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ID1512303400

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    Vokabeln: 20
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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 15/123 in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 7: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes zum qualitätsorientierten und bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbe- treuung und zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (Tagesbetreu- ungsausbaugesetz – TAG) (Drucksache 15/3676) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Antrag der Abgeordneten Dr. Maria Böhmer, Gerda Hasselfeldt, Maria Eichhorn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU: Elternhaus, Bil- dung und Betreuung verzahnen Maria Eichhorn (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Bettina Hagedorn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ina Lenke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Caren Marks (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Walter Link (Diepholz) (CDU/CSU) . . . . . . . Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christel Riemann-Hanewinckel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Walter Link (Diepholz) (CDU/CSU) . . . . . . . 11191 B 11202 C 11203 B 11205 B 11206 C 11207 D 11209 A 11210 A 11210 C 11210 D Deutscher B Stenografisc 123. Si Berlin, Donnerstag, de I n h a Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung): a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2005 (Haushaltsgesetz 2005) (Drucksache 15/3660) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2004 bis 2008 (Drucksache 15/3661) . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 17 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 11191 A 11191 B (Drucksache 15/3488) . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit 11191 C undestag her Bericht tzung n 9. September 2004 l t : Zusatztagesordnungspunkt 3: Antrag der Abgeordneten Ina Lenke, Klaus Haupt, Otto Fricke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Solides Finanzie- rungskonzept für den Ausbau von Kinder- betreuungsangeboten für unter Dreijährige (Drucksache 15/3512) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Renate Schmidt, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Maria Böhmer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Irmingard Schewe-Gerigk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christel Humme (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 11191 D 11191 D 11196 A 11198 B 11199 B 11200 C Jutta Dümpe-Krüger (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Antje Tillmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11211 A 11212 A II Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 123. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 9. September 2004 Einzelplan 09 Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 8: Erste Beratung des von den Fraktionen der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜ- NEN eingebrachten Entwurfs eines Vierten Gesetzes zur Änderung des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (Drucksache 15/3674) . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 4: Antrag der Abgeordneten Dirk Niebel, Rainer Brüderle, Daniel Bahr (Münster), weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP: Möglichkeiten der privaten Arbeitsver- mittlung durch marktgerechte Ausgestal- tung der Vermittlungsgutscheine verstärkt nutzen (Drucksache 15/3513) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Clement, Bundesminister BMWA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ernst Hinsken (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Friedrich Merz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Thea Dückert (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rainer Brüderle (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ludwig Stiegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ernst Hinsken (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Dagmar Wöhrl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Doris Barnett (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fritz Kuhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Petra Pau (fraktionslos) . . . . . . . . . . . . . . . Klaus Brandner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rainer Brüderle (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Christoph Bergner (CDU/CSU) . . . . . . Karl-Josef Laumann (CDU/CSU) . . . . . . . Hans-Joachim Fuchtel (CDU/CSU) . . . . . . . . Michaele Hustedt (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurt J. Rossmanith (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Petra Pau (fraktionslos) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Christoph Bergner (CDU/CSU) . . . . . . . . 11213 D 11213 D 11214 A 11218 D 11220 C 11225 C 11227 D 11229 D 11233 A 11234 A 11235 C 11237 A 11239 A 11240 B 11240 D 11241 A 11241 D 11242 B 11244 D 11246 C 11247 C 11249 B 11250 A Einzelplan 16 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Jürgen Trittin, Bundesminister BMU . . . . . . . Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (SPD) . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Doris Meyer (Tapfheim) (CDU/CSU) . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Peter Paziorek (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Albrecht Feibel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Michael Müller (Düsseldorf) (SPD) . . . . . . . Dr. Rolf Bietmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Einzelplan 12 Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 9: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Auto- bahnmautgesetzes für schwere Nutz- fahrzeuge (Drucksache 15/3678) . . . . . . . . . . . . . . . b) Antrag der Abgeordneten Dirk Fischer (Hamburg), Eduard Oswald, Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach), weiterer Abgeordne- ter und der Fraktion der CDU/CSU: Mautbefreiung für humanitäre Hilfs- transporte (Drucksache 15/3489) . . . . . . . . . . . . . . . Dr. h. c. Manfred Stolpe, Bundesminister BMVBW . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eduard Oswald (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Albert Schmidt (Ingolstadt) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Horst Friedrich (Bayreuth) (FDP) . . . . . . . . . Annette Faße (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Norbert Königshofen (CDU/CSU) . . . . . . . . Wolfgang Spanier (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Annette Faße (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11251 C 11254 A 11256 A 11257 D 11259 D 11261 B 11262 D 11265 B 11265 D 11266 A 11267 C 11269 D 11271 C 11271 C 11271 D 11274 B 11276 D 11279 A 11281 B 11283 C 11285 A 11286 D Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 123. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 9. September 2004 III Lena Strothmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Reinhard Weis (Stendal) (SPD) . . . . . . . . . . . Horst Friedrich (Bayreuth) (FDP) . . . . . . . Klaus Minkel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Werner Kuhn (Zingst) (CDU/CSU) . . . . . . . . Einzelplan 10 Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Renate Künast, Bundesministerin BMVEL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ilse Aigner (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . Jella Teuchner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hans-Michael Goldmann (FDP) . . . . . . . . . . Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ursula Heinen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Manfred Helmut Zöllmer (SPD) . . . . . . . . . . Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) . . . . . . . . Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marlene Mortler (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Waltraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD) . . . . . . Dr. Peter Jahr (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 11288 A 11290 B 11291 C 11292 C 11294 C 11296 C 11298 B 11300 B 11302 A 11303 C 11304 D 11306 C 11308 D 11309 D 11310 D 11312 D 11315 B 11317 C 11319 A Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 123. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 9. September 2004 11191 (A) (C) (B) (D) 123. Si Berlin, Donnerstag, de Beginn: 9
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 123. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 9. September 2004 11319 (A) (C) (B) (D) Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versamm- lung der NATO Abgeordnete(r) entschuldigt biseinschließlich Barthel (Berlin), Eckhardt SPD 09.09.2004 Büttner (Ingolstadt), Hans SPD 09.09.2004 Dr. Guttmacher, Karlheinz FDP 09.09.2004 Meckel, Markus SPD 09.09.2004 Raidel, Hans CDU/CSU 09.09.2004* Schauerte, Hartmut CDU/CSU 09.09.2004 Schmidt (Fürth), Christian CDU/CSU 09.09.2004 Schöler, Walter SPD 09.09.2004 Schösser, Fritz SPD 09.09.2004 Schreck, Wilfried SPD 09.09.2004 Schultz (Everswinkel), Reinhard SPD 09.09.2004 Dr. Schwall-Düren, Angelica SPD 09.09.2004 Ulrich, Hubert BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 09.09.2004 Wimmer (Neuss), Willy CDU/CSU 09.09.2004 Abgeordnete(r) entschuldigt biseinschließlich 123. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 9. September 2004 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. h.c. Wolfgang Thierse


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.
    Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf

    Drucksachen 15/3676, 15/3488 und 15/3512 an die in
    der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschla-
    gen. – Gibt es dazu anderweitige Vorschläge? – Das ist
    nicht der Fall. Dann sind die Überweisungen so be-
    schlossen.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir kommen nun
    zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
    Wirtschaft und Arbeit.

    Außerdem rufe ich den Tagesordnungspunkt 8 sowie
    Zusatzpunkt 4 auf:

    8 Erste Beratung des von den Fraktionen der SPD
    und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN einge-
    brachten Entwurfs eines Vierten Gesetzes zur
    Änderung des Dritten Buches Sozialgesetz-
    buch
    – Drucksache 15/3674 –
    Überweisungsvorschlag:
    Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit (f)

    Innenausschuss
    Rechtsausschuss
    Finanzausschuss
    Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung
    Ausschuss für Bildung, Forschung und
    Technikfolgenabschätzung
    Ausschuss für Tourismus
    Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
    Haushaltsausschuss

    ZP 4 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dirk
    Niebel, Rainer Brüderle, Daniel Bahr (Münster),
    weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
    Möglichkeiten der privaten Arbeitsvermitt-
    lung durch marktgerechte Ausgestaltung der
    Vermittlungsgutscheine verstärkt nutzen
    – Drucksache 15/3513 –
    Überweisungsvorschlag:
    Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit (f)

    Finanzausschuss
    Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    Haushaltsausschuss






    (A) (C)



    (B) (D)


    Präsident Wolfgang Thierse

    Ich erteile das Wort dem Bundesminister für Wirt-

    schaft und Arbeit, Wolfgang Clement.

    (Beifall bei der SPD)


    Wolfgang Clement, Bundesminister für Wirtschaft
    und Arbeit:

    Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
    Herren! Erlauben Sie mir, einige kurze Bemerkungen zu
    dem angekündigten Wechsel von Herrn Staatssekretär
    Tacke aus dem von mir zu verantwortenden Ministerium
    in die Wirtschaft zu machen, bevor ich über den Haus-
    halt spreche. Ich möchte dies tun, weil sein Name ges-
    tern in der Debatte gefallen ist und auch in der öffentli-
    chen Diskussion eine Rolle spielt.

    Erste Bemerkung. Ich sage in aller Klarheit, dass Herr
    Tacke zu den Besten innerhalb der Bundesregierung ge-
    hört, wenn es um nationale und internationale Wirt-
    schaftspolitik geht. Zusammen mit vielen in dem von
    mir zu verantwortenden Ministerium bedauere ich sehr,
    dass er sich zu diesem Wechsel entschlossen hat.

    Zweite Bemerkung. Ich kann gegen einen solchen
    Wechsel wenig sagen, weil ich es für richtig halte, dass
    zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik ein Aus-
    tausch stattfindet.

    Ich selbst habe das in meinem Leben schon zweimal
    praktiziert; es ist nicht immer ganz leicht. Ich glaube,
    dass solche Wechsel richtig sind und dass sie gelegent-
    lich – wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf –
    durchaus mehr Praxis verdienten.

    Dritte Bemerkung. Es ist hier ein Zusammenhang mit
    der Ministererlaubnis im Fall Eon hergestellt worden.
    Diese Entscheidung liegt zwei Jahre zurück. In Diskussio-
    nen im Ausschuss, die ich jetzt nicht darstellen kann,
    weil sie nicht öffentlich waren, ist, denke ich, deutlich
    geworden: Es gibt nicht den geringsten Anhaltspunkt für
    einen Zusammenhang zwischen der Ministererlaubnis
    zum Fall Eon und dem beabsichtigten Wechsel – er ist ja
    noch nicht vollzogen – von Herrn Tacke zum Unterneh-
    men Steag. Ich könnte Ihnen das im Einzelnen erläutern.
    Ich bitte Sie aber darum, zur Kenntnis zu nehmen, dass
    es hierfür keinen Anhaltspunkt gibt.

    Im Übrigen hat Herr Tacke, wenn die Entscheidung
    gefallen ist, die Absicht, um Entlassung aus dem öffent-
    lichen Dienst zu bitten. Das heißt, er scheidet ohne Ver-
    sorgungsbezüge und ohne rechtliche Beschränkungen
    aus. Er bleibt aber der Amtspflicht der Verschwiegenheit
    verpflichtet.

    Mit diesem Wechsel ist nichts Negatives zu verbin-
    den. Er ist ein hochangesehener, integrer Staatssekretär.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Ich bitte Sie, das zur Kenntnis zu nehmen und den beab-
    sichtigten Wechsel nicht zu zerreden.

    Ich möchte nichts zu den Diskussionen um einen
    Ehrenkodex oder gesetzliche Regelungen, von denen ich
    hier und da gelesen habe, sagen. Selbst Karenzzeiten von
    mehr als zwei Jahren sind auch sonst kaum vorgesehen.
    Unabhängig davon ist meine herzliche Bitte: Wenn Sie
    über solche Fragestellungen diskutieren, was natürlich
    jederzeit möglich ist – ich selbst habe solche Diskussio-
    nen hinter mir –, sollten Sie dies nicht mit dem Namen
    Tacke verbinden. Denn mit diesem Namen lässt sich
    kein Vorwurf und noch nicht einmal ein Verdachtsmo-
    ment der Befangenheit verbinden.

    Meine Damen und Herren, zum Haushalt. Diese De-
    batte findet in einer veränderten Lage statt, in einer
    Lage, die unseren Kurs bestätigt, die es aber auch erfor-
    dert, unseren Kurs mit aller Konsequenz fortzusetzen.
    Die seit dem Jahr 2001 anhaltende Phase der wirtschaft-
    lichen Stagnation in Deutschland ist definitiv beendet.
    Die deutsche Wirtschaft hat sich in der zweiten Jahres-
    hälfte 2003 kräftig erholt und im Verlauf dieses Jahres
    weiter an Fahrt gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt ist
    im Vergleich zum ersten Vierteljahr dieses Jahres im
    zweiten Vierteljahr real um 0,5 Prozent und damit um
    2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

    Aktuell sind die Daten noch besser: Die deutsche In-
    dustrieproduktion läuft auf Hochtouren und befindet sich
    in der Spitze Europas. Das produzierende Gewerbe hat
    im Juni/Juli im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent
    zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahr stehen 7,7 Prozent
    mehr Aufträge in den Büchern der Unternehmen. Und
    nicht nur nebenbei bemerkt: In den Büchern der Unter-
    nehmen in den neuen Ländern steht ein Plus von
    15,3 Prozent.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
    sprechen für eine Fortsetzung des Aufschwungs in die-
    sem Jahr und darüber hinaus. Nach allem, was wir und
    die Experten abschätzen können, wird der Welthandel
    weiter wachsen, wenn auch vermutlich nicht mehr mit
    dem Schwung der vergangenen Monate, weil der Öl-
    preisanstieg die Produktion verteuert, Kaufkraft bei uns
    und unseren Handelspartnern abzieht und die Binnen-
    nachfrage sowie die Exportdynamik überlastet.

    Die Lohnstückkosten werden auch in diesem Jahr vo-
    raussichtlich rückläufig sein und damit einen großen
    Beitrag zur Verbesserung der preislichen Wettbewerbs-
    fähigkeit deutscher Produkte leisten. Die kurz- und die
    langfristigen Nominalzinsen sind weiterhin niedrig und
    die Kerninflation ist nach wie vor gering.

    Das heißt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
    in Deutschland sind so gut wie seit Jahren nicht mehr.
    Die Geschäftslage wird von den für die Erstellung des
    Ifo-Geschäftsklimaindex befragten Unternehmen im Au-
    gust zuversichtlicher gesehen. Die Erwartungen haben
    sich trotz des Rekordhochs des Ölpreises – dieses Re-
    kordhoch scheint inzwischen überwunden – nur gering-
    fügig eingetrübt. Die Exporterwartungen der deutschen
    Unternehmen sind sehr gut. Ihre Investitionsneigung
    nimmt zu. Die Nachfrage bei den Zeitarbeitsfirmen – sie
    sind ein Frühindikator der wirtschaftlichen Belebung
    und der Belebung auf dem Arbeitsmarkt – steigt.

    Das alles spricht dafür, dass die Lage besser ist und
    besser wird und dass wir gute Chancen haben, den Auf-






    (A) (C)



    (B) (D)


    Bundesminister Wolfgang Clement

    schwung zu einer Phase längeren, nachhaltigen Wachs-
    tums zu verstetigen, um 2005 endlich auch den Durch-
    bruch auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen; denn darum
    geht es.

    Hinter diesem, wie ich es empfinde, sehr erfreulichen
    Panorama einer kräftigen Erholung verbirgt sich aller-
    dings eine gespaltene Konjunktur. Das Wachstum
    speist sich bei uns zurzeit fast ausschließlich aus der
    Auslandsnachfrage. Die Warenexporte liegen mittler-
    weile um stolze 16,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.
    Die Stützen sind insbesondere die Exporte nach China
    mit einem Plus von 27,9 Prozent und nach Russland mit
    einem Plus von 18,9 Prozent. Demgegenüber sind der
    private Konsum und die Investitionen weiterhin die
    Achillesferse der Konjunktur. Wir haben eine schwache
    Binnennachfrage. Die Ursachen dafür liegen in den wei-
    terhin rückläufigen Bauinvestitionen, darin, dass die
    Ausrüstungsinvestitionen noch nicht angesprungen sind,
    sowie in einer außerordentlichen Kaufzurückhaltung, ei-
    ner Stagnation der privaten Konsumausgaben. Das Fazit
    dieser Situation: Wir haben eine hochgradig wettbe-
    werbsfähige Exportwirtschaft mit höchstem Produktivi-
    tätsniveau, müssen andererseits aber eine immer noch zu
    geringe Dynamik auf den Heimatmärkten, also in den
    nicht exportorientierten Sektoren, registrieren, auf die
    etwa 60 Prozent der Arbeitsplätze im Handel, im Bau, in
    den lokalen Diensten, im Hotel- und Gaststättenbereich,
    im öffentlichen Dienst, im klassischen Handwerk und in
    anderen Bereichen entfallen.


    (Vorsitz: Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms)


    Die konjunkturelle Belebung hat deshalb den
    Arbeitsmarkt bisher auch nur an den Rändern erreicht.
    Dies macht sich bei den Minijobs, bei den Ich-AGs und
    bei der Zeitarbeit bemerkbar. Es zeigt sich, dass es rich-
    tig war, dass wir auf diesen Gebieten Veränderungen
    herbeigeführt haben; hier ist die Belebung spürbar. Im
    Kernsegment der Erwerbstätigkeit, der sozialversiche-
    rungspflichtigen Beschäftigung, ist es bisher nur gelun-
    gen, den Beschäftigungsabbau zu bremsen und aktuell
    fast zu stoppen. Wir stehen also ganz offensichtlich kurz
    vor einer Trendumkehr zum Beschäftigungsaufbau; er-
    reicht haben wir ihn aber noch nicht.


    (Ernst Hinsken [CDU/CSU]: Das haben Sie vor einem Jahr auch schon gesagt, Herr Minister!)


    – Ich sage Ihnen bei dieser Gelegenheit gleich, dass die
    Zahl der Unternehmen im Handwerk aufgrund unserer
    Handwerksreform um 16 000 gestiegen ist. Dies zeigt
    die Richtigkeit unserer Reformen.


    (Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Thea Dückert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Wenn wir auf dem Arbeitsmarkt Wirkung erzielen
    wollen, dann muss der Exportfunke endlich auch auf die
    Binnennachfrage überspringen. Dann werden wir es
    auch schaffen, die Menschen in Deutschland, die arbei-
    ten können und wollen, in Arbeit zu bringen. Was ist
    dazu erforderlich?
    Als Erstes brauchen wir mehr Investitionen, meine
    Damen und Herren. Dass auch hier das Feuer schon
    glimmt, zeigt der jüngste Ifo-Investitionstest, der endlich
    einen Anstieg der Investitionen in der Industrie und dem
    verarbeitenden Gewerbe von 6 Prozent signalisiert. Jetzt
    geht es vor allen Dingen darum – ich unterstreiche, was
    der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Franz Müntefering,
    gesagt hat –, dass auch die Kommunen auf Grundlage
    der erheblichen Verbesserungen der Gemeindefinanzen
    – sie werden sich im nächsten Jahr um rund 7 Milliarden
    Euro verbessern – von den sich daraus ergebenden Mög-
    lichkeiten Gebrauch machen und so viel wie möglich in-
    vestieren.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Damit kann und wird es gelingen, meine Damen und
    Herren, den Investitionsattentismus zu brechen, der un-
    ser Land sonst ökonomisch lähmen könnte.

    Als Zweites müssen wir die Bremsen lockern. Ich
    nenne dafür zwei Beispiele: In den USA wie in Großbri-
    tannien spielt ein boomender Häuser- und Immobilien-
    markt gesamtwirtschaftlich eine wesentliche Rolle. Er
    ist eine Triebfeder des Wachstums. Daran muss man die
    Frage anschließen, warum es bei uns nicht so ist: Warum
    ist Bauen bei uns so teuer? Warum schaffen wir es noch
    nicht, eine konsequente Liberalisierung der Märkte für
    Güter und Dienste durchzusetzen? Dies müssen wir etwa
    durch Bürokratieabbau auf allen Ebenen – beim Bund,
    bei den Ländern sowie bei den Städten und Gemein-
    den –, durch eine Vereinfachung des Baurechts und
    durch eine Reform des Vergaberechts erreichen,


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    aus meiner Sicht auch durch eine Reform der Honorar-
    ordnung für Architekten und Ingenieure. Die Bremsen
    müssen auf allen Ebenen weg: nicht nur im Handwerks-
    recht, sondern in vielen Bereichen, in denen wir gesetzli-
    che Bremsen eingebaut haben.

    Ich füge hinzu – ich sage dies ganz persönlich –, dass
    die Bremsen auch weg müssen, wo es um Forschung,
    Entwicklung und die Anwendung der Forschungsergeb-
    nisse in Deutschland geht. Dies gilt beispielsweise für
    die Bio- und Gentechnologie, für die Grüne wie die Rote
    Biotechnologie, aber etwa auch dafür, dass wir die
    Stammzellenforschung in Deutschland unbegrenzt zu-
    lassen


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie bei der FDP)


    und dass wir auch unter humanen Aspekten über diese
    Forschung und die Anwendung ihrer Ergebnisse in
    Deutschland noch einmal diskutieren.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD sowie bei der FDP)


    Denn wir werden Forschung auf all diesen Sektoren nur
    dann erhalten, wenn wir ihre Ergebnisse auch bei uns an-
    wenden.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der FDP)







    (A) (C)



    (B) (D)


    Bundesminister Wolfgang Clement

    Ich sage für mich persönlich: Das gilt unter humanen,
    sozialen und ethischen Gesichtspunkten auch für die
    Stammzellenforschung.

    Es geht um ein Drittes, es geht darum, dass wir die
    Steuer- und Abgabenlast in Deutschland weiter verrin-
    gern. Deshalb ist es so wichtig und richtig, dass zum
    1. Januar 2005 die nächste Stufe der Steuerreform folgt.
    Sie ist und bleibt sicher und es wird dadurch zu einer
    Entlastung der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bür-
    ger von 6,8 Milliarden Euro kommen.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)


    Deshalb ist es wichtig, den Prozess der Senkung der
    Lohnnebenkosten voranzutreiben. Deutschland in Arbeit
    zu bringen ist mein Bild. Deutschland in Arbeit zu brin-
    gen, muss ein gemeinsames verbindliches Ziel werden.
    Das beinhaltet, Verantwortung wahrzunehmen, verant-
    wortlich zu handeln und Gruppeninteressen zurückzu-
    stellen und zu überwinden.

    Die Politik hat gehandelt, jetzt heißt es, dazu im Inte-
    resse des Landes zu stehen. Damit ich nicht nur abstrakt
    bleibe, sage ich: Die Krankenkassen müssen jetzt die
    Chancen, die durch die Gesundheitsreform eröffnet wor-
    den sind, nutzen, um die Beiträge, so weit es geht, zu
    senken. Wir brauchen das auch im Interesse der Wirt-
    schaft. Hier geht es um Gesamtverantwortung.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie des Abg. Heinz Seiffert [CDU/CSU])


    In ebensolcher Klarheit sage ich an die Adresse der
    Energieversorgungsunternehmen: Wir können in
    Deutschland nicht nur über Lohnnebenkosten und die
    sozialen Lasten reden, wir müssen auch über alle sonsti-
    gen Kosten reden. Dazu gehören in ganz besonderer
    Weise die Energiekosten als Schlüsselelement.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


    Ich sage auch von hier aus, dass die Ankündigungen
    von Preis- und Tariferhöhungen, die vonseiten der Ener-
    gieversorgungsunternehmen vorgenommen worden sind,
    auf den ersten Blick alles andere als überzeugend sind.
    Sie sind nicht angemessen. Ich appelliere von hier aus an
    die Unternehmen, ihrer Verantwortung für die gesamt-
    wirtschaftliche, für die gesamtindustrielle Entwicklung
    in Deutschland gerecht zu werden, also die angekündig-
    ten Tariferhöhungen so nicht vorzunehmen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Dietrich Austermann [CDU/ CSU]: Ökosteuer!)


    – Darüber reden wir, Herr Kollege Austermann, in aller
    Offenheit und Klarheit.

    Die politischen Lasten und Aufgaben, die wir mit den
    Energiepreisen verbinden, machen 40 Prozent der Ener-
    giepreise aus,


    (Dietrich Austermann [CDU/CSU]: 70 Prozent!)

    aber 60 Prozent sind im Markt gestaltete Preise. Hier
    stellen sich die Fragen: Sind die angekündigten Preis-
    und Tariferhöhungen in diesem Segment angemessen
    oder nicht? Sind sie missbräuchlich? Wenn sie miss-
    bräuchlich sind, werden sie entweder so oder mithilfe
    des Kartellamtes und später der Regulierungsbehörde
    zurückzunehmen sein.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich sagen: Ich höre aus

    vielen Ländern die Kritik, dass wir keine Ex-ante-
    Regulierung in dem Entwurf vorgesehen haben. Wir
    werden darüber im Einzelnen noch zu diskutieren haben.
    Als jemand, der bereits Wirtschaftsminister in einem
    Bundesland war und als solcher auch für die Tarifgeneh-
    migungsbehörde für den privaten Stromverbrauch ver-
    antwortlich war, weiß ich, dass es dort eine Ex-ante-
    Genehmigung gibt. Die Ex-ante-Prüfung durch alle
    Wirtschaftsministerien der Länder – von dort höre ich
    viele Erwartungen – hat die Strompreisentwicklung in
    Deutschland für die Bürgerinnen und Bürger jedenfalls
    an keiner Stelle aufgehalten. Ich warne vor der Vorstel-
    lung, dies sei das Heilmittel für alles. Ich plädiere klar
    für eine sehr harte, durch nationale und internationale
    Preis- und Tarifvergleiche gestützte Missbrauchsaufsicht
    durch eine Regulierungsbehörde, die sich bei der Post
    und Telekommunikation bewährt hat. Das ist die Regu-
    lierungsbehörde in Bonn, sie sollte die Regulierungsauf-
    gaben in den Bereichen Strom und Gas ebenfalls über-
    nehmen.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)

    Wir brauchen eine klare Missbrauchsregelung. Wir

    haben es in diesem Sektor mit 1 700 Anbietern zu tun
    und die Vorstellung, die Preise ex ante, also im Vor-
    hinein, prüfen und regulieren zu wollen, halte ich für
    ziemlich anspruchsvoll, um es vorsichtig auszudrücken.
    Wir werden zu jeder Zeit darüber diskutieren, aber neh-
    men Sie die Erfahrungen zur Kenntnis, die mit dieser
    Prüfung bisher erzielt worden sind.

    Wichtiger ist mir aber, die Unternehmen in die Ver-
    antwortung zu nehmen, damit sie jetzt die angekündig-
    ten Preiserhöhungen zurückziehen. Nur so können wir in
    eine vernünftige und ruhige Diskussion eintreten, und
    zwar auch über die Frage der künftigen Preis- und Tarif-
    regulierung.


    (Beifall bei der SPD sowie der Abg. Michaele Hustedt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    In meinem Ressort spielen die Arbeitsmarktrefor-
    men eine herausragende Rolle. Wir stehen jetzt vor der
    Realisierung der wichtigsten Stufe der Arbeitsmarktre-
    formen. Sie kennen das: Es geht um Fördern und For-
    dern. Es geht um Vermitteln in Arbeit statt Administrie-
    ren von Arbeit. Es geht um eine soziale Grundsicherung
    statt zweier, unabhängig voneinander nebeneinanderher,
    teilweise gegeneinander laufender staatlicher bzw. kom-
    munaler Fürsorgesysteme.

    Dabei ist klar: Das Gesetz wird keine Arbeitsplätze
    schaffen, aber das Gesetz wird wie noch nie in der Ge-
    schichte der Bundesrepublik Bewegung in den Arbeits-






    (A) (C)



    (B) (D)


    Bundesminister Wolfgang Clement

    markt bringen. Die Vorläufer dieser Bewegung kann je-
    der und jede bereits jetzt beispielsweise anhand der
    Erkenntnisse der Zeitarbeitsfirmen feststellen.

    Das Gesetz ist auch notwendig. Ich respektiere die
    Demonstrationen, die Proteste, die Kritik, soweit sie sich
    im Rahmen des demokratisch Zulässigen bewegen. Ich
    sage aber an alle gerichtet, die dort demonstrieren und
    kritisieren: Nicht die Reform ist der Skandal. Der Skan-
    dal ist die in Deutschland seit Jahr und Tag ständig an-
    steigende Langzeitarbeitslosigkeit. Sie ist inzwischen
    fast die höchste in Europa. Sie ist die längst dauernde
    und sie steigt und steigt. Das ist der eigentliche Skandal,
    und das zeigt in aller Deutlichkeit, dass wir den Weg,
    den wir bisher gegangen sind, nicht fortsetzen dürfen,
    sondern hier zu einer grundlegenden Korrektur kommen
    müssen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dirk Niebel [FDP] – Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Dass Sie sechs Jahre nichts gemacht haben, ist der Grund!)


    Die Koalitionsfraktionen werden jetzt gesetzliche
    Klärungen herbeiführen. Sie beziehen sich – wie Sie
    alle wissen; ich brauche das hier nicht weiter zu erläu-
    tern – auf die Auszahlungstermine. Diesbezüglich ist
    – entgegen dem Vorschlag, den ich gemacht habe – Klä-
    rung hergestellt worden. Sie beziehen sich außerdem auf
    den Kinderfreibetrag, der völlig außerhalb der Diskus-
    sion steht. Es wird keinerlei bürokratischen Umgang mit
    Kindersparbüchern, Kinderausbildungsversicherungen
    und Ähnlichem geben. Es wird eine Klärung hinsichtlich
    der Vermittlungsgutscheine sowie über die AB-Maßnah-
    men geben, um dort zu entbürokratisieren. Bei der Ich-
    AG, die ich nach wie vor für richtig halte – die bisheri-
    gen Erkenntnisse, auch wenn sie noch nicht umfassend
    sind, sprechen dafür, das fortzusetzen, weil es ein ver-
    nünftiges Instrument ist –, werden wir im Rahmen der
    Gewährung des Arbeitslosengeldes I – denn darum geht
    es – eine Tragfähigkeitsprüfung vorsehen.

    Zu vielen Einzelfragen brauche ich jetzt keine Stel-
    lung zu nehmen, denn über vieles ist diskutiert worden.
    Ich glaube, inzwischen ist viel Klarheit hergestellt wor-
    den. Die viele – meist berechtigte – Kritik, die an meine
    Adresse gerichtet worden ist, und die damit verbundene
    heftige Auseinandersetzung haben den Vorteil, dass
    rechtzeitig, bevor die Reform in Kraft tritt, alles disku-
    tiert worden sein müsste, was zu diskutieren ist.


    (Dr. Angela Merkel [CDU/CSU]: Hoffentlich!)


    Ich habe gestern noch einmal beim Zentralverband
    des Deutschen Handwerks die Gelegenheit gehabt, deut-
    lich zu machen, dass beispielsweise die öffentlichen Ar-
    beitsgelegenheiten weder rechtlich so angelegt noch
    sonst dazu angetan sind, Beschäftigungen oder gerade
    kleine und mittlere Unternehmen sowie Handwerksun-
    ternehmen in den Kommunen zu beseitigen oder zu ge-
    fährden. Das ist auch von Gesetzes wegen anders vorge-
    sehen.
    Wir brauchen solche öffentlichen Arbeitsgelegenhei-
    ten, weil ab dem 1. Januar 2005 – das wird vielfach gar
    nicht gesehen – fast 1 Million Menschen, die bisher So-
    zialhilfe bezogen haben, als erwerbsfähig gelten, weil sie
    mehr als drei Stunden pro Tag arbeiten können. Diese
    werden in die Arbeitsvermittlung aufgenommen. Jeder
    und jede von uns weiß, dass eine Vermittlung in den ers-
    ten Arbeitsmarkt nicht auf Anhieb gelingen kann, son-
    dern dass wir Einstiegsmöglichkeiten benötigen. Diese
    sind sehr unterschiedlich. Das reicht beispielsweise von
    Trainingsprogrammen wie Sprachenprogrammen oder
    auch Lohnkostenzuschüssen, die mindestens gleichwer-
    tig sind, weil sie vielleicht schneller zu einer Vermittlung
    in den ersten Arbeitsmarkt führen können, bis hin zu öf-
    fentlichen Arbeitsgelegenheiten.

    Die örtlichen Arbeitsagenturen entscheiden. Nicht wir
    wollen von hier aus entscheiden, wie jemand vermittelt
    wird und welche Hilfe er bekommt. Das muss vor Ort
    entschieden werden. Das ist auch von allen Seiten gesagt
    worden. Das Ziel derer, die vor Ort entscheiden, wird die
    Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt sein. Niemand
    dort hat den Auftrag, Lohndumping zu betreiben, Men-
    schen in möglichst schlecht bezahlte Jobs zu vermitteln,
    und niemand dort wird sich so verhalten. Ziel ist der
    erste Arbeitsmarkt. Wir brauchen aber Instrumente, um
    möglichst viele Menschen dorthin zu führen. Dazu gehö-
    ren die öffentlichen Arbeitsgelegenheiten.

    Gestern habe ich beim Zentralverband des Deutschen
    Handwerks gesagt: Natürlich wird man sich vor Ort
    – möglicherweise in Form eines Beirates oder einer
    ähnlichen Konstruktion – etwa mit einem Vertreter der
    Industrie- und Handelskammer, einem Vertreter der
    Handwerkskammer, einem Vertreter der Gewerkschaften
    und einem Vertreter der Kommune zusammensetzen, um
    über die Einrichtung öffentlicher Arbeitsgelegenheiten
    vor Ort zu sprechen und zu verhindern, dass das zulasten
    des Handwerks oder der kleinen und mittleren Unterneh-
    men geht.


    (Beifall bei der SPD)

    Frau Kollegin Merkel, Sie haben sich gestern die

    Chance nicht entgehen lassen, unter anderem über die
    Fragebögen zu sprechen. Es ist ja auch zu schön, über
    Fragebögen zu sprechen. Dieses Thema hat die Literatur
    schon häufig beschäftigt und das wird sicherlich auch
    mit diesen Fragebögen geschehen. Dazu will ich zwei
    Dinge bemerken: Wie viele antworten, ist regional sehr
    unterschiedlich. Neulich war ich in Ludwigshafen. Dort
    sind bereits 40 Prozent der Fragebögen eingegangen.
    Das schlechteste Ergebnis hat Leipzig. Dort waren es zu-
    letzt 4 Prozent.

    Die Qualität der beantworteten Fragebögen, die ein-
    gehen, ist hervorragend. Die Bearbeitungszeit dieser
    Fragebögen beträgt in der Agentur, die dafür eingerichtet
    wurde, ein Drittel der geschätzten Arbeitszeit. Es zeigt
    sich also, dass gar nicht alles so weit daneben liegt.

    Weil ich verschiedene Boykottaufrufe gehört habe
    und zur Kenntnis nehmen musste, dass Menschen aufge-
    fordert werden, diese Fragebögen nicht auszufüllen,
    muss ich in aller Deutlichkeit sagen: Bitte lassen Sie sich






    (A) (C)



    (B) (D)


    Bundesminister Wolfgang Clement

    von einem solchen Unsinn und von solchen Abwegig-
    keiten nicht beeinflussen. Das richte ich an die Adresse
    derer, die diese Fragebögen ausfüllen müssen.

    Einen Anspruch auf öffentliche Unterstützung kann
    man natürlich nur dann bekommen, wenn man diese Fra-
    gen beantwortet, die Fragebögen ausfüllt und einen ent-
    sprechenden Antrag stellt. Das sage ich in aller Ernsthaf-
    tigkeit und in alle Richtungen in der Bundesrepublik,
    damit hier kein Irrtum entsteht. Meine Bitte ist, dass
    dies, wenn irgend möglich, unterstützt wird.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)


    Frau Merkel, Sie haben gestern das Thema Subven-
    tionen im Niedriglohnsektor angesprochen. Ich ver-
    stehe Sie immer so – so habe ich auch die Diskussion
    mit der Union verstanden –, dass Ihr Vorschlag auf eine
    flächendeckende Subvention niedrig entlohnter Jobs hi-
    nausläuft. Um das klar zu sagen: Das halte ich für falsch.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)

    Richtig ist: Es werden in Ostdeutschland wie in West-

    deutschland Subventionen getätigt, wenn sie sinnvoll
    sind: entweder in Form von Lohnkostenzuschüssen oder
    als Leistungszulagen, die der einzelne Fallmanager ver-
    geben kann und über die er selbst entscheidet. In diesen
    Fällen werden diese Zuschüsse gezahlt, damit die Men-
    schen nach Möglichkeit in den ersten Arbeitsmarkt ge-
    langen. Flächendeckend so zu verfahren, würde aber
    eine „Subventionitis“ sein. Es würde zu Lohndumping in
    den Unternehmen führen und den Rest hätte der Staat zu
    zahlen. Das kann nicht richtig sein. Dieser Kurs, der
    beide Nachteile gleichzeitig mit sich bringen würde
    – Subventionen in einer unglaublichen Größenordnung
    und niedrigstmögliche Löhne –, kann nicht vernünftig
    sein.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Zum Thema Ostdeutschland möchte ich darauf hin-
    weisen, dass genau 41,8 Prozent der Eingliederungsmit-
    tel von nahezu 10 Milliarden Euro dorthin fließen wer-
    den; nicht weil es sich um Ostdeutschland handelt,
    sondern weil die Belastungen auf dem Arbeitsmarkt dort
    am größten sind. Frau Merkel, eines möchte ich bei die-
    ser Gelegenheit sagen: Sie haben hier eine andere Sicht-
    weise. Ich möchte in aller Klarheit sagen: Meine Wahr-
    nehmung Ostdeutschlands als jemand, der dort zurzeit
    viel lernt, ist eine sehr differenzierte.

    Ich kann nur hoffen, dass wir es nach und nach schaf-
    fen, nicht mehr in unserem Bild von West- und Ost-
    deutschland zu verharren. Wir müssen uns von diesem
    Bild lösen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es in
    den verschiedenen Regionen sehr unterschiedliche Ent-
    wicklungen und einen sehr unterschiedlichen Status gibt.

    Eine Stadt wie Jena hat einen Arbeitsmarkt wie die
    Universitätsstadt Göttingen. Im Umfeld Berlins ist die
    Arbeitsmarktsituation besser als beispielsweise in mei-
    ner Heimat, dem südlichen – nicht dem nördlichen –
    Ruhrgebiet. Ich könnte – Sie kennen das – genauso gut
    durch Ostdeutschland gehen und Ihnen zeigen, wo dort
    ganz unterschiedliche Entwicklungen stattfinden. Man
    sollte das alles nicht auf Dauer zusammenbündeln, als
    seien wir wirklich zwei getrennte Etwas.


    (Abg. Ernst Hinsken [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage)


    Wenn man zueinander kommen will, dann gehört dazu
    ein differenziertes Bild, zu dem wir kommen müssen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Neulich habe ich es gewagt, zu sagen, dass ich gerne
    eine an die Adresse junger Leute gerichtete Kampagne
    durchführen würde, um sie aufzufordern, entweder nach
    Ostdeutschland zurückzukehren oder überhaupt nach
    Ostdeutschland zu kommen; denn vielfach sind die Bil-
    dungs-, Ausbildungs- und Hochschuleinrichtungen dort
    mindestens genauso gut wie im Westen. Aber dort kann
    man – im Gegensatz zu den überfüllten Hochschulen in
    Westdeutschland – wenigstens noch einen Professor
    oder eine Professorin sehen und sie sprechen.



Rede von Dr. Hermann Otto Solms
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)

Herr Bundesminister, entschuldigen Sie, dass ich Sie

unterbreche. Erlauben Sie eine Zwischenfrage des Kol-
legen Hinsken?

Wolfgang Clement, Bundesminister für Wirtschaft
und Arbeit:

Gerne, ja.

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Hermann Otto Solms


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)


    Bitte schön, Herr Hinsken.