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ID1812008500

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/120 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 120. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 9. September 2015 Inhalt Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung): a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2016 (Haushaltsgesetz 2016) Drucksache 18/5500 . . . . . . . . . . . . . . . . . 11603 A b) Beratung der Unterrichtung durch die Bun- desregierung: Finanzplan des Bundes 2015 bis 2019 Drucksache 18/5501 . . . . . . . . . . . . . . . . . 11603 B Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Dr . Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 11603 B Dr . Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . 11609 A Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11614 C Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 11619 A Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11622 A Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 11625 B Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11625 D Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 11625 D Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 11627 C Martin Gerster (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11630 A Ewald Schurer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11631 C Monika Grütters, Staatsministerin BK . . . . . . 11632 D Sigrid Hupach (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 11634 A Burkhard Blienert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 11635 A Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 11636 D Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11637 D Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 11639 B Dr . Eva Högl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11640 A Einzelplan 05 Auswärtiges Amt Dr . Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA 11642 B Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11645 C Dr . Franz Josef Jung (CDU/CSU) . . . . . . . . . 11646 C Stefan Liebich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 11647 B Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11647 D Dr . Frithjof Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11649 C Niels Annen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11651 A Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . 11652 B Jürgen Hardt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 11653 C Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 11655 C Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 120 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 9 . September 2015II Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11655 D Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11656 C Detlef Seif (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11657 C Alois Karl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11659 A Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Dr . Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMVg . . . . . . . . . . . . . . 11661 A Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11663 D Karin Evers-Meyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 11665 A Dr . Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11666 B Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 11667 D Dr . Alexander S . Neu (DIE LINKE) . . . . . . . 11669 C Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11671 B Doris Wagner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11672 D Ingo Gädechens (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 11674 A Lars Klingbeil (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11675 B Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 11676 B Dr . Fritz Felgentreu (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 11677 C Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung Dr . Gerd Müller, Bundesminister BMZ . . . . . 11678 D Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 11681 B Sonja Steffen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11682 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11683 D Dagmar G . Wöhrl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 11685 A Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 11686 D Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11688 B Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11689 D Jürgen Klimke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11691 B Gabriela Heinrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 11693 A Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11694 C Stefan Rebmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11696 A Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11697 D Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 11699 A (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 120 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 9 . September 2015 11603 120. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 9. September 2015 Beginn 9 .00 Uhr
  • folderAnlagen
    Stefan Rebmann (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 120 . Sitzung . Berlin, Mittwoch, den 9 . September 2015 11699 Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Amtsberg, Luise BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Beck (Bremen), Marieluise BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Becker, Dirk SPD 09 .09 .2015 Brand, Michael CDU/CSU 09 .09 .2015 Brandl, Dr . Reinhard CDU/CSU 09 .09 .2015 De Ridder, Dr . Daniela SPD 09 .09 .2015 Dröge, Katharina BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Ebner, Harald BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Groth, Annette DIE LINKE 09 .09 .2015 Hartmann (Wackern- heim), Michael SPD 09 .09 .2015 Hirte, Dr . Heribert CDU/CSU 09 .09 .2015 Irlstorfer, Erich CDU/CSU 09 .09 .2015 Kiziltepe, Cansel SPD 09 .09 .2015 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Klein-Schmeink, Maria BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Kolbe, Daniela SPD 09 .09 .2015 Lenkert, Ralph DIE LINKE 09 .09 .2015 Mihalic, Irene BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Mortler, Marlene CDU/CSU 09 .09 .2015 Obermeier, Julia CDU/CSU 09 .09 .2015 Pfeiffer, Sibylle CDU/CSU 09 .09 .2015 Renner, Martina DIE LINKE 09 .09 .2015 Röspel, René SPD 09 .09 .2015 Sarrazin, Manuel BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Schwarzelühr-Sutter, Rita SPD 09 .09 .2015 Tressel, Markus BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09 .09 .2015 Satz: Satzweiss.com, Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de http://www.satzweiss.com http://www.printsystem.de http://www.betrifft-gesetze.de 120. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 1 Einbringung Haushaltsgesetz 2016 – Finanzplan des Bundes 2015 bis 2019 Epl 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Epl 05 Auswärtiges Amt Epl 14 Verteidigung Epl 23 wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Alexander S. Neu


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau

    Präsidentin! Lassen Sie mich drei Anmerkungen zum
    Haushaltsplan für die Bundeswehr machen .

    Erste Bemerkung . Die Mittel in diesem Haushaltsplan
    betragen realiter 36,6 Milliarden Euro, nicht 34 Milliar-
    den Euro, nimmt man die Haushaltsposten aus den ande-
    ren Einzelplänen mit dazu . Das heißt letztendlich, dass
    Deutschland mit dem Volumen des Einzelplans 14 plus
    denen der anderen Haushaltstitel über den viertgrößten
    NATO-Haushaltsplan verfügt .

    Es kommt noch besser . Weltweit belegt der Haushalt
    der Bundeswehr den achten Platz . Das heißt, der Militär-
    haushalt der Bundeswehr ist der achtgrößte in der Welt .


    (Florian Hahn [CDU/CSU]: Quantitativ oder qualitativ?)


    Damit gehört Deutschland weltweit zu den führenden
    Militärkräften, soweit es die Militärausgaben betrifft .


    (Florian Hahn [CDU/CSU]: Relativ oder pro Kopf?)


    Sehr geehrte Steuerzahlerinnen und Steuerzahler oben
    auf den Tribünen, Sie zahlen im Jahr 2016 450 Euro pro
    Nase in diesem Land für die Bundeswehr .


    (Florian Hahn [CDU/CSU]: Ich glaube, das schockiert die Leute nicht besonders! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU)


    Während in diesem Lande Rentnerinnen und Rentner
    Pfandflaschen einsammeln müssen, um zu überleben,
    während für die Sanierung von Schultoiletten kein Geld
    da ist, zahlen Sie 450 Euro für die Bundeswehr .


    (Rainer Arnold [SPD]: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!)


    Henning Otte






    (A) (C)



    (B) (D)


    Zweite Anmerkung . Die globalen Militärausgaben
    betrugen 2014 1,78 Billionen US-Dollar, das heißt
    1 780 Milliarden US-Dollar . Davon haben allein die
    NATO-Staaten 942 Milliarden US-Dollar aufgewendet .
    Das heißt, von den weltweiten Militärausgaben haben die
    NATO-Staaten 60 Prozent ausgegeben .

    Das neue und beliebte Feindbild der Bundesregierung,
    Russland nämlich, hat im Jahr 2014 84,5 Milliarden
    US-Dollar für sein Militär ausgegeben .


    (Dagmar Ziegler [SPD]: Unsinn!)


    Das heißt, 9 Prozent dessen, was Russland ausgegeben
    hat – -


    (Florian Hahn [CDU/CSU]: Nein! Andersherum! – Ingo Gädechens [CDU/CSU]: Das verstehe ich jetzt nicht mehr!)


    Umgekehrt: Die NATO hat elfmal so viel wie Russland
    für den Militärhaushalt ausgegeben .

    Wir können gerne weiter vergleichen . Nehmen wir
    China . China hat im Jahr 2014 216 Milliarden US-Dollar
    für das Militär ausgegeben . Das sind 23 Prozent dessen,
    was die NATO ausgegeben hat . Oder umgekehrt: Die
    NATO hat viereinhalbmal so viel für ihr Militär ausge-
    geben wie China .


    (Ingo Gädechens [CDU/CSU]: Das macht insgesamt? – Dr . Tobias Lindner [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Bitte noch einmal wiederholen! Ich kam nicht mit! – Florian Hahn [CDU/ CSU]: China hat auch einen echt transparenten Haushalt!)


    – Dazu komme ich gleich . – China und Russland kom-
    men damit auf 32 Prozent dessen, was für die NATO-Mi-
    litärhaushalte ausgegeben wurde . Mit anderen Worten:
    Die NATO hat das Dreifache dessen für Militär ausgege-
    ben, was China und Russland gemeinsam für ihr Militär
    ausgegeben haben .


    (Rainer Arnold [SPD]: Er kann sogar rechnen!)


    Daraus kann man schließen, dass die NATO den beiden
    Ländern China und Russland in militärischen Fragen
    weit überlegen ist, zumal die militärischen Fähigkeiten
    der Bundeswehr und der US-Streitkräfte denen der russi-
    schen und chinesischen überlegen sind .

    Dennoch wird hier in diesem Land – und in anderen
    NATO-Ländern – so getan, als seien China und Russ-
    land eine militärische Bedrohung für den Westen, nur um
    langfristig die 2-Prozent-Marke in Bezug auf das Brut-
    tosozialprodukt zu erreichen . Das hieße, in den nächsten
    Jahren werden wir irgendwann einmal bei 57 Milliarden
    Euro für die Bundeswehr liegen .

    Die Bundesregierung und ihr Hauptverbündeter, die
    USA, bauen auf diese Weise einen Bedrohungspopanz
    gegenüber Russland und China auf, der auf Ihre Kosten
    geht, sehr geehrte Steuerzahlerinnen und Steuerzahler .


    (Beifall bei der LINKEN – Florian Hahn [CDU/CSU]: Das ist ein Popanz, den Sie aufbauen!)


    Die Linke hingegen fordert: Stoppen Sie das Durchfüt-
    tern der Rüstungsindustrie als einzigem Nutznießer der
    angeblichen Bedrohungsszenarien!


    (Beifall bei der LINKEN)


    Investieren Sie die Steuergelder in zivile Infrastruktur an-
    statt in militärische Sandkastenspiele! Die Bundesregie-
    rung macht seit Jahren genau das Gegenteil, aber nicht nur
    auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, son-
    dern auch auf Kosten der inneren Sicherheit . Das vasal-
    lentreue Mitmachen bei US-Kriegen und Regime-Cha nge-
    Politik stellt eine wachsende Gefahr auch für die innere
    Sicherheit dar, da Deutschland als Mitaggressor wahrge-
    nommen wird . Die Hochrüstung und die Nibelungentreue
    gegenüber den USA schaffen entgegen Ihrer Behauptung
    nicht mehr, sondern weniger Sicherheit für Deutschland .


    (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)


    Dritte Anmerkung. Die flüchtenden Menschen aus Af-
    rika und Nahost, die nach Europa kommen, symbolisie-
    ren geradezu die zerstörerische Einmischungspolitik und
    die Kriege des Westens unter US-Führung . Ich möchte
    Ihnen ein Beispiel geben, wie verlogen diese Politik ist .
    Zwischen 1991 und 1998 starben laut UNICEF im Irak
    500 000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund der UN-Sank-
    tionen, deren Aufhebung von den USA blockiert wurde .
    Zählt man die über fünfjährigen Kinder und die Erwach-
    senen hinzu, sind es weit über 1 Million Menschen, die
    im Irak aufgrund der Sanktionen ums Leben kamen .

    Wie menschenverachtend diese Politik war, hat die
    damalige UN-Botschafterin und spätere Außenministerin
    der USA, Madeleine Albright, zum Besten gegeben . In
    einem Interview mit dem US-Sender CBS sagte sie auf
    die Frage des Journalisten – ich zitiere -: „Wie wir hören,
    Frau Albright, starben im Irak eine halbe Million Kinder .
    Ist es den Preis wert?“ Frau Albright antwortete: „Ja, wir
    glauben, es ist den Preis wert .“ Das sollte uns zu denken
    geben, sehr geehrte Damen und Herren .


    (Beifall bei der LINKEN)


    Das sind die Verbündeten unserer Bundesregierung . Das
    sind die Werte, die wir mit den USA teilen . Das ist eine
    Schande!


    (Bartholomäus Kalb [CDU/CSU]: Frau Albright ist schon lange nicht mehr Außenministerin!)


    Aber danach ging es – dagegen wirken die halbe Mil-
    lion fast wie „Peanuts“ – erst richtig los: Es gab Krieg
    gegen Serbien, den Irak, Afghanistan und Libyen, und es
    gibt den derzeit verdeckten Krieg in Syrien . Den Tod von
    Millionen Menschen als Kriegsopfer, Kriegsfolgeopfer
    und Sanktionsopfer durch NATO-Kriege und Kriege der
    USA im Rahmen der Koalition der Willigen kann man
    aber nicht verleugnen und auch nicht mehr verstecken .
    Auch die Flüchtlinge kommen mittlerweile zu uns .

    Die Linke fordert hingegen: Stoppen Sie die Hoch-
    rüstung Deutschlands! Das heißt, wir brauchen keine
    Kampfdrohnen, wir brauchen keine neuen Panzer, auch
    keine Fregatten und Transportflugzeuge.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Dr. Alexander S. Neu






    (A) (C)



    (B) (D)


    Widmen Sie das Geld um in zivile Projekte für Menschen
    und Umwelt in diesem Land! Stoppen Sie die Teilnahme
    an der Einmischungspolitik und der Regime-Change-Po-
    litik gegenüber anderen Staaten! Das bedeutet einfach
    nur, das internationale Recht, wie es die UN-Charta dar-
    stellt, zu respektieren – nicht mehr und nicht weniger .


    (Andreas Mattfeldt [CDU/CSU]: „Und befehlen Sie Frieden!“)


    Verhindern Sie den Missbrauch deutschen Staatsgebie-
    tes für die US-Kriegsführung! Stichwort Ramstein und
    die Drohnentötung, die über Ramstein läuft . Sagen Sie:
    Nein, wir wollen das von deutschem Gebiet aus nicht
    mehr akzeptieren . Betreiben Sie aktiv Friedenspolitik
    für Europa unter Einschluss – nicht unter Ausschluss –
    Russlands! Das heißt, tragen Sie dazu bei, dass es einen
    ökonomischen und sicherheitskollektiven Raum von Lis-
    sabon bis Wladiwostok gibt!

    Das sind, sehr geehrte Damen und Herren, die Para-
    meter einer vernünftigen Außen- und Sicherheitspolitik .
    Das ist im Übrigen wesentlich kostengünstiger als das,
    was Sie uns vorschlagen .

    Danke .


    (Beifall bei der LINKEN)




Rede von Dr. h.c. Edelgard Bulmahn
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

Vielen Dank . – Als nächster Redner hat Rainer Arnold

von der SPD-Fraktion das Wort .


(Beifall bei der SPD)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Rainer Arnold


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir
    Verteidigungspolitiker sind es ja in unserem politischen
    Alltag gewöhnt, dass – das passiert fast jeden Tag – neue
    Probleme auf unseren Tisch hageln . Dabei handelt es
    sich um wichtige und weniger große Probleme . Eines
    aber merken wir auch: Es relativiert sich alles, was wir
    diskutieren, angesichts der gigantischen humanitären
    Katastrophe in vielen Ländern Afrikas, an den Rändern
    Europas und, ja, auch mitten bei uns in Europa .

    Überall leistet die Bundeswehr ihre Beiträge – das
    wurde heute auch schon ausgeführt -: In internationalen
    Friedens- und Stabilisierungsmissionen, aber auch bei
    der Unterbringung der Flüchtlinge hier in unserem Land
    arbeiten Soldaten neben den zivilen Helfern und den Hel-
    fern aus den Rettungsdiensten . Das heißt, unsere Solda-
    ten sind gute Staatsbürger in Uniform, und sie verdienen
    Dank und Respekt wie alle Helfer .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Spätestens angesichts dieser Katastrophe, die wir er-
    leben, müssten eigentlich alle in der deutschen Gesell-
    schaft mit Ausnahme der Linken – das haben wir wie-
    der gemerkt; das gebe ich auf – verstehen, was mit der
    Forderung gemeint war: Deutschland muss mehr über
    die deutsche Verantwortung und die deutsche Rolle in
    der Welt sprechen . Es gibt zum Glück in Deutschland

    einen Konsens über unsere diplomatische, präventive
    und finanzielle Verantwortung angesichts der Lage der
    schutzsuchenden Menschen . Aber welche Rolle spielt
    das Militär in diesem Zusammenhang? Dies ist letztlich
    nicht geklärt, auch wenn wir immer wieder in Einzelfäl-
    len bei der Erteilung von Mandaten die Frage konkret
    beantworten .

    Es fehlt das grundsätzliche Verständnis, dass Streit-
    kräfte selbstverständlich nicht die Probleme der Welt
    lösen können . Aber sie müssen Teil des vernetzten An-
    satzes in der Welt sein . Denn die brutalen Mörderbanden
    und unmenschlichen Diktatoren sind nicht mit Worten zu
    stoppen, sondern man muss sich denen leider auch mit
    Waffen entgegenstellen .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Karin Binder [DIE LINKE]: Wenn man sie vorher beliefert!)


    Weil das so ist, werden wir uns alle in der Politik und
    Gesellschaft darauf einstellen müssen, dass in den nächs-
    ten Jahren die Außen- und Sicherheitspolitik stärker im
    Fokus unserer Arbeit liegen wird, auch wenn dies nicht
    allen gefällt . Es wird so sein .

    Wir müssen uns auch darauf einstellen, dass wir eine
    Debatte brauchen: Müssen die Staatengemeinschaft und
    wir als Teil dieser Gemeinschaft bei erkennbaren Krisen
    nicht früher entschlossener handeln und eingreifen, statt
    so lange zu warten, bis das unermessliche menschliche
    Leid in der Tagesschau abends wirklich von niemandem
    mehr übersehen werden kann?

    Vor diesem Hintergrund diskutieren wir unseren Bun-
    deshaushalt . Der Verteidigungsetat wächst leicht an . Das
    ist gut, und es geht nach den Irrtümern der vergangenen
    Jahre in die richtige Richtung .

    Aber wenn wir das ernst meinen – wir meinen es alle
    ernst –, dass die Fluchtursachen langfristig nur in den
    Krisenregionen bekämpft werden können, dann müssen
    wir uns auch dazu bekennen, dass alle Etats in unserem
    Haushalt, die sich um die internationale Verantwortung
    kümmern – humanitäre Hilfe, Polizeiausbildung, wirt-
    schaftliche Zusammenarbeit, aber auch der Etat für Ver-
    teidigung –, in den nächsten Jahren deutlicher anwach-
    sen müssen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden .
    Dies alles gehört zusammen . Es geht nicht nur um den
    Verteidigungsetat .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)


    Sehr geehrte Damen und Herren, diese Koalition,
    Abgeordnete und die Verteidigungsministerin haben in
    den vergangenen zwei Jahren viel angestoßen und auf
    den Weg gebracht, auch vergangene Fehler korrigiert
    und Gutes und Notwendiges für die Soldaten eingeleitet,
    insbesondere beim Attraktivitätsprogramm . Wir müssen
    jetzt allerdings aufpassen, dass wir die zivilen Beschäf-
    tigten nicht vergessen .


    (Beifall bei der SPD)


    Der Wettbewerb um die klugen Köpfe gilt auch, wenn
    es gilt, gute Beamte und Administratoren und insbeson-
    dere gute technisch Qualifizierte zu finden. Deshalb ist
    das noch eine offene Baustelle . Sie haben unsere Unter-

    Dr. Alexander S. Neu






    (A) (C)



    (B) (D)


    stützung, wenn wir mehr für die Interessen und Belange
    der Zivilbeschäftigten tun .

    Sie sind dabei – das ist ein wichtiger Schritt –, die
    Anzahl der vorhandenen Großgeräte zu korrigieren . Sie
    haben den Begriff des sogenannten dynamischen Verfüg-
    barkeitsmanagements selbst verwendet, Frau Ministerin .
    Ich glaube, wir alle verstehen ihn nur noch eher ironisch;
    denn er kaschiert eigentlich nur den tatsächlichen Man-
    gel .

    Um das klar zu sagen: Angesichts der internationalen
    Aufgaben, die die Bundeswehr hat, und angesichts der
    Tatsache, dass sich die NATO notgedrungen wieder stär-
    ker auf ihre Kernaufgaben der Bündnisverteidigung be-
    sinnt, darf die Bundeswehr keine Strukturen haben, die
    hohl und letztendlich nur auf dem Papier vorhanden sind .
    Die Menge an Großgerät wieder auf 100 Prozent aufzu-
    füllen, ist keine Aufrüstung . Vielmehr haben wir am Ende
    die Strukturen, die wir tatsächlich brauchen . Wir haben
    dann nichts Neues oder Zusätzliches, sondern nur das
    Notwendige für die Soldaten und die deutsche Sicherheit
    verfügbar . Nur so werden wir die Glaubwürdigkeit des
    NATO-Bündnisses bei der Verteidigungsfähigkeit erhal-
    ten und dafür sorgen, dass unsere osteuropäischen Part-
    ner mit ihren Sorgen wissen, dass sie sich auf Deutsch-
    land und die NATO tatsächlich verlassen können .

    Frau Ministerin, es wäre gut, wenn im Zuge dieser
    Haushaltsberatungen ein Plan vorgelegt wird, aus dem
    hervorgeht, wann in den nächsten Jahren welches Gerät
    in welcher Stückzahl beschafft und wie viel es kosten
    wird . Darüber müssen wir zügig reden, damit es nicht
    bei der Ankündigung bleibt . Sie haben – das ist wichtig –
    effizientere Strukturen bei der Rüstungsbeschaffung ein-
    geführt . Es gibt nun ein Rüstungsboard, das die Proble-
    me nicht unter dem Tisch hält, sondern sie auf den Tisch
    legt; das war ein ganz wichtiger Schritt . Die kommenden
    großen Projekte wie MEADS, die Drohnenentwicklung
    und ein Mehrzweckkampfschiff werden hoffentlich nach
    neuen, besseren und effizienteren Verfahren durchgeführt
    und zum Erfolg führen .

    Nicht alles, was verändert werden muss, lässt sich aber
    in Gesetze und Verordnungen pressen . Vielmehr geht es
    auch um die Mentalität . Dabei spielt die Fehlerkultur, die
    in einem Haus herrscht, eine zentrale Rolle . Auch hier
    wurden Veränderungen eingeleitet . Das zeigt sich exem-
    plarisch beim G36 . Anstatt wie viele Jahre zuvor Kritik
    zu unterdrücken und die Menschen, die Kritik äußern, zu
    mobben – das alles hat es im Einzelfall gegeben –, haben
    Sie jetzt die Probleme angenommen und offen benannt .
    Zusammen mit dem Verteidigungsausschuss haben wir
    nun begonnen, das alles aufzuarbeiten . Wir sind gespannt
    auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Oktober . Wir
    werden diese sorgfältig betrachten und darüber diskutie-
    ren .

    Wir müssen allerdings aufpassen, dass beim G36
    kein falscher Eindruck entsteht . Wenn ein Gewehr nach
    25 Jahren ausgemustert wird, dann geschieht das, nicht
    weil es Schrott ist, sondern weil seine Lebensdauer nur
    20 Jahre beträgt . Die Frage, die beantwortet werden
    musste, lautete: Kaufen wir in den nächsten 30 Jahren
    neue G36 nach, oder entschließen wir uns angesichts

    einer veränderten sicherheitspolitischen und technolo-
    gischen Welt für ein neues Produkt? Die Entscheidung,
    die nun getroffen wurde, ist richtig . Ich wünsche mir al-
    lerdings eine Partnerfirma, die das alte, schlichte Prinzip
    von Kaufleuten und Selbstständigen befolgt: Der Kun-
    de ist König . – Ich habe nicht den Eindruck, dass dies
    angekommen ist . Das macht es uns in diesem Bereich
    besonders schwer .

    Zum Abschluss . Wie Sie bereits sagten, ist schon vie-
    les auf den Weg gebracht worden . Wir wissen aber, dass
    der Weg im Bereich der Verteidigungspolitik kein end-
    gültiges Ziel hat . Auf diesem Weg werden in den nächs-
    ten Monaten und Jahren noch viele Stolpersteine liegen .
    Uns ist auch klar, dass Verteidigungspolitik nicht nur als
    Reaktion auf Krisen zu verstehen ist; auch das muss ge-
    leistet werden . Aber Verteidigungspolitik ist mehr . Sie
    wird nur gut sein, wenn sie auf einer langen Zeitschiene
    Vorsorge für eine Welt trifft, deren Risiken in 20 oder
    30 Jahren unbekannt sind . Aber wir wissen eines: Um
    dann gut aufgestellt zu sein, müssen in dieser Legislatur-
    periode die notwendigen und richtigen Entscheidungen
    getroffen werden . Sie haben unsere Unterstützung auf
    diesem Weg .

    Herzlichen Dank .


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)