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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 16/175 Bundeskanzlerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Dr. Peter Struck (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fritz Kuhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Guido Westerwelle (FDP) . . . . . . . . . . . . Thomas Oppermann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Oskar Lafontaine (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Erwin Huber, Staatsminister (Bayern) . . . . . . Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Erwin Huber, Staatsminister (Bayern) . . . . . . Ruprecht Polenz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Walter Kolbow (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Kerstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD) . . . . . . Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erika Steinbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/ 18638 D 18645 A 18649 B 18654 C 18659 B 18662 C 18667 A 18668 D 18670 C 18673 C 18673 D 18690 B 18691 D 18693 B 18694 B 18696 A 18697 A 18698 C 18699 B 18700 C Deutscher B Stenografisch 175. Sitz Berlin, Mittwoch, den 1 I n h a l Tagesordnungspunkt 1: (Fortsetzung) a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2009 (Haushaltsgesetz 2009) (Drucksache 16/9900) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2008 bis 2012 (Drucksache 16/9901) . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 04 Bundeskanzleramt Rainer Brüderle (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Angela Merkel, H M D D D M J 18637 A 18637 B 18637 B Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Ludwig Stiegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18674 A 18674 B undestag er Bericht ung 7. September 2008 t : ubertus Heil (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . onika Griefahn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Börnsen (Bönstrup) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 05 Auswärtiges Amt r. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Werner Hoyer (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . r. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) . . . . onika Knoche (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . ürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18676 B 18678 B 18679 D 18680 C 18683 D 18685 D 18687 D 18689 D DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Stephan Eisel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 18701 D 18702 B II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 175. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. September 2008 Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Elke Hoff (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Paul Schäfer (Köln) (DIE LINKE) . . . . . . . . . Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bernhard Kaster (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Thomas Silberhorn (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Bartels (SPD) . . . . . . . . . . . . . Steffen Kampeter (CDU/CSU) . . . . . . . . . Dr. Rainer Stinner (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Steffen Kampeter (CDU/CSU) . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 4: – Beschlussempfehlung und Bericht des Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung der Be- teiligung bewaffneter deutscher Streit- kräfte an der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) auf Grund- lage der Resolutionen 1701 (2006) und 1832 (2008) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 11. August 2006 bzw. 27. August 2008 (Drucksachen 16/10207, 16/10240) . . . . . – Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung (Drucksache 16/10241) . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Rolf Mützenich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Eckart von Klaeden (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Monika Knoche (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . . E B T a b B M A H K P K U N E 18703 C 18705 B 18706 B 18708 A 18710 A 18711 C 18712 D 18714 A 18716 A 18717 C 18718 C 18718 D 18719 B 18719 D 18720 A 18720 B 18721 D 18722 D 18724 A 18725 A 18725 D 18726 C 18726 C 18727 A rgebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . erichtigtes Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 5: ) – Beschlussempfehlung und Bericht des Auswärtigen Ausschusses zu dem An- trag der Bundesregierung: Fortset- zung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der AU/ UN-Hybrid-Operation in Darfur (UNAMID) auf Grundlage der Re- solution 1769 (2007) des Sicherheits- rates der Vereinten Nationen vom 31. Juli 2007 und weiterer Mandats- verlängerungen durch den Sicher- heitsrat der Vereinten Nationen (Drucksachen 16/10106, 16/10242) – Bericht des Haushaltsausschusses ge- mäß § 96 der Geschäftsordnung (Drucksache 16/10243) . . . . . . . . . . . . ) – Beschlussempfehlung und Bericht des Auswärtigen Ausschusses zu dem An- trag der Bundesregierung: Fortsetzung der Beteiligung deutscher Streit- kräfte an der Friedensmission der Ver- einten Nationen im Sudan (UNMIS) auf Grundlage der Resolution 1590 (2005) des Sicherheitsrates der Ver- einten Nationen vom 24. März 2005 und weiterer Mandatsverlängerun- gen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Drucksachen 16/10104, 16/10244) . . – Bericht des Haushaltsausschusses ge- mäß § 96 der Geschäftsordnung (Drucksache 16/10245) . . . . . . . . . . . . runhilde Irber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . arina Schuster (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . nke Eymer (Lübeck) (CDU/CSU) . . . . . . . . üseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) . . . . . . erstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aul Schäfer (Köln) (DIE LINKE) . . . . . . . . erstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . rsula Mogg (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . amentliche Abstimmungen . . . . . . . . . . . . . rgebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18729 C 18732 D 18727 B 18727 C 18727 C 18727 D 18728 A 18731 B 18732 C 18733 D 18734 D 18735 D 18736 A 18736 C A, B18737 B, C 18740 C, 18742 D Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 175. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. September 2008 III Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin BMZ . . . . . . . . . . . . . . . Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Arnold Vaatz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Hüseyin-Kenan Aydin (DIE LINKE) . . . . . . . Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) . . . . . . . . Hellmut Königshaus (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Christian Ruck (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . Anlage 2 Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) zur namentlichen Abstimmung über die Beschlussempfehlung zu dem Antrag: Fort- setzung der Beteiligung bewaffneter deut- scher Streitkräfte an der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) auf Grundlage der Resolutionen 1701 (2006) und 1832 (2008) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 11. August 2006 bzw. 27. August 2008 (Tagesordnungspunkt 4) 18737 D 18745 A 18746 A 18748 A 18749 C 18751 D 18754 C 18755 C 18755 D 18756 B 18758 C 18759 A 18759 C Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 175. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. September 2008 18637 (A) ) (B) ) 175. Sitz Berlin, Mittwoch, den 1 Beginn: 9.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 175. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. September 2008 18759 (A) (C) (B) ) Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Ahrendt, Christian FDP 17.09.2008 Bulling-Schröter, Eva DIE LINKE 17.09.2008 Stokar von Neuforn, Silke BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.09.2008 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich * ** ** A i t b I E F t Dr. Bunge, Martina DIE LINKE 17.09.2008 Dobrindt, Alexander CDU/CSU 17.09.2008 Evers-Meyer, Karin SPD 17.09.2008 Gerster, Martin SPD 17.09.2008 Hänsel, Heike DIE LINKE 17.09.2008 Dr. Happach-Kasan, Christel FDP 17.09.2008 Höger, Inge DIE LINKE 17.09.2008 Hörster, Joachim CDU/CSU 17.09.2008** Dr. Keskin, Hakki DIE LINKE 17.09.2008* Kramme, Anette SPD 17.09.2008 Kurth (Quedlinburg), Undine BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.09.2008 Lenke, Ina FDP 17.09.2008 Link (Heilbronn), Michael FDP 17.09.2008*** Lintner, Eduard CDU/CSU 17.09.2008** Maisch, Nicole BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.09.2008 Mücke, Jan FDP 17.09.2008 Staffelt, Grietje BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.09.2008 W W D Z (D für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung des Europarates für die Teilnahme an den Sitzungen der Westeuropäischen Union * für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung der OSZE nlage 2 Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten Winfried Hermann (BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN) zur namentlichen Ab- stimmung über die Beschlussempfehlung zu dem Antrag: Fortsetzung der Beteiligung be- waffneter deutscher Streitkräfte an der United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) auf Grundlage der Resolutionen 1701 (2006) und 1832 (2008) des Sicherheitsrates der Ver- einten Nationen vom 11. August 2006 bzw. 27. August 2008 (Tagesordnungspunkt 4) Meine Bedenken an einer deutschen Beteiligung, wie ch sie beim erstmaligen Beschluss des Mandats im Sep- ember 2006 im Deutschen Bundestag geäußert habe, leiben bestehen. Deutsche Soldaten können gegenüber srael nicht neutral handeln. Unabhängig von diesem inwand leistet dieser UN-Einsatz einen Beitrag zum rieden in der Region. Deshalb stimme ich für Enthal- ung. egener, Hedi SPD 17.09.2008*** ellmann, Karl-Georg CDU/CSU 17.09.2008*** r. Westerwelle, Guido FDP 17.09.2008 eil, Martin FDP 17.09.2008 175. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 17. September 2008 Inhalt: Redetext Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Anlage 2
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Werner Hoyer


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)


    Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

    ich nicht in der Unübersichtlichkeit des Klein-Klein
    erlieren, stattdessen die langen Linien sehen, dazu hat
    ns der Außenminister aufgefordert. Versuchen wir ein-
    al, dem gerecht zu werden. Es ist in der Tat so – das

    eunruhigt mich gegenwärtig mit am meisten –: Ein alt-
    ekannter gefährlicher Virus wird in Europa und in der
    elt wieder erkennbar, ein Virus, gegen den wir uns in

    uropa einigermaßen immunisiert zu haben glaubten: Es
    st der Nationalismus, der seine hässliche Fratze überall
    n der Welt zeigt, leider auch wieder verstärkt in Europa.

    Ein einzigartiger politischer Prozess hatte uns in
    uropa zu der Anerkennung einer Reihe von elementa-

    en Prinzipien friedlichen und kooperativen Zusammen-






    (A) )



    (B) )


    Dr. Werner Hoyer
    lebens gebracht. Es war ein Prozess, der mit der Doppel-
    strategie der NATO, wie sie im Harmel-Bericht zum
    Ausdruck gekommen war, auf das Engste verbunden
    war. Dieser Prozess hat immer auch Abrüstung, Rüs-
    tungskontrolle und Vertrauensbildung beinhaltet und
    nicht nur militärische Vorsorge. Er war eingebettet in das
    große Friedensprojekt der europäischen Integration. Er
    erzielte seinen katalytischen Durchbruch mit der
    Schlussakte von Helsinki. Für uns fand er seinen Höhe-
    punkt im Zwei-plus-Vier-Vertrag, der uns die deutsche
    Einheit brachte. Einen weiteren Höhepunkt fand er in
    der Charta von Paris, die in Vergessenheit geraten zu
    sein scheint.

    Voraussetzung für den Erfolg dieses Prozesses war
    die Überwindung des blanken Nationalismus in Europa,


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


    dieser Geißel der Europäer nicht nur im vergangenen
    Jahrhundert. Wir schienen dem großen Ziel doch ein gu-
    tes Stück näher gekommen zu sein.

    Heute flammt dieser Nationalismus an vielen Stellen
    wieder auf. Er schürt regionale Konflikte, Gefahren für
    den Weltfrieden, und er entfaltet seine zerstörerische
    Wirkung innerhalb vieler Gesellschaften. Man denke nur
    daran, wie schwer es Minderheiten, Menschenrechtlern,
    Verfechtern von Presse- und Meinungsfreiheit, Advoka-
    ten von Rechtsstaatlichkeit und demokratischer Teilhabe
    gemacht wird, wenn mit den verführerischen Argumen-
    ten nationalistischer Überhöhung jeder in die vermeint-
    lich patriotische Solidarität hineingepresst wird.

    Was wir in diesem Zusammenhang unlängst beim Be-
    such von Kolleginnen und Kollegen des Auswärtigen
    Ausschusses in Moskau von vielen aufrechten Demokra-
    ten und Menschenrechtlern gehört haben, beunruhigt.
    Ebenso beunruhigend ist das bedrückende Schweigen
    derer, die noch bis vor kurzem als aufrechte Oppositio-
    nelle gegen gravierende demokratische und rechtsstaatli-
    che Fehlentwicklungen in Georgien auf die Straße ge-
    gangen sind.

    Grenzen in Europa nicht mehr anzutasten, sie zu über-
    winden, ihnen ihre Bedeutung zu nehmen, das war we-
    sentliches Element der Charta von Paris. Heute werden
    neue Grenzen gezogen und wird ihre Überwindung un-
    möglich gemacht. Da ist etwas gewaltig schiefgelaufen.


    (Beifall bei der FDP)


    Wir alle müssen uns die Frage stellen, ob wir denn al-
    les richtig gemacht haben. Die Historiker werden eines
    Tages zu bewerten haben, ob die Entscheidungen im Zu-
    sammenhang mit der Unabhängigkeit des Kosovo und
    die Entwicklung im Zusammenhang mit Südossetien
    und Abchasien – sagen wir einmal so – die ersten oder
    die letzten Sündenfälle gewesen sind. Ich weiß, man
    kann diese Fälle nicht eins zu eins miteinander verglei-
    chen. Die Unterschiede sind riesig. Es war im Kosovo
    auch aus unserer Sicht wohl allenfalls die am wenigsten
    schlechte Lösung. Selbst ihr wohnte wahrscheinlich eine
    gravierende Fehleinschätzung inne. Wichtigste Berater,
    die uns auf unserem Weg begleitet haben, haben immer

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    (C (D ieder den Eindruck vermittelt, als würden die Russen m Ende schon beidrehen und einer Gesamtlösung zutimmen. Jedenfalls sind wir gut beraten, über die Bewältigung ieser konkreten Probleme, unter die man hoffentlich inmal einen Strich wird ziehen können, zu den Grundrinzipien von Paris zurückzukehren, und zwar nicht ur nach den Buchstaben, sondern auch nach dem Geist; enn der war es, der uns damals die große Entwicklung in zur deutschen Einheit ermöglicht hat. Zu diesen rinzipien, übrigens auch zu den Voraussetzungen für ie Mitgliedschaft in EU und NATO, gehören Rechtstaatlichkeit und Demokratie sowie die Fähigkeit und ereitschaft zu friedlicher Konfliktlösung. Ich finde es in diesem Zusammenhang erstaunlich um nicht zu sagen: befremdlich –, dass bei aller notendigen Verurteilung rechtswidrigen Verhaltens Russ ands in den Schlussfolgerungen des letzten Europäichen Rats erneut einseitig Russland kritisiert und rmahnt wird. (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN sowie des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    uch ein klares Wort an die Adresse der georgischen
    ührung wäre angezeigt gewesen. Die Solidarität der
    ATO kann man nicht durch Zündeln erzwingen.


    (Beifall bei der FDP und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    igentlich müsste sich die Bundeskanzlerin bestätigt
    ühlen, was ihre Haltung auf dem Bukarester NATO-
    ipfel angeht. Ich glaube, es gibt überhaupt keine Veran-

    assung, an dieser Linie der Bundesregierung vom Früh-
    ahr etwas zu verändern.


    (Beifall bei der FDP sowie des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Jetzt höre ich das Schulterklopfen bezüglich der Rolle
    er Europäischen Union. Auch ich freue mich, dass die
    uropäische Union plötzlich zu gemeinsamem Handeln
    usammengefunden hat. Ganz toll! Aber wo war denn
    ie Handlungsfähigkeit der Europäischen Union in den
    agen Anfang August? Da war schlicht niemand erreich-
    ar. Nach und nach lässt sich das Mosaik all dessen, was
    a schiefgelaufen war, zusammensetzen. Schön, dass wir
    em französischen Staatspräsidenten gratulieren können.
    um Schluss hat er eine Vereinbarung mit Präsident
    edwedew und anderen hinbekommen. Allerdings war

    as eine unbedingt erforderliche Aktion, um die Fehler
    er ersten Bemühungen schnellstens zu korrigieren;
    enn das war schlicht und ergreifend ein Flop. Man
    ollte es nicht schöner malen, als es ist.

    Im Übrigen gilt das auch für die Rolle der Vereinig-
    en Staaten. Ich habe es irgendwie als bedrückend emp-
    unden, wie hochanerkannte amerikanische Diplomaten
    ie Dan Fried bis zum letzten Moment versucht haben,
    as Schlimmste zu verhindern, während gleichzeitig An-
    ehörige amerikanischer Dienststellen und mit Weisun-
    en aus anderen Ämtern als dem State Department den






    (A) )



    (B) )


    Dr. Werner Hoyer
    georgischen Staatspräsidenten nach allem, was wir wis-
    sen, nicht gerade daran gehindert haben, diesen unver-
    antwortlichen Unsinn anzurichten.

    Zu den Wahlen in Amerika hat der Minister einiges
    gesagt. Ich begrüße das sehr, weil ich in der Tat glaube,
    dass wir uns immer wieder klarmachen müssen, wie
    wichtig die deutsch-amerikanische und die europäisch-
    amerikanische Beziehung ist. Egal wer diese Wahlen ge-
    winnt, wir werden es mit einem völlig neuen Partner zu
    tun haben. Leider dürfen wir ja nun einmal nicht mit-
    wählen. Neben den großen Unterschieden, die ich weiß
    Gott sehe, gibt es eine ganze Reihe von Gemeinsamkei-
    ten zwischen diesen beiden Kandidaten, die uns gefallen
    können. Ich erinnere an die durchaus mutige Absage von
    John McCain an die Politik von Präsident Bush und Vi-
    zepräsident Cheney in Sachen Folterverbot. Ich erinnere
    an manches andere, was uns im Hinblick auf das Thema
    Rechtsstaatlichkeit in jedem Fall unseren amerikani-
    schen Freunden wieder näher bringen wird.

    Es gibt aber auch einige Themen, bei denen man sich
    wirklich fragt, wann wir die große Debatte über das, was
    in den nächsten Jahren strategisch zu entscheiden ist, mit
    den Vereinigten Staaten beginnen. Auch da kommt es
    auf die langen Linien an, zum Beispiel in der Frage der
    Raketenabwehr. Die gehört in die große Strategiede-
    batte hinein, die wir mit den Vereinigten Staaten und mit
    unseren anderen Partnern im Bündnis führen müssen.
    Von der Bundesregierung höre ich zu dem bemerkens-
    werten Beitrag von Sam Nunn, George Shultz, Henry
    Kissinger und anderen zur Frage der Zukunft der
    Nuklearwaffen keinen einzigen Beitrag. Darauf müssen
    wir eingehen. In diesem Zusammenhang stellt sich die
    Frage, welche strategische Rolle ein System spielt, das
    den Eindruck von Unverwundbarkeit erweckt. Wie pas-
    sen Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten,
    der Tschechischen Republik und Polen da hinein? Dies
    nicht in den Gesamtkontext einzuordnen, finde ich fatal.
    Ich finde, hier muss man in der Tat sehen, dass die Ge-
    fahr, dass das Wettrüsten wieder beginnt, gegeben ist
    und dass wir alles dafür tun müssen, um das zu verhin-
    dern.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Ich habe den Bundesaußenminister immer unterstützt,
    wenn er gesagt hat, es gebe jetzt neue Abrüstungsinitia-
    tiven aus Deutschland. Das war überfällig, und ich be-
    grüße diese Ankündigung sehr. Was ist das eigentlich
    noch wert, nachdem Indien bei der Nuclear Suppliers
    Group unter dem Vorsitz Deutschlands den Blanko-
    scheck bekommen hat? Ich finde, das ist der Total-
    absturz der Glaubwürdigkeit der deutschen Abrüstungs-
    politik.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Herr Minister, ich erinnere daran, was Sie 2006 auf
    dem Abrüstungskongress der SPD dazu gesagt haben.
    Sie haben die Aussagen al-Baradeis aufgegriffen und ge-

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    (C (D agt, wir brauchen die Übernahme von verbindlichen erpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag durch ndien. Sie haben dann Ihre Kriterien genannt: erstens mfassender Teststoppvertrag und Beitritt Indiens zu iesem; zweitens Produktionsmoratorium für Spaltmateial für Waffenzwecke; drittens Verpflichtungen zur Bechränkung und letztendlich zur Abrüstung seines Kernaffenprogramms. Das sind die Kriterien, die Sie für ndien genannt haben. Das entspricht übrigens weitgeend dem, was im amerikanischen Senat dazu gesagt orden ist. Keines dieser Kriterien ist erfüllt. Trotzdem ind Sie stolz darauf, dieses Abkommen ermöglicht zu aben. Ich finde das sehr bedauerlich. (Beifall bei der FDP sowie des Abg. Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Die Bundesregierung ist dringend aufgefordert, nicht
    infach abzuwarten, mit welchen Erwartungen die neue
    merikanische Administration auf die Europäer und
    uch auf Deutschland zukommt. Wir müssen unsere Er-
    artungen an die neue amerikanische Administration

    ormulieren und citissime dort auch kommunizieren, da-
    it wir Einfluss nehmen können. Dabei geht es um mehr

    ls die Frage des Verhältnisses zu Russland und zu China
    nd um mehr als die Frage der Strategie unseres Bünd-
    isses. Letztlich geht es um eine ganz große Wertefrage
    nd damit wieder um große, lange Linien. Sind wir in
    er Lage, uns der Gemeinsamkeit der aufgeklärten
    echtsstaatlichen Demokratien zu vergewissern? Können
    ir den Westen noch einmal neu begründen? Ich halte
    ies für dringend erforderlich und wünschenswert. Sind
    ir uns einig, dass die Grundlage unseres Handelns die
    ekenntnisse nicht nur allgemein zur Aufklärung, son-
    ern ganz konkret zur Toleranz, zur Rechtsstaatlichkeit,
    ur Priorisierung der Rolle und der Würde des einzelnen
    enschen und auch der Respekt vor den Erkenntnissen

    er Naturwissenschaften ist? Hier sind in den letzten
    ahren die großen Zweifel aufgekommen. Diese Ge-
    einsamkeit der aufgeklärten westlichen Demokratien
    üssen wir dringend wieder beleben. Wir werden den
    esten noch brauchen.


    (Beifall bei der FDP)




Rede von Gerda Hasselfeldt
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CSU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CSU)

Nächster Redner ist der Kollege Dr. Andreas

chockenhoff für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Andreas Schockenhoff


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der

    ußenminister hat, auch mit Blick auf den Konflikt im
    üdlichen Kaukasus, darauf hingewiesen, wie unüber-
    ichtlich die Welt geworden ist. Ohne den laufenden Prü-
    ungen vorzugreifen, können wir heute feststellen: Es
    ibt eine georgische Mitverantwortung für die Eskala-
    ion dieses Konflikts; aber russische Behauptungen, das
    eorgische Vorgehen sei vergleichbar mit den Anschlä-
    en in New York und Washington am 11. September
    001, sind völlig absurd. Sie ändern vor allem nichts an
    er Tatsache, dass Russlands Vorgehen in Georgien und
    ie Anerkennung von Südossetien und Abchasien eine






    (A) )



    (B) )


    Dr. Andreas Schockenhoff
    grobe Verletzung des Völkerrechtes darstellen. Beson-
    ders beunruhigend ist, dass der Einsatz militärischer
    Mittel wieder zu einem Instrument russischer Nachbar-
    schaftspolitik geworden ist und dass der Schutz russi-
    scher Bürger im Ausland als Legitimation für den Ein-
    satz von Gewalt dient. Die Kaukasus-Krise stellt damit
    eine seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes nicht mehr
    dagewesene Bedrohung für Stabilität und Sicherheit in
    Europa durch Russland dar. Deshalb waren die Reaktio-
    nen von NATO, EU und G 7 notwendig und angemes-
    sen. Wir konnten nicht einfach zur Tagesordnung über-
    gehen.

    Russland hat durch sein Verhalten international er-
    heblich an Glaubwürdigkeit, Ansehen und Vertrauen
    verloren. Zudem haben die Chancen auf mehr Pluralität
    und auf innere Modernisierung in Russland einen schwe-
    ren Rückschlag erlitten. Das ist kontraproduktiv für
    Russlands eigene Interessen, es liegt aber vor allem auch
    nicht im europäischen Interesse. Russlands Modernisie-
    rung ist ein gemeinsames Anliegen. Europa braucht ein
    modernes, verlässliches, kooperativ handelndes Russ-
    land. Wir wollen mit einem Russland zusammenarbei-
    ten, das seine Stärke im Sinne weltpolitischer Verant-
    wortung einbringt. Stärke im 21. Jahrhundert stellen
    eben nicht Kanonen und Panzer dar, sondern sie liegt in
    dem Potenzial, zu internationaler Konfliktlösung beizu-
    tragen, in globaler Wettbewerbsfähigkeit, in gesell-
    schaftlicher Attraktivität. Dazu gehören auch gleichbe-
    rechtigte Beziehungen zu den Nachbarn, nicht aber eine
    hegemoniale Politik eingeschränkter Souveränität. Russ-
    lands Nachbarn wollen nicht wie Vasallen behandelt
    werden.


    (Beifall bei der CDU/CSU – Lothar Mark [SPD]: Georgien hat aber auch dagegen verstoßen!)


    Ebenso braucht Russland den Westen, auch wenn man-
    che in Moskau derzeit das Gegenteil behaupten.

    Russland hat sich selbst immer wieder gegen neue
    Trennlinien in Europa ausgesprochen. Es wird entschei-
    dend von Russland abhängen, ob solche entstehen. Russ-
    land muss sich entscheiden, ob es Partner oder Widerpart
    Europas sein möchte. Aus unserer Sicht ist klar: Es gibt
    keine wünschenswerte Alternative zu starken Beziehun-
    gen, die auf Zusammenarbeit, Vertrauen, Dialog und
    Achtung des Völkerrechtes sowie den Grundsätzen der
    Charta der Vereinten Nationen und der OSZE beruhen.


    (Michael Leutert [DIE LINKE]: Wo kommen Sie denn her?)


    Um wieder dorthin zurückzukommen, müssen alle vor-
    handenen Foren der Zusammenarbeit so intensiv wie
    möglich genutzt werden.


    (Zuruf von der LINKEN: Das kann man sich ja nicht anhören!)


    In ihrem neuen außenpolitischen Konzept bekennt
    sich Russlands Führung zu einer offenen, verlässlichen
    und pragmatischen Außenpolitik, zu einer positiven
    Agenda für die internationalen Beziehungen, zu konse-
    quenter Einhaltung der Regeln und Ziele der VN-Charta

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    (C (D nd zur Stärkung des Völkerrechts. Wir begrüßen diese rinzipien als Grundlage für unsere Zusammenarbeit. azu muss sich die russische Außenpolitik jedoch von ltem Nullsummendenken verabschieden. Es ist in den vergangenen Wochen wiederholt geforert worden, als Reaktion auf das Vorgehen in Georgien aßnahmen gegen Russland zu ergreifen. Ich glaube, ie internationalen Reaktionen haben bereits wichtige ntworten gegeben: erheblicher Kapitalabfluss aus ussland, aktuelle Schwierigkeiten, an westliche Investionen und Kapital heranzukommen, und eine internatioale Isolierung Russlands. Außer Nicaragua ist niemand em russischen Beispiel der Anerkennung Abchasiens nd Südossetiens gefolgt. Diese Isolierung hat Russland ürzlich bei der Schanghai-Organisation besonders chmerzhaft erfahren. Das sind, glaube ich, Beispiele, ie Moskau deutlich machen, wie sehr es die Zusamenarbeit und Partnerschaft mit dem Westen braucht. eshalb stellt sich für uns die Frage: Was tun bzw. was icht tun? Erstens ist es vor allem wichtig, dass NATO und EU eschlossen sind, zumal es zu weiteren Herausforderunen an unsere Geschlossenheit kommen wird. Deswegen üssen wir vor allem innerhalb der EU unsere Positio en zur Russlandpolitik noch besser abstimmen. Dies ilt insbesondere für den Fall, dass Russland Absprahen nicht oder nicht vollständig einhält, etwa wenn es m den Rückzug auf die Positionen vor dem 7. August eht. Das gilt auch für die transatlantischen Beziehunen. Wir brauchen mit der neuen amerikanischen Regieung einen kontinuierlichen Dialog zu Russland. Wir üssen sie dazu ermutigen, die Russland-Politik als eine igenständige außenpolitische Herausforderung anzuehmen. Zweitens sollten wir uns vor falschen Maßnahmen egen Russland hüten, wie einem G-8-Ausschluss, der lockade eines russischen WTO-Beitritts oder der Ver chärfung des Visaregimes. Wir würden damit nur unseem eigenen Ziel schaden, durch Zusammenarbeit den andel in Russland zu erreichen. Gerade die Menschen n Russland, die sich heute unter erschwerten Bedingunen für mehr Demokratie, Pressefreiheit und Rechtstaatlichkeit einsetzen, müssen wir jetzt umso stärker unerstützen. (Dr. Karl Addicks [FDP]: Und was ist mit den Drohungen gegen die Ukraine?)


    Drittens. Ziel muss bleiben, Russland in ein Netz
    emeinsamer Sicherheit und wirtschaftlicher Zusam-
    enarbeit einzubinden. Das gilt für die EU-Russland-
    usammenarbeit und ebenso für die NATO-Russland-
    eziehungen. Die NATO ist kein Instrument zur Ein-
    reisung Russlands,


    (Paul Schäfer [Köln] [DIE LINKE]: Nein?)


    ondern eine demokratische Organisation, um beste-
    ende Sicherheitsherausforderungen in Europa zu be-
    ältigen.


    (Wolfgang Gehrcke [DIE LINKE]: Das ist ja was ganz Neues!)


    as gilt auch für die NATO-Politik der offenen Tür.






    (A) )



    (B) )


    Dr. Andreas Schockenhoff
    Auch die Ukraine und Georgien haben, wie jeder sou-
    veräne Staat in Europa, das Recht, unter Achtung des
    Völkerrechts und gutnachbarschaftlicher Beziehungen,
    der NATO beizutreten, wenn die Voraussetzungen dafür
    erfüllt sind. Wenn sie erfüllt sind, werden sie Mitglieder
    der NATO werden.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Es ist wichtig, dass Russland konsequenter als bisher
    auf den Iran einwirkt, um in unserem gemeinsamen Si-
    cherheitsinteresse auf diplomatischem Wege eine Bedro-
    hung durch iranische Nuklearwaffen und eine wach-
    sende Proliferation im Nahen und Mittleren Osten zu
    verhindern.

    Zudem sollten wir uns um neue gemeinsame Mecha-
    nismen für multilaterales Peacekeeping im Südkauka-
    susraum bemühen. Das wird übrigens ein wichtiger
    Testfall sein, wieweit eine abgestimmte Nachbarschafts-
    politik zwischen der EU und Russland möglich ist. Denn
    wachsende Berührungen im postsowjetischen Raum sind
    eine Realität. Die Gefahr von Bipolarität und Antagonis-
    mus in dieser Region gemeinsamer Nachbarschaft muss
    vermieden werden.

    Viertens. Über die Wiederaufbauhilfe für Georgien
    hinaus muss die Zusammenarbeit mit der Schwarzmeer-
    Region und den Kaukasus-Staaten erheblich intensiviert
    werden. Das gilt insbesondere für die Ukraine, auch
    wenn diese es durch überflüssige Machtspiele in der
    Koalition schwer macht. Ziel muss eine demokratische,
    rechtsstaatlich gefestigte und wirtschaftlich prosperie-
    rende Region sein, die als attraktives Zukunftsmodell
    Ausstrahlung auf ihre Nachbarschaft haben wird.


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    In den letzten Wochen haben die Reaktionen der Länder
    des Kaukasus und Zentralasiens gezeigt, dass der Wett-
    bewerb dort mit Russland um die besseren politischen
    und wirtschaftlichen Lösungen für uns lohnenswert ist.

    Fünftens. Die Europäische Union muss jetzt endlich
    die vor mehr als einem Jahr beschlossene gemeinsame
    Energieaußenpolitik in die Praxis umsetzen. Wir brau-
    chen eine Strategie dazu, wie wir unsere Energieversor-
    gung sicherstellen wollen. Russland hat eine gesamt-
    europäische Energiestrategie; die EU hat sie nicht. Das
    können wir uns nicht länger leisten.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Gert Weisskirchen [Wiesloch] [SPD])


    Wir brauchen eine europäische Energiesicherheitsunion,
    die bei Versorgungsproblemen eines Mitglieds solida-
    risch füreinander einsteht. Dazu ist es erforderlich, dass
    die Mitgliedstaaten vernetzt sind und gleiche Bevorra-
    tungsstandards einhalten.

    In der Energiezusammenarbeit mit Russland sollte
    noch viel stärker der Grundsatz der Reziprozität gelten.
    Das westliche Know-how kann dafür von uns als ein
    politisches Instrument genutzt werden. Zugleich muss
    die EU alles unternehmen, um die Abhängigkeit von rus-
    sischer Energie zu begrenzen. Nabucco ist eine echte
    Alternative. Deshalb muss dieses Projekt jetzt auch mit

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    (C (D ller Entschiedenheit vorangetrieben werden. Ich sage ber auch: Wer als Vergeltungsmaßnahme gegen Mosau die Ostseepipeline infrage stellt, muss erst einmal chlüssig nachweisen, woher die EU stattdessen die nergieversorgung nehmen will, die durch diese Pipe ine ermöglicht wird. Sechstens. Der Schlüssel zu Russlands Zukunft liegt n seiner inneren Entwicklung. Es geht nicht nur um eine irtschaftlich-technische, sondern auch um die gesell chaftliche Modernisierung dieses riesigen Landes. Für edes seiner immensen inneren Probleme – Demografie, achsendes Wohlstandsgefälle, Gesundheit, aber auch achsende Gewalt und Xenophobie – braucht Russland nnere Kohärenz und eine starke, aktive, moderne Zivilesellschaft, die nicht vom Staat gelenkt wird, sondern ich von unten entfalten kann. Deswegen sollte die zwichengesellschaftliche Zusammenarbeit zunehmend zum ernbereich unserer Beziehungen zu Russland werden. Siebtens. Nicht zuletzt sollten wir den Dialog über as Werteverständnis offensiv angehen, vor allem mit enjenigen Kräften in Russland, mit denen er besonders chwierig ist. Russland und die EU haben sich auf die niversellen Werte des Europarates verpflichtet. Desween müssen wir in klarer, aber angemessener Form die inhaltung dieser Werte immer wieder einfordern. In ertefragen kann es keine Kompromisse geben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Markus Meckel [SPD])


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    Russland sei „aus der Kälte zurückkehrt“, hat Präsi-
    ent Medwedew kürzlich in seiner Berliner Rede gesagt.
    er Wandel begann erst vor rund 20 Jahren mit Glasnost
    nd Perestroika. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
    das sollten wir unseren russischen Partnern immer
    ieder sagen – war für Russland keine Tragödie, son-
    ern die historische Chance für einen Neubeginn auf
    em Weg zu einem demokratischen und modernen Staat.
    ussland sollte diese Chance nicht verspielen, und wir

    ollten Russland in unserem eigenen Interesse dabei un-
    erstützen.

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)