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ID1818505200

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 18/185 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 185. Sitzung Berlin, Dienstag, den 6. September 2016 Inhalt: Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeord- neten Michael Groß, Anita Schäfer (Saal- stadt), Eberhard Gienger, Dr. Hans-Peter Uhl und Erika Steinbach . . . . . . . . . . . . . . . . 18309 A Begrüßung des neuen Abgeordneten Jürgen Coße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18309 B Tagesordnungspunkt 1: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2017 (Haushaltsgesetz 2017) Drucksache 18/9200 . . . . . . . . . . . . . . . . . 18309 B b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2016 bis 2020 Drucksache 18/9201 . . . . . . . . . . . . . . . . . 18309 C Dr . Wolfgang Schäuble, Bundesminister BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18309 D Allgemeine Finanzdebatte (einschließlich Einzelpläne 08, 20, 32 und 60) Dr . Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . 18317 C Carsten Schneider (Erfurt) (SPD) . . . . . . . . . . 18319 A Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18321 B Ralph Brinkhaus (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 18323 B Dr . Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 18325 B Ralph Brinkhaus (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 18325 D Dr . Gesine Lötzsch (DIE LINKE) (Erklärung nach § 30 GO) . . . . . . . . . . . . . . 18326 B Dr . André Berghegger (CDU/CSU) . . . . . . . . 18326 C Dr . Axel Troost (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 18328 C Johannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18329 C Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18331 C Andreas Mattfeldt (CDU/CSU) . . . . . . . . . 18332 B Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 18333 A Lothar Binding (Heidelberg) (SPD) . . . . . . . . 18334 C Dr . h . c . Hans Michelbach (CDU/CSU) . . . 18335 D Antje Tillmann (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 18337 B Carsten Körber (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 18339 B Einzelplan 06 Bundesministerium des Innern Dr . Thomas de Maizière, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18340 D Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . 18343 C Dr . Eva Högl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18344 C Dr . Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18346 D Clemens Binninger (CDU/CSU) . . . . . . . . . 18347 D Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) . . . . . 18349 A Frank Tempel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . 18349 D Roland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 18352 B Burkhard Lischka (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 18353 B Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18354 A Armin Schuster (Weil am Rhein) (CDU/ CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18355 B Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 185 . Sitzung . Berlin, Dienstag, den 6 . September 2016II Renate Künast (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18357 D Dr . Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18359 A Frank Tempel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 18359 C Armin Schuster (Weil am Rhein) (CDU/ CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18359 D Gabriele Fograscher (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . 18360 B Dr . Reinhard Brandl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 18361 B Gerold Reichenbach (SPD) . . . . . . . . . . . . . 18362 D Matthias Schmidt (Berlin) (SPD) . . . . . . . . . . 18363 C Einzelplan 07 Bundesministerium der Justiz und für Ver- braucherschutz Heiko Maas, Bundesminister BMJV . . . . . . . 18364 C Harald Petzold (Havelland) (DIE LINKE) . . . 18366 C Dr . Stephan Harbarth (CDU/CSU) . . . . . . . . . 18367 D Renate Künast (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18370 A Dennis Rohde (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18371 C Caren Lay (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . 18372 C Mechthild Heil (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 18373 D Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18375 C Dr . Johannes Fechner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 18376 D Dr . Volker Ullrich (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 18378 B Elvira Drobinski-Weiß (SPD) . . . . . . . . . . . . . 18379 C Klaus-Dieter Gröhler (CDU/CSU) . . . . . . . . . 18380 B Einzelplan 30 Bundesministerium für Bildung und For- schung Dr . Johanna Wanka, Bundesministerin BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18382 C Roland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 18385 A Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . 18386 D Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18389 A Michael Kretschmer (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 18390 B Dr . Rosemarie Hein (DIE LINKE) . . . . . . . . . 18392 B Swen Schulz (Spandau) (SPD) . . . . . . . . . . . . 18393 C Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18395 B Katrin Albsteiger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . 18396 C Beate Walter-Rosenheimer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18398 A Saskia Esken (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18398 D Anette Hübinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . 18400 A René Röspel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18401 D Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18403 C Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . . 18405 A Anlage 2 Neudruck: Inhaltsverzeichnis Anlage 2 (183 . Sit- zung, Seite VIII) und Anlage 2 (183 . Sitzung, Seite 18131 B) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18405 B Anlage 3 Neudruck: Antwort des Parl . Staatssekretärs Florian Pronold auf die Frage 39 der Abgeord- neten Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) (182 . Sitzung, Anlage 28) . . . . . . 18405 D (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 185 . Sitzung . Berlin, Dienstag, den 6 . September 2016 18309 185. Sitzung Berlin, Dienstag, den 6. September 2016 Beginn: 10 .02 Uhr
  • folderAnlagen
    René Röspel (A) (C) (B) (D) Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 185 . Sitzung . Berlin, Dienstag, den 6 . September 2016 18405 Anlagen zum Stenografischen Bericht Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Binder, Karin DIE LINKE 06 .09 .2016 Bluhm, Heidrun DIE LINKE 06 .09 .2016 Bülow, Marco SPD 06 .09 .2016 Dehm, Dr . Diether DIE LINKE 06 .09 .2016 Gerster, Martin SPD 06 .09 .2016 Hellmich, Wolfgang SPD 06 .09 .2016 Hintze, Peter CDU/CSU 06 .09 .2016 Karawanskij, Susanna DIE LINKE 06 .09 .2016 Kolbe, Daniela SPD 06 .09 .2016 Lerchenfeld, Philipp Graf CDU/CSU 06 .09 .2016 Menz, Birgit DIE LINKE 06 .09 .2016 Möhring, Cornelia DIE LINKE 06 .09 .2016 Neu, Dr . Alexander S . DIE LINKE 06 .09 .2016 Rosemann, Dr . Martin SPD 06 .09 .2016 Schlecht, Michael DIE LINKE 06 .09 .2016 Schmidt (Ühlingen), Gabriele CDU/CSU 06 .09 .2016 Steffen, Sonja SPD 06 .09 .2016 Träger, Carsten SPD 06 .09 .2016 Weisgerber, Dr . Anja CDU/CSU 06 .09 .2016 Zimmermann (Zwickau), Sabine DIE LINKE 06 .09 .2016 Zimmermann, Pia DIE LINKE 06 .09 .2016 Anlage 2 Neudruck: Inhaltsverzeichnis Anlage 2 (183. Sit- zung, Seite VIII) und Anlage 2 (183. Sitzung, Seite 18131 B) Anlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Fraktion BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanz- lerin zum NATO-Gipfel am 8 ./9 . Juli 2016 in Warschau (Drucksache 18/9086) (Tagesordnungspunkt 4) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18131 B Anlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Marieluise Beck (Bremen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu der Abgabe einer Regierungserklärung durch die Bundeskanzlerin zum NATO-Gipfel am 8./9. Juli 2016 in Warschau (Drucksache 18/9086) (Tagesordnungspunkt 4) Ich nehme an der Abstimmung nicht teil . Wer das Agieren der NATO bewerten will, muss einen Blick auf den Charakter des Regimes Putin werfen . Das System Putin ist eine Mischung aus KGB/FSB-Struktu- ren mit Oligarchen und kriminellen Methoden . Der Staat ist auf dieses Herrschaftsmodell vollkommen ausgerich- tet . Nichts muss dieses Regime mehr fürchten als Demo- kratie, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit . Um jegli- chen demokratischen Widerstand im Lande zu ersticken, braucht das Regime „Feinde“ im Ausland und erklärt jeg- liche demokratische Bewegung im Inneren als feindlich . Deswegen kann das Regime am Frieden draußen kein Interesse haben. Es braucht Konflikte, um durch Propa- ganda nach innen sein Regime aufrechtzuerhalten . In diesem Zusammenhang müssen auch die Vorgänge in der Ukraine bewertet werden . Der Kreml wünscht weder den demokratischen und ökonomischen Erfolg der Ukraine noch echten Frieden an seinen Grenzen . Eine erfolgreiche Ukraine könnte der Anstoß für eine ähnliche demokratische Entwicklung in der Russischen Föderation werden . Die Ausrichtung der Fähigkeiten der NATO muss die- se Analyse mit einbeziehen . Das schließt den geduldigen und zähen Dialog mit dem Regime im Kreml nicht aus, sondern er bleibt un- verzichtbar . Anlage 3 Neudruck: Antwort des Parl . Staatssekretärs Florian Pronold auf die Frage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) (Drucksache 18/8998, Frage 39): Welche Erkenntnisse hat das Bundesministerium für Um- welt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) über den derzeitigen antragstellerseitigen Stand der Arbeiten an Anträgen zur Zwischenlagerung der insgesamt 26 ausstehen- den Castoren mit verglasten radioaktiven Wiederaufarbei- Deutscher Bundestag – 18 . Wahlperiode – 185 . Sitzung . Berlin, Dienstag, den 6 . September 201618406 (A) (C) (B) (D) Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de tungsabfällen aus La Hague und Sellafield in Zwischenlagern an Atomkraftwerkestandorten (gegebenenfalls bitte auch mit zeitlichen Prognosen), und gegebenenfalls welche Fortschrit- te wurden bei etwaigen weiteren Sitzungen der gemeinsamen Arbeitsgruppe (AG) des BMUB und der Energieversorgungs- unternehmen zu diesem Thema seit der zweiten AG-Sitzung vom 16 . November 2015 erzielt (gegebenenfalls bitte mög- lichst auch mit Angabe der jeweiligen Sitzungstermine und -teilnehmer wie in Plenarprotokoll 18/142, Anlage 32; dazu, dass zwischen dem 16 . November 2015 und 8 . Juni 2016 keine betreffende AG-Sitzung stattfand, siehe Antwort der Bundesregierung auf meine mündliche Frage 11, Plenarproto- koll 18/175, Anlage 10)? Nach dem Treffen der Arbeitsgruppe aus Vertretern des Bundesumweltministeriums und der Energieversor- gungsunternehmen am 16 . November 2015 hat keine weitere Sitzung der Arbeitsgruppe stattgefunden . In einem Gespräch zu unterschiedlichen Themen ha- ben die Energieversorgungsunternehmen (EVU) Bereit- schaft signalisiert, im Zusammenhang mit der von den Energieversorgungsunternehmen erwarteten und voraus- gesetzten Umsetzung der Empfehlungen der Kommis- sion zur Überprüfung der Finanzierung des Kernener- gieausstiegs (KFK) für die vier im Gesamtkonzept zur Rückführung von verglasten radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung vom 19 . Juni 2015 genannten Standorte Unterlagen für Genehmigungsverfahren nach § 4 und § 6 Atomgesetz vorbereiten zu wollen . (182 . Sitzung, Anlage 28) 185. Sitzung Inhaltsverzeichnis TOP 1 Einbringung Haushaltsgesetz 2017, Finanzplan des Bundes 2016 bis 2020 Epl 06 Inneres Epl 30 Bildung und Forschung Epl 07 Justiz und Verbraucherschutz Epl 08, Epl 20, Epl 32, Epl 60 Allgemeine Finanzdebatte Anlagen Anlage 1 Anlage 2 Anlage 3
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Claudia Roth


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


    Vielen Dank, Carsten Körber . – Weitere Wortmeldun-

    gen zur allgemeinen Finanzdebatte liegen nicht vor .

    Während Sie die Plätze tauschen, wird mein Stuhl aus-
    getauscht, weil er hinüber ist . Daran bin nicht ich schuld .
    Er ging immer runter, und das finde ich nicht so gut.


    (Christian Freiherr von Stetten [CDU/CSU]: Das hat mit der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zu tun! Da geht es mit den Grünen runter!)


    – Nein, Herr von Stetten, das war schon vorher so .

    Wir kommen jetzt zum Geschäftsbereich des Bundes-
    ministeriums des Innern, Einzelplan 06.

    Ich gebe als erstem Redner in der Debatte Dr . Thomas
    de Maizière für die Bundesregierung das Wort . – Herr
    Minister, bitte .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg . Dr . Eva Högl [SPD])


    Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des In-
    nern:

    Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
    Knapp ein Jahr ist es her, dass ich den Einzelplan 06 für
    2016, also den Einzelplan meines Geschäftsbereichs, in
    dieses Haus eingebracht habe . Wie wohl nie zuvor war
    unser Land damals mit der Flüchtlingspolitik gefordert .
    Die Flüchtlingszahlen stiegen immens an . Grenzen in
    Europa wurden überrannt . Bei unseren Nachbarn in Eu-
    ropa und bei den Nachbarn Europas bahnte sich eine hu-
    manitäre Katastrophe an .

    Seitdem ist viel geschehen . Was wurde nicht alles pro-
    phezeit? Was wurde nicht alles diskutiert? Dies geschah
    oft sehr streitig, häufig emotional aufgeladen und manch-
    mal im falschen Ton . Aus unterschiedlichen Richtungen
    wurde in den vergangenen Tagen der Eindruck erweckt,
    als sei seit dem September 2015 wenig passiert . Ich fra-

    Carsten Körber






    (A) (C)



    (B) (D)


    ge mich ernsthaft, wo diejenigen, die das behaupten, die
    letzten zwölf Monate waren .


    (Dr . Franz Josef Jung [CDU/CSU]: Sehr richtig!)


    Besonders verwunderlich finde ich es, wenn diejenigen,
    die das behaupten, mit am Kabinettstisch oder im Koa-
    litionsausschuss saßen, als Woche für Woche die Dinge
    vorangebracht wurden,


    (Jan Korte [DIE LINKE]: Das ist wahr! Das stimmt! – Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie meinen die CSU?)


    Schritt für Schritt in großem Tempo .

    Gemeinsam haben viele in diesem Land viel bewegt –
    verantwortungsbewusst, zügig und mit großem Einsatz .
    Wir haben humanitäre Hilfe für eine enorme Zahl von
    Menschen geleistet . Wir haben mit den Grenzkontrollen
    die Dinge geordnet . Wir haben das Bundesamt für Migra-
    tion und Flüchtlinge für diese Herausforderung massiv
    aufgestockt, so schnell wie wohl noch nie eine Behörde
    in Deutschland . Das Bundesamt entscheidet pro Monat
    so viele Einzelfälle wie nie zuvor . Bis Ende August hat
    das Bundesamt in diesem Jahr fast 393 000 Entscheidun-
    gen getroffen.


    (Zuruf des Abg . Dr . Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Wir haben das Asylsystem umfassend erneuert und ver-
    schärft und binnen kurzer Zeit ein integriertes Identitäts-
    management mit biometriegestützter Registrierung und
    Ankunftsnachweis geschaffen. Zentrale Registrierung
    für alle zuständigen Behörden – einer für alle – war vor
    einem Jahr technisch unmöglich und rechtlich unzuläs-
    sig . Jetzt haben wir sie .

    Wir haben unsere finanzielle Unterstützung an die
    Kommunen und Länder massiv erhöht, um die große
    Last der Kommunen abzufedern . Wir haben das erste In-
    tegrationsgesetz für Deutschland geschaffen mit klaren
    Regeln nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“ . In Eu-
    ropa verhandeln wir so zügig wie selten ein neues eu-
    ropäisches Asylsystem sowie ein europäisches Ein- und
    Ausreiseregister . Die Sicherung der Außengrenzen geht
    voran . Frontex wird eine europäische Küstenwache .

    Mittlerweile ist der Migrationsdruck spürbar geringer
    geworden . Natürlich hat auch die Schließung der Bal-
    kanroute dazu beigetragen . Aber nachhaltig ist das nur
    gemeinsam mit dem EU-Türkei-Abkommen erreicht
    worden . Waren es im August vor einem Jahr noch etwa
    100 000 erfasste Menschen in einem Monat, zählen
    wir für den jüngst abgelaufenen August nur noch cir-
    ca 18 000 . Das ist ein Rückgang um 80 Prozent in einem
    Jahr . Das alles sind Leistungen, die mancher vor einem
    Jahr für nicht erreichbar gehalten hätte .

    Ja, vieles ist noch zu tun . Niemand kann das bestreiten .
    Mitnichten sind alle Probleme gelöst . So etwas wie im
    letzten Jahr darf und wird sich in Europa und in Deutsch-
    land nicht wiederholen . Was geleistet wurde, damit sich

    das nicht wiederholt, ist enorm . Darauf können wir stolz
    und dafür sollten wir dankbar sein .


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    All das ging und geht natürlich nicht ohne zusätzliche
    Mittel, ohne die Unterstützung des Bundesfinanzminis-
    ters und des Haushaltsgesetzgebers, also von Ihnen allen .
    Diese Unterstützung gab es, und zwar gemeinsam in der
    Koalition; da muss sich heute niemand abseilen . Damals
    wie heute ist Haushaltspolitik Kompass für Aufgaben
    und Ziele . Sie sagt etwas darüber aus, wie wir in Zukunft
    leben wollen .

    Schaut man sich den Aufgabenbereich des Bundesin-
    nenministeriums, also meines Geschäftsbereichs, an, so
    sieht man, dass sehr viel dazu gehört: innere Sicherheit,
    Integration und Rückführung, Zivil- und Katastrophen-
    schutz, digitale Sicherheit, Sport, Religion, Ehrenamt,
    Statistik, Dienstrecht, Tarifverhandlungen, Aussiedler,
    nationale Minderheiten, Geodäsie und vieles andere
    mehr . Alle Facetten sind wichtig . Sie greifen ineinan-
    der, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten . Denn
    das ist das gemeinsame Band des Innenministeriums: der
    Zusammenhalt unseres Landes durch Freiheit, Ordnung
    und Sicherheit . Aus Zeitgründen kann ich heute natürlich
    nur wenige Bereiche herausgreifen .

    Ich beginne mit dem Kampf gegen den Terrorismus
    und mit der öffentlichen Sicherheit. Auch hier haben wir
    in dieser Legislaturperiode sehr viel verändert und die
    Sicherheitsbehörden gut aufgestellt . Ich erinnere nur an
    die Antiterrorgesetze, die vor kurzem verabschiedet wur-
    den, an die Verlängerung der entsprechenden – ich nenne
    sie einmal so – Otto-Schily-Gesetze, an die Vorratsdaten-
    speicherung und vieles andere mehr .

    Am 11 . August dieses Jahres habe ich nach den An-
    schlägen von Würzburg und Ansbach und nach der
    Amoktat von München eine Reihe von zusätzlichen Vor-
    schlägen unterbreitet, die für uns konsensfähig sein kön-
    nen und sein sollten, die schnell und absehbar zu mehr
    Sicherheit in Deutschland führen . Ich habe dafür in der
    Öffentlichkeit viel Zustimmung erfahren, auch von un-
    serem Koalitionspartner . Wenn ich dies nun Schritt für
    Schritt umsetze, dann freue ich mich – ich erwarte sie
    auch – auf die Zustimmung zu den einzelnen konkreten
    Maßnahmen . Das werden wir dann sehen .


    (Dr . Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist das hier für ein Selbstgespräch in der Koalition? Haben Sie keinen Kabinettstisch, Herr de Maizière?)


    – Doch . Ich spreche mit allen, gerne auch mit der Oppo-
    sition, und jetzt spreche ich mit meinem Koalitionspart-
    ner . So einfach ist das .


    (Dr . Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Wir sind konstruktiv! Das ist nicht das Problem, Herr de Maizière!)


    – Sie sind manchmal konstruktiv; ob überwiegend, da
    habe ich manchmal Zweifel .


    (Dr . Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Öfter als die CSU! Darauf lege Bundesminister Dr. Thomas de Maizière ich großen Wert! – Jan Korte [DIE LINKE]: Wir sind immer konstruktiv!)





    (A) (C)


    (B) (D)


    Meine Damen und Herren, Sicherheit setzt starke und
    handlungsfähige Sicherheitsbehörden voraus . Eine Ta-
    geszeitung schrieb neulich – ich gebe das einmal wie-
    der –: Von kaum einer Institution erwartet das Land derart
    viel Einsatz wie von der Polizei . Sie soll vor Terroristen
    schützen, blitzschnell an jedem Tatort sein, flüchtige Ver-
    brecher schnell ergreifen und zügig Ermittlungserfolge
    präsentieren .

    Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, unseren Polizis-
    tinnen und Polizisten, den Mitarbeiterinnen und Mitar-
    beitern unserer Sicherheitsbehörden den Rücken zu stär-
    ken, und zwar nicht abstrakt, sondern konkret . Sicherheit
    braucht die notwendigen Stellen, gutes Personal und mo-
    derne Ausstattung . Da sind wir uns, Herr von Notz, bis
    in die Opposition hinein einig – das habe jedenfalls ich
    immer so wahrgenommen –, sogar mit der Linken .


    (Katrin Göring-Eckardt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn Sie es ordentlich machen, ja! – Dr . Konstantin von Notz [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: So ist es!)


    Bereits in diesem Jahr setzen wir ein großes Sicherheits-
    paket um . Wir stärken damit das Bundeskriminalamt, die
    Bundespolizei und den Verfassungsschutz mit 750 neuen
    Stellen . Mit dem vorliegenden Regierungsentwurf für
    den Haushalt 2017 gehen wir diesen Schritt konsequent
    weiter . Insgesamt stärken wir den Einzelplan 06 im kom-
    menden Jahr mit 2 230 zusätzlichen Stellen . Allein für die
    Bundespolizei schaffen wir nach bisheriger Beschlussla-
    ge für die Jahre 2016 bis 2018 3 000 zusätzliche Stellen .
    Die ernste Sicherheitslage verlangt aber mehr . Deswegen
    bin ich mir mit dem Bundesfinanzminister einig – er hat
    das heute Morgen auch vorgetragen –, dass wir ein noch
    deutlicheres Signal für mehr Sicherheit und mehr Stellen
    in diesen Haushaltsberatungen setzen wollen .


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    Gemeinsam schlagen wir dem Deutschen Bundestag
    ein weiteres Sicherheitspaket für die Jahre 2017 bis 2020
    vor . 4 500 neue Stellen sollen zu einem erheblichen Teil
    der Bundespolizei, aber auch dem Bundeskriminalamt,
    dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem Bundesver-
    waltungsamt, zum Beispiel für die Umsetzung des Flug-
    gastdatenabkommens, und der neuen Stelle ZITiS, auf
    die ich gleich noch komme, zugutekommen .


    (Dr . Reinhard Brandl [CDU/CSU]: Sehr gut!)


    Für die Bundespolizei bedeutet das allein in den Jah-
    ren 2016 bis 2020, also in fünf Jahren, über 7 000 neue
    Stellen . Das ist sehr viel, das ist nötig . Das dient der Si-
    cherheit unseres Landes .

    Meine Damen und Herren, Sicherheit braucht starke
    Menschen, gute Polizisten, aber auch intelligente Instru-
    mente . Täter kommunizieren oft verschlüsselt und über
    anonymisierende Netzwerke . Die Gewalttaten vom Juli
    dieses Jahres wurden im Wesentlichen im Internet vor-
    bereitet und bis kurz vor dem Anschlagszeitpunkt dort
    gesteuert . Der Amokläufer von München besorgte sich
    seine Waffe im sogenannten Darknet.

    Ich begrüße die Verschlüsselungstechnik; dass da
    kein Missverständnis aufkommt, Herr von Notz . Wir
    brauchen sichere Kommunikation im Internet, die frei
    von Angriffen Krimineller und auch frei von Angriffen
    ausländischer Staaten ist . Auch das Darknet ist für sich
    genommen kein ausschließlicher Hort von Kriminalität,
    aber romantisch verklärt kann man dem Darknet nun
    wirklich auch nicht begegnen . Ein ganz beträchtlicher
    Teil der Angebote auf den dortigen Marktplätzen sind
    Drogen, Waffen, gefälschte Pässe, gestohlene Kreditkar-
    tendaten, und manche Zahlungen mit Bitcoins sind sicher
    auch Umsatzsteuerbetrug .

    Wer Verantwortung für die Sicherheitspolitik trägt,
    muss dafür eintreten, dass die Sicherheitsbehörden unter
    rechtsstaatlichen Voraussetzungen auch im Internet das
    technisch können, was sie außerhalb des Internets recht-
    lich dürfen . Das ist eine zwingende Voraussetzung .


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und Technik darf
    es nicht dazu machen .

    Deshalb setze ich mich für eine Technologieoffensi-
    ve von Bund und Ländern ein – vieles davon geht nur
    gemeinsam –: Zur Strafverfolgung im Internet und im
    Darknet brauchen wir IT-Spezialisten und mehr verdeck-
    te Ermittler, die ganz gezielt illegalen Waffenhandel oder
    die Kommunikation zwischen den Tätern und möglichen
    Unterstützern aufklären . Internetbasierte Kommunika-
    tionsdienste wie Skype, WhatsApp oder Telegram dür-
    fen kein sicheres Kommunikationsmittel für Gefährder,
    Straftäter und Terroristen sein, ohne die Verschlüsselung
    als solche anzugehen .

    Deswegen errichten wir mit dem Haushalt 2017 eine
    Stelle, die für alle Sicherheitsbehörden des Innenmi-
    nisteriums forscht und entwickelt, wie man das besser
    erreicht . Die Umsetzung erfolgt dann durch die jeweils
    zuständigen Behörden auf der Basis ihrer jeweiligen
    rechtlichen Grundlage .

    Wir brauchen also Sicherheit mit Verschlüsselung, ge-
    nauso brauchen wir aber auch Sicherheit und Strafverfol-
    gung trotz Verschlüsselung .

    Meine Damen und Herren, vor wenigen Wochen ist
    in Deutschland das erste Integrationsgesetz in Kraft ge-
    treten . Damit haben wir den Grundstein für eine neue er-
    folgreiche Integrationspolitik gelegt . Die Bedeutung des
    Spracherwerbs und die Bedeutung der Wertevermittlung
    muss ich heute nicht noch einmal herausstellen . Darüber
    haben wir ausführlich diskutiert . Worüber wir aber auch
    sprechen müssen, sind die Folgen gescheiterter Integrati-
    on, die Vorbeugung eines Scheiterns der Integration und
    die mitunter bewusste Integrationsverweigerung – auch
    von Menschen, die schon lange hier leben .

    Beim Umgang mit ausländischen Straftätern, mit Ge-
    fährdern und Personen, die andere radikalisieren, muss
    der Rechtsstaat entschlossen auftreten . Dazu gehört, dass
    zulässige und erforderliche Abschiebungen nicht durch
    Gesetzeslücken erschwert werden . Wir haben dort mit
    dem Asylpaket I und dem Asylpaket II viel gemacht .
    Auch im Verhältnis zu Drittstaaten haben wir einige Er-

    Bundesminister Dr. Thomas de Maizière






    (A) (C)



    (B) (D)


    folge erreicht . Die Zahl der freiwilligen Rückreisen und
    der Abschiebungen steigt .

    Aber auch hier schlage ich vor, noch mehr zu tun . Dazu
    gehört auch, dass wir bei Duldungen genauer hinschau-
    en . Gefährden Menschen, die in unserem Land Schutz
    suchen, die Sicherheit unseres Gemeinwesens, muss ihre
    Abschiebung durch Anordnung einer Abschiebungshaft
    gelingen. Verweigern Ausreisepflichtige die Mitwirkung,
    müssen sie anders behandelt werden als Geduldete, die
    hier ihre Berufsausbildung machen .

    Schließlich gehört dazu – nach meiner Meinung je-
    denfalls – der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit
    für Mehrfachstaatler, die sich als dschihadistische Kämp-
    fer für eine Terrormiliz betätigen . Wer sich derart von
    Deutschland und unseren Werten abwendet und mehrere
    Staatsangehörigkeiten hat, hat seinen staatsbürgerlichen
    Platz in unserer Gesellschaft verwirkt . Das ist meine Auf-
    fassung .


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Das alles ist nicht hartherzig, sondern konsequent . In-
    tegration der Bleibeberechtigten und Ausweisung derje-
    nigen, die nicht bleiben dürfen, gehören zusammen . Das
    sind zwei Seiten derselben Medaille . Nur so bleiben wir
    als Aufnahmegesellschaft prinzipientreu und glaubwür-
    dig . Das kommt vor allem auch den vielen ausländischen
    Menschen zugute, die hier friedliebend und gesetzestreu
    leben und nicht durch Teile ihrer Landsleute in Misskre-
    dit gebracht werden wollen und sollen .

    Meine Damen und Herren, die Herausforderungen,
    vor denen wir stehen, sind groß . Das verändert das ge-
    sellschaftliche Klima; das erleben wir gerade alle . Streit
    und Debatte sind gut . Vielleicht haben wir sie auch ein
    bisschen verlernt . Hass und Gewalt aber spalten unser
    Land . Das dürfen und werden wir nicht hinnehmen .


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Einem Gefühl der Verunsicherung wollen wir Argumen-
    te, Nüchternheit, Stärke, Entschlossenheit und Stolz auf
    unser Land entgegensetzen . Leugnen von Problemen
    hilft nicht, Übertreiben von Problemen auch nicht . Das
    Lösen von Problemen, Schritt für Schritt, das ist der rich-
    tige Weg .

    Vom vorliegenden Einzelplan des Bundesministeri-
    ums des Innern geht eine klare Botschaft aus: Sicher-
    heit, Integration und Zusammenhalt jeweils nach klaren
    Regeln sind essenziell für die Zukunft unseres Landes .
    Investieren wir in eine gute gemeinsame Zukunft! Inves-
    tieren wir in ein sicheres Deutschland! Es ist unser Land,
    und das bleibt so .


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)




Rede von Claudia Roth
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank, Dr . de Maizière . – Nächste Rednerin:

Ulla Jelpke für die Linke .


(Beifall bei der LINKEN)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Ulla Jelpke


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (DIE LINKE.)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich den-

    ke, die Wahlerfolge der AfD müssen allen demokrati-
    schen Parteien zu denken geben . Unter den AfD-Wählern
    gab es Rechte, Rassisten, aber auch viele mit ihrer sozia-
    len Situation Unzufriedene . Sie fühlen sich von Linken,
    aber auch von allen anderen Parteien nicht mehr vertre-
    ten . Ich denke, daran müssen wir arbeiten .

    Gerade deswegen, Herr Minister, muss ich sagen: Ich
    bin wirklich sehr enttäuscht, dass Sie hier eigentlich nur
    ein Weiter-so verkünden . Das ist wirklich beschämend
    vor dem Hintergrund, dass Sie selber immer wieder Sym-
    boldebatten mit befördert haben, beispielsweise die Bur-
    kadebatte, und dass Sie im Grunde genommen die Stim-
    mung in diesem Lande mit herbeigeführt haben .


    (Beifall bei der LINKEN)


    In den letzten Monaten hat die Union immer versucht,
    sich als Hardliner-Partei für die innere Sicherheit zu pro-
    filieren; wir haben es heute wieder gehört. Sie zeichnet
    dabei das Feindbild eines islamischen Gefährders, der
    sich als Flüchtling unerkannt ins Land schleicht, mög-
    lichst noch mit einer Burka getarnt, um sich eine doppel-
    te Staatsbürgerschaft zu erschleichen und hier am Ende
    ein Selbstmordattentat zu begehen .

    Sie haben in den letzten Monaten mit diesen Diskus-
    sionen eine Angstpolitik betrieben, die unverantwortlich
    und brandgefährlich ist .


    (Beifall bei der LINKEN)


    Damit schüren Sie die Ressentiments gegen Muslime .
    Mit dem Anschleimen an die AfD – ich sage noch ein-
    mal: die Burkadebatte war genau das – haben Sie den
    Boden für diese Partei mit bereitet .


    (Beifall bei der LINKEN)


    Meine Damen und Herren, zu den wichtigsten Anfor-
    derungen in der Innenpolitik gehört zweifellos die Inte-
    gration der Flüchtlinge . Im Haushaltsentwurf ist davon
    nicht allzu viel zu spüren . Die Mittelerhöhung für das
    Asylpaket von 900 Millionen Euro auf knapp 1 Milliarde
    Euro steht nur auf dem Papier; denn in dem Asylpaket
    werden Ausgaben angegeben, die weder etwas mit Asyl
    noch mit Integration zu tun haben, wie etwa die Migra-
    tionsforschung und die Modernisierung und Aufrüstung
    der Bundespolizei .

    Das zurzeit herrschende Chaos beim BAMF, das Sie
    nicht angesprochen haben, führt zu folgender Situation:
    Die Asylverfahren dauern wieder länger . Die Zahl von
    Menschen, die mehr als ein Jahr auf ihren Bescheid war-
    ten, steigt weiter . Anstatt den Flüchtlingen eine rasche In-
    tegration zu ermöglichen, werden sie auf die Wartebank
    gesetzt . Das ist beschämend und integrationspolitisch
    kontraproduktiv .


    (Beifall bei der LINKEN)


    Zum Teil sind die Probleme hausgemacht . Für syri-
    sche Flüchtlinge gibt es keine einfachen schriftlichen
    Verfahren mehr . Stattdessen werden sie zu mündlichen
    Anhörungen bestellt, wodurch die Verfahren wieder viel
    länger dauern . Hier vertrödelt das BAMF Zeit und Res-

    Bundesminister Dr. Thomas de Maizière






    (A) (C)



    (B) (D)


    sourcen . Zudem erhalten die syrischen Flüchtlinge nur
    noch den zweitrangigen, subsidiären Schutz – das heißt
    „vorübergehender Schutz“ –,


    (Barbara Woltmann [CDU/CSU]: Nicht alle!)


    womit das Recht auf den Familiennachzug bis 2018 aus-
    gesetzt wird .

    Herr Veit, Sie haben im Namen der SPD erklärt, es
    werde gerade diese Gruppe nicht treffen. Ich frage Sie:
    Wieso wird hier nicht etwas unternommen? 18 000 Sy-
    rer haben bislang subsidiären Schutz erhalten, 60 Prozent
    aller anerkannten syrischen Flüchtlinge . Ihre Familien
    warten darauf, nach Deutschland nachziehen zu können .
    Ich glaube, ich muss hier nicht noch einmal sagen, was es
    bedeutet, jahrelang ohne Familie in einem Land zu leben .
    Das ist für die Integration dieser Menschen einfach er-
    schwerend . Deswegen muss hier endlich etwas passieren .

    Die Mittel für Integrationskurse bleiben praktisch
    gleich hoch, obwohl viel mehr Menschen hierhergekom-
    men sind .


    (Burkhard Lischka [SPD]: Das ist doch Unsinn!)


    Stattdessen wird die Kursgröße auf 25 Personen erhöht .
    Es gibt nicht einmal genügend Kursangebote für alle Be-
    rechtigten . Die Migranten wollen sich integrieren und
    werden durch politische Vorgaben des Bundesinnenmi-
    nisteriums daran gehindert . Das ganze Gerede über an-
    gebliche Integrationsverweigerer, das wir immer gehört
    haben, ist einfach nur fadenscheinig .

    Meine Damen und Herren, im Haushaltsentwurf – wir
    haben das eben hier gehört – finden auch die nächsten ge-
    planten Überwachungsgesetze ihren Niederschlag . Dabei
    geht es insbesondere um das europäische Passagierdaten-
    abkommen und die lückenlose Erfassung von Ein- und
    Ausreisen in die EU . Diese Gesetze sind im Übrigen vom
    Bundestag noch gar nicht beschlossen, aber es sind schon
    einmal 116 Stellen für diesen Zweck eingefordert wor-
    den .

    Besonders groß fällt der Geldsegen ausgerechnet für
    den Verfassungsschutz aus . Dessen Etat ist seit 2012 um
    sage und schreibe 61,7 Prozent gestiegen . Jetzt sollen
    schon wieder 100 neue Stellen dazukommen . Obwohl
    sich der Verfassungsschutz im NSU-Skandal als unfähig
    und unwillig erwiesen hat, kriminelle Nazis zu bekämp-
    fen, werden seine Befugnisse immer weiter ausgebaut .
    Er kann in Zukunft gemeinsam mit ausländischen Ge-
    heimdiensten Datenbanken aufbauen . Der Innenminister
    will künftig einen europäischen Verbund von Polizeida-
    ten . Zudem soll die Videoüberwachung – inklusive einer
    Software zur Gesichtserkennung – ausgebaut werden .
    Das sind wirklich Albträume für Datenschützer, meine
    Damen und Herren .


    (Burkhard Lischka [SPD]: Reden Sie einmal über die Albträume bei Wohnungseinbrüchen!)


    Solche Maßnahmen dienen nicht der Sicherheit, sondern
    einzig und allein der Überwachung unserer Bevölkerung .

    Gespart wird übrigens dort, wo es wirklich um Sicher-
    heit für die Bevölkerung geht, nämlich beim THW und
    beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastro-
    phenhilfe . Statt sich ernsthaft auf Risiken wie beispiels-
    weise Stromausfälle, Wasserprobleme und Ähnliches
    einzustellen, präsentiert der Innenminister ein Zivilver-
    teidigungskonzept, das absurde Kriegsszenarien an die
    Wand malt und den Einsatz der Bundeswehr im Inneren
    immer weiter vorbereitet . Das ist eine Politik der Angst
    und nicht wirklich eine Politik der Sicherheit, meine Da-
    men und Herren . Solch einen Haushalt kann man nicht
    mittragen .

    Danke schön .


    (Beifall bei der LINKEN)