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ID1819100800

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/191 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 191. Sitzung Berlin, Freitag, den 23. September 2016 Inhalt: Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeord- neten Ulrich Petzold und Wilfried Lorenz . . 19025 A Tagesordnungspunkt 38: Unterrichtung durch die Bundesregierung: Be- richt der Bundesregierung zur weltweiten Lage der Religions- und Weltanschauungs- freiheit Drucksache 18/8740 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19025 B Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 19025 C Dr . Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 19027 A Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19028 C Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19030 A Dr . Maria Böhmer, Staatsministerin AA . . . . . 19031 C Angelika Glöckner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 19032 C Erika Steinbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 19033 D Christine Buchholz (DIE LINKE) . . . . . . . 19034 B Dietmar Nietan (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19035 A Thomas Silberhorn, Parl . Staatssekretär BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19036 C Dr . Heribert Hirte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 19037 C Tagesordnungspunkt 9: a) Antrag der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Özcan Mutlu, Manuel Sarrazin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Britische Staatsangehörige rasch und unkompli- ziert einbürgern Drucksache 18/9669 . . . . . . . . . . . . . . . . . 19038 D b) Erste Beratung des von den Abgeordneten Volker Beck (Köln), Özcan Mutlu, Luise Amtsberg, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Erleichterung der Einbürgerung und zur Ermöglichung der mehrfachen Staatsangehörigkeit Drucksache 18/5631 . . . . . . . . . . . . . . . . . 19039 A Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19039 A Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) . . . . . 19040 C Sevim Dağdelen (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 19043 B Rüdiger Veit (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19044 C Dr . Tim Ostermann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 19045 D Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . 19046 D Detlef Müller (Chemnitz) (SPD) . . . . . . . . . . 19047 D Özcan Mutlu (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19049 B Marian Wendt (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 19050 B Özcan Mutlu (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19051 B Rüdiger Veit (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19052 C Barbara Woltmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 19052 D Tagesordnungspunkt 40: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Stärkung der pflegerischen Versorgung und zur Änderung weiterer Vorschriften (Drittes Pflegestärkungsge- setz – PSG III) Drucksache 18/9518 . . . . . . . . . . . . . . . . . 19054 C Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 191 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 23 . September 2016II b) Antrag der Abgeordneten Pia Zimmermann, Sabine Zimmermann (Zwickau), Matthias W . Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Pflege teilhabe- orientiert und wohnortnah gestalten Drucksache 18/8725 . . . . . . . . . . . . . . . . . 19054 C c) Antrag der Abgeordneten Elisabeth Scharfenberg, Kordula Schulz-Asche, Maria Klein-Schmeink, weiterer Abgeord- neter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Pflege vor Ort gestalten – Bessere Bedingungen für eine nutzerori- entierte Versorgung schaffen Drucksache 18/9668 . . . . . . . . . . . . . . . . . 19054 D Ingrid Fischbach, Parl . Staatssekretärin BMG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19054 D Pia Zimmermann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . 19056 A Mechthild Rawert (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 19057 B Pia Zimmermann (DIE LINKE) . . . . . . . . . 19058 B Elisabeth Scharfenberg (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19059 A Erwin Rüddel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 19060 A Heike Baehrens (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19061 B Erich Irlstorfer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 19062 A Tagesordnungspunkt 41: Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Deutsches En- gagement beim Einsatz von Polizistinnen und Polizisten in internationalen Friedens- missionen stärken und ausbauen Drucksache 18/9662 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19063 A Anita Schäfer (Saalstadt) (CDU/CSU) . . . . . . 19063 B Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . 19064 B Edelgard Bulmahn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . 19065 B Dr . Franziska Brantner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19067 D Dr . Ole Schröder, Parl . Staatssekretär BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19069 A Thorsten Frei (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 19070 A Tagesordnungspunkt 42: Antrag der Abgeordneten Jutta Krellmann, Klaus Ernst, Herbert Behrens, weiterer Abge- ordneter und der Fraktion DIE LINKE: Wo- chenhöchstarbeitszeit begrenzen und Ar- beitsstress reduzieren Drucksache 18/8724 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19071 B Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . 19071 B Uwe Lagosky (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . 19072 C Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19074 B Michael Gerdes (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19075 B Gabriele Schmidt (Ühlingen) (CDU/CSU) . . . 19076 C Helga Kühn-Mengel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 19078 B Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19079 C Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 19081 A Anlage 2 Amtliche Mitteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19081 D (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 191 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 23 . September 2016 19025 191. Sitzung Berlin, Freitag, den 23. September 2016 Beginn: 9 .01 Uhr
  • folderAnlagen
    Helga Kühn-Mengel (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 191 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 23 . September 2016 19081 Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bär, Dorothee CDU/CSU 23 .09 .2016 Beck (Bremen), Marieluise BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 23 .09 .2016 Bluhm, Heidrun DIE LINKE 23 .09 .2016 Dobrindt, Alexander CDU/CSU 23 .09 .2016 Fischer (Karlsruhe- Land), Axel E . CDU/CSU 23 .09 .2016 Gabriel, Sigmar SPD 23 .09 .2016 Gohlke, Nicole DIE LINKE 23 .09 .2016 Heiderich, Helmut CDU/CSU 23 .09 .2016 Held, Marcus SPD 23 .09 .2016 Hellmich, Wolfgang SPD 23 .09 .2016 Hendricks, Dr . Barbara SPD 23 .09 .2016 Hintze, Peter CDU/CSU 23 .09 .2016 Junge, Frank SPD 23 .09 .2016 Karawanskij, Susanna DIE LINKE 23 .09 .2016 Krellmann, Jutta DIE LINKE 23 .09 .2016 Kudla, Bettina CDU/CSU 23 .09 .2016 Lach, Günter CDU/CSU 23 .09 .2016 Launert, Dr . Silke CDU/CSU 23 .09 .2016 Lemke, Steffi BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 23 .09 .2016 Lerchenfeld, Philipp Graf CDU/CSU 23 .09 .2016 Leyen, Dr . Ursula von der CDU/CSU 23 .09 .2016 Lips, Patricia CDU/CSU 23 .09 .2016 Mast, Katja SPD 23 .09 .2016 Obermeier, Julia CDU/CSU 23 .09 .2016 Özoğuz, Aydan SPD 23 .09 .2016 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Rachel, Thomas CDU/CSU 23 .09 .2016 Ramsauer, Dr . Peter CDU/CSU 23 .09 .2016 Rix, Sönke SPD 23 .09 .2016 Rützel, Bernd SPD 23 .09 .2016 Ryglewski, Sarah SPD 23 .09 .2016 Schlecht, Michael DIE LINKE 23 .09 .2016 Schmelzle, Heiko CDU/CSU 23 .09 .2016 Schmidt (Aachen), Ulla SPD 23 .09 .2016 Schmidt (Fürth), Christian CDU/CSU 23 .09 .2016 Steinbrück, Peer SPD 23 .09 .2016 Steinmeier, Dr . Frank- Walter SPD 23 .09 .2016 Tank, Azize DIE LINKE 23 .09 .2016 Walter-Rosenheimer, Beate BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 23 .09 .2016 Wellenreuther, Ingo CDU/CSU 23 .09 .2016 Widmann-Mauz, Annette CDU/CSU 23 .09 .2016 Willsch, Klaus-Peter CDU/CSU 23 .09 .2016 Anlage 2 Amtliche Mitteilungen ohne Verlesung Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat mitge- teilt, dass sie den Antrag Beteiligung des Bundestages im Vorfeld der Genehmigung der vorläufigen Anwen- dung des Handelsabkommens mit Kanada (Compre- hensive Economic and Trade Agreement – CETA) auf Drucksache 18/9038 zurückzieht . Die Vorsitzenden der folgenden Ausschüsse haben mitgeteilt, dass der Ausschuss die nachstehenden Uni- onsdokumente zur Kenntnis genommen oder von einer Beratung abgesehen hat . Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 191 . Sitzung . Berlin, Freitag, den 23 . September 201619082 (A) (C) (B) (D) Haushaltsausschuss Drucksache 18/8936 Nr . A .15 Ratsdokument 9303/16 Drucksache 18/8936 Nr . A .16 Ratsdokument 9307/16 Drucksache 18/8936 Nr . A .17 Ratsdokument 9310/16 Drucksache 18/9141 Nr . A .7 Ratsdokument 10383/16 Ausschuss für Wirtschaft und Energie Drucksache 18/7934 Nr . A .13 EP P8_TA-PROV(2016)0041 Drucksache 18/7934 Nr . A .18 Ratsdokument 6227/16 Drucksache 18/8771 Nr . A .4 EP P8_TA-PROV(2016)0223 Drucksache 18/8936 Nr . A .18 EP P8_TA-PROV(2016)0236 Drucksache 18/9141 Nr . A .10 EP P8_TA-PROV(2016)0250 Drucksache 18/9141 Nr . A .11 Ratsdokument 9911/16 Drucksache 18/9141 Nr . A .13 Ratsdokument 9966/16 Drucksache 18/9141 Nr . A .14 Ratsdokument 9969/16 Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft Drucksache 18/9141 Nr . A .17 EP P8_TA-PROV(2016)0271 Drucksache 18/9141 Nr . A .18 EP P8_TA-PROV(2016)0272 Drucksache 18/9141 Nr . A .20 Ratsdokument 10133/16 Verteidigungsausschuss Drucksache 18/9141 Nr . A .22 EP P8_TA-PROV(2016)0267 Ausschuss für Gesundheit Drucksache 18/419 Nr . C .41 Ratsdokument 14493/12 Drucksache 18/419 Nr . C .42 Ratsdokument 14499/12 Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de 191. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 38 Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit TOP 9 Erleichterung der Einbürgerung TOP 40 Drittes Pflegestärkungsgesetz TOP 41 Polizeikräfteeinsatz in Friedensmissionen TOP 42 Wochenhöchstarbeitszeit Anlagen Anlage 1 Anlage 2
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Volker Beck


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Religi-

    onsfreiheit ist immer die Freiheit der Andersgläubigen,
    der religiösen Minderheiten, der Religionsfreien und der
    Minderheiten in großen Religionsgemeinschaften und re-
    ligiösen Gruppierungen . Die Religionsfreiheit ist in Arti-
    kel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte,
    im UN-Zivilpakt und in Artikel 4 unseres Grundgesetzes
    verankert .

    Oft wird vergessen, dass die Religionsfreiheit drei Di-
    mensionen hat, die alle gleichermaßen für die Gewähr-
    leistung der Freiheit von Gesellschaften und der Freiheit
    der Individuen von großer Bedeutung sind . Das ist zum
    einen die positive Religionsfreiheit des Einzelnen . Das
    ist die Religionsfreiheit von Gemeinschaften der Gläu-
    bigen, und es ist die negative Religionsfreiheit, von den
    Vorstellungen im religiösen Bereich anderer unbelästigt
    seine freiheitliche Lebensgestaltung verwirklichen zu
    können . Nur alle drei Dimensionen zusammen konstitu-
    ieren eine freiheitliche Politik für eine freiheitliche Ge-
    sellschaft .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Dies ist weltweit in Gefahr . Da, wo die Menschen-
    rechtslage schwierig ist, ist es meistens auch um die Reli-
    gionsfreiheit nicht besonders gut bestellt . Deshalb glaube
    ich, dass die Diskussion um diesen Bericht und das The-
    ma „Religions- und Weltanschauungsfreiheit“ auch eine
    Chance für die Menschenrechtspolitik international und
    vor allen Dingen in Genf ist .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Jede Religion weltweit ist irgendwo in der Minderheit .
    Manche sind auch irgendwo in der Mehrheit . Aber da, wo
    man in der Minderheit ist, ist man immer darauf angewie-
    sen, dass die religiösen Mehrheiten einem diese Freiheit
    gewähren und die Entfaltung der Persönlichkeitsrechte
    respektieren .

    Ich denke, dieser Bericht, der ein guter Ansatz ist, weil
    er die verschiedenen Dimensionen und Konfliktfelder
    von Religions- und Weltanschauungsfreiheit aufzeich-
    net, bleibt hier ein bisschen hinter seinen Möglichkeiten
    zurück . Der Kollege Kauder hat es schon angesprochen,
    und ich teile diese Auffassung. Ich denke, wenn wir die
    Chance nutzen wollen, auf dem internationalen Parkett
    Entwicklungen bei der Beschränkung der Religionsfrei-
    heit rechtzeitig zu erkennen und darauf außenpolitisch
    und entwicklungspolitisch zu reagieren, dann brauchen
    wir länder- und regionenscharf einen Hinweis darauf, wo
    etwas besser ist, was wir unterstützen können, und wo
    sich etwas zum Unguten entwickelt .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der CDU/CSU)


    Der Bericht zeigt zu Recht auf, dass mancher Kon-
    flikt, der unter der Flagge „Kampf zwischen Religionen“
    daherkommt, oftmals andere Ursachen hat: regionale,
    lokale Verteilungskonflikte, Konflikte zwischen Regio-
    nen und Ethnien . Es ist oftmals ein Alarmsignal für das

    Fortschreiten eines Konfliktes und das Umschlagen von
    Auseinandersetzungen in heiße kriegerische Auseinan-
    dersetzungen, wenn die Konfliktlage religiös­ideologisch
    überwölbt wird . Ungleiche Machtverhältnisse ökonomi-
    scher und sozialer Art werden in dem Bericht benannt .
    Die Religion dient hier nur als Begründungszusammen-
    hang, um bestehende Verhältnisse aufrechtzuerhalten
    oder Verteilungskonflikte zu legitimieren. Ich glaube,
    ein anders aufgestellter Religionsbericht der Bundesre-
    gierung könnte in Zukunft, wenn wir einen solchen Be-
    richt regelmäßig erstellen, auch ein Seismograf für Fehl-
    entwicklungen auf dieser Welt sein und uns frühzeitig
    alarmieren, um konfliktpräventiv auch politisch zu inter-
    venieren, und er könnte damit vielleicht den Menschen
    auf dieser Welt manches Elend ersparen .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Ich rate auch dazu, das Thema nicht für falsche Polarisie-
    rungen zu nutzen . Der Wettbewerb um die Frage, welche
    Minderheit auf dieser Welt am stärksten religiös verfolgt
    ist, bringt uns nicht weiter . Er ist zum Teil auch banal .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Die Christen sind die größte religiöse Gruppe auf die-
    ser Welt . Deshalb ist es nicht besonders verwunderlich,
    dass sie auch unter den Religionsverfolgten die größte
    Gruppe darstellen . Eine Gruppe wie die Bahai, die welt-
    weit nur wenige Millionen Mitglieder hat, aber eine ei-
    genständige Weltreligion ist, kann mit den Zahlen der
    Christen selbstverständlich nicht mithalten . Aber schau-
    en wir uns an, wo die meisten Bahai leben, im Iran und
    in Ägypten, dann sehen wir, dass diese Gruppe von den
    staatlichen Stellen am intensivsten verfolgt wird, weil
    sie unter das Apostasieverbot des Islam fällt und oftmals
    sozial-bürgerrechtlich überhaupt nicht zur Kenntnis ge-
    nommen wird .

    Herr Kauder, Sie selber waren wegen der Kopten in
    Ägypten . Sie haben sicher auch Bahai-Vertreter getrof-
    fen . Die haben oftmals keine Geburtsurkunden, sie kön-
    nen am wirtschaftlichen Leben nicht teilnehmen, weil sie
    formalrechtlich nicht existent sind und keine Unterlagen
    über ihre Existenz bekommen . Obwohl sie gut ausgebil-
    dete Leute sind, sind sie völlig ausgeschlossen und müs-
    sen immer fürchten, Opfer von Gewalttätigkeiten randa-
    lierender Banden zu werden .

    Es bringt nichts, dahin zu schauen und zu sagen: Das
    ist aber eine kleine Gruppe, die Christen sind eine große
    Gruppe . – Wir müssen uns um jeden und jede Einzelne
    kümmern, deren Religionsfreiheit in Gefahr ist,


    (Beifall bei Abgeordneten im ganzen Hause)


    ob das die Rohingya in Myanmar oder ob das christli-
    che Gruppierungen im Iran sind . Es gibt nämlich das
    Problem, dass in manchen Ländern, gerade im Iran, wo
    die Rechte von althergebrachten orthodoxen kirchlichen
    Gruppierungen durchaus respektiert werden, neue religi-
    öse Erscheinungsformen im Christentum, insbesondere
    aus dem evangelikalen Bereich – das gilt auch für die






    (A) (C)



    (B) (D)


    zentralasiatischen Staaten – oftmals brutalster Verfol-
    gung ausgesetzt sind . Deshalb ist da Präzision und ge-
    naues Hinschauen erforderlich . Ich glaube, auch im
    weltweiten Dialog hört man uns nur zu, wenn wir für das
    Prinzip der Religionsfreiheit streiten und es verteidigen,
    nicht wenn wir uns nur um unsere Glaubensbrüder und
    Glaubensschwestern in anderen Teilen der Welt bemü-
    hen, zumal das auch nicht besonders christlich wäre .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)


    Es gibt auch die negative Religionsfreiheit; das habe
    ich vorhin angesprochen. Ich finde es sehr gut und mu-
    tig – da ist der Bericht vergleichbaren internationalen Be-
    richten deutlich voraus –, dass man erkannt hat, dass es
    bei der negativen Religionsfreiheit auch um Dinge geht,
    die nicht in erster Linie im Blick sind, wenn wir über
    Religionsfreiheit reden . Wenn religiöse Vorstellungen
    das Familienrecht und das Strafrecht eines Landes prä-
    gen, wenn es um die Rechte von Frauen geht, das Recht
    auf Scheidung, das Recht auf Wiederverheiratung, das
    Recht auf Schutz vor sexueller Gewalt, oder wenn es um
    die Rechte von Homosexuellen und Transsexuellen geht,
    geht es auch um die Frage der negativen Religionsfrei-
    heit bzw . darum, die Möglichkeit zu haben, nicht so sein
    bzw . leben zu müssen, wie die Mehrheit glaubt, dass es
    ihnen ihr Gott vorgeschrieben hat .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Darauf zu achten und darüber zu reden, ermöglicht es
    uns vielleicht auch, in Genf mit Ländern ins Gespräch zu
    kommen, bei denen wir sonst beim Thema Frauen- und
    LGBT-Rechte gleich abblitzen, wenn wir das auch nur
    erwähnen .

    Wir sollten einen umfassenden Religionsdialog star-
    ten und sagen, dass es um die Freiheit der verschiedenen
    Haltungen und Gemeinschaften geht . Wir sollten sagen:
    So, wie wir eure mehrheitliche Haltung respektieren wol-
    len, so erwarten wir, dass ihr in euren Ländern unsere und
    andere Haltungen in gleicher Weise rechtlich schützt . Ich
    würde unsere Diskussion gerne in diese Richtung voran-
    treiben und hoffe, dass wir uns in den Fachausschüssen
    zumindest unter den Fraktionen, die diesen Bericht mit-
    getragen haben, darauf verständigen können, zu sagen:
    Wir wollen einen Bericht der Bundesregierung zur welt-
    weiten Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit
    als regelmäßige Institution . Damit wir als Parlamentari-
    erinnen und Parlamentarier aber besser damit arbeiten
    können, sollte er länder­ und entwicklungsspezifisch auf-
    geschlüsselt sein; denn nur dann macht ein regelmäßiger
    Bericht Sinn .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Johannes Paul II . hat gesagt:

    Das Recht auf Religionsfreiheit … stellt so etwas
    wie die Existenzgrundlage für die anderen funda-
    mentalen Freiheiten des Menschen dar .

    Ich weiß nicht, ob er das im Sinne des eben von mir Ge-
    sagten im Hinblick auf die drei Dimensionen meinte .

    Wenn man es aber so versteht, wird ein Schuh daraus,
    und es wird uns als Bundesrepublik Deutschland viel-
    leicht gelingen, in Genf eine neue Initiative für eine bes-
    sere und fundamentalere Auseinandersetzung über die
    Grundlagen der Menschenrechte zu starten .

    Vielen Dank .


    (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD)




Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

Für die Bundesregierung erhält nun die Staatsministe-

rin Maria Böhmer das Wort .


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg . Dr . Karamba Diaby [SPD])


D
  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Maria Böhmer


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (None)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)



    Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und
    Kollegen! Die Bundesregierung hat diesen Bericht auf
    Antrag des Bundestages vorgelegt . Darin werden die
    weltweite Lage sowohl der Religionsfreiheit als auch der
    Weltanschauungsfreiheit erfasst . Dies geschieht in der
    Überzeugung, dass der Religions- und Weltanschauungs-
    freiheit eine große Bedeutung als Eckpfeiler einer stabi-
    len und friedlichen Ordnung zukommt . Religionsfreiheit
    und ein friedliches Zusammenleben bedingen einander .

    Unser Grundgesetz, die Allgemeine Erklärung der
    Menschenrechte der Vereinten Nationen und der VN-Zi-
    vilpakt, den 168 Staaten der Welt ratifiziert haben, schüt-
    zen das Grundrecht auf Gewissens- und Religionsfreiheit .
    Keine Frage: Die Religions- und Weltanschauungsfrei-
    heit ist ein universelles Menschenrecht, und sie wird in
    immer mehr Staaten prinzipiell rechtlich abgesichert . Die
    Wirklichkeit aber sieht oft dramatisch anders aus .

    Millionen von Menschen werden weltweit Tag für
    Tag in ihrer Religions- und Weltanschauungsfreiheit
    eingeschränkt . Viele werden verfolgt, gedemütigt und
    kommen zu Tode . Religion wird missbraucht, um Un-
    terdrückung, Gewalt und Unrecht zu legitimieren, wie
    wir es in erschreckender Weise im Irak oder in Syrien
    erleben . In diesen Urgebieten des Christentums sind es
    besonders häufig Christen, die unter Repressionen, Ge-
    walt und Vertreibung leiden müssen . Aber auch Jesiden
    und Muslime sind Opfer des brutalen und menschenver-
    achtenden IS-Terrors geworden . In dieser verzweifelten
    Situation gilt es den Menschen zur Seite zu stehen . Zu-
    nehmend ist zu beobachten, dass schwache Staatlichkeit,
    Korruption und schwierige wirtschaftliche Bedingungen
    den mangelnden Schutz von Religionsgemeinschaften
    mit verursachen .

    Über den Stand der Religions- und Weltanschauungs-
    freiheit liegt uns eine Reihe von nationalen und interna-
    tionalen Berichten vor . Dabei handelt es sich in der Re-
    gel um Länderberichte . Im Auswärtigen Amt haben wir
    uns daher sehr intensiv die Frage gestellt: Was könnte
    der Mehrwert eines solchen Berichtes sein, den wir dem
    Deutschen Bundestag vorlegen? Wir haben uns für einen
    neuen, strukturellen Ansatz entschieden . In diesem Be-

    Volker Beck (Köln)







    (A) (C)



    (B) (D)


    richt wird anhand konkreter Länderbeispiele eine Typo-
    logie der Rechtsverletzungen entwickelt .

    Ich halte es für wichtig, dass wir über diesen Ansatz
    ebenso diskutieren wie über die Inhalte des Berichts .
    Wir geben uns bei diesem Bericht nicht nur mit einer
    Situationsbeschreibung und einer Analyse zufrieden .
    Der Bericht zeigt konkrete Ansatzpunkte auf, um gegen
    die Verletzungen vorgehen zu können: erstens bei der
    Rechtsetzung, zweitens bei der Schaffung von Strukturen
    und drittens in vielen Einzelfällen . Lassen Sie mich En-
    gagement und konkretes Handeln der Bundesregierung
    für Religions- und Weltanschauungsfreiheit anhand die-
    ser drei Punkte zusammenfassen .

    Erstens . Wo Rechtsetzung nötig ist, unterstützt die
    Bundesregierung diese Prozesse . So konnten in der
    EU-Ratsarbeitsgruppe Menschenrechte bereits 2013 um-
    fassende Leitlinien zur Förderung und zum Schutz der
    Religionsfreiheit beschlossen werden . Wir unterstützen
    die Arbeit des OSZE-Büros für demokratische Institu-
    tionen und Menschenrechte . Wir entsenden Personal und
    finanzieren Projekte.

    Zweitens . Wir wollen dauerhafte Strukturen für den
    Dialog, insbesondere für den religiösen Dialog, fördern .
    Wenn die Kenntnisse über andere Religionen wachsen,
    wenn Menschen miteinander reden, dann entwickeln sie
    Respekt und Verständnis füreinander . In Deutschland
    haben wir Erfahrungen mit der Deutschen Islam-Konfe-
    renz gesammelt . Sie ist jetzt zehn Jahre alt . Sie könnte
    ein Beispiel für andere Länder sein, wie man aufeinander
    zugeht und wie man eine solche Plattform schafft.

    Wir bringen in vielen Ländern geistliche Führer und
    Menschen unterschiedlicher Religionen zusammen . Das
    ist kein leichtes Unterfangen . Aber ich bin davon über-
    zeugt, dass sich solche Vorurteile und Gegensätze nur
    im Dialog überwinden lassen und so ein friedliches Mit-
    einander möglich ist . Die deutsche Präsidentschaft im
    VN-Menschenrechtsrat haben wir vielfach für Religi-
    onsfreiheit genutzt, und wir haben die Fortsetzung des
    sogenannten Istanbul-Prozesses unterstützt .

    Drittens . In vielen Einzelfällen, etwa wenn es um
    grausame Strafen oder sogar um drohende Todesstrafen
    geht, setzen sich das Auswärtige Amt und seine Bot-
    schaften unmittelbar für die Betroffenen ein. Sie wissen:
    Um die Opfer nicht unnötig zu gefährden, werden solche
    Demarchen oft nicht öffentlich gemacht.

    Liebe Kolleginnen und Kollegen, viele von Ihnen
    sprechen auf ihren Auslandsreisen die Verletzungen der
    Religionsfreiheit gezielt an und treffen sich mit Men-
    schen, die unter religiöser Verfolgung leiden . Ihr Einsatz
    ist mehr als hilfreich, und ich möchte Ihnen dafür sehr
    herzlich danken .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Religion kann wunderbare positive Kräfte und Ener-
    gien entwickeln . Sie ist eine Kraft des Guten, aber nur,
    wenn sie frei ausgeübt, ihre Ausübung geschützt und eine
    Instrumentalisierung verhindert wird . Der Staat ist dazu
    verpflichtet, einen Rahmen für diese freie Ausübung zu
    schaffen. Doch gerade den Religionsgemeinschaften

    selbst kommt eine zentrale Verantwortung für ein fried-
    liches Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher
    Religion zu . Außenpolitik hat hier eine unterstützende
    Funktion . Unser Einsatz für Religions- und Weltanschau-
    ungsfreiheit dient der Krisenprävention und der Stabili-
    sierung .

    Die Begegnung mit der Internationalen Parlamentari-
    ergruppe für Religionsfreiheit vergangene Woche und die
    heutige Debatte empfinde ich als eine große Ermutigung
    auf dem zugegebenermaßen oft steinigen Weg .

    Herzlichen Dank .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)