Rede von
Helmut
Jawurek
- Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede:
(CDU/CSU)
- Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CSU)
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Befrachten wir die heutige Jugend, so finden wir ein wirklich bemerkenswertes Engagement Hunderttausender Jugendlicher in sozialen, karitativen, kirchlichen, sportlichen und politischen Vereinen und Organisationen und darüber hinaus. Diese jungen Menschen leisten einen wertvollen Beitrag für uns alle, für die Allgemeinheit. Hierfür soll Ihnen an dieser Stelle einmal ganz, ganz herzlich und ausdrücklich gedankt werden.
Was müssen sich diese jungen Menschen aber denken, wenn sie heute die Debatte verfolgen und hören, wie schlecht es angeblich um die Jugend in unserem Land bestellt ist.
Ein Blick in die Shell-Jugendstudie gibt Aufschluß über die Situation der jungen Generation zu Beginn der 80er Jahre. Die Situation damals war durch einen ausgeprägten Zukunftspessimismus geprägt. Apokalyptische Untergangsvisionen beherrschten die Szene: Kriegsangst - daraus resultierten die großen Friedensdemonstrationen -, atomare Bedrohung, Aufrüstung - Symbol war der NATO-Doppelbeschluß -, Umweltkatastrophen und vieles mehr. Übrigens: Was wären die GRÜNEN heute ohne das damalige düstere Bild?
Zehn Jahre später, zu Beginn der 90er Jahre, bringt die neue Shell-Studie sehr interessante Ergebnisse. Die Regierung Kohl hat einen weitgehenden Stimmungsumschwung, eine Wende bewirkt.
- Sie brauchen nur die Zahlen nachzuschauen. Die
Shell-Jugendstudie ist zwar etwas umfangreicher -
es sind acht Bände - als der Jugendbericht, der mit
Helmut Jawurek
seinen 713 Seiten schon sehr umfangreich ist, aber ich empfehle Ihnen, dort nachzulesen.
Die Jugend nimmt Abschied vom Pessimismus und wendet sich deutlich zum Optimismus hin.
71 % der jungen Menschen in Deutschland beurteilen ihre persönliche Zukunft sehr gut oder gut.
- Die Zahlen sind nicht gravierend unterschiedlich; der Anteil ist dort etwas niedriger, aber nicht gravierend.
Leider ist dieser Optimismus häufig mit einem Rückgang von persönlichem Engagement verbunden, nach dem Motto: Soziales Engagement ja, aber bitte ohne mich.
- Ich erwähne das, Herr Kollege, und ich bedaure dies auch.
Betroffen macht mich aber, daß die SPD in ihrem heutigen Entschließungsantrag Kinder und Jugendliche primär zu einem - ich zitiere - „kalkulierenden Kostenfaktor" und an anderer Stelle - ich zitiere wieder - gar zu einem „Armutsfaktor" abstempelt. Wer wie die SPD Kinder- und Jugendpolitik und wer Politik für Familien - wie das übrigens auch bei der gestrigen Debatte zum Familienleistungsausgleich geschehen ist - vorwiegend als Geld- und Bezuschussungsproblem hinstellt, der zeugt von einem schrägen Verständnis.
Bemerkenswert ist immerhin, daß sich die SPD in ihrem Antrag - zumindest an einer Stelle - zu subsidiären Strukturen bekennt.
Selbsthilfe geht vor Fremdhilfe. Vereine und Institutionen müssen Vorrang vor staatlichem Engagement haben.
- Ich zitierte. - Zu diesen Prinzipien haben sich CDU und CSU schon immer bekannt.
Aber, verehrte Kollegin, wie ein roter Faden zieht sich durch den SPD-Antrag die Forderung nach mehr Staat.
Dabei ist nirgendwo staatlicher Dirigismus so fehl am Platz wie bei der Jugend- und Jugendverbandsarbeit. Jugendarbeit braucht Freiräume.