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ID1805003100

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Metadaten
  • sort_by_alphaVokabular
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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/50 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 50. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 I n h a l t : Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeord- neten Karin Evers-Meyer, Dr. Angela Merkel, Günter Lach, Dr. Harald Terpe, Dr. Wilhelm Priesmeier, Jürgen Trittin, Max Straubinger, Norbert Brackmann, Dr. Axel Troost, Bartholomäus Kalb, Karsten Möring, Volker Kauder, Hans- Peter Uhl und Wolfgang Gehrcke . . . . . . . . 4547 B Tagesordnungspunkt 1: (Fortsetzung) a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2015 (Haushaltsgesetz 2015) Drucksache 18/2000 . . . . . . . . . . . . . . . . . 4547 B b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2014 bis 2018 Drucksache 18/2001 . . . . . . . . . . . . . . . . . 4547 C Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 4547 D Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . 4554 B Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4560 B Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 4565 A Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) . . . . . 4566 A Herbert Behrens (DIE LINKE) . . . . . . . . . 4568 A Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4570 A Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4571 A Aydan Özoğuz, Staatsministerin BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4574 C Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 4577 A Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 4579 C Harald Petzold (Havelland) (DIE LINKE) . . 4581 A Monika Grütters, Staatsministerin BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4582 B Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4584 A Hiltrud Lotze (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4585 A Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4586 C Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4588 A Burkhard Blienert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 4588 D Einzelplan 09 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel, Bundesminister BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4590 B Roland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 4594 B Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 4595 C Dr. Barbara Hendricks (SPD) . . . . . . . . . . 4598 A Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4598 B Wolfgang Tiefensee (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 4600 A Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . 4601 B Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . 4603 A Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 4603 C Inhaltsverzeichnis II Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 50. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4605 C Sigmar Gabriel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4606 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4607 B Thomas Jurk (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4607 D Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . . 4609 A Karl Holmeier (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4610 A Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4612 A Andreas Mattfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . 4612 C Mark Hauptmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 4613 C Jan Metzler (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . 4615 A Andreas Mattfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 4616 B Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4618 B Dr. Alexander S. Neu (DIE LINKE) . . . . . . . 4620 B Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4621 D Dr. Tobias Lindner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4624 A Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 4625 A Inge Höger (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . 4627 B Karin Evers-Meyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 4628 C Agnieszka Brugger (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4629 D Ingo Gädechens (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 4631 B Gabi Weber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4633 A Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 4634 A Dr. Karl-Heinz Brunner (SPD) . . . . . . . . . . . . 4635 C Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zu- sammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller, Bundesminister BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4637 A Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 4639 C Sonja Steffen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4641 A Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4642 C Jürgen Klimke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4644 A Annette Groth (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . 4645 C Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 4646 C Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4648 B Johannes Selle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4649 C Gabriela Heinrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 4650 C Tobias Zech (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . 4651 D Stefan Rebmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 4652 D Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 4654 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4655 A Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4656 C Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 4657 A Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 50. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 4547 (A) (C) (D)(B) 50. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 Beginn: 10.31 Uhr
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    (D) Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 50. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 10. September 2014 4657 (A) (C) (B) Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten (D) Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Alpers, Agnes DIE LINKE 10.09.2014 Beckmeyer, Uwe SPD 10.09.2014 Bleser, Peter CDU/CSU 10.09.2014 Buchholz, Christine DIE LINKE 10.09.2014 Connemann, Gitta CDU/CSU 10.09.2014 Dağdelen, Sevim DIE LINKE 10.09.2014 Dinges-Dierig, Alexandra CDU/CSU 10.09.2014 Färber, Hermann CDU/CSU 10.09.2014 Ferner, Elke SPD 10.09.2014 Heil (Peine), Hubertus SPD 10.09.2014 Hintze, Peter CDU/CSU 10.09.2014 Dr. Krüger, Hans-Ulrich SPD 10.09.2014 Leutert, Michael DIE LINKE 10.09.2014 Ostendorff, Friedrich BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10.09.2014 Petry, Christian SPD 10.09.2014 Dr. Reimann, Carola SPD 10.09.2014 Sarrazin, Manuel BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 10.09.2014 Schlecht, Michael DIE LINKE 10.09.2014 Steiniger, Johannes CDU/CSU 10.09.2014 Ulrich, Alexander DIE LINKE 10.09.2014 Weinberg, Harald DIE LINKE 10.09.2014 Zimmermann, Pia DIE LINKE 10.09.2014 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Anlagen 50. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 1 Einbringung Haushaltsgesetz 2015 – Finanzplan des Bundes 2014 bis 2018 Epl 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt Epl 09 Wirtschaft und Energie Epl 14 Verteidigung Einzelplan Anlagen
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Harald Petzold


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen

    und Kollegen! Sehr geehrte Frau Staatsministerin! Liebe
    Besucherinnen und Besucher der heutigen Sitzung! Als
    ich das letzte Mal an dieser Stelle über den Entwurf des
    Einzelplans der Staatsministerin für Kultur und Medien
    gesprochen habe, konnte ich meine Rede mit einem Lob
    einleiten. Damals waren 90 Millionen Euro zusätzlich
    für den Etat „Kultur und Medien“ zu feiern gewesen.
    Diese zusätzlichen Millionen waren fraktionsübergrei-
    fend erstritten worden. Heute kann ich leider nicht mit
    einem solchen Lob beginnen.

    Ich muss feststellen, dass der Entwurf des Einzelplans
    „Kultur und Medien“ ideologischem Ballast folgt, dass
    er zweitens nicht auf der Höhe der Zeit ist und dass er
    drittens verteilungstechnisch unausgewogen ist. Ich
    möchte Ihnen das begründen.

    Zum Ersten. Frau Staatsministerin, mit insgesamt
    12 Millionen Euro wollen Sie den Wiederaufbau der
    Garnisonkirche in Potsdam unterstützen. 12 Millionen
    Euro für ein Vorhaben, das selbst von der großen Mehr-
    heit der Potsdamerinnen und Potsdamer strikt abgelehnt
    wird. Stellen Sie sich vor, was wir allein in Potsdam mit
    diesem Geld für Soziokultur, für Theaterprojekte, für
    Ausstellungen, für Kulturvereine, für Künstlerinnen und
    Künstler anstellen könnten.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Sie wollen Geld für die Wiedererrichtung eines Ge-
    bäudes ausgeben, das in der Geschichte Deutschlands zu
    einem Symbol für den preußischen Militarismus und die
    nationalsozialistische Machtergreifung wurde. Sie för-
    dern ein Bauwerk, dessen Wiedererrichtung selbst für
    Christinnen und Christen eine Zumutung darstellt. Eine
    wiedererbaute Garnisonkirche in Potsdam wäre nach-
    träglich eine Demütigung des evangelischen Widerstan-
    des gegen die Barbarei, wie er in der Bekennenden Kir-
    che zum Ausdruck gekommen ist.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD, ich
    möchte Sie bitten: Lassen Sie uns gemeinsam verhin-
    dern, dass ein Tempel der Täter wieder errichtet wird,
    auch im Respekt vor unseren gemeinsamen Opfern, die
    unsere beiden Parteien bzw. Vorgängerparteien in der
    Zeit der Nazidiktatur hinnehmen mussten.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Herr Kollege Kauder, Sie haben uns an Ihrer Seite,
    wenn Sie fragen, was wir aus der Geschichte lernen, und
    fordern, dass Aufklärung und Information in den Schu-
    len stattfinden müssen. Ich möchte Sie zum zweiten Mal
    darauf aufmerksam machen, dass im Haushaltsentwurf
    der Staatsministerin für Kultur und Medien das Sonder-
    investitionsprogramm für Gedenkstätten auf null gesetzt
    worden ist. Ich frage Sie, ob es unser Ernst ist, dass wir
    hier um 9 Uhr eine Gedenkstunde aus Anlass des
    75. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges be-
    gehen und anderthalb Stunden später ein Haushalt vor-
    gelegt wird, der für Gedenkstätten für die Opfer dieser
    faschistischen Barbarei keine Sonderinvestitionen mehr
    vorsieht. Ich sage das auch als Vertreter eines Wahlkrei-
    ses, in dem sich mit den Gedenkstätten Sachsenhausen
    und Ravensbrück zwei ganz besonders wichtige Ge-
    denkstätten befinden. Ich möchte Sie bitten, diesen un-
    haltbaren Zustand nicht aufrechtzuerhalten.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Es ist absurd, auf der einen Seite ein fragwürdiges,
    rückwärtsgewandtes Bauprojekt zu unterstützen und auf
    der anderen Seite mit dem Zukunftsprojekt „Digitale
    Agenda“ einen Text vorzulegen, der alles andere ist als
    eine Agenda.


    (Tabea Rößner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt!)


    Dieses Papier ist bestenfalls eine Sammlung aus Absich-
    ten und Unverbindlichkeiten. Allein sein medien- und
    kulturpolitisches Kapitel leidet unter inhaltlicher Schwind-
    sucht.

    Sie erklären, dass die Deutsche Digitale Bibliothek
    ausgebaut werden soll, sagen aber nicht, wie. Die einzel-
    nen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen sind mit
    den an sie gerichteten Anforderungen der Digitalisierung
    in technischer, organisatorischer und personeller Hin-
    sicht sehr oft einfach überfordert. Deswegen sagt die
    Linke – und das seit vielen Jahren –: Es braucht keine
    weiteren Ankündigungen, die zu nichts verpflichten, es
    braucht eine nationale Digitalisierungsstrategie, unter-
    setzt mit einem Sonderprogramm in Höhe von rund
    30 Millionen Euro zur Digitalisierung des kulturellen
    Erbes.


    (Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Diese Zahlen habe ich mir nicht selber ausgedacht, son-
    dern sie stammen vom Fraunhofer-Institut. Ich sage: Je
    länger wir mit einer solchen Strategie warten, umso teu-
    rer wird es am Ende.





    Harald Petzold (Havelland)



    (A) (C)



    (D)(B)

    Der dritte Bereich, den ich ansprechen möchte, ist die
    Medienordnung. Ich gönne den Menschen in Thüringen
    eine bessere Regierung, und ich gönne ihnen mit Bodo
    Ramelow einen linken Ministerpräsidenten. Ich als
    Medienpolitiker habe natürlich verständlicherweise ein
    Eigeninteresse an einem politischen und personellen
    Wechsel in der Erfurter Staatskanzlei; denn in den
    Staatskanzleien wird die Medienpolitik gemacht, unter
    anderem auch die Medienordnung.

    Wenn die Kanzlerin sagt: „Wir müssen die Start-up-
    Unternehmen stärker unterstützen“, dann sage ich: Na-
    türlich! Das hat etwas mit der Medienordnung zu tun.
    Denn die Medienordnung stimmt seit langem nicht mehr
    mit dem überein, was tatsächlich Medienrealität ist. Des-
    wegen brauchen wir an dieser Stelle unbedingt eine Än-
    derung und einen neuen Impuls.


    (Martin Dörmann [SPD]: Die Bund-Länder-Kommission ist ja schon längst verabredet!)


    Daher sage ich: Am Sonntag wählen gehen in Thürin-
    gen und Brandenburg und die Linke wählen! Das ist ein
    guter Schritt, damit an dieser Stelle endlich eine Verän-
    derung einsetzt und wir auch in der Medienordnung vo-
    rankommen.

    Vielen Dank, meine sehr verehrten Damen und Her-
    ren.


    (Beifall bei der LINKEN)




Rede von Petra Pau
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)

Das Wort hat die Staatsministerin und Beauftragte für

die Angelegenheiten der Kultur und Medien, Professor
Dr. Monika Grütters.


(Beifall bei der CDU/CSU)


M
  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Monika Grütters


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)



    Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kolle-
    gen! Nach der bewegenden Gedenkstunde heute Vormit-
    tag zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren
    fällt es in einer Debatte über den Kulturhaushalt, der
    auch die Mittel für die Erinnerungskultur und die au-
    thentischen Orte des Gedenkens einschließt, in der Tat
    nicht leicht, einfach zur Tagesordnung überzugehen.

    Ich bitte den Fraktionsvorsitzenden der Linken, Herrn
    Gysi, ganz kurz zuzuhören. – Herr Petzold, Sie haben
    kritisiert, es seien Mittel für das Gedenken gestrichen
    worden. Das ist nicht richtig. Das Gegenteil ist der Fall:
    Mehrere neue Gedenkstätten wie zum Beispiel der Ju-
    gendwerkhof Torgau wurden in die Gedenkstättenkon-
    zeption aufgenommen. Außerdem haben wir die Mittel
    für dieses Gedenkjahr erheblich erhöht, unter anderem,
    weil wir die Ausstellung zur friedlichen Revolution vor
    25 Jahren am Standort Normannenstraße neu errichten
    möchten.

    Mit Blick auf unsere Gedenkstunde und die aktuelle
    politische Situation bin ich dankbar für den geradezu
    symbolträchtigen Zufall, dass sich ausgerechnet heute,
    am 10. September 2014, die Überführung des wohl be-
    rühmtesten Picasso-Bildes nach Spanien zum 33. Mal
    jährt. Es ist ein Gemälde, das, so denke ich, wie kaum
    ein anderes geradezu symbolhaft wie eine zeitlose Anti-
    kriegsikone wirkt.


    (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)


    Es ist das Bild „Guernica“. Dieses Bild sollte nach
    Picassos Willen erst dann in sein Heimatland Spanien
    rücküberführt werden – es war bis dahin im MoMA in
    New York –, wenn sein Heimatland wieder eine Demo-
    kratie ist.

    Es ist 1937 unter dem Eindruck der deutsch-italieni-
    schen Luftangriffe während des spanischen Bürgerkriegs
    entstanden. Guernica, die gleichnamige baskische Stadt,
    wurde dabei dem Erdboden gleichgemacht; mehr als
    1 500 unschuldige Menschen wurden ermordet. Auf
    rund 27 Quadratmetern Leinwand sind heute tote, ver-
    stümmelte, in Panik flüchtende Menschen und Tiere zu
    sehen, abgetrennte Gliedmaßen, aufgerissene Münder –
    das blanke Entsetzen eines Krieges eben. „Guernica“ of-
    fenbart schonungslos die Gräuel jedes Krieges und
    zwingt uns, zu sehen, was im bloßen Abwägen des Für
    und Wider eben nicht immer sichtbar wird. Darin liegt
    das Subversive, das Verstörende, aber eben auch die
    Kraft der Kunst, auch dieses Werkes.

    Es sagt viel über die Verfasstheit einer Gesellschaft
    aus, ob sie bereit ist, sich damit wirklich auseinanderzu-
    setzen. Wir haben nicht zuletzt aus unserer Erfahrung
    mit der menschenverachtenden Diktatur des Nationalso-
    zialismus die Lehre gezogen, dass wir die Künstler, die
    Kreativen, die Vor-, die Querdenker als kritisches Kor-
    rektiv unserer Gesellschaft brauchen, als Stachel im
    Fleisch der Demokratie – deshalb ist deren Freiheit
    schon sehr früh in der Verfassung, in Artikel 5, festge-
    schrieben. Sie sind es, die immer wieder Grenzen aus-
    loten, provozieren, hinterfragen, aber eben auch ver-
    hindern, dass intellektuelle Trägheit, argumentative
    Fantasielosigkeit und auch manche politische Bequem-
    lichkeit die Demokratie einschläfern. Vielfalt und Frei-
    heit für Kultur und Medien zu sichern, muss deshalb
    oberster Grundsatz unserer Kulturpolitik sein.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    Wenn wir über den Kultur- und Medienetat reden,
    meine Damen und Herren, dann reden wir immer auch
    darüber, was uns die kulturelle Vielfalt und Freiheit wert
    sind. Deshalb bin ich froh, dass wir den Kulturhaushalt
    des Bundes trotz des notwendigen und richtigerweise
    strikten Sparkurses auch gegenüber dem zweiten Regie-
    rungsentwurf des Haushalts 2014 noch einmal leicht er-
    höhen konnten. Das ist auch ein Bekenntnis der Regie-
    rung zum besonderen Stellenwert der Kunst und Kultur.
    Ich bin froh, dass dies hier sehr wohl fraktionsübergrei-
    fend unterstützt wird.

    Eine in diesem Sinne gute und enge Zusammenarbeit
    wünsche ich mir aber auch mit den Ländern und Kom-
    munen. Ich habe nach dem ersten Treffen im März mit
    den 16 Kulturministerkolleginnen und -kollegen der
    Länder sowie den Vertreterinnen und Vertretern der
    kommunalen Spitzenverbände vereinbart, dass wir uns
    künftig zweimal im Jahr in dieser Zusammensetzung





    Staatsministerin Monika Grütters


    (A) (C)



    (D)(B)

    treffen. Das hatte es noch nie gegeben, aber es soll jetzt
    wegen der guten Erfahrungen verstetigt werden.

    Außerdem bin ich in den letzten Monaten in 27 Städ-
    ten und Kommunen gewesen und habe immer wieder
    zwei Erfahrungen machen müssen.

    Die eine Erfahrung ist: Es gibt Länder, die aufgrund
    des Engagements des Bundes die Mittel für ihre Länder-
    programme, beispielsweise Nordrhein-Westfalen im
    Bereich des Denkmalschutzes, prompt nicht nur herun-
    terfahren, sondern ganz streichen. So war das nicht ge-
    meint, und so darf es auch nicht sein. Wir müssen die
    Länder gelegentlich durchaus öffentlich stärker in die
    Pflicht nehmen. Auf Kulturhoheit pochen und sich bei
    der Finanzierung aus der Verantwortung stehlen – das
    geht so nicht!


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Zum anderen sehen wir, dass gelegentlich Kommu-
    nen, die ja eigentlich sehr viel für die Kultur tun – natür-
    lich kennen auch wir die finanziellen Nöte der Städte
    und Gemeinden – jetzt gerade hier den Rotstift ansetzen.
    Das kostet mittelfristig mehr, als es an Einsparungen
    bringt; das wissen wir. Ich bitte Sie, auch in Ihren Wahl-
    kreisen immer mal wieder auf diesen Mechanismus hin-
    zuweisen – das muss man nämlich vor Ort tun – und
    nicht nur hier zu applaudieren.

    Der Bund tut alles, was im Rahmen des Grundgeset-
    zes möglich ist, um die kulturelle Vielfalt vor Ort zu för-
    dern. Da gibt es nicht nur herausragende Programme wie
    zum Beispiel den Kinoprogrammpreis, den Spielstätten-
    programmpreis und das Programm zur Förderung der
    Digitalisierung von Kinos, damit sie als Kulturorte er-
    halten bleiben, sowie die Denkmalschutzprogramme
    – auch im Bereich Buch wollen wir künftig etwas tun –,
    sondern wir entlasten die Kommunen auch materiell,
    zum Beispiel bis 2016 von den Pflichtleistungen für
    Kosten der Unterkunft und Grundsicherung im Alter,
    und zwar in Milliardenhöhe. Das schafft Investitionsfrei-
    räume, die gut für freiwillige Leistungen und da zuvör-
    derst für die Kultur genutzt werden können.

    Im Rahmen dieses kleinen kulturföderalistischen Ex-
    kurses möchte ich aber auch sagen, dass vieles in der Zu-
    sammenarbeit supergut funktioniert. Ich bin ehrlich
    stolz, dass es in Zusammenarbeit mit allen Bundeslän-
    dern, mit den Kommunen und der Kulturstiftung der
    Länder gelingen wird, unser Deutsches Zentrum Kultur-
    gutverluste tatsächlich noch Ende dieses Jahres an den
    Start zu bringen – in Form einer Stiftung, die in Sachsen-
    Anhalt gegründet wird. Wir haben darüber hinaus auch
    international Erfolge: Die Vereinbarung mit der israeli-
    schen Regierung über die Zusammenarbeit ist geschlos-
    sen. Dass das in so kurzer Zeit auf beiden Seiten möglich
    war, zeigt, finde ich, wie Zusammenarbeit in der Kultur
    funktionieren kann.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU sowie des Abg. Martin Dörmann [SPD])


    Das ist deshalb wichtig, weil es in 60 Prozent aller Mu-
    seen Bestände gibt, die noch nicht erforscht sind, aber
    nur 10 Prozent dieser Museen die Mittel haben, um solch
    eine Arbeit zu leisten. Ich finde, es ist unser aller Auf-
    gabe, dabei zu helfen, und das tun wir gern.

    Ein weiteres Thema, das in Gesprächen mit Künstlern
    und Kreativen immer wieder hochkommt, ist die Sorge,
    dass die Vielfalt der Kultur in unserem Land Stück für
    Stück dem Primat des Ökonomischen geopfert werden
    könnte. Ich nehme diese Sorge sehr ernst und werde
    einiges tun, um die Freiheit der Kunst konkret zu stär-
    ken. Das gilt zum Beispiel für die staatliche Filmförde-
    rung – der Film hat eben einen Doppelcharakter: Wirt-
    schaftsgut und Kulturgut –, das gilt aber natürlich auch
    für die Buchpreisbindung. Gerade Filme und Bücher
    sind in unserer Kulturnation wichtig, weil sie viel mehr
    sind als bloße Handelsobjekte.

    Deshalb habe ich mich auch mit den Autoren solidari-
    siert, die von Amazon unter Druck gesetzt worden sind.
    Natürlich sind Rabattverhandlungen mit den Verlagen
    wirtschaftlich legitim. Ich glaube, der Sündenfall besteht
    in diesem Fall darin, dass man sich an den Autoren, an
    den Künstlern, die am Beginn der Kette stehen, rächt,
    wenn die Verlage auf die Rabattforderungen nicht einge-
    hen. Das geht kulturpolitisch wirklich zu weit.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Es gibt ja nur einen kleinen Handlungsspielraum für Ge-
    genmaßnahmen. Wir können über kartellrechtsähnliche
    Regeln bei Google, Amazon usw. nachdenken, aber wir
    können natürlich auch kulturpolitisch etwas tun, zum
    Beispiel mit einem Preis für kleine, inhabergeführte
    Buchhandlungen, um dieses Netz geistiger Tankstellen,
    wie Helmut Schmidt es so schön gesagt hat, ein bisschen
    zu stärken. Ich glaube, dass selbst kleine Summen – ana-
    log zum Kinoprogrammpreis – große Wirkung entfalten
    können. Damit passen wir auch unsere Arbeit an diese
    neue Herausforderung an.

    Am Beispiel Amazon sehen wir aber auch, worin die
    vielleicht größte Herausforderung für die Kultur- und
    Medienpolitik im digitalen Zeitalter besteht: Es geht da-
    rum, die Rahmenbedingungen für ästhetische Vielfalt
    und Meinungsvielfalt der digitalen Lebenswirklichkeit
    anzupassen. Die Demokratie lebt von unterschiedlichen
    Standpunkten, Perspektiven und Weltanschauungen.
    Diese Vielfalt in unserer Medien- und Kulturlandschaft
    zu sichern und dabei der Perspektive der Kunst zur Gel-
    tung zu verhelfen – neben dem Blickwinkel der Ökono-
    mie, des Rechts, der Wissenschaft, der Religion –, das
    bleibt, glaube ich, über das Haushaltsjahr 2015 hinaus
    eine große Herausforderung. Dabei hoffe ich natürlich
    weiterhin auf Ihre Unterstützung, ganz im Sinne Pablo
    Picassos, der – das möchte ich zum Abschluss sagen –,
    lange bevor er „Guernica“ gemalt hat, es einmal so for-
    muliert hat – ich zitiere –:

    Wir alle wissen, daß Kunst nicht Wahrheit ist.
    Kunst ist

    – manchmal –





    Staatsministerin Monika Grütters


    (A) (C)



    (D)(B)

    eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, we-
    nigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begrei-
    fen können.

    Ich danke Ihnen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)