Protokoll:
17042

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Metadaten
  • date_rangeWahlperiode: 17

  • date_rangeSitzungsnummer: 42

  • date_rangeDatum: 19. Mai 2010

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  • av_timerEnduhrzeit der Sitzung: 16:55 Uhr

  • account_circleMdBs dieser Rede
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/42 päischen Stabilisierungsmechanismus (Drucksache 17/1685) . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 2: Antrag der Fraktion DIE LINKE: Kreditaus- fallversicherungen (CDS) und deren Han- del vollständig verbieten (Drucksache 17/1733) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD) . . . . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 3: Fragestunde (Drucksachen 17/1694, 17/1738) . . . . . . . . . . Dringliche Frage 1 Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Übernahme des britischen Verkehrskon- zerns Arriva durch die Deutsche Bahn AG Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ 4125 B 4125 B 4125 D 4131 C 4135 A 4157 B 4157 C Deutscher B Stenografisch 42. Sitz Berlin, Mittwoch, de I n h a l Erweiterung und Abwicklung der Tagesord- nung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatztagesordnungspunkt 1: Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin: zu den Maßnahmen zur Stabilisierung des Euro . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1: Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und der FDP eingebrachten Ent- wurfs eines Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines euro- D V J D J C D K L N 4125 A 4125 B Dr. Barbara Hendricks (SPD) . . . . . . . . . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . 4139 C 4140 B undestag er Bericht ung n 19. Mai 2010 t : r. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . olker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . ürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Norbert Barthle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . r. Volker Wissing (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . ürgen Trittin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . arsten Schneider (Erfurt) (SPD) . . . . . . . . . r. Hans-Peter Friedrich (Hof) (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . laus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . eo Dautzenberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . orbert Barthle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 4140 C 4142 B 4144 C 4145 D 4147 A 4147 D 4148 A 4150 A 4152 B 4153 C 4155 A DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4157 D 4158 A II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 Dringliche Fragen 2 und 3 Dagmar Ziegler (SPD) Qualitätspakt für die Hochschullehre; Wettbewerbliche Vergabeverfahren bei der Förderung qualitativer Lehre Antwort Dr. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) . . . . . . . . . Mündliche Frage 1 Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Zeichnung des revidierten Europäischen Übereinkommens über die Adoption von Kindern Antwort Dr. Max Stadler, Parl. Staatssekretär BMJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 2 Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Bedingungen der vom Deutschen Bundes- tag beschlossenen Griechenlandhilfe Antwort Steffen Kampeter, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lisa Paus (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Fragen 5 und 6 Lisa Paus (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Vorschlag von Bundesbankpräsident Axel Weber für den Vorsitz der Europäischen Zentralbank Antwort Steffen Kampeter, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Lisa Paus (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . M H S l t O d g A E Z H M M V s d f A E Z M M M U d U t n A E Z M M D A l U t A E Z D B 4158 C 4158 D 4159 C 4159 D 4160 B 4160 C 4161 B 4161 D 4161 D 4162 B ündliche Frage 8 ans-Joachim Hacker (SPD) chaffung dauerhafter gerichtsfester Rege- ungen zu Ladenöffnungszeiten am Sonn- ag vor dem Hintergrund des Urteils des berverwaltungsgerichts Greifswald über ie Aufhebung der sogenannten Bäderre- elung ntwort rnst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfrage ans-Joachim Hacker (SPD) . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 11 anfred Nink (SPD) orschläge und Konzepte hinsichtlich einer tärkeren Koordinierung und Steuerung er Wirtschaftspolitik zur Umsetzung der ür die EU beschlossenen Leitziele ntwort rnst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfrage anfred Nink (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 12 anfred Nink (SPD) msetzung der vom Europäischen Rat in er neuen Strategie für die Europäische nion beschlossenen Leitziele und Bewer- ung der vorgeschlagenen Sanktionsmaß- ahmen bzw. Belohnungssysteme ntwort rnst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfrage anfred Nink (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 15 oris Barnett (SPD) uswirkungen eines etwaigen Heraus- ösens von kleinen und mittelständischen nternehmen aus dem Verfahren des elek- ronischen Entgeltnachweises (ELENA) ntwort rnst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen oris Barnett (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . rigitte Zypries (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4162 C 4162 D 4163 B 4163 C 4163 D 4164 A 4164 B 4164 C 4165 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 III Mündliche Frage 16 Doris Barnett (SPD) Datenschutzrechtliche Vorkehrungen hin- sichtlich der Datenübertragung und -ver- waltung von Arbeitnehmerdaten an Dritte und Möglichkeiten der Einsichtnahme durch die Arbeitnehmer Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Doris Barnett (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 17 Garrelt Duin (SPD) Gewährleistung der vollständigen Auszah- lung der Umweltprämie Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Garrelt Duin (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 19 Sevim Dağdelen (DIE LINKE) Berücksichtigung der Interessen der West- sahara in den Verhandlungen über eine mögliche Verlängerung des Fischereipart- nerschaftsabkommens zwischen der EU und Marokko Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Sevim Dağdelen (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 22 Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Situation von Frauen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zu Männern Antwort Dr. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfrage Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 23 Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Geschlechtsspezifisch differenzierte Erfas- sung der monatlichen Arbeitslosenzahl schwerbehinderter Menschen und Aus- w a A D Z M M K I b 2 A C Z K M M D B d s T A D Z D M D R r u t A D Z D M F § A 4165 B 4165 C 4166 A 4166 B 4166 C 4166 D 4167 D 4168 A eis im Arbeitsmarktbericht der Bundes- gentur für Arbeit ntwort r. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen arkus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 29 atja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) dentifizierung der Opfer des Luftschlags ei Kunduz/Afghanistan vom 4. September 009 ntwort hristian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen atja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . arieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 36 r. Ilja Seifert (DIE LINKE) erücksichtigung von Barrierefreiheit bei er Restaurierung sowjetischer Gedenk- tätten in Berlin-Tiergarten und Berlin- reptow ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen r. Ilja Seifert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 37 r. Ilja Seifert (DIE LINKE) egelungen hinsichtlich der Aufbewah- ung sowie der Zugänglichkeit der Akten nd elektronischen Daten bei der Con- erganstiftung für behinderte Menschen ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen r. Ilja Seifert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 42 riedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) 35 Abs. 1 Nr. 4 des Baugesetzbuchs als uffangtatbestand für atypische Fälle 4168 B 4168 C 4169 B 4169 D 4170 B 4171 A 4171 B 4171 D 4172 A IV Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 43 Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Sicherheitsbedenken gegen die Genehmi- gung von Sichtflügen Mitte April dieses Jahres durch die Flugaufsicht und Verant- wortung für Schadensfälle Antwort Enak Ferlemann, Parl. Staatssekretär BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 48 Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Aufhebung der Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien zur Erhöhung des Anteils erneu- erbarer Energien beim Wärmebedarf bis 2020 Antwort Katherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Frage 49 Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Vorlage eines CCS-Gesetzes Antwort Katherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zusatzfragen Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mündliche Fragen 58 und 59 Daniela Kolbe (Leipzig) (SPD) Ausgestaltung des angekündigten Bil- dungslotsenprogramms zur Betreuung von Hauptschülern A D Z D U M V A d r Ü R A C Z V Z A d r g w U D D M S D R K D C T M D T B w r D 4172 C 4172 D 4173 B 4173 D 4174 A 4174 C 4174 D 4175 B 4175 C ntwort r. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatzfragen aniela Kolbe (Leipzig) (SPD) . . . . . . . . . . . te Kumpf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ündliche Frage 61 olker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) bgabe von Zusicherungen zur Stärkung er Arbeit des Internationalen Strafge- ichtshofs im Rahmen der Konferenz zur berprüfung etwaiger Änderungen des ömischen Statuts ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . usatzfragen olker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . usatztagesordnungspunkt 3: ktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion er SPD: Unterschiedliche verfassungs- echtliche Auffassungen in der Bundesre- ierung zur Verlängerung von Atomkraft- erkslaufzeiten lrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Norbert Röttgen, Bundesminister BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . orothée Menzner (DIE LINKE) . . . . . . . . . ichael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . ylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . olf Hempelmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . laus Breil (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Michael Paul (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . hristine Lambrecht (SPD) . . . . . . . . . . . . . . homas Bareiß (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . arco Bülow (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Thomas Gebhart (CDU/CSU) . . . . . . . . . agesordnungspunkt 2: efragung der Bundesregierung: Gesetzent- urf zur Änderung wehr- und zivildienst- echtlicher Vorschriften r. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . 4176 A 4176 D 4177 B 4178 B 4179 A 4179 D 4180 D 4182 D 4183 D 4184 D 4185 D 4186 D 4187 D 4188 D 4189 D 4191 A 4192 B 4193 C 4194 D Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 V Heidrun Dittrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Bartels (SPD) . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Markus Grübel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Harald Koch (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Agnes Malczak (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Ralph Lenkert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE) . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sönke Rix (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Heidrun Dittrich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Agnes Malczak (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . S D N A L A M D B r E A S A M D Z g m E t E A S A M G H t R e A S A M H M z l A E 4195 D 4195 D 4196 B 4196 B 4196 C 4196 D 4197 A 4197 B 4197 C 4197 C 4197 D 4198 A 4198 A 4198 B 4198 B 4198 B 4198 C 4198 C 4198 D 4199 A 4199 A 4199 B 4199 C 4199 D 4200 A 4200 A 4200 B 4200 B önke Rix (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Kristina Schröder, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 1 iste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . nlage 2 ündliche Frage 3 r. Rolf Mützenich (SPD) isher ergriffene Maßnahmen zur Regulie- ung der Finanzmärkte auf internationaler bene seit September 2009 ntwort teffen Kampeter, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 3 ündliche Frage 4 r. Rolf Mützenich (SPD) eitpunkt der Information der Bundesre- ierung und insbesondere des Bundes- inisters des Auswärtigen über die beim uropäischen Rat am 7. Mai 2010 disku- ierten Maßnahmen zur Stabilisierung des uro ntwort teffen Kampeter, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 4 ündliche Frage 7 ünter Gloser (SPD) öhe der Bundesmittel für die private Al- ersversorgung, insbesondere für die iester-Rente, sowie zukünftige Ausgaben- ntwicklung ntwort teffen Kampeter, Parl. Staatssekretär BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 5 ündliche Frage 9 einz Paula (SPD) aßnahmen und Projekte zur Unterstüt- ung eines nachhaltigen und klimafreund- ichen Tourismus ntwort rnst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4200 D 4200 D 4201 C 4203 A 4203 B 4203 D 4204 A 4204 C VI Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 Anlage 6 Mündliche Frage 10 Heinz Paula (SPD) Maßnahmen zur Bekämpfung des Sextou- rismus und der Kinderprostitution auf na- tionaler und internationaler Ebene Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 7 Mündliche Frage 13 Michael Groß (SPD) Folgen der geplanten prioritären Ein- stufung von Zink für zinkerzeugende und -verarbeitende mittelständische Betriebe Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 8 Mündliche Frage 14 Katja Keul (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Verschärfung der Genehmigungspraxis von Rüstungsexporten gegenüber finanziell angeschlagenen Staaten wie Griechenland Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 9 Mündliche Frage 18 Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Einigung bei den Nachrüstkosten im Zu- sammenhang mit Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken sowie etwaige Gut- achtervorschläge dazu Antwort Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 10 Mündliche Frage 20 Silvia Schmidt (Eisleben) (SPD) Einbeziehung der Tarifpartner sowie wei- terer Interessenverbände in die Weiterent- wicklung der Eingliederungshilfe im Rah- men der Bund-Länder-Arbeitsgruppe A D A M S T n n d t S A D A M B E m g B g A D A M S E b i A D A M S Z 2 b u A D 4205 B 4205 D 4205 D 4206 A ntwort r. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 11 ündliche Frage 21 ilvia Schmidt (Eisleben) (SPD) eilnahme von Schulabgängern an Maß- ahmen zur Unterstützten Beschäftigung ach § 38 a SGB IX und Gewährleistung er Berufsbegleitung durch das Integra- ionsamt bei noch nicht ausgestelltem chwerbehindertenausweis ntwort r. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 12 ündliche Frage 24 rigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) twaige Nichtberücksichtigung von Kom- unen mit beabsichtigter alleiniger Trä- erschaft der Grundsicherung bei den ewerbungen zum Modellprojekt Bür- erarbeit ntwort r. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 13 ündliche Frage 25 abine Zimmermann (DIE LINKE) inordnung des Modellprojekts Bürgerar- eit in die arbeitsmarktpolitischen Förder- nstrumente des SGB II ntwort r. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 14 ündliche Frage 26 abine Zimmermann (DIE LINKE) usammensetzung der zwischen 2005 und 009 zur Anwendung gekommenen ar- eitsmarktpolitischen Förderinstrumente nd Neuordnung für die Zukunft ntwort r. Ralf Brauksiepe, Parl. Staatssekretär BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4206 B 4206 C 4207 C 4207 D 4208 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 VII Anlage 15 Mündliche Frage 27 Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Regelungslücken und Änderung der Mel- depflichten angesichts der Verschleppung von Informationen bei Dioxinfunden in Eiern Antwort Julia Klöckner, Parl. Staatssekretärin BMELV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 16 Mündliche Frage 28 Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Geplante Änderungen im Kontrollsystem für Futtermittelimporte Antwort Julia Klöckner, Parl. Staatssekretärin BMELV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 17 Mündliche Frage 30 Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Befassung des Kabinetts mit rechtlichen Änderungen zur Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes Antwort Christian Schmidt, Parl. Staatssekretär BMVg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 18 Mündliche Frage 31 Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Optionale Verlängerung des Zivildienstes im Zuge der Neuregelungen zur Verkür- zung des Wehr- und Zivildienstes Antwort Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 19 Mündliche Frage 32 Caren Marks (SPD) Auswirkungen der vorgeschlagenen Neu- regelungen zur Novellierung des Jugend- medienschutz-Staatsvertrages A D A M B Ü d n a A D A M C E t d A D A M E M d w T A D A M D G k d A b A A 4208 C 4209 A 4209 B 4209 C ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 20 ündliche Fragen 33 und 34 ritta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) berprüfung der finanziellen Ausstattung es Kita-Ausbaus sowie geplante Sparmaß- ahmen im Bereich der Kinderbetreuung b dem vollendeten ersten Lebensjahr ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 21 ündliche Frage 35 hristian Lange (Backnang) (SPD) insparungen im Bereich der Kinderbe- reuung; Betreuungsplatzgarantie für Kin- er unter drei Jahren ab 2013 ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 22 ündliche Fragen 38 und 39 rika Steinbach (CDU/CSU) issbrauchsfälle in Jugendwerkhöfen in er Zeit der zweiten deutschen Diktatur so- ie für diesen Themenbereich am runden isch teilnehmende Sachverständige ntwort r. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 23 ündliche Fragen 40 und 41 r. Marlies Volkmer (SPD) esetzliche Verpflichtung der Kranken- assen zur Einrichtung von Spitzenverbän- en in den einzelnen Bundesländern sowie uswirkungen auf die Verwaltungsausga- en der Krankenkassen ntwort nnette Widmann-Mauz, Parl. Staats- sekretärin BMG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4209 C 4210 A 4210 B 4210 D 4211 A VIII Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 Anlage 24 Mündliche Frage 45 Michael Groß (SPD) Einstufung von Zink als prioritär in der EU-Wasserrahmenrichtlinie Antwort Katherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 25 Mündliche Fragen 46 und 47 Ulrich Kelber (SPD) Anzahl und Investitionsvolumen der beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhr- kontrolle vorliegenden und infolge der Haushaltssperre nicht bearbeiteten An- träge auf Zuschuss zur Nutzung erneuer- barer Energien im Rahmen des Marktan- reizprogramms Antwort Katherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 26 Mündliche Fragen 50 und 51 Dr. Hermann Scheer (SPD) Verbesserung der Netz- und Systeminte- gration von Windenergieananlagen durch die neue Verordnung zu Systemdienstleis- tungen durch Windenergieanlagen und die entsprechende Regelung im Erneuerbare- Energien-Gesetz sowie Stand der Umsetzung Antwort Katherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 27 Mündliche Frage 52 Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Rechtliche Grundlage für die Einleitung von radioaktiven Abwässern in die Ostsee am Standort Lubmin zwischen 1992 und 2009 Antwort Katherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 28 Mündliche Fragen 53 und 54 Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) B R s s A K A M R F A z V A D A M C E H i A D A M U B b k l s A G A M T D s A C 4211 D 4212 B 4212 D 4213 A edienung entstehender Schäden bei einem eaktorunglück aus der Deckungsvor- orge, insbesondere Haftung für landwirt- chaftliche Ernteausfälle ntwort atherina Reiche, Parl. Staatssekretärin BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 29 ündliche Fragen 55 und 56 ené Röspel (SPD) örderung der Evaluierung von Open- ccess-Veröffentlichungen und von Online- eitschriften sowie des Aufbaus und der ernetzung von Repositorien ntwort r. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 30 ündliche Frage 57 hristian Lange (Backnang) (SPD) rhöhung der Ausgaben für Schulen und ochschulen auf 10 Prozent des Brutto- nlandsprodukts ntwort r. Helge Braun, Parl. Staatssekretär BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 31 ündliche Frage 60 we Kekeritz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ereitstellung der auf dem G-8-Gipfel 2006 eschlossenen Hilfe zur weltweiten Be- ämpfung von Aids, Tuberkulose und Ma- aria sowie zur Stärkung der Gesundheits- ysteme bis 2013 ntwort udrun Kopp, Parl. Staatssekretärin BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage 32 ündliche Frage 62 om Koenigs (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) ialog mit Äthiopien über die dortige Men- chenrechtslage ntwort ornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . 4213 C 4214 A 4214 D 4214 D 4215 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 IX Anlage 33 Mündliche Frage 63 Tom Koenigs (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Teilnahme an der Überprüfungskonferenz des Internationalen Strafgerichtshofs in Uganda vom 31. Mai bis 11. Juni 2010 und Abschluss eines „relocation agreement“ Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . . Anlage 34 Mündliche Frage 64 Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Unter Beteiligung von Bundeswehrsolda- ten im Jahr 2010 in Afghanistan festge- nommene und an US-Stellen übergebene Aufständische; Behandlung der Aufständi- schen in „Geheimgefängnissen“ von US- Stellen Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . Anlage 35 Mündliche Frage 65 Inge Höger (DIE LINKE) Zugrunde liegendes Szenario der in Süd- deutschland abgehaltenen gemeinsamen Luftübung amerikanischer und israeli- scher Streitkräfte und Einbindung deut- scher Behörden oder Institutionen Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . Anlage 36 Mündliche Frage 66 Sevim Dağdelen (DIE LINKE) Wiederaufnahme der Ausbildungs- und Ausrüstungsmaßnahmen der KFOR Antwort Cornelia Pieper, Staatsministerin AA . . . . . . 4215 B 4215 D 4216 A 4216 C Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4125 (A) ) )(B) 42. Sitz Berlin, Mittwoch, de Beginn: 9.0
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    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4203 (A) ) )(B) rung der Finanzmärkte seit dem G-20-Gipfel im September 2009 ergriffen, und welche Ressorts waren hieran beteiligt? selbst erforderlich. Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versamm- lung des Europarates Anlage 2 Antwort des Parl. Staatssekretärs Steffen Kampeter auf die Frage des Abgeordneten Dr. Rolf Mützenich (SPD) (Drucksa- che 17/1694, Frage 3): Welche Maßnahmen und Initiativen hat die Bundesregie- rung auf der internationalen Ebene zur wirksamen Regulie- d m ( d v d d R z A E „ s O s D E d F d n t m F u A d d c T s s W m s b w d L Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bender, Birgitt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 19.05.2010 Binder, Karin DIE LINKE 19.05.2010 Bollmann, Gerd SPD 19.05.2010 Bosbach, Wolfgang CDU/CSU 19.05.2010 Fischer (Karlsruhe- Land), Axel E. CDU/CSU 19.05.2010* Glos, Michael CDU/CSU 19.05.2010 Goldmann, Hans- Michael FDP 19.05.2010 Groth, Annette DIE LINKE 19.05.2010 Heinen-Esser, Ursula CDU/CSU 19.05.2010 Hintze, Peter CDU/CSU 19.05.2010 Kühn, Stephan BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 19.05.2010 Pflug, Johannes SPD 19.05.2010 Reichenbach, Gerold SPD 19.05.2010 Schmidt (Eisleben), Silvia SPD 19.05.2010 Steinbach, Erika CDU/CSU 19.05.2010 Süßmair, Alexander DIE LINKE 19.05.2010 (C (D Anlagen zum Stenografischen Bericht Die Bundesregierung hat über ihre Mitgliedschaft in en G 20 sowie anderen relevanten internationalen Gre- ien, insbesondere dem Financial Stability Board FSB), die wirksame Regulierung der Finanzmärkte seit em G-20-Gipfel in Pittsburgh im September 2009 aktiv orangetrieben. Mit zahlreichen Initiativen hat die Bun- esregierung dabei dazu beigetragen, das Momentum er Reform aufrechtzuerhalten und neue Aufsichts- und egulierungsinitiativen auf die Agenda zu setzen. So hat das Bundesfinanzministerium seine Prioritäten ur Reform der Finanzmarktregulierung fest in der G-20- genda verankert. Hierzu gehören Verbesserung des igenkapital- und Liquiditätsregimes, Lösung des too-big-to-fail“-Problems, Verbesserung der Vergütungs- ysteme, Stärkung der Aufsicht und Regulierung über TC-Derivatemärkte, Hedgefonds und Ratingagenturen owie Kampf gegen nicht kooperative Jurisdiktionen. ie morgige internationale Finanzmarktkonferenz auf inladung von Bundesfinanzminister Dr. Schäuble wird azu beitragen, die Diskussion zu aktuellen Themen der inanzmarktregulierung weiter voranzubringen. Mit eutschen Initiativen hat die Bundesregierung die inter- ationale Diskussion maßgeblich beeinflusst. Innerhalb der Bundesregierung finden zur Vorberei- ung der G-20-Gipfel sowie der Treffen der G-20-Finanz- inister und Notenbankgouverneure, einschließlich der ragen der Finanzmarktregulierung, eine regelmäßige nd enge Abstimmung statt. nlage 3 Antwort es Parl. Staatssekretärs Steffen Kampeter auf die Frage es Abgeordneten Dr. Rolf Mützenich (SPD) (Drucksa- he 17/1694, Frage 4): Seit wann wusste die Bundesregierung, dass beim Euro- päischen Rat in Brüssel am 7. Mai 2010 weitreichende Fi- nanzmaßnahmen zur Stabilisierung des Euro debattiert wer- den, und zu welchem Zeitpunkt war der Bundesminister des Auswärtigen in dieses Wissen einbezogen? Die Bundesregierung hatte bereits im Vorfeld des reffens der Staats- und Regierungschefs der Mitglied- taaten des Euro-Raumes am 7. Mai 2010 auf Fort- chritte bei den Arbeiten zur dauerhaften Stärkung der irtschafts- und Währungsunion, insbesondere im Rah- en der Arbeitsgruppe des Präsidenten des Europäi- chen Rates Van Rompuy, gedrungen. Die Beratung zusätzlicher Maßnahmen zur unmittel- aren Sicherung der Finanzstabilität des Euro-Raumes urde insbesondere auf der Basis des Vortrags des Präsi- enten der Europäischen Zentralbank über die aktuelle age bzw. Risiken für die Euro-Zone bei dem Treffen 4204 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) ) )(B) In Bezug auf die Griechenland-Krise und die weiteren Bemühungen zur Stabilisierung der Euro-Zone steht der Bundesminister des Auswärtigen mit der Bundeskanzle- rin und dem Bundesminister der Finanzen seit Ausbruch der Krise in ständigem Kontakt. Anlage 4 Antwort des Parl. Staatssekretärs Steffen Kampeter auf die Frage des Abgeordneten Günter Gloser (SPD) (Drucksache 17/1694, Frage 7): Wie viele Mittel aus dem Bundeshaushalt fließen jährlich in die Unterstützung bzw. Kofinanzierung der privaten Alters- versorgung im Allgemeinen und für die Riester-Rente im Be- sonderen, und wie wird sich diese Belastung des Bundeshaus- haltes aus Sicht der Bundesregierung in den nächsten Jahren entwickeln? Im Bundeshaushalt gibt es keinen Ausgabetitel mit der Zweckbestimmung „Förderung der privaten Alters- vorsorge“. Bei der sogenannten Riester-Rente handelt es sich um eine steuerlich geförderte Altersvorsorge. Diese besteht insbesondere aus einem entsprechenden Sonderausga- benabzug bzw. einer Zulagengewährung. Die Zulagen fungieren als Vorauszahlung auf die sich aus dem Son- derausgabenabzug ergebenden Steuervorteile. Ergibt sich im Rahmen einer Günstigerprüfung, dass der Son- derausgabenabzug für den Steuerpflichtigen günstiger ist als die Zulage, dann erhält der Steuerpflichtige im Rah- men seiner Einkommensteuerveranlagung noch den über die Zulage hinausgehenden Steuervorteil. Die bereits ge- währte Zulage wird insoweit gegengerechnet. Die Zulagen sind nicht im Bundeshaushalt veran- schlagt, sondern werden von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen, ZfA, aus dem Lohnsteueraufkom- men an die Förderberechtigten ausgezahlt. Somit tragen der Bund 42,5 Prozent, die Länder 42,5 Prozent und die Gemeinden 15 Prozent gemäß dem Einkommensteuer- Verteilungsschlüssel. Die Höhe der ausgezahlten Zulagen betrug im Jahr 2008 1,3 Milliarden Euro und im Jahr 2009 2,4 Milliar- den Euro. Die über die Zulage hinausgehende Steuerersparnis aus dem Sonderausgabenabzug wird im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung ermittelt. Über die Steuer- ersparnis können daher erst nach Abschluss der Einkom- mensteuerveranlagungen statistische Angaben erhoben und aufbereitet werden. Die aktuellste Datenbasis ist da- her der Veranlagungszeitraum 2005. Die in diesem Ver- anlagungsjahr über die Zulagenförderung hinausgehende steuerliche Förderung betrug nach Angaben des statisti- schen Bundesamtes circa 141 Millionen Euro. In den nächsten Jahren ist von einer weiteren Zu- nahme der Altersvorsorgezulagen auszugehen. Auf der Grundlage der Ergebnisse des Arbeitskreises „Steuer- schätzungen“ vom 4. bis 6. Mai 2010 steigen die auszu- zahlenden Zulagen bis zum Jahr 2013 auf circa 4 Mil- liarden Euro. A d d 1 Ü E J k w i V m a 1 S H b M P d p s H t w G Z S b i s c d e u t d a p w H f d w z N u (C (D nlage 5 Antwort es Parl. Staatssekretärs Ernst Burgbacher auf die Frage es Abgeordneten Heinz Paula (SPD) (Drucksache 17/ 694, Frage 9): Welche Maßnahmen und Projekte plant die Bundesregie- rung, um einen nachhaltigen und klimafreundlichen Touris- mus zu unterstützen, und auf welche Anregungen der Interna- tionalen Messe für anderes Reisen, die im April 2010 in Berlin stattfand, greift sie dabei zurück? Die Bundesregierung verfolgt entsprechend des UN- bereinkommens über die biologische Vielfalt und der U-Charta für einen nachhaltigen Tourismus seit vielen ahren kontinuierlich die Ziele eines nachhaltigen und limafreundlichen Tourismus und wird an dieser Ent- icklung festhalten. Seit 2006 unterstützt die Bundesregierung die von ihr nitiierte Beratungsstelle für Tourismus und Biologische ielfalt bei der Welttourismusorganisation, UNWTO, it Sitz in Bonn (siehe Antwort der Bundesregierung uf die Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen vom 8. Dezember 2009 – Bundestagsdrucksache 17/341). tanden zunächst Projekte im Rahmen der Tsunami- ilfe im Vordergrund, stehen das Know-how und die isher gesammelten Erfahrungen nun allen UNWTO- itgliedstaaten zur Verfügung. Derzeit werden durch die Bundesregierung mehrere rojekte zum nachhaltigen Tourismus in Deutschland urchgeführt. Dazu gehört das Entwicklungs- und Er- robungsvorhaben „Erlebnis Grünes Band“, das bei- pielhaft in drei Modellregionen Elbe-Altmark-Wendland, arz sowie Thüringer Schiefergebirge/Frankenwald un- er anderem die naturverträgliche Erschließung und Ent- icklung von touristischen Destinationen entlang des rünen Bandes zeigen will. Das laufende Projekt „Nationalpark-Partner“ hat zum iel, Unternehmen in den Nationalparks als Partner der chutzgebiete zu gewinnen, die eng mit den Schutzge- ietsverwaltungen zusammenarbeiten, die Gäste besser nformieren und für Naturschutzbelange sensibilisieren owie ihr Angebot entsprechend bundesweit einheitli- her Qualitäts- und Umweltstandards gestalten. Noch in iesem Jahr soll ein Forschungsvorhaben starten, das in inem partizipativen Prozess die Grundlagen für eine mwelt- und naturverträgliche räumliche Planung touris- ischer Destinationen in Deutschland zur Anpassung an en Klimawandel und entsprechend den Anforderungen n den Erhalt der biologischen Vielfalt entwickelt. Im Rahmen der Erarbeitung des Aktionsplans „An- assung an den Klimawandel“ der Bundesregierung erden in einem Forschungsvorhaben zurzeit konkrete andlungsmöglichkeiten und Maßnahmen unter anderen ür den Sektor Tourismus evaluiert. Dabei soll insbeson- ere geklärt werden, welche Anforderungen unter volks- irtschaftlichen Aspekten an eine Maßnahmenauswahl u stellen sind (Priorisierung, Kriterienkatalog, Kosten- utzen-Analyse). Die Bundesregierung unterstützt einen nachhaltigen nd klimafreundlichen Tourismus auch im Rahmen ihrer Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4205 (A) ) )(B) entwicklungspolitischen Arbeit. Die entwicklungspoliti- schen Vorhaben im Bereich Tourismus und nachhaltige Entwicklung tragen dazu bei, dass die Potenziale des Tourismus zur Armutsbekämpfung, zur Herstellung von so- zialer Gerechtigkeit, zur Ressourcensicherung und zum Klimaschutz, Milleniums-Entwicklungsziele 1, 3 und 7, mobilisiert und ökologische und soziokulturelle Schäden vermieden bzw. minimiert werden. Eine Hauptaufgabe des Sektorvorhabens liegt in der Unterstützung eines brei- ten Dialogs zur Rolle von Tourismus für nachhaltige Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit anderen deut- schen und internationalen Organisationen der Entwick- lungszusammenarbeit, mit der Tourismuswirtschaft, wissenschaftlichen Institutionen, Nichtregierungsorgani- sationen sowie VN-Organisationen, insbesondere UNWTO, IJNEP, UNDP). Kooperationen mit der Tou- rismuswirtschaft in Form von Entwicklungspartner- schaften, develoPPP-Vorhaben, haben sich bewährt und werden fortgeführt. Die Bundesregierung bringt die Themen des nachhal- tigen und klimafreundlichen Tourismus auch aktiv bei internationalen Messen und Veranstaltungen ein, ITB Berlin, CMT Stuttgart, World Travel Market London etc. Bei der angesprochenen „Messe für Anderes Reisen“ – Reisepavillon im April 2010 in Berlin hat die Bundesre- gierung wie bereits seit vielen Jahren das „Tourismus Forum International“ organisiert und setzt nicht nur die dort erhaltenen Anregungen um, sondern ist selbst der wichtigste Initiator der dortigen entwicklungsländerbe- zogenen Veranstaltungen und Foren, von denen diese Anregungen ausgehen. Jüngste Beispiele sind das Auf- greifen von Themen wie Klimawandel, Fischerei und Management von Meeresressourcen im Tourismus, Jagdtourismus etc. im April in Berlin. Anlage 6 Antwort des Parl. Staatssekretärs Ernst Burgbacher auf die Frage des Abgeordneten Heinz Paula (SPD) (Drucksache 17/ 1694, Frage 10): Welche Schritte wird die Bundesregierung einleiten, um dem Sextourismus und der Kinderprostitution in ärmeren Ländern zu begegnen, und welche konkreten Präventionsmaß- nahmen auf nationaler und internationaler Ebene plant bzw. unterstützt die Bundesregierung? In Umsetzung der Koalitionsvereinbarung wird die Bundesregierung den Aktionsplan zum Schutz von Kin- dern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Aus- beutung zügig weiterentwickeln. Damit sollen Maßnah- men umgesetzt werden, die insbesondere in Nachfolge des III. Weltkongresses gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im November 2008 in Rio de Janeiro entwickelt wurden. Entsprechende nationale und internationale Nachfolgekonferenzen fanden in Deutsch- land 2009 statt. Die Weiterentwicklung des Aktionsplans II erfolgt als ein Gesamtkonzept, das mit den Nichtregierungsorgani- sationen, dem Privatsektor und den Verbänden abge- stimmt wird. Der Aktionsplan wird eine systematische G A w – – – – – – – e p W B z f b A d d 1 r f d F g s a A d d G (C (D rundlage zur Bekämpfung der sexuellen Gewalt und usbeutung von Kindern und Jugendlichen bilden. Er ird sich auf folgende Schwerpunkte konzentrieren: Prävention Intervention Sexualisierte Gewalt und Ausbeutung in den digita- len Medien Bekämpfung des Handels mit Kindern und Jugendli- chen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung im In- und Ausland Bekämpfung von sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen durch reisende Sexualtäter Wissen genieren, Lücken schließen Internationale Kooperation stärken Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexu- ller Ausbeutung im Tourismus wird also Schwer- unktthema des Aktionsplans II sein. Im Rahmen der Mitgliedschaft Deutschlands in der elttourismusorganisation (UNWTO) beteiligt sich die undesregierung an der Arbeit der UNWTO-Task Force um Schutz von Kindern im Tourismus, die sich eben- alls insbesondere der Bekämpfung der sexuellen Aus- eutung von Kindern im Tourismus verschrieben hat. nlage 7 Antwort es Parl. Staatssekretärs Ernst Burgbacher auf die Frage es Abgeordneten Michael Groß (SPD) (Drucksache 7/1694, Frage 13): Was wird die Bundesregierung tun, um die Situation mittel- ständisch geprägter zinkerzeugender und -verarbeitender Be- triebe am Industriestandort Deutschland zu verbessern, die durch die voraussichtliche Einstufung von Zink als prioritär nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen, wie zum Beispiel dem Verlust von Aufträgen und damit verbunden dem Verlust von Arbeitsplät- zen, konfrontiert werden? Es ist derzeit noch nicht entschieden, ob Zink als prio- itärer Stoff eingestuft wird. Sie haben dazu eine weitere Frage gestellt, die aus- ührlich durch das BMU beantwortet wird. Ich möchte em nicht vorgreifen. Deshalb hier nur so viel: In jedem all wird die Bundesregierung sich für eine ausgewo- ene Entscheidung einsetzen, die die berechtigten wirt- chaftlichen Interessen der zinkverarbeitenden Industrie ngemessen berücksichtigt. nlage 8 Antwort es Parl. Staatssekretärs Ernst Burgbacher auf die Frage er Abgeordneten Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE RÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 14): Beabsichtigt die Bundesregierung, bestehende Rüstungs- exportgenehmigungen, die Rüstungsexporte an Griechenland 4206 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) ) )(B) erlauben, zu überprüfen und zu widerrufen bzw. zukünftig die Genehmigungspraxis gegenüber Griechenland sowie anderen finanziell angeschlagenen Staaten restriktiver als bisher zu handhaben, um einer weiteren Verschärfung ihrer finanziellen Notlage vorzubeugen? Die Bundesregierung trifft ihre Entscheidungen für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungs- gütern nach den Politischen Grundsätzen der Bundesre- gierung aus dem Jahr 2000. Danach ist der Export in NATO-Länder grundsätzlich nicht zu beschränken. Ex- portkontrollpolitische Entscheidungen zu diesen Partner- staaten haben sich an den sicherheitspolitischen Interes- sen im Rahmen des Bündnisses zu orientieren. Anlage 9 Antwort des Parl. Staatssekretärs Ernst Burgbacher auf die Frage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 18): Welche Gutachtervorschläge zu Nachrüstkosten im Zu- sammenhang mit der Verlängerung der Laufzeit von Atom- kraftwerken lagen der Bundesregierung bis Mitte April 2010 vor – bitte insbesondere mit Angabe der Verfasser und der von ihnen vorgeschlagenen oder prognostizierten Kostenhöhe –, und welche Einigung zu den Nachrüstkosten wurde Mitte April 2010 zwischen Bundeskanzleramt, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit auf Leitungs- ebene – bitte mit Angabe des genauen Datums, an dem die Ei- nigung erzielt wurde – erzielt? Wie bereits in der Antwort auf die Schriftliche Frage mit der Arbeitsnummer 5/53 – Frage vom 6. Mai 2010 – erläutert, sind die Bundesregierung und die begutachten- den Institute über die zugrunde liegenden Annahmen in einem fortlaufenden Austausch, der nach wie vor an- dauert. Angesichts dieses laufenden Arbeitsprozesses wird die Bundesregierung zu den Annahmen derzeit nicht Stellung nehmen. Anlage 10 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Ralf Brauksiepe auf die Frage der Abgeordneten Silvia Schmidt (Eisleben) (SPD) (Drucksache 17/1694, Frage 20): Wurden Verbände bzw. Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in die Verbändebeteiligung im Rahmen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe und ihrer Unterarbeitsgruppen zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe einbezogen, und auf die Abstimmung mit welchen Verbänden legt die Bundesregierung besonderen Wert, um einen möglichst brei- ten Konsens für eine Weiterentwicklung der Eingliederungs- hilfe insbesondere hinsichtlich der beruflichen Teilhabe her- beizuführen? Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe“ hat frühzeitig im Vorfeld der Ausarbeitung des Eckpunktepapiers für die ASMK 2009 umfassend Sozialverbände, Wohlfahrtsverbände und Verbände behinderter Menschen beteiligt und ihre Vor- stellungen in die Eckpunkte für eine Reform der Einglie- derungshilfe einfließen lassen. Auch in die aktuellen Beratungen zur Umsetzung der im vergangenen Jahr von d E u p f s t a G p f d A G b p u B n s A d F ( z a s u d g t s e t z S w 2 z 1 t n F d (C (D er Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung der ingliederungshilfe“ erarbeiteten und von der Arbeits- nd Sozialministerkonferenz 2009 gebilligten „Eck- unkte“ werden die mit der Sachmaterie unmittelbar be- assten Verbände gleichgewichtig einbezogen. Dabei ollen die Verbände ihre berechtigten Anliegen zur Gel- ung bringen können, um den von der Bundesregierung ngestrebten breiten Konsens als Voraussetzung für eine esetzesinitiative des Bundes in dieser Legislatur- eriode zu ermöglichen. Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zählen ür die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung er Eingliederungshilfe“ zu dem erweiterten Kreis der nsprechpartner in Fragen der Eingliederungshilfe. Aus ründen der Arbeitsökonomie wird die Mitarbeit in Ar- eitsgruppen oder Workshops zur Ausarbeitung des Eck- unktepapiers auf Sozialverbände, Wohlfahrtsverbände nd Verbände behinderter Menschen beschränkt. Eine eteiligung von Verbänden der Arbeitgeber und Arbeit- ehmer wurde erst zu einem noch nicht feststehenden päteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt. nlage 11 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Ralf Brauksiepe auf die rage der Abgeordneten Silvia Schmidt (Eisleben) SPD) (Drucksache 17/1694, Frage 21): Wie bewertet die Bundesregierung das Ergebnis der Mit- gliederbefragung der Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung, nach der nur 8,3 Prozent der Teilnehmer an Maßnahmen zur Unterstützten Beschäftigung gemäß § 38 a des Neunten Buches Sozialgesetzbuch, SGB IX, aus dem Per- sonenkreis der Schulabgänger kommen, und kann in allen Fällen davon ausgegangen werden, dass die Berufsbegleitung durch das Integrationsamt auch dann gewährleistet sein wird, wenn noch kein Schwerbehindertenausweis für den Teilneh- mer ausgestellt wurde? Die Bundesregierung nimmt in einem ersten Schritt u dem Ergebnis der Mitgliederbefragung der Bundes- rbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung Stellung: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Be- chäftigung, BAG UB, hat in ihrer Mitgliederbefragung nter anderem nach der „letzten Berufs-/Schulsituation er Teilnehmenden vor Eintritt in die Maßnahme UB“ efragt. In ihrer Auswertung hat die BAG UB festgehal- en, dass bei 8,3 Prozent der Teilnehmenden Schulbe- uch, bei 3,8 Prozent eine Ausbildung, bei 0,3 Prozent in Studium vorausging. Eine sozialversicherungspflich- ige Tätigkeit übten 0,5 Prozent aus, während 44,5 Pro- ent der Teilnehmenden arbeitslos waren und dabei GB-II- oder SGB-III-Leistungen bezogen. 0,8 Prozent aren in einer Werkstatt für behinderte Menschen und 2 Prozent in berufsvorbereitenden Maßnahmen. 9,8 Pro- ent wurden in der Kategorie „Sonstiges“ benannt. Zu 0,3 Prozent der Teilnehmenden liegen keine Informa- ionen vor. Da nach der letzten Situation vor Eintritt in die Maß- ahme gefragt worden war, beziehen sich die in der rage genannten 8,3 Prozent auf behinderte Menschen, ie nahtlos von der Schule in die Unterstützte Beschäfti- Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4207 (A) ) )(B) gung gewechselt sind. Aus dieser Feststellung kann je- doch nicht der Schluss gezogen werden, die Unterstützte Beschäftigung, die in erster Linie als Angebot für die Abgängerinnen und Abgänger von Förderschulen ge- dacht war, verfehle in der Praxis die Zielgruppe. Denn auch hinter den anderen genannten Situationen stehen in der Regel Schulabgängerinnen und Schulabgänger: Bei jungen behinderten Menschen, die zuvor in einer Ausbildung waren, 3,8 Prozent, hat sich vermutlich er- wiesen, dass sie den Anforderungen der Ausbildung nicht gerecht werden konnten. Sie gehören dann zur Zielgruppe der Unterstützten Beschäftigung. Schulabgängerinnen und Schulabgänger sind auch in der Gruppe derjenigen enthalten, die unmittelbar vor Eintritt in die Maßnahme arbeitslos gemeldet waren, 44,5 Prozent. Hier sind nämlich auch diejenigen behin- derten Jugendlichen erfasst, die sich nach Ende der Schulzeit arbeitslos melden, um die Zeit bis zum Beginn des folgenden Ausbildungsabschnitts zu überbrücken und hierdurch auch Ansprüche auf Leistungen, etwa auf Kindergeld, zu sichern. Auch diese Personengruppe ist sachlich dem Personenkreis der Schulabgängerinnen und Schulabgänger zuzurechnen, bei denen die Maßnahme Unterstützte Beschäftigung die erste Station der berufli- chen Teilhabe ist. Das Gleiche gilt für diejenigen behinderten Men- schen, die vor Beginn der Unterstützten Beschäftigung eine berufsvorbereitende Maßnahme durchlaufen ha- ben, 22 Prozent. Auch diese gehören zur Zielgruppe der Unterstützten Beschäftigung, wenn sich zeigt, dass an die berufsvorbereitende Maßnahme aufgrund der Behin- derung keine Berufsausbildung anschließen kann. Unter „Sonstiges“, 9,8 Prozent, sind nach Angaben der BAG UB insbesondere Teilnehmerinnen und Teil- nehmer an der Maßnahme „Diagnose der Arbeitsmarkt- fähigkeit besonders betroffener behinderter Menschen, DIA-AM“ enthalten. Auch diese gehören zur Zielgruppe der Unterstützten Beschäftigung. Denn Ziel der Maß- nahme DIA-AM ist es ja gerade festzustellen, ob die Un- terstützte Beschäftigung oder eine Werkstatt für behin- derte Menschen der richtige Weg ist. Schließlich dürften sich auch in der Rubrik „Informa- tionen liegen nicht vor“, 10,3 Prozent, noch junge Men- schen in einer der oben genannten Situationen verber- gen. In diesem Licht betrachtet legt die Erhebung der BAG UB eher den Schluss nahe, dass die Zielgruppe in einem hohen Maße erreicht wird. Dass die Auswertung der BAG UB dennoch zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, ist bedauerlich. Dies gilt umso mehr, als die Er- gebnisse nicht repräsentativ sind, da die Erhebung nach eigenen Angaben der BAG UB nur 12 der 16 Länder und nur rund 20 Prozent der Fälle umfasst. Die Bundesregierung nimmt in einem zweiten Schritt zu den Leistungen der Integrationsämter Stellung: Ein Schwerbehindertenausweis wird erteilt, wenn der Grad der Behinderung wenigstens 50 Prozent beträgt. Die für die Leistungen der Berufsbegleitung im Rahmen d t s w s g d g t A d d G 2 s s d m e ü A d F L P m u c v m H A m l z A (C (D er Unterstützten Beschäftigung zuständigen Integra- ionsämter erbringen die Leistungen nicht nur für chwerbehinderte Menschen, Grad der Behinderung von enigstens 50, sondern auch für andere behinderte Men- chen, wenn diese schwerbehinderten Menschen gleich- estellt sind. Die Gleichstellung erfolgt durch die Bun- esagentur für Arbeit, wenn sie anderenfalls einen eeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behal- en können. nlage 12 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Ralf Brauksiepe auf die Frage er Abgeordneten Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/DIE RÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 24): Beabsichtigt die Bundesregierung, Kommunen, die zum 1. Januar 2012 die Grundsicherung in alleiniger Trägerschaft wahrnehmen wollen, bzw. Grundsicherungsstellen, die auf- grund einer Kreisgebietsreform zum 1. Januar 2011 zur Op- tion übergehen, bei der Auswahl der Bewerbungen zum Mo- dellprojekt „Bürgerarbeit“ nicht zu berücksichtigen und damit den Überlegungen des Fachkonzepts „Bürgerarbeit“, Grob- konzept, der Bundesagentur für Arbeit zu folgen, und wie be- gründet die Bundesregierung ihre Entscheidung? Der Aufruf zur Interessenbekundung vom 19. April 010 richtet sich bundesweit an alle Grundsicherungs- tellen. Die Auswahl der eingereichten Konzepte ge- chieht unabhängig davon, ob eine Kommune zukünftig ie Grundsicherung in alleiniger Trägerschaft wahrneh- en will oder ob eine Grundsicherungsstelle aufgrund iner Kreisgebietsreform zum 1. Januar 2011 zur Option bergehen wird. nlage 13 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Ralf Brauksiepe auf die rage der Abgeordneten Sabine Zimmermann (DIE INKE) (Drucksache 17/1694, Frage 25): Wie ist das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ bzw. die darin enthaltene Beschäftigungsphase gemäß der Bekanntmachung des Interessenbekundungsverfahrens des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 19. April 2010 in das bestehende arbeitsmarktpolitische Förderinstrumentarium des SGB II ein- zuordnen, insbesondere hinsichtlich der Zielgruppe des In- strumentes in Abgrenzung zu anderen Fördermöglichkeiten wie Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung und Beschäftigungszuschuss? Das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ beschreibt einen rozess aus den Komponenten Beratung/Standortbestim- ung, Vermittlungsaktivitäten, Qualifizierung/Förderung nd der eigentlichen „Bürgerarbeit“ einer sozialversi- herungspflichtigen Beschäftigung, ohne Arbeitslosen- ersicherungspflicht. Es soll erreicht werden, einen öglichst hohen Anteil der arbeitslosen erwerbsfähigen ilfebedürftigen durch qualitativ gute und konsequente ktivierung, Mindestdauer sechs Monate, in den allge- einen Arbeitsmarkt zu integrieren und nur die arbeits- osen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen in Bürgerarbeit u beschäftigen, deren Integration in den allgemeinen rbeitsmarkt während der Aktivierungsphase nicht ge- 4208 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) ) )(B) lingt oder in absehbarer Zeit nicht möglich erscheint. Das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ bietet erstmals den Rahmen für eine umfängliche Evaluation, die aufzeigen soll, welche Wirkungen sich durch konsequente Umset- zung des Grundsatzes „Fördern und Fordern“ ergeben. Dem Aufruf zur Interessenbekundung zufolge sollen arbeitslose erwerbsfähige Hilfebedürftige, die Leistun- gen nach dem SGB II beziehen, in das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ einbezogen werden. Darüber hinaus gibt es seitens des BMAS keine weiteren zielgruppenspezifi- schen Vorgaben; gegebenenfalls ergeben sich regionale Besonderheiten aus den eingereichten Konzepten. Im Rahmen der Aktivierungsphase sollen die Grundsi- cherungsstellen auch auf das bestehende Instrumentarium im SGB II und somit beispielsweise auf Arbeitsgelegen- heiten mit Mehraufwandsentschädigung zurückgreifen können. Aus Sicht der Bundesregierung kann dies jedoch nicht für den Beschäftigungszuschuss im Rahmen der Leistungen zur Beschäftigungsförderung gemäß § 16 e SGB II, JobPerspektive, gelten, da dieser auf eine dauer- hafte Förderung ausgerichtet ist. Aufgrund der gesetzli- chen Regelungen im § 16 e SGB II hinsichtlich der zu för- dernden Personengruppe ist nicht davon auszugehen, dass es nennenswerte Überschneidungen in der Zielgruppe ge- ben wird. Anlage 14 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Ralf Brauksiepe auf die Frage der Abgeordneten Sabine Zimmermann (DIE LINKE) (Drucksache 17/1694, Frage 26): Wie stellt sich die Bundesregierung zukünftig den Einsatz der insgesamt im Bereich des SGB II zur Verfügung stehen- den verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Förderinstru- mente vor, bezogen auf die jeweiligen Teilnehmerzahlen und die Verteilung der Mittel, und wie stellte sich die anteilige Zu- sammensetzung der insgesamt im Bereich des SGB II zur An- wendung gekommenen arbeitsmarktpolitischen Förderinstru- mente in den Jahren 2005 bis 2009 dar, nach jeweiligen Teilnehmerzahlen und ausgegebenen Mitteln? Die Grundsicherung für Arbeitsuchende ist darauf ausgerichtet, den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen – un- ter Berücksichtigung der jeweiligen lokalen und regiona- len Rahmenbedingungen – eine an ihren individuellen Bedürfnissen orientierte Aktivierungs- und Eingliede- rungsstrategie anzubieten. Entscheidungen dazu können nur vom jeweiligen Fallmanager vor Ort getroffen wer- den. Das SGB II sieht deshalb in den §§ 3 Abs. 1 und 14 vor, dass die Erbringung der aktivierenden Leistungen jeweils an den konkreten Bedarfen und Gegebenheiten im Einzelfall auszurichten ist. Vor diesem fachlichen Hintergrund steht den Grundsicherungsstellen das ge- setzliche Instrumentarium zur Verfügung; dieses wird er- gänzt durch zeitlich begrenzte Sonderprogramme des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Darüber hinaus macht das Bundesministerium für Arbeit und So- ziales keine Vorgaben zu Teilnehmerzahlen und Mittel- verwendung mit Blick auf die Anwendung der gesetzlich geregelten Eingliederungsleistungen im SGB II. M J z E v E a g g 1 G a n g b i s A d d G g l d N u h n b o t z b e e g s d n s d v t E g p i (C (D Angaben zu den Teilnehmerzahlen und ausgegebenen itteln für arbeitsmarktpolitische Instrumente in den ahren 2005 bis 2008 können den Eingliederungsbilan- en der Bundesagentur für Arbeit entnommen werden. ingliederungsbilanzen für 2009 sind derzeit noch nicht erfügbar. Von 2005 bis 2008 haben sich die Ist-Ausgaben für ingliederungsleistungen von rund 2,6 Milliarden Euro uf gut 4,8 Milliarden Euro erhöht. Der Anteil beschäfti- ungsbegleitender Maßnahmen, wie zum Beispiel Ein- liederungszuschüsse, hat sich in diesem Zeitraum von 1,5 auf 17,7 Prozent erhöht, während gleichzeitig das ewicht Beschäftigung schaffender, im wesentlichen uf den zweiten Arbeitsmarkt zielender Maßnahmen ab- ahm, von 57,3 auf 38,6 Prozent. Die vollständigen Ein- liederungsbilanzen lassen sich im Onlinestatistikange- ot der Bundesagentur für Arbeit abrufen. Besonders nteressierende Tabellen daraus können, falls gewünscht, chriftlich nachgereicht werden. nlage 15 Antwort er Parl. Staatssekretärin Julia Klöckner auf die Frage er Abgeordneten Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE RÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 27): Welche Regelungslücken sieht die Bundesregierung ange- sichts der Verschleppung von Informationen bei den aktuell bekannt gewordenen Dioxinfunden in Eiern, und welche kon- kreten Änderungen wird die Bundesregierung bei den Melde- pflichtigen vornehmen? Die Bundesregierung sieht bei den aktuell bekannt ewordenen Dioxinfunden in Eiern keine Regelungs- ücken im Hinblick auf eine Unterrichtung der zustän- igen Behörden. Art. 19 und 20 der Verordnung (EG) r. 178/2002 legen dem Lebensmittel- oder Futtermittel- nternehmer spezifische Meldepflichten auf. Erkennt iernach ein Unternehmer oder hat er Grund zu der An- ahme, dass ein von ihm eingeführtes, erzeugtes, verar- eitetes, hergestelltes oder vertriebenes Lebensmittel der Futtermittel die Anforderungen an die Lebensmit- el- oder Futtermittelsicherheit nicht erfüllt, hat er unver- üglich Verfahren einzuleiten, um das betreffende Le- ens- oder Futtermittel vom Markt zu nehmen. Ferner ist ine Unterrichtung der zuständigen Behörden hiervon rforderlich. Kann zudem ein von einem Unternehmer in den Verkehr ebrachtes Lebensmittel möglicherweise die Gesundheit chädigen oder entspricht ein von einem Unternehmer in en Verkehr gebrachtes Futtermittel möglicherweise icht den Anforderungen an die Futtermittelsicherheit, o muss der Unternehmer unverzüglich dies den zustän- igen Behörden mitteilen und diese Behörden über die on ihm getroffenen Maßnahmen zur Risikoabwehr un- errichten. Die Bundesregierung sieht keine Veranlassung, die uropäische Kommission zu einer Änderung dieser Re- elungen aufzufordern. Sofern es zu einer Verschlep- ung von Informationen durch den Unternehmer kommt, st es Aufgabe der zuständigen Überwachungsbehörde, Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4209 (A) ) )(B) dies festzustellen und zu sanktionieren. Für Zuwider- handlungen sieht das Lebensmittel- und Futtermittel- gesetzbuch eine Geldbuße bis zu 10 000 Euro vor. Anlage 16 Antwort der Parl. Staatssekretärin Julia Klöckner auf die Frage der Abgeordneten Ulrike Höfken (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 28): Welche Änderungen im Kontrollsystem für Futtermittel- importe plant die Bundesregierung angesichts der Problema- tik belasteter Importe auch bei Einzelfuttermitteln, und wel- che Strategie verfolgt die Bundesregierung insgesamt zur Vermeidung von Lebens- und Futtermittelkontaminationen mit Dioxin? Das Importkontrollsystem bei Lebensmitteln und Fut- termitteln ist im Gemeinschaftsrecht verankert. Auf der Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 882/2004 sind die Mitgliedstaaten angehalten, risikoorientierte Einfuhr- untersuchungen bei der Einfuhr dieser Erzeugnisse aus Drittstaaten durchzuführen. Sofern es aufgrund bekann- ter oder neu auftretender Risiken bei bestimmten Lebens- mitteln oder Futtermitteln nicht tierischen Ursprungs ge- boten erscheint, kann die Europäische Kommission diese Erzeugnisse durch Aufnahme in den Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 669/2009 einer verstärkten Über- wachung unterwerfen. Zur Vermeidung von Lebensmittelkontaminationen mit Dioxinen gelten entsprechend der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 EU-weit Höchstgehalte seit 2002 für Dio- xine und seit 2006 zudem Höchstgehalte für die Summe von Dioxinen und dioxinähnlichen polychlorierten Bi- phenylen, PCB, in verschiedenen Lebensmitteln. Die Bundesregierung sieht zurzeit keine Veranlassung aufgrund des vorliegenden Ereignisses, die Europäische Kommission zu Änderungen dieser Regelungen aufzu- fordern. Anlage 17 Antwort des Parl. Staatssekretärs Christian Schmidt auf die Frage des Abgeordneten Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 30): Inwiefern und mit welchem Ergebnis hat sich das Kabinett mit rechtlichen Änderungen zur Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes befasst? Die rechtlichen Änderungen zur Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes sowie die damit im Zusammen- hang stehenden weiter notwendigen gesetzlichen Ände- rungen sind im Entwurf eines Wehrrechtsänderungsge- setzes 2010 zusammengefasst. Das Bundeskabinett hat am 19. Mai 2010 dem Ent- wurf des Wehrrechtsänderungsgesetzes 2010 zugestimmt. A d F D k n l z u f b A d F c z r n i 2 d g t d d § c – – – – – i e d g (C (D nlage 18 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die rage des Abgeordneten Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 31): In welcher Form plant die Bundesregierung im Zuge der Neuregelungen zur Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes auch eine optionale Verlängerung des Zivildienstes zu regeln? Entsprechend der Einigung innerhalb der Regierungs- oalition sollen Zivildienstleistende künftig im Einver- ehmen mit ihrer Dienststelle im Rahmen eines öffent- ich-rechtlichen Dienstverhältnisses einen freiwilligen usätzlichen Zivildienst von mindestens drei Monaten nd höchstens sechs Monaten leisten können. Dieser soll rühestens zwei Monate nach Beginn des Zivildienstes eantragt werden können. nlage 19 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die rage der Abgeordneten Caren Marks (SPD) (Drucksa- he 17/1694, Frage 32): Wie bewertet die Bundesregierung die Befürchtung der „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“, USK, wonach die vorgeschlagenen Neuregelungen zur Novellierung des Ju- gendmedienschutz-Staatsvertrages dazu führen, dass unter- schiedliche Alterskennzeichnungen im Internet zum Einsatz kommen und dadurch möglicherweise ein wirksamer Jugend- medienschutz unterlaufen wird? Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass der Vier- ehnte Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der die Novellie- ung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages beinhaltet, och nicht einmal unterzeichnet ist. Die Unterzeichnung st in der Ministerpräsidentenkonferenz am 10. Juni 010 geplant. Danach ist der Durchlauf durch die Län- erparlamente vorgesehen. Eine Prognose, wie ein Re- elungswerk – das erst in mehr als 7 Monaten in Kraft reten soll – in der Praxis ausgestaltet wird, ist schon em Grunde nach überaus schwierig. Festgestellt wer- en kann jedenfalls, dass der Staatsvertragsentwurf in 12 Satz 2 die Festlegung auf ein einheitliches Kennzei- hen ausdrücklich vorsieht. Nach dieser Vorschrift legen: die anerkannten Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle, die Kommission für Jugendmedienschutz, die in der ARD zusammengeschlossenen Landes- rundfunkanstalten, das ZDF und das Deutschlandradio m Benehmen mit den obersten Landesjugendbehörden inheitliche Kennzeichen und auch die technischen Stan- ards für deren Auslesbarkeit (für Jugendschutzpro- ramme) fest. 4210 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) ) )(B) Darüber hinaus trifft der geltende Jugendmedien- schutz-Staatsvertrag Vorkehrungen, um eine einheitliche Beurteilungspraxis in der Sache zu gewährleisten. Dazu gehören die Anforderungen an Unabhängigkeit, Qualifi- kation, Organisation und Anbieterrepräsentanz der Selbstkontrolleinrichtungen (§ 19 Abs. 3 JMStV) wie auch das Abstimmungserfordernis der Selbstkontrollein- richtungen untereinander über die einheitliche Anwen- dung des Staatsvertrags (§ 19 Abs. 6 JMStV). Anlage 20 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Fragen der Abgeordneten Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Fragen 33 und 34): Plant die Bundesregierung, die finanzielle Ausstattung des Kita-Ausbaus zu überprüfen? Plant die Bundesregierung Sparmaßnahmen, die den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem vollendeten ers- ten Lebensjahr betreffen, der 2013 in Kraft treten soll? Zu Frage 33: Nein. Die Bundesregierung steht zu den Vereinbarun- gen des sogenannten Krippengipfels vom 2. April 2007 und der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Betreuungs- ausbau vom 28. August 2007. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder vom vollendeten ers- ten bis zum dritten Lebensjahr ist mit dem unter Zustim- mung des Bundesrates zustande gekommenen Kinder- förderungsgesetz (KiföG) bereits erlassen und tritt zum 1. August 2013 in Kraft. Zu Frage 34: Nein. Die Bundesregierung steht zu den Vereinbarun- gen des sogenannten Krippengipfels und der Bund-Län- der-Arbeitsgruppe zum Betreuungsausbau. Sie unter- stützt den Ausbau der Betreuungsangebote bis 2013 mit insgesamt 4 Milliarden Euro für Investitions- und Be- triebskosten, ab 2014 dann mit jährlich 770 Millionen Euro für zusätzliche Betriebskosten. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Bund den Ländern zur Bewältigung der Heraus- forderungen der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Konjunkturpaket II insgesamt 6,5 Milliarden Euro für Investitionen in die Bildungsinfrastruktur zur Verfügung gestellt hat. Diese können ausdrücklich auch für die frühkindliche Infrastruktur eingesetzt werden. Anlage 21 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Frage des Abgeordneten Christian Lange (Backnang) (SPD) (Drucksache 17/1694, Frage 35): Plant die Bundesregierung Einsparungen im Bereich der Kinderbetreuung und hält die Bundesregierung an der Garan- tie eines Betreuungsplatzes für Kinder unter drei Jahren ab 2013 noch fest? i e z 2 B t E m k d f K I g f v a u a e t m f 1 A d g ( Z g r J Z u c s t r (C (D Nein, die Bundesregierung plant keine Einsparungen m Bereich der Kinderbetreuung. Sie steht zu den Ver- inbarungen von Bund, Ländern und kommunalen Spit- enverbänden auf dem sogenannten Krippengipfel am . April 2007 und der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum etreuungsausbau vom 28. August 2007. Die Bundesregierung unterstützt den Ausbau der Be- reuungsangebote bis 2013 mit insgesamt 4 Milliarden uro für Investitions- und Betriebskosten, ab 2014 dann it jährlich 770 Millionen Euro für zusätzliche Betriebs- osten. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, ass der Bund den Ländern zur Bewältigung der Heraus- orderungen der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem onjunkturpaket II insgesamt 6,5 Milliarden Euro für nvestitionen in die Bildungsinfrastruktur zur Verfügung estellt hat. Diese können ausdrücklich auch für die rühkindliche Infrastruktur eingesetzt werden. Ja. Die Bundesregierung steht zu den Vereinbarungen on Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden uf dem sogenannten Krippengipfel am 2. April 2007 nd der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Betreuungs- usbau vom 28. August 2007. Der Rechtsanspruch auf inen Betreuungsplatz für Kinder vom vollendeten ers- en bis zum dritten Lebensjahr ist mit dem unter Zustim- ung des Bundesrates zustande gekommenen Kinder- örderungsgesetz (KiföG) bereits erlassen und tritt zum . August 2013 in Kraft. nlage 22 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Hermann Kues auf die Fra- en der Abgeordneten Erika Steinbach (CDU/CSU) Drucksache 17/1694, Fragen 38 und 39): Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über Miss- brauchsfälle in Jugendwerkhöfen in der Zeit der zweiten deut- schen Diktatur, etwa in der Einrichtung in Torgau? Welche Sachverständigen nehmen für den Themenbereich sexueller Missbrauch im Bereich der Jugendwerkhöfe am Runden Tisch gegen sexuellen Missbrauch teil? u Frage 38: Aus offiziellen Statistiken, verpflichtenden Meldun- en oder repräsentativen Studien liegen der Bundes- egierung keine Erkenntnisse über Missbrauchsfälle in ugendwerkhöfen der DDR vor. u Frage 39: Jungen Menschen ist in Einrichtungen in der DDR nsägliches Leid angetan worden. Mit dieser schreckli- hen Erkenntnis wird sich auch der Runde Tisch gegen exuellen Missbrauch auseinandersetzen. Für uns gilt: Das Leid der Opfer ist unteilbar. Obwohl die Auswirkungen des Unterdrückungssys- ems der DDR bereits Gegenstand umfangreicher mate- ieller und immaterieller Rehabilitierungsmaßnahmen Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4211 (A) ) )(B) sind, wird es Aufgabe des Runden Tisches sein, zu über- legen, ob mehr zu tun ist. Ausgangspunkt bei der Auswahl der Teilnehmenden des Rundes Tisches war es, alle gesellschaftlichen Grup- pen zu Wort kommen zu lassen. Daher spielte in unseren Überlegungen die Seite der Opfer von Anfang an eine große Rolle. Wir haben uns entschlossen, zentrale Kinderschutz- verbände und -organisationen und bundesweite Zusam- menschlüsse von Beratungseinrichtungen für Opfer se- xueller Gewalt einzuladen. Sie und andere bringen mit ihren Beratungsstellen nicht nur eine große Expertise mit ein, sondern leisten auch eine unverzichtbare Arbeit. Ferner sind Vertreterinnen und Vertreter von Fami- lienverbänden, Schul- und Internatsträgern, der freien Wohlfahrtspflege, und der beiden großen christlichen Kirchen, des Rechtswesens, der Politik und aus Bund, Ländern und Kommunen geladen. In der jetzigen Zusammensetzung finden einerseits alle relevanten Gruppen und Positionen Gehör, anderer- seits ist die Arbeitsfähigkeit des Runden Tisches sicher gestellt. In den Arbeitsgruppen haben wir die Möglich- keit, weitere Expertinnen und Experten hinzuzuziehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Anlage 23 Antwort der Parl. Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz auf die Fragen der Abgeordneten Dr. Marlies Volkmer (SPD) (Drucksache 17/1694, Fragen 40 und 41): Wie beurteilt die Bundesregierung die Initiative der Län- der Sachsen und Bremen, die Krankenkassen in den Bundes- ländern gesetzlich zur Einrichtung von Spitzenverbänden auf Landesebene zu verpflichten, die als Rechtsperson verant- wortlich die Aufgaben der Krankenkassen im jeweiligen Land übernehmen? Welche Auswirkungen hätte die Einrichtung von 16 neuen Krankenkassenverbänden für die Verwaltungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen? Zu Frage 40: Der Vorschlag ist aus der Sicht der Bundesregierung insbesondere aus folgenden Gründen abzulehnen: Aus der Sicht der Bundesregierung gehört zu einem funktionsfähigen Kassenwettbewerb auch, dass die im Wettbewerb stehenden Krankenkassen eigenverantwort- lich entscheiden können, wie sie die zur Verfügung ste- henden organisationsrechtlichen Möglichkeiten nutzen. Gesetzliche Regelungen im Bereich des Organisations- rechts sollten daher nur dann erfolgen, wenn dies erfor- derlich ist, um die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs zu erhalten oder zu verbessern. Bei dem vorgenannten Vorschlag ist jedoch nicht ersichtlich, inwieweit er zu einer Verbesserung der Aufgabenwahrnehmung auf Landesebene führen könnte. Außerdem würde er zu ei- nem erheblichen Bürokratieaufbau führen, da alle bun- desweit tätigen Krankenkassen Mitglied in 16 Spitzen- verbänden auf Landesebene sein müssten. d K s 5 n s p d s s V v b n s s S M V e h Z s b V V w v s m t g b j n A e A d d 1 l L s (C (D Dies ist den Ländern auch bekannt. Zur Vermeidung es mit der Bildung eines Spitzenverbandes „Land der rankenkassen“ verbundenen erheblichen bürokrati- chen Aufwands hat die Amtschefkonferenz daher am ./6. Mai 2010 einstimmig beschlossen, den Ministerin- en und Ministern, Senatorinnen und Senatoren für Ge- undheit der Länder als Alternative eine gesetzliche Ver- flichtung der Krankenkassen zu empfehlen, wonach iese für jede Kassenart einen Bevollmächtigten zu be- timmen haben, der mit Abschlussbefugnis für gemein- am und einheitlich zu treffende Entscheidungen und erträge auf Landesebene verantwortlich ist. Die Be- ollmächtigten sollen eine Landesarbeitsgemeinschaft ilden, die der Länderaufsicht unterliegt. Nach Auffassung der Bundesregierung ist jedoch icht erkennbar, inwieweit dieser Vorschlag, der der be- tehenden Regelung für die Bevollmächtigung der Er- atzkassen nach § 212 Abs. 5 Satz 4 des Fünftes Buches ozialgesetzbuch, SGB V, nachgebildet ist und dieses odell auf die anderen Kassenarten überträgt, zu einer erbesserung der Aufgabenwahrnehmung auf Landes- bene führen kann. Vielmehr reichen die insoweit beste- enden organisationsrechtlichen Strukturen aus. u Frage 41: Die Bundes- und Landesverbände der Krankenkassen ind im Wesentlichen umlagefinanziert. Die Ver- andsumlagen für den GKV-Spitzenverband und der erbände der Kassenarten auf Landesebene sind Teil der erwaltungsausgaben der Mitgliedskrankenkassen. Da eder die genaue Zusammensetzung und Funktion der orgeschlagenen Spitzenverbände auf Landesebene fest- teht noch ihr genauer Aufgabenumfang, lassen sich die it dem Vorschlag verbundenen zusätzlichen Verwal- ungskosten nicht näher beziffern. Anhand der bisheri- en Erfahrungen ist jedoch zu erwarten, dass Spitzenver- ände in allen 16 Bundesländern in der Summe zu ährlichen Verwaltungsausgaben in dreistelliger Millio- enhöhe führen können, wenn ihre organisatorische usgestaltung dem GKV-Spitzenverband auf Bundes- bene entspricht. nlage 24 Antwort er Parl. Staatssekretärin Katherina Reiche auf die Frage es Abgeordneten Michael Groß (SPD) (Drucksache 7/1694, Frage 45): Teilt die Bundesregierung die Ansicht der EU-Kommis- sion zur EU-Wasserrahmenrichtlinie, die vorsieht, den Stoff Zink als prioritär einzustufen, vor dem Hintergrund der bereits vorhandenen Risikobewertung, darunter die Empfehlung der EU-Kommission für Risikobegrenzungsmaßnahmen für Zink, 2008/464/EG, und wie bewertet sie aktuelle, vom neutralen INERIS-Institut überprüfte und ausgewertete Daten zu Zink aus den Mitgliedstaaten der EU, die ausdrücklich gegen eine solche Einstufung sprechen? Entsprechend Art. 16 Abs. 4 der Wasserrahmenricht- inie überprüft derzeit die Kommission turnusgemäß die iste der prioritären Stoffe und die aufgrund der Vor- chläge des Europäischen Parlaments in die Umweltqua- 4212 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) ) )(B) litätsnormenrichtlinie 2008/105/EG aufgenommenen elf Stoffe in Anhang III hinsichtlich einer möglichen Ein- stufung als prioritäre Stoffe. Die Kommission muss ent- sprechend den Regelungen dieser Richtlinie dem Euro- päischen Parlament und dem Rat bis zum 13. Januar 2011 über das Ergebnis der Überprüfung berichten und einen Vorschlag für eine entsprechende Richtlinie vorle- gen. Zur Überprüfung der Liste der prioritären Stoffe hat die EU-Kommission eine Kommissionsarbeitsgruppe eingesetzt, in der die Mitgliedstaaten und NGOs und un- ter anderem der Europäische Metallverband, Eurome- taux, vertreten sind, um die vorhandenen Informationen zusammenzustellen. Die Auswertung erfolgt durch ein Prioritätenset- zungsverfahren, in das alle NGOs von Anfang an eng eingebunden sind. In einem wissenschaftlich fundierten Verfahren sollen diejenigen Stoffe herausgefiltert wer- den, bei denen aus wasserwirtschaftlicher Sicht ein euro- paweiter Handlungsbedarf besteht, das heißt wenn in mindestens vier Mitgliedstaaten ein Stoff als relevant an- gesehen wird. Bislang ist aus einer Zusammenstellung der europaweit verfügbaren Gewässerkonzentrationen von Stoffen eine Kandidatenliste von 41 Stoffen für eine vertiefte Prioritätensetzung erarbeitet worden. Auf die- ser Kandidatenliste befindet sich auch Zink. Im weiteren Verfahren der Kommission geht es zu- nächst um die Erstellung von Stoffdossiers auf einer ver- gleichbaren Informationsbasis für die verbleibenden Kandidaten der Prüfliste. Selbstverständlich werden, wie von der Wasserrahmenrichtlinie gefordert, die Risikobe- wertungen nach dem Chemikalien-, Pflanzenschutz- und Biozidrecht herangezogen und die Auswertungen des von der Kommission beauftragten INERIS-Instituts be- rücksichtigt. Diese Informationen stellen eine sehr wich- tige, aber nicht die ausschließliche Informationsquelle dar. Es ist davon auszugehen, dass nach Abschluss des Verfahrens etwa 10 bis 15 Stoffe von der Kommission für die Erarbeitung eines Vorschlags für eine Richtlinie, der Anfang 2011 zu erwarten ist, ausgewählt werden. Die Entscheidung, welche Stoffe in die Liste der priori- tären Stoffe aufgenommen werden, erfolgt im europäi- schen Rechtsetzungsverfahren. Auf der Grundlage der dann zur Verfügung stehenden Informationen wird auch die Bundesregierung ihr Votum abgeben. Anlage 25 Antwort der Parl. Staatssekretärin Katherina Reiche auf die Fra- gen des Abgeordneten Ulrich Kelber (SPD) (Drucksa- che 17/1694, Fragen 46 und 47): Wie viele Anträge auf Zuschuss im Rahmen des Markt- anreizprogrammes zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmebereich, bitte aufgeschlüsselt nach den einzelnen För- dertatbeständen, liegen derzeit beim Bundesamt für Wirt- schaft und Ausfuhrkontrolle vor, die zurzeit aufgrund der Haushaltssperre nicht bearbeitet werden, und um welches Fördervolumen handelt es sich dabei ungefähr? Z ü r H w d s d m Z I ü d w I R a r A d g ( Z le d b M a d W s (C (D Wie hoch sind nach Einschätzung der Bundesregierung die privaten Investitionen, die aufgrund dieser Haushalts- sperre nicht getätigt werden können, und wann wird das Bun- desministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicher- heit einen Antrag auf Entsperrung der Mittel stellen? u Frage 46: Vor dem Programmstopp am 3. Mai 2010 wurden berschlägig rund 22 000 Anträge beim BAFA einge- eicht, die aufgrund der Haushaltssperre aus Mitteln des aushaltsjahres 2010 nicht mehr positiv beschieden erden könnten. Deren potenzieller Haushaltsmittelbe- arf liegt bei circa 47 Millionen Euro. Eine Angabe, wie ich dieser Bestand nach Technologien aufschlüsselt, ist erzeit aus bearbeitungstechnischen Gründen noch nicht öglich. u Frage 47: Derzeit werden monatlich 12 000 Förderanträge für nvestitionen gestellt, die ein Investitionsvolumen von berschlägig 180 Millionen Euro umfassen. Der Bun- esregierung liegen keine Informationen darüber vor, ie hoch der Anteil der ohne Förderung nicht getätigten nvestitionen sein wird. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und eaktorsicherheit hat am 26. April 2010 einen Antrag uf Aufhebung der Haushaltsperre beim Bundesministe- ium der Finanzen gestellt. nlage 26 Antwort er Parl. Staatssekretärin Katherina Reiche auf die Fra- en des Abgeordneten Dr. Hermann Scheer (SPD) Drucksache 17/1694, Fragen 50 und 51): Welche Bedeutung hat nach Einschätzung der Bundesre- gierung die Einführung der Verordnung zu Systemdienstleis- tungen durch Windenergieanlagen, SDLWindV, und der ent- sprechenden Regelung im Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG, für bestehende wie auch neue Anlagen für die verbes- serte Netz- und Systemintegration von Windenergieanlagen – wie zum Beispiel die Aufrechterhaltung der Netzstabilität durch Windkraftanlagen –, und wie ist nach Einschätzung der Bundesregierung der aktuelle Stand der Umsetzung der SDL- WindV bei Herstellern, Gutachtern und Zertifizierern? Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass mög- lichst viele bestehende Windkraftanlagen hinsichtlich der Vor- gaben der SDLWindV umgerüstet werden, um somit die Sys- temstabilität des deutschen Stromnetzes zu erhöhen, und wie bewertet sie dahin gehend eine mögliche Fristverlängerung der Regelung in § 66 Abs. 1 Nr. 6 des Erneuerbare-Energien- Gesetzes, EEG 2009, für Bestandsanlagen? u Frage 50: Mit der Einführung der Verordnung zu Systemdienst- istungen durch Windenergieanlagen, SDLWindV, sowie er Übergangsregelung nach § 66 Abs. 1 Nr. 6 Erneuer- are-Energien-Gesetz sollte für Windenergieanlagen ein indeststandard für die verbesserte Netzintegration und n das Verhalten im Fehlerfall geschaffen werden. Mit en verbesserten Netzeigenschaften von neuen und alten indenergieanlagen soll die Systemsicherheit unter- tützt werden. Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4213 (A) ) )(B) Derzeit sind die Hersteller von Windenergieanlagen wegen der begrenzten Anzahl von zugelassenen Zertifi- zierern und Verzögerungen bei der Erstellung der Richt- linien für die Zertifizierung nicht in der Lage, bis zum Stichtag 30. Juni 2010 sicher nachzuweisen, dass die Anforderungen der SDLWindV am Netzverknüpfungs- punkt erfüllt werden. Die Bundesregierung will daher durch eine Verlänge- rung der Stichtagsregelung im Rahmen einer Änderung der SDLWindV vermeiden, dass es zu einem faktischen Ausbaustopp der Windenergie in der zweiten Hälfte 2010 kommen könnte. Zu Frage 51: Bis zum 31. Dezember 2010 können Bestandsanlagen freiwillig nachgerüstet werden. Bei Nachweis der Erfül- lung der in der SDLWindV vorgeschriebenen Netzeigen- schaften für Bestandanlagen erhalten die Betreiber einen Bonus von 0,7 ct/kWh über einen Zeitraum von fünf Jahren. Ab dem 1. Januar 2011 ist eine Aufrüstung nicht mehr bonusfähig. Die Netzbetreiber halten eine Verlängerung der Frist grundsätzlich für sinnvoll. Die Bundesregie- rung steht dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber. Anlage 27 Antwort der Parl. Staatssekretärin Katherina Reiche auf die Frage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 52): Auf Grundlage welcher Genehmigungen wurden im Zeit- raum 1992 bis 2009 radioaktive Abwässer am Standort Lubmin – Atomkraftwerk Greifswald und Zwischenlager Nord – in die Ostsee eingeleitet – bitte mit Angabe des Da- tums der Genehmigung –, und welche maximalen Abwasser- mengen, die jährlich abgeleitet werden dürfen, sind in diesen Genehmigungen jeweils festgelegt? Das Kernkraftwerk Greifswald ist seit Dezember 1990 außer Betrieb. Bis zur Erteilung der Stilllegungsge- nehmigung am 30. Juni 1995 galt die ursprüngliche Dau- erbetriebsgenehmigung für das Kernkraftwerk Greifs- wald gemäß dem Einigungsvertrag fort. Für die Ableitung mit dem Abwasser aus dem Kern- kraftwerk Greifswald waren im Zeitraum von 1992 bis 30. Juni 1995 für sonstige radioaktive Stoffe 1,85 x 1011 Bq und für Tritium 7,4 x 1013 Bq als Abgabegrenzwerte ge- nehmigt. Für die Ableitung mit dem Abwasser aus dem in Still- legung befindlichen Kernkraftwerk wurden ab dem 30. Juni 1995 für sonstige radioaktive Stoffe 4,0 x 109 Bq und für Tritium 7,4 x 011 Bq durch das Umweltministe- rium Mecklenburg-Vorpommern genehmigt. Für die Ableitung mit dem Abwasser aus dem Zwi- schenlager Nord, ZLN, wurden ab dem 20. Februar 1998 durch das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpom- m T l t n G h A d g D Z b g g F c h n v d n e e ü v E g A r v t K s v m s t S K I u t (C (D ern für sonstige radioaktive Stoffe 8,0 x 07 Bq und für ritium 7,0 x 010 Bq genehmigt. In den vorgenannten Genehmigungen sind somit Ab- eitungsgrenzwerte für die mit dem Abwasser abzulei- ende Aktivität enthalten, die Abwassermenge selbst ist icht begrenzt. Die Überwachung der Einhaltung der renzwerte obliegt der hierfür zuständigen Landesbe- örde. nlage 28 Antwort er Parl. Staatssekretärin Katherina Reiche auf die Fra- en des Abgeordneten Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Fragen 53 und 54): Wie ist geregelt, in welcher Reihenfolge Schäden aus der Deckungsvorsorge bedient würden, sollte es in Deutschland zu einem Reaktorunglück kommen? Wer würde im Falle eines Reaktorunglücks für die Kosten für landwirtschaftliche Ernteausfälle haften, sollten die De- ckungsvorsorge sowie das Vermögen des betroffenen Atom- kraftwerksbetreibers und der Unternehmensmutter dafür nicht ausreichen, und für wie viele Jahre gilt dies? u Frage 53: Eine Deckungsvorsorge gewährleistet die Erfüllung erechtigter Haftungsansprüche von Geschädigten ge- enüber dem Haftungsgegner und dem Deckungsvorsor- epflichtigen. Daher stellt sich grundsätzlich nicht die rage, in welcher Reihenfolge Schäden aus der De- kungsvorsorge bedient werden, sondern in welcher Rei- enfolge mehrere Haftungsansprüche vom Haftungsgeg- er reguliert werden müssen, deren Erfüllung ihrerseits on einer Deckungsvorsorge gewährleistet sind. Ein Bedürfnis für eine Festlegung der Reihenfolge er auszugleichenden Schäden ergibt sich in diesem Fall ur dann, wenn die Schadensersatzverpflichtungen aus inem Schadensereignis die zur Erfüllung der Schadens- rsatzverpflichtungen zur Verfügung stehenden Mittel bersteigen. Für diesen Fall sieht § 35 des Atomgesetzes or, dass die Verteilung der Mittel durch Gesetz bis zum rlass eines solchen Gesetzes durch Rechtsverordnung eregelt wird. Der deutsche Gesetzgeber hat außerdem in § 15 des tomgesetzes für bestimmte Schadensfälle eine nach- angige Befriedigung aus der vorhandenen Deckungs- orsorge angeordnet. Das gilt dann, wenn der haftpflich- ige Inhaber der Kernanlage und der Geschädigte onzernunternehmen desselben Konzerns sind. In die- em Fall darf die Deckungsvorsorge zur Befriedigung on Ansprüchen des geschädigten Konzernunterneh- ens nur herangezogen werden, wenn dadurch die An- prüche konzernunabhängiger Geschädigter nicht beein- rächtigt werden. Es gilt ferner auch dann, wenn der chaden an einer industriellen Anlage in der Nähe der ernanlage entstanden ist, sofern sich die geschädigte ndustrieanlage nur deshalb an diesem Standort befindet, m aus der Kernanlage stammende Energie für Produk- ionsprozesse zu nutzen. 4214 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) ) )(B) Zu Frage 54: Für Drittschäden, die durch ein nukleares Ereignis verursacht werden, haftet ausschließlich der Betreiber des Reaktors gemäß dem Pariser Atomhaftungsüberein- kommen in Verbindung mit §§ 25 ff. des Atomgesetzes. Die Verjährungsfrist für Ersatzansprüche beträgt drei Jahre ab Kenntnis oder Kennenmüssen des Schadens und des Ersatzpflichtigen, unabhängig davon 30 Jahre. Bei der gesetzlichen Regelung nach § 35 Abs. 1 des Atomgesetzes bleibt es dem Gesetzgeber unbenommen, zusätzlich Beträge der öffentlichen Hand zur Deckung der Schäden im Rahmen des Verteilungsverfahrens vor- zusehen. Auch außerhalb des Verteilungsverfahrens kann die öffentliche Hand aus Billigkeitserwägungen weitere Mittel einsetzen. Anlage 29 Antwort des Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Fragen des Abgeordneten René Röspel (SPD) (Drucksache 17/ 1694, Fragen 55 und 56): Mit welchen Maßnahmen fördert die Bundesregierung die Evaluierung von Open-Access-Veröffentlichungen und von Onlinezeitschriften mit dem Ziel der Erhaltung der Standards wissenschaftlicher Qualitätssicherung und guter wissenschaft- licher Praxis? Mit welchen Maßnahmen oder Projekten fördert die Bun- desregierung den Aufbau und die Vernetzung von Reposito- rien? Zu Frage 55: Die deutschen Wissenschaftsorganisationen stehen den Bemühungen um Transparenz des Wissenschaftsbe- triebs und insbesondere dem Ziel der Open-Access-Be- wegung, wissenschaftliche Literatur und wissenschaftli- che Materialien für alle Nutzerinnen und Nutzer kostenlos im Internet zugänglich zu machen, sehr aufge- schlossen gegenüber. Die Allianz der deutschen Wissen- schaftsorganisationen hat 2008 dazu die Schwerpunkt- initiative „Digitale Information“ gestartet. Beim Open Access bezieht diese Initiative sowohl die Nachnutzung von Verlagsprodukten als auch die Onlinepublikation auf der Grundlage neuer Geschäftsmodelle ein. Ein wesent- liches Element dieser Initiative sind digitale Zugänge zu Inhalten, die durch einen Peer-Review-Prozess qualitäts- gesichert sind und den Standards guter wissenschaftli- cher Praxis unabhängig von der Publikationsform ent- sprechen. Solange die Qualität von Publikationen durch geeig- nete Indizes und Metriken aus der Wissenschaft selbst fortlaufend bewertet wird, ist eine Evaluation sowohl konventioneller wissenschaftlicher Verlage als auch von Open-Access-Veröffentlichungen bzw. von Onlinezeit- schriften zur Bemessung ihrer Qualität aus Sicht die Bundesregierung nicht erforderlich. Zu Frage 56: Die von Bund und Ländern institutionell geförderte Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, hat im Bereich W o n u d d O r A t t n B d w r D S t h W d a K t d g A d d ( R 1 v D a D z A d A N (C (D issenschaftliche Literaturversorgungs- und Informati- nssytem, LIS, innerhalb des Förderprogramms Elektro- ische Publikationen im wissenschaftlichen Literatur- nd Informationsangebot ein eigenes Segment zur För- erung von Projekten im Bereich Open Access. Unter en geförderten Projekten befinden sich unter anderem pen-Access-Zeitschriften und Open-Access-Reposito- en. Die Forschungseinrichtungen, die sich in der Open- ccess-Initiative über die Allianz organisiert haben, be- reiben aus deren Grundfinanzierung finanzierte Reposi- orien für die von ihren jeweiligen Gremien beschlosse- en Zwecke. Eine direkte Förderung durch die undesregierung findet derzeit nicht statt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung för- ert vor allem bei der Deutschen Nationalbibliothek und eiteren Partnern Verbundvorhaben zur Langzeitarchivie- ung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Dokumente. azu gehörte die Entwicklung dauerhafter elektronischer tandorte von digitalen Dokumenten, sogenannte persis- ente Identifier, im Projekt „EPICUR“, dessen Ergebnisse eute Grundlage der dauerhaften Speicherung digitaler erke bei der Deutschen Nationalbibliothek sind. Außer- em wurden sowohl technische Lösungen zur Langzeit- rchivierung digitaler Werke untersucht als auch ein ompetenznetzwerk aufgebaut. Die Entwicklung neuar- iger technischer Möglichkeiten für Repositorien wird erzeit unter anderem im Verbundprojekt „WIKINGER“ efördert. nlage 30 Antwort es Parl. Staatssekretärs Dr. Helge Braun auf die Frage es Abgeordneten Christian Lange (Backnang) (SPD) Drucksache 17/1694, Frage 57): Plant die Bundesregierung, den Zeitrahmen für das zwi- schen Bund und Ländern gesteckte Ziel zu verlängern, 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Schulen und Hoch- schulen auszugeben? Die Bundeskanzlerin sowie die Regierungschefin und egierungschefs der Länder haben bei ihrem Treffen am 6. Dezember 2009 das Ziel des Qualifizierungsgipfels om 22. Oktober 2008 bekräftigt, bis zum Jahr 2015 in eutschland die Investitionen in Bildung und Forschung uf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. ie Bundesregierung plant keine Verschiebung der Frist ur Erfüllung des 10-Prozent-Ziels. nlage 31 Antwort er Parl. Staatssekretärin Gudrun Kopp auf die Frage des bgeordneten Uwe Kekeritz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- EN) (Drucksache 17/1694, Frage 60): Wie wird die Bundesregierung den auf dem G-8-Gipfel im Jahr 2008 gefassten Beschluss umsetzen, innerhalb von fünf Jahren, also bis 2013, 60 Milliarden US-Dollar zur weltweiten Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie zur Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 4215 (A) ) )(B) Stärkung der Gesundheitssysteme bereitzustellen, und wie wird sie dazu ihren nach dem G-8-Gipfel im Jahr 2007 aufge- stellten Zeitplan anpassen, der vorsieht, den deutschen Anteil von 4 Milliarden Euro bis 2015 zu leisten? Bei dem G-8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007 wurden für den Kampf gegen Infektionskrankheiten und die Stärkung von Gesundheitssystemen 60 Milliarden US-Dollar zugesagt. Die Bundesregierung verpflichtete sich daraufhin, bis 2015 jährlich 500 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, das heißt insgesamt 4 Milliarden Euro. Erst bei dem G-8-Gipfel in Toyako wurde ein Zeit- ziel – fünf Jahre – eingeführt. Nach derzeitigem Stand besteht kein Anlass zu Zwei- feln, dass das gemeinsame G-8-Ziel, 60 Milliarden US- Dollar bis Ende 2012 zur Bekämpfung von Infektions- krankheiten und für die Stärkung von Gesundheitssyste- men zur Verfügung zu stellen, erreicht werden kann. Die tatsächlichen deutschen Zusagen lagen 2007 bei 590 Mil- lionen Euro und 2008 bei 737 Millionen Euro. Anlage 32 Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Frage des Abgeordneten Tom Koenigs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) (Drucksache 17/1694, Frage 62): Wie beurteilt die Bundesregierung die Menschenrechts- lage in Äthiopien vor den Wahlen, insbesondere die Rechte Oppositioneller, von Journalistinnen und Journalisten und Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern, und in welcher Form und mit welchen Inhalten findet zwischen der Bundesregierung und Äthiopien ein Dialog über konkrete Menschenrechtsfragen statt? Die Bundesregierung verfolgt mit großer Aufmerk- samkeit die innenpolitische Entwicklung in Äthiopien. Sie setzt sich gemeinsam mit ihren europäischen Part- nern konsequent dafür ein, dass das Land auf dem Weg zu einem demokratischen Rechtsstaat voranschreitet. Die Vorbereitungen für die nächsten Parlamentswah- len am 23. Mai 2010 sind nach Kenntnis der Bundes- regierung auf technischer Ebene zufriedenstellend ver- laufen. Die Opposition klagt jedoch über Behinderung ihrer Anhänger. Einer EU-Wahlbeobachtung hat die äthiopische Regierung zugestimmt. Die Bundesregie- rung wird den Bericht sehr sorgfältig analysieren und prüfen, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind. Die EU hat im Rahmen des politischen Dialogs Men- schen- und Bürgerrechtsfragen gegenüber Premierminis- ter Meles Zenawi immer wieder, zuletzt am 29. März 2010, angesprochen. Die EU-Bemühungen haben unter anderem dazu geführt, dass verschiedentlich Inhaftierte freigelassen wurden. Anlage 33 Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Frage des Abgeordneten Tom Koenigs (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN) (Drucksache 17/1694, Frage 63): r 3 B B p u t n i „ r g e L v I a u o e d A d A D a (C (D Wie rechtfertigt die Bundesregierung die Tatsache, dass die Delegation der Bundesrepublik Deutschland bei der Über- prüfungskonferenz des Internationalen Strafgerichtshofs in Kampala, Uganda, vom 31. Mai bis zum 11. Juni 2010 nicht durch hochrangige Regierungsmitglieder vertreten ist, obwohl dies in Anbetracht der notwendigen Unterstützung für den In- ternationalen Strafgerichtshof und die internationale Strafge- richtsbarkeit erforderlich ist, und hat die Bundesregierung ein „Relocation Agreement“ mit dem Internationalen Strafge- richtshof in Bezug auf den Opfer- und Zeugenschutz abge- schlossen? Die Bundesregierung misst der Überprüfungskonfe- enz des Internationalen Strafgerichtshofs, die vom 1. Mai bis 11. Juni 2010 in Kampala stattfindet, große edeutung bei. Die Leitung der deutschen Delegation liegt beim eauftragten der Bundesregierung für Menschenrechts- olitik und Humanitäre Hilfe, Markus Löning. Damit nterstreicht die Bundesregierung ihr bereits im Koali- ionsvertrag niedergelegtes Verständnis vom Internatio- alen Strafgerichtshof als „unentbehrliches Instrument m Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen“. Zum zweiten Teil der Frage: Nein, die Bundesregierung hat bisher kein solches Relocation Agreement“ mit dem Internationalen Strafge- ichtshof in Bezug auf den Opfer- und Zeugenschutz ab- eschlossen. Der Abschluss eines solchen Abkommens rfordert ein aufwendiges Verfahren unter Einschluss der änder. Dem stehen bisher nur relativ wenige Verfahren or dem Internationalen Strafgerichtshof gegenüber. Die Pflicht Deutschlands zur Zusammenarbeit mit dem nternationalen Strafgerichtshof ergibt sich unmittelbar us dem Römischen Statut. Ersuchen des Gerichtshofs m Zeugen- oder Opferschutz können jederzeit auch hne ein solches Abkommen erledigt werden. Die Bundesregierung behält sich aber vor, die Frage ines solchen Abkommens zu gegebener Zeit im Lichte er gemachten Erfahrungen erneut zu prüfen. nlage 34 Antwort er Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Frage des bgeordneten Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ IE GRÜNEN) (Drucksache 17/1694, Frage 64): Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Anzahl der Aufständischen, die bisher im Jahr 2010 unter Be- teiligung von Soldaten der Bundeswehr oder mit deren Unter- stützung festgenommen, festgehalten oder in Gewahrsam ge- nommen und an US-Stellen übergeben oder überlassen wurden, und deren weiteres Schicksal, und welche Schlussfol- gerungen zieht die Bundesregierung daraus, dass ganz offen- sichtlich in Afghanistan und insbesondere in Bagram neben einem neuen US-Gefängnis, das als vorbildlich ausländischen Besuchern präsentiert wird, nach wie vor „Geheimgefäng- nisse“ von US-Stellen unterhalten werden, in denen Gefan- gene, die verdächtigt werden, Aufständische zu sein, un- menschlicher Behandlung ausgesetzt werden, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz jetzt gegenüber dem britischen Sender BBC bestätigte (Spiegel Online vom 11. Mai 2010)? Die Bundeswehr hat keine Aufständischen an US- merikanische Stellen übergeben. 4216 Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 42. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 (A) (C) (D)(B) Der Bundesregierung liegen über die angebliche Un- terhaltung von „Geheimgefängnissen“ durch US-Stellen keine Erkenntnisse vor. Anlage 35 Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Frage der Abgeordneten Inge Höger (DIE LINKE) (Drucksache 17/1694, Frage 65): Welches Szenario liegt der laut Medienberichten in der vergangenen Woche in Süddeutschland abgehaltenen gemein- samen Luftübung amerikanischer und israelischer Streitkräfte zugrunde, und in welcher Weise waren deutsche Behörden oder Institutionen eingebunden? Im Zeitraum vom 1. bis zum 7. Mai 2010 nahmen zwei Angehörige der israelischen Streitkräfte an einer Hub- schrauberausbildung in Einrichtungen der in Deutschland stationierten US-Streitkräfte in Hohenfels und Grafen- wöhr teil. Wie in solchen Fällen üblich, erging der hierzu erfor- derliche Antrag der hiesigen US-Botschaft über das Bundesministerium der Verteidigung an das Auswärtige Amt zur Prüfung in stationierungsrechtlicher und politi- scher Hinsicht. Anlage 36 Antwort der Staatsministerin Cornelia Pieper auf die Frage der Abgeordneten Sevim Dağdelen (DIE LINKE) (Druck- sache 17/1694, Frage 66): Inwieweit wurden die Ausbildungs- und Ausrüstungsmaß- nahmen der Kosovo Force – NATO-Sicherheitstruppe Kosovo Force, KFOR –, mittels derer die unter dem Kommando des ehemaligen UCK-Kämpfers Sylejman Selimi befindliche und ganz überwiegend ebenfalls aus ehemaligen UCK-Kämpfern bestehende Kosovo Security Force unter Beteiligung des deutschen KFOR-Kontingentes zu einer Mischung aus Kata- strophenschutzeinheit und Armee des Kosovo aufgebaut wer- den soll, wieder aufgenommen, nachdem sie ausgesetzt wur- den, weil sich die Kosovo Security Force bewaffnet an einer Gedenkveranstaltung für die UCK beteiligt hat, und ist die Bundeswehr auch weiterhin hieran beteiligt? Die Kosovo-Truppe, KFOR, hat die Zusammenarbeit mit der Kosovo Sicherheitstruppe, KSF, am 6. März 2010 ausgesetzt und am 10. März 2010 wieder aufge- nommen. Die Bundeswehr ist im Rahmen ihres vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Mandats und im Rahmen der im Bündnis vereinbarten Aufgaben vor Ort daran betei- ligt. 42. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 19. Mai 2010 Inhalt: Redetext Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Anlage 2 Anlage 3 Anlage 4 Anlage 5 Anlage 6 Anlage 7 Anlage 8 Anlage 9 Anlage 10 Anlage 11 Anlage 12 Anlage 13 Anlage 14 Anlage 15 Anlage 16 Anlage 17 Anlage 18 Anlage 19 Anlage 20 Anlage 21 Anlage 22 Anlage 23 Anlage 24 Anlage 25 Anlage 26 Anlage 27 Anlage 28 Anlage 29 Anlage 30 Anlage 31 Anlage 32 Anlage 33 Anlage 34 Anlage 35 Anlage 36
Gesamtes Protokol
Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704200000

Guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich

begrüße Sie herzlich. Die Sitzung ist eröffnet.

Es gibt eine interfraktionelle Vereinbarung, die heu-
tige Tagesordnung um eine Regierungserklärung der
Bundeskanzlerin sowie den Antrag der Fraktion Die
Linke für ein Verbot von Kreditausfallversicherungen zu
erweitern. Beides soll jetzt gleich, zusammen mit der
ersten Lesung des Gesetzentwurfs der Koalitionsfraktio-
nen zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen
eines europäischen Stabilisierungsmechanismus, auf-
gerufen werden. Außerdem ist vorgesehen, nach der Un-
terbrechung der Sitzung um 13 Uhr zunächst mit der
Fragestunde zu beginnen, anschließend die von der
Fraktion der SPD verlangte Aktuelle Stunde zur Laufzeit
von Atomkraftwerken aufzurufen und erst danach die
Befragung der Bundesregierung durchzuführen. Sind Sie
mit diesen Änderungen einverstanden? – Das ist offen-
sichtlich der Fall. Dann ist das so beschlossen.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 1 sowie die Zusatz-
punkte 1 und 2 auf:

ZP 1 Abgabe einer Regierungserklärung durch die
Bundeskanzlerin
zu den Maßnahmen zur Stabilisierung des
Euro

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Redet
1 Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/
CSU und der FDP eingebrachten Entwurfs eines
Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistun-
gen im Rahmen eines europäischen Stabilisie-
rungsmechanismus

– Drucksache 17/1685 –
Überweisungsvorschlag:
Haushaltsausschuss (f)

Innenausschuss
Rechtsausschuss
Finanzausschuss
Ausschuss für Wirtschaft und Technologie
Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union

ZP 2 Beratung des Antrags der Abgeordn
Wagenknecht, Michael Schlecht, D
Höll, weiterer Abgeordneter und de
DIE LINKE

(C (D ung n 19. Mai 2010 1 Uhr Kreditausfallversicherungen Handel vollständig verbieten – Drucksache 17/1733 – Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss Ausschuss für Wirtschaft und Technologie Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für ie Aussprache im Anschluss an die Regierungserkläung zwei Stunden vorgesehen. – Ich höre keinen Widerpruch. Dann können wir so verfahren. Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat ie Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist eine zwei Wochen her, dass der Deutsche Bundestag it großer Mehrheit die Stabilisierungsmaßnahmen für riechenland beschlossen hat. Mit dem am 7. Mai ver bschiedeten Paket haben wir ökonomisch genauso wie olitisch-rechtlich deutlich gemacht: Wir helfen Griehenland, weil wir so der Stabilität unserer gemeinsaen Währung insgesamt helfen. Wir schützen das Geld er Bürgerinnen und Bürger unseres Landes – nicht ext mehr und nicht weniger ist der Auftrag der Bundesregierung genauso wie des Hohen Hauses hier. Heute sind wir zusammengekommen, um eine Entscheidung zu fällen, die für die Zukunft Deutschlands und Europas noch bedeutender ist; denn jeder von uns spürt: Die gegenwärtige Krise des Euro ist die größte Bewährungsprobe, die Europa seit Jahrzehnten, ja wohl seit Unterzeichnung der Römischen Verträge im Jahre 1957 zu bestehen hat. Diese Bewährungsprobe ist existenziell, und ich füge hinzu: Sie muss bestanden werden. Bringen wir es auf den Punkt. Der Euro, der zusaminnenmarkt das Fundament für Wachs tand auch in Deutschland darstellt, ist in wir diese Gefahr nicht ab, dann sind die opa unabsehbar, und dann sind auch die eten Sahra r. Barbara r Fraktion men mit dem B tum und Wohls Gefahr. Wenden Folgen für Eur Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel )


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

Dr. Angela Merkel (CDU):
Rede ID: ID1704200100

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)





(A) )

Folgen über Europa hinaus unabsehbar. Eine Ahnung
von dem, was dann geschehen könnte, haben wir am
Donnerstagabend vor unserer Griechenland-Debatte mit
den schon fast hysterisch anmutenden Turbulenzen auf
den internationalen Märkten bekommen.

Was dort sichtbar wurde – Sie alle haben es mitver-
folgt –, war dramatisch. Deshalb gab es zur Sicherung
der Stabilität des gesamten Euro-Finanzsystems wenige
Tage später keine vernünftige Alternative. Die Ultima
Ratio war erreicht; das heißt nichts anderes, als dass der
Euro insgesamt in Gefahr war. Aber das, was sich in je-
nen Tagen abspielte, war nur die ökonomische Ahnung
dessen, was auf Deutschland, Europa und die Welt zu-
käme, wenn nicht oder falsch gehandelt würde. Die poli-
tischen Folgen dagegen sind noch nicht einmal in Ge-
danken vorstellbar.

Legen wir deshalb einen Moment die technischen
Eckdaten des vorliegenden Gesetzentwurfs beiseite: die
Kredite in Höhe von 750 Milliarden Euro, die notfalls
zur Verfügung stehen, von denen 60 Milliarden Euro von
der Europäischen Union gedeckt werden, für die die
Euro-Staaten anteilig für bis zu 440 Milliarden Euro bür-
gen und Deutschland wiederum für 123 Milliarden Euro,
gegebenenfalls 20 Prozent mehr. Der Internationale
Währungsfonds will zusätzlich einen Betrag von min-
destens der Hälfte des europäischen Anteils tragen. Das
wären bis zu 250 Milliarden Euro. Das sind die Zahlen
und Eckdaten. Aber legen wir sie kurz beiseite; denn wir
wissen: Es geht um viel mehr als um diese Zahlen; es
geht um viel mehr als um eine Währung. Die Wäh-
rungsunion ist eine Schicksalsgemeinschaft. Es geht
deshalb um nicht mehr und nicht weniger als um die Be-
wahrung und Bewährung der europäischen Idee.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Das ist unsere historische Aufgabe; denn scheitert der
Euro, dann scheitert Europa. Wenden wir diese Gefahr
aber ab, dann werden der Euro und Europa stärker als
zuvor sein.

Wir müssen zweierlei schaffen: die Bewältigung der
akuten Krisensituation zum einen und die Vorsorge für
die Zukunft zum anderen.


(Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Das muss man konkreter machen!)


Dazu will ich, dass wir erstens gemeinsam mit unseren
Partnern dafür sorgen, dass sich ganz Europa einer
neuen Stabilitätskultur verschreibt, einer Stabilitätskul-
tur,


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sigmar Gabriel [SPD]: Dann fangen Sie zu Hause damit an!)


die für die Konsolidierung der Staatshaushalte und für
die langfristige Stabilität unserer gemeinsamen Währung
sorgt. Ich will zweitens, dass wir über Europa hinaus ge-
meinsam mit allen G-20-Staaten durch die Regulierung
der Finanzmärkte Vorsorge dafür treffen, die Weltwirt-
schaft vor einer erneuten Krise zu schützen. Ich will drit-
tens, dass die Europäische Union ihre eigenen strukturel-
len Schwächen schonungslos aufdeckt und sich dann auf

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(C (D ie großen Aufgaben konzentriert, um unsere gemeiname Zukunft zu gestalten. Herr Präsident, meine Damen und Herren, in den Beatungen der Staatsund Regierungschefs am 7. Mai und er Finanzminister der Europäischen Union am 9. Mai estand in Europa – zurückhaltend gesagt – nicht sofort inigkeit darüber, wie der Rettungsweg aus der aktuel en Krise aussehen könnte. Es wurden Vorschläge diskuiert, die ich als deutsche Bundeskanzlerin und die Bunesregierung insgesamt nicht bereit waren mitzutragen. onkret drohte der Weg zu einer Transferunion, in der ine unmittelbare und verbindliche Haftung aller für elbstverantwortete Entscheidungen einzelner Mitgliedtaaten eingeführt worden wäre. Das galt es zu verhinern. Wäre das nicht gelungen, dann hätte Europa eine faale Fehlentscheidung getroffen. Die Folgen lägen auf er Hand: In einem solchen Modell wären die Anreize ür notwendige Eigenanstrengungen zur Haushaltskonolidierung und zu Strukturreformen äußerst gering ewesen. Wirtschaftlich erfolgreichere Mitgliedstaaten ären geschwächt worden, ohne dass die schwächeren irklich stärker geworden wären. Das aber wäre weder echtlich haltbar noch ökonomisch vernünftig gewesen. on daher wäre es politisch unverantwortlich gewesen. eshalb war ein solcher Weg mit Deutschland zu keiem Zeitpunkt machbar, weder in der Frage Griechenand noch jetzt. Der Preis für unsere Haltung war, als zögerlich oder angsam gescholten zu werden. Aber diesen Preis, meine amen und Herren, zahlt die Bundesregierung gerne, enn am Ende die richtigen Entscheidungen stehen. ine andere Entscheidung hätte nie wieder gutgemacht erden können. Deutschland hätte seine Zustimmung – – (Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Ist ja albern! – Weitere Zurufe von der SPD)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich bin, ehrlich gesagt, baff.


(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Haben Sie Freitag nichts gewusst? – Weitere Zurufe von der SPD)


ch kann mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, dass Sie,
enn Sie in einer solchen Lage gewesen wären, sehen-
en Auges etwas gemacht hätten, was rechtlich nicht ak-
eptabel ist und gleichzeitig uns alle ökonomisch nicht
orangebracht hätte.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das haben Sie aber gemacht! – Sigmar Gabriel [SPD]: Das haben Sie doch gemacht!)


Insofern hat Deutschland seine Zustimmung zum um-
assenden Paket zur Wahrung der Finanzstabilität in
uropa in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai erst gege-
en, als das Paket so gestaltet war, dass es unseren öko-
omischen wie rechtlichen Grundsätzen entspricht, und





Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

zwar nicht, weil wir überheblich geworden wären, son-
dern weil wir überzeugt sind, dass es sich um Grund-
sätze handelt, die der Sache dienen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Da lautet der erste Grundsatz: Wir helfen unter der
Bedingung, dass sich der betroffene Staat zu umfassen-
den Eigenanstrengungen verpflichtet. Damit leisten
wir Hilfe zur Stabilisierung unserer gemeinsamen Wäh-
rung und nicht, um Defizitsünder aus der Pflicht zu
nehmen. Durch die Einbindung des Internationalen
Währungsfonds ist gewährleistet, dass die Länder, die
Kredite beantragen, ein wirkungsvolles Sanierungspro-
gramm anwenden. Damit haben wir die beste Gewähr,
dass sie bei der Umsetzung effektiv überwacht werden.

Zweiter Grundsatz. Wir helfen unter der Bedingung,
dass wir über jeden Einsatz der Mittel selbst entschei-
den, soweit es um bilaterale Mittel der Staaten geht.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber nicht der Bundestag!)


Es gibt keinen Automatismus europäischer Kredite. Für
den größeren Teil des Rettungspaketes bürgen anteilig
die Euro-Staaten. Sie behalten die volle Kontrolle. Die
Kredite der Eurostaaten werden über eine Zweckgesell-
schaft technisch abgewickelt. Die Eckpunkte dieser
Zweckgesellschaft kennen Sie: einstimmige Entschei-
dungen, Befristung, eine Gründung nach luxemburgi-
schem Recht.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Legen Sie doch den Vertrag vor! – Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


– An dem Vertrag – das wissen Sie; das haben wir Ihnen
in der Unterrichtung gesagt – wird gearbeitet. Er konnte
bis jetzt noch nicht fertiggestellt werden. Aber wenn es
gewünscht wird, werden wir Mittel und Wege finden,
dass kein Geld fließt, bevor der Vertrag über die Zweck-
gesellschaft nicht bekannt ist.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und dann? – Weitere Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Das Parlament wird in die Entscheidungen eingebun-
den. Der Mechanismus für die Kredite der Euro-Staaten
ist somit so gestaltet, dass der Budgethoheit des Bun-
destages in vollem Umfang Rechnung getragen wird.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt nicht! – Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Die Katze im Sack ist das!)


Grundlage und Voraussetzung für eine in Brüssel ein-
stimmig zu treffende Entscheidung über die Vergabe ei-
nes Kredits ist eine Einschätzung des Internationalen
Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der
Europäischen Kommission. Die Vergabe ist also an
strenge Konditionen geknüpft. Diese Kredite der Euro-
Staaten kommen aber erst zum Einsatz, wenn das neue
Gemeinschaftsinstrument nicht mehr ausreicht; denn für
Kredite im Umfang von insgesamt 60 Milliarden Euro

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(C (D ürgt die Europäische Union selbst. Dabei handelt sie uf Grundlage des Art. 122 des Vertrages über die Areitsweise der Europäischen Union. Unionshandeln auf ieser Rechtsgrundlage ist jetzt möglich, weil einige itgliedstaaten von einer sich ausbreitenden Ketten eaktion und damit von außergewöhnlichen Ereignissen, ie sich ihrer Kontrolle entziehen, ernstlich bedroht sind. Dritter Grundsatz. Wir helfen unter der Bedingung, ass die beschlossenen Maßnahmen für langfristige Stailität sorgen. Deutschland tritt für dauerhafte Stabilität n Europa ein. Das war so bei der Gründung der Wirtchaftsund Währungsunion, und das ist auch heute so nd wird in Zukunft so sein. Niemandem in Europa weren wir das ersparen. Ich sage: Im Kern der Auseinanersetzung, die wir um jedes Detail führen, geht es um enau diese Stabilitätskultur. Ich glaube, es ist wichtig nd richtig, dass wir darum kämpfen, dass sich die Vortellungen, die bei der Gründung des Euro angelegt waen, auch langfristig durchsetzen. Dazu gehört natürlich auch die Verteidigung der nabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. Sie urde nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank ge chaffen und garantiert seitdem erfolgreich die Preisstailität im Euro-Raum. Die Sicherung der Preisstabilität st und bleibt das oberste Gebot der Europäischen Zenralbank. Das macht den Kern ihrer Glaubwürdigkeit aus. ch habe daher keine Zweifel, dass sie diese Aufgabe weierhin mit derselben Konsequenz wie bisher erfüllen ird. Mit unserem Paket zur Stabilisierung des Euro (Zuruf des Abg. Lothar Binding [Heidelberg] [SPD])


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


nd mit der Vereinbarung, die Staatsfinanzen entschlos-
en zu konsolidieren, erleichtern wir der Europäischen
entralbank ihre Rolle,


(Lachen des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


inen wichtigen Beitrag zur langfristigen Stabilität des
uro-Raums zu leisten.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ja eine schöne Formulierung dafür, dass Sie die an die Kette gelegt haben! – Sigmar Gabriel [SPD]: Glauben Sie Ihre Rede eigentlich selber?)


angfristige Stabilität ist ohne gesunde Staatsfinanzen
ndenkbar. So einfach ist das.


(Lachen bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


ugleich ist es so schwer; denn wir alle kennen die Rea-
ität unserer Länder. – Es ist wirklich komisch, wie
chnell man in ein paar Monaten vergessen kann.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sigmar Gabriel [SPD]: Ja, weil Sie es anders machen!)


Hören Sie doch einfach einmal zu.





Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Zu viele wettbewerbsschwache Mitglieder der Euro-
Zone haben über ihre Verhältnisse gelebt und sind damit
den Weg in die Schuldenfalle gegangen. Das ist die ei-
gentliche Ursache des Problems.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Deshalb müssen wir das Problem bei den Wurzeln pa-
cken. Auf meinen Vorschlag hin haben sich die Staats-
und Regierungschefs am 7. Mai 2010 dazu verpflichtet,
ihre Haushalte im Rahmen des Stabilitätspaktes be-
schleunigt zu konsolidieren. Spanien und Portugal haben
dazu in der letzten Woche bereits zusätzliche Maßnah-
men vorgestellt. Ich begrüße das, und ich ergänze, ers-
tens: Das war unverzichtbar. Und zweitens: Die Maß-
nahmen müssen jetzt auch konsequent umgesetzt und
überprüft werden.

Es ist meine feste Überzeugung: Alle Mitgliedstaaten
müssen die Konsolidierung der nationalen Haushalte
beschleunigen. Erst dann können die Rettungsversuche
wirken. Denn die Fortsetzung der Verschleierung der
wahren Ursache der Krise würde Europa langfristig nicht
helfen. Das würde allen Mitgliedstaaten nur schaden. Da-
mit muss Schluss sein. Ich will gar nicht darum herumre-
den: Auch wir Deutschen haben – im Übrigen nicht erst
seit gestern, sondern seit über 40 Jahren – mehr Schulden
gemacht, als uns guttut. Auch wir leben auf Pump.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Aber wir haben die Kraft gefunden, diesen Kreislauf zu
durchbrechen.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo das denn? – Sigmar Gabriel [SPD]: Wo denn?)


Wir haben die Schuldenbremse in die Verfassung auf-
genommen. Genau das wird sich bei der Vorlage des
Haushaltes für 2011 niederschlagen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Sie wissen ja, dass die Haushaltsberatungen im Parla-
ment jährlich im September stattfinden. Der Haushalt
wird im Juni, Anfang Juli vorgelegt.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Ich sage nur: Mövenpick!)


Wir werden genau das beherzigen. Wir werden dann,
wenn die Schuldenbremse umfassend wirkt, nur das aus-
geben, was wir auch haben.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Aber an die Falschen!)


Das bedeutet: Wir müssen von 2011 an sparen, und zwar
mit Verstand


(Joachim Poß [SPD]: Die Mövenpick-Steuer wieder einsammeln!)


und so, dass wir solide Finanzen haben und gleichzeitig
die Zukunft unseres Landes gestalten können und
Wachstum erzeugen. Das wird der Grundsatz sein, nach
dem wir unsere Haushaltsberatungen führen.

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(C (D (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Sigmar Gabriel [SPD]: Mövenpick!)


All dies wird aber noch nicht ausreichen, um tatsäch-
ich langfristige Stabilität zu sichern.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Der erste wahre Satz!)


hne Maßnahmen, mit denen wir Vorsorge für die Zu-
unft treffen, werden wir keinen Erfolg haben. Mit sol-
hen Maßnahmen wird der Euro nach der Krise aber
tärker sein als zuvor.

Europa braucht eine neue Stabilitätskultur. Erreichen
erden wir sie aber nur, wenn wir die wirtschafts- und

inanzpolitische Koordinierung und die gegenseitige
berwachung verbessern, und zwar für alle Mitglied-

taaten. Ich will noch einmal daran erinnern, dass der
tabilitäts- und Wachstumspakt nicht nur für die Euro-
taaten gilt, sondern für alle Mitgliedstaaten. Deshalb
ommt der Verabschiedung der Wachstumsstrategie
U 2020 im Juni dieses Jahres eine erhebliche Bedeu-

ung zu. Es wird darum gehen, dass wir an dieser Stelle
eutlich machen, wohin wir dieses Europa entwickeln
ollen. Es versteht sich von selbst, dass wir natürlich da-

auf achten werden, dass der Grundsatz der Stabilität erst
inmal eingehalten wird. Deshalb finde ich die Vor-
chläge der Kommission, die eine frühzeitige Vorlage
er Haushaltsentwürfe auch in Brüssel vorsehen, richtig;
enn das schränkt nicht die Budgethoheit der nationalen
arlamente ein, gibt der Europäischen Kommission aber
ie Möglichkeit, Stellung zu nehmen.

Es bleibt unumgänglich: Wir müssen das nachholen,
nd zwar endlich, was bislang versäumt wurde, was we-
er mit dem Maastricht-Vertrag noch mit dem Lissabon-
ertrag geschafft wurde: die notwendige wirtschaft-

iche Verzahnung der Europäischen Union. Sie muss
er Währungsunion folgen. Ohne sie wird die Wäh-
ungsunion auf Dauer nicht bestehen können.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wenn ich das feststelle, ergänze ich aber auch un-
issverständlich: Erfolgreich wird eine solche stärkere
erzahnung nur sein, wenn die Bedingungen für diese
erzahnung stimmen. Konkret: Die Regeln dürfen sich
icht nach den Schwächsten richten, sondern sie müssen
ich nach den Starken richten. Ich weiß, dass das eine
arte Botschaft ist. Ökonomisch ist sie aber ein absolutes
uss. Sonst kämen wir vom Regen in die Traufe. Das
ird auch Folgerungen für die Aufgaben der Europäi-

chen Union insgesamt haben. Ich glaube, wir werden
eniger Richtlinien über den Salzgehalt im Brot, die
mbenennung des Apfelweins oder die Obstverteilung

n Schulen haben und uns mehr mit einer vernünftigen
nfrastruktur, mit Forschungspolitik und der Zukunftsfä-
igkeit des europäischen Kontinents insgesamt befassen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich sage Ihnen voraus, dass es auch bei dieser Frage
m Anfang wieder wenige Unterstützer geben wird und
ir uns wieder hart einsetzen werden. Doch weder kann
och wird das das Kriterium für die Bundesregierung
ein, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob wir unse-





Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

ren Grundsätzen folgen oder nicht. Dazu steht viel zu
viel auf dem Spiel, wie wir an der heutigen Debatte se-
hen.

Es ist nicht zuletzt die Stabilitätskultur der Währung
wie auch der Staatsfinanzen, die seit ihrer Gründung im-
mer zum Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutsch-
land gehört hat und gehört. Das allein wäre aber noch
kein ausreichendes Argument. Viel wichtiger ist: Unsere
Stabilitätskultur hat sich mehr als bewährt, und weil sie
sich bewährt hat, werde ich davon, so zäh, so mühsam,
so langwierig und so zeitraubend die Debatten in Brüssel
auch immer sein mögen, kein Jota abweichen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Deshalb brauchen wir auch eine umfassende Reform
des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Die Verschär-
fung der Spielregeln muss vor allem einem Ziel dienen:
Die Mitgliedstaaten müssen ihrer Eigenverantwortung
für eine solide Haushaltsführung gerecht werden. Das ist
der Dreh- und Angelpunkt aller Anstrengungen und
kann gar nicht oft genug gesagt werden. Weil wir hier
schon ein wenig kontrovers diskutieren, will ich darauf
hinweisen: Die Veränderung und Abschwächung des
Stabilitätspakts im Jahr 2004 war ein großer Fehler.
Heute gilt es, auch das einmal zu sagen.


(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Thomas Oppermann [SPD]: Das war gerade der Schwerpunkt Ihrer Rede! – Sigmar Gabriel [SPD]: Macht Sie das nicht nachdenklich, dass die nur dabei klatschen?)


Ich messe daher der Gruppe der Finanzminister unter
dem Vorsitz von Präsident Van Rompuy große Bedeutung
zu. Bundesminister Schäuble wird bereits am Freitag, bei
der ersten Sitzung der Gruppe, umfangreiche deutsche
Vorschläge unterbreiten. Notwendig sind aus Sicht der
Bundesregierung unter anderem folgende Maßnahmen:
eine schnellere und straffere Anwendung von Sanktionen
gegen Euro-Mitgliedstaaten, die ihren Verpflichtungen
zur Senkung des Defizits nicht nachkommen. Zu diesen
Sanktionen zählt zum Beispiel, Strukturmittel aus dem
EU-Haushalt einzubehalten. Notwendig sind auch zu-
sätzliche Konsolidierungsanstrengungen von Mitglied-
staaten mit hohen Schuldenständen; denn diese bergen
besondere Risiken für die Krisenanfälligkeit. Notwendig
ist ein vorübergehender Entzug des Stimmrechts von no-
torischen Defizitsündern,


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wird nie verabschiedet! Albern!)


und vor allem notwendig ist die Entwicklung eines Ver-
fahrens für eine geordnete staatliche Insolvenz. Damit
würden wir einen wichtigen Anreiz für die Euro-Mit-
gliedstaaten schaffen, ihre Haushalte in Ordnung zu hal-
ten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Wenn ich dies sage, bin ich mir natürlich bewusst:
Wirkliche Reformen hin zu einer neuen Stabilitätskultur
in ganz Europa erfordern Vertragsänderungen. Der Weg
dorthin wird – wie immer in Europa – nicht kurz sein;
aber das kann doch kein Argument sein, darauf zu ver-

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(C (D ichten, das Richtige zu tun. Deshalb wird sich die Bunesregierung weiter für Vertragsänderungen einsetzen. Meine Damen und Herren, bei all den Maßnahmen nd Prinzipien, die wir anwenden müssen, geht es im rundsatz noch um etwas anderes, um etwas viel Wich igeres. Bankenkrise, Wirtschaftseinbruch, Konjunkturrogramme und jetzt die Währungskrise, bei all dem eht es im Grunde um die Frage: Wie können wir das rimat der Politik durchsetzen? (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der SPD: Ach? – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt wenden Sie sich plötzlich dieser Frage zu!)


ir sehen nach der Bankenkrise von 2008 erneut, wie
urch das Fehlen von Grenzen und Regeln ein durch blo-
es Gewinnstreben geprägtes Verhalten auf den Finanz-
ärkten zerstörerisch sein kann, wie es zu einer existen-

iellen Gefahr für die Finanzstabilität in Europa, ja
eltweit werden kann.


(Thomas Oppermann [SPD]: Das wissen wir schon länger!)


er Markt allein – um das ganz klar zu sagen – wird
iese Fehlentwicklungen nicht korrigieren.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach nein! Ich denke, bei Ihnen gilt: „Privat vor Staat“!)


s ist deshalb die Aufgabe der Politik – der Parlamente
nd Regierungen –, einzugreifen, zu regeln, im Zweifel
u verbieten, um die Risiken beherrschbar zu halten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Noch einmal: Die Ursachen für die Finanzierungs-
rise liegen wahrlich nicht nur an den Finanzmärkten;
och die Finanzmärkte haben wie ein Brandbeschleuni-
er gewirkt. Um Schlimmeres zu verhindern, um das
unktionieren unserer arbeitsteiligen Wirtschaft zu si-
hern, mussten die Länder des Euro-Raums handeln.
utznießer dieses Handelns sind nicht nur die Bürgerin-
en und Bürger, sondern alle Teilnehmer am Wirt-
chaftsleben, also auch jene Finanzmarktakteure, die
ur Verschärfung der Krise erst beigetragen haben.

Das mag ökonomisch alles erklärt werden können, für
ie Bürger ist es jedoch kaum nachvollziehbar. Sie wol-
en schlichtweg eines – ich finde, da haben sie recht –:
ie wollen, dass es gerecht zugeht. Genau das, meine
amen und Herren, müssen wir erreichen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


as macht den Geist und das Wesen der sozialen Markt-
irtschaft aus: In der sozialen Marktwirtschaft ist der
taat seit jeher der Hüter der Ordnung, und als solcher
reift er ein. Deshalb verfolgen wir zwei Ziele: erstens
ine schärfere Regulierung und Aufsicht und zweitens
ine verursachergerechte Lastenteilung, die den Finanz-
ektor an den Kosten der Krisenbewältigung beteiligt.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Auf einmal!)






Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Den Worten zur Finanzmarktregulierung müssen Taten
folgen,


(Lachen und Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Sigmar Gabriel [SPD]: Guten Morgen!)


mehr Taten und entschlossenere Taten als bisher.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Es ist wahr: Wir haben bereits einiges erreicht – da
auch Vertreter von Ihnen, die Sie jetzt in der Opposition
sind, dabei waren, würde ich das an Ihrer Stelle nicht
diskreditieren –: Vergütungen im Finanzsektor werden
künftig stärker am langfristigen Erfolg des Unterneh-
mens ausgerichtet. In Deutschland sind entsprechende
Regelungen schon seit dem vergangenen Jahr, zunächst
durch die Finanzaufsicht, vorgeschrieben.

Bundestag und Bundesrat werden ihre Beratungen
über den Gesetzentwurf der Bundesregierung vom Fe-
bruar voraussichtlich im September abschließen. Rating-
agenturen werden in Europa künftig der Finanzaufsicht
unterworfen. Es wird an einer europäischen Finanzauf-
sicht gearbeitet. Die Debatten finden im Augenblick im
Europäischen Parlament statt. Die Einlassungen des Eu-
ropäischen Parlaments widersprechen leider in manchem
den Einlassungen der nationalen Parlamente. Deshalb
sind wir gefordert, hier schnell eine gemeinsame Rege-
lung zu finden; denn die Ratingagenturen können keiner
Aufsicht unterstellt werden, sofern nicht eine europäi-
sche Finanzmarktaufsicht beschlossen ist. Das ist jetzt
die Hauptaufgabe auf diesem Gebiet.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Aber natürlich ist noch nicht genug erreicht. Deshalb
ist der wichtigste nächste Schritt die Vorlage einer Richt-
linie, mit der wir eine verstärkte Transparenz und Beauf-
sichtigung der Derivatemärkte erreichen und durch die
die Rolle von Ratings und Ratingagenturen festgelegt
wird. Beim gestrigen Treffen des Finanzministerrats ist
der Zeitplan dafür von der Kommission vorgelegt wor-
den.

In den Bereichen, in denen ein nationaler Alleingang
Deutschlands keinen Schaden hervorruft, werden wir
auch im nationalen Alleingang handeln. Sie haben das
daran gesehen, dass die BaFin durch eine Allgemeinver-
fügung seit heute Mitternacht bestimmte Geschäfte ver-
boten hat: ungedeckte Leerverkäufe in Aktien der zehn
bedeutendsten deutschen Finanzunternehmen,


(Sigmar Gabriel [SPD]: Nachdem Sie sie erst einmal erlaubt hatten!)


ungedeckte Leerverkäufe von Staatsanleihen der Euro-
Zone, den Kauf von Credit Default Swaps auf Staatsan-
leihen des Euro-Raums, sofern der Käufer kein begrün-
detes Absicherungsinteresse hat. – Dies alles wird so
lange in Kraft bleiben, bis anderweitige Regelungen auf
der europäischen Ebene gefunden wurden.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


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(C (D Dort, wo wir national nicht handeln können, brauchen ir natürlich europäische oder internationale Regelunen. Es ist gestern durch einen Beschluss des Ecofin-Raes gelungen, eine strengere Kontrolle und mehr Transarenz bei Hedgefonds festzulegen. Der Rat der EUinanzminister hat den Durchbruch erzielt und den Weg ür eine rasche Einigung mit dem Europäischen Parlaent frei gemacht. Fondsmanager – nicht nur von edgefonds, sondern auch von Private-Equity-Gesell chaften – werden künftig einer Aufsicht unterstellt und estimmten Verhaltensvorschriften unterliegen. Sie müsen vor allen Dingen ihre Anlagestrategien offenlegen, as ein ganz wichtiger Schritt ist. Außerdem müssen wir sicherstellen – auch dazu wer en erste Überlegungen angestellt –, dass eine Abwickung und Restrukturierung von Banken möglich wird. amit schließen wir aus, dass der Staat von großen Banen erpresst werden kann und der Steuerzahler in Zuunft wieder zur Kasse gebeten wird. Daneben brauchen ir natürlich auch eine Beteiligung an den Kosten. Desalb muss die Branche in Zukunft durch eigene risikoasierte Abgaben einen Fonds speisen, mit dem solche estrukturierungen von Banken finanziert werden könen. Im März haben wir im Kabinett in Anwesenheit uch der französischen Finanzministerin zu beidem Eckunkte verabschiedet. Der Gesetzentwurf wird folgen, nd dann können wir hier darüber debattieren. Darüber hinaus müssen die Finanzinstitute nach unseer Auffassung zur Bewältigung der Kosten der Krisenewältigung beitragen. ir haben – ich hatte das schon dargestellt – den Inter ationalen Währungsfonds um Vorschläge dazu bis zum ächsten Gipfel im Juni gebeten. Ich will hier nicht wieder, wie in der letzten Debatte, ie Vorteile und Nachteile der Finanzaktivitätsteuer nd der Finanzmarkttransaktionsteuer beleuchten; sie ind uns allen bekannt. Ich habe aber den Auftrag der oalitionsfraktionen sehr wohl wahrgenommen, die saen: Wir brauchen eine Besteuerung der Finanzmärkte, ei es durch eine Finanzmarkttransaktionsteuer, sei es urch eine Finanzaktivitätsteuer. ür eine solche Besteuerung der Finanzmärkte werden ir uns europäisch und international einsetzen. Das sage ch den Koalitionsfraktionen und hinsichtlich der inanzmarkttransaktionsteuer auch den Oppositionsfrak ionen zu. Wir wissen, dass es bei der Diskussion über die inanzmarkttransaktionsteuer schon lange nicht mehr ur um die technischen Details der Steuer geht. Es geht en Menschen vielmehr um die Frage, wie hier im Hinlick auf diejenigen, die bei all diesen Exzessen auf den ärkten die großen Gewinne gemacht haben, Gerechtig eit erreicht werden kann. (Sigmar Gabriel [SPD]: Ja! – Thomas Oppermann [SPD]: Das ist der Punkt!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


(Thomas Oppermann [SPD]: Endlich!)


(Zurufe von der SPD: Oh!)


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)






Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel


(A) )


)(B)

Wenn die Menschen um ihren Arbeitsplatz bangen,
wenn sie Sorgen um die Stabilität der Währung haben
und wenn sie natürlich auch Sparmaßnahmen ertragen
müssen,


(Sigmar Gabriel [SPD]: Das haben wir Ihnen schon vor zehn Tagen gesagt!)


dann fragen sie sich, was wir tun, um wenigstens ein
Stück Gerechtigkeit bei dieser Lastenteilung zu errei-
chen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sigmar Gabriel [SPD]: Ja! Das fragen sie zu Recht!)


– Zu Recht fragen sie das, ganz genau.


(Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Das fällt Ihnen spät ein!)


Es nützt aber nichts, dass sie das zu Recht fragen.
Vielmehr müssen wir auch etwas tun, damit daraus et-
was wird. Deshalb werde ich mich und wird sich die
ganze Bundesregierung auf dem G-20-Treffen dafür ein-
setzen, dass wir mit einer gemeinsamen europäischen
Haltung zu der Finanzmarktbesteuerung auftreten. Da-
her wurde die Finanzmarkttransaktionsteuer gestern un-
ter den Finanzministern schon diskutiert. Wenn wir dort
keine Einigung über eine internationale Steuer erreichen
sollten – das wird nicht an Deutschland liegen –, dann
werden wir in Europa diese Diskussion führen: Wie kön-
nen wir den Beitrag der Finanzbranche so gestalten, dass
die Menschen dieses Stück Gerechtigkeit auch empfin-
den?


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Meine Damen und Herren, ich habe an dieser Stelle
vor nicht ganz zwei Wochen gesagt: Europa steht am
Scheideweg. – Das gilt unverändert. Europa steht am
Scheideweg, und es liegt jetzt an uns, den richtigen Weg
einzuschlagen, um die existenzielle Bewährungsprobe
zu bestehen, in der Europa sich befindet. Wir wissen,
dass wir Europa brauchen, um die großen Zukunftsauf-
gaben, die wir als Mitgliedstaaten nicht alleine bewälti-
gen können, mit Erfolg anzugehen. Ein Weg zurück aus
Europa ist in Zeiten der Globalisierung kein Weg.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die europäische Einigung war, ist und bleibt die beste-
chendste, die großartigste und die verheißungsvollste
Idee, die Europa je gesehen hat. Sie ist das Vermächtnis
der politischen Generationen vor uns. Der Auftrag unse-
rer politischen Generation heute ist es, dieses Vermächt-
nis zu schützen und das 21. Jahrhundert zu Europas Jahr-
hundert zu machen.

Unsere heutige Entscheidung ist ein weiterer unab-
dingbarer Schritt auf diesem Weg, auf dem Weg zu einer
langfristig stabilen Europäischen Union, die den Men-
schen nicht nur eine sichere Währung, sondern auch
Wohlstand und Frieden garantieren kann.

Herzlichen Dank.


(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


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(C (D Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort dem ollegen Dr. Frank-Walter Steinmeier für die SPD-Frakion. Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen nd Kollegen! Über einen Mangel an Regierungserkläungen kann sich die Opposition in diesen Tagen nicht eklagen. (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: An Inhalten!)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704200200

(Beifall bei der SPD)

Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD):
Rede ID: ID1704200300

as Problem ist nur – da mögen sich Bundeskanzlerin
nd Vizekanzler in Blazer und Krawatte noch so sorgfäl-
ig abstimmen –:


(Heiterkeit und Beifall bei der SPD – Zuruf von der CDU/CSU: Was ist das für ein Niveau?)


interher weiß man nicht recht, was erklärt worden ist.
ir ist es jedenfalls nach der letzten Regierungserklä-

ung, Frau Bundeskanzlerin, nicht ganz klar geworden,
n welcher Stelle Sie in Ihrer Regierungserklärung um
ie Mehrheit in diesem Hause geworben haben.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Heute bin ich mir bei manchen Passagen Ihrer Regie-
ungserklärung vorgekommen wie im falschen Film. Ich
ritisiere niemanden, der Einsicht zeigt – auch wenn Sie
ie Regierungsfraktionen bei der Frage, ob Lehren aus
er Finanzkrise gezogen werden sollen, erst zum Beifall
uffordern mussten –;


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


ber vielleicht können Sie nachvollziehen, dass das für
ie Opposition schwer auszuhalten ist: Wir haben vor
wei Wochen in diesem Hause gefordert,


(Rita Pawelski [CDU/CSU]: Was habt ihr davor gemacht?)


ass die Bewältigung der Finanzkrise nicht allein auf
en Schultern der kleinen Leute abgeladen wird und dass
ie Finanzbranche einen substanziellen Beitrag zur Be-
ältigung der Kosten zu leisten hat. Sie haben uns von
iesem Pult aus – und in den Tagen danach Ihre Mata-
ore aus den Regierungsfraktionen – Naivität und auch
nverstand vorgeworfen,


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


nd heute, zwei Wochen später, tun Sie so, als wären un-
ere Forderungen nahezu das Selbstverständlichste von
er Welt. Ich ahne schon, dass Sie, wenn Sie am Freitag
ier reden, am Ende so tun werden, als wären sie von Ih-
en erfunden worden.


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Genauso ist es!)






Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

Das zieht einem die Schuhe aus, meine Damen und Her-
ren.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Nun könnte ich es mir als Vertreter der Opposition
leicht machen


(Hermann Gröhe [CDU/CSU]: Sie machen es sich viel zu leicht!)


und mit Blick auf das, was Sie eben zu den Finanzmärk-
ten und dem von ihnen zu leistenden Beitrag gesagt ha-
ben, sagen: Besser spät als nie.


(Dr. Andreas Schockenhoff [CDU/CSU]: Wir sind hier nicht auf dem Jahrmarkt!)


– Ich weiß, dass das wehtut. – Aber was wir in den letz-
ten sieben Monaten von dieser Regierung erlebt haben,
lässt kaum jemanden in Deutschland ruhig schlafen. Der
Verdacht, den wir anfangs geäußert hatten, wird von Tag
zu Tag zur Gewissheit, nämlich dass diese Regierung
weder Linie noch Richtung und vor allen Dingen keinen
Mut hat. Das kann nicht so weitergehen in Deutschland,
nicht in dieser schwierigen Situation, in der wir sind.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Frau Bundeskanzlerin, aus den letzten Wochen bleibt
der Eindruck, dass auch Sie selbst bei jeder der schwieri-
gen Entscheidungen, die zu fällen waren, im Grunde ge-
nommen zum Jagen getragen werden mussten, am Ende
sogar, wie wir heute gemerkt haben, von der eigenen
Partei. Das wirkt ratlos; das wirkt kraftlos. Mitten in ei-
ner Krise, die der Präsident der EZB vor kurzem als die
größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet hat,
wirken Sie selbst eher wie eine Getriebene, wie eine Ge-
triebene der Märkte, wie eine Getriebene von Europa,
wie eine Getriebene von der FDP und am Ende sogar
wie eine Getriebene von der eigenen Partei. Das könnte
einer Opposition egal sein. Aber so kommen wir aus der
Krise nicht heraus. Das ist dramatisch für unser Land.


(Beifall bei der SPD)


Wir kommen so nicht nur nicht heraus; das ist nicht al-
lein das Problem. Vielmehr haben wir in den letzten Wo-
chen gesehen, dass man auf diese Weise noch tiefer in
die Krise hineingeraten kann. Herumlavieren, wie wir es
erlebt haben – darüber haben wir auch kritisch disku-
tiert –, das Taktieren mit Wahlterminen, mit dem in
Nordrhein-Westfalen, das alles hat uns doch in Wahrheit
in Europa ein Stückchen tiefer in die Krise hineingetra-
gen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Jeder Ökonom – auch der von Ihnen so sehr geschätzte
IWF erst am letzten Wochenende – sagt Ihnen, früheres
Handeln hätte ein Übergreifen der Krise auf die Nach-
barstaaten verhindert. Sie haben seit fünf Wochen nichts

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(C (D etan, geleugnet und verschleppt. Das ist der Fehler, den ir Ihnen vorwerfen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fünf Wochen? Fünf Monate!)


Am 22. März – ich darf das in Erinnerung rufen –,
rei Tage vor dem Grundsatzbeschluss der Europäischen
nion zur Griechenland-Hilfe, haben Sie, Frau Bun-
eskanzlerin, öffentlich erklärt, dass es nicht um aktuelle
ilfen für Griechenland geht. Einen Tag vor der Sitzung
es Rates erklärt der Parlamentarische Staatssekretär
eim BMF, Herr Koschyk, hier im Parlament – ich zi-
iere –:

Der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van
Rompuy, hat das von Ihnen genannte Thema nicht
für die Tagesordnung des Europäischen Rates am
25./26. März 2010 vorgesehen.

s kam, wie wir alle wissen, völlig anders. Der Grund-
atzbeschluss für die Griechenland-Hilfe wurde just auf
ieser Sitzung des Rates gefällt. Es ist immer dasselbe
uster: Entscheidungen verschleppen, hier im Bundes-

ag verschleiern, was genau verhandelt wird. Keiner
ückt mit der Sprache wirklich heraus. Stattdessen wurde
ber Wochen der Boulevard munitioniert, mit den Fol-
en, die wir jetzt erleben.


(Beifall des Abg. Joachim Poß [SPD])


en vorläufigen Höhepunkt haben wir in der vorletzten
oche erlebt. Da erklärte der Parlamentarische Ge-

chäftsführer der FDP-Fraktion unmittelbar vor der Ab-
timmung und voller gespielter Empörung, wie ich in
rinnerung habe – ich zitiere –: Es bleibt bei den
2,4 Milliarden Euro, die der Bundestag heute mit dem
esetzentwurf beschließen wird. Es wird kein einziger
ent mehr.


(Heiterkeit bei der SPD)


ie haben recht gehabt: Es ist kein Cent mehr geworden.
llerdings sind 750 Milliarden Euro daraus geworden.
as ist die ganze Wahrheit.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Herr Fricke, Sie wissen, dass ich Sie persönlich
chätze. Deshalb ein Wort dazu: Man muss vorsichtig
ein, wenn man sich in diesen bewegten Zeiten so fest-
egt, nur um kurzzeitig einmal Applaus von der eigenen
raktion zu bekommen. Man gefährdet so aber das Ver-

rauen des ganzen Parlamentes. Vertrauen werden Sie
on den Regierungsfraktionen zukünftig dringender
rauchen als in den vergangenen Monaten.


(Beifall bei der SPD)


Wir reden uns hier im Parlament die Köpfe über die
2 Milliarden Euro heiß. Sie beschimpfen uns, als wir
agen, das werde nicht das Ende der Fahnenstange sein.
ünf Stunden später, am Nachmittag desselben Tages, ist
ie Dimension der europäischen Rettungspakete dann
0-mal größer als das, was wir vormittags hier verhan-





Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

delt haben. Vielleicht begreifen Sie – wir alle haben ein-
mal hier auf unterschiedlichen Stühlen gesessen –, dass
der Bundestag und vermutlich am Ende nicht nur die
Oppositionsfraktionen Vermutungen anstellen, wer was
gewusst und wer die Abgeordneten möglicherweise be-
wusst im Unklaren gelassen hat. Ich will gar nichts un-
terstellen.


(Widerspruch bei der CDU/CSU)


– Passen Sie auf! – Ich will nicht unterstellen, dass hier
jemand bewusst die Unwahrheit gesagt hat; aber die an-
dere Variante, die dann allerdings bleibt, ist nicht die
schönere für die Koalitionsfraktionen und die Regie-
rung. Die andere Variante ist aus meiner Sicht die
schlimmere.


(Zuruf von der SPD: Ja!)


Vieles spricht doch in der Tat dafür, dass die Regierung,
die gesamte Mannschaft, nach Brüssel gefahren ist, ohne
zu wissen, was die Kommission möglicherweise im Ver-
bund mit den Vertretern größerer Mitgliedstaaten bereits
vorbereitet hatte. Das müssen Sie sich einmal vorstellen:
Die fundamentale europäische Frage wird ohne Deutsch-
land vorbereitet, vielleicht sogar an Deutschland vorbei
und am Ende gegen Deutschland. – Das hat sich in die-
ser Europäischen Union verändert, und das ist die Bilanz
nach sieben Monaten Ihrer Regierungszeit.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Damit wir uns richtig verstehen: Die Entscheidungen,
die am 8. oder 9. Mai gefallen sind – es waren weitrei-
chende Entscheidungen zur Rettung des Euro –, waren
richtig. Es war richtig und notwendig, den Angriff der
Spekulanten auf den Euro abzuwehren; es war auch rich-
tig, Tabus über Bord zu werfen. Aber seien Sie, meine
Damen und Herren, nicht zu stolz darauf. Diesen Mut
haben andere in Europa gehabt, nicht die deutsche Bun-
deskanzlerin und die deutsche Bundesregierung. Was ist
aus der deutschen Führungsrolle in Europa geworden?
Sie sind vom Führerstand in das Bremserhäuschen um-
gestiegen, aber das ist die falsche Richtung.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Das wären schon Probleme genug. Etwas anderes
– das kann ich Ihnen nicht ersparen – finde ich noch em-
pörender als das eben Beschriebene, nämlich den Satz,
der in einer öffentlichen Rede der Frau Bundeskanzlerin
gefallen ist: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. –
Frau Merkel, das ist ein verräterischer Satz, verräterisch
deshalb, weil dieser Satz belegt, woran diese Koalition
täglich scheitert, nämlich an der Realität,


(Widerspruch bei der CDU/CSU)


und zwar nicht nur, weil sie nicht nach den Erfordernis-
sen der Realität handelt, sondern weil sie sich sogar wei-
gert, sie zu benennen.


(Birgit Homburger [FDP]: Elf Jahre SPDFinanzminister!)


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(C (D rau Merkel – das sage ich auch Ihnen, Frau Homburger –, icht wir alle haben über unsere Verhältnisse gelebt. Die ahrheit ist: Diejenigen, die über die Verhältnisse gelebt aben, wissen nicht einmal, wie die Verhältnisse für die ehrzahl der Menschen in Deutschland sind. (Beifall bei der SPD, der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Aber im Ernst: Auch Sie wollen doch nicht sagen,
ass der Wachmann, der jeden Morgen vor der Tür von
rau Merkel steht, mit seinen 1 200 Euro im Monat über
eine Verhältnisse gelebt hat. Dasselbe gilt für die Ver-
äuferin in der Bäckerei oder in der Fleischerei, in denen
ir einkaufen, oder die bei Schlecker, Lidl oder Aldi.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Widerspruch bei der CDU/CSU und der FDP)


Ich habe den Satz nicht gesagt. Damit müssen Sie zu-
echtkommen. Ich habe nicht gesagt, dass wir über un-
ere Verhältnisse gelebt haben. – Aber dass die über ihre
erhältnisse gelebt hätten, ist doch wirklich ein zyni-
cher Satz. Man muss sich wirklich wundern, dass da-
über nicht mehr Aufregung in diesem Lande herrscht.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Volker Kauder [CDU/CSU]: Solche Sprüche macht der, der Hartz IV erfunden hat! Sauber! Sie haben Hartz IV erfunden!)


Die Realität, der Sie auf der Regierungsseite sich ver-
eigern, ist eine ganz andere, und das wissen die Men-

chen. Zum Zusammenbruch im September 2008 kam
s nicht deshalb,


(Ingrid Fischbach [CDU/CSU]: Furchtbar!)


eil wir über unsere Verhältnisse gelebt haben, sondern
eil die Akteure auf den Finanzmärkten in Unvernunft
nd Verantwortungslosigkeit jedes Jahr das Rad noch ein
tückchen weitergedreht haben. Dabei sind sie vom
eitgeist in den Wirtschaftsinstituten unterstützt und ge-

rieben worden. Das ist die ganze Wahrheit.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


as ging so lange, bis es zum Knall kam und sich alle
om Acker gemacht haben, was dazu führt, dass die
osten nun genau von denjenigen getragen werden müs-

en, von denen Sie sagen, sie hätten über ihre Verhält-
isse gelebt. Das darf man nicht machen. Man muss sa-
en, was ist. Damit fängt jede Verantwortung in der
olitik an. Sie wollen nicht sehen und nicht sagen, was

st. Das ist meine Bewertung Ihrer öffentlichen Reden
us den letzten Tagen.


(Beifall bei der SPD)


Indem Sie sich dieser Realität verweigern, werfen Sie
das kann ich zumindest in Ihre Richtung sagen – gleich
uch noch ein Stück eigene Regierungsgeschichte mit
ber Bord. Warum? Frau Merkel, Sie hatten in der Gro-
en Koalition einen Finanzminister, der die Konsolidie-
ung des Haushalts betrieben hat, was ihm ohne die





Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

Pleite von Lehman Brothers und das, was danach pas-
sierte, auch gelungen wäre.


(Lachen bei der FDP)


Ohne die Gier und die Maßlosigkeit auf den Finanz-
märkten hätte es keine wachsende Neuverschuldung ge-
geben. Sie wissen das; Sie haben das doch mitgetragen.
Warum beschweren Sie sich also?


(Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU)


In anderen Zeiten haben Sie das gelobt. Eine Netto-
neuverschuldung von null in 2011 wäre realistisch gewe-
sen.


(Beifall bei der SPD)


Dass es anders kam, werfe ich doch niemandem persön-
lich vor, auch der Bundeskanzlerin nicht.


(Widerspruch bei der CDU/CSU und der FDP – Volker Kauder [CDU/CSU]: Sie sind aber großzügig!)


Aber der von Peer Steinbrück beschrittene Pfad wurde
von denselben 82 Millionen Deutschen beschritten, von
denen Sie heute sagen, sie hätten über ihre Verhältnisse
gelebt. Da kann doch irgendetwas nicht stimmen.


(Beifall bei der SPD)


Es ist doch ganz offenbar, dass nicht dieses abstrakte
„wir“, sondern nur einige, die wir benennen können, die
Verhältnisse ins Chaos gestürzt haben. Deshalb bleibt
nur ein einziger richtiger Schluss: Diejenigen dürfen
jetzt nicht ungeschoren davonkommen. Dafür müssen
wir in diesem Hause sorgen.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Zum Gesetzentwurf selbst und zu den Einzelheiten
wird Carsten Schneider gleich noch ein paar Worte sa-
gen. Unser wichtigstes Anliegen – –


(Zurufe von der CDU/CSU und der FDP)


– Wollen Sie unsere Zustimmung


(Zuruf von der FDP: Nein! – Gegenrufe von der SPD: Ah!)


möglicherweise erwerben oder nicht? –


(Christian Lindner [FDP]: Wir sind nicht käuflich!)


Die Geschäftsbedingungen haben wir in der vorvergan-
genen Woche geklärt. Das sind nicht nur unsere. Sie wis-
sen: Bei einer reinen Kreditermächtigung kann es nicht
bleiben. Mit Blick auf die Regierungserklärung am heu-
tigen Morgen sage ich: Ich erkenne an, dass es in einigen
Fragen offenbar Bewegung gibt, vielleicht sogar die Be-
reitschaft, sich Anliegen zu eigen zu machen, die wir in
der vorletzten Woche hier vorgetragen haben. Aber
ebenso klar muss für die nächsten Tage bis zur Abstim-
mung bleiben: Bloße Ankündigungen – auch das ist das

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(C (D rgebnis der letzten Woche und des verloren gegangeen Vertrauens – werden nicht ausreichen. Der Bundestagspräsident hat erst vor wenigen Tagen n das Recht des Parlaments erinnert, Gesetzesvorchläge zu sehen und klare Erwartungen an die Bundesegierung zu richten. Ein Verfahren wie das, das wir in er vorletzten Woche hatten und in dieser Woche haben, ag mit Blick auf die Krise notwendig und unvermeid ich sein. Aber dass ein Verfahren wie dieses – das ist icht nur die Auffassung der Opposition – am Selbstvertändnis des Parlaments rührt, muss uns allen doch klar ein. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der SPD)


Die Selbstachtung des Parlaments verlangt es, dass
ir hier nicht nur Reden austauschen, sondern dass wir
ns, wenn Sie wirklich die Erwartung haben, etwa bei
er Kontrolle der Finanzmärkte und auch bei der finan-
iellen Beteiligung der Finanzmärkte annähern. Wir
ollten uns darüber nicht nur in Reden austauschen, son-
ern wenn wir uns hinsichtlich einer effektiveren Auf-
icht über die Finanzmärkte, der Notwendigkeit einer
egulierung, der Einhegung der Hedgefonds, des Ver-
ots schädlicher Finanzmarktprodukte sowie der Auf-
icht über Ratingagenturen und erster Schritte hin zu
uropäischen Ratingagenturen bis hin zur Frage der
inanzmarkttransaktionsteuer einig sein sollten, dann
ollte dies auch schwarz auf weiß in einem Text stehen;
as ist geübtes parlamentarisches Verfahren. Das ist
eine Holschuld der Opposition, das ist eine Bringschuld
er Regierung. Ich fordere Sie auf, das zu erledigen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Sie können jedenfalls sicher sein – und das abschlie-
end –: Meine Fraktion weiß um die politische Verant-
ortung für dieses Land wie für Europa. Wir wissen,
ass es um riesige, fast unvorstellbare Größenordnungen
eht: um 750 Milliarden Euro, davon 500 Milliarden
uro von der EU, 440 Milliarden Euro von den Euro-
ändern. Wir wissen, dass es nicht nur um Kredit-
rmächtigungen und Geld geht, sondern dass mehr auf
em Spiel steht: der künftige Weg Europas und die Zu-
unft unserer Demokratie. Viel steht auf dem Spiel. Ent-
eder gelingt es uns


(Patrick Döring [FDP]: Ihr macht ja nicht mit!)


wartet ab –, die Verhältnisse wieder in Ordnung zu
ringen, die Märkte neu zu ordnen und die Lasten fair zu
erteilen, oder wir untergraben in der Tat das Vertrauen
n Europa und seine Mitgliedstaaten und auch das Ver-
rauen in die Politik und die Demokratie.

Weil am Ende sehr viel auf dem Spiel steht – wir wis-
en das –, erfordert das eine sehr sorgfältige und ernst-
afte Debatte hier im Hause. Wir werden klar entschei-
en; verlassen Sie sich darauf. Aber wie wir uns
ntscheiden, hängt davon ab, ob die heutigen Ankündi-
ungen wirklich ernst gemeint sind und ob, wie Sie ver-





Dr. Frank-Walter Steinmeier


(A) )


)(B)

sprochen haben, den Worten tatsächlich Taten folgen.
Die Regierung hat das in der Hand.

Herzlichen Dank.


(Anhaltender Beifall bei der SPD)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704200400

Das Wort hat nun die Kollegin Birgit Homburger für

die FDP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zurufe von der SPD: Oh!)



Birgit Homburger (FDP):
Rede ID: ID1704200500

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die

Lage ist ernst.


(Zurufe von der SPD: Oh!)


Es geht nicht um einzelne Länder. Es geht nicht um
Griechenland, es geht auch nicht um Spanien oder Portu-
gal. Es geht um Europa insgesamt. Es geht um die EU
und damit um die Basis unseres Friedens und unseres
Wohlstands.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Als wir vor zwei Wochen erstmals über ein Hilfspaket
für die Stabilität des Euro diskutierten, hatten viele von
uns große Sorgen, wie sich die marode Haushaltssitua-
tion in vielen Ländern der Europäischen Union auf
Dauer entwickeln und auswirken würde. Wir haben des-
halb klargemacht, dass man nicht bei einer Krisenbewäl-
tigung stehen bleiben kann, sondern dass es zu einer
Krisenprävention kommen muss. Wir haben in einem
umfangreichen Entschließungsantrag Vorschläge ge-
macht.

Die Lage hat sich in bis dahin unvorstellbarer rasanter
Geschwindigkeit weiterentwickelt und verschärft. Diese
Lage stellt Europa vor die größte Herausforderung in
seiner Geschichte. Es geht hier um Glaubwürdigkeit
und Vertrauen in die gemeinsame Währung. Diese
Glaubwürdigkeit und dieses Vertrauen sind der Lebens-
nerv des Euro. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bür-
ger darf nicht verspielt werden. Ich sage an dieser Stelle:
Gegen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger darf
nicht spekuliert werden.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Dafür werden wir sorgen.

Ich sage an dieser Stelle ebenfalls: Wir teilen die Sor-
gen der Bürgerinnen und Bürger, und wir nehmen sie
ernst. Herr Steinmeier, Sie haben in Ihrer Rede eben hier
Vorwürfe gemacht und Allgemeinplätze verkündet, aber
keinen einzigen Lösungsvorschlag genannt.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Sie greifen doch gerade unsere Lösungsvorschläge auf!)


Das, was Sie hier abgeliefert haben, Herr Steinmeier,
war unterirdisch und der SPD schlicht nicht würdig.

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(C (D (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Sigmar Gabriel [SPD]: Glauben Sie eigentlich, was Sie da sagen?)


Es geht um die Sicherung und Stabilisierung unserer
ährung. Es geht um die Sicherung und Stabilisierung

es Wirtschaftsraums, und es geht um die Sicherung des
ohlstands. Darüber hinaus hat die Politik die Bewäh-

ungsprobe zu bestehen, ob sie das Heft des Handelns
urückgewinnt. In drei Bereichen müssen Maßnahmen
urchgeführt werden: Erstens muss ein Sofortpaket ge-
chnürt werden, zweitens müssen Regulierungen am Fi-
anzmarkt durchgeführt werden, drittens braucht Europa
inen neuen Stabilitätspakt.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)


Wenn heute ein Stabilitätspaket mit einem riesigen
mfang vorgelegt wird, dann wirkt dieses Paket wie ein
chutzschirm für den Euro und für die Sparerinnen und
parer. Wir handeln im Interesse der Bürgerinnen und
ürger unseres Landes. Ich sage ganz deutlich: Wir wer-
en alles dafür tun, dass die Krise des Euro nicht zur
ertrauenskrise im Hinblick auf das gesellschaftliche
nd das politische System in Europa wird.


(Beifall bei der FDP – Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Machen Sie es mal konkreter, bitte!)


Europa und der Euro sind eine Erfolgsgeschichte. Der
emeinsame Währungsraum hat für wirtschaftlichen Er-
olg und Stabilität gesorgt. 63 Prozent unserer Exporte
ehen in europäische Länder, hängen also von Europa
b.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Diese Rede hätten Sie vor vier Jahren halten können, aber nicht heute!)


in Viertel der Arbeitsplätze hängt vom Export ab. Des-
alb ist die Stabilisierung des Euro von herausragender
edeutung, und deshalb haben wir dieses Sofortpaket
uf den Weg gebracht. Die Bundeskanzlerin hat es be-
chrieben.


(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wollten doch konkret werden!)


ch glaube, es ist ein starkes Signal an die Märkte.

Wir haben darüber hinaus deutlich gemacht, dass es
ieses Sofortpaket nicht ohne Bedingungen gibt. Diese
edingungen sind: dass die Hilfe kein Selbstläufer wird,


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch keine Bedingung!)


ass der IWF weiter eingebunden ist, dass es harte Spar-
uflagen für diejenigen gibt, die die Hilfe in Anspruch
ehmen,


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Erzählen Sie uns lieber etwas über die Zukunft!)


ass Entscheidungen einstimmig getroffen werden müs-
en, dass die Existenz der Stabilitätsgesellschaft auf drei
ahre befristet ist, dass es keine gesamtschuldnerische





Birgit Homburger


(A) )


)(B)

Haftung gibt, dass es eine klare Einbeziehung des Parla-
ments gibt und dass präventive Maßnahmen auf den
Weg gebracht werden. Mit diesen Bedingungen gehen
wir in die Zukunft. Damit wird vermieden, dass es zu-
künftig erneut Situationen wie diese gibt.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Es geht um die Regulierung der Finanzmärkte. Es
geht darum, die Exzesse zu beseitigen.


(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt aber mal konkret!)


Der Deutsche Bundestag hat in der letzten Woche einen
Entschließungsantrag beschlossen. Im Raum stand die
Frage, ob der Bundestag überhaupt die Möglichkeit hat,
Einfluss zu nehmen, und ob durch seine Einflussnahme
überhaupt etwas bewegt würde. Ich stelle fest: Es hat
sehr wohl etwas bewegt, dass wir, der Deutsche Bundes-
tag, mit Blick auf das Hilfspaket für Griechenland klar-
gemacht haben, dass wir erwarten, dass in Europa
weitere Schritte in Richtung einer entsprechenden Regu-
lierung der Finanzmärkte gegangen werden.

Gestern ist – die Bundeskanzlerin hat darüber berich-
tet – die europäische Richtlinie zur Regulierung der
Hedgefonds auf den Weg gebracht worden. Ich will Ih-
nen jetzt etwas zitieren:

Hedgefonds sollen gegenüber herkömmlichen In-
vestmentfonds nicht mehr diskriminiert werden.

Weiter:

Private Anleger werden von höheren Renditen der
Hedgefonds profitieren können.

– Dies sagte, meine sehr verehrten Damen und Herren,
am 6. März 2003 der damalige Bundesminister Eichel in
einer Rede an der Goethe-Universität in Frankfurt.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP – Zurufe von der FDP: Aha!)


Er hat deutlich gemacht, dass man hier Hedgefonds
zulassen will. Am 1. Januar 2004 ist unter rot-grüner
Verantwortung das Investmentmodernisierungsgesetz in
Kraft getreten.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Widerspruch bei der SPD)


– Sie brauchen sich überhaupt nicht aufzuregen. Sie ver-
suchen draußen den Eindruck zu erwecken, dass es das
alles, wenn es nach Ihnen gegangen wäre, überhaupt
nicht gegeben hätte, dass dann alles längst reguliert
wäre. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Es verhält
sich doch ganz anders: Sie tragen eine Mitverantwor-
tung. Geben Sie das doch endlich zu!


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Sigmar Gabriel [SPD]: Sie haben gar nicht verstanden, dass das ein Begrenzungsgesetz war, Frau Homburger! – Klaus Ernst [DIE LINKE]: Haben Sie denn damals widersprochen oder zugestimmt?)


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(C (D Vor diesem Hintergrund sage ich ganz deutlich: Ich egrüße die Entscheidung, die die BaFin getroffen hat, ämlich ungedeckte Leerverkäufe zu verbieten. Wir ind bereit, das gesetzlich abzudecken. Wir sind bereit, lles zu tun, was diese hochspekulativen Geschäfte verindert. Was wir national tun können, tun wir national. etzt geht es tatsächlich darum, endlich zu handeln. Und iese Regierung handelt. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Gegen die Spekulation mit Staatsanleihen werden al-
erdings nur europa- und weltweite Lösungen helfen.


(Johannes Kahrs [SPD]: Ausreden!)


s ist ja angekündigt, dass die EU im Juli eine Regelung
u Leerverkäufen und zu Derivaten treffen wird.

Was uns unterscheidet, Herr Steinmeier, ist: Wir ha-
en in den letzten Wochen mehr erreicht als die SPD in
ll den Jahren, in denen sie die Regierung stellte. Das ist
ie Wahrheit, die Sie zur Kenntnis nehmen müssen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Widerspruch bei der SPD – Johannes Kahrs [SPD]: Selber nichts hingekriegt und jetzt hier Phrasen dreschen! – Sigmar Gabriel [SPD]: Das muss den Wählern in Nordrhein-Westfalen entgangen sein!)


Es braucht weitere Schritte: eine Regulierung des
rauen Kapitalmarkts, die Gründung einer europäischen
atingagentur und vor allen Dingen auch eine Kontrolle
er Ratingagenturen.


(Johannes Kahrs [SPD]: Ihnen ist gar nichts eingefallen! Steuererhöhungen standen bei Ihnen auch nicht im Programm!)


s braucht außerdem auch eine klare Finanzmarktauf-
icht. Wir wollen, dass all das auf den Weg gebracht und
uropaweit umgesetzt wird. Wir erwarten auch, dass sich
n Europa etwas bewegt.

Wir haben noch einen weiteren Punkt – den will ich
ier ganz klar ansprechen –,


(Sigmar Gabriel [SPD]: Endlich mal etwas Klares!)


ämlich die Beteiligung der Finanzmärkte an den
osten der Krise. Das ist aus unserer Sicht eine Ge-

echtigkeitsfrage.


(Zurufe von der SPD: Oh!)


ir haben seit langem deutlich gemacht: Wer in der
offnung auf Absicherung der eigenen Ausfälle durch
ie Steuerzahler spekuliert, muss an den Kosten der
rise beteiligt werden. Diese Forderung setzen wir auch
m.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Sigmar Gabriel [SPD]: Wird Ihnen bei Ihren Pirouetten nicht langsam schwindlig?)






Birgit Homburger


(A) )


)(B)

Im Übrigen werden wir dabei darauf achten, dass nicht
die kleinen Sparer belastet werden, sondern diejenigen,
die tatsächlich Anteil an der Krise haben.


(Johannes Kahrs [SPD]: Sie erhöhen jetzt die Steuern!)


Wir wollen ein Insolvenzrecht für Staaten. Das be-
deutet Umschuldung. Umschuldung wiederum bedeutet,
dass zielgenau diejenigen zur Übernahme der Kosten he-
rangezogen werden, die sie auch hervorgerufen haben.
Wir wollen uns in Europa und im Rahmen der G 20 für
ein abgestimmtes Vorgehen bei der Beteiligung des Fi-
nanzmarktsektors einsetzen. Auch das ist schon im
Deutschen Bundestag beschlossen worden. Wir haben
die Einführung einer Bankenabgabe in Deutschland auf
den Weg gebracht. Die SPD hat während ihrer Regie-
rungszeit –


(Johannes Kahrs [SPD]: Den Haushalt konsolidiert, gnädige Frau, und Steuern gesenkt!)


da war im Übrigen die Finanzmarktkrise schon da, wenn
Sie das einmal zur Kenntnis nehmen wollen, Herr
Steinmeier – immer nur Konsequenzen gefordert. Wir
dagegen ziehen die Konsequenzen und handeln. Das ist
der Unterschied.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wir brauchen eine neue Verantwortungsethik in der
Wirtschaft und auch auf den Finanzmärkten. Was in
vielen Familienbetrieben, was im Mittelstand Normalität
ist, dass man nämlich für Entscheidungen, die man trifft,
haftet, und zwar auch mit dem eigenen Vermögen, ist ein
ethisches Fundament der sozialen Marktwirtschaft. Die
Geltung dieses Prinzips wollen wir auch auf den Finanz-
märkten und bei Kapitalgesellschaften um- und durch-
setzen. Es muss so sein, dass Unternehmen und auch ihre
Manager für die Folgen ihrer Entscheidungen haften.
Nur das sorgt für verantwortliches Handeln. Haftung
und Risiko müssen zusammengebracht werden, Verant-
wortung muss gestärkt werden. Wir wollen, dass das
Bild eines ehrbaren Kaufmanns wieder Gültigkeit hat,


(Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Dann fangen Sie damit doch einmal an! – Sigmar Gabriel [SPD]: Dann müssen Sie Ihren Vorsitzenden auswechseln!)


auch im Wirtschaftsbereich und auf den Finanzmärkten.
Wenn man das umsetzen will, dann muss man klar han-
deln. Auch das haben wir getan.


(Zuruf von der SPD: Seit wann? – Johannes Kahrs [SPD]: Lesen Sie doch mal Ihr Wahlprogramm!)


Wir haben eine Richtlinie umgesetzt, mit der wir da-
für sorgen wollen, dass bei Managervergütungen andere
Maßstäbe angelegt werden,


(Thomas Oppermann [SPD]: Jetzt aber nicht durcheinanderkommen!)


dass mehr auf die Langfristigkeit geachtet wird

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(C (D (Johannes Kahrs [SPD]: Was steht dazu denn in Ihrem Wahlprogramm?)


nd dass nicht in jedem Fall Boni gezahlt werden dürfen,


(Thomas Oppermann [SPD]: Sie sind ja eine richtige Regulierungspartei!)


ondern dass man auch mit einem Gehaltsabschlag zur
erantwortung gezogen werden kann, wenn es schlecht

äuft;


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann müsste Ihr Gehalt jetzt aber ganz schön stark gekürzt werden!)


uch das muss möglich sein. Wir werden darüber hinaus
ie zivilrechtlichen Verjährungsfristen verlängern,


(Johannes Kahrs [SPD]: Sie fallen noch unter 5 Prozent, wenn Sie so weitermachen!)


m zu erreichen, dass diejenigen, die Schuld haben, auch
ur Verantwortung gezogen werden können. All das ha-
en wir in kurzer Zeit auf den Weg gebracht, meine sehr
erehrten Damen und Herren.


(Thomas Oppermann [SPD]: Ich bin beeindruckt!)


aran wird deutlich, dass wir daran arbeiten, einen Rah-
en zu setzen, der eine neue Verantwortungsethik in der
irtschaft möglich macht.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Johannes Kahrs [SPD]: Das glaubt ja nicht mal Ihre eigene Fraktion!)


Jetzt ein Wort zur Finanzmarkttransaktionsteuer.


(Zurufe von der LINKEN: Oh! Doch noch! – Endlich!)


ie, meine sehr verehrten Damen und Herren, tragen die-
es Thema wie eine Monstranz vor sich her.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Nein! Die CSU macht das derzeit! – Thomas Oppermann [SPD]: Wir? Ihr Koalitionspartner macht das!)


as Einzige, was ich von Ihnen bisher zur Lösung der
robleme gehört habe, ist, dass man angeblich eine sol-
he Steuer braucht; das ist Ihre eierlegende Wollmilch-
au. Wenn man diese Steuer einführte, dann sei alles in
rdnung.


(Johannes Kahrs [SPD]: Lesen bildet, Denken hilft!)


as ist natürlich nicht so. Seit Wochen hören wir von Ih-
en keinen vernünftigen Vorschlag. Ich sage Ihnen,
eine sehr verehrten Damen und Herren: Es ist ein Ar-
utszeugnis, wie sich die SPD hier darstellt.


(Thomas Oppermann [SPD]: Und die CSU! – Sigmar Gabriel [SPD]: Wir zittern vor Angst!)


ie sind zu einer Einthemenpartei verkommen.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Lachen bei der SPD sowie Birgit Homburger )





(A) )

bei Abgeordneten der LINKEN und des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Sie machen ganz kleines Karo. Ich fordere Sie auf: Keh-
ren Sie endlich dazu zurück, Verantwortung in Deutsch-
land zu übernehmen!


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wird der Satz des Jahres! Sie sind ja ganz wild, Frau Homburger! Was ist denn los? – Sigmar Gabriel [SPD]: Wir zittern schon richtig!)


Dazu gehört eine klare Analyse der Ursachen. Zur
Analyse der Ursachen gehört auch Ehrlichkeit, Herr
Steinmeier.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja!)


Sie haben sich hier hingestellt und gesagt, verantwort-
lich seien die Finanzmärkte.


(Johannes Kahrs [SPD]: Ja! Und die FDP vielleicht noch! – Renate Künast [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Wollen Sie etwa ein „Weiter so“?)


Verantwortlich für die Krise ist zuallererst die Tatsache,


(Sigmar Gabriel [SPD]: Dass Sie nichts getan haben!)


dass Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben.


(Thomas Oppermann [SPD]: Sie wollten doch gerade erst noch mehr haben! – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wollten doch auch daran verdienen!)


Zu dem, was Sie, Herr Steinmeier, vorhin ausgeführt ha-
ben, will ich Ihnen eines ganz klar sagen: Nicht der Bä-
cker und der Polizist haben über ihre Verhältnisse gelebt.


(Caren Marks [SPD]: Genau! – Johannes Kahrs [SPD]: Nein! Ihre Klientel!)


Nein, SPD-Finanzminister haben in den mehr als elf Jah-
ren, in denen sie Verantwortung hatten, über ihre Ver-
hältnisse gelebt.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Widerspruch bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Als der Euro eingeführt wurde, haben wir für den Sta-
bilitäts- und Wachstumspakt gestritten. Wir haben
deshalb für ihn gestritten, weil wir wollten, dass die Bür-
gerinnen und Bürger Vertrauen in diese Währung haben.


(Johannes Kahrs [SPD]: Dann kam die FDP! – Thomas Oppermann [SPD]: Deshalb Mövenpick?)


Dieser Stabilitäts- und Wachstumspakt ist im Jahre 2005
auf Betreiben der rot-grünen Bundesregierung auf euro-
päischer Ebene ausgehöhlt und verschlechtert worden.
Auch dies hat dazu beigetragen, dass jetzt nicht rechtzei-
tig in Europa gehandelt wurde und dass man die Situa-
tion der betroffenen Staaten nicht in den Griff bekom-
men hat.

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(C (D (Dr. Frank-Walter Steinmeier [SPD]: Wir haben mit demselben Stabilitätspakt Schulden abgebaut!)


ies müssen Sie, meine sehr verehrten Damen und Her-
en, schlicht und ergreifend einmal zur Kenntnis neh-
en.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Johannes Kahrs [SPD]: Wollen Sie etwa noch mehr Schulden machen?)


Nein, es ist genau anders herum: Wir wollen nicht
och mehr Schulden machen; das, was Sie hier erzählen,
st doch völliger Unsinn.


(Johannes Kahrs [SPD]: Sie sind doch die Schuldenpartei! – Thomas Oppermann [SPD]: Was ist denn mit Ihren Steuersenkungen?)


Wir haben deutlich gemacht, dass Haushaltskonsoli-
ierung eine der zentralen Notwendigkeiten dieser Le-
islaturperiode ist.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und das von der FDP! Ich sage nur: 80 Milliarden Euro Schulden! – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mövenpick!)


ir sind aber auch der Meinung, dass wir mit einer klu-
en liberalen Wirtschaftpolitik Impulse für Wachstum in
iesem Land setzen müssen; auch dies gehört dazu.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Geben Sie mal das Geld für Mövenpick an den Bundeshaushalt zurück!)


Meine Damen und Herren, ich möchte noch einige
enige Punkte nennen,


(Johannes Kahrs [SPD]: Etwa, wie Sie die Steuern erhöhen wollen?)


ie für uns auf dem Weg zu einer Stabilisierung der
ährungsunion von zentraler Bedeutung sind. Dazu ge-

ört ein Frühwarnsystem. Falsche Angaben müssen
rüher erkannt werden.


(Sigmar Gabriel [SPD]: Aha! Wie im Koalitionsvertrag, ja? Da sind nämlich jede Menge falsche Angaben drin!)


urostat, das europäische Amt für Statistik, und der
uropäische Rechnungshof müssen mehr Kompetenzen
ekommen. Die Zeit des Tricksens und Täuschens muss
n Europa beendet werden.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Johannes Kahrs [SPD]: Das würde bei der FDP schon reichen! – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann mal los, Frau Homburger! – Thomas Oppermann [SPD]: Da sind Sie ja Experten!)


Wir werden uns dafür einsetzen, dass Sanktionen zu-
ünftig früher greifen, dass Defizitverfahren beschleu-
igt werden. Länder, die eine krisenhafte Überschuldung





Birgit Homburger


(A) )


)(B)

haben, müssen damit rechnen, dass man ihnen Vorgaben
macht.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, zum Beispiel keine Steuersenkungen!)


Wir plädieren hier für einen EU-Sonderbeauftragten.

Wir wollen wirksamere Sanktionen einführen – auch
das ist ein zentraler Punkt –: Entzug der Stimmrechte,
Sperrung von EU-Direktzahlungen und automatische
Sanktionen. Wir wollen eine Insolvenzordnung für Staa-
ten, sodass eine Umschuldung möglich ist und Hilfs-
kräfte früher aktiviert werden können.

Wir wollen, dass die Währungsunion nicht zu einer
Transferunion wird. Dafür hat die Bundesregierung mit
Erfolg in Brüssel gestritten; aber wir müssen daran wei-
terarbeiten. Es ist dringend notwendig, die Entstehung
einer Transferunion zu verhindern. Meine sehr verehrten
Damen und Herren von der SPD, ich sage auch: Ihre
Politik, nach der man alles viel früher – ohne Sparzusa-
gen der anderen – und umfassender hätte machen müs-
sen,


(Johannes Kahrs [SPD]: Nicht so viel Schulden!)


hätte uns längst in eine Transferunion geführt, zulasten
der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


Dieses Parlament wird die Bundesregierung bei der
weiteren Arbeit, vor allen Dingen auf europäischer
Ebene, intensiv begleiten.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein, wird es nicht! Mit Ihrem Vorschlag schalten Sie den Deutschen Bundestag aus!)


– Herr Trittin, der Deutsche Bundestag wird nicht ausge-
schaltet.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Natürlich!)


Der Deutsche Bundestag wird die Arbeit intensiv beglei-
ten.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben gegen die Verfassung verstoßen, gnädige Frau!)


Die Tatsache, dass wir hier vor allen Dingen Bemühun-
gen um eine Regulierung der Finanzmärkte und einen
Stabilisierungspakt gefordert haben, hat zu einer erhebli-
chen Bewegung geführt. Wir werden dafür sorgen, dass
Druck auf Europa gemacht wird. Wir brauchen eine neue
Stabilitätskultur in Europa. Diese Koalition wird alles
dafür tun, dass das erreicht wird.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Sigmar Gabriel [SPD]: Gute Besserung!)


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(C (D Zu einer Kurzintervention erhält die Kollegin endricks das Wort. (Zuruf von der FDP: Die Insolvenzverwalterin der SPD!)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704200600


Dr. Barbara Hendricks (SPD):
Rede ID: ID1704200700

Frau Kollegin Homburger, es ist in der Tat schwierig,

ich ernsthaft und sachlich mit Ihnen auseinanderzuset-
en.


(Widerspruch bei Abgeordneten der FDP)


s gibt eine Vielzahl von Angriffspunkten, von denen
ch im Rahmen einer Kurzintervention natürlich nicht
lle ansprechen kann.


(Dr. Michael Meister [CDU/CSU]: Ja, die Sündenliste ist zu lang!)


Ich muss aber bedauerlicherweise feststellen – ich
ill das ganz bewusst zu Protokoll geben –: Sie haben

ich offenbar mit keinem Wort darum bemüht, um die
emeinsamkeit der Demokraten zu werben.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Jetzt will ich auf einen sachlichen Punkt eingehen,
en ich gerne richtigstellen möchte, zumal Sie sich bei
er Unrichtigkeit Ihrer Behauptungen zu diesem sachli-
hen Punkt mit der Fraktion der Linken treffen: die Zu-
assung von Hedgefonds. Ich war in der Tat dabei; es ge-
chah in der Verantwortung von Rot-Grün.


(Zurufe von der FDP: Ah!)


Es gibt da nichts zuzugeben: Hier geht es nämlich
icht um einen Straftatbestand, sondern um ein normales
esetzgebungsverfahren. Wir haben in der Tat – Sie ha-
en das richtig zitiert – mit Wirkung zum 1. Januar 2004
edgefonds in Deutschland zugelassen, streng reguliert.
ies hat bis heute dazu geführt, dass sich in Deutschland
5 Hedgefonds angemeldet haben; sie müssen sich näm-
ich anmelden und sind streng reguliert. In diesen
5 Hedgefonds sind 2 Milliarden Euro gesammelt. Das
st viel Geld.

Zugleich ist aber in nichtregulierten Hedgefonds in
ondon deutsches Geld in einem Volumen von etwa
0 Milliarden Euro gesammelt. Menschen haben also ihr
eld dorthin gegeben, wo Hedgefonds unreguliert sind.
ie wollen ihr Geld also nicht den in Deutschland zuge-

assenen regulierten Hedgefonds geben; denn bei den
nregulierten Hedgefonds ist die Gewinnchance – natür-
ich auch das Risiko – selbstverständlich noch höher.

Das ist das Ergebnis der Regelung, die wir getroffen
aben. Wären alle Hedgefonds in Europa und in der Welt
o reguliert wie die deutschen, hätten wir weltweit kein
roblem mit den Hedgefonds.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der CDU/ CSU)






Dr. Barbara Hendricks


(A) )


)(B)

Das, was gestern auf europäischer Ebene beschlossen
worden ist, erfüllt noch nicht einmal den Standard, der in
Deutschland für Hedgefonds schon immer gilt.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha!)


Nehmen Sie das bitte zur Kenntnis und hören Sie auf,
Rot-Grün – wie das die Linke ebenfalls macht – unter
Verdacht zu stellen!


(Otto Fricke [FDP]: Die Linke ist davon frei!)


Im Übrigen darf ich Ihnen aus dem Gesetzgebungs-
verfahren berichten – ich war neun Jahre lang Parlamen-
tarische Staatssekretärin und habe an jeder Sitzung des
Finanzausschusses für die Bundesregierung teilgenom-
men –: Bei diesem Gesetz, wie praktisch bei allen Fi-
nanzmarktgesetzen, ging der FDP die Liberalisierung
nicht weit genug.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704200800

Frau Kollegin Hendricks, ich will Sie darauf aufmerk-

sam machen, dass Sie die für Kurzinterventionen zuläs-
sige Zeit längst überschritten haben.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)



Dr. Barbara Hendricks (SPD):
Rede ID: ID1704200900

Ich möchte nur noch einen Satz sagen. – Alle Finanz-

marktgesetze, die wir damals unter Rot-Grün und auch
in der Großen Koalition beschlossen haben, wurden von
der FDP im Regelfall abgelehnt, weil Ihnen die Regelun-
gen zu streng waren. Nehmen Sie das bitte zur Kenntnis!


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704201000

Zur Erwiderung, Frau Kollegin Homburger.


(Johannes Kahrs [SPD]: Na, das kann ja was werden!)



Birgit Homburger (FDP):
Rede ID: ID1704201100

Frau Kollegin Hendricks, zunächst bedanke ich mich

bei Ihnen dafür, dass Sie meine Aussage bestätigt haben.


(Beifall bei der FDP – Lachen bei der SPD)


– Es ist so. – Sie haben darauf hingewiesen, dass Hedge-
fonds in Deutschland streng reguliert werden, aber nicht
in Europa.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: In England hat sie gesagt! Sie müssen zuhören!)


Ich mache darauf aufmerksam – Sie haben selbst aus-
geführt, dass Sie als Staatssekretärin dabei waren –, dass
Sie über Jahre hinweg die Möglichkeit gehabt hätten,
eine solche Regulierung auf europäischer Ebene auf den
Weg zu bringen.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


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(C (D as haben wir jetzt getan. Sie sagen nun, dass das immer och nicht ausreicht. Man wird sich darüber unterhalten üssen, ob man noch mehr tun muss oder mehr tun ann. In diesem Punkt finden Sie uns an Ihrer Seite. ber Fakt ist, dass wir an dieser Stelle klar handeln. Das ommt sehr deutlich zum Ausdruck. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie etwas zur Begründung!)


Zum Schluss möchte ich sagen: Ich bedanke mich
usdrücklich für Ihre Wortmeldung und dafür, dass Sie
m Gegensatz zu Ihrem Fraktionsvorsitzenden, Herrn
teinmeier, der vorhin gesprochen hat, bereit waren, die
erantwortung der SPD anzuerkennen. Es wäre gut ge-
esen, wenn das auch Herr Steinmeier getan hätte.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704201200

Die Kollegin Dr. Gesine Lötzsch ist die nächste Red-

erin für die Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704201300

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her-

en! Immer mehr Menschen in Deutschland kommen zu
er Überzeugung, dass diese Bundesregierung nicht re-
ierungsfähig ist, wir auch.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Regierungsfähig heißt, dass man in der Lage ist und
en Willen hat, die Interessen der Menschen in einem
and mit demokratischen Mitteln in praktische Politik
mzusetzen. Doch Sie als Regierung kämpfen nur mit
hrer inneren Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit.
eshalb haben Banken, Spekulanten und Lobbyisten

uch so ein leichtes Spiel, die Regierung vor sich herzu-
reiben und ihr ihre Bedingungen zu diktieren. Ist das
twa Ihr Verständnis von Demokratie, Frau Merkel?


(Beifall bei der LINKEN)


Hinzu kommt, dass die Kanzlerin mit der FDP die
leichen schrecklich teuren Fehler wiederholt, die sie
ereits 2008 mit einem anderen Partner gemacht hat.

Erstes Beispiel. Der damalige SPD-Finanzminister
ing davon aus, dass die Finanzkrise 2008 kein Problem
eutschlands, sondern der USA sei. Er tat erst einmal
ichts, und das war falsch. Die Kanzlerin ging 2010 da-
on aus, dass die Euro-Krise kein Problem Deutsch-
ands, sondern ausschließlich Griechenlands sei. Sie tat
rst einmal nichts, und auch das war falsch. Innerhalb
on zwei Jahren wurde zweimal der gleiche Fehler ge-
acht. Das zeugt von einer katastrophalen Lernunfähig-

eit, Frau Merkel.


(Beifall bei der LINKEN)


Zweites Beispiel. Der damalige Finanzminister ging
avon aus, dass die Finanzkrise 2008 auch ohne Kon-





Dr. Gesine Lötzsch


(A) )


)(B)

junkturpaket zu lösen wäre. Erst auf Druck der Linken
und der realen Verhältnisse wurde ein Konjunkturpro-
gramm beschlossen, das allerdings unsinnigerweise in
diesem Jahr ausläuft. Die Kanzlerin ging 2010 davon
aus, dass die Euro-Krise alleine mit einem zweiten Ban-
kenrettungsschirm und ohne ein Konjunkturpaket ge-
löst werden könne. Das ist doch abenteuerlich!

Sie, Frau Merkel, müssen sich einfach einmal die
Frage stellen, warum die Finanzkrise 2008 nicht zum
Kollaps der Realwirtschaft geführt hat. Es war doch die
Kombination mit dem Konjunkturprogramm, die den
ökonomischen Totalschaden verhindert hat. Aber Sie
haben wieder nichts aus Ihren alten Fehlern gelernt. Statt
Konjunkturprogrammen verlangen Sie Kürzungspro-
gramme. Damit drosseln Sie die Binnennachfrage und
schwächen Sie die Konjunktur in Europa. Das ist doch
ökonomischer Wahnsinn!


(Beifall bei der LINKEN)


Schaut man sich die Entwicklung in Griechenland an,
dann weiß man, wie es in Portugal, Spanien, Frankreich,
Italien und auch in Deutschland in den nächsten Mona-
ten weitergeht. Darum sagen wir als gute Europäer: Soli-
darität mit diesen Ländern ist auch Solidarität mit den
Lohnabhängigen, Rentnern und Arbeitslosen bei uns in
der Bundesrepublik Deutschland.


(Beifall bei der LINKEN)


Frau Merkel, Sie wussten bereits vor der Wahl in
Nordrhein-Westfalen, dass Griechenland mit diesen Auf-
lagen komplett überfordert sein wird, und hofften, dass
Sie mit dieser Strafaktion gegen Griechenland bei den
Wählerinnen und Wählern in Nordrhein-Westfalen
punkten könnten. Doch das ist Gott sei Dank gründlich
misslungen. Gut, dass diese Strategie nicht aufgegangen
ist.


(Beifall bei der LINKEN)


Schon vor der Wahl war klar, dass die Griechenland-
Krise eigentlich eine Euro-Krise ist. Sie haben überhaupt
keine Strategie zur Lösung dieser Euro-Krise. Sie muss-
ten sich erst von den Vertretern der anderen EU-Länder
zwingen lassen, darüber etwas gründlicher nachzuden-
ken.

Das gleiche neoliberale Rezept, das Griechenland
weiter in die Krise treibt, wurde jetzt Spanien und Portu-
gal verschrieben. In Portugal wird das Rentenalter von
65 auf 67 Jahre sowie die Mehrwert- und Einkommen-
steuer erhöht. Spanien wird seine Ausgaben bis zum
Jahre 2011 um 15 Milliarden Euro kürzen. Dafür werden
in diesem Jahr die Gehälter im öffentlichen Dienst um
5 Prozent gekürzt und im nächsten Jahr eingefroren. Die
Renten werden nicht erhöht. Die Entwicklungshilfe wird
abgesenkt und der sogenannte Babyscheck von 2 500 Euro
pro Neugeborenen ersatzlos gestrichen. Die öffentlichen
Investitionen werden heruntergefahren. Allerdings er-
klärt niemand den Spaniern und den Portugiesen, wie sie
auf diese Weise aus der Krise kommen sollen. Angeblich
würden diese Kürzungen die Märkte beruhigen und Ver-
trauen bei Anlegern schaffen. Doch wie soll – das soll

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(C (D ir einmal jemand erklären – durch diese Maßnahmen ieder Wachstum entstehen? Die Linke hat bereits vor der Wahl in Nordrheinestfalen darauf hingewiesen, dass die Kanzlerin in riechenland nur ihr neoliberales Waffenarsenal testen ollte, um es dann in Deutschland einzusetzen. Bei Ihen, meine Damen und Herren von CDU/CSU und FDP, ar damals die Empörung groß. Doch kaum waren die timmen in Nordrhein-Westfalen ausgezählt, startete inisterpräsident Koch – der gehört ja wohl der CDU n – den ersten Angriff auf Kinder, Jugendliche und amilien. Sein Schlachtruf lautete – der Kollege teinmeier ist auch schon darauf eingegangen –: „Wir leen über unsere Verhältnisse!“ Diesen Schlachtruf hören wir nun schon seit 20 Jahen, und ich frage mich: Wer ist eigentlich „wir“? Wer ebt hier über seine Verhältnisse? Das sind doch nicht die rbeitnehmer, Rentner, Familien und Arbeitslosen. iese Menschen, an denen die Bundesregierung überaupt kein Interesse hat, leben nicht über ihre Verhältisse. Es sind die Spekulanten, die Banker und auch iese Bundesregierung, die an diesen Menschen überaupt kein Interesse hat. Herr Koch schlägt vor – das wird ja von der Bundesegierung wohlwollend geprüft –, weniger Geld für rippen und Kindergärten auszugeben. Das ist ein Fron alangriff auf die Generation, die einmal die hohe Beamenrente von Herrn Koch erarbeiten soll. Das ist nicht ur moralisch verwerflich, sondern auch absolut ökonoischer Unsinn! Wir sollten hier nicht nur über die Regulierung des Fianzmarkts und über die Euro-Stabilisierung reden, sonern uns vor allen Dingen auch die Frage stellen, wie ochverschuldete Länder aus der Finanzund Wirtchaftskrise wieder herausgeführt werden können. Wir rauchen, um Staatsbankrotte zu verhindern, jetzt keine rakonischen Kürzungspläne, sondern wir brauchen, wie s die Linke schon seit Jahren fordert, endlich ein euroäisches Konjunkturprogramm, in dem sich jeder taat verpflichtet, mindestens 2 Prozent des Bruttoozialproduktes pro Jahr aufzuwenden, um den wirtchaftlichen Niedergang zu bremsen. Für dieses europäiche Konjunkturprogramm sollten Sie sich in Brüssel insetzen und nicht für weitere drakonische Kürzungsaßnahmen, Frau Merkel. Ich gehe hier deshalb stark auf die ökonomische Beältigung der Krise ein, weil wir uns im Augenblick das ist richtig – um die Regulierung der Finanzmärkte ümmern. Wir müssen aber darüber hinaus auch darüber eden, wie wir die gigantischen Staatsschulden endlich oswerden und wie wir gleichzeitig die europäische irtschaft stärken können. Das ist unsere Aufgabe. Dr. Gesine Lötzsch )


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)





(A) )

Die Finanzmarkttransaktionsteuer wird ja nun augen-
scheinlich von allen unterstützt. Ich hoffe nur, dass sie
auch endlich umgesetzt wird.


(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Setzten wir sie um, dann hätten wir allein für Deutsch-
land 12 Milliarden Euro mehr pro Jahr in der Kasse; das
ist mehr, als der Bund für Bildung und Forschung im
Jahr 2010 ausgeben wird. Ich frage Sie, meine lieben
Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU-Fraktion:
Warum ist Herr Koch eigentlich nicht auf die Idee ge-
kommen, statt bei der Bildung zu sparen, die Finanz-
markttransaktionsteuer von der Kanzlerin zu fordern?
Vielleicht sollten Sie einmal mit ihm darüber diskutie-
ren.


(Beifall bei der LINKEN)


Die reale Gefahr besteht darin, dass für die Rettung
des Euro jetzt alles aufgegeben werden soll, was Europa
nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht hat. Wer jetzt mit
drakonischen Kürzungsplänen den Arbeitnehmern, Fa-
milien und Rentnern die Luft zum Atmen nimmt, setzt
nicht nur die konjunkturelle Erholung aufs Spiel, son-
dern auch den sozialen Frieden in Europa. Wir als pro-
europäische Partei sagen: Wir wollen ein friedliches, ge-
rechtes und soziales Europa.

Vielen Dank.


(Beifall bei der LINKEN)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704201400

Volker Kauder ist der nächste Redner für die CDU/

CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Volker Kauder (CDU):
Rede ID: ID1704201500

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen!

Ich glaube, es muss noch einmal auf das hingewiesen
werden, was heute und am Freitag dieser Woche im
Deutschen Bundestag geschieht. Es geht darum, dass wir
in einer ernsten Situation für unsere Währung und für
Europa die richtigen Entscheidungen in diesem Haus zu
treffen haben.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Deswegen sollten wir uns miteinander darauf besinnen,
was notwendig ist und was gemacht werden muss. Ich
finde – an die Kolleginnen und Kollegen der SPD das
Wort gerichtet –,


(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fraktion, Herr Kauder!)


dass es darauf ankommt, was wir vorhaben, was wir ma-
chen wollen. Wissen Sie, in einer Situation wie der jetzi-
gen ist es richtig, miteinander darüber zu reden, was wir
machen müssen und können. Es kommt nicht darauf an,
den Blick zurückzuwerfen und kleinteilige Abrechnun-
gen vornehmen zu wollen. Das führt uns überhaupt nicht
weiter.

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(C (D (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Joachim Poß [SPD]: Darum geht es doch gar nicht! Es geht um die richtigen Lösungen!)


Der Präsident der Europäischen Zentralbank hat in
ehreren dramatischen Sätzen darauf hingewiesen, in
elcher Situation wir sind. Ich finde, wir sollten in der
ebatte darüber und bei der Antwort darauf dieser dra-
atischen Situation gerecht werden.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Joachim Poß [SPD]: Das wird Zeit!)


Jetzt reden wir einmal darüber, was ansteht. Wir ha-
en in der letzten Sitzungswoche am Freitag über ein
ettungsprogramm für den Euro und damit auch für die
tabilität des Euro und für die Sparguthaben der Men-
chen in unserem Land entschieden.

s geht jetzt doch gar nicht um abstrakte Diskussionen.
lles hat einen konkreten Hintergrund. So wie damals,

n der Zeit der Großen Koalition, als von der Regierung
er Satz gesagt wurde: „Wir garantieren die Sparein-
agen der Menschen in unserem Land“,


(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Da gab es noch einen ordentlichen Finanzminister!)


o geht es auch jetzt darum, Zukunftschancen für unser
and und die Menschen in unserem Land zu garantieren.
m nicht mehr, aber auch um nicht weniger geht es.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Da hatten Sie noch die SPD! Und jetzt stehen Sie da mit Ihrem Wunschkoalitionspartner!)


Wir können in dieser schwierigen Situation tatsäch-
ich handeln.


(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Machen Sie doch mal!)


ie Bundesregierung hat klar und deutlich gesagt, was
ie tun wird. Die Regierungskoalition unterstützt die
undesregierung. Ich würde mich natürlich darüber

reuen, wenn dieses Parlament in einer so schwierigen
ituation – der Präsident der EZB, Trichet, sagt, es sei
ie schwierigste Situation nach dem Zweiten Weltkrieg
n Deutschland – zeigen könnte, dass es gemeinsam die
erausforderung annimmt.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ja unverschämt! Wir treiben Sie schon seit Wochen und Monaten! – Joachim Poß [SPD]: Wenn die Voraussetzungen gegeben sind!)


er Euro ist nicht der Euro der Regierungskoalition. Der
uro ist unsere Währung, und wir tragen miteinander
erantwortung dafür, dass dieser Euro stabil bleibt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht!)






Volker Kauder


(A) )


)(B)

Es gibt Situationen in unserem Land, wo auch aus der
Opposition heraus Verantwortung übernommen werden
muss.


(Joachim Poß [SPD]: Machen wir! – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fragen Sie mal Herrn Fricke! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie das der Kanzlerin!)


Wir haben in der Opposition, wenn es um Schicksalsfra-
gen unseres Landes ging, beispielsweise beim Einsatz
der Bundeswehr, aus der Opposition heraus die Regie-
rung unterstützt und diese Maßnahmen mitgetragen. Ich
würde mir wünschen, dass jetzt auch die SPD-Bundes-
tagsfraktion diese Verantwortung wahrnehmen würde.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Wir wissen, dass dieses Programm ein ambitioniertes
Programm ist, und man kann natürlich darüber reden, ob
es eine Alternative dazu gibt. Aber wir sind felsenfest
davon überzeugt, dass eine Alternative zu dem, was wir
heute vorschlagen, eine schlechtere Lösung wäre. Herr
Kollege Steinmeier, Ihrer Rede habe ich entnommen,
dass Sie diese Aussage mittragen, dass auch Sie der Auf-
fassung sind, dass das, was hier gemacht wird, richtig ist
und Sie nur um Zustimmung ringen, weil Sie erwarten,
dass das eine oder andere von der Regierung klar und
deutlich zugesagt wird. Ich sage Ihnen noch einmal, was
ich am Freitag der letzten Sitzungswoche schon einmal
gesagt habe: Wir werden Ihnen klar sagen, was wir ma-
chen.


(Bettina Hagedorn [SPD]: Da warten wir drauf!)


Ich sage Ihnen aber auch: Wenn ich der Meinung bin,
dass das, was jetzt vorgeschlagen wird, richtig ist, dann
muss ich doch unabhängig von anderen Fragen die Zu-
stimmung dazu geben. Wenn etwas richtig ist, dann ist es
richtig, dann muss man auch Ja sagen, Herr Steinmeier,
und Sie haben gesagt: Es ist richtig.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wir wollen natürlich auch, dass die Bürgerinnen und
Bürger in unserem Land wissen, dass nicht ausschließ-
lich der Staat und die Steuerzahler mit Bürgschaften für
die Stabilität eintreten, sondern auch diejenigen an den
Kosten beteiligt werden, die als Spekulanten mit dazu
beigetragen haben, dass die Situation so schwierig ge-
worden ist. Deshalb sagen wir: Wir fordern die Bundes-
regierung auf, dass sie europaweit, am besten global eine
Finanzmarktsteuer einführt. Wir sagen: Die Trans-
aktionsteuer oder die Finanzaktivitätsteuer, eine von bei-
den muss neben der von uns bereits beschlossenen Ban-
kenabgabe kommen.


(Mechthild Rawert [SPD]: Welche? – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Welche denn nun?)


Herr Kollege Steinmeier, die Bundeskanzlerin hat an
diesem Rednerpult ausdrücklich gesagt, dass sie sich da-

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(C (D ür einsetzen wird, dass dieses auch so geschieht, der undesfinanzminister hat das ebenfalls zugesagt. Die undesregierung hat eine klare Zusage gemacht; dafür agen wir herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir dürfen
ber nicht übersehen – ich glaube, da sind wir uns alle
inig –, dass die Ursache für diese schwierige Situation
icht die Spekulanten sind. Aber die Spekulanten haben
n der Schraube gedreht. Deswegen müssen auch sie he-
angezogen werden, deswegen brauchen wir Kontrollen,
eswegen muss die Regulierung bei Hedgefonds intensi-
er und dichter werden als bisher. Man kann Wolfgang
chäuble nur dafür danken, dass es gelungen ist, über
as Votum der Briten hinweg zu erreichen, dass auch
edgefonds reguliert werden. Das ist ein großartiger Er-

olg.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Es ist auch richtig – und zeigt im Übrigen die Hand-
ungsfähigkeit dieser Regierung –, dass die Leerverkäufe
eit Mitternacht verboten sind und damit ein Teil der Spe-
ulationsmöglichkeiten abgeschafft worden ist. Diese Re-
ierung und diese Koalition handeln, sie machen genau
as, was in der konkreten Situation richtig und möglich
st.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Die Bundeskanzlerin hat zu Recht darauf hingewie-
en, dass wir mit diesen ganzen Maßnahmen, die von
en Summen her nicht nur den Menschen in diesem
and, sondern auch uns gigantisch erscheinen, nur dann
rfolg haben werden, wenn wir das Übel an der Wurzel
acken: Das ist die hohe Staatsverschuldung, die wir
berall haben.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


uch wir in der Bundesrepublik Deutschland haben mit
er Neuverschuldung von über 80 Milliarden Euro, die
ir in diesem Jahr zu verantworten haben, ein schweres
aket zu tragen. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen,
ir wissen doch alle, warum wir das getan haben: Wir
ussten Schutzschirme für die Sparerinnen und Sparer,

ür die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für die
ittelständische Wirtschaft aufspannen. Ich kann nur sa-

en: Am Aufspannen dieser Schutzschirme war die SPD
n der Großen Koalition beteiligt. Die neue Koalition hat
ichtige Maßnahmen ergriffen und fortgeführt. Wir ha-
en dadurch verhindert, dass aus Kurzarbeit Arbeits-
osigkeit wird. Wir sind besser durch die Krise gekom-

en als viele andere in Europa. Dafür hat sich der
insatz dieser Mittel gelohnt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Jetzt geht es darum, die Konsolidierung durchzufüh-
en. Das wird kein einfacher Weg. Wir müssen den Men-
chen sagen, dass wir für die Zukunftsfähigkeit unseres
andes, für die Zukunft der jungen Generation die Kon-





Volker Kauder


(A) )


)(B)

solidierung durchführen müssen. Die Botschaft muss
sein – auch an viele draußen in der Welt, die uns man-
ches gar nicht mehr zutrauen –, dass wir es organisieren
können und werden, dass auch in einer älter werdenden
Gesellschaft jugendliche Dynamik steckt. Das muss er-
reicht werden.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Deswegen bleiben Forschung, Bildung und Innovation
trotz Konsolidierung des Haushalts zentrale Themen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wir werden im weltweiten Wettbewerb getrieben
von Staaten wie China und Indien. Diesen Wettbewerb
werden wir bestehen. Wir brauchen dazu eine qualifi-
ziert ausgebildete junge Generation. Wir brauchen dazu
jeden, der in diesem Land lebt. Deswegen geht es bei
Bildung auch um Integration. Wir haben in der Integra-
tion noch nicht das erreicht, was notwendig ist; aber wir
werden dies mit unseren Maßnahmen für Bildung, Inno-
vation und Forschung vorantreiben.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was sagt Herr Koch dazu?)


Durch die Entscheidung, die wir in dieser Woche fäl-
len, wird viel über die Zukunftsfähigkeit in diesem Land
ausgesagt werden. Wir wissen, dass diese für uns alle
nicht einfach ist, und wir wissen, dass wir den Bürgerin-
nen und Bürgern auch erklären müssen, warum wir so
handeln. Wir können das erklären: Es geht um die Stabi-
lität unserer Währung, unserer Grundlage und unserer
Zukunft und auch um den Erhalt Europas.

Ich gehöre einer Generation an, die nach einem gräss-
lichen Krieg und einer verbrecherischen Diktatur in
Deutschland zum ersten Mal in Frieden aufwachsen
durfte. Ich habe allen Grund, diesem Europa jenseits von
Angebot und Nachfrage, jenseits von Cent und Euro,
Dank dafür zu sagen, dass dieses Europa die größte Frie-
denssicherung nach dem Zweiten Weltkrieg geworden
ist.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Deshalb sollten wir alle miteinander Interesse daran ha-
ben, dieses Europa trotz der Schwierigkeiten, die wir
jetzt überwinden müssen, in eine gute Zukunft zu führen.

Es mag banal klingen, aber trotzdem ist es eine ganz
einfache Aussage: Jede Generation ist in eine bestimmte
Aufgabe hineingestellt. – Wir haben jetzt die Aufgabe,
den Euro zu stabilisieren und zu retten und die Zukunft
Europas zu gestalten. An der Bewältigung dieser Auf-
gabe sollten wir alle in diesem Haus uns beteiligen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Joachim Poß [SPD]: Eine Rede der Verlegenheit! Ausdruck der Verlegenheit und Unklarheit in dieser Koalition! Keine konkreten Angebote!)


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(C (D Nächster Redner ist der Kollege Jürgen Trittin für die raktion Bündnis 90/Die Grünen. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe rau Bundeskanzlerin, hinsichtlich eines Befundes will ch Ihnen zustimmen. Sie haben gesagt, die gegenwärige Krise des Euro sei die größte Bewährungsprobe, ie Europa seit Jahrzehnten zu bestehen habe. – Das ist ichtig. Ich kann Ihnen deshalb aber eine einfache Frage icht ersparen: Warum musste erst der US-Präsident arack Obama am 7. Mai 2010 bei Ihnen anrufen, damit ie diese Krise bemerken? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Norbert Barthle [CDU/CSU]: So ein Unsinn!)

Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704201600
Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704201700

Es wäre leicht, an dieser Stelle zu sagen, es habe viel-
eicht an der NRW-Wahl gelegen. Das wäre auch richtig,
ber der andere Teil der Wahrheit ist: Obama hat auch
ei Nicolas Sarkozy angerufen. – Deswegen stehen wir
or einem, wie ich finde, erschreckenden Befund. Wir
ind nicht nur in einer großen Krise dieses Europas, son-
ern wir haben auch den Ausfall der klassischen Füh-
ungsmächte dieses Europas zu konstatieren: den Ausfall
eutschlands und den Ausfall Frankreichs.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Was hätte es denn geheißen, dieser Krise entgegenzu-
irken? Sie hätten all das machen müssen, wofür Sie

ich jetzt, Frau Homburger, Herr Kauder, beginnen, auf
ie Schulter zu klopfen.

Seit gestern Nacht sind ungedeckte Leerverkäufe von
taatsanleihen in Deutschland verboten. Warum erst seit
estern? Warum haben Sie diese in unserem Land über-
aupt wieder zugelassen?


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


Seit gestern liegt ein Regelungsvorschlag des Rates
ur Regelung von Hedgefonds vor, der mit Mehrheit im
at beschlossen wurde. Warum erst seit gestern? Die
ehrheit, die es dafür gab, gab es auch schon vorher.
ber bisher war Deutschland nicht bereit, sich an dieser
ehrheit zu beteiligen. Das ist die Wahrheit.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Volker Kauder [CDU/ CSU]: Das stimmt doch gar nicht! Das ist falsch!)


Frau Bundeskanzlerin, ich wäre an Ihrer Stelle vor-
ichtig mit einem Zwischenruf, in dem jemand der Un-
ahrheit geziehen wird. Sie müssten dem Hohen Haus
ann auch erklären, worin in der Frage einer europäi-
chen Finanzmarktaufsicht die Differenz besteht. Wa-
um kommen der Rat, also die Regierung, und das Euro-
äische Parlament hier nicht zu einer gemeinsamen
chlussfolgerung?





Jürgen Trittin


(A) )


)(B)

Es gibt viele Gründe. Ein Grund soll aber sein, dass
die deutsche Bundesregierung im Rat Maßnahmen der
europäischen Finanzaufsicht gegenüber deutschen Be-
hörden ablehnt. Das wäre aber eine zahnlose Finanzauf-
sicht. Deswegen sollten Sie sich an die eigene Nase fas-
sen, bevor Sie in dieser Frage auf das Europäische
Parlament verweisen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Das Ganze hat zu einem beispiellosen Schlingerkurs
geführt. Noch am 9. Mai haben Sie persönlich in diesem
Hause in namentlicher Abstimmung alle Anträge der
Grünen, der SPD und der Linken für die Einführung ei-
ner Finanzmarkttransaktionsteuer abgelehnt. Zwei
Tage später haben Sie in Brüssel einem Ratsbeschluss
zugestimmt, in dem es heißt, die Möglichkeiten einer
globalen Transaktionsteuer sollten nun geprüft werden.
Heute legt uns die Koalition einen Gesetzentwurf vor,
der besagt: Wir wissen nicht recht, ob wir eine neue Um-
satzsteuer oder Einkommensteuer einführen wollen, aber
wir schreiben irgendwas hinein. – Das ist das Gegenteil
von Führung und Handeln.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Wenn Sie diese Krise bekämpfen wollen, dann brau-
chen Sie eine Finanzmarkttransaktionsteuer. Sie ist ziel-
genau, und anders als die Aktivitätsteuer ist sie auch in
der Lage, die Volumina zu generieren, die Sie brauchen,
um endlich mit solchen Krisen fertig zu werden. Hören
Sie auf, mit Peanuts auf Krisenfragen zu antworten!


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Mag sein, dass Sie das nicht gerne von Grünen hören.
Aber Sie sind nicht einmal mehr in der eigenen konser-
vativen Parteienfamilie wirklich in der Mehrheit. Hören
Sie doch auf Magister Josef Pröll, den österreichischen
Finanzminister, der sich für eine europäische Finanz-
markttransaktionsteuer einsetzt!


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Weltweit!)


– Nein, er möchte eine europäische, und zwar klar und
deutlich.

Hören Sie doch auf Ihren christdemokratischen Par-
teifreund Jean-Claude Juncker, der als Vorsitzender der
Euro-Zone sagt: Wir brauchen diese europäische Finanz-
markttransaktionsteuer, weil ohne sie international
nichts geht! Fangen Sie also an, in Europa zu handeln,
damit sich auch international endlich etwas bewegt! Das
ist die richtige Reihenfolge.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Hören Sie auf, Deutschland permanent in eine Son-
derrolle zu drängen! Da sind wir nämlich inzwischen.
Fragen Sie sich doch einmal, warum aus Europa 2020

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(C (D ichts wird! Daraus wird nichts, weil diese Bundesregieung europäische Bildungsstandards europaweit blokiert. Das kann ich verstehen, wenn ich Herrn Koch in einen Reihen habe. Aber es ist nicht europäisch, und es st nicht zukunftsgewandt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Es ist diese Bundesregierung, die bei Europa 2020
uropäische Standards bei der Armutsbekämpfung blo-
kiert. Auch das kann ich verstehen, wenn ich Menschen
ie die in der FDP in meinen Reihen habe, denen die
oteliers wichtiger sind als die Armen in diesem Lande.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der FDP: Frechheit!)


Aber eine vernünftige europäische Politik ist das
icht. Mit dieser Haltung haben Sie sich mittlerweile in
ieselbe Situation gebracht wie ein Kind, das bockig in
er Ecke sitzt und regelmäßig dazu gebracht werden
uss, mitzuspielen. Ich finde, das ist der größten Nation,

em größten Mitgliedsland innerhalb der Europäischen
nion nicht angemessen. Wir müssen endlich wieder ge-
einsam mit den anderen Mitgliedstaaten Europa gestal-

en und aus der Ecke der Bockigkeit herauskommen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)



Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704201800

Herr Kollege Trittin, gestatten Sie eine Zwischen-

rage des Kollegen Barthle?


Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704201900

Bitte.


Norbert Barthle (CDU):
Rede ID: ID1704202000

Herr Kollege Trittin, Sie haben gerade mehrfach die

DU/CSU-FDP-geführte Bundesregierung angegriffen,
uerst mit der Aussage, dass eine Kontrolle der Finanzen
urch die Europäische Kommission von der Regierung
icht zugelassen werde, danach sind Sie auf die europäi-
chen Standards eingegangen. Gestehen Sie mir zu, dass
ie Bundesregierung im Auftrag dieses Parlaments han-
elt und dass dieser Auftrag schon in den vergangenen
egislaturperioden an die Regierung gerichtet wurde?


Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704202100

Lieber Herr Kollege Barthle, mir kommt es fast vor,

ls hätten Sie den weiteren Verlauf meiner Rede anti-
ipativ vorweggenommen. Das freut mich für Sie. Aber
s wird für Sie am Ende außerordentlich unangenehm.


(Zurufe von der CDU/CSU und der FDP: Oh! Oh!)


enn Sie haben Deutschland mittlerweile nicht nur in
er europäischen Politik in die Isolation geführt. Die
undesregierung hat mit dem Vorgehen, das sie an die-

er Stelle praktiziert hat, nichts anderes gemacht, als ge-
en das Grundgesetz zu verstoßen.





Jürgen Trittin


(A) )


)(B)


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Alles deutsche Interessen!)


– Lieber Herr Kollege, das Grundgesetz steht nie im Wi-
derspruch zu deutschen Interessen. Es ist die Grundlage
deutscher Interessen, wenn ich mir diese Bemerkung er-
lauben darf.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)


Sie haben einfachgesetzliches Recht gebrochen, und
Sie haben sich auf eine Vertragsregelung der Europäi-
schen Union berufen, auf die Sie sich nicht hätten beru-
fen dürfen. Ich will Ihnen das gerne durchbuchstabieren,
wenn Sie wollen.


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Ein bisschen mehr Bescheidenheit!)


Ich verweise auf Art. 23 des Grundgesetzes. – Herr Kol-
lege Barthle, ich bin noch immer bei der Beantwortung
Ihrer Frage. Sie haben gesagt, die Bundesregierung han-
dele im Auftrag des Bundestages.


Dr. Norbert Lammert (CDU):
Rede ID: ID1704202200

Herr Kollege Trittin, da Sie freundlicherweise darauf

hingewiesen hatten, dass das ohnehin ein Bestandteil Ih-
rer sorgfältig vorbereiteten Rede ist,


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


setze ich das Einvernehmen des Plenums voraus, dass
sich der Kollege Barthle setzen darf und Sie im Rahmen
Ihrer Redezeit Ihre Ausführungen vervollständigen.


(Beifall bei Abgeordneten der FDP)



Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704202300

Der Kollege Barthle geht also wieder in den Sitz-

streik, okay.

Art. 23 des Grundgesetzes ist völlig eindeutig. Vor
dem Setzen von Rechtsakten im Rat ist der Deutsche
Bundestag zu befassen. Dies ist bei der infrage stehen-
den Rechtsverordnung nicht geschehen. Die nachträgli-
che Unterrichtung der Fraktionsvorsitzenden ist keine
Befassung des Deutschen Bundestages.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Daher sage ich Ihnen: Sie haben das Recht und die Ver-
fassung mit Ihrem Vorgehen gebrochen. Sicherlich
musste man schnell handeln. Ich bin bereit, mit Ihnen
darüber zu diskutieren, wie man künftig mit solchen Fäl-
len umgehen soll. Ich bin hier für jedes Gespräch zu ha-
ben. Aber es geht nicht, dass Sie, nachdem Sie diesen
Rechtsbruch begangen haben, dieses Hohe Haus, den
Deutschen Bundestag, mit weiteren Zumutungen belästi-
gen. Sie erwarten von uns, dass wir eine Kreditermächti-
gung in Höhe von über 148 Milliarden Euro erteilen.
Das entspricht fast dem Volumen eines halben Bundes-
haushaltes. Auf die Frage, wie dieses Geld ausgegeben
werden soll, haben wir gestern vom Bundesfinanzminis-
ter ein Term Sheet als Antwort bekommen, ein einseiti-

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(C (D es Blatt Papier mit den geplanten Konditionen. Das ist ichts anderes als eine unverbindliche Absichtserkläung, in der darauf verwiesen wird, dass man eine weckgesellschaft nach luxemburgischem Recht grünen möchte. Ich bin froh, dass es wenigstens keine iechtensteiner Stiftung ist. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


ber ganz im Ernst – das sage ich besonders an die
dresse der Parlamentarier auf der Regierungsseite –:
önnen Sie sich ernsthaft vorstellen, 148 Milliarden
uro auszugeben, ohne dass Sie das Vertragswerk ken-
en und geprüft haben? Ich kann mir das als Parlamenta-
ier nicht vorstellen. Ich wünsche mir auch aufseiten der
egierung Parlamentarier, die sich dies nicht vorstellen
önnen.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


as Parlament ernst zu nehmen, hieße, dies zusammen
it dem Deutschen Bundestag zu machen, anstatt mit ei-

em solchen Verfahren weiter fortzuschreiten.

Ich erwarte von Ihnen auch, dass bei der Freigabe der
inzelnen Mittel ein Missstand beseitigt wird, der ge-
adezu absurd ist. Wenn Sie das Recht der Beteiligung
es Bundestages ernst nehmen, dann kann der Deutsche
undestag zu jeder Kreditermächtigung über die 60 Mil-

iarden Euro EU-Mittel künftig einen Vorbehalt einle-
en. Das haben wir gemeinsam so geregelt. Aber zu den
48 Milliarden Euro werden wir lediglich unterrichtet,
enn nichts anderes dem entgegensteht. Alle Viertel-

ahre darf dann Alex Bonde prüfen, ob Sie das Ganze or-
entlich rechnungsmäßig verbucht haben. Das, was Sie
ns mit diesem Vorschlag unterbreiten, ist eine Brüskie-
ung des Bundestages. Diese Brüskierung des Bundes-
ages kann auch von Ihnen nicht ernsthaft akzeptiert
erden.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Meine Damen und Herren, wenn Sie das tun wollen,
as die Bundeskanzlerin zu Recht gesagt hat, nämlich
ass Sie dieses Verfahren durchführen und dabei der
udgethoheit des Bundestages in vollem Umfang Rech-
ung tragen wollen – so ist das gesagt worden –, dann
üssen Sie erstens dafür sorgen, dass uns vor der Ent-

cheidung hier im Bundestag dieser Vertrag vorgelegt
ird, und Sie müssen zweitens dafür sorgen, dass der
undestag künftig entscheiden kann und nicht nur unter-

ichtet wird.


(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


rzählen Sie uns hier nicht, das sei wegen der Eilbedürf-
igkeit nicht machbar. Erstens. Die 60 Milliarden Euro
tehen schon jetzt zur Verfügung. Zweitens. Ohne
weckgesellschaft fließt sowieso kein Geld. Welchen
rund gibt es also, uns, bevor dieser Vertrag vorliegt, zu





Jürgen Trittin


(A) )


)(B)

nötigen, hier einen Gesetzentwurf zu verabschieden? Ei-
nen solchen Grund vermag ich nicht zu erkennen. Des-
wegen sage ich Ihnen: Ändern Sie das, tun Sie etwas in
dieser Richtung!


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


Meine Damen und Herren, Europa muss zusammen-
stehen. Die überschuldeten Staaten müssen eine Chance
für eine nachhaltige und sozial ausgewogene Konsoli-
dierung bekommen. Ja, wir brauchen Konsolidierung,
wir brauchen auch eine Koordinierung der Wirtschafts-
politik in Europa, wir brauchen streng regulierte Finanz-
märkte, wir brauchen eine Finanztransaktionsteuer. Wir
müssen konsolidieren, koordinieren und regulieren, wol-
len wir aus dieser Krise heraus. Das geht aber nur mit
dem Deutschen Bundestag und nicht gegen den Deut-
schen Bundestag.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704202400

Zu einer Kurzintervention erteile ich dem Kollegen

Volker Wissing das Wort.


Dr. Volker Wissing (FDP):
Rede ID: ID1704202500

Herr Kollege Trittin, Sie haben viel gesagt, Sie haben

viel Klein-Klein gesagt, Sie haben auch über die Finanz-
transaktionsteuer gesprochen, aber leider haben Sie
nichts über die Ursache der gegenwärtigen Krise gesagt.


(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hat Ihnen Frau Homburger die Redezeit gestohlen?)


Diese Krise ist nämlich im Kern eine Schuldenkrise. Ich
will Ihnen etwas über die Ursache dieser Schulden-
krise sagen, was Sie ruhig hätten ansprechen können.
Ich will aus einem Antrag der Fraktionen der SPD und
des Bündnisses 90/Die Grünen aus dem Jahr 2004 auf
Drucksache 15/3957 zitieren. Darin haben Sie damals
festgestellt, dass die Erfahrung mit der Anwendung des
Stabilitäts- und Wachstumspaktes zeige, dass eine An-
wendung der finanzpolitischen Regeln zu starr auf die
kurzfristige Einhaltung quantitativer Vorgaben ausge-
richtet sei.


(Joachim Poß [SPD]: Vernünftig! – Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Hört! Hört!)


Das war der Bruch des Stabilitäts- und Wachstumspak-
tes.


(Joachim Poß [SPD]: Nein, das war eine vernünftige Entscheidung!)


Hätten wir eine Finanztransaktionsteuer gehabt, wir
stünden genau da, wo wir heute stehen.


(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihr wollt sie doch nicht!)


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(C (D ätten wir diesen politischen Sündenfall von Rot-Grün icht gehabt, wir hätten keine Euro-Krise. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Joachim Poß [SPD]: Quatsch mit Soße!)


eswegen können Sie sich, Herr Kollege Trittin, zwar in
hrem Klein-Klein verlieren; Sie können aber die Verant-
ortung der Grünen nicht loswerden.


(Günter Gloser [SPD]: Eine Lachnummer ist das!)


Herr Kollege Trittin, nicht nur an dieser Stelle war auf
ie kein Verlass. Als wir früh erkannt haben, dass wir
ine neue Schuldenregel brauchen, und die Verfassung
ntsprechend geändert haben, haben die Grünen nicht
itgestimmt.


(Klaus Ernst [DIE LINKE]: Zu Recht!)


err Steinmeier hat heute gesagt, er kritisiere nieman-
en, der Einsicht zeige. Es stünde den Grünen gut an,
insichtig zu sein.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zurufe von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Oh! – Günter Gloser [SPD]: Die FDP bleibt kraftlos, saftlos wie immer!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704202600

Zur Beantwortung Kollege Trittin.


Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704202700

Meine Damen und Herren! Lieber Herr Wissing, Sie

aben völlig richtig zitiert. Wenn Sie sich selbst gegen-
ber ehrlich sind, dann sind auch Sie ganz froh darüber,
ass wir damals so entschieden haben. Denn wo wären
ie heute im Konflikt mit der Europäischen Kommission
ei einem Etat, der mit 80 Milliarden Euro plus ungefähr
0 Milliarden Euro verdeckten Schulden in Sonderver-
ögen der BaFin finanziert ist? Ich finde, dass man, bei

ller Ernsthaftigkeit, nicht den Weg der Verschuldung
ehen kann, wie es in Griechenland, Portugal und an-
erswo – auch, füge ich hinzu, in Deutschland – gesche-
en ist. Dagegen haben Sie von mir eben nichts gehört.

Aber es gibt einen weiteren Punkt, in dem der Ent-
chließungsantrag richtig ist


(Dr. h. c. Hans Michelbach [CDU/CSU]: Das war immer falsch!)


nd bei dem wir immer noch nicht weiter sind. In einer
emeinsamen Währungsunion kann es nicht unter-
chiedliche Wirtschaftspolitiken geben. Das ist der Kern.
ie können doch nicht ernsthaft glauben, Deutschland
önne auf Dauer in Saus und Braus leben


(Zuruf von der SPD)


ja, so will auch ich es nicht formulieren –, davon profi-
ieren, dass es Güter in Länder verkauft, in denen eine
berbordende Nachfrage kreditfinanziert vorhanden ist.
as war jahrelang der Fall. Wir brauchen also nicht nur

ine Kultur der Stabilität, sondern wir brauchen auch
ine veränderte Wirtschaftspolitik in Europa. Wir





Jürgen Trittin


(A) )


)(B)

müssen endlich dahin kommen, dass die Ungleichge-
wichte in Europa abgebaut werden. Das wird nicht allein
mit bloßem Sparen gelingen – auch das ist notwendig –,
sondern es wird nur gelingen, wenn zum Beispiel auch
die viel zu niedrige Binnennachfrage in Deutschland
endlich behoben wird, indem Geringverdiener einen ge-
setzlichen Mindestlohn bekommen wie im Rest Europas,


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


und dafür gesorgt wird, dass die Kaufkraft hier gestärkt
wird. Das ist das beste Konsolidierungsprogramm, das
ich mir vorstellen kann. Es spart nämlich Steuern.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD – Widerspruch bei der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704202800

Das Wort hat der Kollege Carsten Schneider von der

SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Carsten Schneider ist auch bei der Koalition!)



Carsten Schneider (SPD):
Rede ID: ID1704202900

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir

reden heute hier über ein sehr ernstes Thema. Ich hätte
mir gewünscht, dass die Bundeskanzlerin zu Beginn ih-
rer Regierungserklärung gesagt hätte, welche Erkennt-
nisse sie am Freitag vorletzter Woche vor der Abstim-
mung über die Griechenland-Hilfe hatte, die dazu
geführt haben, dass am Freitagnachmittag die Staats-
und Regierungschefs das Paket, das wir in dieser Woche
beschließen sollen, vorgelegt haben. Denn Sie haben
nicht am Freitagmorgen im Bundestag das Wort ergrif-
fen und uns an diesen Erkenntnissen teilhaben lassen. Im
Gegenteil, es war sogar so, dass Herr Fricke hier öffent-
lich der Vermutung, dass es eventuell mehr sein könne,
widersprochen hat – maximal 22,4 Milliarden Euro und
kein Cent mehr, hat er gesagt –, und Herr Bundesminis-
ter Schäuble in der Pressekonferenz am Donnerstag,
nachdem die Steuerschätzung veröffentlicht worden war,
mich mehr oder weniger als vaterlandslosen Gesellen
hingestellt hat, weil ich das infrage gestellt habe.

Frau Bundeskanzlerin, es geht bei diesem Gesetz um
die Euro-Stabilisierung. Das hat viel mit Vertrauen zu
tun. Vertrauen entsteht, glaube ich, nur, wenn die Regie-
rung klar sagt, was ist, uns an ihren Erkenntnissen teilha-
ben lässt und auch klare Lösungsvorschläge macht.


(Abg. Otto Fricke [FDP] verlässt seinen Platz – Zurufe von der SPD: Hierbleiben!)


All dies ist bisher nicht geschehen, im Gegenteil.

Wir haben hier viele Reden gehört. Die von Herrn
Kauder war die einzige seitens der Koalition, die wer-
bend war. Die FDP hat klar gesagt, sie wolle keine Zu-
stimmung der Opposition. Ich kann mir gut vorstellen,
warum. Weil sie sich nicht im Rahmen eines Entschlie-
ßungsantrages an die Frage binden will, wer die Zeche

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(C (D ür die hohen Schulden, die wir jetzt aufnehmen müssen, ahlt, ämlich die Spekulanten über die Finanztransakionsteuer. Das will sie nicht. Deshalb scheint sie unser ngebot nicht annehmen zu wollen. Man kann kein Vertrauen zu einer Regierung haben, ie heute hü und morgen hott sagt. Auf dem DGB-Buneskongress am Sonntag haben Sie gesagt: Wenn der GB die Finanztransaktionsteuer durchsetzt, dann erde ich mich dem nicht entgegenstellen. – Zwei Tage päter haben Sie gesagt: Ich werde natürlich dafür kämpen. – Das ist doch nicht ernst zu nehmen. Unser Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier at auf zwei Varianten hingewiesen, was das Geschehen m Freitag, als es um Griechenland ging, betrifft: Entweer haben Sie nicht gewusst, was in Brüssel passiert, und err Sarkozy hat die Agenda in Europa bestimmt, oder ie haben es gewusst und uns nicht die Wahrheit gesagt. elche Variante schlimmer ist, sei einmal dahingestellt. Ich hätte aber schon erwartet, dass Sie darüber aufkläen. Es ist richtig, dass es bei solch großen politischen ntscheidungen gut ist, wenn man eine breite Mehrheit m Parlament hat. Aber eine breite Mehrheit bedeutet, ass man die Ideen der Opposition einbindet. Dies beeutet, dass wir Vertrauen zu Ihrem Regierungshandeln m Europäischen Rat, im Ecofin haben müssen. Ich muss hnen ganz klar sagen: Ich habe kein Vertrauen zu mündichen Zusagen, sondern nur zu Dingen, die schwarz auf eiß auf dem Tisch liegen. as ist bisher nicht der Fall. Ich sage Ihnen ganz klar: Wir stehen zur Verfügung, enn Sie sich dazu bekennen, schriftlich mit uns festzu egen, dass es neben dem Rettungsschirm für die Staaten uch ein klares Bekenntnis dafür gibt, wer die Zeche ahlt, nämlich die Spekulanten über eine Finanztransktionsteuer. Es darf kein Oder und kein Ausweichen eben. Nur dann sind wir bereit, mitzumachen. Anderenalls ist das nicht zu akzeptieren. Herr Kauder hat vorhin gesagt, es sollte nicht so viel abelschau und rückwärtsgewandte Diskussionen geen. Das hat die FDP die ganze Zeit gemacht. Herr issing hat in diesem Zusammenhang ein Argument orgebracht, das den Stabilitätspakt betrifft. Nicht nur, ass Sie den heute mit einer Rekordneuverschuldung on 80 Milliarden Euro brechen würden. (Birgit Homburger [FDP]: Ich wäre ruhig an Ihrer Stelle! Die haben Sie verursacht!)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei der SPD)


hre Position bei der Einführung der Schuldenbremse im
origen Jahr war: Nullverschuldung. Was würden Sie
enn eigentlich tun, wenn Sie sich mit Ihrer Position der





Carsten Schneider (Erfurt)



(A) )


)(B)

Nullverschuldung durchgesetzt hätten? Hätten Sie dann
den Rentenzuschuss auf null gesetzt und die Beiträge zur
Sozialversicherung auf 30 Prozent erhöht? Das ist die
Wirtschaftspolitik der FDP.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Ich bin froh, dass wir damals im Rahmen des Stabili-
täts- und Wachstumspaktes zu einer antizyklischen
Vorgehensweise gekommen sind. Dieser bildet im Übri-
gen sehr genau die Schuldenbremse ab, der Sie zuge-
stimmt haben und die im Grundgesetz verankert wurde.
Es ist von Folgendem auszugehen: „close to balance or
surplus“, das heißt, in guten Zeiten einen ausgeglichenen
Haushalt zu schaffen und Überschüsse zu erwirtschaften.
Das ist europäisches Recht, das wir als Sozialdemokra-
ten gemeinsam mit den Grünen durchgesetzt haben. So
funktioniert in etwa die Schuldenbremse in Deutschland.
Ist Ihnen das eigentlich bekannt, oder geht es Ihnen nur
darum, die Schuld für Ihre Positionen einer fatalen Fi-
nanz- und Steuerpolitik in den vergangenen Jahren bei
anderen zu suchen?


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Ich finde, den Staaten an sich die Verantwortung für
die Finanzkrise und die Euro-Schwäche in die Schuhe zu
schieben, ist falsch.


(Bettina Hagedorn [SPD]: Ja!)


Man muss sich die Frage stellen: Warum ist es überhaupt
dazu gekommen? Wir hatten 2008 keinen überschulde-
ten Haushalt in Deutschland. Wir hatten einen ausgegli-
chenen Staatshaushalt. Haben Sie das vergessen?


(Beifall bei der SPD)


Wir haben eine Krise der Staatsfinanzen, weil wir uns
bereit erklärt haben, antizyklisch zu investieren, gegen
die Wirtschaftkrise nicht anzusparen und auf dem Fi-
nanzmarkt dafür zu sorgen, dass Stabilität herrscht und
nicht einzelne Banken zusammenbrechen. Das haben
wir gemeinsam – im Übrigen zusammen mit Ihnen – be-
schlossen.

Jetzt geht es darum, wieder langsam davon herunter-
zukommen. Ich finde es besonders dreist, dass Sie sich
hier als Hort der Stabilität darstellen.


(Bettina Hagedorn [SPD]: Ja!)


Was an Gesetzentwürfen haben Sie bis jetzt im Bundes-
tag vorgelegt? Es waren vier oder fünf. Einer betraf den
Bundeshaushalt 2010. Da haben Sie eine Rekordneuver-
schuldung beschlossen. Die hätte 10 Milliarden Euro
niedriger sein können,


(Bettina Hagedorn [SPD]: Richtig!)


wenn Sie nicht Ihr Wachstumsbeschleunigungsgesetz,
Ihr Klientelgeschenkegesetz, beschlossen hätten. Das ist
Fakt, und deswegen brauchen Sie sich gegenüber ande-
ren Ländern nicht als Sittenwächter, was die Haushalts-
politik betrifft, aufzuspielen. Sie sind das Gegenteil.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


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(C (D Ich will auf ein weiteres Thema zu sprechen kommen. ollege Trittin hat, wenn ich ihn richtig verstanden abe, vorgeschlagen, die Mittel in Höhe von 148 Miliarden Euro zu sperren. Wenn Herr Schäuble in der heuigen Ausgabe der FAZ richtig wiedergegeben ist, dann at auch er sich auf europäischer Ebene dafür eingesetzt, ass der Bundestag bei jeder Entscheidung ein Vetorecht ekommt. Ich greife diesen Vorschlag sehr gern auf. Ich alte die jetzige Veranschlagung nämlich für nicht tatreif, weil die Grundlage und die Bestimmtheit dieser ewährleistung nicht geklärt sind. Es ist unverantwortlich, dieses Geld jetzt blanko zu erteilen. Das geht meines Erachtens nicht. Deswegen chlage ich Ihnen vor: Lassen Sie uns diese Mittel heute m Haushaltsausschuss sperren. Sobald das Vehikel teht, sobald die Verträge da sind und sobald die ersten nfragen vorliegen, sind wir bereit, die Mittel binnen 4 Stunden freizugeben; auch bei dem Vorgehen, das Sie orschlagen, wären wir nicht schneller. Dann hätte der undestag ein Mitbestimmungsrecht. Das hielte ich für ichtig. Ich will auf meinen letzten Punkt zu sprechen komen: auf die Verunsicherung der Märkte hinsichtlich des uro. Retten wir hiermit eigentlich den Euro? Ich bin da ehr skeptisch. Wie wir wissen, ist der Wert des Euro in en letzten Wochen und Tagen gesunken. Ich glaube, ass das Paket zwar eine Beruhigungswirkung hat, dass s aber einen fatalen Fehler beinhaltet: den realen Anriff auf die Unabhängigkeit der Europäischen Zenralbank. Ich finde es bemerkenswert, dass die deutchen Vertreter dort, sowohl Herr Weber als auch Herr tark, überstimmt worden sind. Ich finde es auch bemerenswert, dass das Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, kein ort wert war. Ich denke, Sie als deutsche Bundeskanz erin hätten am Freitag und am Sonntag letzter Woche uftreten und die Unabhängigkeit der Europäischen Zenralbank vor dem Zugriff durch Präsidenten anderer groer Länder schützen müssen. Das ist offenbar nicht geungen. Das ist bedauerlich. enn es um Fragen der Stabilität geht, auf die Sie sich ja ern berufen, ist das geradezu grotesk. Ich fordere Sie uf: Sorgen Sie dafür, dass kein europäischer Nationaltaat Einfluss auf die Unabhängigkeit der Europäischen entralbank ausübt! Denn dann wäre der Inflation Tür nd Tor geöffnet. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Johannes Kahrs [SPD]: Gute Rede! – Volker Kauder [CDU/CSU]: Der richtige Satz kam ganz zum Schluss! Immerhin!)


(Beifall bei der SPD)


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704203000

Das Wort hat jetzt der Kollege Dr. Hans-Peter

riedrich von der CDU/CSU-Fraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)







(A) )


)(B)


Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU):
Rede ID: ID1704203100

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und

Herren! Ich möchte als Allererstes klarstellen: Herr
Trittin, zwei Behauptungen, die Sie hier aufgestellt ha-
ben, entsprechen nicht den Tatsachen.

Erstens haben Sie behauptet, die Verordnung der
Europäischen Union gemäß Art. 122 sei ohne die Zu-
stimmung und Beteiligung des Deutschen Bundestages
in Kraft gesetzt worden. Das ist nicht wahr. Am letzten
Wochenende sind die Einzelheiten dieser Verordnung
besprochen und konzipiert worden.


(Lachen des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Sie persönlich, Herr Trittin, wurden am Montagnachmit-
tag über Einzelheiten dieser Verordnung in Kenntnis ge-
setzt.


(Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt bestätigen Sie es ja noch!)


Erst am Dienstag ist diese Verordnung in Kraft getreten.
Ich kann mich nicht erinnern, dass einer der Partei- oder
Fraktionsvorsitzenden bei der Erörterung dieser Verord-
nung oder bei der Besprechung von Einzelheiten dieser
Verordnung widersprochen hat.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben es sogar schriftlich, Herr Kollege!)


Zweitens haben Sie behauptet, die deutsche Regie-
rung habe die Hedgefonds-Richtlinie auf europäischer
Ebene verschoben, behindert und verzögert. Auch dies
entspricht nicht den Tatsachen. Tatsache ist, dass die bri-
tischen Sozialisten zusammen mit den spanischen Sozia-
listen diese Richtlinie von der Tagesordnung des Ecofin-
Rates genommen haben. Deswegen konnten wir nicht
zustimmen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Jörg van Essen [FDP]: Die Sozialisten mal wieder!)


Meine Damen und Herren, ich glaube, wenn man
hört, was die Experten an den Finanzmärkten und in den
Zentralbanken sagen, kann man ohne Übertreibung sa-
gen: Vor zwölf Tagen stand Europa, vielleicht die ganze
Welt, vor einer zweiten Finanzmarktkrise. Als an dem
Freitag, als wir im Bundestag über die Rettung Grie-
chenlands bzw. über das Griechenland-Paket diskutiert
haben, die Börsen in den USA geöffnet haben, hat sich
herausgestellt, dass in Europa plötzlich keine Anleihen
der europäischen Nachbarländer mehr gekauft wurden
und dass es erste Störungen im Handel zwischen den
Banken gab, also genau das, was wir nach der Pleite von
Lehman Brothers im Jahre 2008 erlebt haben. Es gab
erste Symptome, die selbst nach Südamerika übergegrif-
fen und darauf hingewiesen haben, dass über diese
Finanzmarktkrise hinaus möglicherweise ein völliger
Zusammenbruch der Finanzmärkte in Europa bevor-
steht. Deswegen war es notwendig, dass Europa handelt,
und Europa hat gehandelt.

Nun wurde gesagt – Herr Steinmeier hat es vorhin in
seiner Rede angesprochen –: Noch als wir hier im Parla-

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(C (D ent waren, wurden draußen Dinge in die Wege geleitet. s wurde gefragt, was wir davon gewusst haben, ob es inen Zusammenhang gab zwischen den Entscheidungen u Griechenland und dem, was die Märkte draußen geacht haben. Ja, ich glaube, dass es einen solchen usammenhang gibt. Unsere Antwort auf die über Wohen und Monate betriebenen Versuche der Spekulanten, riechenland aus dem Euro-Raum herauszubrechen, ar: Wir Europäer lassen es nicht zu, dass ein Land das schwächste – herausgebrochen wird. Das war eines er wesentlichen Argumente: Wenn wir Griechenland etzt nicht helfen, dann werden die Märkte als Nächstes egen Portugal, Spanien und andere vorgehen. Es hat ich bestätigt, dass es richtig war, klarzumachen, dass uropa, die Euro-Zone, nicht bereit ist, die schwäche en Mitglieder auf der Strecke zu lassen und den Finanzärkten auszusetzen. Dann haben die Finanzmärkte etwas gemacht, was aus rer Sicht logisch und konsequent war: Sie haben Europa sgesamt – den gesamten Verbund – angegriffen. Das ahm am Freitag seinen Anfang und hätte am Montag zur atastrophe geführt, wenn Europa nicht geantwortet ätte. Europa hat geantwortet. Die Antwort lautet: Wir tellen euch Spekulanten den kompletten Block der olkswirtschaftlichen Kraft Europas entgegen. Diese ntwort findet ihren Ausdruck im geplanten 750-Mil iarden-Euro-Schutzschirm. Es ist die richtige Antwort uf die Versuche der Spekulanten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Meine Damen und Herren, jetzt ist es wichtig, dass
ir gemeinsam die Antwort geben: Wir sind bereit, un-

ere Währung, den Euro, zu verteidigen. Wir dürfen da-
ei die Grundprinzipien der Währungsunion, die Theo
aigel und Helmut Kohl mit dem Stabilitätspakt konzi-

iert haben, nicht aufs Spiel setzen. Es gehört zu den
rundprinzipien, mithilfe der Kriterien der Nettoneuver-

chuldung im Laufe eines Haushaltsjahres und der
esamtverschuldung die Stabilität unserer Volkswirt-

chaften insgesamt und die Seriosität der öffentlichen
aushalte im Euro-Raum zu sichern.


(Volker Kauder [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


Wir stellen fest, dass der Stabilitätspakt zwar auch in
einen Einzelheiten richtig ist, aber bei der Frage der
urchsetzung der einzelnen Aspekte noch keine ausrei-

hend scharfen Regelungen getroffen sind. Das wird
achgeholt; diesen Auftrag hat die Bundesregierung auf
en Weg nach Brüssel mitbekommen. Dort wird daran
earbeitet, die Überwachung durch Eurostat und die
uropäischen Aufsichtsbehörden zu verbessern sowie
in Frühwarnsystem einzuführen. Zudem wird ein auto-
atisches Defizitverfahren auf den Weg gebracht, das es

nmöglich macht, dass politisch Einfluss genommen
ird und Sanktionen abgewendet werden – das ist 2005
nter rot-grüner Regie geschehen; das muss in Zukunft
ermieden werden –, wenn ein Defizitsünder in Brüssel
uf die Anklagebank gesetzt wird.

Wir brauchen Sanktionen, die schon im Vorfeld
nicht erst, wenn das Land schon völlig überschuldet ist –





Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof)



(A) )


)(B)

wirksam sind: Aussetzung von Stimmrechten oder Sper-
rung bestimmter europäischer Mittel und Zuschüsse,
wenn sich ein Land nicht ordentlich verhält.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wir haben in diesem Haus mit der Unterstützung der
SPD und der FDP unter Federführung der Koalitions-
fraktion der CDU/CSU die Schuldenbremse ins Grund-
gesetz geschrieben. Mit dieser Schuldenbremse haben
wir per Verfassung das Haushaltsrecht künftiger Parla-
mente auf Seriosität beschränkt. Das war ohne Frage ein
sehr weitgehender Schritt, der sich auf die strukturelle
Verschuldung richtet und zugleich Möglichkeiten lässt,
konjunkturell zu reagieren. Der Mechanismus, der jetzt
im Grundgesetz steht – Herr Poß, er wurde von uns
gemeinsam vereinbart –, nimmt die Kriterien des euro-
päischen Stabilitätspakts in unser Grundgesetz auf. Des-
wegen ist die deutsche Schuldenbremse sofort, unver-
züglich auf andere Länder in Europa übertragbar. Ich
denke, das ist ein wichtiges Thema, über das wir reden
müssen; denn – es wurde hier mehrfach angesprochen –
das Grundübel, mit dem wir es zu tun haben, ist doch die
Verschuldung der öffentlichen Haushalte in ganz Europa
und darüber hinaus.

Jeder weiß: Wer Schulden macht, macht sich von den-
jenigen abhängig, die das Geld verleihen. Man macht
sich von Geldgebern abhängig, die Bedingungen stel-
len. Das ist das Problem, vor dem wir stehen. Die Geld-
geber, die Finanzmärkte, stellen den Staaten jetzt Bedin-
gungen, so wie jeder Geldgeber seinem Schuldner
Bedingungen stellt. Deswegen ändern wir als europäi-
sche Staaten die Bedingungen und machen deutlich: Wir
geben euch als europäischen Partnern Kredite, die euch
die Finanzmärkte zu unzumutbaren Bedingungen geben
würden, aber wir knüpfen das an politische Bedingun-
gen.

Was sind diese politischen Bedingungen? Erstens.
Wir wollen, dass der IWF – der weiß, wie man mit Staa-
ten umgeht, wenn ein Staat Geld braucht – ein Sanie-
rungsprogramm vorlegt, das auch durchgesetzt wird.
Kredite dürfen nur dann Zug um Zug bereitgestellt wer-
den, wenn es Fortschritte bei der Sanierung gibt. Lassen
Sie mich ein Beispiel vom Wochenende nennen. Spanien
und Portugal wurde deutlich gemacht: Sie müssen sofort
handeln, sonst kommen sie nicht unter den Schirm. Was
war das Ergebnis? Die Spanier haben sofort gehandelt
und ein Sanierungsprogramm in Höhe von 15 Milliarden
Euro auf den Weg gebracht. Ich habe großen Respekt vor
den Regierungen, die diese Maßnahmen durchsetzen
müssen. Wir sollten sie in diesem Punkt unterstützen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wir brauchen einen Sonderbeauftragten für jedes
Land, das Kredite in Anspruch nimmt. Er muss den na-
tionalen Parlamenten, uns und auch dem Haushaltsaus-
schuss über den Fortschritt berichten, der in den jeweili-
gen Regionen erreicht wird.

Warum machen wir das? Warum zwingen wir insbe-
sondere unsere südeuropäischen Nachbarn dazu, Sanie-

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(C (D ungen durchzuführen? Warum zwingen wir sie zur Einaltung der Stabilitätskriterien? Doch nicht nur, weil wir nsere Kredite, falls sie in Anspruch genommen werden, urückgezahlt bekommen wollen, sondern weil die Leisungsfähigkeit jeder einzelnen Volkswirtschaft in Europa der griechischen, spanischen, italienischen usw. – den ert unserer Währung, des Euro, bestimmt. Deswegen üssen wir gemeinsam die betroffenen Länder stabili ieren. Das ist unsere Aufgabe. Das macht diese Bundesegierung. Meine Damen und Herren, es wird viel über die Eineziehung der Finanzmärkte gesprochen, weil die Ak eure auf den Finanzmärkten durch eine undurchsichtige erschleierung von Risiken dazu beigetragen haben, ass 2008 die Finanzmarktkrise mit allen Konsequenzen ür die Realwirtschaft eintreten konnte. Deswegen muss an auf den Finanzmärkten für Ordnung sorgen. Man uss den internationalen Finanzmärkten die Ordnung eben, die auf nationalen Märkten vorhanden ist. Dieser ufgabe stellen wir uns. Die Ratingrichtlinie und die erivaterichtlinie sind bereits auf dem Weg. Europa hanelt also auch in dieser Hinsicht. Wir haben in Deutschland beschlossen, eine Bankenbgabe zu erheben. (Carsten Schneider [Erfurt] [SPD]: Beschlossen ist sie noch nicht! – Joachim Poß [SPD]: Vage Eckpunkte, nicht mehr!)


ie dient dazu, insolvente Banken zu sanieren und künf-
ig dafür zu sorgen, dass durch Sanierungsprogramme
ine Systemgefährdung vermieden werden kann. Dafür
ollen wir keine Steuermittel verwenden, sondern Geld,
as die Banken vorher in einen Fonds einzahlen. Ich
alte das für die richtige Maßnahme.

Es ist wichtig, dass wir uns überlegen, wie wir auf in-
ernationaler Ebene den Risikohunger der Spekulanten
indämmen können. Was passiert? Es gibt dort Derivate
m Wert von mehreren Hundert Milliarden Euro, die mit
elativ geringen Renditen von einem Kontinent zum an-
eren überwiesen werden: von den USA nach Asien,
on Asien nach Afrika, von Afrika nach Südamerika und
ieder zurück an die Wall Street. Wenn wir nur eine mi-
imale Transaktionsteuer für diesen Transfer von Hun-
erten von Milliarden Euro erheben, dann haben wir den
isikohunger gehemmt, weil bereits ein minimaler Steu-
rsatz ausreichen würde, all diese Transaktionen unren-
abel zu machen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP, der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Bettina Hagedorn [SPD]: Erkenntnisgewinn! – Joachim Poß [SPD]: Aber hallo!)


ber hören Sie bitte auf, den Menschen in unserem
ande weismachen zu wollen, dass wir mit dieser Steuer
eutsche Steuerkassen füllen könnten.

Die Transaktionen von der Wall Street nach Tokio,
üdamerika und sonst wohin finden doch nicht in
eutschland statt. Erzählen Sie also den Leuten nicht,
ass sich bei uns die Kassen füllen. Wir müssen versu-





Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof)



(A) )


)(B)

chen, die Finanzhaie und die Spekulanten einzudämmen,
und dürfen den Leuten nicht erzählen, dass dort die eier-
legende Wollmilchsau gefunden wäre, die man anzapfen
könnte, sodass dann alle Probleme gelöst wären.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Joachim Poß [SPD]: Sie waren jetzt halb gut!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704203200

Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.


Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU):
Rede ID: ID1704203300

Ich komme zum Schluss, Herr Präsident.

Wir spannen einen Euroschutzschirm über unsere
Währung,


(Joachim Poß [SPD]: Was wollen Sie jetzt konkret? Wollen Sie die Steuer, oder wollen Sie sie nicht in Europa?)


aber auch über unsere Arbeitsplätze in Deutschland.
Diese Regierung ist dabei, eine dauerhafte Stabilität un-
seres Euros sicherzustellen.


(Joachim Poß [SPD]: Eiern Sie nicht weiter so rum!)


Darüber hinaus werden wir die Verschuldung in
Deutschland und in Europa beenden.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Joachim Poß [SPD]: Sagen Sie klar, was Sie wollen!)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704203400

Das Wort hat der Kollege Klaus Ernst von der Frak-

tion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Klaus Ernst (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704203500

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und

Herren! Ein wenig reibe ich mir bei dieser Debatte die
Augen. Am 17. Mai 2010 sagte unser Bundestagspräsi-
dent:

Spätestens vor anderthalb Jahren haben wir beim
drohenden Kollaps der internationalen Finanz-
märkte erkannt, dass wir Regelungen für zulässige
internationale Finanzgeschäfte durchsetzen müssen.

„Vor anderthalb Jahren haben wir … erkannt“! Wen
meint der Präsident des Deutschen Bundestages mit
„wir“? Offensichtlich nicht Sie von der Koalition, denn
Sie haben es nicht erkannt,


(Beifall bei der LINKEN)


sonst hätten wir heute nicht die Situation, dass wir im-
mer noch darüber reden: Gibt es jetzt eine Finanzmarkt-
transaktionsteuer oder nicht? Müssen wir regeln oder
nicht? – Die FDP würde am liebsten überhaupt nicht re-
geln. Die schwimmt ja nur mit dem allgemeinen Main-
stream mit. Das ist doch die Realität.

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(C (D Herr Köhler sagte am 29. April: Die Politik muss ihr Primat über die Finanzmärkte zurückgewinnen. Sie hat den Interessen der Finanzmarktakteure zu viel Raum ohne Regeln überlassen. Als Oskar Lafontaine das an diesem Tisch vor zwei ahren gesagt hat, hat sich hier keine Hand gerührt. Sie aben darüber nur den Kopf geschüttelt. Ich reibe mir auch deshalb die Augen, weil vor zwölf ahren der Rücktritt von Lafontaine auch damit zusamenhing, dass nicht einmal seine eigene Partei die Regu ierung der Finanzmärkte mitmachen wollte. Das ist die ealität! Und jetzt diskutieren wir endlich über das, was otwendig ist. Herr Friedrich, ich stimme Ihnen ausdrücklich zu. m 12. Mai haben Sie in der Süddeutschen Zeitung ge agt: Wir verlangen harte und umgehende Konsequenzen für die Regulierung der Finanzmärkte. Da stimmen wir Ihnen zu. Aber Sie sind eine Regieung und keine Appellierung. Sie müssen handeln und icht nur immer fordern, was die anderen zu tun haben. Vollkommen zu kurz in dieser Debatte kommt die rage nach den Ursachen für diese Krise. Da wird na ürlich von den Finanzmärkten gesprochen. Aber ich age Ihnen: Die eigentlichen Probleme haben wir als undesrepublik Deutschland zum großen Teil mitverur acht. Wir haben ein Gesetz zur Förderung der Stabilität nd des Wachstums der Wirtschaft von 1967. In diesem esetz steht, dass wir Maßnahmen zur Erhaltung des ge amtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu organisieren haen, vor allem der Bund und die Länder. Dort heißt es: Die Maßnahmen sind so zu treffen, daß sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen. Wo ist eigentlich das „außenwirtschaftliche Gleichgeicht“? Ist Ihnen entgangen, dass wir von 2000 bis 2008 ußenhandelsüberschüsse von circa 1,3 Billionen uro gegenüber anderen Ländern angehäuft haben? Was eißt das? Das heißt, wir verkaufen viel mehr, als wir mportieren. Das bedeutet natürlich, dass den Ländern, ie bei uns kaufen, irgendwann das Geld ausgeht, wenn ie nicht gleichzeitig ihre Waren oder Dienstleistungen n uns verkaufen können. Warum können sie nicht an uns erkaufen? Weil Sie diese Außenhandelsorientierung dait durchgesetzt haben, dass Sie bei uns permanent die öhne gedrückt haben, dass Sie bei uns permanent die rbeitsbedingungen so verschlechtert haben, dass die öhne billiger wurden. Im Ergebnis ist die bundes epublikanische Nachfrage natürlich nicht mehr so hoch, Klaus Ernst )


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)


(Beifall bei der LINKEN)





(A) )

um die Importe entsprechend gewährleisten zu können.
Das ist unser Problem. Das nehmen Sie nicht einmal zur
Kenntnis.

Das Ganze hätte nur funktioniert, wenn die Löhne bei
uns mit der wirtschaftlichen Entwicklung mitgehalten
hätten und wir aufgrund dieser Tatsache zum Beispiel
mehr griechischen Wein, spanische Oliven oder portu-
giesische Sardinen gekauft hätten, wenn wir also
tatsächlich dazu beigetragen hätten, mit unserer Kauf-
kraft Importe zu fördern. Das konnten wir nicht. Ihre
Lohnsenkungspolitik in der Bundesrepublik Deutsch-
land ist eine Ursache dafür.


(Beifall bei der LINKEN)


Die sinkenden Löhne sind verantwortlich für die Un-
gleichgewichte in Europa. Die deutschen Arbeitnehmer,
die deutschen Rentner, die deutschen Studenten und
auch die deutschen Arbeitslosen haben letztendlich das
finanziert, was bei den Exporteuren, bei den Unterneh-
men gelandet ist. Das ist unter anderem die Ursache für
die Ungleichgewichte in Europa.

Was machen Sie jetzt? Jetzt schlagen Sie vor, dass die
Länder bitte schön mehr sparen sollen als bisher. Wie
sollen die das machen? Jeder weiß, dass die Maßnah-
men, die Griechenland ergreifen muss, zusammen mit
unseren Forderungen dazu führen, dass das Wachstum in
Griechenland abstürzen wird. Jeder weiß, dass das, was
wir von Portugal und von Spanien fordern, dazu führen
wird, dass das Wirtschaftswachstum dort abstürzen
wird. Ebenso weiß jeder, dass das, was Sie den Grie-
chen, den Portugiesen und den Spaniern zumuten, auch
bei uns in der Bundesrepublik geplant ist. Auch bei uns
wollen Sie die Sanierung letztendlich auf diese Art und
Weise durchsetzen.


(Beifall bei der LINKEN)


Deshalb fordere ich an dieser Stelle von der Bundes-
regierung eine ganz klare Aussage zu folgendem Punkt:
Geben Sie eine Garantie ab, dass die Milliarden von Gel-
dern, die wir für die Rettung des Euro bereitstellen, nicht
durch Kürzungen bei den Sozialhaushalten in der Bun-
desrepublik Deutschland finanziert werden.


(Beifall bei der LINKEN)


Diese Garantie fordern wir von Ihnen. Geben Sie die Ga-
rantie nicht ab, dann wird offensichtlich das zur Realität,
was einige von Ihnen – zumindest sind sie ehrlich –
schon sagen. Herr Seehofer in Bayern sagt zum Beispiel,
eine Kürzung der Haushalte um 10 Prozent sei gar nicht
so schlecht. Herr Koch sagt: Gehen wir halt an die Bil-
dung oder an die Anzahl der Plätze in Kindertagesstät-
ten. Wenn Sie diese Garantie nicht abgeben, heißt das,
dass die Bürger Deutschlands zweimal für die Ungleich-
gewichte, die wir in Europa haben, zahlen. Sie zahlen
zum einen durch sinkende Löhne, durch sinkende Ren-
ten, durch sinkende Transfereinkommen, und sie zahlen
zum anderen durch die Zerstörung ihres Sozialstaates.
Da werden wir Linken nicht mitspielen.


(Beifall bei der LINKEN – Ernst Hinsken [CDU/CSU]: War es das jetzt? Um Gottes willen! Es ist gut, dass er aufgehört hat!)


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(C (D Das Wort hat jetzt der Kollege Leo Dautzenberg von er CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704203600


Leo Dautzenberg (CDU):
Rede ID: ID1704203700

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Mit dem

ntwurf eines Gesetzes zur Übernahme von Gewährleis-
ungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungs-
echanismus leisten wir den notwendigen Beitrag, den
uro zu stabilisieren und vor allen Dingen auch ein kla-

es Signal zu senden, dass die Euro-Länder gemeinsam
it der EZB den Euro gegen Angriffe verteidigen und

ereit sind, den Euro zu stabilisieren; denn er ist eine
ichtige Grundlage gerade für uns in Europa und für die

uropäische Zusammenarbeit.

Was die haushaltsmäßigen Implikationen anbelangt,
st schon vieles gesagt worden. Deshalb möchte ich mich
uf einige Bereiche des Finanzmarktes, auf die Regulie-
ung des Finanzmarktes und die Regulierung von
inanzprodukten konzentrieren. Herr Kollege Trittin,
as, was Sie eben zum Verbot von Leerverkäufen aus-
eführt haben, stimmt natürlich nicht. Die BaFin hat un-
edeckte Leerverkäufe in Aktien bei einigen wenigen
inanzinstituten im DAX verboten. Bisher hat es kein
erbot von Leerverkäufen für Staatspapiere gegeben.
ies ist jetzt mit der Veranlassung durch die BaFin seit
itternacht im Grunde zum ersten Mal auf den Weg ge-

racht worden, weil man erkannt hat, dass die Hebelwir-
ung in diesem Bereich gerade durch Leerverkäufe
ruck auf den Euro ausgeübt hat. Das war die erste
ichtige Maßnahme, die, getragen von den Bundestags-

raktionen, durch das Finanzministerium veranlasst wor-
en ist.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


on daher geht Ihr Vorwurf fehl, dass es falsch war, dies
ufzuheben. Die Aufhebung hing damals ausschließlich
it wenigen DAX-Werten von Finanzinstituten zusam-
en und stand nicht mit dem in Zusammenhang, was
ir jetzt betrachten.

Es ist unser Grundsatz, dass innerhalb der sozialen
arktwirtschaft Finanzmärkte und Finanzprodukte eine

ienende Funktion für die Wirtschaft, für die Volkswirt-
chaft und damit für die Menschen haben müssen. Auf
iesen Ursprung müssen wir vieles von dem zurückfüh-
en, was wir in der jüngeren Vergangenheit an angel-
ächsischen Finanzierungskulturen und Finanzpro-
ukten manchmal unreflektiert übernommen haben. Das
uss teilweise wieder geradegerückt werden. Damit fan-

en wir auf nationaler Ebene an.

Hier geht es um die Frage, wo die Ursachen für die
uro-Schwäche und für die Angriffe auf den Euro

iegen. Sie liegen im Grunde in der unsoliden Haushalts-
olitik vieler, fast aller Euro-Staaten. Das ist die eigentli-
he Ursache. Unsicherheiten sind auf den Finanz-
ärkten natürlich als Beschleuniger der Krise genutzt
orden. Das ist aber nicht die eigentliche Ursache. Im





Leo Dautzenberg


(A) )


)(B)

Zuge der Ursachenbekämpfung müssen wir natürlich
auch darangehen, den Finanzmarkt stärker zu regulieren.
Hierzu hat es in der Vergangenheit durch die Große Ko-
alition Maßnahmen gegeben. Diese Arbeit haben wir im
letzten halben Jahr in der christlich-liberalen Koalition
fortgesetzt.


(Joachim Poß [SPD]: Was denn? Angedacht! Nichts gemacht! Nur angedacht!)


– Sie müssen unser Eckpunktepapier zur Bankenregu-
lierung, zur Aufsicht, zur Bankenabgabe und zur Re-
strukturierung von Banken betrachten.


(Joachim Poß [SPD]: Alles Diskussionspapiere!)


– Kollege Poß, Sie werden sehen, dass Mitte des Jahres
schnellstmöglich die Gesetzentwürfe dazu vorliegen und
dann auch umgesetzt werden.


(Joachim Poß [SPD]: Wann denn?)


Das ist das Handeln dieser Regierung und dieser Koali-
tion.


(Beifall bei der CDU/CSU – Joachim Poß [SPD]: Am Sankt-Nimmerleins-Tag!)


Es war ein Erfolg unseres Finanzministers – Sie ha-
ben immer nur darüber geredet –, bei den Verhandlungen
in Brüssel am Montag einen Beschluss des Ecofin-Rates
zur Regulierung von Hedgefonds zu erreichen.


(Joachim Poß [SPD]: Das war das Verdienst von Juncker, nicht von Schäuble!)


Frau Kollegin Hendricks, Ihr Beitrag war der schlagende
Beweis dafür. Sie haben natürlich recht, dass wir in
Deutschland enge Normen haben. Wir haben das damals
gemeinsam getragen. Aber Sie sehen daran auch, dass
Alleingänge nicht zum Erfolg führen, weil diese Um-
sätze jetzt in London gemacht werden.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Wir müssen zumindest dahin kommen, dass diese Regu-
lierungsmaßnahmen auf europäischer Ebene stattfinden.


(Johannes Kahrs [SPD]: Vorher gibt es kein Geld!)


Es war ein erster Erfolg unseres Finanzministers, dass er
gestern erreicht hat, dass die Hedgefondsregelung von
der Kommission jetzt im Grunde für alle europäischen
Staaten auf den Weg gebracht wird.

Gleichzeitig hat er erreicht, dass die ursprüngliche
Absicht der Kommission, bezüglich der CDS-Produkte
auf europäischer Ebene erst im Herbst Vorschläge zu un-
terbreiten, überdacht wurde und das Vorhaben auf Juni
vorgezogen wird. Auch bei diesen Finanzprodukten, bei
dieser Problematik dürfen wir das Kind natürlich nicht
mit dem Bade ausschütten, sondern wir müssen sehen,
dass die Volumina, die rein spekulativ sind und keine
Beziehung mehr zum Grundgeschäft haben, eingedämmt
werden. Von daher kann das, was der Koalitionsaus-
schuss gestern beschlossen hat, der Auftrag an die Bun-
desregierung, sich jetzt auch auf europäischer und inter-

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(C (D ationaler Ebene für Finanzmarktsteuern auszusprechen, urchaus ein sinnvoller Beitrag sein. (Joachim Poß [SPD]: Das hat aber lange gedauert! Das hätten wir schon vor drei, vier Monaten haben können!)


s geht darum, dass wir keine nationalen Alleingänge
achen. Das muss zumindest im europäischen Konzert

bgestimmt werden; denn sonst haben Sie wiederum in
llen Bereichen Verwerfungen, die uns keinen sinnvol-
en Weg in die Zukunft zeigen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Bettina Hagedorn [SPD]: Es geht vor allem darum, dass sich die EU an die Spitze der Bewegung setzt!)


Vieles befindet sich also schon in der Pipeline. Was
atingagenturen anbelangt, haben wir vonseiten der
nion die Umsetzung der Richtlinie in der letzten Sit-

ungswoche beschlossen. Das ist ein erster Baustein,
on der europäischen Ebene aus Regulierung von Ra-
ingagenturen zu betreiben. Von daher sage ich: Viele
unkte, die hier kritisch angemerkt worden sind, haben
ir schon umgesetzt.

Was den gesamten Bereich der Regulierung – auch
as, was noch international abzustimmen ist – angeht, so
am eben der Vorwurf, mit diesen Maßnahmen würden
ir die Unabhängigkeit der EZB gefährden; das sei ein
ngriff auf die EZB.


(Johannes Kahrs [SPD]: So ist das!)


as Gegenteil ist der Fall: Wenn Sie das geschichtlich
ehen, werden Sie feststellen, dass es, als jedes Land
ine eigene Währung und eine eigene Notenbank hatte,
rundsätzliches Prinzip war, dass Angriffe, die auf das
and gerichtet waren, immer auch mit Notenbankpolitik
bgewehrt wurden. Deshalb ist es selbstverständlich,
ass auch die EZB den eigenen Währungsraum mit eige-
en Maßnahmen verteidigt. Das ist kein Sündenfall.


(Johannes Kahrs [SPD]: Sie verteidigen den Sündenfall auch noch!)


Was jetzt über den Ankauf von Staatsanleihen vom
ogenannten Sekundärmarkt bei der EZB vollzogen
ird, schafft zunächst einmal mehr Liquidität auf dieser
bene. Auf der anderen Seite schöpft die EZB diese Li-
uidität durch die Ausgabe von Papieren wieder ab, so-
ass der inflationäre Effekt, der hier vielleicht unterstellt
ird, im Grunde gar nicht entsteht.


(Johannes Kahrs [SPD]: Aber die Bonität der EZB ist in Gefahr!)


Wir haben mit diesem Gesetzentwurf eine Grundlage,
m den Euro kurzfristig zu stabilisieren.


(Johannes Kahrs [SPD]: Und ihn langfristig zu ruinieren!)


u dieser Verantwortung müssen wir stehen. Auf der an-
eren Seite haben wir unsere Regierung aufgefordert,
aßnahmen, die auf dem Gesetzesweg direkt umsetzbar

ind, jetzt umzusetzen. Von daher haben wir entschei-
ende Grundlagen, um diesem Gesetzentwurf nach un-





Leo Dautzenberg


(A) )


)(B)

seren Beratungen zuzustimmen und damit einen wesent-
lichen Beitrag zur Stabilisierung von Europa zu leisten.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704203800

Jetzt erteile ich dem Kollegen Norbert Barthle von

der CDU/CSU-Fraktion das Wort.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)



Norbert Barthle (CDU):
Rede ID: ID1704203900

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und

Herren! Wir haben in der letzten Sitzungswoche an die-
ser Stelle über das Rettungspaket für Griechenland
gesprochen und darüber abgestimmt. Die Koalitions-
fraktionen haben dem natürlich zugestimmt. Ange-
schlossen haben sich die Grünen; das ist aller Ehren
wert. Die SPD konnte sich nicht entscheiden, ob sie dem
zustimmen oder es ablehnen sollte; sie hat sich, wahr-
scheinlich mangels Führung, enthalten. Ich hoffe, am
Ende dieser Debatte kommt eine klare Richtung heraus.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Ich habe damals gesagt: Wenn wir dem Rettungspaket
für Griechenland nicht zustimmten, würden wir an die-
ser Stelle schon bald über Hilfsmaßnahmen mit noch
viel größeren Volumina zu entscheiden haben. Keiner
von uns hat geahnt, dass trotz der Zustimmung zum Ret-
tungspaket für Griechenland dieser Fall schon kurze Zeit
später eintreten würde.


(Johannes Kahrs [SPD]: Wir sind uns nicht so sicher, ob das keiner geahnt hat!)


Wir diskutieren über eine Kreditlinie von insgesamt
440 Milliarden Euro, mit einem deutschen Gewährleis-
tungsanteil von maximal 123 Milliarden Euro. Nur im
Worst Case, Herr Trittin, kann sich der deutsche Anteil
auf 148 Milliarden Euro erhöhen: wenn – darauf wird in
§ 1 Abs. 5 des Gesetzentwurfs verwiesen – ein unvor-
hergesehener und unabweisbarer Bedarf besteht. Erfor-
derlich ist dann aber die Einwilligung des Haushaltsaus-
schusses des Deutschen Bundestages.

Wir haben am Ende dieser Debatte darauf zu achten,
dass wir nicht zu viel über die Finanzmärkte reden. Das
würde die Kausalitäten auf den Kopf stellen, und damit
würden wir auch die Prioritäten nicht richtig setzen. Ich
denke, es geht bei dieser Debatte um die Finanzstabilität
der Währungsunion als Ganzes und damit im Kern um
Europa als Ganzes. Wir müssen in dieser Debatte in den
Vordergrund rücken, dass der Grundgedanke der euro-
päischen Integration auf dem Spiel steht.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Wesentliche Triebkräfte für die europäische Einigung
waren immer die Zugehörigkeit zu einer Wertegemein-
schaft, Friedenssicherung, Stärkung der nachbarschaftli-
chen Beziehungen, mehr Einfluss in der Außenpolitik,
mehr Einfluss in der Sicherheitspolitik. Das sind die

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(C (D rundkomponenten. Die europäische Gemeinschaftsährung sollte dann der krönende Abschluss des geeinsamen Marktes sein. Hier und heute entscheiden wir über nicht mehr, aber uch nicht weniger als genau über die Frage, ob wir iese Grundidee von Europa aufgeben oder ob wir sie it aller Entschlusskraft verteidigen wollen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


ch denke, Europa und unsere gemeinsame Währung
ind es wert, mit aller Kraft verteidigt zu werden.

Der Euro ist neben dem US-Dollar die wichtigste
ährung der Welt. Der Euro bedeutet die Vollendung

es europäischen Binnenmarktes, und dank des Euro hat
ich auch der Handel innerhalb der Euro-Zone bis zum
ahr 2007 um nahezu 15 Prozent gesteigert. Der Euro ist
lso die Hauptquelle ökonomischen Wachstums – und
as auch bei uns; denn wir als Exportnation profitieren
n erster Linie davon: 60 Prozent unserer Exporte gehen
n den Euro-Raum.

Was wäre die europäische Integration wert, wenn wir
etzt, bei der ersten wirklich grundlegenden, risikorei-
hen Debatte und den Problemen, sofort die Flinte ins
orn werfen und alles hinschmeißen würden? Das kann
icht sein.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


ie im sonstigen Leben auch zeigen sich die Qualität
iner Beziehung und ihre wahre Stärke gerade in
chlechten Zeiten und in Zeiten der Bedrohung von au-
en. Eine solche Bedrohung von außen erleben wir der-
eit. Deshalb gilt es, die Reihen zu schließen und sich
ntschlossen gegen Spekulanten und Zockerwetten zur
ehr zu setzen, mit denen weltweit auf den Untergang

es Euro gesetzt wird.

Eines ist dabei – mir jedenfalls – sonnenklar: Entwe-
er schaffen wir es gemeinsam oder gar nicht. Dabei
ann sich Deutschland nicht einfach ausnehmen. Wir
ind keine Insel der Seligen, sondern wir leben in dieser
ertegemeinschaft. Durch einen Alleingang Deutsch-

ands würden wir letztlich selbst getroffen werden. Des-
alb wäre das der völlig falsche Weg.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Aufgrund der Höhe unseres Beitrags sind wir sicher
iner der zentralen Träger dieses Schutzschirmes. Wenn
ir diesen Schutzschirm jetzt aber loslassen und weg-
erfen würden, dann stünden wir selbst im Regen. Im
brigen: Wir beklagen doch immer wieder die starke
ereinzelung auf allen gesellschaftlichen Ebenen, die
artikularisierung der Gesellschaft und den Egoismus,
nd wir kritisieren das Zockertum und die einseitig aus-
erichtete Gewinnmaximierung. Gerade hier und jetzt,
ei diesem Thema, stehen wir selbst vor der Nagelprobe.
enn wir jetzt aus dem Rettungspaket für den Euro aus-

teigen würden, dann verhielten wir uns im Grunde ge-
au so, wie wir es den Spekulanten vorwerfen. Dieses
ild darf Deutschland nicht abgeben.





Norbert Barthle


(A) )


)(B)


(Beifall bei der CDU/CSU – Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Wollen Sie bei Bildung und Familie kürzen?)


Selbstverständlich weiß ich, dass Deutschland derzeit
schon vorgeworfen wird, dass wir mit unseren Export-
überschüssen quasi auf Kosten anderer Euro-Länder le-
ben würden, weil wir eben durch unsere wirtschaftliche
Stärke in der entsprechenden Lage sind. Herr Kollege
Ernst, diese Betrachtung ist aber ausgesprochen eindi-
mensional und vor allem auch interessengesteuert.


(Leo Dautzenberg [CDU/CSU]: Er hat noch nichts vom Binnenmarkt gehört!)


Wahr ist: Wir müssen uns zu dieser Wertegemeinschaft
der Europäischen Union insgesamt bekennen – auch in
schwierigen Zeiten. Die europäische Wertegemeinschaft
bedeutet eben auch Stärkung der nachbarschaftlichen
Beziehungen, Lösung grenzüberschreitender Probleme
und letztendlich auch Solidarität.

Die Kollegin Künast hat noch vor zwei Wochen an
dieser Stelle das Hohelied der internationalen Solidarität
gesungen.


(Jörg van Essen [FDP]: Ja, sie kennt das aus der Vergangenheit!)


Ich hoffe, sie erinnert sich auch am Freitag noch daran;
denn es ist jetzt eben Solidarität nicht nur durch Worte,
sondern auch durch Taten gefordert. Um es mit den Wor-
ten unseres Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder zu for-
mulieren: Wir handeln mit Verstand und mit Herz – oder
mit Herz und Verstand.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Eines ist doch sicher: Europa war und ist ein Kernpro-
jekt der Union. Wir dürfen dieses Kernprojekt nicht in-
frage stellen.


(Jörg van Essen [FDP]: Für uns auch!)


– Auch der FDP; das gestehe ich selbstverständlich zu.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Eines ist auch klar: Diesem Kernprojekt haben wir nicht
zuletzt auch die deutsche Wiedervereinigung zu ver-
danken. Um es mit Wolfgang Schäuble zu formulieren:
Nach der Wiedervereinigung gibt es für uns nichts Bes-
seres, als in die Europäische Gemeinschaft eingebunden
zu sein. – Das ist wahr.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


In den letzten Wochen haben wir einige Erkenntnisse
gewonnen, sodass wir nun entsprechende Maßnahmen
umsetzen. Das bedeutet zunächst eine umfassende Neu-
strukturierung der Finanzkoordination in der Europäi-
schen Gemeinschaft. Dabei gilt es einiges nachzuholen,
was bei Grundlegung dieser Gemeinschaft offensichtlich
versäumt worden ist. Es gilt auch, ein deutliches Zeichen
in die Welt zu senden, dass die Euro-Länder miteinander
im Verbund bereit sind, den Euro zu stützen. Das ist die

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(C (D rundlage, um den Spekulationen an den Märkten die asis zu entziehen. Diese Botschaft wird ausgesandt, enn wir dieses Paket am Freitag abschließend beraten. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Was ist mit den Kürzungen bei Bildung und Familie?)


Das Paket enthält einige Wirkmechanismen, die wir
er erfolgreichen Verhandlung unserer Bundeskanzlerin
nd unseres Bundesfinanzministers verdanken. Das will
ch hervorheben. Bei der Übernahme einer Gewährleis-
ung in jedem Einzelfall entscheiden die Euro-Staaten
instimmig. Das heißt, Deutschland hat immer ein Veto-
echt.

Die gesamtschuldnerische Haftung konnte verhindert
erden. Das halte ich für ganz essenziell. IWF und EZB

ind mit im Boot. Auch das ist aus meiner Sicht ausge-
prochen wichtig. Außerdem wird bei der Übernahme
er Gewährleistungen immer Voraussetzung sein, dass
in Konsolidierungsprogramm des jeweiligen zahlungs-
nfähigen Landes realisiert wird. Das ist als Kondition
aran geknüpft.


(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Was ist mit Konsolidierung in Deutschland? – Gegenruf des Abg. Volker Kauder [CDU/CSU]: Haben Sie nicht zugehört? – Gegenruf des Abg. Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Er ist der haushaltspolitische Sprecher! Er könnte ja auch eine andere Meinung haben!)


Darauf komme ich noch zurück. – Außerdem wird der
aushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bei je-
er Gewährleistungsübernahme in die Entscheidung ein-
ebunden.

Ich will noch einmal betonen, was schon ausführlich
ur Sprache kam: Die Bundesregierung hat sich bereit
rklärt, sich für eine Finanzmarktsteuer einzusetzen.
amit werden auch die Finanzakteure, die an den Spe-
ulationen mitverdient haben, zur Kasse gebeten. Sie
erden an den Kosten dieses Rettungspaketes beteiligt.
uch das ist eine überzeugende Botschaft, die ihre Wir-
ung nicht verfehlt.

Selbstverständlich werden wir schon in den nächsten
ochen und Monaten die Beratungen des Bundeshaus-

alts 2011 und die Finanzplanung bis 2014 auf die Ta-
esordnung setzen.


(Johannes Kahrs [SPD]: Da bin ich mal gespannt!)


ch bin überzeugt, dass nicht nur in die europäischen
achbarländer hinein, sondern auch für uns selber eine
ositive Wirkung von diesen Ereignissen ausgeht. Die
chuldenbremse wird einzuhalten sein. Wir begeben uns
uf den Weg, dies auch umzusetzen.


(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: Wie denn?)


eshalb hoffe ich, dass nicht nur in dieser Frage, son-
ern auch in der Frage der Rettung unserer Währung alle
raktionen dieses Hauses die Debatte zustimmend be-
leiten. Wer seine Zustimmung in dieser Debatte an Be-
ingungen knüpft, bringt damit zum Ausdruck, dass er





Norbert Barthle


(A) )


)(B)

bei Nichteinhaltung dieser Bedingungen bereit wäre, den
Euro aufs Spiel zu setzen.


(Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist ja absurd! – Johannes Kahrs [SPD]: Das ist doch nicht alternativlos, was Sie hier sagen! Das ist fantasielos!)


Ich bitte darum, diesen Mechanismus in der SPD-Frak-
tion noch einmal ausführlich zu beraten.

Lassen Sie mich abschließend noch ein Bild aus der
griechischen Mythologie in Erinnerung rufen, bei dem
es um den Ursprung Europas geht. Europa war dem-
nach eine phönizische Prinzessin, die von dem in Liebe
entbrannten Zeus in Gestalt eines Stieres verführt wurde.
Im Börsengeschäft steht der Stier auch für Hausse, also
für steigende Aktienkurse. Lassen Sie uns aus Europa
eine wehrhafte Amazone machen, die den Stier bei den
Hörnern packt und ihm zeigt, wo es langgeht.

Danke.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Hermann Otto Solms (FDP):
Rede ID: ID1704204000

Ich schließe die Aussprache.

Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf
den Drucksachen 17/1685 und 17/1733 an die in der
Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen.
Sind Sie damit einverstanden? – Das ist der Fall. Dann
sind die Überweisungen so beschlossen.

Ich unterbreche nun die Sitzung bis 13 Uhr. Der Wie-
derbeginn der Sitzung wird rechtzeitig durch ein Klin-
gelsignal bekannt gegeben.

Die Sitzung ist unterbrochen.


(Unterbrechung von 11.58 bis 13.00 Uhr)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704204100

Die unterbrochene Sitzung ist wieder eröffnet.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 3 auf:

Fragestunde
– Drucksachen 17/1694, 17/1738 –

Zu Beginn der Fragestunde rufe ich gemäß Nr. 10 der
Richtlinien für die Fragestunde die dringlichen Fragen
auf. Wir kommen zusätzlich zur dringlichen Frage 1 des
Kollegen Anton Hofreiter:

Inwieweit kann die Bundesregierung bestätigen, dass die
dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG am 21. April 2010
bei der Entscheidung für die Übernahme des britischen Ver-
kehrskonzerns Arriva vorgelegten Informationen zu einem
Großteil nur auf mündlichen Aussagen des Managements ba-
sierten, dass die Arriva-Führung gleich mit drei Bonuspro-
grammen ausgestattet ist und der Vorstand das Recht hat, nach
Belieben zu kündigen, wie auch Bonuszahlungen zu bestäti-
gen, beispielsweise allein für den Unternehmenschef David

(vergleiche Spiegel Online vom 16. Mai 2010)

Verluste aus der Arriva-Übernahme?

Die dringliche Frage fällt in den Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwick-
lung. Zur Beantwortung steht der Parlamentarische

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(C (D taatssekretär Enak Ferlemann zur Verfügung. Bitte chön, Herr Staatssekretär. E Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und erren! Ich beantworte die dringliche Frage des Kolleen Hofreiter wie folgt: Der Vorstand der Deutschen Bahn AG bzw. der DB obility Logistics AG hat zur Vorbereitung der Ent cheidung der Aufsichtsräte von DB AG und DB ML G über das Übernahmeangebot für Arriva eine um angreiche und detaillierte schriftliche Unterlage über ie Chancen und Risiken des Kaufs vorgelegt. In diese nterlage gingen auch mündliche Informationen des rriva-Managements ein. Weiterhin wurden die Aktienptionsprogramme für das Management dargestellt. Auf der Grundlage dieser Informationen haben die ontrollgremien die Offerte gründlich diskutiert, und sie aben die Unternehmensbewertung durch ein unabhäniges Wertgutachten einer Bank überprüfen lassen. In ie Unternehmensbewertung sind auch die oben angegeenen Bonusprogramme eingeflossen. Vor dem Hintergrund all dieser Informationen haben ie Aufsichtsräte der DB AG und der DB ML AG am 1. April 2010 dem Übernahmeangebot für Arriva zugetimmt. Sollte es zu einer Übernahme von Arriva durch ie DB AG kommen, haftet die DB AG bzw. die DB ML G als Alleineigentümerin für mögliche Verluste im Zu ammenhang mit der Arriva-Übernahme. Kollege Hofreiter, Gelegenheit zur Nachfrage. Bei einem Übernahmeangebot in der Form muss auch ine Prüfung nach § 65 Bundeshaushaltsordnung stattinden. Meine Frage dazu lautet: Hat diese Prüfung vor em Beschluss des Aufsichtsrats oder nach dem Bechluss des Aufsichtsrats stattgefunden? Bitte schön, Herr Staatssekretär. E Die Frage beantworte ich wie folgt: Da es sich um ein rivatrechtlich geführtes Unternehmen handelt, ist eine olche Prüfung nicht erforderlich. Herr Staatssekretär, ich an Ihrer Stelle wäre sehr vor ichtig mit dieser Antwort. Mir liegen nämlich Informaionen darüber vor, dass es diese Prüfung in Ihrem inisterium, in der Fachabteilung, durchaus gegeben hat nd dass massiver Druck auf die Fachbeamten ausgeübt orden ist – namentlich durch die Staatssekretäre cheurle und Beus –, dem zuzustimmen. Außerdem lieen mir Informationen darüber vor, dass diese Prüfung Dr. Anton Hofreiter )

Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704204200
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704204300
Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704204400
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704204500
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704204600
Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704204700




(A) )

nach der Aufsichtsratsentscheidung stattgefunden hat
und das Prüfungsergebnis unter massivem Druck zu-
stande gekommen ist. Deswegen wäre ich an Ihrer Stelle
sehr vorsichtig; ich würde mir die Antwort noch einmal
gut überlegen.

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704204800


Sehr geehrter Herr Kollege, herzlichen Dank für die
freundlichen Hinweise. – Es ist mir nicht bekannt, dass
es bei uns im Hause Diskussionen gegeben hat, die auf
Druck oder Ähnliches hinausgelaufen wären. Dass sich
die Staatssekretäre, die für uns die Beteiligungen steu-
ern, natürlich vorbereiten und beraten lassen – im Vor-
feld der Aufsichtsratssitzung und auch in der Nachberei-
tung –, ist überhaupt keine Frage; das ist ein übliches
Verfahren.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704204900

Kollege Beck, bitte.


Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704205000

He
Rede von: Unbekanntinfo_outline
Rede ID: ID1704205100
Sind Sie bereit, dem Hohen
Hause in schriftlicher Form eine umfassende und wahr-
heitsgemäße Auskunft darüber zuzuleiten, ob und, wenn
ja, wann diese Prüfung stattgefunden hat und was die nä-
heren Umstände gewesen sind? Ich möchte Sie darauf
hinweisen, dass Sie dem Parlament zu wahrheitsgemä-
ßer und umfassender Auskunft verpflichtet sind. Das ist
der Sinn der Fragestunde. Hier kontrollieren wir die Re-
gierung. Wenn Sie Auskünfte verweigern, dann be-
schränken Sie unser Interpellationsrecht.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704205200

Herr Staatssekretär, bitte.

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704205300


Sehr geehrter Herr Kollege, herzlichen Dank für diese
freundlichen Hinweise. Wenn das Hohe Haus einen
schriftlichen Bericht wünscht, dann werden wir selbst-
verständlich einen solchen liefern. Das ist für uns über-
haupt keine Frage. Aber dass wir nicht wahrheitsgemäß
antworten, weise ich natürlich mit aller Schärfe zurück.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass Sie nichts wissen, ist dann das einzig Wahrheitsgemäße! Also, wir bekommen diesen Bericht!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704205400

Herr Beck, Sie stellen fest, dass der Bericht kommt.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja!)


Herr Staatssekretär?

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704205500


Das habe ich hiermit zugesagt.

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(C (D Dann ist es in Ordnung. – Gibt es weitere Nachfragen azu? – Das ist nicht der Fall. Dann kommen wir zum Geschäftsbereich des Bunesministeriums für Bildung und Forschung. Zur Beantortung steht der Parlamentarische Staatssekretär Helge raun zur Verfügung. Ich rufe die dringlichen Fragen 2 und 3 der Kollegin agmar Ziegler auf: Wie sieht das Konzept der Bundesregierung zu einem Qualitätspakt für die Hochschullehre – insbesondere hinsichtlich der erstmals genannten Rolle „Stiftungen“ und einer zu schaffenden „Akademie für die Lehre“ als Förderinstitution – konkret aus, über das die Bundesministerin Dr. Annette Schavan auf der gestrigen Nationalen Bologna-Konferenz laut Pressemitteilung vom 17. Mai 2010 (siehe auch dpa-Meldung vom 17. Mai 2010)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704205600
Bundesregierung aber in der Fragestunde vom 21. April 2010
noch keine Angaben machen konnte?

Aus welchen Überlegungen heraus setzt die Bundesregie-
rung – wie den Pressemeldungen zu entnehmen ist und entge-
gen den Forderungen der Hochschulen und vieler Länder –
hierbei weiterhin allein auf wettbewerbliche Vergabeverfah-
ren bei der Förderung qualitativer Lehre?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

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Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704205700


Ich beantworte die Fragen wie folgt: Auf Vorschlag
er Bundesministerin Schavan beraten Bund und Länder
n der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz derzeit
ber die Erweiterung des Hochschulpakts um eine dritte
äule für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität

n der Lehre. Gefördert werden sollen insbesondere eine
essere Personalausstattung der Hochschulen für die
ehre, für die Beratung und für die Betreuung der Stu-
ierenden sowie Maßnahmen zur Qualifizierung des
ehrpersonals. In diesem Zusammenhang wird die Ge-
einsame Wissenschaftskonferenz auch den Vorschlag

er Einrichtung einer Akademie für die Lehre als Ein-
ichtung der Hochschulen erörtern. Die Beratungen über
ie weitere Ausgestaltung der dritten Säule des Hoch-
chulpakts dauern derzeit noch an. Ein Ergebnis soll zur
esprechung der Regierungschefs von Bund und Län-
ern am 10. Juni vorliegen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704205800

Bitte schön, Frau Kollegin. Haben Sie Nachfragen? –

as scheint nicht der Fall zu sein. Halten Sie auch Ihre
weite dringliche Frage für beantwortet? – Gut, dann hat
ollege Rossmann eine Nachfrage.


Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD):
Rede ID: ID1704205900

Herr Staatssekretär, die Ministerin hat anklingen las-

en, dass speziell das Projekt einer Akademie in Stif-
ungsform oder in einer anderen Form im Rahmen einer
0/10-Finanzierung von Bund und Ländern gestaltet
erden soll. Darf man aufgrund dessen annehmen, dass

ich dieser 90/10-Schlüssel auf den gesamten Pakt für
ie Lehre bezieht und dass Sie, obwohl der Wissen-
chaftsrat 1,3 Milliarden Euro jährlich gefordert hat, für





Dr. Ernst Dieter Rossmann


(A) )


)(B)

Bund und Länder zusammen rund 230 Millionen Euro
jährlich für eine gute Lehre für notwendig erachten?

D
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704206000


Nein, das können Sie daraus nicht schlussfolgern.
Dass der Bund bereit ist, über zehn Jahre jährlich
200 Millionen Euro, also insgesamt 2 Milliarden Euro,
in die Hand zu nehmen, ist die größte Offensive seitens
des Bundes für die Verbesserung der Qualität der Lehre,
die es jemals in Deutschland gegeben hat. Die Frage
nach der Beteiligung der Länder ist momentan Gegen-
stand der Diskussion im Vorfeld der Konferenz der Re-
gierungschefs. Wir wünschen natürlich, dass jeder Euro,
den der Bund an dieser Stelle investiert, eine entspre-
chend hohe Finanzierung der Länder zur Folge hat. Aber
den Ergebnissen des Gipfels der Regierungschefs wollen
wir nicht vorgreifen. Genau darüber wird dort verhan-
delt. Vorfestlegungen, wie Sie sie gerade genannt haben,
gibt es nicht.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704206100

Eine weitere Nachfrage? – Bitte schön, Herr Kollege.


Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD):
Rede ID: ID1704206200

Bisher war – nicht zuletzt durch den Wissenschaftsrat –

die Einrichtung von hochschuldidaktischen Zentren als
Unterstützung der Lehre an mehreren Standorten in der
Diskussion. Muss man die Äußerungen der Ministerin so
verstehen, dass das alternativ ist, oder verfolgt die Re-
gierung weiter eine Strategie, die darauf abzielt, hoch-
schuldidaktische Zentren in intensiver Weise mit aufzu-
bauen, zu unterstützen und zu finanzieren?

D
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704206300


Auch das wird Gegenstand der Diskussion über die
konkrete Ausgestaltung der Akademie sein. Wir befin-
den uns in intensiven Gesprächen mit den Ländern.
Beide Lösungen sind heute noch denkbar.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704206400

Danke schön. – Weitere Nachfragen hierzu gibt es

nicht. Damit sind die dringlichen Fragen aufgerufen und
beantwortet.

Wir kommen nun zu den Fragen auf Drucksache
17/1694 in der üblichen Reihenfolge. Es geht los mit
dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Jus-
tiz. Zur Beantwortung steht der Parlamentarische Staats-
sekretär Max Stadler zur Verfügung.

Ich rufe die Frage 1 des Kollegen Volker Beck auf:
Wann beabsichtigt die Bundesregierung die Zeichnung des

revidierten Europäischen Übereinkommens über die Adoption
von Kindern vom 27. November 2008 – SEV 202 –, und wie
begründet die Bundesregierung, dass eine Zeichnung andert-
halb Jahre nach Auflegung noch immer nicht erfolgt ist?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

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(C (D D Herr Kollege Beck, die Bundesregierung prüft die eichnung des revidierten Europäischen Übereinkomens über die Adoption von Kindern. Für die Zeichnung ind ein Beschluss des Bundeskabinetts sowie eine Abtimmung mit der Ständigen Vertragskommission der änder erforderlich. Die Prüfungen der Bundesregierung ind noch nicht abgeschlossen. Eine Nachfrage? – Bitte. Können Sie mir erklären, warum bereits 14 Länder ieses Übereinkommen unterzeichnet haben, aber die undesrepublik Deutschland nicht, obwohl wir eines der änder waren, die – damals war Frau Zypries Bundes ustizministerin – den Anstoß zur Überarbeitung dieser onvention gegeben haben, damit wir die alte Forde ung der FDP, die auch wir immer erhoben haben, die emeinschaftliche Adoption von Lebenspartnerschaften u ermöglichen, ohne die Konvention zu verlassen, endich hinbekommen? Ich bin ganz erstaunt, dass das Enagement Ihres Hauses in Ihrer Eingangsantwort so zuückhaltend formuliert war. D Herr Kollege Beck, wie Sie wissen, dauerte die Re ierungszeit der früheren Bundesregierung noch fast ein ahr an, nachdem im Europarat dieses Übereinkommen eschlossen worden war. Ich bin natürlich nicht in der age, Auskunft darüber zu geben, warum die Große Kolition die Zeichnung dieses Übereinkommens nicht vernlasst hat. Seit der Bildung der christlich-liberalen Kolition ist nunmehr etwas mehr als ein halbes Jahr ergangen. Wie ich schon erwähnt habe, dauern die Prüungen innerhalb der Bundesregierung, ob man das bereinkommen zeichnet und, wenn ja, gegebenenfalls ann, noch an. Eine weitere Nachfrage? – Bitte schön. Gibt es denn in der Bundesregierung Überlegungen nd, wenn ja, von welcher Seite, der Konvention woöglich nicht beizutreten? D Herr Kollege Beck, Ihnen ist sicherlich der Koali ionsvertrag zwischen CDU/CSU und FDP bekannt. (Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Darin steht nichts zur Adoption!)

Dr. Max Stadler (FDP):
Rede ID: ID1704206500
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704206600
Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704206700
Dr. Max Stadler (FDP):
Rede ID: ID1704206800
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704206900
Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704207000
Dr. Max Stadler (FDP):
Rede ID: ID1704207100

arin sind eine Reihe von Verbesserungen für eingetra-
ene Lebenspartnerschaften vereinbart. Es sind übrigens
uch Verbesserungen im Jahressteuergesetz hinsichtlich





Parl. Staatssekretär Dr. Max Stadler


(A) )


)(B)

der Erbschaftsteuer und der Grunderwerbsteuer verein-
bart.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es geht jetzt aber um die Konvention!)


Das ist also eine Thematik, mit der wir sehr wohl befasst
sind. Ihnen ist aber auch geläufig, dass genau zu der
Frage, die Sie gestellt haben, der Bundesregierung im
Koalitionsvertrag kein Auftrag erteilt worden ist.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das finde ich erstaunlich angesichts der FDP-Position!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704207200

Danke schön.

Wir kommen damit zum Geschäftsbereich des Bun-
desministeriums der Finanzen. Zur Beantwortung steht
Herr Staatssekretär Steffen Kampeter zur Verfügung.

Ich rufe die Frage 2 des Kollegen Hans-Christian
Ströbele auf:

Welche Angaben macht die Bundesregierung über die
Höhe und die konkreten Bedingungen – Zinshöhe, Rückzah-
lung und deren Rang – der durch staatliche deutsche Garan-
tien abgesicherten Kredite, die im Rahmen der am 7. Mai
2010 vom Deutschen Bundestag beschlossenen „Griechen-
landhilfe“ bis zum 19. Mai 2010 ausgezahlt werden, und wa-
rum stehen diese Kredite im Rang nicht vor den bisherigen
Krediten privater Gläubiger?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704207300


Die Frage des Kollegen Ströbele möchte ich gerne wie
folgt beantworten: Am 18. Mai wurde die erste Tranche
des finanziellen Hilfsprogramms für Griechenland von-
seiten der Euro-Mitgliedstaaten mit einem Nennbetrag
von 14,5 Milliarden Euro ausgezahlt. Auf Deutschland,
für das die Kreditanstalt für Wiederaufbau die Ausrei-
chung vornimmt, entfällt ein Betrag von 4,43 Milliarden
Euro. Generell wurden für jedes Jahr als Zinstermine der
15. März, der 15. Juni, der 15. September und der 15. De-
zember festgelegt. Der Zinssatz wird generell auf der
Grundlage des Drei-Monats-EURIBOR ermittelt. Das ist
der Zinssatz, zu dem die Banken sich untereinander inner-
halb der Euro-Zone Kredite gewähren. Für die erste soge-
nannte unterbrochene Zinsperiode, die den Zeitraum vom
Auszahlungsdatum, also dem 18. Mai, bis zum 15. Juni,
dem ersten regulären Zinstermin, umfasst, wurde hiervon
abweichend der Ein-Monats-EURIBOR vom 14. Mai
2010 als maßgeblicher Zinssatz bestimmt. Dazu kommt
ein Aufschlag von 300 Basispunkten. Dies ergibt einen
Zinssatz von 3,42 Prozent.

Darüber hinaus wird vom Auszahlungsbetrag eine
Verwaltungsgebühr von einem halben Prozent für die
beim Kreditgeber anfallenden Kosten einbehalten. Die
Zinszahlungen werden anteilig an die beteiligten Darle-
hensgeber verteilt. Nach einer tilgungsfreien Zeit von
drei Jahren, Herr Kollege Ströbele, wird das Darlehen in
acht vierteljährlichen Zahlungen in Höhe von jeweils
1,8125 Milliarden Euro getilgt. Die erste Tilgung wird

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(C (D um 15. Juni 2013 erfolgen, die letzte zum 15. März 015. Das heißt, dass die Tilgung in einem Zeitraum von eniger als zwei Jahren nach Ablauf der tilgungsfreien eit erfolgen wird. Laut Darlehensvertrag begründet jedes Darlehen eine ngedeckte, direkte, bedingungslose, nicht nachrangige nd allgemeine Verbindlichkeitserklärung des Darleensnehmers und ist mindestens gleichgestellt mit allen nderen gegenwärtigen und zukünftigen ungedeckten nd nicht nachrangigen Darlehen und Verbindlichkeiten es Darlehensnehmers. Die Darlehensgeber im Rahmen des finanziellen ilfsprogramms für Griechenland sind untereinander leichrangig. Lediglich die Darlehen des Internationalen ährungsfonds haben eine vorrangige Sicherung. Dies ntspricht dem seit Gründung des Internationalen Wähungsfonds weltweit üblichen Verfahren bei ähnlichen nterstützungen durch den Internationalen Währungs onds. Dieser bevorrechtigte Gläubigerstatus wird Einelstaaten oder einer Gruppe von Einzelstaaten in der isherigen Rechtsund Kreditpraxis globaler Finanzieungen nicht zugesprochen. Kollege Ströbele, bitte. Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE GRÜEN)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704207400
Danke, Herr Präsident. – Das leuchtet mir nicht so

anz ein, Herr Staatssekretär. Die Situation ist doch fol-
ende: Griechenland ist pleite, könnte also die Gläubi-
er, insbesondere die Großbanken – die deutschen sollen
it über 30 Milliarden Euro beteiligt sein –, nicht bedie-

en. Wenn die Kredite jetzt also nicht fließen würden,
ürden sie nichts bzw. im Falle eines Insolvenzverfah-

ens das bekommen, was noch im Korb ist: 20, 40 oder
0 Prozent. Jetzt springt, nachdem das Parlament das so
eschlossen hat, der deutsche Steuerzahler ein, und die
undesregierung reicht das Geld aus. Dann werden wie-
erum die Großbanken bedient, mit Rückzahlungen bzw.
it Zinsen, möglicherweise mit Boni oder was auch im-
er da vereinbart wurde. Halten Sie das für eine gegen-

ber dem Steuerzahler zu rechtfertigende Lösung? Der
teuerzahler hat ja eigentlich mit der ganzen Geschichte
ichts zu tun. Er will auch keine Geschäfte mit Grie-
henland machen. Eigentlich hätte er, wenn überhaupt,
as Geld lieber für andere Zwecke in Deutschland aus-
egeben. Nun wird er in die Position eines Gläubigers
ebracht und ins Obligo genommen; aber die Großban-
en, die volles Risiko gefahren sind und möglicherweise
iel Geld damit verdient haben, werden nicht entspre-
hend zur Verantwortung gezogen.

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704207500


Herr Kollege Ströbele, die Bundesregierung ist der
uffassung, dass der hier gewählte Weg die für den
teuerzahler angemessene Lösung ist, weil es vermutlich
ie preiswerteste Möglichkeit der Stabilisierung der
uro-Zone insgesamt ist. Der von Ihnen angesprochene





Parl. Staatssekretär Steffen Kampeter


(A) )


)(B)

Alternativweg, nämlich die Staatsinsolvenz Griechen-
lands und damit Vergleichsverhandlungen über die Ver-
bindlichkeiten gegenüber der hellenischen Republik,
würde über die beteiligten Banken, von denen einige un-
mittelbar oder indirekt in staatlichem Besitz sind, zu un-
mittelbaren Nachschusspflichten für den Steuerzahler
und die Steuerzahlerin bzw. zur Bilanzbereinigung füh-
ren. Die Behauptung, dass die Staatsinsolvenz Griechen-
lands eine im Vergleich zum gewählten Weg für den
Steuerzahler vertretbare Lösung ist, teilt die Bundes-
regierung nach Abwägung aller Sachargumente nicht.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704207600

Herr Kollege, bitte schön.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Da kann ich Ihnen immer noch nicht folgen. Sie ha-
ben selber gesagt, es gebe durchaus vorrangig zu bedie-
nende Gläubiger; Sie haben den IWF erwähnt. Können
Sie sagen, warum der IWF vorrangig bedient wird und
der deutsche, der niederländische oder der französische
Steuerzahler nicht?

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704207700


Herr Kollege Ströbele, um noch einige ergänzende
Hinweise zum Verständnis des Sachverhalts zu geben:
Grundsätzlich gilt, dass alle Gläubiger gleich bedient
werden.


(Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Das sagten Sie bereits!)


Das ist eine Regelung, die ausgehandelt wurde und Be-
standteil des Kreditvertrags ist. Das heißt, wir als euro-
päische Beteiligte zahlen den Kredit gemeinsam mit dem
IWF aus, und die Rückzahlung dieses bei der Europäi-
schen Union gepoolten Kredits erfolgt entsprechend der
Einzahlung. Wenn Sie den Prozess der regulären Bedie-
nung des Kredites betrachten, werden Sie feststellen,
dass es zu keiner Benachteiligung des deutschen Steuer-
zahlers gegenüber den Leistungen, die der Internationale
Währungsfonds erhält, kommt.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704207800

Kollegin Paus, Sie wollten eine Nachfrage stellen.


Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704207900

Herr Staatssekretär Kampeter, Sie haben gesagt, die

Bundesregierung habe in Bezug auf die Kosten für den
deutschen Steuerzahler Alternativen abgewogen. Außer-
dem haben Sie implizit angedeutet, dass die Kosten,
wenn deutsche Banken betroffen wären, eventuell höher
hätten ausfallen können. Ich nehme an, Sie rekurrieren
darauf, dass es den SoFFin gibt und dass betroffene
deutsche Banken die Möglichkeit hätten, den SoFFin in
Anspruch zu nehmen. Gibt es konkrete, bezifferbare
Zahlen, die Sie in der Bundesregierung erörtert haben,
was möglicherweise auf den SoFFin zugekommen wäre,
wäre es zu einem Staatsbankrott Griechenlands gekom-
men?

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(C (D S Frau Kollegin, nach Ermittlungen der BaFin würden m Rahmen einer Staatsinsolvenz, was die Verbindlicheiten deutscher Banken und Versicherungen gegenüber riechenland betrifft, ungefähr 41 bis 42 Milliarden uro streitig gestellt. Die direkten finanziellen Folgerunen lassen sich nicht beziffern, und zwar deswegen, weil ür eine Staatsinsolvenz innerhalb der Währungsunion eine Vergleichswerte vorliegen. Darüber hinaus kann an keine Angaben machen, auf welcher Vergleichs uote etwas gemacht werden könnte. Das maximale Riiko ist mit der Obergrenze beschrieben. Wir gehen daon aus, dass bei einer ordnungsgemäßen Bedienung des redits in dem von mir beschriebenen Tilgungszyklus ür den deutschen Steuerzahler keine Nachteile entsteen. (Hans-Christian Ströbele [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, wenn! Aber wenn nicht?)

Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704208000


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704208100

Danke schön. – Die beide nächsten Fragen, die

ragen 3 und 4 des Kollegen Rolf Mützenich, werden
chriftlich beantwortet.

Damit kommen wir zu den Fragen 5 und 6 der Kolle-
in Lisa Paus:

Beabsichtigt die Bundesregierung, den Bundesbankpräsi-
denten Axel Weber als Nachfolger für Jean-Claude Trichet für
den Vorsitz der Europäischen Zentralbank vorzuschlagen, und
hat sie dazu bereits Absprachen mit anderen europäischen
Staaten getroffen?

Wie schätzt die Bundesregierung die Eignung von Axel
Weber als Präsident der Europäischen Zentralbank ein ange-
sichts der Tatsache, dass er als Präsident der Bundesbank im
Rahmen der laufenden Aufsicht nicht verhindert hat, dass die
deutschen Landesbanken zu den weltweit größten Abnehmern
von drittklassigen Verbriefungsprodukten gehörten und im
Zuge der Krise daher HSH Nordbank, SachsenLB, LBBW
und Bayern LB nur mithilfe staatlicher Unterstützungen über-
leben konnten?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704208200


Kollegin Paus, die Bundesregierung möchte Ihre erste
rage wie folgt beantworten: Die Amtszeit des Präsiden-

en der Europäischen Zentralbank läuft noch bis
ktober 2011. Aus Sicht der Bundesregierung ist es jetzt
iel zu früh für eine Nachfolgediskussion. Dies gebietet
uch der Respekt gegenüber dem Amtsinhaber und sei-
er erfolgreichen Arbeit. Wir schätzen Jean-Claude
richet sehr.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704208300

Wenn Sie Nachfragen haben, bitte.


Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704208400

Herr Kampeter, wie erklärt sich die Bundesregierung

ann die Berichterstattung im Handelsblatt vom 12. Mai
010, nach der dies der Preis der Zustimmung zum
uro-Rettungsschirm seitens der deutschen Bundes-

egierung gewesen sein soll?






(A) )


)(B)

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704208500


Frau Kollegin Paus, manchmal wundert sich auch die
Regierung, was deutsche Zeitungen über die Regierung
schreiben.


(Vereinzelt Heiterkeit)


Von daher kann ich Ihnen keine näheren Erkenntnisse
über den Inhalt der Recherche des von Ihnen genannten
Publikationsorgans geben. Richtig ist, dass in den deut-
schen Medien zweifelsohne eine informelle Diskussion
über die Nachfolge stattfindet. Aber die Bundesregie-
rung beabsichtigt nicht, sich an dieser Nachfolgediskus-
sion öffentlich zu beteiligen. Wir werden zu einem gege-
benen Zeitpunkt – der jetzige wäre zu früh – unsere
Gedanken über die Nachfolge und gegebenenfalls auch
unsere Vorschläge zur Nachfolge des derzeitigen Präsi-
denten der Europäischen Zentralbank einbringen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704208600

Haben Sie eine weitere Nachfrage? – Bitte schön,

Kollegin Paus.


Lisa Paus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704208700

Habe ich Sie richtig verstanden, dass es an diesem

Wochenende keine Nebenabsprachen der Bundesregie-
rung gegeben hat?

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704208800


Frau Kollegin, ich war zwar nicht dabei; aber mir sind
keine Nebenabsprachen bekannt bzw. bekannt gemacht
worden.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704208900

Kollege Beck, bitte.


Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704209000

Ich muss unangenehmerweise nachfassen. Es ist uns

in Fragestunden hin und wieder aufgefallen, dass den
Staatssekretären manches nicht bekannt ist. Können Sie
der Kollegin Paus im Nachgang schriftlich mitteilen, ob
es tatsächlich keine Gespräche der Bundesregierung mit
anderen Staaten der Europäischen Union über eine
Nachfolgeregelung gegeben hat? Können Sie, falls, wie
es die Kollegin in ihrer Frage formuliert, „bereits Ab-
sprachen mit anderen europäischen Staaten getroffen“
wurden, schriftlich mitteilen, welche Gespräche dazu
mit welchem Staat, bei welcher Gelegenheit und mit
welchem Ergebnis geführt wurden?

S
Steffen Kampeter (CDU):
Rede ID: ID1704209100


Herr Kollege Beck, ich glaube, dass die Bundesregie-
rung in umfassender Art und Weise auf die Frage geant-
wortet hat. Ich will mich selbstverständlich gerne bemü-
hen, der Kollegin Paus in schriftlicher Form ergänzende
Hinweise zu geben.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wahrheitsgemäß und umfassend!)



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(C (D Wahrheitsgemäß und umfassend. Im Übrigen können ie mich alles fragen, was Sie wollen; ich freue mich jeerzeit, Sie zu sehen und zu sprechen. (Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass wir alles fragen dürfen, ist uns schon aufgefallen!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704209200

Danke schön, Herr Staatssekretär. – Die Frage 7 des

bgeordneten Günter Gloser wird schriftlich beantwor-
et.

Damit kommen wir zum Geschäftsbereich des Bun-
esministeriums für Wirtschaft und Technologie. Zur
eantwortung steht der Parlamentarische Staatssekretär
rnst Burgbacher zur Verfügung.

Wir kommen zur Frage 8 des Kollegen Hans-Joachim
acker:

Beabsichtigt die Bundesregierung nach dem Urteil des
Oberverwaltungsgerichts Greifswald über die Aufhebung der
„Bäderregelung“ zur Sonntags-Ladenöffnung in Mecklen-
burg-Vorpommern ein konzertiertes Vorgehen mit den Län-
dern, um im Interesse der Tourismusbranche und der Beschäf-
tigten dauerhafte gerichtsfeste Regelungen zu schaffen?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704209300


Sehr geehrter Herr Kollege Hacker, mit dem Inkraft-
reten der Föderalismusreform zum 1. September 2006
aben die Länder die ausschließliche Gesetzgebungs-
ompetenz für das Ladenschlussrecht erhalten. Die Län-
er können daher jetzt die gesetzlichen Ladenöffnungs-
eiten in eigener Zuständigkeit regeln. Dies umfasst
uch die Frage der Sonntagsöffnungen. Die Länder und
ommunen können unter Berücksichtigung des vom
undesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung vom
. Dezember 2009 gesetzten Rahmens in eigener Verant-
ortung entscheiden, wie sie das gesetzliche Schutzkon-

ept zur Gewährleistung der Sonn- und Feiertagsruhe
rfüllen. Der Bund hält es für richtig, diesen Handlungs-
pielraum in vollem Umfang bei den Ländern zu belas-
en.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704209400

Herr Kollege, haben Sie eine Nachfrage?


Hans-Joachim Hacker (SPD):
Rede ID: ID1704209500

Ja.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704209600

Bitte schön.


Hans-Joachim Hacker (SPD):
Rede ID: ID1704209700

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Burgbacher, die

erfassungsrechtlichen Grundlagen waren mir natürlich
ekannt, als ich die Frage stellte.


(Ernst Burgbacher, Parl. Staatssekretär: Das denke ich!)






Hans-Joachim Hacker


(A) )


)(B)

Meine Frage richtete sich eigentlich darauf, ob die Bun-
desregierung im Sinne des Mittelstandes, der gerade für
den Bereich der Tourismuswirtschaft prägend ist, einen
Aktionsplan entwickeln könnte. Vor dem Hintergrund ei-
nes sich breitmachenden Wettbewerbsföderalismus in
der Tourismusbranche leite ich daraus folgende Frage
ab: Wie will die Bundesregierung darauf Einfluss
nehmen, dass es bei Fortbestehen unterschiedlicher Re-
gelungen zu den Sonntags-Ladenöffnungszeiten, der so-
genannten Bäderregelung, zu keinen weiteren Wettbe-
werbsverzerrungen zwischen den Ländern kommt, unter
denen insbesondere kleinere Gewerbetreibende zu leiden
hätten?

Ich stelle die Frage, weil die Bundesregierung in der
Vergangenheit und auch gegenwärtig in anderen Berei-
chen eine Koordinierungsfunktion übernommen hat. Ich
nenne nur das Thema DZT, wo klare verfassungsrechtli-
che Regelungen bestehen, aber trotzdem seitens der
Bundesregierung Handlungsbedarf gesehen wird. Herr
Staatssekretär, ein solcher Handlungsbedarf müsste doch
eigentlich auch hier bestehen.

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704209800


Sehr geehrter Herr Kollege Hacker, bei der DZT liegt
der Sachverhalt anders. Dort wurde versucht, ein ge-
meinsames Marketing der Länder einzuführen, das von
den Ländern getragen wird. Dies wurde damals einge-
richtet. Die Regelung der von Ihnen angesprochenen
Frage basiert auf der Föderalismusreform. In diesem
Hause bestand breiter Konsens darüber, hier zu mehr
Wettbewerb zu kommen. Das Recht zur Regelung der
Öffnungszeiten wurde ausdrücklich den Ländern über-
geben. Deshalb müssen die Länder dies regeln.

Sie beklagen, dass hier ein Wettbewerb besteht, unter
dem kleine und mittlere Unternehmen leiden. Wenn Sie
daran etwas ändern wollen, müssen Sie auf die Landes-
regierung zugehen; entsprechende Regelungen müssen
in den Ländern getroffen werden. Der Bund hält es für
falsch, hier von sich aus Vorgaben zu machen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704209900

Eine weitere Nachfrage? – Das ist nicht der Fall.

Die Fragen 9 und 10 des Kollegen Heinz Paula wer-
den schriftlich beantwortet.

Wir kommen zur Frage 11 des Kollegen Manfred
Nink:

Welche Vorschläge und Konzepte hat die Bundesregierung
hinsichtlich einer stärkeren Koordinierung und Steuerung der
Wirtschaftspolitik zur Umsetzung der vom Europäischen Rat
in der neuen Strategie für die Europäische Union beschlosse-
nen Leitziele, und wann beabsichtigt sie, mit der Umsetzung
ihres Konzeptes zu beginnen?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704210000


Herr Kollege Nink, die Antwort auf die Frage 11 lau-
tet: Die Bundesregierung hat sich bereits seit Beginn des
Diskussionsprozesses zur Lissabon-Nachfolgestrategie

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(C (D ür eine stärkere Rolle des Europäischen Rates zur stäreren Koordinierung und Steuerung der Wirtschaftspoliik eingesetzt. Dazu liegt eine entsprechende Beschlussassung – Sie kennen sie sicher – des Europäischen ates vom 25./26. März dieses Jahres vor. Die Bundesregierung wird bei den anstehenden reffen des Europäischen Rates – das nächste findet am 7./18. Juni 2010 statt – ihren Beitrag zur Ausfüllung er dem Europäischen Rat zugewiesenen wichtigen olle leisten. Die Bundesregierung hält es darüber inaus für dringlich, Gewicht und die politische Sichtarkeit der Überwachung von strukturpolitischen Fehlntwicklungen durch ein eigenständiges Verfahren zu rhöhen. Die EU-Kommission hat hierzu in ihrer Mitteiung vom 12. Mai 2010 erste Vorschläge gemacht. Sie erden intensiv zu diskutieren und weiter auszubauen ein. Wir haben schon in der Debatte am Freitag und uch heute wieder erlebt, dass wir über genau diese inge sehr intensiv diskutieren. Herr Kollege, bitte schön. Herr Staatssekretär, ich habe noch eine Nachfrage. ie sehen Sie die zukünftige Beteiligung des Parlamen es an der Meinungsfindung und an der Umsetzung der iele? E Wir müssen zwei Ebenen unterscheiden. Selbstvertändlich muss der deutsche Bundestag in alle Schritte eiter eingebunden werden. Wir wollen keine europäi che Wirtschaftspolitik mit Kompetenzen bei der EU, ondern wir wollen, wie ich das ausgeführt habe, eine tärkere Koordinierung, teilweise auch Steuerung. elbstverständlich aber bleibt Wirtschaftspolitik mit al en Rechten und Pflichten des Parlaments in nationaler ompetenz. Eine ganz andere Frage, über die wir heute ber nicht reden, ist natürlich die Beteiligung des Euroäischen Parlaments. Wir kommen zur Frage 12 des Kollegen Nink: Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die Mitgliedstaaten der EU zur Umsetzung der Leitziele zu bewegen, und wie bewertet sie die von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vorgeschlagenen Sanktionsmaßnahmen bei Zielverfehlung bzw. Belohnungssysteme bei Zielerreichung? Bitte schön. E Herr Kollege Nink, die Antwort auf diese Frage ist: ie stärkere Rolle des Europäischen Rates zur stärkeren oordinierung und Steuerung zielt darauf ab, die erfolg eiche Umsetzung der Ziele der neuen Strategie zu efördern. Die Bundesregierung hält sowohl Sanktionsaßnahmen bei Zielverfehlungen als auch Belohnungs Parl. Staatssekretär Ernst Burgbacher )

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704210100
Manfred Nink (SPD):
Rede ID: ID1704210200
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704210300
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704210400
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704210500




(A) )

systeme bei Erreichung der quantitativen Oberziele der
Strategie Europa 2020 für ungeeignet, da sie dem Cha-
rakter des partnerschaftlichen Dialoges zwischen den
Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission wi-
dersprechen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704210600

Herr Kollege, bitte schön.


Manfred Nink (SPD):
Rede ID: ID1704210700

Sehen Sie keinen Widerspruch darin, dass wir jetzt

beim Schnüren des neuen Finanzpaketes doch Sanktio-
nen verhängen wollen?

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704210800


Herr Kollege, wir wollen Sanktionen dann verhängen,
wenn Länder den Stabilitäts- und Wachstumspakt verlet-
zen. Wir arbeiten darauf hin, ihn eventuell neu zu formu-
lieren. Das ist aber etwas anderes als die Strategie 2020,
bei der wir erst dabei sind, quantitative Ziele zu formu-
lieren.

Es geht zum Beispiel darum, welchen Prozentsatz die
Bildungsausgaben am Haushalt ausmachen oder wie
hoch der Beschäftigungsgrad der Personen zwischen 20
und 65 Jahren sein muss. Hierbei können Sie schlecht
mit Sanktionen oder Belohnungen arbeiten. Das wäre
ein Stück weit Aufgabe unserer Politik und widersprä-
che, wie gesagt, dem partnerschaftlichen Ansatz, den wir
in der Union verfolgen.


(Manfred Nink [SPD]: Danke!)



Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704210900

Eine weitere Nachfrage?


Manfred Nink (SPD):
Rede ID: ID1704211000

Nein, danke.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704211100

Das ist nicht der Fall.

Die Frage 13 des Kollegen Michael Groß und die
Frage 14 der Kollegin Katja Keul werden schriftlich be-
antwortet.

Ich rufe die Frage 15 der Kollegin Doris Barnett auf:
In welchem Rahmen plant die Bundesregierung bezüglich

des gerade eingeführten Gesetzes über das Verfahren des elek-
tronischen Entgeltnachweises, ELENA, kleine und mittelstän-
dische Unternehmen, KMU, zu bevorzugen und von der Mel-
deverpflichtung zu entbinden, und welche Auswirkungen
hätte das Herauslösen von KMU aus dem ELENA-Verfahren
auf das System insgesamt?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704211200


Frau Kollegin Barnett, ich beantworte die Frage 15
wie folgt: Die Bundesregierung wird eine mögliche Be-
lastung von Kleinst- und Kleinunternehmen durch das

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(C (D LENA-Verfahren sowie gegebenenfalls geeignete aßnahmen zur Abhilfe prüfen. Die rechtlichen und aktischen Prüfungen, insbesondere der Auswirkungen uf das Gesamtverfahren, sind hierzu noch nicht abgechlossen. Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich das Erebnis der Prüfung nicht vorwegnehmen kann, zumal an em Verfahren drei Häuser beteiligt sind und es dadurch in Stück komplizierter ist. Nachfrage? – Bitte. Bedenken Sie bei Ihren Prüfungen, dass die Daten bertragung an die anderen sozialen Sicherungssysteme is hin zur Finanzverwaltung möglicherweise ebenfalls etroffen sein könnte? Wären sie ebenfalls aus dem Verahren herausgelöst, dann müsste das finanziell in irendeiner Weise abgegolten werden, weil die Daten beötigt werden. E Frau Kollegin, wir sprechen ausschließlich über das LENA-Verfahren. Wir haben das schon immer isoliert, lso ausdrücklich von anderen Verfahren losgelöst, urchgeführt. Das scheint mir auch unter datenschutzechtlichen Bestimmung sehr wichtig zu sein. Wir überragen Daten an eine zentrale Speichereinheit zur Erstelung der Nachweise. Darum geht es. Wir wissen – im Ausschuss haben wir das mehrfach iskutiert –, dass es im Augenblick gerade bei kleinen nd mittleren Unternehmen große Probleme gibt. Wir eide bekommen wahrscheinlich eine Menge Briefe zu iesem Thema. Wir prüfen zusammen mit den anderen eteiligten Häusern – BMJ, BMAS und BMI –, ob es eitere Möglichkeiten gibt. Wir befinden uns noch in er Prüfung. Ich habe noch eine Verständnisfrage. Sie haben ge agt, dass Sie ELENA auf mögliche datenschutzrechtlihe Probleme prüfen. Habe ich Sie richtig verstanden, ass Sie das hingegen nicht prüfen, wenn es um die Masenübermittlung von Daten an die sozialen Sicherungsysteme und an das Finanzamt geht? E Nein, wir haben nicht über das Datenschutzrecht, sonern ich habe über das System ELENA gesprochen. Daüber diskutieren wir. Wir prüfen, ob man kleine und ittlere Unternehmen von der Übermittlung von Daten n die zentrale Speicherstelle ausnehmen kann. Es gibt eine Nachfrage der Kollegin Zypries. Bitte chön. )

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704211300
Doris Barnett (SPD):
Rede ID: ID1704211400
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704211500
Doris Barnett (SPD):
Rede ID: ID1704211600
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704211700
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704211800




(A) )


Brigitte Zypries (SPD):
Rede ID: ID1704211900

Herr Burgbacher, mich würde interessieren, was ge-

nau Sie in diesem Zusammenhang prüfen. Mir scheint es
so zu sein, dass es vor allen Dingen einer politischen
Entscheidung bedarf, ob man kleine und mittlere Unter-
nehmen von der Meldepflicht entbindet.

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704212000


Frau Kollegin Zypries, Sie wissen sicherlich, dass es
aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts eine
juristische Bewertung hinsichtlich des Datenschutzes ge-
ben muss. Wir prüfen ernsthafte Einwendungen ver-
schiedener Unternehmen, die darauf aufmerksam ge-
macht haben, dass sie mit der derzeitigen Regelung nicht
klarkommen. Sie müssen beachten, dass die Übermitt-
lung für große Unternehmen in der Regel kein Problem
ist, weil sie die Software haben, um die Daten per
Knopfdruck zu übermitteln. Aber viele kleine und mitt-
lere Unternehmen teilen uns mit, dass die Übermittlung
der Daten ein hoher Kostenfaktor für sie ist, weil sie es
selbst nicht machen können, sondern einen Steuerberater
einschalten müssen. Ihre Kosten steigen deshalb.

Ich als Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung
nehme das besonders ernst. Wir prüfen, wie sich das auf
das gesamte System auswirken würde. Das kann man
nicht ohne Weiteres vorhersehen. Ich kann Ihnen so viel
sagen: Ich habe mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitar-
beitern darüber gesprochen, dass es einige Probleme
gibt. Ich bitte Sie um Verständnis; denn es macht nicht
viel Sinn, während eines Prüfungsprozesses Zwischener-
gebnisse herauszugeben, die es im Übrigen auch noch
nicht gibt.


Brigitte Zypries (SPD):
Rede ID: ID1704212100

Gibt es einen Zeithorizont?

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704212200


Das Gesetz ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Daten
werden bereits übermittelt. Das alles wurde vor unserer
Zeit verabschiedet. Zum Thema Bürokratieabbau muss
man deutlich sagen: Bei kleineren Unternehmen zeigt
sich keine entsprechende Wirkung. Wir werden das He-
rauslösen von KMU so schnell wie möglich prüfen, aber
der Vorgang muss mit weiteren Häusern abgestimmt
werden.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704212300

Ich rufe die Frage 16 der Kollegin Barnett auf:

Welcher datenschutzrechtlichen Vorkehrungen bedarf es
hinsichtlich der Übertragung und Verwaltung von Arbeitneh-
merdaten an Dritte, die die Datenverwaltung für den Arbeit-
geber übernommen haben – zum Beispiel Steuerbüros –, und
in welchem Umfang können Arbeitnehmer eine Dateneinsicht
dort vornehmen?

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704212400


Der Arbeitgeber hat bei der Übermittlung von Arbeit-
nehmerdaten an Dritte, zum Beispiel – ich habe es eben

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(C (D usgeführt – an seinen Steuerberater, unterschiedliche atenschutzrechtliche Anforderungen zu erfüllen. Sofern m konkreten Einzelfall keine bereichsspezifischen Daenschutzvorschriften anzuwenden sind, kommen die nforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes zur Anendung. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal da auf hinweisen, dass es sich hierbei um keine spezifisch as ELENA-Verfahren betreffende Datenübermittlung andelt. Ihre Nachfrage, bitte. Aber Sie geben mir doch Recht, Herr Staatssekretär, ass die Daten, die an ELENA übermittelt werden, die leichen sind wie die, die an die Steuerberaterbüros bermittelt werden, die dann die Daten wieder herausrüken müssen? Darüber hinaus haben Sie noch nicht die Frage beantortet, wie die Arbeitnehmer, anders als bei ELENA, enn die Daten einmal abgespeichert sind, Einsicht nehen können, was alles beim Steuerberater abgespeichert t. E Frau Kollegin Barnett, in Ihrer Frage liegt eigentlich chon ein Teil der Antwort. Dadurch, dass die kleinen nternehmen Daten an den Steuerberater geben, der iese aufarbeitet, wird deutlich, dass dies andere Daten it einem anderen Informationsgehalt sind. Es sind ja icht diese Daten, die weitergeleitet werden, sondern die om Steuerberater aufgearbeiteten werden an ELENA eitergeleitet. Deshalb macht es keinen Sinn, das zu bertragen. Wir haben – eigentlich müsste man sagen: Sie aben – für ELENA ein sehr striktes Datenregime bechlossen. Für alle anderen Datenübertragungen gibt es as Bundesdatenschutzgesetz mit all seinen Auswirkunen. Wenn es da Bereiche gibt, mit denen Sie nicht einerstanden sind, dann müssen die ganz konkret benannt nd dann muss das Bundesdatenschutzgesetz geändert erden. Eine weitere Nachfrage. Die Frage bezüglich der Arbeitnehmer haben Sie im er noch nicht beantwortet. E Ich glaube, ab 1. Januar 2012 – das kann ich Ihnen ber gerne noch genauer sagen – hat der Arbeitnehmer m Rahmen von ELENA das Recht, auf seine Daten zuugreifen. Was die anderen Datenübermittlungen angeht, o gilt das Bundesdatenschutzgesetz, nicht das strengere egime von ELENA. )

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704212500
Doris Barnett (SPD):
Rede ID: ID1704212600
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704212700
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704212800
Doris Barnett (SPD):
Rede ID: ID1704212900
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704213000




(A) )


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704213100

Es gibt keine weiteren Nachfragen dazu.

Dann kommen wir zur Frage 17 des Kollegen Garrelt
Duin:

Sind Medienberichte zutreffend, dass bis Ende April 2010
mehr als 206 Millionen Euro für rund 75 000 Prämienberech-
tigte der Umweltprämie noch nicht ausgezahlt worden sind,
obwohl der Fördertopf seit September 2009 leer ist, und wie
will die Bundesregierung eine ordnungsgemäße Abwicklung
im Hinblick auf die Vorgabe der entsprechenden Richtlinie,
dass die Frist für die Einreichung der vollständigen Unterla-
gen am 31. Juli 2010 endet, sicherstellen?

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704213200


Herr Kollege Duin, Sie bezweifeln, dass das Geld
reicht, um die Umweltprämie komplett auszuzahlen. Die
Antwort: Medienberichte sind zutreffend, wonach das
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zum
7. Mai 2010 gut 1,92 Millionen Anträge auf Erhalt einer
Umweltprämie bearbeitet und die Prämie ausgezahlt hat.
Ein Großteil dieser Anträge wurde nach dem zuletzt gül-
tigen zweistufigen Reservierungsverfahren administriert.
Hierbei haben Antragsteller ab Erhalt der Reservierungs-
zusage eine neunmonatige Frist für die Zulassung des
Neufahrzeugs und die Verschrottung des Altfahrzeugs.

Seit 3. September 2009 nimmt das Bundesamt für
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle keine neuen Anträge
auf Erhalt einer Umweltprämie mehr entgegen, weil alle
Finanzmittel für zuvor beantragte Umweltprämien ge-
bunden sind. Fahrzeuge müssen spätestens bis zum
30. Juni 2010 zugelassen werden. Die Frist für die Ein-
reichung der vollständigen Unterlagen endet am 31. Juli
2010. Auszahlungszeitpunkt und Ende der gesamten
Maßnahme hängen nunmehr wesentlich vom Rücklauf
der Reservierungen und damit dem Verhalten der An-
tragsteller, den Lieferfristen der Hersteller und Ähnli-
chem ab. Dem BAFA liegt somit der korrekte Umfang
gebundener Finanzmittel vor, um die verbleibende An-
zahl von unter 80 000 Antragstellern fristgerecht bis spä-
testens 31. Juli 2010 zu bedienen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704213300

Nachfrage bitte.


Garrelt Duin (SPD):
Rede ID: ID1704213400

Vom Verständnis her, Herr Staatssekretär: Wir können

also davon ausgehen, es liegt nicht daran, dass es beim
BAFA sozusagen eine Überlastung gibt, sondern dass
dort alles seinen geregelten bürokratischen Gang läuft?

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704213500


Es läuft alles seinen geregelten Gang.


Garrelt Duin (SPD):
Rede ID: ID1704213600

Gut.

Haben Sie Erkenntnisse darüber, dass eines der Pro-
bleme darin besteht, dass die Verwertung des Altautos
nicht nachgewiesen wird, wenn zum Beispiel Unterlagen
nicht vollständig eingereicht worden sind? Oder ist der

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(C (D rund dafür, dass es zu dieser Verzögerung kommt, in er Tat nur der Lieferzeitpunkt der bestellten Neufahreuge? E Herr Kollege Duin, nach meinen augenblicklichen Inormationen ist tatsächlich der Lieferzeitpunkt der neuen utos das Problem. Aber es ist selbstverständlich geährleistet, dass bei allen genehmigten Anträgen eine uszahlung erfolgt. Die Frage 18 der Kollegin Sylvia Kotting-Uhl wird chriftlich beantwortet. Wir kommen damit zur Frage 19 der Kollegin Sevim ağdelen: Inwieweit trifft es nach Kenntnis der Bundesregierung zu, dass die European Free Trade Association – europäische Freihandelszone, EFTA – im Gegensatz zur EU erneut klargestellt hat, dass Produkte aus den besetzten Gebieten der Westsahara nicht unter das Freihandelsabkommen zwischen der EFTA und Marokko fallen, www.wsrw.org, und inwieweit wird sich die Bundesregierung für eine entsprechende Klarstellung in den Verhandlungen über eine mögliche Verlängerung des laufenden Fischereipartnerschaftsabkommens zwischen der EU und dem Königreich Marokko einsetzen? E Liebe Kollegin Dağdelen, Deutschland ist nicht Mitlied der europäischen Freihandelszone. Daher sind solhe Klarstellungen in Verträgen, die die EFTA abchließt, hier nicht bekannt. Zur Frage einer entsprechenden Klarstellung im Zuammenhang mit möglichen Verhandlungen über eine erlängerung des Fischereiabkommens der EU mit arokko ist darauf hinzuweisen, dass Handelsfragen icht Gegenstand des Fischereipartnerschaftsabkomens sind. Außerdem gilt das bestehende Fischereiab ommen bis zum 27. Februar 2011 und verlängert sich utomatisch um vier Jahre, wenn es nicht vorher gekünigt wird. Es bezieht sich auf das Gebiet Marokkos und ie Gebiete unter der Gerichtsbarkeit Marokkos. Es entält keine Definition des Rechtsstatus der Meeresgewäser der Westsahara und greift einer Festlegung des Status omit nicht vor. Darüber hinaus verweise ich auf die Antwort der undesregierung, übermittelt am 22. April dieses Jahres, uf die Kleine Anfrage, die Sie und Kolleginnen und Kolleen Ihrer Fraktion auf Bundestagsdrucksache 17/1329 getellt haben. Nachfrage? – Bitte schön. Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich habe natürlich ein aar Nachfragen. Sie sagten, dass die Handelsfragen Sevim Daðdelen )

Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704213700

(Garrelt Duin [SPD]: Alles klar! Danke!)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704213800
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704213900
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704214000
Sevim Dağdelen (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704214100




(A) )


Sevim Dağdelen
nicht Bestandteil des Fischereiabkommens sind. Es geht
doch hier um Folgendes: Marokko plündert seit Jahren
die fischreichen Fanggründe vor der Westsahara. Nicht
nur die European Free Trade Association ist der Auffas-
sung, dass die Produkte aus den besetzten Gebieten der
Westsahara nicht unter dieses Freihandelsabkommen fal-
len, das als Begründung für das Fischereiabkommen he-
rangezogen wird, sondern auch der UNO-Rechtsberater
Hans Corell hat festgestellt, dass dieses Fischereiabkom-
men eigentlich rechtswidrig ist.

Meine Frage ist: Es geht bei diesem Fischereiabkom-
men darum, dass jegliche Nutzung von Ressourcen im
Einverständnis mit dem Volk der Westsahara und zu des-
sen Nutzen erfolgen muss. Das Einverständnis hat die
Polisario bisher nicht gegeben. Inwieweit sieht die Bun-
desregierung hier einen Nutzen für die Bevölkerung im
völkerrechtswidrig besetzten Teil der Westsahara? Teilt
sie sozusagen die Auffassung der Marokkanerinnen und
Marokkaner, dass es hier einen Nutzen gibt und damit
eine Verlängerung dieses Fischereiabkommens ab Fe-
bruar 2011 eine Option darstellt?

E
Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704214200


Frau Kollegin Dağdelen, in der Kleinen Anfrage, die
ich erwähnt haben, haben Sie dieselben Fragen gestellt.
Diese wurden ausführlich beantwortet. Wir alle hoffen,
dass es eine Lösung des Westsahara-Konfliktes geben
wird. In der Antwort wurde auch geschrieben, dass in
dem Gutachten des Europäischen Parlaments die Auffas-
sung vertreten wird, dass Aktivitäten zur Ausbeutung
natürlicher Ressourcen in Gebieten ohne Selbstregierung
nur dann im Einklang mit dem Völkerrecht stehen, wenn
diese Aktivitäten zum Wohle der Einwohner dieser Ge-
biete führen oder in Konsultationen mit ihren Vertretern
unternommen werden. In diesem Zusammenhang haben
wir eine Antwort der Europäischen Kommission auf die
Frage der Abgeordneten des Europäischen Parlaments
Isabella Lövin zitiert, in der steht, dass dies der Fall ist.

Sie haben ausführliche Antworten bekommen. Wir
sind mit allen Stellen ständig im Gespräch. Die Europäi-
sche Union ist im Gespräch. Das Abkommen gilt, wie
ich Ihnen gesagt habe, bis 2011.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704214300

Haben Sie eine weitere Nachfrage?


Sevim Dağdelen (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704214400

Ja, das habe ich. – Sie erklärten in den Antworten auf

meine Kleine Anfrage, die im Gegensatz zu Ihrer Be-
hauptung meiner Ansicht nach völlig unzureichend sind,
dass Deutschland und die EU darauf achten, dass die un-
veräußerlichen Rechte der Völker der Gebiete ohne
Selbstregierung auf ihre natürlichen Ressourcen durch
die Abkommen gesichert und garantiert sind. Deshalb
möchte ich Sie jetzt fragen: Haben Sie zur Kenntnis ge-
nommen, dass der Juristische Dienst des Europaparla-
ments dem widersprochen hat und die Auffassung ver-
tritt, dass die unveräußerlichen Rechte der Völker der
Gebiete ohne Selbstregierung, also der Sahrauis, nicht

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(C (D arantiert werden, dass sie missachtet werden? Nehmen ie das zur Kenntnis, und was ist die Schlussfolgerung er Bundesregierung? E Frau Dağdelen, ich nehme das so nicht zur Kenntnis, ondern bitte Sie, zur Kenntnis zu nehmen, dass in der ntwort auf Ihre Kleine Anfrage deutlich wird, worauf as basiert; Sie haben das ja gelesen. Sie greifen jetzt eien Punkt heraus. Ich habe Ihnen gegenteilige Äußerunen gerade schon genannt. Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundes inisteriums für Arbeit und Soziales. Zur Beantworung steht der Parlamentarische Staatssekretär Ralf rauksiepe zur Verfügung. Die Fragen 20 und 21 der Kollegin Silvia Schmidt erden schriftlich beantwortet. Ich rufe die Frage 22 des Kollegen Markus Kurth auf: Inwiefern erkennt die Bundesregierung an, dass die Situa tion von Frauen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zur Situation von Männern mit Behinderungen – sowohl bezüglich der Arbeitslosenals auch bezüglich der Erwerbsquote – schlechter ist, und inwiefern widerspricht die Bundesregierung den Informationen der Bundesagentur für Arbeit, BA, die ebendiesen Umstand verneint (siehe Informationen für den Ausschuss für Arbeit und Soziales, Ausschussdrucksache 17[11]148 zu 17[11]118)

Ernst Burgbacher (FDP):
Rede ID: ID1704214500
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704214600

Bitte schön.

D
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1704214700

Vielen Dank. – Herr Kollege Kurth, ich beantworte

hre Frage wie folgt: Die aktuellsten verfügbaren Daten
ur Erwerbsquote von Menschen mit Behinderungen er-
eben sich aus den Erhebungen des Mikrozensus 2005.
anach liegt, bezogen auf die Altersgruppe der 15- bis
5-Jährigen, die Erwerbsquote der Frauen mit Behinde-
ungen bei 45,9 Prozent. Die vergleichbare Erwerbs-
uote der Männer mit Behinderungen liegt bei
3,3 Prozent. Dies spiegelt im Wesentlichen die gene-
elle geschlechterungleiche Verteilung zur Erwerbstätig-
eit wider. Bei nichtbehinderten Menschen liegt die ver-
leichbare Erwerbsquote der Frauen nach den Daten des
ikrozensus 2005 bei 68,6 Prozent und die Erwerbs-

uote der Männer bei 83,2 Prozent. Setzt man die ge-
chlechtsspezifischen Quoten zueinander in Relation, so
ällt die Erwerbsquote von Frauen mit Behinderungen
egenüber der von Männern mit Behinderungen weniger
tark ab, als dies bei den Nichtbehinderten der Fall ist.
ie erreicht bei Frauen mit Behinderungen eine Größe
on 86,1 Prozent der Erwerbsquote der männlichen Be-
ugsgruppe. Bei Nichtbehinderten liegt der Wert bei
2,5 Prozent.

Zur Arbeitslosenquote von Frauen mit Behinderun-
en ist festzustellen, dass nach den aktuellen Daten der
undesagentur für Arbeit schwerbehinderte Frauen im
pril 2010 einen Anteil von 39,9 Prozent an allen

chwerbehinderten Arbeitslosen ausmachten. Das ent-





Parl. Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe


(A) )


)(B)

spricht nach den Daten des Mikrozensus 2005 dem An-
teil weiblicher Erwerbspersonen mit Behinderungen an
allen Erwerbspersonen zwischen 15 und 65 Jahren mit
Behinderungen.

Nach diesem Datenvergleich ergibt sich für Frauen
mit Behinderungen eine gleiche Betroffenheit von Ar-
beitslosigkeit wie für Männer mit Behinderungen unter
Berücksichtigung der jeweiligen Erwerbsbeteiligung.
Eine strukturell schlechtere Situation im Vergleich zu
Männern besteht insoweit nicht.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704214800

Bitte schön, Herr Kollege Kurth.


Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704214900

Sind der Bundesregierung denn auch neuere Zahlen

als die aus dem Mikrozensus 2005 bekannt? Und wie be-
wertet die Bundesregierung die Aussage der Bundes-
agentur für Arbeit? Ich habe Sie ja auch diesbezüglich
nach Ihrer Einschätzung gefragt.

D
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1704215000


Herr Kollege Kurth, ich habe darauf hingewiesen,
dass ich Ihnen die aktuellsten verfügbaren Daten vorge-
tragen habe. Anhand dieser Daten habe ich deutlich ge-
macht, dass die Bundesregierung Ihre Darstellung der
Situation – Sie weisen darauf hin, dass ein Widerspruch
zu den Daten der Bundesagentur für Arbeit besteht –
nicht teilt. Von daher gibt es auch keinen Widerspruch
zwischen der Position der Bundesregierung und dem,
was die Bundesagentur für Arbeit an Informationen he-
rausgegeben hat.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704215100

Eine weitere Frage? – Das ist nicht der Fall.

Dann kommen wir zur nächsten Frage, zur Frage 23
des Kollegen Kurth:

Inwiefern sieht die Bundesregierung durch Art. 6 in Ver-
bindung mit Art. 31 der UN-Behindertenrechtskonvention
eine Chance, die geschlechtsspezifische Differenzierung der

(siehe Antworten der Bundesregierung auf die mündliche Frage 25 von Markus Kurth am 25. November 2009)

zung der Konvention in nationales Recht zu betrachten, und
inwiefern wird die Bundesregierung darauf hinwirken, dass
die monatliche geschlechtsspezifische Arbeitslosenzahl
schwerbehinderter Menschen, die von der BA erhoben wird

(siehe Informationen für den Ausschuss für Arbeit und Soziales, Ausschussdrucksache 17[11]148 zu 17[11]118)

aktuellen monatlichen Arbeitsmarktbericht der BA Nieder-
schlag findet?

D
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1704215200


Herr Kollege Kurth, ich antworte Ihnen wie folgt: Die
derzeit von der Bundesagentur für Arbeit erhobenen Da-
ten zur Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Men-
schen bieten eine differenzierte, geschlechtsspezifische
Datenbasis zur beruflichen Lage der Betroffenen und
eine gute Informationsgrundlage für Maßnahmen zur
Verbesserung der Teilhabe schwerbehinderter Men-

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(C (D chen am Arbeitsleben. Damit wird auch den Forderunen aus Art. 6 und Art. 31 der UN-Behindertenrechtsonvention entsprochen. Unabhängig davon wird die Bundesregierung bei der ntwicklung des Nationalen Aktionsplans und unter inbeziehung der Verbände von Behinderten und für beinderte Menschen prüfen, welche Maßnahmen zu einer eitergehenden, noch umfassenderen Umsetzung der rt. 6 und 31 der UN-Behindertenrechtskonvention erriffen werden können. Die Bundesagentur für Arbeit berichtet monatlich ber die Arbeitslosigkeit von schwerbehinderten Menchen in verschiedenen Berichten und Statistikheften. er monatliche Bericht über den Arbeitsund Ausbilungsmarkt in Deutschland orientiert sich an dem Beichtsziel, die allgemeine Entwicklung des Arbeitsund usbildungsmarktes darzustellen. Gruppenspezifische nalysen und Daten zur Arbeitsmarktlage werden in eränzenden Berichten und Statistikheften angeboten. Anaben zu schwerbehinderten Arbeitslosen nach Gechlecht finden sich zum Beispiel in dem Statistikheft Frauen und Männer“, das monatlich für das Bundesgeiet, für die Länder und die Kreise im Internet angeboten ird. Bitte schön. Hält die Bundesregierung es für notwendig, ge chlechtsspezifische Daten, etwa zum Zugang zu Areitsmarktinstrumenten, zu erfassen? In der Anhörung zum Bericht der Bundesregierung ur Lage der Menschen mit Behinderungen in Deutschand hat eine Sachverständige festgestellt, dass Frauen it Behinderung weitaus seltener Zugang zu hochwertien Qualifizierungen haben und auch beim Zugang zu nderen Instrumenten der aktiven Arbeitsmarktpolitik egenüber Männern benachteiligt sind. Diesen gesamten omplex greift auch die UN-Behindertenrechtskonven ion auf. Insofern frage ich: Besteht nicht das Interesse der undesregierung, diese Zusammenhänge durch eine ent prechende statistische Erfassung besser zu beleuchten, uch um im Sinne von Good Governance bessere Maßahmen ergreifen zu können? D Herr Kollege Kurth, ich habe darauf hingewiesen, ass geschlechtsspezifische Daten sehr wohl erhoben nd auch veröffentlicht werden. Sie wissen, dass wir unter Beteiligung aller zuständigen Verbände – mit der rstellung des Nationalen Aktionsplanes beschäftigt ind. In diesem Zusammenhang wird zu prüfen sein, ob ie statistische Berichterstattung noch umfassender sein ollte. Den Ergebnissen dieses Abstimmungsprozesses ann und will ich an dieser Stelle nicht vorgreifen. )

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704215300
Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704215400
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1704215500




(A) )


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704215600

Eine Nachfrage.


Markus Kurth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704215700

Wann könnte eine solche Prüfung abgeschlossen sein,

bzw. wann erwartet die Bundesregierung Ergebnisse?

D
Dr. Ralf Brauksiepe (CDU):
Rede ID: ID1704215800


Der Abstimmungsprozess zum Nationalen Aktions-
plan soll im Herbst dieses Jahres stattfinden. Entspre-
chend ist mit Ergebnissen zu rechnen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704215900

Danke schön.

Die Frage 24 der Kollegin Pothmer wird schriftlich
beantwortet, ebenso die Fragen 25 und 26 der Kollegin
Zimmermann.

Wir sind damit beim Geschäftsbereich des Bundes-
ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Ver-
braucherschutz. Auch die beiden Fragen der Kollegin
Ulrike Höfken – Frage 27 und 28 – werden schriftlich
beantwortet.

Damit sind wir beim Geschäftsbereich des Bundes-
ministeriums der Verteidigung. Zur Beantwortung steht
der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt
zur Verfügung.

Wir kommen zur Frage 29 der Kollegin Katja Keul:
Warum sieht sich die Bundesregierung erst jetzt und nicht

direkt nach dem Luftschlag vom 4. September 2009 dazu in
der Lage, dessen Opfer und Verletzte gemeinsam mit einer
Versammlung der Dorfältesten zu identifizieren, um im An-

(vergleiche Spiegel Online vom 8. Mai 2010)


Bitte schön, Herr Staatssekretär.

C
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1704216000


Vielen Dank, Herr Präsident. – Frau Kollegin Keul,
ich beantworte Ihre Frage wie folgt: Die Bundesregie-
rung hat nie einen Zweifel daran gelassen, aus Anlass
des Luftangriffs der NATO vom 4. September 2009
schnell und unbürokratisch zu helfen.

In Abstimmung mit den örtlichen afghanischen Auto-
ritäten gliedern sich die rechtlich freiwilligen Unterstüt-
zungsleistungen in zwei Stufen, und zwar in eine bereits
im Februar 2010 geleistete Wintersoforthilfe und sodann
in mittel- und langfristige Maßnahmen. Da sich Wieder-
aufbau- und Entwicklungsprojekte in der Region derzeit
aufgrund der Sicherheitslage nicht zügig umsetzen las-
sen, wird Opfern und Hinterbliebenen flankierend durch
landestypische Geld- und Sachleistungen geholfen.
Nach unseren Informationen sind bereits vor einiger Zeit
von afghanischer Seite Entschädigungsleistungen an
Einzelpersonen – nach unserer Kenntnis allerdings nicht
an die gesamte Zahl der möglicherweise Betroffenen –
geleistet worden. Die Einbindung der örtlichen Autoritä-
ten und unabhängiger afghanischer Organisationen stellt

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(C (D icher, dass die flankierenden Leistungen in die richtigen ände kommen und nicht zu Unfrieden führen. Bei der Feststellung des Kreises der Betroffenen, die nsere Leistungen in Anspruch nehmen wollen, ist es zu nterschiedlichen Daten gekommen; dies hat sich im aufe der letzten Monate von einer bloßen Vermutung u einer Vermutung mit hoher Wahrscheinlichkeit entickelt. Das hat uns dazu veranlasst, in der von Ihnen in er Frage angesprochenen Schura eine Identifizierung owohl der Maßnahmen als auch der betroffenen Persoen vorzunehmen. Frau Kollegin, ich darf darauf hinweisen, dass wir uch aus Kreisen des Parlaments in unseren Zweifeln, ob ir über die Daten umfassend informiert wurden, be tärkt worden sind. Ich selbst hatte vor wenigen Wochen ie Möglichkeit, mit dem stellvertretenden Leiter des nabhängigen afghanischen Komitees für Menschenechte ein Gespräch zu führen, wodurch wir letztendlich en Abgleich der Listen in dieser Schura vorbereiten onnten. Diese Schura hat wiederum gezeigt, dass das in durchaus delikates und sehr schwieriges Unterfangen st. Man konnte den Eindruck haben, dass eine Paralleleranstaltung eines zeitweise mit der Vertretung einiger er Betroffenen mandatierten Anwalts stattfinden sollte. Nachdem diese Probleme gelöst werden konnten, urden, so glaube ich, in der Schura aufgrund der ver inbarten bzw. angekündigten Regelungen sowohl hinichtlich der längerfristigen Leistungen als auch der indiiduellen Ex-gratia-Leistungen alle wesentlichen Fragen eantwortet. Nachfrage? – Bitte schön, Frau Kollegin. Vielen Dank. – Herr Staatssekretär, nun ist es ja so, ass die Betroffenen, die Opfer und die Angehörigen, in en letzten neun Monaten von verschiedensten Seiten von afghanischen Stellen, von Nichtregierungsorgani ationen und auch vom Roten Kreuz – immer wieder beragt worden sind. Verspricht sich die Bundesregierung urch diese nochmalige Befragung nach über neun Moaten neue Erkenntnisse hinsichtlich der Identifizierung er Toten und Verletzten? C Wir haben sehr viel Hilfe und Unterstützung bei der dentifizierung sowohl der Toten und Verletzten als auch hrer Angehörigen und bei der Aufklärung der Hinterründe der Betroffenen erhalten. Allerdings wurde die dentifizierung durch die Vielzahl der Informationen in er Tat teilweise erschwert. Ich sage nicht kritisierend, sondern feststellend und her beschreibend, dass wohl nicht alle Listen übereinestimmt haben. Deswegen war es unsere Intention, soohl anhand der Listen des IKRK als auch anhand der isten des AIHRC, des unabhängigen Menschenrechtsomitees, eine Revision durchzuführen, wenn Sie so Parl. Staatssekretär Christian Schmidt )

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704216100
Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704216200
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1704216300




(A) )

wollen, um zu sehen, inwieweit wir zielgerichtet an die
richtigen Betroffenen herangetreten sind. Dabei ging es
uns vor allem um die Betroffenen, die bei den Intentio-
nen, die mit der Zivilbevölkerung nichts zu tun haben,
nicht berücksichtigt wurden.


Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704216400

Vielen Dank. – Herr Staatssekretär, ich möchte Sie

abschließend fragen, ob Sie mir recht geben, dass es,
wenn diese Befragung seitens der Bundesregierung zeit-
nah nach dem Vorfall erfolgt wäre, möglicherweise ein-
facher gewesen wäre, zuverlässige Listen zu erstellen
und die Toten zu identifizieren.

C
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1704216500


Frau Kollegin, eine zeitnahe Entscheidung ist immer
die beste. Mir liegt aber doch daran, deutlich zu machen,
dass das kein schuldhaftes Versäumnis war.

Unter Bezugnahme – wenn Sie das gestatten – auf
Ihre und meine Profession als Anwalt sage ich, dass der
Umstand, dass anwaltliche Vertretungen mit eingeschal-
tet sind, nicht immer zu einer Beschleunigung von Ent-
scheidungen führt; ich lasse diese allgemeine Beobach-
tung einmal so im Raume stehen.

Wir hatten auch mit Fragen zu kämpfen, die nicht un-
mittelbar mit der Identifizierung der Einzelnen zu tun
hatten.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704216600

Danke schön. – Eine Nachfrage der Kollegin Beck.

Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN):

Herr Staatssekretär, es ist in dieser langen Arie immer
wieder hin- und hergegangen, ob die Betroffenen vor Ort
Geldleistungen oder Projekte begrüßen würden. Konnte
diese Frage in der Schura mit den Betroffenen und ihren
Vertretern geklärt werden?

C
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1704216700


Die Abstimmung über die geplanten Verfahren wird
in einer Fortsetzung der Schura am 22. Mai stattfinden.
Soweit es sich bisher abzeichnet, geht es dabei sowohl
um individuelle Ex-gratia-Zahlungen und -Leistungen
als auch um mittel- und langfristige Projekte, die dann in
der Bundesregierung unter Federführung des Bundes-
ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung und des Auswärtigen Amtes angesiedelt
sein sollen. Beides soll das Ziel sein.

Wir legen nach all den Erfahrungen, die wir in den
letzten neun Monaten sammeln konnten, großen Wert
darauf, dass die lokalen afghanischen Autoritäten mit
einbezogen werden. Das ist auch Gegenstand der Bera-
tungen in der Schura gewesen. Die individuellen Zah-
lungen werden allerdings auf Wunsch der Betroffenen
teilweise in direkter Abwicklung ohne Einschaltung af-
ghanischer Autoritäten erfolgen.

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(C (D Weitere Nachfrage. Marieluise Beck EN)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704216800
Herr Staatssekretär, ich würde außerdem gerne wis-

en, ob es auch eine Kooperation mit IOM geben wird,
ie familienbezogene Sachleistungen an betroffene Fa-
ilien liefert.

C
Christian Schmidt (CSU):
Rede ID: ID1704216900


Daran ist gedacht. Die IOM ist in die Schura mit ein-
ezogen gewesen. Das halten wir für einen Weg, der
ielsicherheit gewährleistet, damit die Leistungen auch
iejenigen erreichen, für die sie gedacht sind. Das ist ein
ehr großes Pfund, mit dem wir wuchern könnten und
ollten. Über die genaue Ausgestaltung ließe sich, wie
esagt, erst nach dem 22. Mai berichten.

Herr Präsident, wenn es gestattet ist, möchte ich, ohne
ine Zusatzfrage zu beantworten, die Gelegenheit wahr-
ehmen, mich für das sehr intensive Engagement von
rau Kollegin Beck in der Verfolgung dieser Angelegen-
eit, die uns in der Tat vor manche ungeahnten Schwie-
igkeiten gestellt hat, zu bedanken. Das ist eine dem
aus, dem Parlament und der Bundesregierung und da-
it auch unserem Lande sehr förderliche Tätigkeit ge-
esen.

Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
EN):
Herr Präsident, darf ich kurz antworten, dass ich zwar

icht für dieses Lob in die Fragestunde gekommen bin,
ich aber trotzdem bedanke.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704217000

Das nehmen wir mit Fassung hin.

Damit ist dieser Geschäftsbereich beendet. Die
rage 30 des Kollegen Kai Gehring wird schriftlich be-
ntwortet.

Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundes-
inisteriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
ie Frage 31 des Kollegen Kai Gehring, die Frage 32
er Kollegin Caren Marks, die Fragen 33 und 34 der
ollegin Britta Haßelmann und die Frage 35 des Kolle-
en Christian Lange werden schriftlich beantwortet.

Damit kommen wir zu Frage 36 des Kollegen Ilja
eifert:

Warum hat die Bundesregierung nicht dafür gesorgt, dass
mit der mit Bundesmitteln erfolgten Restaurierung sowjeti-
scher Gedenkstätten in Berlin-Tiergarten und Berlin-Treptow

(siehe Antworten der Bundesregierung zu meinen schriftlichen Fragen 103 und 104 auf Bundestagsdrucksache 17/1645)

die Bundesregierung tun, um in diesen und gegebenenfalls
weiteren sowjetischen Gedenkstätten in Deutschland künftig
auch Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen, den für
die Befreiung Deutschlands vom Faschismus gefallenen
Sowjetsoldaten zu gedenken?

Bitte schön, Herr Staatssekretär Kues.






(A) )


)(B)

Dr
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1704217100


Die Errichtung und Pflege von Gedenkstätten und
Denkmalen fallen in die Kulturhoheit der Bundesländer.
In Art. 18 des deutsch-sowjetischen Nachbarschaftsver-
trages vom 9. November 1990 ist allerdings vereinbart
worden, dass die auf deutschem Boden errichteten
Denkmale, die den sowjetischen Opfern des Krieges und
der Gewaltherrschaft gewidmet sind, geachtet, erhalten
und gepflegt werden. Auch wenn das primär eine Auf-
gabe der Bundesländer ist, ist in diesem Fall wegen der
herausragenden Bedeutung dieser Ehrenmale in der
deutschen Hauptstadt der Bund für die bauliche Grund-
sanierung der Gedenkstätten Berlin-Treptow und Berlin-
Tiergarten verantwortlich und hat hierfür auch Förder-
gelder zur Verfügung gestellt. Diese Baumaßnahmen
werden allerdings von Berlin nach Landesbaurecht und
unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen As-
pekte geplant und durchgeführt. Darauf nimmt die Bun-
desregierung nicht unmittelbar Einfluss, auch nicht da-
rauf, inwieweit die beiden hier in Rede stehenden
Denkmale für das Publikum zugänglich sind.

Ich sage Ihnen allerdings zu, Herr Kollege Seifert, dass
wir das zum Anlass nehmen werden, bei der nächsten
Bund-Länder-Besprechung zur Kriegsgräberfinanzierung
das Thema „Barrierefreiheit bei Kriegsgräbergedenkstät-
ten und Ehrenmalen“ als eigenen Tagesordnungspunkt
vorzusehen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704217200

Nachfrage? – Bitte, Kollege Seifert.


Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704217300

Herr Staatssekretär, erst einmal vielen Dank für die

Zusage. Ich würde mich freuen, wenn daraus auch
Schlussfolgerungen gezogen würden.

Ich danke Ihnen übrigens besonders dafür, dass Sie
im Namen der Bundesregierung antworten. Ich habe
nämlich vermutet, dass das Thema in den Geschäftsbe-
reich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur
und Medien fällt und dass dieser antwortet.

Da Sie nun namens der Bundesregierung antworten,
möchte ich Sie fragen, wie das denn sein kann; denn
auch nach Landesbaurecht ist Barrierefreiheit vorge-
schrieben. Wir brauchen von hier aus nur fünf Minuten
bis zum Sowjetischen Ehrenmal. Zum 65. Jahrestag der
Befreiung vom Faschismus am 7. Mai dieses Jahres wur-
den dort wieder Kränze niedergelegt. Auch ich hätte
gern eine Blume niedergelegt. Ich konnte das nicht tun,
weil dort Treppen sind. Leider war kein einziges Mit-
glied der Bundesregierung dort, das die fehlende Barrie-
refreiheit hätte feststellen können.

Ich finde schon, dass die Antwort auf meine vorher-
gehende Frage – Sie sagten, das sei sozusagen nicht nö-
tig – anders hätte ausfallen können.

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(C (D Dr Ich kann nur wiederholen: Wir stehen ausdrücklich azu, dass diese Gedenkstätten in besonderer Weise auch n der Verantwortung des Bundes sind. Aber es ist so, ass das jeweilige Bundesland – in diesem Fall das Bunesland Berlin – für die Umgestaltung zuständig und erantwortlich ist. Ich sage ausdrücklich zu, dass wir das ei der nächsten Sitzung ansprechen werden. Ich nehme n, dass das Thema nicht richtig berücksichtigt worden st. Anders kann ich mir das nicht erklären. Darf ich, Herr Staatssekretär, wenn Sie das anspre hen, davon ausgehen, dass das dann auch für alle weiteen Ehrenmale und Gedenkstätten für die Alliierten des weiten Weltkrieges gilt? Dr Ich kann Ihnen nur zusagen, dass wir es ansprechen erden. Ich kann Ihnen nicht zusagen, dass das auch einehalten wird, weil nicht wir es konkret sind, die dafür erantwortlich sind. Insofern würde ich Ihnen etwas verprechen, was ich Ihnen gar nicht versprechen kann. Wir kommen zur Frage 37 – sie wird auch vom Kolle en Seifert gestellt –: Welche Regelungen gibt es hinsichtlich der Aufbewah rung sowie der Zugänglichkeit der Akten und elektronischen Daten von/über Contergangeschädigte sowie der Stiftung selbst bei der Conterganstiftung für die Betroffenen, die Mitglieder von Gremien der Stiftung sowie für die Firma Grünenthal GmbH? Bitte schön, Herr Staatssekretär. Dr Ich will darauf gern antworten. – Der Stiftungsvortand hat bereits im Jahr 2006 Richtlinien zur Aufbeahrung von Akten und sonstigem Schriftgut der Con erganstiftung beschlossen. Man hat also Regelungen ereinbart. Sie gelten auch für die elektronischen Datenestände. Sie orientieren sich im Wesentlichen am Bunesdatenschutzgesetz. Bislang wurden noch keine Unterlagen vernichtet. nterlagen, die die Stiftung selbst betreffen, zum Bei piel zur Errichtung der Stiftung, Vorstandsund Stifungsprotokolle usw., werden ohne Frist aufbewahrt. Der Zugang zu den Akten und zu den elektronischen aten ist reglementiert. Zunächst einmal hat jeder Leis ungsberechtigte das Recht auf Einsicht in seine eigene kte. Außerdem haben Aktenzugriff sowohl das Fami ienministerium im Rahmen der Rechtsaufsicht als auch er Bundesrechnungshof im Rahmen von Prüfungen. uf Akten und Daten Leistungsberechtigter haben Mit Parl. Staatssekretär Dr. Hermann Kues )

Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1704217400
Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704217500
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1704217600
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704217700
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1704217800




(A) )

arbeiter der Geschäftsstelle sowie mit der Verwahrung
beauftragte Personen Zugriff. Weiterhin erhält der Vor-
stand im Rahmen seiner Geschäftsführung personen-
bezogene Informationen. Im Fall von Neu- und Revi-
sionsanträgen erhält die medizinische Kommission auch
personenbezogene Informationen. Sofern Unterlagen
von Antragstellern oder Leistungsberechtigten aus dem
Ausland zu übersetzen sind, werden diese Dokumente an
den Sprachendienst der KfW gegeben.

Die Firma Grünenthal hat weder zu den Akten noch
zu den elektronischen Daten Zugang.

Die Protokolle der Sitzungen des Stiftungsrats sind für
die Gremienmitglieder zugänglich und, soweit kein ande-
rer Beschluss des Stiftungsrats vorliegt, grundsätzlich öf-
fentlich. Der Status der Vorstandsprotokolle unterliegt
zurzeit noch einer rechtlichen Prüfung. Die Überwachung
der Einhaltung datenschutzrechtlicher Anforderungen er-
folgt durch den Datenschutzbeauftragten der Stiftung.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704217900

Nachfrage? – Bitte.


Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704218000

Erst einmal vielen Dank für die Antwort. – Ich will die

Frage der Vorstandsprotokolle jetzt einmal außer Acht
lassen. Mir geht es insbesondere um die persönlichen
bzw. personenbezogenen Daten zu Behinderungen oder
Krankheiten der einzelnen betroffenen Conterganopfer.
Es ist sehr stark zu vermuten, dass die Firma Grünenthal
bzw. eine Tochter- oder eine Nachfolgefirma und deren
Wissenschaftler Zugang zu den personenbezogenen Da-
ten haben oder zumindest hatten; ich meine nicht nur die
elektronisch verfügbaren Daten, sondern auch das, was
früher auf Papier festgehalten wurde. Können Sie das
ausschließen?

Dr
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1704218100


Ich kann das grundsätzlich ausschließen, was die
Firma Grünenthal angeht. Ich habe eben gesagt, wer aus
welchen Gründen Zugriff hat: Behörden, bestimmte Ein-
richtungen, der Bundesrechnungshof und natürlich die
medizinische Kommission, die sich gegebenenfalls per-
sonenbezogene Daten ansehen muss, weil sie zu ent-
scheiden hat. Die Firma Grünenthal hat – das sage ich
ausdrücklich – keinen Zugang zu diesen Daten.


Dr. Ilja Seifert (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704218200

Ist es auch garantiert, dass niemand von der Firma

Grünenthal in der medizinischen Kommission sitzt?

Dr
Dr. Hermann Kues (CDU):
Rede ID: ID1704218300


Herr Kollege Seifert, Informationen, die an einen be-
grenzten Personenkreis gegeben werden, unterliegen na-
türlich der Vertraulichkeit. Ich gehe davon aus, dass die
Vertraulichkeit eingehalten wird. Wenn Sie anderer Auf-
fassung sind, müsste man das an geeigneter Stelle the-

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(C (D atisieren. Prinzipiell ist die Firma Grünenthal davon usgeschlossen. Danke schön. Die Fragen 38 und 39 der Kollegin Erika Steinbach erden schriftlich beantwortet, genauso wie die Fragen 0 und 41 der Kollegin Marlies Volkmer zum Geschäftsereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Damit kommen wir zum Geschäftsbereich des Bunesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. ur Beantwortung steht der Parlamentarische Staatsseretär Enak Ferlemann zur Verfügung. Ich rufe die Frage 42 des Kollegen Friedrich stendorff auf: Ist es richtig, dass es sich bei § 35 Abs. 1 Nr. 4 des Baugesetzbuchs, BauGB, um einen Auffangtatbestand für atypische Fälle handelt, die in § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB nicht erfasst sind? Bitte, Herr Staatssekretär. E Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und erren! Geschätzter Kollege Ostendorff, Ihre Frage nach er Privilegierung gemäß § 35 und danach, ob es sich abei um einen Auffangtatbestand für atypische Fälle andelt, beantworte ich wie folgt: Anders als die Privileierungstatbestände nach Nrn. 1 bis 3 und 5 bis 7 des 35 Abs. 1 des Baugesetzbuches, in denen jeweils eine estimmte Funktion des Vorhabens bezeichnet wird, um Beispiel einem landoder forstwirtschaftlichen Berieb oder der energetischen Nutzung von Biomasse dieend, stellt Nr. 4 darauf ab, ob die Verwirklichung des orhabens im Außenbereich geboten ist. Im Hinblick uf das gesetzgeberische Ziel des § 35 des Baugesetzuches, den Außenbereich vor einer unangemessenen nanspruchnahme zu schützen, ist Nr. 4 nach der Rechtprechung des Bundesverwaltungsgerichts eher eng ausulegen. Herr Kollege. Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜEN)

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704218400
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704218500
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704218600
Angesichts von 62 000 schweinehaltenden Betrieben

nd 9 000 Geflügelmastbetrieben, die die Statistik 2007
usweist, stellt sich die Frage: Was heißt „eng auszule-
en“, wenn 80 Prozent der Geflügelmastbetriebe nach
35 Abs. 1 Nr. 4 – das ist der Auffangtatbestand für aty-

ische Fälle – genehmigt werden, und zwar gerade in
en westlichen Bundesländern? Ich darf das eben erklä-
en: Es geht um die Flächenknappheit der Betriebe. Nor-
alerweise gilt eine Flächenbindung in der Tierhaltung.
ber in den westlichen Bundesländern, in denen Flächen

her knapp sind, genehmigt man sehr häufig nach § 35
bs. 1 Nr. 4. Wie bewertet die Bundesregierung das?
eobachten Sie das mit Sorge, oder sehen Sie dieses Ge-

chehen gelassen?






(A) )


)(B)

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704218700


Das beantworte ich wie folgt: Wir sehen dieses Ge-
schehen nicht gelassen. Wir beobachten das sehr genau
und sehen auch die Probleme, die damit verbunden sind.
Allerdings ist die Rechtsprechung in dieser Frage bisher
sehr eindeutig. In der juristischen Fachliteratur wird das
sehr differenziert gesehen, wie Sie sicherlich wissen. Die
entscheidende Frage ist, wann die Gerichte gegebenen-
falls ihre Rechtsprechung verändern. Derzeit ist es ober-
gerichtlich so entschieden. Wir sehen das Ganze aber mit
einer gewissen Sorge und beobachten sehr genau.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704218800

Eine weitere Nachfrage.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Dies können wir nun abschließen; denn dazu haben
wir eine Gesetzesnovelle in das Hohe Haus eingebracht,
über die wir beraten werden.

Meine zweite Nachfrage lautet: Wie schätzt die Bun-
desregierung es ein, dass diese neuen „Massentierhal-
tungsstallungen“, die in der Praxis üblicherweise mit
Sondergenehmigungen errichtet werden, sehr häufig
weit weg von den eigentlichen landwirtschaftlichen
Betrieben im Außenbereich, mitten in der Landschaft
– 500 bis 1 000 Meter sind keine Seltenheit –, stehen?
Wird auch dieses Geschehen von Ihnen mit Sorge be-
obachtet?

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704218900


Das kann ich bestätigen. Auch das sehen wir so. Al-
lerdings haben wir mit der letzten Novellierung des Bau-
gesetzbuches Tatbestände eingeführt, die den Gemein-
den Handlungsfreiheit geben. Das heißt: Über die
Erstellung von Flächennutzungsplänen kann man soge-
nannte besondere Gebiete ausweisen, in denen solche
Stallanlagen möglich sind, die den Ausschlusscharakter
für alle anderen Gebiete in der Gemeindefläche haben.
Damit haben die Kommunen nach unserer Auffassung
– das kam damals in der Gesetzesberatung zum Aus-
druck – eine gute Steuerungsmöglichkeit erhalten.
Gleichwohl ist uns bekannt, dass viele Kommunen trotz-
dem Schwierigkeiten haben, das anzuwenden. Wir wer-
den das bei der neuen Novelle des Baugesetzbuches be-
raten und überprüfen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704219000

Gibt es noch eine Nachfrage? – Bitte schön.


Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704219100

Es ist oft so, dass diese Betriebe nicht von den Kom-

munen gewollt werden. Ich kann das von meinem Wahl-
kreis sagen. Es sind landwirtschaftliche Betriebe, die
dort bauen. Ich bitte Sie um eine klare Auskunft darüber,
wie Sie die Entwicklung zu steuern gedenken, gerade
weil die Kommunen diese Entwicklung nicht befördern.

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(C (D E Natürlich bauen die Kommunen nicht die Stallungen. s wäre ein tolles Ding, wenn die Kommunen in der andwirtschaft aktiv werden würden. Die Kommunen önnen über die Bauleitplanung steuern. Das Baugesetzuch bietet die Möglichkeit, bestimmte Flächen für eine olche intensive Nutzung festzusetzen, die dann Auschlusscharakter für den Rest des Gemeindegebietes haen. Die Kommunen tun sich naturgemäß schwer, betimmte Flächen dafür festzusetzen, was dazu führt, dass s keinen Ausschlusscharakter gibt. Damit hat man prakisch die Privilegierung. Dann wird nach dem Bundesmmissionsschutzgesetz und anderen rechtlichen Regeungen entschieden. Das Problem ist uns bekannt, übrigens auch mir seler aus meinem eigenen Wahlkreis. Deswegen werden ir bei der Novellierung des Baugesetzbuches auch prü en, ob wir hier die rechtlichen Rahmenbedingungen änern müssen; denn auch wir sehen diese Entwicklung it Sorge. Uns sind die Berichte nicht unbekannt, die esagen, wie in einzelnen Gemeinden zum Teil die geamte Dorfgemeinschaft über die Frage gespalten wird, b, wie und wo man ansiedeln soll. Danke. – Wir kommen damit zur Frage 43 des Kolle en Anton Hofreiter: Wie beurteilt die Bundesregierung die von der DFS Deut schen Flugsicherung GmbH wie auch von Piloten der Lufthansa geäußerten erheblichen Sicherheitsbedenken gegen die Genehmigung von Sichtflügen Mitte April dieses Jahres durch die Flugaufsicht, und wer trägt die Verantwortung für Schadensfälle bei den genehmigten Sichtflügen, beispielsweise aufgrund sehr geringer Flughöhen? Herr Staatssekretär. E Herr Kollege Hofreiter, ich beantworte Ihre Frage wie olgt: Flüge nach Sichtflugregeln sind grundsätzlich zuässig. Sie setzen jedoch voraus, dass die Bestimmungen er Luftverkehrs-Ordnung hinsichtlich der Sichtflugbeingungen, der Einhaltung der Sicherheitsmindestflugöhen und der anzuwendenden Betriebsvorschriften der U-OPS 1 eingehalten sind. Sichtflüge im kontrollierten uftraum setzen daher gute Sichtverhältnisse sowie eine eringe Inanspruchnahme des Luftraums voraus. Sollte ie Verkehrssituation es nicht zulassen, kann die Flugicherung Freigaben für entsprechende Flüge verweiern. Die Verantwortung für die sichere Durchführung des luges sowie die Einhaltung der Sicherheitsmindesthöen bzw. der Mindesthöhe bei Überlandflügen nach ichtflugregeln trägt nach § 6 der Luftverkehrs-Ordnung er Luftfahrzeugführer bzw. der Pilot. Gegenüber einem Dritten haftet im konkreten Schaensfall grundsätzlich der Halter des Luftfahrzeugs geäß §§ 33 ff. Luftverkehrsgesetz für den angerichteten chaden. Für Personen und Sachen an Bord des Luftahrzeugs haftet der jeweilige Luftfrachtführer gemäß Parl. Staatssekretär Enak Ferlemann )

Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704219200
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704219300
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704219400




(A) )

§§ 44 ff. Luftverkehrsgesetz. Halter und Luftfrachtfüh-
rer sind zumeist eine Person. Sie können jedoch auch
auseinanderfallen. Regelmäßig ist es aber das Luftfahrt-
unternehmen, das für den Schaden einzutreten hat. Ein
möglicher Regress des Luftfahrtunternehmens gegen-
über dem Luftfahrzeugführer bzw. dem Piloten unter-
liegt keinen besonderen gesetzlichen Regelungen.

Ein Anspruch gegen die Bundesrepublik Deutschland
im Hinblick auf die Zulassung von Sichtflugverkehr für
Luftfahrzeuge mit Strahltriebwerken in niedrigen Flug-
höhen käme nur dann in Betracht, wenn hierin eine
Amtspflichtverletzung nach § 839 BGB in Verbindung
mit Art. 34 des Grundgesetzes zu sehen wäre.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704219500

Nachfrage?


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Vielen Dank, Herr Präsident. Vielen Dank, Herr
Staatssekretär, für die Beantwortung. – Meine erste
Nachfrage ist: Wie kam es während des Ausstoßes der
Vulkanasche oder der Verunreinigung im Luftraum, wie
auch immer man es nennen mag, zu der massenhaften
Genehmigung von Sichtflügen? Wer hat da jeweils die
Verantwortung übernommen?

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704219600


Ich habe in meiner Antwort auf Ihre Frage bereits auf
die Verantwortlichkeiten hingewiesen. Wenn der Luft-
raum so weit frei ist, dass Flüge verantwortbar sind,
dann sagt unsere Luftverkehrsbehörde, dass sie zulässig
sind. Die Entscheidung darüber, ob geflogen wird, tref-
fen aber letztendlich nicht unsere Behörden, sondern un-
ter anderem der Pilot.


(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


Meine Frage war vielleicht nicht präzise genug. Wer
hat letztendlich die Verantwortung für die Ausnahmege-
nehmigungen übernommen? Es ist ja eine große Anzahl
gewerblicher Flugzeuge über 14 Tonnen unterwegs ge-
wesen, für die eine Sichtfluggenehmigung nicht erteilt
werden durfte; dafür ist eine Ausnahmegenehmigung er-
forderlich.

E
Enak Ferlemann (CDU):
Rede ID: ID1704219700


Das ist mir so im Einzelnen nicht bekannt. Ich würde
die Frage gerne schriftlich beantworten, um die Antwort
korrekt geben zu können.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704219800

Danke schön. – Die Frage 44 des Kollegen Hofreiter

wurde zurückgezogen.

Damit sind wir beim Geschäftsbereich des Bundes-
ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktor-
sicherheit. Zur Beantwortung steht Kollegin Parlamenta-
rische Staatssekretärin Katherina Reiche zur Verfügung.

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(C (D Die Frage 45 des Kollegen Michael Groß und die Fraen 46 und 47 des Kollegen Ulrich Kelber werden chriftlich beantwortet. Damit sind wir bei den Fragen des Kollegen Oliver rischer. Ich rufe die Frage 48 auf: Befürwortet die Bundesregierung die Forderungen vom Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Dr. Norbert Röttgen, und dem Vizevorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Dr. Christian Ruck – die letzte Woche in der Presse zu lesen waren – zur Aufhebung der Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien, und, falls nicht, mit welchen alternativen Instrumenten will sie das im IEKP – Integriertes Energieund Klimaprogramm – formulierte Ziel erreichen, bis zum Jahr 2020 14 Prozent des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken? Bitte schön, Frau Staatssekretärin. Ka Danke, Herr Präsident! – Herr Kollege Krischer, das undesumweltministerium hat am 26. April dieses Jah es beim Bundesministerium der Finanzen einen Antrag uf Entsperrung der Haushaltsmittel gestellt. Die dafür m Rahmen der parlamentarischen Beratungen zum aushalt 2010 formulierte Voraussetzung, wonach die rwarteten Einnahmen des Bundes aus dem Handel mit O2-Emissionszertifikaten realisierbar sein müssen, iegt derzeit nicht vor. Überlegungen zu alternativen Intrumenten zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Enerien im Wärmemarkt existieren derzeit nicht. Herr Kollege, bitte. Die Situation ist ja so, dass der gesamte Bereich er euerbarer Wärme durch den vollständigen Stopp des arktanreizprogramms im Moment stillsteht. Nach mei en Informationen aus der Branche und auch von Anragstellern gibt es praktisch keine Investitionen mehr in iesem Bereich, weil niemand weiß, ob die Förderung irendwann fortgeführt wird oder ob sie dauerhaft eingetellt ist. Meine Frage ist: Was tun Sie, um diese – ich laube, das ist völlig unstrittig – missliche Situation in rgendeiner Weise aufzulösen, damit hier nicht eine omplette Branche vor die Wand gefahren wird? Ka Wir werben nach wie vor beim Bundesfinanzministeium darum, die Mittel zu entsperren, weil wir in der Tat er Auffassung sind, dass das Programm sehr erfolgeich ist. Beim BAFA wurden mittlerweile 22 000 Anräge eingereicht, die wir momentan nicht bedienen önnen. Weil wir davon überzeugt sind, dass das Marktnreizprogramm das Herzstück unserer Strategie für ereuerbare Wärme ist, werden wir unsere Verhandlungen it dem Bundesfinanzministerium fortsetzen. )

Katherina Reiche (CDU):
Rede ID: ID1704219900
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704220000
Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704220100
Katherina Reiche (CDU):
Rede ID: ID1704220200




(A) )


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704220300

Eine weitere Nachfrage? – Bitte schön.


Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704220400

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei diesen Verhandlun-

gen im Sinne der Sache, damit wir da zu einem Ergebnis
kommen. – Sie sprachen eben von alternativen Finanzie-
rungsinstrumenten, über die nachgedacht werde für den
Fall, dass man mit den Einnahmen aus dem Emissions-
handel nicht vorankommt. Welche Instrumente könnten
das sein?

Ka
Katherina Reiche (CDU):
Rede ID: ID1704220500


Ich habe nichts von alternativen Finanzierungsele-
menten gesagt. Klar ist, dass wir das Marktanreizpro-
gramm aus den Einnahmen des Zertifikatehandels finan-
zieren. Das ist unsere Einnahmequelle. Die Mittel sind
im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Gleichwohl
sind wir überzeugt, dass das Programm ausfinanziert
werden muss. Deshalb sind wir in Verhandlungen mit
dem Bundesfinanzministerium und werden von Fach-
politikern – weit über die Kreise der Koalition hinaus; da
können Sie unbesorgt sein – unterstützt.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704220600

Wir kommen damit zur Frage 49 des Kollegen Oliver

Krischer:
Wann plant die Bundesregierung, ein CCS-Gesetz – Car-

bon Dioxide Capture and Storage – im Kabinett zu beschlie-
ßen bzw. in den Bundestag einzubringen, und handelt es sich
dabei um ein Gesetz für einzelne Demonstrationsprojekte
– bitte aufschlüsseln nach Anlagen – oder um einen allgemei-
nen gesetzlichen Rahmen für den Einsatz von CCS?

Bitte schön.

Ka
Katherina Reiche (CDU):
Rede ID: ID1704220700


Herr Kollege Krischer, ich beantworte Ihre Frage wie
folgt: Die Bundesregierung plant, das Gesetzgebungs-
verfahren im Hinblick auf ein Gesetz zur Regelung von
Abscheidung, Transport und dauerhafter Speicherung
von Kohlendioxid, kurz CCS-Gesetz, noch in diesem
Jahr abzuschließen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704220800

Eine Nachfrage? – Bitte.


Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704220900

Sie sagten gerade: noch in diesem Jahr abzuschließen.

Ich hatte Sie allerdings nach der Einbringung gefragt.
Wann können wir mit einem Kabinettsbeschluss bzw.
einem in der Bundesregierung abgestimmten Gesetzent-
wurf rechnen? Ich entnehme der Presse, dass es entspre-
chende Gespräche und Diskussionen gibt. Die Verab-
schiedung eines solchen Gesetzentwurfes wäre Sache
dieses Hauses. Vor diesem Hintergrund wiederhole ich
meine Frage: Wann können wir mit der Einbringung ei-

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(C (D es solches Gesetzentwurfes bzw. mit einer Beschlussassung im Kabinett rechnen? Ka Sie haben völlig richtig dargestellt, dass zurzeit Gepräche zwischen den beiden federführenden Ressorts, em Bundesumweltministerium und dem Bundeswirtchaftsministerium, stattfinden. Wir wollen allerdings orgfältig vorgehen, weil wir in der letzten Legislaturpeiode die Erfahrung gemacht haben, dass unser Gesetzntwurf nicht die notwendige Akzeptanz in der Bevölkeung gefunden hat und dass Fragen offengeblieben sind. eshalb nehmen wir uns jetzt die notwendige Zeit. Wir wissen allerdings auch, dass wir die EU-Richtliie in einem bestimmten Zeitrahmen umsetzen müssen. eshalb wollen wir zügig, aber sorgfältig vorgehen. azu zählt, dass wir alle einzelnen Schritte – die Frage, ann sie im Kabinett behandelt werden, kann ich Ihnen etzt seriöserweise nicht beantworten – noch in diesem ahr abschließen. Dabei den Deutschen Bundestag einubeziehen, heißt auch, dass man Fristen beachten muss. nsofern wissen wir, dass wir zügig arbeiten müssen. as tun wir auch. Bitte schön. Treffen Informationen, die ich der Presse entnommen abe, zu, dass die Bundesregierung plant, um die Akzepanz in betroffenen Regionen und Ländern zu erhöhen, ort Ausgleichszahlungen, in welcher Form auch immer, u leisten? Ist das Gegenstand der Diskussionen inneralb der Bundesregierung im Rahmen der Erarbeitung ieses Gesetzentwurfes? Ka Da wir uns mitten in der Erarbeitung des Gesetzenturfes befinden, kann ich Ihnen nicht konkret sagen, ob iese Frage überhaupt und, wenn ja, wie sie beantwortet erden kann. Fakt ist aber – das entnehme ich Ihrer rage –, dass wir ein derartiges Vorhaben nicht ohne die kzeptanz vor Ort umsetzen können; in diesem Fall beeutet „wir“ nicht die Bundesregierung oder das Parlaent, sondern Unternehmen, die ein solches Vorhaben lanen. Insofern ist es wichtig, mit größtmöglicher Transpaenz vorzugehen und das Vorhaben zu erklären. Dieser eitrag kann und muss insbesondere seitens der Politik eleistet werden, aber nicht nur. Dazu müssen auch die nternehmen, die daran Interesse haben – das sind nicht ur Energieversorger, sondern auch Unternehmen des roduzierenden Gewerbes –, ihren Beitrag leisten. Wir ind sehr froh, dass auch die wissenschaftlichen Erenntnisse, die im Geoforschungszentrum in Ketzin geonnen werden, einen Beitrag leisten, Fragen, die die Parl. Staatssekretärin Katherina Reiche )

Katherina Reiche (CDU):
Rede ID: ID1704221000
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704221100
Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704221200
Katherina Reiche (CDU):
Rede ID: ID1704221300




(A) )

Bürgerinnen und Bürger haben, wissenschaftlich fun-
diert zu beantworten.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704221400

Danke schön.

Die Fragen 50 und 51 des Hollegen Hermann Scheer
werden schriftlich beantwortet, ebenso die Frage 52 der
Kollegin Sylvia Kotting-Uhl und auch die Fragen 53 und
54 des Kollegen Hans-Josef Fell.

Damit kommen wir zum Geschäftsbereich des Bun-
desministeriums für Bildung und Forschung. Der Parla-
mentarische Staatssekretär Helge Braun steht für die Be-
antwortung der Fragen zur Verfügung.

Die Fragen 55 und 56 des Kollegen René Röspel wer-
den schriftlich beantwortet, ebenso die Frage 57 des
Kollegen Christian Lange.

Damit kommen wir zur Frage 58 der Kollegin
Daniela Kolbe:

Wie viele Hauptschüler/-innen plant die Bundesregierung
in ihrem angekündigten Bildungslotsenprogramm einem ein-
zelnen ehrenamtlich tätigen Lotsen zur Betreuung anheimzu-
geben?

Bitte schön, Herr Staatssekretär.

D
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704221500


Sehr geehrte Frau Kollegin Kolbe, neben dem Einsatz
hauptamtlicher, pädagogisch qualifizierter Mitarbeiter
ist im Zuge dieser Initiative auch vorgesehen, weitere
1 000 sogenannter Senior Experts zur Betreuung einzu-
setzen. Diese sind bedarfsorientiert insbesondere zur Be-
treuung von Jugendlichen, die in eine Ausbildung über-
gegangen sind, vorgesehen, und zwar mit dem Ziel einer
Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses, wenn die-
ses bedroht sein sollte. Vorgesehen ist hier ein Betreu-
ungsschlüssel von eins zu eins.

Ich diesem Zusammenhang würde ich gerne auch die
Frage 59 der Kollegin Kolbe beantworten.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704221600

Dann rufe ich auch die Frage 59 der Kollegin Daniela

Kolbe auf:
Welche pädagogischen Anforderungen sollen der Bundes-

regierung zufolge die angekündigten Bildungslotsen erfüllen,
um zur Betreuung von Hauptschülern/-schülerinnen zugelas-
sen zu werden?

D
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704221700


Die Voraussetzung für den Erfolg von Berufsein-
stiegsbegleitung ist fachlich qualifiziertes Personal. Un-
sere Berufseinstiegsbegleiter sollten daher fest ange-
stellte Arbeitnehmer sein, die aufgrund ihrer Berufs- und
Lebenserfahrung für die Begleitung förderungsbedürfti-
ger Jugendlicher besonders geeignet sind. Für den Be-
rufseinstiegsbegleiter sollte ein Berufs- oder Studienab-
schluss erforderlich sein. Deshalb kämen insbesondere
folgende Personengruppen in Betracht:

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(C (D Erstens Personen, die eine Qualifikation als Meister, echniker oder Fachwirt mit Ausbildereignungsprüfung usweisen und innerhalb der letzten fünf Jahre über eine indestens zweijährige Berufserfahrung in der Arbeit it Jugendlichen verfügen. Darüber hinaus muss inner alb der letzten fünf Jahre eine praktische Erfahrung in en dualen Ausbildungsberufen und eine mindestens injährige Führungserfahrung bzw. Ausbildungserfahung nachgewiesen werden. Zweitens Personen, die eine Qualifikation als Sozialädagoge bzw. ein abgeschlossenes Studium der Sozialädagogik oder der Sozialarbeit nachweisen und inneralb der letzten fünf Jahre über eine mindestens injährige Berufserfahrung mit der Zielgruppe verfügen. Drittens Fachund Führungskräfte, die aufgrund ihrer erufserfahrung, ihrer guten Kontakte zur regionalen irtschaft und ihrer langjährigen Erfahrungen mit der hrenamtlichen Arbeit mit Jugendlichen besonders geignet erscheinen, im Einvernehmen mit dem Auftraggeer solch eine Aufgabe wahrzunehmen. Für die ehrenamtlichen Tätigkeiten wird insbesondere ine lange Erfahrung mit der gewerblich-technischen irtschaft erwartet. Hier sind Meister und Ingenieure us Handwerksund Industrieunternehmen besonders zu erücksichtigen. Die ehrenamtlich Tätigen werden allerings zunächst im Rahmen einer Weiterbildung mit eiem spezifisch auf die Aufgabe ausgerichteten Curricuum gezielt für die Mentorenaufgabe geschult. Bitte schön, Frau Kollegin. Vielen Dank für die Beantwortung der Frage. – Zu ächst einmal möchte ich sagen: Ich begrüße es sehr, ass die Bundesregierung diese Schritte macht. Insbeondere halte ich das Betreuungsverhältnis von eins zu ins bei den Ehrenamtlichen für bemerkenswert. Wenn ch Sie richtig verstehe, bedeutet das: Jeder Ehrenamtlihe betreut eine Person. Sie haben konkrete Zahlen dazu genannt, wie viele unge Menschen Sie insgesamt betreuen lassen wollen. as Betreuungsverhältnis bei den Ehrenamtlichen hat atürlich Auswirkungen auf das Betreuungsverhältnis ei den Hauptamtlichen. Können Sie Aussagen dazu mahen, wie viele Berufseinsteiger ein hauptamtlich Tätier zu betreuen hat und wie die Zusammenarbeit ablauen soll? D Bei den hauptamtlichen Betreuern gehen wir derzeit on einem Betreuungsschlüssel von etwa eins zu zwanig aus. Die Arbeit soll so aussehen, dass es quasi vom bschluss der Schule bis zu einem stabilen, funktionie enden Ausbildungsverhältnis zu regelmäßigen Kontaken zwischen dem zu Betreuenden und dem Betreuer und u Sachstandsabfragen kommt. )

Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704221800
Daniela Kolbe (SPD):
Rede ID: ID1704221900
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704222000




(A) )


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704222100

Weitere Nachfrage dazu?


Daniela Kolbe (SPD):
Rede ID: ID1704222200

Ja.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704222300

Bitte.


Daniela Kolbe (SPD):
Rede ID: ID1704222400

Können Sie vielleicht sagen, wie Sie es schaffen wol-

len, 1 000 Ehrenamtliche zu gewinnen? Die regionale
Verteilung der 1 000 Ehrenamtlichen wird Sie vor eine
logistische Herausforderung stellen; denn es gibt mehr
als 1 000 Hauptschüler, die eine solche Betreuung nötig
hätten. Wie wollen Sie also eine gerechte Verteilung der
Ehrenamtlichen im Bundesgebiet sicherstellen? Wie
wollen Sie dafür sorgen, dass die Ehrenamtlichen ent-
sprechend geschult werden können?

D
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704222500


Wir haben dazu intensive Gespräche mit den Kam-
mern und verschiedenen Einrichtungen geführt. Dabei
haben wir aus den Bereichen, wo solche Dinge schon
modellhaft angeboten werden, gehört, dass es gerade bei
pensionierten Handwerksmeistern und bei den übrigen
gerade von mir angesprochenen Personengruppen eine
große Bereitschaft und ein großes Interesse gibt, so et-
was umzusetzen. Uns ist von den betreffenden Kammern
signalisiert worden, dass sie davon ausgehen, dass sie
Betreuer in dieser Anzahl, vielleicht sogar noch mehr,
relativ leicht rekrutieren können. Da wir hier auf Struk-
turen zurückgreifen, die bundesweit vorhanden sind,
sollte uns das flächendeckend gelingen.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704222600

Die Kollegin Kumpf hat dazu noch eine Nachfrage.


Ute Kumpf (SPD):
Rede ID: ID1704222700

Die Projekte mit Bildungslotsen sind keine neuen

Projekte. In meinem Wahlkreis, der sehr von Migranten
geprägt ist – 39 Prozent der Menschen haben einen Mi-
grationshintergrund –, gibt es diese Form der Beglei-
tung, vor allem beim Übergang von der Hauptschule in
den Beruf, schon lange. Ich habe aus vielen Gesprächen
mit den Bildungslotsen erfahren, dass sie manchmal sehr
frustriert sind, weil ihre Arbeit von den hauptamtlichen
Mitarbeitern und vor allem von der Kultusbürokratie
nicht die Wertschätzung erfährt, die sie sich wünschen
würden.

Haben Sie sichergestellt, dass vonseiten der zuständi-
gen Kultusministerien diese Arbeit positiv begleitet wird
– ich kann Ihnen den Briefwechsel mit Herrn Kultus-
minister Rau aus Baden-Württemberg zukommen lassen –
und zugleich die Anregungen und die Kritik der Bil-
dungslotsen, die nicht die Ausputzer für eine verfehlte
Bildungspolitik sein wollen, in die politische Debatte vor
Ort einfließen?

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(C (D D Frau Kollegin, das Thema Bildungslotsen ist in dem rogramm „Bildungsketten“, das wir als Bundesregieung auf den Weg bringen, nur ein Baustein. Unsere Vortellung ist nicht, dass die Bildungslotsen alle Probleme m Bildungssystem und bei den Bildungsbiografien von enachteiligten lösen. Vielmehr wollen wir bereits im rundschulalter mit den lokalen Bildungsbündnissen beinnen. Wir wollen durch eine Potenzialanalyse in der . Klasse und eine Berufsorientierung in der 8. Klasse iele Maßnahmen vorschalten, sodass die Gruppe derer, ie Schwierigkeiten haben, einen Abschluss zu erringen nd eine entsprechende Ausbildungsreife zu erhalten, öglichst klein ist. Aber da es diese Gruppe gibt, ist es unsere Aufgabe, hr mit einem wirksamen Instrument zu helfen. Insofern oll auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass Bilungslotsen die ganze Last des Bildungssystems zu traen haben. Vielmehr befindet sich ihre Aufgabe in einem uten Kontext mit anderen Maßnahmen. Es ist so – das erke ich auch in den Diskussionen, die ich führe –, dass ie Anerkennung und die Wertschätzung der Bildungsloten sowie die Bedeutung des Themas, junge Menschen rfolgreich in Ausbildung zu bringen, steigen. In den letzten Jahren gab es zum Teil einen Mangel an usbildungsplätzen. Wir haben festgestellt, dass im letz en Jahr die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland trotz er Wirtschaftskrise um 11 Prozent gesunken ist. Das eißt, der demografische Wandel führt dazu, dass wir in ukunft keinen Mangel an Ausbildungsplätzen haben, ondern dass es eher einen hohen Bedarf an Bewerbern eben wird. Deshalb hoffe ich, dass alle Beteiligten, einchließlich der öffentlichen Hand, und die gesamte Ziilgesellschaft ein gemeinsames Interesse daran haben, öglichst allen Jugendlichen zu einem entsprechendem usbildungsplatz zu verhelfen. Jeder, der sich dieser ufgabe verschreibt – insbesondere diejenigen, die das hrenamtlich tun –, verdient hohe Wertschätzung. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt! Ich abe gefragt, wie die Ehrenamtlichen, also diejenigen, ie das gerne tun – ich erlebe viele Betriebsräte, die ihre ompetenz an junge Menschen, die vielleicht einen aneren Bildungshintergrund haben, weitergeben wollen –, n dieser Beratungskette durch die Institutionen die ertschätzung erfahren, die sie brauchen. Die Menschen aben keine Lust, Ausfallbürgen für eine verfehlte Bilungspolitik zu werden. Darum geht es. Ich bin Mitglied des Unterausschusses „Bürgerschaftiches Engagement“. Alle Parteien haben in der Debatte mmer darauf geachtet, dass dieses Engagement aus der ürgerschaft die notwendige Anerkennung findet. Wich ig ist auch, dass es eine Rückmeldung des entsprechenen Institutes oder des Ministeriums gibt, und zwar nicht ur in Form von warmen Worten. Die strukturellen Erforernisse von Projekten müssen mitberücksichtigt werden. in Schulterklopfen für die Ehrenamtlichen reicht nicht, ondern hier müssen auch die Weiterbildung und die fianziellen Ausstattungen eine Rolle spielen. Ute Kumpf )

Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704222800
Ute Kumpf (SPD):
Rede ID: ID1704222900




(A) )

Die Menschen wollen, dass ihr Engagement richtig
wahrgenommen wird und dass ihre Arbeit, vor allem
wenn es um die Vermittlung geht, wertgeschätzt wird.
Wie wollen Sie das sicherstellen?

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Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704223000


Wir legen Wert darauf – das habe ich gerade gesagt –,
dass eine entsprechende Aus- und Weiterbildung der Bil-
dungslotsen erfolgt. Wir wollen die Menschen mit Be-
rufserfahrung, die aber eine solche Tätigkeit noch nicht
ausgeübt haben, nicht einfach alleine lassen, sondern
weiterbilden.

Ich habe auch deutlich gemacht – insofern habe ich
das Thema doch ganz gut getroffen –, dass gesellschaft-
liche Wertschätzung von der Bundesregierung nicht per
Gesetz beschlossen werden kann. Deshalb ist es unsere
Aufgabe, klarzumachen, dass die Bildungslotsen hier
eine wichtige Funktion erfüllen. Ich sehe, dass dieses In-
strument seitens der Kultusministerien, seitens der Kam-
mern und seitens aller Akteure im Bereich der berufli-
chen Bildung unglaublich positiv aufgenommen wird.
Aus meiner Sicht bekommen die Bildungslotsen diese
Wertschätzung, weil ihre Bedeutung immens hoch ist.
Ich kann es nicht verordnen, aber ich kann von meiner
Seite aus damit beginnen, diese Wertschätzung zu bezeu-
gen.


Ute Kumpf (SPD):
Rede ID: ID1704223100

Dürfte ich kurz noch die Empfehlung aussprechen,

sich mit dem Nationalen Forum für Engagement und
Partizipation in Verbindung zu setzen? Dort gibt es einen
Arbeitskreis zum Thema Bildung und ehrenamtliches
Engagement. Es wäre gut, wenn Ihr Haus eine einheitli-
che Strategie im Sinne der ehrenamtlich und bürger-
schaftlich Engagierten entwickelt würde.

D
Dr. Helge Braun (CDU):
Rede ID: ID1704223200


Die Bundesregierung bedankt sich wie immer für
Hinweise dieser Art.


Ute Kumpf (SPD):
Rede ID: ID1704223300

Danke schön.


Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704223400

Ist damit die Frage 59 erledigt? – Das ist der Fall.

Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundes-
ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung.

Die Frage 60 des Kollegen Uwe Kekeritz wird
schriftlich beantwortet.

Wir kommen damit zum Geschäftsbereich des Aus-
wärtigen Amts.

Ich rufe die Frage 61 des Kollegen Volker Beck auf:
Welche Zusicherungen – Pledges –, in denen sie konkrete

Aktionen zur Stärkung der Arbeit des Internationalen Strafge-
richtshofs, IStGH, in Aussicht stellen wird, beabsichtigt die

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(C (D Bundesregierung im Rahmen der Überprüfungskonferenz zur Prüfung etwaiger Änderungen des Römischen Statuts des IStGH vom 31. Mai bis 11. Juni 2010 in Kampala, Uganda, abzugeben, und beabsichtigt die Bundesregierung, die EU bei der Erarbeitung und Abgabe einer oder mehrerer Zusicherungen – Pledges – zu unterstützen? ie Frage wird durch Staatsministerin Cornelia Pieper eantwortet. Bitte schön. C Vielen Dank, Herr Präsident! – Sehr geehrter Herr bgeordneter, die Bundesregierung unterstützt die ledges, welche die EU auf der Überprüfungskonferenz on Kampala einbringen will. Dabei geht es um folende Punkte: Erstens. Die EU will ihre Bemühungen fortsetzen, die niversalität des Römischen Statuts zu fördern und eine Integrität zu bewahren. Hierzu gehören beispielseise EU-Demarchen, um in Drittstaaten für den Beitritt um Römischen Statut zu werben. Zweitens. Die EU will in ihren Abkommen mit Dritttaaten Klauseln zum Internationalen Strafgerichtshof ufnehmen. Damit bekennen sich die EU-Partner auch in hren vertraglichen Beziehungen nach außen zum Kampf egen die Straflosigkeit bei schwersten Verbrechen, welhe die internationale Gemeinschaft als Ganzes berühen. Drittens. Die EU will ihre finanzielle Unterstützung ür diejenigen Zivilgesellschaften und Drittstaaten fortetzen, die Hilfestellung beim Beitritt zum Römischen tatut oder bei seiner Umsetzung wünschen. Viertens. Die Europäische Union will ihre Instruente zur Unterstützung des Internationalen Strafge ichtshofs auf eventuellen Anpassungsbedarf überprüen. Dies betrifft in erster Linie den Gemeinsamen tandpunkt zum Internationalen Strafgerichtshof aus em Jahre 2003 sowie den Aktionsplan aus dem Jahre 004. Zusätzlich zu den Zusicherungen der EU wird eutschland auf der Überprüfungskonferenz folgende usagen machen: Erstens. Deutschland wird an den pferschutzfonds des Internationalen Strafgerichtshofs m Jahre 2010 einen freiwilligen Beitrag in Höhe von 00 000 Euro leisten. Zweitens. Deutschland wird in den ahren 2010 und 2011 die Stelle einer juristischen Fachraft beim Opferschutzfonds des Internationalen Straferichtshofs finanzieren. Drittens. Deutschland plant, im aushaltsjahr 2010 Mittel in Höhe von 250 000 Euro für rojekte zur Förderung des Beitritts zum Römischen tatut und seiner Umsetzung bereitzustellen. Die Bundesregierung ist davon überzeugt, dass von iesen Zusagen ein deutliches Signal der Stärkung des nternationalen Strafgerichtshofs und seiner Arbeit auseht. Bitte schön, Kollege Beck. )

Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1704223500
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704223600




(A) )


Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704223700

Ich bin etwas erstaunt, dass Sie ein Thema nicht ange-

sprochen haben. Das zentrale Thema in Kampala wird
sein, ob der Tatbestand des Aggressionsverbrechens an-
erkannt wird. Er ist im Statut eigentlich enthalten, wurde
aber mit dem Hinweis, dass sich die Vertragsstaaten
noch auf eine Definition verständigen müssen, außer
Kraft gesetzt. Dazu haben Sie nichts gesagt. Im Men-
schenrechtsausschuss hatten wir in der letzten Woche
eine Anhörung. Die Sachverständigen haben sich durch
die Bank dafür ausgesprochen, dass man diesen Schritt
endlich machen soll. Deshalb frage ich Sie, ob die Bun-
desregierung hier entsprechend tätig geworden ist und
solche Forderungen für die Konferenz in Kampala vor-
bereitet hat.

C
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1704223800


Zunächst können Sie davon ausgehen, dass die Bun-
desregierung dieser Überprüfungskonferenz grundsätz-
lich große Bedeutung beimisst. Wenn das Thema in der
Sitzung des Menschenrechtsausschusses, an der ich
nicht teilnehmen konnte, behandelt worden ist, dann
wird die Bundesregierung sicher die Vorschläge der Ab-
geordneten berücksichtigen.

Darüber hinaus wissen Sie, dass die Bundesregierung
kein Relocation Agreement mit dem Internationalen
Strafgerichtshof in Bezug auf den Opfer- und Zeugen-
schutz abgeschlossen hat, weil sie der Auffassung ist,
dass sie den Opferschutz derzeit ohne ein solches Ab-
kommen gewährleisten kann, sodass sich diese Frage
nicht stellt.


Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704223900

Sie haben mich verwirrt, weil Sie einen Sprechzettel

zum falschen Thema vorgelesen haben. Wenn Sie da-
rüber nicht Bescheid wissen, dann können Sie die Ant-
wort ja im Nachgang der Fragestunde liefern. Wir hatten
es heute schon ein paar Mal, dass die Staatssekretäre – in
dem Fall die Staatsministerin – bekennen mussten, dass
sie nicht wissen, was ihr Haus vertritt.

Ich frage Sie, ob sich die Bundesregierung aktiv dafür
einsetzt – das wird wahrscheinlich für längere Zeit die
letzte Gelegenheit sein; dann schließt sich wahrschein-
lich das Zeitfenster dafür –, dass der Tatbestand des
Aggressionsverbrechens künftig der Gerichtsbarkeit des
Internationalen Strafgerichtshofs unterliegen wird, wie
es bei der Verabschiedung des Statuts beabsichtigt war,
aber nicht erreicht worden ist.

C
Cornelia Pieper (FDP):
Rede ID: ID1704224000


Herr Abgeordneter, ich bin darauf nicht eingegangen,
weil das nicht der Hintergrund Ihrer ursprünglichen Fra-
gestellung war.


(Volker Beck [Köln] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt nicht! Sie haben dann die Frage nicht vollständig verstanden!)


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(C (D ie ursprüngliche Frage war eine andere als die, die Sie estellt haben. Sie können davon ausgehen, dass der Menschenechtsbeauftragte, Herr Löning, der die Leitung der Deegation hat, die Vorschläge des Menschenrechtsauschusses mitnehmen und dort zur Sprache bringen wird. Was die Position des Ausschusses anbelangt, bin ich erne bereit, auch die Position unseres Hauses nachzuiefern. Ich sagte ja schon, dass ich an der Diskussion eider nicht teilnehmen konnte. Im Moment kann ich sie uch nicht nachvollziehen. Dieser Punkt ist der zentrale Gegenstand in Kampala. ass Sie darüber nicht Bescheid wissen! Danke schön. Die Fragen 62 und 63 des Kollegen Tom Koenigs, die rage 64 des Kollegen Ströbele, die Frage 65 der Kollein Höger und die Frage 66 der Kollegin Dağdelen weren schriftlich beantwortet. Damit sind wir am Schluss unserer Fragestunde. Da er Beginn der Aktuellen Stunde für 15.00 Uhr angesetzt st und noch nicht alle Kollegen eingetroffen sind, unterreche ich bis dahin die Sitzung. Die unterbrochene Sitzung ist wieder eröffnet. Ich rufe den Zusatzpunkt 3 auf: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der SPD Unterschiedliche verfassungsrechtliche Auffassungen in der Bundesregierung zur Verlängerung von Atomkraftwerkslaufzeiten Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat der Kollege lrich Kelber für die SPD-Fraktion. Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und erren! Wieder wird Lobbyistenbedienung zum Zentralestirn schwarz-gelber Politik: u Beginn das sogenannte Mövenpick-Gesetz, Herr auch, jetzt der Versuch, Milliardengeschenke an die tomlobby zu verteilen, sogar indem man windige, ver assungswidrige Konstruktionen in den Gesetzen anstrebt, nd das trotz klar erkannter negativer wirtschaftlicher Efekte auf große Teile der restlichen Energiewirtschaft. (Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Das zumindest ist falsch!)

Volker Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704224100
Dr. h.c. Wolfgang Thierse (SPD):
Rede ID: ID1704224200

(Unterbrechung von 14.52 bis 15.02 Uhr)

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704224300

(Beifall bei der SPD)

Ulrich Kelber (SPD):
Rede ID: ID1704224400

(Lachen des Abg. Michael Kauch [FDP])






Ulrich Kelber


(A) )


)(B)

Die Liebe zu den Lobbyisten geht so weit, dass aus
den Reihen der Union, aus den Reihen der CDU, sogar
der eigene Umweltminister zum Rücktritt aufgefordert
wird, weil er der Atomlobby nur einen zweistelligen
Milliardenbetrag anstatt eines dreistelligen Milliarden-
betrages schenken möchte. So weit ist die Verbrüderung
an der Stelle schon gegangen.

Minister Pofalla hat öffentlich verkündet, er möchte
die Gesetzgebung zur Verlängerung der Laufzeiten von
Atomkraftwerken ohne eine Beteiligung des Bundesra-
tes machen, also eine windige verfassungsrechtliche
Konstruktion zur Lobbyistenbedienung finden; so kann
man das Ganze auch nennen. Heute erfahren wir per
Tickermeldung, dass die Bundeskanzlerin sich gegen-
über der CDU/CSU-Fraktion geäußert hat. Man will
dazu jetzt doch bis zum 4. Juni eine Rechtsexpertise von
Umweltministerium, Justizministerium und Innenminis-
terium einholen. Da frage ich mich: Hat sich der Minis-
ter im Kanzleramt, Pofalla, erst einmal eine Meinung
gebildet, und will er sich jetzt die dazu passende Rechts-
expertise einholen? Hat er das also ohne Rechtsexpertise
gemacht? Ist die Tatsache, dass Herr Pofalla Jurist ist,
vielleicht keine ausreichende Qualifikation mehr, wenn
es um entsprechende Gesetzesvorhaben geht?

Man muss gar nicht die Opposition oder die Medien
zu diesem Vorgehen der schwarz-gelben Koalition befra-
gen, sondern nur die eigenen Leute: Die Ministerpräsi-
dentin von Thüringen nennt den Vorschlag Pofallas ein
– Zitat – „Mogelgesetz“. Die schleswig-holsteinische
Regierung – schwarz-gelb – sagt, dass das so nicht geht.
Die saarländische Regierung, auch mit Schwarzen und
Gelben in der Regierung, widerspricht; Niedersachsen
ebenso. Die abgewählte schwarz-gelbe Landesregierung
in Nordrhein-Westfalen widerspricht, und am 30. Sep-
tember 2009, also drei Tage nach der Bundestagswahl,
schrieben der damalige baden-württembergische Minis-
terpräsident Oettinger und der hessische Ministerpräsi-
dent Koch Bundeskanzlerin Merkel einen Brief, in dem
sie darauf verwiesen, dass eine Nichtbeteiligung des
Bundesrates an dieser Stelle höchst strittig ist. Das ist
übrigens derselbe Herr Koch, der gestern gesagt hat, er
habe gar keine Zweifel, dass die Nichtbeteiligung des
Bundesrates in dieser Frage machbar sei. Eine Wahlnie-
derlage in Nordrhein-Westfalen ändert also Ihre Auffas-
sung darüber, was verfassungsgemäß ist. Auch das ist
bezeichnend für Ihre Politik.

Über die Frage, ob leichtfertig mit der Verfassung
umgegangen wird, hinaus hat das Ganze zusätzliche Im-
plikationen. Sie haben zugesichert, Sie würden eine Ver-
längerung der Laufzeiten nur unter höchsten Sicherheits-
anforderungen anstreben, also unter der Voraussetzung,
dass die Atomkraftwerke entsprechend nachgerüstet
werden. Sie wissen genau, dass in dem Augenblick, wo
der Bund zusätzliche Sicherheitsanforderungen stellt,
die Atomaufsicht der Länder berührt ist und damit die
Zustimmungspflicht gilt. Das heißt, wer die Zustim-
mungspflicht umgehen will, muss auf Sicherheitsaufla-
gen für die Atomkraftwerke verzichten. Das ist Wort-
bruch Nummer eins, den Sie planen.

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(C (D Wortbruch Nummer zwei. Sie haben gesagt, Sie weren die Gewinne, die die Atomkonzerne machen, zum rößten Teil – andere sagen: zur Hälfte – abschöpfen. ir sind gespannt darauf, wie Ihr Vorschlag aussehen ird – wenn Sie sich am Ende noch trauen. In dem Auenblick, in dem Sie das gesetzlich regeln, sind aber ieder die Länder betroffen, sodass Sie über den Bunesrat gehen müssten. Wenn Sie darauf verzichten wolen, können Sie nur eine freiwillige Vereinbarung mit en Konzernen machen. Das Vorgehen, zu sagen: „Ich ache ein Gesetz zu deinem Vorteil, wenn du mir vorher eld gibst“, nennt man außerhalb dieses direkten Zu ammenhangs Korruption und nicht Gesetzgebung. Sie haben es ja noch nicht gemacht. Vermeiden Sie och, dass es am Ende als Korruption bezeichnet werden ann! Damit das auch klar ist: Bundesminister Röttgen ist in ieser Frage keine grüne Lichtgestalt, sondern alleröchstens das beste Fußballteam Grönlands: Auch er ill eine windige, verfassungswidrige Konstruktion, uch er versucht den Bundesrat zu umgehen, auch er will en Lobbyisten Milliarden schenken, auch er will chrottreaktoren wie Biblis A länger laufen lassen, ohne usätzliche Sicherheitsmaßnahmen zur Auflage zu mahen. Sie müssen die Wahrheit sagen, Herr Röttgen: Auch ine um „nur“ acht Jahre längere Laufzeit bedeutet mehr tommüll. Die Zwischenlager an den Reaktoren sind ber nur für die Menge Atommüll, die der im Atomkonens vereinbarten Restlaufzeit entspricht, zugelassen. ür eine neue atomrechtliche Genehmigung dieser Zwichenlager bräuchten Sie die Bundesländer. Wenn Sie as umgehen wollen, wollen Sie in diesen acht Jahren usätzliche Atommülltransporte quer durch Deutschland on jedem der 17 Reaktoren. Das müssen Sie hier sagen. Sie können nicht Sonntagsredenminister sein. Sie sind och nicht einmal Alltagsminister. In dieser Frage sind ie wirklich ein Trauerstundenminister. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: He, he, he!)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704224500

Das Wort hat Bundesminister Dr. Norbert Röttgen.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt,
aturschutz und Reaktorsicherheit:
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kol-

egen! Ich möchte mich zunächst bei der SPD-Fraktion
ür die Beantragung der Aktuellen Stunde bedanken; sie
ibt nämlich die Gelegenheit zu einer Versachlichung
er Debatte. Dass der erste Redner der SPD diese
hance nicht voll ergriffen hat, ist bedauerlich; aber es
ibt ja auch noch Redner der CDU/CSU- und der FDP-
raktion, die die Chance, die Sie eröffnet haben, dann
uch nutzen.





Bundesminister Dr. Norbert Röttgen


(A) )


)(B)


(Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo ist denn Herr Mappus?)


Ich will zunächst einmal auf das Thema der Aktuellen
Stunde eingehen; es liegt ja nicht so fern, dass man auf
das Thema der Debatte eingeht. Die verfassungsrechtli-
che Frage, um die es geht, lautet: Benötigt eine Bundes-
gesetzgebung – dass der Bundesgesetzgeber zuständig
ist, ist unstrittig – zu einer Verlängerung der Laufzeit
von Atomkraftwerken die Zustimmung des Bundes-
rates?

Meine erste Anmerkung dazu ist: Das ist eine rein ver-
fassungsrechtliche Frage. Nicht nur als Minister, auch als
Abgeordneter des Deutschen Bundestages, das heißt, als
Teil des Gesetzgebers, plädiere ich ausdrücklich dafür,
dass wir diese Frage rein verfassungsrechtlich, so gut wir
können, beantworten und sie nicht politisieren. Wir alle
haben keinen Vorteil davon, verfassungsrechtliche Fra-
gen zu politisieren. Unser Selbstverständnis als Gesetz-
geber muss sein, verfassungskonforme Gesetzgebung zu
machen, nicht aber, Risiken einzugehen und dann zu
warten, ob man von Karlsruhe korrigiert wird. Unser
Selbstverständnis muss sein, die verfassungsrechtliche
Frage korrekt zu beantworten.

Darum will ich hier auch darlegen, was überhaupt der
inhaltliche Gesichtspunkt in diesem Zusammenhang ist.
Warum könnte überhaupt eine Zustimmungsbedürftig-
keit der Länder, des Bundesrates, vorliegen? Darüber
muss man dann doch auch hier debattieren, weil das
nicht nur eine Frage ist, deren Beantwortung wir von Ex-
perten entgegennehmen, sondern das Parlament muss
sich sein Urteil auch selber bilden.

Es geht darum, dass das Atomgesetz in einer besonde-
ren Form durch die Länder vollzogen wird, und zwar
nicht in der Normalform der Landeseigenverwaltung
– das ist die normale Form, in der die Länder Bundesge-
setze vollziehen –, sondern in der Sonderform der soge-
nannten Bundesauftragsverwaltung. Durch diese Bun-
desauftragsverwaltung erfolgt ein besonderer Eingriff
des Bundes in die Vollzugshoheit bzw. die Staatshoheit
der Länder, weil dem Bund, dem zuständigen Minister,
ein Weisungsrecht gegenüber den Landesministern und
den Ländern beim Vollzug von Bundesgesetzen einge-
räumt wird. Es ist also ein Eingriff in die Staatshoheit
bzw. Staatsqualität der Länder.

Das Atomgesetz bedurfte bei seiner Verabschiedung
der Zustimmung des Bundesrates, weil mit diesem
Atomgesetz und der Aufgabe, Kernkraftwerke zu beauf-
sichtigen, dieser Eingriff des Bundes in die Verwaltungs-
zuständigkeit der Länder verbunden war. Darum be-
durfte der Ausstieg aus dieser Aufgabe nach meiner
Auffassung konsequenterweise auch nicht der Zustim-
mung des Bundesrates, weil der Eingriff ja gerade been-
det wurde.


(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig!)


Jetzt stellt sich die Frage, ob eine Zustimmungsbe-
dürftigkeit dadurch ausgelöst wird, dass der Eingriff
durch eine Laufzeitverlängerung fortgesetzt, zumindest
aber verlängert wird, weil ja ein an sich schon beendeter

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(C (D ingriff verlängert und quasi neu begründet wird. Diese erfassungsrechtliche Frage stellt sich. Wir sollten sie so ut wir können beantworten, und zwar nicht politisch, ondern verfassungsrechtlich, weil vom Verfassungsgeicht keine politischen Vorstellungen und Argumente geichtet werden. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Verfassungspolitische Antwort!)


Das ist unser Selbstverständnis. Ich rate als Jurist, aber
uch als Parlamentarier dazu, bei verfassungsrechtlichen
ragen nicht zu eifern und zu geifern, sondern sie nach
estem Gewissen und Wissen zu beantworten. Das ist
ein Rat dafür, wie wir mit verfassungsrechtlichen Fra-

en umgehen sollten.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Die Bundesregierung wird das tun. Sie haben darauf
ingewiesen: Die Verfassungsressorts und die beteiligten
achressorts werden ihre Auffassung dazu bis Anfang
es nächsten Monats darlegen. Dann ist die Position der
undesregierung klar.

Das war meine verfassungsrechtliche Anmerkung zu
em Thema. Ich möchte aber auch noch zwei politische
nmerkungen machen:

Erste politische Anmerkung. Die Energiepolitik wird
n Zukunft noch mehr, als das in der Vergangenheit auch
chon der Fall war, nur dann erfolgreich sein können,
enn eine enge Abstimmung zwischen dem Bund und
en Ländern erfolgt. Der Umbau von der bisherigen
nergieversorgung zur Energieversorgung mittels erneu-
rbarer Energien mit den dazu notwendigen Veränderun-
en – ich nenne nur einmal den Netzausbau – bedarf ei-
er engen Abstimmung und auch einer Kongruenz von
und und Ländern. Darum ist der faire Umgang zwi-

chen dem Bund und den Ländern an dieser Stelle Vo-
aussetzung für den Erfolg der Energiepolitik für
eutschland.

Deshalb lege ich Wert darauf, dass wir die Energiepo-
itik gemeinsam mit den Ländern gestalten, und zwar,
enn es nach mir geht, auch über parteipolitische Gren-

en hinweg, weil es eine grundlegende Aufgabe in Be-
ug auf die Infrastruktur und entscheidend für die Zu-
unft unseres Landes ist, die Energieversorgung sicher,
limaverträglich und wettbewerbsfähig zu realisieren.
ir sollten uns diesen Konsens und das Bemühen darum

rhalten, bei einigen wichtigen Zukunftsfragen dieses
andes über Parteigrenzen hinweg konsensfähig zu blei-
en.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Zweite politische Anmerkung. Die Energiewirtschaft
at durchaus unterschiedliche Interessen – legitimer-
eise übrigens. Die kommunalen Unternehmen suchen

hre Chance im Markt und sagen: Durch eine Laufzeit-
erlängerung wird eine Wettbewerbssituation zemen-
iert, in der wir keine Chance haben. – Andere sagen:

ir stehen gerade vor dem Markteintritt und hätten mit
aufzeitverlängerungen die Chance, so viel Gewinne
ie noch nie zuvor zu machen. – Andererseits besteht





Bundesminister Dr. Norbert Röttgen


(A) )


)(B)

die Notwendigkeit, auf die Energieversorgung mittels er-
neuerbarer Energien umzusteuern bzw. umzuschalten.

Das heißt, in der Energiewirtschaft, die hinsichtlich
der erneuerbaren Energien eine mittelständische Bran-
che und hinsichtlich der traditionellen Energieträger
oligopolistisch geprägt ist – daneben wird es zu einem
Wettbewerbseintritt der kommunalen Unternehmen
kommen –, gibt es eine sehr heterogene Interessenlage.
Es gibt aber ein gemeinsames Interesse der gesamten
Energiewirtschaft. Das ist das Interesse an Klarheit
durch die Politik.


(Rolf Hempelmann [SPD]: Die hatten wir geschaffen!)


Die Energiewirtschaft hat ein berechtigtes Interesse
an Klarheit und Sicherheit. Diese müssen wir ihnen bie-
ten, weil das Maß an Unsicherheit, das wir auch durch
verfassungsrechtliche Risiken produzieren, zu einer
Investitionszurückhaltung der Energiewirtschaft führen
würde.


(Rolf Hempelmann [SPD]: Seit neun Monaten!)


Die können wir uns nicht leisten. Darum werden wir als
Koalition diese Klarheit schaffen, damit die Energiever-
sorgungswirtschaft das bekommt, was sie in jedem Fall
berechtigterweise erwartet: Klarheit der politischen Ent-
scheidungen, damit Investitionen erfolgen.

Wir brauchen in jedem Fall Investitionen. Unklarheit,
auch die Belastung mit verfassungsrechtlichen Risiken,
bedeutet Investitionszurückhaltung, die sich Deutsch-
land nicht leisten kann.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Bei einer Bundestagswahl ist das so! – Rolf Hempelmann [SPD]: Ich hoffe, das war als Selbstkritik gemeint!)


Sie werden die Klarheit bekommen, und zwar in dem
verfassungsrechtlichen Bemühen, diese herzustellen.

Eine letzte Bemerkung: Nach meinem Urteil diskutie-
ren wir zu viel über Ausstieg und zu wenig über Ein-
stieg. Das ist das Thema. Ich möchte noch einmal beto-
nen, was der Koalitionsvertrag an dieser Stelle sagt. Das
Ziel ist eindeutig definiert. Erneuerbare Energien sind
die Energieversorgung der Zukunft: weder atomare noch
fossile, sondern erneuerbare Energien. Die wollen wir.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Wir wollen sie auch aus einer immanenten Notwen-
digkeit, die gar nicht bestritten wird. In dem Zeitraum
von 40 Jahren – das ist der Zeitraum, den wir betrachten –
muss das Ziel am Ende in einer zukunftsfähigen Ener-
gieversorgung für die nächsten Generationen bestehen.
Die Entscheidungen dafür müssen aber heute getroffen
werden; denn wir, auch diese Koalition, haben entschie-
den: Es wird keine neuen Atomkraftwerke geben. Im
Koalitionsvertrag steht: Das Verbot, neue Atomkraft-
werke zu bauen und zu betreiben, wird aufrechterhalten.


(Beifall des Abg. Michael Kauch [FDP] – Ulrich Kelber [SPD]: Da klatscht nur einer!)


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(C (D Wir können zwar über Laufzeitverlängerung reden, es ird aber kein neues Kernkraftwerk geben. Darum ist ernenergieversorgung keine Option der Zukunft. Das st ausdrücklich Inhalt des Koalitionsvertrages. Des Weiteren wird – das habe ich schon mehrfach argelegt – aus klimapolitischen Gründen jedes Indusrieland und damit auch Deutschland im Interesse der eienen Zukunftsfähigkeit und Entwicklungsfähigkeit CO2missionen um 80 bis 95 Prozent reduzieren müssen. eil wir ein Industrieland sind und dies, wenn es nach ieser Koalition geht, auch bleiben wollen, heißt das, wir üssen das kleine Budget an CO2-Emissionen für indus rielle CO2-Emissionen reservieren und deshalb die nergieversorgung praktisch CO2-frei machen. Aus diesen beiden Gründen – weil wir alle gemeinam politisch entschieden haben, dass Kernkraftwerke eine Option für die Zukunft sind und weil fossile Enerieversorgung wegen der CO2-Emissionen nicht zuunftsfähig ist – können wir schon heute die Knappheit rkennen, die in 30 bis 40 Jahren eintreten wird. Sie ist indeutig. Unsere Verantwortung besteht nicht darin, abuwarten, bis die Knappheit eintritt – dann können wir ämlich nicht mehr handeln –, sondern wir müssen die nappheit gewissermaßen antizipieren, vorwegnehmen nd schon heute in eine Wachstumsstrategie integrieren. Wir müssen es schaffen, die Weichen für den Umstieg on den traditionellen Energieversorgungsquellen über inen sich dynamisch verändernden Energiemix hin zu en Erneuerbaren zu stellen. Das ist die entscheidende ufgabe. (Ulrich Kelber [SPD]: Sie reden 70 Prozent Ihrer Rede am Thema vorbei! Das Thema der Aktuellen Stunde scheint Ihnen wirklich unangenehm zu sein!)


arum sollten wir über die Frage des Einstiegs reden.
ch möchte diese Koalition damit qualifizieren, diesen
instieg zu schaffen, weil er die Bedingung für Zu-
unftsfähigkeit ist und weil er mit neuen Technologien,
ärkten und weltweiten Absatzchancen verbunden ist.
as ist die Wachstums- und Sicherheitsstrategie, die
iese Koalition verfolgt.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704224600

Das Wort hat die Kollegin Dorothée Menzner für die

raktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



Dorothee Menzner (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704224700

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen! Werte Kolle-

en! Sehr geehrter Herr Minister, ich fand es bezeich-
end, dass Sie den Mut hatten, von Klarheit der Politik
n Bezug auf Energiepolitik zu reden. Was wir seit Mo-
aten erleben und was die Bürgerinnen und Bürger
ahrnehmen, sind ein Schlingerkurs, Chaos und große
erunsicherung. Nicht umsonst machen auch Menschen
egen die Laufzeitverlängerung Stimmung, die dies bis-





Dorothée Menzner


(A) )


)(B)

her nicht so deutlich getan haben. Ich erinnere nur an
den Deutschen Städtetag und an die Stadtwerke.

Wenn Sie den Einstieg in die Erneuerbaren ernst mei-
nen, dann müssen Sie sich an dieser Stelle die Frage ge-
fallen lassen, ob die unverhältnismäßig starke Kürzung
der Förderung durch das EEG hilfreich war.


(Beifall bei der LINKEN)


Insgesamt kann man nur feststellen: Die Koalition ar-
beitet zielstrebig an der nächsten Wahlniederlage. Alle
Umfragen belegen: Die Mehrheit der Bürgerinnen und
Bürger ist gegen eine Laufzeitverlängerung. Es sind
nicht nur die Wählerinnen und Wähler der Parteien, die
jetzt in der Opposition sind; auch 52 Prozent der Wähle-
rinnen und Wähler von CDU und CSU sowie 54 Prozent
der FDP-Wählerinnen und -Wähler sind gegen längere
Laufzeiten.


(Ulrich Kelber [SPD]: So viele haben die gar nicht!)


Wir kennen das. Diese Koalition macht ja in vielen
Bereichen Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung.
Das ist nicht nur beim Atomausstieg so. Ich erinnere nur
an die Themen „Rente erst mit 67“, „Mindestlohn“ oder
auch „Kriegseinsatz in Afghanistan“. Ich weiß nicht, wie
Sie das auf Dauer durchstehen wollen, aber das soll dann
Ihr Problem sein.

Die Kritik von uns als damals noch PDS an dem soge-
nannten Atomkonsens war, dass er nicht unumkehrbar
ist – das ist das Problem, das wir jetzt haben – und dass
große Zugeständnisse an die Konzerne gemacht wurden.
Es war ja nicht so, dass die Konzerne ohne Gegenleis-
tung verzichtet und der Laufzeitbegrenzung zugestimmt
haben. Ihnen sind zum Beispiel sicherheitstechnische
Nachrüstungen erlassen worden. Sie haben bessere Stan-
dards für die steuerfreien Rückstellungen bekommen.
Weiterhin wurde eine Eignungshöffigkeit von Gorleben
attestiert.

Jetzt haben wir das Problem. Die Mehrheiten haben
sich geändert, und die Konzerne hoffen, dass ihnen – ähn-
lich wie anderen Sparten oder Konzernen oder Bereichen –
Zugeständnisse gemacht werden.

Die Laufzeitverlängerung ist nach übereinstimmender
Meinung vieler juristischer Gutachten ohne eine Zustim-
mung des Bundesrates nicht möglich, weil die Länder im
Vollzug des Atomgesetzes ganz andere und viel umfang-
reichere Aufgaben haben würden als jetzt. Aber kurz
nach der Nordrhein-Westfalen-Wahl, als die Mehrheit im
Bundesrat dahin war, hörten wir andere Stimmen aus der
Koalition. Merkwürdigerweise sagen genau die Länder,
die seinerzeit beim Atomkonsens der Meinung waren, es
sei eine Bundesratszustimmung nötig, jetzt, es sei keine
Bundesratszustimmung nötig. Beim Atomkonsens da-
mals haben Baden-Württemberg, Bayern und Hessen da-
rauf gedrängt, dass der Bundesrat zustimmen müsse.
Jetzt, wo es in eine Richtung geht, die ihnen gefällt, die
sie befürworten, sagen sie: Das interessiert den Bundes-
rat gar nicht.

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(C (D (Dr. Hans-Peter Friedrich [Hof] [CDU/CSU]: Das nennt man „Wahrnehmung von Länderinteressen“!)


Da scheinen Länder das Grundgesetz irgendwie nach
age der Dinge auszulegen. Sie scheinen das Grundge-
etz nicht als gemeinsame Grundlage und Basis des ge-
ellschaftlichen Zusammenlebens zu begreifen, das auch
n allen Fällen anzuwenden ist, sondern wollen es nach
age der Dinge und politischer Opportunität auslegen.

Das muss man noch einmal Revue passieren lassen:
chon drei Tage nach der Wahl kam – übrigens aus
inisterien genau der Länder Hessen und Baden-
ürttemberg – das Papier, das der Kanzlerin deutlich
achte: Es geht ohne den Bundesrat. – Ich frage mich:
ieso produzieren Landesumweltministerien Papiere

ür die Bundesregierung, machen Rechtsgutachten und
rstellen ein Strategie- und Schrittfolgepapier, um der
anzlerin zu sagen, welchen Weg sie zu gehen hat? Das

st meiner Ansicht nach eine deutliche Überschreitung
hrer Kompetenz.


(Beifall bei der LINKEN)


Wie dreist muss man eigentlich sein, wenn man in
iesem Papier eine Laufzeitverlängerung, die weitere
ermehrung von Atommüll, Milliardenprofite der Kon-
erne und die Sicherheitsrisiken gegenüber den Men-
chen als „Signalwirkung Atomausstieg“ benennt? Das
ann ich nur als Wählerinnen- und Wählerverdummung
egreifen, und genau so verstehen die Menschen das
uch. Genau dagegen wehren sie sich – zu Recht laut,
unt und vielfältig. Das werden wir weiterhin unterstüt-
en. Mit dem Vorhaben werden Sie nicht durchkommen.
enn die Konzerne jetzt den Atomkompromiss von da-
als aufkündigen, dann brauchen Sie nicht zu glauben,

ass die Antiatombewegung nicht zu der alten Forde-
ung zurückkommt: Sofortiger Atomausstieg!

Ich danke.


(Beifall bei der LINKEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704224800

Das Wort hat der Kollege Michael Kauch für die

DP-Fraktion.


(Beifall bei der FDP)



Michael Kauch (FDP):
Rede ID: ID1704224900

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist

chon bemerkenswert, wenn sich hier eine Vertreterin
er Linken als Hüterin der Verfassung aufspielt – eine
ertreterin der Partei, deren Landtagsabgeordnete in
RW vom Verfassungsschutz überprüft werden, weil sie
enau diese verfassungsmäßige Ordnung abschaffen
ollen,


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


eil sich eine Abgeordnete Ihrer Partei in NRW nicht
azu durchringen kann, zu sagen, dass die Diktatur Ihrer
orgängerpartei Unrecht war. Das ist doch die Wahrheit.
eshalb sollten Sie hier schweigen.





Michael Kauch


(A) )


)(B)


(Beifall bei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Sie haben doch mit der Blockpartei fusioniert!)


– Herr Kelber, Sie sind für solche Fragen eigentlich un-
geeignet.

Ich komme zur SPD, die uns ein verfassungsrechtli-
ches Seminar halten will. Ich weise darauf hin, dass die
SPD an Regierungen beteiligt war, denen vom Bundes-
verfassungsgericht bescheinigt wurde, dass das Gesetz
zur Pendlerpauschale verfassungswidrig ist, dass das
Gesetz zum Abschuss von Passagierflugzeugen verfas-
sungswidrig ist, dass die Hartz-IV-Kinderregelsätze ver-
fassungswidrig sind und dass die Vorratsdatenspeiche-
rung verfassungswidrig ist. Wir, die FDP, brauchen von
der SPD, die in den letzten elf Jahren Schindluder mit
der Verfassung getrieben hat, keine Nachhilfe, wie man
verfassungsfeste Gesetze macht.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Sind Sie nicht aus dem gleichen Landesverband wie Innenminister Wolf?)


Die Botschaft lautet klar: Die FDP wird dafür sorgen,
dass es eine verfassungsfeste Lösung bei den Laufzeiten
von Kernkraftwerken geben wird. Das ist unsere Maß-
gabe. Das wird diese Bundesregierung sicherstellen,
meine Damen und Herren von der SPD. Die Verlänge-
rung der Laufzeiten ist keineswegs – das suggerieren Sie
mit dem Titel dieser Aktuellen Stunde – nicht verfas-
sungsgemäß. Der Bund hat die Gesetzgebungskompe-
tenz. Das Einzige, worüber man diskutieren muss – das
ist in der Tat eine komplexe juristische Frage –, ist die
Zustimmungsbedürftigkeit durch den Bundesrat. Wir
wollen festhalten: Keiner hat eine klare Mehrheit im
Bundesrat, weder Sie noch wir. Deshalb müssen wir uns
anschauen, wie es verfassungsmäßig aussieht.


(Zuruf des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN])


– Herr Trittin, ich wüsste nicht, dass die Grünen die
Mehrheit im Bundesrat haben. Das wäre eine spannende
Interpretation.


(Ulrich Kelber [SPD]: Was hat die Mehrheit mit der Verfassung zu tun?)


Wir sollten hier nicht nach politischer Opportunität
argumentieren.


(Lachen bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Sie führen die Diskussion über die Verfassungsmäßig-
keit erst, nachdem klar ist, dass wir keine eigene Mehr-
heit für ein zustimmungspflichtiges Gesetz im Bundesrat
mehr haben.


(Ulrich Kelber [SPD]: Weil Sie auf einmal Ihre Meinung ändern!)


– Herr Kelber, wir haben unsere Meinung überhaupt nicht
geändert. – Wir gehen nicht mit verfassungsmäßigen Ein-
schätzungen an die Öffentlichkeit. Die FDP wird diese
Frage seriös prüfen. Dafür ist beispielsweise das Bundes-

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(C (D inisterium der Justiz zuständig. Sabine Leutheusserchnarrenberger ist dafür bekannt, dass sie die Verfasung verteidigt. Sie hat oft genug gegen Ihre Gesetze erolgreich geklagt, Herr Kelber. (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lauschangriff!)


Wie gesagt, es handelt sich hier um eine komplexe ju-
istische Frage. Ich sage insbesondere an die Adresse der
ogenannten Südländer: Eine reine Umkehrung der Ar-
umentation – da es damals zustimmungsfrei war, gilt
as auch für die Laufzeitverlängerung – reicht als Be-
ründung nicht aus. Es gilt aber auch nicht die Logik,
ass es sich um ein zustimmungspflichtiges Gesetz han-
elt, sobald ein bisschen Verwaltungsarbeit auf die Län-
er zukommt. Beide Argumentationen sind eindeutig
icht tragfähig, wie die Gutachten zeigen, die beispiels-
eise vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages

rstellt worden sind. Dementsprechend liegt es an der
usgestaltung des Gesetzes, ob eine Zustimmungs-
flicht ausgelöst wird.

Ich möchte Ihnen deutlich machen, dass ein Rest-
trommengenansatz geradezu ungeeignet ist, Ihre juristi-
che Position zu unterstützen, Herr Kelber; denn wenn
eststrommengen gesetzlich vorgegeben sind, weiß man
icht genau, wie lange ein Land seine Verwaltungstätig-
eit ausüben muss. Ein Kernkraftwerk kann beispiels-
eise zwei Jahre stillstehen, weil es abgeschaltet wurde;
as ist in der Vergangenheit vorgekommen. Vor diesem
intergrund bedeutet eine Erhöhung der Reststrom-
enge nicht automatisch eine Verlängerung der Verwal-

ungstätigkeit der Länder. Herr Kelber, es ist alles nicht
o einfach, wie Sie es der deutschen Öffentlichkeit weis-
achen wollen.

Wir begrüßen, dass die Bundesregierung beschlossen
at, eine einheitliche Haltung herbeizuführen, und zwar
usammen mit den Ministerien, die für die Verfassung
uständig sind, nämlich dem Justiz- und dem Innen-
inisterium. Das ist der richtige Weg und nicht die

opulistische Debatte, die Sie heute im Deutschen Bun-
estag anzetteln.


(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schön, dass Sie uns das alles so erklären, Herr Kauch!)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704225000

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun die

ollegin Sylvia Kotting-Uhl das Wort.


Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704225100

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

err Umweltminister, Herr Kauch, wenn ein Atomkraft-
erk zwei Jahre stillsteht, ist das im Allgemeinen kein
nlass für die Atomaufsicht, sich ins Bett zu legen; ganz

m Gegenteil: Es hat meistens seine Gründe, wenn ein
tomkraftwerk stillsteht. Die NRW-Wahl ist vorbei.
an merkt, wie sie schmerzt. Schwarz-Gelb ist abge-
ählt worden,





Sylvia Kotting-Uhl


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(Zuruf von der CDU/CSU: Rot-Grün hat keine Mehrheit!)


und Ministerpräsident Mappus von Baden-Württemberg
eröffnet schon einmal den Wahlkampf in Baden-
Württemberg, indem er glaubt, er könnte das Rezept von
Herrn Röttgen fortführen: Du verlierst einen Wahlkampf
dadurch am besten, indem du die Defizite der Bundes-
regierung aufzeigst. Das ist besonders sinnvoll, wenn sie
deine eigene Regierung ist. –


(Ulrich Kelber [SPD]: Das war aber Rüttgers und nicht Röttgen in diesem Fall!)


– Entschuldigung, NRW und das R haben mich verwirrt.
Was nicht ist, kann noch werden. – Es muss jetzt nicht
meine Sorge sein, wie man nach Meinung von Herrn
Mappus am besten eine Wahl verlieren kann.


(Zuruf von der CDU/CSU: Warten wir es ab!)


Es muss auch nicht meine Sorge sein, wenn Ministerprä-
sidenten plötzlich nichts Besseres zu tun haben, als sich
mächtig dafür ins Zeug zu legen, dass man die Zustim-
mungspflicht der Länder beschneidet. Ich bin aber schon
besorgt, wenn ich Argumentationen wie die von Herrn
Pofalla höre, die rot-grüne Regierung unter Kanzler
Schröder habe den Ausstieg ohne den Bundesrat be-
schlossen und daher sei eine Verlängerung der Laufzei-
ten jetzt auch nicht an die Zustimmung der Länder ge-
bunden. Das ist, als würde ich eine Autobahnausfahrt
nehmen, mich dann entschließen, wieder auf die Auto-
bahn zu fahren, und über dieselbe Ausfahrt wieder auf
die Autobahn fahren. Was dabei herauskommt, wissen
wir: Geisterfahrten.


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


Kommen wir zum eigentlichen Thema, zur Auftrags-
verwaltung der Länder. Diejenigen, die jetzt glauben, es
gäbe keine Zustimmungspflicht der Länder, gehen davon
aus, dass die Auftragsverwaltung lediglich verlängert
wird und keine neuen Aufgaben entstehen. Das funktio-
niert aber nur, wenn man außer Acht lässt, was zumin-
dest Herr Röttgen immer betont hat, nämlich dass es
Laufzeitverlängerungen nur unter massiven Sicherheits-
auflagen gibt. Diese Sicherheitsauflagen bringen durch-
aus neue Aufgaben für die Atomaufsicht und damit für
die Länder mit sich. Schon daraus ergibt sich, dass eine
Zustimmungspflicht der Länder zwingend ist; denn sie
werden belastet werden, wenn die Sicherheitsauflagen
ernst gemeint sind.

Man darf inzwischen wieder zweifeln, wenn man die
neuesten Botschaften hört. Ob sich die Summen für die
Sicherheitsauflagen eher bei 11 Milliarden Euro, wie
Herr Brüderle meint, oder bei bis zu 50 Milliarden Euro
bewegen, wie Herr Röttgen meint, ist ungewiss. Ich zu-
mindest habe bisher noch nicht gehört, dass man davon
ausgeht, dass man gar keine Sicherheitsauflagen braucht.
Wir können gespannt sein, wie weit sie reduziert wer-
den. Eine Möglichkeit, den Bundesrat zu umgehen, be-
steht darin, dass man die eventuellen Mehrkosten von

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(C (D undesseite aus kompensiert. Ich rate nicht, diesen Weg u gehen. Ich glaube, auf diese öffentliche und auch paramentarische Debatte kann sich die Opposition freuen. ie sollten sie eher scheuen. Herr Röttgen, Sie sagten vorhin, es gehe um eine rein erfassungsrechtliche Frage, die man nicht politisieren ollte. Ich zitiere die Bundeskanzlerin, die sagte: Wir erden unsere politische Überzeugung durchsetzen. – as wird als klare Ansage interpretiert, dass es zu einer erlängerung kommen werde. Da frage ich mich: Ist es gal, wie die Rechtslage aussieht? Sie scheint in diesem all nicht ganz mit Ihnen übereinzustimmen. Aber die lärung ist ja innerhalb der Koalitionsfraktionen und vor llem innerhalb der Union auf der Tagesordnung. Nichtsdestoweniger – ich will Sie, Herr Umweltinister Röttgen, nicht in Schutz nehmen – wollen auch ie die Laufzeiten verlängern. Die Frage, ob es acht ahre, zwölf Jahre oder 28 Jahre sind, ist eigentlich achrangig. Wir wissen, dass es für den Klimaschutz, en Aufbau einer neuen Energiestruktur und den Umbau in zu den erneuerbaren Energien wichtig ist, dass es eim Atomausstieg bleibt. Deswegen möchte ich noch inmal ein Zitat von Ihnen, Herr Röttgen, aufgreifen. Sie agten vorhin: Die Konzerne sehnen sich nach Klarheit. – ch rate Ihnen: Geben Sie den Konzernen die Klarheit urück. Hören Sie auf, sich mit der Laufzeitverlängerung in Verliererthema ans Bein zu binden, das Ihnen weiterin Ärger mit den Länderregierungen einbringen wird! leiben Sie beim Atomausstieg! Dieses Gesetz war gut nd richtig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704225200

Für die Unionsfraktion spricht nun der Kollege

r. Georg Nüßlein.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Dr. Georg Nüßlein (CSU):
Rede ID: ID1704225300

Frau Präsidentin! Meine Damen! Meine Herren! Zu-

ächst einmal möchte ich festhalten: Es ist legitim, sich
ie Frage zu stellen, ob eine so wichtige Entscheidung
it oder ohne Zustimmung des Bundesrates erfolgen

ann. Das sagt erst einmal nichts über die politische Um-
etzung aus.

Wenn Sie heute einen Juristen fragen, wie die Rechts-
age ist, dann wird er Ihnen entweder beschreiben, wie es
rundsätzlich ist, oder er wird sagen: Es kommt darauf
n. Auf dieses „Es kommt darauf an“ kommt es an dieser
telle ausnahmsweise wirklich an. Die Mehrheit der
utachten, die mir vorliegen, unter anderem eines des
issenschaftlichen Dienstes, das ich selber in Auftrag

egeben habe, spricht ganz klar von Gestaltungsspiel-
äumen.


(Ulrich Kelber [SPD]: Zitieren Sie mal!)






Dr. Georg Nüßlein


(A) )


)(B)

Es kommt also auf die Ausgestaltung durch den Deut-
schen Bundestag an, ob die Zustimmung des Bundes-
rates erforderlich ist oder nicht.


(Ulrich Kelber [SPD]: Vollständig zitieren!)


Mehr sagt das zunächst einmal nicht aus.


(Beifall der Abg. Marie-Luise Dött [CDU/CSU])


Wir müssen also überlegen, wie wir damit umgehen. Für
den Bundestag ist es zunächst eine wichtige Botschaft,
dass es Gestaltungsspielräume gibt.

Da der Kollege Kelber von windigen Konstruktionen
sprach, obwohl er noch gar nicht weiß, was da im Raum
steht, sage ich Ihnen einmal, was eine windige Konstruk-
tion ist, nämlich das, was in dem Zusammenhang im
Nordrhein-Westfalen-Wahlkampf gelaufen ist. Da ist
Folgendes passiert: Da hat doch tatsächlich ein Sekretär
unseres Umweltausschusses unter dem Label des Wis-
senschaftlichen Dienstes – was ein Skandal an sich ist –
publiziert, diese Entscheidung sei zustimmungspflichtig.
Das hat er gemeinsam mit einer Rechtsreferendarin ge-
macht, und es sieht aus wie ein Gutachten des Wissen-
schaftlichen Dienstes. Nun wurde es natürlich fleißig
von den Grünen im Wahlkampf instrumentalisiert. Das
ist windig.


(Michael Kauch [FDP]: Genau! Und welcher Partei gehört er an?)


– Das muss man noch dazusagen: Der Sekretär des Um-
weltausschusses hat für die SPD im Bundestag kandi-
diert, allerdings erfolglos, darum ist er jetzt immer noch
Sekretär.


(Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist das denn für ein Schauermärchen?)


Diese Parteizugehörigkeit macht deutlich, dass meine
Worte keine leeren Worte sind, sondern dass es sich tat-
sächlich um eine Instrumentalisierung des Themas han-
delt. Das werden wir auch noch – da gibt mir der Kol-
lege Kauch sicher recht – thematisieren.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die CDU muss ja wissen, wie Instrumentalisierung funktioniert!)


Es bringt nichts, in einer Aktuellen Stunde innerhalb
weniger Minuten in einen Gutachterstreit einzutreten
und Juristisches taktisch gegeneinander abzuwägen. Wir
müssen uns Folgendes vor Augen halten:

Erstens ist es richtig, dass unser Energiekonzept deut-
lich macht, wie wir das Energiethema ökonomisch und
ökologisch sinnvoll gestalten wollen.

Zweitens ist es richtig, dass der Vorrang erneuerbarer
Energien im Gesetz steht. Damit ist es falsch, wenn hier
behauptet wird, mögliche Laufzeitverlängerungen gin-
gen zulasten der erneuerbaren Energien. Das ist falsch;
denn es steht etwas anderes im Gesetz.


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(C (D (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Das Gesetz ist aber nicht die Realität!)


Wenn Sie sagen, das Gesetz sei nicht die Realität, dann
age ich Ihnen ganz offen: Bei uns sind die Gesetze, die
ir machen, durchaus Realität.


(Ulrich Kelber [SPD]: Vor allem in Bayern! Bayerisches Landrecht!)


enn Sie das anders sehen, dann tut es mir leid.

Drittens ist richtig, dass mit Blick auf das Thema Kli-
aschutz der Aufwuchs der erneuerbaren Energien zu-

rst die Energiequellen ersetzt, die CO2 produzieren, und
rst danach die Kernenergie. Es macht Sinn, so vorzuge-
en. Das war mit Blick auf den Klimaschutz erforder-
ich.

Weil Sie vorhin immer von Klientelpolitik und Lob-
yismus gesprochen haben, sage ich: Das ist falsch. Wir
ollen im Falle einer Laufzeitverlängerung eine Öko-
ividende abschöpfen und das Geld, das hier zusätzlich
eneriert wird, in die dringend notwendige Erforschung
rneuerbarer Energien stecken. Das hat nichts mit Klien-
elpolitik zu tun. Ganz im Gegenteil: Wir bringen das
hema voran; das halte ich für ganz entscheidend.

Grundfalsch ist, Ideologie vor Realität zu stellen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


ch erspare Ihnen nicht das übliche ceterum censeo an
ieser Stelle: Die Grünen haben von Anfang an immer
esagt, Kernenergie sei unverantwortlich,


(Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig!)


ine brandgefährliche Technologie, und man müsse so-
ort aussteigen. Aber was haben Sie im Jahr 2000
emacht? Sie haben die Laufzeit dieser „unverantwortli-
hen Technologie“ um 20 Jahre verlängert. Das ist un-
erantwortliche und inkonsequente Politik, meine Da-
en und Herren. Das müssen Sie sich hier noch lange,

ange vorhalten lassen.

Vielen herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Machen Sie es schneller! – Ulrich Kelber [SPD]: Das war in der Tat grundfalsch, was Sie gesagt haben! Richtig!)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704225400

Der Kollege Rolf Hempelmann spricht nun für die

PD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Rolf Hempelmann (SPD):
Rede ID: ID1704225500

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr

ollege Nüßlein, jetzt habe ich Ihre Logik, warum die-
es Mal, genau wie im Jahre 2000, keine Länderbeteili-
ung notwendig ist, endlich verstanden: weil wir, wie





Rolf Hempelmann


(A) )


)(B)

Sie gerade gesagt haben, schon damals eine Verlänge-
rung der Laufzeit um 20 Jahre beschlossen haben.


(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)


Zumindest wenn man in Ihrer Logik bleibt, ist das nach-
vollziehbar. Sie gestatten uns aber, dass wir das ein biss-
chen anders sehen.


(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Gegenüber der Forderung der Grünen ist das aber richtig!)


Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wenn man sich
anschaut, was im letzten guten halben Jahr im Bereich
der Energiepolitik dieser Regierungskoalition passiert
ist, dann fällt einem eigentlich nur eines auf, nämlich die
Ankündigung eines Energiekonzeptes für den Herbst
2010. Das Einzige, was darüber hinaus konkret gesagt
worden ist, lautet: Wir wollen die Verlängerung der
Laufzeit von Atomkraftwerken. – Ansonsten: Funkstille.


(Ulrich Kelber [SPD]: Und eine Kürzung bei den Erneuerbaren!)


Wenn man sich die Praxis ansieht, also das, was zwi-
schenzeitlich passiert ist, dann stellt man fest: All das,
was erfolgreich durchgeführt worden ist, ist mittlerweile
in Gefahr. Beispielsweise läuft das erfolgreiche Markt-
anreizprogramm für erneuerbare Energien im Wärmebe-
reich jetzt aus; der Finanzminister ist in einem heftigen
Streit mit dem Umweltminister. Die Mittel für das CO2-
Gebäudesanierungsprogramm werden nur bis etwa Mitte
dieses Jahres ausreichen; anschließend wird auch dieses
Programm, jedenfalls zunächst einmal, unterbrochen.
Das bedeutet, die Strukturen, die aufgebaut worden sind,
die Märkte und Arbeitsplätze, die entstanden sind, wer-
den wieder verloren gehen. Tolle Bilanz nach einem hal-
ben Jahr!


(Beifall bei der SPD)


Was das Thema Laufzeitverlängerung angeht, hat es
von Anfang an innerhalb der Union und innerhalb der
Koalition eine Dissonanz der Stimmen gegeben. Es hat
immer wieder Stimmen gegeben, die darauf aufmerksam
gemacht haben, welche Folgen man sich damit eigent-
lich einkauft. Es wurden, zum Beispiel von den neuen
Energieanbietern, Gutachten in Auftrag gegeben, in de-
nen darauf hingewiesen wurde, dass schon getätigte In-
vestitionen gefährdet sind und geplante Investitionen zu-
rückgestellt werden, dass also genau das, was Sie, Herr
Minister, eingefordert haben, nämlich Planbarkeit und
Zuverlässigkeit, verloren gegangen ist und deshalb In-
vestitionen, die dringend notwendig sind, zurzeit unter-
bleiben und vermutlich auch in der Perspektive nicht ge-
tätigt werden.

In den Gutachten wurden auch die wettbewerblichen
Folgen einer Laufzeitverlängerung thematisiert. Hier
werden Strukturen zementiert, die wir eigentlich zurück-
bauen wollen. Wir werden nämlich erleben, dass insbe-
sondere die großen Vier gestärkt werden, weil sie die
Kernkraftwerke haben, und die anderen ihre Marktposi-
tion letztlich nicht werden ausbauen können. Vor diesem
Hintergrund und insbesondere in Anbetracht der Ziele,
die Sie gerade selbst genannt haben – Klarheit und In-

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(C (D estitionssicherheit –, kann man nur an Sie appellieren: ücken Sie von diesem Kurs ab, der auch in Ihren eigeen Reihen höchst umstritten ist. Das Tüpfelchen auf dem i ist die Frage der Länderbeeiligung. Natürlich kann man hier einen Vortrag halten, ie es der Minister gerade getan hat, und suggerieren, ass jetzt alles sauber und ergebnisoffen geprüft wird. ur, wie wollen Sie dann erklären, was zurzeit in Ihren igenen Reihen öffentlich geschieht? Erklären Sie doch ann einmal die Äußerungen der Ministerpräsidenten, in eren Ländern Kernkraftwerke stehen, gleichen Sie iese Aussagen mit den Äußerungen der Ministerpräsienten ab, die auch betroffen sind, in deren Verantworungsbereich es aber keine Kernkraftwerke gibt, und ommentieren Sie dann die unterschiedlichen Äußerunen auch von Teilen der Bundesregierung. Wenn das ales so harmlos ist, wenn es hier nur um eine ergebnisffene Prüfung geht, dann würde mich wirklich nteressieren, wie diese Dissonanzen tatsächlich zu erlären sind. Ich will es Ihnen sagen: Es ist nicht nur eine verfasungsrechtliche, sondern durchaus auch eine moralische rage, ob man die Länder, die eindeutig betroffen sind, eteiligt. Experten sagen sogar: Wenn nur Unklarheit beteht, ob es Konsequenzen für die Länder gibt – zum eispiel finanzielle Folgen –, löst das automatisch eine ustimmungspflicht aus. Orientieren Sie sich bitte an iesem Grundsatz! Am besten aber: Kommen Sie von eier falschen Energiepolitik ab! Versuchen Sie, wieder in er Kontinuität dessen zu handeln, was in den elf Jahren uvor aufgebaut worden ist! Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


(Beifall bei der SPD)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704225600

Das Wort hat der Kollege Klaus Breil für die FDP-

raktion.


(Beifall bei der FDP)



Klaus Breil (FDP):
Rede ID: ID1704225700

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kol-

egen! Diese Aktuelle Stunde ist fehl am Platze, weil sie
icht aktuell ist, sondern gezielt irreführend.


(Ulrich Kelber [SPD]: Am Samstag hat der Staatsminister das angekündigt!)


ie führt in die Irre, weil dabei bewusst mit falschen Be-
riffen hantiert wird. Wenn überhaupt, können wir über
ine Normalisierung der Laufzeiten reden.


(Lachen bei Abgeordneten der SPD – Ulrich Kelber [SPD]: Wann ist denn Ihre Rede geschrieben worden?)


s handelt sich um eine Normalisierung, weil es hier um
nternational übliche Normen geht, um weltweit Norma-
es und Anerkanntes.





Klaus Breil


(A) )


)(B)


(Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie sind international nicht ganz auf der Höhe!)


Ich will Ihnen das einmal bildlich erklären; dann ist es
für Sie einfacher zu verstehen. Vor einigen Jahren hat ein
rot-grünes Ehepaar noch in den Flitterwochen dem unge-
liebten Stiefkind Leonie aus Missmut das Taschengeld
gekürzt. Heute, nachdem die rot-grüne Ehe erfolgreich
geschieden ist, will Leonie das Taschengeld natürlich
wieder in gewohnter Höhe erhalten, und zwar so, wie es
alle Geschwister schon immer bekommen haben. Die
Stiefmutter ist ja weg. So weit ist es einleuchtend.


(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nee! – Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Solche Familienverhältnisse gibt es bei den Grünen nicht! – Ulrich Kelber [SPD]: Das mit dem Geld ist ein gutes Beispiel!)


Doch auf einmal soll nun Leonie alle ihre Tanten und
Onkel um Zustimmung für ein vernünftiges Anliegen
bitten, und das, obwohl die Familie bei der Kürzung gar
nicht gefragt wurde.


(Lachen der Abg. Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Diese Logik ist mehr als schräg; sie ist widersinnig.

Ihre Kollegin, die Sozialdemokratin und rheinland-
pfälzische Umweltministerin Margit Conrad, hat dies
eingesehen: Vor drei Monaten beschied ihr Ministerium,
dass die Neuordnung der Laufzeiten keiner Zustimmung
des Bundesrates bedürfe. Natürlich muss man das genau
prüfen.

Ich zitiere aus der Zusammenfassung eines Gutach-
tens des Wissenschaftlichen Dienstes vom 5. Mai dieses
Jahres:

Es liegt weitgehend beim Bundestag, ein Gesetz so
zu beschließen, dass die Zustimmung des Bundes-
rates nicht erforderlich ist.


(Ulrich Kelber [SPD]: Zitieren Sie mal den Satz davor auch noch!)


Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Wählerinnen
und Wähler bei der Bundestagswahl für eine sinnvolle
und kontrollierte Harmonisierung der Laufzeiten von
Kernkraftwerken entschieden.


(Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das haben sie aber bekanntlich am 9. Mai in NRW korrigiert!)


Sie haben sich so entschieden, weil ein weiterer Betrieb
der nach internationalem Standard sichersten Kernkraft-
werke unsere ökonomisch und ökologisch sinnvollste
Option ist.

Mit einer Normalisierung der Laufzeiten schaffen wir
die Voraussetzung für den in der Geschichte Deutsch-
lands größten Umbau der Energieversorgung: Wir wer-
den die regenerativen Energien in Deutschland zum tra-
genden Pfeiler unserer Energieversorgung machen.

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(C (D (Beifall bei Abgeordneten der FDP und der CDU/CSU)


n diesem Wandlungsprozess entsteht in Deutschland
ine gewaltige Großbaustelle in Sachen Energieinfra-
truktur, ein energetischer Eurotunnel in Richtung Zu-
unft.

Das bedeutet 1 000 Kilometer neue Energieautobah-
en, die den Strom großer Windanlagen von der Küste
uer durch ganz Deutschland transportieren. Investi-
ionsbedarf hier: 40 Milliarden Euro. Das bedeutet die
ereitstellung intelligenter Netze, die Stromeinspeisung
nd Stromverbrauch intelligent regeln. Das bedeutet in-
ovative Speichertechnologien, um regenerative Energie
wischenzulagern, bis sie gebraucht wird.

Bei diesem Drahtseilakt bilden unsere Kernkraft-
erke das Netz, das uns absichert, bis der Wandel er-

olgreich abgeschlossen ist.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie bitte?)


rst wenn die regenerativen Energien genauso verläss-
ich Strom liefern wie heute die konventionellen Ener-
ieträger, können wir auf Kernenergie und Kohle ver-
ichten. Alles andere ist gegenüber den Bürgerinnen und
ürgern nicht zu verantworten.

Vielen Dank.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704225800

Das Wort hat der Kollege Dr. Michael Paul für die

nionsfraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Ulrich Kelber [SPD]: Schon wieder ein Taschengeldvergleich?)



Dr. Michael Paul (CDU):
Rede ID: ID1704225900

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Gestat-

en Sie mir, dass ich zur Sache spreche, nämlich zum
hema der Aktuellen Stunde: Ist ein Gesetz zustim-
ungspflichtig, in dem die Laufzeiten der Kernkraft-
erke verlängert werden?

Das hängt natürlich davon ab, was der genaue Inhalt
es Gesetzes ist. Wer von vornherein sagt: „Ein solches
esetz ist immer zustimmungspflichtig“, der liegt ge-
auso falsch wie jemand, der sagt: „Ein solches Gesetz
st nie zustimmungsbedürftig“. – Auf den Inhalt kommt
s an.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


Das sieht im Übrigen auch das Bundesverfassungsge-
icht so. Wie sieht es bei einem Gesetz aus, das eine
eine Laufzeitverlängerung beinhaltet? Beim Atomrecht
ühren die Bundesländer das Gesetz im Auftrag des Bun-
es aus. Es handelt sich also um eine Bundesauftragsver-
altung; Norbert Röttgen hat bereits darauf hingewie-

en. In diesem Bereich der Bundesauftragsverwaltung





Dr. Michael Paul


(A) )


)(B)

unterscheidet das Bundesverfassungsgericht drei Fälle
von Gesetzen.

Im ersten Fall ist ein Gesetz zustimmungsbedürftig,
wenn der Bund darin den Ländern erstmals eine neue
Aufgabe überträgt. Eine neue Aufgabe wird den Ländern
aber bei einer Laufzeitverlängerung sicherlich nicht
übertragen. Schließlich üben sie bereits seit Beginn der
Nutzung der Kernenergie in Deutschland die Aufgabe
aus, den Betrieb der Kernkraftwerke zu beaufsichtigen.
Das wird auch in der Zukunft so sein.

Im zweiten Fall ist ein Gesetz zustimmungsbedürftig,
wenn dadurch den Aufgaben der Landesbehörden „eine
wesentlich andere Bedeutung und Tragweite“ verliehen
wird, so das Bundesverfassungsgericht. Bei einer Lauf-
zeitverlängerung ändern sich die Aufgaben der Behör-
den aber nicht. Schon gar nicht bekommen die Aufgaben
eine andere Bedeutung oder Tragweite. Vielmehr beauf-
sichtigen die Landesbehörden die Kernkraftwerke auch
in der Zukunft so, wie sie es bereits schon heute tun
müssen.


(Ulrich Kelber [SPD]: Das wissen Sie schon vor der Rechtsexpertise? – Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Können wir das schriftlich haben?)


Sie beaufsichtigen die Kraftwerke zwar zeitlich län-
ger; das ist richtig. Diese zusätzliche Dauer der Verwal-
tungstätigkeit ist aber rein quantitativ und hat keine neue
Qualität. Das Bundesverfassungsgericht hat schon fest-
gelegt, dass eine solche rein quantitative Mehrung von
Verwaltungsaufgaben gerade nicht zur Zustimmungsbe-
dürftigkeit führt.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sicherheitsauflagen!)


– Zu Ihrem Einwand mit den Sicherheitsanforderungen,
Frau Kotting-Uhl, komme ich gleich.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gut, ich bin gespannt!)


Es handelt sich bei einem Gesetz, in dem die bloße
Laufzeitverlängerung geregelt wird, vielmehr um den
dritten Fall. Hier werden keine neuen Aufgaben übertra-
gen oder bereits übertragene Aufgaben qualitativ verän-
dert. Die Verlängerung der Laufzeiten, also, um es prä-
zise zu sagen, die Erhöhung der Reststrommengen,
verändert bloß den Zeitraum, in dem die Landesbehör-
den die Aufsicht führen müssen. Ein solches reines
Laufzeitverlängerungsgesetz ist nach diesen Kriterien
des Bundesverfassungsgerichts deshalb nicht zustim-
mungsbedürftig.

Wenn Sie darauf nun entgegnen, dass sich die Länder
darauf eingestellt hätten, die Aufgaben nur zeitlich be-
fristet auszuüben, so kann ich dem Kollegen Kauch an
dieser Stelle nur zustimmen: Auch bisher konnten sich
die Länder gerade nicht auf ein bestimmtes Enddatum
einstellen, an dem die Kraftwerke vom Netz gehen. Sie,
die Damen und Herren von SPD und Grünen, haben
doch in Ihrer Regierungszeit im Jahr 2002 beschlossen,
dass die Betriebszeiten nicht befristet, also mit einem
festen Enddatum versehen werden, sondern dass eine

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(C (D eststrommenge abhängig vom Betrieb der Anlage aufebraucht werden darf. Damit stand für die Länder nicht est, wann ihre Aufgabe, nämlich über den Betrieb der ernkraftwerke die Aufsicht auszuüben, endet. Da ich schon beim Ausstiegsgesetz von 2002 bin: Daals musste der Bundesrat dem Gesetz nicht zustimmen; as haben Sie von SPD und Grünen gesagt. Dabei wuren dort nicht nur die Reststrommengen geregelt. Vielehr haben Sie neue Pflichten eingeführt, auch bei den icherheitsauflagen. Jetzt bin ich bei Ihnen, Frau otting-Uhl. Sie haben festgeschrieben, dass Kernkrafterksbetreiber eine periodische Sicherheitsüberprüfung erbindlich durchführen müssen und diese den Landesufsichtsbehörden vorzulegen sind. ie Behörden müssen zusätzlich zu ihren bisherigen ufgaben genau dies prüfen. Das heißt, all das ist doch viel eher eine Änderung on Vorschriften, durch die die Qualität der Aufgabe erändert wird, als es bei einer bloßen Laufzeitverlängeung sein würde. Trotzdem haben Sie damals erklärt, das esetz sei nicht zustimmungsbedürftig. Heute dagegen agen Sie, ein Gesetz mit einer reinen Laufzeitverlängeung müsse auf jeden Fall zustimmungsbedürftig sein. as nimmt Ihnen nun wirklich niemand ab. (Beifall bei der CDU/CSU – Ulrich Kelber [SPD]: Haben Sie eigentlich Ihrem Minister vorhin zugehört? Oder war Ihre Rede schon fertig geschrieben?)


(Michael Kauch [FDP]: Hört! Hört!)


Ich habe sehr genau zugehört. Ich sehe auch keinen
iderspruch.

Das Grundgesetz gibt nicht vor, dass Laufzeiten in je-
em Fall nur mit Zustimmung des Bundesrates verlän-
ert werden können. Ob die konkreten Regelungen eines
orzulegenden Gesetzes zustimmungsbedürftig sind,
ird die Bundesregierung sehr genau prüfen. Unabhän-
ig davon, ob der Bundesrat zustimmen muss oder nicht,
ilt: Auch in Zukunft werden wir in Deutschland die
eltweit strengsten Sicherheitsstandards für Kernkraft-
erke haben. Bei der Sicherheit von Kernkraftwerken
ird es keine Kompromisse geben.

Vielen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704226000

Das Wort hat die Kollegin Christine Lambrecht für

ie SPD-Fraktion.


(Beifall bei der SPD)



Christine Lambrecht (SPD):
Rede ID: ID1704226100

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe

olleginnen und Kollegen! Die Rede meines Vorredners
m Zusammenhang mit der Rede des Ministers gesehen,
eigt wunderbar die Unstimmigkeiten auf, die bezüglich
er Einschätzung der hier anstehenden Frage herrschen.
err Röttgen sagt, tendenziell müsse man die Länder be-

eiligen. „Tendenziell“ – das ist für mich ein neuer





Christine Lambrecht


(A) )


)(B)

Rechtsbegriff. Sie sagen: Das ist völlig unproblematisch,
man muss die Länder nicht beteiligen. Ich glaube, das
zeigt deutlich, was für ein Tohuwabohu bei Ihnen in der
Koalition herrscht. Ich finde, das sollten Sie einmal klä-
ren.


(Beifall bei der SPD)


Herr Röttgen, Sie haben uns aufgefordert, diese Frage
verfassungsrechtlich und nicht politisch zu prüfen. Man
muss sich überlegen, wie Sie auf diese für mich als Juris-
tin hochspannende Frage gekommen sind. Haben Sie in-
nerhalb der Koalition ein rechtspolitisches Seminar be-
sucht und sich diese Frage vorgenommen? Das war es
doch wohl nicht. Ich glaube, die Frage, ob der Bundesrat
an der Entscheidung zu Laufzeitverlängerungen beteiligt
werden soll, wird erst seit einem politischen Ereignis in-
tensiv diskutiert, nämlich ab dem Moment, ab dem Sie
durch die Wahlschlappe in NRW die Mehrheit im Bun-
desrat verloren haben. Das ist der Hintergrund und nicht
Ihr Interesse am Verfassungsrecht.


(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Es ist sehr wohl eine politische Fragestellung. Sie sa-
gen, wir alle müssten ein Interesse daran haben, dass
eine Laufzeitverlängerung verfassungskonform be-
schlossen werden muss, um nicht angreifbar zu sein. Ich
sage Ihnen: Daran haben wir kein Interesse.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD)


Wir haben weder ein Interesse daran, dass eine Laufzeit-
verlängerung mit Beteiligung des Bundesrates beschlos-
sen wird, noch haben wir ein Interesse an dem Beschluss
einer Laufzeitverlängerung ohne Beteiligung des Bun-
desrates. Wir wollen überhaupt keine Laufzeitverlänge-
rung in diesem Bundestag beschließen.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Sie haben gesagt: Die Konzerne brauchen Klarheit.
Das zeigt, dass Sie noch nicht lange in diesem Ressort
tätig sind. Ich komme aus dem Wahlkreis Bergstraße. In
der Nähe liegt das Kernkraftwerk Biblis. Es gibt regel-
mäßig Gespräche über die Kernkraft. Für mich als be-
kennende AKW-Gegnerin sind das nicht immer vergnü-
gungsteuerpflichtige Veranstaltungen gewesen. Als wir
im Deutschen Bundestag den Atomkompromiss verab-
schiedet haben, war ich dort zu Gast. Ich habe mich auf
einiges eingestellt und mich gefragt, was wohl kommen
wird. Herr Röttgen, wissen Sie, was passiert ist? Ein
Kraftwerksbetreiber hat mir sehr zur Überraschung eini-
ger quer durch den ganzen Saal ausdrücklich dafür ge-
dankt – hören Sie gut zu, das können Sie überall nachle-
sen –, dass jetzt endlich Klarheit darüber herrsche, wie
es mit den Kraftwerken weitergehe, dass sie endlich Pla-
nungssicherheit hätten.


(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Was?)


Dafür hat er mir gedankt. Die Klarheit besteht also
längst, und zwar durch den Atomkompromiss. Diese
Klarheit heben Sie durch das derzeit von Ihnen veran-

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(C (D taltete Tohuwabohu auf. Wenn Sie Klarheit wollen, ann machen Sie endlich Schluss mit den Debatten über ie Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. ann haben die Kraftwerksbetreiber endlich wieder die lanungssicherheit, die sie vorher schon hatten. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Sie haben uns aufgefordert, dass wir bitte nicht gei-
ern sollen. Ich glaube, Sie haben nicht uns gemeint. Das
ing eher in eine andere Richtung. Sie haben wohl den
DU-Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg ge-
eint, der Sie zum Rücktritt aufgefordert hat. Ich kann
ir vorstellen, dass er der Adressat war. Leider sitzt er

icht hier. Er hat sich wahrscheinlich nicht getraut, an
er Debatte teilzunehmen.

Ich muss Ihnen sagen: Das ist schon ein unglaublicher
organg. Ich bin seit elf Jahren in diesem Parlament.
ber damit, dass ein CDU-Ministerpräsident einen
DU-Umweltminister zum Rücktritt auffordert, weil
ieser in einer Angelegenheit, die die Länder betrifft, die
änder gerne mit beteiligen möchte, haben Sie zwar
eine Verfassungsgeschichte, aber wenigstens Ge-
chichte geschrieben. Das ist schon ein toller Vorgang.
ch muss sagen: Respekt!


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Man könnte sich in der Opposition eigentlich zurück-
ehnen und zuschauen, wie Sie sich zerfleischen. Aber
as wäre unverantwortlich; denn es geht nicht darum, ir-
endetwas komisch zu finden – das ist es nämlich schon
ange nicht mehr –, sondern es geht unter anderem um
as Sicherheitsbedürfnis der Menschen. Ich habe bereits
esagt, dass in meinem Wahlkreis das Atomkraftwerk
iblis steht. Das ist einer der ältesten Meiler. Die Men-

chen dort haben sehr große Befürchtungen, was die Si-
herheit angeht.


(Hans-Joachim Otto, Parl. Staatssekretär: Aber sie sind mehrheitlich dafür!)


arüber hinaus besteht ein großes Problem in Bezug auf
errorangriffe. Auch das ist aufgrund der Dicke der Be-

ondecke mittlerweile festgestellt. Dort sehen die Men-
chen die Verlängerung der Laufzeiten ganz anders. Bei
er Großdemonstration am 24. April waren mehr als
0 000 Menschen auf den Beinen, nicht weil sie eine
erlängerung der Laufzeiten wollen, sondern weil sie
ollen, dass dieser alte Meiler endlich abgeschaltet wird
nd nicht noch länger am Netz bleibt, weil diese Unsi-
herheit nicht noch länger zu akzeptieren ist.


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


Ich finde es unglaublich, mit welcher Arroganz Sie
ber die Interessen der Menschen vor Ort hinweggehen
nd sie einfach nicht wahrnehmen. Aber das ist anschei-
end Ihre Politik. Sie haben aus der Schlappe bei der
ahl in NRW am 9. Mai nichts gelernt. Sie regieren an

en Interessen der Menschen vorbei. Dafür werden Sie
uch auf Bundesebene die Quittung bekommen.

Vielen Dank.





Christine Lambrecht


(A) )


)(B)


(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704226200

Das Wort hat der Kollege Thomas Bareiß für die

Unionsfraktion.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Thomas Bareiß (CDU):
Rede ID: ID1704226300

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und

Herren! Erlauben Sie mir eine kurze Vorbemerkung: Wir
diskutieren bereits eine Stunde lang über die Mitbestim-
mung des Bundesrates. Der Bundesrat scheint aber gar
kein Interesse daran zu haben. Es ist kein Vertreter eines
Landes außer von Baden-Württemberg da, und Baden-
Württembergs Meinung ist ja bekannt. Insofern ist dies
ein klares Signal des heutigen Tages.


(Ulrich Kelber [SPD]: Wo sind der Herr Mappus, der Herr Seehofer und der Herr Koch? Die haben doch eine klare Meinung dazu! – Weitere Zurufe von der SPD)


Nächster Punkt – das passt gut zu Ihren Einlassungen –:
Die Debatte, die Sie heute führen, und die Aktuelle
Stunde, die Sie beantragt haben, zeigen nichts anderes,
als dass Sie sich in Ihre ideologischen Schützengräben
der letzten Jahre zurückgezogen haben und nicht an ei-
ner sachlichen Diskussion interessiert sind.


(Ulrich Kelber [SPD]: Ganz im Gegensatz zu Ihnen natürlich!)


Ein Ziel der nächsten Monate sollte sein, dass wir über
dieses Thema sachlich diskutieren. Genauso wenig wie
vor einem Jahr, als Ihr damaliger Umweltminister
Sigmar Gabriel mit seinem gelben Bauhelm in jede Ka-
mera gelächelt und versucht hat, das Thema hochzuzie-
hen


(Ulrich Kelber [SPD]: Welches Thema?)


– das Thema Kernenergie – und die Menschen zu verun-
sichern, werden Sie es heute schaffen, die Menschen zu
verunsichern; denn die Menschen sind schon viel weiter
und sehen dieses Thema schon viel pragmatischer.


(Ulrich Kelber [SPD]: Meinen Sie eigentlich Asse?)


70 Prozent – es wurden ja schon viele Umfragen zitiert –
der Menschen sagen, dass sie davon überzeugt sind, dass
wir auch in den nächsten zehn Jahren Kernenergie in
Deutschland brauchen.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist überhaupt nicht wahr!)


Und mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland
sagt, dass wir es ohne Kernenergie gar nicht schaffen,
den Beschluss, den Sie vor acht Jahren gefasst haben,
umzusetzen.


(Ulrich Kelber [SPD]: Quelle benennen! Das ist eine Umfrage des Atomforums! Sie zitieren Lobbyisten! Peinlich!)


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(C (D Ich meine, dass wir Ihre ideologischen Beschlüsse, ie Sie vor acht Jahren gefasst und die keine realistische rundlage haben, in den nächsten Monaten prüfen müs en. Auf einer sachlichen Grundlage werden wir im erbst ein Energiekonzept vorlegen, das mit dem Thema aufzeitverlängerung der Kernkraftwerke objektiv umeht und die Kernenergie als Brücke zu einem Zeitalter er regenerativen Energie sieht. (Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das schon da ist!)


ier sind noch viele Fragen offen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


An dieser Stelle sage ich klar und deutlich: Die Kern-
nergie hat für uns keinen Selbstzweck, sondern sie ist
azu da, die Brücke zu einer bezahlbaren, sauberen und
icheren Energieversorgung für die nächsten Jahrzehnte
u bauen.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sauber und sicher?)


Darum sollte es auch in den nächsten Monaten gehen:
ir müssen die Debatte versachlichen. Uns geht es auf

lle Fälle um die Sache. Es ist richtig und wichtig, dass
ir in den nächsten zwei Wochen noch einmal die fach-

iche und rechtliche Grundlage überprüfen, damit in
wei Wochen Klarheit herrscht, wenn es geht, auch über
ie Handlungsfähigkeit des Bundes und der Bundesre-
ierung, gerade bezüglich der Frage, wie wir die Ener-
ieversorgung nicht der nächsten zwei, drei Jahre, son-
ern der nächsten 40 Jahre sicherstellen wollen. Das ist,
laube ich, ein Thema, das uns allen sehr wichtig sein
ollte, weil wir große Ziele haben. Wir haben das Ziel,
ass wir in den nächsten zehn Jahren 30 Prozent der
nergie aus regenerativen Energien erzeugen wollen.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wahnsinnig ambitioniert!)


Dazu gehört auch, dass wir in den nächsten Jahren die
rundlast sicherstellen müssen. Die Kollegen, die vor
ir gesprochen haben, haben es schon dargelegt: Wir

rauchen nach wie vor eine Grundlast, die sicher ist.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Meine Güte!)


ir haben einen enormen Anstieg der Energieerzeugung
it fluktuierenden Energieträgern, zum Beispiel Wind.
ir brauchen – das ist ebenfalls eine große Herausforde-

ung – erneuerbare Energie, die grundlastfähig ist.


(Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Erneuerbaren sind schon lange grundlastfähig!)


uch das ist ein Punkt, den wir noch gemeinsam bespre-
hen müssen. Wir werden trotzdem auf grundlastfähige
roßkraftwerke nicht verzichten können.

Deshalb müssen wir die Frage stellen, wie wir die am-
itionierten Klimaschutzziele, die wir uns für die nächs-
en zehn Jahre vorgenommen haben, erreichen wollen.
ine Reduktion der CO2-Emissionen um 40 Prozent ist
in Ziel, das sogar Ihre Erwartungen bei weitem über-





Thomas Bareiß


(A) )


)(B)

trifft. Das können wir nur dann schaffen, wenn wir die
nächsten Jahre auf Kernenergie bauen und damit zu
CO2-Minderungen beitragen.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


Alles andere wäre aus meiner Sicht ein klimapolitischer
Irrflug.

Letzter Punkt. Beim Thema Kernenergie ist die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands entscheidend. Ich
glaube, die Debatten, die wir heute Morgen hier im Ho-
hen Hause geführt haben, haben gezeigt, dass es im Kern
um die Frage geht, wie wir in den nächsten Jahren nicht
nur in Deutschland, sondern auch in Europa die Wettbe-
werbsfähigkeit unserer Wirtschaft sicherstellen, wie wir
Wohlstand und Wachstum sowie Arbeitsplätze generie-
ren können.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, wie machen wir das denn zurzeit?)


Auch in diesem Kontext ist die Energiepolitik ein ent-
scheidender Baustein. Es geht darum, den Übergang zu
regenerativen Energien sicherzustellen, aber auch da-
rum, bezahlbare und saubere Grundlast für die Zukunft
zu gewährleisten.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Atomstrom ist nicht sauber!)


Ich kann Ihnen nur raten, einmal Ihre Kollegen in
Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und
Skandinavien zu fragen. All diese Länder bauen die
Kernenergie in den nächsten Jahren sogar aus und gene-
rieren daraus entsprechende Wettbewerbsfähigkeit.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, ja, das sehen wir dann mal! Im Moment wird überall abgebaut! – Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Großbritannien hat sich schon wieder davon verabschiedet!)


In diesem Sinne werden wir ohne große Ideologie und
ohne große Verunsicherung in den nächsten Monaten
Energiepolitik aus einem Guss machen und an dem
Thema weiter arbeiten.

Herzlichen Dank.


(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704226400

Der Kollege Marco Bülow hat nun für die SPD-Frak-

tion das Wort.


(Beifall bei der SPD)



Marco Bülow (SPD):
Rede ID: ID1704226500

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr

Röttgen ruft zur Versachlichung der Diskussion auf, und
auch mein Vorredner aus Baden-Württemberg macht
das. Ich finde das gut, aber dann fangen Sie doch einmal
in der Union mit der sachlichen Diskussion an. Ich finde
es komisch, es sachlich zu nennen, dass ein Unionsmi-
nisterpräsident einen Unionsumweltminister zum Rück-

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(C (D ritt auffordert. Wenn das eine sachliche Diskussion ist, ann können wir gern auf dem Niveau weiterdiskutieren. (Beifall bei der SPD – Paul Lehrieder [CDU/ CSU]: Meinungsfreiheit, Herr Kollege!)


err Mappus möchte in die Fußstapfen von Franz Josef
trauß steigen. Da braucht man natürlich eine gewisse
abulistik; das kann ich gut verstehen. Ich glaube aber,
ass es der Debatte insgesamt nicht weiterhilft.

Schauen wir uns das Demokratieverständnis einmal
enauer an. Es gibt drei Bundesländer, die alles tun, da-
it sie selbst nicht mehr mitreden können, damit sie

elbst keinen Einfluss mehr auf eine Diskussion haben
önnen. Das heißt, sie wollen sich selbst entmachten.
as ist im Augenblick das Demokratieverständnis von
ayern, Hessen und Baden-Württemberg; diese Landes-

egierungen sind unionsdominiert. Ausgerechnet diese
rei Länder entdecken auf einmal, dass sie zu dem
hema eigentlich nichts mehr sagen wollen und sich da
eraushalten wollen. Gut, wenn sie das wollen, dann
önnen sie sich insgesamt gern aus der Diskussion zu-
ückziehen und auch in Zukunft über alle Angelegenhei-
en, die mit Atomenergie zu tun haben, schweigen. Ich
laube, wenn sie das bereits früher getan hätten, dann
ären wir in der gesamten Diskussion schon einen
chritt weiter.


(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Sylvia KottingUhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


Die Lobbyisten haben es geschafft – sie haben in die-
em Bereich ganze Arbeit geleistet –, dass es sogar so
eit kommt, dass sich diese drei Länder zurückziehen
ollen. Ich frage mich allerdings, warum diese drei Län-
er – sie haben immer noch die gleichen Regierungskon-
tellationen – gefordert haben, dass sie bei der Atomge-
etzgebung, bei der Verlängerung der Laufzeiten im
undesrat mitbestimmen wollen. Das können Sie sich
uf Drucksache 7/1/02 genau anschauen. Diese drei Län-
er wollten vor acht Jahren genau das Gegenteil von
em, was sie im Augenblick vorbringen. Schauen Sie
on der Union sich diese Drucksache einmal genauer an.
ann erklären Sie uns bitte, wie es zu diesem Sinnes-
andel gekommen ist. Meine Kollegin Frau Lambrecht
at darauf hingewiesen, dass es nur daran liegen kann,
ass man nach der NRW-Wahl festgestellt hat, dass das
icht mehr so einfach wird im Bundesrat und man des-
egen auf einmal eine andere politische Diskussion her-
eiführen und den Bundesrat nicht mehr beteiligen
öchte. Aber so einfach wird das nicht sein. Dafür wer-

en wir schon sorgen.


(Paul Lehrieder [CDU/CSU]: Sie haben es ohne Bundesrat gemacht!)


Zu den Gutachten – korrigieren Sie mich gegebenen-
alls –: Wir haben zwei Gutachten des Wissenschaftli-
hen Dienstes. Scherzhaft könnte man sagen, dass wir
och ein drittes Gutachten machen könnten. Wir könnten
en Wissenschaftlichen Dienst beauftragen, zu sondie-
en, was die Union überhaupt will.


(Beifall der Abg. Christine Lambrecht [SPD])






Marco Bülow


(A) )


)(B)

Das ist mir auch in der Diskussion heute nicht klar ge-
worden. Vielleicht sollte man den Wissenschaftlichen
Dienst auch da einmal dransetzen.


(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


Im Prinzip geht es Ihnen wie bei allen Diskussionen,
die wir in den letzten Jahren hier über Atompolitik ge-
führt haben, nur um Tricksen, Täuschen und Tarnen. Wie
bei Gorleben geht es auch bei der Laufzeitverlängerung
nur darum: Augen zu und schnell durch, damit Sie Ihre
Laufzeitverlängerung bekommen und der Atommüll
möglichst schnell weg ist, egal was danach passiert, egal
was die nächsten Generationen aufgrund Ihrer Politik
ausbaden müssen. Darum geht es Ihnen. Sie wollen das
Ganze gegen die Interessen der Menschen durchsetzen.
Sie wollen das möglichst intransparent haben und jetzt
auch noch ohne Mitbestimmung und Einmischung der
Länder.

Ich sage Ihnen: Man kann sich ja darüber streiten und
zu unterschiedlichen Auffassungen kommen, aber Sie
hätten die Chance gehabt, zumindest die Minderheit der
Bevölkerung auf eine seriöse Art und Weise mitzuneh-
men. Sie hätten fernab von juristischen Entscheidungen
sagen können: Wir machen das transparent; wir lassen
die Länder natürlich mitentscheiden und mitbestimmen;
wir diskutieren öffentlich darüber, wie mit der Laufzeit
verfahren werden soll und was mit den Gewinnen und
der Gewinnabschöpfung geschehen soll. Wenn Sie das
gemacht hätten – einige aus der Union wollen das an-
scheinend –, hätten Sie unsere Zustimmung zwar trotz-
dem nicht bekommen, aber Sie hätten die Chance auf
eine sachliche Diskussion gehabt und zumindest eine
Minderheit in diesem Land mitnehmen können.

So aber werden Sie genau das Gegenteil von dem er-
reichen, was wir durch den Konsens erreicht haben. Wir
haben eine Befriedung dieser Republik erreicht. Die
Menschen waren unglaublich aufgestachelt, bevor es
den Atomkonsens gab.


(Dr. Georg Nüßlein [CDU/CSU]: Wer hat sie denn aufgestachelt?)


Sie stacheln die Leute wieder auf. Die Leute werden
noch öfter, als das in den letzten Monaten der Fall war,
auf die Straße gehen. Den Konflikt werden Sie in dieser
Republik sehen. Sie sind dafür verantwortlich, dass er da
ist. Wir werden politisch alles tun, damit Sie die Lauf-
zeitverlängerung weder über den Bundesrat noch hier im
Bundestag durchsetzen können. Diese Kampfansage
können Sie von uns heute bekommen.

Sie von der CDU haben vor der NRW-Wahl gesagt:
Das ist auch eine Probeabstimmung über die Atompoli-
tik. Die Bürgerinnen und Bürger haben sich am Sonntag,
den 9. Mai 2010, entschieden, der Atomenergie keine
Zukunft zu geben. Das wird Sie auch im Bund ereilen,
wenn Sie nicht umdenken.

Vielen Dank.


(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Ulrich Petzold [CDU/CSU]: Wie viel Prozent f g i h I s i c L S n g d w d Z g e w s H g k U p n t (C (D hat die SPD denn mehr in Nordrhein-Westfalen? – Gegenruf des Abg. Ulrich Kelber [SPD]: 6 Prozent seit der letzten Bundestagwahl, Herr Kollege, wenn Sie rechnen können! – Gegenruf des Abg. Ulrich Petzold [CDU/CSU]: Jetzt müssen Sie sich schon auf die Bundestagwahl beziehen, weil das andere zu peinlich ist!)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704226600

Der Kollege Thomas Gebhart hat nun für die Unions-

raktion das Wort.


(Beifall bei der CDU/CSU)



Dr. Thomas Gebhart (CDU):
Rede ID: ID1704226700

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zu Be-

inn will ich ganz offen sagen: Manche Äußerung, die
ch in den letzten Tagen in den Zeitungen gelesen habe,
at mich nicht begeistert.


(Christine Lambrecht [SPD]: Herr Mappus?)


ch sage auch: Dieser Streit, den die Opposition jetzt zu
chüren versucht – das ist völlig klar –,


(Rolf Hempelmann [SPD]: Den brauchen wir nun wahrlich nicht zu schüren!)


st in dieser Form überflüssig und bringt uns in der Sa-
he am Ende nicht weiter.


(Ulrich Kelber [SPD]: Doch! Wir fordern den Rücktritt von Mappus und Röttgen!)


assen Sie uns lieber über die Sache diskutieren. Lassen
ie uns über die eigentlich wichtige Sache diskutieren,
ämlich über die Frage, wie es mit der Energieversor-
ung in unserem Land weitergeht. Wie schaffen wir es,
ie erneuerbaren Energien voranzubringen? Wie geht es
eiter, und was macht Sinn im Hinblick auf die Frage
er Kernenergie?

Wenn es um diese Fragen geht, haben wir eine klare
ielsetzung. Wir haben ein ganz klares Leitbild: Uns
eht es um eine nachhaltige Entwicklung. Wir wollen
ine Politik betreiben, die über den Tag hinausgeht. Wir
ollen Umweltschutz, die wirtschaftlichen Ziele und die

ozialen Aspekte in Einklang bringen. Das ist die große
erausforderung. Darum geht es. Zugleich ist das eine
roße Chance für unser Land.


(Beifall bei der CDU/CSU – Rolf Hempelmann [SPD]: Deswegen müsst ihr euch doch nicht so streiten!)


Ich will an dieser Stelle ausdrücklich hinzufügen: Wir
önnen froh sein, dass wir mit Norbert Röttgen einen
mweltminister haben, der diese Themen richtig an-
ackt und nach vorne bringt. Die Politik, die dieser Mi-
ister betreibt und verantwortet, schafft am Ende ein gu-
es Stück Zukunft für unser Land, und darum geht es.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP – Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Das müssen Sie woanders erzählen!)






Dr. Thomas Gebhart


(A) )


)(B)

Wir werden in diesem Jahr ein Energiekonzept vorle-
gen. Es wird darum gehen, eine Energieversorgung zu
schaffen, die verlässlich ist, die sauber ist, die aber auch
bezahlbar bleibt. Dies dürfen wir nie vergessen.


(Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es fehlt das Wort „Sicherheit“!)


Ich will an dieser Stelle nur ganz kurz wenige, aber
wichtige Eckpunkte nennen, um die es am Ende geht:

Erster Punkt. Wir werden weiterhin auf Energieeffi-
zienz setzen; das ist völlig klar.


(Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fangen Sie erst einmal an damit!)


Zweiter Punkt. Wir werden weiterhin auf Forschung
und Entwicklung setzen. Forschung und Entwicklung
sind der Schlüssel zur Lösung der Probleme. Wir müssen
insbesondere auf Speichertechnologien setzen, wenn wir
die Erneuerbaren voranbringen wollen. Auch im Hin-
blick auf die Elektromobilität müssen wir bei den Spei-
chertechnologien entscheidend vorankommen.


(Ulrich Kelber [SPD]: Deswegen hat Norbert Röttgen das Speichergesetz 2008 zu Fall gebracht!)


Mein dritter Punkt hängt mit den ersten beiden eng
zusammen: Wir wollen und werden die erneuerbaren
Energien voranbringen. Wir wollen, dass der Anteil der
erneuerbaren Energien Schritt für Schritt ausgebaut
wird. Zu dieser Politik stehen wir, und dies werden wir
auch umsetzen.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


Aber auch hier gilt: Lassen Sie uns mit ökonomischer
Vernunft an die Sache herangehen; denn auch beim Aus-
bau der erneuerbaren Energien gilt es auf die Effizienz
zu achten.

Ich komme zu meinem vierten Punkt. Es macht aus
unserer Sicht keinen Sinn, wenn wir bei uns Kernkraft-
werke abschalten und den Strom, den diese Kernkraft-
werke erzeugt haben, durch Importe ersetzen oder ihn in
zusätzlichen Kohlekraftwerken erzeugen. Ihr Parteichef
Gabriel hat noch vor einem Jahr überall gesagt: Wenn
wir aus der Kernkraft jetzt aussteigen, brauchen wir als
Ersatz acht bis zwölf neue Kohlekraftwerke.


(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Deutschland ist Stromexportland! – Dorothea Steiner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben sogar Strom exportiert, als sieben AKWs nicht am Netz waren!)


Meine Damen und Herren, das macht keinen Sinn, das
wäre ein Rückschritt, und zwar in jeder Hinsicht. Wir
würden die Klimaschutzziele in unserem Land mit Si-
cherheit nicht erreichen.


(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lesen Sie einmal das Gutachten Ihres eigenen Sachverständigenrates!)


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(C (D Deswegen sagen wir ganz klar: Die Kernkraft hat eine rückenfunktion, sie ist eine Brücke hin zu den erneueraren Energien. Wir sind uns in dieser Frage völlig eiig; das ist im Koalitionsvertrag entsprechend verankert. ir brauchen die Kernkraft, bis sie verlässlich durch er euerbare Energien ersetzt werden kann. Das ist unser iel. Das ist, denke ich, insgesamt ein vernünftiger Weg, esentlich vernünftiger als das, was ich hier an manchen tellen von Ihnen gehört habe. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


Deswegen brauchen wir eine Laufzeitverlängerung.
ir müssen die Laufzeiten um ein paar Jahre verlängern.


(Zuruf: Wie lange denn?)


lar ist – auch dies wurde deutlich gesagt –: Die Sicher-
eit hat dabei Priorität.


(Rolf Hempelmann [SPD]: Die Verlängerung hat bei euch Priorität!)


enn es uns am Ende gelingt, die Laufzeiten zu verlän-
ern und gleichzeitig einen guten Teil der Zusatzerlöse
n die Forschung und in erneuerbare Energien zu ste-
ken, haben am Ende alle gewonnen; denn dann können
ir den Weg zu einer neuen, nachhaltigen Energiever-

orgung mit einem hohen Anteil Erneuerbarer schneller
ehen. Das, meine Damen und Herren, macht insgesamt
inn und ist Teil einer verantwortbaren nachhaltigen
olitik. Dies ist und bleibt unser Maßstab.

Danke schön.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)



Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704226800

Die Aktuelle Stunde ist beendet.

Ich rufe den Tagesordnungspunkt 2 auf:

Befragung der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat als Thema der heutigen Ka-
inettssitzung mitgeteilt: Gesetzentwurf zur Änderung
ehr- und zivildienstrechtlicher Vorschriften.

Das Wort für den einleitenden fünfminütigen Bericht
at der Bundesminister der Verteidigung, Herr Dr. Karl-
heodor Freiherr zu Guttenberg. Bitte, Herr Minister.

Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bun-
esminister der Verteidigung:

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen
nd Kollegen! Meine Damen und Herren! Mit der heuti-
en Beschlussfassung des Kabinetts zum Wehrrechts-
nderungsgesetz 2010 haben wir einen wichtigen Schritt
u dem im Koalitionsvertrag festgehaltenen Ziel, den
ehrdienst und in der Folge auch den Zivildienst bis

um 1. Januar 2011 auf sechs Monate zu verkürzen, um-
esetzt.


(Abg. Agnes Malczak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Frage)






Bundesminister Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg


(A) )


)(B)

– Für Befragungen stehe ich gerne zur Verfügung. Für
Fragen, die mit dem Zivildienst im Zusammenhang ste-
hen mögen, ist die Frau Kollegin Schröder zugegen;
auch sie ist gerne bereit, entsprechende Fragen zu beant-
worten.

Die getroffene Regelung gilt erstmals für Wehr- und
Zivildienstleistende, die ihren Dienst ab dem 1. Juli
2010 antreten werden.

Von Beginn an habe ich deutlich gemacht, dass die
Verkürzung des Wehrdienstes nicht als Einstieg in den
Ausstieg aus der Wehrpflicht missverstanden werden
darf. Vielmehr geht es darum, die Wehrpflicht zu erhal-
ten und angemessen fortzuentwickeln. Die Anforderun-
gen der Streitkräfte und die berechtigten Bedürfnisse der
jungen Wehrpflichtigen waren hier zu einem Ausgleich
zu bringen, und gleichzeitig war der Zivildienst mit sei-
nen Besonderheiten zu berücksichtigen.

Wir haben unser Konzept daher von Anfang an eng
und vertrauensvoll mit dem Familienministerium abge-
stimmt, und mit dem Gesetzentwurf liegt nun ein tragfä-
higes Konzept zur Ausgestaltung des kürzeren Wehr-
dienstes vor, das auch die Anliegen des Zivildienstes
berücksichtigt. Damit haben wir insgesamt eine gute,
eine zielführende Lösung gefunden, eine Lösung, zu der
ich sagen kann, dass es mich freut, dass wir hinsichtlich
des Vorhabens des Familienministeriums, die Möglich-
keit der freiwilligen Verlängerung des Zivildienstes zu
schaffen, zu einem abgestimmten Vorgehen gelangt sind.
Wir tragen damit auch dem Gedanken Rechnung, dass
sich die Struktur der Wehrpflicht auch beim Zivildienst
widerspiegeln soll.

Ich will, dass dieser Wehrdienst der Zukunft als An-
gebot verstanden wird. Die jungen Männer von heute
sollen die Zeit bei der Bundeswehr in kompakter Form
als eine sinnvolle, eine fordernde und damit auch eine at-
traktive Zeit erleben. Gleichzeitig stellt der Wehrdienst
der Zukunft ein Angebot dar, noch schneller ins Berufs-
leben, ins Studium oder in die weiterführende Ausbil-
dung zu gehen bzw. zurückzukehren. Er soll zum einen
zur Verklammerung zwischen der Bundeswehr und der
Gesellschaft beitragen und zum anderen den in der Ge-
sellschaft vorhandenen breiten Konsens über die allge-
meine Wehrpflicht bekräftigen.

Bei der Ausplanung habe ich mich von folgenden
Überlegungen leiten lassen:

Zum Ersten wird es flexible Einberufungstermine ge-
ben, acht pro Jahr. Dadurch wird die Möglichkeit ge-
schaffen, die vorhandene Infrastruktur ohne zusätzlichen
finanziellen Aufwand zu nutzen und besser auf die indi-
viduelle Lebensplanung einzugehen.

Zum Zweiten. Die Möglichkeit der flexiblen Anpas-
sung der allgemeinen Grundausbildung hat das Ziel,
zivilberufliche Qualifikationen zu nutzen und die Grund-
wehrdienstleistenden bis zu vier Monate auf Funktions-
dienstposten einzusetzen.

Drittens muss sichergestellt sein, dass jederzeit ein
problemloser Statuswechsel zum freiwilligen zusätzli-

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(C (D hen Wehrdienst Leistenden oder Soldaten auf Zeit mögich ist. Viertens. Mit einem Grundumfang von 25 000 Grundehrdienstleistenden erreichen wir durch die Verkür ung eine höhere Einberufungsquote – zukünftig werden 0 000 Grundwehrdienstleistende im Jahr anstatt 40 000 ie derzeit bei W 9 einberufen – und eine Erhöhung der usschöpfungsquote, und wir können den Bedarf über 012 hinaus decken. Bei einem Umfang von 30 000 Grundehrdienstleistenden aufgrund der demografischen Enticklung und der Zahl heranziehbarer junger Männer äre das andernfalls nicht möglich. Wir schaffen damit wesentliche Voraussetzungen für ie Umsetzung des verkürzten Wehrdienstes der Zukunft. ieser muss den sicherheitspolitischen Erfordernissen nd den Interessen der Bundesrepublik gerecht werden nd im Einklang mit der zunehmenden Einsatzorientieung der Bundeswehr sein. Mit dem Wehrrechtsändeungsgesetz wird der Rahmen gesetzt, und es kommt nun arauf an, dass die Teilstreitkräfte, die Organisationsbeeiche und die Vorgesetzten vor Ort ihren Handlungspielraum mit Kreativität und Engagement im Sinne des enannten Ziels umsetzen. Eine frühzeitige Planungssicherheit ist für die Streiträfte genauso wichtig wie für die von der Wehrpflicht etroffenen jungen Männer. Deshalb werbe ich um Ihre ustimmung zu dem vorliegenden Gesetzentwurf der undesregierung. Herzlichen Dank. Danke, Herr Minister. – Die erste Frage stellt die Kol egin Heidrun Dittrich. Sehr geehrter Herr Minister, da ich zum Zivildienst rage, möchte ich mich an die Familienministerin Frau chröder wenden. Hat Ihrer Auffassung nach der Zivildienst die Funkion eines Ersatzdienstes für den Wehrdienst, oder önnte der Zivildienst auch einen Versorgungsauftrag im ozialbereich beinhalten? Denn aufgrund der zahlreihen Klagen der Sozialverbände über bevorstehende ngpässe im Gesundheitsund Pflegebereich muss sich ie Regierung fragen, ob der Zivildienst wirklich areitsmarktneutral eingesetzt wurde oder Arbeitsplätze ernichtet hat. Bitte, Frau Ministerin. Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Famiie, Senioren, Frauen und Jugend: Frau Kollegin, das ist eindeutig geregelt: Der Zivilienst ist Wehrersatzdienst. All das, was wir über die roße Bedeutung des Zivildienstes für die Träger wie uch für die Betreuten in den verschiedenen Einrichtunen wissen, ist nicht ausreichend, um den Zivildienst zu Bundesministerin Dr. Kristina Schröder )

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704226900
Heidrun Dittrich (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227000
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227100




(A) )

begründen. Der Zivildienst ist nichts anderes als Wehrer-
satzdienst.

Die von Ihnen angesprochene Arbeitsmarktneutralität
wird vom Bundesamt für den Zivildienst akribisch über-
prüft. Jede Stelle, die als Zivildienstträger anerkannt
werden will, wird sehr genau auf Arbeitsmarktneutralität
überprüft, um sicherzustellen, dass keine bestehende Ar-
beitsstelle ersetzt wird oder wegfällt und kein Einsatz
dort stattfindet, wo es sonst eine Arbeitsstelle gäbe. Das
wird nicht nur am Anfang, sondern durch Außendienst-
mitarbeiter des Bundesamtes für den Zivildienst immer
wieder überprüft. In Fällen, wo das nicht gegeben ist,
wird die Anerkennung als Zivildienstträger aberkannt.

Dass es trotzdem Klagen der Zivildienstträger da-
rüber gibt, dass der Zivildienst de facto um ein Drittel
verkürzt wird, zeigt, dass die Zivildienstleistenden in
den Einsatzstellen eine wichtige Funktion haben; denn
sie leisten die Dinge, für die sonst nicht immer Zeit ist,
und werden unterstützend tätig. Insofern zeigt es die Be-
deutung des Zivildienstes, aber es ändert nichts an dem
Charakter des Wehrersatzdienstes und der Arbeitsmarkt-
neutralität.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227200

Ein kurzer Hinweis, bevor ich die nächste Frage auf-

rufe: Wie Sie alle erkannt haben, stehen aufgrund der The-
matik Ministerin Schröder und Minister zu Guttenberg
zur Beantwortung der Fragen zu diesem Gegenstand der
heutigen Kabinettsitzung zur Verfügung.

Das Wort zur nächsten Frage hat der Kollege
Dr. Hans-Peter Bartels.


Dr. Hans-Peter Bartels (SPD):
Rede ID: ID1704227300

Diese Frage richtet sich an den Minister. Sie haben

ausgeführt, dass in Zukunft auf 25 000 Dienstposten
W 6 die Möglichkeit der Einberufung von 50 000 Wehr-
pflichtigen besteht. Das sind 10 000 Wehrpflichtige
mehr als nach dem alten Modell der 30 000 Dienstposten
W 9 mit 40 000 Einberufungsmöglichkeiten. Das heißt
aber, dass Sie in der Struktur der Bundeswehr mit
252 000 Uniformierten 5 000 Dienstposten nicht mehr
besetzt haben. Es gibt nicht mehr 30 000, sondern nur
noch 25 000 Dienstposten für Grundwehrdienstleistende.

Soll das kompensiert werden? Wird an anderer Stelle
in diesem Umfang Kapazität aufgebaut? Oder ist das der
Einstieg in die Verringerung des Umfangs der Bundes-
wehr aus Haushaltsgründen?

Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bun-
desminister der Verteidigung:

Herr Kollege Dr. Bartels, Haushaltsgründe dürfen nicht
maßgeblich sein, um eine Entscheidung dieser Tragweite
zu treffen. Diese Entscheidung hat andere Gründe, die ich
auch versucht habe darzulegen. Es ist richtig, dass wir im
Rahmen einer solchen Zahl etwas aufzufangen haben. Da
geht der erste Versuch – das ist auch der naheliegendste –
zunächst einmal dahin, dass wir dies über jene, die ihren
Dienst freiwillig länger leisten, bzw. über Soldaten auf
Zeit aufzufangen wissen. Es hat wiederum haushalteri-

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(C (D che Auswirkungen, wenn man dann einen gewissen Berag auffangen muss. Das ist in einigen Bereichen auch nzweifelhaft teurer. Derzeit findet noch eine genaue berprüfung statt, in welchen Bereichen das über einen ewissen Dienstpostenansatz hinaus darzustellen ist. Es sind aber keine haushalterischen Gründe. Vielmehr uss es aufgefangen werden, und es wird aufgefangen erden. Gleichzeitig befasst sich, wie wir wissen, in die em Jahr eine Strukturkommission mit den künftigen trukturen der Bundeswehr. Sie hat den Gesetzentwurf ur Verringerung der Wehrpflicht auf sechs Monate zur rundlage und kann sicherlich im Hinblick darauf noch n der einen oder anderen Stelle daran feilen. Die nächste Frage stellt der Kollege Kai Gehring. Danke, Frau Präsidentin. – Frau Ministerin, ich würde hnen gerne eine Frage zur optionalen Verlängerung des ivildienstes stellen, die wir politisch und fachlich für alsch, für zustimmungspflichtig im Bundesrat und verassungsrechtlich sehr fragwürdig erachten. Dazu wären eine Fragen: Welche Kosten werden durch die optio ale Verlängerung konkret anfallen – es ist die Rede von und 75 Millionen Euro im Haushalt –, an welcher Stelle m Familienhaushalt wollen Sie diese Mittel einsparen das muss ja sozusagen gegenfinanziert werden –, und oher sollen angesichts der aktuellen Haushaltslage die aushaltsmittel für den Ausbau der Freiwilligendienste ommen, den Sie und andere Regierungsmitglieder seit onaten ankündigen? Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Famiie, Senioren, Frauen und Jugend: Herr Kollege Gehring, zunächst eine Bemerkung zu hrer Aussage, unsere freiwillige Verlängerung sei verassungswidrig, weil der Bund gar nicht zuständig sei. er Bund ist zuständig für die Verteidigung, damit für ie Wehrpflicht und damit auch für den Zivildienst. Der und ist auch dann zuständig, wenn es um ein öffent ich-rechtliches Dienstverhältnis des Bundes geht. Beies ist hier der Fall. Zu den Kosten; Sie haben den Betrag von 75 Millioen Euro angesprochen. Das ist eine Schätzung. Sie geht avon aus, dass 30 Prozent der Zivildienstleistenden die öglichkeit einer freiwilligen Verlängerung ergreifen ürden. Wir haben unterschiedliche Umfragen gemacht. ei diesen Umfragen haben sogar 50 Prozent der Zivilienstleistenden erklärt, an einer solchen freiwilligen erlängerung interessiert zu sein. Aber da es doch imer einen Unterschied zwischen Absicht und Praxis ibt, halten wir den Wert von 30 Prozent für eine ganz ealistische Grundlage. Woher kommt das Geld? Durch die Verkürzung des ivildienstes fallen zunächst einmal 180 Millionen Euro eniger an Kosten an. Dadurch, dass die Zivildienstzeit in Drittel kürzer wird, fallen entsprechend weniger osten an, nämlich 180 Millionen Euro weniger. Die reiwillige Verlängerung würde, wenn sich ein Drittel Bundesministerin Dr. Kristina Schröder )

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227400
Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704227500




(A) )

dazu entschließt, rund 75 Millionen Euro kosten. Diese
Mittel würden wir gern in den Haushalt einstellen. Es ist
dann die Entscheidung des Haushaltsgesetzgebers, ob er
sie uns auch gewährt. Also: 180 Millionen Euro weniger
an Kosten, davon 75 Millionen für die freiwillige Ver-
längerung.

Wir sind uns einig, dass es einer Stärkung der Freiwil-
ligendienste bedarf; denn um den Wegfall an Zivildienst-
zeit aufzufangen, bedarf es schon zweierlei, einerseits
der Möglichkeit der freiwilligen Verlängerung des Zivil-
dienstes und andererseits der Stärkung der Freiwilligen-
dienste. Deswegen sagen wir, dass mindestens die Mit-
tel, die durch die Streichung des § 14 c Abs. 4 ZDG frei
werden, den Freiwilligendiensten direkt zur Verfügung
gestellt werden sollten. Wir sind uns einig, dass es da-
rüber hinaus noch einer Stärkung bedarf. Deshalb wird
Mitte Juni ein Konzept zur Stärkung der Freiwilligen-
dienste vorgelegt.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227600

Die nächste Frage stellt der Kollege Markus Grübel.


Markus Grübel (CDU):
Rede ID: ID1704227700

Frau Bundesministerin, können Sie uns sagen, wie die

großen Träger des Zivildienstes – Caritas, Diakonie, Pa-
rität, Deutsches Rotes Kreuz – auf die geplante freiwil-
lige Verlängerung, so wie sie jetzt im Gesetzentwurf aus-
gestaltet ist, reagiert haben?

Dann noch eine Frage zu den Übergangsregelungen,
die viele interessieren. Ich weiß nicht, ob die Bundes-
wehr zum 1. Mai einberufen hat, aber zum Zivildienst
wurde zum 1. Mai einberufen. Was passiert mit denen,
die am 1. Mai ihren Dienst begonnen haben, mit denen,
die am 1. Juni, am 1. Juli oder am 1. August ihren Dienst
beginnen werden? Können Sie, Herr Bundesminister zu
Guttenberg, oder Sie, Frau Bundesministerin Schröder,
diese Frage kurz beantworten?

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Fami-
lie, Senioren, Frauen und Jugend:

Zunächst zur Reaktion der Träger des Zivildienstes.
Sie haben fast ausnahmslos positiv reagiert. Sie haben
uns in den letzten Monaten auch sehr deutlich gemacht,
dass die Möglichkeit der freiwilligen Verlängerung ih-
nen ein großes und wichtiges Anliegen ist. Deswegen
war die Reaktion von Caritas, Diakonie und Parität ges-
tern auch uneingeschränkt positiv.

Zur Frage der Übergangsregelungen. Zunächst gilt
ganz klar: Wer ab dem 1. Januar 2011 seinen Zivildienst
antritt, hat nur noch ein halbes Jahr abzuleisten. Der Zi-
vildienst von jemandem, der zum 31. Dezember 2010 im
Minimum sechs Monate abgeleistet hat, endet auch. Das
heißt: Wer zum 1. Mai anfängt, hat noch acht Monate Zi-
vildienst zu leisten. Zum 1. Juni sind es entsprechend
sieben Monate, und zum 1. Juli sind es sechs Monate,
die noch abzuleisten sind.

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(C (D Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bunesminister der Verteidigung: Das gilt – große Überraschung – analog auch für die undeswehr. Zum 1. Mai ist allerdings nicht eingezogen orden. Aber um noch einmal den Grundgedanken zu erläuern: Der 1. Januar 2011 ist der Stichtag. Es soll gewähreistet werden, dass jemand, der am 1. Juli einberufen ird, sechs Monate abzuleisten hat. Wir mussten seitens er Bundeswehr genau überprüfen, ob das leistbar ist; enn man ist in den Planungen noch von einem drei Moate längeren Grundwehrdienst ausgegangen. Diese Verürzung ist aber zu handhaben und abzufedern. Insofern önnen wir mit dem 1. Juli gut leben. Das Wort für die nächste Frage hat der Kollege arald Koch. Meine Frage richtet sich an den Herrn Verteidigungs inister. Die Bundesregierung begründet die Notendigkeit dieser Gesetzesreform damit, dass die Wehrerechtigkeit verbessert, der Wehrdienst sinnvoller usgestaltet und die zivile Qualifikation der Wehrpflichigen besser genutzt werden sollen. Wie soll eine bessere erücksichtigung der zivilen Qualifikationen der Wehrflichtigen gewährleistet werden? – Danke schön. Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bunesminister der Verteidigung: Vielen Dank für die Frage, Kollege Koch. – In den etzten Jahren und Jahrzehnten gab es diesbezüglich Deizite. Man hat manchmal nicht ausreichend nach den ziilen Fähigkeiten und der Ausbildung der jungen Menchen gefragt, um sie in der Bundeswehr zielgerichtet inzusetzen. Die erste Möglichkeit, nach Fähigkeiten nd Qualifikationen zu fragen sowie die Dienstposten ntsprechend einzuteilen, haben die Kreiswehrersatzämer. Dafür ist das Wechselspiel zwischen Kreiswehrrsatzämtern und den verschiedenen Truppenteilen zu erbessern. Auf Funktionsdienstposten und in bestimmen Teilbereichen gereicht eine gewisse Vorausbildung um Nutzen beider Seiten, sowohl zum Nutzen der Buneswehr als auch zum Nutzen des jungen Menschen, der ntsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt wird; das ist in wesentlicher Punkt. Das ist ein sehr sinnvoller Anatz; denn damit kann einer gewissen Neigung zur Willür entgegengewirkt und eine entsprechende Begabung enutzt werden. Da Sie auch auf die Wehrgerechtigkeit abgehoben haen, möchte ich ergänzend hinzufügen: Ich erinnere daan, dass sich das Prinzip des Wehrdienstes und der ehrpflicht in Deutschland nicht auf dem Gedanken der ehrgerechtigkeit gründet, wiewohl wir bei der Aus chöpfungsquote durch das jetzige Konzept ein wenig eiterkommen. Die nächste Frage stellt die Kollegin Agnes Malczak. )

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227800
Harald Koch (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704227900
Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228000




(A) )


Agnes Malczak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704228100

Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Herr Minister, der

Wehrdienst stellt einen sehr extremen Eingriff in das Le-
ben und die Lebensplanung junger Männer dar und muss
eigentlich immer wieder legitimiert werden. Deshalb
möchte ich Sie gern mit einem Zitat von Roman Herzog
konfrontieren:

Die Wehrpflicht ist ein so tiefer Eingriff in die indi-
viduelle Freiheit des jungen Bürgers, dass ihn der
demokratische Rechtsstaat nur fordern darf, wenn
es die äußere Sicherheit des Staates wirklich gebie-
tet. … Ihre Beibehaltung, Aussetzung oder Ab-
schaffung und ebenso die Dauer des Grundwehr-
dienstes müssen sicherheitspolitisch begründet
werden können.

Ich habe in den Monaten, in denen über diese Reform in-
tensiv diskutiert wurde, eine fundierte sicherheitspoliti-
sche Begründung vermisst. Vielleicht können Sie mir
heute eine geben. – Vielen Dank.

Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bun-
desminister der Verteidigung:

Herzlichen Dank, Frau Kollegin. – Zu einer sicher-
heitspolitischen Begründung zählt natürlich weiterhin
die Funktionsfähigkeit der Armee, auch im Hinblick auf
die Betriebs- und Schutzfunktionen im Inland. Das ist
Grundvoraussetzung dafür, dass Einsätze auch im Aus-
land funktionieren. Um diese Funktionsfähigkeit zu ge-
währleisten, sind wir weiterhin darauf angewiesen, ziel-
gerichtet auf Wehrpflichtige zurückzugreifen. Das passt
sehr wohl zum großen Bogen der sicherheitspolitischen
Herausforderungen und damit zur Begründung.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228200

Die nächste Frage stellt der Kollege Ralph Lenkert.


Ralph Lenkert (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228300

Frau Ministerin Schröder, die Bezahlung, die finan-

zielle Entschädigung der Zivildienstleistenden ist nicht
unbedingt üppig. Wenn ein Zivildienstleistender freiwil-
lig seinen Zivildienst verlängert, kann er dann wenigs-
tens mit Kündigungsschutz für diese Zeit rechnen?

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Fami-
lie, Senioren, Frauen und Jugend:

Ja, denn es handelt sich um ein öffentlich-rechtliches
Dienstverhältnis des Bundes. Hier gelten die gleichen
Kündigungsvorschriften.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228400

Die nächste Frage stellt der Kollege Rainer Arnold.


Rainer Arnold (SPD):
Rede ID: ID1704228500

Herr Minister, Sie sprachen vorhin von der Reduzie-

rung der Zahl der Dienstposten bei den Wehrpflichtigen
auf 25 000. Können Sie uns den Gesamtumfang der
Bundeswehr nennen und sagen, wie er sich in Wehr-
pflichtige, freiwillig länger Wehrdienst Leistende und
Zeit- und Berufssoldaten aufgliedert? Können Sie uns
die Kosten in direkte Kosten und die notwendige Erhö-

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(C (D ung der Regiekosten durch die Erhöhung der Einberuungstermine aufgliedern? Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bunesminister der Verteidigung: Das ist eine fordernde Frage. Herr Kollege Arnold, ch habe die Zahlen jetzt hier nicht vorliegen. Wenn es achbar ist, würde ich die Zahlen gerne schriftlich achreichen. Ich will nur sagen: Die Zahl unserer Soldainnen und Soldaten beträgt weiterhin 250 000. Die entprechende Aufgliederung lasse ich Ihnen gerne zukomen, auch mit Blick auf diese Gestaltung und mit Blick uf die künftig neu einzuberufenden Wehrdienstleistenen. Wir halten fest: Die Angaben erfolgen schriftlich. Die nächste Frage stellt die Kollegin Dagmar nkelmann. Meine Frage geht an die Kollegin Schröder. Es geht m die Möglichkeit der freiwilligen Verlängerung des ivildienstes. Sind Sie nicht mit mir der Auffassung, ass Menschen, die sich bereit erklären, freiwillig den ivildienst zu verlängern, statt eines Stundenlohns von ,12 Euro, die sie in dem halben Jahr bekommen, in der erlängerung wenigstens den Mindestlohn bekommen ollten, der in der Pflege gezahlt wird, nämlich ,50 Euro im Osten und 8,50 Euro im Westen? Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Famiie, Senioren, Frauen und Jugend: Der Vergleich mit dem Mindestlohn in der Pflege ührt insofern vollkommen in die Irre, weil er suggeriert, s gehe hier um normale Pflegekräfte. Es ist gerade das esen des Zivildienstes, dass er kein Ersatz für normale flegekräfte ist, sondern dass er arbeitsmarktneutral ist nd dass keine regulären Arbeitsverhältnisse ersetzt weren. (Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: 1,12 Euro ist ein bisschen wenig!)

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228600
Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228700

ch kann Ihnen keine Gegenfrage stellen, aber ich kann
hetorisch fragen, ob Sie auf die Idee kommen würden,
u fordern, dass auch bei Freiwilligendiensten, beispiels-
eise beim Freiwilligen Sozialen Jahr, ein Mindestlohn
ezahlt wird.


(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Die fordern bei allem den Mindestlohn!)


ielleicht fordern Sie auch dies. Das zeigt aber doch,
ass es um eine andere Kategorie geht und es deswegen
in Systemfehler wäre, beides gleichzusetzen. Insofern
ührt dieser Vergleich in die Irre.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704228800

Gut, das lässt sich durch weitere Nachfragen noch

uflösen, wenn gewünscht.

Jetzt hat der Kollege Sönke Rix zu einer Frage das
ort.






(A) )


)(B)


Sönke Rix (SPD):
Rede ID: ID1704228900

Frau Ministerin, schönen Dank, dass auch Sie zur

Verfügung stehen, um Fragen zu beantworten. – Ich
möchte an das anknüpfen, was Frau Enkelmann gesagt
hat. Sie haben vorhin klargestellt, dass der Zivildienst
ein Wehrersatzdienst ist. Aber bei einer freiwilligen Ver-
längerung ist er eigentlich kein Wehrersatzdienst mehr,
weil er dem Wehrdienst nicht mehr entspricht. Es han-
delt sich vielmehr um ein öffentlich-rechtliches Dienst-
verhältnis. Daher stellt sich schon die Frage, warum nur
3,50 Euro für eine Tätigkeit gezahlt werden.

Wenn er tatsächlich ein anderer Dienst ist, dann stellt
sich auch die Frage, was mit dem Zivildienst als Lern-
dienst in dieser Zeit geschieht. Gibt es Bildungsangebote
auch für die Zeit der Verlängerung, oder sind solche An-
gebote nur für sechs Monate vorgesehen?

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Fami-
lie, Senioren, Frauen und Jugend:

Was den besonderen Charakter der freiwilligen Ver-
längerung angeht: In der Tat ist der Dienst bei einer frei-
willigen Verlängerung kein Wehrersatzdienst, sondern es
ist ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis eigener
Art, wie wir es übrigens auch bei der freiwilligen Verlän-
gerung des Wehrdienstes haben.


(Sönke Rix [SPD]: Nein!)


Auch das ist kein Wehrdienst mehr.


(Sönke Rix [SPD]: Das sind Soldaten!)


Was die Frage des Zivildienstes als Lerndienst an-
geht, will ich erst einmal grundsätzlich sagen, dass auch
durch die Verkürzung der Dauer des Zivildienstes der Zi-
vildienst als Lerndienst unberührt bleibt. Wir wollen die
Seminarangebote, die es im Rahmen des Zivildienstes
als Lerndienst gibt, vollkommen beibehalten, jedoch mit
einer einzigen Ausnahme, nämlich dass wir die Teil-
nahme an den Seminaren zur Sozialkompetenz, die 2011
angeboten werden sollten, nicht mehr obligatorisch, son-
dern freiwillig machen wollen. Aber es besteht ein
Rechtsanspruch auf diese Seminare. Ansonsten bleibt
der Zivildienst als Lerndienst unberührt. Entsprechend
wird es auch bei einer freiwilligen Verlängerung die
Möglichkeit geben, solche Seminarangebote wahrzuneh-
men.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229000

Bevor wir zu weiteren Nachfragen kommen, kommen

wir zurück zur Frage des Kollegen Rainer Arnold. Der
Herr Bundesminister kann jetzt die Zahlen vortragen. So
sind sie dann Bestandteil des Protokolls unserer heutigen
Sitzung und damit für alle nachzulesen.

Bitte, Herr Minister.

Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bun-
desminister der Verteidigung:

Herr Kollege Arnold, das Haus arbeitet schnell. Ich
freue mich, Ihnen die Zahlen vortragen zu dürfen.

Zunächst zu den Zahlen nach dem Personalstruktur-
modell 2010: Berufssoldaten: 57 725, Soldaten auf Zeit:

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(C (D 37 275, freiwillig länger Dienende: 25 000, Grundehrdienstleistende: 30 000 – das ist bekannt –; in der umme: 250 000. Die Iststärke Stand April sieht folgendermaßen aus: erufssoldaten: 55 973, Soldaten auf Zeit: 132 524, freiillig länger Dienende: 27 940, Grundwehrdienstleis ende: 37 729; in der Summe: 254 166. Jetzt kommen wir zur Planung; das war ja der wesentiche Punkt: Berufssoldaten: 57 725, Soldaten auf Zeit: 39 633, freiwillig länger Dienende: 27 000, Grundehrdienstleistende, wie bereits gesagt: 25 000; in der umme sind das 249 358. Danke. – Die nächste Frage stellt die Kollegin eidrun Dittrich. Frau Ministerin, ich habe noch eine Frage zur Klar tellung. Sie haben erklärt, es handele sich um ein öfentlich-rechtliches Dienstverhältnis. Welchen Status haen denn die Zivildienstleistenden nach ihren sechs flichtmonaten? Besteht nach der freiwilligen Verlängeung des Zivildienstes weiterhin die Möglichkeit einer isziplinarstrafe bei unentschuldigtem Fernbleiben? ach § 43 Zivildienstgesetz hat die Dienststelle die öglichkeit, einen Zivildienstleistenden bei Krankheit u entlassen. Insofern hat er keinen Kündigungsschutz; en gibt es nur bei Arbeitnehmern in einem tariflichen nd gesetzlichen Arbeitsverhältnis. Soll der Zivildiensteistende also seine Zivildienstzeit freiwillig verlängern, der wollen Sie ein neues öffentlich-rechtliches Arbeitserhältnis schaffen, das aber genauso strukturiert ist wie ie Zivildienstzeit, und soll dieses neue öffentlich-rechtiche Arbeitsverhältnis vielleicht später auch auf die Juendfreiwilligendienste, das Freiwillige Soziale Jahr, wo uch junge Frauen arbeiten, übertragen werden können? Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Famiie, Senioren, Frauen und Jugend: Wir haben uns bemüht, die freiwillige Verlängerung es Zivildienstes möglichst unbürokratisch und einfach u gestalten. Aus unserer Sicht ist es am besten, wenn ie äußeren Rahmenbedingungen in Bezug auf die Verütung und die sozialversicherungsrechtliche Absicheung für den Zivildienstleistenden, der freiwillig verlänert, weitestgehend beibehalten werden. Es ist wichtig, as niedrigschwellig zu gestalten. Aber sozusagen die esonderen Zwangsmaßnahmen, die Sie angesprochen aben, die mit dem Zivildienst als Pflichtdienst vernüpft sind, laufen selbstverständlich nicht weiter. Klar st: Es handelt sich um ein öffentlich-rechtliches Diensterhältnis, und deshalb gilt das Disziplinarrecht wie in edem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis. Das ist uasi das Pendant zur Privatwirtschaft, wo es entsprehend Konventionalstrafen gibt. Aber der besondere wangscharakter ist bei der freiwilligen Verlängerung elbstverständlich nicht mehr vorhanden. Der zweite Unterschied zum Zivildienst ist, dass die reiwillige Verlängerung jederzeit abgebrochen werden Bundesministerin Dr. Kristina Schröder )

Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229100
Heidrun Dittrich (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229200




(A) )

kann. Aufgrund persönlicher, beruflicher oder anderer
Gründe kann jederzeit ein Antrag auf Entlassung gestellt
werden. Diese Gründe werden explizit nicht nachge-
prüft. Das heißt de facto, die freiwillige Verlängerung
des Zivildienstes kann jederzeit beendet werden.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229300

Die nächste Frage stellt der Kollege Kai Gehring.


Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704229400

Vielen Dank. – Frau Ministerin, ich würde Sie als Ka-

binettskollegin von Herrn Minister zu Guttenberg gerne
fragen, wie Ihre Auffassung war, als der Minister laut
darüber nachgedacht hat, künftig auch Frauen in die
Wehrpflicht einzubeziehen. Das war ja ein Vorschlag,
der offen in den Raum gestellt wurde. Wie ist dazu Ihre
Auffassung als Kabinettskollegin?

Ich möchte außerdem explizit nachfragen: Stimmen
Sie mir zu, dass, wenn es sich tatsächlich um ein öffent-
lich-rechtliches Dienstverhältnis handelt, eine Zustim-
mungspflichtigkeit im Bundesrat besteht? Wenn das der
Fall ist, was meinen Sie, wann sich der Bundesrat damit
beschäftigen wird?

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Fami-
lie, Senioren, Frauen und Jugend:

Zum Ersten. Da der Kollege zu Guttenberg, wie er
mir gegenüber sehr überzeugend bekundet hat, gar nicht
laut darüber nachgedacht hat, auch Frauen in die Wehr-
pflicht einzubeziehen, kann ich mich dazu leider nicht
äußern.

Zum Zweiten. Wir gehen davon aus, dass keine Zu-
stimmungspflichtigkeit vorliegt, sodass eine Antwort
entsprechend entfällt.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229500

Die nächste Frage stellt die Kollegin Agnes Malczak.


Agnes Malczak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Rede ID: ID1704229600

Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Die Bundeswehr

muss eine Menge leisten; denken wir zum Beispiel an
den Transformationsprozess und an die Anforderungen
in den Einsätzen. Deshalb möchte ich die Frage stellen,
wie gewährleistet wird, dass die Verkürzung des Wehr-
dienstes und die Flexibilität bei den Einberufungstermi-
nen nicht zu einer Belastung der Einsatzfähigkeit führen.

Außerdem würde mich interessieren, warum dieser
Punkt aus dem Koalitionsvertrag, der im Hinblick auf
die Struktur der Bundeswehr meiner Meinung nach es-
senziell ist, schon im Vorfeld beschlossen wurde und
nicht Teil der Arbeit der Bundeswehrstrukturkommis-
sion ist, die evaluieren soll.

Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bun-
desminister der Verteidigung:

Vielen Dank, Frau Kollegin. – Die Strukturkommis-
sion wird, wie ich vorhin schon angedeutet habe, auf der
Entscheidung, den Wehrdienst zu verkürzen, aufbauen.
Sie wird diese Entscheidung in ihre eigenen Überlegun-

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(C (D en aufnehmen. Das traue ich dieser Strukturkommision aufgrund ihrer Zusammensetzung auch zu. Das ist twas, was sie tatsächlich tun wird. Die Entscheidung des Koalitionsvertrages wurde so etroffen, wie sie getroffen wurde. Sie liegt uns vor und st die Grundlage, auf der wir, die wir Regierungsverantortung tragen, zu arbeiten haben. (Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da steht die freiwillige Verlängerung aber nicht drin!)


ir haben die Entscheidung so umzusetzen, wie sie ge-
roffen wurde.

Zu Ihrer ersten Frage. Es wäre letztlich natürlich fatal,
enn keine Einsatzfähigkeit gewährleistet wäre und
enn auch die Möglichkeit des Einsetzens auf dem je-
eiligen Dienstposten nicht dargestellt würde. Wäre das
er Fall, hätte man das so nicht umsetzen können. Das
st eine Aufgabe der Ausplanung, allerdings in den je-
eiligen Truppenteilen. Die jeweiligen Truppenteile und
eilstreitkräfte haben deutlich gemacht, dass das mög-

ich ist und dass ihnen die Flexibilität sogar entgegen-
ommt. Die Flexibilität der Einberufungstermine ermög-
icht nämlich, in gewissen Bereichen, in denen teilweise
uch starre Defizite herrschen, gezielt etwas mehr vorzu-
alten und somit Möglichkeiten zu haben, auf den Funk-
ionsdienstposten an der einen oder anderen Stelle Lü-
ken zu schließen, die man bislang nicht schließen
onnte.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229700

Das Wort zu einer weiteren Nachfrage hat der Kollege

önke Rix.


Sönke Rix (SPD):
Rede ID: ID1704229800

Frau Ministerin, Sie gehen davon aus, dass wohl ein

rittel der Zivildienstleistenden freiwillig verlängert.
eine Fragen: Wie kommen Sie auf dieses Drittel, und
ie gehen wir in der weiteren Haushaltsplanung damit
m? Woher sollen die Mittel dafür kommen, da die Ten-
enz jetzt doch eher dahin geht, Dinge einzusparen?

Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Fami-
ie, Senioren, Frauen und Jugend:

Wir haben Befragungen von Zivildienstleistenden
urchgeführt. Wir haben sie gefragt, ob sie sich, wenn
ie eine solche Möglichkeit hätten, vorstellen könnten,
en Dienst freiwillig zu verlängern. Teilweise haben so-
ar bis zu 50 Prozent der Befragten geantwortet, sie
önnten sich das vorstellen. Da man aber mit Sicherheit
avon ausgehen kann, dass es einen Unterschied zwi-
chen „sich etwas vorstellen können“ und „etwas tat-
ächlich tun“ gibt, halten wir 30 Prozent für realistisch.
arantieren können wir das natürlich nicht. Denn das

ind nun einmal keine Erfahrungswerte, die wir haben,
ondern diese Zahlen basieren auf Studien.

Was die Haushaltsmittel angeht, habe ich bereits aus-
eführt, dass die Verkürzung des Zivildienstes zunächst
inmal dazu führt, dass 180 Millionen Euro Haushalts-
ittel weniger benötigt werden. Wir gehen davon aus,





Bundesministerin Dr. Kristina Schröder


(A) (C)



(D)(B)


dass die freiwillige Verlängerung eines Drittels der Zivil-
dienstleistenden 75 Millionen Euro kosten wird. Inso-
fern würden wir vorschlagen, wenn der Haushaltsgesetz-
geber dem zustimmt – er hat das letzte Wort –, 75 der
180 Millionen Euro für die freiwillige Verlängerung zu
verwenden.


Petra Pau (DIE LINKE.):
Rede ID: ID1704229900

Danke, Frau Ministerin und Herr Minister.

Gibt es weitere Fragen zur heutigen Kabinettsit-
zung? – Das ist nicht der Fall. Gibt es darüber hinaus

Fragen an die Bundesregierung? – Das ist auch nicht der
Fall.

Wir sind damit am Schluss unserer heutigen Tages-
ordnung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie, zu be-
achten: Entgegen der Amtlichen Mitteilung berufe ich
die nächste Sitzung des Deutschen Bundestages auf mor-
gen, Donnerstag, den 20. Mai 2010, 9 Uhr, ein.

Die Sitzung ist geschlossen.