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ID1805011600

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/50 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 50. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 I n h a l t : Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeord- neten Karin Evers-Meyer, Dr. Angela Merkel, Günter Lach, Dr. Harald Terpe, Dr. Wilhelm Priesmeier, Jürgen Trittin, Max Straubinger, Norbert Brackmann, Dr. Axel Troost, Bartholomäus Kalb, Karsten Möring, Volker Kauder, Hans- Peter Uhl und Wolfgang Gehrcke . . . . . . . . 4547 B Tagesordnungspunkt 1: (Fortsetzung) a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2015 (Haushaltsgesetz 2015) Drucksache 18/2000 . . . . . . . . . . . . . . . . . 4547 B b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2014 bis 2018 Drucksache 18/2001 . . . . . . . . . . . . . . . . . 4547 C Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 4547 D Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . 4554 B Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4560 B Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 4565 A Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) . . . . . 4566 A Herbert Behrens (DIE LINKE) . . . . . . . . . 4568 A Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4570 A Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4571 A Aydan Özoğuz, Staatsministerin BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4574 C Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 4577 A Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 4579 C Harald Petzold (Havelland) (DIE LINKE) . . 4581 A Monika Grütters, Staatsministerin BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4582 B Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4584 A Hiltrud Lotze (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4585 A Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4586 C Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4588 A Burkhard Blienert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 4588 D Einzelplan 09 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel, Bundesminister BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4590 B Roland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 4594 B Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 4595 C Dr. Barbara Hendricks (SPD) . . . . . . . . . . 4598 A Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4598 B Wolfgang Tiefensee (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 4600 A Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . 4601 B Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . 4603 A Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 4603 C Inhaltsverzeichnis II Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 50. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4605 C Sigmar Gabriel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4606 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4607 B Thomas Jurk (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4607 D Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . . 4609 A Karl Holmeier (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4610 A Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4612 A Andreas Mattfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . 4612 C Mark Hauptmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 4613 C Jan Metzler (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . 4615 A Andreas Mattfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 4616 B Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4618 B Dr. Alexander S. Neu (DIE LINKE) . . . . . . . 4620 B Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4621 D Dr. Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4624 A Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 4625 A Inge Höger (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . 4627 B Karin Evers-Meyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 4628 C Agnieszka Brugger (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4629 D Ingo Gädechens (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 4631 B Gabi Weber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4633 A Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 4634 A Dr. Karl-Heinz Brunner (SPD) . . . . . . . . . . . . 4635 C Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller, Bundesminister BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4637 A Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 4639 C Sonja Steffen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4641 A Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4642 C Jürgen Klimke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4644 A Annette Groth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 4645 C Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 4646 C Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4648 B Johannes Selle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4649 C Gabriela Heinrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 4650 C Tobias Zech (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . 4651 D Stefan Rebmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 4652 D Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4654 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4655 A Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4656 C Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 4657 A Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 50. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 4547 (A) (C) (D)(B) 50. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 Beginn: 10.31 Uhr
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    (D) Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 50. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 4657 (A) (C) (B) Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten (D) Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Alpers, Agnes DIE LINKE 10.09.2014 Beckmeyer, Uwe SPD 10.09.2014 Bleser, Peter CDU/CSU 10.09.2014 Buchholz, Christine DIE LINKE 10.09.2014 Connemann, Gitta CDU/CSU 10.09.2014 Dağdelen, Sevim DIE LINKE 10.09.2014 Dinges-Dierig, Alexandra CDU/CSU 10.09.2014 Färber, Hermann CDU/CSU 10.09.2014 Ferner, Elke SPD 10.09.2014 Heil (Peine), Hubertus SPD 10.09.2014 Hintze, Peter CDU/CSU 10.09.2014 Dr. Krüger, Hans-Ulrich SPD 10.09.2014 Leutert, Michael DIE LINKE 10.09.2014 Ostendorff, Friedrich BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10.09.2014 Petry, Christian SPD 10.09.2014 Dr. Reimann, Carola SPD 10.09.2014 Sarrazin, Manuel BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10.09.2014 Schlecht, Michael DIE LINKE 10.09.2014 Steiniger, Johannes CDU/CSU 10.09.2014 Ulrich, Alexander DIE LINKE 10.09.2014 Weinberg, Harald DIE LINKE 10.09.2014 Zimmermann, Pia DIE LINKE 10.09.2014 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Anlagen 50. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 1 Einbringung Haushaltsgesetz 2015 – Finanzplan des Bundes 2014 bis 2018 Epl 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Epl 09 Wirtschaft und Energie Epl 14 Verteidigung Einzelplan Anlagen
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Inge Höger-Neuling


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Letzte

    Woche traf sich die NATO in Wales zu ihrem Kriegsrat.
    Ich habe mit Aktivistinnen und Aktivisten der britischen
    und der internationalen Friedensbewegung an den Pro-
    testen gegen diese Konferenz teilgenommen.


    (Beifall bei der LINKEN)

    Leider gab es sehr viele Gründe für Protest. Denn neben
    dem verbalen Säbelrasseln – das kennen wir ja schon –
    gab es konkrete Verabredungen für eine weitere Aufrüs-
    tung des Bündnisses.


    (Dr. Karl A. Lamers [CDU/CSU]: Sehr gut!)

    Allein die Vorgabe, dass die Mitgliedstaaten 2 Pro-
    zent des Bruttoinlandsprodukts fürs Militär ausgeben
    sollen, ist völlig inakzeptabel.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Das würde für Deutschland eine Aufstockung der Aus-
    gaben von zurzeit etwa 32 Milliarden Euro auf 56 Mil-
    liarden Euro bedeuten. Das wäre eine haushaltspoliti-
    sche Katastrophe. Aber ein lautes und deutliches Nein
    der Bundesregierung oder auch von Frau von der Leyen
    gegen diese Zumutung habe ich bisher nicht gehört.

    Ebenfalls nicht gehört habe ich ein Nein zur Atom-
    aufrüstung. Die geplante Modernisierung der Atomwaf-
    fen wird auch von Deutschland mitbezahlt. Die in Bü-
    chel stationierten US-Atombomben müssen abgezogen
    und entsorgt werden.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Einen Ersatz durch neue, moderne Massenvernichtungs-
    waffen darf es nicht geben.

    Der renommierte US-Politikwissenschaftler John
    Mearsheimer machte vor kurzem klar, dass die Darstel-
    lung, Russland sei der maßgebliche Verursacher der
    Ukraine-Krise, schlicht falsch ist.


    (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)


    Er wies auf die NATO-Osterweiterung als Wurzel des
    Konfliktes hin. Diese verfehlte Ostpolitik setzt die
    NATO mit ihren Beschlüssen von Wales fort. Sicherheit
    lässt sich nicht gegen, sondern nur mit Russland herstel-
    len.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Säbelrasseln und Aufmärsche helfen dabei nicht weiter.


    (Zuruf von der CDU/CSU: Wer macht denn Aufmärsche?)


    Denken Sie nun nicht, ich sei blind gegenüber der rus-
    sischen Politik. Als Abrüstungspolitikerin halte ich die
    Sezession der Krim für mehr als bedenklich.


    (Dr. Karl A. Lamers [CDU/CSU]: Immerhin! – Dr. Fritz Felgentreu [SPD]: Annexion!)


    Aber man muss immer beide Seiten sehen, um das beur-
    teilen zu können. Und die Politik der NATO eröffnet
    keine gemeinsame Friedensperspektive. Sie verstärkt
    eine neue Blockkonfrontation. Ein Zurück zu einem Ent-
    spannungsprozess geht nicht mit dem Ausbau von neuen
    Militärbasen im Osten.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Aber das wurde nun von der NATO beschlossen. Das ist
    ein völlig falsches Signal.

    Lassen Sie es mich deutlich sagen: In Wales wurde
    der Bruch der NATO-Russland-Akte vorbereitet oder zu-
    mindest perspektivisch ermöglicht. Die neuen Militärba-
    sen sollen zwar dauerhaft nur mit einer überschaubaren
    Anzahl von einigen Hundert Militärangehörigen besetzt
    werden, aber sie sollen die Infrastruktur und die Aus-
    rüstung für wesentlich größere Einheiten bereithalten.
    Damit schafft sich die NATO die Möglichkeit, größere





    Inge Höger


    (A) (C)



    (D)(B)

    Einheiten nach Osten zu verlegen. Anstatt neue Militär-
    basen auszubauen, sollte sie besser die bereits existieren-
    den schließen.


    (Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der CDU/ CSU: Das wird ja immer schlimmer!)


    Auch die geplante neue und angeblich superschnelle
    Eingreiftruppe ist garantiert kein Schritt zur Deeskala-
    tion. 4 000 bis 5 000 Soldatinnen und Soldaten sollen in
    dieser neuen Speerspitze für Interventionen zusammen-
    gefasst werden, und sie sollen innerhalb weniger Tage
    einsatzbereit sein. Wie das mit dem Parlamentsbeteili-
    gungsgesetz übereinstimmen kann, frage ich mich. Die
    Linke spricht sich gegen jede Kriegsvorbereitung und
    gegen die Einschränkung der Rechte des Parlaments aus.


    (Beifall bei der LINKEN – Dr. Karl A. Lamers [CDU/CSU]: Sie dient der Verteidigung, nicht dem Angriff!)


    Lassen Sie mich zum Abschluss noch zum Thema
    Drohnen kommen. Frau Ministerin, Sie haben zu Beginn
    des Sommers gegenüber den Medien erklärt, dass Sie
    der Überzeugung seien – Zitat –,

    dass wir in die Entwicklung einer europäischen be-
    waffnungsfähigen Drohne einsteigen müssen.


    (Zuruf von der CDU/CSU: Sehr gut!)


    Es wundert Sie sicherlich nicht, dass ich diese Überzeu-
    gung nicht teile. Weltweit sind schon 80 Staaten im Be-
    sitz von Drohnen. Viele davon erwägen die Entwicklung
    von Kampfdrohnen oder haben bereits damit begonnen.
    Die New York Times warnte vor kurzem vor einem Rüs-
    tungswettlauf in diesem Bereich. Glaubt hier wirklich je-
    mand, dass die Existenz von noch mehr Kampfdrohnen
    dazu führt, dass das Völkerrecht besser geachtet wird
    oder dass diese Tötungsmaschinen dann seltener und
    verantwortungsvoller eingesetzt werden? – Sie wissen,
    dass damit nicht zu rechnen ist. Im Gegenteil, die
    Schwellen in einen Krieg werden so immer weiter ge-
    senkt. Wer wirklich die Zivilisation gegen die Barbarei
    verteidigen will, der muss sich für einen sofortigen Aus-
    stieg aus dieser Technologie einsetzen.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Wir brauchen eine globale und völkerrechtlich bin-
    dende Ächtung von Kampfdrohnen. Ich möchte alle die-
    jenigen, die sich gegen Drohnen und für Frieden einset-
    zen wollen, auffordern, sich am 4. Oktober am Globalen
    Aktionstag gegen Kampf- und Überwachungsdrohnen
    zu beteiligen.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Die zentrale Lehre aus dem Grauen des Ersten und
    des Zweiten Weltkrieges ist und bleibt die Forderung:
    Nie wieder Krieg!


    (Beifall bei der LINKEN)




Rede von Dr. h.c. Edelgard Bulmahn
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

Als nächste Rednerin, liebe Kolleginnen und Kolle-

gen, hat die Kollegin Karin Evers-Meyer von der SPD
das Wort.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Karin Evers-Meyer


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    Wir sind uns in der Koalition einig: Wir wollen 2015
    keine neuen Schulden machen. Wir wollen, dass
    Deutschland in schwierigen Zeiten ein Stabilitätsanker
    in Europa bleibt. Und wir wollen keine neuen Schulden
    zulasten unserer Kinder und Enkel. Wir wollen natürlich
    auch deswegen keine neuen Schulden machen, weil wir
    uns für die Zukunft Handlungsspielräume erhalten wol-
    len, die wir sicherlich auch im Verteidigungsetat noch
    brauchen. Wir haben uns also in der Koalition auf einen
    Keine-neue-Schulden-Pakt verständigt. Selbstverständ-
    lich wird auch der Verteidigungsetat dazu seinen Beitrag
    leisten. Das nur einmal vorweg, liebe Kolleginnen und
    Kollegen.

    Das bedeutet aber nicht, dass wir vor den bestehenden
    und künftigen finanziellen Notwendigkeiten im Verteidi-
    gungsetat die Augen verschließen. Ganz im Gegenteil,
    der vorliegende Haushaltsentwurf bietet auch heute
    schon Spielraum dafür, Dinge besser zu machen: für die
    Bundeswehr genauso wie für die Soldatinnen und Solda-
    ten und die Zivilbeschäftigten, die ihren Dienst dort
    versehen. Dass viele Dinge besser werden müssen, da-
    rüber sind wir uns mit den Kollegen aus dem Fachressort
    weitgehend einig.

    Es muss investiert werden in die Bundeswehr: in die
    Beschäftigten – Stichwort: Attraktivität – und natürlich
    auch dringend ins Material. Das geht los bei Zulagen,
    Beförderungsmöglichkeiten und Ruhestandsbezügen, es
    geht weiter bei der persönlichen Ausrüstung, zieht sich
    hin über den zum Teil wirklich erbärmlichen Zustand
    von Kasernen und anderen Liegenschaften und landet
    schließlich bei großen Beschaffungsprojekten. Wir sind
    uns über den Bedarf in diesen Bereichen, jedenfalls im
    Grundsatz, einig, auch über die Regierungskoalition
    hinaus.

    Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, die meisten
    von uns sind lange genug im Verteidigungsressort unter-
    wegs, um zu wissen, dass wir da nicht nur und auch
    nicht in erster Linie über Probleme sprechen, die man
    mit mehr Geld allein lösen kann. Aus diesem Grund er-
    warte ich zumindest von denjenigen, die sich intensiver
    mit Verteidigungspolitik beschäftigen, dass sie das auch
    so klar und differenziert in der Öffentlichkeit sagen.
    Mehr Geld allein wird die zum Teil gravierenden Pro-
    bleme im Verteidigungsbereich nicht lösen. Wer heute
    nach dem Motto „Wir nutzen jetzt einmal die Gunst der
    Stunde, um eine Schippe draufzulegen“ argumentiert,
    der macht es sich nicht nur viel zu einfach, sondern
    verplempert schlicht und ergreifend das Geld der Steuer-
    zahler, verehrte Kollegen.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Wenn Soldatinnen und Soldaten heute völlig zu Recht
    ihr Leid klagen, weil irgendein Ausrüstungsgegenstand
    nicht zur rechten Zeit am rechten Ort verfügbar ist, dann
    ist das Problem nicht immer nur darin zu suchen, dass





    Karin Evers-Meyer


    (A) (C)



    (D)(B)

    kein Geld da ist. Das Problem ist oft genug, dass entwe-
    der der Beschaffungsprozess wilde Blüten treibt oder das
    benötigte Teil gerade genau da ist, wo es gerade nicht
    gebraucht wird. Die heruntergekommenen Liegenschaf-
    ten, in denen hochmoderne U-Boote für 500 Millionen
    Euro das Stück liegen, sind ein Trauerspiel, aber eben
    keines, das sich nur ums Geld dreht. Die Frage ist viel-
    mehr, warum vorhandenes Geld nicht abgerufen wird
    und die notwendigen Aufträge nicht endlich rausgehen.

    Damit komme ich quasi nahtlos zum größten Bro-
    cken, nämlich zu den großen Beschaffungsprojekten un-
    serer Zeit. Da muss ich einmal aus einem Rahmenerlass
    zur Neuordnung des Rüstungsbereiches zitieren, den
    Verteidigungsminister Helmut Schmidt Anfang der 70er-
    Jahre in Kraft gesetzt hat – ich finde das wirklich sehr
    spannend –:

    Bei einer Reihe von Rüstungsprojekten … waren
    erhebliche Verzögerungen, unangenehme Kosten-
    steigerungen und beachtliche technische Fehlleis-
    tungen aufgetreten.

    Meine sehr geehrten Damen und Herren, man kann
    eigentlich nur sagen: Willkommen zurück in der Gegen-
    wart! Aus dem Haushalt 2013 war über 1 Milliarde Euro
    nicht abgeflossen, aus dem Haushalt 2014 wird voraus-
    sichtlich knapp 1 Milliarde Euro nicht abfließen, und
    man braucht kein Prophet zu sein, um für 2015 fast das
    Gleiche zu prognostizieren. Der Grund dafür ist: Be-
    stellte Rüstungsgüter werden nicht oder nicht pünktlich
    oder nicht so, wie bestellt, ausgeliefert.

    Bei allem Verständnis für die Komplexität des Pro-
    blems: Wie soll der Haushaltsausschuss des Deutschen
    Bundestages denn mit so etwas umgehen? Wie sollen
    wir damit umgehen, dass solche Summen einfach nur so
    umherschwirren? – Das kann man nicht akzeptieren.
    Deswegen gilt: Bevor wir über Geld sprechen, und erst
    recht, bevor wir über mehr Geld sprechen, muss aufge-
    räumt werden. Es gibt Probleme im System, und da nützt
    es nichts, mehr Geld obendrauf zu schütten.


    (Beifall bei der SPD)


    Voraussetzung für Wahrheit und Klarheit im Verteidi-
    gungshaushalt ist heute vor allem Wahrheit und Klarheit
    innerhalb der Beschaffungsprozesse im BMVg. Das
    Bundesministerium der Verteidigung hat angekündigt,
    dass genau dafür gesorgt werden soll. Das ist sehr gut,
    und wir unterstützen das. Wir erwarten also in Kürze ei-
    nen Bericht zur Klarlage. Dann wissen wir, was an Gerät
    da ist und was davon einsatzbereit ist. Wir erwarten in
    Kürze auch den Bericht des von der Ministerin einge-
    setzten Prüfkonsortiums. Dann müssen endlich Ent-
    scheidungen auf den Tisch. Es muss dann ein klarer
    Fahrplan auf den Tisch, in dem steht, was beschafft wer-
    den soll, was wir brauchen und wofür, wie beschafft
    werden soll und mit wem wir das vielleicht gemeinsam
    beschaffen können. Insofern gibt es tatsächlich eine
    Gunst der Stunde. Es ist aber nicht die Stunde des finan-
    ziellen Aufwuchses – die Ministerin hat das ja eben auch
    sehr deutlich gesagt –, es ist vielmehr die Stunde saube-
    rer Grundlagenarbeit.
    Sie, Frau Ministerin, haben die Chance, nach vielen
    vertanen Jahren, für die Sie natürlich nicht haften, ver-
    nünftige, transparente Prozesse zu etablieren, damit das
    Geld, das da ist, intelligent und effizient investiert wer-
    den kann. Sie haben jetzt die Chance, mit der Industrie
    ein offenes Wort über Kosten, über die Einhaltung von
    Fristen und natürlich auch über die Einhaltung von tech-
    nischen Anforderungen zu sprechen; denn natürlich ist
    auch die Industrie ein Teil des Problems. Sie haben jetzt
    auch die große Chance – auch vor dem Hintergrund des
    NATO-Gipfels in Wales –, sich die richtigen Partner zu
    suchen, mit denen wir Beschaffungsprojekte vielleicht
    gemeinsam stemmen können.

    Ich erwarte vom angekündigten Beschaffungskonzept
    des Ministeriums mehr als Ideen für ein Framework. Wir
    wollen klare europäische und internationale Optionen.
    Geben Sie den Startschuss für echte europäische Be-
    schaffungsszenarien! In diesem Zusammenhang danke
    ich dem Wirtschaftsminister dafür, dass er gerade das
    Thema „Europäische Perspektiven der Rüstungsindus-
    trie“ auch von seiner Seite aus anpackt.


    (Beifall bei der SPD)


    Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum
    Schluss noch ein paar Worte direkt an die Soldatinnen
    und Soldaten richten. Ich betreibe schon lange Verteidi-
    gungspolitik und weiß aus unzähligen Gesprächen, wo
    Dinge schieflaufen und wo Ihnen die Sorgen unter den
    Nägeln brennen. Das Gleiche gilt für meine Kolleginnen
    und Kollegen im Haushalts- und im Verteidigungsaus-
    schuss. Seien Sie sicher: Wir gehen nach bestem Wissen
    und Gewissen und mit hoher Verantwortung mit Ihren
    Sorgen um. Wir haben die feste Absicht, auch im Rah-
    men der Haushaltsverhandlungen für den Haushalt 2015,
    dafür zu sorgen, dass Sie weiterhin einen guten Job ma-
    chen können und dass sich Ihre Arbeit für Sie und Ihre
    Familien auszahlt. Wir sind stolz auf unsere Parlaments-
    armee, und wir sind stolz auf die Bundeswehr und auf die
    Arbeit, die Sie dort jeden Tag an vielen Orten der Welt
    leisten. Dafür danke ich Ihnen auch heute wieder.


    (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)