Protokoll:
17135

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Metadaten
  • date_rangeWahlperiode: 17

  • date_rangeSitzungsnummer: 135

  • date_rangeDatum: 26. Oktober 2011

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  • av_timerEnduhrzeit der Sitzung: 19:29 Uhr

  • account_circleMdBs dieser Rede
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/135 Zusatztagesordnungspunkt 1: § 3 Absatz 3 des Stabilisierungsmechanis- Antrag der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, Fritz Kuhn, Dr. Thomas Gambke, weiterer Ab- geordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Einsetzung einer Kommis- sion des Deutschen Bundestages zur Regu- lierung der Großbanken (Drucksache 17/7359) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD) . . . . . . . . Rainer Brüderle (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . musgesetzes (Drucksache 17/7454) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 2: Befragung der Bundesregierung: Bericht der Bundesregierung zur demografischen Lage und zukünftigen Entwicklung des Landes Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heidrun Dittrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mechthild Rawert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister 15949 C 15949 D 15955 C 15958 D 15960 D 15963 C 15966 A 15976 A 15976 A 15976 B 15977 A 15977 A 15977 B Deutscher B Stenografisc 135. Si Berlin, Mittwoch, de I n h a Erweiterung und Abwicklung der Tagesord- nung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Begrüßung des früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments, Herrn Klaus Hänsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 1: Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin: zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit 15949 A 15955 B 15949 B Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Link (Heilbronn) (FDP) . . . . . . . . . . 15966 B 15968 A undestag her Bericht tzung n 26. Oktober 2011 l t : Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Michael Roth (Heringen) (SPD) . . . . . . . . . . Norbert Barthle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klaus-Peter Flosbach (CDU/CSU) . . . . . . . . Namentliche Abstimmungen . . . . . . . . . . . . . Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 7: Wahl der Mitglieder des Gremiums gemäß 15969 A 15970 D 15972 B 15972 D 15974 A 15975 C, D 15978 C, 15981 A 15983 B BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15977 C 15977 C II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ewa Klamt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Matthias W. Birkwald (DIE LINKE) . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Patrick Kurth (Kyffhäuser) (FDP) . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Franz Müntefering (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heidrun Bluhm (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Memet Kilic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE) . . . . . . Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 3: Fragestunde (Drucksache 17/7411) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 1 Rainer Arnold (SPD) Fähigkeitsprofil einer deutlich reduzierten Bundeswehr Antwort Christian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . M D A m A C Z D M R I z fe A C Z R D M D E O w A C Z D M I G m c A C Z In M K Z d A C 15978 A 15986 A 15986 A 15986 A 15986 B 15986 C 15986 D 15987 A 15987 B 15987 C 15987 C 15987 D 15988 A 15988 B 15988 B 15988 C 15988 D 15988 D 15989 B 15989 C 15989 C 15989 D 15990 A ündliche Frage 4 r. Hans-Peter Bartels (SPD) bstimmung der Reduzierungsbeschlüsse it anderen NATO-Mitgliedern ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen r. Hans-Peter Bartels (SPD) . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 2 ainer Arnold (SPD) nfolge der Bundeswehrreform von Verset- ungen und Standortschließungen betrof- ne Soldaten und Zivilbeschäftigte ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen ainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Hans-Peter Bartels (SPD) . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 3 r. Hans-Peter Bartels (SPD) twaige Kostensteigerungen beim utsourcing von Aufgaben der Bundes- ehr durch den Abbau von Zivilpersonal ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfrage r. Hans-Peter Bartels (SPD) . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 7 nge Höger (DIE LINKE) espräch von Bundesminister de Maizière it Unternehmern aus der Rüstungsbran- he am 19. Oktober 2011 ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen ge Höger (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 8 atja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) usagen an die Rüstungsindustrie bezüglich er Unterstützung von Rüstungsexporten ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15990 D 15991 A 15991 D 15991 D 15992 A 15992 D 15993 A 15993 B 15993 C 15994 B Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 III Zusatzfragen Katja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Bartels (SPD) . . . . . . . . . . . . . Inge Höger (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 9 Katja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Rechtsgrundlage für die beim Erprobungs- flug des Euro-Hawk von Kalifornien nach Oberbayern gesammelten und gespeicher- ten Daten Antwort Christian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Katja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 18 Aydan Özoğuz (SPD) Sachstand des Projekts zur Untersuchung der Karriereverläufe bei jugendlichen Ge- walttätern Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfrage Aydan Özoğuz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 19 Aydan Özoğuz (SPD) Ausschließliche Berücksichtigung männli- cher Schwerststraftäter und Täter mit Mi- grationshintergrund in dem Projekt zur Untersuchung der Karriereverläufe ju- gendlicher Gewalttäter Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Aydan Özoğuz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 27 Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Behebung des Wassermangels an der Elbe durch fortwährende Baumaßnahmen und Folgen einer Neuklassifizierung der Elbe A D Z C M C U r A D Z C M S P d d s u A C Z S F M S V S A C Z S In F M F F A C Z F 15994 C 15995 A 15995 A 15995 C 15995 D 15995 D 15996 D 15997 A 15997 B 15997 C ntwort r. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen ornelia Behm (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 28 ornelia Behm (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) nterschiedliche Aussagen zur Fahr- innentiefe der Elbe ntwort r. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen ornelia Behm (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 63 önke Rix (SPD) ositionen der dänischen Regierung und er deutschen Bundesregierung bezüglich er Finanzierung der dänischen und deut- chen Minderheiten in Schleswig-Holstein nd Sönderjylland ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen önke Rix (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ranz Thönnes (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 64 önke Rix (SPD) erlässliche Förderung des dänischen chulvereins in Schleswig-Holstein ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen önke Rix (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . gbert Liebing (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . ranz Thönnes (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 69 ranz Thönnes (SPD) örderung des dänischen Schulvereins ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen ranz Thönnes (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15998 B 15998 C 15999 C 15999 D 16001 A 16001 C 16002 A 16002 C 16002 D 16003 B 16003 C 16004 B 16004 C IV Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 Mündliche Frage 70 Franz Thönnes (SPD) Thematisierung der Minderheitenförde- rung bei Kontakten zwischen Vertretern der deutschen und dänischen Regierung Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Franz Thönnes (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ingbert Liebing (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Mündliche Fragen 73 und 74 Klaus Barthel (SPD) Lieferung französischer Tarnkappen-Fre- gatten an Griechenland Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Klaus Barthel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 79 Lars Klingbeil (SPD) Gespräche der Ermittlungs- und Strafver- folgungsbehörden des Bundes mit Skype und anderen VoIP-Anbietern über eine rechtmäßige Telekommunikationsüberwa- chung Antwort Dr. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Lars Klingbeil (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 80 Lars Klingbeil (SPD) Alternativen zur Quellen-TKÜ nach Auf- fassung der Bundesregierung Antwort Dr. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Lars Klingbeil (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatztagesordnungspunkt 2: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion DIE LINKE: Unklare Konzepte der Bun- desregierung zu Steuersenkungen – Pläne zur Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . D O N D D N M D D D P D T V a (3 D A S S M R J J S N A L A d b B B E s B c D K K 16005 C 16005 C 16006 B 16006 C 16007 A 16008 B 16008 C 16009 A 16009 B 16009 D r. Barbara Höll (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . lav Gutting (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . icolette Kressl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Volker Wissing (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . r. Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . orbert Schindler (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . artin Gerster (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Daniel Volk (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Axel Troost (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . r. h. c. Hans Michelbach (CDU/CSU) . . . . . etra Hinz (Essen) (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . r. Mathias Middelberg (CDU/CSU) . . . . . . agesordnungspunkt 4: ereinbarte Debatte: 50 Jahre Anwerbe- bkommen mit der Türkei 0. Oktober 1961) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Maria Böhmer, Staatsministerin BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ydan Özoğuz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . erkan Tören (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . abine Zimmermann (DIE LINKE) . . . . . . . . emet Kilic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . einhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . osip Juratovic (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ohannes Vogel (Lüdenscheid) (FDP) . . . . . . tephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) . . . . ächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 1 iste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . nlage 2 er Abgeordneten Lothar Binding (Heidel- erg), Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Uwe eckmeyer, Klaus Brandner, Edelgard ulmahn, Elvira Drobinski-Weiß, Siegmund hrmann, Martin Gerster, Angelika Graf (Ro- enheim), Michael Groß, Klaus Hagemann, ettina Hagedorn, Michael Hartmann (Wa- kernheim), Frank Hofmann (Volkach), r. h. c. Susanne Kastner, Fritz Rudolf örper, Dr. Bärbel Kofler, Ute Kumpf, irsten Lühmann, Caren Marks, Hilde 16009 D 16011 A 16012 A 16013 A 16014 C 16015 D 16017 B 16018 C 16019 D 16020 D 16022 A 16023 D 16025 A 16025 A 16026 A 16027 C 16028 B 16029 A 16030 A 16031 B 16032 B 16033 B 16034 C 16035 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 V Mattheis, Aydan Özoğuz, Stefan Rebmann, Dr. Carola Reimann, Sönke Rix, Karin Roth (Esslingen), Marlene Rupprecht (Tuchen- bach), Carsten Schneider (Erfurt), Wolfgang Tiefensee und Heidemarie Wieczorek-Zeul (alle SPD) zur namentlichen Abstimmung über den Entschließungsantrag zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundes- kanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungspunkt 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 3 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, Viola von Cramon- Taubadel, Katja Dörner, Harald Ebner, Bettina Herlitzius, Dr. Anton Hofreiter, Thilo Hoppe, Uwe Kekeritz, Sven-Christian Kindler, Maria Klein-Schmeink, Ute Koczy, Oliver Krischer, Agnes Krumwiede, Stephan Kühn, Markus Kurth, Monika Lazar, Dr. Tobias Lindner, Nicole Maisch, Agnes Malczak, Kerstin Müller, Beate Müller- Gemmeke, Ingrid Nestle, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Hermann E. Ott, Lisa Paus, Tabea Rößner, Dorothea Steiner, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Wolfgang Wieland und Dr. Valerie Wilms (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur namentlichen Abstimmung über den Entschließungsantrag zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundes- kanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungspunkt 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 4 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Frank Schäffler, Nicole Bracht-Bendt und Sylvia Canel (alle FDP) zur namentlichen Ab- stimmung über den Entschließungsantrag zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungspunkt 1) . . . . . . . . . . Anlage 5 Erklärungen nach § 31 GO zur namentlichen Abstimmung über den Entschließungsantrag zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungspunkt 1) Veronika Bellmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . . Alexander Funk (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Josef Göppel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . D F A M D B M R D A K A M U D d A C A M U G k a A C A M H E s ta A C A M B 16035 C 16036 A 16038 C 16039 C 16040 C 16040 D 16041 C r. Stephan Harbarth (CDU/CSU) . . . . . . . . rank Heinrich (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . ndrej Hunko (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . anfred Kolbe (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . r. Carsten Linnemann (CDU/CSU) . . . . . . . urkhardt Müller-Sönksen (FDP) . . . . . . . . . echthild Rawert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . olf Schwanitz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) . . . . . . . lexander Ulrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . laus-Peter Willsch (CDU/CSU) . . . . . . . . . . nlage 6 ündliche Frage 5 we Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) iebstahl eines Maschinengewehrs auf em Truppenübungsplatz Grafenwöhr ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 7 ündliche Frage 6 we Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ewährleistung der Sicherheit der Bevöl- erung im Zusammenhang mit dem Vorfall uf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 8 ündliche Frage 10 ans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) insätze von US-Spezialeinheiten im deut- chen Verantwortungsbereich Afghanis- ns ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 9 ündliche Frage 11 ritta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) 16042 A 16042 B 16043 B 16044 A 16044 B 16044 C 16045 A 16045 A 16045 C 16045 D 16046 B 16047 A 16047 B 16047 C VI Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 Finanzierung des Kitaausbaus zur Einlö- sung des ab 2013 geltenden Rechts- anspruchs auf einen Krippenplatz Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 10 Mündliche Frage 12 Stefan Schwartze (SPD) Umsetzung einer Männerquote von 20 Pro- zent bei den Erziehern bis 2015 laut EU- Zielmarke Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 11 Mündliche Frage 13 Stefan Schwartze (SPD) Finanzplanung für die Umsetzung einer Männerquote von 20 Prozent bei den Er- ziehern Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 12 Mündliche Frage 14 Monika Lazar (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Konsequenzen aus der Ankündigung der Dax-30-Unternehmen zur Einführung einer freiwilligen Frauenquote Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 13 Mündliche Frage 15 Monika Lazar (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Entwicklung einer Umsetzungsstrategie im Sinne der Lebenslaufperspektive nach Vor- lage des Bundesgleichstellungsberichts Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A M C D in A D A M C Z tr A D A M D S te n A D A M D Ä o b A D A M T A d d z L A D 16047 D 16048 B 16048 C 16049 A 16049 C nlage 14 ündliche Frage 16 aren Marks (SPD) efinition des Begriffs „Führungsposition“ den jeweiligen Dax-30-Unternehmen ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 15 ündliche Frage 17 aren Marks (SPD) ielvorgaben der Dax-30-Unternehmen be- effend Erhöhung des Frauenanteils ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 16 ündliche Frage 20 r. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) icherung eines üblicherweise beschrank- n Bahnübergangs bei Außerbetrieb- ahme ntwort r. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 17 ündliche Frage 21 r. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) nderung der Verordnung über die Inter- perabilität des transeuropäischen Eisen- ahnsystems ntwort r. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 18 ündliche Frage 22 abea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ngenommene Verkehrsentwicklung für as Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1,8 bei er Entscheidung für den Bau der B50 neu wischen dem Autobahnkreuz Wittlich und ongkamp ntwort r. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16049 D 16050 A 16050 B 16050 C 16050 D Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 VII Anlage 19 Mündliche Frage 23 Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Notwendiger Verkehrsbedarf für einen volkswirtschaftlichen Nutzen Antwort Dr. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 20 Mündliche Frage 24 Bettina Herlitzius (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Ausstattung der Städtebauförderung Antwort Dr. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 21 Mündliche Frage 25 Gustav Herzog (SPD) Durchschnittliche Baukosten für 1 Kilo- meter Autobahn im Vergleich zu Frank- reich und den Niederlanden Antwort Dr. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 22 Mündliche Frage 26 Gustav Herzog (SPD) Gründe für die hohen Baukosten bei den Bundesautobahnen Antwort Dr. Andreas Scheuer, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 23 Mündliche Frage 29 Andrej Hunko (DIE LINKE) Deutsche Teilnahme an der Ad Hoc Group on Nuclear Security der Ratsarbeitsgruppe Atomic Questions Group Antwort Ursula Heinen-Esser, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A M S V V 1 z A U A M S V B h A U A M H K d d b R A U A M O B v A U A M U E d u B 16051 A 16051 B 16051 C 16051 D 16052 A nlage 24 ündliche Frage 30 ylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) orlage des Protokolls sowie des Faxes zur ereinbarung der Besprechung am 1. März 1997 mit Vertretern des BMBF um Endlager Asse ntwort rsula Heinen-Esser, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 25 ündliche Frage 31 ylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) orgänge im Zusammenhang mit dem MU-Auftrag für die vorläufige Sicher- eitsanalyse Gorleben ntwort rsula Heinen-Esser, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 26 ündliche Fragen 32 und 33 ans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ompatibilität der Novelle zum EEG mit em europäischen Beihilferecht bezüglich er besonderen Ausgleichsregelung und egünstigte Unternehmen infolge dieser egelung ntwort rsula Heinen-Esser, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 27 ündliche Frage 34 liver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ewertung der von der EU-Kommission orgelegten Treibstoffqualitätsrichtlinie ntwort rsula Heinen-Esser, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 28 ündliche Fragen 35 und 36 lrich Kelber (SPD) ntwicklung der Beschäftigten beim Bun- esministerium für Umwelt, Naturschutz nd Reaktorsicherheit an den Standorten onn und Berlin seit 2008 16052 C 16052 D 16052 D 16053 B VIII Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 Antwort Ursula Heinen-Esser, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 29 Mündliche Fragen 37 und 38 Ulla Burchardt (SPD) Mittelabflüsse aus dem Programm „Chan- cengleichheit in Bildung und Forschung“ für Frauen Antwort Dr. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 30 Mündliche Frage 39 Michael Gerdes (SPD) Schlussfolgerungen aus der Sondierungs- studie „Gezielte Eingriffe in das Klima?“ Antwort Dr. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 31 Mündliche Frage 40 Michael Gerdes (SPD) Schlussfolgerungen aufgrund eines EuGH- Urteils für die Förderrichtlinien bei Pro- jekten mit embryonalen Stammzellen Antwort Dr. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 32 Mündliche Fragen 41 und 42 Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Abbrecherquote bei Auszubildenden und Anteil Jugendlicher ohne Berufsausbil- dung Antwort Dr. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 33 Mündliche Fragen 43 und 44 Oliver Kaczmarek (SPD) Anzahl der Graduiertenschulen und -kollegs sowie der dort eingeschriebenen Personen Antwort Dr. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A M K Z s H p A D A M M E B A B A M M B w A B A M E A le D n A B A M E K G d r V z 16053 C 16054 B 16054 D 16055 A 16055 B 16056 A nlage 34 ündliche Frage 45 laus Hagemann (SPD) usätzliche Personalstellen für das Winter- emester 2011/2012 an den deutschen ochschulen im Rahmen des Qualitäts- akts Lehre ntwort r. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 35 ündliche Frage 46 arianne Schieder (Schwandorf) (SPD) ntwicklung des Erwerbungsetats der ibliotheken in den letzten zehn Jahren ntwort ernd Neumann, Staatsminister BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 36 ündliche Frage 47 arianne Schieder (Schwandorf) (SPD) eurteilung der Forderungen nach Aus- eitung der Nationallizenzen ntwort ernd Neumann, Staatsminister BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 37 ündliche Frage 48 delgard Bulmahn (SPD) uftritt der MDR Deutsches Fernsehbal- tt GmbH bei der Geburtstagsfeier des iktators Ramsan Kadyrow in Tschetsche- ien ntwort ernd Neumann, Staatsminister BK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 38 ündliche Fragen 49 und 50 delgard Bulmahn (SPD) ritik an der statistischen Erfassung der ewährung von Lizenzen zum Nachbau eutscher Waffen im Rüstungsexportbe- icht 2010 und Anzahl der Anträge bzw. oranfragen zur Genehmigung von Lizen- en in den vergangenen zwölf Monaten 16056 B 16056 D 16057 B 16057 B Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 IX Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 39 Mündliche Frage 51 Johannes Pflug (SPD) Entscheidung über den Export von Kampf- panzern des Typs Leopard 2 an Saudi-Ara- bien Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 40 Mündliche Frage 52 Johannes Pflug (SPD) Umsetzung des Gemeinsamen Standpunkts der EU vom 8. Dezember 2008, betreffend gemeinsame Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und Mili- tärgütern, in deutsches Recht Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 41 Mündliche Frage 53 Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) Rüstungslieferungen seit Beginn der arabi- schen Umbrüche in Länder dieser Region Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 42 Mündliche Frage 54 Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) Beseitigung des zukünftigen Informations- defizites im Rüstungsexportbericht im Zu- sammenhang mit der Umsetzung der EU- Verbringungsrichtlinie Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 43 Mündliche Fragen 55 und 56 Hans-Joachim Hacker (SPD) Auswirkungen der geplanten Änderung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie so- w e fü R A P A M A A z D te s te A P A M B E I r u n A P A M K Z d m A P A M I H g s m v v 16058 A 16058 B 16058 C 16058 D 16059 A ie Bedeutung der Norm EN 13809 der uropäischen Normungsorganisation CEN r Berufsanerkennung und Tätigkeit von eiseleitern ntwort eter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 44 ündliche Frage 57 ndrej Hunko (DIE LINKE) usfuhr von Abfangtechnik und Software ur Telekommunikationsüberwachung an rittstaaten außerhalb der EU in den letz- n drei Jahren und Beachtung der Be- chlüsse des EU-Parlaments vom 27. Sep- mber 2011 zur Ausfuhrkontrolle ntwort eter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 45 ündliche Frage 58 ärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ntlastung der besonders stromintensiven ndustrie durch die diesjährige Verände- ung in der Stromnetzentgeltverordnung nd etwaige Folgen für die anderen Netz- utzer ntwort eter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 46 ündliche Frage 59 laus Hagemann (SPD) usätzliche Fördermilliarde im Rahmen es Sondervermögens „Energie- und Kli- afonds“ für Elektromobilität ntwort eter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 47 ündliche Frage 60 ngrid Nestle (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) inweis der Bundesnetzagentur auf eine esetzliche Grundlage für den generellen ektoralen Produktivitätsfaktor im Rah- en der Energiewirtschaftsgesetz-Novelle or dem Urteil des Bundesgerichtshofs om 28. Juni 2011 16059 B 16059 D 16060 A 16060 B X Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 48 Mündliche Frage 61 Ingrid Nestle (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Deutsche Bemühungen um den Erhalt des Effizienzziels beim Primärenergiever- brauch in der EU-Effizienzrichtlinie Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 49 Mündliche Frage 62 Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Höhe der Strafzahlungen infolge des Straf- verletzungsverfahrens bezüglich der abge- laufenen Frist zur Umsetzung der EU- Richtlinie zur geologischen Speicherung von Kohlendioxid Antwort Peter Hintze, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 50 Mündliche Fragen 65 und 66 Gabriele Hiller-Ohm (SPD) Einstellung der Förderung des dänischen Schulvereins in Schleswig-Holstein im Jahr 2012 Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 51 Mündliche Fragen 67 und 68 Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) Einstellung der Förderung des dänischen Schulvereins in Schleswig-Holstein im Jahr 2012 Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A M B E d 2 n A C A M D E Z g L A C A M M V z tu A C A M M A tu A D A M B P A s A D 16060 C 16060 D 16061 A 16061 C 16062 B nlage 52 ündliche Fragen 71 und 72 ettina Hagedorn (SPD) rneute Kürzungen bei der Förderung der eutschen Minderheit in Dänemark für 012 und mögliche Belastung des Verhält- isses zu Dänemark ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 53 ündliche Fragen 75 und 76 r. Rolf Mützenich (SPD) rrichtung einer nuklearwaffenfreien one am Persischen Golf und Begrenzun- en der Rüstungslieferung in die dortigen änder ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 54 ündliche Frage 77 emet Kilic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) orwurf der Unterstützung von Projekten ugunsten der PKK durch deutsche Stif- ngen ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 55 ündliche Frage 78 emet Kilic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ktivitäten bzw. Projekte türkischer Stif- ngen und Institutionen in Deutschland ntwort r. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 56 ündliche Frage 81 rigitte Zypries (SPD) rüfung aller grundrechtsschonenden lternativen bei der Quellen-TKÜ ange- ichts der Schwere des Grundrechtseingriffs ntwort r. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16062 C 16063 B 16063 D 16064 A 16064 B Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 XI Anlage 57 Mündliche Frage 82 Brigitte Zypries (SPD) Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbe- hörden in europäischen Ländern mit dem VoIP-Anbieter Skype als Modell für Deutschland Antwort Dr. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 58 Mündliche Frage 83 Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Inhalt der Leistungsbeschreibungen in den Verträgen von Bundesbehörden und Bun- desministerien mit der Firma DigiTask für die Beschaffung von Überwachungssoft- ware Antwort Dr. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 59 Mündliche Frage 84 Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Beschaffung von PC-Kommunikations- überwachungssoftware durch Bundesbe- hörden und Anhaltspunkte über Gewäh- rung geldwerter Vorteile für die an der Beschaffung beteiligten Bundesbedienste- ten durch die Lieferunternehmen Antwort Dr. Christoph Bergner, Parl. Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 60 Mündliche Frage 85 Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) Vorlage der Pläne zur Senkung der Ein- kommensteuer und Verteilung des Auf- kommens aus der kalten Progression auf die Jahre 2010 bis 2012 Antwort Hartmut Koschyk, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A M D U g s A ti A H A M D E le z A H A M M Z T u A H A M M E d b a A H 16064 C 16065 A 16065 B 16065 D nlage 61 ündliche Frage 86 r. Martina Bunge (DIE LINKE) msetzung der Urteile des Bundesarbeits- erichts vom Mai 1999 bezüglich des An- pruchs auf Zusatzversorgung nach der bgabenordnung 54 für Beschäftigte wich- ger volkseigener Betriebe der DDR ntwort ans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 62 ündliche Fragen 87 und 88 r. Ilja Seifert (DIE LINKE) inrichtung von Gemeinsamen Servicestel- n für Rehabilitation seit 2002 sowie Pläne ur Erhöhung der Wirksamkeit ntwort ans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 63 ündliche Frage 89 arkus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) iel der geplanten Studie zur Bildung und eilhabe von Kindern und Jugendlichen im nteren Einkommensbereich ntwort ans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 64 ündliche Frage 90 arkus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) rgebnis der Ermittlung des im Rahmen es Bildungs- und Teilhabepaketes zu er- ringenden Eigenanteils aus dem Regelsatz n den Schülerbeförderungskosten ntwort ans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16066 A 16066 B 16066 D 16067 A XII Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 Anlage 65 Mündliche Frage 91 Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE) Sittenwidriger Einsatz von Scheinselbst- ständigen bei der eismann Tiefkühl-Heim- service GmbH sowie Vermittlung von Ar- beitslosen an diese Firma durch die Bundesagentur für Arbeit Antwort Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 66 Mündliche Frage 92 Tom Koenigs (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Vereinbarkeit der Vergabe von Lebensmit- tel- und Ärztegutscheinen an Asylbewerber mit dem Grundgesetz und der Europäi- schen Menschenrechtskonvention Anlage 68 Mündliche Frage 95 Anette Kramme (SPD) Anpassung der Internen Services im Rah- men der geplanten Organisationsreform der Bundesagentur für Arbeit Antwort Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 69 Mündliche Frage 96 Anette Kramme (SPD) Leistungsgewährung der Operativen Ser- vices im Rahmen der geplanten Organisa- tionsreform der Bundesagentur für Arbeit Antwort 16067 B 68 D00 A Antwort Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 67 Mündliche Fragen 93 und 94 Sabine Zimmermann (DIE LINKE) Entwicklung der Erwerbstätigen mit auf- stockenden SGB-II-Leistungen im öffentli- chen Dienst seit 2007 Antwort Hans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . H A M P A E w te A P 16066 C 16068 A ans-Joachim Fuchtel, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 70 ündliche Fragen 97 und 98 etra Crone (SPD) uswirkungen der Pläne zur Reform der U-Agrarpolitik auf die deutsche Forst- irtschaft nach 2013 sowie geplanter An- il des Forstsektors am Gesamtbudget ntwort eter Bleser, Parl. Staatssekretär BMELV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16069 A 16069 C Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 15949 (A) ) )(B) 135. Sitz Berlin, Mittwoch, den Beginn: 12.1
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    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16035 (A) ) )(B) derlichen Tiefe zu beschreiben und zu erläutern. Eine se- Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten A g S to m E m li s d g z d G v k te E E ti n e e ü te s u In w d d Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Barnett, Doris SPD 26.10.2011 Bülow, Marco SPD 26.10.2011 Caesar, Cajus CDU/CSU 26.10.2011 Dağdelen, Sevim DIE LINKE 26.10.2011 Dörflinger, Thomas CDU/CSU 26.10.2011 Duin, Garrelt SPD 26.10.2011 Gohlke, Nicole DIE LINKE 26.10.2011 Dr. Koschorrek, Rolf CDU/CSU 26.10.2011 Kotting-Uhl, Sylvia BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 26.10.2011 Kunert, Katrin DIE LINKE 26.10.2011 Dr. Lauterbach, Karl SPD 26.10.2011 Dr. Lehmer, Max CDU/CSU 26.10.2011 Merkel (Berlin), Petra SPD 26.10.2011 Nietan, Dietmar SPD 26.10.2011 Pfeiffer, Sibylle CDU/CSU 26.10.2011 Dr. Ruppert, Stefan FDP 26.10.2011 Scharfenberg, Elisabeth BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 26.10.2011 Scheel, Christine BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 26.10.2011 Seiler, Till BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 26.10.2011 Voß, Johanna DIE LINKE 26.10.2011 Wagenknecht, Sahra DIE LINKE 26.10.2011 Wolff (Wolmirstedt), Waltraud SPD 26.10.2011 Wunderlich, Jörn DIE LINKE 26.10.2011 Zapf, Uta SPD 26.10.2011 (C (D Anlagen zum Stenografischen Bericht nlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Lothar Binding (Heidel- berg), Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Uwe Beckmeyer, Klaus Brandner, Edelgard Bulmahn, Elvira Drobinski-Weiß, Siegmund Ehrmann, Martin Gerster, Angelika Graf (Ro- senheim), Michael Groß, Klaus Hagemann, Bettina Hagedorn, Michael Hartmann (Wa- ckernheim), Frank Hofmann (Volkach), Dr. h. c. Susanne Kastner, Fritz Rudolf Körper, Dr. Bärbel Kofler, Ute Kumpf, Kirsten Lühmann, Caren Marks, Hilde Mattheis, Aydan Özoğuz, Stefan Rebmann, Dr. Carola Reimann, Sönke Rix, Karin Roth (Esslingen), Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Carsten Schneider (Erfurt), Wolfgang Tiefensee und Heidemarie Wieczorek-Zeul (alle SPD) zur namentlichen Abstimmung über den Entschließungsantrag zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungspunkt 1) Unser gemeinsamer Antrag überträgt der Bundesre- ierung ein Rahmenmandat für die Verhandlungen der taats- und Regierungschefs der Euro-Zone am 26. Ok- ber 2011 über die Konkretisierung von Optimierungs- odellen zur European Financial Stability Facility – FSF. Wir haben uns in diesem Antrag auf einen Rah- en verständigt, der es ermöglichen soll, einen mög- chst effizienten Einsatz der Mittel der EFSF zur Stabili- ierung der Eurozone sicherzustellen. Wir stimmen iesem Entschließungsantrag zu, weil wir die grundle- ende Zielrichtung der Stabilisierung Europas unterstüt- en. Die Information und Einbindung des Bundestags urch die Bundesregierung ist allerdings nicht mit den rundsätzen einer angemessenen Parlamentsbeteiligung ereinbar. Unser Entschließungsantrag präjudiziert allerdings eine Festlegung auf die konkrete Ausgestaltung und chnische Umsetzung eines oder mehrerer Modelle zur rhöhung des finanziellen Handlungsspielraums der FSF, über die wir in den Ausschussberatungen debat- ert haben. Ein Modell sieht eine teilweise Besicherung eu emittierter Staatsanleihen vor – Versicherungsoption –; ine weitere Überlegung bezieht sich auf die Gründung iner oder mehrerer Zweckgesellschaften – Fondsoption –, ber die eine Risikoteilung zwischen öffentlichen Mit- ln der EFSF und privaten Investoren erreicht werden oll. Eine Festlegung auf konkrete Organisationsprinzipien nd Funktionsweise der beiden genannten und weiterer strumente der EFSF kann auch deshalb nicht erfolgen, eil Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble in en Beratungen des Haushaltsausschusses leider nicht in er Lage war, die Details des Fondsmodells in der erfor- 16036 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) riöse Vorbereitung der Entscheidung war angesichts der Komplexität der Sachfragen nicht möglich. Der Bera- tungsbedarf konnte auch aufgrund der sehr späten Be- reitstellung von mehr als 500 Seiten an Text mit Erläute- rungen zu den vorgesehenen Regelungen erst im Verlauf der Ausschussberatungen nicht abgedeckt werden. Die Bundesregierung hat im Vorfeld der Regierungs- erklärung von Bundeskanzlerin Merkel wesentliche Sach- informationen nur unvollständig und sehr kurzfristig vorgelegt und dabei das Risiko bewusster Fehlinterpreta- tionen und medialer Verwirrung in Kauf genommen. Anlage 3 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, Viola von Cramon-Taubadel, Katja Dörner, Harald Ebner, Bettina Herlitzius, Dr. Anton Hofreiter, Thilo Hoppe, Uwe Kekeritz, Sven-Christian Kindler, Maria Klein-Schmeink, Ute Koczy, Oliver Krischer, Agnes Krumwiede, Stephan Kühn, Markus Kurth, Monika Lazar, Dr. Tobias Lindner, Nicole Maisch, Agnes Malczak, Kerstin Müller, Beate Müller- Gemmeke, Ingrid Nestle, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Hermann E. Ott, Lisa Paus, Tabea Rößner, Dorothea Steiner, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Wolfgang Wieland und Dr. Valerie Wilms (alle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur namentlichen Abstimmung über den Entschließungsantrag zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzle- rin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesord- nungspunkt 1) Nur drei Wochen nach der letzten Reform der EFSF steht heute erneut eine Ausweitung des Instrumentari- ums der Europäischen Finanzmarktstabilisierungsfazili- tät, EFSF, an. In sehr kurzfristig anberaumter Sitzung muss der Bundestag auf der Grundlage sehr kurzfristig verfügbarer Unterlagen darüber entscheiden, ob die EFSF in völlig anderer Weise als bisher tätig werden soll. Damit wird nach den Krisenentscheidungen zur Bankenrettung im Herbst 2008, zu den Griechenland- Hilfen und der Einrichtung des EFSF im Mai 2010 nun wieder unter hohem zeitlichen Druck über Milliardenri- siken entschieden. Dieser Druck ist nicht einer unvorhersehbaren Dyna- mik der Krise geschuldet. Dieser Druck ist politisch ab- sichtlich herbeigeführt worden. Seit mindestens einem Monat wird unter den Regierungen der Euro-Zone über die effizientere Nutzung oder Hebelung der EFSF disku- tiert. Doch im Parlament unterdrückte die Koalition jed- wede inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Vor- schlägen mit dem Erfolg, dass nun zwischen einer ersten Information der Bundesregierung und der Entscheidung im Plenum nur etwa 24 Stunden liegen. So etwas darf sich ein Parlament nicht gefallen lassen. d fe B g k n m g s P b z in v 2 fe tä g d A V K w k h ö b L g s g v 4 1 Z ru g v b s e K h g tu z fä b d A m c fa L w tä u (C (D Es ist richtig, dass nun das Plenum des Bundestages iese Entscheidung trifft. Die Regierungsfraktionen grei- n damit die Forderung aus dem Antrag der Grünen undestagsfraktion auf, den sie vor vier Tagen noch ab- elehnt haben. Die Ausweitung der Handlungsmöglich- eiten der EFSF, indem zusätzliche Investoren hinzuge- ommen werden, verändert grundlegend den Umgang it den vom Bundestag gewährten Garantien. Sie ver- rößert die Schadenshöhe für den Bundeshaushalt ent- cheidend, die im Falle einer Umschuldung oder einer leite eines Krisenstaates zu tragen wäre – Verlustquote ei Ausfall. Mitglieder der Bundesregierung haben sich war aus Angst vor Widerstand in den eigenen Reihen tensiv bemüht, dieses Faktum mit Hinweis auf die un- eränderte Höhe des deutschen Garantierahmens von 11 Milliarden Euro zu verschleiern. Parlament und Öf- ntlichkeit wurden hier gezielt desinformiert, ja ge- uscht. Deswegen wurde regelmäßig von „Effizienzstei- erung“ gesprochen, um lediglich die positiven Aspekte es veränderten Ansatzes erkennbar werden zu lassen. ber es gibt eine solche Effizienzsteigerung ohne eine eränderung des Risikos nicht. Zudem haben führende oalitionspolitiker eine Hebelung noch vor kurzem ortgewaltig abgelehnt. Sie müssen nun öffentlich er- lären, warum sie ihre Meinung geändert haben, statt inter verschlossenen Türen das zu beschließen, was sie ffentlich ausgeschlossen haben. Die Diskussion zur He- elung ist damit ein Beispiel mehr für die vielen „roten inien“, die ständig definiert und anschließend unter roßem Vertrauensverlust in der Bevölkerung über- chritten werden. Die Ausweitung der EFSF-Kapazität ist dennoch rundsätzlich richtig. Die EFSF hat derzeit eine Kredit- ergabekapazität von 440 Milliarden Euro. Davon gehen 6,5 Milliarden an Portugal und Irland. Mindestens 09 Milliarden Euro sind für Griechenland erforderlich. usätzlich werden Mittel für die Bankenrekapitalisie- ng gebraucht. Diese soll nach den derzeitigen Planun- en 100 Milliarden Euro erfordern, von denen ein rele- anter Teil, vielleicht 30 Milliarden Euro, über die EFSF ereitgestellt werden muss, weil weder die Banken elbst noch deren Sitzländer die Rekapitalisierung aus igenen Mitteln aufbringen können. Damit ist klar: Die apazität der EFSF reicht bei der bisherigen Herange- ensweise nicht, um neuen Herausforderungen zu be- egnen. Zum einen ist es nötig, eine wirkliche Schuldenentlas- ng für Griechenland zulasten der Gläubiger umzuset- en, damit die Schuldenlast Griechenlands wieder trag- hig ist und das Land eine Entwicklungsperspektive ekommt. Wir haben dazu immer eine Orientierung an en Marktwerten gefordert, also derzeit etwa 60 Prozent bschlag. Wenn man das umsetzen will, ist es nötig, ögliche Auswirkungen auf den Bankensektor in Grie- henland selbst und in anderen Ländern und gegebenen- lls auf die Märkte für Staatsanleihen weiterer Euro- änder abfedern zu können. Eine Vorbedingung für eine irkliche Umschuldung ist deshalb eine EFSF-Kapazi- t, die über dem heutigen Volumen liegt. Zum anderen sind seit August diesen Jahres Spanien nd insbesondere Italien im Fokus der Finanzmarktak- Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16037 (A) ) )(B) teure. Die Zinsen in beiden Ländern sind gestiegen und konnten nur durch Käufe der Europäischen Zentralbank auf einem vertretbaren Niveau gehalten werden. Dabei sind insbesondere bei Spanien mit einem Schuldenstand, der unterhalb dem der Bundesrepublik Deutschland liegt, kaum Zweifel an der Solvenz vorhanden. Die Kri- sendynamik setzt beide Länder dennoch der Gefahr einer Spirale aus steigenden Zinsen und sinkender Schulden- tragfähigkeit aus, die ohne externe Hilfe in die Insolvenz führen könnte. Italien muss im Jahr circa 380 Milliarden Euro refinanzieren. Allein diese Zahl macht deutlich, dass eine Ausweitung der EFSF-Kapazität nötig ist. Deshalb stimmen wir zu, dass die Bundesregierung Verhandlungen über eine Ausweitung der Kapazität der EFSF mittels sogenannter Hebelung führt und bringen das mit einer Zustimmung zum vorliegenden Entschlie- ßungsantrag zum Ausdruck. Richtig ist zwar, dass ohne die vielen Fehler und Ver- zögerungen, die gerade die Bundesregierung beim Kri- senmanagement zu verantworten hat, wir vielleicht nie in die heutige Zwangslage gekommen wären. Richtig ist auch, dass alternative Wege der Stabilisierung der euro- päischen Finanzmärkte zur Verfügung gestanden hätten oder heute zur Verfügung stünden, wenn man rechtzeitig den Mut zu Vertragsänderungen gehabt hätte. Wir halten nach wie vor eine stärkere haushaltspolitische Koordi- nierung und die Einführung europäischer Anleihen – Euro-Bonds – für besser als den von den europäischen Regierungen derzeit beschrittenen Weg. Doch für die nächsten Wochen stehen diese Alternativen leider noch nicht zur Verfügung, weil insbesondere die erforderliche haushaltspolitische Kontrolle in den Mitgliedstaaten noch nicht vertraglich vereinbart wurde. Deswegen muss zunächst der bisherige Weg mit einer Ausweitung der EFSF-Kapazität weitergegangen werden. Und wenn der Bundestag der von den Marktakteuren erwarteten Aus- weitung der EFSF-Kapazität seine Zustimmung verwei- gert, droht eine neuerliche massive Zuspitzung an den Finanzmärkten, die alles nur noch schwieriger und teurer machen könnte. Einmal mehr befindet sich die Politik in einer Zwangslage. Tatsache ist aber auch, dass die Bundesregierung bis- lang auf knapp vier Seiten nur eine grobe Skizze mögli- cher Wege vorgelegt hat. Sie definieren einen Raum von Möglichkeiten, keine klare Perspektive der nächsten Schritte. Es ist zu befürchten, dass die darin vorgesehe- nen Varianten der Hebelung teurer und unstabiler sind als alternative Varianten, die von der Bundesregierung ausgeschlossen, aber im Bundestag nie kritisch vergli- chen wurden. Auch hat die Koalition eine von den Oppositionsparteien im Haushaltsausschuss geforderte Anhörung zur Klärung der Vor- und Nachteile der ver- schiedenen Varianten abgelehnt. Teuer könnte die ge- plante Fondslösung werden, weil den Kapitalmarktak- teuren, die Risiken übernehmen sollen, dieses honoriert werden muss. Unklar ist auch, ob die diversen neu zu emittierenden strukturierten Finanzmarktprodukte zu ei- ner Stabilisierung wirklich beitragen oder selbst Quelle von Unsicherheit werden können. Das gilt bei der Versi- cherungslösung insbesondere dann, wenn sich die Markteinschätzung über das Risiko so entwickelt, dass d is li ru H n H g w M s m d b in z s L m K z Z g d d c g ta A d G g n m K fü d d K m w s d d U Z s ru te d A d k m K g G g (C (D as abgedeckte Risiko nicht mehr ausreicht. Schließlich t unklar, ob sich für die verschiedenen Varianten wirk- ch Investoren finden lassen und ob nicht die Absiche- ng so großzügig ausgestaltet werden muss, dass die ebelung relativ gering ausfällt und nur für wenige Mo- ate Atempause verschafft. Klar ist jedenfalls, dass die ebelung der EFSF nur Übergangslösung in eine anders estaltete stabilere Lösung sein kann und darf. Auch erden wir kritisch bewerten müssen, welche konkreten aßnahmen nun auf der Grundlage der heutigen Zu- timmung beschlossen werden. Als überzeugte Europäerinnen und Europäer sind wir it tiefer Sorge erfüllt um die Zukunft und den Bestand es europäischen Einigungsprozesses: Noch nie zuvor efand sich die Euro-Zone und mit ihr die gesamte EU einer so tiefen Krise, noch nie zuvor stand es um ein- elne ihrer Mitglieder sowie um die Gemeinschaft insge- amt so ernst. Und noch immer ist eine nachhaltige ösung dieser Krise nicht in Sicht, während das Krisen- anagement selbst immer mehr zum Mitverursacher der rise wird, weil die Koordination vieler Regierungen ügige und klare Entscheidungen unmöglich macht. Die ustimmung der Menschen zu dem schwierigen Prozess, emeinsam in Europa einen Weg aus der Krise zu fin- en, nimmt in einer Reihe von Euro-Ländern ab. Grund afür sind auch politische Fehlentscheidungen in der Sa- he, eine politische Kommunikation, die die Menschen egen die „Retter“ aufbringen muss, und eine inakzep- ble soziale Schieflage der Rettungsmaßnahmen. Die ufforderung des Bundestags, den Richtlinienvorschlag er Kommission für die Finanztransaktionsteuer in den remien auf den Weg zu bringen, geht auf grünes Drän- en zurück. Wird diese Steuer eingeführt, kann sie zu ei- er fairen Lastenverteilung beitragen. Weitere Maßnah- en zur Korrektur der sozialen Schieflage in dieser rise werden darüber hinaus nötig bleiben. Fehler im Krisenmanagement haben auch dazu ge- hrt, dass die Europäische Zentralbank immer mehr in ie Rolle des Krisenmanagers der letzten Instanz ge- rängt wurde. Es ist deshalb richtig, sie in Bezug auf die äufe von Staatsanleihen aus dieser Rolle zu befreien – ithilfe einer Ausweitung der EFSF-Kapazität. Falsch äre es jedoch, sie dafür zu kritisieren, dass sie ange- ichts der Unfähigkeit der Regierungen auf dem Sekun- ärmarkt eingegriffen hat, um Schlimmeres zu verhin- ern. Ebenso falsch wäre es angesichts der großen nsicherheiten über die weitere Entwicklung, für die ukunft weitere Maßnahmen dieser Art aus ideologi- chen Gründen auszuschließen. Die europäischen Banken sind wichtigster Hinde- ngsgrund für eine mutige, echte und umfassende Be- iligung privater Gläubiger in der griechischen Schul- enkrise und andernorts und außerdem wichtigster nsteckungskanal für ein Ausbreiten der Krise auf an- ere Länder. Hier zeigt sich, wie falsch es war, seit 2008 eine konsequente Stärkung der Kapitalbasis vorzuneh- en und nach wie vor die Kapitalausstattung an der ernkapitalquote zu messen, bei der Staatsanleihen auf- rund der Nullgewichtung überhaupt nicht eingehen. erade die Bundesregierung hat hier mit ihrer an weni- en deutschen Banken ausgerichteten Politik dazu beige- 16038 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) tragen, dass heute erneut staatliche Rekapitalisierungs- maßnahmen bevorstehen. Dieser Fehler darf nun bei der Bankenrettung nicht weitergeführt werden. Es ist falsch, mit einer stärkeren Kapitalausstattung bis Ende Juni 2012 zu warten. Ebenso falsch ist es, die Rekapitalisie- rung an den Kernkapitalquoten auszurichten. Würden die Marktwerte der Staatsanleihen weiter fallen, würden die Kernkapitalquoten rapide fallen, sodass bald die nächste Rettung notwendig wäre. Nötig ist zumindest er- gänzend eine Mindestkapitalausstattung im Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme als ein ungewichtetes Maß – leverage ratio. Schließlich ist zu befürchten, dass viele Institute eigenständig nicht in der Lage sein werden, die notwendige Eigenkapitalerhöhung durchzuführen. Sollte dann eine Rekapitalisierung mit Unterstützung der EFSF durchgeführt werden, würde das die jeweilige national- staatliche Schuldenquote erhöhen und so eine neuerliche Verschärfung der Staatsschuldenkrise verursachen – so wie bereits in Irland die Inanspruchnahme der EFSF nur aufgrund der Bankenrettung erforderlich war. Viele Menschen sind zu Recht entsetzt, dass nach 2008 die Politik schon wieder bzw. immer noch von den Finanzmärkten getrieben ist. Die Spitzengehälter an der Wall Street sind so hoch wie vor Ausbruch der Krise, die Konzentration von Einkommen und Vermögen hat wei- ter zugenommen, die Banken sind größer denn je zuvor. Das widerspricht den Ankündigungen von vor drei Jah- ren. Es braucht daher einen neuen Impuls für eine grund- legende Neuausrichtung der Finanzmärkte. Die Bundes- regierung lässt dies bisher vermissen. Wir Grünen fordern deshalb, endlich die Problematik der Großban- ken – too big to fail, too interconnected to fail – auch in Deutschland im Rahmen einer Kommission des Deut- schen Bundestages systematisch anzugehen, damit Poli- tik wieder in die Lage versetzt wird, die Regeln setzen zu können. Weitere Schritte, wie zum Beispiel eine Re- gulierung des Schattenbankensektors, müssen dazukom- men. Neben der Neuordnung der Finanzmärkte gilt es auch, Europa institutionell neu aufzustellen. Ein Fahrplan für die dringend erforderlichen Integrations- und Harmoni- sierungsschritte vor allem in den Bereichen Haushalt, Steuern, Finanzmarktregulierung und Wirtschaft ist je- doch nicht vereinbart. Dabei liegt hier der Schlüssel zu einer nachhaltigen Lösung der Krise. Wir sind über- zeugt: Nur, wenn glaubhafte, echte und umfassende Schritte in Richtung einer starken Wirtschaftsunion ge- gangen werden, wird sich die Krise lösen lassen. Dies wird unweigerlich mit der Verlagerung nationaler Kom- petenzen auf die europäische Ebene und einer Demokra- tisierung, stärkeren Legitimierung und Kontrolle Euro- päischer Institutionen, vor allem des Europäischen Parlaments und der Kommission, verbunden sein. Dafür braucht es eine Vertragsänderung und für diese eines de- mokratischen legitimierten Prozesses – einen Konvent. Denn weder die konkreten Krisenmaßnahmen noch die Veränderungen in Europa dürfen Hinterzimmern vorbe- halten bleiben, wenn die Demokratie in dieser Krise nicht unter die Räder geraten soll. A n u li U b ü k v H fü ri w A G z s m ß d s s s k s w te w ru d V s s z A s D rü fü im s s e (C (D nlage 4 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Frank Schäffler, Nicole Bracht-Bendt und Sylvia Canel (alle FDP) zur namentlichen Abstimmung über den Entschlie- ßungsantrag zu der Abgabe einer Regierungs- erklärung durch die Bundeskanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungs- punkt 1) Die Schuldenschirmpolitik ist eine Totgeburt. Sie ist icht geeignet, die Überschuldungskrise von Banken nd Staaten zu lösen. Mit der Europäischen Finanzstabi- sierungsfazilität – EFSF – wird es nicht gelingen, die rsachen der Verschuldung von Staaten und Banken zu eseitigen. Denn sowohl Staaten als auch Banken sind berschuldet. Mit der EFSF werden die vorhandenen nappen Mittel nur vom einen Sektor in den anderen erschoben. Die Bundesregierung will auf dem Euro-Gipfel eine ebelung der EFSF vereinbaren und damit das Risiko r den Steuerzahler maximieren. Dazu sollen struktu- erte Finanzprodukte genutzt werden. Wenigstens urde inzwischen eingeräumt, dass dies nur über die usweitung des Risikos funktioniert, wenn das deutsche arantievolumen von 211 Milliarden Euro plus 20 Pro- ent plus Zinsen nicht erhöht werden soll. Die Bundesregierung hat zwei Hebelmodelle vorge- tellt. Modell 2 sieht eine durch die EFSF attraktiv ge- achte Zweckgesellschaft vor. Mit ihrer Hilfe sollen au- ereuropäische Investoren dazu bewegt werden, freudig ie Anleihen der Schuldenstaaten zu zeichnen. Dabei ind die Ausführungen zu diesem Modell so vage, dass elbst Experten nicht verstehen, wie das funktionieren oll. Dieses Modell wird wohl niemals zum Einsatz ommen. Daher steht nur Modell 1 zu Wahl. Mithilfe der EFSF ollen Teilausfallzertifikate finanziert werden. Diese erden zusammen mit den Anleihen der Schuldenstaa- n im Paket gekauft und können eingelöst werden, enn der Zahlungsausfall eintritt. Eine Effizienzsteige- ng der EFSF ist bei diesem Modell nur möglich, wenn ie EFSF den ersten Ausfall übernimmt. Es gab in der ergangenheit eine Vielzahl von Staatsinsolvenzen. Sie ind eher Regel als Ausnahme. Im historischen Durch- chnitt zahlten insolvente Staaten immerhin ungefähr wei Drittel des Nominalbetrags auf ihre ausgefallenen nleihen zurück. Wenn nun die EFSF ein Darlehen an Italien vergibt, o würde sie bei einer italienischen Insolvenz auf die arlehenssumme gesehen zwei Drittel des Betrags zu- ckerhalten. Emittiert die EFSF Teilausfallzertifikate r die ersten 20 Prozent der Kreditsumme, so würde sie Falle einer italienischen Insolvenz ihren Kapitalein- atz komplett verlieren. Die Haftung der EFSF bezieht ich auf die riskante Spitze des Insolvenzschadens. Das rhöhte Risiko überträgt sich auf die deutsche Gewähr- Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16039 (A) ) )(B) leistung für die EFSF und damit auf den Steuerzahler. Gleichzeitig wird Italien sich auf absehbare Zeit nicht mehr alleine am Kapitalmarkt refinanzieren können, sondern dauerhaft am Tropf der Schuldenschirme hän- gen. Das erhöhte Risiko für Deutschland zeigt sich an ei- ner Betrachtung der beiden Extremszenarien. Die EFSF vergibt im einen Fall 440 Milliarden Euro Kredite. Im anderen Fall begibt sie Teilausfallzertifikate im gleichen Umfang. Beim Ausfall von Darlehen haftet der deutsche Steuerzahler mit einem Drittel von 211 Milliarden. Das sind 70 Milliarden Euro. Bei Teilausfallzertifikaten haf- tet der deutsche Steuerzahler für den gesamten Einsatz der EFSF, also 211 Milliarden Euro. Allein zwischen 1981 und 2003 sind mehr als 100 sou- veräne Staaten zahlungsunfähig geworden. Es ist un- glaubwürdig und falsch, die Insolvenz eines Staates von vornherein auszuschließen. Wer dies tut, setzt Risiko und Haftung in einer Marktwirtschaft außer Kraft, so- wohl für die Gläubiger als auch für die Nehmerstaaten. Die Bundesregierung glaubt, dieses Mal sei alles an- ders. So wird es nicht sein. Die EFSF subventioniert die Verschuldung der Schuldenstaaten. Sie setzt die ökono- mischen Anreize, Ausgabenkürzungen zu unterlassen; das zeigt die Situation in Griechenland, Portugal aber auch Italien. Sie setzt Anreize für Banken, weitere Staatsanleihen von Schuldenstaaten zu erwerben. Die Verschuldung beider Sektoren wird demnach zunehmen. Der Umfang der EFSF wird nicht ausreichen, um die ab- sehbaren Insolvenzen von Banken und Staaten aufzufan- gen. Deshalb werden wir schon bald über weitere „Dammbrüche“ im Deutschen Bundestag zu entscheiden haben. Daher täuscht sich die Bundesregierung auch, wenn sie auf ein Ende des Aufkaufprogramms für notleidende Anleihen der Europäischen Zentralbank hofft. Der EZB- Rat entscheidet durch Mehrheitsbeschluss. Die vormali- gen Weichwährungs- und nun Schuldenstaaten sind im EZB-Rat in der Mehrzahl. Dies haben die deutschen Vertreter im EZB-Direktorium und im EZB-Rat leidvoll erfahren müssen. Sobald die EFSF-Mittel trotz Hebelung nicht mehr ausreichen, muss wieder zwischen Schuldenschnitt und Schuldenaufkauf entschieden werden. Diese Entschei- dung der EZB wird dann erneut für den Schuldenauf- kauf, zur Ausweitung der Geldmenge und für indirekte und direkte Monetisierung der Staatsschuld ausfallen. Das darf Deutschland nicht dauerhaft akzeptieren. Die Bundesregierung muss endlich die richtigen Wei- chen stellen. Nur sie hat es in der Hand, dieser Schulden- und Inflationspolitik ein Ende zu setzen. Sie muss die Schuldenschirmpolitik beenden. Sie muss Staatsinsol- venzen zulassen. Sie muss den Mitgliedstaaten den Aus- tritt aus der Währungsunion ermöglichen. Sie muss den Folgen von beidem ins Auge sehen. Dazu muss sie Ent- scheidungen treffen, wie wir hier mit den Abschrei- bungsverlusten der Banken und Versicherungen umge- hen. Gleichzeitig muss sie überlegen, wie unser Bankensystem der Zukunft aussieht, damit Überschul- d s M W n h d h V A s a F d s w n A le le d u w s m n A p ih w tu b R w a b B d ri d b (C (D ungskrisen von Staaten und Banken ausgeschlossen ind. Wilhelm Röpke, einer der Wegbereiter der sozialen arktwirtschaft, sagte in seiner Schrift „Europa in der elt von heute“: „Jedes Monolithische, starr Schablo- enhafte ist Europa fremd, und keine Feststellung ist ier zugleich wahrer wie unbestrittener als die, dass es as Wesen Europas ausmacht, eine Einheit in der Viel- eit zu sein, weshalb denn alles Zentristische Verrat und ergewaltigung Europas ist.“ nlage 5 Erklärungen nach § 31 GO zur namentlichen Abstimmung über den Ent- schließungsantrag zu der Abgabe einer Regie- rungserklärung durch die Bundeskanzlerin zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (Tagesordnungs- punkt 1) Veronika Bellmann (CDU/CSU): Aus dem zur Ab- timmung gestellten interfraktionellem Entschließungs- ntrag befürworte ich ausdrücklich den Vorschlag, eine inanztransaktionsteuer einzuführen, die Vorschläge, die ie Unabhängigkeit des EZB zu stärken, sowie die Vor- chläge für eine angemessene Parlamentsbeteiligung im eiteren Verfahren. Schlussfolgernd aus meiner grundsätzlichen Ableh- ung der Rettungsschirmpolitik und meinem bisherigen bstimmungsverhalten zu den jeweiligen Beschlüssen hne ich jedoch jegliche Form von Optimierungsmodel- n der EFSF im Sinne einer Hebelung ab, da außerdem eren mögliche Instrumente dem Bundestag nur äußerst nvollständig und intransparent dargestellt vorgelegt urden. Aus Vorgenanntem leitet sich ein differenziertes Ab- timmungsverhalten mit dem Votum „Enthaltung“ ab. Begründung: Das bisherige Konzept der Euro-Rettung, Altschulden it immer neuen Schulden bekämpfen zu wollen, ist icht aufgegangen. Auch die in immer kürzer werdenden bständen erfolgten Aufstockungen haben das Grund- roblem der Überschuldung einiger Mitgliederstaaten, re schlechte Haushaltsführung, mangelnde Wettbe- erbsfähigkeit sowie die zu geringe Eigenkapitalausstat- ng des gesamten Bankensektors inklusive Schatten- anken nicht gelöst. Lediglich die ständig wachsenden isiken wurden erfolgreich auf die Steuerzahler überge- älzt. Außerdem ist der Einzige, der Erfahrung mit der- rtigen Instrumenten hat, der IWF, nicht mehr zwingend ei den Rettungsaktionen dabei. Die Probleme aus der Staatsschuldenkrise und der ankenkrise türmen sich mittlerweile zu einer immer be- rohlicher werdenden Bugwelle auf, die weder durch skante Rettungsschirme und schon gleich gar nicht urch fragliche Hebelungsinstrumente derselben abge- aut werden kann. 16040 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Die Folge dieser verfehlten Rettungspolitik, in der nicht „wertvolle Zeit gekauft“, sondern „wertvolle Zeit verschwendet“ wurde, ist, dass der immer kleiner wer- dende Teil der Geberländer erstens immer erpressbarer und zweitens überfordert zu werden droht. Die Meldun- gen, dass Risikoprämien auf Bundesanleihen bereits über denen britischer Staatspapiere liegen, sind alarmie- rend und zeigen, dass Deutschlands Bonität weder gott- gegeben noch für die Ewigkeit bestimmt feststeht. Dass nun im Falle von Griechenland endlich ein Schuldenschnitt erfolgen und mit einem entsprechenden Sanierungsplan begleitet werden soll, ändert allerdings wenig an dem Fakt, dass die bisherige „Konkursver- schleppung“ nunmehr im Vergleich zur Leistungskraft dieses Landes unverhältnismäßig teure Insolvenzplan- maßnahmen erfordert. Das gilt auch für die in diesem Zusammenhang notwendige Rekapitalisierung der Ban- ken, teilweise auch die der EZB, weil sie sich in den Schuldnerländern übermäßig engagiert hat. Ich bin dennoch der Meinung, dass ein temporärer Austritt Griechenlands aus der Währungsunion oder die Einführung einer Parallelwährung zwecks innerer Ab- wertung nicht ausgeschlossen werden darf. Alle bisherigen vermeintlichen Rettungsmaßnahmen hatten den Effekt: „Die Banken gewinnen immer, der Steuerzahler haftet, das Problem wird in die Zukunft vertagt“ – Zitat BVMW. Da hat meines Erachtens politi- sches Wunschdenken ökonomische Realitäten auszu- blenden versucht. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Optimierungsmodelle zu diesen Rettungsschirmen mit dem Ziel einer Hebelwirkung verschärfen die Situa- tion im Hinblick auf die Ausfallrisiken zusätzlich. Sie bedeuten zwar nicht direkt eine Ausweitung des Ge- währleistungsrahmens, aber indirekt schon, da sich das Haftungsrisiko für die Steuerzahler vervielfacht. Schließlich soll die EFSF auch nur nachrangig zu den Privatgläubigern eingetragen werden. Mit Modellen bzw. Produkten vergleichbar mit Kredit- ausfallversicherung – CDSJ – bekam seinerzeit die Wirt- schafts- und Finanzkrise gefährliche Radialkräfte. Es ist doch paradox, wenn wir nun selbst solche Produkte kre- ieren und vom Steuerzahler auch noch mehrfach absi- chern lassen. Die Märkte werden sich, wenn überhaupt, nur für kurze Zeit beeindrucken lassen. Im Übrigen ist das welt- weite Vorhandensein von Risikokapital auch begrenzt. Ob dies dann ausgerechnet in den Optionsmodellen der EFSF angelegt wird, kann bezweifelt werden. Zu be- fürchten ist, dass die Gefahr des Ausfalls steigt, weil tat- sächlich Milliarden oder sogar Billionen abgerufen wer- den und damit Spar- und Reformanreize trotz der teilweisen Konditionierung umgangen bzw. ausgehebelt werden. Was an „Steuerungsinstrument“ dann nur noch ver- bleibt, ist das Mittel der Inflation. Dazu ist keine Parla- mentsbeteiligung erforderlich. Deren Auswirkung auf die Ersparnisse, Lebensversicherungen usw. der deut- schen Bürger und damit auf den sozialen Frieden in un- serem Lande wird verheerend sein. Zumal das Interesse d E tr d im R z z d K G L E m D W D d d D s z s v w m u d d E d v ß E s d w p s s ta fü s te tr e fu n d je b s te te K (C (D er Mitgliedstaaten ungebrochen zu sein scheint, die ZB weiterhin mit der Schuldenmonetarisierung zu be- auen, wird ihr über kurz oder lang nur das Anwerfen er Druckerpresse übrig bleiben. Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Ich habe heute Bundestag gegen das neue Konzept zum sogenannten ettungsschirm – Europäische Finanzstabilisierungsfa- ilität, EFSF – gestimmt, weil die EFSF keinen Beitrag ur Lösung der Probleme in der Euro-Zone leistet, son- ern vielmehr die Krise verschärft. Sie verschärft die rise, insbesondere in den zu stützenden Staaten wie riechenland oder Portugal, da die Nehmerländer sich ohn- und Sozialkürzungen unterwerfen und überharte inschnitte bei den öffentlichen Ausgaben vornehmen üssen. Betroffene Länder werden damit kaputtgespart. amit ist die EFSF ein Rettungsring aus Blei. Denn die irtschaftsleistung dieser Länder wird sinken, und ihre efizite werden steigen. Die strengen Auflagen treffen ort vor allem die Geringverdienerinnen und Geringver- iener, die Rentnerinnen und Rentner. Der zusätzliche ruck durch die Geberländer, mittels gigantischer über- türzter Privatisierungswellen das öffentliche Eigentum u niedrigsten Preisen an Private zu verschleudern, wird chon mittelfristig ähnlich schädlich wirken. Der Staat erliert Einnahme- und Steuerungsmöglichkeiten – er ird in seiner Substanz ausgehöhlt. Die Bevölkerungs- ehrheit in Europa haftet mit umfassenden Garantien nd bezahlt ebenfalls mit Sozialabbau. Faktisch erhöht ie beabsichtigte EFSF-Hebelung das Zahlungsrisiko. Gleichzeitig werden die Verursacher und Nutznießer er Krise geschont. Die Ursachen der Schuldenkrise in uropa – die fehlende Regulierung der Finanzmärkte, ie teure Bankenrettung, die unzureichende Besteuerung on Unternehmen und hohen Vermögen sowie die au- enwirtschaftlichen Ungleichgewichte in Euro-Zone und U und das deutsche Lohndumping – werden nicht be- eitigt. Die EFSF hilft also nicht den Menschen, sondern en Banken, gerade auch den deutschen. Ihre Geschäfte erden weiterhin staatlich subventioniert. Bei der Euro- äischen Zentralbank können sie sich zu niedrigen Zins- ätzen Geld leihen und es für einen vervielfachten Zins- atz an Staaten weiterverleihen. Insofern ist die EFSF tsächlich ein Rettungsring – aber nur für Banken und r Finanzhaie. Koalition und Bundesregierung leisten der Krise Vor- chub, weil sie es vorsätzlich versäumt haben, Spekulan- n zu entwaffnen, die Finanzmärkte durch eine Finanz- ansaktionsteuer und eine wirksame Bankenabgabe zu ntschleunigen sowie den Bankensektor auf seine Kern- nktionen Zahlungsverkehr, Ersparnisbildung und Fi- anzierung zurückzuführen. Das Kasino wird also wie- er nicht geschlossen. Solange dies nicht geschieht, wird glicher Rettungsschirm wirkungslos und unsolidarisch leiben. Alexander Funk (CDU/CSU): Der vorliegende Ent- chließungsantrag zur Weitergabe von Kreditbürgschaf- n durch die EFSF zielt darauf ab, die erst am 29. Sep- mber 2011 beschlossene Erhöhung des effektiven reditausleihvolumens auf 440 Milliarden Euro vor dem Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16041 (A) ) )(B) Hintergrund einer „weiterhin angespannten Marktlage“ um neue Modelle einer vorgeblich möglichst effizienten Nutzung zu erweitern. In der Tat setzt der Antrag die bisherige Bail-out-Poli- tik in der Euro-Krise konsequent fort. Das Scheitern der Strategie, kurzfristige Marktberuhigungen mit Mil- liardenbürgschaften und ohne tatsächliche Aussicht auf nachhaltige ökonomische und haushälterische Solidität der Krisenländer zu erkaufen, ist indes offensichtlich und wird sich auch durch möglichst effiziente Finanz- modelle nicht aufhalten lassen. In der Konsequenz mei- ner Ablehnung des EFSF-Modells im Allgemeinen so- wie aufgrund der Ausgestaltung der vorgesehenen Maßnahmen im Besonderen kann ich dem vorliegenden Antrag nicht zustimmen. Es ist offensichtlich, dass beide nur kurz skizzierten Modelle der sogenannten Optimierung der EFSF-Aus- leihkapazitäten bereits vor dem Hintergrund einer mögli- chen Zuspitzung der Schuldendynamik in den großen europäischen Volkswirtschaften Italien, Spanien und Frankreich zu betrachten sind: Spätestens hierbei sollte aber allen Beteiligten klar sein, dass eine Bewältigung der entsprechenden Schulden- und Wirtschaftskrisen der großen Euro-Partner durch das leider etablierte System aus Bürgschaftsgarantien, zeitweiser marktferner Sen- kung der Zinslasten und Bonitätsverbesserung zulasten der wirtschaftlich solideren AAA-Länder kein Ausweg ist, sondern geradezu kontraproduktiv Konsolidierungs- druck nimmt und immer neue falsche Anreize setzt. Beide Modelle – Teilausfallschutzzertifikate oder In- vestmentzweckgesellschaft – kommen, unabhängig von der bereits von mir kritisierten Aufweichung der Kondi- tionalität zur Kreditvergabe in den neuen EFSF-Richt- linien, darin überein, durch partielle Garantien die Re- finanzierungskosten etwaiger Schuldenstaaten jenseits der Marktbewertung künstlich zu senken und damit die sanktionierende Wirkung steigender Zins-Spreads einzu- dämmen. Dies wirkt sich umso drastischer aus, als die EFSF die Berechtigung erhalten wird, am Primär- und Sekundärmarkt zu intervenieren – und damit in die Bad- Bank-Rolle der EZB gedrängt wird –, und andererseits sogar präventiv Stützungskredite weiterreichen kann. Vor diesem Hintergrund sehe ich auch die im Ent- schließungsantrag nicht zum Tragen kommende Ver- knüpfung der Hebelung mit den EFSF-Leitlinien höchst kritisch und für eine angemessene Entscheidungsfindung als unzureichend an. Von einer auch nur halbwegs marktnahen oder effi- zienten Einsetzung der Mittel kann mithin auch dann nicht die Rede sein, wenn jetzt – etwa in Modell 2 – die Hoffnung zugrunde liegt, dass „eine breitgefächerte Gruppe internationaler öffentlicher und privater Investo- ren angezogen wird“. Dieses Prinzip Hoffnung beruht offensichtlich eher auf der zunehmenden Erschöpfung aller Mittel der Bail-out-Politik als auf einer angemesse- nen und tragfähigen Bewertung der makroökonomischen Grundlagen und des weiteren Ablaufs der Staatsschul- denkrise. g N lu M to p e L d b s T s g h a g p k K b In v s h c A k e ü s S b fü k k m d W b 1 a to e a B c c ti M (C (D Beiden Modellen liegt überdies die Tendenz zu- runde, den seitens der EFSF weitergereichten Garantien achrangigkeit bei der Bedienung bei etwaigen Zah- ngsausfällen einzuräumen – First Loss. Auch diese aßnahme mag zwar die Attraktivität für private Inves- ren erhöhen, führt aber im Falle eines – auch artiellen – Zahlungsausfalls unweigerlich in der Tat zu iner deutlich höheren Ausfallquote für die bürgenden änder, im Falle Deutschlands also bis zu 211 Milliar- en Euro. Alle Diskussionen um eine Effizienz von He- elungsmodellen können – trotz gleichbleibender Ge- amthöhe der Bürgschaftsübernahmen – über diese atsache nicht einfach hinwegsehen. Wir, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, ollten mit einem ablehnenden Votum nicht unsere Re- ierung schwächen, sondern im Gegenteil für die Ver- andlungen am 26. Oktober stärken. Es kann und sollte us dem deutschen Parlament die Botschaft nach Brüssel esandt werden, dass eine Fortführung der Schulden- olitik mit immer neuen Schulden nicht erfolgreich sein ann. Josef Göppel (CDU/CSU): Die Ausdehnung der reditvergabemöglichkeit der Europäischen Finanzsta- ilisierungsfazilität erhöht das Risiko der vollständigen anspruchnahme der deutschen Garantieverpflichtung on 211 Milliarden Euro. Mit der gleichen Garantie- umme kann ein viel größeres Volumen an Staatsanlei- en gestützt werden. Der Preis dafür ist eine entspre- hende Risikosteigerung für Deutschland. Meine bei der bstimmung am 29. September vorgetragenen Beden- en gewinnen dadurch noch stärker an Gewicht. Erstens. Die Hebelung der EFSF-Garantien wirkt wie in Aufruf an die Finanzmärkte, künftig Anleihen der berschuldeten Euro-Mitgliedsländer mit Risikoauf- chlägen zu versehen, die in allernächster Zukunft den tabilitätsmechanismus auslösen. Der Europäische Sta- ilisierungsfonds bindet immer mehr Steuermittel, die r andere wichtige Zukunftsinvestitionen fehlen. Zweitens. Bald wird selbst die deutsche Wirtschafts- raft nicht mehr ausreichen, um immer wieder neue spe- ulative Angriffe aufzuwiegen. Die von den Finanz- ärkten erzwungene Anhebung der Risikoprämie für eutsche Staatsanleihen ist dafür ein unübersehbares arnzeichen. Drittens. Die Entfesselung der Finanzmärkte wurde, eginnend mit dem Finanzmarktderegulierungsgesetz 989, von der Politik ausgelöst. Die Politik hat deshalb uch die Aufgabe, die dienende Funktion des Finanzsek- rs für das Gemeinwohl wiederherzustellen. Der jetzt ingeschlagene Weg schiebt eine durchgreifende Lösung uf, anstatt sie zu beschleunigen. Viertens. Mit dem jetzt eingeschlagenen Weg der ürgschaften lassen sich die europäischen Regierungs- hefs die Regeln der Finanzmärkte aufzwingen. Sie ma- hen die Staaten zu Mitspielern im Markt. Als demokra- sch gewählte Volksvertreter müssten sie aber über den ärkten stehen und das Gemeinwohl sichern. Das ver- 16042 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) langt nach einer raschen und strengen Regulierung der Finanzmärkte anstatt neuer Deckungszusagen. Ich halte deshalb an meiner Ablehnung der Europäi- schen Finanzstabilisierungsfazilität fest. Dr. Stephan Harbarth (CDU/CSU): Ich stimme dem Entschließungsantrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen zu. Mit meinem Votum verbinde ich folgende Erwägun- gen: Es steht zu erwarten, dass nur durch die Erweiterung der Handlungsoptionen der EFSF die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können, die im Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise der Hellenischen Republik erforderlichen Maßnahmen bei gleichzeitiger Begrenzung der hiermit einhergehenden Risiken für die übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union durch- führen zu können. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Helleni- schen Republik lässt einen erheblichen Schuldenschnitt unausweichlich erscheinen. Ein derartiger Schulden- schnitt ist notwendige, nicht jedoch hinreichende Bedin- gung für die wirtschaftliche und finanzielle Genesung der Hellenischen Republik. Im Rahmen der insoweit er- forderlichen weiteren Maßnahmen, zu denen unter ande- rem ein langfristiges Aufbauprogramm zählt, sprechen aus meiner Sicht die überwiegenden Gründe auch für einen – vorübergehenden – Austritt der Hellenischen Re- publik aus der Euro-Zone, um die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft in den kommenden Jahren zu verbessern. Dies erscheint zugleich notwendig, um die Stabilität des Euro dauerhaft zu gewährleisten, das Vertrauen in die Gemeinschaftwährung zu stärken und den Prozess der europäischen Integration zu unterstüt- zen. Ich verbinde mein Votum zugleich mit der klaren Er- wartung, dass die durch die Errichtung, Aufstockung und Effektivierung der EFSF gewonnene Zeit genutzt wird, um den Weg einer nachhaltigen Finanzpolitik in der Euro-Zone zu beschreiten. Frank Heinrich (CDU/CSU): Bei aller Hitzigkeit in den Debatten – niemand zweifelt in diesen Tagen an ei- ner gemeinsamen Grundüberzeugung: Wir brauchen ein starkes Europa, und wir brauchen einen starken Euro. Deutschland spielt dabei eine Führungsrolle. Angela Merkel und Wolfgang Schäuble sind international ge- achtete Führungsfiguren in diesem Krisenszenario. Um sie weiter zu stärken, braucht es eine breite demokrati- sche Legitimation und Beauftragung durch den Deut- schen Bundestag. Wenn wir in der Breite zu einer klaren deutschen Position für Europa gelangen, können wir na- tionale und europäische Interessen verknüpfen. Und des- halb begrüße ich es außerordentlich, dass der vorlie- gende Entschließungsantrag von allen Fraktionen des Deutschen Bundestages gemeinsam eingebracht und unterstützt wird. – Von fast allen Parteien, muss ich na- türlich ergänzen. Denn die Partei Die Linke hat sich ja spätestens seit dem vergangenen Wochenende gewisser- m a d d „ S g s d k g m m n w m d e s te g d te g d ru z te Z n fü n re w e F li g fü b h F a ri e tu L v u E s A S (C (D aßen ein Programm der politischen Totalverweigerung uferlegt. Ich selber werde dem Antrag zustimmen und damit er Bundeskanzlerin das Mandat für Europa übertragen. Zu meiner Begründung: Erstens. Wir erleben eine weltweite Empörung gegen ie Macht der Banken und Finanzmärkte. Doch kann die occupy“-Bewegung – wie Altbundeskanzler Helmut chmidt im Gespräch mit Günther Jauch vor einigen Ta- en treffend formulierte – nur ein Symptomanzeiger ein. Ich verstehe diesen Unmut gut und bin sehr froh, ass es in Demokratien die Möglichkeiten solcher Arti- ulation gibt und auch, dass sich hier viele besorgte Bür- er tatsächlich einmischen. Trotzdem frage ich mich im- er wieder: Gegen wen geht es eigentlich? Hier schiebt an sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Die ei- en haben ein klares Feindbild: die Banken. Die Banken iederum schieben es auf die Politik. In einem Interview it Dirk Müller las ich seine Antwort auf die Frage, wer enn die Krise eigentlich gemacht habe, dass es wohl ine besondere Leistung der Banken sei zu behaupten, ie hätten damit nichts zu tun und es seien nur die Staa- n gewesen. Ganz so einfach ist es eben nicht. Die anze Gesellschaft – und damit auch die Politik – trägt ie Verantwortung für das Ausufern der Begehrlichkei- n und damit des unbegrenzten Schuldenmachens. Die tatsächlichen gesetzlichen Änderungen und Re- ulierungsmechanismen muss jetzt – endlich wieder – ie Politik beschließen. Und so geht es eben gerade da- m, eine starke geeinte europäische Stimme – und Kraft – u sein, die sich politisch gegen weltweit agierende Ak- ure zu wehren vermag. Die Zeit der D-Mark ist im eitalter der Globalisierung vorbei. Dieser Realität kön- en und dürfen wir uns nicht verschließen. Zweitens. Nationale Alleingänge innerhalb Europas hren nicht weiter. Wir brauchen eine gemeinsame Li- ie und klare Verträge in Bezug auf Haushaltstranspa- nz und Schuldenbremsen oder auch auf Instrumente ie die Einführung einer Finanztransaktionsteuer und in Verbot von Leerverkäufen und anderen spekulativen inanzderivaten. Wenn Deutschland hier aussteigt, ver- ert es eine starke Stimme. Unser Einfluss in der EU ist roß, wie etwa der Verzicht auf Euro-Bonds gezeigt hat, r den Angela Merkel gekämpft hatte. Ich persönlich in der Überzeugung, dass nur so ein Total-Crash ver- inderbar ist. Bildlich gesprochen sind wir mit dem lugzeug „Euro-Raum“ nicht nur auf Sinkflug, sondern uf Crash-Kurs, und jetzt gilt es, in der Pilotenkanzel die chtigen Entscheidungen zu treffen, um möglicherweise ine Bruchlandung zu verhindern. Die Fehler in der Vergangenheit haben zu dieser Si- ation geführt, und ich hoffe, dass uns dies eine gute ehre für die Zukunft sein wird. Auch ich kann nicht erhehlen, dass ich starke Bauchschmerzen dabei habe nd um die Risiken und Unwägbarkeiten auch dieser ntscheidung sehr wohl weiß, aber in allen anderen Lö- ungen und einem Abwarten eher eine Garantie für den bsturz sehe. In dieser Situation Frau Merkel und Herrn chäuble in der Pilotenkanzel zu wissen – und, wie wir Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16043 (A) ) )(B) in den letzten Wochen immer wieder hören, auch an den Schalthebeln – beruhigt mich dabei sehr. Denn die Vor- schläge, die da hin und wieder von unseren europäischen Partnern kommen, sind jenseits aller negativen Vorstel- lungskraft, und bisher konnte die Kanzlerin immer noch kraft guter Argumente das Ruder an sich reißen. Drittens. Die Erweiterung des EFSF erhöht die Hand- lungsräume der Kapitalgeber, der Troika aus EU, EZB und IWF, und der Kapitalnehmer und vermindert Liqui- ditätsengpässe. Zudem werden nun staatliche Anleihen und privates Kapital gemeinsam für den EFSF herange- zogen. Auch für die privaten Geldgeber gelten uneinge- schränkt die Richtlinien des EFSF-Rahmenvertrages. Wollten wir nicht alle die Banken und alle anderen Part- ner der Finanzbranche beteiligen, eben auch am Risiko? Deshalb freuen mich die Passagen im Antrag besonders, die eine deutliche Botschaft in Richtung der Banken sen- den und die Einführung einer Finanztransaktionsteuer zur hohen Priorität erklären. Viertens. Ohne klare Kompetenzfestschreibungen und Sanktionsmöglichkeiten bleiben auch die besten Be- schlüsse nur Absichtserklärungen. Darum müssen die EU-Mitglieder und auch die Bundesrepublik bereit sein, nationale Kompetenzen an die EU abzutreten. Eine Aus- höhlung des EFSF und des geplanten ESM, wie es mit den Mastricht-Kriterien regelmäßig geschehen ist, würde das gesamte Rettungspaket ad absurdum führen. Es geht hier darum, demokratische Prinzipien – Zustim- mungspflicht des Bundestages – zu stärken und zugleich eine Aushöhlung der EU durch nationale Alleingänge zu verhindern. Gerade gestern wurde dies in den deutschen Medien folgendermaßen kommentiert: „Hier sehen Sie das einflussreichste Parlament in Europa“, und das Bild dazu zeigte den Deutschen Bundestag. Ich bin mit dem Auftrag in den Deutschen Bundestag geschickt worden, das Wohl der Bürger im Auge zu ha- ben – auch und besonders meiner Stadt Chemnitz –, und ich bin der festen Überzeugung, dass diese Entscheidung zugunsten eines stärkeren Europa jedem einzelnen Bür- ger mehr zugutekommt als ein deutscher Alleingang oder Rückschritt. Es geht um Europa. Es geht um 60 Jahre Frieden mit unseren Nachbarn, es geht um Freundschaft unter ande- rem mit Polen oder Frankreich. Es geht um ein stabiles demokratisches Gebilde, das von Rechtsstaatlichkeit und Sozialstaatlichkeit getragen ist. Eine europäische Werte- gemeinschaft. Ein Europa, das eine gemeinsame Vision für unsere Rolle und Verantwortung in der Weltgemein- schaft trägt. Dazu braucht es einen stabilen Wirtschafts- raum. Aber es braucht noch mehr: ein klares und deutli- ches Ja zu Europa! Andrej Hunko (DIE LINKE): Ich stimme aus folgen- den Gründen gegen die geplante Hebelung der EFSF: Die geplante Hebelung der EFSF und die in dem An- trag aufgestellten Forderungen vertiefen die Krise der EU. Sie sind ein weiterer fataler Schritt in die falsche Richtung, der auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gemacht wird. Den Umgang mit der Euro- K n s te w B d m te m p „ in d w k S p S K k p p li s s m D E la fe z b g w n d re h m a b le e S S s ti e O la (C (D rise kann man mittlerweile mit der Kernschmelze in ei- em Atomkraftwerk vergleichen: Die Regierung ver- ucht, auf Kosten der öffentlichen Haushalte immer wei- re Schutzmauern um das AKW zu bauen. Gleichzeitig ird die Kettenreaktion aufrechterhalten und weitere rennstäbe werden hinzugeführt, indem Steuergelder in en Finanzsektor gepumpt, das Kasino an den Finanz- ärkten weiter geduldet und in Schwierigkeiten gera- ne Länder zu Austeritäts- und Privatisierungsprogram- en gezwungen werden. Alle bisherigen Kritikpunkte an den „Euro-Rettungs- aketen“ bleiben bestehen: Erstens. Die EFSF ist, wie alle anderen bisherigen Euro-Rettungspakete“ auch, ein Airbag für die Finanz- dustrie auf Kosten der öffentlichen Haushalte. Anstatt ie Gläubiger an den Kosten der Krise zu beteiligen, ird ein Mechanismus zur Risikoabsicherung der Spe- ulationsgewinne, also eine dauerhafte Pipeline aus teuergeldern in den Finanzsektor, geschaffen. Zweitens. Die mit der EFSF verknüpften Austeritäts- rogramme sind sozial ungerecht und treiben die in chwierigkeiten geratenen Staaten noch tiefer in die rise. Anstatt etwa in Griechenland Sozialleistungen zu ürzen und öffentliches Eigentum dem Ausverkauf reiszugeben, wäre hier ein sozial-ökologisches Aufbau- rogramm notwendig – finanziert durch Gläubigerbetei- gung, eine kräftige Vermögensabgabe und eine drasti- che Reduzierung der überhöhten Militärausgaben. Drittens. Die „Euro-Rettungspakete“ stellen, insbe- ondere durch den Eingriff ins Haushaltsrecht der Parla- ente, eine weitere Entdemokratisierung dar. Anstatt emokratie abzubauen, wäre gerade in der Krise eine rweiterung der Demokratie notwendig – etwa wie in Is- nd, wo per Referendum abgestimmt wurde, ob die Öf- ntlichkeit bereit ist, die Kosten privater Zockerbanken u übernehmen. Die Euro-Krise steht in Zusammenhang mit den exor- itant gestiegenen privaten Vermögen, die in etwa den esamten Staatsschulden auf EU-Ebene entsprechen, so- ie mit den extremen Leistungsbilanzunterschieden in- erhalb des Euro-Raums. Um die Krise zu lösen, müssen ie Staatsschulden durch eine kräftige Vermögensabgabe duziert, die deutschen Exportüberschüsse durch nach- altige Lohnerhöhungen ausgeglichen sowie die Finanz- ärkte endlich reguliert werden. Die angebliche Forderung nach einer Finanztrans- ktionsteuer in dem Entschließungsantrag entpuppt sich ei näherem Hinsehen als Nebelwerferei: Gefordert wird diglich ein selbstverständlicher Verwaltungsvorgang, s gibt keinen positiven Bezug zu dieser sinnvollen teuer. Ich finde es beschämend, dass große Teile von PD und Grünen sich mittels dieser Nebelkerze zur Zu- timmung haben nötigen lassen. Der Irrsinn dieser „Rettungspakete“ kann gegenwär- g nur durch eine starke Bewegung auf den Straßen be- ndet werden. Ich unterstütze deshalb weiterhin die ccupy-Bewegung und wünsche ihr einen starken Zu- uf. 16044 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Manfred Kolbe (CDU/CSU): Bereits am 29. Sep- tember 2011 habe ich der Erweiterung des Kreditverga- bevolumens der EFSF auf 440 Milliarden Euro nicht zu- gestimmt, da wir die Staatsschuldenskrise in Europa nicht mit immer weiteren Rettungspaketen und weiteren Staatsschulden bekämpfen können. Der heutige Ent- schließungsantrag ist der Beweis dafür, dass auch das vor vier Wochen beschlossene erweitere Kreditvergabe- volumen der EFSF nicht mehr ausreicht. Deshalb soll über eine Hebelung eine Vervielfachung dieses Betrages über die Billionengrenze erreicht werden. Diese Hebe- lung ist dem unseriösen Gebaren der Finanzwirtschaft vor der Finanzkrise 2008 nachempfunden. Zwar wird der deutsche Garantierahmen von 211 Milliarden Euro nicht erhöht, aber das deutsche Haftungsrisiko steigt in gleichem Maße wie auch das Kreditvergabevolumen der EFSF gehebelt wird. Daher muss ich den heutigen Ent- schließungsantrag erst recht ablehnen. Trotz der vorgesehenen Ausweitung des Kreditverga- bevolumens der EFSF über die Billionengrenze sollen daneben offenbar die Staatsanleihenankäufe durch die Europäische Zentralbank – EZB – weitergehen. Diese monetäre Staatsfinanzierung und Vergemeinschaftung der Haftung wird zwar von der Bundesregierung nicht gewünscht, gleichwohl aber offenbar geduldet. Sowohl das erweiterte Kreditvergabevolumen der EFSF als auch die weitergehenden Staatsanleihankäufe durch die EZB mindern den Druck auf die Krisenländer, endlich wirksame Sparmaßnahmen zu ergreifen und ihre Haushalte zu sanieren. Dies ist aber eine Voraussetzung für ein Ende der Staatsschuldenkrise in Europa und für ein starkes Europa in der Welt. Beide Maßnahmen schwächen daher eher Europa. Meiner Meinung nach stärken Neinstimmen aus der CDU/CSU und FDP die Bundeskanzlerin. Ihre interna- tionale Verhandlungsposition hat sich, sowohl aufgrund des ihren Spielraum einengenden Urteils des Bundesver- fassungsgerichtes als auch durch den Widerstand in den Koalitionsfraktionen im Deutschen Bundestag verbes- sert. Vor Ort ist es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger sehen, dass die CDU zwar solidarisch hilft, aber klare Gegenleistungen fordert und eine uferlose Ver- schuldung nicht zulässt. Dr. Carsten Linnemann (CDU/CSU): Bereits am 29. September 2011 habe ich im Rahmen der namentli- chen Abstimmung zur Erweiterung des EFSF meine Be- denken zu Protokoll gegeben und darauf hingewiesen, dass ich dieses Instrument grundsätzlich für falsch halte. Der EFSF löst keines der ursächlichen Probleme, die zur Krise geführt haben, sondern verschiebt eine – zugege- benermaßen schmerzhafte – Lösung in die Zukunft. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, durch die jetzt geplante Ausgestaltung der EFSF mit Hebelmechanismen droht die Krise noch grö- ßere Ausmaße anzunehmen. Mit solchen Hebeln kann ein viel größeres Volumen an Staatsanleihen gestützt werden als bisher vorgesehen war, ohne dass im Gegen- zug die Einflussmöglichkeiten auf die gefährdeten Euro- Staaten verstärkt werden. Damit wird abermals der An- re s d n g m g d m b s P G u e s k R h a G s d s d b b d B m d d D ic – d d R b te m li lu C m e z b (C (D iz für Staaten mit hoher Verschuldung gesenkt, trukturelle Reformen anzugehen. Das steigert wie- erum das Haftungsrisiko. So gewinnt man das Vertrauen der Kapitalmärkte icht zurück, das zur Bewältigung der Krise aber drin- end benötigt wird. Die Verschuldungsspirale droht viel- ehr auf weitere Länder der Euro-Zone mit bislang sehr uter Bonität überzugreifen. Aus diesem Grund kann ich em vorliegenden Entschließungsantrag nicht zustim- en. Burkhardt Müller-Sönksen (FDP): Nicht alle der isherigen und geplanten Maßnahmen finden meine Zu- timmung. Auch weiterhin bestehen bei mir in verschiedenen unkten Zweifel. Ich halte eine geordnete Insolvenz für riechenland auch künftig für ein geeignetes Instrument nd begrüße daher außerordentlich die Diskussion auf uropäischer Ebene über einen möglichen Schulden- chnitt Griechenlands. Da ich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen ann, welche Risiken von anderen Staaten des Euro- aums noch zu erwarten sind und diese Risiken mir bis- er nicht benannt werden konnten, haben meine Zweifel uch weiterhin Bestand. Ich begrüße es ausdrücklich, dass der vereinbarte arantierahmen von 221 Milliarden Euro nicht über- chritten wird. Auch die avisierte Einbeziehung von Drittkapital fin- et meine volle Zustimmung. Die Risikoteilung zwi- chen öffentlichen Mitteln der EFSF und Drittmitteln urch private Investoren halte ich für den einzig gang- aren Weg für eine Erhöhung der Kapazität der EFSF, ei einer vertretbaren Erhöhung des Verlustrisikos. Auf iese Weise ergeben sich keine Belastungen für den undeshaushalt, die über den vereinbarten Garantierah- en von 221 Milliarden Euro hinausreichen. Das auch ie Hinzuziehung von Drittkapital, insbesondere aus em außereuropäischen Ausland, in der öffentlichen iskussion auch als „Hebel“ bezeichnet wird, bedauere h sehr, denn der zuvor berechtigt in die Kritik geratene andere – „Hebel“ beschrieb einen Sachverhalt, der nur ie eigene Bilanz der EFSF betraf. Ich begrüße es, dass auch bei der Entscheidung über ie Guidelines der EFSF der Deutsche Bundestag im ahmen von Beratung und Beschlussfassung im Plenum efasst wird und erst die Entscheidungen über die wei- re Ausgestaltung im Haushaltsausschusses vorgenom- en werden. Aufgrund dieser Abwägung stelle ich meine persön- chen Bedenken und Zweifel zu den getroffenen Rege- ngen zurück und stimme dem von den Fraktionen der DU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen ge- einsam vorgelegten Entschließungsantrag zur Abgabe iner Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin um Europäischen Rat und zum Eurogipfel am 26. Okto- er zu. Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16045 (A) ) )(B) Mechthild Rawert (SPD): Unser gemeinsamer An- trag überträgt der Bundesregierung ein Rahmenmandat für die Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am 26. Oktober 2011 über die Konkreti- sierung von Optimierungsmodellen zur European Finan- cial Stability Facility – EFSF. Wir haben uns in diesem Antrag auf einen Rahmen verständigt, der es ermögli- chen soll, einen möglichst effizienten Einsatz der Mittel der EFSF zur Stabilisierung der Euro-Zone sicherzustel- len. Ich stimme diesem Entschließungsantrag zu, weil ich die grundlegende Zielrichtung der Stabilisierung Eu- ropas unterstütze. Die Information und Einbindung des Bundestags durch die Bundesregierung ist allerdings nicht mit den Grundsätzen einer angemessenen Parla- mentsbeteiligung vereinbar. Unser Entschließungsantrag präjudiziert ausdrück- lich keine Festlegung auf die konkrete Ausgestaltung und technische Umsetzung eines oder mehrerer Modelle zur Erhöhung des finanziellen Handlungsspielraums der EFSF. Die Bundesregierung hat im Vorfeld der Regierungs- erklärung von Bundeskanzlerin Merkel wesentliche Sachinformationen nur unvollständig und sehr kurzfris- tig vorgelegt und dabei das Risiko bewusster Fehlinter- pretationen und medialer Verwirrung in Kauf genom- men. Rolf Schwanitz (SPD): Ich habe aus folgenden Gründen gegen den Entschließungsantrag gestimmt: Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, EFSF, muss wegen der weiterhin angespannten Marktlage ei- nen möglichst effizienten Einsatz der ihr übertragenen Mittel sicherstellen – Hebel. Dafür erscheint mir das Op- timierungsmodell 1, das darauf zielt, ein unter Druck ste- hendes Land der Euro-Zone mit Teilabsicherungen neuer Staatsanleihen am Markt zu halten – Versicherungsmo- dell – geeignet. Es ist aus meiner Sicht richtig, dieses Modell weiter zu konkretisieren und später dazu die Leitlinien der EFSF anzupassen. Anders beurteile ich die als Modell 2 vorgestellte Ab- sicht, zur Maximierung der vorhandenen EFSF-Kredit- vergabekapazität eine oder mehrere Investmentzweckge- sellschaften – SPIV – errichten und nutzen zu wollen. Zum einen sind die hierzu dem Deutschen Bundestag schriftlich vorgelegten Erläuterungen zu unbestimmt, um die konkrete Ausprägung, aber auch die Grenzen dieser Zweckgesellschaften wirklich einschätzen zu kön- nen. Auch in der gestrigen, mehr als zweistündigen Be- ratung des Haushaltsausschusses hat die Bundesregie- rung das Modell 2 trotz mehrfacher Nachfrage nicht weiter konkretisiert. Darüber hinaus erinnern solche Investmentzweckge- sellschaften in fataler Weise an jene Special Purpose Viehicles – SPV –, deren Tätigkeit am Beginn der welt- weiten Finanzkrise stand. Wir erinnern uns: Um das not- wendige Kapital für neue Kredite zu beschaffen, wurden damals Kreditforderungen in großem Stil verbrieft. Hier- bei gaben die Kredit gebenden Banken die Zahlungsan- sprüche aus Hypothekenkrediten zusammen mit deren K ru w a – W D h h N m tä h w d A S s h n M v z re w E g la b e D e n w s u a v ü s 4 G E re e P s U d e (C (D reditrisiken an Investoren – andere Banken, Versiche- ngen, Hedgefonds, Vermögensverwalter – weltweit eiter. Dies geschah, indem die Ansprüche und Risiken us ganzen Portfolien in solche Zweckgesellschaften SPI – eingebracht und dann als forderungsbesicherte ertpapiere an die Investoren weitergegeben wurden. ieses intransparente Finanzkonstrukt trug nicht uner- eblich zur weltweiten Finanzkrise bei und stand des- alb später erheblich in der Kritik. Aus diesen Gründen lehne ich die Errichtung und utzung von Investmentzweckgesellschaften als Instru- ent zur Maximierung der EFSF-Kreditvergabekapazi- t – Modell 2 – ab. Ich will der Bundesregierung des- alb auch keinen Auftrag erteilen, einen solches Modell eiterzuverfolgen. Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE): Ich lehne, wie ie EFSF – Euro-Rettungsschirm – selbst, auch seine usweitung und riskante Hebelung ab. Er vertieft die paltung innerhalb der europäischen Gemeinschaft statt ie sozial, ökologisch und wirtschaftlich zu einen. Die wirklichen Ursachen der Krisen, vor allem die ochspekulativen, entfesselten Finanzmärkte, werden icht beseitigt, sondern fortgeschrieben und zementiert. illiarden Steuergelder werden verbrannt, um Profite on Banken, Versicherungen und Spekulationsgewinne u sichern. Die derzeitige Euro-Rettung ist eine reine Banken- ttung auf Kosten der Bevölkerung – in Deutschland ie den Krisenländern. Für die Bevölkerung in allen U-Mitgliedstaaten bedeutet das massive Sozialkürzun- en zur Finanzierung der EFSF. Insbesondere Griechen- nd, Irland und Portugal werden drastischen Sozialab- auprogrammen unterworfen. Das europäische Projekt hat nur eine Zukunft, wenn s demokratisch, sozial und wirtschaftlich gerecht ist. azu brauchen wir statt Spekulationsrettungsschirme ein uropäisches Konjunkturprogramm und eine koordi- ierte Wirtschafts- und Sozialpolitik in der EU. Der er- eitere Euro-Rettungsschirm zielt in die entgegenge- etzte Richtung und gefährdet so das Projekt Europa. Deshalb kann ich im Interesse der europäischen Idee nd der Bevölkerung in allen EU-Mitgliedstaaten, also uch der deutschen Bevölkerung, nicht zustimmen. Alexander Ulrich (DIE LINKE): Vor nicht einmal ier Wochen sind wir hier zusammengekommen, um ber die Ausweitung des sogenannten Euro-Rettungs- chirms, EFSF, abzustimmen: Er wurde auf effektive 40 Milliarden Euro aufgestockt, die deutschen arantien wurden auf – im Höchstfall – 253 Milliarden uro angehoben. Dies waren damals schon schwindeler- gende Summen; im Vergleich zu den Summen; um die s heute geht, nehmen sie sich allerdings fast schon wie eanuts aus: Von einer Billion ist die Rede, manchmal ogar von zwei Billionen. Und wofür das ganze Geld? m endlich die Klimakatastrophe oder den Hunger in er Welt zu bekämpfen, für sinnvolle Investitionen in ine sozialökologische Zukunft? Nein, dieses Geld wird 16046 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) einzig und allein dazu benutzt, Banken und Spekulanten zu retten. Nicht zu Unrecht hat Rainer Brüderle in der damaligen Debatte davon gesprochen, dass eine Hebe- lung der EFSF eine Massenvernichtung sei – allerdings nicht, wie er meinte, für die Finanzmärkte, sondern für Steuergelder. Und deshalb habe ich heute gegen die He- belung gestimmt. Die Bundesregierung wird nicht müde zu betonen, dass sich am deutschen Garantierahmen nichts ändert. Tatsächlich bleibt es dabei, dass für die deutschen Steu- erzahlerinnen und Steuerzahler „nur“ 253 Milliarden auf dem Spiel stehen. Die fundamentale Änderung bei der Hebelung der EFSF, die hier heute zur Abstimmung steht, ist jedoch, dass das Risiko, dass diese Garantien tatsächlich benötigt werden, enorm steigt. Denn durch die Hebel ist die EFSF immer die erste, die zahlt, wenn es irgendwo zu einer Krise kommt. Und wenn die EFSF zahlt, dann zahlen wir, die Steuerzahlerinnen und Steuer- zahler. Und deshalb habe ich heute gegen die Hebelung gestimmt. Ich will nicht länger zusehen, wie die Finanzmärkte die Politik vor sich hertreiben. In der Finanzkrise wur- den die Banken mit Milliardensummen gerettet – nun spekulieren sie gegen die Schulden, die zu ihrer Rettung gemacht wurden. Die Ratingagenturen haben in der Finanzkrise völlig versagt und Lehman Brothers am Tag vor der Pleite Bestnoten ausgestellt – nun schwingen sie sich zum Schiedsrichter über nationale Politik auf. Die Spekulanten haben mit aberwitzigen Produkten jongliert und damit eine der größten Wirtschaftskrisen der jüngs- ten Geschichte ausgelöst – heute tut die Politik alles, um sie zu „beruhigen“. Aber die Spekulanten wollen nicht beruhigt werden! Nur wo Unruhe herrscht, kann man Gewinne machen. Wer das nicht begreift, kann die Krise nicht lösen, nicht mit noch so vielen Milliarden. Ich habe heute gegen die Hebelung des Rettungs- schirms gestimmt, weil man die Euro-Krise nur lösen kann, wenn man das Kasino schließt, wenn man die Spe- kulanten an die Kette legt. Die Staaten müssen sich un- abhängig von den Kapitalmärkten finanzieren können, über eine Bank für öffentliche Anleihen. Die Finanz- märkte müssen endlich streng reguliert werden, die Ban- ken gehören unter öffentliche Kontrolle. Und die Verur- sacher und Profiteure der Krise müssen zur Kasse gebeten werden: Durch eine EU-weite Vermögensab- gabe für Superreiche, durch eine Finanztransaktion- steuer und durch eine Beteiligung großer privater Gläu- biger. Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU): Vier Wochen nach der Aufblähung und Ermächtigung des sogenannten Euro-Rettungsschirmes – EFSF – soll der Bundestag heute die Hebelung des ursprünglichen Kreditausleihvolumens von 440 Milliarden Euro sanktionieren. Die Hebelung ändert zwar nicht die absolute Höhe des Bürgschaftsrisikos Deutschlands in Höhe von 211 Milliarden Euro, sehr wohl aber die Eintrittswahrscheinlichkeit, also das Ri- siko, dass die gegebenen Garantien gezogen werden. Für eine Kreditausfallrate von circa 20 Prozent bedeutet ein v e S A d li n d a G k fa m W p H d – b s d s u s n d d w S s v s v a a d u te G ti Z M v ti h D k – ü s s e s g G (C (D ierfacher Hebel einen fünffachen Verlust für den Steu- rzahler. Das einzige wirksame Mittel zur Bekämpfung der chuldenkrise ist das Durchbrechen der Schuldenspirale. lle anderen Modelle erkaufen nur Zeit. Das Scheitern er Strategie, kurzfristige Marktberuhigungen mit Mil- ardenbürgschaften und ohne tatsächliche Aussicht auf achhaltige ökonomische und haushalterische Solidität er Krisenländer zu erkaufen, ist offensichtlich und wird uch durch eine Hebelung oder eine Aufstockung des arantierahmens, die früher oder später auf die Agenda ommen wird, nicht aufgehalten. Wenn man auf dem lschen Weg ist, hilft es nicht, aufs Gas zu drücken, an entfernt sich so nur immer weiter vom richtigen eg. Die Steigerung der Effizienz, wie die Hebelung eu- hemistisch umschrieben wird, muss bereits vor dem intergrund einer möglichen Zuspitzung der Schulden- ynamik in den großen europäischen Volkswirtschaften vor allem Italien – betrachtet werden. Spätestens hier- ei sollte aber klar sein, dass eine Bewältigung der ent- prechenden Schuldenkrisen der großen Euro-Partner urch das leider mittlerweile etablierte System aus Bürg- chaftsgarantien, Heruntersubventionieren der Zinsen nd Bonitätsverbesserung auf Kosten der wirtschaftlich olideren AAA-Länder kein Ausweg ist. Dieser Weg immt geradezu kontraproduktiv den Konsolidierungs- ruck und setzt immer neue falsche Anreize. Zudem be- roht er die Kreditwürdigkeit der heute noch sehr gut be- erteten Länder. Das einzige Mittel gegen zu hohe chulden sind hohe Zinsen. Beide in den sogenannten Terms of Reference ange- prochene Optionen, Teilausfallschutzzertifikate und In- estmentzweckgesellschaft, führen letztlich dazu, dass ich Schuldenstaaten weiterhin – nur jetzt einfacher – erschulden können. Dies wirkt sich umso drastischer us, als dass die EFSF die Berechtigung erhalten wird, m Primär- und Sekundärmarkt zu intervenieren – und amit in die Bad-Bank-Rolle der EZB gedrängt wird – nd andererseits sogar präventiv Stützungskredite wei- rreichen kann. Beiden Modellen liegt überdies die Tendenz zu runde, den seitens der EFSF weitergereichten Garan- en Nachrangigkeit bei der Bedienung bei etwaigen ahlungsausfällen einzuräumen – first loss. Auch diese aßnahme mag zwar die Attraktivität für private In- estoren erhöhen, führt aber im Falle eines – auch par- ellen – Zahlungsausfalls unweigerlich zu einer deutlich öheren Ausfallquote für die bürgenden Länder, im Falle eutschlands also bis zu 211 Milliarden Euro. Alle Dis- ussion um eine Effizienz von Hebelungsmodellen darf trotz gleichbleibender Gesamthöhe der Bürgschafts- bernahmen – über diese Tatsache nicht einfach hinweg- ehen. Mit der Schuldenbremse haben wir die legalen Ver- chuldungsmöglichkeiten in Deutschland begrenzt – auf uropäischer Ebene machen wir mit dieser Rettungs- chirmpolitik genau das Gegenteil: Wir erhöhen die le- alen Verschuldungsmöglichkeiten. Die Insolvenz von riechenland wird unausweichlich kommen. Sie wird Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16047 (A) ) )(B) derzeit nicht abgewendet, sondern verschleppt. Die Troika hat kürzlich einen mehr als ernüchternden Bericht über die Schuldentragfähigkeit des Landes geliefert. Die an- stehende Tranche wurde dennoch ausgezahlt. Es sollte jedem ein Warnsignal sein, dass der IWF künftig nicht mehr an vermeintlichen Rettungsaktionen beteiligt wer- den muss, sondern nur noch kann. Der IWF bereitet sich auf das Verlassen des sinkenden Schiffes vor. Und die Euro-Gruppe steuert weiter volle Kraft in Richtung Eis- berg. Deshalb kann ich diesem Entschließungsantrag nicht zustimmen. Anlage 6 Antwort des Parl. Staatssekretärs Christian Schmidt auf die Frage des Abgeordneten Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 5): Wie konnte es nach Erkenntnissen der Bundesregierung zum Diebstahl eines Maschinengewehrs auf dem Truppen- übungsplatz Grafenwöhr kommen (Bericht der Nordbayeri- schen Nachrichten vom 17. Oktober 2011: www.nordbay- ern.de/region/pegnitz/maschinengewehr-von-der-schiessbahn- geklaut-1.1588585), und wie beurteilt die Bundesregierung die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor unbefugtem Zu- tritt Dritter auf den Truppenübungsplatz? Der Diebstahl wurde durch einen Sicherheitsverstoß der dort übenden Truppe ermöglicht und durch zwei Ge- legenheitsdiebe – beide ohne personellen Bezug zur Bundeswehr – begangen. Das gestohlene Maschinenge- wehr konnte zwischenzeitlich aufgrund von Ermittlun- gen der Polizei in einem anderen Fall mit jedoch identi- scher Täterschaft wieder aufgefunden werden. Zum Diebstahl konnte es Ermittlungen des zuständi- gen Wehrdisziplinaranwaltes zufolge kommen, weil der Aufbewahrungsort – das Führerhaus eines LKW-5-Ton- ners zwar verschlossen – für eine gewisse Zeit aber un- beaufsichtigt und unzureichend gesichert war. Für die Absicherung und Sicherheitsvorkehrungen auf dem Truppenübungsplatz ist die übende Truppe mit verantwortlich. Sie hat lagebezogen und mit Blick auf mitgeführte Waffen und zum Einsatz kommendes Gerät alle erforderlichen Sicherungsmaßnahmen gegen unbe- fugten Zutritt bzw. Zugriff zu treffen. Anlage 7 Antwort des Parl. Staatssekretärs Christian Schmidt auf die Frage des Abgeordneten Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 6): Inwieweit sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund dieses Vorfalls die Sicherheit der Bevölkerung vor Ort beein- trächtigt, und welche Schritte sind unternommen worden bzw. werden unternommen, um diese wiederherzustellen? Für die ortsansässige Bevölkerung bestand in diesem Fall keine Gefährdung. Die Täter stahlen das nicht auf- munitionierte Maschinengewehr offensichtlich aus Gele- genheit und ohne konkrete weitere kriminelle Absicht u w e R ru re n is A d d N 2 g u s n in b A d d D m d E e (C (D nd versenkten es schließlich in einem Dorfweiher, ohne eiteren Schaden angerichtet zu haben. Gleichwohl stellt dieser Vorfall für die Bundeswehr in erhebliches Sicherheitsvorkommnis dar, dem im ahmen seiner Aufklärung, der Ausbildung und Beleh- ng der Truppe – im vorliegenden Fall auch disziplina- n Ahndung des verantwortlichen Vorgesetzten – Rech- ung zu tragen war und ist. Eine grundsätzliche, systembedingte Sicherheitslücke t aus diesem Fall jedoch nicht ableitbar. nlage 8 Antwort es Parl. Staatssekretärs Christian Schmidt auf die Frage es Abgeordneten Hans-Christian Ströbele (BÜND- IS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 10): Inwieweit bestätigt die Bundesregierung, nachdem sie in ihren schriftlichen Antworten vom 4. Juli 2011 bzw. 17. Okto- ber 2011 auf meine entsprechenden Fragen auf Bundestags- drucksachen 17/6541 bzw. 17/7412 Unkenntnis behauptete, nun die – damals längst vorliegenden – Informationen ihres deutschen Bundeswehrkommandos im afghanischen ISAF- Regionalkommando Nord, RCN, wonach unter dortiger deut- scher Kommandoverantwortung vom 28. Januar bis 29. April 2011 US-Spezialeinheiten bei 1 410 verdeckten Operationen (davon 479 „Capture or kill“, auch zwecks Tötung) 2 169 Per- sonen gefangen nahmen und 485 töteten, und welche entspre- chenden Detailangaben macht die Bundesregierung über sol- che Einsätze dort seither sowie über die jeweilige Beteiligung deutscher Stellen vor allem der Bundeswehr daran (bitte auf- schlüsseln nach Informationszulieferung, boden- bzw. luftge- stützter Aufklärung, Durchführung, Auswertung sowie Nach- bearbeitung dieser Einsätze)? Die für den Zeitraum vom 28. Januar bis 29. April 011 behaupteten Zahlenangaben zu den im ISAF-Re- ionalkommando Nord durchgeführten Operationen von nter nationalem Kommando stehenden US-amerikani- chen Spezialkräften können von der Bundesregierung icht bestätigt werden. Wie bereits mehrfach mitgeteilt, ist die Bundeswehr keiner Weise an deren Operationsführung unmittelbar eteiligt. nlage 9 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Frage er Abgeordneten Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 11): Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung für die Finanzierung des Kitaausbaus vor dem Hintergrund der Er- gebnisse der Studie des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm (vergleiche stern.de vom 19. Oktober 2011), dass weiterhin über 270 000 Betreuungsplätze fehlen, um den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren einzulösen? Der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland acht gute Fortschritte. Das Kinderförderungsgesetz, as Ende 2008 in Kraft getreten ist, hat zu einer starken rweiterung von Betreuungsangeboten in Kindertages- inrichtungen und in der Kindertagespflege geführt und 16048 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) setzt Maßstäbe für mehr Betreuungsangebote und zu- gleich für eine Verbesserung der Betreuungsqualität. 39 Prozent der Eltern von Kindern im Alter bis zu drei Jahren wünschen sich derzeit ein Betreuungsange- bot. Bisher werden rund 23 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe in Kindertageseinrichtungen oder in der Kindertagespflege betreut. Das ergibt der Zweite Zwi- schenbericht zur Evaluation des Kinderförderungsgeset- zes, im Mai 2011 vom Bundeskabinett verabschiedet. Der Ausbaustand zeigt: Es gibt deutlich mehr Betreu- ungsangebote für unter Dreijährige als in den vergange- nen Jahren, aber es gibt längst nicht genug. Das große Ziel, 750 000 Betreuungsplätze bis 2013 bereitzustellen, ist erreichbar – allerdings brauchen wir dafür deutlich mehr Dynamik beim Ausbau. Der Ausbau der Kinderta- gesbetreuung kann nur gelingen, wenn alle Verantwortli- chen – Länder, Kommunen genauso wie der Bund – ih- ren zugesagten Beitrag leisten. Die Investitionsmittel und auch die Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten stehen zur Verfügung: Der Bund beteiligt sich bis 2013 mit insgesamt vier Mil- liarden Euro und anschließend mit 770 Millionen Euro jährlich an den Kosten des Ausbaus der Kinderbetreu- ungsangebote für unter Dreijährige. Diese Mittel stehen nicht nur für den quantitativen Ausbau bereit, sondern kommen auch im Wege der Unterstützung bei den aus- baubedingten Betriebskosten der Betreuungsqualität zu- gute. Mit der Initiative „Offensive Frühe Chancen“, die am 2. November 2010 gestartet ist, stellt der Bund bis zum Jahr 2014 ferner rund 400 Millionen Euro zur Verfü- gung, um bis zu 4 000 Einrichtungen – insbesondere in benachteiligten Sozialräumen – zu „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ auszubauen. Ich sage noch einmal: Der bedarfsgerechte, qualitäts- orientierte Ausbau der Kindertagesbetreuung in gemein- samer Verantwortung von Bund, Ländern und Kommu- nen braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung. Mein Haus hat bereits bisher Entscheidendes dazu beigetra- gen. Auch in Zukunft werden wir unseren Beitrag leis- ten. Anlage 10 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Frage des Abgeordneten Stefan Schwartze (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 12): Strebt die Bundesregierung die EU-Zielmarke „20 Prozent Männer als Erzieher“ bis 2015 an, und wenn ja, wie sieht der konkrete Zeitplan aus, um diese Zielmarke zu erreichen, vor dem Hintergrund, dass die Anzahl der männlichen Erzieher zuletzt lediglich von 2,4 auf 2,7 Prozent gestiegen ist? Für die Bundesregierung ist das Erreichen der 20-Pro- zent-Marke ein mittel- bis langfristiges Ziel. Erfahrungen aus Norwegen zeigen, dass es eines lan- gen konsequenten Handelns bedarf, um eine Erhöhung des Männeranteils in Kitas zu erreichen. Es hat dort gut 1 1 A d F (D n b E n – – – (C (D 2 Jahre gebraucht, bis ein Anteil von durchschnittlich 0 Prozent Männern in Kitas erreicht wurde. nlage 11 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die rage des Abgeordneten Stefan Schwartze (SPD) rucksache 17/7411, Frage 13): Wie sieht die Finanzplanung der Bundesregierung für die Umsetzung dieser Zielmarke aus, und sind über die ESF-Mit- tel hinaus weitere Maßnahmen und Investitionen der Bundes- regierung geplant, um mehr Männer zu Erziehern ausbilden zu lassen? Für Maßnahmen, die dem Programm „MEHR Män- er in Kitas“ zuzurechnen sind, hat die Bundesregierung is 2014 Finanzmittel in Höhe von circa 15,3 Millionen uro eingeplant. Hieraus werden eine Reihe unterschiedlicher Maß- ahmen finanziert: Im Rahmen des ESF-Modellprogramms „MEHR Männer in Kitas“ erproben 16 Träger und Trägerver- bünde aus 13 Bundesländern unterschiedliche Kon- zepte, um das Interesse von Jungen und Männern am Beruf des Erziehers zu wecken, sie bei der Entschei- dung für den Erzieherberuf zu unterstützen, die Per- spektiven für Männer (und Frauen) in den Kinderta- geseinrichtungen zu verbessern und die Männer zum Verbleib im Beruf zu bewegen. 1 300 Kindertagesstätten sind in die Modellprojekte einbezogen. Laufzeit des Programms: 1. Januar 2011 bis 31. De- zember 2013 Finanzvolumen: 13,2 Millionen Euro Förderung durch den Europäischen Sozialfonds: 7,5 Millionen Euro Die Kofinanzierung erfolgt aus nationalen Mitteln: 5,7 Millionen Euro Seit Januar 2010 wird an der Katholischen Hoch- schule für Sozialwesen Berlin die Koordinationsstelle „Männer in Kitas“ gefördert. Sie hat die Aufgabe, ge- meinsam mit Verantwortlichen aus Politik und Praxis den Anteil männlicher Fachkräfte in Kitas spürbar zu steigern. Sie koordiniert auch das ESF-Modellpro- gramm „MEHR Männer in Kitas“. Förderzeitraum 2010 bis 2012 Fördervolumen: 1,06 Millionen Euro Im September 2012 wird eine internationale Fachta- gung zum Thema „Männer in Kitas“ ausgerichtet, auf der erste Erfahrungen zur gleichstellungspolitischen Gesamtstrategie „Männer in Kitas“ auf europäischer Ebene mit Experten und Expertinnen diskutiert wer- den sollen. Fördervolumen: 125 000 Euro Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16049 (A) ) )(B) – Im Rahmen der Tandem-Studie zu männlichen und weiblichen Erziehern in Kindertagesstätten geht die Evangelische Hochschule Dresden der Frage nach, ob und wie sich Erzieherinnen und Erzieher in der kon- kreten pädagogischen Praxis von Kindertageseinrich- tungen unterscheiden. 2013 werden die Ergebnisse vorliegen. Fördervolumen: 253 000 Euro – Bei dem „Quereinsteigerprogramm – Männer in Ki- tas“ wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Integra- tion berufserfahrener Männer in den Erzieherberuf gelegt. Ziel dieses Quereinsteigerprogramms ist es, die Bun- desländer für die Einrichtung von Quereinstiegsoptio- nen in die Ausbildung zum Erzieher zu motivieren, bzw. bei dessen Ausweitung zu unterstützen. Um das gesteckte Ziel erreichen zu können, ist eine Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit vereinbart. Anlage 12 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Frage der Abgeordneten Monika Lazar (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 14): Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung in ihrer frauen- und geschlechterpolitischen Arbeit aus der Ankündi- gung der Dax-30-Unternehmen, freiwillige und individuelle Frauenquoten einzuführen, vor allem angesichts der unter- schiedlichen Auffassungen der zuständigen Bundesministe- rinnen? Die Bundesregierung erkennt die Anstrengungen der Dax-30-Unternehmen an. Die Unternehmen haben ge- zeigt, dass sie hinter dem Ziel stehen, faire Chancen von Frauen auf Spitzenpositionen zu fördern. Die unterneh- mensinterne Verständigung auf diese individuellen Ziele, hat in den Unternehmen wichtige Diskussionen in Gang gesetzt, welche Strukturen mit Blick auf faire Chancen für Frauen verändert werden müssen. Die Bundesregierung hält den Ansatz der Dax-30-Un- ternehmen, Talente von der Basis her zu entwickeln, für einen der möglichen Wege zur Verbesserung der Reprä- sentanz von Frauen in Führungspositionen. Sie sieht aber auch, dass die Zielvereinbarungen innerhalb der Unternehmen die obersten Führungsetagen von Vorstand und Aufsichtsrat nicht erfassen, obwohl für diese Ebene großer Handlungsbedarf besteht. Deshalb wird sich die Bundesregierung weiter dafür einsetzen, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhö- hung des Anteils von Frauen in Vorständen und Auf- sichtsräten zu erreichen. Die Meinungsbildung innerhalb der Bundesregierung, wie dieses Ziel zu erreichen ist, ist noch nicht abgeschlossen. A d F D m p p m s F b s g a z d a g z F – – – A d F s v F b n d (C (D nlage 13 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die rage der Abgeordneten Monika Lazar (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 15): Hat die Bundesregierung nach der Vorlage des Bundes- gleichstellungsberichts eine Umsetzungsstrategie im Sinne der Lebenslaufperspektive entwickelt, die auf diese uneinheit- lichen Regelungen reagieren kann? Der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung acht deutlich, dass das Thema Frauen in Führungs- ositionen – wie in anderen Fällen der Gleichstellungs- olitik auch – einen integrativen Ansatz notwendig acht, um die komplexen und vielfach miteinander ver- chränkten Ursachen der mangelnden Repräsentanz von rauen in Führungspositionen zu überwinden. Die Le- enslaufdynamiken müssen dabei konsequent berück- ichtigt werden. Die Bundesregierung beschränkt sich – auch als Er- ebnis des Gleichstellungsberichtes – nicht darauf, sich uf die Ebene der Vorstände und Aufsichtsräte zu kon- entrieren. Allerdings sind erhebliche Auswirkungen auf ie Unternehmenskultur zu erwarten, wenn mehr Frauen uf Vorstands- und Aufsichtsratsebene wirken werden. Die Bundesregierung wird mit Blick auf Erwerbsbio- rafien und Karrierepfade umfassend an den Vorausset- ungen für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in ührungspositionen arbeiten. Dazu zählt vor allem: die weitere Verbesserung der Vereinbarkeit von Fami- lie und Beruf (damit ist auch Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gemeint); die Entwicklung einer lebensereignisorientierten Per- sonalpolitik zur Unterstützung einer frauen- und fa- milienbewussten Unternehmenskultur; bestehende Barrieren zu analysieren und Handlungs- empfehlungen, zum Beispiel zur Vermeidung von Karrierebrüchen aufgrund von Familie, zu entwi- ckeln. nlage 14 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die rage der Abgeordneten Caren Marks (SPD) (Druck- ache 17/7411, Frage 16): Wie wird der Begriff „Führungsposition“ in den jeweili- gen Dax-30-Unternehmen definiert, die sich am 17. Oktober 2011 mit der Bundesregierung zur Erhöhung des Frauen- anteils trafen, und unterscheiden sich diese bei den einzelnen Unternehmen (wenn ja, bitte Unterschiede darlegen)? Die Dax-30-Unternehmen haben sich mit der Selbst- erpflichtung dazu bekannt, die Förderung der Frauen in ührungspositionen in ihren Unternehmen weiter auszu- auen. Die Zielvorgaben unterscheiden sich dabei sowohl ach Höhe als auch nach Basisgröße. Es fehlt aufgrund er jeweils spezifisch und individuell unterschiedlichen 16050 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Rahmenbedingungen und Strukturen der Unternehmen an einer einheitlichen Definition des Begriffs „Füh- rungsposition“. Jedes Unternehmen hat die im eigenen Unternehmen eingeführte Begrifflichkeit zugrunde ge- legt. Anlage 15 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Frage der Abgeordneten Caren Marks (SPD) (Druck- sache 17/7411, Frage 17): Welche konkrete Zielvorgabe hat sich jedes einzelne der Dax-30-Unternehmen gegeben (bitte Auflistung der Unter- nehmen und Benennung der jeweiligen prozentualen Zielvor- gabe), und wie bewertet die Bundesregierung diese Zielanga- ben? Die Unternehmen haben sich jeweils individuelle und konkrete Ziele – wie bereits erwähnt – gegeben. Die Un- ternehmen bekennen sich damit zur Erhöhung des An- teils von Frauen in Führungspositionen. Die Liste mit den einzelnen Zielvorgaben, die den Ministerinnen am 17. Oktober vonseiten der Personal- vorstände der Dax 30 übergeben wurde, wird Ihnen zu- geleitet. Alle Unternehmen – unabhängig von der jeweiligen Branche – haben sich zweistellige Zielvorgaben gege- ben. Alle Zielvorgaben basieren auf Vorstandsbeschlüs- sen der Unternehmen, eine jährliche Fortschrittsbericht- erstattung ist von den Unternehmen angekündigt. Die Bundesregierung hält den Ansatz der Dax-30- Unternehmen, Talente von der Basis her zu entwickeln, für einen der möglichen Wege zur Verbesserung der Re- präsentanz von Frauen in Führungspositionen. Sie sieht aber auch, dass die Zielvereinbarungen innerhalb der Unternehmen die obersten Führungsetagen von Vorstand und Aufsichtsrat nicht erfassen, obwohl für diese Ebene großer Handlungsbedarf besteht. Die endgültige Bewertung der Zielvereinbarung steht noch aus – von besonderem Interesse wird es sein zu be- obachten, ob die Unternehmen die selbst gesetzten Ziele auch tatsächlich erreichen. Mit ihrer Politik hat die Bundesregierung erkennbar zu erheblichen Fortschritten aufseiten der Unternehmen beigetragen. Die Bundesregierung wird weiterhin alle notwendigen Maßnahmen für eine signifikante Verbes- serung des Anteils von Frauen in Führungspositionen er- greifen. Anlage 16 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die Frage des Abgeordneten Dr. Anton Hofreiter (BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 20): Wie muss ein Bahnübergang gesichert werden, wenn auf- grund einer Baumaßnahme die Schranke an einem üblicher- weise beschrankten Bahnübergang außer Betrieb genommen B a B g d b P z ß te z E h s z A d F N im g R s b te fa K A d F D g (C (D wird, und findet die Bundesregierung es ausreichend, wenn der Übergang nur von Posten mithilfe von Flatterbändern und einer Leuchte gesichert wird, die gerade in den Nachtstunden von Autofahrern leicht übersehen werden können, weil sie mit hellem rotem Blinklicht rechts und links der Straße rechnen, wenn ein Zug kommt, und sie über die Änderung der Rege- lung am Bahnübergang bei der Annäherung nicht rechtzeitig zum Beispiel durch auffällige Hinweistafeln warnend hinge- wiesen werden? Gemäß § 11 Abs. 11 der Eisenbahn-Bau- und etriebsordnung ist die Sicherung durch Posten allen nderen in § 11 Abs. 6 bis 10 der Eisenbahn-Bau- und etriebsordnung genannten Sicherungsmaßnahmen leichwertig. Bei Ausfall der technischen Sicherung ist ie Sicherung durch Posten gemäß § 11 Abs. 19 Eisen- ahn-Bau- und Betriebsordnung vorgeschrieben. Der osten hat die Wegebenutzer so lange durch Zeichen an- uhalten, bis das erste Eisenbahnfahrzeug etwa die Stra- enmitte erreicht hat. Die Anzahl der eingesetzten Pos- n und die Art der Sicherungsmittel, insbesondere auch ur Berücksichtigung der Sichtverhältnisse, hat das isenbahninfrastrukturunternehmen in seiner Sicher- eitsverantwortung gemäß § 4 Abs. 1 Allgemeines Ei- enbahngesetz den Notwendigkeiten des Einzelfalls an- upassen. nlage 17 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die rage des Abgeordneten Dr. Anton Hofreiter (BÜND- IS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 21): Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Sachstand bei der Änderung der Verordnung über die Interoperabilität des transeuropäischen Eisenbahnsystems, Transeuropäische- Eisenbahn-Interoperabilitätsverordnung, TEIV, und wann ist aus Sicht der Bundesregierung damit zu rechnen, dass das Zu- lassungsverfahren für Eisenbahnfahrzeuge standardisiert wird? Der Verordnungsentwurf der TEIV hinsichtlich der Handbuch Eisenbahnfahrzeuge durch die Arbeits- ruppe „Optimierung Fahrzeugzulassung“ erarbeiteten egelungen und Prozesse für die Herstellung und Zulas- ung von Eisenbahnfahrzeugen von der Ausschreibung is zur Inbetriebnahme ist weitestgehend unter den be- iligten Akteuren abgestimmt. Das Rechtsetzungsver- hren zur Umsetzung dieser Empfehlungen wird in ürze eingeleitet. nlage 18 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die rage der Abgeordneten Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 22): Welche Berechnungen zur Verkehrsentwicklung und wel- che Annahmen insbesondere für die Entwicklung der Flug- gastzahlen des Flughafens Hahn liegen dem Kosten-Nutzen- Verhältnis von 1,8 zugrunde, das für die Entscheidung für den Bau der B 50 neu zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich (A 1/A 60) und Longkamp (B 50 alt) maßgeblich war? Bei der Ermittlung des in der mündlichen Frage enannten Nutzen-Kosten-Verhältnisses, NKV, von Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16051 (A) ) )(B) 1,8 wurde die Bewertung auf der Grundlage der im Auf- trag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erstellten „Prognose der deutschland- weiten Verkehrsverflechtungen 2025“ mit rund 13 000 Fz/24 h angesetzt. Dabei geht man von circa 3 000 Be- schäftigten auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn sowie rund 4 Millionen Passagiere pro Jahr aus. Diese Pro- gnose basiert auf einer großräumigen deutschlandweiten Betrachtung. Ergänzend weise ich darauf hin, dass im Auftrag der Straßenbauverwaltung Rheinland-Pfalz eine Verkehrs- untersuchung für den Abschnitt der Bundesstraße B 50 neu zwischen Wittlich und Longkamp im Jahr 2009 ak- tualisiert wurde. Die Prognoseverkehrsbelastung im Be- reich des Hochmoselübergangs liegt bei rund 25 100 Fz/ 24 h, wenn die für den Raum maßgebenden Entwicklun- gen durch den Flughafen Frankfurt-Hahn und die Aus- weitung von Gewerbeflächen eintreffen. Unter diesen positiven Voraussetzungen beträgt das ermittelte NKV 3,1. Anlage 19 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die Frage der Abgeordneten Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 23): Ab welchem Verkehrsbedarf geht das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung von einem volkswirt- schaftlichen Nutzen aus? Folgende Bewertungskomponenten werden als Pro- jektnutzen bei der Ermittlung des NKVs berücksichtigt: Verbilligung von Beförderungsvorgängen, Erhaltung der Verkehrswege, Erhöhung der Verkehrssicherheit, Ver- besserung der Erreichbarkeit von Fahrzielen, räumliche Vorteile, Entlastung der Umwelt, Wirkung des induzier- ten Verkehrs, verbesserte Anbindung von See- und Flug- häfen, Erfüllung verkehrsfremder Funktionen. Da das dargelegte Bewertungsverfahren zur Ermitt- lung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses aus unterschied- lichen Bewertungskomponenten besteht und die Ver- kehrsbelastung nur eine dieser Einflussgrößen darstellt, lässt sich die Frage nicht eindeutig beantworten. Im Übrigen wird auf die „Gesamtwirtschaftliche Bewertungsmethodik der Bundesverkehrswegeplanung 2003“ im Internet verwiesen. Anlage 20 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die Frage der Abgeordneten Bettina Herlitzius (BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 24): Was versteht das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unter einer solide ausgestatteten Städte- bauförderung, so von dem Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Andreas Scheuer beim Nationalen Stadtentwicklungskon- gress am 12. Oktober 2011 in Kassel geäußert? Es ist ein langfristiges Anliegen des Bundes, die Städte und Gemeinden aktiv bei ihren städtebaulichen A b K 4 d h re d v b a S g re n B A d F s b g in z b u u u W a te v re d s k n fü A d F s (C (D npassungsprozessen zu unterstützen, unter anderem eim demografischen, wirtschaftlichen, sozialen und limawandel. Im aktuellen Programmjahr 2011 stehen insgesamt 55 Millionen Euro Bundesmittel für die Städtebauför- erung zur Verfügung. Für das Jahr 2012 ist trotz der aushaltsmäßigen Konsolidierungserfordernisse zur Er- ichung der neuen verfassungsrechtlichen Verschul- ungsregeln vorgesehen, mit einem Programmvolumen on 410 Millionen Euro alle Programme der Städte- auförderung fortzusetzen. Hierbei ist auch eine Wieder- ufstockung und inhaltliche Erweiterung des Programms oziale Stadt eingeplant. Auch für die Zukunft möchte der Bund nach Maß- abe seiner Finanzkraft und seiner finanzverfassungs- chtlichen Zuständigkeiten den Ländern und Kommu- en weiterhin als verlässlicher Partner bei der ewältigung städtebaulicher Probleme zur Seite stehen. nlage 21 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die rage des Abgeordneten Gustav Herzog (SPD) (Druck- ache 17/7411, Frage 25): Mit welchen durchschnittlichen Baukosten ist für einen Kilometer Autobahn in Deutschland im Vergleich zu Frank- reich und den Niederlanden zu rechnen, und wie erklärt die Bundesregierung die Unterschiede (bitte tabellarisch unter- gliedert in Neubau, Ersatzneubau und Unterhaltung)? Die Kosten für den Bau von einem Kilometer Auto- ahn in Deutschland sind sehr unterschiedlich und bewe- en sich im Bereich zwischen 7 und 20 Millionen Euro, besonderen Fällen in städtischen Bereichen auch bis u 100 Millionen Euro. Diese großen Unterschiede ha- en vielfältige Gründe wie Topografie und Lage, Anzahl nd Größe der Ingenieurbauwerke, Bodenbeschaffenheit sw. sowie nicht zuletzt auch Folgekosten für Umwelt nd Naturschutz. Deshalb kann nicht gesagt werden: enn Autobahn A soviel kostet, kostet Autobahn B uch soviel. Dies gilt ebenso für Ersatzneubau- oder Un- rhaltungsmaßnahmen. Da nicht einmal die Kosten innerhalb Deutschlands ergleichbar sind, ist erst recht kein Vergleich mit ande- n Ländern ohne vertiefte Analysen möglich. Ob verlässliche internationale Vergleichzahlen für en Bau von Autobahnen ermittelbar sind, lässt die zu- tändige Fachabteilung des Bundesministeriums für Ver- ehr, Bau und Stadtentwicklung gegenwärtig durch ei- en externen Gutachter untersuchen. Ergebnisse werden r das Frühjahr 2012 erwartet. nlage 22 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Andreas Scheuer auf die rage des Abgeordneten Gustav Herzog (SPD) (Druck- ache 17/7411, Frage 26): Ist die Bundesregierung der gleichen Meinung wie der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion der FDP, Patrick 16052 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Döring, der in der Zeit vom 28. Juli 2011 zum Thema Pkw- Maut und Straßenfinanzierung behauptete, kein Land baue „so teuer wie wir“, und sieht die Bundesregierung einen Zu- sammenhang zwischen den höheren Kosten für den Ausbau- standard der Bundesautobahnen und der zulässigen Höchstge- schwindigkeit? Nein. – Die Bundesregierung sieht sich – im Einklang mit einer EU-Initiative – dem Ziel verpflichtet, die Zahl der Getöteten auf den Straßen in Deutschland bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. In diesem Sinne wird mit dem „Ausbaustandard“ der Bundesautobahnen unter Berücksichtigung wirtschaftli- cher Aspekte ein möglichst sicherer und leistungsfähiger Verkehrsablauf angestrebt. Planung und Entwurf der Au- tobahnen erfolgen dabei regelmäßig auf der Grundlage technischer Regelwerke, nach denen sich insbesondere die technische Ausstattung zum Beispiel mit passiven Schutzeinrichtungen und ausreichend breiten Seiten- streifen richtet und die das sichere Befahren mit Richtge- schwindigkeit gewährleisten. Anlage 23 Antwort der Parl. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser auf die Frage des Abgeordneten Andrej Hunko (DIE LINKE) (Drucksache 17/7411, Frage 29): Auf welche Art und Weise nehmen deutsche Behörden so- wie sonstige deutsche Institutionen mit Sicherheitsexperten oder Nuklearexperten an der „Ad Hoc Group on Nuclear Security“ teil, die eine Unterarbeitsgruppe der Ratsarbeits- gruppe Atomic Questions Group, AQG, ist und Stresstests bei Atomanlagen hinsichtlich etwaiger Flugzeugabstürze, Cyber- attacken und terroristischer bzw. böswilliger Anschläge (Pres- seerklärung Kommission, IP/11/640, 25. Mai 2011) vorberei- tet und durchführt, und Vertreter welcher Behörden und Nichtregierungsorganisationen bzw. Wissenschaftler sollen wie geplant (Europäische Kommission, MEMO/11/339, 25. Mai 2011) in Public Seminars auf nationaler wie auf EU- Ebene eingeladen werden? Die Gruppe der Leiter der atomrechtlichen Behörden in Europa, die ENSREG, European Nuclear Safety Re- gulators Group, und die Europäische Kommission haben sich im Mai 2011 zu den Einzelheiten eines umfassen- den europäischen Stresstests geeinigt. Dieser EU-Stress- test umfasst sowohl den Bereich Sicherheit als auch den Bereich Sicherung. Für den Bereich der Sicherung wurde die „Ad Hoc Group on Nuclear Security“, AHGNS, eingerichtet. Das für die Sicherung kerntechni- scher Anlagen zuständige Fachreferat des Bundesminis- teriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ist offizieller Ansprechpartner und Mitglied der Gruppe. Abhängig von der jeweiligen Thematik werden die zu- ständigen Behörden oder Experten beteiligt. Insbeson- dere gilt dies auch für das Bundesministerium des Innern und seinen Geschäftsbereich. Die AHGNS wird für den Gesamtbericht der Kommission einen Beitrag zur nu- klearen Sicherung erarbeiten. In Bezug auf den Teilneh- merkreis der durch die ENSREG, European Nuclear Safety Regulators Group, in ihrer Erklärung vom 25. Mai 2011 angeratenen öffentlichen Seminare wurde bislang, soweit bekannt, noch keine weitere Festlegung getroffen. Es ist derzeit auch noch nicht ersichtlich, ob u e A d F N ta g k B re h n A d F N A tu 2 n E A d g D (C (D nd inwieweit der Bereich Sicherung des EU-Stresstests benfalls in diesen Seminaren thematisiert werden wird. nlage 24 Antwort er Parl. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser auf die rage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (BÜND- IS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 30): Welcher/welchen Bundesbehörde/Bundesbehörden liegen die beiden Dokumente vor, auf die sich die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bünd- nis 90/Die Grünen auf Bundestagsdrucksache 17/1386 bei der Beantwortung der Frage 4 gestützt hat (Protokoll des nieder- sächsischen Oberbergamtes vom 24. Juni 1997 zu dessen Be- sprechung mit Vertretern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 11. März 1997 sowie das Fax zur Verein- barung dieser Besprechung)? Es wird auf die Antwort zur Frage Nr. 4 der Bundes- gsdrucksache 17/1386 verwiesen. Nach gegenwärti- em Recherchestand wurden die beiden genannten Do- umente nicht in den Aktenbestand einer undesbehörde übernommen. Eine vollständige Akten- cherche bei allen in Betracht kommenden Bundesbe- örden war bis zur Fragestunde am 26. Oktober 2011 icht möglich. nlage 25 Antwort er Parl. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser auf die rage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (BÜND- IS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 31): Hat sich der Abteilungsleiter RS im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, BMU, Gerald Hennenhöfer, im Frühjahr/Sommer 2010 persönlich mit Bruno Thomauske im BMU zum Sachverhalt des damals bevorstehenden BMU-Auftrags für die vorläufige Sicherheits- analyse Gorleben,VSG, getroffen (bitte mit Angabe des Da- tums), und war an diesem Treffen auch das für die VSG zu- ständige BMU-Referat beteiligt? Es hat Gespräche zwischen Dr. Thomauske und der rbeitsebene des Bundesministeriums für Umwelt, Na- rschutz und Reaktorsicherheit im Frühjahr/Sommer 010 gegeben. Es waren informelle Gespräche zur Mei- ungsbildung über die weitere Vorgehensweise bei der ndlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle. nlage 26 Antwort er Parl. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser auf die Fra- en des Abgeordneten Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Fragen 32 und 33): Wie viele Unternehmen profitieren aktuell von der beson- deren Ausgleichsregelung des Erneuerbare-Energien-Geset- zes, und mit wie vielen begünstigten Unternehmen rechnet die Bundesregierung auf Grundlage des ab 2012 gültigen Erneu- erbare-Energien-Gesetzes? Hat die Bundesregierung prüfen lassen, ob die Erweite- rung des Kreises der Begünstigten im Rahmen der besonderen Ausgleichsregelung im Kontext der Novelle des Erneuerbare- Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16053 (A) ) )(B) Energien-Gesetzes kompatibel zu dem europäischen Beihilfe- recht ist, und, falls ja, ist die Bundesregierung bereit, die ihr vorliegende Expertise dem Parlament zur Verfügung zu stel- len? Zu Frage 32: Im Bescheidverfahren für das Jahr 2011 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhr- kontrolle 800 Begrenzungsbescheide erteilt. Diese Be- scheide beziehen sich nicht auf Unternehmen, sondern auf Abnahmestellen der betroffenen Unternehmen. Be- günstigt wurden damit 592 Unternehmen (543 Unterneh- men des produzierenden Gewerbes und 49 Schienenbah- nen). Wie viele Unternehmen vom Jahr 2013 an von den im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2012 vorgenom- menen Änderungen der Besonderen Ausgleichsregelung profitieren werden, kann bislang nur sehr überschlägig abgeschätzt werden. Grund hierfür ist, dass keine detail- lierten Daten zum Stromverbrauch und insbesondere zur Stromintensität der potenziellen neuen Antragsteller vor- liegen. Abschätzungen für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im Zuge der Beratungen zum EEG 2012 hatten kurz- und mittelfristig eine Verdreifachung der bisherigen Antrags- zahlen gegenüber 2010 (rund 650) für möglich gehalten, ganz überwiegend durch neue Antragsteller. Der zu erwartende Anstieg der Antragszahlen erlaubt allerdings keinen Rückschluss auf den zu erwartenden Anstieg der begünstigten Strommenge, weil es bei den neuen Antragstellern um weitaus geringere Strommen- gen geht als bei den bisherigen Antragstellern. Zu Frage 33: Zur wissenschaftlichen Vorbereitung und Unterstüt- zung des EEG-Erfahrungsberichts 2011 hat das BMU insgesamt neun Vorhaben vergeben, die sich mit den un- terschiedlichen Aspekten des EEG und dem Ausbau der erneuerbaren Energien im Strombereich befassen. Dabei wurden in einem Vorhaben die europarechtlichen Gren- zen der Besonderen Ausgleichsregelung überprüft. Es wurde festgestellt, dass das Beihilferecht nach Art. 107 ff. AEUV (ex-Art. 87 ff. EGV) nicht anwendbar ist. Hieran ändert sich auch durch Erweiterung des Kreises der Be- günstigten nichts. Das Gutachten wurde durch das BMU veröffentlicht. Es kann unter http://www.erneuerbare- energien.de/inhalt/47459/47476/ heruntergeladen werden. Anlage 27 Antwort der Parl. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser auf die Frage des Abgeordneten Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 34): Wie bewertet die Bundesregierung den Entwurf der aktuell von der Europäischen Kommission vorgelegten Treib- stoffqualitätsrichtlinie, und begrüßt die Bundesregierung das hieraus resultierende faktische Importverbot für Erdöl und Erdölprodukte aus Teersanden und Ölschiefer? s K s A d F s Z T h n g „ in d „ s tu P S n d b in v n Z p s li S je te g s d 2 2 2 2 (C (D Zum vorgelegten Entwurf der Europäischen Kommis- ion zur Konkretisierung der Regelungen von Art. 7a der raftstoffqualitätsrichtlinie gibt es noch keine abge- timmte Haltung der Bundesregierung. nlage 28 Antwort er Parl. Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser auf die ragen des Abgeordneten Ulrich Kelber (SPD) (Druck- ache 17/7411, Fragen 35 und 36): Wie viele Personen arbeiteten, aufgeschlüsselt nach den Standorten Bonn und Berlin, jeweils am 1. Januar 2008, 1. Ja- nuar 2009, 1. Januar 2010 und 1. Januar 2011 für das Bundes- ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, BMU (Beamte, Angestellte, Arbeiter, befristet Beschäftigte, in das BMU Beurlaubte)? Wie vielen Vollzeitäquivalenten entsprechen die Zahlen, bitte gleiche Aufschlüsselung? u Frage 35: Durch den am 1. Oktober 2005 in Kraft getretenen arifvertrag für den öffentlichen Dienst wurde ein ein- eitliches Tarifrecht für Arbeitnehmerinnen und Arbeit- ehmer im öffentlichen Dienst geschaffen, das die Be- riffe „Angestellte“ und „Arbeiter“ durch den Begriff Tarifbeschäftigte“ ersetzt; dieser Rechtsänderung wird der Antwort Rechnung getragen; es wird unterstellt, ass mit den ins „Umweltministerium Beurlaubten“ die in das Bundesumweltministerium abgeordneten“ Be- chäftigten gemeint sind. Die Zahl der im Bundesministerium für Umwelt, Na- rschutz und Reaktorsicherheit, BMU, beschäftigten ersonen hat sich von 2008 bis 2011 an den beiden tandorten Bonn und Berlin jeweils zum Stichtag 1. Ja- uar wie folgt entwickelt: Eine exakte Aufschlüsselung der Zahlen, insbeson- ere für Beamtinnen und Beamte bzw. unbefristete Tarif- eschäftige, ist nicht möglich, weil entsprechende Daten elektronischen Personalorganisationssystemen nicht orgehalten bzw. zum Teil auch aus Datenschutzgründen icht langfristig gespeichert werden. Entsprechende ahlen lassen sich lediglich aus den bekannten Einzel- länen des Haushalts unter Berücksichtigung von Plan- tellen, Ersatzplanstellen und Leerstellen sowie abzüg- ch der zum 1. Januar eines Jahres bewilligten neuen tellen, die am 1. Januar noch nicht besetzt sind, und der weiligen Beurlaubungen berechnen; dabei können un- r anderem neue Stellen und Beurlaubungen – aus den enannten Gründen – nur pauschal, nicht „standort- charf“, Berücksichtigung finden. Auf Grundlage einer solchen Betrachtung ergibt sich, ass 2011 die Anzahl der im BMU beschäftigten Perso- 008 Bonn 562 = 66 % Berlin 289 = 33 % 009 Bonn 584 = 66,1 % Berlin 299 = 32,9 % 010 Bonn 557 = 62,4 % Berlin 335 = 37,6 % 011 Bonn 531 = 62,2 % Berlin 322 = 37,8 % 16054 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) nen in etwa wieder der Zahl der Beschäftigten von 2008 entspricht. Dabei ist allerdings die Zahl der Beamtinnen und Beamten in Bonn leicht gesunken. Gleichzeitig hat die Zahl der Beamtinnen und Beamten in Berlin entspre- chend zugenommen. Diese Tendenz ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Erweiterung der Zustän- digkeiten des BMU in der 15. und 16. Wahlperiode ins- besondere am Standort Berlin erfolgte und überwiegend mit befristeten Beschäftigten geschultert wurde; erst jetzt wird dies teilweise stellenwirtschaftlich nachge- zeichnet, während im Übrigen in vielen anderen Aufga- bengebieten weiterhin Stellen zu kürzen sind. Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass vom 1. Januar 2008 bis zum 1. Januar 2010, dieser Stichtag spiegelt ausschließlich die noch in der vorigen Wahlpe- riode getroffenen stellenwirtschaftlichen Entscheidun- gen wider, der Anteil der Berlin-Beschäftigten von 33 Prozent auf 37 Prozent erhöht wurde. Erst seit Beginn der laufenden Wahlperiode konnte die Berlin-Quote konstant bei 37 Prozent gehalten und damit der in den beiden letzten Wahlperioden entstandene Trend zur Er- höhung des Berlin-Anteils gestoppt werden. Zu Frage 36: Eine Betrachtung nach Vollzeitäquivalenten ergibt für die beiden Standorte Bonn und Berlin jeweils zum Stich- tag 1. Januar von 2008 bis 2011 Folgendes: Eine Aufschlüsselung nach Beamtinnen und Beam- ten, Tarifbeschäftigten etc. ist aus den oben bereits genannten tatsächlichen und rechtlichen Gründen nicht – hier auch nicht näherungsweise – möglich. Für die Standortfrage wäre eine solche Verteilung allerdings auch nicht aussagefähig, da insbesondere die Dauerbe- schäftigten in der Regel über ganze Stellen verfügen und eine Reduktion der Arbeitszeit nicht aus organisatori- schen Gründen erfolgt, sondern auf Antrag der Beschäf- tigten, um zum Beispiel eine erhöhte Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erreichen. Anlage 29 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Fragen der Abgeordneten Ulla Burchardt (SPD) (Drucksache 17/7411, Fragen 37 und 38): Wie stellen sich die Mittelabflüsse im Programm „Chan- cengerechtigkeit in Bildung und Forschung“ für Frauen dar? Wie beurteilt die Bundesregierung diesen Mittelabfluss, und worin sieht sie die Ursachen hierfür? Z „ fü 2 v h 1 1 re h T 7 g a h s E b B 2 M d Z T C s S ja ti A g P A d d 1 s m V ri „ fü m W 2008 Bonn 447 = 63,9 % Berlin 252 = 36,1 % 2009 Bonn 507 = 75,6 % Berlin 163 = 24,4 % 2010 Bonn 487 = 61,8 % Berlin 300 = 38,2 % 2011 Bonn 485 = 62,5 % Berlin 291 = 37,5 % (C (D u Frage 37: Gemäß Haushaltsplan stehen im Titel 3003/68507 Strategien zur Durchsetzung von Chancengerechtigkeit r Frauen in Bildung und Forschung“ im Haushaltsjahr 011 23 Millionen Euro zur Verfügung. Darüber hinaus erfügt der Titel gemäß Maßgabebeschluss des Haus- altsausschusses des Deutschen Bundestags vom 1. November 2010 über zusätzliche Mittel in Höhe von ,7 Millionen Euro, die über die Bildung von Ausgabe- sten im Haushaltsjahr 2010 den Ansatz für das Haus- altsjahr 2011 entsprechend erhöhen. Bezogen auf den itelansatz sind mit Stand 21. Oktober 2011 rund 7 Prozent (= 17,7 Millionen Euro) planmäßig veraus- abt worden. Das Festlegungsvolumen des Titels beträgt ufgrund der zusätzlich zum Ansatz zur Verfügung ste- enden ESF-Mittel 27,7 Millionen Euro. Von diesem Ge- amtbewilligungsvolumen wurden bereits 27,2 Millionen uro gebunden (dies entspricht 98,2 Prozent der verfüg- aren Mittel und prozentual zum Ansatz 118,3 Prozent). is zum Jahresende werden neben dem Ansatz von 3 Millionen Euro zusätzlich – gemäß oben genanntem aßgabebeschluss – die freigegebenen Restmittel aus em Haushaltsjahr 2010 vollständig verausgabt. u Frage 38: Die Bundesregierung ist mit dem Mittelabfluss des itels 3003/68507 „Strategien zur Durchsetzung von hancengerechtigkeit für Frauen in Bildung und For- chung“ im Haushaltsjahr 2011 zufrieden. Der Gesamtmittelabfluss des Epl. 30 betrug Ende eptember 68 Prozent. Dies ist im Vergleich zum Vor- hresmonat überdurchschnittlich. Einzelne Haushalts- tel unterliegen unterjährig einer sehr verschiedenen bflussdynamik. Daher stellt deren Mittelabfluss kein eeignetes Bewertungskriterium für den Erfolg einzelner rogramme des BMBF dar. nlage 30 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Frage es Abgeordneten Michael Gerdes (SPD) (Drucksache 7/7411, Frage 39): Welche Schlussfolgerungen zieht das Bundesministerium für Bildung und Forschung aus der Sondierungsstudie „Ge- zielte Eingriffe in das Klima?“, und welche weiteren Schritte plant die Bundesregierung beim Thema Geo-/Climate Engi- neering? Für das Bundesministerium für Bildung und For- chung haben Klimaschutz und Anpassung an nicht ehr zu vermeidende Klimaveränderungen eindeutig orrang gegenüber Maßnahmen des Climate Enginee- ng. Diese Vorsorge entspricht dem Verständnis einer Forschung für Nachhaltigkeit“ des Bundesministeriums r Bildung und Forschung. Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass Cli- ate Engineering zunächst weiter und genauer auf seine irkungen und insbesondere auch mögliche Risiken Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16055 (A) ) )(B) durchleuchtet werden soll. Hier geht es darum, unsere Bewertungskompetenz zu diesem Thema zu erhöhen. In diesem Sinne sollte Forschung zu Climate Engi- neering inhaltlich und disziplinär umfassend angelegt sein. Gefragt ist hier nicht nur eine naturwissenschaftli- che Theorie- und Modellentwicklung – zum Beispiel komplexe Wechselwirkungen im Erd- und Klimasystem. Zu bearbeiten sind insbesondere auch sozioökonomische Fragen – Akzeptanzfragen, gesellschaftliche Prozesse, internationales Konfliktpotenzial. Die Bundesregierung wird das Thema Climate Enginee- ring in den entsprechenden nationalen und internationalen Diskussionen aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten. Es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse der Sondierungsstudie Eingang in die in- ternationale wissenschaftliche Diskussion finden wer- den. Anlage 31 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Frage des Abgeordneten Michael Gerdes (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 40): Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes in der Rechts- sache C-34/10 Oliver Brüstle gegen Greenpeace e. V. vom 18. Oktober 2011, und plant die Bundesregierung in Reaktion auf dieses Urteil eine Veränderung der Förderrichtlinien für Projekte mit embryonalen Stammzellen? Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil vom 18. Oktober 2011 eine wichtige Auslegungsfrage der EU-Biopatentrichtlinie verbindlich geklärt und damit EU-weit Rechtssicherheit im Hinblick auf die Patentie- rung von Erfindungen unter Verwendung humaner em- bryonaler Stammzellen hergestellt. Das vom Bundesge- richtshof auf der Grundlage der EuGH-Entscheidung zu fällende Urteil über den Rechtsbestand des Patents von Professor Brüstle bleibt abzuwarten. Anlass für patent- rechtliche Konsequenzen oder eine Veränderung der Förderrichtlinien wird nicht gesehen. Anlage 32 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Fragen des Abgeordneten Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Fragen 41 und 42): Wie hoch sind die Abbrecherquoten von Auszubildenden, bitte aufschlüsseln nach Auszubildenden mit und ohne Migra- tionshintergrund, nach Geschlecht, nach Schulabschluss, nach Ausbildungsbereichen sowie nach alten und neuen Bundes- ländern, und welche Erkenntnisse zum Verbleib der Abbre- cherinnen und Abbrecher von Berufsausbildungen liegen der Bundesregierung, bitte aufschlüsseln nach Abbruch in der Probezeit und späterem Zeitpunkt, vor? Wie haben sich die Anzahl und der Anteil der Jugendli- chen ohne Berufsausbildung entwickelt, bitte aufschlüsseln nach Auszubildenden mit und ohne Migrationshintergrund, nach Geschlecht, nach Schulabschluss, nach Ausbildungsbe- reichen sowie nach alten und neuen Bundesländern), und wel- Z ti A la d b n te d d tr d b n a 2 tr ri n te ri b w s B a V w te b d Z J 1 d k g 3 1 tr te s B g D m b c 2 q s Q (C (D che Erkenntnisse zum Verbleib der Jugendlichen ohne Berufs- ausbildung liegen der Bundesregierung vor? u Frage 41: Der Bundesregierung liegen Informationen zu vorzei- gen Vertragslösungen vor, nicht jedoch zu endgültigen usbildungsabbrüchen. Vertragslösungen sind vor Ab- uf der im Berufsausbildungsvertrag genannten Ausbil- ungszeit gelöste Ausbildungsverträge. Hierbei ist zu eachten, dass eine Vertragslösung nicht unbedingt ei- en endgültigen Abbruch der Berufsausbildung bedeu- t; auch Betriebs- oder Berufswechsel innerhalb des ualen Systems gehen mit Vertragslösungen einher. Im Jahr 2009 wurden insgesamt 141 360 Ausbil- ungsverträge vorzeitig gelöst, dies entspricht einer Ver- agslösungsquote von 22,1 Prozent. Die Lösungsquote er mit Frauen abgeschlossenen Ausbildungsverträge etrug im Berichtsjahr 2009 22,9 Prozent, die der Män- er 21,5 Prozent. Von den Ausbildungsverträgen der usländischen Auszubildenden werden im Durchschnitt 7,4 Prozent vorzeitig gelöst, von den Ausbildungsver- ägen der Auszubildenden mit deutscher Staatsangehö- gkeit 21,8 Prozent. Hinsichtlich der Lösungsquoten ach allgemeinbildendem Schulabschluss ist festzuhal- n, dass die Lösungsquote umso höher ausfällt, je nied- ger der allgemeinbildende Schulabschluss der Auszu- ildenden ist. Auszubildende ohne Hauptschulabschluss iesen mit 36,3 Prozent eine fast dreimal höhere Lö- ungsquote auf als Studienberechtigte mit 12,9 Prozent. ei den Verträgen der Auszubildenden mit Hauptschul- bschluss beträgt die Lösungsquote 30,8 Prozent, die erträge von Auszubildenden mit Realschulabschluss erden zu 19,6 Prozent vorzeitig gelöst. Die Darstellung der weiteren gewünschten detaillier- n Daten können dem Datenreport zum Berufsbildungs- ericht 2011, Seite 179 ff. entnommen werden (http:// atenreport.bibb.de/Datenreport_2011.pdf). u Frage 42: Die Ungelerntenquote der 20 bis 24-Jährigen lag im ahr 2008 bei 15,3 Prozent, der 20 bis 34-Jährigen bei 4,9 Prozent. Sie bleibt für beide Altersgruppen über em untersuchten Zeitraum von 1996 bis 2008 nahezu onstant zwischen 14 und 15 Prozent. Detailliertere An- aben liegen für junge Erwachsene im Alter von 20 und 4 Jahren vor: Frauen in dieser Altersgruppe sind mit 5 Prozent im gleichen Ausmaß von Berufslosigkeit be- offen wie Männer mit 14,8 Prozent. Den höchsten An- il an Ungelernten weisen junge ausländische Erwach- ene auf. Mehr als jeder Dritte, 36 Prozent, hatte keinen erufsabschluss, mit 5 Prozentpunkten Differenz zuun- unsten junger Frauen. Verglichen mit gleichaltrigen eutschen ist der Anteil bei jungen Ausländern fast vier- al so hoch. Wer ohne allgemeinschulischen Abschluss lieb, erreichte auch nur in wenigen Fällen einen berufli- hen Abschluss: nur jeder Sechste, 16,6 Prozent, konnte 008 einen Berufsabschluss vorweisen, die Ungelernten- uote betrug 83,4 Prozent. Nahezu jeder dritte Haupt- chulabsolvent, 29,2 Prozent, blieb ohne berufliche ualifizierung. Die Ungelerntenquote bei jungen Er- 16056 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) wachsenen mit Realschulabschluss lag bei 8,7 Prozent, mit (Fach-)Hochschulreife bei 6,1 Prozent. Die Darstellung der weiteren gewünschten detaillier- ten Daten können dem Datenreport zum Berufsbildungs- bericht 2011, Seite 245 ff. entnommen werden (http:// datenreport.bibb.de/Datenreport_2011.pdf). Eine Aufschlüsselung der Ungelernten nach Ausbil- dungsbereichen ist nicht möglich. Daten zur regionalen Verteilung, nach alten und neuen Bundesländern, liegen nicht vor. Zum Verbleib der Jugendlichen ohne Berufsausbil- dung ist bekannt, dass 52,3 Prozent der Personen ohne Berufsabschluss im Alter zwischen 20 und 34 Jahren er- werbstätig sind, das heißt arbeiten mindestens 1 Stunde in der Woche. Von den 20- bis 34-Jährigen mit berufli- chem Abschluss sind dies 76,1 Prozent. Anlage 33 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Fragen des Abgeordneten Oliver Kaczmarek (SPD) (Druck- sache 17/7411, Fragen 43 und 44): Wie viele Graduiertenschulen existieren in Deutschland, und wie viele Personen sind an ihnen eingeschrieben? Wie viele Graduiertenkollegs existieren in Deutschland, und wie viele Personen sind an ihnen eingeschrieben? Zu Frage 43: Im Rahmen der Exzellenzinitiative werden 39 Gradu- iertenschulen gefördert. Nach Angaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden etwa 1 000 Promovie- rende in diesen Graduiertenschulen auch mit Mitteln der Exzellenzinitiative finanziert. Darüber hinaus profitieren weitere Promovierende von den Angeboten der Gra- duiertenschulen. Zu Frage 44: Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden zurzeit 199 Graduiertenkollegs gefördert. Im Berichts- jahr 2010 waren 5 337 Promovierende Mitglied in die- sen Graduiertenkollegs, von denen wiederum etwa 78 Prozent überwiegend über die Graduiertenkollegs finanziert wurden. Anlage 34 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Frage des Abgeordneten Klaus Hagemann (SPD) (Druck- sache 17/7411, Frage 45): Wie viele zusätzliche Personalstellen (möglichst nach Per- sonalkategorien) konnten zum Wintersemester 2011/2012 an deutschen Hochschulen im Rahmen des Qualitätspakts Lehre im Hinblick auf den Mittelabfluss von lediglich 1,24 Millio- nen Euro (0,9 Prozent des Mittelansatzes) zum 30. September 2011 und der Ankündigung der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, in der 65. Sitzung des w g a u 2 v M a w fa A le b g n n L a h s ti n E d A d d (S b n g N k th H a A fü b th n ri (C (D Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, „dass das Geld, das im (Haushalts-)Plan veranschlagt ist, in 2011 ausge- geben wird“, bewilligt, ausgeschrieben oder bereits besetzt werden, und welche Betreuungsrelation von Studierenden zu wissenschaftlichem Personal wird durch die neu geschaffenen bzw. in Planung befindlichen Personalstellen angestrebt? In der ersten Auswahlrunde des Qualitätspakts Lehre urden insgesamt 111 Hochschulen zur Förderung aus- ewählt. Je nach Planung der Hochschule beginnen die usgewählten Projekte zwischen dem 1. September 2011 nd dem 1. Januar 2012, überwiegend zum 1. Oktober 011. Bisher bewilligt wurden Personalmittel im Umfang on gut 90 Professoren, mehr als 700 wissenschaftlichen itarbeitern und rund 200 nichtwissenschaftlichen Mit- rbeitern. Hinzu kommen zahlreiche Lehraufträge sowie issenschaftliche und studentische Hilfskräfte, die eben- lls für bessere Studienbedingungen eingesetzt werden. ngaben über die Zahl der von den einzelnen Hochschu- n ausgeschriebenen bzw. zum Projektbeginn bereits esetzten Stellen sind nicht Gegenstand des Bewilli- ungsverfahrens und liegen der Bundesregierung daher icht vor. Mit dem Qualitätspakt Lehre werden vielfältige Maß- ahmen zur Verbesserung von Studienbedingungen und ehrqualität gefördert. Neben inhaltlichen Fragen sind uch die Betreuungsrelationen als zahlenmäßiges Ver- ältnis zwischen Studierenden und Lehrpersonal Gegen- tand der geförderten Konzepte. Dabei wird berücksich- gt, dass sich Ausgangslage und Verbesserungsbedarf je ach Hochschule und Fachbereich stark unterscheiden. inheitliche Vorgaben oder Zielwerte würden dem Be- arf vor Ort daher nicht hinreichend gerecht. nlage 35 Antwort es Parl. Staatsministers Bernd Neumann auf die Frage er Abgeordneten Marianne Schieder (Schwandorf) PD) (Drucksache 17/7411, Frage 46): Ist der Bundesregierung bekannt, wie sich in den letzten zehn Jahren die Erwerbungsetats der Bibliotheken entwickelt haben, und falls ja, liegt der Bundesregierung eine Übersicht nach Bundesländern vor (bitte um Aufschlüsselung)? Aufgrund der unterschiedlichen Trägerschaft der Bi- liotheken, die in der Regel den Ländern und Kommu- en obliegt, verfügt die Bundesregierung nicht über ei- ene Angaben zur Entwicklung der Erwerbungsetats. achfolgende Zahlen beruhen auf internen Recherchen. Danach werden im Rahmen einer freiwilligen Mitwir- ung der Bibliotheken Erhebungen zur Deutschen Biblio- eksstatistik vom Kompetenznetzwerk für Bibliotheken – ochschulbibliothekszentrum NRW durchgeführt, die llerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. nhand der darin vorliegenden Daten der vergangenen nf Jahre ist eine Erhöhung der Ausgaben für Erwer- ungen in öffentlichen und wissenschaftlichen Biblio- eken iin Höhe von 55,75 Millionen Euro insgesamt achgewiesen (eine Absenkung der Ausgaben ist in ge- ngem Maße lediglich in Niedersachsen zu erkennen). Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16057 (A) ) )(B) Gesamt 314,25 317,45 342,41 374,26 376,38 370,00 +55,75 (D Anlage 36 Antwort des Parl. Staatsministers Bernd Neumann auf die Frage der Abgeordneten Marianne Schieder (Schwandorf) (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 47): Wie bewertet die Bundesregierung die Forderungen nach einer Ausweitung sogenannter Nationallizenzen? Die derzeitige Förderung von Nationallizenzen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, ist auf den wissenschaftlichen Bereich beschränkt. Eine Auswei- tung der Nationallizenzen auf nichtwissenschaftliche Bereiche durch die DFG ist aufgrund des Förderauftrags der DFG als Selbstverwaltungsorganisation der Wissen- schaft nicht möglich. Anlage 37 Antwort des Parl. Staatsministers Bernd Neumann auf die Frage des Abgeordneten Tom Koenigs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 48): Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dem Auf- tritt der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH, die zu 40 Pro- zent im Besitz des öffentlich-rechtlichen Senders MDR ist, bei der Geburtstagsfeier des Diktators Ramsan Kadyrow in Tschetschenien vor dem Hintergrund der außenpolitischen Symbolwirkung, die ein Auftritt einer Gesellschaft eines öf- fentlich-rechtlichen Senders auf Festveranstaltungen von mut- maßlichen Menschenrechtsverbrechern hat? Die Bundesregierung hatte von der angesprochenen Reise keine Kenntnis. Sie hält den besagten Auftritt für inakzeptabel. Der MDR hat den Auftritt von Mitgliedern der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH in Grosny in einer öffentlichen Erklärung inzwischen bedauert und angekündigt, darauf hinzuwirken, dass die Geschäftsfüh- rung des genannten Unternehmens bei Auftrittsanfragen künftig intensiver prüft, um welche Art von Veranstal- tung es sich handelt und wer letztlich der Veranstalter ist. Der Vorsitzende des Rundfunkrats des MDR hat nach Pressedarstellung den Auftritt kritisiert und erklärt, dass das Gremium sich mit der Angelegenheit befassen werde. Die Bundesregierung geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass die Rundfunkanstalt ihrerseits weitere Konsequenzen aus dem Vorgang prüft. Nach der verfas- sungsmäßigen Rundfunkordnung unterliegen die öffent- lich-rechtlichen Rundfunkanstalten einer Kontrolle durch interne Gremien, die Gesamtverantwortung für die Tätigkeit einer Rundfunkanstalt liegt bei der Intendantin oder dem Intendanten. Die Rechtsaufsicht über die Rundfunkanstalten ist den Ländern zugewiesen, im Falle des MDR liegt sie bei den Vertragsparteien des Staats- vertrages über den Mitteldeutschen Rundfunk, MDR. Aufschlüsselung nach Bundesländern (Beträge gerundet in M 2005 2006 20 Baden-Württemberg 37,68 39,78 44 Bayern 56,21 56,97 62 Berlin 19,79 21,04 22 Brandenburg 5,35 5,51 5 Bremen 6,65 7,33 8 Hamburg 8,48 8,16 8 Hessen 18,60 19,14 22 Mecklenburg-Vorpommern 6,17 6,88 6 Niedersachsen 42,12 37,28 40 Nordrhein-Westfalen 57,09 56,60 60 Rheinland-Pfalz 6,70 6,84 6 Saarland 0,54 0,58 0 Sachsen 20,00 22,36 21 Sachsen-Anhalt 9,29 9,11 9 Schleswig-Holstein 8,34 8,37 9 Thüringen 11,24 11,50 11 (Cillionen Euro): 07 2008 2009 2010 Entwicklung ,16 46,39 46,59 48,71 +11,03 ,99 78,01 75,31 71,38 +15,17 ,38 21,82 20,79 21,51 +1,72 ,85 6,49 6,33 6,15 +0,80 ,06 7,97 8,42 7,53 +0,88 ,87 9,57 9,89 9,96 +1,48 ,46 24,68 27,73 26,37 +7,77 ,50 7,42 7,39 7,83 +1,66 ,33 41,86 39,23 39,37 -2,75 ,36 65,64 70,34 67,20 +10,11 ,95 7,30 7,58 7,67 +0,97 ,76 4,08 3,61 2,61 +2,07 ,86 22,43 21,86 21,73 +1,73 ,72 9,98 10,08 10,06 +0,77 ,30 9,97 10,88 10,23 +1,89 ,86 10,65 10,35 11,69 +0,45 16058 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Anlage 38 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Fragen der Abgeordneten Edelgard Bulmahn (SPD) (Drucksache 17/7411, Fragen 49 und 50): Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der Kritik an der unzureichenden statistischen Erfassung der Gewährung von Lizenzen zum Nachbau deutscher Waffen im Rüstungsexportbericht 2010 der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung? Wie viele Anträge bzw. Voranfragen zur Genehmigung von Lizenzen zum Nachbau deutscher Waffen lagen der Bun- desregierung in den vergangenen zwölf Monaten vor, und wie wurden diese beschieden? Zu Frage 49: Das deutsche Außenwirtschaftsrecht basiert auf der Kontrolle der Ausfuhr von Gütern und Technologie. Die der Ausfuhr zugrunde liegenden vertraglichen Grundla- gen, wie zum Beispiel Kaufverträge, aber auch entspre- chende Lizenzverträge, sind nicht Gegenstand gesonder- ter Genehmigungspflichten. Sie werden entsprechend von der Bundesregierung auch nicht statistisch erfasst. Kontrolllücken entstehen hierdurch nicht, da die konkre- ten Ausfuhren in Erfüllung dieser Verträge, zum Beispiel die Ausfuhr von Herstellungsausrüstung und Technolo- gie oder Zulieferung von in der Ausfuhrliste gelisteten Komponenten für die Produktion im Ausland, genehmi- gungspflichtig sind. Die entsprechenden Ausfuhrgenehmigungen finden ihren Niederschlag im Rüstungsexportbericht der Bun- desregierung, in besonders ausführlicher Form im Falle der Ausfuhr von Komponenten für Kriegskleinwaffen. Im Übrigen gilt grundsätzlich, dass keine Genehmigun- gen für die Ausfuhr von Komponenten und Technologie in Drittländer erteilt werden, wenn damit eine neue Her- stellungslinie für Kleinwaffen oder entsprechende Muni- tion eröffnet werden soll. Zu Frage 50: Lizenzvereinbarungen zur Produktion in Deutsch- land entwickelter Rüstungsgüter im Ausland sind, wie in Antwort auf Frage 49 ausgeführt, nicht genehmigungs- pflichtig. Eine gesonderte statistische Erfassungen der Anträge bzw. Voranfragen auf Export von Herstellungs- technologie, -ausrüstung oder gelisteten Komponenten für die Produktion im Ausland, die im Rahmen von Lizenzverträgen ausgeführt werden soll, erfolgt nicht. Um die Frage zu beantworten, müssten alle Anträge bzw. Voranfragen manuell ausgewertet werden. Dies ist im Rahmen der für die Beantwortung einer mündlichen Frage zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich. Anlage 39 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage des Ab- geordneten Johannes Pflug (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 51): g b A d A 1 d g fe D re B n m A d A (D e U W n T ru ti v a (C (D Wann wird die Bundesregierung endgültig entscheiden, ob sie den Export von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 an Saudi-Arabien genehmigt, und befürwortet sie weiterhin die- sen Export? Ein entsprechender Ausfuhrantrag liegt der Bundesre- ierung derzeit nicht vor. Daher kann diese Frage nicht eantwortet werden. nlage 40 Antwort es Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage des bgeordneten Johannes Pflug (SPD) (Drucksache 7/7411, Frage 52): Welche Schritte hat die Bundesregierung bislang unter- nommen, den Gemeinsamen Standpunkt 2008/944/GASP der EU vom 8. Dezember 2008 betreffend gemeinsame Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und Militärgütern in deutsches Recht umzusetzen? Die Politischen Grundsätze der Bundesregierung für en Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungs- ütern aus dem Jahr 2000 bestimmen ausdrücklich (Zif- r I. 1): Die Bundesregierung trifft ihre Entscheidungen nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegs- waffen (KWKG) und dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) über Exporte von Kriegswaffen und sonsti- gen Rüstungsgütern in Übereinstimmung mit dem von dem Rat der Europäischen Union (EU) ange- nommenen „Verhaltenskodex der Europäischen Union für Waffenausfuhren“ vom 8. Juni 1998 bzw. etwaigen Folgeregelungen. er Gemeinsame Standpunkt von 2008 stellt die Folge- gelung zum Verhaltenskodex dar. Insofern hat die undesregierung den Gemeinsamen Standpunkt in die ationalen Regelungen zur Exportkontrolle aufgenom- en. nlage 41 Antwort es Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage der bgeordneten Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) rucksache 17/7411, Frage 53): Hat die Bundesregierung bzw. das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie seit Beginn der arabischen Um- brüche – über die geplanten Panzerlieferungen nach Saudi- Arabien hinaus – weitere Lieferungen an eines der Länder der Region beschlossen, oder gilt das Anfang des Jahres 2011 be- schlossene Waffenembargo fort? Die im Frühjahr 2011 beschlossenen formalen Waffen- mbargos der Vereinten Nationen und der Europäischen nion gegen Libyen und Syrien bestehen fort, weitere affenembargos wurden nicht beschlossen. Darüber hi- aus hat das Bundesministerium für Wirtschaft und echnologie jedoch vor dem Hintergrund der Lageände- ng in der Region im Rahmen seines 10-Punkte-Ak- onsplans Nordafrika vom 9. Februar 2011 die Erteilung on Genehmigungen für Rüstungsgüter nach Ägypten usgesetzt, um überprüfen zu können, ob insbesondere Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16059 (A) ) )(B) mit Blick auf die Beachtung der Menschenrechte bereits erteilte Genehmigungen aufgehoben werden müssen. Im weiteren Verlauf der Entwicklungen wurden entspre- chend die bereits erteilten Genehmigungen für andere Länder der Region überprüft. Neuanträge wurden ent- sprechend den politischen Grundsätzen nach sorgfältiger Abwägung außen-, sicherheits- und menschenrechtspoli- tischer Belange im Lichte der aktuellen Situation ge- prüft. Auf dieser Grundlage sind in der Folgezeit wieder Genehmigungen erteilt worden. Anlage 42 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage der Abgeordneten Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 54): Wie plant die Bundesregierung, dem zukünftigen Informa- tionsdefizit im Rüstungsexportbericht zu begegnen, das mit der Umsetzung der EU-Verbringungsrichtlinie in deutsches Recht und den nicht mehr nach Empfängerländern und Wa- rengruppen aufzuschlüsselnden Verbringungen innerhalb der EU einhergeht? Die EU-Richtlinie zur Vereinfachung der Bedingungen für die innergemeinschaftliche Verbringung von Vertei- digungsgütern von 2009 zielt darauf ab, die einschlägi- gen Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitglied- staaten so anzugleichen, dass die innergemeinschaftliche Verbringung von Verteidigungsgütern vereinfacht und damit das reibungslose Funktionieren des Binnenmark- tes sichergestellt wird. Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, bestimmte Allgemeingenehmigungen für die innergemeinschaftliche Verbringung von Vertei- digungsgütern zu erlassen. Sie ist ab dem 30. Juni 2012 durch nationales Recht umzusetzen. Die Bundesregie- rung prüft zurzeit, wie die künftig zu erlassenden Allge- meingenehmigung zur Lieferung an Streitkräfte und die Allgemeingenehmigung zur Lieferung an zertifizierte Unternehmen auszugestalten sind. Die Richtlinie sieht vor – Erwägungsgrund 27 –, dass die Unternehmen die zuständigen Behörden über die In- anspruchnahme von Allgemeingenehmigungen infor- mieren, um die Menschenrechte, den Frieden, die Si- cherheit und die Stabilität zu gewährleisten und eine transparente Berichterstattung über die Verbringung von Verteidigungsgütern im Hinblick auf parlamentarische Kontrolle zu ermöglichen. Im Hinblick darauf erwägt die Bundesregierung, im Rahmen der beiden Allgemein- genehmigungen für Streitkräfte und zertifizierte Unter- nehmen eine Meldepflicht für durchgeführte Transfers von Rüstungsgütern festzulegen. Die gemeldeten Zahlen könnten später im Rüstungsexportbericht veröffentlicht werden. Anlage 43 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Fragen des Abgeordneten Hans-Joachim Hacker (SPD) (Druck- sache 17/7411, Fragen 55 und 56): Z in d k D a ru N d M is h d R Z u s v E g E A d A c (C (D Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung für die Tätigkeit von Gästeführerinnen und Gästeführern in Deutschland, sollten im Zuge der geplanten Änderung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie die Einführung eines Be- rufsausweises für Reiseleiterinnen und Reiseleiter sowie die Abschaffung der derzeitigen Nachweispflicht von zwei Be- rufsjahren erfolgen, und inwieweit steht die Bundesregierung dazu im Austausch mit dem Bundesverband der Gästeführer Deutschland e. V.? Welche Bedeutung besitzt die Norm EN 13809 der euro- päischen Normungsorganisation CEN in Bezug auf die Be- rufsanerkennung und Tätigkeit von Reiseleiterinnen und Rei- seleitern sowie von Gästeführerinnen und Gästeführern in Deutschland und Europa? u Frage 55: Für die Tätigkeit von Reiseleitern und Gästeführern Deutschland erwarten wir keine Auswirkungen, denn ieser Beruf ist in Deutschland nicht reglementiert. Er ann ohne Anerkennungsverfahren praktiziert werden. aher muss in Deutschland ohnehin weder ein Berufs- usweis beigebracht noch eine zweijährige Berufserfah- ng nachgewiesen werden. Im Übrigen verweise ich auf die Antwort zu Frage r. 30 der Fragestunde am 19. Oktober 2011 betreffend ie Tätigkeit deutscher Reiseleiter und Gästeführer in itgliedstaaten, in denen diese Tätigkeit reglementiert t. Die Bundesregierung wird sich im Zuge der Ver- andlungen des angesprochenen Richtlinienvorschlags afür einsetzen, dass es zu Verbesserungen für deutsche eiseleiter kommt. u Frage 56: Die EN 13809 vor allem betreffend Reiseveranstalter nd die EN 15565 betreffend Gästeführer/Reiseleiter etzen freiwillige Qualitätsstandards für die Tätigkeit on Reiseleitern und Gästeführern in Deutschland und uropa. Sie enthalten etwa unverbindliche Umgrenzun- en des Begriffs des Reiseleiters und Gästeführers sowie mpfehlungen zur Ausbildung von Gästeführern. nlage 44 Antwort es Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage des bgeordneten Andrej Hunko (DIE LINKE) (Drucksa- he 17/7411, Frage 57): An welche Länder haben nach Kenntnis der Bundesregie- rung die deutschen Firmen Siemens, EADS, rola Security So- lutions, DigiTask, Utimaco, Elaman und Trovicor in den letz- ten drei Jahren Anwendungen zu Deep Packet Inspection, Monitoring Centres sowie Remote Forensic Software an Re- gierungen außerhalb der Europäischen Union verkauft, und welche Position vertritt die Bundesregierung im weiteren Ver- fahren hinsichtlich des Beschlusses des Europäischen Parla- ments vom 27. September 2011 zur strengeren Ausfuhrkon- trolle, welcher explizit „Abfangtechniken und Vorrichtungen der digitalen Datenübertragung, mit denen Mobiltelefone und Textnachrichten überwacht und die Internet-Nutzung gezielt beobachtet werden können“ definiert und Exporte verhindern soll, wenn diese „im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Menschenrechte, die Grundsätze der Demokratie oder die Meinungsfreiheit“ verwendet werden können? 16060 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Die Ausfuhr der genannten Güter ist nicht genehmi- gungspflichtig. Der Bundesregierung liegen daher keine eigenen Erkenntnisse über die Ausfuhr derartiger An- wendungen in Drittstaaten vor. Die Ausfuhr von Über- wachungstechnik ist nur dann genehmigungspflichtig, wenn diese (als besonders entwickelt für militärische Zwecke) von Teil I Abschnitt A der Ausfuhrliste (Rüs- tungsgüter) oder als sogenanntes Dual-Use-Gut von An- hang I der Verordnung (EG) Nr. 428/2009 (Dual-Use- Verordnung) erfasst ist. Die Ausfuhr genehmigungspflichtiger Überwachungs- technik ist nicht erfasst von den am 27. September 2011 im Europäischen Parlament beschlossenen neuen EU- Allgemeingenehmigungen. Bei diesen EU-Allgemeinge- nehmigungen handelt es sich um Verfahrensvereinfa- chungen für die Ausfuhr bestimmter genehmigungs- pflichtiger Güter für unkritische Zwecke. Anlage 45 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage der Abgeordneten Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) (Drucksache 17/7411, Frage 58): Wie hoch schätzt die Bundesnetzagentur die jährliche Ent- lastung der besonders stromintensiven Industrie durch die diesjährige Veränderung des § 19 Abs. 2 in der Stromnetzent- geltverordnung ein, und inwiefern wird der Entlastungsbei- trag aus dem Jahr 2011 den anderen Netznutzern auferlegt? Vorläufige Schätzungen der Bundesnetzagentur gehen dahin, dass aus der Änderung vom 4. August 2011 von § 19 Abs. 2 der Stromnetzentgeltverordnung, StromNEV, zu- sätzliche Entlastungen zwischen 100 und 200 Millionen Euro jährlich folgen, beginnend mit dem Jahr 2011. Wie für Zuschlags- und Ausgleichszahlungen nach dem KWKG findet ein bundesweiter Belastungsausgleich statt, § 9 KWKG findet nach § 19 Abs. 2 StromNEV ent- sprechende Anwendung. Anlage 46 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage des Abgeordneten Klaus Hagemann (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 59): Wie viel der im Rahmen des Sondervermögens „Energie- und Klimafonds“ von der Bundesregierung zugesagten zu- sätzlichen Fördermilliarde in 2012 und 2013 für Elektromobi- lität entfallen jeweils auf Umbuchungen aus dem bisherigen Finanzplan von Mitteln und Verpflichtungsermächtigungen, VE, in den Einzelplänen – unter Angabe der davon bereits be- legten VE – sowie auf „fresh money“, und wie sieht für diese Fördermilliarde das Finanztableau nach Förderlinien – insbe- sondere in Bezug auf die im Zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität definierten FuE-Leuchttürme und Themencluster (Abbildung Seite 18) und die im ersten Halb- jahr 2012 vorgesehenen Ausschreibungen – im Einzelnen aus? Das Gesetz zur Errichtung eines Energie- und Klima- fonds (EKF) sieht vor, dass künftig alle Programmausga- ben für die Entwicklung der Elektromobilität aus dem E fi fü H fü w ru Z tu E s D tä fü B F fe d fu m g w li A d A N lo E b fa H d 2 ri s A d A N (C (D KF beglichen werden. Die gesamten bisher steuer- nanzierten Haushaltsansätze aus dem Bundeshaushalt r die Elektromobilität werden in den EKF überführt. ierbei handelt es sich um rund 412 Millionen Euro nur r die Jahre 2012 bis 2013. Neben diesen Ansätzen urden weitere Mittel bereitgestellt, um die im Regie- ngsprogramm genannte Summe von einer Milliarde im eitraum 2011 bis 2013 zu erreichen. An Verpflich- ngsermächtigungen wurden bisher 160,6 Millionen uro belegt. Die inhaltliche Basis für die FuE-Förderung der Res- orts bildet das Regierungsprogramm Elektromobilität. ie Vorschläge der Nationalen Plattform Elektromobili- t wurden dabei berücksichtigt. Alle vier Ressorts, die r Elektromobilität zuständig sind, BMWi, BMVBS, MBF, BMU, haben auf der Basis eines abgestimmten ördertableaus bereits Förderbekanntmachungen veröf- ntlicht. Eine konkrete Zuordnung von Fördermitteln zu en einzelnen FuE-Themenfeldern wird erst nach Prü- ng der eingegangenen Projektskizzen/Projektanträge öglich sein. Für das von allen vier Ressorts gemeinsam etragene Programm „Schaufenster Elektromobilität“ erden in den Jahren 2012 bis 2015 insgesamt 180 Mil- onen Euro zur Verfügung gestellt. nlage 47 Antwort es Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage der bgeordneten Ingrid Nestle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- EN) (Drucksache 17/7411, Frage 60): Hat die Bundesnetzagentur das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bereits vor dem Urteil des Bun- desgerichtshofs am 28. Juni 2011 darauf hingewiesen, dass gegebenenfalls eine gesetzliche Grundlage für den generellen sektoralen Produktivitätsfaktor im Rahmen der Energiewirt- schaftsgesetz-Novelle geschaffen werden sollte, und in wel- cher Form hat sie dies gegebenenfalls getan? Das Bundesministerium für Wirtschaft und Techno- gie und die Bundesnetzagentur standen während der nergiewirtschaftsgesetz-Novelle in engem Dialog. Ne- en einer Vielzahl anderer Themen, wurde auch das Ver- hren vor dem Bundesgerichtshof erwähnt. Vor dem intergrund konfligierender Entscheidungen verschie- ener Oberlandesgerichte in dieser Frage waren vor dem 8. Juni 2011 weder die Entscheidung des Bundesge- chtshofs noch die Gründe, aus denen der konkrete Be- chluss gefasst wurde, seriös vorhersehbar. nlage 48 Antwort es Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage der bgeordneten Ingrid Nestle (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- EN) (Drucksache 17/7411, Frage 61): Setzt sich die Bundesregierung in Brüssel dafür ein, dass das bestehende Effizienzziel in der EU-Effizienzrichtlinie, also die Reduktion des EU-Primärenergieverbrauchs um 368 Millionen Tonnen Rohöleinheiten, RÖE, auf 1 474 Mil- lionen Tonnen RÖE bis 2020, erhalten bleibt? Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16061 (A) ) )(B) Die Bundesregierung unterstützt das vom Europäi- schen Rat unter deutscher Präsidentschaft 2007 be- schlossene indikative Ziel, die Energieeffizienz in der EU um 20 Prozent zu steigern. Dieses Ziel wurde auch in der Europa-2020-Strategie noch einmal bekräftigt. Die Bundesregierung setzt sich für ambitionierte, ver- bindliche Maßnahmen zur Erreichung des EU-Ziels ein. Die konkreten Positionen zu den Artikeln des vorgeleg- ten Entwurfs für eine EU-Energieeffizienzrichtlinie wer- den zurzeit noch abgestimmt. Anlage 49 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Hintze auf die Frage des Abgeordneten Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 62): Geht die Bundesregierung davon aus, dass nach Einleitung des EU-Strafverletzungsverfahrens am 18. Juli 2011 (siehe Antwort der Bundesregierung vom 5. Oktober 2011 auf Bun- destagsdrucksache 17/7279) vonseiten der Europäischen Kommission bezüglich der abgelaufenen Frist zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2009/31/EG zur geologischen Speicherung von Kohlendioxid, diese nun den Europäischen Gerichtshof anrufen wird, und, falls ja, mit welchen Strafzahlungen (von und bis zu welcher Höhe) rechnet die Bundesregierung dabei vor dem Hintergrund der Mitteilung SEK(2011) 1024 der Eu- ropäischen Kommission, dass für Deutschland laut Berech- nungsschlüssel ein Tagessatz von mindestens 13 464,10 Euro gilt? Das Vertragsverletzungsverfahren nach Art. 258 des EU-Arbeitsweisevertrags, AEUV, sieht ein zweistufiges Vorverfahren vor, bevor die Kommission den Gerichts- hof der Europäischen Union, EuGH, anrufen kann. Eine mit Gründen versehene Stellungnahme hat die Kommis- sion im Vertragsverletzungsverfahren gegenüber Deutschland noch nicht versendet. Deshalb steht eine Klage der Kommission gegen Deutschland vor dem EuGH nicht unmittelbar bevor. Möglicherweise wird die Kommission zunächst das weitere Verfahren bzw. die Ergebnisse im Vermittlungsausschuss abwarten, bevor sie gegebenenfalls eine mit Gründen versehene Stellung- nahme beschließt. Der EuGH kann im Fall einer Verurteilung auf ent- sprechenden Antrag der Kommission ein tägliches Zwangsgeld und/oder einen einmaligen Pauschalbetrag verhängen. Die Spannbreite beim täglichen Zwangsgeld liegt zwischen circa 13 000 und 823 000 Euro. Ein pau- schales Zwangsgeld könnte mindestens circa 11 Millio- nen Euro betragen. Die konkrete Höhe eines von der Kommission beantragten Zwangsgeldes bzw. Pauschal- betrags richtet sich dabei – unter Berücksichtigung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes – insbesondere nach der Schwere und der Dauer des Verstoßes. Dabei dürfte auch das Bemühen der Bundesregierung zur Umsetzung der Richtlinie 2009/31/EG in der Abwägung zur Bemes- sung des Zwangsgeldes bzw. Pauschalbetrags berück- sichtigt werden. A d A c Z lu E z A o d c li v u le s d z p g M k s v L d u h z re s B H in T (C (D nlage 50 Antwort er Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Fragen der bgeordneten Gabriele Hiller-Ohm (SPD) (Drucksa- he 17/7411, Fragen 65 und 66): Wie bewertet die Bundesregierung angesichts ihrer Weige- rung, auch für 2012 den dänischen Schulverein in Schleswig- Holstein mit 3,5 Millionen Euro zu fördern, den Bericht des Sachverständigenausschusses über die Anwendung der Regio- nal- und Minderheitensprachencharta in Deutschland bezüg- lich des Aufrufes, sicherzustellen, dass durch die erfolgten Kürzungen der schleswig-holsteinischen Landesregierung nicht das Niveau der dänischsprachigen Bildung gefährdet werden darf? Wie will die Bundesregierung die minderheitenbegründete unterschiedliche Behandlung der Schulfinanzierung durch den deutschen Staat vor dem Europarat rechtfertigen, gerade weil im Jahr 2011 der dänische Schulverein vom Bund geför- dert wurde und dieses im Jahr 2012 nicht mehr beabsichtigt ist, obwohl sich durch den Doppelhaushalt 2011/2012 in Schleswig-Holstein an der Sachlage einer somit bestehenden Finanzierungslücke von 4,7 Millionen Euro nichts geändert hat? u Frage 65: Der Sachverständigenausschuss des Europarates eva- iert regelmäßig die Umsetzung der Regelungen aus der uropäischen Sprachencharta. Er hat in seinem Bericht um vierten Staatenbericht Deutschlands gemäß Art. 15 bs. 1 der Europäischen Sprachencharta der Regional- der Minderheitensprachen ausdrücklich festgestellt, ass die Verpflichtung für die Umsetzung der Sprachen- harta in Deutschland im Wesentlichen bei den Ländern egt. Schleswig-Holstein hat seinerzeit der Ratifizierung on Art. 8 für die dänische Sprachgruppe zugestimmt nd in Bezug auf die Finanzierung der dänischen Schu- n in Südschleswig durch § 124 Satz 1 und 2 Schulge- etz (mit Wirkung zum 1. Januar 2008 in Kraft getreten) eren Gleichstellung mit den öffentlichen Schulen voll- ogen. Auch wenn eine vollständige Umsetzung der Ver- flichtung der Sprachencharta erwünscht ist, hängt diese anz wesentlich von dem im Prüfungszeitraum finanziell achbaren ab. Bund und Länder sind sich darin einig, dass in Zeiten napper Kassen auch die nationalen Minderheiten einen olidarischen Beitrag zur Konsolidierung der Haushalte on Bund und Ländern leisten müssen. So sah sich das and Schleswig-Holstein im Ergebnis gezwungen, für ie Haushaltsjahre 2011/2012 strukturelle Anpassungen nter anderem auch im Bereich der dänischen Minder- eit zu treffen. Das durch die Senkung des Zuschusses diagnosti- ierte Defizit in Höhe von 4,7 Millionen Euro im Be- ich der dänischen Ersatzschulen wurde durch Ent- cheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen undestages während der Bereinigungssitzung zum aushalt 2011 durch einen einmaligen Bundeszuschuss Höhe von 3,5 Millionen Euro für 2011 zum großen eil ausgeglichen. 16062 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Der Bund geht davon aus, dass das Land Schleswig- Holstein die Frage geprüft hat, ob durch seine Kürzun- gen das Niveau der dänischsprachigen Bildung gefährdet wird. Die zusätzlich zur Verfügung gestellten Bundes- mittel sind direkt dem dänischen Schulverein in Form ei- ner Projektförderung zugeflossen, sie wurden nicht vom Landeshaushalt vereinnahmt. Dies unterstreicht die Sachmäßigkeit und den nicht dauerhaften Charakter die- ser Überbrückungsfinanzierung durch den Bund. Zu Frage 66: Die Bundesregierung hat durch die einmalige Leis- tung von Überbrückungszahlungen an den dänischen Schulverein im Jahr 2011 das Land Schleswig-Holstein entlastet. Eine Dauerförderung des dänischen Schulver- eins durch den Bund ist aufgrund der grundsätzlichen Zuständigkeit der Länder in Bildungsangelegenheiten – welche der Europarat im Rahmen der Sprachencharta anerkennt – nicht vorgesehen. In diesem Sinne sollte die einmalige Bezuschussung des dänischen Schulvereins im Jahr 2011 durch die Bun- desregierung dem Land Schleswig-Holstein die Gele- genheit geben, eine langfristige Lösung der Minderhei- tenfinanzierung im Rahmen seiner Länderzuständigkeit zu entwickeln. Die Regierung von Schleswig-Holstein wird in Kürze ihren Bericht zur Lage der Minderheiten im Land vorstellen und darin ihre Minderheitenpolitik erläutern. Anlage 51 Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Fragen des Abgeordneten Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) (Drucksache 17/7411, Fragen 67 und 68): Wie will die Bundesregierung angesichts ihrer bisherigen Haushaltsplanung für 2012, in der sie keine weitere Förde- rung des Schulvereins der dänischen Minderheit in Schles- wig-Holstein vorsieht, den sie noch in diesem Jahr mit 3,5 Millionen Euro vor dem Hintergrund des Wegfalls der bis- herigen Förderung durch das Bundesland Schleswig-Holstein unterstützt hat, sicherstellen, dass der Schulverein keine De- ckungslücke in Höhe von 4,7 Millionen Euro mit den entspre- chenden Folgen im kommenden Jahr hinnehmen muss? Sieht die Bundesregierung auch weiterhin in der unter- schiedlichen Förderung deutscher und dänischer Schulen in Schleswig-Holstein keine Diskriminierung der dänischen Minderheit in Deutschland? Zu Frage 67: Die Förderung von Schulen ist grundsätzlich Angele- genheit der Länder. Es liegt in der Verantwortung der Länder, die Finanzierung ihrer Aufgaben sicherzustel- len. Zum Beitrag des Bundes verweise ich auf die Beant- wortung der Fragen Ihrer Kollegen Rix und Hiller-Ohm. Der Bund hat den dänischen Schulverein 2011 aus- nahmsweise mit einer einmaligen Überbrückungszah- lung direkt gefördert. Auch der dänische Schulverein, der zwar dankbar für die Überbrückungszahlung durch den Bund im Jahr 2 P k v d E S Z in re d lu s d E A d A 1 Z s M is w m d (S – s w n d (C (D 011 ist, sieht hier das Land Schleswig-Holstein in der flicht, im Jahr 2012 zur alten Fördersumme zurückzu- ehren. Gleichzeitig steht das Land Schleswig-Holstein or erheblichen Konsolidierungszwängen, denen es mit em Doppelhaushalt 2011/12 Rechnung getragen hat. ine Konsequenz ist die Deckungslücke des dänischen chulvereins. u Frage 68: Fragen zum Schulwesen in Schleswig-Holstein liegen der alleinigen Zuständigkeit des Landes. Die Bundes- gierung kann sich hierzu nicht äußern. Es sei jedoch ausgeführt, dass die Bundesregierung urch die einmalige Leistung von Überbrückungszah- ngen in Höhe von 3,5 Millionen Euro an den däni- chen Schulverein im Jahr 2011 einen erheblichen Anteil er durch das Land Schleswig-Holstein vorgesehenen insparungen ausgeglichen hat. nlage 52 Antwort er Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Fragen der bgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) (Drucksache 7/7411, Fragen 71 und 73): Wie begründet die Bundesregierung ihre für 2012 beab- sichtigte Reduzierung der Förderung der deutschen Minder- heit in Dänemark um 3,5 Millionen Euro, und wie ist die Posi- tion der deutschen Volksgruppe in Dänemark bzw. der dänischen Regierung hierzu? Wie bewertet die Bundesregierung angesichts ihrer erneu- ten Kürzungen bei der Förderung der deutschen Minderheit in Dänemark und ihrer Weigerung der Fortführung der Förde- rung des dänischen Schulvereins in Schleswig-Holstein das Verhältnis der Unterstützung der Minderheiten beiderseits der Grenze durch die dänische Regierung, die Bundesregierung und die Landesregierung Schleswig-Holstein hinsichtlich des prozentualen dänischen und deutschen Anteils in den Jahren 2009, 2010, 2011 und in der Perspektive für 2012, und sieht die Bundesregierung dabei nicht eine Ungleichgewichtung und Fortsetzung der „schiefen Entwicklung bei den Zuschüs- sen für die Minderheiten“, wie sie die damalige dänische Au- ßenministerin Lene Espersen befürchtete, die erneut zu einer weiteren Belastung des deutsch-dänischen Verhältnisses füh- ren könnte? u Frage 71: Der Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2012 ieht keine Kürzung der Fördermittel für die deutsche inderheit in Nordschleswig (Dänemark) vor. Richtig t, dass der Gesamtansatz des Titels im Regierungsent- urf um 3,5 Millionen Euro gesenkt wurde. Dies ist da- it zu begründen, dass die 2011 erfolgte, einmalige För- erung des dänischen Schulvereins in Südschleswig chleswig-Holstein) in Höhe von 3,5 Millionen Euro 2011 gebucht im gleichen Titel wie der Bund Deut- cher Nordschleswiger – 2012 nicht fortgeschrieben urde. Aus den Gesprächen der Bundesregierung mit der dä- ischen Regierung wissen wir, dass diese grundsätzlich ie Gleichstellung der Schüler des dänischen Schulver- Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16063 (A) ) )(B) eins im Schulgesetz des Landes Schleswig-Holstein for- dert. Gemäß publizierter Meinung vertritt der Bund Deut- scher Nordschleswiger als Organisation der deutschen Volksgruppe in Dänemark die Auffassung, dass die Gleichstellung der Angehörigen der Minderheit mit der Mehrheitsbevölkerung das Ziel jeder staatlicher Minder- heitenpolitik sein muss. Daher betrachtet der Bund Deut- scher Nordschleswiger ein mögliches Absinken der För- derung der deutschen Minderheit aus Bundesmitteln mit gewisser Sorge. Zu Frage 72: Ich verweise auf die Beantwortung Ihrer ersten Frage. Daraus ergibt sich, dass sich der prozentuale Anteil des Bundes bei der Förderung des Bundes Deutscher Nord- schleswiger im Verhältnis zu den beiden anderen Zu- wendungsgebern, dem Land Schleswig-Holstein und der dänischen Regierung, kaum verändert hat. Ohne die bei- den Sonderzahlungen in Höhe von 800 000 Euro in den Jahren 2009 und 2010 in Ansatz zu bringen, wurde ge- genüber dem Haushaltsansatz von 2008 lediglich bei in- vestiven Mitteln im Haushalt 2011 des Bundes Deut- scher Nordschleswiger eine Kürzung von 200 000 Euro vorgenommen. Diese wird auch im Regierungsentwurf 2012 fortgeschrieben. Bund und Länder sind sich darin einig, dass in Zeiten knapper Kassen auch die nationalen Minderheiten einen solidarischen Beitrag zur Konsoli- dierung der Haushalte von Bund und Ländern leisten müssen. Bezüglich der Förderung der dänischen Minderheit in Deutschland sieht die Bundesregierung kein Ungleich- gewicht der Bundesförderung im Vergleich zur Förde- rung durch das Land Schleswig-Holstein und die däni- sche Regierung. Im Gegenteil: Die Förderung der Schulen ist Angele- genheit der Länder. Insofern ist die einmalige Bezu- schussung aus Bundesmitteln in Höhe von 3,5 Millionen Euro als zusätzliche Förderung durch den Bund zu se- hen, die übergeordneten – auch außenpolitischen Interes- sen – geschuldet war. Sie sollte Raum für eine dauer- hafte Lösung der Minderheitenfinanzierung durch das Land Schleswig-Holstein schaffen. Sie kann indes keine dauerhafte Verpflichtung des Bundes konstituieren. Anlage 53 Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Fragen des Abgeordneten Dr. Rolf Mützenich (SPD) (Drucksache 17/7411, Fragen 75 und 76): Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dem Vor- schlag des Golf-Kooperationsrates zur Errichtung einer nukle- arwaffenfreien Zone am Persischen Golf, und mit welchen Initiativen hat die Bundesregierung diesen Vorschlag im Rah- men der Europäischen Union gegebenenfalls unterstützt? Hat sich die Bundesregierung mit den europäischen Part- nern über Rüstungslieferungsbegrenzungen in die Länder am Persischen Golf verständigt, und was sind die Ergebnisse? Z s g s d S s le v w b p tu K d d n V te a Ir Ü d Z C u A g s s M W g im d A d 9 g M re R A d A N (C (D u Frage 75: Der Ministerrat des Golf-Kooperationsrates hat bei einer Tagung in Djidda am 11. September 2011 seine roße Sorge über die jüngsten Entwicklungen im irani- chen Nukleardossier zum Ausdruck gebracht. Er hat in iesem Zusammenhang seine Unterstützung für die chaffung einer von Nuklearwaffen und sonstigen Mas- envernichtungswaffen freien Zone im Nahen und Mitt- ren Osten, einschließlich der Golfregion, bekräftigt. Die Bundesregierung unterstützt die Schaffung einer on Nuklearwaffen und sonstigen Massenvernichtungs- affen freien Zone im Nahen und Mittleren Osten. Wir egrüßen die im Mai 2010 erzielte Einigung der Über- rüfungskonferenz zum Vertrag über die Nichtverbrei- ng, NVV, auf die Durchführung einer internationalen onferenz zu diesem Vorhaben im Jahr 2012. Die Bun- esregierung wirbt gemeinsam mit ihren EU-Partnern afür, dass alle Staaten der Region an der Konferenz teil- ehmen. Die Bundesregierung hat die Durchführung einer zur orbereitung der Konferenz 2012 beitragenden Exper- nkonferenz durch die EU am 6./7. Juli 2011 in Brüssel, n der unter anderem Vertreter aus den Golfstaaten und an teilnahmen, unterstützt und daran mitgewirkt. Im brigen teilt die Bundesregierung die Besorgnis über as iranische Nuklearprogramm. u Frage 76: Im Rahmen der zuständigen EU-Ratsarbeitsgruppe OARM hat es seit Beginn der Unruhen in Tunesien nd Ägypten einen besonders intensiven, vertraulichen ustausch über die jeweiligen nationalen Genehmi- ungspolitiken zu den verschiedenen Staaten der arabi- chen Welt, darunter auch die Anrainerstaaten des persi- chen Golfs, gegeben. Zusätzlich unterrichten die itgliedstaaten einander gegenseitig vertraulich im ege des sogenannten Denial-Austauschs über alle ab- elehnten Anträge auf Ausfuhrgenehmigung. Darüber hinaus gelten – jenseits von Waffenembargos Rahmen von Sanktionen der Vereinten Nationen oder er EU – die Prinzipien der Einzelfallprüfung und der usübung des nationalen Ermessens bei der Entschei- ung über Anträge auf Ausfuhrgenehmigung. Diese sind auch im „Gemeinsamen Standpunkt 2008/ 44/GASP des Rates vom 8. Dezember 2008 betreffend emeinsame Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von ilitärtechnologie und Militärgütern“ verankert. Entsprechend hat es keine Verständigung der Bundes- gierung mit den europäischen Partnern über solche üstungslieferbegrenzungen gegeben. nlage 54 Antwort er Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Frage des bgeordneten Memet Kilic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- EN) (Drucksache 17/7411, Frage 77): Wird die Bundesregierung gegen die Behauptungen des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdoğan, deutsche 16064 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Stiftungen würden mit einigen türkischen Kommunen ge- meinsame Projekte realisieren, die zum Schluss der PKK zugutekommen, vorgehen, und, wenn ja, wie? Die in Ihrer Frage genannten Aussagen wurden un- mittelbar nach Erscheinen durch die Deutsche Botschaft in Ankara medienwirksam zurückgewiesen. Die Bun- desregierung hat ergänzend am gleichen Tag Kontakt mit den politischen Stiftungen aufgenommen. Der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Guido Westerwelle, hat das Thema telefonisch mit dem türki- schen Außenminister, Ahmet Davutoğlu, und bei seinem Besuch in Istanbul am 13. Oktober 2011 auch direkt mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan sowie dem Außenminister angesprochen. Er hat klargestellt, dass die Anschuldigungen aus unserer Sicht unbegründet sind und die Arbeit der Stiftungen hohe Anerkennung ge- nießt. Außenminister Davutoğlu erklärte in der gemeinsa- men Pressekonferenz, dass die Äußerungen in den Me- dien nicht richtig wiedergegeben wurden. Anlage 55 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner auf die Frage des Abgeordneten Memet Kilic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 78): Welche Aktivitäten bzw. Projekte von türkischen Stiftun- gen und Institutionen in Deutschland sind der Bundesregie- rung bekannt? Der Bundesregierung sind keine Projekte türkischer Stiftungen und Institutionen in Deutschland bekannt. Insbesondere werden im Rahmen der Förderung des in- terreligiösen Dialogs keine Maßnahmen türkischer Pro- jektträger gefördert. Anlage 56 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner auf die Frage der Abgeordneten Brigitte Zypries (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 81): Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass – ange- sichts der Schwere des Grundrechtseingriffs bei der Quellen- TKÜ – alle denkbaren grundrechtsschonenden Alternativen geprüft werden müssen, und welche Initativen hat die Bun- desregierung in den zwei Jahren ihrer Amtszeit hierzu ergrif- fen? Alle Formen der Telekommunikationsüberwachungen unterliegen dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz, sodass vor jedem Einsatz zu prüfen ist, ob eine grundrechts- schonendere gleichgeeignete Alternative gegeben ist. Eine Quellen-Telekommunikationsüberwachung darf daher nur zum Einsatz kommen, wenn aufgrund der Nut- zung verschlüsselter Kommunikation über das Internet eine herkömmliche Telekommunikationsüberwachung nicht möglich ist. Deshalb ist in § 20l Abs. 2 Nr 2 des Bundeskriminalamtgesetzes geregelt, dass eine Quellen- Telekommunikationsüberwachung nur zulässig ist, wenn d A a k z s re ti te a A d F (D d z s c s S z E a s F ru h b ü b K d e li A V ö in g S n (C (D ieser Eingriff notwendig ist, um die Überwachung und ufzeichnung der Telekommunikation insbesondere uch in unverschlüsselter Form zu ermöglichen. Die geringe Zahl an Fällen, in denen Quellen-Tele- ommunikationsüberwachung bisher angeordnet wurde, eigt, dass diese Maßnahme nur als Ultima Ratio einge- etzt wird. Die Bundesregierung ist sich der Schwere des Grund- chtseingriffs, der mit jeder Form der Telekommunika- onsüberwachung verbunden ist, bewusst und beobach- t die technische Entwicklung sorgfältig, um hierauf ngemessen reagieren zu können. nlage 57 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner auf die rage der Abgeordneten Brigitte Zypries (SPD) rucksache 17/7411, Frage 82): Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass es – Medienberichten zufolge – in anderen europäischen Län- dern offensichtlich eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwi- schen den jeweiligen Strafverfolgungsbehörden und dem VoIP-Anbieter Skype gibt, und warum ist eine solche Zusam- menarbeit mit den deutschen Sicherheitsbehörden nicht mög- lich? Der Telekommunikationsdienst Skype bietet Telefon- ienste über das Internet an, die entweder unmittelbar wischen zwei internetfähigen Endgeräten oder zwi- chen einem internetfähigen Endgerät und herkömmli- hen Telefonanschlüssen (Mobiltelefon, Festnetztelefon) tattfinden kann. Letzteres wird je Gesprächsrichtung als kype-In (Public Switched Telephone Network/PSTN u Skype) bzw. Skype-Out (Skype zu PSTN) bezeichnet. Im Fall der Telefonie zwischen zwei internetfähigen ndgeräten (Voice over IP/VoIP) fließen die Inhaltsdaten uf beliebigen Wegen im Internet und nicht über techni- che Einrichtungen von Skype. Skype ist es in diesem all nach derzeitigem Kenntnisstand der Bundesregie- ng schon aus technischen Gründen nicht möglich, In- altsdaten den Justiz-, Strafvollzugs- oder Regierungs- ehörden zur Verfügung zu stellen. Bei Skype-In bzw. Skype-Out werden die Gespräche ber sogenannte Media Gateways von Skype geleitet. Es esteht prinzipiell die Möglichkeit der Ausleitung von ommunikationsinhalten. Skype verweist in ihrem Informationsblatt „Respon- ing to Law Enforcement Record Requests“ darauf, dass s ihr auf entsprechende Anordnung ausschließlich mög- ch ist, bestimmte Bestands- (zum Beispiel E-Mail- dresse und Rufnummer des Teilnehmers) sowie erkehrsdaten (Zielrufnummer) für jedes Gespräch in ffentliche Telefonnetze bereitzustellen. Gesprächs- halte werden in keinem Fall von Skype zur Verfügung estellt, nicht einmal, wenn diese als Voice-Mail auf den ervern von Skype abgelegt sind. Die kriminalpolizeiliche Erfahrung zeigt darüber hi- aus, dass in der Vielzahl der Fälle Skype unmittelbar Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16065 (A) ) )(B) zwischen zwei internetfähigen Endgeräten eingesetzt wird. Ohne Quellentelekommunikationsüberwachung gäbe es keine Möglichkeit, diese Gespräche zu überwa- chen. Eine Zusammenarbeit mit Skype findet im Rahmen des technisch Möglichen regelmäßig statt, beschränkt sich aber aus den oben genannten Gründen auf Bestands- und vereinzelt auch Verkehrsdaten. Anlage 58 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner auf die Frage des Abgeordneten Volker Beck (Köln) (BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 83): Wie sehen die Leistungsbeschreibungen in den Verträgen von Bundesbehörden und Bundesministerien mit der Digi- Task GmbH für die Beschaffung von Überwachungssoftware aus? Alle Vergabeverfahren wurden unter Beachtung der rechtlichen Vorschriften durchgeführt. Der Vergabe lagen den Vorschriften des Vergaberechts entsprechende Leis- tungsbeschreibungen für die technischen Anforderungen an die Hard- und Software zugrunde. Die Leistungs- beschreibungen erläutern die generelle Zielrichtung und das technische Grundkonzept der Überwachungssoft- ware inklusive einer Auflistung der Grundfunktionen. Bei der Quellen-Telekommunikationsüberwachung werden die Vorgaben der Rechtsgrundlagen, des Bun- desverfassungsgerichts sowie des anordnenden Richters bzw. der G-10-Komission beachtet und von der von den Bundesbehörden eingesetzten Software in jedem Einzel- fall umgesetzt. Anlage 59 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Christoph Bergner auf die Frage des Abgeordneten Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 84): Welche Angaben macht die Bundesregierung hinsichtlich der Beschaffung von PC-Kommunikationsüberwachungssoft- ware (Trojaner) durch Bundesbehörden seit 2000 jeweils zu Auftragsvergabe (Ausschreibung bzw. freihändig), Lieferan- tenunternehmen, Auftragssummen, Empfängerbehörden, und welche Anhaltspunkte hat die Bundesregierung möglicher- weise, dass Lieferunternehmen den an der Beschaffung betei- ligten Bundesbediensteten oder deren persönlichem Umfeld geldwerte Vorteile gewährten, so wie sie der frühere Chef der für diese Software bis heute führenden DigiTask GmbH zwecks Ankaufs von deren Produkten jahrelang zuständigen Bediensteten des Zollkriminalamts gewährte, welchen deswe- gen das Landgericht Köln 2002 zu Freiheitsstrafe und hoher Geldbuße verurteilte (vergleiche Focus Online vom 20. Okto- ber 2011)? Die Beschaffungen von Software zur Durchführung von Quellen-Telekommunikationsüberwachung erfolgt im Einzelfall und wurde bislang nicht öffentlich ausge- s g w b b fe k k 2 Ü c 1 a fü s E tr ri v lu k h a d te F A d d (D g D ta fr v W (C (D chrieben, sondern im Rahmen der zulässigen freihändi- en Vergabe beauftragt. Die Kosten einer Quellen-Telekommunikationsüber- achung belaufen sich in der Regel für Bundesbehörden ei einer Laufzeit von bis zu drei Monaten auf 13 000 is 15 000 Euro (Entwicklung, Miete und Pflege). So- rn die Überwachung früher abgebrochen wird, werden eine weiteren Kosten in Rechnung gestellt. Zu Ausgaben konnten in der zur Verfügung stehenden urzen Zeit folgende Informationen erhoben werden: Das Bundeskriminalamt hat seit dem Jahr 2007 rund 82 870 Euro für Entwicklung, Miete und Pflege der berwachungssoftware eingesetzt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat im glei- hen Zeitraum Haushaltsmittel in Höhe von insgesamt 07 041 Euro für Investitions- und Betriebskosten ver- usgabt. Die Zollverwaltung hat in den vergangenen nf Jahren insgesamt rund 180 000 Euro für die Be- chaffung der in Rede stehenden Software (inclusive ntwicklung, Miete und Pflege) aufgewendet. Seit dem 13. Oktober 2009 besteht ein Rahmenver- ag zwischen dem Beschaffungsamt des Bundesministe- ums des Innern und der Firma DigiTask. In 2011 wurden im Rahmen eines Markterkundungs- erfahrens 500 Euro zur Beschaffung einer Testgestel- ng verausgabt. Insgesamt wird Software zur Quellen-Telekommuni- ationsüberwachung von zwei Herstellern in Bundesbe- örden eingesetzt. Aktuelle Anhaltspunkte, dass Lieferunternehmen den n der Beschaffung beteiligten Bundesbediensteten oder eren persönlichem Umfeld geldwerte Vorteile gewähr- n, liegen der Bundesregierung neben dem genannten all nicht vor. nlage 60 Antwort es Parl. Staatssekretärs Hartmut Koschyk auf die Frage er Abgeordneten Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) rucksache 17/7411, Frage 85): Wann wird die Bundesregierung die konkreten Pläne zur Senkung der Einkommensteuer vorlegen, auch vor dem Hin- tergrund, dass die Änderungen des Verbraucherpreisindex für die Jahre 2010 bis 2012 erst in 2013 bekannt werden, und wie verteilt sich nach Schätzungen der Bundesregierung das in der Pressemitteilung des Bundesministeriums der Finanzen vom 20. Oktober 2011 genannte Volumen von 6 Milliarden bis 7 Milliarden Euro als Aufkommen aus der kalten Progression auf die Jahre 2010 bis 2012? Die Bundesregierung verfolgt das Ziel einer Beseiti- ung der kalten Progression. Hierzu haben die Minister r. Schäuble und Dr. Rösler am vergangenen Donners- g Eckpunkte vorgelegt, die eine Anpassung des Grund- eibetrags und eine Rechtsverschiebung der Tarifkurve orsehen. Weitere Einzelheiten werden in den nächsten ochen vorgelegt. 16066 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Anlage 61 Antwort des Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die Frage der Abgeordneten Dr. Martina Bunge (DIE LINKE) (Drucksache 17/7411, Frage 86): Auf welchem Wege wird die Umsetzung der Urteile des Dritten Senats des Bundesarbeitsgerichts vom 11. Mai 1999 (3AZR 242/95) gewährleistet, demzufolge ein Anspruch auf Zusatzversorgung nach der sogenannten Abgabenordnung 54, AO 54, für Beschäftigte wichtiger volkseigener Betriebe der DDR, der bis zum 31. Dezember 1991 entstanden ist, auch über diesen Zeitpunkt hinaus bestehen bleibt, es sei denn, die Betroffenen haben eine Abgeltungszahlung erhalten und eine zugehörige „verbindliche Erklärung“ zum Verzicht auf etwaige Zusatzrentenansprüche unterzeichnet, und wie können Betrof- fene, die weder eine Abgeltungszahlung erhalten noch eine „verbindliche Erklärung“ unterzeichnet haben, ihren An- spruch auf die Zusatzrente nach AO 54 realisieren oder heute auch noch die Einmalzahlung in Anspruch nehmen? Das Bundesarbeitsgericht hat 1996 entschieden, dass Arbeitnehmern in den neuen Bundesländern, die bis Ende 1991 bereits eine Zusatzrente nach der sogenann- ten Anordnung 54 erhielten, diese Zusatzrente auch wei- terhin zustehe. Der Einigungsvertrag schließe lediglich aus, dass nach 1991 neue Beschäftigte bzw. Rentner den Anspruch auf diese Zusatzrente erwerben könnten. Sofern es derzeit noch Fälle geben sollte, in denen solche betrieblichen Zusatzrentenansprüche im Streit stehen, müssen die Betroffenen ihre Rechte gegenüber ihren ehemaligen Arbeitgebern – wie schon in den ver- gangenen 20 Jahren und wie im Betriebsrentenrecht üb- lich – gegebenenfalls auf dem Rechtsweg geltend ma- chen, wobei sich allerdings die Frage der Verjährung stellt. Ein Rechtsanspruch auf eine Einmalzahlung dürfte al- lerdings nicht bestehen. Solche Einmalzahlungen sind nach der Wiedervereinigung von den Unternehmen oft- mals auf der Grundlage von zwischen der Treuhand- anstalt und den Gewerkschaften abgestimmten Muster- betriebsvereinbarungen geleistet worden, wenn die Beschäftigten im Gegenzug auf künftige Ansprüche nach der AO 54 verzichtet haben. Weder die Unterneh- men noch die Beschäftigten waren und sind jedoch zu solchen Vergleichen verpflichtet. Anlage 62 Antwort des Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die Fragen des Abgeordneten Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE) (Drucksache 17/7411, Fragen 87 und 88): Wie viele Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation sind in Deutschland seit dem Jahr 2002 bundesweit in Umset- zung der Bestimmungen des Neunten Buches Sozialgesetz- buch, SGB IX, von den Rehabilitationsträgern eingerichtet worden, und wie viele sind davon barrierefrei? Bitte nach Bundesländern aufschlüsseln. Wie bewertet die Bundesregierung die Arbeit dieser Ge- meinsamen Servicestellen, und welche Planungen gibt es zur Erhöhung ihrer Wirksamkeit? Z s S b s v d Z ti k b B im § g 3 d m le B is je z b ri d Im te re w d G te A d z k R c A d F D B g (C (D u Frage 87: Nach der letzten Erhebung der Deutschen Rentenver- icherung Bund im Mai 2011 gab es 473 Gemeinsame ervicestellen. Die Aufteilung nach Bundesländern ist eigefügter Tabelle zu entnehmen. Über die Anzahl der Servicestellen, die barrierefrei ind, liegen der Bundesregierung keine Informationen or. Die Anzahl konnte kurzfristig nicht ermittelt wer- en. u Frage 88: Ziel der Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilita- on, GS, ist es, Betroffene umfassend zu allen infrage ommenden Leistungen der verschiedenen Rehaträger eraten zu können und konkrete Hilfe anzubieten. Die undesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, BAR, hat Januar 2011 den Dritten Bericht über die GS nach 24 Abs. 2 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch vor- elegt. Er umfasst den Zeitraum vom 1. Juli 2007 bis 0. Juni 2010. Aufbauend auf diese Erkenntnisse haben ie an den GS beteiligten Rehabilitationsträger Maßnah- en zur Verbesserung erarbeitet. Diese betreffen vor al- m die Qualitätssicherung und die Unterstützung der eratung durch eine zentrale Datenbank. Ziel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales t es weiterhin, flächendeckend, also in jeder Region, in dem Sozialraum eine gute Beratungs- und Unterstüt- ungsleistung durch gemeinsame Servicestellen anzu- ieten. Des Weiteren muss es einheitliche Qualitätskrite- en geben. Die Qualität des Angebots muss unabhängig avon sein, wer die Servicestelle trägt und organisiert. Rahmen der BAR wird derzeit ein Konzept erarbei- t, das Vorschläge über den Abbau von Doppelstruktu- n – mehrere GS an einem Ort – enthält. Außerdem ird an Eckpunkten der Qualitätssicherung gearbeitet, ie die bestehende BAR-Rahmenvereinbarung zu den emeinsamen Servicestellen aus dem Jahr 2010 erwei- rn und ergänzen soll. Für das Bundesministerium für rbeit und Soziales ist es darüber hinaus wichtig, dass ie GS auch zu Fragen des Persönlichen Budgets und um Betrieblichen Eingliederungsmanagement beraten önnen. Zu Letzterem gibt es im Bereich der Deutschen entenversicherung mehrere erfolgreiche Modellversu- he, die ausgeweitet werden. nlage 63 Antwort es Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die rage des Abgeordneten Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 89): Welches Ziel verfolgt die vom Bundesministerium für Ar- beit und Soziales geplante wissenschaftliche Studie zur Bil- dung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen im unteren Einkommensbereich, die im Jahr 2011 beginnt, über zwei Jahre andauert und rund 215 000 Euro kostet? Erklärtes Ziel der Armutsbekämpfungspolitik der undesregierung ist es, verschlossene oder nicht wahr- enommene Teilhabemöglichkeiten trotz bestehender Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16067 (A) ) )(B) Einkommensarmut zu eröffnen. Das Bildungs- und Teil- habepaket ist eine Maßnahme auf der Grundlage einer Gesetzesinitiative der Bundesregierung, die die Teilha- bemöglichkeiten benachteiligter Kinder an schulischer und außerschulischer Bildung sowie an kulturellen An- geboten verbessern soll. Im Rahmen der Forschung für den 4. Armuts- und Reichtumsbericht wurde bereits im August 2011 das Forschungsvorhaben mit dem Titel „Bildung und Teil- habe von Kindern und Jugendlichen im unteren Einkom- mensbereich“ an das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik, ISG, in Köln vergeben. Das Er- kenntnisinteresse zielt darauf, in welchem Umfang und von welchen Personengruppen Leistungen in Anspruch bzw. nicht in Anspruch genommen werden und aus wel- chen Gründen dies geschieht und inwieweit durch die Leistungen neue Teilhabemöglichkeiten eröffnet oder neue Finanzierungsgrundlagen für Leistungen geschaf- fen werden. Dabei ist von besonderem Interesse, wo- durch die Inanspruchnahme des Bildungs- und Teilhabe- pakets möglicherweise erleichtert bzw. erschwert wird. Das Forschungsvorhaben dauert acht Monate. Ergeb- nisse sollen bis Ende des 1. Quartals 2012 für die Ver- wendung im 4. Armuts- und Reichtumsbericht vorlie- gen. Anlage 64 Antwort des Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die Frage des Abgeordneten Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 90): Zu welchem Ergebnis kommt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bei der angekündigten Ermittlung (siehe Bundestagsdrucksache 17/6272, Antwort zu Frage 20) des im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes zu erbringenden Eigenanteils aus dem Regelsatz an den Schülerbeförderungs- kosten? Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Rah- men der Konferenz oberster Landessozialbehörden, KOLS, voraussichtlich Mitte November 2011 einen Vor- schlag für die Quantifizierung des aus dem Regelbedarf in der Sozialhilfe beziehungsweise der Grundsicherung für Arbeitsuchende zu erbringenden Eigenanteils vorle- gen. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass dieser Eigen- anteil nur für Schülermonatsfahrkarten gilt, die für einen festgelegten Tarifbereich ohne weitergehende Beschrän- kungen und deshalb auch für den privaten Mobilitätsbe- darf nutzbar sind. Schülermonatsfahrkarten, die nur für den Weg von der Wohnung zur Schule und zurück gel- ten, fallen nicht darunter. Anlage 65 Antwort des Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die Frage der Abgeordneten Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE) (Drucksache 17/7411, Frage 91): e E d w p s d A A d F D A W ru g w B Z V d S G ru L d s L b g s F a § k ä (C (D Wie prüft die Bundesregierung die Hinweise auf umfas- senden und möglicherweise sittenwidrigen Einsatz Schein- selbstständiger bei der eismann Tiefkühl-Heimservice GmbH (vergleiche Sendung des WDR Die Eismann-Story vom 10. Oktober 2011), und sind durch die Bundesagentur für Ar- beit Arbeitslose an diese Firma vermittelt worden? Sofern die Bundesregierung Kenntnis von Hinweisen rlangt, die auf einen umfassenden und sittenwidrigen insatz von Scheinselbstständigen hindeuten, werden iese Hinweise an die Deutsche Rentenversicherung eitergegeben. Diese prüft im Rahmen von Arbeitgeber- rüfungen, ob eine abhängige Beschäftigung oder eine elbstständige Tätigkeit vorliegt. Eine Auswertung der Vermittlungen durch die Bun- esagentur für Arbeit, aufgeschlüsselt nach einzelnen rbeitgebern, liegt der Bundesregierung nicht vor. nlage 66 Antwort es Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die rage des Abgeordneten Tom Koenigs (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/7411, Frage 92): Inwiefern ist eine Vergabe von Lebensmittel- und Ärzte- gutscheinen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz an Asyl- bewerber mit Artikel 3 des Grundgesetzes, Artikel 26 des In- ternationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte und Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Arbeits- agentur Leistungsbezieher von Arbeitslosengeld II, die nach dem Regelsatz bezahlt werden, bei Vertragsverstößen mit der Vergabe von Lebensmittelgutscheinen oder Sachleistungen sanktioniert, und in welchen Bundesländern werden nach Kenntnis der Bundesregierung Lebensmittel- und Ärztegut- scheine an Asylbewerber ausgegeben? Der Bedarf Nahrung kann nach § 3 Abs. 2 Satz 1 sylbewerberleistungsgesetz, AsylbLG, auch durch ertgutscheine gedeckt werden. Mit der Nichtgewäh- ng von Geldleistungen soll im Asylbewerberleistungs- esetz zum einen die Schlepperkriminalität eingedämmt erden, indem die Flüchtlinge möglichst über keine armittel zur Bezahlung von Schleppern verfügen. udem sollen die Anreize zu einer Einreise und einem erbleib aus wirtschaftlichen Gründen genommen wer- en. Daher handelt es sich um keine willkürliche chlechterstellung, sodass weder der grundgesetzliche leichheitssatz noch die völkerrechtlichen Diskriminie- ngsverbote verletzt werden. Die Gewährungspraxis hinsichtlich der Form der eistungen ist sehr heterogen. Die Leistungsgewährung ifferiert, abhängig von den Erfordernissen der Um- tände, in fast allen Bundesländern von Landkreis zu andkreis. Nur in den Ländern Bayern, Baden-Württem- erg und Niedersachsen wird der Bedarf Nahrung weit- ehend einheitlich durch Sachleistungen oder Wertgut- cheine gedeckt. „Ärztegutscheine“ existieren in diesem Sinne nicht. ür die Übernahme von Behandlungskosten bedarf es ber eines Antrags auf Gewährung von Leistungen nach 4 AsylbLG. Nach dieser Regelung ist bei akuten Er- rankungen und Schmerzzuständen die erforderliche rztliche Versorgung zu gewähren. Bei Anerkennung der 16068 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 (A) ) )(B) Voraussetzungen des Anspruchs erhält der Leistungs- berechtigte einen Krankenschein, mit dem er sich bei ei- nem niedergelassenen Arzt behandeln lassen kann. Ohne Klärung der Kostenfrage haben ansonsten Ärzte wie Krankenhäuser außerhalb von Notfällen das Recht, die Behandlung zu verweigern. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern diese Praxis gegen Art. 3 Grundgesetz oder die völkerrechtlichen Diskriminierungsverbote versto- ßen sollte. Anlage 67 Antwort des Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die Fragen der Abgeordneten Sabine Zimmermann (DIE LINKE) (Drucksache 17/7411, Fragen 93 und 94): Wie viele so genannte Aufstocker, also Erwerbstätige mit und ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die zu- gleich Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch beziehen, gibt es derzeit im Bereich des öffentlichen Dienstes bzw. in den entsprechenden Wirtschaftsbereichen „Öffentli- che Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“, „Erzie- hung und Unterricht“, „Gesundheits- und Sozialwesen“, und wie hat sich deren Zahl seit dem Jahr 2007 verändert? Bitte absolute Zahlen und Anteil an der Gesamtbeschäftigung der Wirtschaftsbereiche nennen. Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung der Zahlen der Aufstocker – erwerbstätige SGB-II-Leistungsbe- zieher – im Bereich des öffentlichen Dienstes in den letzten Jahren? Zur Entwicklung der Zahl der Erwerbstätigen mit und ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die zugleich Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialge- setzbuch im Bereich des öffentlichen Dienstes beziehen – oft auch als Aufstocker bezeichnet –, liegen der Bun- desregierung keine hinreichend genauen Informationen vor. Sie kann daher auch keine Bewertung vornehmen. Verfügbare statistische Informationen für die Gruppe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind als Grundlage für eine Bewertung nicht geeignet. Alle auf- geführten Wirtschaftszweige erfassen gemäß der Klassi- fikation der Wirtschaftszweige auch Tätigkeiten, die nicht von öffentlichen Einrichtungen ausgeübt werden. Für die Zuordnung zu einem dieser Wirtschaftsab- schnitte ist nicht der rechtliche oder institutionelle Status, sondern nur die Haupttätigkeit des meldenden Betriebes entscheidend. Beispielsweise umfasst der Wirtschaftszweig „Erziehung und Unterricht“ auch pri- vate Bildungsanbieter sowie die Erteilung von Unter- richt in sportlichen und Freizeitaktivitäten wie Tennis- oder Golfkursen. Für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ist eine Aussage zu den sogenannten Aufstockern grundsätzlich mithilfe einer integrierten Auswertung von Beschäfti- gungsstatistik und Grundsicherungsstatistik der Bundes- agentur für Arbeit möglich. Hierbei werden die sozialversicherungspflichtig be- schäftigten Arbeitslosengeld-II-Bezieher in den in der Fragestellung genannten Wirtschaftsabschnitten – Wirt- schaftszweigklassifikation 2008 – herangezogen. B s B B v 9 c 2 b w p 2 s g im 1 ti n p s d d s S d fe ü n A d F (D ä g B w k h S v K (C (D Die Zahl der Aufstocker, also der Arbeitslosengeld-II- ezieher mit einem sozialversicherungspflichtigen Be- chäftigungsverhältnis und zeitgleichem Zufluss von ruttoerwerbseinkommen, lag im Dezember 2010 im ereich „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozial- ersicherung und exterritoriale Organisationen“ bei rund 700 und damit bei etwa 0,6 Prozent aller sozialversi- herungspflichtig Beschäftigten in dieser Branche. Im Bereich „Erziehung und Unterricht“ gab es etwa 5 800 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ar- eitslosengeld-II-Bezieher mit Einkommen aus Er- erbstätigkeit; ihr Anteil an allen sozialversicherungs- flichtig Beschäftigten lag im Dezember 2010 bei etwa ,3 Prozent. Im „Gesundheits- und Sozialwesen“ lag die Zahl der ozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitslosen- eld-II-Bezieher mit Einkommen aus Erwerbstätigkeit Dezember 2010 bei rund 67 200 und damit bei etwa ,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäf- gten in dieser Branche. Gegenüber Dezember 2007 ist der Anteil der soge- annten Aufstocker im Bereich der sozialversicherungs- flichtig Beschäftigten in allen drei genannten Wirt- chaftsabschnitten gesunken. Bei aller Unschärfe bezüglich einer Bewertung für en Bereich des öffentlichen Dienstes ist es für die Bun- esregierung ein positives Indiz, dass in dem Wirt- chaftszweig „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, ozialversicherung“, bei dem davon auszugehen ist, dass er Anteil von Tätigkeiten, die von Beschäftigten des öf- ntlichen Dienstes ausgeübt werden, höher ist als in den brigen beiden Wirtschaftszweigen, die Zahl der soge- annten Aufstocker deutlich unterdurchschnittlich ist. nlage 68 Antwort es Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die rage der Abgeordneten Anette Kramme (SPD) rucksache 17/7411, Frage 95): Inwieweit findet vor dem Hintergrund eigenständig orga- nisierter Jobcenter bei der Anpassung der Internen Services im Rahmen der geplanten Organisationsreform der Bundes- agentur für Arbeit die Zahl der jeweils dazugehörigen Job- center Berücksichtigung, und wie will die Bundesagentur für Arbeit sicherstellen, dass eine Einteilung der Internen Ser- vices rein unter dem Aspekt der zu betreuenden Mitarbeiter nicht die Wahrnehmung der Aufgaben in den verschiedenen Trägerversammlungen beeinträchtigt? Bei der Anpassung der Internen Services an die ver- nderten Strukturen wird besonderes Augenmerk darauf erichtet werden, dass die Vertretung der Aufgaben der undesagentur für Arbeit in den Trägerversammlungen eiterhin in gewohnter Weise sichergestellt werden ann. Als Ansprechpartner der Träger stehen bereits eute nicht nur die jeweiligen Geschäftsführer Interner ervice, sondern auch eine Reihe von Spezialisten der erschiedenen Fachbereiche zur Verfügung, auf deren ompetenz jederzeit zurückgegriffen werden kann. Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 135. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 26. Oktober 2011 16069 (A) (C) )(B) Durch die geplante Anpassung der Strukturen wird die Zahl dieser Fachleute nicht verändert. Auch die Zuordnung der Internen Services und der jeweiligen An- sprechpartner zu den Verantwortlichen in den Agenturen und Jobcentern bleibt im Wesentlichen gleich. Bei der personellen Dimensionierung der Internen Services wird zukünftig als Kriterium unter anderem die Zahl der zu betreuenden Dienststellen herangezogen; das heißt diejenigen Internen Services, die eine überdurch- schnittlich große Zahl von Agenturen und Jobcentern, Service sowie schnelle Kontaktaufnahme und Termin- vereinbarung mit dem Kunden werden im Übrigen durch einen internen Qualitätsstandard abgesichert. Anlage 70 Antwort des Parl. Staatssekretärs Peter Bleser auf die Fragen der Abgeordneten Petra Crone (SPD) (Drucksache 17/7411, Fragen 97 und 98): gE, betreuen, sollen personell auch entsprechend ausge- stattet werden. Anlage 69 Antwort des Parl. Staatssekretärs Hans-Joachim Fuchtel auf die Frage der Abgeordneten Anette Kramme (SPD) (Drucksache 17/7411, Frage 96): Wie will die Bundesagentur für Arbeit sicherstellen, dass die von ihr geplante Organisation der Leistungsgewährung im Rahmen von dezentral arbeitenden, aber zentral geführten Operativen Services auch in schwierigen wirtschaftlichen Situationen wie Kurzarbeit und Insolvenz für Betriebsräte und Arbeitgeber schnelle und kompetente Beratung gewährleistet und mit den verantwortlichen Entscheidungsträgern verbind- liche Vereinbarungen ermöglicht? Erster Ansprechpartner für die genannten Kunden- gruppen und Themenbereiche ist und bleibt wie bisher die Geschäftsführung bzw. der Arbeitgeberservice in der zuständigen Agentur für Arbeit. Durch diese Personen wird auch in Zukunft in jedem Fall eine qualifizierte Erstberatung sichergestellt. Wie bisher stehen soweit erforderlich für Detailfragen die entsprechenden Spezialisten zur Verfügung. Die Opera- tiven Services fungieren in diesem Zusammenhang als Unterstützungseinheiten, auf die aus der jeweiligen Agentur für Arbeit heraus auch kurzfristig zugegriffen werden kann. Durch die Zusammenführung der Aufga- ben in fachlich homogenen Teams wird sichergestellt, dass auch kleinere Arbeitsagenturen bei zurückgehen- dem Kundenvolumen die bisherigen kundenbezogenen Bearbeitungs- und Qualitätsstandards über das gesamte Spektrum der Dienstleistung in der erforderlichen fach- lichen Tiefe und spezialisierten Beratung anbieten kön- nen. Der Kunde erhält die Leistung auch weiterhin „aus einer Hand“. Schnelle und kompetente Beratung, verbindliche Ab- stimmung zwischen Agentur für Arbeit und Operativem Z li w M c d F d n V F e d d la e Z M fe s M d s F v E m b B (D Geht die deutsche Forstwirtschaft nach Auffassung der Bundesregierung aus den Legislativvorschlägen der Euro- päischen Kommission zur Reform der Gemeinsamen Agrar- politik, GAP, nach 2013 gestärkt hervor, und wenn ja, durch welche Maßnahmen? Mit welchem Anteil am Gesamtbudget der Zahlungen aus der GAP kann der Forstsektor 2014 bis 2020 rechnen? u Frage 97: Die Forstpolitik gehört nicht zu den gemeinschaft- chen Politikbereichen der Europäischen Union. Gleich- ohl wurden mit der GAP-Reform von 1992 flankierende aßnahmen, wie die Erstaufforstung landwirtschaftli- her Flächen, in den EU-Förderkatalog eingeführt. Mit er Agenda 2000 wurden die Strukturmaßnahmen zur örderung der ländlichen Entwicklung als zweite Säule er GAP ausgebaut. Dabei wurden auch die Forstmaß- ahmen erweitert. Diese Maßnahmen sollen nach den orschlägen der Europäischen Kommission auch in der örderung ab 2014 fortgeführt werden. Letztlich handelt s sich um ein Förderangebot an die Mitgliedstaaten, das iese in ihren Entwicklungsprogrammen entsprechend em regionalen Bedarf aufgreifen können. In Deutsch- nd werden diese Programme von den Bundesländern rstellt und umgesetzt. u Frage 98: Der Finanzrahmen für die GAP und damit auch die ittel für die zweite Säule sind noch nicht abschließend stgelegt. Dabei wird außerdem lediglich über den Ge- amtplafonds für ELER entschieden. Die Aufteilung der ittel auf die Mitgliedstaaten bleibt einer Entscheidung er Europäischen Kommission vorbehalten, die dabei owohl objektive Kriterien im Zusammenhang mit den örderzielen der ELER-Verordnung als auch die Mittel- erteilung der Vergangenheit berücksichtigen soll. Die ntscheidung über die Verteilung auf einzelne Maßnah- en liegt bei den Mitgliedstaaten bzw. in Deutschland ei den für die Umsetzung der Förderung zuständigen undesländern. 135. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 1, ZP 1 Regierungserklärung zum Europäischen Rat und zum Eurogipfel TOP 7 Wahl der Mitglieder des StabMechG-Gremiums TOP 2 Befragung der Bundesregierung TOP 3 Fragestunde ZP 2 Aktuelle Stunde zu Steuersenkungsplänen TOP 4 Vereinbarte Debatte zu 50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei Anlagen zum Stenografischen Bericht
Gesamtes Protokol
Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713500000

Die Sitzung ist eröffnet.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich begrüße Sie
herzlich zur 135. Sitzung des Bundestages.

Interfraktionell ist vereinbart worden, die heutige Ta-
gesordnung um die Beratung des Antrags der Fraktion
Bündnis 90/Die Grünen auf der Drucksache 17/7359 zu
erweitern. Dieser Zusatzpunkt soll zusammen mit dem
ersten Tagesordnungspunkt aufgerufen werden. Außer-
dem ist vorgesehen, die Wahl der Mitglieder des Gre-
miums gemäß § 3 Abs. 3 des Stabilisierungsmechanis-
musgesetzes – das ist unser Tagesordnungspunkt 7 – auf
heute vorzuziehen. Die Wahl soll im Anschluss an die
im Zusammenhang mit der Regierungserklärung vorge-
sehenen namentlichen Abstimmungen erfolgen. Nach
der Fragestunde ist dann noch eine von der Fraktion Die
Linke verlangte Aktuelle Stunde zur Steuerpolitik ge-
plant.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Zum Steuerchaos! – Gegenruf des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie? Redet der Seehofer da für euch? – Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


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Redet
– Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Zwischenrufe,
wie meistens, im Protokoll erfasst sind, sodass sie hier
nicht wiederholt werden müssen.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Schade, Herr Präsident!)


Ich stelle jedenfalls Einvernehmen zu den von mir ge-
rade vorgetragenen beabsichtigten Veränderungen fest.
Dann können wir so verfahren.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 1 sowie den gerade
aufgesetzten Zusatzpunkt 1 auf:

1 Abgabe einer Regierungserklärung durch die
Bundeskanzlerin

zum Europäischen Rat und zum E
am 26. Oktober 2011 in Brüssel

(C (D ung 26. Oktober 2011 1 Uhr P 1 Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Gerhard Schick, Fritz Kuhn, Dr. Thomas Gambke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Einsetzung einer Kommission des Deutschen Bundestages zur Regulierung der Großbanken – Drucksache 17/7359 – Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss Ausschuss für Wirtschaft und Technologie Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Haushaltsausschuss Zu der Regierungserklärung liegen mehrere Entchließungsanträge vor. Wir werden mindestens drei naentliche Abstimmungen im Anschluss an die Regiengserklärung haben. Stellen Sie sich darauf bitte schon inmal ein. Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für ie Aussprache im Anschluss an die Regierungserkläng 90 Minuten vorgesehen. – Auch hierzu höre ich einen Widerspruch. Dann können wir das so handhaen. Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung erält nun die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel. ext Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor gut drei Jahren löste die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers den größten Börsencrash der Nachkriegszeit aus. Was als amerikanische Immobilienkrise begann, entwickelte sich rasch zu einer globalen Finanzkrise. Gemeinsame Anstrengungen der Bundesregierung und des Bundestages haben damals verhindert, dass Deutschland in eine tiefe Rezession geriet. Den Bürgerinnen und Bürgern hat die Krise dennoch viel abverlangt: wirtschaftliche Einbußen, aber auch Geduld und n wir festhalten: Unsere gemeinsamen haben sich gelohnt; denn Deutschland ist urogipfel Vertrauen. Heute könne Anstrengungen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel )


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Angela Merkel (CDU):
Rede ID: ID1713500100




(A) )

stärker aus der globalen Finanzkrise hervorgegangen, als
es in sie hineingegangen ist. Wir können uns über ein be-
achtliches Wirtschaftswachstum freuen. Und vor allen
Dingen ist die Arbeitslosigkeit so gering wie seit 20 Jah-
ren nicht mehr.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Klar ist aber auch: Deutschland kann es auf Dauer
nicht gut gehen, wenn es Europa schlecht geht. Deshalb
ist jetzt das wichtigste Anliegen der Bundesregierung,
dass auch Europa stärker aus der Krise hervorgeht, als es
in sie hineingekommen ist. Das bedeutet nicht mehr und
nicht weniger als: Europa muss eine Stabilitätsunion
werden. Was heißt das?

Das bedeutet erstens: Wir müssen die akute Krise be-
wältigen. Dazu müssen wir tragfähige Lösungen für die
Länder finden, die eine zu hohe Verschuldung aufwei-
sen, und damit die Fehler der Vergangenheit korrigieren.
Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass sich die Krise
immer weiter auf andere Länder ausbreitet.

Genauso wichtig wie das Erstgesagte ist zweitens:
Wir müssen Vorsorge für die Zukunft treffen. Dazu müs-
sen wir die Ursachen dieser Krise entschlossen an ihrer
Wurzel packen. Das ist die übermäßige Verschuldung,
aber auch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit einiger
Euro-Mitgliedstaaten. Das bedeutet nichts anderes, als
dass wir die Fundamente der Wirtschafts- und Wäh-
rungsunion maximal verstärken müssen.

Jede dieser beiden von mir genannten Herausforde-
rungen ist für sich genommen schon relativ groß. Wir
müssen jedoch auf diese Herausforderungen gleichzeitig
überzeugende Antworten finden, wenn die Wirtschafts-
und Währungsunion ihre Belastungsprobe bestehen und
dauerhaft gestärkt aus ihr hervorgehen will. Ich glaube,
wir sind uns einig: Dies ist die größte Belastungsprobe
der Wirtschafts- und Währungsunion, die es je gegeben
hat.


(Zuruf von der LINKEN: Wahrscheinlich nicht die letzte!)


Bei der Formulierung der Antworten sind wir am ver-
gangenen Wochenende in den Beratungen der Finanz-
minister und der Staats- und Regierungschefs ein gutes
Stück vorangekommen, und ich werde mich heute
Abend dafür einsetzen, dass wir insgesamt zu tragfähi-
gen Entscheidungen kommen. Die Probleme, mit denen
wir es zu tun haben, haben ihren Ursprung zum Teil weit
vor Ausbruch der aktuellen Krise. Dieses wurde jedoch
interessanterweise sowohl von den Märkten, aber eben
leider auch von der Politik viel zu lange ignoriert.

Die Wahrheit ist: Jahrelang war es möglich, Schulden
zu machen, ohne dass es Sanktionen der Märkte in Form
von erhöhten Zinsen gab oder die Sanktionen im Stabili-
täts- und Wachstumspakt, die eigentlich dafür vorgese-
hen sind. Jahrelang war es möglich, notwendigen Refor-
men auszuweichen und in der Wettbewerbsfähigkeit
zurückzufallen. Zur Wahrheit gehört auch, dass die für
die Angleichung der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der
Europäischen Union vorgesehenen Fonds – die Struktur-
fonds und der Kohäsionsfonds – teilweise zu Fehlwir-

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(C (D ungen geführt und gerade nicht das gewünschte Ergebis gezeitigt haben. Mit diesem jahrelangen Reformstau aben wir jetzt zu kämpfen. Deshalb wäre es völlig uneriös, zu behaupten, das könne man über Nacht einfach uflösen. Aber es gibt auch positive Nachrichten. Vor allem Irnd ist wieder auf einem guten Weg, Portugal ist fest ntschlossen, sein Anpassungsprogramm durchzusetzen, nd die griechische Regierung hat in den letzten Monan mit dringend notwendigen Reformen begonnen. Es t auch einmal der Erwähnung hier wert, dass den Men chen in Griechenland viel abverlangt wird. Sie verdieen unseren Respekt, und sie verdienen vor allen Dingen ine tragfähige Zukunftsperspektive in der Euro-Zone. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Dennoch: Es ist noch sehr viel zu tun, um die Pro-
leme Griechenlands in den Griff zu bekommen. Die so-
enannte Troika aus Vertretern von Europäischer Kom-
ission, Europäischer Zentralbank und Internationalem
ährungsfonds überwacht die Umsetzung des Pro-

ramms und bewertet, ob Griechenland seine Schulden-
st grundsätzlich tragen kann. Aus dem inzwischen vor-
egenden neuesten Bericht der Troika müssen wir jetzt
ie richtigen Schlüsse ziehen. Der Bericht zeichnet auf
er Basis der Erfahrungen von inzwischen anderthalb
ahren ein realistisches Bild der Lage Griechenlands.
as ist insbesondere das Verdienst des IWF und seiner
euen Direktorin, Christine Lagarde, der ich an dieser
telle ausdrücklich danken möchte.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Der Troika-Bericht verdeutlicht, dass Griechenland
rst am Anfang eines langen und schwierigen Weges
teht. Er verdeutlicht auch, dass der Privatsektor einen
rheblichen Beitrag leisten muss, um die Schuldentrag-
higkeit Griechenlands nachhaltig zu verbessern. Das
rgebnis lautet auch: Die Maßnahmen, die wir am
1. Juli 2011 im Europäischen Rat auf der Grundlage der
amals vorliegenden Ergebnisse beschlossen haben, sind
eute nicht mehr tragfähig. Das Ergebnis der heutigen
eratungen muss sein – das ist das Ziel –, dass die
chuldentragfähigkeit Griechenlands so ausgestaltet
ird, dass Griechenland im Jahr 2020 auf einen Schul-
enstand von 120 Prozent Verschuldung des Brutto-
landsprodukts kommt. Das geht nicht, ohne dass sich

er private Sektor in erheblich größerem Umfang an den
asten beteiligt, als das am 21. Juli 2011 vorgesehen
ar.


(Dr. Ilja Seifert [DIE LINKE]: Das war damals schon klar!)


Ein Schuldenerlass allein – das will ich hier ganz
eutlich sagen –, egal wie er ausgestaltet ist, löst aller-
ings die Probleme Griechenlands nicht. Schmerzhafte
nd notwendige Strukturreformen müssen konsequent
mgesetzt werden. Sonst stehen wir trotz Schuldenerlass
ach kurzer Zeit wieder da, wo wir heute stehen. Das
uss immer klar sein.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)






Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Deshalb ist das Prinzip, das wir von Anfang an anwen-
den, richtig: Hilfen kann es nur geben, wenn der Emp-
fänger Eigenverantwortung übernimmt. Hilfen müssen
immer an strenge Bedingungen geknüpft sein.

Meine Damen und Herren, auf diesem Weg müssen
wir Griechenland mit Sicherheit noch eine ganze Zeit
begleiten. Ich glaube – auch darüber werden wir heute
sprechen –, es reicht nicht aus, dass alle drei Monate eine
Troika kommt und wieder geht. Es wäre wünschenswert,
dass eine permanente Überwachung in Griechenland
stattfindet.


(Zuruf von der LINKEN: Genauso wie bei uns!)


Genauso sind wir verpflichtet, alles dafür zu tun, dass
Griechenland die Möglichkeit gegeben wird, wieder zu
wachsen. Das bedeutet natürlich auch: Investitionen un-
ter wahrscheinlich verbesserten Voraussetzungen. Des-
halb gibt es eine EU-Mission unter Leitung des Deut-
schen Horst Reichenbach. Deshalb gab es die Reise des
Bundeswirtschaftsministers nach Griechenland – mit ei-
ner Vielzahl potenzieller Investitionen deutscher Unter-
nehmen im Gepäck.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Als ob die Griechen darauf angewiesen sind!)


Und deshalb gibt es auch ein Treffen der Vertreter deut-
scher und griechischer Kommunen in der nächsten Wo-
che. Sie wollen darüber beraten, wie sie sich gegenseitig
helfen können.

Ich sage ausdrücklich – ich glaube, ich sage das in Ih-
rer aller Namen –: Wir wollen, dass Griechenland
schnell auf die Beine kommt. Wir werden in allen Berei-
chen das tun, was uns möglich ist, im Sinne der deutsch-
griechischen Partnerschaft.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)


Ein Schuldenschnitt für Griechenland, das heißt eine
Beteiligung der privaten Gläubiger, bedeutet, egal wie er
aussieht, dass wir gleichzeitig auch eine Lösung finden
müssen, um systemische Risiken zu vermeiden, das
heißt, um zu vermeiden, dass andere Länder aufgrund
dieses Vorgangs angesteckt werden. Deshalb müssen wir
zwei Wege beschreiten.

Wir müssen dafür sorgen – das ist der eine Weg –,
dass die Banken das Vertrauen ineinander nicht verlie-
ren. Deshalb wurde am vergangenen Wochenende eine
stärkere Rekapitalisierung der Banken von den Finanz-
ministern auf der Grundlage der Vorschläge der europäi-
schen Bankenaufsicht beschlossen. Diese ist unbedingt
notwendig und wird ein ganz wichtiges Element sein,
um eine solche Ansteckung zu verhindern. Wenn wir
diese Rekapitalisierung der Banken durchführen, dann
gilt die folgende Reihenfolge – das ist klar –: Zuerst sind
die Banken aufgefordert, die Kapitalisierung aus eigener
Kraft zu leisten, an zweiter Stelle müssen die National-
staaten helfen, und nur dann, wenn die Stabilität des
Euro insgesamt in Gefahr ist, weil ein Nationalstaat das

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(C (D icht leisten kann, kann es in Betracht kommen, dass die FSF dazu herangezogen wird. Das ist die Reihenfolge. Ein zweites wichtiges Element, um die Ansteckungsefahr zu verhindern, ist der sogenannte Schutzwall, ber den wir jetzt sehr viel gesprochen haben. Sie könen es auch Firewall nennen, wenn Sie des Englischen ächtig sind; (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


h wollte mich allerdings deutsch ausdrücken, was si-
herlich hilfreich ist.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


ierzu müssen wir – das ist der zweite Weg – alle ande-
n Länder von den Ansteckungsgefahren, die von Grie-

henland ausgehen können, abschirmen. Dazu sage ich:
nabdingbar, bevor wir solche Abschirmungen vorneh-
en, ist erst einmal, dass jedes Land, das davon betrof-
n sein könnte, seine Hausaufgaben macht und mit zu-

ätzlichen Maßnahmen versucht, eigene Solidität zu
eweisen. Auch darüber wird zuerst gesprochen.

Nun geht es um die Formen der Abschirmung; da-
ber ist schon viel geredet worden. Die EFSF hat jetzt

ine effektive Kapazität von 440 Milliarden Euro; das
aben wir hier beschlossen. Deutschland übernimmt da-
ei Garantien in Höhe von 211 Milliarden Euro. Dabei
leibt es: sowohl hinsichtlich des Gesamtvolumens der
FSF als auch der Obergrenze der deutschen Garantien.

In unserer heutigen Beratung geht es darum, dass die
FSF mit dieser Kapazität eine möglichst große Wir-
ung bei der Verhinderung von Ansteckungsgefahren er-
ielt. Die Wirkung dieser Abschirmung muss groß genug
ein. Es hat eine umfassende öffentliche Diskussion
azu gegeben. Ich sage noch einmal – das ist ganz wich-
g in diesem Zusammenhang –: Alle Modelle, die eine
eteiligung der Europäischen Zentralbank voraussetzen,

ind vom Tisch und heute nicht Gegenstand der Bera-
ng.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


ie widersprechen den europäischen Verträgen. Ich habe
lar gemacht, dass solche Lösungen mit der Bundes-
gierung nicht infrage kommen.


(Zuruf von der LINKEN: Der größte Unsinn!)


Nun werden zwei Optionen ohne Beteiligung der
uropäischen Zentralbank verfolgt: erstens die Teilabsi-
herung neuer Staatspapiere des betreffenden Euro-Staa-
s und zweitens die Schaffung der Möglichkeit zur Be-
iligung von privaten und öffentlichen Investoren an der
inanzierung von Maßnahmen, also an der EFSF. Beide
ptionen können nur im Rahmen der für die EFSF ver-

inbarten Instrumente Anwendung finden. Damit ist
uch sichergestellt, dass die geltenden klaren Prinzipien
er EFSF immer Anwendung finden. Der Mitgliedstaat
uss einen Antrag auf Hilfe stellen, es wird ein Memo-
ndum of Understanding ausgehandelt, und darin wird

ine strenge Konditionalität der Hilfen vereinbart.





Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung
müssen der Gewährung einer Hilfe im Einzelfall und da-
mit der Anwendung einer der beiden Optionen zustim-
men, und zwar in der Form, die die Vorschläge für das
parlamentarische Vorgehen beinhalten. Über beide
Optionen wird der Bundestag heute politisch im Grund-
satz befinden, über beide Optionen werden wir heute
Abend im Rahmen des Treffens der Staats- und Regie-
rungschefs noch einmal politisch im Grundsatz beraten
und sie beschließen. Selbstverständlich werden die Leit-
linien, wenn sie vorliegen, anschließend entsprechend
dem parlamentarischen Verfahren hier im Deutschen
Bundestag beraten.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Darüber hinaus besteht auf europäischer Ebene Kon-
sens, mit dem Internationalen Währungsfonds Gesprä-
che darüber zu führen, wie der IWF über das heutige
Maß hinaus zur Stabilisierung der Euro-Zone beitragen
kann, und zwar mit Blick sowohl auf seine Expertise als
gegebenenfalls auch auf seine Finanzierungsinstru-
mente.

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, weil es für
die Beschlussfassung von heute wichtig ist: Wer auch
immer möchte, dass sich private Gläubiger an der Schul-
dentragfähigkeit Griechenlands beteiligen, der muss
Sorge dafür tragen, dass eine Abschirmung, ein Schutz
gegenüber Ansteckungsgefahren mit beschlossen wird.
Alles andere ist grob unverantwortlich.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich habe es gesagt: Die Bundesregierung will, dass
die Wirtschafts- und Währungsunion zu einer Stabilitäts-
union wird. Deshalb müssen wir neben der Bewältigung
der akuten Krise natürlich auch Vorsorge für die Zukunft
treffen, und zwar dadurch, dass die Euro-Mitgliedstaaten
mehr gemeinsame Verantwortung übernehmen. Dazu
haben wir bereits erste Schritte gemacht, zum Beispiel
mit dem Euro-Plus-Pakt, mit dem die Staats- und Regie-
rungschefs der Euro-Zone freiwillige Verpflichtungen
eingegangen sind, Strukturreformen durchzuführen. Das
bedeutet: Wettbewerbsfähigkeit ist jetzt auch in der Eu-
ropäischen Union Chefsache. Mit dem neuen, gerade in
Kraft getretenen Verfahren zur Vermeidung und Korrek-
tur makroökonomischer Ungleichgewichte können Wett-
bewerbsschwächen früher erkannt und auch behoben
werden. Auch die Struktur- und Kohäsionsfonds müssen
in Zukunft mehr dahin gehend eingesetzt werden, dass
sie wirklich der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
dienen.

Aber ich sage auch – darauf werden wir im weiteren
Verfahren achten –: Wirtschaftliche Ungleichgewichte
sind noch nicht als solche schlecht. Wenn ein Über-
schuss entsteht, weil ein Land wettbewerbsfähiger als
ein anderes ist, dann darf das natürlich nicht infrage ge-
stellt und nivelliert werden, genauso wie unterschied-
liche Zinsen Ausdruck unterschiedlicher Stärke sind.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie des Abg. Manfred Zöllmer [SPD])


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(C (D Wir haben den Stabilitätsund Wachstumspakt verchärft. Sanktionen setzen früher ein. Sie sind effektiver. er Pakt bekommt jetzt sehr viel mehr Biss. Insofern aben wir hier eine Trendumkehr eingeleitet. Zudem haben der französische Präsident und ich voreschlagen – auch darüber werden wir sprechen –, dass ich Parlamente, wenn die Europäische Kommission im ahmen des Europäischen Semesters bei der Überprüng der Haushalte Kritik äußert, freiwillig verpflichten, iese bei der Umsetzung im nationalen parlamentaschen Verfahren zu berücksichtigen, und dass sich alle uro-Mitgliedstaaten verpflichten, eine Schuldenremse in ihrer Verfassung aufzunehmen. ie Diskussion darüber ist in vollem Gange. Ich finde es bsolut bemerkenswert, dass ein Land wie Spanien noch urz vor den Wahlen seine Verfassung geändert hat, um ine solche Schuldenbremse aufzunehmen. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Da sind ja auch Sozialdemokraten in der Verantwortung!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir verschärfen und verbessern damit europäische
erfahren. Diese ergänzen und verstärken wir durch
elbstverpflichtungen, wie ich es eben gesagt habe. Wir
chöpfen damit den Rahmen der geltenden europäischen
erträge weitestgehend aus. Die Probleme, vor denen
ir heute stehen, müssen und können heute in diesem
ahmen gelöst werden. Aber ich sage auch: Wir brau-
hen mehr. Es ist meine feste Überzeugung, dass wir
ber diesen Ansatz hinausgehen müssen.

Es ist im Übrigen auch so: Wenn die internationale
ffentlichkeit auf uns in Europa schaut, dann will sie

uch wissen, wie die Entwicklung der Europäischen
nion mittelfristig weitergeht, weil sie Sicherheiten
raucht, dass der Euro-Raum zusammensteht, seine
ettbewerbsfähigkeit verbessert und die Stabilitätskul-
r stärkt.

Deshalb werden wir die europäischen Verträge ändern
üssen.


(Zuruf von der LINKEN: Aha!)


afür hat sich der Bundesaußenminister am Samstag,
nd dafür habe ich mich am Sonntag eingesetzt, und
war dahin gehend, dass wir – das wird sich auch in den
chlussfolgerungen widerspiegeln – den Präsidenten des
ates bitten, uns im Dezember Vorschläge zu machen,
ie die Stabilitätskultur besser verankert werden kann.
abei geht es nicht um eine umfassende Reform des Ver-
ags von Lissabon – damit hätte man sich zu viel vorge-
ommen –, es geht auch nicht um eine Vergemeinschaf-
ng weiter Teile der Wirtschafts- und Finanzpolitik,


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schade!)


ondern im nächsten Schritt geht es darum, erst einmal
Hinblick auf Länder, die permanent und immer wie-

er den Stabilitäts- und Wachstumspakt verletzen, eine
öglichkeit zu schaffen, durchzugreifen und auf ihre





Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Verletzungen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes
wirklich Einfluss zu nehmen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Unruhe bei der LINKEN)


Denn – weil hier gerade wieder gemurmelt wird – es
ist so: Es kann nicht sein – das ist über 50 Mal passiert –,
dass gemeinsame Verabredungen im Stabilitäts- und
Wachstumspakt nicht eingehalten werden. Wir wissen
jetzt, dass eine Nichteinhaltung in einem der 17 Mit-
gliedstaaten – Griechenland ist nicht der größte – zur
Gefährdung der Stabilität des Euro insgesamt führen
kann.


(Zuruf von der LINKEN: Natürlich!)


Deshalb müssen Verletzungen dieser Stabilitätskultur
schärfer geahndet werden, zum Beispiel durch ein Kla-
gerecht beim Europäischen Gerichtshof, wenn sich ein
Land permanent nicht an die Vorgaben hält.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich bin mir sehr sicher, dass die Bürgerinnen und Bür-
ger in Deutschland, die sich mit Recht viele Sorgen ma-
chen, genau dies verstehen. Sie wollen nicht einfach
mehr Europa, aber sie wollen mehr Sicherheit für die
Stabilitätskultur in Europa.

Ich glaube, erst dann, wenn wir in diesem Sinne mehr
Europa schaffen, wenn wir Europa also weiterentwi-
ckeln, haben wir die politische Dimension dieser Krise
verstanden. Dann haben wir auch verstanden, dass wir
die Konstruktionsschwächen bzw. die Konstruktions-
mängel bei der Schaffung der Wirtschafts- und Wäh-
rungsunion entweder jetzt oder gar nicht beseitigen.
Wenn wir sie jetzt beseitigen, dann nutzen wir die
Chance dieser Krise. Ansonsten würden wir versagen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich bin mir durchaus bewusst: Eine Vertragsänderung
birgt immer Risiken. Sie ist ein mühsamer Weg. Alle
27 Mitgliedstaaten müssen zustimmen. Dennoch ist sie
der notwendige und beste Weg, eine Spaltung der Euro-
päischen Union in Euro- und Nicht-Euro-Staaten zu ver-
hindern. Wenn uns das nicht gelingt, dann wird sich die
Notwendigkeit ergeben, dass die Euro-Staaten unter-
einander verbindliche Verträge abschließen. Das will ich
nicht. Das fände ich nicht vernünftig, weil noch viele
Länder dem Euro beitreten wollen. Deshalb muss man
bereit sein, diesen Weg zu gehen.

Da wir in einer solch existenziellen Krise in Europa
sind, frage ich: Wo steht eigentlich geschrieben, dass
eine Vertragsänderung immer eine Dekade dauern muss?
Wer auf der Welt wird uns für handlungsfähig halten,
wenn wir uns hinstellen und sagen: „Nach dem Lissa-
bonner Vertrag darf es nie wieder eine Änderung
geben“? Die ganze Welt ändert sich, also muss auch
Europa veränderungsbereit sein.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Thomas Oppermann [SPD]: Ein Jahr zu spät!)


So wie wir im Zusammenhang mit der deutschen Ein-
heit in sechs Monaten einen Zwei-plus-Vier-Vertrag hin-

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(C (D ekommen haben, wird es doch wohl auch möglich sein der Euro sollte uns so viel wert sein –, dass wir geeinsam Vertragsänderungen ins Auge fassen. Angesichts der Dimension bei der Bekämpfung der rise ist nicht zu vergessen: Entstanden ist sie maßgebch auch durch zu wenig Regulierung. Deshalb bleibt ie Regulierung der Finanzmärkte eine der großen Aufaben, die bei weitem noch nicht erledigt ist. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Deswegen hat sich auch der Europäische Rat am
onntag noch einmal damit beschäftigt und betont, dass
ichtige Vorschläge zur Regelung der Derivate, der Ein-
gensicherung und der Eigenkapitalanforderungen an
anken jetzt zügig angenommen werden müssen. In die-

em Zusammenhang möchte ich noch einmal betonen,
ass sich die Bundesregierung für die Einführung einer
inanzmarkttransaktionsteuer einsetzt,


(Zuruf des Abg. Alexander Ulrich [DIE LINKE])


nd zwar in den nächsten Tagen zunächst einmal beim
-20-Gipfel in Cannes. Wir sind auch dankbar dafür,
ass die Europäische Kommission einen Vorschlag dafür
orgelegt hat. Die Finanzminister werden diesen Vor-
chlag Anfang November beraten, und Deutschland wird
lles tun, damit dieser Vorschlag der Europäischen Kom-
ission ein Erfolg wird.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Alexander Ulrich [DIE LINKE]: So wie hier!)


Wahr ist aber auch: Viele Fragen erfordern nicht nur
ine nationale oder europäische Antwort, sondern glo-
ale Antworten. Dafür ist die G 20 das geeignete Gre-
ium. Die G 20 verkörpert immerhin zwei Drittel der
eltbevölkerung und 80 Prozent der Weltwirtschafts-

raft. Deshalb war der Ausgangspunkt der G-20-Bera-
ngen im Übrigen auch eine bessere weltweite Regulie-
ng der Finanzmärkte.

Man kann sagen: Wir haben einiges geschafft. Ein
ichtiger Schritt wird jetzt in Cannes gegangen werden:
ystemrelevante Banken werden nicht mehr so, wie es in
er Krise der Fall war, behandelt, dass nämlich letztlich
er Steuerzahler dafür eintreten muss. „Too big to fail“
ibt es nicht mehr, und international wird ein Restruktu-
erungsprozess für die systemischen Banken vereinbart,
o wie wir das in Deutschland mit dem Restrukturie-
ngsgesetz für Banken bereits vorgeschlagen haben.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann machen Sie das doch endlich einmal! Voran! Die Schweiz ist doch weiter als wir!)


as hat lange gedauert, aber es ist gut, dass wir das jetzt
Cannes beschließen können.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)






Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Gleichzeitig werden wir den Auftrag erteilen, dass
das, was für die Banken gilt, auch für die „Schattenban-
ken“ gelten muss, zum Beispiel für die Hedgefonds;
denn auch sie stellen genauso ein systemisches Risiko
für die Finanzmärkte dar. Dieser Auftrag wird von dem
sogenannten Financial Stability Board als Nächstes bear-
beitet werden.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


In Europa haben wir bereits die Hedgefonds geregelt.
Aber weltweit ist das noch nicht in ausreichendem Maße
geschehen. Deshalb muss auch das Thema Steueroase
wieder auf den Tisch; denn wir hatten uns seitens der
G 20 zu Beginn vorgenommen, dass jedes Instrument,
jeder Platz und jeder Akteur einer Regulierung unter-
worfen wird. Da reicht es nicht, dass wir das national
oder in Europa tun, sondern das muss weltweit gesche-
hen. Allerdings sage ich auch: Mit Einzelmaßnahmen in
Deutschland, zum Beispiel dem Verbot von Leerverkäu-
fen, haben wir gute Erfahrungen gemacht; denn jetzt
wird das ganze Thema wenigstens in Europa diskutiert.
Nun müssen wir es noch weltweit nach vorne bringen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Was auch sehr wichtig ist: G 20 wird nur dann funk-
tionieren, wenn nicht jedes Jahr neue Beschlüsse gefasst
werden. Im letzten Jahr in Toronto hatten wir uns ver-
pflichtet, dass alle Industrieländer bis 2013 ihr Staats-
defizit halbieren. Deutschland wird das schaffen, aber
längst nicht alle Industrieländer in der G 20. Ich halte
nichts davon, jedes Jahr nach Konjunkturlage gerade das
zu beschließen, was passt. Vielmehr glaube ich, dass die
G 20 die Verpflichtung hat, auf einem langen Pfad das
Beschlosssene durchzuhalten und der Ursache vieler der
Schwierigkeiten entgegenzuwirken. Verschuldung gibt
es nicht nur in Europa, sondern Verschuldung gibt es
auch in anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in Japan
oder in den Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb
glaube ich: Es reicht nicht, wenn wir uns gegenseitig
immer nur ermahnen, sondern es geht vor allen Dingen
darum, dass wir gemeinsam handeln.

Wer in diesen Tagen im Lande unterwegs ist und mit
den Bürgerinnen und Bürgern spricht, wer die Demons-
trationen in New York, Brüssel, Frankfurt oder Berlin
verfolgt, der weiß, wie sehr die Schuldenkrise die Men-
schen bewegt. Ich sage: Dafür habe ich großes Verständ-
nis. Die Lage ist sehr ernst. Die Krise zu bewältigen,
erfordert Ausdauer. Wir alle betreten Neuland. Die Ursa-
chen der Krise habe ich dargestellt. Sie sind komplex.
Einfache Lösungen, den einen Paukenschlag, wird es
nicht geben. Die Themen werden uns noch Jahre be-
schäftigen.

Ihnen liegen heute die Unterlagen mit Details zur Ma-
ximierung der Kreditvergabekapazität der EFSF vor, die
derzeit nach bestem Wissen und Gewissen vorgelegt
werden können. In der öffentlichen Debatte über diese
Maximierung ist viel von einem größeren Ausfall- und
Haftungsrisiko, das Deutschland mit der Maximierung
der EFSF möglicherweise eingeht, die Rede. Ob das so

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(C (D ein wird, kann letztlich niemand abschließend abschäten. Ich sage aber ausdrücklich: Ausschließen können ir es nicht. (Thomas Oppermann [SPD]: Das klang letzte Woche noch anders!)


eshalb ist es richtig und gut, dass wir dies in unserem
ntschließungsantrag so verankert haben.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ich möchte darüber sprechen, weil wir hier an einem
unkt sind, an dem wir, die wir alle politische Verant-
ortung tragen, eine schlichte politische Frage beant-
orten müssen. Sie lautet: Wie gehen wir in einer sol-

hen Situation, wie wir sie jetzt haben, mit Risiken um?
nders gefragt: Wann halten wir Risiken für vertretbar?
önnen wir im konkreten Fall das Risiko, das wir mit
er Maximierung der EFSF eingehen, für vertretbar hal-
n oder nicht? Das ist heute die konkrete Frage. Wenn
h das Risiko für nicht vertretbar halte, dann darf ich es
atürlich nicht eingehen. Wenn ich es aber nach Abwä-
ung aller Argumente für und wider für vertretbar halte,
ann muss ich das Risiko eingehen. Genau das zeichnet
olitisches Handeln aus und unterscheidet es von ande-
m Handeln.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Bezogen auf die Maximierung der EFSF können wir
sthalten:

Erstens. Der deutsche Anteil bleibt bei 211 Milliarden
uro.

Zweitens. Verträge werden nicht gebrochen.

Drittens. Die wirtschaftlich stärkste Nation sind wir.
ber – auch das sage ich – wir sind nicht der Nabel der
elt. Die Welt schaut auf Europa und Deutschland. Sie

chaut darauf, ob wir bereit und fähig sind, in der Stunde
er schwersten Krise Europas seit dem Ende des Zwei-
n Weltkriegs Verantwortung zu übernehmen.

Viertens. Dem möglichen Ausfall- und Haftungs-
siko steht der ökonomische Gewinn gegenüber, den
eutschland wie kein anderes Land vom Euro hat.

Fünftens. Mein Fazit lautet deshalb: Das Risiko, das
it der jetzt beabsichtigten Maximierung der EFSF ver-

unden ist, ist vertretbar.


(Zuruf von der LINKEN: Für wen?)


h gehe sogar noch einen Schritt weiter: Es wäre nicht
ertretbar und nicht verantwortlich, das Risiko nicht ein-
ugehen. Eine bessere Alternative, eine vernünftigere
lternative liegt mir nach Prüfung aller Möglichkeiten
icht vor.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich danke Ihnen für
re bisherige Unterstützung und kritische Begleitung

uf unserem Weg, den Euro zu schützen und zu stärken.
s ist mir ein persönliches Anliegen, in enger Abstim-
ung mit dem Deutschen Bundestag – mit Regierungs-

nd Oppositionsfraktionen – Lösungen zum Wohle un-
eres Landes zu finden.





Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Ich bin überzeugt: Mit unserem umfassenden Ansatz,
so wie ich ihn dargestellt habe, zur Bewältigung der aku-
ten Krise einerseits und kluger Vorsorge für die Zukunft
andererseits wird es uns gelingen, die Wirtschafts- und
Währungsunion wieder zur Stabilitätsunion zu machen.
Unseren Bürgerinnen und Bürgern sage ich: Es gilt: Was
gut ist für Europa, das ist auch gut für Deutschland. Da-
für steht ein halbes Jahrhundert Frieden und Wohlstand
in Deutschland und in Europa.

Gestatten Sie mir angesichts der Lage – nicht nur der
ökonomischen Lage wegen der Schuldenkrise, sondern
auch der politischen Lage in einzelnen Staaten Europas –
zum Schluss ein persönliches Wort. Niemand sollte glau-
ben, dass ein weiteres halbes Jahrhundert Frieden und
Wohlstand in Europa selbstverständlich ist. Es ist es
nicht. Deshalb sage ich: Scheitert der Euro, dann schei-
tert Europa. Das darf nicht passieren.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Wir haben eine historische Verpflichtung, das Eini-
gungswerk Europas, das unsere Vorfahren nach Jahrhun-
derten des Hasses und des Blutvergießens vor über
50 Jahren auf den Weg gebracht haben, mit allen uns zur
Verfügung stehenden verantwortbaren Mitteln zu vertei-
digen und zu schützen. Die Folgen, wenn das nicht ge-
länge, kann niemand von uns absehen. Es darf nicht ge-
schehen – das ist meine tiefe Überzeugung –, dass später
einmal gesagt werden kann, dass die politische Genera-
tion, die im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts in
Europa politische Verantwortung getragen hat, vor der
Geschichte versagt hat.

Als umso wertvoller empfinde ich das politische Si-
gnal, das heute der Deutsche Bundestag mit einem ge-
meinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und
Bündnis 90/Die Grünen an die Menschen in Deutsch-
land, nach Europa und in die Welt aussendet. Er sendet
damit eine Botschaft aus, die weit über die finanzpoliti-
schen Aussagen des Antrags hinausreicht. Er sendet die
Botschaft aus, dass Deutschland parteiübergreifend das
europäische Einigungswerk schützt und für dieses Ziel
zusammensteht. Dafür danke ich allen, die daran mitge-
wirkt haben. Sie können sicher sein, dass ich diese Bot-
schaft auch für die nicht einfachen Verhandlungen heute
mit nach Brüssel nehme.

Herzlichen Dank.


(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713500200

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die heutige Debatte

findet große Aufmerksamkeit nicht nur in der deutschen,
sondern auch in der internationalen Öffentlichkeit. Stell-
vertretend für die vielen Gäste, die heute hier im Deut-
schen Bundestag die Debatte verfolgen, begrüße ich be-
sonders gerne unseren Kollegen Klaus Hänsch, den
früheren Präsidenten des Europäischen Parlaments.

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(C (D Ich eröffne die Aussprache und erteile dem Kollegen rank-Walter Steinmeier für die SPD-Fraktion das Wort. Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Dass die DP und die CSU zu dieser Regierungserklärung Beifall eklatscht haben, wird in der Tat viele in Deutschland berraschen. Frau Bundeskanzlerin, ich hätte viele dieer Sätze gerne vor einem Jahr gehört, (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall)


(Beifall bei der SPD)

Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD):
Rede ID: ID1713500300

um Beispiel den guten und richtigen Satz über die An-
rkennung der Eigenanstrengungen der Griechen. Er
äre vor einem Jahr in diesem Hause und gegenüber der
ffentlichkeit dringend notwendig gewesen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der FDP – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Sie können es nicht lassen!)


tattdessen haben Sie Ressentiments geweckt, mit denen
ie jetzt zu kämpfen haben.

Das ist ein besonderer Tag, nicht nur für Europa, son-
ern auch für uns Deutsche. Griechenland ist ohne
emde Hilfe zahlungsunfähig. Italien ist seit Monaten
olitisch nahezu führungslos. In Portugal ist eine Regie-
ng schon aus dem Amt. In Spanien steht ein Regie-
ngswechsel bevor. Frankreich ringt um seine Bonität.
ie europäischen Institutionen wirken hilflos, sind kaum

ichtbar, und überall in Europa haben die Menschen
orge um ihren Wohlstand.

Ich schildere es so dramatisch, weil sich Ehrlichkeit
uch gegenüber der Öffentlichkeit gehört.


(Beifall bei der SPD)


a helfen keine Beschwörungsformeln. Ich sage es, wie
s ist: Das europäische Projekt steht auf der Kippe, und
eshalb ist das, was wir in Brüssel im Augenblick erle-
en, kein normales Gipfelgeschehen, sondern das ist
ine Operation am offenen Herzen. Jeder vernünftige
ensch in Deutschland muss hoffen, dass diese Opera-

on gelingt. Ich tue das, meine Damen und Herren.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Meine Fraktion tut das in gleicher Weise. Die SPD
teht – das wissen Sie – zur europäischen Geschichte
nd zur europäischen Integration, und wir flüchten nicht
us dieser Verantwortung für Europa, nur weil wir Op-
ositionspartei in diesem Lande sind. Auch wir kennen
en Wert für eine Demokratie, wenn man Fragen solcher
rundsätzlichkeit – um die geht es – nicht auf dem Altar
es täglichen Hickhacks opfert. Es gibt eine Tradition in
iesem Hause, dass die großen Grundlinien der Außen-
nd Europapolitik von einer breiten Mehrheit getragen
erden. So weit werden mir auch die Koalitionsfraktio-
en zustimmen. Nur, Sie sind in diesen Tagen heftig da-





Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

bei, diese Tradition zu zerstören. Frau Merkel und Herr
Schäuble, Sie gehen nicht offen und ehrlich mit diesem
Parlament um, und das zerstört den Rest von Vertrauen,
den Ihre Regierung dringender braucht als jede andere
vorher.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Norbert Barthle [CDU/CSU]: Das müssen Sie zurücknehmen!)


Ich verstehe es nicht. Ihr Motiv, Herr Schäuble, wird
Ihr Geheimnis bleiben.


(Zuruf von der FDP)


– Ich würde nicht so überheblich sein an Ihrer Stelle,
meine Damen und Herren.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Warum nicht? Weil Sie es auch den Gutwilligen in den
Reihen der Opposition von Mal zu Mal schwerer ma-
chen. Es wird Sie nicht weiter interessieren, weil Sie oh-
nehin nur auf das Ergebnis der Abstimmung in knapp
zwei Stunden warten. Aber wenigstens einmal in dieser
Debatte soll es gesagt sein: Ihren Umgang mit dem Par-
lament bei der Debatte über den Rettungsschirm fand ich
unverschämt.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Es lagen alle Fragen auf dem Tisch. Sie haben taktiert
und Informationen zurückgehalten. Sie hatten die
Chance zur Wahrheit, weil nämlich gefragt worden ist,
ob über den Rettungsschirm hinaus Weiterungen und
Hebelungen beabsichtigt seien. Die Spatzen pfiffen es
doch schon von den Dächern. Sie haben, statt irgendet-
was dazu zu sagen, mit gespielter Empörung geantwor-
tet. Die CSU ist aufgetreten und hat die roten Linien be-
schworen, Herr Brüderle hat Hebelungsinstrumente
jeder Art als Massenvernichtungswaffen gebrandmarkt,
und der Finanzminister hat von diesem Pult aus Nebel-
kerzen gezündet.


(Beifall des Abg. Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Das Ganze ist nicht drei Jahre her, das Ganze ist nicht
drei Monate her, es ist nicht einmal drei Wochen her. Sie
wollen das alles vergessen machen und sagen heute: Ab
sofort gilt das Gegenteil.


(Norbert Barthle [CDU/CSU]: Hier wird ein Popanz aufgebaut!)


Verstehen Sie eigentlich, dass es in meiner Fraktion
und vermutlich nicht nur in meiner Fraktion nicht we-
nige Kollegen gibt, die mich fragen: Warum sollen wir
eigentlich für die die Kohlen aus dem Feuer holen, wa-
rum sollen wir für das Chaos, das die angerichtet haben,
noch die Finger heben? – Das ist doch die Lage.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


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(C (D Wir entziehen uns unserer Verantwortung nicht. Da önnen Sie sicher sein. Aber Hilfe und Unterstützung ätten Sie nach diesem Vorlauf eigentlich nicht verdient. Gegenteil: Sie im Regen stehen zu lassen, wäre nicht ur verständlicher Oppositionsreflex gewesen; das wäre ie naheliegendste Entscheidung gewesen. Wir stimmen heute aber nicht über die Zukunft einer egierung ab. Wir spekulieren nicht auf das Ende einer egierung, die politisch gescheitert ist. Die Regierung at allein nicht mehr die Kraft, das Notwendige zu tun. as wissen Sie. Sie stehen am Abgrund und wissen es enau. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der CDU/CSU und der FDP: Oh!)


Um all das geht es bei dieser Abstimmung eben nicht.
orum es geht,


(Zuruf von der LINKEN: Ist die Hebelung!)


t die Zukunft Europas. Die Zukunft Europas ist in
öchster Gefahr. Sie darf nicht weiter durch drei Regie-
ngsparteien gefährdet werden, die seit 18 Monaten

wischen leichtfertigem Populismus auf der einen Seite
nd europäischen Rationalitäten auf der anderen Seite
chwanken. Ich sage Ihnen: Die SPD wird in diesen eu-
päischen Fragen berechenbar und gegenüber den
uropäern eine verlässliche Kraft bleiben. Ob das bei Ih-
n eigenen Leuten auch so ist, wage ich zu bezweifeln.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Dass Sie immer mehr Schwierigkeiten haben, Ihre ei-
enen Leute hinter sich zu bekommen, wundert mich
uch nicht; denn Sie dementieren im Drei-Wochen-Ab-
tand immer genau das, was bis dahin ehernes Gesetz zu
ein schien. Wir haben Ihnen vor drei Wochen in diesem
arlament gesagt: Wenn das Krisenszenario, das Sie uns
llen hier gezeichnet haben, stimmt, dann ist der Ret-
ngsschirm zu klein gestrickt. – Stimmt nicht, haben Sie

esagt. Wir haben Ihnen gesagt: Wenn Sie das Volumen
es Rettungsschirms hebeln, dann hebeln Sie auch die
isiken. – Stimmt nicht, haben Sie gesagt. Wir haben Ih-
en gesagt: Wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit der Ga-
ntien sich verändert, sich vergrößert, dann muss die
ntscheidung hier ins Plenum. – Bloß nicht, haben Sie
esagt.

Sie haben das alles dementiert und kommen mit eini-
en Tagen Verspätung doch auf unseren Kurs zurück.
eine Damen und Herren, ich finde es ja gut, dass wir

m Ende noch die Kraft für eine gemeinsame Entschlie-
ung finden. Aber jenseits des Nutzens, den diese Ent-
chließung für Europa hat – Frau Bundeskanzlerin, Sie
aben es am Ende gesagt –, brauchen Sie sie auch, um
ich von eigenen Irrtümern zu verabschieden. Vor allen
ingen brauchen Sie diese Entschließung, weil Sie sich

uf die Seehofer-CSU und die Schäffler-FDP nicht ver-
ssen können. Das ist doch der Grund.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)






Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

Alle Ihre europapolitischen Wendungen, von denen
wir in den letzten 18 Monaten genügend mitbekommen
haben, folgen derselben Dramaturgie. Ich könnte das vor
den Gipfeln schon herunterbeten. In den Überschriften
steht immer, was Frau Merkel zurückweist, was Frau
Merkel richtigstellt und was Frau Merkel ausschließt.
Am Ende wird aber genau das getan, was vorher ver-
schwiegen und ausgeschlossen worden ist.

Wir alle in diesem Hause kennen das Struck’sche Ge-
setz, dass kein Gesetz das Parlament so verlässt, wie es
hineingekommen ist. Bislang blieb unerkannt, dass sich
ein weiteres Gesetz eingeschlichen hat, nämlich das
Merkel’sche Gesetz: Je bestimmter ich etwas aus-
schließe, desto sicherer kommt es am Ende doch. – So
ist das, meine Damen und Herren.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Sie erinnern sich: Kein Cent für Griechenland. – Am
Ende waren es 22,4 Milliarden Euro. Weiter hieß es: Grie-
chenland ist ein Einzelfall. – Dann kam der Rettungs-
schirm. Danach wurde gesagt: Der Rettungsschirm wird
nicht in Anspruch genommen. – Dann kamen Irland und
Portugal. Schließlich wurde gesagt: Der Rettungsschirm
ist temporär. – Dann kam der ESM, der Europäische Sta-
bilitätsmechanismus. Das setzt sich jetzt bei der Weite-
rung des Rettungsschirms fort.

Frau Merkel, wenn man so agiert, dann kann man
nicht auf Dauer hoffen, dass man auch nur die eigenen
Leute auf eine gemeinsame Linie bringt. Das funktio-
niert doch nach unser aller Erfahrung nicht. Das geht
nicht, meine Damen und Herren.


(Beifall bei der SPD)


Solange es bei all dem nur um Ihre Glaubwürdigkeit
ginge, könnten Sie ja sagen, das könne der SPD doch
egal sein. Es geht aber um Politik. Es geht um Demokra-
tie in diesem Lande. Ich sage es zum wiederholten Male:
Diese Art und Weise, Politik zu betreiben, untergräbt
Ansehen und Handlungsfähigkeit der Politik insgesamt.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Vertrauen ist die Ressource, mit der wir alle gegenüber
den Bürgerinnen und Bürgern in diesem Lande arbeiten.
Dieses Vertrauen wird untergraben durch die Politik, die
ich gerade geschildert habe. Das merken Sie noch nicht
heute Mittag. Das merken Sie auch noch nicht morgen
Nachmittag. Aber genau das ist der langfristige Schaden
für die Demokratie. Für den sind Sie mitverantwortlich,
meine Damen und Herren von den Regierungsfraktio-
nen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Wo ist der Weg nach vorn? Was brauchen wir kon-
kret? Sie wissen, dass wir Sozialdemokraten seit langem
sagen: Wir brauchen einen Schuldenschnitt, wir brau-
chen eine Schuldenreduzierung zugunsten Griechen-
lands; Peer Steinbrück und ich haben das vor einem Jahr
geschrieben. Damals haben Sie gesagt: Alles Unsinn! –
Wir Sozialdemokraten sind auch dafür, dass das europäi-

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(C (D che Bankensystem stabilisiert wird. Wir wissen: Der chuldenschnitt ist nur hinzubekommen, wenn wir ihn leichzeitig mit einer Bankenstabilisierung begleiten. as ist unsere Überzeugung, und das bleibt sie. Des Weiteren sind wir der Überzeugung, dass der ettungsschirm – das haben wir vor drei Wochen auch esagt – nicht ausreicht, wenn er wirklich Wirkung haen soll. Aber ob er Wirkung und welche Wirkung er haen wird, kann ich beim besten Willen nicht aus den reieinhalb dürren Seiten erschließen, die uns von Ihnen ugegangen sind. Ich verstehe mittlerweile, was eine ersicherungslösung ist. Ja, ich könnte sie mittragen. ber ich müsste die zweite Option, von der die Rede ist, enigstens verstehen, um mir ein Urteil zu bilden: Ist as ein Fonds mit einer internationalen Beteiligung, oder as bedeutet diese Investmentlösung? Bedeutet das twa, dass wir jetzt in den Handel mit Produkten einsteien, die wir doch eigentlich verbieten wollen? Wir woln jedenfalls Klarheit, bevor wir solche Modelle hier im ohen Haus absegnen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Deshalb ist sich meine Fraktion einig: Das, was wir
eute hier erteilen, ist keine Carte blanche. Wir erwarten
nicht mehr und nicht weniger –, wie es im Schlusssatz
er gemeinsamen Entschließung heißt, dass solche In-
trumente in Kenntnis der Risiken und der Funktions-
eise vor Inkraftsetzen, vor Ingebrauchnahme vom
eutschen Bundestag beraten und beschlossen werden.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


All das wird heute in Brüssel zur Sprache kommen.
h habe gesagt: Wir haben ein Interesse daran, dass der
rüsseler Gipfel Ergebnisse zeitigt, die Europa weiter-
elfen. Aber wir alle sollten wissen, dass das nicht aus-
icht. Jeder weiß hier: Die Wunderwaffe gegen die
rise gibt es nicht. Aber allein mit Stückwerk werden
ir Europa nicht retten. Was wir brauchen, ist eine
laubwürdige, auf Dauer angelegte Gesamtstrategie.
onst werden wir dieses Europa nicht vom Krankenbett
erunterbringen. Wir müssen eben auf mehr setzen als
ur auf Haushaltsdisziplin und Rettungsschirme. Sparen
t eine Tugend. Ja, wir brauchen sie. Aber wo kein Geld
ehr hereinkommt und die Wirtschaft den Bach herun-
rgeht, nutzt auch eisernes Sparen nichts mehr. Das se-
en wir im Augenblick an dem Großprojekt Griechen-
nd.


(Beifall bei der SPD)


Was wir jetzt brauchen – etwas vom heutigen Tag und
on der näheren Zukunft abgesetzt –, ist ein mit konkre-
n Zielen und Zwischenzielen unterlegtes Zehnjahres-
onzept für eine Wirtschafts- und Fiskalunion in Europa.
ir müssen uns daran orientieren, was in früheren Zei-
n gelungen ist, zum Beispiel bei der Einführung des
uro. Ich erinnere an den Delors-Plan, der über den lan-
en Zeitraum von 10 bis 15 Jahren angelegt war. So et-
as brauchen wir jetzt auch zur Wiedergesundung dieses
uropas, wenn Sie so wollen einen Delors-Plan II.





Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

Dabei geht es natürlich – das vertrete ich auch – um
die Durchsetzung der Haushaltsdisziplin. Aber vor allem
muss es auch um eine Wachstumsstrategie für die südli-
che Peripherie in Europa gehen. Sonst wird das Ganze
nicht gelingen.


(Beifall bei der SPD)


Wir brauchen Konvergenz in der Steuerpolitik. Dazu ge-
hören eben auch Regeln, die dazu führen, dass das
elende Steuerdumping in Europa endlich beseitigt wird.
Sonst funktioniert es nicht.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Dazu gehört auch ein gemeinsamer europäischer Um-
gang mit den Steueroasen, von denen es noch viel zu
viele auf der Welt gibt. Das muss man gemeinsam in
Europa regeln. Bilaterale Abkommen werden da allein
nicht ausreichen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Wir brauchen Regelungen für die Finanzmärkte. Wir
müssen dahin zurückkommen, wo wir 2008 waren, als
wir schon einmal gesagt haben: Kein Produkt mehr auf
den Finanzmarkt, das nicht vorher auf seine Risiken
untersucht und zugelassen worden ist. Wenn der Deriva-
tehandel ein Vielfaches des globalen Bruttosozialpro-
duktes ausmacht, dann müssen wir das selbstverständ-
lich zurückschneiden. Zurückschneiden müssen wir
auch das, was sich an Dynamik im Hochfrequenzhandel
entwickelt, wo kein einziger Mensch mehr, sondern na-
menlose Logarithmen darüber entscheiden, was gekauft
und was verkauft wird, und damit die Negativdynamik
noch weiter verstärken. Wir müssen die grauen Finanz-
märkte austrocknen, und wir müssen dem Treiben der
Schattenbanken ein Ende setzen. Sie werden sagen: Das
alles ist nicht unbekannt. – Ja, das alles ist nicht unbe-
kannt. Was fehlt, ist das Handeln. Da ist Fehlanzeige,
leider auch in dieser Regierung.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Genau wie in der vorherigen!)


Ich bin froh über den Satz zur Besteuerung der
Finanzmärkte. Die Finanzmarkttransaktionsteuer ist das
Stichwort, an dem hier noch vor einem Jahr, Herr
Kauder, eine gemeinsame Entschließung gescheitert ist.
Dass das jetzt enthalten ist, ist gut. Wir erwarten, dass
das keine Lippenbekenntnisse bleiben, sondern dass
diese Steuer jetzt auch durchgesetzt wird, maßgeblich
auf deutschen Druck hin, auch durch Überzeugung der
anderen, die in Europa möglicherweise noch dagegen-
halten.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Meine Damen und Herren, in den letzten Wochen
sind in Europa Tausende auf die Straße gegangen. Wenn
ich es richtig gehört habe, Frau Merkel, haben Sie an ei-
ner Stelle auch Verständnis für die Motive dieser Men-

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(C (D chen gezeigt. Nur, diese Menschen haben – davon bin h überzeugt – mehr verdient als warme Worte. Was ich hier Bahn bricht – davon bin ich überzeugt –, das ist ben nicht klassisch links oder rechts, sondern das ist die orge von Menschen, dass die Politik dem Treiben der ärkte nur noch hilflos zusehen kann, und dagegen gegen diese Angst, gegen diese Sorge – hilft eben nur berzeugende Politik. Spätestens seit der Pressekonfenz von Herrn Schäuble und Herrn Rösler in der ver angenen Woche und der Reaktion von Herrn Seehofer arauf haben Sie bitte Verständnis dafür, dass diese übereugende Politik von dieser Bundesregierung nicht mehr rwartet wird. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Nur, das ist keine Privatangelegenheit dieser Regie-
ng, nicht in diesen Zeiten. Die Zerrüttung dieser Re-

ierung wird zu einer Hypothek für Europa. Aber
uropa darf an dieser Regierung nicht scheitern.

Herzlichen Dank.


(Anhaltender Beifall bei der SPD – Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713500400

Nächster Redner ist der Kollege Rainer Brüderle für

ie FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Rainer Brüderle (FDP):
Rede ID: ID1713500500

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr Kol-

ge Steinmeier, ich bin wahrlich ein Freund einer kraft-
oll-lebendigen Parlamentsdebatte. Aber ich glaube, das
eutige Thema sollte nicht überlagert werden von dem
howdown der SPD über den Kanzlerkandidaten.


(Lachen bei der SPD – Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


achdem Helmut Schmidt Ihren Kollegen Steinbrück
esalbt hat, sollten Sie die Debatte ruhig entspannt füh-
n. Sie haben wahrlich keinen Anlass, so kraftvoll he-
mzuschimpfen.


(Joachim Poß [SPD]: Das machen Sie doch schon!)


ei der Griechenland-Hilfe I haben Sie sich vom Acker
emacht und haben sich kraftvoll enthalten. Da hatten
ie Sozialdemokraten keine Meinung.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


ls Herr Minister Rösler den Schuldenschnitt für Grie-
henland gefordert hat, haben Sie seinen Rücktritt gefor-
ert,


(Manfred Zöllmer [SPD]: Das war auch richtig! – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist nie verkehrt, seinen Rücktritt zu fordern!)






Rainer Brüderle


(A) )


)(B)

statt ihn zu unterstützen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Sie haben elf Jahre den Bundesfinanzminister gestellt
und – um es vorsichtig zu formulieren – viel Aufzuarbei-
tendes hinterlassen.

Vom heutigen europäischen Gipfel wird ein Signal
der Entschlossenheit ausgehen: ein Signal der Entschlos-
senheit, aus der Schuldenkrise Einzelner keine Wäh-
rungskrise entstehen zu lassen, ein Signal der Entschlos-
senheit, keine zweite Bankenkrise zuzulassen, und ein
Signal der Entschlossenheit, keine tiefe Wirtschaftskrise
zuzulassen.

Im Vorfeld wurde international geunkt, ein zweige-
teilter Gipfel werde die Situation verschlimmern. Aber
der Deutsche Bundestag hat sich für das Primat der Poli-
tik entschieden. Das hat die Märkte beeindruckt. Sie sind
nicht abgestürzt. Wir haben mit der Parlamentsbeteili-
gung einen demokratischen Meilenstein gesetzt.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zu diesem Meilenstein mussten Sie geprügelt werden!)


Das ist eine Herausforderung für unsere europäischen
Partner, aber auch eine Herausforderung für uns selbst.
Wir müssen unserer Regierung genügend Flexibilität in
den Verhandlungen lassen.

Volker Kauder hat es vor wenigen Wochen hier deut-
lich dargelegt: Wir halten ein Verfahren ein, das der
Bundestag sich selbst gegeben hat.


(Lachen des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


Wir gehen verantwortungsvoll mit unseren neuen Rech-
ten um. Das ist wichtig: Werden sie überdehnt, werden
sie missbraucht, dann werden sie entwertet.


(Norbert Barthle [CDU/CSU]: Wohl wahr!)


Der gemeinsame Entschließungsantrag der vier Frak-
tionen ist ein gutes Signal für Europa, und es zeigt, dass
wir trotz aller unterschiedlichen Positionen noch die
Kraft haben, dann, wenn es darauf ankommt, gemeinsam
ein Signal zu setzen. Das sollte heute im Vordergrund
stehen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Wir stärken damit die Position der Kanzlerin auf dem
Gipfel. Uns ist bewusst: Wir müssen die Ansteckungsge-
fahren im Euro-Raum eindämmen. Wir müssen das Ban-
kensystem stabil halten. Wir müssen eine Umschuldung
Griechenlands vorbereiten, müssen darauf auch vorbe-
reitet sein.

Die Troika hat grünes Licht für die nächste Griechen-
land-Tranche gegeben. Das Urteil ist eher eine Vier mi-
nus. Keiner hat erwartet, dass Griechenland über Nacht
zum Einserschüler wird. Aber ein „Befriedigend“ müsste
es schon sein. Wenn Griechenland nicht mehr erreicht,
wird das die Versetzung gefährden.

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(C (D (Beifall bei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU)


Die Beteiligung privater Gläubiger im Fall Griechen-
nd wird erheblich größer ausfallen als geplant. Der
chuldenschnitt ist ein Gebot der Fairness. Das ist ein
ebot der sozialen Marktwirtschaft. Es muss klar sein:
er mit Risiken hohe Gewinne erreichen kann, muss

uch für die Verluste einstehen. Dieser Grundsatz muss
ieder stärker zum Tragen gebracht werden.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Zuruf: Auch für die Finanzwelt!)


Es muss in Griechenland ein umfassender Umdenk-
rozess stattfinden. Früher lebte in Griechenland nur
iogenes in einem Fass ohne Boden.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das Fass war rund!)


ie Griechen haben es selbst in der Hand, dass nicht alle
riechen in einem Fass ohne Boden leben.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Der Troika-Bericht hat sehr deutlich gemacht: Grie-
henland ist ein Transformationsland, wie es die Staaten
steuropas vor 20 Jahren waren. Griechenland braucht
ettbewerbsfähigkeit, eine funktionierende Verwal-
ng, Privatisierung und Reformen.

Viele Banken haben in den Büchern bereits Vorsorge
r einen Schuldenschnitt getroffen. Dennoch müssen

ie Ansteckungsgefahren eingedämmt werden. Mich be-
nruhigt, dass viele Banken wieder mehr Geld bei der
entralbank, bei der EZB, parken. Unangenehme Erin-
erungen werden wach. Bei den Banken muss es sein
ie bei den Staaten: Machen sie ihre Hausaufgaben
icht, nehmen wir sie an die Hand. Notfalls müssen die
taaten den Banken auch klare Vorgaben machen.

Zunächst sind nationalstaatliche Aufgaben zu erledi-
en. Das muss koordiniert, grenzübergreifend gesche-
en. Aber klar muss sein: Die Bereitstellung europäi-
cher Gelder ist nicht der erste Schritt, sondern nur der
llerletzte Schritt dessen, was man im Bankensektor ma-
hen muss.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich will es noch einmal deutlich sagen: Bei der EFSF
ilt der Grundsatz der Einstimmigkeit. Macht ein Land
icht mit, dann geht nichts. Deshalb müssen die Regeln
lar eingehalten werden.

Ich habe vor drei Wochen hier gesagt, die EFSF darf
icht zur Investmentbank werden; in diesem Zusammen-
ang habe ich Warren Buffett zitiert. Deshalb kam eine
anklizenz für den Rettungsfonds für uns nicht infrage.
s gab andere in Europa, die das wollten. Ich begrüße
ehr, dass SPD und Grüne heute auf dieser Linie sind.


(Zuruf von der FDP: Endlich!)


ie sind nicht dem DGB auf den Leim gegangen. Der
GB hat vor kurzem wörtlich gesagt: Präsident Sarkozy
at recht, genau eine solche Banklizenz einzuführen. –





Rainer Brüderle


(A) )


)(B)

Teile des DGB haben die Zentralbank oft als verlänger-
ten Arm der Wirtschafts- und Finanzpolitik gesehen, frei
nach dem Motto von Helmut Schmidt: 6 Prozent Infla-
tion sind besser als 6 Prozent Arbeitslosigkeit. Er hat am
Schluss beides erreicht: Stagflation. Das ist nicht unser
Weg.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Thomas Oppermann [SPD]: Die alte Leier!)


Wir wollen eine unabhängige Zentralbank. Der Kurs
stimmt. Wir führen keine Euro-Bonds ein. Der Rettungs-
fonds bekommt keinen Zugriff auf die Notenpresse. Eine
Beteiligung der privaten Gläubiger erfolgt.

Ich sage ganz klar zur Finanztransaktionsteuer: Sie
kann dämpfende Wirkung entfalten.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha!)


Aber diese ist nur dann gegeben, wenn entsprechende
Finanzplätze einbezogen sind. Eine Wettbewerbsverzer-
rung löst die Probleme nicht. Entscheidend ist, das breit
anzulegen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Meine Damen und Herren, das Haftungsrisiko kann in
diesem Zusammenhang – es wird sehr unterschiedlich
interpretiert – auch vermindert werden. Die beiden An-
sätze, die unser Entschließungsantrag enthält, bedeuten
Diversifikation. Wenn man das intelligent macht, kann
das Haftungsrisiko sinken. Eine alte Anlegerweisheit
lautet: Lege nie alle Eier in ein Nest. Deshalb ist es gut,
dass hier verschiedene Instrumente aufgezeigt werden
und eine Kombination möglich ist.

Entscheidend ist immer, dass Deutschland und Frank-
reich sich zusammenfinden. Das ist nicht einfach, weil
die zentralistische Tradition unseres Nachbarn und die
dezentrale soziale Marktwirtschaft nicht leicht zu kom-
binieren sind. Aber Deutschland und Frankreich haben
sich immer gefunden. Wir sind gute Freunde. Das ist
auch die Basis, das historische Verdienst eines erfolgrei-
chen Wirkens. Da bin ich bei Ihnen, Herr Steinmeier: Ja,
die Europäische Union ist das erfolgreichste Friedens-
projekt aller Zeiten. Aber – die Kanzlerin hat es ange-
sprochen, und auch der Außenminister hat es deutlich
gemacht – wir brauchen Vertragsänderungen, kleine und
größere. Ich halte den Gedanken, wieder einen Konvent
in Betracht zu ziehen, für durchaus erwägenswert. Eu-
ropa braucht ein gutes und verständliches Recht, und es
braucht Bürger, die hinter Europa stehen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Die zentrale Aufgabe, die uns allen gestellt ist, lautet,
dass die krisenhaften Zustände auf den Finanzmärkten
keine Legitimationskrise der parlamentarischen Demo-
kratie auslösen. Das sollte unsere gemeinsame Basis
sein. Wir sollten der Versuchung widerstehen, die
Ängste zu missbrauchen. Was wir brauchen, ist Ord-
nungspolitik, ein Ordnungsrahmen für die Finanzwirt-
schaft. Erste Schritte hat die Regierung getan. Sie hat un-

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(C (D edeckte Leerverkäufe verboten, die Bankenabgabe auf en Weg gebracht und Verbriefungen mit einem Selbstehalt eingeführt. Was weiter ansteht, ist, den Hochequenzhandel unter die Lupe zu nehmen. Der compurisierte Handel birgt viele Gefahren. Wir brauchen nabhängige und mehr Ratingagenturen, mehr Bereiche, ie im Wettbewerb stehen. Der Schattenbanksektor muss die Regulierung des Bankensektors einbezogen wer en. Wer wie eine Bank handelt, muss auch wie eine ank behandelt werden. Sonst haben wir eine Schieflage Finanzsektor. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Meine Damen und Herren, die Welt verändert sich
ramatisch schnell. Europa muss sich neu aufstellen.
ir handeln entschlossen. Wir bringen mit dem Ret-
ngsschirm und der heutigen Grundausrichtung wich-
ge Entscheidungen auf den Weg. Damit sichern wir
ine gute Entwicklung in Deutschland und in Europa.
as sollte die Kernposition unseres gemeinsamen Tuns

ein. Wir müssen aber auch die Kraft haben, dann, wenn
ir unterschiedlicher Meinung sind, dies nicht zu ver-
ecken, weil dies sonst bei den Menschen, die ganz un-
rschiedliche Empfindungen haben, nicht als ein glaub-
ürdiges Handeln einer parlamentarischen Demokratie

nkommt.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713500600

Das Wort erhält nun der Kollege Gregor Gysi, Frak-

on Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713500700

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir ver-

anken es der Opposition, dass es überhaupt zur Abstim-
ung über den Hebel im Bundestag kommt. Sie wollten

as in den Haushaltsausschuss verlegen. Ich sage Ihnen:
s ist immer Ausdruck der Arroganz der Macht, wenn
an anfängt, das Parlament zu vernachlässigen. Das

ollten Sie sich nicht leisten.


(Beifall bei der LINKEN – Volker Kauder [CDU/CSU]: Da wissen Sie ja sehr gut Bescheid! Das kennen Sie aus Ihrer Vergangenheit nur zu gut!)


Ich sage ferner, dass der Bundestag vor der letzten
bstimmung am 29. September 2011 getäuscht wurde;
enn damals haben gerade Sie, Herr Brüderle, den Hebel
usgeschlossen. Ich werde Sie einmal zitieren. Am
9. September, also am Tag der Abstimmung, haben Sie
egenüber dem Deutschlandfunk gesagt: „Meines Er-
chtens wird es ihn“ – gemeint war der Hebel – „nicht
eben.“


(Rainer Brüderle [FDP]: Gibt es ja auch nicht, wenn der Hebel verstanden wird!)






Dr. Gregor Gysi


(A) )


)(B)

Der Vorsitzende der CSU, Herr Seehofer, hat einen
Tag nach der Abstimmung Folgendes gesagt:

Weitere Aufstockungen oder größere Risiken aus
den übernommenen Garantien – beispielsweise
über finanztechnische „Hebel“ – lehnen wir jedoch
ab.

Was machen die Abgeordneten der CSU heute? Sie
werden zustimmen. Sie widerlegen die Aussagen ihrer
eigenen Politiker innerhalb weniger Wochen.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Am 1. September hat der Parlamentarische Staats-
sekretär im Bundesfinanzministerium Kampeter unserer
Abgeordneten Sahra Wagenknecht schriftlich mitgeteilt,
dass eine Ausweitung der Risiken nicht erfolgen wird.
Auch das ist nicht wahr.

Was bedeutet nun der Hebel? Das müssen wir der Be-
völkerung einmal sagen. Am 29. September habe ich
hier davon gesprochen, dass ein Schuldenschnitt kom-
men wird. Sie alle haben dazu nichts gesagt. Es ist be-
stritten worden, dass ein Schuldenschnitt kommen wird.
Ich habe gesagt: Anders geht es überhaupt nicht mehr
mit Griechenland, anders ist es nicht einmal im Ansatz
lösbar.

Interessant ist: Jetzt reden alle vom Schuldenschnitt.
Früher, Herr Kauder, brauchten Sie mehrere Jahre, um
mir zu folgen. Jetzt dauert es nur noch drei Wochen.
Vielleicht sollten wir darüber einmal nachdenken.


(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Jetzt wollen Sie den Hebel einführen. Was heißt das?
Die ersten 20 Prozent soll der europäische Rettungs-
schirm, bezahlt von den Steuerzahlerinnen und Steuer-
zahlern der Euro-Zone und damit vornehmlich von
Deutschland, übernehmen – die ersten 20 Prozent, das ist
wichtig zu wissen. Angenommen, es würde nur ein
Schuldenschnitt von 20 Prozent beschlossen werden,
dann würden die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler al-
les allein bezahlen. Die Banken müssten nicht einen hal-
ben Euro dazulegen. Das ist Ihre Entscheidung.

Nun sagen Sie aber: Es sollen nicht 20 Prozent sein,
sondern es soll mehr werden; dazu komme ich noch.
Aber was heißt denn das? Während es bisher ein vages
Haftungsrisiko war – Sie haben immer gesagt: „Ob der
europäische Rettungsschirm überhaupt in Anspruch ge-
nommen wird, das wissen wir noch gar nicht“ –, machen
Sie daraus heute eine zwangsläufige, direkte Zahlung;
denn es wird den Schuldenschnitt geben. Das heißt, dass
die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die ersten
20 Prozent davon ganz alleine und direkt bezahlen. Das
müssen Sie den Bürgerinnen und Bürgern einmal so ehr-
lich erklären.


(Beifall bei der LINKEN)


Nun wird aber von einem Schuldenschnitt von 50 bis
60 Prozent geredet. Auch dazu muss man etwas er-

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(C (D lären: Bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent oder 0 Prozent geht es nicht nur um den Betrag, den man geahlt hat, als man die Anleihen kaufte, sondern für die anken geht es immer um alles, also auch um die Zin en. Nehmen wir das Beispiel, eine Bank hätte für 1 Milarde Euro griechische Anleihen gekauft. Je nach Laufeit und Zinshöhe hat sie dann am Ende einen Anspruch uf 2 Milliarden Euro. Wenn eine Kürzung um 50 Proent erfolgt, bekommt diese Bank immer noch 1 Milarde Euro. Das heißt, sie verliert, nachdem sie schon hrelang Zinsen kassiert hat, nur weitere Zinsen. Von em eigentlichen Betrag büßt sie überhaupt nichts ein. uch das müssen Sie einmal der Öffentlichkeit so deutch sagen. (Beifall bei der LINKEN – Norbert Barthle [CDU/CSU]: Hat sie Geld ausgegeben oder nicht?)


Nun ist die Frage: Was machen wir mit den Zinsver-
sten? Völlig richtig. Dabei stellt sich auch die Frage,
er die Zinsverluste bezahlt. Da gibt es theoretisch drei
arianten, meine vielen Herren und wenigen Damen von
er FDP:

Die erste Variante wäre, zu sagen: Tja, das ist eben
as Pech der Banken. Dann haben sie eben einmal einen
insverlust. – An so etwas denken Sie noch nicht einmal
achts oder heimlich. Bei dem Gedanken, dass die Deut-
che Bank auch nur einen halben Euro verlieren könnte,
ekommen Sie ja das Gruseln. Das käme für Sie über-
aupt nicht infrage.

Eine zweite Variante wäre, dass die Staaten die Zins-
erluste ihrer Banken direkt bezahlen. Dann müssten
rankreich und Deutschland für ihre Banken zahlen.
rankreich müsste aber sehr viel mehr zahlen als
eutschland. Deshalb gefällt dieser Weg den Franzosen
icht.

Daher schlagen diese vor – das wäre die dritte Va-
ante –: Entweder die EZB oder der Rettungsschirm
ollte diese Zahlungen übernehmen. Das würde bedeu-
n, dass die deutschen Steuerzahlerinnen und Steuer-

ahler die Verluste der französischen Banken mitbezah-
n.

Darum geht der Streit. Warum sagen Sie das nicht
infach so offen? Dann wissen die Bürgerinnen und Bür-
er wenigstens, worum eigentlich diesbezüglich gestrit-
n wird.


(Beifall bei der LINKEN)


Sie haben ein Chaos verursacht, das eine Wirrnis or-
anisiert, die alle überfordert. Ich behaupte, auch das
arlament. Ich behaupte, auch die Medien


(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Vor allem die Medien!)


nd erst recht die Bevölkerung. Sie sagen jede Woche et-
as Neues zu dieser Krise. Sie lehnen einen Vorschlag
der ersten Woche ab, um ihn in der zweiten Woche zu

bernehmen. Bringen Sie doch einmal einen Zug von
larheit in diese Sache hinein! Erst soll ein EU-Gipfel





Dr. Gregor Gysi


(A) )


)(B)

stattfinden und dort etwas beschlossen werden. Dann tei-
len Sie uns mit: Nein, es wird doch nichts beschlossen.
Er wird erst am Mittwoch tagen. – Dann soll die Kanz-
lerin am Freitag reden. Dann wird gesagt: Nein, sie redet
nicht. Sie redet erst am Mittwoch. – Mein Gott! Auch
das Recht der Bundesregierung, die Bevölkerung in Ver-
wirrung zu bringen, hat Grenzen, und die müssen irgend-
wann einmal gesetzt werden.


(Beifall bei der LINKEN – Volker Kauder [CDU/CSU]: Von Ihnen, ja?)


Kommen wir wieder zur FDP. Jetzt machen die USA
Druck.


(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Machen Sie doch mal einen eigenen Vorschlag!)


Die USA sagen, wir sollten das Eigenkapital unserer
Banken erhöhen. Es sollte, wenn ich richtig informiert
bin, bei 9 Prozent der Bilanzsumme liegen. Was bedeutet
es eigentlich, wenn eine Bank zu wenig Eigenkapital
hat? Dann ist sie überschuldet. Es stellt sich daher die
Frage: Wie kommen sie zu diesen 9 Prozent? Da gibt es
wieder verschiedene Varianten: Sollen das die Staaten
selbst bezahlen? Bezahlt das Europa? Auch da haben die
Franzosen wieder andere Vorstellungen als wir. Für uns
ist ganz klar – da müssen Sie mir keinen Vogel zeigen –:
Wir fordern zwar 9 Prozent der Bilanzsumme als Eigen-
kapital; dies leisten aber weder die Commerzbank noch
die Landesbanken. Das heißt, sagen Sie doch den Steuer-
zahlerinnen und Steuerzahlern heute, dass sie die Diffe-
renz bezahlen müssen, und zwar direkt an die Banken.
Das ist das, was Sie planen und was Sie nie ehrlich zuge-
ben.

Ich sage Ihnen noch etwas dazu, dass die Banken
überschuldet sind. Die Banken bieten doch Dispokredite
an. Die Commerzbank nimmt bei einem Dispokredit
Zinsen in Höhe von 13,24 Prozent. Das ist eine Unver-
schämtheit. Die Deutsche Bank nimmt bei einem Dis-
pokredit 13,25 Prozent; auch das ist eine Unverschämt-
heit. Das heißt, wenn sich eine Bürgerin oder ein Bürger
bei einer dieser beiden Banken überschuldet, dann muss
sie bzw. er für diesen Betrag so hohe Zinsen bezahlen.
Nun wäre doch das Mindeste, meine Damen und Herren
von der FDP und von der Union, dass Sie sagen: Wenn
wir einer Bank Geld geben, dann verlangen wir die Zin-
sen, die die Bank bei einem Dispokredit fordert; denn sie
hat sich ja auch überschuldet.


(Beifall bei der LINKEN)


Das wäre das Mindeste. Aber Sie kommen mit lächer-
lich kleinen Zinsen. Das interessiert Sie nicht.

Zurück zum Eigenkapital der Banken. Wir können
das in Deutschland vielleicht noch irgendwie meistern,
Frankreich vielleicht auch noch, Griechenland aber be-
stimmt nicht, Spanien und Italien auch nicht. Und was
passiert dann? Dann – so sagt es auch die Bundeskanz-
lerin – muss es der europäische Rettungsschirm bezah-
len. Wer ist der europäische Rettungsschirm? Es sind
wieder – überwiegend, nicht nur – die deutschen Steuer-
zahlerinnen und Steuerzahler. Da heißt, Sie verpulvern

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(C (D ier Milliarden – das gilt auch für diese Abstimmung –, hne es den Bürgerinnen und Bürgern ehrlich zu sagen. Wie war das denn bei Griechenland? Erst hieß es: 10 Milliarden Euro reichen; dann ist Griechenland gettet. Das war im Mai 2010. Im Juli 2011 haben Sie esagt: Na ja, wir brauchen doch noch weitere 109 Milarden Euro. Jetzt sagen Sie: Ach, wir haben uns verchnet, es sind doch 252 Milliarden Euro. – Man kann espannt sein, was wir im Dezember oder Januar hören nd wie sich diese Zahlen entsprechend weiterentwikeln. Es ist übrigens ein absurder Zahlenwirrwar, den ie hier liefern. Warum ist Griechenland unter anderem in diese chwierige Situation gekommen? Unter anderem durch en deutschen Exportüberschuss, das möchte ich einmal lipp und klar sagen. Der ist möglich geworden durch ohndumping in Deutschland. Beides war falsch, beides t falsch, und beides bleibt falsch. ie Rezepte für das Griechenland-Problem sind falsch. (Volker Kauder [CDU/CSU]: Reden Sie endlich über Ihr Programm! Sozialismus und Kommunismus!)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


in griechischer Linker hat bei uns auf dem Parteitag ge-
prochen und erzählt, wie es in Griechenland aussieht:
assenhafte Entlassungen, Lohnsenkungen, Rentensen-

ungen, Streichung von Investitionen, Verschleuderung
es öffentlichen Eigentums.

Ich nenne Ihnen nur zwei Beispiele aus Griechenland:
7 000 kleine Unternehmen – für die Sie angeblich
urchs Feuer gehen, liebe FDP –, mussten schon die In-
olvenz anmelden. Eine Lehrerin erhielt im Juni 2011
ei einer Neueinstellung einen monatlichen Bruttolohn
on 1 020 Euro. Ab Dezember wird sie einen monatli-
hen Bruttolohn von 575 Euro erhalten. Soll sie verhun-
ern? Wie wollen Sie das Ganze überhaupt bewerkstelli-
en?


(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von den LINKEN: Pfui!)


Sie stehen vor dem Scherbenhaufen Ihrer Auflagen-
olitik. Das geht so nicht weiter. Wir brauchen in Grie-
henland, in Italien und in Deutschland nicht Abbau,
ondern Aufbau. Wenn Sie Investitionen streichen, strei-
hen Sie auch die Steuern. Wenn Sie aber die Steuern
treichen, versenken Sie das ganze Geld, weil dann kei-
es zurückfließen kann.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Wenn man Sie so reden hört, weiß man, warum die DDR kaputtgegangen ist!)


Wissen Sie, erst einmal ist es überhaupt gut, wenn Sie
ir zuhören, weil Sie dabei dazulernen können.


(Beifall bei der LINKEN – Lachen bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich komme jetzt aber zur SPD und zu den Grünen.





Dr. Gregor Gysi


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(Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hat lange gedauert!)


Sie legen heute einen gemeinsamen Entschließungs-
antrag mit Union und FDP vor. Sie tragen fast alles mit,
was Union und FDP diesbezüglich geplant haben. Es
bringt nur nichts, Herr Steinmeier, wenn Sie hier den
Oppositionellen spielen, in der Sache aber vollständig
mit Union und FDP übereinstimmen.


(Beifall bei der LINKEN)


Ich sage Ihnen, Herr Bundestagspräsident: Die Rei-
henfolge der Redner war falsch; denn nach der Bundes-
kanzlerin soll eigentlich ein Oppositioneller sprechen. In
diesem Falle hätte ich das dann sein müssen.


(Beifall bei der LINKEN)


Sie bringen das nicht, Herr Steinmeier. Ich will Ihnen
auch sagen, was an Ihrer Argumentation falsch ist; das
ist mir wichtig. Sie unterstützen doch den „Hebel“. In
dem Zusammenhang sagen Sie, dass er zu einer Verän-
derung der Risiken führt. Warum sind Sie nicht ehrlich?
Warum sagen Sie nicht, dass aus einem Risiko direkt die
Zahlung durch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler
wird? Das ist nämlich die Veränderung, die stattfindet.


(Hans-Michael Goldmann [FDP]: Sie haben keine Ahnung!)


Darüber hinaus verkünden Sie stolz: Die Europäische
Zentralbank soll keine Staatsanleihen mehr kaufen.
Schaut man sich den Entschließungsantrag aber genauer
an, dann stellt man fest: Die EZB soll keine Anleihen
mehr von den Staaten kaufen, aber von den privaten
Banken soll sie weiterhin Anleihen kaufen. Damit si-
chern Sie wiederum die Banken. Ich sage Ihnen: Ihre
vier Fraktionen sind die Fraktionen der Banken. Wir
brauchen endlich Fraktionen für die Bevölkerung.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713500800

Herr Kollege Gysi!


Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713500900

Ich komme zum Schluss. – Eine Garantieerklärung ist

im Entschließungsantrag übrigens auch nicht enthalten.
Wir haben Ihnen klare Modelle genannt. Um zwei Dinge
werden Sie nicht herumkommen: Wir brauchen erstens
in Europa und in Deutschland endlich eine Vermögen-
steuer. Ich bin es leid, dass die Hartz-IV-Empfängerin,
der Stahlarbeiter und die Lehrerin die Folgen der Krise
bezahlen. Das müssen andere bezahlen, nämlich die, die
an der Krise verdient haben.


(Beifall bei der LINKEN)


Zweitens brauchen wir endlich öffentlich-rechtlich
organisierte Banken im Sinne des Art. 14 Abs. 2 und
Art. 15 Grundgesetz,


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Punkt! Punkt! Punkt!)


nicht Ihre großen Privatbanken, die die Staaten in Ab-
hängigkeiten treiben.

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(C (D (Volker Kauder [CDU/CSU]: Die Zeit ist um! Punkt! Punkt! Punkt!)


ir brauchen die Unabhängigkeit der Staaten von den
rivatbanken,


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Ja, ja, ja!)


onst führen die Sie noch länger durchs Land, und zwar
ie alle vier zusammen.


(Anhaltender Beifall bei der LINKEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713501000

Herr Kollege Gysi, nachdem Sie mit der Reihenfolge

er Redner schon nicht restlos zufrieden waren, werden
ie mit umso größerer Zufriedenheit die großzügige Be-
essung der Redezeit durch den Präsidenten registriert

aben.


(Beifall bei der LINKEN – Stefan Müller [Erlangen] [CDU/CSU]: Wäre nicht nötig gewesen!)


Das Wort hat nun der Kollege Volker Kauder für die
DU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Volker Kauder (CDU):
Rede ID: ID1713501100

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

ie Bundeskanzlerin kann heute Abend beim Gipfel in
rüssel über das Programm, das sie heute hier zu den an-

tehenden Entscheidungen in Europa vorgetragen hat,
erhandeln. Es entspricht nämlich genau dem Rahmen,
en wir von Koalition, SPD und Grünen der Bundesre-
ierung mit dem gemeinsamen Entschließungsantrag
etzen. Das heißt also, der Bundestag ermutigt die Re-
ierung, er hemmt nicht. Der Deutsche Bundestag macht
ie Bundesregierung stärker zur Durchsetzung unserer
teressen, die nicht ausschließlich deutsche Interessen

ind, sondern einer guten Zukunft Europas dienen. Da-
uf kommt es an; das ist entscheidend.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich finde es schön, dass es gelungen ist, hier im Deut-
chen Bundestag bei einer wirklich bedeutenden – man
ann vielleicht sogar sagen: existenziellen – Frage für
uropa zu einer breiten Mehrheit zu kommen und eine
emeinsame Entschließung zu verabschieden. Lieber
err Kollege Gysi, wir haben schon am Wochenende vo-
usgesehen, dass Sie bei einer solchen Entschließung

icht mitmachen können; wer für Sozialismus und kom-
unistische Wirtschaftsthesen eintritt, der kann keine

ute Zukunft für Europa mitgestalten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch bei der LINKEN)


eswegen ist es ganz klar, dass Sie, Herr Gysi, nicht da-
ei sind.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, was wir in
iesem Antrag formulieren, bedeutet eine Perspektive
r Europa und Stabilität für den Euro. Herr Kollege

teinmeier, jetzt will ich ein paar Hinweise zu dem ma-
hen, was Sie gesagt haben. Sie haben in Ihrer Rede in





Volker Kauder


(A) )


)(B)

der großen Linie deutlich gemacht, dass es keine „Wun-
derwaffe gegen die Krise gibt“ und man jetzt und in ein
paar Wochen noch gar keine absolut richtige Entschei-
dung dazu treffen kann, was man alles machen sollte. Ich
würde Ihnen sehr raten,


(Rolf Hempelmann [SPD]: Jetzt rät er uns!)


nie zu vergessen, dass ein Teil der Probleme, die wir
jetzt miteinander zu beheben haben, auf Entscheidungen
aus der Regierungszeit von Rot-Grün beruht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich kann nur sagen: Es ist in Ordnung, wenn Herr
Gabriel sagt, dass er sich für das, was geschehen ist
– man hat die Finanzmärkte dereguliert –, entschuldigt
und vielleicht sogar ein bisschen schämt. Es ist aber
Fakt, dass es geschehen ist. Deswegen sollten Sie hier
nicht in einer Art und Weise auftreten, die dem, was
auch Sie mit zu verantworten haben, nicht angemessen
ist.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Waren Sie dagegen? Ihr wart doch auch dafür! Was ist das für eine Argumentation? – Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Schwarz und Gelb ging es nie weit genug!)


– Ich will gar nicht in die Vergangenheit schauen. Ich
will nur sagen: Wer von anderen Demut einfordert, muss
sie auch selber einmal aufbringen, vor allem, wenn er
Grund dazu hat. Herr Steinmeier, das ist der entschei-
dende Punkt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wir wollen, dass dieses Europa wieder auf stabile
Füße kommt. Hier ist mehrfach gesagt worden, dass man
Grundlinien vermisse. Dazu kann ich nur sagen: Es gibt
ein paar entscheidende Positionen, die diese Koalition
von Anfang an durchgehalten hat, wo sie nie etwas geän-
dert hat und ich manchmal Zweifel hatte, ob Sie von der
Opposition da richtig liegen. Wir haben von Anfang an
gesagt: Es wird überhaupt keine Lösung geben, wenn ei-
nige glauben, sie könnten aus Solidarität Geld bekom-
men, ohne ihre eigenen Probleme anzupacken.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Es wäre doch völlig falsch gewesen, damit zu starten,
dass wir sagen: „Wir nehmen euch alle Schulden ab; erst
wenn wir alle Schulden abgenommen haben, könnt ihr
uns einmal sagen, was ihr machen wollt.“ Dann wäre
nichts geschehen. Insofern war es der richtige Weg, zu-
nächst einmal dafür zu sorgen, dass notwendige Refor-
men durchgeführt werden, und dann miteinander da-
rüber zu reden, wie es weitergehen kann.

Wissen Sie, Herr Gysi, Sie vergießen hier dicke Trä-
nen. Da kann ich nur sagen: Natürlich kann der einzelne
Mensch in Griechenland nichts für das, was geschehen
ist, aber es ist zwingend erforderlich – dafür waren auch
die Maßnahmen, die die Bundesregierung in Europa vo-
rangetrieben hat, erforderlich –, dass wir bei der Rente
und anderen Ansprüchen ein Niveau erreichen, das für

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(C (D lle in Europa gilt. Es kann nicht sein, dass einige weige in der Welt glauben, sie könnten es sich leichter mahen, und andere es dafür schwerer haben. Daher war nser Vorgehen zwingend notwendig. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Sollen unsere Lehrer auch 570 Euro bekommen? Ist das Ihr Ziel? Was ist denn das für eine Argumentation hier?)


Den Kurs der Hilfe und Solidarität – gegen entspre-
hende Auflagen – hat die Bundesregierung konsequent
urchgehalten. Die Bundesregierung hat auch durchgän-
ig die Meinung vertreten, dass der private Sektor betei-
gt werden muss. Was Rainer Brüderle formuliert hat,
t völlig richtig: Risiko und Haftung gehören ganz eng
usammen. Deswegen wird heute Abend der Gipfel in
uropa nur dann zu einem Erfolg führen, wenn der pri-
ate Sektor stärker als bisher beteiligt wird. Das hat die
undeskanzlerin klar und deutlich gesagt. Ich möchte an
ieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass der pri-
ate Sektor diese Mahnung ernst nehmen und nicht glau-
en soll, er könne ausschließlich mit dem Schielen auf
teuergelder durchkommen. Das dürfen wir und das
ird die Bundesregierung nicht zulassen. Der private
ektor muss sich beteiligen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713501200

Herr Kollege, der Kollege Ernst würde gerne eine

wischenfrage stellen.


Volker Kauder (CDU):
Rede ID: ID1713501300

Wir wollen, dass dies auf dem Gipfel heute Abend

lar und deutlich wird. Das wollen wir formulieren.

Ja, es ist richtig, dass wir in Bezug auf die Entschlie-
ung – die wir heute fassen und die die Bundesregierung
nd die Bundeskanzlerin bei ihren Verhandlungen stär-
en wird –, auch darauf hinweisen, dass wir den privaten
ektor nicht nur auffordern, sich zu beteiligen, sondern
ass wir dem privaten Sektor deutlich machen: Wir wol-
n eine Besteuerung von bestimmten – nicht allen –
inanztransaktionen. Ja, es wäre auch uns lieb und recht,
enn dies auf internationaler Ebene durchführbar wäre
nd sich alle daran beteiligen würden. Das ist aber nicht
u erwarten. Deswegen müssen wir es zumindest in
uropa umsetzen.

Lassen Sie mich einen weiteren Punkt ansprechen.
h bitte Sie, Frau Bundeskanzlerin, heute Abend Fol-

endes klarzustellen: Wir nehmen es hin – manchmal
uch mit der Faust in der Tasche –,


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt wird es bitter für Brüderle!)


ass uns die Briten erklären, wie man aus der Krise he-
uskommt, aber dann erwarten wir auch ihre Solidarität

nd dass sie endlich bereit sind, der Finanztransaktion-
teuer zuzustimmen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)






Volker Kauder


(A) )


)(B)

Man kann nicht ständig Ratschläge geben, aber sich
dann, wenn es ernst wird, davonmachen. Das geht nicht.
Das gehört zur Solidarität in Europa.

Wir haben auch klar formuliert – das ist für uns ein
zentraler Punkt –, was die EFSF nach den neuen Regeln
machen kann. Unter anderem ist vorgesehen – jeweils mit
Zustimmung des Deutschen Bundestages, vertreten durch
den Haushaltsausschuss –, dass unter eng begrenzten
Möglichkeiten Anleihen am Sekundärmarkt aufgekauft
werden können. Da Einstimmigkeitsprinzip herrscht,
kommt es ganz entscheidend auf unsere Zustimmung im
Deutschen Bundestag an.

Die Bundeskanzlerin hat gestern klargestellt, was die
EZB auf gar keinen Fall machen darf und für welche Be-
reiche Deutschland seine Zustimmung nicht geben wird.


(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warten wir es ab!)


Ich möchte für unsere Koalition ausdrücklich darauf hin-
weisen: Wenn wir im Zuge der Gestaltung der EFSF
klargestellt haben, dass unter bestimmten Voraussetzun-
gen Anleihen am Sekundärmarkt aufgekauft werden
können, dann wollen wir aber nicht mehr, dass die EZB
in Zukunft solche Anleihen aufkauft. Das muss Aufgabe
des Rettungsschirms sein und bleiben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Thomas Oppermann [SPD]: Das müssen wir aber erst hineinverhandeln! Das steht nicht drin!)


Wir hätten mit unserem Nein nichts erreicht, wenn die
EZB später doch einspringt. Wir legen großen Wert da-
rauf, dass das klargestellt wird.

Es ist angesprochen worden, dass die Bürger viele
Fragen stellen und sich Sorgen machen, weil sie viele
der Details, die hier diskutiert werden, gar nicht so rich-
tig verstehen. Sie wissen gar nicht, worauf es im Einzel-
fall ankommt. Umso notwendiger ist es, dass wir den
Menschen sagen: Wir haben Rezepte; wir wissen, wie
wir diesen Risiken begegnen können. Der heutige Tag,
an dem der Deutsche Bundestag in großer Geschlossen-
heit entscheidet, ist ein guter Tag, um diese Botschaft
auszusenden. Natürlich gibt es bei der einen oder ande-
ren Frage noch unterschiedliche Auffassungen. Ich wün-
sche mir aber, dass wir, nachdem wir diesen Antrag ge-
meinsam verabschiedet haben, auch zum Ausdruck
bringen, dass wir unsere Bundesregierung, unsere Ver-
handlungsführer für die Verhandlungen in Brüssel so
ausgestattet haben, dass das Notwendige getan werden
kann. Ich wünsche mir, dass zum Ausdruck kommt, dass
es dafür eine breite Zustimmung im Parlament gab.

Jetzt zum Parlament. Liebe Kolleginnen und Kolle-
gen, ich finde, gerade wir, die wir Gesetze verabschie-
den, sollten größten Wert darauf legen, dass mit diesen
Gesetzen anständig umgegangen wird und die Bestim-
mungen der Gesetze ordentlich angewandt werden.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Siehe letzten Freitag!)


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(C (D dem Antrag, über den wir am letzten Freitag beraten aben, steht ausdrücklich, dass laut Gesetz die Befasung mit Richtlinien, mit Leitlinien zum Aufgabenereich des Haushaltsausschusses gehört. Es ging um chnische Fragen. Es waren keine politischen Entscheiungen zu fällen. ir haben den Gesetzestext eng ausgelegt und gesagt: ir wollen, dass der Haushaltsausschuss darüber ent cheidet – Punkt und aus. Wir haben uns doch alle etwas abei gedacht, als wir den Gesetzentwurf verabschiedet aben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


(Joachim Poß [SPD]: Unglaublich!)


Wir haben aber auch gesagt: Bei jeder anstehenden
ntscheidung prüft der Deutsche Bundestag, ob er oder
er Haushaltsausschuss zuständig ist. Das Ergebnis der
rüfung ist in diesem Fall – das ist eine politische Ent-
cheidung –, dass das Parlament die Entscheidung tref-
n soll. Ich sage Ihnen: Nachdem in Brüssel Entschei-

ungen getroffen worden sind, schauen wir uns die
ituation erneut an. Wenn in Brüssel Richtlinien verein-
art werden, dann spricht einiges dafür, dass sich der
aushaltsausschuss damit befassen wird. Bauen Sie hier
och keinen Popanz auf. Das Parlament hat sich Regeln
egeben, und diese Regeln werden eingehalten. Wenn
er Haushaltsausschuss zuständig ist, ist der Haushalts-
usschuss zuständig, und wenn das Parlament zuständig
t, ist das Parlament zuständig. Daran halten wir uns.
eswegen diskutieren und entscheiden wir heute im Par-
ment, liebe Kolleginnen und Kollegen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


arüber entscheidet nicht die Opposition und auch nicht
ie Koalition, sondern das steht im Gesetz. Danach rich-
n wir uns.

Ich glaube, dass wir mit dem, was wir der Bundes-
gierung heute mit auf den Weg nach Brüssel geben,

uch zum Ausdruck bringen, dass dieser Deutsche Bun-
estag sich in breiter Mehrheit seiner Verantwortung be-
usst ist. Es freut mich, dass wir diese Geschlossenheit
Deutschen Bundestag zum Ausdruck bringen. Damit

tärken wir unserer Regierung bei den Verhandlungen in
rüssel den Rücken. Das stärkt die Position der Bundes-
anzlerin. Sie muss stark sein, um den teilweise abwegi-
en Wünschen, die an sie gerichtet werden, begegnen zu
önnen. Frau Bundeskanzlerin, wir wünschen Ihnen
eute viel Kraft. Die Entschließung des Deutschen Bun-
estages, die wir Ihnen heute mit auf den Weg geben,
ann Sie ermutigen und dazu beitragen, dass Sie die
chtigen Entscheidungen fällen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713501400

Zu einer Kurzintervention erhält der Kollege Klaus

rnst das Wort.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist eigentlich mit Sahra? – Volker Kauder [CDU/CSU]: Wir wollen Sahra sehen!)







(A) )


)(B)


Klaus Ernst (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713501500

Herr Kollege Kauder, Sie haben meine Zwischenfrage

nicht zugelassen. Deswegen reagiere ich so.

Sie haben hier vorgetragen, die Griechen seien nicht
auf europäischem Niveau und sie müssten das europäi-
sche Niveau erreichen. Herr Gysi hat gerade vorgetra-
gen, dass das Gehalt einer Lehrerin von knapp über
1 000 Euro – ihr Einkommen ist bereits gekürzt worden –
durch Maßnahmen infolge der Auflagen, die Sie befür-
worten, auf 575 Euro im Monat gekürzt wurde. Halten
Sie diese Politik als Modell für Deutschland für akzepta-
bel? Ich halte das, was Sie hier vorgetragen haben, für
ungeheuerlich. Ich will das mit aller Deutlichkeit sagen.


(Beifall bei der LINKEN)


Aus einem einzigen Grund werde ich dem Paket nie
und nimmer zustimmen:


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Wir wollen Sie ja gar nicht!)


Das, was Sie in Europa machen, geht zulasten der nor-
malen Bürger, zulasten der Gesundheit und zulasten der
Bildung. Portugal haben Sie Auflagen gemacht, die dazu
führen, dass der Bildungsetat und der Gesundheitsetat
heruntergesetzt werden. In Griechenland werden die
Renten und die Löhne gekürzt. Das ist für mich Grund
genug, nie und nimmer einem solchen Paket zuzustim-
men. Während die Banken nach wie vor das Geld in den
Hintern gestopft bekommen, ziehen Sie es den Leuten
aus der Nase. Das, was Sie hier vorgetragen haben, ist
ungeheuerlich.


(Beifall bei der LINKEN – Hartwig Fischer [Göttingen] [CDU/CSU]: Nehmen Sie erst einmal die Hand aus der Hosentasche!)


Wenn das das Modell Deutschland ist, wird mir him-
melangst und bange. Eine Frage, Herr Kauder, hat Ihre
Regierung noch nicht beantwortet. In einem Brief an die
Regierung, an Frau Merkel stellen mein Kollege Gysi,
meine Kollegin Gesine Lötzsch und ich die Frage, ob Sie
hier für die Bundesrepublik Deutschland eine Garantie
für die Löhne und für die Renten geben, sodass die Men-
schen wissen, dass ihnen nicht das passiert, was den
Menschen in Griechenland, Portugal und Spanien von
Ihnen aufgebürdet wird. Diese Frage haben Sie nicht be-
antwortet. Das ist mein Punkt, Herr Kauder.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1713501600

Nächster Redner ist der Kollege Jürgen Trittin für die

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


(Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Angsthase Kauder!)



Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713501700

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Man kann

doch gar nicht daran vorbeidiskutieren, dass die Men-
schen angesichts der Summen, über die wir sprechen
– wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt –, zutiefst
verunsichert sind. Ich sage Ihnen, lieber Herr Kauder:

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(C (D in Teil der Verunsicherung kommt auch daher, dass Sie m Mittwoch das Gegenteil von dem, was Sie am reitag hier praktiziert haben, für richtig erklären. ie haben am Freitag unseren Antrag, in dem lediglich efordert wurde, dass, wenn eine Hebelung kommt, hier Deutschen Bundestag darüber entschieden werden uss, gemeinsam abgelehnt. Heute stellen Sie sich hier in und erklären das zu einem Ausbruch Ihrer politichen Kultur. Das verunsichert die Menschen in diesem ande. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich füge ein Weiteres hinzu – das gilt auch für Sie,
err Brüderle –: Sie haben vor drei Wochen unisono – es
t ja selten Einigkeit in der Koalition, aber in diesem
all war es so – mit Herrn Seehofer erklärt, dass es eine
ebelung nicht geben wird. Heute beschließen Sie es.


(Zuruf des Abg. Rainer Brüderle [FDP])


ieber Herr Brüderle, es ist ja nicht schlimm, dass man
chlauer wird, aber die Menschen im Lande erwarten
on jemandem in Ihrer Position, dass er begründet und
arlegt, warum er heute anderer Meinung ist als vor drei
ochen. Das ist politische Kultur, lieber Kollege
rüderle.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu, Frau Bundeskanz-
rin, dass man in einer solchen Situation ernsthaft über
isiken sprechen muss. Ich habe versucht, Ihnen sehr
enau zuzuhören; ich habe es auch nachgelesen. Auch
ie haben es vermieden, das Wort „Hebel“ in den Mund
u nehmen. Warum eigentlich? Warum scheuen Sie sich,
en Menschen die Wahrheit zu sagen,


(Beifall der Abg. Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


ie sie in den letzten Tagen ohnehin verstehen mussten?

Es ist auch falsch, die Menschen darüber im Unklaren
u lassen, was damit verbunden ist. Selbstverständlich
leibt die Summe gleich – das hat niemand bestritten –,
ber wenn Sie sich den Mechanismus einmal anschauen,
ann stellen Sie fest: Wenn nur 20 Prozent der Garantien
llig werden, wenn Sie lediglich 200 Milliarden Euro,

lso nicht alles, in die Hebelung bringen, was Sie ja
icht können, dann würden ohne die Hebelung für
eutschland 24 Milliarden Euro fällig werden. Mit einer
ebelung liegt dieser Betrag bei 66 Milliarden Euro.
as ist eine Verdreifachung des Risikos. Ich sage Ihnen,

Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1713501800
Es wäre dieses Hohen Hauses
ürdig gewesen und ein berechtigter Anspruch der Men-

chen im Lande, dass Sie ihnen dies erklären und ihnen
uch erklären, warum es richtig ist, dieses Risiko einzu-
ehen. Davor haben Sie sich heute hier gedrückt.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Frank-Walter Steinmeier [SPD])






Jürgen Trittin


(A) )


)(B)

Reden wir über die Risiken. Noch vor Monaten haben
Sie bestritten, dass man an einem Schuldenschnitt für
Griechenland nicht vorbeikommt; er ist übrigens die
Grundvoraussetzung dafür, dass das Land wirtschaftlich
wieder auf die Beine kommt und die Dinge, die einige
Kollegen zu Recht kritisiert haben, abgestellt werden
können. Sie haben in diesem Zusammenhang gesagt, es
gehe dabei auch um die Beteiligung privater Gläubiger.
Ja, aber eben auch. Sie alle wissen doch, dass ein Groß-
teil der Verbindlichkeiten, die bestehen, in mittlerweile
verstaatlichten Banken liegt, also nicht im privaten Sek-
tor – nicht bei der Deutschen Bank oder der Commerz-
bank, die zu drei Vierteln in privater Hand ist –, sondern
in der Bad Bank der Hypo Real Estate. Auch das hätten
Sie den Menschen hier und heute sagen müssen, weil es
zum Gesamtpaket und zum Gesamtbild der Wahrheit ge-
hört.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Sie hätten auch deutlich machen müssen, dass wir
nicht darum herumkommen, diesen Schritt zu gehen,
weil alle Sparanstrengungen in Griechenland sonst nicht
zum Erfolg führen werden, und dass wir dies tun müs-
sen, damit dort wieder geordnete Verhältnisse einkehren.
Weil das so ist, müssen wir dafür sorgen, dass die Risi-
ken, die in Griechenland bestehen, nicht auf Spanien und
Italien überschwappen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Frank-Walter Steinmeier [SPD])


Deswegen ist die Hebelung trotz der damit verbundenen
Risiken notwendig. Deswegen müssen wir heute im
Bundestag gemeinsam diesen Weg gehen.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Dr. Frank-Walter Steinmeier [SPD] und HansMichael Goldmann [FDP])


Es ist notwendig – dies betrifft zweierlei: das Risiko,
aber auch die Rekapitalisierung, die Sie alle ursprüng-
lich nicht in unserem gemeinsamen Entschließungs-
antrag haben wollten –, endlich dafür Sorge zu tragen,
dass nicht nur der Überschuldung von Staaten, sondern
auch der systematischen Überschuldung von Banken ein
Riegel vorgeschoben wird.


(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Dr. FrankWalter Steinmeier [SPD])


Sie haben gesagt, Sie wollen dieses Thema jetzt im
Rahmen der G 20 behandeln. Liebe Frau Merkel, darauf
hätten Sie nicht warten müssen. Es war schon in der
Schweiz möglich, systemrelevanten Banken eine Kern-
kapitalquote von 12 Prozent zwingend zu verordnen.


(Christian Lindner [FDP]: Lehman Brothers hatte eine von 11 Prozent! Das hat auch nicht geholfen!)


– Lieber Herr Lindner, passen Sie auf! Jetzt kommen für
Sie nämlich ganz schlimme Zahlen. – Sie sind jetzt stolz
darauf, dass Sie beabsichtigen, den Banken zum 30. Juni
nächsten Jahres eine Kernkapitalquote von 9 Prozent

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(C (D ufzudrücken, wissen aber noch nicht, ob sich das alle anken leisten können. Auch hier sage ich: Die Men chen erwarten im Hinblick auf die Bankenregulierung icht nur, dass man Ankündigungen macht, sondern sie rwarten auch, dass Ankündigungen in politisches Haneln umgesetzt werden. Regieren heißt, politisch zu haneln, aber nicht, sich so zu verhalten, wie Sie es getan aben. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Christian Lindner [FDP]: Leider haben Sie in Ihrer Regierungszeit zu viel gehandelt! Und auch noch falsch! Sie hätten besser weniger gehandelt!)


Schließlich: Sie, Frau Bundeskanzlerin, haben sich
uf die Bewegung „Occupy Wall Street“, auf die Men-
chen, die hier in Berlin und in der Frankfurter Innen-
tadt, im Bankenviertel, demonstriert und protestiert ha-
en, bezogen. Sie haben gesagt, Sie hätten Verständnis
r diese Menschen. Ich glaube, Sie sollten sich noch

inmal genau anhören, was diese Menschen vertreten.
iese soziale Bewegung bringt nicht nur Kritik an unre-
ulierten Banken zum Ausdruck, sondern klagt auch
ine falsche Arbeitsteilung zwischen Politik und wirt-
chaftlich Mächtigen sowie einen Mangel an Gerechtig-
eit in dieser Gesellschaft an.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Frank-Walter Steinmeier [SPD])


Bei diesen Menschen ist der Eindruck entstanden
die Wirklichkeit hat ihn bestätigt –, dass die Lasten

ieser Krise nicht hauptsächlich von denjenigen, die sie
erursacht oder von den Rettungsmaßnahmen profitiert
aben, getragen werden.

Liebe Frau Bundeskanzlerin, glauben Sie im Ernst,
ass irgendjemand von „Occupy Wall Street“ zum Bei-
piel Verständnis dafür hat, dass Sie in diesen Tagen ein
bkommen mit der Schweiz getroffen haben, durch das
teuerhinterziehung in Milliardenhöhe straffrei gestellt
ird und die Hände der Finanzbehörden auch künftig in
esseln gelegt werden sollen? Glauben Sie im Ernst,
ass das bei denen, die in Frankfurt demonstrieren, auf
erständnis stößt?


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Dahinter steht ein tiefer liegendes Problem. Diejeni-
en, deren Vermögensbestände nun durch diese Ret-
ngsmaßnahmen gesichert werden, müssen für die Be-
ältigung der Folgen dieser Krise ihren Beitrag leisten.
eswegen muss die FDP der Finanztransaktionsteuer
tzt in einem gemeinsamen Antrag zustimmen und an
ieser Stelle, wie bei der Hebelung, ihre Meinung än-
ern.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Deshalb bleibt es richtig, dass wir auf den Skandal
inweisen, dass in Deutschland durch Rettungsmaßnah-
en Vermögensbestände gesichert werden, Sie aber bis

eute nicht den Mut haben, diejenigen, die über sehr





Jürgen Trittin


(A) )


)(B)

große Vermögen verfügen – das sind die Vermögen, die
hier durch solche Maßnahmen gesichert werden –, durch
eine Vermögensabgabe zu einer entsprechenden Beteili-
gung an den Kosten heranzuziehen. Das ist bei aller Ge-
meinsamkeit für dieses Europa, bei aller Gemeinsamkeit
darin, dass jetzt die notwendigen Rettungsschritte wirk-
lich verbindlich, bewusst und aufrichtig gegangen wer-
den müssen, indem die tatsächlichen Risiken benannt
werden, der Grund, warum wir an dieser Stelle noch
lange nicht übereinkommen. Ich bin mir aber sicher: Am
Ende werden Sie uns auch in diesem Punkt folgen.

Vielen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713501900

Der Kollege Michael Link hat das Wort für die FDP-

Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Michael Link (FDP):
Rede ID: ID1713502000

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Herr Kollege Trittin, Ihre Empörung war vorhersehbar.
Verständlich wäre sie, wenn Sie sich selbst an das, was
Sie fordern, in Ihrer eigenen Regierungszeit gehalten
hätten.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Das, was wir jetzt mühsam aufräumen müssen, haben
Sie uns mit der Aushöhlung des Stabilitäts- und Wachs-
tumspakts in den Jahren 2003, 2004 und 2005 einge-
brockt. Das können wir Ihnen – haben Sie die Gnade,
sich umzudrehen und zuzuhören – nicht ersparen.

Ihre Empörung wäre dann verständlich, wenn Sie
– wenn es denn so ist, dass Ihre Thesen zur Finanzmarkt-
steuer zutreffen – Ihre eigene Regierungszeit dazu ge-
nutzt hätten, das durchzusetzen. Damals war das SPD-
geführte Finanzministerium gegen die Tobin-Tax, gegen
die Finanztransaktionsteuer, wissend, wie schwierig sie
unter anderem unter den Gesichtspunkten „Finanzplatz
London“ etc. durchzusetzen ist.

Sie betonen hier den Punkt Transparenz sehr stark. Ja,
ich weiß mich im Kampf um Transparenz mit vielen
Kollegen gerade in Ihrer Fraktion sehr einig. Wir haben
freundschaftlich gestritten, auch darum, wie wir die Par-
lamentsbeteiligung ausgestalten. In einem Fraktions-
papier vom 30. August 2011 haben Sie hinsichtlich
EFSF – ich rede also nur über EFSF und nicht über
ESM – gesagt – ich zitiere –:

Vor der Entscheidung über die Gewährung von Fi-
nanzhilfen … soll die Bundesregierung Einverneh-
men mit dem Bundestag herstellen.

Das ist die Fraktionsposition der Grünen vom 30. Au-
gust 2011.


(Otto Fricke [FDP]: Aha!)


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(C (D Gleichzeitig sagen Sie weiter hinten, weil es so deliat sei, so etwas im Plenum zu diskutieren, und weil die esamte Thematik so delikat sei, sei das stille Verfahren Haushaltsausschuss in der Regel vorzuziehen. Trotzem haben Sie in der letzten Woche lauthals gefordert, as Plenum damit zu befassen. Das passt nicht zusamen. Deshalb haben wir an dieser Stelle klar entschie en, einen Entschließungsantrag einzubringen. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir haben im Übrigen – dafür bin ich vielen Kollegen
erade aus den Koalitionsfraktionen, aber auch aus den
ppositionsfraktionen dankbar – beim Thema Parla-
entsbeteiligung gemeinsam etwas geschafft, was wir

icht kleinreden dürfen, sondern was wir selbstbewusst,
ber auch verantwortungsbewusst wahrnehmen müssen.
ür all diejenigen, die es noch nicht wissen: Diese Ent-
cheidungen gehören hierher.

Ich möchte einen Leitsatz aus der Entscheidung des
undesverfassungsgerichts zitieren, weil er nicht oft ge-
ug zitiert werden kann:

Als Repräsentanten des Volkes

so das Gericht –

müssen die gewählten Abgeordneten des Deutschen
Bundestages auch in einem System intergouverne-
mentalen Regierens

wie der EU –

die Kontrolle über grundlegende haushaltspoliti-
sche Entscheidungen behalten.

Deshalb debattieren wir heute hier. Deshalb diskutie-
n wir abgestuft im Haushaltsausschuss. Deshalb war

ie Position Ihrer Fraktion vom 30. August spätestens
m 7. September, als aus Karlsruhe offiziell die Ent-
cheidung erging, überholt. Genauso sind ihre Vor-
chläge überholt, wie man die Wachstums- und Schul-
enkrise bekämpfen könnte. Dafür haben Sie in Ihrer
igenen Regierungszeit exakt die falschen Weichen ge-
tellt.

Wir als Koalition sagen ganz klar: Stabilitätsunion
tatt Schuldenunion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


as ist die Grundlinie dieser Koalition. Diese verfolgen
ir, seit diese Koalition angetreten ist. Weil wir sie kon-

equent weiterführen wollen, weil wir zeigen wollen,
ass europäische Integration und ordnungspolitische
ernunft kein Widerspruch sind – im Gegenteil –, treten
ir als Koalition – Frau Bundeskanzlerin hat es gesagt –
r Vertragsänderungen ein.

Diese Vertragsänderungen brauchen wir. Wir brau-
hen sie jetzt nicht, um einen Nachfolgevertrag für den
ertrag von Lissabon zu machen. Das ist noch Zukunfts-
usik. Wir brauchen sie, um den jetzigen Vertrag so zu

chärfen, dass wir agieren können. Dazu gehören Durch-
riffsrechte. Dazu gehören – Kollege Kauder hat es an-
esprochen – vielleicht Überlegungen, wie man die EZB





Michael Link (Heilbronn)



(A) )


)(B)

dazu bringt, nicht mehr am Anleihenmarkt tätig zu wer-
den. Das kann man nicht gerichtlich und auch nicht poli-
tisch machen. Aber man kann sehr wohl in den Vertrag
Präzisierungen aufnehmen, welches die Aufgaben der
einzelnen Institute sind. Das können wir machen.

Von daher müssen wir genau diese Punkte in kontrol-
lierten und begrenzten Vertragsänderungen in einem
kleinen Konvent angehen. Dafür steht die FDP-Fraktion
ganz intensiv zur Verfügung. Wir wünschen der Bundes-
regierung für die heutigen Verhandlungen viel Erfolg.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713502100

Gerda Hasselfeldt hat jetzt das Wort für die CDU/

CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Gerda Hasselfeldt (CSU):
Rede ID: ID1713502200

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Es war richtig, dass die Entscheidungen beim EU-Gipfel
zunächst um einige Tage verschoben wurden. Auch die
Entscheidung, heute im Plenum darüber zu diskutieren
und über die weiteren Schritte zu entscheiden, war rich-
tig. In der vergangenen Woche war nichts entschei-
dungsreif, weder hier noch auf EU-Ebene. Heute haben
wir eine hinreichend konkrete Vorlage und einen darauf
aufbauenden Entschließungsantrag.

Worum geht es? Es geht um weitere Schritte zur
Schuldenkrisenbewältigung, ausgehend von der Krise in
Griechenland. Es geht um Schritte zur Bewältigung ei-
ner Krise, die zwar in anderen Euro-Ländern ihren Ur-
sprung, aber Auswirkungen auf uns alle hat. Es geht
nicht um griechische Probleme, sondern es geht um die
Bewältigung von Problemen, die sich auf uns, auf den
gesamten Euro-Raum auswirken. Es geht um die Aus-
wirkungen auf unsere Arbeitsplätze, unseren Wohlstand,
unsere soziale Sicherheit, unsere Spareinlagen. Um all
das geht es. Es geht um unsere ureigensten Probleme im
gemeinsamen Währungsraum.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Wir in Deutschland sind davon durch die Größe unse-
res Exports, durch die wirtschaftlichen Verflechtungen
im gesamten globalen Sektor, aber insbesondere im
Euro-Bereich, ganz besonders betroffen. Wir profitieren
vom Euro am allermeisten. Deshalb haben wir auch die
höchste Verantwortung in diesem Sektor.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit der Bundeskanzle-
rin für all das herzlich danken, was sie in den letzten
Monaten auf europäischer Ebene schon verhandelt und
erreicht hat. Das alles war bei den unterschiedlichsten
Interessen, den unterschiedlichsten Ausgangspositionen
der einzelnen Euro-Länder nicht selbstverständlich. Es
wurde vieles verhindert, was andere auch in diesem
Haus wollten, beispielsweise eine Vergemeinschaftung
von Schulden. Das ist auch auf ihren Einsatz zurückzu-
führen. Dafür sollten wir ihr herzlich danken.

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(C (D (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Die Grundlage unseres Handelns war und ist auch
eute noch: Unterstützung und Solidarität ja, aber nur in
erbindung mit Solidität, Eigenverantwortung der ein-
elnen Länder und eigenen Anstrengungen der Schuld-
erländer, aus ihrer Situation herauszukommen und wie-
er wettbewerbsfähig zu werden. Diese Verbindung
Solidarität und Eigenverantwortung – ist die Grund-
ge des europäischen Rettungsschirms. Das haben wir
den vergangenen Wochen durch die Ertüchtigung der
FSF zum Ausdruck gebracht, aber das gilt auch für den
orliegenden Entschließungsantrag.

Dass dieses System und die Gewährung von Hilfen
ur in Verbindung mit konkreten Auflagen und deren
ontrollen funktionieren, das zeigen die Beispiele Irland
nd Portugal. Das macht auch deutlich, dass wir mit die-
em Grundsatz auf dem richtigen Weg sind.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Heute geht es darum, wie die Mittel noch effizienter
ingesetzt werden können, um die Märkte zu stabilisie-
n und zu entspannen und um mögliche Ansteckungen

uf andere europäische Länder, insbesondere auf andere
uro-Länder, zu verhindern. Für uns ist dabei erstens be-
onders wichtig, dass der festgelegte Haftungsrahmen
on 211 Milliarden Euro für Deutschland auf keinen Fall
berschritten wird, und zweitens, dass sich der Rettungs-
chirm kein zusätzliches Geld über die Europäische Zen-
albank besorgen kann. Der Rettungsschirm darf keine
elddruckmaschine werden.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Ein Blick auf die Zusammenhänge zeigt, dass alle
iejenigen, die eine noch höhere Gläubigerbeteiligung
eispielsweise bei Griechenland fordern, auch für eine
ffizienzsteigerung des Rettungsschirms sein müssen.
enn beides hängt eng miteinander zusammen. Nur mit

iner Steigerung der Effizienz der Mittelvergabe beim
uropäischen Rettungsschirm ist die Ansteckungsgefahr,
ie mit einer stärkeren Gläubigerbeteiligung verbunden
t, einzudämmen.

Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob bei den
öglichen Optionen einer Versicherungslösung oder
ondslösung, die jetzt im Raum stehen, das Ausfallrisiko
öher ist und wie es begrenzt bzw. beziffert werden
ann. Ganz eindeutig kann man das nicht beantworten,
eil es vom Verlauf der Entwicklung abhängig ist. Aber

lles spricht dafür, dass mit der Effizienzsteigerung die-
er Mittel die Entspannung und Stabilisierung der
ärkte und die Minderung der Ansteckungsgefahren

erbunden ist. Allein dies bedeutet schon eine Verringe-
ng des Risikos.

Hinzu kommt, dass auch die Risikostreuung größer
ird, weil durch die angedachte Effizienzsteigerung ver-
ehrt privates Kapital mit einfließt. Auch das bedeutet

ine Risikominderung für die öffentlichen Mittel. Nur zu
agen, Effizienzsteigerung führe in jedem Fall zu einer





Gerda Hasselfeldt


(A) )


)(B)

Erhöhung des Ausfallrisikos, ist mit Sicherheit so nicht
richtig.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Aber jenseits dieser Maßnahmen, die in dem Ent-
schließungsantrag stehen, über die wir dann entscheiden
und die Gegenstand der Gespräche beim Gipfel sind,
bleibt eine Fülle zusätzlicher Aufgaben auf der Tages-
ordnung. Es bleibt dabei – das ist vorhin schon ange-
sprochen worden –: Jede Anstrengung, die Verschuldung
in den einzelnen Euro-Ländern zurückzuführen, muss
fortgesetzt werden.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Deshalb begrüße ich es, dass die Bundeskanzlerin auf
europäischer Ebene die Diskussion über die Einführung
der Schuldenbremse in den nationalen Haushalten vor-
angetrieben hat. Wir waren Vorreiter in Europa, wir sind
Stabilitätsanker und Wachstumslokomotive in einem.
Das hat sich bewährt. Dass jetzt auch andere Euro-Län-
der zumindest teilweise zu einer Schuldenbremse bereit
sind und dass diese Diskussion auf europäischer Ebene
fortgeführt wird, ist nicht von Anfang an selbstverständ-
lich gewesen. Das ist eine gute Entwicklung.

Wir brauchen weiterhin eine Regulierung der Finanz-
märkte und auch mehr Transparenz. Aber dazu muss ich
sagen: Diejenigen, die heute so kritisieren, dass wir in
dieser Beziehung noch nicht weitergekommen sind, und
die die Vereinbarung mit der Schweiz kritisieren, wie es
vorhin Herr Trittin gemacht hat, müssen sich schon fra-
gen lassen, was denn Rot-Grün in seiner Regierungszeit
gemacht hat.


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Gar nichts!)


Welches Abkommen haben Sie denn mit der Schweiz
getroffen?


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch bei der SPD)


Was haben Sie denn gemacht, außer unsere Kollegen
dort mordsmäßig zu verärgern? Sie haben doch nichts
auf den Weg gebracht. Auch was die Regulierung der
Finanzmärkte betrifft, haben Sie damals das Gegenteil
gemacht.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Auch das gehört mit zur Wahrheit. Deshalb ist es not-
wendig, nach vorne zu blicken und zu sehen, was man
machen kann und was man machen muss.


(Zuruf des Abg. Joachim Poß [SPD])


Man darf auch nicht übersehen, was schon gemacht
wurde auf nationaler Ebene, beispielsweise was den Be-
reich der Leerverkäufe anbetrifft, aber auch auf europäi-
scher Ebene.

Wir brauchen eine höhere Widerstandsfähigkeit der
Banken – das ist schon angesprochen worden –, und wir
brauchen eine bessere Koordinierung der Wirtschafts-
und Finanzpolitik auf europäischer Ebene. Dazu sind

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(C (D chon eine Menge Vorarbeiten geleistet worden. Ich berüße ausdrücklich das, was zu den möglichen Vertragsnderungen gesagt wurde. Ein Wort noch zu der Diskussion, ob wir mehr oder eniger Europa brauchen. Ich finde die Diskussion unter iesen Überschriften nicht allzu hilfreich. Das sage ich anz offen. Das ist zu allgemein. Jeder versteht darunter gendetwas anderes. Wenn ich über mehr Europa nachenke, dann will ich ausdrücklich nicht mehr Bürokratie, usätzliche Vorschriften und Regulierungen zu etwas, as nicht dringend notwendig ist, beispielsweise die Boenschutzrichtlinie. ber alles, was zur Stärkung der Stabilitätskultur in uropa beiträgt, muss ernsthaft geprüft werden. Wenn ach der Prüfung Maßnahmen tauglich sind, um mehr tabilität unserer gemeinsamen Währung zu erreichen, ann müssen diese durchgeführt werden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich begrüße ausdrücklich, dass der vorliegende Ent-
chließungsantrag eine breite Zustimmung dieses Hau-
es erfährt. Je deutlicher unser Votum heute für diesen
ntschließungsantrag ist, desto stärker ist die Verhand-
ngsposition der Bundeskanzlerin heute Abend und in

en nächsten Wochen und Monaten. Je stärker ihre Ver-
andlungsposition ist, desto besser können unsere, die
eutschen Interessen und das Interesse an der Stabilität
nserer gemeinsamen Währung in Europa durchgesetzt
erden.

Deutschland steht in Europa für eine gewachsene Sta-
ilitätskultur. Die Bundeskanzlerin hat diese Stabilitäts-
ultur von Anfang an als Maßstab für ihre Arbeit und
re Verhandlungen auf europäischer Ebene angenom-
en und sie immer wieder als Maßstab eingebracht.

Frau Bundeskanzlerin, ich wünsche Ihnen für die wei-
ren Verhandlungen viel Erfolg. Alles Gute für Sie und
sbesondere für die Bevölkerung in unserem Land!


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713502300

Der Kollege Michael Roth hat jetzt für die SPD-Frak-

on das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Michael Roth (SPD):
Rede ID: ID1713502400

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

as ist schon ein starkes Stück. Frau Kollegin
asselfeldt, während Ihrer fulminanten Rede haben Sie
unsere Richtung geschaut und uns die Deregulierung

er Finanzmärkte vorgeworfen.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Ja, wem denn sonst?)


Die Gralshüter von Neoliberalismus und Marktradi-
alismus sitzen doch auf der anderen Seite.





Michael Roth (Heringen)



(A) )


)(B)


(Otto Fricke [FDP]: Aber Sie haben das doch gemacht!)


Ihnen ging doch alles nicht weit genug.


(Beifall bei der SPD)


Sie haben doch jede Regulierung abgelehnt und groß he-
rumgetönt.

Ein Stückchen mehr Selbstkritik, wie Sie es – nicht
ganz zu Unrecht – von uns eingefordert haben, würde
ich auch einmal von Ihnen erwarten, liebe Kolleginnen
und Kollegen von CDU/CSU und FDP.

Was wir hier seit Monaten erleben, ist doch eine nicht
enden wollende Serie gebrochener Versprechen, Demen-
tis und Kehrtwenden. Heute haben Sie es wieder ge-
nauso gemacht. In dieser Hinsicht sind Sie sehr konse-
quent. Sie bleiben bei Ihrer Linie.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU/CSU und
FDP, wir werfen Ihnen ja nicht vor, dass Sie Zweifel ha-
ben. Zweifel haben auch wir bisweilen in diesen schwie-
rigen Fragen. Wir werfen Ihnen auch nicht unbedingt
vor, dass Sie keine Ahnung haben.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Sie haben mehr als keine Ahnung!)


Wir werfen Ihnen aber vor, dass Sie jedes Mal im
Brustton der Überzeugung Vorschläge ablehnen, die Sie
kurze Zeit später kleinlaut unterstützen. Das zerstört
Vertrauen in der Europäischen Union.


(Beifall bei der SPD – Dr. Volker Wissing [FDP]: Sagen Sie einmal etwas zu den EuroBonds!)


Leider zerstört das nicht nur Vertrauen in das Regie-
rungshandeln oder in die Fähigkeit Ihrer Koalition, die
Probleme zu lösen. Es bringt arge Probleme für das
Europa, für das wir alle gemeinsam streiten, mit sich.
Zusätzlich zerstört es auch das Vertrauen in die Fähigkeit
der Politik, Probleme zu lösen.

Das müssen Sie sich zuschreiben, die Damen und
Herren von CDU/CSU und FDP und leider auch die
Riege in der Regierung.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Sie sagen ja gar nichts zu Ihren Euro-Bonds!)


– Zu den Euro-Bonds kann ich Ihnen gerne etwas sagen.
Das ist nämlich der Gipfel der Heuchelei. Sie stellen sich
bestimmt auch heute wieder hier hin und sprechen sich
gegen Gemeinschaftsanleihen aus. Herr Schäuble hat ja
noch kürzlich im Europaausschuss erklärt, er sei gegen
unkonditionierte Gemeinschaftsanleihen.

Meine Damen und Herren, unkonditionierte Gemein-
schaftsanleihen hat in diesem Hause noch nie jemand ge-
fordert, erst recht nicht Sozialdemokratinnen und Sozial-
demokraten.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


An Ihrer Stelle wäre ich auch ganz bescheiden und
ein bisschen demütig;

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(C (D (Dr. Michael Meister [CDU/CSU]: In diesem Haus darf die Wahrheit gesagt werden!)


enn Sie werden irgendwann auch diesen Vorschlägen
lgen müssen, weil die Zeiten nun einmal so sind, wie

ie sind.

In dem gleichen Brustton der Überzeugung, in dem
ie immer wieder Vorschläge voreilig ablehnen, sollten
ie sich einmal auf eine ernsthafte Diskussion mit uns
inlassen. Das würde ich mir wünschen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Sind Sie auch dafür, Herr Roth? Immerhin gibt es zwei Gründe, warum die SPD-Bunestagsfraktion aus Überzeugung dem gemeinsamen ntrag zustimmen kann. (Otto Fricke [FDP]: Legt doch einen eigenen Antrag vor!)

Dr. Michael Meister (CDU):
Rede ID: ID1713502500

Zum allerersten Mal wird diese Koalition ehrlich. Wir
aben von Anfang an von den Risiken der Hebelwirkung
esprochen. Diese geben Sie jetzt endlich zu. Dies liegt

Interesse der Bürgerinnen und Bürger, die Sorgen ha-
en. Ich finde es schon schmählich, dass Sie dazu erst
ns brauchten, damit wir Ihnen das in Ihren ursprüngli-
hen Antragsentwurf hineindiktieren, meine Damen und
erren.

Frau Hasselfeldt spricht ganz kommod von Effizienz-
teigerung. Meinen Sie allen Ernstes, dass das allein
ilft? Warum sprechen Sie nicht von dem Hebel? Warum
prechen Sie nicht davon, dass der vorläufige Rettungs-
chirm ertüchtigt bzw. gestärkt werden muss? Und wa-
m wählen Sie dann immer solche verschwurbelten

ätze, die sicherlich auch nicht das notwendige Maß an
ertrauen wachsen lassen, das wir nun einmal brauchen?

Ich will aber durchaus zugeben, dass es bei den zwei
ptionen zur Hebelwirkung auch in meiner Fraktion kri-
sche Fragen gibt.

Das erste Modell der Versicherungslösung will ich
icht weiter bewerten und nur auf die zweite Option zu
prechen kommen, nämlich die Zweckgesellschaften.

ir wollen das Finanzkasino schließen. Zweckgesell-
chaften hören sich aber gelegentlich arg nach Zocker-
odell an. Insofern werden wir auch auf die Details des-

en achten, was Sie uns aus Brüssel mit nach Hause
ringen. Hier muss man sehr genau aufpassen.

Ich bin gespannt, wie es mit der Finanztransaktion-
teuer weitergeht. Herr Brüderle hat eben Herrn Kauder
ahrscheinlich aufmerksam zugehört. Wir wollen auf je-
en Fall nicht so lange warten, bis sich alle Mitgliedstaa-
n der Europäischen Union mit der Einführung einer
inanztransaktionsteuer einverstanden erklären. Wir
ollen in der Euro-Zone voranschreiten. Wenn das nicht
elingt, dann wollen wir gemeinsam mit Frankreich und
nderen Staaten dazu beitragen, dass auch die Krisenver-
rsacher endlich ihren Beitrag zur Finanzierung der Be-
ältigung dieser schwerwiegenden Krise in der Europäi-

chen Union leisten.


(Beifall bei der SPD)






Michael Roth (Heringen)



(A) )


)(B)

Zum Schluss. Eines, Frau Bundeskanzlerin, habe ich
in Ihrer Regierungserklärung einmal mehr vermisst:
Europa bezeichnet sich als Raum des Wohlstands. Das
ist derzeit für viele junge Menschen in der Europäischen
Union blanker Hohn. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt
in Spanien fast 50 Prozent, in Griechenland rund 40 Pro-
zent und in Irland – so gepriesen – genauso wie in einer
Reihe anderer Staaten um die 30 Prozent. Auch gut aus-
gebildete Menschen drohen zur verlorenen Generation
Europas zu werden.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713502600

Herr Kollege!


Michael Roth (SPD):
Rede ID: ID1713502700

Ich wünsche mir, dass auf dem Gipfel in Brüssel auch

an diese Generation gedacht wird. Denn sie ist es wert,
dass mit Europa etwas Positives und Zukunftsweisendes
verbunden wird.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713502800

Herr Kollege!


Michael Roth (SPD):
Rede ID: ID1713502900

Ich hoffe, dass Sie Ihren heutigen Worten auch Taten

folgen lassen. Wir erwarten das!


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713503000

Herr Kollege!


Michael Roth (SPD):
Rede ID: ID1713503100

Wir fordern das von Ihnen ein, Frau Bundeskanzlerin.


(Beifall bei der SPD)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713503200

Norbert Barthle hat jetzt das Wort für die CDU/CSU-

Fraktion.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)



Norbert Barthle (CDU):
Rede ID: ID1713503300

Verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und

Herren! Bei dem Gipfel heute Abend – darauf hat die
Bundeskanzlerin in ihrer Regierungserklärung hingewie-
sen – geht es insbesondere um die laufenden Verhand-
lungen auf europäischer Ebene, die sich auf die Ausge-
staltung und die Funktionsweise des europäischen
Rettungsschirms EFSF konzentrieren. Dazu liegt uns ein
Papier mit möglichen Modellen zur Optimierung der
EFSF und zur Maximierung der Schlagkraft des Ret-
tungsschirms vor. Wir stimmen heute unter anderem
über einen gemeinsamen Entschließungsantrag ab. Er
basiert inhaltlich auf diesem Papier. Es geht letztendlich
darum, unserer Bundesregierung und unserer Bundes-
kanzlerin die geballte Rückendeckung des Parlaments
für die Verhandlungen in Brüssel zu geben, um ihr damit
die Lösung der schwierigen Aufgabe, die sie dort zu er-
füllen hat, zu erleichtern, nämlich bei der Ausgestaltung
dieses Rettungsschirms einerseits Verantwortung für

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(C (D uropa und den Euro wahrzunehmen und andererseits ationale Interessen zu wahren. Das muss kein Gegenatz sein. Das kann eins sein, wenn man es richtig macht. arum geht es bei den Verhandlungen. Nun wurde im Vorfeld Kritik an den Parlamentsbeteigungsrechten in Deutschland laut. Es hieß, wir blokierten damit Entscheidungen. Das muss man genau etrachten. Nach meiner Auffassung ist es jedenfalls chtig und gut, dass wir unsere Beteiligungsrechte so lar und konsequent gesetzlich verankert haben. Das eigt sich auch in diesem Vorgang. Nun würde der gemeinsame Entschließungsantrag on SPD, Grünen – ich nenne bewusst die Opposition uerst –, CDU/CSU und FDP noch viel mehr Kraft entlten, wenn sich die gemeinsame Unterstützung auch in en Reden widergespiegelt hätte. Das allerdings verisse ich leider. Ich finde es schade, dass sowohl Herr teinmeier als auch Herr Trittin versuchen, in kleiner ünze zu zahlen und innenpolitisch Kapital aus einem hema zu schlagen, das das eigentlich nicht verdient hat. Herr Kollege Barthle, möchten Sie eine Zwischen age des Kollegen Ströbele zulassen? Herr Ströbele, gerne. Bitte schön. Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE RÜNEN)


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713503400
Norbert Barthle (CDU):
Rede ID: ID1713503500
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713503600
Herr Kollege Barthle, ich danke Ihnen. – Sie sind

eute quasi meine letzte Hoffnung. Ich habe heute Mor-
en aus den Nachrichten erfahren, dass ich nun über ei-
en Schuldenschnitt zugunsten Griechenlands abstim-
en soll. Die Bundeskanzlerin hat heute gesagt, die
eteiligung privater Gläubiger solle vereinbart werden.
h habe die Papiere, die uns gestern und heute Nacht

ur Verfügung gestellt wurden, und auch den Entschlie-
ungsantrag, den Sie so gelobt haben, aufmerksam gele-
en. Ich finde dazu nichts.

Nun habe ich gehört, dass darüber heute gar nicht ent-
chieden werden soll. Können Sie das Hohe Haus auf-
lären – Sie sind haushaltspolitischer Sprecher Ihrer
raktion, einer der Regierungsfraktionen; bei Ihnen sitzt
uch der Bundesfinanzminister –, wie der Plan für die
eteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-
ilfe aussieht? Inwieweit werden Schulden von privaten
läubigern geschnitten? Berücksichtigen Sie dabei bitte,
as der Kollege Gysi gesagt hat: dass man gar nicht an
as Kapital herangeht, sondern möglicherweise nur an
ie Zinsen. Berücksichtigen Sie dabei bitte auch, was der
ollege Trittin vorhin gesagt hat:


(Otto Fricke [FDP]: Der Trittin ist doch schon wieder weg!)






Hans-Christian Ströbele


(A) )


)(B)

dass ein Großteil der Schulden, die Griechenland hat, in-
zwischen bei staatlichen Banken sind. Das heißt, dass
nicht private Gläubiger beteiligt werden, sondern dass es
wieder die Steuerzahler aus Deutschland sind, die es
trifft. Erklären Sie mir: Was sollen die Banken als Ge-
genleistung bekommen, wenn sie auf 40, 50, 60 oder
mehr Prozent verzichten? Wenn Sie mich darüber auf-
klären, kann ich mir noch einmal überlegen, ob ich viel-
leicht doch zustimme.


Norbert Barthle (CDU):
Rede ID: ID1713503700

Herr Kollege, ich weiß nicht, welches Papier Sie gele-

sen haben. Aber das Papier, das ich gelesen habe, be-
schreibt, wie die Wirkungsweise der EFSF durch einen
entsprechenden Einsatz der Möglichkeiten maximiert
werden soll, die wir der EFSF vor drei Wochen hier in
diesem Hohen Hause mit einer Erweiterung ihrer Mög-
lichkeiten und der Abstimmung über die sogenannten
Leitlinien gegeben haben. Davon ist in diesem Papier die
Rede. Uns wurden zwei verschiedene Modelle beschrie-
ben, wie dies geschehen könnte. Es wird darin beschrie-
ben, dass ein Prüfungsauftrag an die EFSF erteilt werden
soll, dass die EFSF diese Möglichkeiten evaluiert, testet,
auf ihre Marktgängigkeit hin überprüft und dann ent-
sprechend zum Einsatz bringt.

Das, was Sie hier vortragen, finde ich in diesen Papie-
ren überhaupt nicht. Deshalb weiß ich nicht, welches
Papier Sie gelesen haben. Das, was uns als Haushalts-
ausschussdrucksache vorliegt, haben Sie jedenfalls nicht
gelesen, und deshalb kann ich auf Ihre Frage auch gar
nicht eingehen.

Danke.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Lassen Sie mich aber nochmals eines feststellen, auch
auf die Zwischenfrage von Herrn Ströbele hin: Ich wün-
sche mir, dass Sie in Ihrer Fraktion einmal klären, was
Sie eigentlich unter „Hebel“ verstehen. Der Vorwurf,
den Sie erhoben haben – er wurde auch an Herrn
Brüderle gerichtet –, hat etwas damit zu tun, dass Sie
ständig eine falsche Definition des Begriffes „Hebel“
verwenden.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Es gibt Finanzhebel. Es gibt Hebel im operativen Sinne.
Es gibt Derivatehebel. Was wir hier vorhaben, ist finanz-
technisch kein Hebel. Das, was Sie uns vorwerfen, be-
ruht auf Ihrer eigenen Definition. Sie wollen einen mög-
lichst großen Finanzhebel und möglichst hohe Risiken
beschreien. Warum? Weil Sie meinen – das gilt auch für
die SPD –, mit einem solchen möglichst großen Hebel
die Regierung aushebeln zu können.


(Michael Roth [Heringen] [SPD]: Dazu braucht man gar nicht so einen großen Hebel!)


Das wird Ihnen aber nicht gelingen; denn einerseits gibt
es diesen Hebel gar nicht, und andererseits fehlt Ihnen
dazu das Gewicht.

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(C (D (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Lassen Sie mich zum Thema zurückkommen. Ich
laube, man muss an dieser Stelle zunächst festhalten
das hätte ich mir auch vonseiten der Opposition ge-
ünscht –, dass unsere Bundesregierung bei den Ver-
andlungen auf internationaler Ebene schon sehr große
rfolge erzielt hat. Es ist nun einmal so: Wir reden nicht
ehr über eine Bankenlizenz für die EFSF. Wir reden

icht mehr über Hebel durch die EZB. Das ist nicht mehr
der Diskussion, sondern wurde wegverhandelt. Wir
den nicht mehr über unkonditionierte Hilfsprogramme
r Länder. Wir reden nicht mehr über eine Rekapitali-

ierung der Banken direkt über die EFSF, sondern nur
och über ein bestimmtes Land. Zunächst der Markt,
ann das Land und dann erst die EFSF; diese Reihen-
lge ist eingehalten worden. Das ist ein Verhandlungs-

rfolg dieser Bundesregierung. Das sollten Sie einmal
ur Kenntnis nehmen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich will an dieser Stelle dem Bundesfinanzminister
och einmal ausdrücklich danken; denn wir hatten zu
iesem Thema im Haushaltsausschuss ausführliche und
ute Beratungen. Zu all diesen Beratungen stand der
undesfinanzminister zur Verfügung. Das habe ich in
en Jahren, in denen ich im Haushaltsausschuss bin
das sind schon einige –, noch von keinem seiner Vor-

änger erlebt. Auch das will ich hier einmal deutlich an-
prechen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Es gibt eine immer wiederkehrende öffentliche De-
atte über die Frage des Risikos. Kein Mensch will weg-
den, dass mit einer Erweiterung der Möglichkeiten der
FSF eine Erhöhung des Risikos verbunden sein kann.
ber ich sage bewusst „kann“ und nicht „muss“. Sie
ann nämlich auch zu einer Verringerung des Risikos
hren, je nachdem, wie die Mittel eingesetzt werden.

Schauen Sie sich das zweite Optionsmodell an! Das
t so angelegt, dass man Fremdkapital, privates Kapital,
kquirieren will, um damit Staatsanleihen aufzukaufen.
a verringert sich das Risiko für das eingesetzte EFSF-
apital; die Kapitalsumme wird erhöht, aber nicht durch
as EFSF-Kapital, sondern durch das Kapital privater
nleger. Das sollten Sie sich einmal vor Augen führen.
eshalb ist eine Debatte, in der immer nur von der Erhö-
ung der Risiken gesprochen wird, nicht sachgerecht.
äre es so sicher, dass das Risiko sich erhöht, und

önnte man dafür Garantien abgeben, dann könnte man
it diesem Wissen wunderbare Geschäfte an den Börsen
achen. Das weiß aber niemand so genau. Deshalb ist

iese Frage auch offen.

Lassen Sie mich zu dem Thema „Rekapitalisierung/
riechenland“ noch ein paar Sätze sagen. Ich glaube, es
t gut und richtig, dass die Bundesregierung versucht,
uf europäischer Ebene eine höhere Beteiligung des pri-
aten Sektors zu verhandeln. Das ist in zweierlei Hin-
icht gut und richtig. Erstens geht es darum, den Finanz-
edarf für Griechenland auch stemmen zu können.





Norbert Barthle


(A) )


)(B)

Zweitens geht es darum, den Bürgerinnen und Bürgern
klar zu sagen: Mit der höheren Beteiligung des privaten
Sektors geben wir auch ein Stück weit die Verantwor-
tung an diejenigen, die über Jahre hinweg gute Renditen
hatten. Das ist korrekt. Das ist in Ordnung. Ich hoffe,
dass es erfolgreich so verhandelt wird.

Ich wünsche unserer Bundesregierung, dass sie bei
den Verhandlungen in den kommenden Tagen, aber vor
allem heute Abend, im Sinne von Europa, im Sinne der
Sicherung des Euro bei gleichzeitiger Wahrung unserer
nationalen Interessen weiterhin so erfolgreich verhandelt
wie bisher.

Danke sehr.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Das war nicht erfolgreich!)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713503800

Das Wort hat jetzt der Kollege Klaus-Peter Flosbach

für die CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)



Klaus-Peter Flosbach (CDU):
Rede ID: ID1713503900

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Dass wir heute mit großer Mehrheit einen gemeinsamen
Entschließungsantrag von vier Fraktionen des Hauses
verabschieden werden, ist ein wichtiges Zeichen für eine
gemeinsame Europapolitik und gibt unserer Bundesre-
gierung einen starken Rückhalt und ein starkes Verhand-
lungsmandat für Brüssel. Dafür sollten wir allen danken,
die daran mitwirken.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Wir sollten aber nicht vergessen, dass eine der wich-
tigsten Entscheidungen bereits im Vorfeld des Gipfels
gefallen ist, nämlich dass der Rettungsschirm EFSF
keine Banklizenz erhält, dass er sich also nicht bei der
Europäischen Zentralbank refinanzieren kann. Um es so
zu formulieren wie unsere Bundesbanker: Es ist verhin-
dert worden, dass eine Lizenz zum Gelddrucken ausge-
reicht wurde. – Das ist entscheidend.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wenn wir an die Zukunft und an nachhaltige Stabilität
denken: Die wichtigste Bedingung für unsere Währungs-
union ist und bleibt die Nachhaltigkeit und der Verzicht
darauf, die Notenpresse anzuwerfen.

Wir haben es mit einer dramatischen Überschuldung
von Staaten zu tun. Wir in Deutschland sind bereit, unse-
ren Beitrag zu leisten und anderen Ländern konkrete
Hilfe zu gewähren. Das haben wir zugesagt; das werden
wir auch einhalten. Es gibt nur viele Diskussionen – das
kennen wir aus unseren Wahlkreisen –: Viele glauben,
wir bräuchten keine Hilfe zu leisten. Das ist falsch. Wir
müssen nicht nur unsere Nachbarn unterstützen; wir
müssen auch wirtschaftlich und finanzpolitisch inten-

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(C (D iver zusammenarbeiten sowie wirtschaftliche Hilfe eben. Wir dürfen nie vergessen – das sagt die Bundesbank ei jeder Gelegenheit –, dass nach wie vor eine sehr tarke Ansteckungsgefahr gegeben ist. Wir haben viele erater, liebe Kolleginnen und Kollegen, die uns in die er Krise Ratschläge geben. Aber wenn wir auf die nsteckungsgefahren zu sprechen kommen, werden anche sehr still. Was passiert, wenn in Griechenland ie Banken oder das Sozialsystem oder die Rentensysme zusammenbrechen? Was passiert mit denen, die en Griechen Geld geliehen haben? Was passiert mit den nternehmen, die in Geschäftsbeziehungen mit Grie henland stehen? Was passiert mit den anderen Ländern? latzieren sie überhaupt noch Anleihen an den Märkten? All das hat dazu geführt, dass wir unseren Rettungschirm erweitert haben, um neue Möglichkeiten der arlehensvergabe, der Absicherung, aber auch einer Reapitalisierung zu schaffen. Das ist der entscheidende orteil der Erweiterung des Rettungsschirms. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wir geben Hilfe, aber immer – das ist das Prinzip von
ternationalem Währungsfonds, Europäischer Zentral-

ank und Europäischer Kommission – mit strengen Kon-
itionen und bei entsprechenden Anpassungsprogram-
en. Das hat sich bisher bewährt und wird sich auch in
ukunft bewähren. Nur wenn wir möglichst nah an den
lten Stabilitätspakt herankommen, werden wir ein nach-
altig stabiles Europa erreichen.

Herr Steinmeier, Sie haben die Kanzlerin gebeten, auf
ie Situation vor einem Jahr zurückzublicken, als die
rsten Entscheidungen für Griechenland gefallen sind.
h bitte Sie, einmal auf die Jahre 2002 bis 2005 zurück-

ublicken; viele Ihrer Kollegen tun das auch. Damals
ar immer von den Defizitländern Deutschland und
rankreich die Rede. Sie wissen, dass falsch gehandelt
urde, als der Stabilitätspakt gebrochen wurde. Deshalb

ollten Sie in dieser Frage etwas demütiger sein.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Das war auch einer der Gründe dafür, dass wir im
ahre 2009 eine Schuldenbremse eingeführt haben.
iese sollte nach der ersten Finanzkrise, die von den
anken ausgelöst worden war und die uns viel Geld ge-
ostet hat, dazu dienen, die Finanzen in Deutschland
achhaltig zu stabilisieren.

Die heutige Finanzkrise ist aber keine Bankenkrise,
ondern zunächst eine Staatsverschuldungskrise. Des-
alb geht es in erster Linie um die Haushaltskonsolidie-
ng. Gleichzeitig geht es um die Frage: Wie können wir

ie Finanzmärkte insgesamt stabilisieren, bzw. was müs-
en wir tun, damit die Märkte sich entsprechend verän-
ern?

Wir haben festgeschrieben, dass große und systemi-
che Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Denn
s kann nicht sein, dass der Steuerzahler das Kapital zu-
unsten der Banken bereithält. Wichtig war auch, dafür





Klaus-Peter Flosbach


(A) )


)(B)

zu sorgen, dass die EFSF in der Lage ist, Banken aus
Ländern zu unterstützen, in denen das Bankensystem
zusammenbrechen könnte, indem über die Länder Betei-
ligungen an diesen Banken erfolgen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Deutschland war in
vielerlei Hinsicht Vorreiter bei der Regulierung der Fi-
nanzmärkte. Schauen Sie sich noch einmal die Anträge
der SPD oder auch der Linken an, und achten Sie genau
darauf, was für den deutschen Markt gefordert wird. Wir
waren Vorreiter bei der Restrukturierung von Banken,
bei deren Umwandlung, Restrukturierung oder Abwick-
lung. Das haben wir in Deutschland zuerst durchgeführt,
und es ist wichtig, dass das in Europa insgesamt umge-
setzt wird.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie in den
G-20-Verhandlungen das Thema der Schattenbanken an-
geht.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es kann nicht sein, dass wir die regulierten Märkte noch
stärker regulieren und die unregulierten Märkte über die
regulierten herrschen. Das ist ein wichtiges Thema, und
da hat die Bundesregierung eine gewisse Verantwortung.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713504000

Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Ende.


Klaus-Peter Flosbach (CDU):
Rede ID: ID1713504100

Frau Präsidentin, ich komme damit auch zum

Schluss. – Ich weise darauf hin, dass wir, die Deutschen,
auch im Bereich der Leerverkäufe Vorreiter waren,
indem wir diese bei Aktien, Staatsanleihen und Kredit-
versicherungen verboten haben. Das war ein spekula-
tiver Handel, der nicht zu akzeptieren war. Heute sagen
die Europäische Kommission, das EU-Parlament oder
auch der Europäische Rat: Das soll in ganz Europa gel-
ten; das habt ihr hervorragend gemacht! Gratulation an
die Bundeskanzlerin und den Finanzminister!


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713504200

Herr Kollege!


Klaus-Peter Flosbach (CDU):
Rede ID: ID1713504300

Ich schließe mit einem letzten Satz. – Frau Bundes-

kanzlerin, Sie haben unser Vertrauen bei den weiteren
Verhandlungen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und
viel Glück. Alles Gute!


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713504400

Ich schließe die Aussprache.

Wir kommen zur Abstimmung über die Entschlie-
ßungsanträge. Wir beginnen mit den namentlichen
Abstimmungen. Im Anschluss daran werden wir noch
weitere, einfache Abstimmungen sowie eine Wahl

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1)

(C (D urchführen. Ich weise darauf hin, dass zahlreiche Erklängen zu den Abstimmungen vorliegen, und zwar aus llen Fraktionen des Hauses. Wir kommen nun zu den drei Entschließungsanträen, zu denen namentliche Abstimmung verlangt wurde. s geht zunächst um den Entschließungsantrag der Frakonen CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grüen auf Drucksache 17/7500. Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, die orgesehenen Plätze einzunehmen. Sind alle Urnen beetzt? – Das ist der Fall. Dann eröffne ich die Abstimung. Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das die timmkarte nicht abgeben konnte? – Das scheint nicht er Fall zu sein. Dann schließe ich die Abstimmung und itte die Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der uszählung zu beginnen. Wir kommen dann zum Entschließungsantrag der raktion der SPD auf Drucksache 17/7457. Die Schrifthrerinnen und Schriftführer sind an ihren Plätzen. – ann eröffne ich die zweite namentliche Abstimmung. Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine timmkarte nicht abgeben konnte? – Das ist offensichtch nicht der Fall. Dann schließe ich diese Abstimmung. Wir kommen nunmehr zum Entschließungsantrag der raktion Die Linke auf Drucksache 17/7456. Ich bitte ie Schriftführerinnen und Schriftführer, die vorgeseheen Plätze einzunehmen. Sind alle Urnen besetzt? – Das t der Fall. Dann ist die Abstimmung eröffnet. Was uns noch fehlt, sind Schriftführerinnen und chriftführer, die beim Auszählen helfen. Schriftführennen und Schriftführer, die ihre Stimmkarte bereits eineworfen haben, begeben sich bitte zum Auszählen, dait wir vor Mitternacht damit fertig sind. Das ist auch allgemeinen Interesse. Ist noch ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine timmkarte nicht abgegeben hat? – Das ist nicht der all. Dann schließe ich die Abstimmung. Die Ergebnisse der namentlichen Abstimmungen erden Ihnen später bekannt gegeben.1)


Wir setzen jetzt die Abstimmungen fort.

Ich komme zum Entschließungsantrag der Fraktion
ie Linke auf Drucksache 17/7455. Wer stimmt für die-

en Entschließungsantrag? – Wer stimmt dagegen? –
nthaltungen? – Der Entschließungsantrag ist abgelehnt.
ie einbringende Fraktion hat zugestimmt; alle anderen
aben dagegen gestimmt.

Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die
rünen auf Drucksache 17/7501. Wer stimmt dafür? –
er stimmt dagegen? – Enthaltungen? – Der Entschlie-

ungsantrag ist abgelehnt. Dafür gestimmt hat die ein-
ringende Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, dagegen ge-
timmt haben die Fraktionen von CDU/CSU, FDP und
er Linken. Die SPD-Fraktion hat sich enthalten.

Ergebnisse S. 15978 C, 15981 A, 15983 B





Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt


(A) )


)(B)

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf
Drucksache 17/7359 an die in der Tagesordnung aufge-
führten Ausschüsse vorgeschlagen. – Damit sind Sie ein-
verstanden. Dann verfahren wir so.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 7 auf:

Wahl der Mitglieder des Gremiums gemäß § 3
Absatz 3 des Stabilisierungsmechanismusge-
setzes

– Drucksache 17/7454 –

Es liegen Wahlvorschläge aller fünf Fraktionen auf
Drucksache 17/7454 vor. Wer stimmt für diese Wahlvor-
schläge? – Wer stimmt dagegen? – Gibt es Enthaltun-
gen? – Damit sind die Wahlvorschläge einstimmig ange-
nommen.

Jetzt rufe ich den Tagesordnungspunkt 2 auf:

Befragung der Bundesregierung

Dieser Tagesordnungspunkt scheint im Haus auf brei-
tes Interesse zu stoßen. Ich bitte diejenigen Kolleginnen
und Kollegen, die diesem Tagesordnungspunkt nicht di-
rekt, sondern mental oder anders folgen wollen, den Ple-
narsaal möglichst schnell zu verlassen.

Die Bundesregierung hat als Thema der heutigen Ka-
binettssitzung mitgeteilt: Bericht der Bundesregierung
zur demografischen Lage und zukünftigen Entwick-
lung des Landes.

Das Wort für den einleitenden fünfminütigen Bericht
hat der Bundesminister des Innern, Herr Dr. Hans-Peter
Friedrich. – Bitte schön.

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und
Herren! Das Kabinett hat sich heute mit dem Demogra-
fiebericht befasst, der nicht nur eine Zusammenfassung
der demografischen Lage in Deutschland und der Aus-
wirkungen der demografischen Entwicklung auf alle Le-
bensbereiche gibt, sondern sich auch mit den bereits er-
griffenen Maßnahmen auseinandersetzt.

Zur demografischen Entwicklung allgemein sei vo-
rausgeschickt: Es handelt sich dabei um das häufig vor-
kommende Phänomen, dass man eine über viele Jahr-
zehnte anhaltende Entwicklung, die schleichend, aber
stetig in allen Lebens- und Gesellschaftsbereichen zu
Veränderungen führt, in der tagespolitischen Auseinan-
dersetzung nur eingeschränkt zur Kenntnis nimmt.

Die demografische Entwicklung ist eine solche Ent-
wicklung: Im Grunde beeinflusst sie schon seit 40 Jahren
Stück für Stück unsere gesellschaftliche, wirtschaftliche
und soziale Situation; aber jetzt haben wir einen Punkt
erreicht, an dem man schon bei den tagespolitischen
Auseinandersetzungen feststellt, dass das Thema in allen
Bereichen angekommen ist.

Es gibt zwei Trends, die Sie nicht überraschen wer-
den. Der eine Trend ist, dass wir seit vielen Jahren weni-
ger Geburten haben, als notwendig wären, um eine Re-
produktionsrate von 100 Prozent zu erreichen. Der

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(C (D weite Trend ist, dass die Lebenserwartung der Menchen immer höher wird. Nach Modellrechnungen des tatistischen Bundesamtes werden in knapp 50 Jahren, lso im Jahr 2060, etwa 65 bis 70 Millionen Menschen Deutschland leben, also 17 Millionen Menschen we iger als heute. Bis dahin wird es aber – das ist das Erebnis der beiden genannten Trends, die zahlenmäßig egenläufig sind – eine völlig andere Alterszusammenetzung der Bevölkerung geben: Jeder Dritte wird dann 5 Jahre oder älter sein; jeder Siebte wird 80 Jahre oder lter sein. Das ist eine Entwicklung, die definitiv auf uns ukommt. Wir können sie mit aktuellen politischen Entcheidungen nicht mehr verändern, sondern ihr nur echnung tragen. Das ist ein wichtiger Punkt. Ich denke, dass man die demografische Entwicklung icht nur als Bedrohung sehen darf, sondern durchaus uch die Chancen, die darin liegen, erkennen muss. Der emografiebericht, den ich heute dem Kabinett vorgegt habe und über den beschlossen worden ist, zeigt, ass wir in allen Bereichen – Familie, Gesellschaft, Zuanderung, Integration, Wirtschaft, Arbeit, Bildung, orschung, Alterssicherung – betroffen sind und es in en letzten Jahren und Jahrzehnten Maßnahmen der undesregierungen gegeben hat, um sich darauf vorzuereiten. Was wir nicht haben, ist eine Strategie, die eier Entwicklung, die sich erst in den letzten Jahren imer deutlicher abgezeichnet hat, ressortübergreifend echnung trägt. So gibt es bei der demografischen Enticklung außerordentlich unterschiedliche regionale Beoffenheiten; in den ländlichen Räumen ist es völlig aners als in den Großstädten. Das haben die Berichte isher nicht im Einzelnen widergespiegelt. Wir wollen auf der Grundlage des Berichts anhand on vier Leitzielen eine Strategie entwickeln: Das erste eitziel ist, die Chancen, die mit dem längeren Leben nd der höheren Lebenserwartung verbunden sind, zu rkennen und zu nutzen. Das zweite Leitziel ist, dafür zu orgen, dass wir in Zukunft trotz der anderen Alterszuammensetzung und dem Schrumpfen der Bevölkerung ie gleiche oder am besten eine gestärkte Innovationsraft sowie Wachstumsperspektiven und Wettbewerbsfäigkeit erreichen. Das dritte Leitziel ist, trotz der Enticklungen in der Lage zu bleiben, soziale Gerechtigkeit nd gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gewährleisten. chließlich ist es das vierte Leitziel, die Handlungsfäigkeit des Staates zu bewahren, und zwar nicht nur in nanzieller Hinsicht – ich glaube, da hat man mit der chuldenbremse schon einen wesentlichen Beitrag geistet –, sondern auch, indem wir der demografischen ntwicklung im Bereich der Verwaltung Rechnung traen. Insgesamt geht es um ein Thema, bei dem – das weiß ie Bundesregierung – wesentliche Entscheidungen und aßnahmen nicht vom Bund getroffen werden, sondern on den Ländern und Kommunen. Wir hoffen und wünchen uns natürlich, dass die Länder mit ihren Programen und die Kommunen mit ihren Vorstellungen und pezifischen Problemen unmittelbar an die Strategie, die ir jetzt entwickeln wollen, anschließen und andocken önnen, sodass es zu einer harmonischen Entwicklung ommt. – So viel, Frau Präsidentin, zur Einführung. )





(A) )


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713504500

Die erste Frage stellt die Kollegin Dittrich.


Heidrun Dittrich (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713504600

Vielen Dank, Herr Minister. – Ich möchte gerne eine

Frage zum Bereich Pflege stellen. Sie haben es zwar
nicht direkt angesprochen, aber wir wissen, dass Sie für
den Pflegebereich eine Ausbildungsoffensive planen.
Wie möchten Sie dafür sorgen, dass im Pflegebereich
mehr Männer beschäftigt werden, sodass es zu gemisch-
ten Teams kommen kann; denn Pflege ist Schwerstar-
beit. Außerdem haben wir einen Mindestlohn in Höhe
von nur 7,50 Euro im Osten und in Höhe von 8,50 Euro
im Westen.

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Liebe Frau Kollegin, ich habe zunächst vorausge-
schickt, dass der Demografiebericht eine Bestandsauf-
nahme dessen ist, was wir an aktuellen Entwicklungen
haben und was wir an Auswirkungen in den einzelnen
Bereichen zu erwarten haben.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Aber es muss Schlussfolgerungen geben!)


Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, nämlich aufgrund
dieser Fragestellung eine Strategie zu entwickeln.

Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. In der Strate-
gie, in der wir neben vier Leitzielen, die ich genannt
habe, zehn Handlungsfelder definiert haben, wollen wir
uns insbesondere mit der Frage beschäftigen, wie wir die
Pflege insbesondere in den ländlichen Räumen, wo die
jungen Menschen zum Teil in großem Ausmaß wegge-
zogen sind, sicherstellen. Die von Ihnen gestellte Frage
wird sicherlich eine zentrale Rolle spielen.


(Heidrun Dittrich [DIE LINKE]: Nachfrage!)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713504700

Nachfragen gibt es hier nicht, aber ich schreibe Sie

gerne noch einmal auf.

Die nächste Frage stellt die Kollegin Rawert.


Mechthild Rawert (SPD):
Rede ID: ID1713504800

Herr Minister, herzlichen Dank für Ihre Einführung.

Die Einführung war auch nötig, da wir Abgeordnete den
Bericht erst gestern Abend bekommen haben. Vielleicht
war der eine oder andere in der Lage, wenigstens die
Kurzfassung zu lesen.

Mich interessiert der Bereich „Zuwanderung und
Fachkräfte“. Sie haben ausgeführt, dass Sie im vorlie-
genden Bericht eine Bestandsaufnahme der aktuellen
Entwicklungen vorgenommen haben. Können Sie etwas
zum künftigen Fachkräftemangel und dessen Bekämp-
fung in Kombination mit dem Aspekt Zuwanderung
bzw. einer gezielten Zuwanderungsstrategie sagen?

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(C (D Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des Inern: Wie Sie wissen, hat es in der Vergangenheit bereits nderungen im Zuwanderungsrecht gegeben. Beispielseise wurde die Gehaltsgrenze für Hochqualifizierte auf 6 000 Euro gesenkt; früher lag sie bei 80 000 Euro. Es at also bereits erste Öffnungen bzw. Ausweitungen in iesem Bereich gegeben. Sie weisen auf eine Grundsatzfrage hin, nämlich: önnen wir die demografischen Herausforderungen, vor enen wir stehen, durch Zuwanderung lösen? Die Antort lautet: mit Zuwanderung allein mit Sicherheit nicht. evor man aber über Zuwanderung diskutiert, muss man uallererst prüfen – ich glaube, das ist zwingend –, ob nd in welchem Umfang wir in der Lage sind, unseren achkräftebedarf mit eigenem Potenzial zu decken. Ich alte es für das richtige Vorgehen, zunächst dafür zu soren, das vorhandene Potenzial an Erwerbsfähigen auszuauen und für die künftige Entwicklung zu nutzen. Wenn as nicht ausreichen sollte, die Lücke auf dem Arbeitsarkt zu schließen – die Zahlen besagen, dass wir in den ächsten 50 Jahren eine Reduzierung der Bevölkerung m 17 Millionen zu verzeichnen haben; auch für den Areitsmarkt rechnet man mit einer Lücke in einer Größenrdnung von mehreren Millionen –, muss wahrscheinch mit Zuwanderungsszenarien gerechnet werden. Die zweite Stufe wäre daher meines Erachtens – wir erden das in den nächsten Monaten im Rahmen der Er rbeitung einer Strategie diskutieren –, dass wir die öglichkeiten nutzen, die uns der europäische Arbeitsarkt bringt. Ich nenne insbesondere unsere Partner in er Euro-Zone; das sind 16 Länder. Ich erinnere an Spaien, das derzeit eine Jugendarbeitslosigkeit von 40 Proent zu verzeichnen hat. In Portugal geht eine verlorene eneration – so nennt sie sich selber – auf die Straße und agt: Wir haben trotz guter Ausbildung keine Perspekve. – Wir sollten dem europäischen Gedanken Rechung tragen und versuchen, Fachkräfte aus diesen Länern für Deutschland zu gewinnen. Diese Fachkräfte önnen später grenzüberschreitend und damit völkervertändigend tätig werden. Erst wenn dieses Potenzial auseschöpft ist, kann man über Zuwanderung aus Dritttaaten reden. Auch darüber spricht man in der oalition. Das, was bereits entschieden ist, und das, was noch uf den Weg gebracht wird, werden wir selbstverständch in die Strategie einbinden. Herr Minister, Sie hatten Glück, dass wir ein Problem it der Technik hatten. Sonst hätte es längst geklingelt. Das gibt mir Gelegenheit, alle an die Ein-Minutenegelung für Fragen und Antworten zu erinnern. Daran ird sich als Nächste die Kollegin Tabea Rößner halten. Vielen Dank, Herr Minister, für die Vorlage des Be chts und die Klarstellung, dass es sich um eine Zutandsbeschreibung handelt. Eine Strategie und ein Tabea Rößner )

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713504900
Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713505000




(A) )


es, glaube ich, richtig, dass man mit den Kommunen vor einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin
ter Linie Aufgabe der Länder. Wir versuchen nur, das,
was der Bund darüber hinaus leisten muss, zu koordinie-
ren und die Maßnahmen in einer Strategie zu bündeln.

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Endgültiges Ergebnis
Abgegebene Stimmen: 596;
davon

ja: 503
nein: 89
enthalten: 4

Ja

CDU/CSU

Ilse Aigner
Peter Altmaier
Peter Aumer
Dorothee Bär
Thomas Bareiß
Norbert Barthle
Günter Baumann
Ernst-Reinhard Beck


(Reutlingen)

Manfred Behrens (Börde)

Dr. Christoph Bergner
Peter Beyer
Steffen Bilger
Clemens Binninger
Peter Bleser
Dr. Maria Böhmer

Wolfgang Börnsen

(Bönstrup)


Norbert Brackmann
Klaus Brähmig
Michael Brand
Dr. Reinhard Brandl
Helmut Brandt
Dr. Ralf Brauksiepe
Dr. Helge Braun
Heike Brehmer
Ralph Brinkhaus
Cajus Caesar
Gitta Connemann
Alexander Dobrindt
Marie-Luise Dött
Dr. Thomas Feist
Enak Ferlemann
Ingrid Fischbach
Hartwig Fischer (Göttingen)

Dirk Fischer (Hamburg)


(Karlsruhe Land)

Dr. Maria Flachsbarth
Klaus-Peter Flosbach
Herbert Frankenhauser
Dr. Hans-Peter Friedrich


(Hof)

Michael Frieser

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(D en 596 Stimmen abgegeben. Mit Ja haben 503 getimmt. Mit Nein haben 89 gestimmt. Es gab 4 Enthalngen. Damit ist dieser Antrag angenommen. rich G. Fritz r. Michael Fuchs ans-Joachim Fuchtel go Gädechens r. Thomas Gebhart orbert Geis lois Gerig berhard Gienger ichael Glos eter Götz r. Wolfgang Götzer te Granold einhard Grindel ermann Gröhe ichael Grosse-Brömer arkus Grübel anfred Grund onika Grütters lav Gutting lorian Hahn r. Stephan Harbarth rgen Hardt erda Hasselfeldt r. Matthias Heider elmut Heiderich echthild Heil rsula Heinen-Esser rank Heinrich Rudolf Henke Michael Hennrich Jürgen Herrmann Ansgar Heveling Ernst Hinsken Peter Hintze Christian Hirte Robert Hochbaum Karl Holmeier Franz-Josef Holzenkamp Joachim Hörster Anette Hübinger Thomas Jarzombek Dieter Jasper Dr. Franz Josef Jung Andreas Jung Dr. Egon Jüttner Bartholomäus Kalb Hans-Werner Kammer Steffen Kampeter Alois Karl Bernhard Kaster Siegfried Kauder (Villingen Schwenningen)

Volker Kauder
Dr. Stefan Kaufmann
Roderich Kiesewetter
Eckart von Klaeden
Ort angepasste Strategien entwickelt. Das ist aber in ers- zum Europäischen Rat auf Drucksache 17/7500: Es wur-
Handlungskonzept wären aus
wichtiger.

In dem Bericht heißt es: „D
wird vor allem in dünn besied
zu einer zurückgehenden Ausl
führen. Diesbezüglich widerspr
nicht erst in der Zukunft so sei
Fakt. In diesem Zusammenhan
und Grundsatzfragen wie diese
soll die Infrastruktur zukünftig
eventuell sogar zurückgebaut
wünschen, dass Sie darauf kurz

Damit verbunden frage ich
Grundsatz bezüglich der Herste
bensverhältnisse betroffen ist. S
dass daran zwar nicht gerüttel
noch an die jeweilige Region
entwickelt werden sollen.

Vielen Dank.

Dr. Hans-Peter Friedrich,
nern:

Ich will mit der zweiten Frag
es notwendig, dass man der spe
Region Rechnung trägt; denn
und die Altersstrukturen sind üb
unserer Sicht wesentlich

ie Bevölkerungsabnahme
elten ländlichen Räumen
astung“ der Infrastruktur
eche ich Ihnen: Das wird
n, sondern das ist bereits
g vermisse ich Analysen
: Nach welchen Kriterien
ausgebaut, erhalten oder
werden? Ich würde mir
eingehen.

, inwieweit davon der
llung gleichwertiger Le-
chließlich schreiben Sie,
t werden soll, aber den-
„angepasste Lösungen“

Bundesminister des In-

e beginnen. Natürlich ist
zifischen Situation einer

die Wirtschaftsstrukturen
erall anders. Insofern ist

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Was die Infrastruktur angeh
frastruktur etwas weiter fasse

ur die Verkehrsinfrastruktur ve


(Tabea Rößner [BÜNDN NEN]: Soz Grunde geht es um alles. Es frastruktur, um Bildungsein ommunikationsinfrastruktur, hema Breitbandversorgung. D ird in der Strategie eine wic ermute ich jedenfalls. Dieser Bericht ist die Grundl eiten wollen. Ob an der einen ückbau notwendig bzw. mög tzt noch nicht sagen. Vizepräsidentin Katrin Gö Ich möchte die Gelegenhe chriftführerinnen und Schrif ebnisse der namentlichen Ab eben: Entschließungsantrag der PD, FDP und Bündnis 90/Die (Ct, muss man den Begriff n und darf darunter nicht rstehen. IS 90/DIE GRÜiale!)


geht auch um die soziale
richtungen und um die
zum Beispiel um das
ie Breitbandtechnologie
htige Rolle spielen; das

age für das, was wir erar-
oder anderen Stelle ein
lich sein wird, kann ich

ring-Eckardt:
it nutzen, die von den
tführern ermittelten Er-
stimmungen bekannt zu

Fraktionen CDU/CSU,
Grünen zu der Abgabe





Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt


(A) )


)(B)

Ewa Klamt
Volkmar Klein
Jürgen Klimke
Axel Knoerig
Jens Koeppen
Hartmut Koschyk
Thomas Kossendey
Michael Kretschmer
Gunther Krichbaum
Dr. Günter Krings
Rüdiger Kruse
Bettina Kudla
Dr. Hermann Kues
Günter Lach
Dr. Karl A. Lamers


(Heidelberg)

Andreas G. Lämmel
Dr. Norbert Lammert
Katharina Landgraf
Ulrich Lange
Dr. Max Lehmer
Dr. Ursula von der Leyen
Ingbert Liebing
Matthias Lietz
Patricia Lips
Dr. Jan-Marco Luczak
Daniela Ludwig
Dr. Michael Luther
Karin Maag
Dr. Thomas de Maizière
Hans-Georg von der Marwitz
Andreas Mattfeldt
Stephan Mayer (Altötting)

Dr. Michael Meister
Dr. Angela Merkel
Maria Michalk
Dr. h. c. Hans Michelbach
Dr. Mathias Middelberg
Philipp Mißfelder
Dietrich Monstadt
Marlene Mortler
Dr. Gerd Müller
Stefan Müller (Erlangen)

Dr. Philipp Murmann
Bernd Neumann (Bremen)

Michaela Noll
Dr. Georg Nüßlein
Franz Obermeier
Eduard Oswald
Henning Otte
Dr. Michael Paul
Rita Pawelski
Ulrich Petzold
Dr. Joachim Pfeiffer
Sibylle Pfeiffer
Beatrix Philipp
Ronald Pofalla
Christoph Poland
Ruprecht Polenz
Eckhard Pols
Thomas Rachel
Eckhardt Rehberg
Katherina Reiche (Potsdam)

Lothar Riebsamen
Josef Rief
Klaus Riegert
Dr. Heinz Riesenhuber
Johannes Röring

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r. Norbert Röttgen
r. Christian Ruck
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lbert Rupprecht (Weiden)

nita Schäfer (Saalstadt)

r. Wolfgang Schäuble
r. Annette Schavan
r. Andreas Scheuer
arl Schiewerling
orbert Schindler
ankred Schipanski
eorg Schirmbeck
hristian Schmidt (Fürth)

atrick Schnieder
r. Andreas Schockenhoff
adine Schön (St. Wendel)

r. Kristina Schröder
r. Ole Schröder
ernhard Schulte-Drüggelte
we Schummer

(Weil am Rhein)

etlef Seif
hannes Selle
einhold Sendker
r. Patrick Sensburg
ernd Siebert
hannes Singhammer
ns Spahn
arola Stauche
r. Frank Steffel
rika Steinbach
hristian Freiherr von Stetten
ieter Stier
ero Storjohann
tephan Stracke
ax Straubinger
arin Strenz
homas Strobl (Heilbronn)

ena Strothmann
ichael Stübgen
r. Peter Tauber
ntje Tillmann
r. Hans-Peter Uhl
rnold Vaatz
olkmar Vogel (Kleinsaara)

tefanie Vogelsang
ndrea Astrid Voßhoff
r. Johann Wadephul
arco Wanderwitz
ai Wegner
arcus Weinberg (Hamburg)


eter Weiß (Emmendingen)

abine Weiss (Wesel I)

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arl-Georg Wellmann
eter Wichtel
nnette Widmann-Mauz
lisabeth Winkelmeier-
Becker
agmar G. Wöhrl
r. Matthias Zimmer
olfgang Zöller
illi Zylajew

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r. Hans-Peter Bartels
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illi Brase
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(Hildesheim)


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lla Burchardt
artin Burkert

etra Crone
r. Peter Danckert
artin Dörmann

lvira Drobinski-Weiß
go Egloff

iegmund Ehrmann
r. h. c. Gernot Erler
etra Ernstberger
arin Evers-Meyer
lke Ferner
abriele Fograscher
r. Edgar Franke
agmar Freitag
igmar Gabriel
ichael Gerdes
artin Gerster
is Gleicke
ünter Gloser
lrike Gottschalck
ngelika Graf (Rosenheim)

erstin Griese
ichael Groschek
ichael Groß
ans-Joachim Hacker
ettina Hagedorn
laus Hagemann
ichael Hartmann

(Wackernheim)

ubertus Heil (Peine)

olf Hempelmann
r. Barbara Hendricks
ustav Herzog
abriele Hiller-Ohm
etra Hinz (Essen)

rank Hofmann (Volkach)

r. Eva Högl
hristel Humme
sip Juratovic
liver Kaczmarek
hannes Kahrs
r. h. c. Susanne Kastner
lrich Kelber
ars Klingbeil
ans-Ulrich Klose
r. Bärbel Kofler
aniela Kolbe (Leipzig)

ritz Rudolf Körper
nette Kramme
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ngelika Krüger-Leißner
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(Tuchenbach)


(Schwandorf)





(A) )

Daniel Bahr (Münster)

Florian Bernschneider
Sebastian Blumenthal
Claudia Bögel
Klaus Breil
Rainer Brüderle
Angelika Brunkhorst
Ernst Burgbacher
Marco Buschmann
Helga Daub
Reiner Deutschmann
Dr. Bijan Djir-Sarai
Patrick Döring
Mechthild Dyckmans
Rainer Erdel
Jörg van Essen
Ulrike Flach
Otto Fricke
Paul K. Friedhoff
Dr. Edmund Peter Geisen
Dr. Wolfgang Gerhardt
Hans-Michael Goldmann
Heinz Golombeck
Miriam Gruß
Joachim Günther (Plauen)

Dr. Christel Happach-Kasan
Heinz-Peter Haustein
Manuel Höferlin
Elke Hoff
Birgit Homburger
Dr. Werner Hoyer
Heiner Kamp
Michael Kauch
Dr. Lutz Knopek
Pascal Kober
Dr. Heinrich L. Kolb
Gudrun Kopp
Dr. h. c. Jürgen Koppelin
Sebastian Körber
Holger Krestel
Patrick Kurth (Kyffhäuser)

Heinz Lanfermann
Sibylle Laurischk
Harald Leibrecht
Sabine Leutheusser-

Schnarrenberger
Lars Lindemann
Christian Lindner
Dr. Martin Lindner (Berlin)

Michael Link (Heilbronn)

Dr. Erwin Lotter
Oliver Luksic
Horst Meierhofer
Patrick Meinhardt
Gabriele Molitor
Jan Mücke
Petra Müller (Aachen)

Burkhardt Müller-Sönksen
Dr. Martin Neumann


(Lausitz)

Dirk Niebel
Cornelia Pieper
Gisela Piltz
Dr. Christiane Ratjen-

Damerau
Dr. Birgit Reinemund
Dr. Peter Röhlinger
Dr. Stefan Ruppert

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r. Max Stadler
r. Rainer Stinner
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(Lüdenscheid)

r. Daniel Volk
r. Guido Westerwelle
r. Claudia Winterstein
r. Volker Wissing
artfrid Wolff (Rems-Murr)


ÜNDNIS 90/
IE GRÜNEN

erstin Andreae
arieluise Beck (Bremen)


olker Beck (Köln)

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iola von Cramon-Taubadel
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r. Thomas Gambke
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ritta Haßelmann
ettina Herlitzius
riska Hinz (Herborn)

r. Anton Hofreiter
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enate Künast
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r. Peter Gauweiler
sef Göppel
anfred Kolbe

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r. Carsten Linnemann
homas Silberhorn
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olf Schwanitz
üdiger Veit

DP

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rank Schäffler
orsten Staffeldt

IE LINKE

n van Aken
gnes Alpers
r. Dietmar Bartsch
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arin Binder
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eidrun Bluhm
teffen Bockhahn
va Bulling-Schröter
r. Martina Bunge
oland Claus
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r. Diether Dehm
eidrun Dittrich
erner Dreibus
r. Dagmar Enkelmann
laus Ernst
olfgang Gehrcke

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(A) )


Hans-Joachim Hacker (Tuchenbach) Katja Keul Steffen Bilger
Michael Hartmann

(Wackernheim)


Hubertus Heil (Peine)


Bernd Scheelen
Marianne Schieder


(Schwandorf)


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aria Klein-Schmeink
te Koczy
om Koenigs

Dr. Maria Böhmer
Wolfgang Börnsen


(Bönstrup)

Bettina Hagedorn
Klaus Hagemann

Anton Schaaf
Axel Schäfer (Bochum)


Memet Kilic
Sven-Christian Kindler

Clemens Binninger
Peter Bleser
Entschließungsantrag der
Drucksache 17/7457: 594 Stim
Mit Ja haben 199 gestimmt, mi

Endgültiges Ergebnis
Abgegebene Stimmen: 594;
davon

ja: 199
nein: 394
enthalten: 1

Ja

SPD

Ingrid Arndt-Brauer
Rainer Arnold
Heinz-Joachim Barchmann
Dr. Hans-Peter Bartels
Klaus Barthel
Sören Bartol
Bärbel Bas
Sabine Bätzing-Lichtenthäler
Dirk Becker
Uwe Beckmeyer
Lothar Binding (Heidelberg)

Gerd Bollmann
Klaus Brandner
Willi Brase
Bernhard Brinkmann


(Hildesheim)

Edelgard Bulmahn
Ulla Burchardt
Martin Burkert
Petra Crone
Dr. Peter Danckert
Martin Dörmann
Elvira Drobinski-Weiß
Ingo Egloff
Siegmund Ehrmann
Dr. h. c. Gernot Erler
Petra Ernstberger
Karin Evers-Meyer
Elke Ferner
Gabriele Fograscher
Dr. Edgar Franke
Dagmar Freitag
Sigmar Gabriel
Michael Gerdes
Martin Gerster
Iris Gleicke
Günter Gloser
Ulrike Gottschalck
Angelika Graf (Rosenheim)

Kerstin Griese
Michael Groschek
Michael Groß
Wolfgang Gunkel

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Fraktion der SPD auf
men wurden abgegeben.
t Nein 394. Es gab 1 Ent-

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olf Hempelmann
r. Barbara Hendricks
ustav Herzog
abriele Hiller-Ohm
etra Hinz (Essen)

rank Hofmann (Volkach)

r. Eva Högl
hristel Humme
sip Juratovic
liver Kaczmarek
hannes Kahrs
r. h. c. Susanne Kastner
lrich Kelber
ars Klingbeil
ans-Ulrich Klose
r. Bärbel Kofler
aniela Kolbe (Leipzig)

ritz Rudolf Körper
nette Kramme
icolette Kressl
ngelika Krüger-Leißner
te Kumpf
hristine Lambrecht
hristian Lange (Backnang)

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r. Carola Reimann
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arsten Schneider (Erfurt)

ttmar Schreiner
wen Schulz (Spandau)

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r. Martin Schwanholz
olf Schwanitz
tefan Schwartze
ita Schwarzelühr-Sutter
r. Carsten Sieling
onja Steffen
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r. Frank-Walter Steinmeier
hristoph Strässer
erstin Tack
r. h. c. Wolfgang Thierse
ranz Thönnes
olfgang Tiefensee
üdiger Veit
te Vogt
r. Marlies Volkmer
ndrea Wicklein
eidemarie Wieczorek-Zeul
r. Dieter Wiefelspütz
agmar Ziegler
anfred Zöllmer
rigitte Zypries

ÜNDNIS 90/
IE GRÜNEN

erstin Andreae
arieluise Beck (Bremen)


olker Beck (Köln)

ornelia Behm
irgitt Bender
iola von Cramon-Taubadel
kin Deligöz
atja Dörner
arald Ebner
ans-Josef Fell
r. Thomas Gambke
ai Gehring
atrin Göring-Eckardt
ritta Haßelmann
ettina Herlitzius
riska Hinz (Herborn)

r. Anton Hofreiter
ärbel Höhn
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hilo Hoppe
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(Reutlingen)





(A) )

Wolfgang Bosbach
Norbert Brackmann
Klaus Brähmig
Michael Brand
Dr. Reinhard Brandl
Helmut Brandt
Dr. Ralf Brauksiepe
Dr. Helge Braun
Heike Brehmer
Ralph Brinkhaus
Cajus Caesar
Gitta Connemann
Alexander Dobrindt
Marie-Luise Dött
Dr. Thomas Feist
Enak Ferlemann
Ingrid Fischbach
Hartwig Fischer (Göttingen)

Dirk Fischer (Hamburg)


(Karlsruhe Land)

Dr. Maria Flachsbarth
Klaus-Peter Flosbach
Herbert Frankenhauser
Dr. Hans-Peter Friedrich


(Hof)

Michael Frieser
Erich G. Fritz
Dr. Michael Fuchs
Hans-Joachim Fuchtel
Alexander Funk
Ingo Gädechens
Dr. Peter Gauweiler
Dr. Thomas Gebhart
Norbert Geis
Alois Gerig
Eberhard Gienger
Michael Glos
Josef Göppel
Peter Götz
Dr. Wolfgang Götzer
Ute Granold
Reinhard Grindel
Hermann Gröhe
Michael Grosse-Brömer
Markus Grübel
Manfred Grund
Monika Grütters
Olav Gutting
Florian Hahn
Dr. Stephan Harbarth
Jürgen Hardt
Gerda Hasselfeldt
Dr. Matthias Heider
Helmut Heiderich
Mechthild Heil
Ursula Heinen-Esser
Frank Heinrich
Rudolf Henke
Michael Hennrich
Jürgen Herrmann
Ansgar Heveling
Ernst Hinsken
Peter Hintze
Christian Hirte
Robert Hochbaum
Karl Holmeier
Franz-Josef Holzenkamp

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achim Hörster
nette Hübinger
homas Jarzombek
ieter Jasper
r. Franz Josef Jung
ndreas Jung (Konstanz)

r. Egon Jüttner
artholomäus Kalb
ans-Werner Kammer
teffen Kampeter
lois Karl
ernhard Kaster

(VillingenSchwenningen)


olker Kauder
r. Stefan Kaufmann
oderich Kiesewetter
ckart von Klaeden
wa Klamt
olkmar Klein
rgen Klimke
xel Knoerig
ns Koeppen
anfred Kolbe
artmut Koschyk
homas Kossendey
ichael Kretschmer
unther Krichbaum
r. Günter Krings
üdiger Kruse
ettina Kudla
r. Hermann Kues
ünter Lach
r. Karl A. Lamers

(Heidelberg)

ndreas G. Lämmel
r. Norbert Lammert
atharina Landgraf
lrich Lange
r. Max Lehmer
aul Lehrieder
r. Ursula von der Leyen
gbert Liebing
atthias Lietz
r. Carsten Linnemann
atricia Lips
r. Jan-Marco Luczak
aniela Ludwig
r. Michael Luther
arin Maag
r. Thomas de Maizière
ans-Georg von der Marwitz
ndreas Mattfeldt
tephan Mayer (Altötting)

r. Michael Meister
aria Michalk
r. h. c. Hans Michelbach
r. Mathias Middelberg
hilipp Mißfelder
ietrich Monstadt
arlene Mortler
r. Gerd Müller
tefan Müller (Erlangen)

r. Philipp Murmann
ernd Neumann (Bremen)

ichaela Noll
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ranz Obermeier

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ckhardt Rehberg
atherina Reiche (Potsdam)

othar Riebsamen
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r. Heinz Riesenhuber
hannes Röring
r. Norbert Röttgen
r. Christian Ruck
rwin Rüddel
lbert Rupprecht (Weiden)

nita Schäfer (Saalstadt)

r. Wolfgang Schäuble
r. Annette Schavan
r. Andreas Scheuer
arl Schiewerling
orbert Schindler
ankred Schipanski
eorg Schirmbeck
hristian Schmidt (Fürth)

atrick Schnieder
r. Andreas Schockenhoff
adine Schön (St. Wendel)

r. Kristina Schröder
r. Ole Schröder
ernhard Schulte-Drüggelte
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(Weil am Rhein)

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hannes Selle
einhold Sendker
r. Patrick Sensburg
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hristian Freiherr von Stetten
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arin Strenz
homas Strobl (Heilbronn)

ena Strothmann
ichael Stübgen
r. Peter Tauber
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r. Hans-Peter Uhl
rnold Vaatz
olkmar Vogel (Kleinsaara)

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(A) )


(D)(B)


(Lausitz)


(Lüdenscheid)





(A) )

Ekin Deligöz
Katja Dörner
Harald Ebner
Hans-Josef Fell
Dr. Thomas Gambke
Kai Gehring
Katrin Göring-Eckardt
Britta Haßelmann
Bettina Herlitzius
Priska Hinz (Herborn)

Dr. Anton Hofreiter
Bärbel Höhn
Ingrid Hönlinger
Thilo Hoppe
Uwe Kekeritz
Katja Keul
Memet Kilic
Sven-Christian Kindler
Maria Klein-Schmeink
Ute Koczy
Tom Koenigs
Oliver Krischer
Agnes Krumwiede
Fritz Kuhn
Stephan Kühn
Renate Künast
Markus Kurth
Undine Kurth (Quedlinburg)

Monika Lazar
Dr. Tobias Lindner
Nicole Maisch
Agnes Malczak
Jerzy Montag
Kerstin Müller (Köln)

Beate Müller-Gemmeke
Ingrid Nestle
Dr. Konstantin von Notz
Omid Nouripour
Friedrich Ostendorff
Dr. Hermann E. Ott
Lisa Paus
Brigitte Pothmer
Tabea Rößner
Claudia Roth (Augsburg)

Krista Sager
Manuel Sarrazin
Dr. Gerhard Schick
Dr. Frithjof Schmidt
Dorothea Steiner
Dr. Wolfgang Strengmann-

Kuhn
Hans-Christian Ströbele
Dr. Harald Terpe
Markus Tressel
Jürgen Trittin
Daniela Wagner
Wolfgang Wieland
Dr. Valerie Wilms
Josef Philip Winkler

Nein

CDU/CSU

Ilse Aigner
Peter Altmaier
Peter Aumer
Dorothee Bär
Thomas Bareiß

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rnst-Reinhard Beck

(Reutlingen)

anfred Behrens (Börde)


eronika Bellmann
r. Christoph Bergner
eter Beyer
teffen Bilger
lemens Binninger
eter Bleser
r. Maria Böhmer
olfgang Börnsen

(Bönstrup)

olfgang Bosbach
orbert Brackmann
laus Brähmig
ichael Brand
r. Reinhard Brandl
elmut Brandt
r. Ralf Brauksiepe
r. Helge Braun
eike Brehmer
alph Brinkhaus
ajus Caesar
itta Connemann
lexander Dobrindt
arie-Luise Dött
r. Thomas Feist
nak Ferlemann
grid Fischbach
artwig Fischer (Göttingen)

irk Fischer (Hamburg)


(KarlsruheLand)

r. Maria Flachsbarth
laus-Peter Flosbach
erbert Frankenhauser
r. Hans-Peter Friedrich

(Hof)

ichael Frieser

rich G. Fritz
r. Michael Fuchs
ans-Joachim Fuchtel
lexander Funk
go Gädechens
r. Peter Gauweiler
r. Thomas Gebhart
orbert Geis
lois Gerig
berhard Gienger
ichael Glos
sef Göppel

eter Götz
r. Wolfgang Götzer
te Granold
einhard Grindel
ermann Gröhe
ichael Grosse-Brömer
arkus Grübel
anfred Grund
onika Grütters
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lorian Hahn
r. Stephan Harbarth
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r. Matthias Heider

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eter Hintze
hristian Hirte
obert Hochbaum
arl Holmeier
ranz-Josef Holzenkamp
achim Hörster
nette Hübinger
homas Jarzombek
ieter Jasper
r. Franz Josef Jung
ndreas Jung (Konstanz)

r. Egon Jüttner
artholomäus Kalb
ans-Werner Kammer
teffen Kampeter
lois Karl
ernhard Kaster

(VillingenSchwenningen)


olker Kauder
r. Stefan Kaufmann
oderich Kiesewetter
ckart von Klaeden
wa Klamt
olkmar Klein
rgen Klimke
xel Knoerig
ns Koeppen
anfred Kolbe
artmut Koschyk
homas Kossendey
ichael Kretschmer
unther Krichbaum
r. Günter Krings
üdiger Kruse
ettina Kudla
r. Hermann Kues
ünter Lach
r. Karl A. Lamers

(Heidelberg)

ndreas G. Lämmel
r. Norbert Lammert
atharina Landgraf
lrich Lange
r. Max Lehmer
aul Lehrieder
r. Ursula von der Leyen
gbert Liebing
atthias Lietz
r. Carsten Linnemann
atricia Lips
r. Jan-Marco Luczak
aniela Ludwig
r. Michael Luther
arin Maag
r. Thomas de Maizière
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(C (D r. Michael Meister aria Michalk r. h. c. Hans Michelbach r. Mathias Middelberg hilipp Mißfelder ietrich Monstadt arlene Mortler r. Gerd Müller tefan Müller r. Philipp Murmann ernd Neumann ichaela Noll r. Georg Nüßlein ranz Obermeier duard Oswald enning Otte r. Michael Paul ita Pawelski lrich Petzold r. Joachim Pfeiffer ibylle Pfeiffer eatrix Philipp onald Pofalla hristoph Poland uprecht Polenz ckhard Pols homas Rachel ckhardt Rehberg atherina Reiche othar Riebsamen sef Rief laus Riegert r. Heinz Riesenhuber hannes Röring r. Norbert Röttgen r. Christian Ruck rwin Rüddel lbert Rupprecht nita Schäfer r. Wolfgang Schäuble r. Annette Schavan r. Andreas Scheuer arl Schiewerling orbert Schindler ankred Schipanski eorg Schirmbeck hristian Schmidt atrick Schnieder r. Andreas Schockenhoff adine Schön r. Kristina Schröder r. Ole Schröder ernhard Schulte-Drüggelte we Schummer rmin Schuster (Weil am Rhein)

etlef Seif
hannes Selle
einhold Sendker
r. Patrick Sensburg
ernd Siebert
homas Silberhorn
hannes Singhammer
ns Spahn
arola Stauche
r. Frank Steffel
rika Steinbach
hristian Freiherr von Stetten





Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt


(A) )


)(B)

Dieter Stier
Gero Storjohann
Stephan Stracke
Max Straubinger
Karin Strenz
Thomas Strobl (Heilbronn)

Lena Strothmann
Michael Stübgen
Dr. Peter Tauber
Antje Tillmann
Dr. Hans-Peter Uhl
Arnold Vaatz
Volkmar Vogel (Kleinsaara)

Stefanie Vogelsang
Andrea Astrid Voßhoff
Dr. Johann Wadephul
Marco Wanderwitz
Kai Wegner
Marcus Weinberg (Hamburg)

Peter Weiß (Emmendingen)

Sabine Weiss (Wesel I)

Ingo Wellenreuther
Karl-Georg Wellmann
Peter Wichtel
Annette Widmann-Mauz
Klaus-Peter Willsch
Elisabeth Winkelmeier-

Becker
Dagmar G. Wöhrl
Dr. Matthias Zimmer
Wolfgang Zöller
Willi Zylajew

SPD

Ingrid Arndt-Brauer
Rainer Arnold
Heinz-Joachim Barchmann
Dr. Hans-Peter Bartels
Klaus Barthel
Sören Bartol
Bärbel Bas
Sabine Bätzing-Lichtenthäler
Dirk Becker
Uwe Beckmeyer
Lothar Binding (Heidelberg)

Gerd Bollmann
Klaus Brandner
Willi Brase
Bernhard Brinkmann


(Hildesheim)

Edelgard Bulmahn
Martin Burkert
Petra Crone
Martin Dörmann
Elvira Drobinski-Weiß
Ingo Egloff
Siegmund Ehrmann
Dr. h. c. Gernot Erler
Petra Ernstberger
Karin Evers-Meyer
Elke Ferner
Gabriele Fograscher
Dr. Edgar Franke
Dagmar Freitag
Sigmar Gabriel
Michael Gerdes
Martin Gerster
Iris Gleicke

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ünter Gloser
lrike Gottschalck
ngelika Graf (Rosenheim)

erstin Griese
ichael Groschek
ichael Groß
olfgang Gunkel
ans-Joachim Hacker
ettina Hagedorn
laus Hagemann
ichael Hartmann

(Wackernheim)

ubertus Heil (Peine)

olf Hempelmann
r. Barbara Hendricks
ustav Herzog
abriele Hiller-Ohm
rank Hofmann (Volkach)

r. Eva Högl
sip Juratovic
liver Kaczmarek
hannes Kahrs
r. h. c. Susanne Kastner
lrich Kelber
ars Klingbeil
ans-Ulrich Klose
r. Bärbel Kofler
ritz Rudolf Körper
nette Kramme
icolette Kressl
ngelika Krüger-Leißner
te Kumpf
hristine Lambrecht
hristian Lange (Backnang)

teffen-Claudio Lemme
urkhard Lischka
abriele Lösekrug-Möller
irsten Lühmann
aren Marks
atja Mast
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llrich Meßmer
r. Matthias Miersch
ranz Müntefering
ndrea Nahles
anfred Nink

homas Oppermann
olger Ortel
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hannes Pflug
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r. Wilhelm Priesmeier
lorian Pronold
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tefan Rebmann
erold Reichenbach
r. Carola Reimann
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r. Ernst Dieter Rossmann
arin Roth (Esslingen)

ichael Roth (Heringen)

arlene Rupprecht

(Tuchenbach)

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arianne Schieder

(Schwandorf)

erner Schieder (Weiden)

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ilvia Schmidt (Eisleben)

arsten Schneider (Erfurt)

ttmar Schreiner
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r. Martin Schwanholz
olf Schwanitz
tefan Schwartze
ita Schwarzelühr-Sutter
r. Carsten Sieling
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r. Frank-Walter Steinmeier
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r. Dieter Wiefelspütz
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aniel Bahr (Münster)

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r. Edmund Peter Geisen
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(Lausitz)


(Lüdenscheid)





(A) )

Ich bitte jetzt die Kollegin Klamt um ihre Frage.


Ewa Klamt (CDU):
Rede ID: ID1713505100

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Minister, Sie ha-

ben gerade ausgeführt, dass wir nun eine Analyse und
erste Bestandsaufnahme vorliegen haben. Ich freue mich,
dass uns im Hause jetzt ein so ausführlicher Bericht vor-
liegt und dass ressortübergreifend daran gearbeitet wird.
Ich denke, uns alle hier im Hause interessiert: Wann rech-
nen Sie damit, dass uns ein Strategiekonzept – es wird
wohl im kommenden Jahr sein – vorgelegt werden wird?

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Ich gehe davon aus, dass wir, aufbauend auf diesem
Bericht, sehr zügig arbeiten und im ersten Halbjahr 2012
über eine Strategie diskutieren können.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713505200

Die nächste Frage kommt vom Kollegen Birkwald.


Matthias W. Birkwald (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713505300

Herr Minister, haben Sie herzlichen Dank für Ihre

einführenden Worte. Ich hatte Gelegenheit, schon einmal
in die Kurzfassung des Demografieberichts zu schauen,
und beziehe mich auf die Aussagen zur Alterssicherung.
Dort heißt es unter anderem, dass es um einen „ange-
messenen Interessensausgleich zwischen Jung und Alt“
gehe und um eine „generationengerechte Ausgestaltung
der sozialen Sicherungssysteme“. In diesem Zusammen-
hang wird darauf hingewiesen, dass die Anhebung der
Regelaltersgrenze in der Rentenversicherung auf 67 eine
gute Maßnahme ist.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat bei Forsa eine
Umfrage in Auftrag gegeben. Es ging darum, ob es sinn-
voll ist, die Regelaltersgrenze auf 67 anzuheben, da die
geplante Beitragssenkung pro Durchschnittsverdienerin
und -verdiener nur etwas mehr als 6 Euro betragen wird.
Die Ergebnisse sind deutlich: 79 Prozent der Befragten
wollen, dass die Beiträge nicht gesenkt werden und die
Rente mit 67 abgeschafft wird; stattdessen soll das Geld
für die Bekämpfung von Altersarmut ausgegeben wer-
den. Übrigens: Auch 71 Prozent der CDU/CSU-Anhän-
ger und 64 Prozent der FDP-Anhänger äußerten sich so.
Nur 12 Prozent der Befragten wollen eine Senkung der
Rentenbeiträge. Vor diesem Hintergrund frage ich Sie,
ob Sie nicht vielleicht noch einmal darüber nachdenken
wollen: Ist es aus Ihrer Sicht wirklich sozial gerecht, die
Rente ab 67 einzuführen, oder könnte man angesichts
von 6 Euro weniger Beitrag pro Beschäftigtem nicht da-
rauf verzichten?

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Die Zahlen, die ich mit diesem Bericht vorgelegt
habe, und auch die Zustandsbeschreibung sind Fakten
einer Entwicklung, die wir schon haben bzw. objektiver-
weise zu erwarten haben. Jetzt gilt es, aus der anderen
Alterszusammensetzung der Bevölkerung die richtigen
Schlüsse ziehen. Sie können schon heute am Arbeits-

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(C (D arkt feststellen, dass beispielsweise in den letzten zehn ahren die Zahl der Beschäftigten, die über 55 Jahre alt ind, dramatisch gestiegen ist. Während vor zehn Jahren och gut ein Drittel der Menschen in diesem Alterssegent berufstätig waren, sind es jetzt fast 60 Prozent. Man muss auf die Tatsache, die ich vorhin vorgetraen habe, dass die Menschen eine höhere Lebenserwarng haben und dass sie gesünder älter werden, reagien. Wir erwarten eine Auflösung der bisher üblichen reiteilung – Ausbildung, Berufstätigkeit, Ruhestand – Leben eines Menschen. Die Rente mit 67 ist ein Vor ufer der strukturellen Veränderungen, die in den nächsn Jahren notwendig sein werden. Die nächste Frage stellt der Kollege Kurth. Herr Minister, herzlichen Dank für diesen umfassen en Demografiebericht. Es ist in der Tat ein Zukunftspaier. Wie bindend ist dieses Papier für die gesamte Bunesregierung, also auch andere Ministerien? Welche chlüsse werden daraus gezogen? Wie stark sind die aneren Ministerien mit diesem Papier verhaftet? Ich habe eine weitere Frage. Die demografische Enticklung ist in den Regionen sehr unterschiedlich. Zum eil sind schon an Landkreisgrenzen Unterschiede festtellbar. Sie haben im Handlungskonzept für die neuen änder erste Maßnahmen verankert. Inwieweit ist man den neuen Ländern – oder überhaupt innerhalb von undesländern – bereit, gezielt für Landkreise, in denen ies nötig ist, Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg u bringen? Duldet man es, dass einzelne Landkreise daurch quasi bevorteilt würden? Wie ist Ihre Einschätung? Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des Inern: Zunächst einmal zur ersten Frage. Beschlossen wuren die Erstellung dieses Berichts und die Erarbeitung er Strategie vor zwei Jahren in Meseberg. Dieser Becht wurde ressortübergreifend erarbeitet und wird von llen betroffenen Ressorts getragen. Natürlich werden ir auch die Handlungsstrategie, die notwendig ist, geeinsam erarbeiten und dem Deutschen Bundestag vor tellen. Was die Situation in den neuen Ländern angeht, haen wir insofern bereits einen Blick in die Zukunft georfen, als sich dort schon heute demografische Enticklungen abzeichnen, die in den alten Bundesländern, denfalls in großen Teilen, vielleicht erst in fünf oder ehn Jahren deutlich werden. Das, was wir in den neuen ändern vorfinden, ist eine Art Großpilotprojekt für die ntwicklungen, zu denen es bundesweit kommen wird. icherlich wird man – allerdings koordiniert von den undesländern und nicht von der Bundesregierung – uch der spezifischen Situation in den einzelnen Landreisen, die sehr unterschiedlich sein wird, Rechnung agen müssen. )

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713505400
Patrick Kurth (FDP):
Rede ID: ID1713505500




(A) )


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713505600

Herr Müntefering.


Franz Müntefering (SPD):
Rede ID: ID1713505700

Herr Minister, dass der Bericht mit Akribie erstellt

wurde, will ich nicht bestreiten. Aber ein bisschen mehr
Herzblut und Leidenschaft in der Sache wären ganz gut
gewesen.

Wenn ich mir den Zeitplan, den Sie gerade noch ein-
mal erläutert haben, ansehe, muss ich sagen: Er lässt ei-
gentlich nichts Gutes vermuten. Sie haben gesagt, bis
Mitte 2012 sei über die Strategie zu sprechen. Das ist
etwa ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl. Dann
wird seitens der Bundesregierung nicht mehr besonders
viel geschehen.


(Patrick Döring [FDP]: Wieso denn das nicht? Bei uns schon! – Patrick Kurth [Kyffhäuser] [FDP]: Doch! Wir arbeiten auch dann noch!)


Es wird bestimmt 2014, ehe wirklich etwas in Bewegung
kommt.

Ich hätte von Ihnen gerne eine Äußerung dazu gehört,
wie Sie sich das vorstellen, insbesondere vor dem Hin-
tergrund – dazu finde ich im Bericht ganz wenig –, dass
Bund, Länder und Gemeinden hier eine gemeinsame
Verantwortung haben. Der demografische Wandel trifft
die Kommunen und Regionen in sehr unterschiedlichem
Maße; allerdings trifft er jede Kommune und jede Re-
gion. Die Frage ist: Was passiert dann? Wäre die Einset-
zung einer Demografiekommission, in der sich Bund,
Länder und Gemeinden gemeinsam mit diesem Thema
befassen, Ihrer Meinung nach ein Vorschlag, der das Fin-
den einer Lösung erleichtern könnte?

Sie sprechen im Wesentlichen über die Bundesebene.
Die Entscheidungen in den Regionen und Kommunen
sind allerdings sehr unterschiedlich. An diesem Punkt
brauchen wir Klarheit. Wenn Sie, was die Abfolge be-
trifft, so arbeiten, wie Sie es angekündigt haben, werden
wir eine entsprechende Strategie in Deutschland nicht
vor 2014 umsetzen. Das wäre aber zu spät.

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Sie haben völlig recht: Das ist eine Entscheidung, die
zuallererst für die Kommunen vor Ort relevant ist. Zu-
nächst einmal will die Bundesregierung eine ressortüber-
greifende Strategie erarbeiten. In einem weiteren Schritt
wird man selbstverständlich die Länder, die übrigens
schon viele Prozesse angestoßen haben, einbeziehen. In-
zwischen gibt es in jeder Region Handlungskonzepte, in
denen vorgezeichnet ist, was man erreichen will. Dass
man diesen Dialog führen muss, ist richtig.

Lassen Sie mich noch eines sagen: Ich glaube, dass es
bei der Erarbeitung der Strategie notwendig ist, von der
konkreten Situation vor Ort auszugehen und dann das
Land und den Bund in den Blick zu nehmen. Man sollte
sich fragen: Was ist notwendig, um eine konkrete Lö-
sung vor Ort zu finden? Dabei muss man die Gesamtsi-
tuation, von der Kommune über das Land bis hin zum
Bund, vor Augen haben. Dabei geht es auch um die

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(C (D rage: Welche Gesetzesänderungen oder Durchgriffsöglichkeiten braucht man im Hinblick auf die einzel en Ressorts auf Bundesebene? Das ist im Grunde die ufgabe, vor der wir jetzt stehen. Sie haben also völlig cht: Man muss von der konkreten Situation vor Ort usgehen und dann abstrahieren, um herauszufinden, elche Gesetze man auf Bundesebene verändern muss. Frau Deligöz. Herr Minister, ich möchte eine etwas konkretere rage stellen. Sie haben in dem Bericht geschrieben, ass Sie die Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandnschlüssen für notwendig und wichtig halten; das haben ie gerade noch einmal betont. Insbesondere im Rahmen es TKG wurde aber die Chance verpasst, dies in die Tat mzusetzen. Wie sehen Ihre Pläne und wie sieht vor alm der konkrete Zeitplan hierfür aus? Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des Inern: Dies ist ein wichtiger Punkt. In unserem Handlungsonzept für die neuen Länder, das ich vor drei Wochen orgestellt habe und in dem wir sehr viele Pilotprojekte, ie wir in den neuen Ländern durchführen, untersucht aben, haben wir festgestellt, dass die Breitbandstrategie ines der zentralen Elemente ist. Dies gilt sowohl im inblick auf Arbeitsplatzmöglichkeiten wie Telearbeitslätze als auch dann, wenn es darum geht, die Industrie, ittelständische Unternehmen und das Handwerk im ndlichen Raum zu halten. Hier kommt der Breitbandersorgung eine zentrale Aufgabe zu. Deswegen glaube ich, dass wir bei der Entwicklung er Strategie besonderen Wert darauf legen müssen. Hier ilt, was Herr Müntefering vorhin gesagt hat, in besonerer Weise; denn es gibt Breitbandstrategien der Länder nd der Bundesregierung. Auch in dieser Frage werden ir, wenn wir unsere Schlussfolgerungen vorbereitet haen, sehr eng mit den Ländern zusammenarbeiten müsen. Frau Bluhm, bitte. Herr Minister Friedrich, Sie haben jetzt mehrfach um Ausdruck gebracht, dass es sich bei diesem Bericht m eine Analyse handelt und die Handlungsempfehlunen im nächsten halben Jahr zu erwarten sind. Wir als Parlament werden uns mit diesem Bericht useinandersetzen und ihn auch bei den aktuellen Debatn zum Haushalt 2012 berücksichtigen. Uns würde intessieren, welche Empfehlungen oder Vorschläge für ünftige Schwerpunktsetzungen im Bundeshaushalt der ericht der Bundesregierung zur demografischen Lage nd künftigen Entwicklung des Landes enthält. Die rage lautet konkret: Wie passen die Erkenntnisse in dieem Bericht der Bundesregierung mit den Kürzungen Heidrun Bluhm )

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713505800
Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713505900
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713506000
Heidrun Bluhm (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713506100




(A) )

der Bundesmittel für das Jahr 2011 – die Kürzungen sind
vollzogen worden und sollen 2012 fortgesetzt werden –
im Bereich der allgemeinen Städtebauförderung zusam-
men? Es geht insbesondere um die Programme „Alters-
gerecht Umbauen“ und „Die soziale Stadt“. Können Sie
in Aussicht stellen, dass Sie Ihr aktuelles Handeln in die-
sem Punkt noch einmal überdenken?

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Wenn Sie sich den Bericht anschauen, dann sehen Sie
im letzten Kapitel die Handlungsfelder – es sind zehn an
der Zahl – aufgelistet. Hier spielt insbesondere die Er-
tüchtigung der ländlichen Räume eine zentrale Rolle. Ich
glaube, das haben Sie mit dem Stadtumbauprogramm
angesprochen. Das sind wichtige Punkte.


(Mechthild Rawert [SPD]: „Die soziale Stadt“! – Heidrun Bluhm [DIE LINKE]: Und vor allem das altersgerechte Wohnen!)


– Diese Punkte werden in der Strategie natürlich eine
zentrale Rolle spielen; keine Frage.

Die verschiedenen Handlungsempfehlungen muss
man in den nächsten Jahren entsprechend unterlegen.
Wir wollen ja gemeinsam eine etwas längerfristige Stra-
tegie angehen und hier im Hohen Hause beschließen.
Dass man dem in den Haushalten Rechnung tragen
muss, ist überhaupt keine Frage.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713506200

Jetzt bitte Frau Bätzing-Lichtenthäler.


Sabine Bätzing (SPD):
Rede ID: ID1713506300

Vielen Dank, Herr Minister, für den Bericht. – Ich

schließe an die vorhergehende Frage an. Sie beschreiben
in Ihrem Bericht die Rahmenbedingungen, die gesetzt
werden müssen, um dem demografischen Wandel zu be-
gegnen, und schreiben, dass man die Kommunen dabei
unterstützen muss, Infrastrukturen aufrechtzuerhalten
und Wohnungsangebote für älter werdende Menschen zu
schaffen. Meine Frage, die Kollegin unterstützend, lau-
tet: Wie kann es dann sein, dass man die Mittel für Pro-
gramme wie „Die soziale Stadt“ um 70 Prozent kürzt
und andere Programme, die gut laufen und die man ein-
fach weiterlaufen lassen könnte, wie „Altersgerecht Um-
bauen“, auslaufen lässt?

Ich möchte noch ein anderes Feld ansprechen, näm-
lich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Bezug
auf Fachkräfte. In Ihrem Bericht schreiben Sie: Wir wol-
len die Erwerbsquote von Frauen erhöhen und die Kin-
derbetreuung flexibler gestalten. – Wie passt das von Fa-
milienministerin Schröder angekündigte Betreuungsgeld
dazu?

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Das Thema, das Sie zuletzt angesprochen haben – Ver-
einbarkeit von Familie und Beruf –, ist deswegen wichtig,
weil es ein erhebliches Potenzial insbesondere an Frauen
gibt, die entweder derzeit unfreiwillig nicht berufstätig

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(C (D ind oder mehr arbeiten möchten als in Teilzeit. Ich enke, dass es wichtig ist, mit der bereits eingeleiteten olitik, mit dem Recht auf einen Kindergartenplatz und ll den anderen Maßnahmen der Vergangenheit konseuent weiterzumachen, um das Potenzial gut ausgebilder Frauen und Männer, das sich hier bietet, zu nutzen. Sie aren gezwungen, sich so zu entscheiden, wie sie sich ntschieden haben, aber sie hätten anders entschieden, enn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Dort müs en wir mehr Flexibilität schaffen. Deswegen ist die Verinbarkeit von Familie und Beruf ganz wichtig. Wie gesagt, wir haben in den letzten Jahren insgesamt ine Vielzahl von Programmen auf den Weg gebracht. iele von denen sind Pilotprojekte, bei denen man von ornherein gesagt hat: Diese laufen fünf Jahre, und dann t Schluss. Dass das nicht immer günstig ist, ist mir beannt. Das weiß ich auch aus eigener Anschauung. Ich enke, deswegen ist es umso notwendiger, dass man eine ngfristige Strategie erarbeitet, um langfristige Proramme durchführen zu können. Herr Kilic, bitte. Danke, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Minis r, Sie haben in Ihrer Berichterstattung als einen von ier wichtigen Punkten die Einwanderung selbst angeprochen. Es ist bekannt, dass die Regierung im Rahmen er Umsetzung der Bluecard-Richtlinie der Europäichen Union weitere Änderungen im Bereich des Aufnthaltsrechts vornehmen möchte, um die Fachkräfteeinanderung zu erleichtern. Wird die Regierung, wie ngekündigt, noch im November einen Gesetzentwurf orlegen? Welche Erleichterungen wird dieser Gesetzntwurf enthalten? Wo gibt es in welchem Umfang noch einungsverschiedenheiten? Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des Inern: Falls die Regierung im November einen solchen Geetzentwurf vorlegen und er hier im Bundestag von der ehrheit beschlossen wird, wird das selbstverständlich ls gegebene Tatsache in unsere Strategie Eingang finen. Wir müssen bei der Erarbeitung unserer Strategie atürlich immer von den gesetzlichen Gegebenheiten usgehen. Wenn bis dahin eine Modifizierung des Einanderungsrechtes vorliegt, wird das selbstverständlich ieser Strategie zugrunde gelegt. Weitere Fragen zu diesem Themenbereich können wir icht berücksichtigen. Aber es gibt noch eine Frage zu inem anderen Thema der heutigen Kabinettssitzung urch die Kollegin Enkelmann. Bitte schön. Danke, Frau Präsidentin. – Herr Minister, der Spiegel at in dieser Woche über einen Bericht der Bundesregieng zum Thema Mindestlöhne informiert. )

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713506400
Memet Kilic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713506500
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713506600
Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713506700




(A) )


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713506800

Frau Enkelmann, wollen Sie die Frage auch an Minis-

ter Friedrich stellen?


Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713506900

Ich weiß nicht, ob er das weiß.

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

Frau Enkelmann, im Zweifel weiß ich alles.


Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713507000

Logischerweise wäre dafür der Bereich Arbeit und

Soziales zuständig. Vielleicht entscheidet die Regierung,
wer antwortet.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713507100

Das war meine Frage. Dann könnte sich der Kollege

Friedrich zunächst setzen, und dann entscheidet die Re-
gierung untereinander, wer antwortet.

Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des In-
nern:

So soll es sein.


Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713507200

Alles klar. Danke, Frau Präsidentin. – Es geht um eine

Information des Spiegel zu einem weiteren Bericht der
Bundesregierung zum Thema Mindestlöhne. Die Bun-
desregierung hat vier Forschungsinstitute beauftragt. Sie
kommen zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass bei einer
Einführung von Mindestlöhnen keine nennenswerten
Folgen für Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit
nachzuweisen wären. Das stimmt mit den Argumenten
der Linken zu Mindestlöhnen überein.

Hat sich das Kabinett mit diesem Bericht beschäftigt?
Welche Schlussfolgerung hat das Kabinett im Zusam-
menhang mit der flächendeckenden Einführung gesetzli-
cher Mindestlöhne gezogen?


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713507300

Herr Fuchtel, bitte.

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Hans-Joachim Fuchtel (CDU):
Rede ID: ID1713507400


Ich hatte nicht die Ehre, an diesem Tag am Kabinetts-
tisch zu sitzen. Deswegen muss ich die Frage wieder zu-
rückgeben und kann sie also hier jetzt nicht beantworten.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das bedauere ich außerordentlich, Herr Kollege Fuchtel!)



Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713507500

Also jetzt doch Herr Friedrich.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das war wahrscheinlich der Einzige, der am Tisch gesessen hat!)


Bitte schön.

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(C (D Dr. Hans-Peter Friedrich, Bundesminister des Inern: Liebe Frau Enkelmann, das, was Sie angesprochen aben, war heute nicht Gegenstand im Kabinett. Aber enn es eine solche Untersuchung gibt, werden wir uns ie Sache, auch in der Ressortzuständigkeit des Kolleen, Staatssekretär Fuchtel, anschauen. Das ändert natürch an unserer grundsätzlichen Auffassung darüber, wie indestlöhne in Deutschland, auch unter dem Gesichts unkt der Tariffreiheit und der Tarifautonomie, zu beurilen sind, überhaupt nichts. (Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Also bleiben wir dran!)


Wir haben in vielen Bereichen mit dem hervorragen-
en Instrument eines tariflich geregelten Mindestlohns
es wurde in früheren Jahren ausgearbeitet –, der sehr

ezielt und sehr spezifisch auf die Situation in den Bran-
hen zugeschnitten ist, hervorragende Erfahrungen ge-
acht. Ich könnte mir vorstellen, dass das vielleicht
rundlage dieser Untersuchung war. Ich werde sie mir

nschauen.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713507600

Vielen Dank. – Damit beende ich die Befragung der

undesregierung.

Ich rufe Tagesordnungspunkt 3 auf:

Fragestunde

– Drucksache 17/7411 –

Auch hierbei gilt die Ein-Minuten-Regelung. Aller-
ings werden wir das Signal bei der ersten Antwort nicht
enutzen, damit sie etwas ausführlicher ausfallen kann.
ie müssen höchstens damit rechnen, dass die Präsiden-
n oder der Präsident eingreift.

Wir beginnen mit dem Geschäftsbereich des Bundes-
inisteriums der Verteidigung. Zur Beantwortung der
ragen steht der Parlamentarische Staatssekretär
hristian Schmidt zur Verfügung.

Ich rufe die Frage 1 des Abgeordneten Rainer Arnold
uf:

Wie kann eine im Umfang und in der Ausrüstung deutlich
reduzierte Bundeswehr das gleiche Fähigkeitsprofil und die
damit verbundenen Aufgaben wie vor der Reform erfüllen?

C
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713507700


Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Lieber Kollege
rnold, auf Ihre Frage kann ich antworten, dass es nicht

utrifft, dass die Bundeswehr künftig dieselben Aufga-
en und dasselbe Fähigkeitsprofil wie vor der Neuaus-
chtung haben wird. Wie Sie wissen, sind im Mai dieses
ahres die Verteidigungspolitischen Richtlinien vorge-
tellt worden, die das Fähigkeitsprofil weiterentwickeln.
ie Neuausrichtung ist sicherheitspolitisch begründet
nd basiert auf einer Analyse der Risiken und Bedrohun-
en, denen wir so weit wie möglich gemeinsam mit un-
eren Verbündeten und Partnern begegnen wollen.





Parl. Staatssekretär Christian Schmidt


(A) )


)(B)

Wir haben das Fähigkeitsprofil auch in Erkenntnis
dessen, was die vorherigen Strukturen einer gedankli-
chen und faktischen Dreiteilung der Bundeswehr in un-
terschiedliche Kräftekategorien aufgegeben haben, an-
gepasst und die eher auf Stabilisierungsoperationen
ausgerichteten Kräfte stärker auf das gesamte Aufgaben-
und Intensitätsspektrum ausgerichtet. Wir werden künf-
tig nicht mit weniger Kräften dasselbe wie oder mehr als
in der Vergangenheit leisten können, werden aber uns
künftig auf die Fähigkeiten konzentrieren, die wir als re-
levant ansehen. Dazu gehört, zum Landesschutz gegen
direkte Bedrohungen die über das Instrument des Grund-
wehrdienstes sehr personalintensiv sichergestellte Fähig-
keit zur Rekonstitution, also den Wiederaufwuchs, durch
ein neues, der Lageänderung angepasstes Konzept für
den Heimatschutz zu ersetzen.

Wir unterscheiden nicht mehr zwischen Eingreif- und
Stabilisierungskräften. Wir werden unter dem wunder-
schönen deutschen Wort – Frau Präsidentin, mit Ihrer
Genehmigung – Single Set of Forces – das bedeutet
schlicht und einfach, dass grundsätzlich jeder für jede
Fähigkeit zur Verfügung stehen muss – diese Aufgaben
bewältigen und auf Parallelstrukturen, die sich leider
entwickelt hatten, verzichten.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713507800

Herr Arnold, Sie haben eine Nachfrage. Bitte schön.


Rainer Arnold (SPD):
Rede ID: ID1713507900
Ganz ver-

stehe ich Ihre Antwort nicht. Denn wenn ich die Vertei-
digungspolitischen Richtlinien lese, dann stelle ich fest,
dass sich die sicherheitspolitischen Herausforderungen
in den letzten Jahren nicht gewandelt haben und dass es
bei der gesamten Breite der Aufgaben für die Streitkräfte
bleiben soll.

Wenn Sie sagen, Sie hätten andere Prioritäten, dann
müsste wenigstens in den Bereichen, in denen Sie andere
Prioritäten sehen, die Bundeswehr materiell und perso-
nell gestärkt werden. Die Ausplanungen und Vorgaben
zeigen aber, dass alles außer den Infanteriekräften ge-
schwächt und reduziert werden soll. Können Sie die
Prioritäten, die Sie neu definieren, näher beschreiben?

C
Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1713508000


Wir haben schon eine Reihe von Prioritäten geändert
bzw. gesetzt. Der sogenannte Single Set of Forces, also
das gemeinsame Fähigkeitsprofil, soll uns mehr Flexibi-
lität bieten. In der Tat haben Sie recht – darin stimme ich
Ihnen zu, Herr Kollege –, dass sich die Herausforderun-
gen bzw. die Bedrohungslagen in ihrer Unkalkulierbar-
keit nicht geändert haben. Gerade deswegen müssen wir
uns mit den zur Verfügung stehenden Kräften auf das
konzentrieren, was wir für das Wahrscheinlichste halten.
Dazu dienen vor allem die Erkenntnisgewinnung, die
Kommunikation und die schnelle Beweglichkeit und Or-
ganisation.

Ich denke, dass wir gerade in diesen Punkten in den
Verteidigungspolitischen Richtlinien und jetzt in der

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(C (D msetzung des Konzepts einiges an Verbesserungen einebracht haben. Ich darf beispielsweise daran erinnern, ass wir mit dem Beginn der SIGINT-Überwachung mit nbemannten Luftfahrzeugen auch eine völlig neue Kagorie von Fähigkeiten einbringen werden. Sie haben eine zweite Nachfrage, Herr Arnold? – itte. Betrachtet man die Aufklärungskomponente, Herr taatssekretär, stellt man einfach fest, dass auch dort entegen den ursprünglichen Planungen zumindest eine Reuktion des technischen Gerätes stattfinden soll. Insorn erschließt sich mir das nicht ganz. Eines interessiert ich ganz besonders, mit Blick auf Mangelfähigkeiten, ie zweifellos die Bundeswehr hat, die aber auch die erbündeten in NATO und EU insgesamt haben: Haben ie darüber nachgedacht und entsprechende Vorkehrunen getroffen, damit wir gerade bei den internationalen angelfähigkeiten nicht noch schwächer werden, son ern stabil bleiben oder gar stärker werden? Gibt es ierzu Überlegungen? C Ja, hier gibt es eine Reihe von Überlegungen. Frau räsidentin, die Nachfrage des Kollegen Arnold steht im usammenhang mit der zweiten Frage des Kollegen artels, der neben ihm sitzt. Kann ich sie gleichzeitig it beantworten? Ich rufe die Frage 4 des Abgeordneten Dr. Hans-Peter artels auf: Für welche Bereiche der Streitkräfte hat vor den Reduzie rungsbeschlüssen eine Abstimmung mit anderen (europäischen)

Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713508100
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713508200
Rainer Arnold (SPD):
Rede ID: ID1713508300
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713508400

C
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713508500


Ich darf auf die zweite Nachfrage zurückkommen.
atürlich sind wir uns alle bewusst und wissen, dass wir
egrenzte Fähigkeiten bei der Bundeswehr, was das Ma-
rial betrifft, haben. Kollege Arnold und Kollege
artels, deswegen muss Konzentration stattfinden. Ich
arf darauf hinweisen, dass wir das in einer guten und
ernünftigen Art und Weise, gerade was die einsatzrele-
anten Fähigkeiten betrifft, gemacht haben. Dafür müs-
en wir allerdings auch viel Material binden.

Gerade deswegen – nun beantworte ich Frage 4 – ist
s aus unserer Sicht unabdingbar notwendig, dass wir in-
rnational, sei es auf Ebene der Europäischen Union,
er Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
der auch auf Ebene der NATO, eine enger verknüpfte
erangehensweise an Fähigkeitsplanung und an das
urverfügungstellen von Fähigkeiten haben. Ich nenne
in Beispiel: Es gab eine Diskussion, inwieweit eine spe-
ielle Fähigkeit im Luftbereich – Sie kennen die Fähig-
eit der sogenannten ECR-Tornados – bleiben soll. Ist
as eine Mangelfähigkeit auf Ebene der NATO oder





Parl. Staatssekretär Christian Schmidt


(A) )


)
nicht? Wir haben uns ganz bewusst entschieden, diese
Fähigkeit beizubehalten, weil sie ein Beitrag dazu sein
kann, in internationalen Missionen eine Fähigkeitslücke
nicht entstehen zu lassen.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713508600

Herr Bartels, Sie haben eine Nachfrage? – Bitte.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713508700

Bei Ihren Experimenten mit der Wehrpflicht haben

Sie in dem Gesetz, das wir im Bundestag beschlossen
haben, immerhin eine Evaluationsklausel eingefügt. Die
Erfahrungen aus dem freiwilligen Wehrdienst sollen
zum 1. Januar 2013 überprüft werden, damit man mögli-
cherweise nachsteuern kann. Ist es auch für die jetzt vor-
gelegte Strukturreform der Bundeswehr vorgesehen, zu
evaluieren, wie sinnvoll die Strukturen und die Ausrüs-
tungsentscheidungen tatsächlich sind? Kollege Arnold
hat es angesprochen: Mangelfähigkeit Lufttransport.
Statt dass die Mittel bei einer kleiner werdenden Bun-
deswehr aufwachsen oder zumindest im vorgesehenen
Bereich bleiben und somit Fähigkeiten verbessert wer-
den, reduzieren Sie in dem Maße, in dem die Bundes-
wehr kleiner wird, also um ein Drittel. Dann verbessert
sich nichts. Ein Drittel weniger A400M, ein Drittel we-
niger Hubschrauber. Wird denn das Joint Support Ship,
das diese Fähigkeit des Transports verbessern soll, in ab-
sehbarer Zeit kommen? Was sind die Perspektiven der
Fähigkeitsverbesserung?

C
Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):
Rede ID: ID1713508800


Herr Kollege Bartels, wenn in Bezug auf die von Ih-
nen genannten Gerätschaften, insbesondere das strategi-
sche Transportflugzeug A400M und den mittelschweren
Transporthubschrauber NH-90, den Sie insinuieren, nun
die freudige Erwartung endlich befriedigt ist und wir
diese Gerätschaften irgendwann wirklich zur Verfügung
haben, wird die Fähigkeit der Bundeswehr in diesem Be-
reich keine Lücke aufweisen.

Allerdings teile ich Ihre von Ihnen nicht geäußerte,
aber mir unterstellte Erwartung, dass dies auch endlich
der Fall sein wird. Sie wissen, dass wir mit großer Hoff-
nung auf die Fähigkeiten der deutschen Industrie bauen,
die Dinge nun auch zeitgerecht fertigzustellen.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713508900

Sie haben eine zweite Nachfrage, Herr Bartels. Bitte

schön.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713509000

Ich will noch einmal an den ersten Teil der Frage erin-

nern. Wird es eine Evaluierung bzw. Überprüfung ge-
ben? Wird man zu irgendeinem Zeitpunkt noch einmal
schauen, ob das so jetzt vernünftig aufgestellt ist?

C
Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):
Rede ID: ID1713509100


In Bezug auf die Reform denke ich, dass die Verände-
rungen konzeptionell zugrunde gelegt sind und schon al-
lein wegen der Planungsentscheidung eine Nachhaltig-

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(C (D eit haben. Ich stehe aber nicht an, zu sagen, aus den rfahrungen der letzten 20 Jahre sei erkennbar, dass man ut daran tut, eine gewisse Flexibilität einzuplanen. Desegen gilt: keine förmliche Revision, aber doch ein Ver tändnis dafür, dass Dinge auch angepasst werden müsen und sich ändern können. Wir versuchen in unserer jetzigen Reformstruktur urch eine Beschleunigung der Beschaffungsverfahren llerdings auch dem Dilemma zu entkommen, das wir ider in den letzten 30 Jahren miterleben mussten. Herr ollege, Sie wissen es; erlauben Sie bitte, dass ich es otzdem als Beispiel anfüge. Der Kampfhubschrauber iger, über dessen Beschaffung bzw. Indienststellung gede in diesen Tagen geredet worden ist, datiert von sei er abschließenden militärischen Forderung her aus dem ahre 1986. Im Jahr 2011 haben wir die freudige Erwarng, ihn vielleicht im nächsten Jahr endlich in Einsatz ringen zu können. So kann das nicht sein. Deswegen üssen wir auch das Beschaffungsverfahren beschleuni en – das ist eine der Erfahrungen aus diesen Fällen –, eil wir damit auch mehr Flexibilität gewinnen. Jetzt kommen wir zu Frage 2 des Kollegen Arnold: Wie viele Soldaten und Zivilbeschäftigte der Bundeswehr sind durch die Reform der Bundeswehr von Versetzungen betroffen, und wie viele dieser Versetzungen sind durch Standortschließungen begründet? C Lieber Kollege, die genaue Anzahl der Versetzungen ann noch nicht genannt werden. Ich denke, dass das on Ihnen auch nicht erwartet worden ist. In der Tat errdert die personelle Umsetzung der Stationierungsent cheidungen, die heute früh vom Minister druckfrisch orgestellt worden sind, jetzt eine genaue Analyse sowie nschließend die Feinausplanung. Dann kann man versslich sagen, wie viele Beamtinnen und Beamte, Solatinnen und Soldaten sowie zivile Beschäftigte betrofn sind. Ich will es mir auch versagen, eine gegriffene Zahl als orstellungsrahmen zu nennen. Ich bitte um Verständnis afür, dass wir gerne erst noch einmal die Fakten ausplaen und analysieren würden. Dann kann ich allerdings erne auf die Frage zurückkommen. Herr Arnold, Sie haben eine Nachfrage. Bitte. Diese Geduld sagen wir Ihnen natürlich gerne zu. ber können wir wenigstens über den Bereich der Zivileschäftigten, die der Verteidigungsminister an andere essorts abgeben will, reden? Wie viele sollen das sein? nd wann wird der Minister diese Entscheidung treffen? ielleicht können Sie auch dazusagen, ob dies personalchtlich unter Wahrung der tarifvertraglichen Absicheng der Beschäftigten möglich ist. )

Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713509200
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713509300
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713509400
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713509500

(B)





(A) )

C
Rainer Arnold (SPD):
Rede ID: ID1713509600


Sie wissen – das wurde auch angedeutet –, dass ge-
wisse Aufgaben der Verwaltung anderweitig erfüllt wer-
den sollen, insbesondere im Bereich des Abrechnungswe-
sens oder auch im Bereich der Reisekostenabrechnung.
Über diese Frage finden innerhalb der Bundesregierung
Gespräche statt, insbesondere mit dem BMI. Dabei geht
es auch um die daraus entstehenden dienstrechtlichen und
verfahrensmäßigen Konsequenzen.

Das Ganze kann natürlich nur dann Sinn machen,
wenn es Synergieeffekte bietet. Wir gehen sehr davon
aus, dass es zu diesen Synergieeffekten kommen wird.

Wenn dieses Modell sich bewährt, ist es übrigens
auch eines, das sich nicht auf die Beziehungen zweier
Ressorts untereinander beschränken muss. Weitere Pla-
nungen in diesem Bereich sind gegenwärtig aber nicht
aktiv.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713509700

Sie haben eine zweite Nachfrage, bitte.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713509800

Herr Staatssekretär, ist unsere Information richtig,

dass andere Ressorts bereit sind – Sie selber haben da-
von gesprochen –, dem Innenministerium bestimmte
Aufgaben zu übertragen, aber das dafür notwendige Per-
sonal behalten wollen? Anders gefragt: Müssen wir als
Verteidigungspolitiker nicht nur auf den Einzelplan 14,
den Verteidigungshaushalt, schauen, sondern auch fest-
stellen, dass es dem Steuerzahler und dem Bundeshaus-
halt nicht sehr hilft – das Personal ist da; die Menschen
haben Verträge –, wenn die Kosten von einem Etat in
den anderen verschoben werden?

C
Rainer Arnold (SPD):
Rede ID: ID1713509900


Wenn es bei einer reinen Verschiebung von der rech-
ten Tasche in die linke Tasche bliebe, würde das keinen
Sinn machen. Es kann nur dann Sinn machen, wenn da-
raus ein Synergie- und Effizienzgewinn resultiert, sei es
bei der Leistung, den Nutzungsmöglichkeiten oder da-
durch, dass Personal adäquat und punktgenau eingesetzt
werden kann. Ich denke, dass wir uns das, wenn die ent-
sprechenden Vorlagen zur Abstimmung vorliegen, noch
einmal genau anschauen müssen. Es geht um keinen
ideologischen Ansatz, sondern um sehr pragmatische
Überlegungen. Die entscheidende Frage kann nicht sein,
ob am Türschild das Zeichen der Bundeswehr bzw. einer
dem Bundesverteidigungsministerium nachgeordneten
Behörde oder ob eventuell das Zeichen einer dem Bun-
desministerium des Innern nachgeordneten Behörde zu
finden ist.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713510000

Der Kollege Bartels hat dazu noch eine Nachfrage.


Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713510100

Herr Staatssekretär, von der Reduzierung der Zahl der

zivilen und militärischen Beschäftigten durch die Struk-

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(C (D rreform sind die Bundesländer sehr unterschiedlich beoffen. Mein Heimatland Schleswig-Holstein ist zu über 0 Prozent und Niedersachsen zu 20 Prozent betroffen. arum sind die Bundesländer so unterschiedlich betrofn? Die Zeit des Kalten Krieges ist doch vorbei. Die narlichen Stationierungsräume entlang der möglichen rontlinie eines dritten Weltkriegs sind nicht mehr voregeben. Sie haben heute relativ viel Freiheit, Stationiengsentscheidungen zu treffen. Warum haben Sie sie so etroffen? C Herr Kollege, ich kann und würde Ihnen die Zahlen ber die Zivilbeschäftigten, aufgeschlüsselt nach Bunesländern, nachreichen. Ich vermute, dass Sie auf die ahlen in toto Bezug genommen haben, die sowohl die ilitärischen als auch die zivilen Planstellen betreffen. s ist eine rein funktionale Ausrichtung, die sich daraus rgibt. Wir haben natürlich bei der Dislozierung die Vortellungen und Situationen zu berücksichtigen, wie wir ie vorgefunden haben und die vielleicht ein Stück weit ezug zu früheren Zeiten haben. Nehmen Sie als Bei piel nur die hohe Personalkonzentration in der sogeannten Rheinschiene. Das hat historische Gründe. Eine esondere Orientierung an den Bundesländern hat es ber nicht gegeben. Das Ganze wurde funktional beachtet. Ein regionaler Ausgleich ist dort, wo er möglich nd notwendig ist, in die Wege geleitet worden. Damit sind wir bei Frage 3 des Kollegen Bartels: Mit welchen Kostensteigerungen rechnet die Bundesregierung bei dem Outsourcing von Aufgaben der Bundeswehr durch den geplanten weiteren Abbau des Zivilpersonals – Materialerhaltung, Sanitätswesen und anderes? C Lieber Kollege, auf Ihre Frage antworte ich wie folgt: in Outsourcing von Aufgaben ist nur insoweit vorgeseen, wie es zweckmäßig und wirtschaftlich sinnvoll ist; llerdings vermute ich, dass Sie mir und der Bundesreierung auch nichts anderes unterstellen wollen. Das eißt, dies muss im Einzelfall genau zu untersuchen sein. ie Bundesregierung lässt sich nicht von der Vorstellung iten, dass alles, was outgesourct sei, billiger oder günsger sei. Vielmehr erfolgt zuvor eine präzise Bewertung, b dieses Ziel mit Outsourcing erreicht werden kann. islang gibt es gute Beispiele, aber auch Beispiele, die ur Vorsicht Anlass geben. Als Beispiel für die Schwierigkeiten darf ich an das ormalige Projekt der Privatisierung der Verpflegung ernern. Verpflegung ist eine außerordentlich sensible aterie, nicht nur bei Soldaten. Deswegen war es gut, ier dem Pragmatismus jenseits von irgendwelchen rundsätzlichen Vorstellungen den Vorzug zu geben und ie Entscheidung zurückzunehmen. Herr Bartels, eine Nachfrage, bitte. Da Sie die Sinnhaftigkeit unter Beweis stellen wollen, will ich an Ihr Verständnis der Sensibilität des Outsourcings im Bereich der Materialerhaltung der Marine appellieren; Sie können mit Ja oder Nein antworten. Die Marinearsenale müssen, nachdem Ausschreibungen stattgefunden haben, Aufgaben an privatwirtschaftliche Einrichtungen abgeben. In der Vergangenheit ist evaluiert worden, was teurer und was günstiger ist. Das Ergebnis – oh Wunder –: Die öffentliche Auftragserfüllung war drastisch, bis zu achtmal, günstiger als die Vergabe an Monopolisten, die diese Aufgaben im zivilen Bereich natürlich ebenfalls erfüllen können. Die Frage ist, ob Sie diese Sensibilität dem Bereich der Materialerhaltung der Marine entgegenbringen wollen. C Herr Kollege, diese Sensibilität bringen wir entgegen. Es wird nicht so sein, dass die Beispiele anderer Teilstreitkräfte – dazu gehören die Heeresinstandsetzungslogistik als ein Projekt des Heeres und die spezielle Zusammenarbeit der Luftwaffe mit Triebwerksherstellern etc. in der Wartung – dazu verleiten, dies etwa auf die Spezifika der Marine zu übertragen. Auch hier gilt: Es muss das tragfähig und leistungsfähig sein, was angestrebt wird und was gedacht wird, und es geht nicht nur um ein bestimmtes Etikett. Was die Arbeit in dem Marinearsenal betrifft, kann man feststellen, dass sie dem ersten Anschein nach und vielleicht auch dem zweiten in der Tat eine sehr ermutigende, erfolgreiche, gute Tätigkeit ist und dass wir das bei der Beurteilung der Sensibilität natürlich in Betracht ziehen müssen. Eine zweite Nachfrage, Herr Bartels? – Die haben Sie nicht. Die von Ihnen gestellte Frage 4 ist vorhin schon beantwortet worden. Wir kommen zu Frage 7 der Kollegin Inge Höger: Welche Rüstungsfirmen nahmen am Mittwoch, dem 19. Oktober 2011, an dem Gespräch zwischen dem Bundesminister der Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, und führenden Unternehmern aus der Rüstungsbranche teil, und um welche Beschaffungsmaßnahmen ging es dort konkret? Bitte schön, Herr Staatssekretär. C Frau Kollegin, an dem Gespräch waren Vertreter der wesentlichen Unternehmen der wehrtechnischen Industrie in Deutschland beteiligt. Der Bundesminister der Verteidigung informierte die Firmenvertreter über das im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr beauftragte Projekt zur Überprüfung von Rüstungsund Beschaffungsvorhaben. Er teilte mit, dass für alle Großprojekte Abnahmeverpflichtungen bestünden – das wisse man; man nennt das juristisch „Pacta sunt servanda“ –, die zum Teil deutlich oberhalb des nach Überprüfung der Ausrüs tu h n la d g d z e H a re e h R A M a M d s c d d s le h a d s b te m V u d z g s E R (C (D ngsvorhaben ermittelten Bedarfs für das zukünftige Fäigkeitsprofil lägen. Deshalb müsse über Möglichkeiten achgedacht werden, wie trotz der bestehenden Vertragsge ein Einstieg in die weitere Modernisierung der Buneswehr gemeinsam mit der gewerblichen Wirtschaft estaltet werden könnte. Der Bundesminister der Verteiigung eröffnete den Anwesenden die geplanten Stückahlen von Hauptwaffensystemen der Streitkräfte. Sie ntsprechen den Zahlen, die in dem Schreiben, das unser aus an den Verteidigungsausschuss und, ich denke, auch n den Haushaltsausschuss gerichtet hatte, genannt wan. Es war ein Einstieg in Gespräche. Es sind keine Ver inbarungen getroffen worden. Frau Höger, Ihre erste Nachfrage, bitte. Herr Staatssekretär Schmidt, Ihr Kollege Kossendey at mir in der Verteidigungsausschusssitzung gesagt, die eduzierung der Stückzahlen sei ein Schritt in Richtung brüstung der Bundeswehr. Im Gegensatz dazu hat inister de Maizière in verschiedenen Interviews, unter nderem in den Tagesthemen, gesagt, das Ziel dieser aßnahme sei nicht, Ausgaben zu kürzen, sondern wie er Aufträge auslösen zu können. Das sind sehr widerprüchliche Aussagen. Was ist das Ziel dieser Gesprähe? C Das Ziel der Gespräche ist – ich habe es vorhin in anerem Zusammenhang mit Blick auf den Kampfhubchrauber Tiger genannt – eine Anpassung der Stückzahn an die heutigen Planungen. Ich darf darauf inweisen, dass dieses „Pacta sunt servanda“ sich auch uf Liefertreue, auf zeitnahes, pünktliches und vollstäniges Liefern nach Pflichtenkatalog, bezieht. Insofern ist ehr viel Raum für Gespräche eröffnet, wie wir das auch eispielhaft an den Gesprächen mit Airbus über das stragische Lufttransportflugzeug A400M sehen konnten. Es geht somit einmal darum, dass wir die Investitionsittel des Verteidigungsetats – sie sind zu circa drei ierteln gebunden – wieder etwas flexibler einsetzen nd auf Neues hin ausrichten können. Weiter geht es darum, die Exportbemühungen der eutschen Industrie insofern zu unterstützen, als wir als ufriedener Kunde Referenz für ihre Leistungsfähigkeit eben können. Frau Höger, Sie haben eine weitere Frage. Bitte chön. Herr Staatssekretär Schmidt, Sie haben gerade von xportbemühungen der Rüstungsindustrie gesprochen. Meine erste Frage lautet: Gehen die Gespräche in die ichtung, dass im Hinblick auf die Stückzahlen, die die )

Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):
Rede ID: ID1713510200
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713510300
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713510400
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713510500




(A) )


(B)

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713510600
Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):
Rede ID: ID1713510700
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713510800
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713510900
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713511000
Katrin Dagmar Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713511100
Inge Höger-Neuling (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713511200
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713511300
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713511400





Inge Höger


(A) )


)(B)

Bundeswehr nicht mehr abnehmen wird, Exportbemü-
hungen der Rüstungsindustrie unterstützt werden und
dementsprechend Zusagen gegeben werden?

Zweite Frage: Geht es nur um Exporte in Richtung
NATO und EU, die ja nicht so restriktiv zu handhaben
sind wie Exporte in andere Länder? Was schwebt Ihnen
da vor?

C
Inge Höger-Neuling (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713511500


Sie wissen, dass bei Großprojekten in Einzelfällen die
Möglichkeit eröffnet worden ist, überzählige Flugzeuge
– um beim Beispiel der Flugzeuge zu bleiben – weiterzu-
veräußern. Ungeachtet der Frage der genauen rechtlichen
Konstruktion – in Form eines Zwischenerwerbs oder auf
andere Weise – will ich auf Folgendes hinweisen: Wir ha-
ben Exportbemühungen sowohl beim A400M – Reduzie-
rung auf 40 Flugzeuge, sodass de facto gegenwärtig
13 Flugzeuge überzählig sind – als auch beim Kampf-
flugzeug Eurofighter unternommen. Es gibt gegenwärtig
insbesondere zwei Länder, die ein Abnahmeinteresse ha-
ben. Das eine Land ist Indien und das andere die
Schweiz.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713511600

Vielen Dank, Herr Staatssekretär.

Wir kommen zur Frage 8, die unsere Kollegin Katja
Keul gestellt hat:

Welche Art der Unterstützung von Rüstungsexporten
wurde der Rüstungsindustrie durch den Bundesminister der
Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, – Financial Times
Deutschland am 20. Oktober 2011 – zugesagt?


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP], an BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gewandt: Auf was für Ideen ihr kommt!)


Bitte schön, Herr Staatssekretär.

C
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713511700


Frau Kollegin, ich verstehe Ihre Frage so, dass Sie
den Hintergrund des Gesprächs, um das es in der Frage
von Kollegin Höger ging – darauf durfte ich schon ant-
worten –, noch etwas ausleuchten wollen.

Es war so, dass die Industrievertreter die Möglichkeit
angesprochen haben, durch den Export von Gütern eine
entsprechende Auslastung zu erzielen. Unter Exporthilfe
für die wehrtechnische Industrie versteht die Bundes-
regierung Maßnahmen wie bilaterale Gespräche mit Re-
gierungsvertretern anderer Länder, um die Bemühungen
der deutschen Industrie, Verträge mit diesen zu schlie-
ßen, flankierend zu unterstützen. Beispielhaft sei daran
erinnert, dass sich die Bundeskanzlerin sowie der Bun-
desminister Herr Dr. de Maizière während der gemeinsa-
men deutsch-indischen Kabinettssitzung im Mai dieses
Jahres in Neu-Delhi in bilateralen Gesprächen für das
Programm Eurofighter eingesetzt haben; ich hatte darauf
bereits hingewiesen. Dann sei noch die Funktion der
Bundeswehr als Referenzkunde erwähnt, wobei das na-
türlich nur funktioniert, wenn der Kunde zufrieden ist.

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(C (D as kann er bei deutschen Produkten allerdings nahezu urchgängig sein. Darin sehen wir die Schwerpunkte olch einer unterstützenden Zusammenarbeit. Bitte, Ihre erste Zusatzfrage. Vielen Dank, Herr Staatssekretär. – Daran, dass eutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt t, sehen wir ja, dass die Kunden mit der deutschen are sehr zufrieden sind. Ich hatte in meiner Frage nur ganz allgemein wissen ollen, welche Unterstützung zugesagt worden war, auf ie sich Verbandspräsident Adamowitsch in seinen Preseäußerungen bezogen hat. Aber verstehe ich Ihre Ausage richtig, dass in erster Linie und schwerpunktmäßig xportförderung zugesichert worden war? Dann frage h Sie, ob zu dieser Exportförderung auch die Zusage eiterer Bürgschaften gehört und ob darüber hinaus uch über eine Lockerung der bestehenden Rüstungsxportrichtlinien gesprochen worden ist. C Sie gestatten, Frau Kollegin, dass ich die in den Meien zitierten Äußerungen von Herrn Adamowitsch nicht eiter kommentiere. Inhalt unseres Gespräches waren icht in erster Linie Exportfragen, sondern die Anpasung der Verträge. Das hat in der von mir genannten Art nd Weise zu Fragen geführt. Über Bürgschaften im onkreten Sinne oder eine grundsätzliche Veränderung er Position ist nicht geredet worden. Weitere Nachfrage, Frau Kollegin? Ja, vielen Dank. – Sie hatten gerade den Verkauf der ozusagen überschüssigen Flugzeuge – hier konkret: urofighter – an Indien erwähnt. Ich möchte Sie fragen, ie eine solche Förderung mit der restriktiven Rüstungs xportpolitik, die die Bundesregierung angeblich betreien will, zu vereinbaren ist. Schließlich handelt es sich ei Indien um einen Drittstaat, in den schon nach unsem Grundgesetz in der Regel keine Kriegswaffen geliert werden dürfen, höchstens im Ausnahmefall. Wie ist amit zu vereinbaren, dass im Zuge der Reform ausgechnet Kriegswaffen massiv in Drittländer geliefert erden sollen? C Indien, ein sehr großer demokratischer Staat, ist ein ertrauenswürdiger Partner. Alle Fragen, die mit rechtlihen Begrenzungen zu tun haben, müssen in den Greien, die dazu berufen sind, beraten und entschieden nd dann entsprechend beachtet werden. Die Bemühunen der Firma EADS, Flugzeuge nach Indien zu exporeren – es ist nicht so, dass die Bundesrepublik Deutsch Parl. Staatssekretär Christian Schmidt )

Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713511800
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713511900
Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713512000
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713512100
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713512200
Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713512300




(A) )

land als Vertragspartner beteiligt wäre –, unterliegen im
Hinblick auf die Waffenexportkontrolle dem gleichen
Regime.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713512400

Vielen Dank. – Ich habe jetzt eine Reihe von weiteren

Nachfragen. Zunächst Kollege Dr. Hans-Peter Bartels.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713512500

Herr Staatssekretär, soll es im Verteidigungsministe-

rium in Zukunft eine gesonderte, nur für Fragen des Rüs-
tungsexports zuständige Organisationseinheit geben?

C
Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):
Rede ID: ID1713512600


Abgesehen davon, dass wir über das neu eingerichtete
Bundesamt für Ausrüstung und Nutzung auch internatio-
nale Kontakte im Sinne von multilateralen Programmen
pflegen, ist die Frage der Exportförderung nicht primäre
Aufgabe des Bundesministeriums der Verteidigung. Ent-
sprechende Bemühungen sind mir nicht bekannt.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713512700

Vielen Dank. – Als Nächste Frau Kollegin Inge

Höger.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713512800

Vielen Dank. – Herr Staatssekretär, Sie haben eben

gesagt, Indien sei ein demokratisches Land und Sie sä-
hen keine Probleme, Rüstungsgüter nach Indien zu ex-
portieren. Die Rüstungsexportrichtlinien untersagen aber
die Lieferung von Rüstungsgütern in Krisenregionen.
Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan spricht ja
wohl eindeutig dafür, dass es sich um eine Krisenregion
handelt. Wie vereinbaren Sie das miteinander?

C
Inge Höger-Neuling (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713512900


Frau Kollegin, ich glaube, es ist in unser aller Sinne,
wenn die Fragen präzise beantwortet werden. Dann
sollte man aber auch die Antworten genau zur Kenntnis
nehmen. Ich habe keine Bewertung des konkreten Ge-
schäfts abgegeben und auch nicht dazu, ob es aufgrund
der rechtlichen Rahmenbedingungen möglich ist. Ich
habe darauf hingewiesen, dass solche Fragen in den ent-
sprechenden Gremien – Sie wissen, dass das in unserem
Lande insbesondere der Bundessicherheitsrat ist – zu be-
werten und zu entscheiden sind und dass dann auch an-
dere Überlegungen, die anzustellen nicht Aufgabe der
Bundesregierung ist, miteinzubeziehen sind.

Das Projekt der Veräußerung von Flugzeugen nach
Indien ist also ein Projekt, das nach Prüfung eine ge-
wisse Unterstützung im Sinne dessen, was ich eben als
die Haltung des guten Kunden bezeichnet habe, erfährt.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713513000

Jetzt habe ich eine weitere Nachfrage, und zwar des

Kollegen Omid Nouripour.

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(C (D Herr Staatssekretär, ist vertraglich gewährleistet, dass dien weder zeitnah noch später die Flugzeuge weitererkaufen kann? C Lieber Kollege, gemäß den Exportrichtlinien ist eine ndverbleibklausel vorzusehen, durch die sicherzusteln ist, dass das jeweilige wehrtechnische Gerät dort verleibt, wohin es nach Prüfmaßstäben geliefert werden arf, und nicht dorthin kommt, wohin es nach Prüfmaßtäben nicht geliefert werden darf. Die Endverbleibklauel ist also ein Instrument, um so etwas grundsätzlich zu erhindern. Vielen Dank. – Bevor ich die Frage 9 unserer Kolle in Katja Keul aufrufe, muss ich noch erwähnen, dass ie Fragen 5 und 6 des Abgeordneten Kekeritz schriftch beantwortet werden. Jetzt die Frage 9 unserer Kollegin Katja Keul: Welche Daten sind bei dem laut Zeitungsberichten (Die Welt am 11. Oktober 2011)

Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713513100
Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713513200
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713513300
Erprobungsflug des Euro-Hawk von Kalifornien nach Ober-
bayern gesammelt und gespeichert worden, und welche
Rechtsgrundlage liegt dem zugrunde?

C
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713513400


Verehrte Kollegin, auf dem Überführungsflug des
uro-Hawk Full Scale Demonstrators, der die volle
andbreite dessen demonstrieren kann, was das Serien-
erät später leisten kann, aus den USA nach Deutschland
urden nur Flugparameter und Flugleistungsdaten er-
sst.

Das Aufklärungssensorsystem wird erst jetzt in einer
olgephase installiert. Deswegen konnten auf diesem
lug Daten weder gesammelt werden noch wurden sie
espeichert.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713513500

Ihre erste Nachfrage, Frau Kollegin.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713513600

Vielen Dank, Herr Staatssekretär. Sie haben sicherlich

cht, wenn Sie sagen, dass diese enormen Datenmengen
m 21. Juli noch nicht gespeichert werden konnten, da
ie Technik noch nicht eingebaut war. Nun wird sie aber
ingebaut. Mit Sicherheit wird es auch weitere Probe-
üge des Euro-Hawk geben.

Nach dem, was wir so lesen, wird in technischer Hin-
icht alles in den Schatten gestellt, was wir bisher jemals

Zusammenhang mit Lauschangriffen und Vorrats-
atensammlungen für möglich gehalten haben. Es wird
avon gesprochen, dass der Euro-Hawk Daten wie ein
taubsauger aufsauge und selbst aus enormer Höhe jede
MS und jedes Telefongespräch erfassen könne.





Katja Keul


(A) )


)(B)

Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass die
Bürger am Boden in Zukunft davor geschützt werden,
dass von diesem Datenstaubsauger sämtliche Daten auf-
genommen und gespeichert werden?

C
Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713513700


Frau Kollegin, bitte gestatten Sie mir die Bemerkung:
Ich glaube, dass das eine Frage ist, die sehr berechtigt ist
und der man sich nicht nur nähern muss, sondern die
man auch beantworten muss. In einem freien Land ha-
ben freie Bürger ein Interesse daran und ein Recht da-
rauf, dass das Recht auf informationelle Selbstbestim-
mung umgesetzt wird. Dies wird durch technische und
organisatorische Maßnahmen gewährleistet. Wenn Sie
mich fragen sollten, wie das im Einzelfall technisch
funktioniert, muss ich auf eine schriftliche Beantwor-
tung verweisen. Ich bin nicht darauf vorbereitet, das im
Detail zu erläutern.

Im Ergebnis kommt es darauf an, dass bei der Erfas-
sung von Fernmeldeverkehren – hierunter fällt auch die
moderne Form der SMS – durch diese Aufklärungs-
drohne der Bundeswehr Fernmeldeverkehre von Perso-
nen anhand von erkannten Kriterien – Länderkennung,
Anschlussnummer usw. – unterdrückt und ausgeschlos-
sen werden. Die Erfassung von unbeabsichtigt erfassten
Verkehren ist, sobald erkannt wird, dass sie dem Schutz
des Art. 10 des Grundgesetzes unterliegen, unabhängig
vom jeweiligen Stand und Grad der Bearbeitung und
Auswertung sofort einzustellen, und bisherige Aufzeich-
nungen und Daten sind sofort zu löschen.

Bei dem eingesetzten Personal werden verpflichtend
nachweispflichtige Belehrungen in Form von Erst- und
jährlichen Wiederholungsbelehrungen durchgeführt. Zu-
dem wird großer Wert darauf gelegt, dass die Sensibilität
der Arbeit mit dem Verantwortungsbewusstsein der Be-
troffenen korrespondiert.


Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713513800

Frau Kollegin Keul, haben Sie eine weitere Nach-

frage? Oder sind Sie vielleicht schon zufrieden?


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713513900

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, Herr Staatssekre-

tär, dass mich Ihre Antwort noch nicht befriedigt. Ich bin
sicherlich kein Technikfreak. Ich würde mich jedoch
freuen, wenn Sie noch ein paar Einzelheiten liefern
könnten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie aus einem
mit einem Staubsauger aufgesaugten Datenpool die pri-
vatsensiblen Daten aussortiert werden sollen. Wenn alles
gelöscht wird, dann könnten wir uns den Euro-Hawk
auch komplett sparen. Ich wäre daher dankbar, wenn Sie
diese Information nachliefern könnten.

Meine zweite Nachfrage betrifft die Bürger auf deut-
schem Boden: Was passiert, wenn sie die Grenze über-
treten? Was passiert mit unseren europäischen Nach-
barn? Was passiert weltweit mit diesen Daten? Wie
werden die Menschen am Boden davor geschützt?

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(C (D C Ich verstehe die Frage so, dass sie sich auf deutsches erät und auf den Euro-Hawk bezieht. Die Verantworng, die wir weltweit tragen, wird noch ganz anderer etrachtung zu unterwerfen sein. Wir werden uns im ahmen der rechtlichen Vorgaben bewegen und keineslls darüber hinausgehen. Es ist nicht die Aufgabe von Euro-Hawk, Fernmeldeerkehre abzuhören. Es kommt ausschließlich darauf an, ilitärisch relevante Signale im Einsatzland wie Signale on Raketenund Radarstellungen, Funktürmen, Fahreugen, Flugzeugen oder Schiffen mit Funkoder Raaranlagen an Bord zu erkennen und im Rahmen der ufklärung einzuordnen. Daran sieht man, dass sich die igentliche Nutzung von Euro-Hawk auf die Einsatzgeiete der Bundeswehr beschränkt. Hinzu kommt, dass ie Rules of Engagement einen entsprechenden Filter für ie Nutzung von Euro-Hawk und anderer Aufklärungserätschaften bilden. Vielen Dank. – Die Frage 10 des Kollegen Ströbele ird schriftlich beantwortet. Zum eschäftsbereich des Bundesministeriums für Verteidiung liegen keine weiteren Fragen vor. Wir kommen nun zum Geschäftsbereich des Bundesinisteriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. ur Beantwortung steht der Parlamentarische Staatsekretär Dr. Hermann Kues zur Verfügung. Die Frage 11 er Kollegin Haßelmann, die Fragen 12 und 13 des Kolgen Schwartze, die Fragen 14 und 15 der Kollegin azar sowie die Fragen 16 und 17 der Kollegin Marks erden schriftlich beantwortet. Wir kommen nun zur Frage 18 unserer Kollegin ydan Özoğuz: Wie ist der aktuelle Sachstand des von der Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 17/5868 (siehe Antwort zu Frage 12)

Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713514000
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1713514100
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713514200
verläufe bei jugendlichen Gewalttätern, und liegen bereits Er-
gebnisse vor?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

D
Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1713514300


Sie haben auf Drucksache 17/5868 verwiesen. Das
rojekt mit dem Titel „Jugendliche Gewalttäter zwi-
chen Jugendhilfe und krimineller Karriere“, das dort
ngesprochen wird, ist am 1. Oktober dieses Jahres ge-
tartet. Es wird bis zum 30. September 2014 andauern.

it validen Ergebnissen kann von daher frühestens im
uli 2014 gerechnet werden.


Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713514400

Ihre erste Nachfrage, Frau Kollegin.






(A) )


)(B)


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713514500

Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Staatssekretär, ist

denn geplant, für dieses Projekt auch eine wissenschaft-
liche Begleitung vorzunehmen? Hat das Ministerium ei-
nen solchen wissenschaftlichen Auftrag erteilt?

D
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713514600


Das weiß ich nicht genau. Da muss ich mich einmal
erkundigen. Ich werde Ihnen dann schriftlich Auskunft
geben.


Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713514700

Ihre zweite Nachfrage, Frau Kollegin.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713514800

Die hat sich damit erübrigt.


Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713514900

Dann ist das damit erledigt.

H
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713515000


Wie begründet die Bundesregierung, dass in dem genann-
ten Projekt über Karriereverläufe jugendlicher Gewalttäter

(siehe Antwort zu Frage 12 auf Bundestagsdrucksache 17/5868)

Täter mit Migrationshintergrund“ in den Fokus genommen
werden sollen, und wie wird die Unterscheidung in der Ziel-

(männliche Schwerststraftäter auf der einen Seite und alle Täter mit Migrationshintergrund auf der anderen Seite)


Bitte schön, Herr Staatssekretär.

D
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713515100


Bei dem Projekt, das in der Drucksache beschrieben
ist, geht es um männliche Schwerststraftäter im Alter
zwischen 14 und 20 Jahren und um Täter mit Migra-
tionshintergrund, das heißt also nicht um alle Täter mit
Migrationshintergrund.

Statistisch gesehen handelt es sich um eine kleine
Gruppe von zumeist männlichen Jugendlichen, die wie-
derholt durch schwerste kriminelle Straftaten aufgefallen
sind. Wenn man sich das genauer ansieht, erkennt man,
dass dahinter häufig eine verdichtete Problemkonstella-
tion wie schwierige Familienverhältnisse und teilweise
auch Alkoholmissbrauch stecken. Ein Teil dieser Gruppe
ist den Jugendämtern seit langem bekannt. Häufig erge-
ben sich parallel zu den kriminellen Karrieren auch Ju-
gendhilfekarrieren.

Die Jugendhilfe hat jedoch große Zugangs- und Ak-
zeptanzschwierigkeiten bei dieser Gruppe. Das trifft in
besonderer Weise auf Jugendliche mit Migrationshinter-
grund zu. Völlig unabhängig voneinander ist es nicht so
einfach, einen Zugang zu den Milieus zu finden. Man tut
sich auch sehr schwer dabei, geeignete Unterbringungs-
möglichkeiten zu finden. Deswegen endet das Ganze
häufig im Jugendstrafvollzug, obwohl das unter anderen
Voraussetzungen nicht notwendig wäre.

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(C (D Bei diesem Forschungsvorhaben geht es somit auch arum, die Dynamiken dieser Karriere sowohl aus der erspektive der betroffenen Jugendlichen und deren Soreberechtigten als auch aus der Perspektive der beteilign Institutionen zu erhellen und dabei die Zeitpunkte für ögliche Eskalationen sowie für mögliche Abbrüche ge auer in den Blick zu nehmen. Es geht darum, mehr Hineise zu erhalten, damit noch nicht ausreichende Strateien der Kinderund Jugendhilfe in diesem Bereich chlich weiterentwickelt werden können. Ihre erste Nachfrage, Frau Kollegin. Sie haben es eben schon ausgeführt, aber ich hätte erne die unterschiedlichen Zielgruppen noch einmal erutert bekommen. Auf der einen Seite sprechen Sie von männlichen Schwerststraftätern“, auf der anderen Seite on „allen Tätern mit Migrationshintergrund“. D Nein. So ist es hier aber formuliert. Gibt es da irgendeine ingrenzung? Letztere sind ja nicht alles Schwerststrafter. D Keineswegs. Es ist nicht die Rede von „allen Tätern it Migrationshintergrund“, so wie es Ihre Frage unter tellt. In der Drucksache ist nicht von „allen Tätern“ die ede. Doch, da steht „Täter mit Migrationshintergrund“. D Es werden Jugendliche in den Blick genommen, die chwerstgewalttäter sind, und Jugendliche mit Migraonshintergrund. Aus Letzteren wird die Tätergruppe usgewählt, die schwerstkriminell ist. Okay. Also auch bei denen mit Migrationshinter rund? D Ja, es ist aber nicht so, dass alle Jugendlichen mit Mirationshintergrund in den Blick genommen werden; ondern es werden schwerstkriminelle Jugendliche und ugendliche mit Migrationshintergrund in den Blick geommen, also nicht alle. )

Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713515200
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713515300
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713515400
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713515500
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713515600
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713515700
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713515800
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713515900
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713516000




(A) )


Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713516100

Gut, dann sehe ich das einfach nur als Mangel in der

Formulierung, habe es aber ansonsten verstanden.


Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713516200

Habe ich das richtig verstanden, dass das noch keine

zweite Frage war? Sie haben also noch eine Frage. Bitte
schön.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713516300

Vielen Dank, Herr Präsident! Das ist nett. – Könnten

Sie noch etwas dazu ausführen, wie die geplante Koope-
ration zwischen der Jugendhilfe und der Justiz aussehen
soll?

D
Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713516400


Welche Konsequenz daraus zu ziehen ist, kann ich Ih-
nen noch nicht sagen. Wir sind noch bei den Untersu-
chungen. Ich hatte bereits gesagt: Das Ganze hat am
1. Oktober dieses Jahres begonnen. Wir haben noch
nicht einmal Ende Oktober. Zu verlässlichen Aussagen
werden wir erst – ich habe die Jahreszahl bereits
genannt – im Jahr 2014 in der Lage sein; da müssen Sie
sich also noch ein bisschen gedulden. Vielleicht gibt es
Zwischenergebnisse, dann können wir uns darüber gerne
austauschen. Das Projekt befindet sich derzeit noch in
den Anfängen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich,
dass ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mehr dazu
sagen kann.


Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1713516500

Im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Fa-

milie, Senioren, Frauen und Jugend gibt es keine weite-
ren Fragen, sodass wir zum Geschäftsbereich des Bun-
desministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
kommen.

Zur Beantwortung steht der Parlamentarische Staats-
sekretär Dr. Andreas Scheuer zur Verfügung.

Die Fragen 20 und 21 des Abgeordneten Dr. Anton
Hofreiter, die Fragen 22 und 23 der Abgeordneten Tabea
Rößner, die Frage 24 der Abgeordneten Bettina
Herlitzius sowie die Fragen 25 und 26 des Abgeordneten
Gustav Herzog werden schriftlich beantwortet.

Ich rufe die Frage 27 der Abgeordneten Cornelia
Behm auf:

Wie will die Bundesregierung durch fortwährende Bau-
maßnahmen an der Elbe den Wassermangel beheben, und
welche Folgen hätte die während der Konferenz der Elbanlie-
ger-Handelskammern in Prag am 27. September 2011 in Aus-
sicht gestellte Neuklassifizierung der Elbe?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

D
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713516600


Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Frau Kollegin Behm, ich bedanke mich, dass Sie mit den
zwei Fragen zur Elbe noch ausgeharrt haben.

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(C (D Die Antwort ist wie folgt: Die Maßnahmen an der innenelbe beschränken sich auf Maßnahmen, die die chifffahrtsverhältnisse vor dem Hochwasser vom Auust 2002 wieder herstellen und erhalten. Dieses Konept geht konform mit dem sogenannten Modernisiengskonzept der Wasserund Schifffahrtsverwaltung. Für die Elbe sind derzeit durch das Konzept zur eustrukturierung des Netzes der Bundeswasserstraßen eine Auswirkungen erkennbar. Ihre erste Nachfrage. Herr Staatssekretär, vielen Dank für die Beantwor ng der Frage. Wie man dem Bericht zur Reform der asserund Schifffahrtsverwaltung vom April dieses ahres entnehmen konnte, gibt es Vorschläge des MVBS, die Elbe südlich von Lauenburg als Nebennetz it einem Gütertransport größer/gleich 1 Million Ton en einzuteilen. In der Übersicht über die Auswirkungen er Netzstruktur auf Ausbau, Unterhaltung und Betrieb eißt es in Hinblick auf das Nebennetz, dass bezüglich es Ausbaus eine „geringere Intensität“, bezüglich der ptimierungen eine „geringere Intensität“, bezüglich der erkehrsbezogenen Unterhaltung die „gleiche Intensität ie heute“ und bezüglich des verkehrsbezogenen Beiebs die „gleiche Intensität wie heute“ vorgesehen ist. Jetzt frage ich Sie: Was ist mit der „geringeren Intenität“ bei den ersten beiden Punkten, also beim „Ausau“ und bei den „Optimierungen“, gemeint? Laut Defiition beinhaltet der Ausbau im Vorrangnetz Baumaßnahmen …, die mit erheblichen Eingriffen verbunden sind und die Befahrbarkeit mit wesentlich größeren Fahrzeugen als bisher ermöglichen (z. B. … durchgehende Verbreiterung und Vertiefung einer Wasserstraße)

Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713516700
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713516800

D
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713516900

Frau Kollegin Behm, genau das ist der Hintergrund.
ir nehmen zum einen, beauftragt durch das Parlament,

ine Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung
or. Ausfluss des entsprechenden Diskussionsprozesses
t nicht nur die Verwaltungsreform, sondern auch die
nalyse der Netzstruktur. Die Elbe ist so kategorisiert
orden, wie Sie es gesagt haben, auch abgeleitet aus den
ütertransportmengen. Die Analyse, die durchgeführt
urde, wird von den Fachleuten als unkritisch betrach-
t. Im Verkehrsausschuss und auch hier in der Frage-

tunde ist intensiv darüber diskutiert worden; ich war
ingeladen, zweieinhalb Stunden lang zu diversen Fra-
en zur Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung
uskunft zu geben, was ich sehr gerne gemacht habe,
m so mehr Transparenz zu schaffen.

Bitte verwechseln Sie diese Kategorisierungen nicht
it den Maßnahmen zum Hochwasserschutz und den
odernisierungen, die wir jetzt in Angriff nehmen müs-

en, um die Elbe insoweit fit zu machen, dass wieder al-





Parl. Staatssekretär Dr. Andreas Scheuer


(A) )


)(B)

les dem Stand vor dem Hochwasser 2002 entspricht. Sie
gehen wohl insofern mit mir d’accord bzw. sind auch da-
ran interessiert, dass der umwelt- und klimafreundliche
Verkehrsträger Binnenschifffahrt zu stärken ist und
Hochwasserschutzmaßnahmen in der Art und Weise zu
ergreifen sind, dass die Bürgerinnen und Bürger vor ent-
sprechenden Ereignissen geschützt sind. Dazu braucht
man Baumaßnahmen.


Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713517000

Frau Kollegin Behm, Ihre weitere Zusatzfrage.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713517100

Ich denke, Hochwasserschutzmaßnahmen sind un-

strittig, wenn damit nicht in ein Flusssystem in der
Weise eingegriffen wird, dass ein frei fließender Fluss zu
einem nicht mehr frei fließenden Fluss, wie es die Elbe
ist, wird. Nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass Sie
versuchen, meiner schriftlich und meiner mündlich ge-
stellten Frage durch geschickte Formulierungen auszu-
weichen.

D
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713517200


Frau Kollegin Behm, niemals!


Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713517300

„Niemals“, ich weiß. Wir haben uns schon oft genug

an dieser Stelle getroffen.

Sie kennen das Papier des UBA „Die Elbe: Schiff-
fahrt und Ökologie im Einklang?“ vom Januar dieses
Jahres. Darin empfiehlt das UBA – das sind Fachleute,
die sich damit beschäftigt haben – eine „Eindämmung
der Tiefenerosion“, die es an verschiedenen Stellen der
Elbe gibt, „indem das Flussbett weniger durch Buhnen
eingeengt … wird.“ Ich frage Sie: Werden sich die Maß-
nahmen, die Sie im Bereich der Elbe im Interesse des
Hochwasserschutzes ergreifen werden, an diesen Emp-
fehlungen orientieren?

D
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713517400


Das UBA hat sehr viele Experten; wir haben sehr
viele Experten. Deswegen stimmen wir die Maßnahmen
ab. Sie gehen doch mit mir insofern d’accord, dass Maß-
nahmen, die dem Hochwasserschutz dienen, unterstüt-
zenswert sind. Ich weiß, dass Sie von der Fraktion Bünd-
nis 90/Die Grünen in der Verkehrspolitik andere
Ausbauziele als die christlich-liberale Koalition haben,
die den Logistikweltmeister Deutschland stärken möchte
und für leistungsfähige Verkehrsnetze sorgen will. Da-
rüber diskutieren wir ja intensiv im Verkehrsausschuss.

Fakt ist: Die Planungen zu Maßnahmen im Bereich
der Elbe basieren allein darauf, was notwendig ist, um
die Verhältnisse vor dem Hochwasser 2002 wieder her-
zustellen; diese Maßnahmen sind nun abzuarbeiten. Na-
türlich gibt es gerade bei einer Wasserstraße hohe Aufla-
gen; es gibt ökologische Begutachtungen und vieles
mehr. Wir haben natürlich die Meinungen der Experten,

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(C (D or allem der Experten im Hause des BMVBS, mit einezogen. Bei solchen Maßnahmen ist das unsere Pflicht. Vielen herzlichen Dank. Ich rufe die Frage 28 der Kollegin Cornelia Behm uf: Mit welchen konkreten Maßnahmen und in welchem Zeitraum will die Bundesregierung die vom Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann auf einer Konferenz der Elbanlieger-Handelskammern in Prag am 27. September 2011 gemachte Aussage, die Elbe solle bis zur tschechischen Grenze eine Fahrrinne von 1,60 Meter Tiefe erhalten und an 345 Tagen im Jahr befahrbar sein, angesichts der Tatsache, dass wiederholt aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Aussage gemacht wurde, diese Wassertiefe könne nicht sichergestellt werden, in die Realität umsetzen, ohne dabei den nach dem Elbehochwasser 2002 von der Bundesregierung gefassten Beschluss, Ausbaumaßnahmen und alle ausbauähnlichen Unterhaltungsmaßnahmen einzustellen, zu konterkarieren? Bitte schön, Herr Staatssekretär. D Frau Kollegin Behm, Sie beziehen sich auf eine Kon renz in Prag, an der mein Kollege Parlamentarischer taatssekretär Enak Ferlemann teilgenommen hat. Er sst Sie persönlich herzlich grüßen. Er ist gerade im aushaltsausschuss, daher stehe ich zur Beantwortung ur Verfügung. Die Bundesregierung hat das Ziel, die Fahrrinnenverältnisse für die Schifffahrt auf der Elbe, die vor dem ahr 2002 – Stichwort: Hochwasser – bestanden, wiedererzustellen. Das heißt konkret: Fahrrinnentiefen an urchschnittlich 345 Tagen im Jahr von 1,60 Metern wischen Geesthacht und Dresden und von 1,50 Metern wischen Dresden und der Grenze zur Tschechischen epublik. Dazu ist zum einen die Wiederherstellung von tromregelungsbauwerken erforderlich. Zum anderen ist in Bündel von Maßnahmen zur Sohlstabilisierung, welhe vor allem aus wasserwirtschaftlichen und ökologichen Gründen konzipiert wurden, umzusetzen. Diese werden Bestandteil des von BMVBS und BMU itiierten Gesamtkonzepts für die Elbe. Bevor weiterge ende Planungen hierzu aufgestellt werden, soll das Geamtkonzept für die Elbe mit allen Beteiligten entwickelt nd abgestimmt werden. Daher können zu den konkren Zeiträumen noch keine Angaben gemacht werden. it Blick auf Ihre eben gestellte zweite Zusatzfrage sage h: Natürlich gibt es ein Gesamtkonzept in Zusammen rbeit mit dem BMU. Ihre erste Nachfrage, Frau Kollegin Behm. Sie bestehen also auf der mutigen Zusage, dass an 45 Tagen im Jahr eine Wassertiefe von 160 Zentimetern ingehalten wird. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, Cornelia Behm )

Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713517500
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713517600
Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713517700
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713517800




(A) )

gibt es Buhnenbauwerke, also eine Einengung der Fahr-
rinne, um diese Wassertiefe zu gewährleisten.

In der Antwort der Bundesregierung auf Drucksache
17/6716 auf die Kleine Anfrage der Linken „Erhaltung
der Elbe“ vom August dieses Jahres schreibt die Bundes-
regierung:

… eine Mindesttiefe eines frei fließenden Flusses
wie der Elbe kann nicht garantiert werden, weil die
Mindesttiefe von den hydrologischen Bedingungen
des jeweiligen Jahres (Niederschläge) abhängt.

Im Jahr 2011, das noch nicht zu Ende ist – es war ein
sehr nasses Jahr; Sie werden sich daran erinnern, wenn
Sie an den Sommer denken –, wurde die Fahrrinnentiefe
von 1,60 Metern Tiefe bereits an 80 Tagen unterschrit-
ten. Ich frage mich: Mit welchen Maßnahmen wollen Sie
künftig sicherstellen, dass an 345 Tagen diese Wasser-
tiefe erreicht werden kann?

D
Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713517900


Frau Kollegin Behm, wenn ich das so sagen darf: Ich
glaube, Sie verwechseln die Reform der Wasser- und
Schifffahrtsverwaltung und damit die Einkategorisie-
rung der Netze mit den jetzigen Maßnahmen zur Erhal-
tung der Elbe, die dazu dienen, die Verhältnisse von vor
dem Hochwasser 2002 wiederherzustellen. Es ist unstrit-
tig, dass die Zweitgenannten – BMVBS und BMU – ein
Gesamtkonzept auflegen, um genau dies zu erreichen.

Ich unterstelle nicht, dass es schon jetzt erreicht wird.
Das Gesamtkonzept wird noch entwickelt, auch mit den
von Ihnen zitierten Fachleuten. Das wird in nächster Zeit
in Abstimmung – deshalb gab es die Konferenz in Prag –
mit unseren tschechischen Freunden erfolgen. Der tsche-
chische Verkehrsminister war unlängst zum Gespräch
mit Herrn Bundesminister Dr. Ramsauer in Berlin. Bei
der Gelegenheit wurde auch über dieses Thema gespro-
chen. Wie gewohnt, hat die Bundesregierung ein völlig
abgestimmtes Gesamtkonzept,


(Lachen der Abg. Katja Keul [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


das gilt auch für die Zusammenarbeit mit unseren Nach-
barn in der Tschechischen Republik.


Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713518000

Frau Kollegin Behm, Sie haben eine weitere Zusatz-

frage?


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713518100

Ja. – Herr Staatssekretär, Sie betonen immer wieder,

die Verhältnisse von vor 2002, also vor dem Elbehoch-
wasser, wiederherstellen zu wollen. Sie müssen aber
doch einkalkulieren, dass Sie das mit den Niederschlä-
gen nicht so regeln können, wie es manchmal wün-
schenswert wäre.

In diesem Zusammenhang möchte ich Folgendes an-
merken: Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf
eine Kleine Anfrage der Grünen zum Gesamtkonzept
Elbe – Drucksache 17/6874 – geschrieben:

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(C (D Die vorhandenen hydrologischen Daten an der Elbe der Zeitreihe 1961 bis 2008 lassen keine statistisch signifikanten Trends für eine Veränderung der Niedrigwasserextreme erkennen. Das gilt für die Zeit bis 2008. Ich frage: Ist der Bunesregierung bekannt, dass nach einer Untersuchung der ternationalen Kommission zum Schutz der Elbe, IKSE, om August dieses Jahres die Niedrigwasserstände an der lbe einen signifikanten Abwärtstrend aufweisen und ich daher die Probleme hinsichtlich der Schiffbarkeit der lbe verschärft haben? Welche Konsequenzen zieht die undesregierung daraus? D Frau Kollegin Behm, mich überrascht, dass Sie nach agen. Es geht um das verkehrspolitische Ziel, den umeltverträglichen und klimafreundlichen Verkehrsträger innenwasserstraße zu stärken. Aus der Region habe ich ehr viel Kritik aufgrund der Tatsache vernommen, dass ie Bundesregierung die Elbe nicht in die höchste Kateorie – Ausbau des Verkehrsweges – eingeordnet hat, ondern in die Kategorie „Erhalt der Verhältnisse“. Es eht um den wichtigen Zugang zu den Häfen an der ordsee, von wo aus die Güter in die Welt verschifft erden. Wenn ich mir vor Augen führe, dass ein Lastahn etwa 130 Lkw fassen kann, was bei Einhaltung des icherheitsabstands auf der Autobahn einer Länge von ,3 Kilometern entspricht, dann wird mir klar, welche öglichkeiten die Binnenwasserstraßen bieten. Natürlich schauen wir uns die Niederschlagsverhältisse an. Der Deutsche Wetterdienst, eine nachgeordnete ehörde des BMVBS, kann nicht steuern, wie viel Nieerschlag wir haben. Das maßen wir uns nicht an. Aber ir haben Zugriff auf die Daten bezüglich der Wasser traßen. Die Verhältnisse sind natürlich wetterabhängig. as Ziel muss aber sein – deswegen führen wir diese aßnahmen durch –, dass die Fahrrinnenverhältnisse an er Elbe wieder so werden wie vor dem Hochwasser 002, um mehr Möglichkeiten im Bereich des klimaeundlichen Verkehrsträgers Wasserstraße zu bekomen. Herzlichen Dank, Herr Staatssekretär. Wir verlassen un Ihren Geschäftsbereich. Alle Fragen zum Geschäftsbereich des Bundesminisriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erden schriftlich beantwortet. Es handelt sich um die ragen 29 bis 36. Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundesinisteriums für Bildung und Forschung. Hier ist es benso: Alle Fragen werden schriftlich beantwortet. Es andelt sich um die Fragen 37 bis 45. Auch alle Fragen zum Geschäftsbereich der Bundesanzlerin und des Bundeskanzleramtes werden schriftch beantwortet. Es handelt sich um die Fragen 46 is 48. Vizepräsident Eduard Oswald )

Cornelia Behm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713518200
Andreas Scheuer (CSU):
Rede ID: ID1713518300




(A) )

Im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Technologie ist das, wenn ich das richtig
sehe, ebenso. Es handelt sich um die Fragen 49 bis 62.

Damit kommen wir jetzt zum Geschäftsbereich des
Auswärtigen Amtes. Zur Beantwortung steht uns Frau
Kollegin Staatsministerin im Auswärtigen Amt,
Cornelia Pieper, zur Verfügung.

Ich rufe die Frage 63 des Kollegen Sönke Rix auf:
Was waren vor dem Hintergrund der letztjährigen Pro-

bleme bei der Finanzierung der dänischen und deutschen Min-
derheiten in Schleswig-Holstein und Sonderjylland die Ge-
sprächsinhalte sowie Positionen der dänischen Regierung und
Schlussfolgerungen der deutschen Bundesregierung nach dem
Gespräch des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Christoph
Bergner nach seinem Besuch in Kopenhagen am 10. August
2010, der in der Fragestunde am 7. Juli 2010 von der Staats-
ministerin Cornelia Pieper angekündigt wurde, und was wa-
ren die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeitsgruppe, die nach
einer telefonischen Verständigung vom 29. Juni 2010 zwi-
schen dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten
Peter Harry Carstensen und dem damaligen dänischen Regie-
rungschef Lars Lökke Rasmussen, nach den Worten der
Staatsministerin Cornelia Pieper in derselben Fragestunde,
eingerichtet werden sollte, um die finanziellen Grundlagen
der Minderheiten, auch der Minderheitsschulen, auf beiden
Seiten der Grenze zu dokumentieren?

Bitte schön.

C
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713518400


Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrter Herr Kol-
lege Rix, der Beauftragte der Bundesregierung für Aus-
siedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph
Bergner, führte am 10. August 2010 in Kopenhagen Ge-
spräche mit dem dänischen Innenminister Haarder und
den Staatssekretären Ahrenkiel und Grube aus der Staats-
kanzlei und dem Außenministerium. Hauptthema waren
die vom Bund und vom Land Schleswig-Holstein geplan-
ten Kürzungen der Mittel für die dänische und deutsche
Minderheit in den jeweiligen Haushalten 2011.

Bei den Gesprächen wurde vereinbart, einen Vertreter
der Bundesregierung als Beobachter in die zwischen
Dänemark und Schleswig-Holstein gebildete dänisch/
schleswig-holsteinische Arbeitsgruppe zur Behandlung
von Gleichstellungsfragen in der Finanzierung der Schu-
len der dänischen und der deutschen Minderheiten zu
entsenden. Der Bericht der gemeinsamen Arbeitsgruppe
ist auf der Internetpräsenz der Schleswig-holsteinischen
Landesregierung einsehbar.

Die Arbeitsgruppe hatte insbesondere zwei Aufgaben:
erstens die Beschreibung der historischen und politischen
Entwicklung der Bedingungen der dänischen und deut-
schen Minderheiten sowie der gesetzlichen Grundlagen
für den Betrieb für die dänischen und deutschen Minder-
heitenschulen und zweitens die Darlegung der Entwick-
lung der Zuschüsse und Einnahmen zum Schulbetrieb
– auch mit Blick auf die Entwicklung der Finanzierung
der sonstigen privaten und öffentlichen Schulen – für die
dänischen und deutschen Minderheiten jeweils in
Deutschland und Dänemark. Ziel der Arbeitsgruppe war
eine Analyse des ermittelten Istzustandes, nicht jedoch

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(C (D ie Erarbeitung konkreter Handlungsanweisungen für die eteiligten. Im Ergebnis waren sich die Vertreter beider Parteien inig, dass die Aufarbeitung der Fragen zu einem bessen gegenseitigen Verständnis der nur bedingt miteinan er vergleichbaren Systeme beigetragen hat. Ihre erste Nachfrage, Kollege Rix. Vielen Dank, Frau Staatsministerin. – Zunächst ein al habe ich die Frage, wie Sie diese Ergebnisse der Areitsgruppe bewerten. Vielen Dank für den Hinweis auf ie Internetseite. Aber welche Schlussfolgerungen für ie Praxis ziehen Sie aus den dort aufgeführten Ergebissen? C Herr Abgeordneter, ich freue mich sehr, dass Sie das uswärtige Amt mit diesen Fragen beschäftigen. Ich bentworte Ihre Frage sehr gern, will aber auch darauf hineisen, dass wir uns mit dem Bundesinnenministerium inig sind, dass aus unserer Sicht der Umgang mit der änischen Minderheit in Schleswig-Holstein ein Vorzeiemodell in Europa bezüglich des Umgangs mit Mindereiten ist. Sowohl der Herr Staatssekretär Bergner als uch ich werden zukünftig darauf achten, dass die echte von deutschen Minderheiten im Ausland, aber uch von Minderheiten hier in Deutschland anerkannt nd entsprechend ausgebaut werden. Ihre zweite Nachfrage. Bitte schön, Herr Kollege Rix. Ist die Kürzung der entsprechenden Mittel um ,5 Millionen Euro Ausdruck dieser Wahrnehmung der teressen, die Sie gerade erläutert haben? (Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Das ist alles relativ!)

Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713518500
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713518600
Sönke Rix (SPD):
Rede ID: ID1713518700
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713518800
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713518900

C
Sönke Rix (SPD):
Rede ID: ID1713519000

Herr Abgeordneter, ich möchte Sie darauf hinweisen

diese Fragen wurden mir schon einmal im Rahmen ei-
er Regierungsbefragung gestellt –, dass es sich bei den
,5 Millionen Euro um zusätzliche Zuschüsse handelt,
ie in der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses
r das Haushaltsjahr 2011 gewährt wurden. Sowohl der
eutsche Bundestag und das zuständige Ministerium als

uch das Auswärtige Amt – der Außenminister hat meh-
re Gespräche dazu mit dem dänischen Außenminister

nd auch mit der Staatskanzlei geführt; das wissen Sie –
aben sich dazu verpflichtet gefühlt, nachdem die Lan-
esregierung Schleswig-Holstein aufgrund von Spar-
wängen Mittel in der Bildungspolitik gekürzt hat; man
ann darüber streiten, ob das politisch sinnvoll ist oder
icht. Sie wissen, dass die Bundesregierung genau das





Staatsministerin Cornelia Pieper


(A) )


)(B)

nicht tut. Wir konsolidieren die Haushalte und investie-
ren gleichzeitig 12 Milliarden Euro in Bildung und For-
schung. Wir haben dadurch, glaube ich, den Weg eröff-
net, die dänische Minderheit an deutschen Schulen
weiter in gleicher Höhe zu fördern.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713519100

Vielen Dank. – Eine weitere Nachfrage unseres Kol-

legen Franz Thönnes.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713519200

Frau Staatsministerin, schönen Dank, dass Sie die

Fragen beantworten. Man könnte jedoch fragen, warum
nicht das zuständige Ministerium, in dem die Finanzmit-
tel ressortiert sind, hier antwortet. Gleichwohl möchte
ich zu den Finanzmitteln fragen. Sie haben gerade ge-
sagt, dass die Förderung in gleicher Höhe fortgesetzt
wird. Wie kommt es dann, dass im Haushaltsentwurf der
Bundesregierung für das Jahr 2012 die dänische Minder-
heit ausdrücklich nicht wiederum mit 3,5 Millionen Euro
gefördert werden soll, wie es im Haushalt 2011 der Fall
war? Wie ist das in Übereinstimmung zu bringen mit Ih-
ren Worten, dass in gleicher Höhe gefördert wird?

Jetzt stellt es sich so dar: Die CDU-geführte Landes-
regierung von Schleswig-Holstein hatte die Mittel ge-
kürzt, und die Bundesregierung ist im letzten Jahr beim
Haushalt 2011 eingesprungen. Aber im Haushalt 2012
ist dies nicht vorgesehen. Für die Betroffenen im däni-
schen Schulverein bedeutet dies, dass ihre Kinder im
Vergleich zu anderen schleswig-holsteinischen Kindern
nur zu 85 Prozent gefördert werden, obwohl ihre Eltern
als deutsche Staatsbürger genauso Steuerzahler sind wie
alle anderen Eltern in Schleswig-Holstein.

C
Franz Thönnes (SPD):
Rede ID: ID1713519300


Sehr geehrter Herr Abgeordneter Thönnes, ich kann
Ihre Aufregung in dieser Frage verstehen und will für die
Bundesregierung noch einmal ausdrücklich sagen, dass
Angelegenheiten der Bildungs-, Forschungs- und Wis-
senschaftsfinanzierung für uns höchste Priorität haben.
Ich will aber gerade Sie als Bundestagsabgeordneten da-
ran erinnern, dass dieses Hohe Haus mit einer Zweidrit-
telmehrheit zur Zeit der damaligen Großen Koalition,
also auch mit Stimmen der SPD, beschlossen hat, ein
Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der
Bildung im Grundgesetz zu verankern. Es steht dem
Bund nach der Verfassung nicht zu, in die Schulen bzw.
in den Bildungsbereich der Länder zu investieren. Wir
haben die Kulturhoheit der Länder im Grundgesetz ver-
ankert. Die Länder haben ihre Verantwortung in diesen
Fragen wahrzunehmen.

Ich nehme zur Kenntnis, dass sich die Landesregie-
rung Schleswig-Holstein aufgrund der besonderen finan-
ziellen Lage gezwungen sah, gerade an dieser Stelle zu
kürzen. Die Bundesregierung – das sage ich ausdrück-
lich – tut das in ihrem Haushalt nicht. Es handelte sich
im Haushalt 2011 übrigens um eine Überbrückungszah-
lung. Dazu sind wir laut Grundgesetz nicht verpflichtet;
das dürfen wir eigentlich gar nicht. Wie Sie wissen,

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(C (D urde diese Zahlung aus Projektmitteln des BMI finaniert und damit ausgeglichen. Aber das kann keine Daurlösung sein. Vielen Dank. – Jetzt rufe ich die Frage 64 unseres ollegen Sönke Rix auf: Hat die Bundesregierung mit der Landesregierung Schles wig-Holstein Gespräche über diese Problematik geführt, und welche Vorstellungen sind dabei entwickelt worden, wie eine verlässliche Förderung des dänischen Schulvereins in Schleswig-Holstein in 2012 und den folgenden Jahren erreicht werden kann? C Die Bundesregierung hat mit der Landesregierung chleswig-Holstein natürlich Gespräche über die Frage er Finanzierung der Minderheiten im deutsch-dänichen Grenzland geführt. Der Beauftragte der Bundesreierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderhein, Christoph Bergner, steht in engem Kontakt sowohl um Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtaes, Torsten Geerdts, als auch zu den Betroffenen selbst. nter anderem nahm der Beauftragte am 13. April 2011 n einer Sitzung des Gremiums des Schleswig-Holsteinichen Landtages für Fragen der deutschen Minderheit in ordschleswig teil, das zweimal jährlich unter der Leing des schleswig-holsteinischen Landtagspräsidenten gt. Die Weiterführung der Überbrückungszahlung des undes in Höhe von 3,5 Millionen Euro zur Förderung es dänischen Schulvereins und dessen finanzielle Situaon im Jahre 2012 waren Gegenstand einer Sondersitung des Beratenden Ausschusses für Fragen der dänichen Minderheit beim Bundesministerium des Innern m 29. Juni 2011 unter Leitung des Beauftragten. Dieem Gremium gehören sowohl Bundestagsabgeordnete us Schleswig-Holstein als auch Vertreter der dänischen inderheit und der Schleswig-Holsteinischen Landesre ierung an. Der Beauftragte legte dar, dass die Weiterführung der onderförderung des dänischen Schulvereins 2012 nur ann möglich sei, wenn der Förderbetrag an anderer telle im Einzelplan 06, dem Etat des Bundesministeums des Innern, eingespart würde. Dies sei bei einer umme von 3,5 Millionen Euro nicht darstellbar. In der itzung zeigte sich der dänische Schulverein für die berbrückungszahlung des Bundes im Jahr 2011 dankar, verlieh aber seiner Erwartung Ausdruck, dass das and Schleswig-Holstein seinen Verpflichtungen zur örderung der dänischen Schulen in Südschleswig in urprünglicher Höhe nachkommen solle. Ähnliches habe h eben zum Ausdruck gebracht. Vielen Dank. – Ihre erste Nachfrage, Kollege Rix. Kann ich also davon ausgehen, dass es in dieser Frage inen Dissens zwischen der Schleswig-Holsteinischen Sönke Rix )

Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713519400
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713519500
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713519600
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713519700




(A) )

Landesregierung und der Bundesregierung gibt, weil es
nach den Gesprächen nicht so aussieht, dass die Landes-
regierung die Zahlungsausfälle kompensieren wird?

C
Sönke Rix (SPD):
Rede ID: ID1713519800


Nein, das können Sie meinen Worten ganz sicher
nicht entnehmen, Herr Abgeordneter. Ich sehe eher den
Bedarf, dass sich dieses Hohe Haus erneut mit dem
Thema „Kooperationsverbot zwischen Bund und Län-
dern in der Bildung“ auseinandersetzt. Aufgrund der
haushaltspolitischen Notwendigkeiten, auch in den Bun-
desländern, wird es für strukturschwache Länder zu-
künftig nämlich schwerer sein, in Bildung, Forschung
und Wissenschaft zu investieren.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713519900

Sie haben eine weitere Zusatzfrage.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713520000

Der Hinweis auf das Kooperationsverbot ist das eine.

Das andere ist die Zusage in den Bonn-Kopenhagener
Erklärungen, in denen wir gesagt haben, dass die Bun-
desrepublik dafür geradesteht, dass es eine dementspre-
chende Förderung im Bereich der Minderheiten gibt.
Dieser Aufgabe müssen wir uns trotz des Kooperations-
verbotes weiterhin stellen. Wie bewerten Sie das, und
wann gibt es die Initiative der Bundesregierung zur Auf-
hebung des Kooperationsverbotes?

C
Sönke Rix (SPD):
Rede ID: ID1713520100


Sehr geehrter Herr Abgeordneter, ich will als Erstes
sagen, dass der Haushalt jetzt in den Händen des Bun-
destages – im Haushaltsausschuss – liegt. Sie kennen das
Verfahren vom letzten Jahr. Ich kann Sie hier als Vertre-
terin der Bundesregierung, die Ihnen Rede und Antwort
zu stehen hat, nur noch einmal auf das Haushaltsrecht
des Parlamentes hinweisen.

In der Tat kann ich nur bekräftigen, dass wir alles da-
ransetzen werden, die Empfehlungen des Europarates zu
den Minderheiten einzuhalten und auch umzusetzen.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713520200

Nun gibt es eine Nachfrage des Kollegen Ingbert

Liebing.


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713520300

Bei allem persönlichen Verständnis von meiner Seite

für diese Fragen – in meinem Wahlkreis wohnt die däni-
sche Minderheit – möchte ich die Bundesregierung fra-
gen, ob dies der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt
für eine Debatte über diese Fragen ist oder ob Sie meine
Einschätzung teilen, dass dieses Thema jetzt in erster Li-
nie in die Haushaltsberatungen des Parlaments und da-
mit in die Beratung der zuständigen parlamentarischen
Gremien gehört, nachdem die Regierung ihre Arbeit ab-
geschlossen hat und wir als Fraktionen im Haushaltsaus-
schuss und in den anderen parlamentarischen Gremien

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(C (D arüber mit Blick auf den Haushalt 2012 zu entscheiden aben. C Herr Abgeordneter, bei der Beantwortung der letzten rage habe ich bereits versucht, den Ball zurück ins Parment zu spielen. In der Tat sollten wir jetzt die parlaentarischen Beratungen und auch die Vorschläge abarten, die der Haushaltsausschuss unterbreiten wird. ann können die Parlamentarier noch selbst Initiativen rgreifen. Der Kollege Franz Thönnes hat hierzu auch noch eine achfrage. Bitte schön, Herr Kollege. (Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Das Thema ist noch nicht erschöpft! Man soll es kaum glauben!)

Ingbert Liebing (CDU):
Rede ID: ID1713520400
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713520500


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713520600

Frau Staatsministerin, Sie haben auf das Koopera-

onsverbot hingewiesen. Kann ich daraus entnehmen,
ass Sie der Auffassung sind, dass das Parlament und die
undesregierung bei der Förderung für das Jahr 2011
agegen und möglicherweise sogar auch gegen die Ver-
ssung verstoßen haben?

Herr Präsident, ich darf zumindest rhetorisch ein-
echten: Ist es nicht merkwürdig, dass der Beauftragte
er Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale
inderheiten permanent von der Staatsministerin zitiert
ird, wonach er dieses und jenes gemacht habe – er sitzt
eben ihr –, während das Innenministerium, in dem die
ittel ressortieren, jetzt nicht antworten kann? Das

bernimmt das Außenministerium, obwohl wir nach der
örderung der dänischen Minderheit in Deutschland und
amit nach etwas fragen, was in unserem Land ge-
chieht.

C
Franz Thönnes (SPD):
Rede ID: ID1713520700

Sie wissen, dass die Bundesregierung harmonisch zu-

ammenarbeitet.


(Lachen bei der SPD)


eswegen habe ich kein Problem damit, zu antworten,
uch wenn die Fragen in die Zuständigkeit des BMI fal-
n. Es macht mir regelrecht Freude, dass die Abgeord-
eten derartige Fragen stellen, weil wir uns durchaus be-
usst sind, dass Investitionen in die Bildung, in die
öpfe junger Menschen, das Wichtigste sind, was uns
r die Zukunft unseres Landes beschäftigen sollte. Das

ringen Sie auch mit Ihren Fragen zu der dänischen Min-
erheit zum Ausdruck. Ich glaube, mein Kollege
ergner wäre überhaupt nicht abgeneigt, sich auch zu
iesen Themen zu äußern, wenn Sie das denn wünschen.
er Präsident müsste ihm dazu das Wort erteilen. Das
abe nicht ich zu entscheiden.

Sie wissen, dass wir im haushalterischen Verfahren
r den Haushalt 2011 einen Weg gefunden haben, dem





Staatsministerin Cornelia Pieper


(A) )


)(B)

dänischen Schulverein ordnungsgemäß über Zuschüsse
im Rahmen einer Projektfinanzierung zu helfen. Das ge-
schah nach Recht und Gesetz und hat dem Grundgesetz
nicht widersprochen.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713520800

Vielen Dank. – Ich werde auf diesen Punkt noch ein-

mal zurückkommen; denn der Kollege Franz Thönnes
hat ja die Fragen 69 und 70 gestellt. Dort können wir der
Bundesregierung die Möglichkeit zur zusätzlichen Be-
antwortung geben.

Die Fragen 65 und 66 der Kollegin Hiller-Ohm sowie
die Fragen 67 und 68 des Kollegen Rossmann werden
schriftlich beantwortet.

Wir kommen zu der Frage 69 des Kollegen Franz
Thönnes, die ich gerade schon angekündigt habe:

Wird durch die Weigerung der Bundesregierung, die För-
derung des dänischen Schulvereins in 2012 im gleichen Maß
wie 2011 fortzusetzen, nicht das deutsche außenpolitische In-
teresse vernachlässigt, und werden dadurch nicht die deutsch-
dänischen Beziehungen belastet, wenn der Bundesminister
des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich, auch im Namen von
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in seinem Schreiben vom
23. September 2011 an den Präsidenten des Schleswig-Hol-
steinischen Landtages, Torsten Geerdts, noch formulierte,
dass die 2011 erfolgte zusätzliche Bereitstellung von 3,5 Mil-
lionen Euro für den dänischen Schulverein „ausschließlich
dem außenpolitischen Interesse geschuldet“ war, „um die
deutsch-dänischen Beziehungen nicht weiter zu belasten“?

Bitte, Frau Staatsministerin.

C
Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713520900


Vielen Dank, Herr Präsident. – Herr Kollege
Thönnes, die Förderung von Schulen ist grundsätzlich
Angelegenheit der Länder. Das habe ich hier schon er-
wähnt. Wie ich in den Antworten auf die Fragen Ihres
Kollegen Rix bereits darlegte, handelt es sich bei der
Überbrückungszahlung an den dänischen Schulverein
2011 um eine einmalige Förderung aufgrund übergeord-
neter Interessen, nämlich um Raum für eine dauerhafte
Lösung zu schaffen. Eine Dauerförderung des dänischen
Schulvereins aus Bundesmitteln ist nicht beabsichtigt.

Die deutsch-dänischen Beziehungen sind ausgespro-
chen gut, solide und belastbar. Gleichwohl wurden die
schleswig-holsteinischen Kürzungen beim dänischen
Schulverein auf dänischer Seite als Verschiebung der fi-
nanziellen Ausgewogenheit und gemeinschaftlichen Fi-
nanzierung der Minderheiteneinrichtungen im deutsch-
dänischen Grenzland wahrgenommen und thematisiert.
Sowohl der Bund als auch das Land Schleswig-Holstein
sind um den Erhalt der ausgesprochen guten und freund-
schaftlichen deutsch-dänischen Beziehungen bemüht.
Allerdings wird im Zuge der allgemeinen Haushaltskon-
solidierung auch ein Beitrag der Minderheiten zu erbrin-
gen sein.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713521000

Ihre erste Nachfrage, Kollege Thönnes.

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(C (D Danke schön, Herr Präsident. – Herzlichen Dank, rau Staatsministerin, für die Beantwortung. Nun ist es o, dass sich seitens der Schleswig-Holsteinischen Lanesregierung die Kürzung für 2011 in der Größenordung von 4,7 Millionen Euro bewegt hat und der Bund 011 mit 3,5 Millionen Euro versucht hat, einen Teil daon aufzufangen. Darüber reden wir. Dass aber dann am 23. September der Bundesinneninister, Herr Dr. Friedrich, auch im Namen von Bun eskanzlerin Angela Merkel an den Präsidenten des chleswig-Holsteinischen Landtages geschrieben hat, ass die 2011 erfolgte zusätzliche Bereitstellung von ,5 Millionen Euro „ausschließlich dem außenpolitichen Interesse geschuldet“ war, um die deutsch-dänichen Beziehungen nicht weiter zu belasten, veranlasst och auch angesichts Ihrer jetzigen Aussage, dass man onsolidieren muss und dass dazu Beiträge geleistet erden sollen, zu der Frage, ob man dann, wenn für 012 kein Ausgleich für die fehlenden 3,5 Millionen uro erfolgt, aus den Aussagen des Bundesinnenminisrs in diesem Brief – auch im Namen der Kanzlerin – chließen kann, dass die deutsch-dänischen Beziehungen elastet werden und dass man das außenpolitische Intesse nicht so berücksichtigt, wie man das 2011 gemacht at. C Sie können davon ausgehen, Herr Abgeordneter hönnes, dass ich es außerordentlich begrüße, dass Bunesinnenminister Friedrich zum Ausdruck gebracht hat, ass unsere Beziehungen zu Dänemark und auch zur däischen Minderheit vorbildlich in Europa sind. Weil wir atürlich in diesem Zusammenhang die finanziellen Proleme gesehen haben, ist die Bundesregierung in 2011 ktiv geworden. Sie haben diesem Antrag, die 3,5 Milonen Euro bereitzustellen, soweit ich weiß, im Parlaent zugestimmt. Ich will Sie nur darauf hinweisen, dass es haushaltschtlich nicht möglich ist, eine Dauerförderung für eine ufgabe einzurichten, die nicht Aufgabe der Bundesreierung, sondern originäre Aufgabe des Landes Schlesig-Holstein ist. Nun weiß ich natürlich, dass Schlesig-Holstein einen Haushalt für zwei Jahre beschlossen at und dass sich für 2012 keine Mittel mehr einstellen ssen. Deswegen will ich den Ball noch einmal zurück pielen und auf das hinweisen, was der Kollege von der nion vorhin zum Ausdruck gebracht hat. Ich sehe als ußenpolitikerin durchaus die Perspektive, dass man em dänischen Schulverein auch im Haushalt 2012 hilft. h sage aber ganz klar: Die Haushaltsberatungen laufen. s obliegt nicht mir als Vertreterin der Bundesregierung, tzt aktiv zu werden. Herr Thönnes, Sie haben eine weitere Zusatzfrage. itte schön. )

Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713521100
Franz Thönnes (SPD):
Rede ID: ID1713521200
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713521300




(A) )


Eduard Oswald (CSU):
Rede ID: ID1713521400

Wie die Entwicklung zeigt, hat sich in den vergange-

nen Jahren aufgrund der Reduzierungen der Förderung
durch die Schleswig-Holsteinische Landesregierung und
auch durch die Bundesregierung, was die deutsche Min-
derheit in Dänemark angeht, ein zunehmend ungleiches
Verhältnis zwischen den Förderanteilen des Landes Dä-
nemark gegenüber der dänischen Minderheit in Deutsch-
land und der deutschen Minderheit in Dänemark erge-
ben. Können Sie angeben, auf welche Größenordnung
Sie die Verschiebung dieses Verhältnisses beziffern? Ich
denke, es lag früher in der Größenordnung von 55 Pro-
zent Dänemark gegenüber 45 Prozent Deutschland. Das
hat sich in den letzten Jahren mit Sicherheit erheblich
verschlechtert. Wie bewertet die Bundesregierung diese
Verschlechterung?

C
Franz Thönnes (SPD):
Rede ID: ID1713521500


Ich würde die Frage gerne ausführlich beantworten,
aber ich glaube, dass mir der Signalton des Herrn Präsi-
denten dazwischenkommt.

Sie haben recht, Herr Abgeordneter: Die dänische Re-
gierung hat in ihren Haushaltsberatungen für 2011 be-
schlossen, die Förderung der Schulen der deutschen
Minderheit in Nordschleswig auf 100 Prozent des Schü-
lerkostensatzes zu erhöhen und damit die volle Einhal-
tung der Gleichbehandlung gegenüber den deutschen
Minderheitenschulen gemäß dem Gleichstellungsprinzip
zu sichern.

Vorher hatte bereits die Bundesregierung beschlossen,
die Förderung der deutschen Minderheit in Nordschles-
wig zu kürzen. Die Entscheidung zur Kürzung der Zu-
wendung des Bundes an die Nordschleswiger im Sozial-
titel um 500 000 Euro und im Investitionstitel um 200 000
Euro ist im Frühjahr 2010 gefallen. Auf die Forderung ei-
ner Beibehaltung der seinerzeit für zwei Jahre vorgesehe-
nen Erhöhung des Sozialtitels um 800 000 Euro ist der
Bund nicht eingegangen. Im Rahmen der Bereinigungs-
gespräche zum Haushalt 2011 im November letzten Jah-
res hat der Haushaltsausschuss den Sozialtitelansatz aber
wieder um 500 000 Euro erhöht, also ausgeglichen. Die
Förderungen aus den Mitteln des Kulturstaatsministers
sind im Übrigen für 2011 gleich geblieben.

Ich will als Letztes darauf hinweisen, dass nach einem
Schreiben des Bundestagsabgeordneten Herrn Brackmann
von der CDU/CSU-Fraktion an Herrn Bundesminister
Westerwelle eine weitere Finanzierungslücke für den
BDN aus Mitteln des Goethe-Instituts gedeckt worden
ist. Wir haben also hier die Mittel nicht gekürzt, sondern
aufgestockt.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713521600

Wir kommen dann zur Frage 70 des Kollegen

Thönnes:
Hat das Thema Minderheitenförderung nach der Bundes-

haushaltsaufstellung 2011 bei Kontakten zwischen Vertretern
der deutschen und der dänischen Regierung oder bei dem Be-
such von Staatsminister Dr. Werner Hoyer am 14. Oktober
2011 beim neuen dänischen Europaminister in Kopenhagen
eine Rolle gespielt, und, wenn ja, wie sieht die dänische Re-

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(C (D gierung diese Problematik, und hat man sich dort auf Initiativen oder Maßnahmen verständigt? Bitte, Frau Staatsministerin. C Lieber Kollege Thönnes, ich beantworte die Frage 70 ie folgt: Bei dem Besuch des Staatsministers im Ausärtigen Amt, Dr. Werner Hoyer, am 14. Oktober 2011 Kopenhagen hat der dänische Europaminister Nicolai ammen die Gleichstellung der Schüler des dänischen chulvereins im Schulgesetz von Schleswig-Holstein in llgemeiner Form angesprochen. Die dänische Regieng fordert grundsätzlich die Gleichstellung der Schüler es dänischen Schulvereins im Schulgesetz des Landes chleswig-Holstein. Sie haben das Wort zur ersten Nachfrage. Herzlichen Dank, Frau Staatsministerin. – Dann lautet eine erste Nachfrage: Wie lautete denn die Antwort on Herrn Staatsminister Hoyer auf das Interesse des däischen Europaministers? C Ich habe an dem Gespräch zwischen Staatsminister oyer und Europaminister Wammen nicht teilgenomen, aber ich kann Ihnen zumindest sagen, dass man ich in dieser Sache nicht auf neue Initiativen verständigt at. Ich will aber gerne zur Aufklärung beitragen. Ich eiß, dass eine unterschiedliche Behandlung von däni chen Ersatzschulen bzw. Privatschulen im Vergleich zu eutschen staatlichen Schulen bzw. Privatschulen immer ieder ins Gespräch gebracht wird. Sie kennen die Ge etzgebung von Schleswig-Holstein, des Bundeslandes, us dem Sie kommen, wahrscheinlich sehr gut und wisen, dass es sich bei den Schulen der dänischen Mindereit in der Tat nach dem Gesetz um Ersatzschulen, also rivatschulen, handelt, die zu 85 Prozent bezuschusst erden. Gleichwertige deutsche Schulen werden nur zu 0 Prozent bezuschusst. Das heißt, eigentlich werden die chulen der Minderheit im Vergleich zu deutschen Priatschulen bessergestellt. Das Missverständnis ist daraus ntstanden, dass die dänische Regierung, soweit ich eiß, gerne möchte, dass die Schulen der dänischen inderheit mit den staatlichen Schulen im Schulsystem leichgestellt und mit 100 Prozent bezuschusst werden. as würde allerdings die deutschen privaten Schulen in eier Trägerschaft benachteiligen. Ihre zweite Nachfrage, bitte. Nun ist es ja so, dass an dieser Stelle die dänische inderheit von einer Kürzung betroffen wurde. In der Franz Thönnes )

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713521700
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713521800
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713521900
Franz Thönnes (SPD):
Rede ID: ID1713522000
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713522100
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713522200




(A) )

Vergangenheit war die deutsche Minderheit von Kürzun-
gen seitens der Bundesregierung betroffen. Für das Jahr
2012 bleibt nominal der gleiche Betrag für Förderungen
der deutschen Minderheit in Dänemark wie 2011.
Gleichwohl entsteht die Situation, wie in der Vergangen-
heit auch, dass die deutsche Minderheit aufgrund der Ta-
rifsteigerungen in Dänemark an die 200 000 Euro auf-
wenden muss, um das Lehrpersonal zu bezahlen. Diese
sind in der Förderung, die sie bekommt, nicht einge-
preist. Das heißt, dass für die eigentliche Arbeit
200 000 Euro weniger vorhanden sind. Kommt das nicht
auch einer Kürzung gleich, weil dies von der Bundesre-
gierung nicht aufgefangen wird?

C
Franz Thönnes (SPD):
Rede ID: ID1713522300


Herr Abgeordneter, ich möchte Sie noch einmal da-
rauf hinweisen, dass wir die Probleme des Bundeslandes
Schleswig-Holstein nicht hier im Deutschen Bundestag
diskutieren können.


(Franz Thönnes [SPD]: Das ist Ihr Problem!)


– Nein.


(Franz Thönnes [SPD]: Entschuldigung! Deutsche Minderheit in Dänemark ist eine Frage der Förderung des Bundes, nicht des Landes Schleswig-Holstein!)


– Sie haben mich gerade nach den Lehrergehältern ge-
fragt.


(Franz Thönnes [SPD]: Ja!)



Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713522400

Wir sind jetzt in der Fragestunde und treten nicht in

einen Dialog ein. Es tut mir leid.


(Franz Thönnes [SPD]: Ich bitte um Nachsicht, Frau Präsidentin!)


C
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713522500


Ich will darauf hinweisen, Frau Präsidentin, Herr
Thönnes, dass wir die entsprechenden Haushaltstitel
nicht gekürzt haben. Ich sage das noch einmal: Die
3,5 Millionen Euro waren eine Überbrückungsförde-
rung. Was die Finanzierung des dänischen Schulvereins
anbelangt, können wir keine dauerhafte Förderung ein-
richten. Ich betone ausdrücklich, dass bei den Haushalts-
titeln für die deutsche Minderheit, die sich insbesondere
im Etat des Kulturstaatsministers Neumann wiederfin-
den, nicht gekürzt worden ist, sondern sie in gleicher
Höhe von der Bundesregierung wieder eingestellt wur-
den.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713522600

Zu einer weiteren Nachfrage hat der Kollege Liebing

das Wort.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713522700

Frau Staatsministerin, Sie haben die Erwartungshal-

tung der dänischen Staatsregierung nach rechtlicher

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(C (D leichstellung der Schüler der dänischen Schulen im chleswig-holsteinischen Schulgesetz zitiert. Die rechtlihe Gleichstellung im schleswig-holsteinischen Schulesetz ist die Erwartungshaltung auch des Dansk Skolerening. Wenn das die Position ist, ist es dann richtig, ass diese Position und die Erwartungshaltung der dänichen Staatsregierung weder durch die Bundesregierung och durch den Bundestag erfüllt werden können, sonern ausschließlich durch den Schleswig-Holsteinischen andtag als Landesgesetzgeber des schleswig-holsteinichen Schulgesetzes? C Das ist richtig, Herr Abgeordneter. Die Fragen 71 und 72 der Kollegin Bettina Hagedorn erden schriftlich beantwortet. Ich rufe die Frage 73 des Kollegen Klaus Barthel auf: Welche Kenntnisse besitzt die Bundesregierung über die laut aktuellen Presseberichten geplante Lieferung französischer Tarnkappen-Fregatten an Griechenland, und seit wann besitzt sie diese gegebenenfalls? Bitte, Frau Staatsministerin. C Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Abgeordneter arthel ist zugegen. Wie gut! Ich hatte Sie eben noch icht gesehen. Wegen des engen Sachzusammenhanges möchte ich erne die Fragen 73 und 74 zusammen beantworten. Dann rufe ich auch die Frage 74 des Kollegen Klaus arthel auf: Wie will die Bundesregierung ausschließen, dass deutsche Steuermittel direkt oder indirekt für die Lieferung französischer Tarnkappen-Fregatten an Griechenland mit aufkommen, und gibt es Bestrebungen seitens der Bundesregierung, auf europäischer Ebene gegen das angeblich geplante Geschäft vorzugehen? C Der Bundesregierung sind die langjährigen französi chen Bemühungen bekannt, Fregatten des in Rede steenden Tarnkappentyps FREMM an Griechenland zu erkaufen. Die Verhandlungen wurden jedoch nach enntnis der Bundesregierung Anfang 2010 beendet zw. ohne Datum vertagt. Von einer aktuell geplanten ieferung oder von aktuellen Vertragsverhandlungen ist er Bundesregierung nichts bekannt. Entsprechende ressemeldungen können nicht bestätigt werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich aus Sicht der Bunesregierung derzeit die in Ihrer zweiten Frage aufgerachte Problematik der Verwendung deutscher Steuerittel für das von Ihnen erwähnte Geschäft nicht. )

Ingbert Liebing (CDU):
Rede ID: ID1713522800
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713522900
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713523000
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713523100
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713523200




(A) )


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713523300

Ihre erste Nachfrage.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713523400

Dann habe ich jetzt vier Nachfragen, wenn ich das

richtig sehe.


Klaus Barthel (SPD):
Rede ID: ID1713523500

Natürlich.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713523600

Die erste Nachfrage lautet: Ist denn dieser Zustand

des Nichtwissens der Bundesregierung vor dem Hinter-
grund der Tatsache, dass gleichzeitig Medienberichte er-
scheinen, und im Zuge dessen, dass wir in der EU einen
Gemeinsamen Standpunkt betreffend Rüstungsexporte
sowie eine Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
haben, für die Bundesregierung befriedigend?

C
Klaus Barthel (SPD):
Rede ID: ID1713523700


Herr Abgeordneter, als Erstes möchte ich sagen, dass
die Bundesregierung ihre Arbeit nicht auf die Berichter-
stattung in namhaften Nachrichtenmagazinen aufbauen
kann, denen Sie diese Information entnommen haben.
Ich kann Ihnen nur bestätigen, dass wir bei allen zustän-
digen Stellen – auch Auslandsvertretungen – nachge-
fragt haben und die Antwort, die ich Ihnen gegeben
habe, die reelle ist.

Als Zweites will ich aber auch Folgendes sagen: Eine
unmittelbare Pflicht der Unterrichtung über die Beschaf-
fung von Rüstungsgütern durch die EU-Partner existiert
nicht. Der öffentliche Jahresbericht der EU gemäß Art. 8
Abs. 2 des Gemeinsamen Standpunktes 2008/944/GASP
des Rates betreffend gemeinsame Regeln für die Kon-
trolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und Militärgü-
tern enthält Informationen über die von den EU-Partnern
erteilten Genehmigungen – nicht aber über tatsächliche
Vertragsabschlüsse – für Ausfuhren in andere EU-Mit-
gliedstaaten, jedoch nur in aggregierter Form.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713523800

Es mag ja sein, dass es im Moment noch nicht so ist.

Aber ich habe meine Frage ja vor dem Hintergrund der
aktuellen Situation gestellt. Betrachten wir zum Beispiel
diesen Fall, über den in den Medien berichtet worden ist.
Nehmen wir einmal an, dass da etwas dran ist, oder neh-
men wir an, es gäbe vergleichbare Fälle. Ist denn der
Zustand, dass es diese Nichtinformation und dieses
Nichtwissen gibt, angesichts der Problemlage für die
Bundesregierung befriedigend, und wie würden Sie ei-
nen solchen Vorgang bewerten, wenn er den Tatsachen
entspräche? Es muss ja etwas dran sein, wenn schon
2010 Verhandlungen stattgefunden haben.

C
Klaus Barthel (SPD):
Rede ID: ID1713523900


Die Bundesregierung kann spekulative Äußerungen
überhaupt nicht bewerten. Das werden wir uns auch

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(C (D icht anmaßen. Diese Qualität der Arbeit möchten wir nen auch nicht zumuten. Ich kann nur noch einmal bekräftigen: Die Deutschen otschaften in Athen und Paris haben auch nach Konkten zur französischen bzw. zur griechischen Regieng keine Bestätigung für das erwähnte Geschäft mit REMM-Fregatten erhalten. Ihre nächste Nachfrage, bitte. Dann muss ich noch einmal andersherum fragen. Wie an den Presseberichten entnehmen kann, bin ich nicht er Einzige, der sich dafür interessiert. Auch Abgeordete der Koalition haben angekündigt, dieser Sache achzugehen. Das Ganze ist auch vor dem Hintergrund er hier vor wenigen Stunden geführten Diskussion über ie europäische Situation der Staatsverschuldung intessant. Ein solcher Vorgang kann doch eine Bundesregierung icht kaltlassen. Gibt es denn eine generelle Haltung und in kritisches Bewusstsein gegenüber solchen Vorgänen? Nehmen wir einmal an, es geht an dieser Stelle um rößere Rüstungsbeschaffungen zum Beispiel Griechennds, die teilweise vielleicht durch ein anderes EU-Mitliedsland finanziert werden, aber auf jeden Fall auch urch das hochverschuldete Land Griechenland mitzunanzieren sind. Gibt es denn hier ein kritisches Beusstsein und eine Sensibilität der Bundesregierung? C Es gibt in der Tat eine Sensibilität der Bundesregie ng für alles, was uns zurzeit im Zusammenhang mit riechenland und auch im Zusammenhang mit der Eurorise beschäftigt. Herr Abgeordneter, Sie haben auch gefragt, ob die undesregierung es für verantwortbar hält, dass Griehenland vor dem Hintergrund des zukünftigen Einsates von Steuermitteln für die EFSF weiterhin solche eschäfte tätigt. Ich will in diesem Zusammenhang Folendes erwähnen: Die Troika legt im Benehmen mit den riechischen Behörden gesamtstaatliche Einsparungsiele fest. Der Anteil des griechischen Verteidigungsaushalts am Bruttoinlandsprodukt beträgt im Jahr 2011 ,16 Prozent. Nach Kenntnis der Bundesregierung weren in 2011 rund 50 Prozent der Mittel zur Bezahlung on Außenständen aus alten Verträgen genutzt. Die verleibenden Mittel gehen überwiegend in die Erhaltung es vorhandenen Materials. Die diesbezüglichen Zahlen esagen, dass keine neuen Bestellungen vorgenommen erden können. Frau Staatsministerin, nach meinen Informationen hat riechenland einen im Vergleich zu seinen wirtschaftlihen Möglichkeiten überproportionalen Rüstungshausalt. Da die Troika und die Bundesregierung ständig ruck auf die griechische Regierung ausüben, Haus Klaus Barthel )

Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713524000
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713524100
Klaus Barthel (SPD):
Rede ID: ID1713524200
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713524300




(A) )

haltskonsolidierung zu betreiben, und bis ins Detail Vor-
schriften betreffend arbeitsrechtliche Beziehungen, den
öffentlichen Dienst und Privatisierungen gemacht wer-
den, stellt sich die Frage: Macht man solche Vorgaben
auch in Bezug auf den Rüstungshaushalt, und ist die
Bundesregierung bereit, sich für eine Ausgabenreduzie-
rung im Zuge der Haushaltssanierung in verschuldeten
EU-Staaten einzusetzen?


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Da muss man die Troika fragen!)


C
Klaus Barthel (SPD):
Rede ID: ID1713524400


Herr Abgeordneter, ich möchte Sie noch einmal da-
rauf hinweisen, dass nicht die Bundesregierung, sondern
die Troika, bestehend aus Vertretern des Internationalen
Währungsfonds, der Europäischen Union und der Euro-
päischen Zentralbank, im Benehmen mit den griechi-
schen Behörden gesamtstaatliche Einsparziele festlegt.
Die griechische Regierung macht sodann ihrerseits in
Wahrnehmung ihrer Souveränität und unter Beachtung
der Budgethoheit des griechischen Parlaments Vor-
schläge, wie diese Ziele zu erreichen sind. Wie Sie wis-
sen, existieren Instrumente zur Festlegung spezifischer
Einsparziele derzeit nicht. Das heißt, die Troika kann
nicht diktieren, auf welche Weise Einsparungen zu erzie-
len sind.


Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1713524500

Damit sind die vier Nachfragemöglichkeiten er-

schöpft.

Die Fragen 75 und 76 des Kollegen Dr. Rolf
Mützenich werden schriftlich beantwortet. Dies gilt auch
für die Frage 77 des Kollegen Memet Kilic.

Herzlichen Dank, Frau Staatsministerin.

Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesministe-
riums des Innern auf. Zur Beantwortung steht der Parla-
mentarische Staatssekretär Dr. Christoph Bergner zur
Verfügung.

Die Frage 78 des Kollegen Memet Kilic wird schrift-
lich beantwortet.

Ich rufe die Frage 79 des Kollegen Lars Klingbeil auf:
Welche Gespräche hat es seitens der Bundesregierung

oder seitens der Ermittlungs- oder Strafverfolgungsbehörden
des Bundes mit Skype und anderen VoIP-Anbietern zur Zu-
sammenarbeit und der Ermöglichung der rechtmäßigen Tele-
kommunikationsüberwachung gegeben, und zu welchem Er-
gebnis sind diese gekommen?

Bitte, Herr Staatssekretär.

D
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713524600


Herr Kollege Klingbeil, ich beantworte Ihre Frage
wie folgt: Das Bundeskriminalamt hat im Dezember
2010 Gespräche mit dem Leiter der Kontaktstelle für die
Strafverfolgung bei der Firma Skype geführt. Von die-
sem wurde mitgeteilt, dass Skype keine Kommunika-
tionsinhalte zur Verfügung stellen kann. Kommunika-
tionsinhalte unverschlüsselter VoIP-Dienste können über

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(C (D ie klassische Telekommunikationsüberwachung zuänglich gemacht werden. Hier besteht kein Anlass zur ontaktaufnahme. Bei Anbietern verschlüsselter VoIPienste hat sich mit Ausnahme von Skype bisher keine chliche Notwendigkeit einer Kontaktaufnahme erge en. Ihre erste Nachfrage, Herr Klingbeil. Herzlichen Dank für die Antwort. – Gestatten Sie mir lgende Nachfrage: Sie haben gesagt, es habe Gesprähe gegeben und Skype habe deutlich gemacht, man erde keine Gesprächsinhalte übermitteln. Ist der Bunesregierung denn bekannt, dass es Aussagen gibt, woach in anderen europäischen Ländern eine solche Zuammenarbeit stattfindet? D Unabhängig von der Lage in anderen europäischen ändern kann ich in diesem Zusammenhang nur auf die den Gesprächen gegebene Auskunft und das Verhandngsergebnis verweisen. Ich mache darauf aufmerksam das ist bereits Gegenstand meiner Antwort auf Ihre ächste Frage –, dass die Grenzen, die sich für Skype ereben, technisch plausibel sind, was die Weitergabe von ommunikationsinhalten im Rahmen dieser speziellen onstellation angeht. Insoweit müsste ein gewisses Ver tändnis für die Lage von Skype bestehen. Ihre zweite Nachfrage. Sie haben gerade von technischen Grenzen gespro hen. Können Sie mir bitte kurz erläutern, welche techischen Grenzen Skype angedeutet hat? D Es gibt für die Übermittlung im Netz ganz unter chiedliche Wege, die im Grunde nicht ohne Weiteres efiniert werden können. Das heißt, Skype ist häufig gar icht Herr der Inhaltsdaten, die über Skype übermittelt erden. Dann kommen wir jetzt zur Frage 80 des Kollegen lingbeil: Wie bewertet die Bundesregierung – vor dem Hintergrund, dass es in der Datenschutzerklärung von Skype wörtlich heißt, dass „Skype, der örtliche Skype-Partner oder der Betreiber bzw. Anbieter, der die Kommunikation ermöglicht … personenbezogene Daten, Kommunikationsinhalte oder Verkehrsdaten Justiz-, Strafvollzugsoder Regierungsbehörden zur Verfügung fordern“ – die Aussage des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Ole Schröder in der Fragestunde vom 19. Oktober 2011 Bundesregierung dies geprüft und festgestellt habe, dass es keine Alternativen zur Quellen-TKÜ gebe, und wie begründet sie diese Feststellung? Vizepräsidentin Petra Pau )

Dr. Christoph Bergner (CDU):
Rede ID: ID1713524700
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713524800
Lars Klingbeil (SPD):
Rede ID: ID1713524900
Dr. Christoph Bergner (CDU):
Rede ID: ID1713525000
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713525100
Lars Klingbeil (SPD):
Rede ID: ID1713525200
Dr. Christoph Bergner (CDU):
Rede ID: ID1713525300

(vergleiche Plenarprotokoll 17/132, 15589 B), derzufolge die





(A) )

Bitte, Herr Staatssekretär.

D
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713525400


Der Telekommunikationsdienst Skype bietet Telefon-
dienste über das Internet an, die entweder unmittelbar
zwischen zwei internetfähigen Endgeräten oder zwi-
schen einem internetfähigen Endgerät und herkömmli-
chen Telefonanschlüssen, also Mobiltelefonen bzw.
Festnetztelefonen, stattfinden können. Letzteres wird je
nach Gesprächsrichtung als Skype-In oder Skype-Out
bezeichnet. Im Falle der Telefonie zwischen zwei inter-
netfähigen Endgeräten, also der VoIP, fließen die Inhalts-
daten auf beliebigen Wegen im Internet und nicht über
technische Einrichtungen von Skype. Dieser Punkt be-
rührt die vorherige Frage. Skype ist es in diesem Fall
nach derzeitigem Kenntnisstand der Bundesregierung
schon aus technischen Gründen nicht möglich, Inhalts-
daten den Justiz-, Strafvollzugs- und Regierungsbehör-
den zur Verfügung zu stellen.

Bei Skype-In bzw. Skype-Out werden die Gespräche
über sogenannte Media Gateways von Skype geleitet. Es
besteht prinzipiell die Möglichkeit der Ausweitung von
Kommunikationsinhalten. Skype verweist in seinem Infor-
mationsblatt „Responding to Law Enforcement Records
Requests“ darauf, dass es ihm auf entsprechende Anord-
nung ausschließlich möglich ist, bestimmte Bestandsda-
ten, also Mail-Adressen und Rufnummern des Teilneh-
mers, sowie Verkehrsdaten, Zielrufnummern, für jedes
Gespräch in öffentliche Telefonnetze bereitzustellen.
Gesprächsinhalte werden in keinem Fall von Skype zur
Verfügung gestellt, nicht einmal, wenn diese als Voice-
mail auf den Servern von Skype abgelegt werden.

Die kriminalpolizeiliche Erfahrung zeigt darüber hi-
naus, dass in der Vielzahl der Fälle Skype unmittelbar
zwischen zwei internetfähigen Endgeräten eingesetzt
wird. Ohne Quellen-Telekommunikationsüberwachung
gäbe es keine Möglichkeit, diese Gespräche zu überwa-
chen.


Dr. Christoph Bergner (CDU):
Rede ID: ID1713525500

Ihre Nachfrage, bitte.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713525600

Stimmen Sie denn mit mir überein – ich zitiere jetzt

aus den Datenschutzerklärungen von Skype –, dass die
Datenschutzerklärungen von Skype nicht mit dem über-
einstimmen, was man Ihnen erklärt hat? Hier ist nämlich
ausdrücklich erwähnt, dass man auf Kommunikationsin-
halte zurückgreifen kann und sie auch zur Verfügung
stellen würde.

D
Lars Klingbeil (SPD):
Rede ID: ID1713525700


Ich stimme Ihnen in dieser Hinsicht nicht zu. Die Er-
fahrungen aus den Gesprächen, soweit sie mir bekannt
sind, haben eine Grenze aufgezeigt: Ohne die Möglich-
keiten der Quellen-Telekommunikationsüberwachung
hat man keine Möglichkeit der Telekommunikations-
überwachung. Dieses Prüfungsergebnis ist der Ansatz


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(C (D r die entsprechenden richterlich angeordneten Queln-Telekommunikationsüberwachungen, die vorgenomen wurden. Die letzte Nachfrage. Niemand spricht sich hier gegen die Quellen-TKÜ us. Aber es geht darum – darin sind wir uns, glaube ich, inig –, die grundrechtsschonendsten Mittel einzusetzen. eswegen war die Frage: Welche Gespräche gab es? etzt haben wir gehört – dem gehen wir gerne nach –: Es ibt keine Möglichkeit, zusammenzukommen. Die Frage, die ich Ihnen noch stellen will, ist: Hat es enn Vereinbarungen mit Skype gegeben, wie man das hema weiter bearbeiten will? Sie haben vorhin von chnischen Grenzen geredet. Hat es Fragen der Bundesgierung gegeben, wie Skype sich weiterentwickeln önnte und wo man mit den Strafermittlungsbehörden usammenarbeiten kann? Gibt es da einen Prozess, der ingeleitet wurde? D Gehen Sie bitte davon aus, dass die Bundesregierung, sbesondere das Bundesinnenministerium, die Sondiengen fortführen wird, um sich auch bei zukünftigen ntscheidungen immer darauf verlassen zu können, dass er Einsatz von Quellen-TKÜ im Vergleich zu anderen öglichkeiten angemessen ist. Danke, Herr Staatssekretär. Alle übrigen Fragen der Fragestunde, die Fragen 81 is 98, werden schriftlich beantwortet. Ich rufe den Zusatzpunkt 2 auf: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion DIE LINKE Unklare Konzepte der Bundesregierung zu Steuersenkungen – Pläne zur Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat die Kollein Dr. Barbara Höll für die Fraktion Die Linke. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und ollegen! „50 Minuten Geschlossenheit“, „Regierung lamiert sich bei Steuerreform“, „Steuerharmonie für ine Stunde“, „Seehofer stört den Steuerfrieden“ – das ind einige der Schlagzeilen, die Sie mit Ihrer chaotichen Steuersenkungsdebatte produziert haben. (Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Sie lesen die falschen Zeitungen!)

Dr. Christoph Bergner (CDU):
Rede ID: ID1713525800
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713525900
Lars Klingbeil (SPD):
Rede ID: ID1713526000
Dr. Christoph Bergner (CDU):
Rede ID: ID1713526100

(Beifall bei der LINKEN)

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713526200





Dr. Barbara Höll


(A) )


)(B)

Seit 2009 – da haben Sie den Koalitionsvertrag ge-
schlossen – kündigen Sie alle paar Monate Steuer-
senkungen an, dann warten wir wieder auf die nächste
Steuerschätzung; das geht immer so als Spiel. Den trau-
rigen Höhepunkt bildete in der letzten Woche die Bun-
despressekonferenz mit Finanzminister Schäuble und
Wirtschaftsminister Rösler. Es wurden dort Steuer-
erleichterungen ab 2013 versprochen. Aber selbst auf
Nachfragen sagte Herr Schäuble nichts dazu, wie er sich
die Entlastung genau vorstellt. Nicht einmal eine Stunde
später ertönte der Paukenschlag aus Bayern, und seitdem
streiten Sie sich wie im Kindergarten. Sie sollten sich
mit Steuererleichterungen vielleicht wirklich etwas be-
eilen. Wer weiß, wie lange Sie noch regieren!


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Ha, ha, ha!)


Damit dieses Hin und Her bei Ihnen ein Ende findet,
haben wir diese Aktuelle Stunde beantragt. Ich denke,
Sie sind der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet, end-
lich konkrete Angaben zu Ihren Steuerplänen zu ma-
chen.


(Beifall bei der LINKEN)


Viele Menschen in unserem Land glauben eh nicht
mehr an Steuergerechtigkeit und Steuererleichterungen.
Die Menschen haben Angst.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Angst vor den Linken haben die!)


Sie fragen sich, wie teuer sie die Rettung der Banken
kommen wird, wenn die Milliarden erst einmal fällig
werden. Wie viele Schulen bleiben dann weiter unsani-
ert? In wie vielen Universitäten bleiben die Hörsäle wei-
ter überfüllt? Wie viele Straßen bleiben Ruckelpisten?

Für die Menschen ist doch die Lohnpolitik entschei-
dend und nicht die kalte Progression. Die will ich Ihnen
aber doch einmal erklären. Ein Arbeitnehmer bekommt
eine Lohnerhöhung, die gerade mal die Inflation aus-
gleicht. Durch den höheren Bruttolohn rutscht er in ei-
nen höheren Tarif, sodass er am Ende weniger bekommt,
weniger Reallohn zur Verfügung hat. – Das ist die kalte
Progression.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das finden Sie gut, ja?)


Aber das ist nicht das Entscheidende.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Doch, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon! – Zuruf des Abg. Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU])


– Herr Michelbach, wir haben Sie doch schon 2007 in ei-
nem Antrag aufgefordert, endlich tätig zu werden. Ich
finde es gut, dass Sie jetzt endlich aufwachen und etwas
machen wollen.


(Beifall bei der LINKEN)


Trotzdem ist die kalte Progression nicht das Haupt-
problem. Wir haben – die Menschen haben das in den
vergangenen zehn Jahren gespürt – Reallohnverluste von
4 Prozent. Demgegenüber haben sich die Unternehmens-

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(C (D ewinne und die Einkommen aus Vermögen verdreicht. (Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Jetzt kommt wieder diese Platte!)


as ist die Ungerechtigkeit in diesem Land, und hier
pielt die Musik.


(Beifall bei der LINKEN)


Ich betone noch einmal: Alle in diesem Land zahlen
teuern, zum Beispiel Mehrwertsteuer auf Butter und
ilch. Sehr vielen Menschen – es sind inzwischen

,4 Millionen –, die arbeiten gehen, oftmals in Vollzeit,
icht ihr Lohn nicht zum Leben; sie müssen noch zum
mt, um aufzustocken. Das müsste Ihnen die Schames-
te ins Gesicht treiben. Da geht es wirklich um Entlas-
ng. Da geht es darum, dass wir endlich einen Mindest-
hn einführen. Ein solcher Mindestlohn vernichtet auch

eine Arbeitsplätze. Das wissen Sie genauso gut wie ich;
as ist empirisch bewiesen.


(Klaus-Peter Flosbach [CDU/CSU]: Von wem?)


in Mindestlohn würde Steuermehreinnahmen bringen,
ie Sozialkassen füllen und den Menschen den entwürdi-
enden Gang zum Amt ersparen.


(Beifall bei der LINKEN)


Herr Schäuble hat auf der Pressekonferenz nebulös
ine Tarifveränderung angesprochen. Gut, dann fangen
ir mal konkret an! Im Gegensatz zu Ihnen haben wir

chon einen konkreten Vorschlag vorgelegt. Stellen Sie
ich also einmal Folgendes vor: Wir hätten einen durch-
ängig linear-progressiven Einkommensteuertarif. Wir
ürden den Grundfreibetrag auf 9 300 Euro erhöhen bei
4 Prozent Eingangssteuersatz und hätten 53 Prozent
pitzensteuersatz ab einem zu versteuernden Jahresein-
ommen von 65 000 Euro. Dann wäre automatisch die
ehrzahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ent-
stet. Ich rechne Ihnen das gern vor: Bei einem zu ver-

teuernden Jahreseinkommen von etwa 26 000 Euro,
lso abzüglich Freibeträge, Sonderausgaben, außerge-
öhnliche Belastungen und Werbungskosten, würde
an gegenüber heute 1 086 Euro weniger zahlen. Wenn
an ein Jahreseinkommen von 40 000 Euro zu versteu-

rn hätte, wären es 1 410 Euro weniger. Erst ab einem zu
ersteuernden Jahreseinkommen von 70 000 Euro gäbe
s eine Mehrbelastung von 86 Euro. Ich finde, das ist bei
iesem Jahreseinkommen aufs Jahr verteilt wirklich zu
erkraften.


(Beifall bei der LINKEN)


Nach dem, was Sie vorgelegt haben – im Ausschuss
onnten Sie noch nicht einmal sagen, ob das nur für die
iedrigen und mittleren Einkommen gilt oder auch für
ie großen Einkommen –, betrüge die Entlastung bei ei-
em Jahreseinkommen von 26 000 Euro wahrscheinlich
aximal 200 Euro. Nun vergleichen Sie das einmal mit

em durchgehend linear-progressiven Tarif: Nach mei-
en Vorgaben wäre die Entlastung um über 1 000 Euro
öher. Das wäre ein richtiger Schritt.





Dr. Barbara Höll


(A) )


)(B)

Im Übrigen finde ich es völlig unverschämt, dass Sie
hier vollmundig verkünden, ab 2013 für Steuererleichte-
rungen in Höhe von 6 bis 7 Milliarden Euro sorgen zu
wollen, wobei Sie, wie gesagt, noch nicht einmal wissen,
für wen, und auch nicht genau, wie. Dass Sie darüber na-
türlich erst einmal mit den Ländern und Kommunen re-
den müssen, weil es um die Einkommensteuer geht, oder
ob Sie sich dazu verpflichtet haben, dass alles der Bund
zahlt, lassen Sie völlig außen vor. Insofern sind das alles
nur Luftblasen. Sie denken, Sie könnten damit irgendet-
was gewinnen; aber Ihnen wird nicht geglaubt. Kehren
Sie endlich zu einer seriösen Politik zurück, zu einer
Politik, die tatsächlich Steuergerechtigkeit herstellt!


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Barbara Höll (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713526300

Der Kollege Olav Gutting hat nun für die Unionsfrak-

tion das Wort.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713526400

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen!

Jedes Jahr haben wir bis zu 3 Milliarden Euro Mehrein-
nahmen bei der Einkommensteuer. Darüber könnte man
sich eigentlich freuen. Aber Steuermehreinnahmen auf
der Seite des Staates bedeuten auf der anderen Seite eine
zusätzliche Belastung bei denjenigen, die das Ganze er-
arbeiten, nämlich bei den Bürgerinnen und Bürgern.
Steuermehreinnahmen haben also immer auch eine
Kehrseite.

Diese zwei Seiten der Medaille scheinen einige hier
immer wieder zu vergessen. Diesen Eindruck gewinnt
man zumindest, wenn man die Steuererhöhungspläne der
versammelten Opposition betrachtet. Was droht, wenn
wir nicht mehr regieren, haben Sie vorhin schon ange-
deutet. Sie haben aber nur die halbe Wahrheit gesagt.
Denn Sie wollen den Spitzensteuersatz auf über 50 Pro-
zent erhöhen; das Ehegattensplitting soll wegfallen; das
Dienstwagenprivileg – was auch immer das sein soll –
wird gestrichen; die Pendlerpauschale wird ebenfalls ge-
strichen usw.

Sie sagen dann zwar, Steuersenkungen müssten durch
die Streichung von Steuervergünstigungen gegenfinan-
ziert werden. Am Ende läuft es aber darauf hinaus, dass
Sie auf der einen Seite Steuern erhöhen und auf der an-
deren Seite Steuervergünstigungen streichen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Quatsch! – Petra Hinz [Essen] [SPD]: So ein Unsinn!)


Während die Opposition sich also derzeit nach dem
Motto „Wer bietet mehr?“ mit Steuererhöhungsplänen
beschäftigt, nehmen wir zur Kenntnis, dass im Jahr 2011
in diesem Land die höchsten Lohnzuwächse seit 20 Jah-
ren zu verzeichnen sind.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Hört! Hört! Das ist der Unterschied!)


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(C (D ieser Bundesregierung ist es gelungen, mit gezielter achstumspolitik die schwerste Wirtschaftskrise in die em Land zu überwinden und Arbeitsplätze nicht nur zu ichern, sondern die Arbeitslosigkeit auf das niedrigste iveau seit der Wende zurückzuführen. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit der Mövenpick-Steuer!)


Die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land haben in
er Wirtschaftskrise Maß gehalten. Jetzt, im Auf-
chwung, steht ihnen dafür eine kräftige Lohnerhöhung
u. Wir wollen, dass die Menschen spüren, dass es wie-
er aufwärts geht und dass es sich lohnt, wenn man sich
nstrengt.

Was ist das aber für ein Steuerrecht, das die Inflation
nd deren Ausgleich über eine Lohnerhöhung dazu
utzt, die Bürger schleichend in eine höhere Steuerpro-
ression zu führen? Die Weigerung der Opposition und
ie Blockade des Bundesrates, die ja bereits angekündigt
t,


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Gott sei Dank!)


onsequent zu Ende gedacht führen dazu, dass innerhalb
er nächsten Jahre immer mehr Menschen dem Spitzen-
teuersatz unterliegen, obwohl sie tatsächlich gar kein
pitzeneinkommen haben.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: So ist es!)


Wenn man davon ausgeht, dass das verdiente Geld
eim Staat besser aufgehoben ist als bei den Menschen,
ann ist Ihr Ansatz konsequent; dann ist die Argumenta-
on von Grünen, SPD und Linken in der Tat richtig.
ber wir glauben, dass es hier einer Korrektur bedarf.

Wir glauben, dass es richtig ist, den Menschen mög-
chst viel von dem, was sie sich hart erarbeitet haben, zu
elassen. Wir glauben – und dies gerade vor dem Hinter-
rund einer drohenden Abflachung der Konjunktur –,
ass es falsch ist, die Steuergarotte über die kalte Pro-
ression immer weiter zuzuziehen.

Meine Damen und Herren, wenn wir über den Abbau
er kalten Progression sprechen, dann geht es weder um
teuergeschenke noch um Mindereinnahmen. Vielmehr
eht es um den Verzicht des Staates auf Steuermehrein-
ahmen, die durch die Kombination von Inflation und
ohnerhöhung entstehen und die nichts mit der Idee des
near-progressiven Tarifs zu tun haben, nach der derje-
ige, der leistungsfähiger ist, einen höheren Steuersatz
ahlen muss als derjenige, der weniger leistungsfähig ist.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Unser Konzept ist völlig klar.


(Petra Hinz [Essen] [SPD]: Welches denn?)


s geht uns darum, den Menschen in diesem Land den
eil ihres sauer verdienten Lohnes zu belassen, der ihnen
uch zusteht. Um nichts anderes geht es uns.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)







(A) )


)(B)


Olav Gutting (CDU):
Rede ID: ID1713526500

Die Kollegin Nicolette Kressl hat für die SPD-Frak-

tion das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713526600

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen

und Kollegen! Bei dem Titel der Aktuellen Stunde stellt
sich zunächst einmal die Frage, um welche Konzepte der
Regierung es eigentlich geht.


(Beifall bei der SPD – Klaus-Peter Flosbach [CDU/CSU]: Sie müssen lesen können! Koalitionsvertrag! Wahlprogramm!)


Heute haben wir im Ausschuss gehört, dass das, was
die beiden Minister vorgestellt haben, nicht das Konzept
der Regierungsfraktionen sei. Man müsse sich erst zu-
sammensetzen und darüber reden.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Der Bundesregierung!)


Außerdem hätten wir beim Vorliegen von Konzepten er-
wartet, dass Sie uns irgendwelche Eckpunkte vorstellen,
Herr Gutting. Ich habe sehr genau zugehört, aber außer
allgemeinen Bekenntnissen haben wir nichts gehört, was
auch nur annähernd als Eckpunkt zu bewerten gewesen
wäre. Insofern ist das weniger als unklar. Es gibt kein
Konzept.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Wer hat die Aktuelle Stunde beantragt?)


– Wir nicht.

Ein weiterer Punkt ist sehr wichtig. Was Sie in der
vergangenen Woche hier aufgeführt haben – die Zeitun-
gen haben zum Teil getitelt: „50 Minuten Einigkeit“ –,
zeigte eines: Das war der schlimmste Dilettantismus,
den wir seit langer Zeit im Bereich der Steuerpolitik er-
lebt haben. Aus den vergangenen zwei Jahren sind wir
bereits einiges gewöhnt, aber das hat nun wirklich alles
übertroffen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Man könnte eigentlich sagen: Bei verrückten Ideen ist
immer Verlass auf die CSU, dass sie ein bisschen Sand
ins Getriebe wirft. Mittlerweile ist aber die CSU selbst
zerstritten. Frau Hasselfeldt hat gestern gesagt, es sei al-
les abgesprochen gewesen und Herr Seehofer sei auf
dem falschen Weg.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Spielen Sie sich jetzt zum Richter anderer Parteien auf?)


Dieses Chaos der vergangenen Woche könnte man als
Opposition ja noch fröhlich betrachten. Jedoch führen
Sie dieses Chaos nicht nur in internen Zirkeln auf. Viel-
mehr sorgen Sie dafür, dass die Menschen in dieser oh-
nehin schwierigen Situation auf eine absolut unerträgli-
che Weise verunsichert werden. Das müssen wir Ihnen
schon einmal ganz deutlich sagen.

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(C (D (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Diese Verunsicherung führt dazu, dass das Vertrauen
die Fähigkeit der Politik insgesamt, gradlinige und

lare Positionen aufzeigen zu können, immer mehr ver-
ren geht. Das haben wir Ihnen heute Morgen in der Eu-
padebatte schon deutlich gesagt. Das Gleiche wieder-

olen Sie jetzt bei der Frage der Steuerpolitik.

Es wäre gut, wenn Sie wenigstens Ihre grundsätzli-
hen Bekenntnisse und Vorstellungen zum Beispiel zum
hema der kalten Progression mit Zahlen belegen könn-
n. Wir müssen hier gar nicht darüber streiten, dass das
gendwann zu einer politischen Konsequenz führen
uss. Der entscheidende Punkt ist aber doch, dass die
ntwort seitens des Finanzministeriums auf meine
achfrage in einer Fragestunde und auch im Ausschuss
utete, dass es in den vergangenen Jahren keine kalte
rogression gegeben habe.

Heute haben wir in der Sitzung des Finanzausschus-
es gefragt, Herr Koschyk, ob Sie uns denn wenigstens
it irgendwelchen Zahlen belegen können, ob diese
Milliarden Euro Entlastung, die Sie planen, tatsächlich

er kalten Progression im Jahr 2013 entsprechen. Sie ha-
en es nicht belegen können.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Hat er doch gerade gemacht! Haben Sie gepennt? Das hat er doch gerade vorgerechnet!)


ie haben uns keine konkrete Zahl genannt. Sie haben ir-
endetwas von der Inflation erzählt. Dabei haben Sie
icht einmal erwähnt, dass die Inflation allein gar nicht
ur kalten Progression führt. Das gilt nur für die Kombi-
ation von Inflation und Lohnerhöhungen.


(Beifall bei der SPD)


Ich sage nicht, dass wir uns weigern, darüber zu re-
en. Wir erwarten von Ihnen hier im Parlament aber ein
aar Fakten, bevor Sie irgendwelche Pressekonferenzen
bhalten; das muss ich Ihnen einmal sagen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Ich komme zu meinem letzten Punkt: Die Tatsache,
ass Sie das nicht mit Zahlen belegen können,


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Doch! Kann er!)


eutet sehr stark darauf hin, dass es Ihnen eher darum
eht, Ihren dahinsiechenden Koalitionspartner FDP ein
enig zu schützen und ihm etwas mitzugeben.


(Petra Hinz [Essen] [SPD]: Nur darum geht es!)


abei verkennen Sie aber völlig, dass die Menschen in
iesem Land inzwischen nicht mehr vorrangig Steuer-
ntlastungen erwarten. Deren Prioritäten haben sich
ngst so verlagert, dass sie sagen: Es muss zu einem
chuldenabbau kommen. Wir müssen den Schwerpunkt
uf die Bildungspolitik und die Infrastruktur setzen. –
as heißt: Sie setzen bei Ihren nicht vorhandenen Kon-

epten und Ideologien auch noch auf das falsche Pferd.





Nicolette Kressl


(A) )


)(B)

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie die veränderten Rah-
menbedingungen wahrnehmen und Ihre Politik darauf
einstellen.

Ich möchte mit den Worten des baden-württembergi-
schen Finanzministers Nils Schmid aus der heutigen De-
batte des Landtags schließen. Er sagte, dass diese Koali-
tion dem gesunden Menschenverstand hartnäckigen
Widerstand leiste. Ich finde, er hat recht. Sie sollten sich
ein bisschen darauf konzentrieren, logische Politik zu
machen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Er meinte Baden-Württemberg!)



Nicolette Kressl (SPD):
Rede ID: ID1713526700

Das Wort hat der Kollege Dr. Volker Wissing für die

FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713526800

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Frau Kollegin Kressl hat gesagt, man muss sich mit
veränderten Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Ich
will Ihnen einmal etwas zu den heutigen Rahmenbedin-
gungen und zu den Rahmenbedingen unter Rot-Grün sa-
gen: Als Rot-Grün die Verantwortung hatte, gab es fast
5 Millionen Arbeitslose.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Richtig!)


Unter Schwarz-Rot waren es 3,5 Millionen. Unter
Schwarz-Gelb sind es nur noch 3 Millionen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Zum Haushalt: Für 2010 hatte der sozialdemokrati-
sche Finanzminister Peer Steinbrück eine Neuverschul-
dung in Höhe von 86,1 Milliarden Euro geplant. Schwarz-
Gelb kam mit 44 Milliarden Euro aus. Für 2011 hatte
Peer Steinbrück eine Neuverschuldung in Höhe von
71,4 Milliarden Euro geplant. Schwarz-Gelb kommt mit
unter 50 Milliarden Euro aus.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU – Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Total vergleichbar! Das zeigt die Seriosität! So ein Unsinn!)


Das heißt: In zwei Jahren schaffen wir es, 65 Milliarden
Euro weniger Schulden zu machen. Damit sind wir in je-
der Hinsicht besser, als Sie es bei der Haushaltskonsoli-
dierung jemals waren. Das wollen wir, was die Rahmen-
bedingungen angeht, einmal festhalten.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Reden wir über die Schattenhaushalte!)


Zu den Steuern: Wir haben es geschafft, dass eine Fa-
milie mit einem Durchschnittseinkommen von 3 200 Euro
im Jahr 2011 netto 604 Euro mehr in der Tasche hat als
noch 2009.

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(C (D (Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weniger Minus ist immer noch kein Plus, Herr Wissing!)


5 Milliarden Euro weniger Staatsverschuldung und
ber 600 Euro netto mehr für eine Durchschnittsfamilie,
as beweist: Haushaltkonsolidierung und maßvolle, ver-
ünftige Steuerpolitik kann man erfolgreich miteinander
ombinieren. Damit ist die Richtigkeit Ihrer Politik wi-
erlegt.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Jetzt stellt sich ein Herr Schmid in Baden-Württem-
erg hin und sagt,


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das heißt „Minister Schmid“! Gewöhnen Sie sich das mal an!)


ie Pläne seien verrückt. Dann stellt sich in Rheinland-
falz ein Kurt Beck hin


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das heißt „Ministerpräsident Beck“! Bürgerlichen Anstand nennt man das!)


nd sagt, die Beseitigung der kalten Progression sei
uatsch und dass er das für verfassungswidrig halte.
errückt ist, dass sich eine Partei wie die SPD, die die
rößte Steuererhöhung in der deutschen Geschichte be-
chlossen und bei der Haushaltkonsolidierung versagt
at, jetzt hinstellt und eine Steuererhöhung nach der an-
eren fordert. Das ist verrückt.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Quatsch ist, was die Linkspartei fordert. Die Linke
rdert – das haben wir heute Morgen erst wieder von Ih-

en gehört – eine Erbschaftsteuer von 60 Prozent.


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Nennen Sie auch einmal die Freibeträge!)


as haben Sie ernsthaft gefordert. Sie fordern außerdem
ine Vermögensteuer von 5 Prozent. Das ist Ihre Politik.
as ist schlichtweg Quatsch.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Christian Freiherr von Stetten [CDU/CSU]: Enteignung ist das!)


Wir hingegen bleiben bei einer vernünftigen Steuer-
olitik. Die beiden Minister haben deutlich gemacht: So-
ald die Wachstumsprognose vorliegt, werden wir sa-
en, in welchem Umfang wir in den nächsten Jahren
afür sorgen können, dass Lohnsteigerungen nicht nur
eim Staat ankommen,


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Was hat denn Herr Seehofer dazu gesagt, „Ministerpräsident Seehofer“, um genau zu sein?)


ondern auch zu einer Verbesserung des Nettoeinkom-
ens der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führen.
as mag Ihnen nicht passen,


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das hat uns sehr gepasst! Wir fanden es hochinteressant und lustig!)






Dr. Volker Wissing


(A) )


)(B)

weil wir damit etwas aufgreifen, was auch bei Ihnen ein-
mal im Wahlprogramm stand, wovon Sie aber heute
nichts mehr wissen wollen, nämlich mehr Steuergerech-
tigkeit für Bezieher unterer Einkommen.

Ich finde es bemerkenswert, dass Sie immer von
Steuergeschenken sprechen. Dagegen finde ich, dass
Lohnsteigerungen keine Geschenke für Arbeitnehmerin-
nen und Arbeitnehmer sind, sondern dass sie ihnen zu-
stehen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Das unterscheidet Sie von uns.

Für die christlich-liberale Koalition gilt: Wir wollen
die kalte Progression für die Bezieher unterer und mittle-
rer Einkommen spürbar abmildern. Wir wollen den Mit-
telstandsbauch abflachen,


(Dr. Barbara Höll [DIE LINKE]: Schafft ihn doch richtig ab!)


und wir werden konkrete Vorschläge dazu machen. Die
Bundesregierung hat gesagt, wohin sie will. Die Koali-
tionsfraktionen werden das gemeinsam mit der Bundes-
regierung auf den Weg bringen. Wir werden einen konkre-
ten Gesetzentwurf vorlegen und ihn selbstverständlich
mit Zahlen untermauern. Dann werden Sie sehen, dass
Sie auf der falschen Seite stehen, wenn Sie den Arbeit-
nehmerinnen und Arbeitnehmern Gerechtigkeit verwei-
gern.

Wir bleiben dabei: Wir stehen für eine strikte Stabili-
tätspolitik. Deswegen wollen wir den Bundeshaushalt
nicht auf inflationsbedingte Mehreinnahmen stützen, son-
dern wir wollen ihn auf der Ausgabenseite konsolidieren.
Für uns ist es nicht hinnehmbar, dass die Bezieher unterer
und mittlerer Einkommen von Lohnsteigerungen nichts
haben sollen. Das ist eine Gerechtigkeitslücke in unse-
rem Steuersystem.

Genauso wie wir die Sozialleistungen an veränderte
Rahmenbedingungen anpassen und dort einen Ausgleich
schaffen, müssen wir auch denjenigen, die einen Ar-
beitsplatz haben, die morgens aufstehen und bei der
Arbeit anpacken – gerade im unteren und mittleren Ein-
kommensbereich –, einen Ausgleich bieten. Den wollen
wir in unserem Steuersystem schaffen.

Ich finde es offen gestanden mutlos von Ihnen, dass
Sie immer nur sagen: Wir leben in Krisenzeiten, und
deswegen kann man für die Bezieher unterer Einkom-
men nichts tun. Wir geben den Ehrgeiz nicht auf und
wollen – gerade in Krisenzeiten – die Reformen in unse-
rem Land nicht vernachlässigen. Denn es kann nicht
sein, dass wir bei all den notwendigen Rettungsmaßnah-
men und Stabilisierungspaketen, die wir auf europäi-
scher Ebene auf den Weg bringen – heute haben wir viel
darüber diskutiert –, diejenigen vergessen, die in
Deutschland den Karren mitziehen. Es kann nicht sein,
dass ausgerechnet Sozialdemokraten, Grüne und auch
die Linkspartei dabei ihre Unterstützung verweigern, vor
allem, wenn es um die Bezieher unterer und mittlerer
Einkommen geht. Sie als Sozialdemokraten sind sogar
noch stolz darauf, dass Sie mit Ihren merkwürdigen An-

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(C (D ündigungen im Bundesrat die Bezieher unterer und ittlerer Einkommen hängen lassen. ie sollten sich dafür schämen und nicht hier im Bundesg selbstbewusste Reden halten. (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Lachen bei der SPD – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Setzen! Schade, dass Sie Herrn Seehofer nicht erwähnt haben! – Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Die FDP, die Partei der kleinen Leute!)


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Dr. Volker Wissing (FDP):
Rede ID: ID1713526900

Der Kollege Dr. Gerhard Schick hat für die Fraktion

ündnis 90/Die Grünen das Wort.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713527000

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

as sich uns gerade dargeboten hat, war ein Zerrbild.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


as ist umso trauriger, als wir ja wissen, dass Kollege
issing in den Fakten eigentlich präzise sein kann,


(Nicolette Kressl [SPD]: Im Plenum nie!)


ber es war heute wieder einmal nicht gewollt.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Welche Zahlen waren falsch?)


h finde es gut, dass die Debatte, in der es um das Pro-
lem der Staatsschulden geht – das uns gerade stark be-
chäftigt –, am selben Tag geführt wird wie die Debatte
ber die Steuersenkung.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Solange für den nächsten Bundeshaushalt sowie für
andes- und Kommunalhaushalte viele Milliarden Euro
euverschuldung eingeplant sind, wäre jede Steuerent-
stung eine Steuerentlastung auf Pump und angesichts
es Schuldenstandes unverantwortlich.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Kommt das dann auch bei den HartzIV-Erhöhungen? Ich bin gespannt!)


Ich will das einmal konkret machen: Der Bund gibt
erlin zur Einhaltung der Schuldenbremse Konsolidie-
ngshilfen in Höhe von 80 Millionen Euro pro Jahr.
enn die Steuerentlastung kommt, die Sie jetzt avisie-
n, dann verliert Berlin 200 Millionen Euro.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Wer hat denn zehn Jahre lang regiert?)


t das sinnvoll? Das ist natürlich nicht sinnvoll. Das
anze könnte man ebenso für Schleswig-Holstein
urchrechnen, das zurzeit 80 Millionen Euro Konsoli-
ierungshilfen bekommt und dann 120 Millionen Euro
eniger hätte.





Dr. Gerhard Schick


(A) )


)(B)

Die Bundesländer lehnen ja die Steuerentlastungen
nicht deshalb ab, weil sie es den Leuten nicht gönnen.
Der Grund ist vielmehr die Schuldenbremse, die es zu
Recht gibt, und dass die Bundesländer jetzt versuchen
müssen, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen, und
gleichzeitig dafür sorgen müssen, dass die Infrastruktur
stimmt, Bildungsleistungen für alle zur Verfügung ste-
hen und die Polizei anständig ausgestattet werden kann.
Deswegen sind Steuerentlastungen in dieser Situation
einfach unverantwortlich.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: Die Argumentation wollen wir dann auch bei Hartz-IV-Erhöhungen hören, bei irgendwelchen Solarförderungen, bei Sachen, die euch lieb und teuer sind!)


Ich komme zum zweiten Punkt: die Inflation und der
Ausgleich bei der kalten Progression. Clemens Fuest,
nun wirklich niemand, der hier in den Oppositionsreihen
sitzen würde, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats
beim Bundesministerium der Finanzen, schreibt:

Wenn man Einkommensteuerentlastungen in der
aktuellen Situation trotz der schlechten Lage der öf-
fentlichen Haushalte will, sollte man bessere Argu-
mente ins Feld führen als das Märchen von der kal-
ten Progression.

Ich finde, er hat recht. In den letzten Jahren gab es das
Phänomen in Deutschland einfach nicht; es existiert
theoretisch, aber taucht, wie man sehen kann, in den Sta-
tistiken nicht auf.


(Dr. Martin Lindner [Berlin] [FDP]: „Existiert theoretisch“! Sie sind abgehoben vom Volk!)


Die Steuerquote, das Verhältnis zwischen Einkommen-
steuereinnahmen und der jährlichen Wirtschaftsleistung,
war ziemlich konstant; sie war übrigens in der rot-grü-
nen Regierungszeit niedriger als heute. Insofern hat es
diesen Effekt nicht gegeben.

Sie bringen bei der Lösung der realen steuerpoliti-
schen Probleme dieses Landes nichts auf die Reihe:


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Die Kommission zur Reform der Ermäßigungen bei der
Mehrwertsteuer hat nicht ein einziges Mal getagt. Die
Kommission zur Frage der Kommunalfinanzen hat ihre
Arbeit ergebnislos beendet. Jetzt gehen Sie an ein Phä-
nomen heran, das einfach nicht das Hauptproblem ist,
über das wir uns unterhalten sollten.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


Eines ist zu beobachten – ich gebe noch einmal Herrn
Fuest wieder –: Wenn es eine höhere Belastung der Be-
zieher unterer und mittlerer Einkommen gibt, sich aber
die Belastung bzw. das Steueraufkommen insgesamt
nicht verändert hat, muss eine Verschiebung der Steuer-
lasten stattgefunden haben.

Wenn wir etwas für Bezieher unterer und mittlerer
Einkommen tun wollen, geht es deshalb darum, die Ver-

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(C (D ilung der Steuereinnahmen zu verändern; genau das achen wir. Ja, Bündnis 90/Die Grünen sagen: Es soll ine steuerliche Entlastung für Bezieher unterer und ittlerer Einkommen geben; wir wollen den Grundfrei etrag anheben. Aber wir machen es, anders als Sie, icht auf Pump, sondern verantwortlich. Wir werden dar den Spitzensteuersatz erhöhen, denn wir machen seöse Steuerpolitik und sorgen für eine Gegenfinanzieng. Dazu haben Sie nicht den Mut. Sie schauen immer ur dann auf die Gerechtigkeit, wenn es zu Ihrer Klienlorientierung passt. Wir wollen einmal das Argument der Entlastung der ezieher unterer und mittlerer Einkommen betrachten. enn man sich die groben Skizzen, die wir haben, an chaut, dann erkennt man: Ein Single mit einem zu ersteuernden Einkommen von heute 10 000 Euro ürde um etwa 80 Euro im Jahr entlastet; ein Steuerflichtiger mit einem zu versteuernden Einkommen von 50 000 Euro würde um 870 Euro entlastet. Daran erennt man die Schieflage. Es geht also nicht um die Entstung der Bezieher unterer und mittlerer Einkommen, ber die Sie gerne reden, sondern um die der hohen Einommen, die Sie deutlich mehr entlasten wollen. Seien ie da bitte einmal ehrlich. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Petra Hinz [Essen] [SPD])


Wenn Sie wirklich etwas für die Bezieher unterer und
ittlerer Einkommen tun wollten, dann müssten Sie an

ie Sozialabgaben herangehen oder es so machen, wie es
nser Vorschlag vorsieht, also gezielt im unteren Ein-
ommensbereich entlasten und durch Belastungen im
beren Bereich gegenfinanzieren. Aber dazu haben Sie
icht den Mut; denn es geht bei Ihnen um eine Politik für
ie oberen 10 Prozent. Das muss einmal klar gesagt wer-
en.

Danke schön.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. Gerhard Schick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713527100

Der Kollege Norbert Schindler spricht nun für die

nionsfraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713527200

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Verehrte

äste auf der Tribüne! Lieber Herr Schick, Sie haben
ier ein Zerrbild des Steuersystems abgegeben. Sie alle
issen doch: Bei den höheren Gehältern wird bei einer
ehaltserhöhung aufgrund des Spitzensteuersatzes im
beren Bereich immer gleich viel abgeschöpft. Bei den
ehältern der Leistungsträger, der Damen und Herren,
eren Gehalt darunter liegt, werden im Falle einer gerin-
en oder starken Lohnerhöhung sofort hohe Steuern ab-
eschöpft. Nicht bei allen, aber bei vielen ergibt sich
ine Nullsummenrechnung, gerade wenn man die stei-
enden Sozialbeiträge mit einrechnet. So entsteht doch
raußen bei den Leistungsträgern der Frust.





Norbert Schindler


(A) )


)(B)

Sie verkünden jetzt, wir würden eine Politik für Mil-
lionäre machen. Ich muss Ihnen doch nur vorrechnen,
wie es damals unter Rot-Grün war. Damals wurden die
Spitzensteuersätze deutlich gesenkt, weil es hieß, man
müsse diese international angleichen.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Vor allem die Grünen!)


Was wurde denn damals wegen der Freiheit des Kapital-
flusses beschlossen, meine Damen und Herren? Ich will
jetzt gar nicht das Alte hervorholen,


(Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie tun es aber!)


sondern nur einmal darauf hinweisen.

Die Grünen fordern in ihrem Antrag, die kalte Pro-
gression zu mindern, was wir als Regierung wollen.


(Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mal über das eigene Konzept reden!)


Sie fragen nach dem Konzept. Es gibt einen Koalitions-
vertrag, auf den wir uns verständigt haben.


(Lachen der Abg. Nicolette Kressl [SPD])


Es gibt ein Wahlversprechen, für dessen Einhaltung wir
unter anderem 2009 gewählt wurden. Die Wählerinnen
und Wähler haben uns damals den Auftrag gegeben, die-
ses Versprechen einzulösen. Da ist es nur legitim, wenn
wir uns in dieser Legislaturperiode dieser Frage widmen
und sie beantworten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dass die kalte Progression ein Abstrafen darstellt, weil
der Staat bei jeder Lohnerhöhung automatisch partizi-
piert, das haben viele, auch Sie, Herr Dr. Schick, in an-
deren Debatten schon eingesehen. Sie wollen dem mit
einem anderen Konzept beikommen.


(Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben ein einfaches Steuersystem versprochen!)


Sie werfen uns vor, wir hätten noch kein fertiges Kon-
zept. Es ist doch legitim, in einer Regierung, die aus drei
Koalitionsparteien besteht, vernünftig über den richtigen
Weg zu streiten.


(Nicolette Kressl [SPD]: Jetzt ist euch die Dritte wieder eingefallen! – Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Seit zwei Jahren!)


Wir wissen um die Schuldensituation unseres Staates.
Dr. Volker Wissing und auch Olav Gutting haben zu
Recht darauf hingewiesen, wie die Zustände waren, als
wir Rot-Grün beerbten, und dass wir in den letzten Mo-
naten und Jahren gute Politik gemacht haben. Das gilt in
Bezug auf die große Entscheidung, wie man die Banken
retten kann. Das hat dazu geführt, dass wir im internatio-
nalen Vergleich Weltmeister sind: was unsere absolute
Entwicklung angeht, die Steuereinnahmen, die Staats-
konsolidierung und die deutliche Verminderung der

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(C (D euverschuldung. Das alles redet ihr schlecht. Das verteht ein normaler Mensch beim besten Willen nicht. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass Sie das nicht verstehen, glaube ich!)


Sie werfen uns vor, wir hätten in der Konzeption eine
rohgebärde in Bezug auf den Solidaritätszuschlag auf-
ebaut. Sie kündigten im Bundesrat an, dass Sie die
eistungsträger nicht entlasten wollen. Diese stellen
och gerade den Mittelbau, bekommen in der Regel Kin-
er und schaffen ein Häuschen oder eine Eigentumswoh-
ung an. Die Menschen werden über die kalte Progres-
ion abgestraft. Das entspricht nicht dem Ziel, das wir
ns im Bereich Steuerentlastung gesetzt haben.


(Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Können Sie erklären, wie das mit der kalten Progression ist? Haben Sie das eigentlich verstanden?)


Wir wollen keine griechischen Zustände. Es muss
icht gerade Freude auslösen, Steuern zu zahlen, aber
ichtig ist die Akzeptanz. Das alles darf nicht durch
taatsverdrossenheit, sondern muss durch Staatszustim-
ung getragen werden.


(Beifall bei der CDU/CSU)


ie Leistungsträger, die den Mittelbau unserer Republik
nanzieren, brauchen ein deutliches Zeichen, was wir
ls Entlastung für ihre Leistungen vorsehen; denn Leis-
ngen werden erbracht. Ich sage das an die Linke ge-
chtet: Sie sprechen nur von den Leistungsempfängern
nd den armen Menschen, die am Staatstropf hängen.
ie sprechen nicht mehr über jene, die die Leistung er-
ringen. Es geht nicht an, die Leistungen anderer Leute,
ie diese ganz selbstverständlich für den Wohlfahrtsstaat
undesrepublik Deutschland erbringen, umverteilen zu
ollen.

In Bezug auf die gesamte Debatte möchte ich darauf
inweisen: Die deutsche Wiedervereinigung hat über
Billionen Euro gekostet. Der Rettungsschirm umfasst

00 Milliarden Euro. Wie viele Restschulden haben wir
och durch die Wiedervereinigung? Es sind um die
00 Milliarden Euro. Ich lasse gern mit mir streiten, wie
ir das aufrechnen. Der Bundesbankgewinn trägt sicher-
ch dazu bei. Es stellt sich die Frage: Wie viele Rest-
ürgschaften bestehen noch vom Aufspannen des Ban-
enrettungsschirms? 500 Milliarden Euro. Die Summe,
ie für die Rettung der Hypo Real Estate inklusive der
inrichtung einer Bad Bank aufgewendet wurde, betrug
icht einmal ein Viertel der Summe. Sie lag bei circa
00 Milliarden Euro. Aber darüber redet niemand mehr.

Gegenteil: In den Debatten wird das Volk durch die
illiardenbeträge verrückt gemacht. Es wird das

chlimmste Szenario geschildert. Unser Mut, den wir da-
als hatten, wurde damit belohnt, dass das Misstrauen

egenüber den Banken abgenommen hat.

Abschließend stelle ich fest: Bei allen Leistungen, die
eutschlands Bürgerinnen und Bürger erbracht haben,
ie der Staat geschickt gelenkt hat, auch in der Großen
oalition mit den Sozialdemokraten: Es gab keinen Ab-





Norbert Schindler


(A) )


)(B)

strich beim Wohlstand. Was wir in dieser Koalition an
Topleistung im Konjunkturpaket II erbracht haben, hat
zwischen Großbritannien und Italien Wallfahrten ausge-
löst. Alle haben sich gefragt, wie wir Deutsche das ge-
meistert haben. Ihr redet dieses Deutschland schlecht.
Unsere Leistungsträger, die die Hauptsteuerlast tragen,
haben das Recht, dass Wahlversprechen eingelöst wer-
den.


(Petra Hinz [Essen] [SPD]: Aha!)


Ob es nun 6 Milliarden Euro oder 10 Milliarden Euro
sind: Es ist eine gesunde Entwicklung, dass wir unter
3 Millionen Arbeitslose haben. Wer hätte das angesichts
der schweren wirtschaftlichen Wolken, die am Himmel
standen, gedacht?

Ich bin stolz auf das Geleistete. Reden wir positiv
über die Zukunft unseres Landes! Es ist wichtig, dass die
Leistungsträger motiviert werden. Es muss Spaß ma-
chen, in diesem Land Steuern zu zahlen. Die Leistungs-
träger müssen diesen Staat mittragen. Sie tragen nicht
dazu bei, dass diese positiv in die Zukunft schauen.

Danke schön.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Norbert Schindler (CDU):
Rede ID: ID1713527300

Der Kollege Martin Gerster hat für die SPD-Fraktion

das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713527400

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen!

Geschätzter Kollege Schindler, ich finde es toll, dass Sie
erwähnt haben, dass es einen Koalitionsvertrag gibt.
Ehrlich gesagt: Wir haben gedacht, es gibt überhaupt
keine Koalition mehr.


(Heiterkeit und Beifall bei der SPD – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das stimmt allerdings!)


Der Auftritt in der letzten Woche war eine ganz komi-
sche Geschichte. Ich habe noch nie erlebt, dass zwei
Minister eine Pressekonferenz geben und anschließend
der Ministerpräsident von Bayern sagt: Das war alles nur
Fasching.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das hat er nicht gesagt!)


Das kann doch wohl nicht wahr sein.

Angesichts dieses Vorgehens wundere ich mich nicht
über das, was Infratest dimap uns gestern gesagt hat: Die
Linkspartei liegt in Sachen Steuerkompetenz inzwischen
vor der FDP.


(Heiterkeit und Beifall bei der SPD – Beifall bei der LINKEN – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Bravo! – Joachim Poß [SPD]: Das ist ja auch kein Wunder!)


Natürlich bewegen sich beide auf ganz niedrigem Ni-
veau.

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(C (D Deswegen ist es auch völlig in Ordnung, dass wir im ahmen einer Aktuellen Stunde über diese Vorgänge reen. Heute Morgen haben wir gehört, dass es nicht nur as Struck’sche Gesetz, sondern auch das Merkel’sche esetz gibt, das da heißt: Je deutlicher die Kanzlerin etas ausschließt, desto wahrscheinlicher ist, dass es tat ächlich kommt. Seit Schwarz-Gelb hier regiert – na ja, regiert“ ist falsch –, sich im Regieren übt – so muss an das sagen –, gilt ein neues Gesetz: Egal welches roblem kommt, es ist immer einer da, der „Steuersenungen sind die Lösung des Problems!“ ruft. as ist vielleicht das Westerwelle’sche Gesetz. Jetzt uss man es wohl umbenennen, weil Herr Rösler jetzt in er Verantwortung steht. Aber vielleicht trifft das aber ja uch schon nicht mehr zu. Auf jeden Fall muss man konstatieren: Der x-te Veruch, einen Überraschungscoup zu landen, das Kaninhen aus dem Hut zu zaubern – Steuersenkungen! urra! –, ist misslungen. Das muss man ganz klar sagen. as wurde auch in den Medien entsprechend kommenert. Ich will zitieren und ein paar Presseschnipsel anringen. Die Welt spricht von einem „Kommunikationsesaster“, das einfach nicht enden will. Herr Michelbach h weiß nicht, ob Sie Welt-Leser sind. (Christian Lange [Backnang] [SPD]: Bestimmt!)


(Heiterkeit bei der SPD)


ielleicht sind Sie auch Leser der Süddeutschen Zeitung:
50 Minuten Geschlossenheit“, dann war das übliche
teuerchaos zurück. Kennen Sie den Film Und täglich
rüßt das Murmeltier mit Bill Murray in der Hauptrolle?


(Heiterkeit bei der SPD)


as war ein großer Erfolg. Jetzt in der Neuverfilmung
on dieser Koalition! Herzlichen Glückwunsch!

Wenn man sich vor Augen führt, wie oft wir schon
ber dieses Thema diskutiert haben, muss man ganz klar
agen: Diese Aktuelle Stunde dauert schon mindestens
ine halbe Legislaturperiode.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das stimmt! – Dr. Volker Wissing [FDP]: Das macht Ihnen ja wohl Freude!)


ber man weiß ja nicht, wie lange diese Legislaturpe-
ode wirklich dauert. So, wie Sie sich präsentieren, kann
ie ja auch ganz schnell zu Ende sein, was bedeuten
ürde, dass wir uns schon im zweiten Drittel dieser Ver-

nstaltung befinden.

Insofern muss man sagen: Auch der jüngste Versuch,
ie FDP wiederzubeleben – ich meine das 7 Milliarden
uro schwere Rösler-Rettungspaket –, ist misslungen.
ie Financial Times Deutschland schreibt dazu – Herr
ichelbach, vielleicht sind Sie ja auch Leser dieser Zei-
ng –:

Merkels Truppe wirkte wieder einmal wie ein Dilet-
tantenstadl.


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Tun Sie auch etwas anderes als Zeitung lesen?)






Martin Gerster


(A) )


)(B)

Die Bild am Sonntag – Springer-Presse – kann ich noch
anbieten:

Die Drei von der Zankstelle

Das ist ein schöner Titel.


(Heiterkeit bei der SPD – Holger Krestel [FDP]: Wann kommen Sie eigentlich zum Thema? Lesen Sie nur Zeitung?)


Was soll man von dieser Regierung halten, wenn sie
sich noch nicht einmal darüber verständigen kann, wer
die Verantwortung für dieses verhunzte Steuersenkungs-
stückchen trägt. Einerseits heißt es beim Bundeskanzler-
amt: Es gab noch nicht einmal eine Panne. Herr Rösler,
der Vizekanzler sagt: Ja, es gab eine Panne. Dann wird
darüber gestritten, ob sich jemand entschuldigt hat, aber
hinterher weiß man nicht, wer bei wem. Das, was Sie
hier aufführen, ist ein wirklich tolles Theaterstück. Das
ist einfach eine klasse Sache.


(Heiterkeit und Beifall bei der SPD – Norbert Schindler [CDU/CSU]: Sagen Sie doch einfach mal etwas zur Sache! Wollen Sie die Leute entlasten oder nicht?)


Auch der Regierungssprecher musste betonen:

Reinlegen ist kein Teil der gegenseitigen Umgangs-
formen.


(Heiterkeit bei der SPD)


Ich finde es wichtig, dass das vom Regierungssprecher
unterstrichen wurde und nicht Worte aus dem Bereich
Fauna und Flora benutzt wurden. Diese Umgangsformen
wollten Sie ja auch ablegen.

Insofern trifft die Analyse der Frankfurter Allgemei-
nen Zeitung zu; Herr Michelbach, vielleicht haben Sie
diese Zeitung ja im Abo. Dort war zu lesen: Falls sie bis
zum Ende durchhält – diese Koalition ist gemeint –,
dann wird der Stoff für Streit bis zum Schluss nicht aus-
gehen. Auch das, denke ich, kann man nur unterstrei-
chen.


(Holger Krestel [FDP]: Was schreibt die Frau im Spiegel dazu?)


Apropos Steuerchaos, ich will die FDP an dieser
Stelle – die Gelegenheit jetzt ist einfach so schön – noch
an eine Pressemitteilung vom Mai 2010 erinnern. Da-
mals hat Herr Lindner gesagt, die FDP prüfe jetzt inten-
siv, ob man die Steuersenkungen für Hoteliers zurück-
nehmen wolle. – Ich wollte einmal nachfragen – Herr
Volk, Sie sind, glaube ich, der nächste Redner –, ob Sie
nach eineinhalb Jahren mit der Prüfung fertig sind


(Heiterkeit und Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


und ob es ein Ergebnis gibt. Ich denke, wenn Sie diese
Steuersenkungen zurücknehmen würden, hätten Sie eine
gute Basis, um das Thema kalte Progression anzugehen.

Herzlichen Dank.

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(C (D Das Wort hat der Kollege Dr. Daniel Volk von der DP-Fraktion. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


(Beifall bei der SPD)

Martin Gerster (SPD):
Rede ID: ID1713527500


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713527600

Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine sehr geehrten

amen und Herren! Kollege Gerster, kommen wir erst
inmal zurück zur Sache und zum eigentlichen Thema
ieser Aktuellen Stunde.


(Martin Gerster [SPD]: Was hat die Überprüfung ergeben? – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Was ist das Ergebnis?)


enn ich es richtig verstanden habe, so haben zwei von
rei Oppositionsfraktionen durch ihre Redner hier in der
ktuellen Stunde zugegeben, dass wir im Bereich der
nteren und mittleren Einkommen eine Änderung in der
teuergesetzgebung vornehmen müssen. Die einzige
ppositionsfraktion, die dies nicht fordert, die sich als
ertreterin der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
wischenzeitlich vollkommen abgemeldet hat, ist die
PD-Fraktion. Daher, Herr Kollege Gerster, ist klar, wa-
m Sie während Ihrer gesamten Rede kein einziges
ort zu der eigentlichen Thematik, zum Problem der

alten Progression bei den unteren und mittleren Ein-
ommen, gesagt haben.


(Beifall bei der FDP – Zurufe von der SPD)


Kommen wir ganz nüchtern zurück zum Thema. Herr
chick hat dies als ein nur theoretisches Problem be-
eichnet. Ich glaube, dass dieses von Ihnen als theore-
sch bezeichnete Problem für eine sehr große Anzahl
on Steuerpflichtigen ein sehr praktisches Problem ist.


(Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weisen Sie nach, wie es in den letzten Jahren gewirkt hat, statt so etwas zu behaupten!)


eswegen sollten wir als verantwortliche Politiker nicht
alitätsfern die Augen davor verschließen. Vielmehr
üssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es gerade in den
tzten Jahren eine deutliche Preissteigerung, also Infla-
on, gegeben hat. Wir haben in den letzten Monaten
eutliche Einkommenserhöhungen aufgrund der Tarif-
erhandlungen beobachtet, und wir werden sie in den
ächsten Monaten beobachten können.


(Zurufe von der SPD: Hoffentlich!)


dieser Kombination kann, denke ich, niemand abstrei-
n,


(Nicolette Kressl [SPD]: Dann könnten Sie uns jetzt eine Berechnung vorlegen!)


ass es im Bereich der unteren und mittleren Einkom-
en einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt,

ie in die kalte Progression rutschen. Dies ist kein rein
eoretisches Problem. Frau Höll hat es dargestellt. Die





Dr. Daniel Volk


(A) )


)(B)

kalte Progression führt dazu, dass die nominale Lohner-
höhung im Wesentlichen durch ein Hochrutschen in den
Steuersätzen aufgefressen wird.

Ich finde es gut, dass wir uns hier zumindest zwischen
vier Fraktionen – die Ausnahme ist die SPD-Fraktion –
einig sind, dass wir dieses Problem angehen müssen.


(Nicolette Kressl [SPD]: Das ist gelogen! Ich habe das vorhin ganz anders gesagt! Das steht so im Protokoll!)


– Frau Kressl, ich habe mir die Beschlüsse der SPD in
den letzten Monaten sehr genau angesehen. Sie haben
sich rasant davon verabschiedet,


(Nicolette Kressl [SPD]: Jetzt reicht es aber!)


die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hier im Parla-
ment zu vertreten. Volker Wissing hat es schon gesagt:
Sie sollten sich dafür schämen, dass Sie als traditionelle
Arbeitnehmerpartei dieses Feld vollkommen aufgeben.
Aber es gibt ja andere Parteien, zum Beispiel die FDP,
die sich dieser Gruppe annehmen werden.


(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Paul Lehrieder [CDU/CSU] – Lachen bei der SPD – Manfred Zöllmer [SPD]: 1,8 Prozent!)


Natürlich wird von den Oppositionsfraktionen sofort
wie ein Mantra gesagt: Wir müssen dann aber an anderer
Stelle Steuern erhöhen. Ich möchte zu bedenken geben,
dass es bei den Themen kalte Progression und Inflation
insgesamt um Gerechtigkeit, um das Austarieren zwi-
schen den Interessen des Staats in Form des Fiskus ei-
nerseits und den Interessen der Steuerpflichtigen ande-
rerseits geht. Es darf nicht sein, dass der Fiskus
sozusagen als Gewinner der Inflation zulasten der Steu-
erpflichtigen auftritt. Das ist für mich ein grundsätzli-
cher Verstoß gegen die Gerechtigkeit.

Insofern ist auch eine Forderung wie „Wir müssen an
anderer Stelle Steuern erhöhen!“ ein Verstoß gegen die
Leistungsgerechtigkeit, die wir in Deutschland weiterhin
verteidigen müssen. Denn nur mit einer gesunden Leis-
tungsgerechtigkeit, gerade im Steuer- und Abgabensys-
tem, sorgen wir dafür, dass die Konjunktur bzw. die
Wirtschaft in Deutschland gut läuft, dass mehr Arbeits-
plätze geschaffen werden und dass mehr Leute in Lohn
und Brot kommen. Das Prinzip der Leistungsgerechtig-
keit hat in den letzten zwei Jahren zu fantastischen Wirt-
schaftsdaten geführt.


(Manfred Zöllmer [SPD]: Ah ja! – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Kommt jetzt eigentlich die Steuersenkung, Herr Kollege? – Nicolette Kressl [SPD]: Wann kommt die Steuersenkung?)


Vor diesem Hintergrund kann ich nur dringend empfeh-
len, dass sich auch die Opposition des Themas „Kalte
Progression“ annimmt und nicht sofort reflexartig sagt:
Wir lehnen das ab.

Teilweise wurde gesagt, es gebe noch keine konkreten
Vorstellungen.

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(C (D (Manfred Zöllmer [SPD]: So ist es ja auch! Das war übrigens Seehofer, der das gesagt hat! – Nicolette Kressl [SPD]: Genau! Horst Seehofer!)


ffensichtlich waren sie aber so konkret, dass Sie sie so-
rt reflexartig ablehnen konnten.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Kommt die Steuersenkung eigentlich?)


h denke, wir sollten dieses Problem insgesamt ange-
en.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Kommt die Steuersenkung? Sagen Sie uns das doch mal!)


h lade Sie ein, zu diesem Thema einen konstruktiven
ialog mit uns zu führen,


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Machen wir doch!)


m dazu beizutragen, dass das Prinzip der Leistungsge-
chtigkeit weiterhin gilt.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Mit Steuersenkung war es ja wohl nichts! – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Doch keine Steuersenkung! Das ist jetzt das Ergebnis des Beitrags!)



Dr. Daniel Volk (FDP):
Rede ID: ID1713527700

Das Wort hat der Kollege Dr. Axel Troost von der

raktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713527800

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

enn man die FDP hört, dann hat man das Gefühl, es
abe seit zehn Jahren ständig Steuersatzsteigerungen ge-
eben und nun müssten wir endlich einmal eine Steuer-
atzsenkung durchführen. Das Gegenteil ist doch der
all. Seit 2000 gab es – erst von Rot-Grün, dann von der
roßen Koalition, dann fortgesetzt von der jetzigen Re-
ierung – ständig Steuersenkungen. Wenn man die Steu-
rsenkungen von 2000 bis 2011 summiert, kommt man
u dem Ergebnis: Es waren Mindereinnahmen von mehr
ls 400 Milliarden Euro zu verzeichnen, nur bedingt
urch Steuersenkungen.


(Norbert Schindler [CDU/CSU]: Ja! Deswegen geht es uns gut!)


ieses Geld fehlt den öffentlichen Haushalten. Dies war
in ganz wesentlicher Grund dafür, dass wir eine stei-
ende Staatsverschuldung hatten.


(Beifall bei der LINKEN – Norbert Schindler [CDU/CSU]: Deswegen geht es uns gut! Trotz Bankenkrise! – Dr. Volker Wissing [FDP]: Lieber Axel Troost, wir haben eine sinkende Staatsverschuldung!)






Dr. Axel Troost


(A) )


)(B)

Jetzt gibt es das Regime der Schuldenbremse. Die
Schuldenbremse kann allerdings zur Investitionsbremse
und zur Zukunftsbremse werden, wenn wir nicht dafür
sorgen, dass die Einnahmen gesteigert werden. Deswe-
gen hat Herr Bofinger, Mitglied des Sachverständigen-
rats, damals in der Diskussion über die Schuldenbremse
gesagt: Wir brauchen keine Schuldenbremse, sondern
eine Steuersenkungsbremse. – Das halten wir für völlig
richtig.


(Beifall bei der LINKEN)


Das heißt natürlich nicht, dass man am Grundkonzept
der Steuern nicht einiges ändern und dass man nicht in
bestimmten Bereichen Steuersenkungen durchführen
muss. Aber wir wollen keine Nettosenkung, sondern ins-
gesamt mehr Steuereinnahmen. Insofern ist – abgesehen
von dem ganzen Chaos des Vorstellens – die Grundin-
tention Ihres Konzeptes falsch. Das liegt nicht etwa da-
ran, dass es noch nicht fertig ist, sondern daran, dass Sie
nicht auf ein Gesamtkonzept abzielen, das zumindest
aufkommensneutral ist oder zu Mehreinnahmen führt.

Wir haben unser Konzept zur Einkommensteuer heute
erneut dargelegt. Wir haben ein Gesamtkonzept, das wir
Ihnen bereits vor vielen Monaten und sogar schon in der
letzten Legislaturperiode erläutert haben. Die Kollegin
Höll hat es schon gesagt: Wir sind in der Tat für eine Li-
nearisierung des Einkommensteuertarifs. Wir wollen da-
für sorgen, dass der sogenannte Waigel-Buckel ver-
schwindet. Damit würden wir einen großen Teil des
Gesamtproblems lösen, das darin besteht, dass Einkom-
menssteigerungen gerade im unteren und mittleren Ein-
kommensbereich zu besonders hohen Steuersatzsteige-
rungen führen.

Das muss allerdings gegenfinanziert werden. Für uns
ist völlig klar: Wir brauchen bei der Einkommensteuer
wieder einen Spitzensteuersatz von mindestens 53 Pro-
zent. Das ist übrigens nichts Besonderes. Das gab es
schon unter Helmut Kohl. Auch damals hatten wir kei-
nen Sozialismus


(Norbert Schindler ben wir eure Schulden bezahlt! – nein, nein –, (Norbert Schindler [CDU/CSU]: Doch! Da hat er eure Schulden bezahlt! Ihr habt ja auch mehr als genug gemacht, mit den ganzen Auslandsschulden!)


sondern ein Steuersystem, das in der Tat noch einigerma-
ßen zur Finanzierung der Infrastruktur beigetragen hat.


(Dr. Martina Bunge [DIE LINKE], an die CDU/CSU gewandt: Vorher waren es bei Ihnen sogar 56 Prozent!)


Wenn wir für Entlastungen sorgen wollen – ich glaube,
das macht Sinn und ist notwendig –, müssen wir uns um
die Gegenfinanzierung kümmern.


(Beifall bei der LINKEN)


Um das einmal deutlich zu sagen: Nach Ihrem Kon-
zept soll es im Einkommensteuerbereich zu einer Kür-

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(C (D ung von 6,5 Milliarden Euro kommen. 57,5 Prozent ieser Kürzung entfallen auf die Länder und Gemeinden. as wären 3,7 Milliarden Euro pro Jahr weniger. Um das inmal konkret zu machen: Nordrhein-Westfalen hätte ro Jahr 790 Millionen Euro weniger, Bayern 560 Milonen Euro und Baden-Württemberg 480 Millionen uro. (Norbert Schindler [CDU/CSU]: Wie viel haben diese Länder dieses Jahr mehr?)


Ihr Hinweis auf das „Mehr“ ist sehr schön.

Schauen Sie sich an – Herr Koschyk hat mir im Fi-
anzausschuss, als wir darüber geredet haben, völlig zu-
estimmt –, wie die Steuerprognose für das Jahr 2012 im
ahre 2008 im Vergleich zu der im Mai 2011 ausgesehen
at. Es fehlen immer noch 60 Milliarden Euro. Wir ha-
en bei den Schätzungen für das Jahr 2012 noch immer
icht das Niveau von vor der Krise erreicht. Es stehen ja
uch weiterhin viele Kürzungen an, zum Beispiel das
0-Milliarden-Euro-Paket allein hier im Bund.


(Norbert Schindler [CDU/CSU]: Waren Sie drei Jahre lang im sozialistischen Himmel, damit Sie nicht mitbekommen, was hier los war?)


Insofern ist es für uns völlig inakzeptabel, hier neue
öcher zu reißen, wodurch bei den Kommunen und bei
en Ländern, die jetzt schon nicht wissen, wie sie die
chuldenbremse einhalten sollen, ebenfalls neue Löcher
erissen werden. Wir brauchen ein Gesamtkonzept, und
as haben wir heute dargelegt. Danach wird nicht nur
nten entlastet, sondern dadurch werden auch der Spit-
ensteuersatz verändert, die Vermögensteuer eingeführt,
ie Erbschaftsteuer verändert, die Finanztransaktion-
teuer eingeführt und viele andere Privilegien abge-
chafft.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: 60 Prozent Erbschaftsteuer, 5 Prozent Vermögensteuer!)


ur so können wir insgesamt zu mehr Steuergerechtig-
eit beitragen und eine Entlastung im unteren Bereich
rreichen.

Danke schön.


(Beifall bei der LINKEN – Norbert Schindler [CDU/CSU]: Das machen die Griechen, und darauf schimpfen Sie!)



Dr. Axel Troost (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713527900

Das Wort hat der Kollege Dr. Hans Michelbach von

er CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Mal gucken, was Sie gelernt haben!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713528000

Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Zur Klar-

tellung: Unser politisches Konzept ist erstens, eine so-
de Haushalts- und Finanzpolitik zu betreiben – das sind
ir konkret angegangen –, zweitens, eine wirtschaftliche
rholung zu erzielen und Wachstumschancen zu gene-





Dr. h. c. Hans Michelbach


(A) )


)(B)

rieren – das sind wir erfolgreich angegangen –, und drit-
tens, eine ungerechte Bereicherung des Staates durch die
kalte Progression zulasten der Steuerzahler zu verhin-
dern – das gehen wir jetzt an. So sieht die Politik aus, die
wir im Koalitionsvertrag ganz klar gemeinsam festgelegt
haben.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Deswegen finde ich, dass wir auch heute offensiv da-
rüber reden müssen.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Wann kommt das denn jetzt? Wann findet das denn statt?)


Die Koalition will die Empfänger kleinerer und mitt-
lerer Einkommen entlasten und die kalte Progression ab-
schwächen.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Wann kommen denn jetzt die Steuersenkungen? Gar nicht?)


Dadurch kann verhindert werden, dass Lohn- und Ein-
kommenssteigerungen in Zukunft überproportional steuer-
lich belastet werden. Das ist im Sinne eines erfolgreichen
Wirtschaftsstandortes Deutschland und insbesondere im
Sinne unserer Steuerzahler und unserer Arbeitnehmer in
Deutschland.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Sagen Sie doch einmal, wo die Arbeitnehmer nach Ihrem Vorschlag entlastet werden!)


Sie wissen es scheinbar gar nicht: Die Mehrheit der
Steuerzahler leidet unter der kalten Progression.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Ich dachte, unter der FDP!)


Bislang führt der Tarifverlauf dazu, dass selbst bei gerin-
gen Einkommenssteigerungen die Steuerbelastung über-
proportional steigt. Die Bundesbürger haben bei der
derzeitigen Inflation trotz Lohnerhöhungen unter dem
Strich monatlich oft weniger im Geldbeutel. Eine Ge-
haltserhöhung muss auch zu einem höheren Einkommen
führen und darf nicht nur eine höhere Steuerbelastung
bedeuten. 1 Euro mehr an Verdienst darf in Zukunft
nicht zu 2 Euro mehr an Steuern führen.


(Zurufe von der SPD: Oh!)


Zu dieser Situation kommt es durch eine überpropor-
tionale Steigerung der Steuerbelastung. Dieser Automa-
tismus, der zu immer höheren Steuereinnahmen auf-
grund prozentual immer höherer Steuerbelastungen
führt, wird von uns nach dem Prinzip „Mehr netto vom
Brutto“ gebremst werden.


(Dr. Gerhard Schick [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Können Sie einmal vorrechnen, wie das gehen soll, Herr Michelbach? – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Das wollen wir hier jetzt einmal vorgerechnet bekommen!)


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(C (D Soweit progressionsbedingte Steuermehrbelastungen uf rein nominalen Einkommenssteigerungen beruhen, it denen lediglich die Preissteigerungsraten im Zeitum zwischen 2010 und 2012 ausgeglichen werden, ollen sie durch eine gezielte Tarifsenkung zurückgeommen werden. Zum 1. Januar 2013 soll der Grundeibetrag bei der Einkommensteuer angehoben und der teuertarif nach rechts verschoben werden. Zudem soll er Tarif alle zwei Jahre an die Entwicklung der kalten rogression angepasst werden, danach sollen entsprehende Tarifkorrekturen vorgenommen werden. So sieht ieses Konzept aus. Sie behaupten, dass es keine Inflation und daher keine otwendigkeit für einen Inflationsausgleich gibt. Das lingt nach Ihrem Weltökonomen Helmut Schmidt, den ie heute oft zitieren. Mir ist noch bekannt, dass ihm Prozent Inflation lieber waren als 6 Prozent Arbeitssigkeit. Wie wir wissen, hat er beides bekommen. Das t Ihre Ökonomie. Wir haben eine Entlastung und kein odell zum Abkassieren vor. Niemand soll hier verunsichert werden. (Christian Lange [Backnang] [SPD]: Warum erzählen Sie dann so etwas?)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


nser Konzept führt für alle Steuerzahler zu mehr Steuer-
erechtigkeit. Die Opposition – das muss man deutlich
achen – hat letzten Endes vor, dem Steuerzahler mög-
chst viel Geld abzunehmen. Das heißt, Sie pflegen den
nersättlichen Staat. Sie wissen gar nicht, dass es uns
icht um Steuergeschenke geht. Das Geld gehört zu-
ächst den arbeitenden Menschen in Deutschland.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


ie aber verteilen das Geld schon jetzt. Das ist Ihre Phi-
sophie.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Bleiben Sie bei der Wahrheit!)


Niemand wird von uns verunsichert. Es ist aber so:
ie Opposition ist für heimliche Steuererhöhungen. Sie
rdern Lohnerhöhungen, wollen aber für Ihre Staats-
eologie Geld einnehmen. Das ist die Situation.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


taatsbeglückung der sogenannten Gutmenschen nennt
an das. Das Geld gehört nicht Ihnen, damit Sie wun-

erbare politische Ideologie betreiben können.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Ihnen gehört es aber auch nicht!)


as Geld gehört unseren Bürgerinnen und Bürgern. Sie
issen am besten, was sie damit anfangen können.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Die hohen Kitagebühren bezahlen!)






Dr. h. c. Hans Michelbach


(A) )


)(B)

Angesichts Ihres Steuererhöhungsprogrammes wird
klar, dass Sie arbeitnehmerfeindlich sind, weil Sie die
kalte Progression nicht abschaffen wollen bzw. ersetzen
wollen.


(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Wann wollen Sie sie denn abschaffen? Das haben Sie noch nicht gesagt!)


Ihre Steuerpolitik ist auch höchst leistungsfeindlich, ins-
besondere für die mittelständischen Steuerzahler. Der
Spitzensteuersatz für Personengesellschaften soll schon
bei 64 000 Euro gelten. Das trifft den Handwerker, der
für Investitionen Eigenkapital braucht. Das wollen Sie
wegsteuern. Die Erbschaftsteuer wollen Sie erhöhen.
Die Vermögensteuer wollen Sie einführen. Diese Pro-
gramme kann Deutschland nicht brauchen. Das führt zu
Verhältnissen wie in Griechenland und zu nichts ande-
rem.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Hans Michelbach (CSU):
Rede ID: ID1713528100

Das Wort hat jetzt die Kollegin Petra Hinz von der

Fraktion der SPD.


(Beifall bei der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713528200

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der

Volksmund hat fast immer recht, auch in diesem Fall. In
dieser Debatte – ich muss es am Anfang doch bringen –,
bekommt das Sprichwort – ich schaue in Richtung FDP,
Herr Dr. Volk – „Lügen haben kurze Beine“ eine ganz
neue Dimension.

Was wir hier gerade an Geschichtsklitterung gehört
haben, war schon sehr interessant. Die Aktuelle Stunde
trägt die Überschrift „Unklare Konzepte der Bundes-
regierung …“. Diese Überschrift zieht sich in dieser Re-
gierung wie ein roter Faden durch die gesamte bisherige
Regierungszeit.

Steuererleichterung: Die FDP hat lange um Steuer-
erleichterungen gekämpft. Endlich, endlich knickt die
CDU, knicken der Finanzminister und die Kanzlerin ein.
Allerdings zahlt die sogenannten Steuererleichterungen
der Steuerzahler.


(Dr. Daniel Volk 1. Januar 2010 passiert? Der Steuerzahler wird von den Erleichterungen kaum etwas merken. (Dr. Volker Wissing [FDP]: Über 600 Euro für eine Familie!)


Was Sie hier betreiben, ist Augenwischerei. Sie haben
permanent davon gesprochen, die kalte Progression ab-
zumildern. Ich habe von Ihnen dazu überhaupt nichts ge-
hört: keine Zahlen, kein tatsächliches Konzept, keine
Idee. Es gab nur Oppositionsbeschimpfung.


(Beifall bei der SPD)


Das ist aber kein Problem; denn alle Ihre Ankündigun-
gen wurden innerhalb einer Stunde einkassiert.

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(C (D (Norbert Schindler [CDU/CSU]: Frau Hinz, Sie haben nicht zugehört!)


Oder sprechen wir es ruhig aus: Der Rettungsschirm
ilt der FDP, und zwar auf Kosten der Bürgerinnen und
ürger. Dieser Rettungsschirm, der nichts anderes zum
halt hat, als den kleinen Koalitionspartner FDP zu ret-
n, zieht die CDU mit in den Abgrund. Ich kann Ihnen
ersichern: Das wird Ihnen keine Stimme mehr einbrin-
en.


(Norbert Schindler [CDU/CSU]: Sie haben bei der letzten Wahl 23 Prozent erzielt!)


Wie soll das alles bezahlt werden? Wenn es nach
DU und FDP geht, wird es durch die Bürger, die Kom-
unen und die Länder finanziert. Das ist von den Kolle-

innen und Kollegen schon sehr oft dargestellt worden.
ie kleinen Steuergeschenke, die Sie gerade verpacken
ollen, werden Kostensteigerungen und Gebührenerhö-
ungen zur Folge haben.


(Beifall bei der SPD)


Am morgigen Donnerstag werden wir den Gesetzent-
urf zur Stärkung der Finanzkraft der Kommunen bera-
n und verabschieden. Ist das nicht grotesk? Morgen
ollen wir die kommunalen Finanzen stärken, und heute
ehmen wir den Kommunen das Geld weg. Herzlichen
lückwunsch, liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP
nd der CDU/CSU!


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Ja, und so machen die das immer! Das ist Kommunalpolitik à la CDU!)


Auf dem sogenannten Gipfeltreffen der Koalition ha-
en Sie beschlossen, weitere Milliarden Euro für Infra-
truktur, Gesundheit und Pflege auszugeben. Es war
om Koalitionsvertrag die Rede. Ich würde eher von ei-
em Letter of Intent, einer beabsichtigten Vereinbarung
u weiteren Projektgruppen und Arbeitsgruppen, spre-
hen; denn mehr ist es definitiv nicht.


(Beifall bei der SPD)


Wo sind denn Ihre klaren Prioritäten? Wo ist Ihre Li-
ie? Sie haben nichts als Kostensteigerungen vor. Von
aushaltskonsolidierung ist nicht die Rede. Die Frage
er Neuverschuldung haben Sie schon gar nicht mehr im
riff. Wie sollen die ganzen Mindereinnahmen kompen-

iert werden?

Kommen wir auf die Steuergeschenke zurück.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Lohnsteigerungen sind keine Geschenke!)


chuldenfinanzierte Steuergeschenke sind unverantwort-
ch, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Regierung.


(Beifall bei der SPD)


llein in Nordrhein-Westfalen – Sie haben es bereits an-
esprochen, Herr Kollege – geht es um 700 Millionen
uro.


(Widerspruch bei der FDP)






Petra Hinz (Essen)



(A) )


)(B)

– Wenn wir schon immer wieder über Geschichte reden:
Wer war denn dort fünf Jahre in der Verantwortung? Wa-
ren das nicht CDU und FDP?


(Klaus-Peter Flosbach [CDU/CSU]: Wer war 40 Jahre in der Verantwortung? – Dr. Volker Wissing [FDP]: Wer hat denn in NordrheinWestfalen den Schuldenhaushalt aufgestellt? Rot-Grün!)


Die sogenannten Steuergeschenke werden das Land
Nordrhein-Westfalen 700 Millionen Euro an Minderein-
nahmen kosten. Damit sind das Geschenke auf Pump.

Aber vielleicht greifen Sie wieder in die Trickkiste
und erkaufen die Zustimmung im Bundesrat, der
schließlich auch zustimmen muss. Was sagen die B-Län-
der, also die CDU/CSU- und – die FDP gibt es ja auch
noch – FDP-geführten Bundesländer? Wir sagen: Steuer-
senkungen, also Mindereinnahmen, müssen durch eine
stärkere Belastung der Reichen über den Spitzensteuer-
satz ausgeglichen werden.

Was aber sagen die CDU-Ministerpräsidenten? Der
schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry
Carstensen sagt ganz klar, dass er keinen Spielraum für
Steuersenkungen sieht. Ich zitiere den Ministerpräsiden-
ten: „Steuersenkungen zulasten der Landeskasse können
wir uns als Konsolidierungsland nicht erlauben.“


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Norbert Schindler [CDU/ CSU]: Er hat auch hohe Schulden geerbt, der arme Teufel!)


Ich könnte noch weitere Ministerpräsidentinnen und
Ministerpräsidenten anführen. Alle Ihre Kollegen schrei-
ben Ihnen ins Stammbuch, dass diese Steuersenkung auf
Kosten der Länder und der Kommunen erfolgt.

Es bleibt bei Ankündigungen. Auch auf Anfrage im
Finanzausschuss bleibt die Steuerpolitik der schwarz-
gelben Regierungskoalition unklar und chaotisch. So-
wohl in der Steuerpolitik als auch bei anderen finanz-
politischen Themen ist Schwarz-Gelb offensichtlich zer-
stritten.


(Zuruf von der FDP: Wo ist sie denn zerstritten?)


Es gibt kein Konzept, sondern, wie gesagt, maximal ei-
nen Letter of Intent. Niemand weiß, woran er in der
Steuerpolitik ist.

Sie sollten wichtige Weichenstellungen vornehmen.
Heute war nichts zur kalten Progression oder zu einem
Konzept zu hören. CDU/CSU und FDP sind handlungs-
unfähig.

Ich will auch die Meinungen Dritter zitieren. Die
Wirtschaftsforscher stellen der Regierung ein miserables
Zeugnis aus.


(Dr. Volker Wissing [FDP]: Denken Sie an die Arbeitslosigkeit, die es unter Rot-Grün gab!)


Aus Zeitgründen will ich nicht näher darauf eingehen.

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(C (D Frau Kollegin Hinz, Ihre Redezeit ist abgelaufen. Noch einen Satz. – Nehmen wir zum Beispiel Herrn eidmann, den Bundesbankpräsidenten. Sie wissen siherlich noch, dass er vorher als Berater von Bundesanzlerin Merkel tätig war. Er hat ganz klar gesagt: „Anesichts der Risiken in der Finanzplanung und eines risenbedingt sehr hohen Schuldenstands muss die aushaltskonsolidierung Vorrang haben.“ Er spricht sich egen Steuersenkungsgeschenke aus. Nehmen wir den Finanzminister. Frau Kollegin Hinz, kommen Sie bitte jetzt sofort um Schluss. Der Finanzminister hat deutlich gemacht, dass Ihre teuergeschenke und vermeintlichen Superentlastungen icht zu dramatischen Entlastungen führen würden. Das ar Ihr Minister. Als letzter Redner in dieser Aktuellen Stunde hat der ollege Dr. Mathias Middelberg von der CDU/CSUraktion das Wort. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe olleginnen! Liebe Kollegen! Da hier eben die kalte rogression angesprochen wurde, sollte man das Prolem kurz am praktischen Beispiel erklären. Nehmen wir einen Facharbeiter, der ein Jahreseinommen von 43 000 Euro nach Hause bringt, als Beipiel. Wenn er eine Lohnsteigerung von 2,5 Prozent beommt, erhält er im nächsten Jahr 44 075 Euro. Weil urch die Steuerprogression die Summe, die er mehr erdient, mit einem höheren Satz besteuert wird, steigert ich seine Steuerlast von 4 644 Euro auf 4 900 Euro. Er ahlt jetzt auch höhere Sozialabgaben. Was ihm netto erbleibt, wird aufgrund der Preissteigerung, der Inflaon, weniger wert. Das heißt, seine Kaufkraft wird efktiv geringer. Somit hat der Facharbeiter zwar nominal ut 800 Euro mehr am Jahresende verdient, er und seine amilie haben aber 138 Euro an Kaufkraft verloren. Wir wollen nun diese schleichende Belastung, die urch die Inflation und durch die Steuerprogression entteht – der Steuertarif belastet die Leute immer stärker –, ber die Jahre ausgleichen. Das ist nichts anderes als ein tück Gerechtigkeit. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Klaus-Peter Flosbach [CDU/CSU]: Jetzt hat die SPD das verstanden!)

Petra Hinz (SPD):
Rede ID: ID1713528300
Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713528400
Petra Hinz (SPD):
Rede ID: ID1713528500
Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713528600

(Beifall bei der SPD)

Petra Hinz (SPD):
Rede ID: ID1713528700

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713528800

(Dr. Daniel Volk [FDP]: So ist es!)






Dr. Mathias Middelberg


(A) )


)(B)

Darum geht es. Es geht nicht darum, dass wir besondere
Gruppen dieser Gesellschaft bevorzugen oder entlasten
oder bestimmte Gruppen gegeneinander ausspielen wol-
len. Es geht vielmehr ganz einfach um Gerechtigkeit.


(Beifall des Abg. Paul Lehrieder [CDU/CSU])


Wir wollen, dass die Lohnsteigerungen nicht in der
Steuerkasse des Staates landen, sondern bei denen an-
kommen, die sie erwirtschaftet haben. Das sind die Ar-
beitnehmer in Deutschland.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger und grundlegender
Punkt. Es geht um Gerechtigkeit. Deswegen machen wir
diese Operation, deswegen halten wir das für richtig.

Es ist noch ein anderer Punkt angesprochen worden,
der auch mir wichtig ist. Ich glaube, man kann beide
Punkte miteinander verbinden – Herr Wissing hat das
schon erklärt –: Man kann Steuern in einem moderaten
Umfang senken und gleichzeitig die Staatsverschuldung
im Griff behalten.


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Ist doch klar: über Ausgabensenkung! Ist doch logisch! Das geht wunderbar!)


Wie wichtig das Thema Staatsverschuldung ist, haben
wir heute Morgen ausgiebig diskutiert. Es ist jedem in
Deutschland und Europa jetzt deutlich geworden, dass
Staatsverschuldung gerade für unsere Währung sehr ge-
fährlich ist.

Da wir beim Thema Staatsverschuldung sind: Ich bin
verwundert, welche Beiträge dazu hier teilweise geleis-
tet wurden, gerade von den Kolleginnen und Kollegen
der Sozialdemokratie. Wenn ich mir die jüngere Ent-
wicklung in Ihrem – ich sage mal – Mustervorzeigeland
Nordrhein-Westfalen ansehe, dann stelle ich fest, dass
das eine reine Katastrophe ist. Die Regierung dort hat
nach ihrem Antritt die Neuverschuldung des Haushalts
um 30 Prozent erhöht. Der nordrhein-westfälische Ver-
fassungsgerichtshof hat den Haushalt 2010 inzwischen
für verfassungswidrig erklärt. Die Neuverschuldung des
Haushalts steigt von 6,6 Milliarden Euro, die von der
Vorgängerregierung vorgesehen waren, um 1,8 Milliar-
den Euro auf 8,4 Milliarden Euro. Im Endeffekt beträgt
die Neuverschuldung nicht so viele Milliarden.


(Norbert Schindler [CDU/CSU]: Hört! Hört! – Petra Hinz [Essen] [SPD]: Das sind Rücklagen für die WestLB!)


– Auch wenn man die Mittel für die WestLB herausrech-
net, ist das eine Katastrophenbilanz, Frau Hinz. Das än-
dert sich dadurch nicht.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Das Problematische ist – hier ist das Stichwort „Spa-
ren“ angesprochen worden –, dass sich im Haushalt kein
einziger konkreter Sparvorschlag findet. Es sind nur
Positionen mit Mehrausgaben darin. Sie verteilen ein-
fach nur Geld. Sie in Nordrhein-Westfalen verstreuen
das Geld der Bürger, Geld, das Sie nicht haben.

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(C (D (Petra Hinz [Essen] [SPD]: Die FDP stimmt da mit! Das ist doch komisch!)


as hat der Kollege Schick eben sehr richtig gesagt. Das
t eine absolute Katastrophenbilanz: alles auf Pump,
ein einziger Sparbeitrag.


(Petra Hinz [Essen] [SPD]: Mit den Stimmen von FDP und CDU!)


ie Süddeutsche Zeitung – weiß Gott kein CDU-Blatt –
chreibt dazu, mittlerweile habe sich ein politischer
onsens herausgebildet:

… dass man die Neuverschuldung der Haushalte
senken muss, sich vorbereiten auf die Schulden-
bremse, die im Jahr 2020 kommen wird.
In Nordrhein-Westfalen geht man den umgekehrten
Weg, man macht mehr Schulden als jemals zuvor.

Der Spiegel hat kommentiert: „Alle sparen, nur die
eue nicht.“ Gemeint war Frau Kraft, Ihre Ministerprä-

identin in Nordrhein-Westfalen.

Das markiert den Unterschied zwischen unserer von
DU/CSU und FDP geführten Bundesregierung und Ih-
r von SPD und Grünen geführten Landesregierung in
ordrhein-Westfalen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Lisa Paus [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn das alles so schlimm ist, warum sind Sie denn dann nicht für Neuwahlen?)


Ich glaube, dass die Menschen mit dieser Bundes-
gierung ziemlich gut dran sind. Wie erwähnt worden
t, sind wir von 5 Millionen auf weniger als 3 Millionen
rbeitslose heruntergekommen.


(Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Heruntergekommen sind Sie! Das stimmt!)


as ist im Grunde genommen schon der wichtigste Bi-
nzpunkt. Wir hatten im vergangenen Jahr 3,6 Prozent
achstum; in diesem Jahr sind es 2,8 Prozent. Wir ha-

en die geringste Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren in die-
em Land und kommen jetzt auch deutlich damit voran,
ndlich die Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen.

Man kann zwar manches an der Art der Darstellung
ieser Regierung kritisieren. Ich sage Ihnen ganz ehrlich,
ass auch ich mir manche Optimierung in der Perfor-
ance nach außen wünsche. Was die Resultate und die
akten angeht, können die Bürger in diesem Land sich

Moment aber keine solidere, vernünftigere und bes-
ere Regierung vorstellen.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Axel Troost [DIE LINKE]: Jeder muss sich selber loben! – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Wenn einen sonst keiner lobt, muss man sich selber loben!)



Dr. Mathias Middelberg (CDU):
Rede ID: ID1713528900

Die Aktuelle Stunde ist beendet.





Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms


(A) )


)(B)

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 4 auf:

Vereinbarte Debatte

50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei

(30. Oktober 1961)


Nach einer interfraktionellen Vereinbarung ist für die
Aussprache eine Dreiviertelstunde vorgesehen. Gibt es
Widerspruch? – Das ist nicht der Fall. Dann ist es so be-
schlossen.

Ich eröffne die Aussprache und erteile als erster Red-
nerin Frau Professor Dr. Maria Böhmer für die Bundes-
regierung das Wort.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


D
Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713529000


Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! „Almanya“ hieß der Traum von einem besse-
ren Leben. Allein zwischen 1961 und 1972 kamen
750 000 türkische Männer und Frauen in die Bundes-
republik. Sie wurden hier dringend als Arbeitskräfte ge-
sucht. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz haben diese
Gastarbeiter maßgeblich zum Wohlstand unseres Landes
beigetragen. Dafür danken wir ihnen sehr herzlich.


(Beifall im ganzen Hause)


Für die Türkei war das Anwerbeabkommen ohne
Zweifel ebenfalls ein Gewinn. Mit ihrem in Deutschland
verdienten Geld unterstützten die Gastarbeiter ihre Fa-
milie. Das trug zur wirtschaftlichen Entwicklung in der
Türkei bei.

Was als Aufenthalt auf Zeit geplant war – zunächst
für zwei Jahre –, wurde für viele Menschen ein Bleiben
für immer. Heute leben viele schon in der dritten, ja in
der vierten Generation hier. Sie sind Teil unserer Gesell-
schaft. Deutschland ist ihre Heimat geworden.

50 Jahre Anwerbeabkommen – das bietet Anlass, in-
nezuhalten und den Blick nach vorne zu richten.

In den letzten Jahren hat sich die Bundesregierung
mit aller Kraft für eine bessere Integration eingesetzt.
Wir wollen Migranten die gleichberechtigte Teilhabe er-
möglichen. Und wir wollen den Zusammenhalt in unse-
rem Land stärken. Das ist angesichts der wachsenden
Vielfalt in unserer Bevölkerung unverzichtbar.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Im Deutschen Bundestag gibt es einen breiten Kon-
sens darüber, dass Integration eine Schlüsselaufgabe für
unser Land ist. Wir haben in der Integrationspolitik be-
wusst umgesteuert. Integration muss gezielt gefördert
werden, aber sie muss auch gefordert werden. Integra-
tion kann nur gelingen, wenn wir mit den Migranten
sprechen und nicht über sie. Deshalb habe ich von An-
fang an die Migranten und Migrantinnen und die gesell-
schaftlichen Gruppen an einen Tisch geholt. Das hat sich
bewährt.

Wir sind vorangekommen. Gerade bei türkischstäm-
migen Migranten lohnt sich ein differenzierter Blick.

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(C (D iele haben sich hier erfolgreich eine Existenz aufgebaut als Unternehmer, als Selbstständige. Beispiele gelunener Integration gibt es auch in anderen Bereichen. Sie ind ein Vorbild dafür, dass man es schaffen kann, dass er Aufstieg in unserem Land gelingt. Damit Zuwanderer die Chancen in unserem Land voll utzen können, müssen sie die deutsche Sprache gut beerrschen. Darüber gibt es zum Glück keinen Streit ehr. Mit den Integrationskursen haben wir eine wirkli he Erfolgsgeschichte geschrieben. Aber das reicht icht. Wir müssen von der nachholenden zur vorbereinden Integration kommen. Für die Sprachförderung eißt das, wir müssen so früh wie möglich ansetzen: eim Spracherwerb im Herkunftsland und hier in eutschland in den Kindergärten. Die PISA-Ergebnisse elegen, dass es vor allem bei Jugendlichen aus Zuwanererfamilien einen klaren Aufwärtstrend bei Bildung nd Ausbildung gibt. Wir sind auf dem richtigen Weg. ber noch immer gibt es großen Nachholbedarf bei den rei Großbaustellen: Sprache, Bildung und Ausbildung owie Arbeitsmarkt. Das 50-jährige Jubiläum des Anwerbeabkommens ietet die Chance, ein neues Kapitel in der Integration ufzuschlagen. Erstens. Wir wollen mehr Verbindlichkeit. Dafür steht eine Initiative der individuellen Integrationsvereinbangen. Dafür steht der Nationale Aktionsplan. Und dar steht das Gesetz zur Anerkennung von im Ausland rworbenen Abschlüssen. Mit dem Anerkennungsgesetz rhalten erstmals alle Migranten einen Rechtsanspruch uf ein Anerkennungsverfahren. Viele Migranten aus der ürkei haben sehnsüchtig darauf gewartet. Das Gesetz edeutet aber weit mehr als die Anerkennung beruflicher ualifikationen. Die Lebensleistung von Migranten wird nerkannt und wertgeschätzt. Es ist ein Meilenstein in er Integration und Teil unserer neuen Willkommenskulr. h appelliere deshalb an die SPD, den Gesetzentwurf im undesrat zügig zu verabschieden. Blockieren Sie ihn icht! Das haben die Menschen nicht verdient. Zweitens. Es kommt darauf an, Zuwanderer von Anng an und konsequent dabei zu unterstützen, in unsem Land anzukommen. Vor wenigen Tagen erklärte der inister für die Auslandstürken: Menschen, die Deutsch wie ihre Muttersprache, Türkisch jedoch wie eine Fremdsprache sprechen, sind Ausdruck der Assimilation. as dient nicht der Integration. Wir brauchen von der rkischen Regierung die klare Botschaft, die vielen Mi ranten ihre innere Zerrissenheit nimmt: Engagiert euch it ganzer Kraft in unserem Land! Sagt Ja zu Deutschnd! Es ist eure neue Heimat. Gestern habe ich die Preisträger des von mir initiiern Wettbewerbs „Heimat Almanya – Zeig uns Dein eutschland“ ausgezeichnet. Viele junge Leute haben Staatsministerin Dr. Maria Böhmer )


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)





(A) )

mitgemacht. Wir haben sie gefragt: Wie fühlt es sich an,
als junge Migrantin oder junger Migrant in Deutschland
zu leben? Was bedeutet Heimat, wenn man selbst in Ber-
lin, Frankfurt oder Leipzig geboren ist, die Eltern aber
aus Trabzon, Istanbul oder Gaziantep stammen? Wo
fühlt ihr euch zu Hause? – Die Jugendlichen haben uns
ihre Antwort gegeben: Heimat ist da, wo man sich wohl-
fühlt. – Das ist so in ihrem Deutschland, in unserem ge-
meinsamen Deutschland. Mit gemeinsamen Geschichten
stärken wir das Wirgefühl. Aus vielen einzelnen Ge-
schichten entsteht eine gemeinsame Geschichte. Es ist
die Geschichte unserer Zukunft.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Maria Böhmer (CDU):
Rede ID: ID1713529100

Das Wort hat jetzt die Kollegin Aydan Özoğuz von

der SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713529200

Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Professorin

Böhmer, ich finde, wir sollten diese Debatte nutzen, um
an die zu erinnern, die damals zu uns gekommen sind.
Mir mutet ein bisschen befremdlich an, dass Sie uns zu-
rufen, wir sollten dem Gesetz zur Anerkennung von im
Ausland erworbenen Abschlüssen zustimmen und es
nicht blockieren. Sie und Ihre Kollegen waren es doch
bisher, die das Ganze verschleppt haben. Wir fordern
schon seit langem ein solches Gesetz. Das war ein eigen-
artiger Zuruf, der nicht in diese Debatte passt.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Serkan Tören [FDP]: Trotzdem ist es noch im Bundesrat! – Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Ein sehr persönlicher Einstieg in diese Debatte!)


Ein Teil deutscher Geschichte liest sich so:

In München holten sie uns in einen großen Raum.
Jeder von uns hatte eine Startnummer bekommen,
ich hatte die Nummer 311, und jetzt drückte man
uns einen Zettel in die Hand, auf dem das Ziel
stand, wo wir hinfahren sollten. Die anderen Tür-
ken waren immer in Gruppen, zu viert oder zu
fünft, und ich war die Einzige, die alleine war. Auf
meinem Zettel stand Uelzen. … In meinem Abteil
fand ich einen Plan, den blätterte ich durch und
schaute nach dem Namen „Uelzen“. Das war das
Einzige, was ich verstanden hatte. Ich werde in Uel-
zen arbeiten.

Nermin Özdil kam im März 1973 nach Deutschland.
Sie war damals eine von mittlerweile 600 000 Men-
schen, die aus der Türkei nach Deutschland gekommen
waren. Sie arbeitete in einer Stoßdämpferfabrik und in
einer Schneiderfirma in unserem Land, und dies einige
Jahrzehnte.

Das Abkommen, über das wir sprechen, jährt sich,
wie erwähnt, zum 50. Mal. Die Türkei war nach Italien
als erstem Land, 1955, Griechenland und Spanien das

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(C (D ierte Land, mit dem ein solches Anwerbeabkommen eschlossen wurde. Im ersten Jahr, also 1962 – ich enke, auch an so etwas sollte man sich erinnern –, kaen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes napp 18 000 Türken nach Deutschland. Eine solche ahl – 18 000 – mutet heute fast ein bisschen niedlich n. Es waren oft harte Tätigkeiten, für die in Zeiten des irtschaftlichen Aufschwungs keine einheimischen Areitskräfte gefunden werden konnten. Es ist diesen Menchen nicht allzu oft für das gedankt worden – ich fand ehr schön an der Rede von Professor Böhmer, dass sie s getan hat –, was sie für Deutschland getan haben. Das ielzitierte Wirtschaftswunder Deutschlands wäre nämch ohne ihre Mithilfe sicherlich nicht vollendet woren. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


eswegen danke ich ihnen sehr und drücke im Namen
er Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten meine
nerkennung aus.

Viele dieser ersten Gastarbeiter sind inzwischen ver-
torben; auch Nermin Özdil, von der ich berichtete – sie
at mir einmal ihre Geschichte erzählt –, lebt nicht mehr.
ie meisten haben ihre Geschichten leider nie erzählt,
äufig nicht einmal den eigenen Kindern. Daher ist es so
ertvoll, dass in den vergangenen Jahren Schriftstelle-
nnen und Schriftsteller, Regisseurinnen und Regis-
eure, Journalistinnen und Journalisten recherchiert und
okumentiert haben. Einer der größten Erfolge war der
ilm Almanya der Schwestern Yasemin und Nesrin
amdereli, mit dem sie ein größeres Publikum erreicht
aben. Ich glaube, sie haben ihrem Publikum das nahe-
ebracht, was der vielzitierte Satz von Max Frisch: „Wir
efen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“, wirklich
edeutet. Meines Erachtens wurde dieser Teil der
eutsch-türkischen Lebensgeschichten zu wenig doku-
entiert. Vielleicht ist das eine Anregung, es doch mehr

u tun.

Die größte Zuwanderungswelle erlebte die Bundesre-
ublik im Jahr 1973. Die Arbeitsmigranten übernahmen
obs als un- oder angelernte Arbeiter in der Landwirt-
chaft, auf dem Bau, in der Stahl- und Automobilindus-
ie sowie im Bergbau. Interessanterweise wird meistens
ur der Bergbau erwähnt; aber es war ein breiteres Feld.
ie Arbeitsmigranten wurden meist in Wohnbaracken
ntergebracht. Die ursprünglich geplante maximale Auf-
nthaltsdauer von zwei Jahren wurde dann entfristet,
eil es die Arbeitgeber hier in Deutschland waren, die
icht damit einverstanden waren, die Leute anzulernen
nd sie nach zwei Jahren wieder wegzuschicken, um
eue Arbeitskräfte zu bekommen. Diese Arbeitgeber ha-
en damals dafür gesorgt, dass das Rotationsprinzip auf-
egeben wurde.

Meine Eltern waren keine Gastarbeiter. Sie waren Un-
rnehmer. Sie kamen schon in den 50er-Jahren immer
ieder nach Deutschland. Sie haben dieses Land häufig
esucht, bevor sie hierher siedelten, und sie gehörten da-
it zu den ungefähr 7 000 türkischen Staatsbürgern, die

chon vor der Anwerbung von Gastarbeitern hier waren.
uch in den 70er- und 80er-Jahren sind Menschen aus
ollkommen unterschiedlichen Beweggründen hierher-





Aydan Özoðuz


(A) )


)(B)


Aydan Özoğuz
gekommen, meist im Familiennachzug, wie wir wissen,
als Studenten, als Flüchtlinge. Die Differenziertheit von
Lebensentwürfen zu verstehen und diese nicht pauschal
über ethnische Herkünfte oder gar über Religionszuge-
hörigkeiten zu definieren, das sehe ich als eine der ganz
großen Aufgaben für unsere Zukunft an; denn das schaf-
fen wir bisher irgendwie noch nicht.

Johannes Rau sagte im Jahr 2000 – Zitat –:

Wir brauchen einen breiten Konsens über Integra-
tion und Zuwanderung.

Das ist schon elf Jahre her.

Darum bitte ich alle, die in unserer Gesellschaft
Auftrag und Stimme haben: Streiten Sie über den
besten Weg zu diesem Ziel. Aber so, dass weder
Angst geschürt noch Illusionen geweckt werden.

Dieses Ziel haben wir noch nicht erreicht, besonders
was das Erste angeht. Leider wird häufig mit dem Schü-
ren von Ängsten gearbeitet, wenn es um Integration
geht.


(Beifall bei der SPD)


Politisch ist für eine Kultur der Anerkennung und als
starkes Signal gerade für das deutsch-türkische Zusam-
menleben der Schritt hin zu echter doppelter Staatsange-
hörigkeit für uns Sozialdemokraten längst überfällig.


(Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/ CSU)


Ich glaube, das haben sich gerade die Älteren lange für
ihre Kinder gewünscht. Es ist schon ein Armutszeugnis,
dass das 50 Jahre nach Abschluss des Anwerbeabkom-
mens immer noch nicht möglich ist; die Reaktionen aus
der Union zeigen, an wem es liegt.

Es ist schade, dass einst Zugewanderte, die mittler-
weile im Rentenalter sind, einen Einbürgerungstest
durchlaufen sollen, in dem sie solche Fragen beantwor-
ten sollen wie die, welche Ausländer in der DDR gelebt
haben oder was behördlich zu tun ist, wenn man einen
Hund verschenken möchte. Ich glaube, das könnten wir
uns so langsam sparen.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Ich komme zum Schluss, Herr Präsident. – Die Auf-
gabe, die 56 Jahre nach der ersten Anwerbung von Gast-
arbeitern und 50 Jahre nach Abschluss dieses deutsch-
türkischen Abkommens vor uns liegt, heißt: Wie wach-
sen wir zu einer solidarischen und starken Gesellschaft
zusammen? Ich ende mit einem Satz von Johannes Rau:

Es kommt nicht auf die Herkunft des Einzelnen an,
sondern darauf, dass wir gemeinsam die Zukunft
gewinnen.

Danke schön.


(Beifall bei der SPD)



Aydan Özoğuz (SPD):
Rede ID: ID1713529300

Das Wort hat der Kollege Serkan Tören von der FDP-

Fraktion.

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(C (D (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713529400

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der

0. Oktober 1961 markiert, geschichtlich betrachtet, den
eginn der Arbeitsmigration in die Bundesrepublik
eutschland. An diesem Tag wurde das Anwerbeab-
ommen zwischen Deutschland und der Türkei unter-
chrieben.

Zu diesem Jahrestag gibt es unterschiedlichste Veran-
taltungen. Mit dem Kollegen Marco Buschmann, der
ier rechts sitzt, haben wir uns Gedanken darüber ge-
acht, was wir anlässlich dieses Tages aus dem Parla-
ent heraus machen können. Ich bin froh darüber, dass
ir uns auf diesen Tagesordnungspunkt heute verstän-
igt haben.

Rund 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wur-
eln leben in Deutschland. Knapp 1 Million davon sind
ittlerweile deutsche Staatsangehörige. In den 60er-Jah-
n wurden Menschen aus der Türkei eingeladen, um

ier zu arbeiten. Sie waren tätig in der Schwerindustrie,
Bergbau unter Tage und in der Stahlindustrie. Die tür-

ischen Migranten der ersten Stunde haben unser Land
it aufgebaut und unseren Wohlstand mit begründet.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


iese Menschen haben Offenheit bewiesen. Sie hatten
urchhaltevermögen, sie hatten Leidenschaft und viel
ut. Danke, dass Sie gekommen sind, sich mit Ihrem

leiß und Ihrer Kraft für unser Land eingesetzt haben,
nd danke, dass Sie auch geblieben sind!


(Beifall im ganzen Hause)


Zur aktuellen Situation muss man natürlich auch das
rwähnen, was vielleicht nicht so gut funktioniert hat.
eispielsweise haben 38 Prozent der Jugendlichen türki-

cher Herkunft keine Ausbildung. Mit 21 Prozent sind
rkischstämmige Männer am häufigsten von Arbeitslo-

igkeit betroffen.

Aber es gibt auch viele positive Entwicklungen, die
ider allzu oft unter den Tisch fallen. So machen aktuell
nd 23 Prozent der Frauen türkischer Herkunft das Abi-
r – gegenüber 18 Prozent der Gesamtgruppe. Im Zeit-
um von 1980 bis 1996 nahm die Gesamtzahl türkischer
tudentinnen um das 9,5-Fache zu. Viele türkischstäm-
ige Migranten nutzen seit langem die wirtschaftlichen
hancen der Selbstständigkeit, die sich hier in Deutsch-
nd bieten.

Im Großen und Ganzen, so muss man sagen, ist die
uwanderung aus der Türkei eine Erfolgsgeschichte für
ns alle.


(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Daran anknüpfend müssen wir in die Zukunft schauen.
nser Ziel ist ein erfolgreiches Miteinander. Dazu müs-





Serkan Tören


(A) )


)(B)

sen alle mitwirken: einheimische und Menschen mit Zu-
wanderungsgeschichte.

Mit Blick auf die Türkei heißt es: Umdenken!
Deutschland braucht qualifizierte Zuwanderer, und das
ist keine Frage von Hautfarbe oder Religion. Die Türkei
ist nicht nur als Handelspartner von immenser Bedeutung
für Deutschland; dort gibt es auch ein zunehmendes Fach-
kräftepotenzial. Das Bildungsniveau steigt stetig an.
Viele gut ausgebildete junge Menschen haben Beziehun-
gen zu Deutschland, sind vielleicht sogar mit der Sprache
vertraut.

Hieran sollten wir anknüpfen und mit Leidenschaft,
Mut, Einsatz und Offenheit diese Erfolgsgeschichte
deutsch-türkischer Beziehungen fortschreiben. Leiden-
schaft, Mut, Einsatz und Offenheit, das sind die Eigen-
schaften, die Einwanderer und Einheimische auch im Jahr
2011 brauchen, um gemeinsam erfolgreich und friedlich
miteinander zu leben.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Serkan Tören (FDP):
Rede ID: ID1713529500

Das Wort hat die Kollegin Sabine Zimmermann von

der Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713529600

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In

Deutschland spricht man gern von deutschen Tugenden.
Man spricht auch gern vom deutschen Wirtschaftswun-
der oder von Deutschland als Exportweltmeister. Allzu
oft vergisst man dabei, dass die Hebung der Bundesrepu-
blik Deutschland aus den Ruinen des Zweiten Weltkrie-
ges und das Fundament der wirtschaftlichen Entwicklun-
gen der Nachkriegsjahre von Menschenhand erarbeitet
wurden, von Menschen, die noch heute oft nicht an den
Früchten ihrer Arbeit teilhaben dürfen.

50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen – da
ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Diese Bilanz stellt die Fei-
erlaune gerade aufseiten der bisherigen Bundesregierun-
gen erheblich infrage. Denn wenn die Einwanderung aus
der Türkei als Erfolgsgeschichte dargestellt werden
kann, dann nicht wegen, sondern trotz der herrschenden
Migrations- und Integrationspolitik.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Deshalb möchte ich im Namen der Fraktion Die Linke
den vielen türkischen Migrantinnen und Migranten für
ihre Lebensleistung danken, mit der sie maßgeblich mit-
geholfen haben, ein Wohlfahrts- und Sozialstaatsmodell
aufzubauen.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


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(C (D Die daraus erwachsenen sozialen Mindestsicherungen aben ihnen die Bundesregierungen aber gezielt vorentalten. Am 23. Januar 1971 hieß es im Handelsblatt: Der nicht integrierte, auf sehr niedrigem Lebensstandard vegetierende Gastarbeiter verursacht relativ geringe Kosten von vielleicht 30 000 DM. Bei Vollintegration muß jedoch eine Inanspruchnahme der Infrastruktur von 150 000 bis 200 000 DM je Arbeitnehmer angesetzt werden. Hier beginnen die politischen Aspekte des Gastarbeiterproblems. Jahrzehntelang basierte die offizielle Politik der Bunesregierungen darauf, den Betroffenen politische und oziale Rechte zu verweigern: Integrationshilfen oder prachkursangebote – Fehlanzeige; stattdessen Ausweiungsdrohungen und sogenannte Rückkehrförderung. 988 legte der damalige Bundesinnenminister Friedrich immermann von der CSU einen Gesetzentwurf vor, onach ein Ausländer, der sich gut integriert hat, die ufenthaltserlaubnis verliert. Die Begründung war, dass r durch seine Integration zeige, dass er nicht rückkehrillig sei. Das ist völlig unverständlich. (Beifall bei der LINKEN – Christian Lange [Backnang] [SPD]: Hört! Hört!)


Wenn auch heute gerade türkische Migrantinnen und
igranten überdurchschnittlich oft keinen Schul- und
erufsabschluss haben – das haben wir vorhin schon ge-
ört –, dann ist dies nicht zuletzt auch eine Folge von
0 Jahren Diskriminierung und Dequalifizierung. Rolf
eber von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeit-

eberverbände brachte es 1971 im Spiegel auf den Punkt:

Kein deutscher Arbeitgeber beschäftigt Ausländer,
um damit Bildungs- oder Entwicklungspolitik zu
betreiben. In erster Linie interessiert ihn die Ar-
beitskraft und was sie für den betrieblichen Produk-
tionsprozeß zu leisten imstande ist.

Auch die Bundesregierungen hatten an sozial- und
ildungspolitischen Angeboten für die Migrantinnen und
igranten keinerlei Interesse – als hätte sich seit 1912

ichts geändert. Am 23. Februar 1912 sagte Karl
iebknecht im Deutschen Reichstag:

Sie wollen die ausländischen Arbeiter in Deutsch-
land, aber sie sollen in Deutschland Sklaven sein …

Meine Damen und Herren, die aktuellen Zahlen vom
tatistischen Bundesamt zum Internationalen Tag für die
eseitigung der Armut kommen einer Bankrotterklärung
er unsozialen Politik der letzten Jahrzehnte durch Kon-
ervative und Liberale, aber auch durch Sozialdemokra-
n und Grüne gleich. Diese trifft die Migranten auf-
rund der rechtlichen Benachteiligung und strukturellen
iskriminierung in besonderem Maße. Aber auch Be-
chte der Bundesregierung wie der 8. Lagebericht, der
igrationsbericht, das Working Paper 36 „Migranten am
rbeitsmarkt in Deutschland“ und andere zeigen die
olgen von Ausgrenzung und Diskriminierung.

Obwohl die wesentlichen Handlungsfelder und die
nackpunkte seit Jahrzehnten bekannt sind, hat sich im
eben der meisten Migranten kaum etwas bis gar nichts
erändert. Wie auch? Der Bundesregierung geht es gar





Sabine Zimmermann


(A) )


)(B)

nicht um die soziale Integration. Sonst würde sie dafür
sorgen, dass das vorhandene Geld in massive Ausbil-
dungs-, Bildungs- und Arbeitsmarktförderung fließt


(Beifall bei der LINKEN)


statt in milliardenschwere Bankenrettungspakete.

Keine gute Nachricht also zum 50. Jahrestag der Un-
terzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkom-
mens. Der Bundesregierung sind die Rechte türkischer
Staatsangehöriger egal. Auf diese kurze Formel lässt
sich die Politik der Regierung gegenüber türkischen Mi-
grantinnen und Migranten bringen. Will sie dies ändern,
müssen Ausgrenzung und Diskriminierung endlich ein
Ende haben.

Danke schön.


(Beifall bei der LINKEN)



Sabine Zimmermann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1713529700

Das Wort hat der Kollege Memet Kilic von Bünd-

nis 90/Die Grünen.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713529800

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine lieben Kollegin-

nen und Kollegen! Ich begrüße sehr, dass wir den
50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkom-
mens im Plenum des Deutschen Bundestags mit einer
besonderen Veranstaltung würdigen. Obwohl wir mutig
nach vorne schauen können, liebe Frau Böhmer, muss zu
diesem Anlass auch ein kritischer Blick auf die Integra-
tionspolitik erlaubt sein.

Als türkischstämmiger Bundestagsabgeordneter er-
laube ich mir, sowohl als Einwanderer, aber auch als Re-
präsentant des deutschen Volkes zu sprechen. Ich
möchte gleich am Anfang meiner Rede festhalten, dass
es viele gute Gründe gibt, trotz aller Schwierigkeiten, die
wir gemeinsam erlebt haben, uns gegenseitig Dank aus-
zusprechen.

Die Einwanderinnen und Einwanderer aus der Türkei
haben ihre Jugend und Gesundheit in den Aufbau und
Ausbau unseres Landes investiert, haben unter schwie-
rigsten Bedingungen gearbeitet und ungeliebte Tätigkei-
ten ausgeübt, für die sie keine hohen Löhne erhalten
haben. Wir bedanken uns für den Fleiß und die Beschei-
denheit der türkischen Einwanderer der ersten Genera-
tion und für ihre hervorragenden Leistungen: Danke.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Aydan Özoğuz [SPD])


Immer wieder gab es in Krisensituationen Schuldzu-
weisungen gegen Einwanderer. Sie wurden zu Sündenbö-
cken der unfähigen Politik gemacht. Im November 1973
wurde die Anwerbestoppverordnung erlassen. Ende der
70er-Jahre überboten sich CDU/CSU und SPD bei der
Das-Boot-ist-voll-Politik nach dem Motto: Wer geht här-
ter gegen Einwanderer vor? 1982 sagte Helmut Schmidt
gegenüber der Zeit: Mir kommt kein Türke mehr über die
Grenze. – Acht Jahre später kam Memet Kilic über die
Grenze. 1983 wurde das sogenannte Rückkehrförde-
rungsgesetz verabschiedet, um älter gewordene Einwan-

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(C (D erer loszuwerden. Nach der Wiedervereinigung nahm ie Das-Boot-ist-voll-Politik überhand. Die Folgen wan verheerend. In Rostock, Hoyerswerda und Lichtenha en wurden Flüchtlingsheime in Brand gesteckt. In Mölln nd Solingen wurden türkischstämmige Immigranten erbrannt. – Dies sind die Schattenseiten, die neben den rekären Lebenssituationen wie den alltäglichen Diskriinierungen den Einwanderern in Deutschland das Le en schwer gemacht haben. Dafür muss man sich entchuldigen. Als es in der Türkei 1971 und 1980 zu Militärputchen kam, haben viele politisch Verfolgte in Deutschnd Schutz für sich und ihre Kinder gefunden. Dafür uss man sich bedanken. Viele Menschen haben eine rbeitsstelle gefunden. Herzlichen Dank dafür. Im Jahr 000 wurde die sogenannte Kinderstaatsangehörigkeit ingeführt, damit die Kinder von Einwanderern, die in er dritten und vierten Generation in unserem Land georen werden, nicht als Ausländer, sondern als Staatsürger unseres Landes aufwachsen können. Herzlichen ank dafür. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Wir müssen aus der Vergangenheit lernen und mutig
die Zukunft schauen. Es gibt noch Baustellen, die

ringend angepackt werden müssen. In erster Linie muss
nser Bildungssystem so ausgestaltet werden, dass die
chulerfolge der Kinder weder vom Portemonnaie noch
on der Herkunft ihrer Eltern abhängen.

Des Weiteren müssen Einbürgerungen unter Hin-
ahme der Mehrstaatigkeit erleichtert und das kommu-
ale Wahlrecht auch auf Nicht-EU-Bürger erweitert wer-
en. Dies hat schon der erste Ausländerbeauftragte, Heinz
ühn, gefordert. Es ist ein Armutszeugnis für die Politik,
ass das Heinz-Kühn-Memorandum nach 32 Jahren im-
er noch auf dieselben offenen Baustellen hinweist.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Schließlich muss Deutschland die europarechtlichen
orgaben beachten. Das bedeutet zum einen Visafreiheit
r türkische Staatsangehörige. Das bedeutet zum ande-
n, dass Deutschkenntnisse nicht mehr zur Bedingung
r den Ehegattennachzug gemacht werden dürfen.

Ein gutes Miteinander ist von allen Seiten gewünscht.
ies erfordert aber auch ein entsprechendes gesellschaft-
ches Klima. Wir brauchen endlich – nach mehr als
0 Jahren Anwerbeabkommen – ein Wirgefühl. Wir
önnen unsere Schwierigkeiten gemeinsam in die Hand
ehmen und bewältigen. Wir sind eine Gesellschaft. Un-
er Schicksal ist untrennbar mit dem Schicksal unseres
chönen Landes, der Bundesrepublik Deutschland, ver-
unden. Deutschland ist auch unser Land. Als Einwan-
erer stehen wir dazu, und als Deutsche finden wir das
ut. Bitte mehr Mut und Optimismus, liebe Kolleginnen
nd Kollegen!

Vielen herzlichen Dank.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)







(A) )


)(B)


Memet Kilic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1713529900

Das Wort hat der Kollege Reinhard Grindel von der

CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713530000

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der

50. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei ist
auch für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein guter
Anlass, den positiven Beitrag zu würdigen, den unsere
türkischen Mitbürger zum wirtschaftlichen, aber auch
sozialen Wohlstand in unserem Land geleistet haben.
Frau Özoğuz hat die unterschiedlichen Wege und die un-
terschiedlichen Gruppen von türkischen Mitbürgern be-
schrieben, die zu uns gekommen sind. Es ist wahr: Da-
runter gibt es auch Flüchtlinge, die bei uns geblieben
sind, obwohl sie vielleicht kein Recht dazu gehabt ha-
ben. Aber das ist eben nicht die Mehrheit. Die Mehrheit
ist zu uns gekommen, weil wir sie – und damit auch ihre
Familien – zu uns geholt haben. Es ist richtig, dass diese
Menschen oftmals Arbeiten verrichtet haben, für die sich
keine deutschen Arbeitnehmer gefunden haben. Deshalb
sage ich: Auch für unsere Fraktion ist dieser Jahrestag
Anlass zur Dankbarkeit gegenüber unseren türkischen
Mitbürgern.


(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, der FDP und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Zu Recht werden in diesen Tagen viele erfolgreiche
Zuwanderungsgeschichten in den Medien erzählt. Das
zeigt auch, welche große Bedeutung eine gute berufliche
Perspektive für eine erfolgreiche Integration hat. Gleich-
zeitig hören wir von einer wachsenden Zahl junger Tür-
kinnen und Türken, die unser Land auch deshalb verlas-
sen, weil sie – wahrscheinlich zu Recht – den Eindruck
haben, dass sie wegen ihres Migrationshintergrundes
nicht die beruflichen Chancen bekommen, die sie auf-
grund ihrer Ausbildung verdienen. Deswegen will ich
mit allem gebotenen Nachdruck festhalten: Wir müssen
begreifen, dass wir uns nicht allein deshalb für Integra-
tion einsetzen, weil wir eine soziale Verantwortung
gerade gegenüber den nachfolgenden Generationen der
türkischen Arbeitnehmer haben, die vor 50 Jahren ange-
worben wurden; sondern im Kern geht es um die Zu-
kunftsfähigkeit unseres Landes. Es ist unser ureigenstes
Interesse – gerade angesichts der demografischen Ent-
wicklung –, dass alle ausländischen Mitbürger in unse-
rem Land eine gute Perspektive haben, weil nur so unser
Land eine gute Perspektive haben wird.

Mein Appell geht deshalb insbesondere an die vielen
türkischen Unternehmer, die es in Deutschland geschafft
haben: Sorgen Sie dafür, dass auch andere es schaffen!
Es ist so, dass die Ausbildungsquote bei den Unterneh-
men, die von türkischen Mitbürgern geleitet werden, lei-
der unter dem Durchschnitt liegt. Das muss besser wer-
den. Es muss mehr ausgebildet werden.

Das Thema Integration steht heute ganz oben auf der
politischen Agenda. Der Vorwurf ist berechtigt, dass das
viele Jahre – um nicht zu sagen: Jahrzehnte – nicht der
Fall war. Viele Deutsche gingen von einem nur vorüber-

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(C (D ehenden Aufenthalt aus. Aber auch viele unserer türkichen Mitbürger haben das lange Zeit so gesehen. Ich ann mich entsinnen – mein Kollege Franz Josef Jung at eben daran erinnert –, dass die Bemühungen, in den chulen intensiv Deutschkenntnisse zu vermitteln, von nterschiedlichen politischen Gruppen als Zwangsgeranisierung angesehen wurden und es manchmal noch um Konzept gehörte, den Jüngeren zu sagen: Bewahrt och die Heimatsprache! Jetzt hat das Thema Integration eine neue Dynamik rfahren. Die Integrationsbeauftragte, Staatsministerin öhmer, hat zu Recht darauf hingewiesen. Ich glaube, es ar richtig, dieses Amt dem Bundeskanzleramt zuzuorden. Damit haben wir deutlich gemacht: Integration ist r uns eine Querschnittsaufgabe; es ist aber auch Chef ache. Es wurden wichtige Themen angegangen: die Ingrationskurse und das Gesetz zur Anerkennung von bschlüssen, mit dem wir die Qualifikationsschätze un erer ausländischen Mitbürger heben wollen. Das sind anz konkrete Maßnahmen, mit denen wir den Menchen vonseiten des Bundes wirklich helfen wollen. Frau Özoğuz, Sie haben als einzige Forderung das hema doppelte Staatsbürgerschaft angesprochen. Das at mich deshalb überrascht, weil Ihr Förderer, der Parivorsitzende Gabriel, nach einem unwidersprochenen ericht der FAZ am Montag im SPD-Präsidium gefragt at, ob die Neuauflage der Debatte über die doppelte taatsbürgerschaft nicht reichlich rückwärtsgewandt sei. (Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und was hat er geantwortet?)


r ging noch weiter. Er hat erklärt, die SPD habe zu
nge ein paternalistisches Verhältnis zu den Migranten
epflegt. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wo Herr
abriel recht hat, hat er recht.


(Aydan Özoğuz [SPD]: Ja, er wollte die doppelte Staatsbürgerschaft!)


Es war die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zu In-
grationsgipfeln in das Kanzleramt eingeladen hat, wo –
h finde, das ist ein wichtiger Ansatz – nicht über die,

ondern ganz bewusst mit den Menschen mit Migrations-
intergrund diskutiert wurde. Wir haben immer wieder
nge Migranten – Sie haben das in Ihrer Regierungszeit

icht gemacht – zu Diskussionen im Kanzleramt über ihre
ebensperspektiven in unserem Land eingeladen, auch
m ein deutliches Signal zu setzen, dass wir nicht über
ie, sondern mit ihnen reden wollen. Wir wollten damit
erade auch für jüngere Migranten, die aufgrund der Op-
onsregelung oftmals deutsche Staatsbürger sind, das Si-
nal setzen – ich sage das hier mit Blick auf die eine oder
ndere Rede von Herrn Erdoğan –: Ihr Regierungschef ist
ngela Merkel und niemand anders.


(Aydan Özoğuz [SPD]: Und dann müssen sie sich entscheiden, ob sie es bleibt oder nicht!)


uch das muss festgehalten werden.

Lassen Sie mich kurz zu zwei Bereichen kommen, in
enen wir die Integrationsbemühungen meines Erach-
ns deutlich verstärken müssen: zu den Kindertagesstät-
n und zum Ehrenamt. Nahezu jedes zweite Kind, das





Reinhard Grindel


(A) )


)(B)

heute geboren wird, hat einen Migrationshintergrund.
Wir brauchen alle Kinder; wir können kein einziges am
Wegesrand stehen lassen. Insofern kommt den Kinderta-
gesstätten eine zentrale Bedeutung zu.


(Zuruf der Abg. Katja Mast [SPD])


– Weil ein Zwischenruf mit der Frage kam, was wir kon-
kret täten: Wir haben gerade ein 400-Millionen-Euro-
Programm des Bundes zur speziellen Sprachförderung in
Kitas aufgelegt. – Den Kindertagesstätten kommt des-
wegen eine zentrale Bedeutung zu, weil man dort die Er-
ziehungsleistungen der Eltern unterstützen kann, wenn
das zum Beispiel in sprachlicher Hinsicht notwendig ist,
damit alle Kinder, wenn sie in die Schule kommen die
gleichen Startbedingungen haben. Gleiche Startbedin-
gungen sind die entscheidende Voraussetzung dafür,
dass das vermieden wird, was im Zusammenhang mit
dem beruflichen Scheitern junger türkischer Mitbürger
zu Recht beschrieben worden ist. In den ersten fünf Le-
bensjahren werden die wesentlichen Weichen gestellt.
Da müssen wir mit sprachlichen und anderen Maßnah-
men konkret helfen und gute Perspektiven schaffen.

Ich bin dafür, dass wir mehr dafür tun, dass sich ge-
rade auch Türken ehrenamtlich in unseren Vereinen be-
tätigen, und zwar nicht nur bei Türkiyemspor, sondern
auch bei der Eintracht oder bei Viktoria, als Trainer, Be-
treuer, Schiedsrichter oder eben auch im Vorstand, als
Schatzmeister oder Vorsitzender. Weil ich aus dem länd-
lichen Raum komme, will ich gern hinzufügen: Es gibt
noch viel zu wenige türkischstämmige Schützenkönige


(Aydan Özoğuz [SPD]: In Bayern gibt es einen!)


und Mitglieder in Freiwilligen Feuerwehren. Auch das
gehört dazu: Menschen im Ehrenamt, die gemeinsam In-
tegration erfahren und im wahrsten Sinne des Wortes
Schulter an Schulter mit Menschen mit Migrationshin-
tergrund zusammenarbeiten.


Reinhard Grindel (CDU):
Rede ID: ID1713530100

Herr Grindel, kommen Sie bitte zum Schluss.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713530200

Integration muss im Staat und in der Zivilgesellschaft

gelingen. Wir von der Union leisten unseren Beitrag
dazu.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Reinhard Grindel (CDU):
Rede ID: ID1713530300

Das Wort hat jetzt der Kollege Josip Juratovic von der

SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713530400

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und

Kollegen! Sehr geehrter Herr Grindel, ich kann Sie beru-
higen: Ich war einmal Schützenkönig.

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(C (D (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie des Abg. Manfred Grund [CDU/CSU] – Nicolette Kressl [SPD]: Bravo! – Gegenruf des Abg. Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Er ist aber nicht Türke! Er ist Kroate!)


Das vor 50 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen
it der Türkei ist ein bedeutender Teil unserer deutschen
inwanderungsgeschichte. Somit ist es auch ein bedeu-
nder Teil des deutschen Wirtschaftswunders. Es waren
ie sogenannten Gastarbeiter aus aller Herren Länder,
ie Deutschland gemeinsam mit den deutschen Kolle-
innen und Kollegen teilweise unter schwierigsten Be-
ingungen wirtschaftlich zu einer der erfolgreichsten
esellschaften der Welt gemacht haben. Dafür gebühren
nen unser Respekt und unsere Anerkennung.

Die Menschen kamen zu uns zunächst als Gastarbei-
r. Sie kamen im jungen Alter, oftmals mit traurigen
eschichten aus ihrer Heimat, die sie aus wirtschaftli-

hen, familiären oder politischen Gründen verlassen
ussten. Zu lange dachte die deutsche Gesellschaft, dass

ie Gastarbeiter in ihre Heimat zurückkehren würden;
as dachten leider auch viel zu viele der Gastarbeiter.

Ich selbst habe eine klassische Gastarbeiterkarriere
urchlebt: Nach einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker
abe ich sieben Jahre lang als Lackierer am Fließband
earbeitet und dort Integration gelebt. Denn mit mir ar-
eiteten kaum Deutsche, sondern hauptsächlich Gast-
rbeiter. Ich wurde vom Gastarbeiter zum Ausländer,
ann zum Migranten und schließlich zum Deutschen mit
igrationshintergrund,


(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


abei wollte ich eigentlich immer nur ein Mensch sein.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)


In der Geschichte der Gastarbeiter war Integration
iel zu lange nicht vorgesehen. Doch spätestens seit die
inder und Enkelkinder der Gastarbeiter hier geboren
urden, ist auch Deutschland zu ihrer Heimat geworden.
Deutschland aber galt das Motto „Man hat sich gefäl-

gst anzupassen“; andere wiederum warben für mehr
oleranz. Doch Integration ist mehr als nur Anpassung
der Toleranz. Erst unter Rot-Grün wurde akzeptiert,
ass wir hier tätig werden müssen. Erst dann wurde an-
rkannt, dass Deutschland, wie fast alle anderen europäi-
chen Staaten, ein Einwanderungsland ist.

Anfänglich kam es hier zu sehr irritierenden Reaktio-
en, vor allem aus dem konservativen Lager, zum Bei-
piel mit der Debatte um Leitkultur. Es wurde sogar be-
auptet, dass Multikulti gescheitert sei. Aber Multikulti
t doch Realität, zum Beispiel in unseren Fußgänger-
onen: Neben dem Dönerstand befindet sich ein italieni-
cher Modeladen, holländische Blumen werden ver-
auft, und im Radio wird überwiegend Musik mit Texten
englischer Sprache gespielt – um nur ein paar Kli-

chees zu benennen. Das heißt nicht, dass es beim Zu-





Josip Juratovic


(A) )


)(B)

sammenleben keine Probleme gibt; aber es heißt, dass
wir an dieser Realität nicht vorbeikommen.

Wir müssen vor allem verstehen: Integration ist mehr
als nur Sprachkenntnisse. Integration bedeutet vor allem
Identifikation, und zwar von beiden Seiten; denn Migra-
tion verändert unsere Gesellschaft, und zwar fortdau-
ernd. Mit dieser sich im ständigen Veränderungsprozess
befindenden Gesellschaft müssen sich alle identifizieren,
die hier leben: aufnehmende Gesellschaft und Migran-
ten. In der Integrationspolitik geht es nicht nur um juris-
tische Feinheiten, sondern um Integration mit dem Her-
zen, die zu der von mir geforderten Identifikation führt.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Johannes Vogel [Lüdenscheid] [FDP])


Daran müssen wir unsere Politik ausrichten, und dafür
müssen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen
schaffen.

Ich nenne als Beispiel die Debatte um die Staatsange-
hörigkeit. Die Staatsbürgerschaft hat für die Migranten
eine hohe symbolische Bedeutung. Sie ist eine Anerken-
nung für die Lebensleistung im Sinne von: „Ja, du ge-
hörst zu uns.“ Es darf nicht darum gehen, entweder nur
die deutsche oder eine andere Staatsbürgerschaft zu ha-
ben. Auch bei der Visavergabe brauchen wir mehr Herz.
Im Petitionsausschuss habe ich oft Fälle, in denen Kin-
dern der Familiennachzug verwehrt wird, oder Fälle, in
denen Familien ihre Verwandten nicht zu sich nach
Deutschland einladen dürfen.

Wir müssen Integrationspolitik mit Herz und Verstand
machen.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Identifikation schafft man nicht nur mit juristischen Pa-
ragrafen, sondern indem wir ein Klima der Empathie
aufbauen. Nur dann wächst zusammen, was zusammen
gehört, nicht nur Ost und West, sondern auch Deutsche
und Migranten in unserer gemeinsamen Heimat
Deutschland.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Josip Juratovic (SPD):
Rede ID: ID1713530500

Jetzt hat der Kollege Johannes Vogel von der FDP-

Fraktion das Wort.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713530600

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Auch ich möchte meinen beiden Kollegen Serkan Tören
und Marco Buschmann für die Initiative danken, dass
wir heute diese Debatte führen. Es ist gut, dass wir der
50 Jahre Anwerbeabkommen gedenken; denn das war
der Beginn einer Einwanderungswelle, die unser Land
wie kaum eine andere geprägt, aber auch bereichert hat.

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(C (D Deutschland ist schon immer ein Einwanderungsland ewesen. Das ist keine neue Erfahrung für uns Deutsche. or 300 Jahren sprach ein Viertel der Berliner fließend ranzösisch, und Thomas de Maizière ist heute Bundesinister der Verteidigung. Vor 100 Jahren sprach eine albe Million Menschen im Ruhrgebiet fließend Polnisch, nd Deutschland wurde 1974 mit einem Grabowski im ader Weltmeister. Heute sprechen 2 Millionen Men chen in Deutschland die türkische Sprache, und wir alle offen, dass Deutschland mit Mesut Özil bald Europaeister wird. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Es ist wichtig, dass wir uns vergegenwärtigen, dass
eutschland eine lange und erfolgreiche Einwande-
ngsgeschichte hat, weil wir in einer Zeit leben, in der

ns junge türkischstämmige Mitbürger leider in Rich-
ng Türkei verlassen und in der wir den klügsten Köp-
n der Welt endlich den roten Teppich ausrollen müs-

en. Ich glaube, dass Deutschland zu spät verstanden hat,
as Max Frisch gesagt hat: Wir riefen Gastarbeiter, und

s kamen Menschen. – Ich glaube, dass wir uns das zu
pät eingestanden haben. Ich glaube, dass uns das lange
en gesellschaftlichen Blick darauf verstellt hat, dass In-
grationspolitik konkret gestaltet werden muss, von der
prachförderung über die Integrationskurse bis hin zum
odernen Staatsbürgerschaftsrecht. Mir ist wichtig, zu

etonen, dass uns das aber nicht den Blick auf folgende
atsache verstellen darf: Die türkische Einwanderung,
ie nach Abschluss des Anwerbeabkommens bald weit
ber das konkrete Anwerben von Fachkräften hinaus-
ing – das war schlicht eine Einwanderungswelle –, ist
or allem eine große Erfolgsgeschichte für unser Land.


(Beifall bei der FDP sowie der Abg. Josip Juratovic [SPD], Matthias W. Birkwald [DIE LINKE] und Memet Kilic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


as wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, wie
iele Erfolgsgeschichten, wie viele Aufstiegsgeschich-
n es gibt. Schauen wir einmal auf die Zahlen: Es gibt
eute 82 000 selbstständige Unternehmer, die entweder
ie türkische Staatsbürgerschaft oder türkische Wurzeln
aben. Sie beschäftigen 400 000 Menschen in diesem
and, erwirtschaften jährlich einen Umsatz von 40 Mil-
arden Euro und investieren jedes Jahr 8 Milliarden
uro. Ich glaube, diese Zahlen verdeutlichen: Die türki-
che Einwanderung ist ein entscheidender Teil der Ge-
chichte vom deutschen Wirtschaftswunder und ist auch
eute noch für unsere wirtschaftliche Stärke mit verant-
ortlich.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Dass es sich dabei um eine Erfolgsgeschichte handelt
es ist mir wichtig, das zu betonen –, wird aber vor al-
m abseits der Zahlen deutlich. Ich möchte an dieser
telle ganz persönlich sagen: Dass sich der Vater meiner
reundin in seinem Heimatdorf an der türkischen West-
üste als junger Mann, der in Europa studieren wollte,





Johannes Vogel (Lüdenscheid)



(A) )


)(B)

entschieden hat, über Frankreich nach Deutschland zu
kommen, hatte ganz sicher auch damit zu tun, dass es
damals eben nicht ungewöhnlich war, als junger Türke
nach Deutschland zu gehen. Die Tatsache, dass er das
getan hat, dass er seine spätere Frau kennenlernte und
meine Freundin geboren wurde, ist für mich ganz per-
sönlich abseits aller Zahlen entscheidend. Ich bin dank-
bar, dass er sich so entschieden hat, und ich bin dankbar
dafür, dass es die türkische Einwanderung nach Deutsch-
land gab, weil sie mir die Liebe meines Lebens beschert
hat.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN)


An dieser Stelle muss Folgendes einmal gesagt wer-
den – ich denke an meine Freundin, an frühere Mitspie-
ler mit türkischen Wurzeln bei TuRU Wermelskirchen,
lieber Kollege Grindel, und die unzähligen türkischen
Unternehmer und Vereine, die wir alle kennen; denn es
wird nicht nur mir so ergangen sein, sondern Millionen
Menschen in diesem Land –: Unser Land wäre heute är-
mer, hätte es die türkische Einwanderung nicht gegeben.

Ich will mit einem Zitat der Schauspielerin Aylin Tezel,
die in dem wunderschönen Film Almanya mitgespielt
hat, schließen. Sie hat einmal gesagt, dass ihr in der Inte-
grationsdebatte der liebevolle Blick auf das Ganze fehlt.
Ich glaube, sie hat recht – noch. Deshalb würde ich mich
freuen, wenn wir alle über diese Debatte hinaus den
kommenden Sonntag – das ist der 30. Oktober 2011 –
dazu nutzten, das 50. Jubiläum des Anwerbeabkommens
wirklich zu feiern. Wir feiern heute 50 Jahre türkische
Anwerbung.

Feiern kann man auch, indem man Danke sagt. Des-
halb schließe ich mit dem Dank an die vielen Menschen,
die nach Deutschland gekommen sind und uns mit zu
dem gemacht haben, was wir heute sind, an. Ich glaube,
wir alle sollten das tun.

Vielen Dank, liebe Kolleginnen und Kollegen.


(Beifall bei der FDP, der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Johannes Vogel (FDP):
Rede ID: ID1713530700

Als letzter Redner zu diesem Tagesordnungspunkt hat

jetzt der Kollege Stephan Mayer von der CDU/CSU-
Fraktion das Wort.


Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713530800

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen!

Sehr geehrte Kollegen! In vier Tagen jährt sich zum
50. Mal der Abschluss des Anwerbeabkommens zwi-
schen Deutschland und der Türkei. Ich möchte zu Be-
ginn gleich darauf hinweisen, dass dieses Abkommen
unter einer CDU/CSU-geführten Bundesregierung ge-
schlossen worden ist, insbesondere auf Betreiben des da-
maligen Wirtschaftsministers Ludwig Erhard. Der Voll-
ständigkeit halber muss man aber auch darauf
hinweisen, dass die Initiative von den USA ausging
– aus geopolitischen Erwägungen – und von der türki-

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(C (D chen Regierung, aus wirtschaftlichen Erwägungen heus. Es ist klar festzuhalten: Deutschland, vor allem die eutsche Wirtschaft, hat enorm von der Einwanderung rkischer Gastarbeiter profitiert. Das Wirtschaftswun er war Anfang der 60er-Jahre zwar schon voll im ange – das hat in den 50er-Jahren begonnen –, aber es t unzweifelhaft festzuhalten, dass die insgesamt mehr ls 800 000 türkischen Gastarbeiter, die im Rahmen des nwerbeabkommens bis 1973 nach Deutschland geommen sind, entscheidend mit dazu beigetragen haben, ass sich Deutschland so entwickelt hat, wie es sich entickelt hat. Deswegen sollten wir an dieser Stelle ein usdrückliches Wort des Dankes und der Anerkennung n die Adresse der türkischen Gastarbeiter richten. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass unsere türkichen Mitbürger damals auch große Demütigungen und iskriminierungen erleiden mussten, möchte aber darauf inweisen, dass auch die türkische Gesellschaft, auch as türkische Volk von diesem Anwerbeabkommen protiert hat. Ich zitiere Necla Kelek, die vorgestern im euilleton der FAZ geschrieben hat: Ein deutscher Arbeitsvertrag war so wertvoll wie ein Lottogewinn. Es gab viermal so viele Bewerber, wie Stellen vermittelt werden konnten. ie führt in ihrem Artikel aus, dass 1970 ungefähr 0 Prozent der damals 30 Millionen Menschen, die in er Türkei lebten, teilweise oder gänzlich von Überweiungen aus Deutschland profitiert haben. Es kamen Gastarbeiter, sie blieben, gründeten Famien, hatten Kinder und wurden sesshaft. Es gilt auch stzuhalten, dass von den jetzt 3 Millionen in Deutschnd lebenden Türken der überwiegende Teil sehr gut bis ut in die deutsche Gesellschaft integriert ist. Es gibt beindruckende Lebensläufe und Karrieren. Unternehmer, rzte, Juristen, Ingenieure, Bankkaufleute und Politiker tammen von unseren türkischen Mitbürgern ab. Lieber Herr Kollege Vogel, ich habe zwar keine türkiche Freundin, aber ich habe in meinem Büro derzeit eien Praktikanten, der deutscher Staatsangehöriger ist nd dessen Großeltern als Gastarbeiter aus der Türkei ingewandert sind. Er steht kurz vor dem erfolgreichen bschluss seines Jurastudiums und ist – auch dies ist beerkenswert – ehrenamtlich engagiert. Er ist Basketballainer eines Damenzweitligisten hier in Berlin. Das ist chön. Ich glaube, gerade angesichts dieses 50-jährigen ubiläums gilt es, die positiven Beispiele gelungener und rfolgreicher Integration stärker ins Bewusstsein zu brinen und in den Vordergrund zu stellen. (Beifall des Abg. Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Aber wir dürfen die Augen nicht vor den Problemen
erschließen. Teilweise bilden sich Parallelgesellschaf-
n. Der Anteil der Schulabbrecher ist bei den türkischen
chülern immer noch wesentlich höher als bei den deut-
chen Schülern; er ist ungefähr doppelt so hoch. Unter
en türkischen Mitbürgern ist der Anteil der Arbeits-
sen etwa dreimal so hoch. Auch gibt es immer noch





Stephan Mayer (Altötting)



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(D)(B)


– zwar sehr vereinzelt, aber dies ist durchaus nennens-
wert – Probleme, wenn es um das Bekenntnis zur frei-
heitlich demokratischen Grundordnung geht.

Die Integration gehört ganz oben auf die politische
Agenda. Ich bin froh, dass seit 2005, seit die CDU/CSU
in der Bundesregierung ist, das Thema Integration nicht
nur in Sonntagsreden behandelt wird, sondern auch ganz
konkret in aktive Integrationspolitik mündet.


(Josef Philip Winkler [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das musste jetzt sein!)


Dies gilt es an dieser Stelle positiv herauszustellen. Inte-
gration darf und kann nie eine Einbahnstraße sein. Wir
haben in sehr vorbildlicher, in beeindruckender Art und
Weise in den letzten Jahren allein seitens des Bundes
über 1 Milliarde Euro für Sprach- und Integrationskurse
unter anderem auch für türkische Mitbürger zur Verfü-
gung gestellt. Ich erwarte, dass diese Angebote auch an-
genommen werden.

Es ist schön, dass das 50-jährige Jubiläum des Abschlus-
ses des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und
der Türkei in einem großen Festakt am 2. November die-
ses Jahres in Anwesenheit unserer Bundeskanzlerin,
Angela Merkel, und des türkischen Ministerpräsidenten,
Tayyip Erdoğan, begangen wird. Ich glaube, dass mit

dem sehr würdigen Begehen dieses Jahrestages deutlich
wird, dass es traditionell eine enge Freundschaft zwi-
schen unseren beiden Ländern, zwischen unseren beiden
Völkern gibt. Ich glaube, wir sollten diesen Jahrestag
zum Anlass nehmen, noch stärker darauf hinzuwirken,
dass Missverständnisse und Vorurteile abgebaut werden
und dass deutlich gemacht wird, dass unsere türkischen
Mitbürgerinnen und Mitbürger eine Bereicherung für
unser Land darstellen und die Vielfalt unseres Landes er-
weitern.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Stephan Mayer (CSU):
Rede ID: ID1713530900

Ich schließe die Aussprache.

Wir sind damit am Schluss unserer heutigen Tages-
ordnung.

Ich berufe die nächste Sitzung des Deutschen Bun-
destages auf morgen, Donnerstag, den 27. Oktober 2011,
9 Uhr, ein.

Die Sitzung ist geschlossen.

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1713531000