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ID1701612800

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/16 Rainer Brüderle, Bundesminister setz 2010) (Drucksache 17/200) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 11 Bundesministerium für Arbeit und Sozia- les . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . Dr. Claudia Winterstein (FDP) . . . . . . . . . . . . Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Karl Schiewerling (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Garrelt Duin (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . Peter Friedrich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Barbara Hendricks (SPD) . . . . . . . . . . Roland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ernst Hinsken (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . Christian Lindner (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . 1355 C 1355 D 1355 D 1358 C 1360 D 1362 B 1363 B 1365 B 1376 C 1379 A 1381 C 1383 B 1385 A 1386 A 1387 C 1389 B 1390 C 1392 A 1394 B Deutscher B Stenografisch 16. Sitz Berlin, Donnerstag, de I n h a l Wahl der Abgeordneten Angelika Krüger- Leißner als Mitglied und der Abgeordneten Ulla Schmidt (Aachen) als stellvertretendes Mitglied in den Verwaltungsrat der Filmför- derungsanstalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wahl der Abgeordneten Bärbel Bas in den Stiftungsrat der Stiftung „Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Perso- nen“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erweiterung der Tagesordnung . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 2 (Fortsetzung): Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2010 (Haushaltsge- B D K M A A E B n 1355 B 1355 B 1355 B Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . 1366 B 1367 A undestag er Bericht ung n 21. Januar 2010 t : ettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . r. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . . . atja Kipping (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . ax Straubinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Katja Kipping (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . nette Kramme (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . xel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . inzelplan 09 undesministerium für Wirtschaft und Tech- ologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1368 A 1369 A 1370 C 1371 C 1372 C 1373 A 1373 C 1375 B 1376 C Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . Andreas G. Lämmel (CDU/CSU) . . . . . . . . . 1394 D 1395 B II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 16. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 21. Januar 2010 Michael Schlecht (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Dr. Michael Luther (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 3: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zum Vertrag über die Errichtung des IT-Pla- nungsrats und über die Grundlagen der Zusammenarbeit beim Einsatz der Infor- mationstechnologie in den Verwaltungen von Bund und Ländern – Vertrag zur Aus- führung von Artikel 91 c GG (Drucksache 17/427) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatztagesordnungspunkt 1: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Übereinkommen Nr. 187 der Interna- tionalen Arbeitsorganisation vom 15. Juni 2006 über den Förderungsrahmen für den Arbeitsschutz (Drucksache 17/428) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 4: a) Beirat bei der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (Drucksache 17/460 (neu)) . . . . . . . . . . . . b) Beirat für Fragen des Zugangs zur Ei- senbahninfrastruktur (Eisenbahninfra- strukturbeirat) (Drucksache 17/461) . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Beirat zur Auswahl von Themen für die Sonderpostwertzeichen ohne Zuschlag beim Bundesministerium der Finanzen (Programmbeirat) (Drucksache 17/462) . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Beirat für die grafische Gestaltung der Sonderpostwertzeichen beim Bundes- ministerium der Finanzen (Kunstbeirat) (Drucksache 17/463) . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 17 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Köhler, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dagmar Ziegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Florian Toncar (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Steffen Bockhahn (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . D C N D E R M A E B s D D M M D D U D D A S H M H B E B D E J K B H 1396 C 1397 C 1399 A 1399 A 1399 B 1399 B 1399 C 1399 C 1399 C 1399 D 1401 C 1402 D 1404 C 1406 A orothee Bär (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . aren Marks (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Georg Schirmbeck (CDU/CSU) . . . . . . . . icole Bracht-Bendt (FDP) . . . . . . . . . . . . . . iana Golze (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . rwin Josef Rüddel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . olf Schwanitz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . iriam Gruß (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ndreas Mattfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . inzelplan 16 undesministerium für Umwelt, Natur- chutz und Reaktorsicherheit . . . . . . . . . . . r. Norbert Röttgen, Bundesminister BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Matthias Miersch (SPD) . . . . . . . . . . . . . ichael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . ichael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . orothea Steiner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Christian Ruck (CDU/CSU) . . . . . . . . . . lrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Christian Ruck (CDU/CSU) . . . . . . . . . . r. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . ngelika Brunkhorst (FDP) . . . . . . . . . . . . . . abine Stüber (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . ans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . arie-Luise Dött (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . einz-Peter Haustein (FDP) . . . . . . . . . . . . . ernhard Schulte-Drüggelte (CDU/CSU) . . . inzelplan 15 undesministerium für Gesundheit . . . . . . r. Philipp Rösler, Bundesminister BMG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . lke Ferner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ohannes Singhammer (CDU/CSU) . . . . . . . athrin Vogler (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . irgitt Bender (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Max Straubinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . einz Lanfermann (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . 1408 C 1410 B 1410 D 1412 C 1413 C 1414 C 1415 D 1417 C 1419 A 1420 C 1420 C 1423 D 1426 A 1427 A 1428 A 1429 C 1431 B 1431 B 1432 A 1433 C 1434 B 1435 A 1436 B 1437 B 1438 A 1439 A 1439 A 1440 B 1442 B 1444 C 1446 A 1447 A 1447 C Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 16. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 21. Januar 2010 III Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Bärbel Bas (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alois Karl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Martina Bunge (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Maria Anna Klein-Schmeink (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stefanie Vogelsang (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Karl Lauterbach (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Karin Maag (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 1448 D 1449 B 1450 C 1452 B 1453 B 1454 A 1455 C 1457 B 1458 D 1459 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 16. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 21. Januar 2010 1355 (A) ) (B) ) 16. Sitz Berlin, Donnerstag, de Beginn: 9.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 16. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 21. Januar 2010 1459 (A) (C) (B) (D) Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bellmann, Veronika CDU/CSU 21.01.2010 Edathy, Sebastian SPD 21.01.2010 Ernst, Klaus DIE LINKE 21.01.2010 Dr. Fuchs, Michael CDU/CSU 21.01.2010 Günther (Plauen), FDP 21.01.2010 Joachim Jelpke, Ulla DIE LINKE 21.01.2010 Lafontaine, Oskar DIE LINKE 21.01.2010 Maisch, Nicole BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 21.01.2010 Dr. de Maizière, Thomas CDU/CSU 21.01.2010 Nahles, Andrea SPD 21.01.2010 Nešković, Wolfgang DIE LINKE 21.01.2010 Steinbrück, Peer SPD 21.01.2010 Süßmair, Alexander DIE LINKE 21.01.2010 Zapf, Uta SPD 21.01.2010 Zimmermann, Sabine DIE LINKE 21.01.2010 16. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 21. Januar 2010 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Katrin Dagmar Göring-Eckardt


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Herr Kollege Mattfeldt, das war Ihre erste Rede im

    Deutschen Bundestag. Dazu gratulieren wir Ihnen recht
    herzlich und wünschen viel Erfolg bei der Arbeit!


    (Beifall)


    Zu diesem Einzelplan liegen keine weiteren Wortmel-
    dungen vor.

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    (C (D Wir kommen nun zum Geschäftsbereich des Bundesinisteriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktor icherheit, Einzelplan 16. Ich gebe das Wort dem Bundesminister Dr. Norbert öttgen. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da kommt ja der Atomminister!)


    Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt,
    aturschutz und Reaktorsicherheit:
    Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegin-

    en und Kollegen! Diese Parlamentsdebatte ist die erste
    elegenheit, hier im Parlament auf den Gipfel von Ko-
    enhagen zu sprechen zu kommen. Darüber könnte viel
    esprochen werden. Über die Enttäuschung, die er aus-
    elöst hat, über das, was er nicht gebracht hat, von dem
    ir gesagt haben: Das ist unser dringendes Interesse und
    as, was geleistet werden muss.

    Ich möchte in dieser Debatte eine Konsequenz, die
    ch daraus ziehe – ich halte sie für die wichtigste –, an-
    prechen.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wollen Sie jetzt etwa doch Geld geben?)


    iese Konsequenz lautet: Jetzt erst recht machen wir
    limaschutz.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    ir lassen uns nicht zurückfallen.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fangen Sie doch hier an!)


    Alle Enttäuschten möchte ich davor warnen, dass ihre
    nttäuschung in Resignation umschlägt. Mit Resigna-

    ion werden wir keine Veränderung erreichen. Das sage
    ch auch an die Adresse all derjenigen, die jetzt die Gele-
    enheit wittern, unseren Kurs der entschlossenen Klima-
    chutzpolitik ändern zu können. Nein, meine Damen und
    erren: Jetzt erst recht.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    „Jetzt erst recht“ ist keine Trotzhaltung, die wir an
    en Tag legen, weil wir recht behalten wollen. „Jetzt erst
    echt“ ist eine Konsequenz aus einer ganz nüchternen,
    ber fundamentalen Einschätzung, die mir während mei-
    er Teilnahme an der Konferenz von Kopenhagen und
    anach klarer geworden ist, als sie es vorher war. Für
    en Kern und die entscheidende Rechtfertigung unserer
    olitik halte ich die Feststellung, dass Klimaschutz,
    O2-Reduzierung, Ressourcenschonung ganz allgemein,

    m Zentrum der ökonomischen und geopolitischen
    ransformation stehen, in der sich unsere Welt derzeit
    efindet.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum wollen Sie die verzögern?)


    Das ist auch deshalb so, weil diejenigen, die vielleicht
    ein Abkommen wollen, zum Beispiel China – China






    (A) )



    (B) )


    Bundesminister Dr. Norbert Röttgen
    hat sich jedenfalls nicht dafür ausgesprochen und einge-
    setzt –, in ihrem eigenen Land erkannt haben, dass es
    dieser Veränderungen bedarf. In China setzt man näm-
    lich auf Technologie, weil man die Klimafolgen spürt
    und die Chancen auf den Märkten ergreifen will. Das
    Gleiche gilt für die amerikanische Administration. Sie
    hat allerdings Probleme, dafür im eigenen Land Mehr-
    heiten zu organisieren.

    Ganz nebenbei: Die ökonomische Transformation, in
    der wir uns befinden, hat nicht nur eine geopolitische
    Bedeutung, die man erleben kann, wenn der amerikani-
    sche Präsident mit dem stellvertretenden Außenminister
    Chinas in einem Raum verhandelt, um anschließend in
    das Hotelzimmer des chinesischen Ministerpräsidenten
    zu gehen, in dem die anderen Führer der Basic-Staaten,
    der Schwellenländer, zusammensitzen. In dieser Situa-
    tion wird geradezu hautnah spürbar, dass die Welt im
    Fluss ist und dass mit Blick auf die Klimaschutzpolitik
    auch internationale Macht neu verteilt wird, aber noch
    nicht neu verteilt ist.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist in Europa nicht anders!)


    Das ist auch ein Systemwettbewerb: Ist ein autoritäres
    Regime, das Ziele einfach in den Fünfjahresplan schrei-
    ben kann, besser in der Lage, Ziele zu erreichen, als De-
    mokratien, in denen Politik immer der Legitimation und
    der Akzeptanz bedarf? In diesem Wettbewerb sind wir,
    und das möchte ich vermitteln.

    Die deutsche Position – wir arbeiten daran, dass eine
    noch geschlossenere europäische Position zustande
    kommt – besteht darin, diesen Prozess, der so oder so
    stattfindet, mit unseren Werten, mit unseren Interessen
    offensiv zu gestalten, statt alte Strukturen defensiv zu er-
    halten. Für diese Offensivstrategie, für die wir eintreten,
    bitte ich Sie um Ihre Unterstützung.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Wir sind in der besten Position von allen, aus diesem
    Prozess als Gewinner hervorzugehen. Dieser Prozess
    findet statt, weil er eine ökonomische Notwendigkeit ist.
    Wenn wir so weiterleben und die Milliarden Menschen
    aus den ärmeren Ländern, die sich danach sehnen, unse-
    ren Wohlstand zu erreichen, die westliche Lebensweise
    annähmen, würde der Planet das nicht aushalten. Um des
    Schutzes unseres Planeten willen – es geht um die Erhal-
    tung der natürlichen Lebensgrundlagen –, aber ebenso,
    damit wir auch in Zukunft Wohlstand und Wachstum ha-
    ben, ist es eine schiere Notwendigkeit, Klimaschutzpoli-
    tik zu betreiben. Das ist die Grundlage für die Politik,
    die wir machen.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


    Darum bleiben wir bei dem nationalen Ziel, den CO2-
    Ausstoß um 40 Prozent zu reduzieren.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie denn? – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das müssen Sie erst mal als nationales Ziel festschreiben!)


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    (C (D ir wollen das in unserem Interesse, und wir machen as auch. Wir wollen, wie die Kanzlerin gestern gesagt at, Europa dazu bewegen, den CO2-Ausstoß um 0 Prozent zu reduzieren; aber das müssen die anderen itgliedstaaten mittragen. (Zuruf von der SPD: Das muss die Bundeskanzlerin mittragen!)


    as ist das, was wir erreichen wollen.

    Man kann es auch so formulieren: Wir haben in Ko-
    enhagen versucht, dadurch, dass Deutschland und
    uropa mit ambitionierten Zielen vorangehen, andere
    egionen, die Welt mitzuziehen. Damit waren wir nicht
    rfolgreich; ich mache bei dieser Feststellung keinerlei
    inschränkungen. Die Schlussfolgerung daraus, dass wir
    abei, andere mitzuziehen, nicht erfolgreich waren, ist
    ür mich nicht, aufzugeben, sondern dazu überzugehen,
    ie anderen anzutreiben.


    (Ulrich Kelber [SPD]: Das war das richtige Verb! Fangen Sie endlich damit an!)


    enn wir sind in einem Wettbewerb, und wir wollen die-
    en Wettbewerb gewinnen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Unsere Strategie ist zugleich eine ökonomische wie
    ine klimaschutzpolitische Strategie; ich habe das be-
    ont, und ich betone das. Die Energiepolitik ist ein zen-
    rales Feld, auf dem sich konkret erweist, wie wir die
    iele unserer ökonomischen und klimaschutzpolitischen
    trategie umsetzen wollen. Die Vorgaben, die wir in der
    nergiepolitik machen – die in dieser Wahlperiode, ja in
    iesem Jahr 2010 eine wichtige Rolle spielen wird –,
    ind klar: Der CO2-Ausstoß ist bis 2020 um 40 Prozent
    u reduzieren, bis 2050 um mindestens 80 Prozent.

    Die Stellschrauben sind klar: Sie heißen Energieeffi-
    ienz, und sie heißen erneuerbare Energien. Das sind die
    ckpfeiler unserer Energiepolitik. Zur CO2-Reduzierung
    abe ich Ausführungen gemacht. Energieeffizienz wird
    m meisten dazu beitragen – ich will diesen Aspekt beto-
    en –, dass wir die Ziele erreichen. Wir dürfen, wenn wir
    nergiepolitik machen, nicht nur auf die Angebotsseite
    chauen, wir müssen auch die Nachfrage nach Strom
    etrachten. Wir dürfen den Bürger nicht wie bislang als
    assiven Stromabnehmer verstehen, sondern müssen ihn
    u einem aktiven Teilnehmer am Strommarkt machen.
    as ist möglich: Durch intelligente Messsysteme können
    ir das individuelle Verbrauchsverhalten steuern. Dazu
    rauchen wir aber ganz andere Netze – intelligente
    etze –, und dafür brauchen wir Investitionen. Genau
    as ist unsere Energiepolitik. Wir nehmen auch den Ver-
    raucher in den Blick. Wir wollen auch durch indivi-
    uelle, intelligente Verbrauchssteuerung Energiepolitik
    achen. Das ist eine neue Sichtweise.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Zur Energiepolitik gehört – das ist keine Frage –, die
    ngebotsseite zu betrachten. Die Angebotsseite ist be-

    timmt durch eine politische Vorgabe. Das kann man an-
    ers sehen – andere Länder sehen das anders –, aber ich
    age: Wir sehen es so, alle Parteien, die die Koalitions-






    (A) )



    (B) )


    Bundesminister Dr. Norbert Röttgen
    vereinbarung verfasst haben, sehen es so. Wir zielen da-
    rauf ab, dass unsere Energieversorgung weitestgehend,
    hauptsächlich auf erneuerbaren Energiequellen be-
    ruht. Wollen wir dieses Ziel bis 2050 erreichen, müssen
    wir eine dynamische Entwicklung und Veränderung un-
    seres Energiemixes erreichen. Das heißt dann Brücken-
    funktion: dass die erneuerbaren Energien insbesondere
    die Kernenergie, aber auch die fossile Energie sukzes-
    sive ersetzen, sobald und soweit dies sicher möglich ist.
    Das ist unser Ziel, das ist der Prozess, an den wir heran-
    gehen, meine Damen und Herren.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Das ist ein langer Prozess von 40 Jahren. Aber trotzdem
    müssen wir heute die Entscheidungen treffen.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann müssen Sie die Laufzeiten verkürzen und nicht verlängern! Ich habe ein Papier aus dem Umweltministerium, das besagt, der Ausbau der erneuerbaren Energien geht schneller, als Sie denken!)


    – Ja, wir werden das genau nach diesem Prinzip machen:
    nicht mit politischer Willkür, sondern nach diesem Prin-
    zip. Wir können ja unterschiedlicher Auffassung sein.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind wird, in der Tat!)


    Ich sage es noch einmal, damit es klar ist: Die erneu-
    erbaren Energien werden in einem dynamischen Prozess
    sukzessive die Kernenergie und fossile Energiequellen
    ersetzen. Diese Koalitionsvereinbarung werden wir um-
    setzen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Entscheidungen treffen wir heute. Wenn wir dies von
    den Energieversorgungsunternehmen erwarten, wobei
    man auch die Marktpotenziale sehen muss, die für sie
    darin stecken, dann haben wir auch eine politische
    Bringschuld. Die politische Bringschuld heißt Klarheit.
    Was wir wollen, setzt gewaltige Investitionen voraus.
    Für solche Investitionen und Investitions- und Rendite-
    zyklen brauchen wir heute Klarheit. Darum stellt sich
    diese Regierung anders als Vorgängerregierungen seit
    zehn Jahren der Herausforderung, ein politisches Ge-
    samtkonzept zu erstellen.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass ich nicht lache!)


    Das werden wir in diesem Jahr tun, um die notwendige
    Klarheit zu geben.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Nach der Verbrauchersicht und dem energiepoliti-
    schen Konzept bekunde ich Ihnen noch eine dritte Ver-
    änderung gegenüber meinen beiden Vorgängern. Zur
    Energiepolitik und zu den Kernkraftwerken, die wir be-
    treiben, gehört auch die Entsorgung. Das ist eine Last
    aus der Vergangenheit, die mit dem Betreiben von Kern-
    kraftwerken verbunden ist, meine Damen und Herren.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und aus der Zukunft!)


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    (C (D eine beiden Vorgänger im Amt haben sich leider schön, dass einer da ist – um die Verantwortung für die ntsorgung gedrückt. Das war keine Heldentat. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das müssen sie am Sonntag aber beichten!)


    Sie haben sich vor der Verantwortung gedrückt, weil
    ie unangenehm ist. Ich halte mich gar nicht lange mit
    er Vergangenheit auf.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben Sie nicht die Asse ruiniert? War das nicht Ihre Ministerin, die wegen Unfähigkeit abgelöst wurde? Reden Sie mal mit Frau Schavan!)


    ch sage es jetzt für mich: Ich bin nicht bereit, die Ent-
    orgungsfrage als ungelöste Frage zukünftigen Generati-
    nen zu überlassen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    ir drücken uns nicht vor dieser Verantwortung für die
    ächsten Generationen. In diesem Sinne bin ich das
    hema Asse angegangen, und in diesem Sinne werden
    ir das Thema Gorleben angehen. In engem Kontakt
    nd im Austausch mit einer sehr konstruktiven örtlichen
    evölkerung werden wir das tun. Wir werden weiterhin
    m Vertrauen und Kooperation werben und an Lösungen
    rbeiten.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da wünsche ich viel Spaß!)


    In diesem Sinne werden wir auch die erneuerbaren
    nergien weiter massiv fördern. Wir werden dies bei der
    otovoltaik tun. Ich habe den Gesetzesvorschlag ges-

    ern gemacht. Wir werden die Fotovoltaik und ihre Nut-
    ung aus der Nischenrolle, die sie bislang mit 1 Prozent
    n der Stromversorgung hat, dadurch herausholen, dass
    ir sie in einen verlässlichen, im Hinblick auf den Markt

    npassungsfähigen Rahmen einfügen, und ihr so eine
    eue Zukunft geben. In zehn Jahren werden wir im Ver-
    leich zu heute bei einem Ausbauvolumen von 4 bis
    Prozent, also bei vier- bis fünfmal so viel Solarenergie
    n Deutschland sein. Das ist unser Ziel. Ich habe unsere
    orschläge dazu gestern vorgelegt.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wollen den Ausbau bremsen! Da machen Sie gerade eine Industrie kaputt, aber na ja!)


    Vielleicht verlieren Sie Ihre Voreingenommenheit,
    enn Sie ein paar Kommentare aus der heutigen Presse-

    andschaft zur Kenntnis nehmen. Ich zitiere zunächst ei-
    ige Überschriften. Michael Bauchmüller in der Süd-
    eutschen Zeitung kommentiert in der Überschrift:
    Clever und hart“. Ich zitiere Jens Heitmann zu unseren
    orschlägen; die Überschrift in der Hannoverschen All-
    emeinen Zeitung lautet: „Solarbranche überfördert“.
    ch zitiere Thomas Exner, Die Welt: „Sinnvoller Ein-
    chnitt“. Aus der Frankfurter Rundschau zitiere ich






    (A) )



    (B) )


    Bundesminister Dr. Norbert Röttgen
    Frank-Thomas Wenzel etwas weiter gehend, weil er un-
    sere Politik sehr gut wiedergibt:

    … wir müssen möglichst bald die sogenannte Netz-
    parität erreichen. Das bedeutet, der Strom vom
    Solardach wird dann so viel kosten wie der Strom
    aus der Steckdose. Das ist notwendig, um die Ver-
    hältnisse in der Energiewirtschaft zum Tanzen zu
    bringen. Deshalb muss das Schmuckstück deut-
    scher Industriepolitik, das Erneuerbare-Energien-
    Gesetz, weiterentwickelt werden.

    Eine entscheidende Komponente hat bislang ge-
    fehlt. Es gab nur eine unzureichende Rückkopplung
    zur Markt- und Preisentwicklung – genau dies hat
    die Innovationskraft erlahmen lassen.

    Umweltminister Norbert Röttgen holt Versäumtes
    nach: Je mehr Anlagen in einem Jahr hinzukom-
    men, was darauf hindeutet, dass die solare Strom-
    erzeugung hoch rentierlich ist, umso stärker werden
    die Einspeisevergütungen gekürzt. Noch wichtiger
    ist: Erlahmt das Geschäft, fällt die Absenkung der
    Vergütung geringer aus. Das stabilisiert.

    Leider kommt das neue Instrument mit reichlich
    Verspätung. Deshalb ist der zusätzliche Abschlag
    nötig.

    Genau das ist unsere Politik, die in der Breite Zustim-
    mung findet, weil sie eine dem Markt angepasste Strate-
    gie für die Zukunft der erneuerbaren Energien ist.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Die anderen nennen es Pfeifen im Wald!)


    Ich will mit einem Hinweis darauf schließen, dass die
    UNO dieses Jahr zum Jahr der biologischen Vielfalt
    erklärt hat. Leider ist die Zeit knapp, aber ich bitte um
    Erlaubnis, das noch vortragen zu dürfen. Ich will mit den
    Worten und Einschätzungen von zwei Institutionen zum
    Schluss kommen.

    Zum einen hat Papst Benedikt zu Beginn dieses Jah-
    res gegenüber der Weltöffentlichkeit von seiner großen
    Sorge um die Bewahrung der Schöpfung als moralische
    Herausforderung und wichtigen Faktor für Frieden und
    Gerechtigkeit gesprochen. Die Wirtschaftskrise und die
    globale Klimaproblematik haben nach der Auffassung
    des Papstes dieselben Wurzeln, nämlich eine egoistische
    und materialistische Mentalität.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hätten Sie bei uns schon vor 20 Jahren lesen können! Dazu brauchen Sie nicht den Papst!)


    Der geforderte Wandel bestehe deshalb vor allem in der
    moralischen Herausforderung, unser Verhalten zu än-
    dern.

    Das Worldwatch Institute ist in seinem Bericht Zur
    Lage der Welt zu dem Ergebnis gekommen, dass 1987
    der ökologische Fußabdruck der Menschheit erstmals
    die Regenerationsfähigkeit der Erde überschritten hat.

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    (C (D enn alle Menschen so lebten wie die Amerikaner, dann ürde die Erde 1,4 Milliarden Menschen vertragen. enn alle so lebten wie die Westeuropäer, dann würde er Planet 2,1 Milliarden Menschen vertragen. Ich möchte mich insbesondere für die Worte des apstes bedanken. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie sind doch nicht Ministrant!)


    enau so ist es. Wenn Politiker auf die Wertgrundlagen
    es Handelns hinweisen, dann werden sie damit diskre-
    itiert, dass sie handeln sollen, statt über Werte zu predi-
    en.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Anfangen! Anfangen! Mut haben! Loslegen!)


    as ist richtig. Darum ist es gut, dass der Papst diese
    erte betont hat.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


    Ich möchte deshalb bekunden, dass die Natur für uns
    inen Eigenwert hat.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gut geschwätzt! Loslegen!)


    ch möchte auch betonen, dass wir um die Dienstleis-
    ungsfunktion ganzer Ökosysteme für den Menschen
    issen. Darum dient das Jahr der biologischen Vielfalt
    azu, den Raubbau und die Zerstörung der Natur zu be-
    nden, ein Abkommen im Kampf gegen Biopiraterie zu
    chließen und Institutionen zu stärken, um des Respektes
    egenüber der Natur, aber auch um des Menschen wil-
    en.

    Darum machen wir von der Klimaschutzpolitik über
    ine konkrete Energiepolitik mit der Förderung erneuer-
    arer Energien bis hin zum Schutz der biologischen
    ielfalt konkrete Politik für die Zukunft der Menschen
    nd der nächsten Generationen. Ich bitte alle, denen da-
    an etwas liegt, um Unterstützung.

    Herzlichen Dank.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Viel vorgelesen, nichts gesagt!)




Rede von Katrin Dagmar Göring-Eckardt
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das Wort hat der Kollege Matthias Miersch für die

PD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Matthias Miersch


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    err Minister, ich habe sehr aufmerksam zugehört.
    iese Rede unterschied sich wenig von den anderen Re-
    en, die wir bislang von Ihnen gehört haben.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch! Mehr Papst!)







    (A) )



    (B) )


    Dr. Matthias Miersch
    Sie hören sich gut an, aber ich finde, es wird Zeit, Sie
    auch ein bisschen an Ihren Taten zu messen. Das will ich
    tun.

    Sie haben in der Aussprache zur Regierungserklärung
    am 11. November 2009 gesagt, ein Ziel sei es, das Leit-
    prinzip der Nachhaltigkeit durchzusetzen. Die wichtigs-
    ten Felder der Umweltpolitik seien Klimaschutz, Ener-
    giepolitik und der Schutz der biologischen Vielfalt. Ich
    möchte Ihnen fünf Beispiele nennen, an denen ich deut-
    lich machen will, dass jedenfalls gegenwärtig Worte und
    Taten weit auseinander liegen.

    Erstes Beispiel ist das Thema Nachhaltigkeit, das
    zwar in den Reden sehr häufig vorkommt, aber nur dann
    spannend ist, wenn es wirklich konkret wird. Lassen Sie
    uns den Blick auf den Haushalt mit seiner Rekordver-
    schuldung und auf Ihren Wachstumsbegriff richten; denn
    Sie garnieren das Ganze noch mit einem sogenannten
    Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Ich frage Sie: Wer
    wächst eigentlich? Wohin wachsen wir? Wo sind unsere
    Grenzen, die wir als Umweltpolitiker eigentlich sehr
    deutlich sehen müssten? Ob Hoteliers oder Erben, sie
    entziehen dem Staat wichtige Einnahmen, die dann feh-
    len, um im Klimaschutz aktiv werden zu können.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der CDU/ CSU)


    Ich glaube, der Schlüssel ist, dass wir Wachstum neu
    denken, dass wir Wachstum tatsächlich mit Nachhaltig-
    keit verbinden. Wir haben heute Morgen den Beirat für
    nachhaltige Entwicklung konstituiert. Wir haben in der
    letzten Legislaturperiode eine Nachhaltigkeitsprüfung
    durchgesetzt, an die sich die Ministerien halten müssen.
    Wir haben aber nicht dafür gesorgt – das fällt nun auf –,
    dass auch die Gesetzesvorhaben, die aus dem Parlament
    kommen, einer Nachhaltigkeitsprüfung unterzogen wer-
    den müssen. Das wird schnellstens nachgeholt werden
    müssen; denn uns hätte beispielsweise interessiert, was
    eine solche Nachhaltigkeitsprüfung beim Wachstumsbe-
    schleunigungsgesetz erbracht hätte.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Sie haben in der FDP-CDU/CSU-Koalition einen anti-
    quierten Wachstumsbegriff und haben das Leitprinzip
    der Nachhaltigkeit zumindest in diesem Haushalt an kei-
    ner Stelle berücksichtigt.

    Das zweite Beispiel ist der Klimaschutz als Haupt-
    ziel der Umweltpolitik in Ihrer Regierungszeit. Wir wis-
    sen, dass Klimapolitik nach Nicholas Stern viel mehr als
    nur Schutz ist. Es geht auch um zentrale ökonomische
    Fragen. Sie haben in der Aussprache zur Regierungser-
    klärung am 11. November 2009 argumentiert:

    … es gibt keinen Plan B … Die Konferenz von Ko-
    penhagen muss ein Erfolg werden. Wir haben in
    diesem Prozess eine Vorreiterrolle. Die Stimme un-
    seres Landes – das zählt zu den Erfahrungen, die
    man innerhalb von Tagen machen kann – hat Ge-
    wicht.

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    (C (D ch frage Sie: Wo ist die Vorreiterrolle Deutschlands in iesem Prozess in Kopenhagen gewesen? (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    as ist mit Ihrer Verhandlungstaktik geschehen? Sie ist
    icht aufgegangen. Schlimmer noch: Sie wurden durch
    en Minister Niebel regelrecht rasiert; denn der für Ihre
    erhältnisse hervorragende Antrag, den wir im Umwelt-
    usschuss durchgewunken hatten, wurde hier im Parla-
    ent an zentralen Stellen geändert. Diese Änderungen
    urden von den Verhandlungsteilnehmern in Kopenha-
    en deutlich kritisiert, lieber Herr Minister. Sie müssen
    ich im Kabinett stärker durchsetzen und dürfen sich
    icht von einem solchen Fossil – er ist ja zum Fossil des
    ages gekürt worden – über den Tisch ziehen lassen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Sie sagen, dass Ihr Motto lautet: Jetzt erst recht. – Ich
    ar aber über die Haushaltsrede der Kanzlerin gestern

    rschrocken; denn diejenigen, die genau zugehört haben,
    aben festgestellt, dass sie weiter daran festhält – das ist
    in elementarer Fehler –, dass die Europäische Union
    ich nicht auf das 30-Prozent-Ziel einigt, sondern erst
    arauf wartet, dass andere nachziehen. So viel Zeit ha-
    en wir aber nicht mehr. Wenn wir eine Vorreiterrolle
    innehmen wollen, dann müssen wir hier unkonditio-
    iert nach vorne gehen. Wir haben nichts zu verlieren.
    elbst Sie haben sich in dieser Legislaturperiode auf eine
    inderung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent geeinigt.
    aher verstehe ich nicht, warum nach Kopenhagen eine

    olche Aussage kommt. Ich will nicht sagen, dass wir
    uropäer alleine für das Scheitern verantwortlich sind.
    ber die Europäische Union hatte es in der Hand, Vor-

    eiter zu sein. Das haben wir mit versemmelt; das konnte
    an in Kopenhagen deutlich vernehmen. Dafür hat die
    anzlerin die Verantwortung zu tragen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Ich frage Sie: Wo sind die in Kopenhagen zugesagten
    ittel? Wo sind die konkreten Klimaschutzmaßnahmen?
    ie 130 Millionen Euro, die in diesem Haushalt für das
    arktanreizprogramm und kommunale Investitionen

    ingestellt sind, sind gesperrt. Lassen Sie es nicht zur
    erunsicherung bei den Kommunen kommen, denen Sie
    n anderen Stellen sowieso schon Geld wegnehmen! He-
    en Sie diese Sperrung auf! Vertrauen ist an dieser Stelle
    iel wichtiger. Zudem wurden die Mittel für das Gebäu-
    esanierungsprogramm – das betrifft nicht Ihren Etat,
    ondern den des Bauministers – von 2,2 Milliarden auf
    ,1 Milliarden Euro gekürzt. Dabei weiß jeder, dass in
    iesem Bereich großes Potenzial steckt. So darf eine
    orreiterrolle im Klimaschutz nicht aussehen, Herr Mi-
    ister.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir werden Ihnen
    ie Gelegenheit geben, die Lehren aus Kopenhagen zu
    iehen. Wir werden im Rahmen eines Antrags ein ver-






    (A) )



    (B) )


    Dr. Matthias Miersch
    bindliches Klimagesetz fordern, und zwar versehen mit
    einem Monitoring, sodass wir die notwendige Trans-
    parenz und Steuerung erreichen. Sie haben Klimapolitik
    als zentrales Ziel definiert, aber ich glaube, dass Sie von
    diesem Ziel noch weit entfernt sind.

    Das dritte Beispiel ist die Energiepolitik. Heute tagt
    im Kanzleramt eine Elefantenrunde zu diesem Thema.
    Ich frage Sie: Wann lassen Sie die Katze aus dem Sack?
    Wann wird der Ausstieg aus dem Ausstieg verkündet?
    Herr Kollege Röttgen, Ihre erste Handlung, die Beru-
    fung des Cheflobbyisten der Atomindustrie, Herr
    Hennenhöfer, zum Leiter der Abteilung für Reaktor-
    sicherheit, zeigt, dass Ihr Handeln nicht mit dem kompa-
    tibel ist, was Sie heute hier wiederholt haben.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Angesichts der zu erwartenden Milliardengewinne fragt
    man sich natürlich, welcher Ablasshandel da vonstatten
    geht.

    Selbst dieser Haushalt zeigt, dass Atomkraft nichts
    mit Nachhaltigkeit zu tun hat. 40 Prozent des Stamm-
    haushaltes des Umweltministeriums sind schon jetzt für
    die Endlagerproblematik eingestellt – ohne Berücksich-
    tigung der Asse. Herr Umweltminister, nach Schätzun-
    gen, die bislang vorliegen – darüber wird man noch
    streiten müssen –, müssen wir 1,5 Milliarden Euro al-
    leine für die Beseitigung der Fehler in der Asse aufwen-
    den. Das ist mehr als der gesamte Etat des Umweltminis-
    teriums. Wer auf die Atomenergie setzt, hinterlässt damit
    eine schwere Hypothek für die Haushalte nachfolgender
    Generationen. Insofern gehen Sie mit der Atomkraft
    auch finanzpolitisch einen falschen Schritt.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Georg Schirmbeck [CDU/ CSU]: Sagen Sie, wer Asse betrieben hat!)


    Wer sind Ihre Partner? – Der Chef von E.on Deutsch-
    land hat erklärt, es gebe keine rechtliche Verpflichtung,
    sich an den Kosten zu beteiligen. Was ist das für ein Bild
    von Gesellschaft und Industrie? Ein bisschen erinnert
    mich das an so manchen Bankmanager, der sagte, dass
    die Bankenkrise wahrscheinlich ein Versehen war. Dann
    wird aber selbstverständlich verlangt, dass der Steuer-
    zahler blechen muss. Zwei Drittel der Fässer kommen
    aus Kernkraftwerken, wenn auch über den Umweg von
    Forschungsanstalten. Aber die Ursache ist von der In-
    dustrie gesetzt worden, und insofern kann es nicht sein,
    dass der Steuerzahler allein bluten muss. Das muss in
    den Verhandlungen deutlich gemacht werden.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Man sollte auch die Folgen bedenken, die man inzwi-
    schen erkennen kann, wenn man die Erkenntnisse der
    Wissenschaft genau studiert. Sie werden durch eine
    Laufzeitverlängerung genau das verhindern, was Sie
    selbst fordern, nämlich den Ausbau von erneuerbaren
    Energien.


    (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ist es!)


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    (C (D Ich möchte außerdem auf das hinweisen, was das undeskartellamt gestern noch einmal sehr deutlich ge agt hat: Die Oligopolstruktur in diesem Gebiet, die arktmacht von wenigen Konzernen wird gestärkt. Sie ehen also genau in die falsche Richtung. Sie zementieen falsche Strukturen. Auch insofern sollten Sie sich en Ausstieg aus dem Ausstieg noch einmal überlegen. Außerdem haben wir bei dieser Frage die Nachhaltigeit, die Auswirkungen auf die nachfolgenden Generaionen zu berücksichtigen. Wir hinterlassen Müll, von em wir heute noch nicht wissen, was eigentlich damit assiert. Wenn Sie mit Ihrer Regierungspolitik das Leitrinzip nachhaltiger Entwicklung verfolgen, dann könen Sie sich nicht aus dem Atomausstieg verabschieden. ch hoffe, es kehrt noch einmal Vernunft in Ihrer Regieung ein. (Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hoffen Sie lieber nicht!)


    Das vierte Beispiel ist die biologische Vielfalt. Da-
    über kann man im Haushalt wenig nachlesen, dafür aber
    iniges im Koalitionsvertrag. Darin steht nämlich, dass
    ie das, was wir in der Großen Koalition mit großer
    ühe zur Eingriffsregelung durchgesetzt haben, dass Sie

    en Dreiklang von Vermeidung, Ausgleich und Ersatz
    ufheben wollen. Wir haben in Deutschland ein zentrales
    roblem bei der biologischen Vielfalt, und das ist der
    lächenverbrauch. Jeder, der die Nachhaltigkeitsstrate-
    ie und den Fortschrittsbericht liest, kann das leicht fest-
    tellen. Wer an der Eingriffsregelung rütteln will – so
    ie es im Koalitionsvertrag steht –, schützt nicht die bio-

    ogische Vielfalt, sondern tut genau das Gegenteil. Auch
    ieses vierte Beispiel passt also nicht zu Ihren Worten.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Das fünfte Beispiel schließlich ist das BMU selbst.
    ch glaube, es ist richtig, über Personalaufstockungen
    n den Umweltverwaltungen nachzudenken. Es gibt ein
    ehr interessantes Gutachten des Sachverständigenrates
    ür Umweltfragen, der uns aufgezeigt hat, dass es gerade
    m Verwaltungsvollzug hapert. In diesem Zusammen-
    ang war wieder von „Indianern“ und „Häuptlingen“ die
    ede. Was machen Sie? Sie dehnen den Leitungsstab
    nd vor allen Dingen das, was mit Kommunikation zu
    un hat, aus.

    Lieber Herr Kollege Röttgen, lieber Herr Minister,
    iese fünf Beispiele machen deutlich, dass mehr Taten
    efordert sind und nicht nur gute Kommunikation. Ich
    itte Sie, auch hier zu prüfen, inwieweit ein bisschen
    ehr Indianer und weniger Häuptlinge einzusetzen sind.


    (Beifall bei der SPD)


    Die Kanzlerin hat gestern in ihrer Haushaltsrede in
    ezug auf die Finanzkrise gesagt: Wir standen am Ab-
    rund. Ich wünsche mir, dass auch bei uns das Bewusst-
    ein geschärft wird, dass es nicht nur um ein finanzielles
    esaster gegangen ist, sondern auch darum, dass wir an

    nderer Stelle, nämlich im Bereich der Klimapolitik und
    ll der damit einhergehenden ökonomischen und sozia-
    en Verwerfungen, am Abgrund stehen. Ich wünsche mir,






    (A) )



    (B) )


    Dr. Matthias Miersch
    dass wir ein bisschen von dem Bewusstsein haben, das
    wir in diesem Haus hatten, als es innerhalb von einer
    Woche möglich war, Milliardenbeträge zur Rettung von
    Banken zur Verfügung zu stellen. Wenn es uns gelingt,
    die großen Themen, die wir hier nur ansatzweise bespre-
    chen können, in das Bewusstsein dieses Parlaments und
    dieser Regierung zu rücken, dann wäre viel gewonnen.
    Nicht nur die Finanzindustrie steht am Abgrund – sie ist
    menschlich beherrschbar –, sondern auch die Natur. Sie
    ist allerdings kein Verhandlungspartner; insofern müssen
    Ihren Worten viel mehr Taten folgen.

    Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)