Rede:
ID1418801300

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Metadaten
  • insert_drive_fileAus Protokoll: 14188

  • date_rangeDatum: 25. September 2001

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    Nachträgliche Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeordneten Dr. Günter Rexrodt und Peter Zumkley . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18345 A Wahl des Abgeordneten Kurt Palis als stell- vertretendes Mitglied in die Parlamentarische Versammlung des Europarates . . . . . . . . . . . . 18345 B Wahl der Abgeordneten Gisela Schröter als ordentliches Mitglied in den Verwaltungsrat der Filmförderanstalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18345 B Wahl des Abgeordneten Ulrich Kasparick als Schriftführer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18345 B Wahl des Abgeordneten Werner Lensing für eine weitere Amtszeit als Mitglied des Kura- toriums „Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18345 B Tagesordnungspunkt 1: a) Erste Beratung des von der Bundes- regierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Bekämpfung von Steuer- verkürzungen bei der Umsatzsteuer und anderen Steuern (Steuerverkür- zungsbekämpfungsgesetz – StVBG) (Drucksache 14/6883) . . . . . . . . . . . . . 18345 C b) Erste Beratung des von der Bundes- regierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Fortentwicklung des Un- ternehmensteuerrechts (Unterneh- mensteuerfortentwicklungsgesetz – UntStFG) (Drucksache 14/6882) . . . . . . . . . . . . . 18345 D c) Erste Beratung des von der Bundes- regierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung steuerlicher Vorschriften (Steueränderungsgesetz 2001 – StÄndG 2001) (Drucksache 14/6877) . . . . . . . . . . . . . 18345 D d) Antrag der Abgeordneten Gerda Hasselfeldt, Heinz Seiffert, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der CDU/CSU: Mehr Wirtschaftswachs- tum durch mehr Gerechtigkeit im Unternehmensteuerrecht (Drucksache 14/6887) . . . . . . . . . . . . . 18346 A e) Beschlussempfehlung und Bericht des Haushaltsausschusses – zu dem Antrag des Bundesministeri- ums der Finanzen: Entlastung der Bundesregierung für das Haus- haltsjahr 1999 – Vorlage der Haushaltsrechnung und Vermö- gensrechnung des Bundes (Jah- resrechnung 1999) – zu der Unterrichtung durch den Bundesrechnungshof: Bemerkun- gen des Bundesrechnungshofes 2000 zur Haushalts- und Wirt- schaftsführung (einschließlich der Feststellungen zur Jahres- rechnung des Bundes 1999) (Drucksachen 14/3141, 14/4226, 14/4571 Nr. 1.2, 14/6521) . . . . . . . . . . . . . . . . . 18346 A Hans Eichel, Bundesminister BMF . . . . . . . . 18346 B Hansgeorg Hauser (Rednitzhembach) CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18349 C Detlev von Larcher SPD . . . . . . . . . . . . . 18351 C Christine Scheel BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18352 A Plenarprotokoll 14/188 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 188. Sitzung Berlin, Dienstag, den 25. September 2001 I n h a l t : Carl-Ludwig Thiele FDP . . . . . . . . . . . . . . . . 18354 C Dr. Barbara Höll PDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18356 A Lydia Westrich SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18357 A Norbert Barthle CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . 18359 C Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18362 C Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 18363 A Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001II Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001
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    Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001 Norbert Barthle 18362 (C)(A) Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001 18363 (C) (D) (A) (B) Adam, Ulrich CDU/CSU 25.09.2001* Altmann (Aurich), BÜNDNIS 90/ 25.09.2001 Gila DIE GRÜNEN Behrendt, Wolfgang SPD 25.09.2001* Bierwirth, Petra SPD 25.09.2001 Bindig, Rudolf SPD 25.09.2001* Dr. Blüm, Norbert CDU/CSU 25.09.2001 Bühler (Bruchsal), CDU/CSU 25.09.2001* Klaus Deligöz, Ekin BÜNDNIS 90/ 25.09.2001 DIE GRÜNEN Doss, Hansjürgen CDU/CSU 25.09.2001 Frankenhauser, CDU/CSU 25.09.2001 Herbert Götz, Peter CDU/CSU 25.09.2001 Haack (Extertal), SPD 25.09.2001* Karl-Hermann Häfner, Gerald BÜNDNIS 90/ 25.09.2001 DIE GRÜNEN Dr. Hornhues, CDU/CSU 25.09.2001* Karl-Heinz Hornung, Siegfried CDU/CSU 25.09.2001* Jäger, Renate SPD 25.09.2001* Dr. Kolb, Heinrich L. FDP 25.09.2001* Kors, Eva-Maria CDU/CSU 25.09.2001 Lintner, Eduard CDU/CSU 25.09.2001* Dr. Lippold CDU/CSU 25.09.2001 (Offenbach), Klaus W. Lörcher, Christa SPD 25.09.2001* Lotz, Erika SPD 25.09.2001* Dr. Lucyga, Christine SPD 25.09.2001* Maaß (Wilhelmshaven), CDU/CSU 25.09.2001* Erich Mertens, Angelika SPD 25.09.2001 Michels, Meinolf CDU/CSU 25.09.2001* Müller (Berlin), PDS 25.09.2001* Manfred Müller (Völklingen), SPD 25.09.2001 Jutta Neumann (Gotha), SPD 25.09.2001* Gerhard Nolte, Claudia CDU/CSU 25.09.2001 Ohl, Eckhard SPD 25.09.2001 Ostrowski, Christine PDS 25.09.2001 Rehbock-Zureich, SPD 25.09.2001 Karin Dr. Schäfer, Hansjörg SPD 25.09.2001 Schloten, Dieter SPD 25.09.2001* Schmitz (Baesweiler), CDU/CSU 25.09.2001* Hans Peter von Schmude, Michael CDU/CSU 25.09.2001* Siebert, Bernd CDU/CSU 25.09.2001* Dr. Solms, Hermann FDP 25.09.2001 Otto Steiger, Wolfgang CDU/CSU 25.09.2001 Sterzing, Christian BÜNDNIS 90/ 25.09.2001 DIE GRÜNEN Wiesehügel, Klaus SPD 25.09.2001 Wolf, Aribert CDU/CSU 25.09.2001 Zierer, Benno CDU/CSU 25.09.2001 * für die Teilnahme an den Sitzungen des Europäischen Parlaments entschuldigt bis Abgeordnete(r) einschließlich entschuldigt bis Abgeordnete(r) einschließlich Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Anlagen zum Stenographischen Bericht Druck: MuK. Medien- und Kommunikations GmbH, Berlin
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Christine Scheel


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Frau Präsidentin! Verehrte Kollegen und Kolleginnen!
    Wenn man Herrn Hauser zuhört, könnte man fast den Ein-
    druck bekommen, man könnte alles so lassen, wie es ist,
    und man könnte die Probleme mit der bestehenden Ge-
    setzgebung in den Griff bekommen.


    (Hansgeorg Hauser [Rednitzhembach] [CDU/ CSU]: Dann haben Sie nicht zugehört! – Gerda Hasselfeldt [CDU/CSU]: Das ist doch gar nicht wahr!)


    Das ist eben nicht so. Deswegen haben sich die Finanz-
    minister der Länder auf diesen Entwurf verständigt, der
    jetzt in ein Gesetz überführt wird.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


    Es ist gerade in der heutigen Zeit wichtig, dass wir in
    der Steuerpolitik Besonnenheit und auch Augenmaß an
    den Tag legen.


    (Gerda Hasselfeldt [CDU/CSU]: Deshalb 37 Gesetze!)


    Deshalb sollten nur solche Forderungen gestellt werden,
    die erfüllbar sind. Dementsprechend dürften derartig kon-
    traproduktive Vorwürfe, wie sie von Ihrer Seite gerade in
    den letzten Tagen wieder gekommen sind, hier im Parla-
    ment im Prinzip nicht diskutiert werden, denn sie sind
    verantwortungslos.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Wer korrigiert denn seine Gesetze?)


    Ich sage Ihnen ganz offen – Herr Thiele spricht ja nach
    mir –: Wenn die Vorschläge, die Sie in den letzten Tagen
    zur Steuergesetzgebung gemacht haben, umgesetzt wür-
    den, würde das bedeuten, dass wir bis 2005 – das sage ich
    an dieser Stelle noch einmal ganz bewusst – Steuermin-
    dereinnahmen von 115 Milliarden DM hätten.


    (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sie wollten doch selbst die Steuererhöhung der Steuersenkung vorziehen!)


    Das ist schlichtweg nicht finanzierbar und zeigt den
    ganzen Populismus, mit dem die Union und auch die FDP
    diese Steuerdebatte in den letzten Tagen geführt haben.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


    Wir wollen nicht, dass der Stabilisierungspakt aufge-
    kündigt wird. Dem haben sich, wie wir wissen – Gott sei
    Dank –, alle Finanzminister der europäischen Länder im
    Ecofin angeschlossen. Wir wollen erreichen, dass alle
    Länder in Europa eine solide Finanzpolitik – mit der da-
    zugehörigen Haushaltskonsolidierung – beschließen, wie
    wir sie immer wieder vorschlagen.

    Wir sehen – das muss man berücksichtigen – ein Licht
    am Konjunkturhorizont.


    (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: 2010! – Hansgeorg Hauser [Rednitzhembach] [CDU/CSU]: Sie führen die Leute hinters Licht!)


    Die Inflationsrate geht zurück. Es ist sehr erfreulich, dass
    die EZB diesen Spielraum nutzt und dass sie bereits zwei-
    mal die Zinsen gesenkt hat. Damit verfügen die Märkte
    über ausreichend Liquidität für eine konjunkturelle
    Wende.


    (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD)


    Das muss man in der aktuellen Situation auch sagen, denn
    Miesmacherei und ein Schlechtreden des Wirtschaftsstand-
    ortes Deutschland wirkt sich psychologisch aus und hätte
    zur Konsequenz, dass wir im Ausland schlechter dastehen,
    als es der Wirklichkeit entspricht. Das haben Sie zu verant-
    worten; das bedauere ich sehr.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Das ist Ihre Politik! Wer regiert denn? Wer hat den Vorsitz im Finanzausschuss? Wer macht denn die Gesetze? – Hans Michelbach [CDU/ CSU]: 4 Millionen Arbeitslose!)


    Wir haben in der letzten Woche im Kabinett eine
    maßvolle Steuererhöhung beschlossen. Das bestätigen
    übrigens auch Wirtschaftsforschungsinstitute, wie zum
    Beispiel das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle
    und auch das Hamburger Weltwirtschaftsarchiv. Diese
    weisen darauf hin, dass die um 2 Eurocent pro Zigarette
    erhöhte Tabaksteuer und die um 1 Prozentpunkt an-
    gehobene Steuer auf Sachversicherungen – es geht hier
    nicht um Lebensversicherungen und Altersvorsorge, son-
    dern um Sachversicherungen – die Gesamtnachfrage und
    auch die Leistungsanreize nur ganz geringfügig beein-
    trächtigen würden. Deshalb halten wir die Entscheidung,

    Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001

    Hansgeorg Hauser (Rednitzhembach)


    18352


    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    zusätzliche Maßnahmen für die innere und äußere Sicher-
    heit durch zusätzliche Steuereinnahmen zu finanzieren,
    für richtig.


    (Jürgen Koppelin [FDP]: Ihr findet ja inzwischen alles richtig!)


    Es ist keine Alternative, verehrte Kolleginnen und Kol-
    legen von der FDP, jetzt wieder mehr Schulden zu ma-
    chen. Maßnahmen für mehr Sicherheit müssen heute um-
    gesetzt werden. Deswegen müssen sie auch heute bezahlt
    werden. Mehr Schulden heute würde den Steuersen-
    kungsspielraum für die nächsten Jahre verringern und in
    den kommenden Jahren höhere Zins- und Steuerbelastun-
    gen verursachen. Diese Politik, die Sie jahrelang betrie-
    ben haben, wollen und werden wir nicht fortführen.


    (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Sie werden gar keine Politik fortführen!)


    Wir haben ja sogar noch das auszubaden, was Sie uns hin-
    terlassen haben. Schließlich wären unsere Spielräume an-
    sonsten größer.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Detlev von Larcher [SPD]: Das ist einfach wahr! – Lachen bei der CDU/CSU)


    Weil in den letzten Tagen besonders vonseiten der
    CDU/CSU und der FDP Vorhaltungen gemacht wurden,
    man könne doch jetzt nicht mit Steuererhöhungen kom-
    men, möchte ich in diesem Zusammenhang darauf hin-
    weisen und Sie in aller Ruhe daran erinnern – das Ge-
    dächtnis ist ja bei einigen manchmal sehr kurz bzw. man
    will sich nicht mehr erinnern –,


    (Carl-Ludwig Thiele [FDP]: Stimmt, Frau Kollegin!)


    dass wir 1991 in der Bundesrepublik Deutschland eine
    ähnliche Situation hatten, in der wir Zusätzliches finan-
    zieren mussten, nämlich in Zusammenhang mit dem
    Golfkrieg. In dieser für den Haushalt schwierigen Situa-
    tion sind Sie auf die glorreiche Idee gekommen, die Ta-
    baksteuer und die Versicherungsteuer – um 40 Prozent
    übrigens – zu erhöhen. Außerdem haben Sie die Mine-
    ralölsteuer in Schritten erhöht,


    (Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU]: Was ist mit der Bahnreform? Da haben Sie auch nicht zugestimmt?)


    die pro Schritt einnahmemäßig vier Schritten bei der Öko-
    steuer entsprechen. Auch das wollte ich noch einmal deut-
    lich sagen. Schließlich haben Sie den Solidaritätszuschlag
    eingeführt.


    (Zuruf von der CDU/CSU: War das jetzt richtig oder falsch?)


    Das hatte damals zur Konsequenz, dass 27 Milliarden DM
    mehr an Steuern eingenommen wurden, von denen Sie
    aber nur 10 Milliarden DM wirklich für Maßnahmen zur
    inneren und äußeren Sicherheit gebraucht haben.

    Ich will damit sagen: Die steuerpolitische Entschei-
    dung, die 1991 getroffen wurde, hat in der Konsequenz zu

    Steuermehreinnahmen von 27 Milliarden DM geführt,
    von denen man aber eigentlich nur 10 Milliarden DM ge-
    braucht hat. Den Rest haben Sie im Haushalt versacken
    lassen.


    (Lothar Mark [SPD]: So war das!)


    Hier gibt es einen Unterschied zu dem, was die jetzige Re-
    gierungskoalition macht. Wir haben ein Paket in Höhe
    von 3 Milliarden DM beschlossen.


    (Joachim Poß [SPD]: Ihre Steuererhöhungen gelten bis heute!)


    Daran sind auf der Ausgabenseite feste Maßnahmen ge-
    knüpft.


    (Hansgeorg Hauser [Rednitzhembach] [CDU/ CSU]: Das glaubt Ihnen noch nicht einmal der Stammtisch!)


    Das ist genau der Punkt, warum ich sage, dass wir eine so-
    lide und ehrliche Steuer- und Haushaltspolitik im Gegen-
    satz zu der, die die CDU/CSU- und FDP-Koalition all die
    Jahre betrieben hat, betreiben.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU]: Dann müssten Sie die Steuereinnahmen befristen, wenn Sie das wirklich wollten!)


    Wir alle, wie wir hier sitzen, von den Kollegen und
    Kolleginnen der PDS über die der Fraktionen der SPD,
    des Bündnisses 90/Die Grünen und der CDU/CSU bis zu
    denen der FDP-Fraktion, haben uns sehr deutlich dafür
    ausgesprochen, dass wir Einnahmen aus der Umsatz-
    steuer garantieren wollen. Das wollen wir dadurch errei-
    chen, dass wir die Entwicklungen der letzten Jahre, dass
    nämlich immer mehr Leute betrügerische Geschäfte ge-
    macht haben, indem Umsatzsteuergeschäfte zulasten der
    Steuereinnahmen und letztendlich zulasten aller Steuer-
    bürgerinnen und -bürger abgewickelt wurden, beenden.
    Wir nehmen bei der Umsatzsteuer durch Betrug jedes Jahr
    rund 23 Milliarden DM weniger ein. Diese 23 Milliar-
    den DM würden wir, wie durch die Gesetzesänderung
    jetzt vorlegt worden ist, viel lieber über die Steuer ein-
    nehmen und als Entlastung an die Bürger und Bürgerin-
    nen weitergeben.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Hansgeorg Hauser [Rednitzhembach] [CDU/CSU]: Da sind wir gespannt!)


    Sicher ist – da braucht man sich nichts vorzumachen –:
    Es wird kaum möglich sein, kriminelle Geschäfte bei der
    Umsatzsteuer völlig zu unterbinden, ohne dass die Bedin-
    gungen für die steuerehrlichen Bürger und Bürgerinnen
    und Unternehmer verschärft werden. Das ist genau die
    Debatte, die wir jetzt führen: Egal, ob man mehr Finanz-
    beamte oder -beamtinnen einsetzt oder ob man die Prü-
    fungsbedingungen des Fiskus verbessert, immer betreffen
    diese Maßnahmen auch die Ehrlichen, die man eigentlich
    ja nicht treffen will.


    (Hansgeorg Hauser [Rednitzhembach] [CDU/CSU]: Aber das gründlich!)


    Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001

    Christine Scheel

    18353


    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    Herr Hauser, wir müssen hier die Frage beantworten,
    die sich uns bei der Umsatzsteuer, aber aktuell auch in vie-
    len anderen Bereichen wie bei der inneren Sicherheit oder
    der Zinsbesteuerung stellt: Welcher Eingriff in den per-
    sönlichen oder in den unternehmerischen Handlungsrah-
    men ist bezogen auf das Ziel, auf der einen Seite mehr
    Freiheit sicherzustellen, auf der anderen Seite mehr Ehr-
    lichkeit und die Sicherung der Steuereinnahmen zu errei-
    chen, angemessen? Genau auf diesem Grat müssen wir
    uns bewegen.

    Es ist ganz unbestreitbar für viele, auch für die steuer-
    ehrlichen Unternehmen, ein unangenehmer Eingriff,
    wenn Finanzbeamte zukünftig das Recht haben, unange-
    meldet in den Geschäftsräumen des Unternehmens aufzu-
    tauchen und die Umsatzsteuerunterlagen zu prüfen. Aber
    ich bitte Sie: Wenn man eine Prüfung vornehmen will,
    dann kann man sich nicht eine Woche vorher zum Kaffee
    anmelden und davon ausgehen, dass alle Unterlagen dann
    noch da sind.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


    Das müssen wir doch wissen. Dementsprechend müssen
    wir hier Regelungen finden, um die Umsatzsteuersünder
    aufzuspüren und zur Steuerzahlung mit heranzuziehen.


    (Hansgeorg Hauser [Rednitzhembach] [CDU/ CSU]: Ein bisschen Praxis wäre nicht von Schaden!)


    Wir wahren die Betriebssphäre der steuerehrlichen Un-
    ternehmen und schützen die steuerehrlichen Unterneh-
    men vor betrügerischen Wettbewerbsverzerrungen. Man
    darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen: Es be-
    steht eine Konkurrenz unter den Unternehmen; sie ver-
    schaffen sich gegenüber den anderen einen Vorteil. Auch
    das muss, im Sinne einer guten und gerechten Wirt-
    schaftsordnung, die wir uns in diesem Land alle wün-
    schen, mitgeregelt werden.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


    Mit der Fortführung der Unternehmensteuerreform
    erleichtern wir – der Minister hat das eben angesprochen –
    Umstrukturierungen und modernisieren Vorschriften zur
    Organschaft und zum Außensteuerrecht. Dies bedeutet eine
    Reihe von durchgreifenden Verbesserungen, gerade für die
    mittelständischen Unternehmen. Insgesamt bringt das Ge-
    setz Steuerentlastungen von rund 500 Millionen DM.


    (Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU]: Alles, was Sie vorher weggenommen haben!)


    Es ist ein gutes Signal, auch für die mittelständische
    Wirtschaft, dass wir trotz der schwierigen konjunkturellen
    Situation, trotz der Anforderungen, die sich uns bei der in-
    neren und äußeren Sicherheit stellen, für den Mittelstand
    Entlastungen beschließen können. Ich glaube, dass das
    honoriert wird.

    Vielen Dank.


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)




Rede von: Unbekanntinfo_outline
Das Wort für die FDP-
Fraktion hat jetzt der Kollege Carl-Ludwig Thiele.


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Carl-Ludwig Thiele


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)

    Sehr geehrte Frau Präsi-
    dentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Frau
    Kollegin Scheel, erstens: Ich halte es für abenteuerlich,
    wenn Sie auf Steuererhöhungen der Jahre 1990/91 ver-
    weisen und als Erklärung ausschließlich den Golfkrieg
    heranziehen. Ich weiß, dass die Grünen damals nicht im
    Bundestag waren; aber auch Ihnen dürfte bekannt sein,
    dass damals Zentrales gelungen ist, nämlich die Wieder-
    vereinigung zu erreichen.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    Dass die Wiedervereinigung und der Aufbau in den neuen
    Bundesländern Geld kosten, dass dafür Steuern, Sozial-
    abgaben und die Neuverschuldung erhöht werden muss-
    ten, war alternativlos. Auch wenn die Grünen die Wieder-
    vereinigung damals nicht wollten, ist das trotzdem kein
    Grund, dieses Argument auszulassen.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Christine Scheel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war aber nicht die Begründung für diese Steuererhöhungen! – Zurufe von der SPD)


    Zweitens. Sie werfen der Opposition heute vor, Steu-
    ersenkungen zu fordern. Vor der Sommerpause tingeln
    Sie durch die Medien und fordern selbst ein Vorziehen der
    Steuerreform, um die Wachstumskräfte in unserem Lande
    zu stärken.


    (Christine Scheel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber doch nicht bei dieser Konjunktur!)


    Das ist doch eine persönliche Schizophrenie, die Sie hier
    zum Ausdruck bringen.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Zurufe von der SPD)


    Drittens. Die Inflationsrate sinkt; darüber sind wir alle
    glücklich. Die Inflationsrate wird ab dem 1. Januar nächs-
    ten Jahres aber wieder steigen, und zwar unter anderem
    durch die Ökosteuer. Zusätzlich hat das Statistische Bun-
    desamt erklärt, dass durch die von Ihnen veranlassten
    neuen Steuererhöhungen die Inflationsrate um 0,4 Pro-
    zent steigen wird. Das ist doch Tun gegen eigenes Wissen.
    Das ist unverantwortlich. Das tragen wir nicht mit.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    Heute debattieren wir über eine Reihe von Gesetzen,
    mit denen die Koalition vor allem ihre eigenen Steuerge-
    setze zum wiederholten Male korrigiert.


    (Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU]: So ist es!)


    Es geht auch um Maßnahmen zur Bekämpfung von Be-
    trugsfällen bei der Umsatzsteuer. Über diese Dinge wer-
    den wir im Finanzausschuss im Einzelnen reden. Aber an-
    gesichts der aktuellen Ereignisse stellt sich doch die
    grundsätzlichere Frage nach dem Kurs dieser Bundesre-
    gierung in der Finanzpolitik. Die Ereignisse in den USA
    werden heute noch nicht absehbare Auswirkungen auf

    Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001

    Christine Scheel

    18354


    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    Wachstum, Konjunkturverlauf und Steuereinnahmen in
    Deutschland haben. Niemand von uns weiß, was uns hier
    noch bevorsteht.

    Fest steht jedoch, dass der Bundesfinanzminister jetzt
    selbst vorgenommene Sparmaßnahmen bei Investitionen
    in vielen Bereichen der Sicherheit wieder zurücknehmen
    muss.


    (Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU]: So ist es!)


    Mehr Mittel für die Bundeswehr, für die Aufklärung
    durch unsere Geheimdienste, die die Grünen noch vor
    kurzem abschaffen wollten,


    (Christine Scheel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ist schon eine Weile her, Herr Thiele!)


    für den Bundesgrenzschutz und für die Flugüberwachung
    sind angesichts der Ereignisse in den USA für die Sicher-
    heit unserer Bürger notwendig und werden von uns aus-
    drücklich begrüßt.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    Die bedauerlichen Ereignisse in den USA werfen ein
    ganz anderes Licht auf den Sparkommissar Eichel, der
    bislang für seine Politik fast ausschließlich gelobt wurde.
    Es zeigt sich heute, dass die geplanten Kürzungen insbe-
    sondere bei der Bundeswehr, deren Wirkung für breite
    Kreise der Bevölkerung nicht spürbar war, falsch waren
    und falsch sind.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Die Bürger in unserem Land haben ein Recht darauf, dass
    ihre innere und ihre äußere Sicherheit geschützt ist. Den
    Frieden, die Freiheit und die Menschenwürde unserer Bür-
    ger zu schützen ist die Aufgabe verantwortlicher Politik.

    In der vergangenen Woche haben wir zwar in beein-
    druckender Weise erlebt, wie Regierung und Opposition
    in schwieriger Zeit zusammenstanden. Aber dass schon
    eine Stunde nach der Debatte, in der auch um nationale
    Konsequenzen aus den schrecklichen Anschlägen vom
    11. September gerungen wurde, die Bundesregierung das
    Parlament, ja sogar die eigenen Abgeordneten brüskiert
    hat, indem sie einseitig Steuererhöhungen beschlossen
    hat, ist ein unglaublicher Vorgang, der im Parlament noch
    erörtert werden muss.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    Jetzt sollen, wie gesagt, kurzfristig Steuern erhöht wer-
    den, nämlich die Tabak- und die Versicherungsteuer.
    Zudem sind die weiteren Erhöhungen der Ökosteuer
    schon beschlossen. Dies bedeutet, dass im letzten Jahr der
    Ökosteuer die Bürger und die Arbeitsplätze allein durch
    die Ökosteuer mit 33,5 Milliarden DM pro Jahr belastet
    werden.


    (Nicolette Kressl [SPD]: So ein Quatsch!)


    – Das ist doch Ihr Gesetz! Schauen Sie es sich selber doch
    einmal genau an!

    Zusätzlich wird die Tabaksteuer erhöht und dann deren
    Aufkommen künstlich auf 2 Milliarden DM herunterge-

    rechnet. Wenn man alle Steuererhöhungen zusammen-
    rechnet, ergibt sich Folgendes: 35,5 Milliarden DM
    – Aufkommen aus Ökosteuer und Tabaksteuer – zuzüg-
    lich 16 Prozent Mehrwertsteuer – das sind 5,7 Milliar-
    den DM – sind 41,2 Milliarden DM. Hinzu kommt noch
    die Erhöhung der Versicherungsteuer, deren Aufkommen
    voraussichtlich bei 1 Milliarde DM liegen wird. Das
    heißt, die Bürger werden durch Rot-Grün mit rund 42 Mil-
    liarden DM pro Jahr zusätzlich belastet werden.


    (Lothar Mark [SPD]: Und die Entlastungen? Was sagen Sie zu den Entlastungen, die vorgenommen werden?)


    Dazu kann ich nur sagen: Herr Finanzminister Eichel – er
    ist inzwischen gegangen –, Sie setzen inzwischen die Po-
    litik Ihres Vorgängers Lafontaine fort. Sie reden von Steu-
    ersenkungen, beschließen aber Steuererhöhungen. Diesen
    Weg werden wir nicht mitgehen.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Lothar Mark [SPD]: Das ist sehr billig! – Detlev von Larcher [SPD]: Herr Thiele, das glaubt Ihnen doch kein Mensch! Sie kriegen einen Rechenkurs von uns bezahlt!)


    Das ist schon eine verquere Steuerlogik von Rot-Grün:
    Rasen für die Rente, Rauchen für den Frieden! Das nimmt
    Ihnen niemand ab.

    Unter Ihnen, Herr Finanzminister Eichel, ist die Steu-
    erquote im letzten Jahr auf den höchsten Wert seit Beste-
    hen der Bundesrepublik Deutschland gestiegen. Es hat
    den Anschein, dass Rot-Grün unter dem Eindruck der
    schrecklichen Geschehnisse in den USA die Steuern des-
    halb klammheimlich erhöht, um einen Teil der Haushalts-
    probleme dieses Jahres und der nächsten Jahre nicht durch
    Sparmaßnahmen, sondern durch Steuererhöhungen zu lö-
    sen. Das heißt, Sie drücken sich vor der Aufgabe, den
    Haushalt tatsächlich zu sanieren. Auch das lassen wir Ih-
    nen nicht durchgehen.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Detlev von Larcher [SPD]: So ein Blödsinn!)


    Höhere Steuern scheinen jetzt das letzte Mittel zu sein,
    um zusätzliche Ausgaben zu finanzieren. Aber die Koali-
    tion trägt damit angesichts der abflauenden Konjunktur
    weiter zur Verunsicherung von Bürgern und Unternehmen
    sowie zur Entziehung von Kaufkraft bei. Der Finanzmi-
    nister und die rot-grüne Koalition haben offenbar vor der
    Aufgabe kapituliert, die Staatsausgaben einzudämmen
    und umzugestalten. Sie verfahren nach der alten Buch-
    haltermethode: Neue Ausgaben erfordern neue Einnah-
    men, also höhere Steuern. Dabei übersehen sie, dass so die
    Verunsicherung der Wirtschaft und der Verbraucher ge-
    schürt wird.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Mit diesem Taschenspielertrick, was Ihre steuerpoliti-
    schen Vorgaben angeht, sind Sie, Herr Finanzminister,
    nicht mehr der Garant finanzpolitischer Solidität; deshalb
    lehnt die FDP diese Steuererhöhungen ab.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 188. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 25. September 2001

    Carl-Ludwig Thiele

    18355


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