann ich nur sagen: Wir sind enttäuscht, dass
    sich Deutschland in Addis Abeba dagegengestellt hat, die
    Vereinten Nationen bei der Diskussion um Reformen der
    internationalen Steuerpolitik mit einzubinden . Das muss
    korrigiert werden; denn das untergräbt unsere Glaubwür-
    digkeit, wenn es um die Frage geht, ob wir an dieses The-
    ma wirklich herangehen wollen .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Herr Minister, wir sind bei Ihnen, wenn die Mittel in
    Ihrem Etat – das wird auch aus der SPD heraus vorge-
    schlagen – stärker auf Fluchtursachen konzentriert wer-
    den . Wir müssen aber aufpassen, dass es keine Kanni-
    balisierung zulasten der besonders gering entwickelten
    Länder gibt . Deren Anteil an der Hilfe – da sind wir uns,
    glaube ich, eigentlich auch einig – muss gesteigert wer-
    den . Insofern muss ich Sie bitten, an der Stelle auch vor-
    sichtig vorzugehen . Es kann außerdem nicht sein, dass
    die im Rahmen des Welternährungsprogramms gewährte
    Unterstützung der syrischen Flüchtlinge im Libanon und
    in Jordanien im Juni 2015 wegen knapper Finanzen ein-
    gestellt werden musste .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Ich komme zu meinem allerletzten Punkt, wo wir, Herr
    Minister, Ihnen nicht folgen . Sie haben meiner Heimat-
    stadt Hamburg einen Besuch abgestattet und dort einen
    Vorschlag zu Rüstungsexporten gemacht . Sie haben dann
    aber auch noch gesagt, dass Rüstungsausgaben an eine
    Forderung nach einer Friedensdividende gekoppelt wer-
    den sollen . Dazu muss ich Ihnen klar sagen: Wir werden

    Anja Hajduk






    (A) (C)



    (B) (D)


    Ihnen da nicht folgen . Wir wollen keine Friedensdividen-
    de bei Rüstungsausgaben, mit der man dann diesen auch
    noch Freibriefe erteilt . Nehmen Sie bitte davon Abstand,
    und schalten Sie in den von mir gerade vorgetragenen
    Punkten um . Dann kämen wir einen erheblichen Schritt
    voran .

    Schönen Dank .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)