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ID1600405800

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    8. Bosbach,CDU/CSU-Fraktion.\n: 1
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 16/4 Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Fritz Kuhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) . . Matthias Platzeck, Ministerpräsident (Brandenburg) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Peter Ramsauer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Olaf Scholz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Wolfgang Gerhardt (FDP) . . . . . . . . . . . . Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) . . . . . Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Bosbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD) . . . . . . . . . . . . Silke Stokar von Neuforn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 2: Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten Ent- wurfs eines Fünften Gesetzes zur Änderung der Bundesnotarordnung (Drucksache 16/106) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 C 102 C 106 D 107 A 111 A 114 D 118 D 121 D 124 C 126 C 149 C 151 A 153 A 154 C 155 B Deutscher B Stenografisch 4. Sitzu Berlin, Mittwoch, den 3 I n h a l Begrüßung des Premierministers der Repu- blik Singapur, Herrn Lee . . . . . . . . . . . . . . . . Glückwünsche zum Geburtstag des Abgeord- neten Dr. Hermann Otto Solms . . . . . . . . . . Begrüßung der neuen Abgeordneten Dorothee Mantel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erweiterung der Tagesordnung . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 1: Regierungserklärung der Bundeskanzlerin mit anschließender Aussprache . . . . . . . . . . . Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . Dr. Guido Westerwelle (FDP) . . . . . . . . . . . . Dr. Peter Struck (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . H M D W D M G D D F P 75 A 75 B 75 B 75 B 76 C 76 C 92 A 95 D Monika Knoche (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 129 B 130 D undestag er Bericht ng 0. November 2005 t : eidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin BMZ . . . . . . . . . . . . . . . arkus Löning (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Christian Ruck (CDU/CSU) . . . . . . . . . . olfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . r. Angelica Schwall-Düren (SPD) . . . . . . . . ichael Stübgen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . ert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD) . . . . . . r. Wolfgang Schäuble, Bundesminister BMI Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD) . . . . . . . . . . r. Max Stadler (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . ritz Rudolf Körper (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . etra Pau (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 A 134 C 135 C 137 B 138 C 139 B 140 D 141 C 142 C 144 C 146 B 148 B in Verbindung mit II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 30. November 2005 Tagesordnungspunkt 3: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Geset- zes zur Änderung des Zollfahndungs- dienstgesetzes (Drucksache 16/88) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Brigitte Zypries, Bundesministerin BMJ . . . . Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Dr. Jürgen Gehb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Neskovic (DIE LINKE) . . . . . . . . . Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Joachim Stünker (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Wolfgang Götzer (CDU/CSU) . . . . . . . . . Zusatztagesordnungspunkt 1: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes zu dem Protokoll vom 27. November 2003 zur Änderung des Europol-Über- einkommens und zur Änderung des Eu- ropol-Gesetzes (Drucksache 16/30) . . . . . . . . . . . . . . . . . . c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über konjunkturstatistische Erhebun- gen in bestimmten Dienstleistungsberei- chen (Dienstleistungskonjunkturstatis- tikgesetz – DlKonjStatG) (Drucksache 16/36) . . . . . . . . . . . . . . . . . d) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes zu dem Vertrag vom 2. März 2005 zwischen der Bundesrepublik Deutsch- land und dem Königreich der Nieder- lande über die grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit in strafrechtlichen Angelegenheiten (Drucksache 16/57) . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 9: Antrag der Fraktionen der CDU/CSU, der SPD, der FDP, der LINKEN und des BÜND- NISSES 90/DIE GRÜNEN: Erhöhung der Anzahl von Ausschussmitgliedern (Drucksache 16/110) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 B 155 C 158 A 159 D 161 D 163 D 165 B 166 D 168 C 168 D 168 D 169 A b) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über den Betrieb elektronischer Maut- systeme (Mautsystemgesetz – MautSysG) (Drucksache 16/32) . . . . . . . . . . . . . . . . . . N A L168 C ächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage iste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 169 C 171 A Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 30. November 2005 75 (A) ) (B) ) 4. Sitzu Berlin, Mittwoch, den 3 Beginn: 11.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 30. November 2005 171 (A) (C) (B) (D) Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bollen, Clemens SPD 30.11.2005 Ernstberger, Petra SPD 30.11.2005 Piltz, Gisela FDP 30.11.2005 Schily, Otto SPD 30.11.2005 Schmidt (Nürnberg), Renate SPD 30.11.2005 Wächter, Gerhard CDU/CSU 30.11.2005 4. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 30. November 2005 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Gerda Hasselfeldt


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CSU)


    Das Wort hat nun die Kollegin Silke Stokar, Bünd-

    is 90/Die Grünen.


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Bleiben Sie vernünftig, Frau Stokar! – Wolfgang Bosbach [CDU/CSU]: Sagen Sie mal etwas Liebes!)



    (BÜNDNIS 90/DIE RÜNEN)

    Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr

    undesinnenminister Schäuble, nach dem Lesen des
    oalitionsvertrages und Ihrer heutigen Rede ist mir noch

    inmal sehr deutlich geworden: Diese große Koalition
    raucht eine starke, kritische Bürgerrechtsopposition.
    iese Rolle werden wir als Grüne wahrnehmen.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Die FDP oder die Grünen? Da müsst ihr euch mal einigen!)


    Die Zurufe des Kollegen Wiefelspütz haben sich seit
    er Zeit der rot-grünen Regierung nicht verändert.


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Das stimmt!)


    Die große Einigkeit in der Innenpolitik gab es schon
    uvor. Wir werden aber dafür sorgen, dass die Debatten,
    ie zwischen Union und SPD offensichtlich nicht ge-
    ührt werden, im Parlament und in der Öffentlichkeit
    tattfinden; denn ich befürchte, dass eine große Koali-
    ion – das kennen wir aus der Vergangenheit – Gefahr
    nd Risiko für die Bürgerrechte bedeutet. Dem werden
    ir entgegenwirken.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Ernst Burgbacher [FDP]: Gerade ihr! Den Bock zum Gärtner machen, oder was?)


    Ich möchte – weil Sie Ausführungen zu diesem Punkt
    emacht haben und es ein gutes Beispiel ist – zur Maut-
    rfassung Stellung nehmen. Es ist interessant, festzustel-
    en, dass ein Innenminister, der sich sonst in Interviews
    ich habe sie alle mit Interesse gelesen – sehr wohl libe-

    al gibt, in seiner heutigen Rede – ich bewerte nicht
    eine Reden von damals – sagt, für Daten könne es keine
    weckbindung geben, und gleichzeitig meint, er sei ein
    ertreter eines modernen Datenschutzes. Ich glaube,






    (A) )



    (B) )


    Silke Stokar von Neuforn
    mit diesen Aussagen haben Sie sich selber in der gesam-
    ten Datenschutzfrage völlig diskreditiert.


    (Zuruf von der SPD: Nein!)


    Lassen Sie uns das doch einmal auf die Gesundheitskarte
    übertragen. Wie wollen Sie Akzeptanz für staatliche Da-
    tensammlungen erreichen, wenn Sie gleichzeitig den
    Bürgerinnen und Bürgern signalisieren, dass Sie als
    Bundesinnenminister der Auffassung sind, alle Daten,
    die der Staat – ganz gleich zu welchem Zweck – erfasse,
    stünden künftig den Sicherheitsbehörden des Bundes
    und der Länder zur Verfügung.

    Ich glaube, dass die große Koalition – das ergibt sich
    einfach aus dem Koalitionsvertrag – die mit einer Online-
    gesellschaft verbundenen Risiken gar nicht im Blick hat.
    Es geht nicht nur um die Frage, ob wir heute alle Tele-
    kommunikationsdaten erfassen, wie lange wir diese
    Telekommunikationsdaten speichern und ob wir Bewe-
    gungsprofile von jedem aufnehmen wollen, der mit ei-
    nem Handy durch die Gegend läuft. Genau in diesem
    Zusammenhang muss man die Mautdiskussion sehen.
    Wenn Sie sich bei den Verkehrspolitikern informiert hät-
    ten – vielleicht haben Sie das auch –, dann wüssten Sie,
    dass das Mautsystem in der heutigen Form überhaupt
    nicht für die Strafverfolgung geeignet ist.


    (Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schon gar nicht für Prävention!)


    Nur circa 5 Prozent aller LKWs, die in Deutschland auf
    den Autobahnen unterwegs sind, werden überhaupt
    durch die Mautsysteme erfasst. Es werden nicht die
    durchfahrenden LKWs erfasst, sondern es werden ledig-
    lich die erfasst, die die Maut nicht korrekt bezahlen.

    Wenn Sie aus dem Mauterfassungssystem ein präven-
    tives Fahndungssystem machen wollen, dann sagen Sie
    es deutlich. Das würde nichts anderes bedeuten, als dass
    Sie es zusätzlich mit dem so genannten Autokennzei-
    chenscreening aufrüsten würden.


    (Zuruf von der CDU/CSU: Scanning!)


    Damit müssten Sie alle vorbeifahrenden PKWs und
    LKWs erfassen.


    (Wolfgang Bosbach [CDU/CSU]: Das tun wir! Es wird nur nicht gespeichert!)


    Das bedeutet eine Fahndung gegen Unschuldige, eine
    Fahndung gegen jedermann. In anderen Zusammenhän-
    gen – auch im Zusammenhang mit Landesgesetzen – hat
    das Verfassungsgericht mehrfach gesagt, dass eine sol-
    che Fahndung gegen jedermann verfassungswidrig ist.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Das, was mich genauso erschreckt hat, ist Ihre Aus-
    sage – ich messe Sie schon an Ihrem eigenen Anspruch,
    auch Verfassungsminister zu sein –, in Bezug auf den
    Terrorismus müsse alles Menschenmögliche getan wer-
    den.


    (Zuruf von der CDU/CSU: Bitte?)


    Dies ist eine Aussage, die mich erschreckt; denn das be-
    deutet, dass mit der Begründung der Bedrohung durch

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    (C (D en Terrorismus alles möglich ist. Damit gibt der Staat ie verfassungsrechtlichen Grenzen auf. (Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Wo waren Sie denn vorhin, als Herr Schäuble gesprochen hat? – Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Das ist ja peinlich!)


    ch fand die Äußerung – –


    (Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Hören Sie mal zu, was der Minister sagt!)


    Es ist ein Unterschied, ob Sie das Menschenmögliche
    rlauben wollen oder ob Sie die Verhältnismäßigkeit be-
    onen bzw. einräumen, dass die Mittel des Rechtsstaats
    uch in der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus
    egrenzt sind.


    (Clemens Binninger [CDU/CSU]: Hat er in jedem Satz gesagt!)


    Justizkommissar Franco Frattini hat auf der interna-
    ionalen Sicherheitskonferenz in Berlin gesagt: Wir kön-
    en unsere Werte nicht aufgeben, um den Terrorismus zu
    ekämpfen. Das ist eine Aussage, die ich unterstütze. Es
    ürde mich freuen, wenn das eine Aussage wäre, die Sie
    enauso deutlich unterstützen.

    Ich habe es durchaus begrüßt, dass Sie auf dieser Si-
    herheitskonferenz gesagt haben, das Folterverbot
    üsse gelten. Aber angesichts der Debatte, die wir heute

    ier führen, möchte ich schon, dass Sie konkreter wer-
    en. Ich wünsche mir von dem Bundesinnenminister ein
    lares Bekenntnis, dass deutsche Sicherheitsbehörden
    eine Information nutzen oder verwenden, die durch
    olter erhoben worden ist. Es kann dabei keine Arbeits-

    eilung dergestalt geben, dass in Drittstaaten gefoltert
    ird, die BKA-Beamten anwesend sind, wenn auch
    icht im selben Raum, und die so gewonnenen Erkennt-
    isse zuhause in den westlichen Demokratien ausgewer-
    et werden. Sie müssen hier konkret werden, wenn ich
    rnst nehmen soll, dass Sie die Grundsätze der Verfas-
    ung wirklich einhalten wollen. Das absolute Folterver-
    ot heißt für mich:


    (Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Solche Reden nicht zu halten!)


    nformationen, die durch Folter erlangt worden sind,
    önnen in Deutschland nicht verwendet werden. Das ist
    ine klare Aussage.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Noch kurz zum Thema Integration. Integration ist
    ehr als das Erlernen der Sprache. Wir werden Sie daran
    essen. Ich weiß aus meiner Heimat, der Region Hanno-

    er, dass sich dort viel mehr Migranten zu Integrations-
    ursen anmelden, als Angebote vorhanden sind. Solange
    ie Situation so ist, können wir hier keine Schuldzuwei-
    ung in Richtung Migranten vornehmen. Ich erwarte von
    ieser Bundesregierung, dass sie das Zuwanderungsge-
    etz mit Leben füllt und Integrations- und Sprachkurse
    uch wirklich finanziert.

    Meine Redezeit ist leider zu Ende.






    (A) )



    (B) )


    Silke Stokar von Neuforn

    (Zuruf von der FDP: „Leider“ kann man nicht sagen!)


    Danke schön.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)




Rede von Gerda Hasselfeldt
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CSU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CSU)

Das Wort hat nun der Kollege Wolfgang Bosbach,

CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Wolfgang Bosbach


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zuerst

    gratuliere ich Ihnen, lieber Herr Dr. Schäuble, im Namen
    der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und – als Vertreter
    ohne Vertretungsmacht – der Koalition zu Ihrem neuen
    Amt. Ich weiß gar nicht, ob Sie vor Monaten damit ge-
    rechnet haben, dass Sie einmal Ihr eigener Nachfolger
    werden. Jedenfalls wissen wir die Innenpolitik des Bun-
    des bei Wolfgang Schäuble in besten Händen. Wir wün-
    schen Ihnen für die Arbeit viel Erfolg und auch das biss-
    chen Glück und Fortune, das man haben muss, um ein
    guter Bundesinnenminister zu sein. Sie haben unsere
    volle Unterstützung.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wie können Sie sich diese Unterstützung auf Dauer
    sichern?


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Indem wir immer gefragt werden!)


    Sie haben zum Schluss den zutreffenden Hinweis ge-
    geben, dass Sie auch Sportminister sind. Wenn Sie bei
    dieser Gelegenheit auch die Kartenwünsche der Kolle-
    ginnen und Kollegen aus allen Fraktionen erfüllten, dann
    wäre Ihnen unsere Unterstützung auf Dauer sicher.


    (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Keine Karten für Frau Stokar!)


    Eine weitere Bemerkung. Wenn es sonst schon keiner
    tut, dann will wenigstens ich es tun – er ist nicht hier;
    aber, Herr Kollege Wiefelspütz, Sie hatten doch die bes-
    ten Beziehungen zu ihm –: Wir sollten uns auch bei die-
    ser Gelegenheit bei dem Bundesinnenminister a. D. Otto
    Schily für seine Arbeit in den vergangenen Jahren be-
    danken.


    (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)


    Er war Bundesinnenminister in einer schwierigen Zeit.
    Er hat es uns nicht leicht gemacht. Wir haben es ihm
    nicht leicht gemacht. Insbesondere die CDU/CSU-Bun-
    destagsfraktion hat manche harte Auseinandersetzung
    mit ihm geführt. Das ändert aber nichts an unserem Re-
    spekt vor seiner politischen Lebensleistung und deswe-
    gen danken wir ihm für seine Arbeit.


    (Dr. Hans-Peter Uhl [CDU/CSU]: Tun wir!)


    Ich möchte folgende drei Punkte ansprechen:

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    (C (D Erstens. Die Koalition möchte Deutschland sicherer achen. Natürlich haben wir es in unserem Leben mit er Spannung zwischen Sicherheit und Freiheit zu un. Aber Sicherheit und Freiheit sind keine Gegensätze nd wir sollten nicht so tun, als wenn es Gegensätze wäen. Es sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Anonsten müsste man die Rechnung aufmachen: Je wenier Sicherheit wir haben, desto mehr Freiheit haben wir. enau umgekehrt ist es richtig. Ich wiederhole: Es sind wei Seiten ein und derselben Medaille. Bei allem, was wir zur Gefahrenabwehr tun, befinden ir uns in einem Abwägungsprozess: Auf der einen eite wollen wir das Land sicherer machen, aber auf der nderen Seite wollen wir auch die Freiheitsrechte nicht ufgeben, sondern verteidigen. Das gilt übrigens auch ür den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. ir werden Rechtsstaatlichkeit und Freiheit nicht preiseben; denn dann hätten die Terroristen schon ein Ziel rreicht, das sie erreichen wollen, nämlich die westliche ivilisation zu destabilisieren. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)


    Um auf das Thema Mautgesetz zurückzukommen:
    iese Debatte nimmt mittlerweile wirklich skurrile Züge

    n.


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Gespenstische Züge!)


    s ist doch ein Unterschied, ob sich ein Staat auf den
    eg macht und sagt, wir sammeln auf Bundesfernstra-

    en und auf Bundesautobahnen alle Daten, die wir be-
    ommen können, vielleicht können wir sie eines Tages
    inmal gebrauchen,


    (Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Das kommt noch! Das ist erst der Anfang!)


    der ob er sagt, wir haben zu einem legitimen Zweck
    aten gespeichert.

    Im Übrigen, Frau Kollegin: Diese Daten werden
    elbstverständlich registriert. Das gilt auch in Bezug auf
    ie Daten derjenigen, die bezahlt haben. Diese Daten
    erden nur nicht gespeichert. Aber zur Beantwortung
    er Frage, ob jemand die Mautgebühr geprellt hat oder
    icht, muss man ja zunächst jedes Kennzeichen erfassen
    nd die Daten derjenigen, die gezahlt haben, anschlie-
    end sofort löschen. Man speichert dann die Daten der
    o genannten Mautpreller. Speicherzweck ist also legiti-
    erweise, an diejenigen heranzukommen, die die Maut-

    ebühr geprellt haben.

    Wir könnten die legitimerweise gespeicherten Daten
    azu nutzen, schwerste Straftaten aufzuklären. Dazu sagt
    er Staat: Das tue ich nicht. Dazu muss ich sagen: Das
    ann ich nicht verstehen, egal wie die Debatten im Ver-
    ehrsausschuss gewesen sind.


    (Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Warum haben Sie das nicht ins Gesetz reingeschrieben! Das haben Sie doch mitgemacht!)







    (A) )



    (B) )


    Wolfgang Bosbach
    Wir sollten uns über diese Thematik noch einmal in
    aller Ruhe unterhalten. Ich berufe mich ausdrücklich auf
    den Vorgänger von Herrn Schaar, auf Herrn Jacob, der
    gesagt hat: Es wird behauptet, der Datenschutz sei Täter-
    schutz; wenn man mir eine Vorschrift nennt, die die Auf-
    klärung von Straftaten behindert, dann bin ich bereit,
    darüber zu reden.


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Hier haben wir eine!)


    Eine solche Vorschrift ist die Vorschrift im Mautge-
    setz. Deswegen sollten wir über diese Vorschrift
    reden – ohne Zorn und Eifer. Ich bin der festen Überzeu-
    gung, dass die Bevölkerung dagegen überhaupt nichts
    hat, weil es nämlich kein Bürgerrecht gibt, als Straftäter
    nicht entdeckt zu werden, und weil es auch kein Bürger-
    recht gibt, Straftaten unerkannt begehen zu können.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    Herr Kollege Ströbele, wie oft warnen Sie davor, die
    Bundesrepublik Deutschland sei auf dem Weg in den
    Überwachungsstaat? In düsteren Farben wird die Zu-
    kunft der Republik geschildert.


    (Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich? Wann habe ich das zuletzt gemacht?)


    In dem Moment, als Ihr Fahrrad gestohlen worden war,


    (Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach du liebe Zeit!)


    konnten Sie aber all Ihre Reden beiseite legen; da wären
    Sie heilfroh gewesen, wenn Sie mithilfe modernster
    Überwachungstechnik des Deutschen Bundestages


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Großer Lauschangriff! Video-Überwachung! Unglaublich!)


    Ihr Fahrrad schnell hätten zurückbekommen können.
    Was Ihnen Ihr Fahrrad, ist uns die Sicherheit von
    82 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutsch-
    land.


    (Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Man merkt, dass Sie in einem Karnevalsverein sind!)


    Zweiter Punkt. Wir wollen mehr für Integration tun.
    Wir haben keinen Mangel an Zuwanderung, aber wir ha-
    ben einen Mangel an Integration. Das bedeutet auf der
    einen Seite: Wenn wir mehr Integration fordern, dann
    müssen wir auch mehr Integration fördern. Auf der an-
    deren Seite geht der Appell an all jene, die zu uns kom-
    men, aus welchen Gründen auch immer, sich um Inte-
    gration zu bemühen; denn ohne Integrationsbereitschaft
    und ohne Integrationsfähigkeit, insbesondere ohne den
    festen Vorsatz, die deutsche Sprache in Wort und
    Schrift zu erlernen, kann Integration in Staat und Gesell-
    schaft nicht funktionieren.

    Nicht alle Nachrichten dieser Tage waren gut. Sie ha-
    ben das Thema aber dankenswerterweise angesprochen.
    Hier die neuesten Zahlen: 94 000 Migrantinnen und Mi-
    granten ohne Rechtsanspruch, so genannte Bestandsaus-

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    (C (D änder, befinden sich in Sprachund Integrationskursen. 5 000 sind zur Teilnahme verpflichtet worden. 2 000 neu Zugewanderte und 31 000 Spätaussiedler ind in diesen Kursen. Also nehmen zurzeit knapp 00 000 Menschen an Sprachund Integrationskursen eil. Natürlich wird legitimerweise die Frage gestellt: Koset das nicht eine Menge? Dies ist zu bejahen. Es ist eine ewaltige staatliche Anstrengung. Wir müssen uns aber uch fragen: Was kostet fehlgeschlagene Integration? ind die sozialen Folgekosten iner nicht erfolgten Integration für Staat und Gesellchaft auf Dauer nicht viel belastender als die Anstrenungen, die wir hier unternehmen? (Silke Stokar von Neuforn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es mangelt nicht am Willen!)


    (Hans-Jürgen Uhl [SPD]: So ist es!)


    (Zuruf von der CDU/CSU: Sehr viel höher!)


    Ich füge hinzu: Wir müssen uns insbesondere um die
    leinen Kinder bemühen. Wir müssen in den Migranten-
    amilien dafür werben, dass ihre Kinder möglichst schon
    n den Kindergarten kommen, sodass sie dort eine För-
    erung erfahren; denn wenn sie mit einem sprachlichen
    andicap eingeschult werden, dann begleitet sie dieses

    prachliche Handicap möglicherweise in ihrer gesamten
    chullaufbahn.

    Dritter Punkt. Wir wollen ein modernes öffentliches
    ienstrecht, ein modernes Beamtenrecht schaffen –
    icht gegen die Betroffenen, sondern mit den Betroffe-
    en. Die Basis ist das, was BMI, Deutscher Beamten-
    und und Verdi miteinander vereinbart haben.

    Das aktuelle Thema ist nun das Weihnachtsgeld.
    ahrscheinlich geht es auch manch anderem so wie mir:

    ormittags beantworte ich die Briefe empörter Bürger,
    ie schreiben: Jetzt müsst ihr aber mal den öffentlichen
    ienst ein bisschen zur Sanierung der Staatsfinanzen
    eranziehen. – Nachmittags beantworte ich die Briefe
    mpörter Beamtinnen und Beamten, die sich darüber be-
    lagen, dass sie erneut zu ungerechtfertigten Sonder-
    pfern herangezogen werden. Jeder meint natürlich, dass
    r Recht hat, und irgendwo hat auch jeder Recht. Das ist
    as Fatale an dieser Situation.

    Es wäre gut, wenn diese Frage Besoldung/Versor-
    ung – hier geht es auch um die Versorgung derjenigen,
    ie sich im Ruhestand befinden – nicht den Haushaltspo-
    itikern allein überlassen würde, sondern – das ist unsere
    itte, Herr Bundesinnenminister – dass auch der Innen-
    usschuss des Deutschen Bundestags Gelegenheit er-
    ielte, sich mit dieser Fachfrage zu beschäftigen.

    Die Verwaltungsausgaben für den Schwerpunkt Per-
    onal betragen etwa 15 Milliarden Euro. In der Koalition
    st verabredet worden, dass der Sparbeitrag pro Jahr
    Milliarde Euro betragen soll, im Wesentlichen aufge-

    racht durch eine Reduzierung des Weihnachtsgeldes
    nd eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf
    1 Stunden. Wie das ausgestaltet wird, muss noch disku-
    iert werden. Dass wir bei den Einsparbemühungen um






    (A) )



    (B) )


    Wolfgang Bosbach
    den öffentlichen Dienst, um die Verwaltungs- und Perso-
    nalausgaben, keinen Bogen schlagen können, ist richtig.
    Wie wir das ausgestalten, müssen wir in diesem Hause,
    wie gesagt, noch diskutieren.

    Dabei sollten wir allerdings eines bedenken: Wenn es
    gegen die Beamten geht, gibt es in jeder Versammlung
    Applaus.


    (Dr. Max Stadler [FDP]: So ist es!)


    Aber bevor jetzt Schadenfreude ausbricht, füge ich
    hinzu: Wenn es gegen die Politiker geht, gibt es genauso
    lauten Applaus.


    (Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Noch mehr! – Weitere Zurufe von der SPD: Noch mehr!)


    – Oder noch mehr Applaus. – Die Beamtinnen und Be-
    amten haben deswegen einen Anspruch darauf, dass wir
    fair mit ihnen umgehen.


    (Beifall des Abg. Joachim Stünker [SPD])


    Wenn man einmal addiert, was wir diesem Personenkreis
    in den letzten Jahren zugemutet haben – seit 1998 hat es
    keinen realen Anstieg der Löhne mehr gegeben, wir ha-
    ben das Urlaubsgeld gestrichen, wir haben die Arbeits-
    zeit zweimal verlängert, wir haben die Beihilfe
    gekürzt –, kann niemand behaupten, dass die Mitarbeiter
    des öffentlichen Dienstes keinen Konsolidierungsbeitrag
    geleistet hätten.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


    In diesem Sinne – das ist die Schlussbemerkung – ha-
    ben sie einen fairen Umgang verdient. Der Hinweis, dass
    sie sich in einem sicheren, unkündbaren Arbeitsverhält-
    nis befinden, ist richtig; aber damit kann man natürlich
    nicht alles rechtfertigen. Deswegen müssen wir auf der
    einen Seite fair mit den Beamtinnen und Beamten umge-
    hen, ihnen auf der anderen Seite aber auch deutlich ma-
    chen, dass wir den öffentlichen Dienst bei den notwendi-
    gen Einsparungen nicht ausnehmen können.

    Danke fürs Zuhören.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)