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ID1705700500

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/57 Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/ Finanzplan des Bundes 2010 bis 2014 (Drucksache 17/2501) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister BMF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Carsten Schneider (Erfurt) (SPD) . . . . . . . . . . Dr. Michael Meister (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) . . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Carsten Schneider (Erfurt) (SPD) . . . . . . . Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrike Flach (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kretschmer (CDU/CSU) . . . . . . . . . Klaus Hagemann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Patrick Meinhardt (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Kai Gehring (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Albert Rupprecht (Weiden) (CDU/CSU) . . . . Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) . . . . . . . . . Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 5907 B 5907 D 5917 A 5920 B 5923 B 5925 B 5926 A 5927 C 5928 D 5944 D 5945 C 5946 B 5948 A 5950 A 5951 A 5952 B 5953 D 5955 C 5957 B Deutscher B Stenografisch 57. Sitz Berlin, Dienstag, den 1 I n h a l Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeord- neten Dr. h. c. Jürgen Koppelin, Herbert Frankenhauser, Ernst-Reinhard Beck (Reut- lingen), Klaus Breil, Josef Göppel und Manfred Zöllmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Begrüßung des neuen Abgeordneten Bernd Siebert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 1: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2011 (Haushalts- gesetz 2011) (Drucksache 17/2500) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: D N D D U D 5907 A 5907 B 5907 B Stefan Müller (Erlangen) (CDU/CSU) . . . . . . Nicolette Kressl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5930 C 5932 A undestag er Bericht ung 4. September 2010 t : Norbert Barthle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . r. Volker Wissing (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . orbert Barthle (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 30 Bundesministerium für Bildung und For- schung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Annette Schavan, Bundesministerin BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . agmar Ziegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . lrike Flach (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Rosemarie Hein (DIE LINKE) . . . . . . . . 5932 D 5934 C 5935 D 5938 A 5938 A 5940 B 5941 C 5943 B Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Eckhardt Rehberg (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 5958 D 5959 B II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 57. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 14. September 2010 Einzelplan 15 Bundesministerium für Gesundheit . . . Dr. Philipp Rösler, Bundesminister BMG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl Lauterbach (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Bahr (Münster) (FDP) . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl Lauterbach (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Singhammer (CDU/CSU) . . . . . . . . Dr. Martina Bunge (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Birgitt Bender (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jens Spahn (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Karl Lauterbach (SPD) . . . . . . . . . . . . Ewald Schurer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrike Flach (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Harald Weinberg (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Alois Karl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . Bärbel Bas (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stefanie Vogelsang (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Einzelplan 16 Bundesministerium für Umwelt, Natur- schutz und Reaktorsicherheit . . . . . . . . Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Matthias Miersch (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Heinz-Peter Haustein (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Michael Leutert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marie-Luise Dött (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dorothée Menzner (DIE LINKE) . . . . . . . . . . B D D B I D H R F P R D U D C N J E R G N A L 5959 A 5959 A 5961 B 5962 D 5963 C 5963 D 5965 D 5966 D 5968 C 5970 B 5971 C 5973 B 5974 C 5976 A 5977 A 5978 C 5979 A 5979 B 5980 D 5983 A 5983 D 5985 C 5986 C 5988 A 5989 A 5990 A 5991 C 5993 A 5993 D 5995 B 5995 C 5995 C ärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Norbert Röttgen (CDU/CSU) . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . r. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ralph Lenkert (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Hans-Josef Fell (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Maria Flachsbarth (CDU/CSU) . . . . . . ernhard Schulte-Drüggelte (CDU/CSU) . . . Einzelplan 10 Bundesministerium für Ernährung, Land- wirtschaft und Verbraucherschutz . . . . lse Aigner, Bundesministerin BMELV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Wilhelm Priesmeier (SPD) . . . . . . . . . . . . einz-Peter Haustein (FDP) . . . . . . . . . . . . . oland Claus (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . riedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . eter Bleser (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . olf Schwanitz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Erik Schweickert (FDP) . . . . . . . . . . . . . . lrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Erik Schweickert (FDP) . . . . . . . . . . . . . . aren Lay (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . icole Maisch (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ulia Klöckner (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . lvira Drobinski-Weiß (SPD) . . . . . . . . . . . . ainer Erdel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . eorg Schirmbeck (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . ächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage iste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 5996 C 5997 A 5997 C 5998 B 5999 C 6000 A 6001 A 6001 C 6002 A 6002 D 6003 B 6004 D 6006 C 6006 D 6009 A 6010 C 6011 B 6012 C 6014 B 6016 B 6017 D 6019 A 6019 B 6019 C 6021 A 6021 D 6023 B 6023 D 6025 B 6026 A 6027 D 6029 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 57. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 14. September 2010 5907 (A) ) )(B) 57. Sitz Berlin, Dienstag, den 1 Beginn: 10.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 57. Sitzung. Berlin, Dienstag, den 14. September 2010 6029 (A) (C) (D)(B) Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bartol, Sören SPD 14.09.2010 Bernschneider, Florian FDP 14.09.2010 Binder, Karin DIE LINKE 14.09.2010 Oswald, Eduard CDU/CSU 14.09.2010 Dr. Schockenhoff, Andreas CDU/CSU 14.09.2010 Dr. Schui, Herbert DIE LINKE 14.09.2010 Dr. Seifert, Ilja DIE LINKE 14.09.2010 Dr. Steinmeier, Frank- Walter SPD 14.09.2010 Dr. Terpe, Harald BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 14.09.2010 Ulrich, Alexander DIE LINKE 14.09.2010 Weinberg (Hamburg), Marcus CDU/CSU 14.09.2010 Widmann-Mauz, Annette CDU/CSU 14.09.2010 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich 57. Sitzung Berlin, Dienstag, den 14. September 2010 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Michael Meister


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und

    Herren! Es ist bemerkenswert, in welcher Weise sich die
    Sozialdemokratie in Deutschland von ihrer eigenen Poli-
    tik distanziert. Wir haben eben gehört, was für Fehlent-
    wicklungen wir in der Finanzwelt haben. Wir sind uns
    darüber einig, dass diese stattgefunden haben. Wir sind
    uns auch darüber einig, dass diese korrigiert werden
    müssen. Aber wir dürfen doch auch einmal die Frage
    stellen, wer mehr als ein Jahrzehnt die Finanzmarktpoli-
    tik in diesem Lande gestaltet hat.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Herr Schneider, warum haben Sie die Erkenntnisse,
    die Sie hier vortragen, nicht umgesetzt? Wir tun es jetzt.


    (Joachim Poß [SPD]: Ich dachte, wir hätten vier Jahre von den zehn Jahren mit Ihnen regiert! Dass der auch so ein kurzes Gedächtnis hat!)


    Der Bundesfinanzminister hat die Maßnahmen sehr kon-
    kret benannt und damit deutlich gemacht, wie wir zu einer
    neuen Verantwortungskultur kommen und diejenigen

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    (C (D n die Verantwortung nehmen, die in den Finanzmärkten ätig sind. Das ist unsere Aufgabe. (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Joachim Poß [SPD]: Aber vier Jahre von den zehn Jahren haben wir mit Ihnen gemeinsam regiert!)


    Zum Zweiten, lieber Herr Poß, will ich einmal fragen:
    ollen wir als Bundesrepublik Deutschland, was die So-

    ialpolitik angeht, in dieselbe Lage wie Griechenland
    ommen? Griechenland ist nicht mehr in der Lage, die
    otwendigen Leistungen für die Schwächsten und Ärms-
    en im Lande zu erbringen. Ich sage Nein.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Deshalb müssen wir den Sozialstaat nachhaltig hand-
    ungsfähig halten. Dies bedeutet, dass wir zur rechten
    eit Konsolidierung betreiben, damit der Staat in der
    ot den Ärmsten helfen kann. Das ist verantwortliche
    ozialpolitik. Was Sie an dieser Stelle tun, ist unverant-
    ortlicher Populismus.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Wir geben in diesem Jahr etwa 170 Milliarden Euro
    das sind mehr als 50 Prozent des Haushalts – für so-

    iale Dinge in diesem Lande aus. Das ist relativ, prozen-
    ual und absolut der höchste Betrag, der jemals in dieser
    epublik für Soziales aufgewendet worden ist.


    (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil ihr die Sozialversicherungssysteme teuer gemacht habt! Euer Gesundheitsfonds!)


    Wer dann die These aufstellt, wir würden Sozialabbau
    etreiben, der hat die Realität nicht wahrgenommen und
    etreibt Populismus. Er ist aber nicht an Lösungen und
    ntworten für die Zukunft dieses Landes interessiert.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Ich will eine weitere Bemerkung machen. Sie haben
    ie Arbeitslosen angesprochen. Ja, die Arbeitslosigkeit
    ereitet uns die größte Sorge in diesem Land. Wir müs-
    en mehr Menschen in Arbeit bringen. Aber das ist die
    ntwort: Wir wollen nicht Arbeitslosigkeit verwalten
    nd die Menschen in dieser Situation pflegen, sondern
    hnen Perspektiven eröffnen, sie aktivieren, damit sie aus
    er Arbeitslosigkeit herausfinden. Ich glaube, das, was
    ir in der Krise gesehen haben, ist ein gutes Beispiel da-

    ür, dass es gelingt. Wir haben nämlich in der Krise eine
    eutliche Verbesserung der Arbeitsmarktzahlen erreicht.
    aran wollen wir weiterarbeiten, nicht an der Verwah-

    ung von Arbeitslosen in der Arbeitslosigkeit.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Jetzt kann man sagen: Das ist eine tolle Politik. – Das
    ue ich nicht. Ich sage hier ausdrücklich: Das ist eine
    olle Leistung der Arbeitnehmer. Sie haben nämlich im
    etzten Jahrzehnt einen wesentlichen Beitrag dazu ge-
    eistet, dass Arbeit in Deutschland wieder wettbewerbs-
    ähiger ist. Es ist eine tolle Leistung der Unternehmer,
    ie in der Krise nicht wie in anderen Ländern einfach





    Dr. Michael Meister


    (A) )


    )(B)

    zum Mittel der Entlassung gegriffen haben, sondern ver-
    sucht haben, ihre Belegschaften zu halten.


    (Zuruf von der SPD: Ja, woran lag das denn?)


    Ich sage aber auch einmal: Wir haben gemeinsam – da-
    mit meine ich durchaus auch die Sozialdemokraten – die
    Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass diese Ent-
    wicklung möglich war. Herr Schneider, Herr Poß, des-
    halb verstehe ich nicht, dass Sie sich von dem distanzie-
    ren, was Sie im Wesentlichen mit beschlossen und auf
    den Weg gebracht haben.


    (Nicolette Kressl [SPD]: Was meinen Sie denn da? – Joachim Poß [SPD]: Sie haben sich doch distanziert!)


    Sie sollten eigentlich sagen: Das war eine gute Politik;
    diese gute Politik muss weitergeführt werden.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


    Wir freuen uns über die tolle Konjunktur in diesem
    Land. Wir haben in den vergangenen Jahren immer die
    Behauptung gehört, das sei im Wesentlichen unserer tol-
    len Position als Exportland zu verdanken. Ich will an die-
    ser Stelle ansprechen: Wir leben nicht nur von den Expor-
    ten, sondern haben es geschafft, dass dieser Aufschwung
    ein breites Fundament hat, dass er eben auch von der Bin-
    nenkonjunktur, von der Inlandsnachfrage, getragen
    wird. Daran müssen wir festhalten. Herr Schneider, wenn
    wir einen Aufschwung haben wollen, der nicht nur ex-
    portorientiert ist, sondern ein breites Fundament behält,
    müssen wir zwei Dinge tun:

    Erstens – ich habe es eben angesprochen –: Perspekti-
    ven am Arbeitsmarkt schaffen. Wir müssen den Men-
    schen deutlich machen, dass sie eine Chance haben, ihre
    eigene Existenz in Deutschland zu verdienen.

    Zweitens. Wir müssen den Menschen klarmachen,
    dass der Erwartungswert für künftige Steuer- und Abga-
    benzahlungen nicht höher ist als die heutigen Zahlungen;
    denn wenn sie das befürchten müssen, dann konsumie-
    ren sie nicht, sondern sparen ihr Geld.

    Deshalb ist eine Politik der Konsolidierung ein we-
    sentlicher Teil, wenn es darum geht, das Vertrauen der
    Menschen in den Staat, in die Sozialsysteme zu erhalten.
    Damit erreichen wir, dass wir nicht nur exportorientiert
    sind, sondern auch in Zukunft eine gute Inlandsnach-
    frage haben. Deshalb ist der Haushaltsentwurf richtig; er
    leistet einen Beitrag dazu, das Vertrauen der Menschen
    im Inland zu stärken, um damit zu erreichen, dass die In-
    landsnachfrage erhalten bleibt.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)


    Wir stehen in Deutschland nach der Krise – der Bun-
    desfinanzminister hat es benannt; ich muss es hier nicht
    wiederholen – bei Wachstums- und Arbeitsmarktzahlen
    besser da als vor der Krise. Unser Haushaltsansatz ver-
    sucht, auch hier Impulse für die Zukunft zu setzen. Wir
    führen eben nicht nur eine Konsolidierung durch, son-
    dern setzen in diesem Haushalt Schwerpunkte bei der

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    (C (D ukunftsfähigkeit unseres Landes, indem wir Bildung, orschung und Innovation gezielt nach vorne führen. Wir stärken Familien. Wir haben zum 1. Januar dieses ahres die Leistungen für Familien massiv ausgeweitet, nd zwar – ich sage das hier einmal sehr deutlich – geen die Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen und gegen ie Stimmen der SPD, die sich den Familien in diesem ande verweigert haben. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und das Elterngeld?)


    ir werden diese Politik weiterführen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Familienhotels? Familie Mövenpick oder wer?)


    Wir haben die automatischen Stabilisatoren wirken
    assen. Jawohl, Herr Schneider, das war richtig; das ha-
    en wir gemeinsam getan. Es ist aber genauso richtig, zu
    agen: Wenn der Aufschwung wieder da ist, dann müs-
    en die Programme auslaufen; dann muss natürlich auch
    m Bereich der Sozialsysteme und der öffentlichen
    aushalte konsolidiert werden.


    (Norbert Barthle [CDU/CSU]: So ist das!)


    a muss ich sagen: Sie haben heute Morgen einen Of-
    enbarungseid geleistet. Sie haben sich zwar allgemein
    azu bekannt, dass es richtig sei, zu konsolidieren; aber
    ch habe jeden konkreten Vorschlag von Ihnen vermisst.
    ie haben keinen eigenen Vorschlag gemacht. Sie haben
    uch nicht gesagt, dass die Regierung bei der Konsoli-
    ierung an dieser oder jener Stelle einen richtigen An-
    atz verfolgt. Ein allgemeiner Glaubenssatz „Wir müs-
    en konsolidieren“ reicht aber nicht; man muss dann
    chon konkret werden.


    (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist aber gemein gegenüber dem Finanzminister, was Sie da sagen!)


    ier hat die SPD jeglichen Vorschlag unterlassen. Ich
    offe, dass die Kollegen der anderen Oppositionsfraktio-
    en das noch leisten. Herr Schneider, in solch einer
    chwierigen Lage des Landes kann man es sich auch in
    er Opposition nicht so einfach machen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Ich habe eben die Zukunftsfähigkeit des Landes ange-
    prochen. Wir werden die Investitionshaushalte nicht re-
    uzieren. Wir werden sehr genau darauf achten, dass wir
    ie Ausgabenreduzierung, die notwendig ist, so aussteu-
    rn, dass sie im Wesentlichen im konsumptiven Bereich
    nsetzt und eben nicht bei den Investitionshaushalten.
    uch das ist aus meiner Sicht ein Beitrag zum Erhalt der
    ukunftsfähigkeit unseres Landes.

    Wir freuen uns über die Entwicklung, Herr Schäuble,
    ie der Haushalt im Jahre 2010 nimmt. Das hat im We-
    entlichen drei Gründe: Zum einen wurde das Wachs-
    um, zum anderen wurde die Arbeitsmarktentwicklung
    ngesprochen. Der dritte Grund ist, dass wir trotz anstei-
    ender Staatsverschuldung geringere Aufwendungen





    Dr. Michael Meister


    (A) )


    )(B)

    für die Staatsverschuldung haben, also geringere Zinsen
    zahlen müssen. Das hat etwas damit zu tun, dass man
    uns auf den Kapitalmärkten der Welt glaubt, dass wir ein
    verlässlicher Schuldner sind, dass man von uns erwarten
    kann, dass wir unsere Schulden mit Zins und Tilgung je-
    derzeit ordentlich bedienen. Unsere Diskussion über die
    Finanzplanung 2011 sowie die mittelfristige Finanzpla-
    nung wird von den Kapitalmärkten sehr genau beobach-
    tet. Sie werden uns nur so lange die günstige Refinanzie-
    rung gewähren und uns dadurch in unseren Bemühungen
    Entlastung verschaffen, solange wir glaubwürdig dar-
    stellen, dass wir die Konsolidierungsanstrengungen voll-
    bringen. In der Sekunde, in der von uns das Signal aus-
    gesendet wird, dass wir in unseren Anstrengungen
    nachlassen, werden wir in eine Spirale der Verteuerung
    unserer Staatsschulden geraten, die kein Parlament auf-
    fangen kann.


    (Dr. Hans-Peter Friedrich [Hof] [CDU/CSU]: So ist es!)


    Wir müssen klare Signale setzen und dürfen keine Irrita-
    tionen aussenden.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Ich will darauf aufmerksam machen, dass wir neben
    der Zinsentwicklung ein weiteres hohes Risiko haben,
    nämlich die demografische Entwicklung in unserem
    Land. Sie wird dazu führen, dass das Konsolidieren des
    Haushaltes schwieriger wird. Da ist es sehr einfach, dass
    sich Herr Schneider einen schlanken Fuß macht. Er hat
    das Thema nicht angesprochen. Die Sozialdemokraten
    schließen die Augen vor der Frage, wie unser Land mit
    der demografischen Entwicklung umgehen soll.


    (Petra Merkel [Berlin] [SPD]: Das stimmt doch gar nicht!)


    Sie haben damals in der Regierung mit entschieden – Ihr
    damaliger Arbeitsminister hat das vorschlagen –, ob der
    demografischen Entwicklung bis 2029 ein Rentenein-
    trittsalter von 69, Entschuldigung, 67 Jahren, zu be-
    schließen.


    (Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Der Versprecher war verräterisch!)


    – Ja, weil ich 2029 gesagt habe. Regen Sie sich ruhig da-
    rüber auf. – Sie machen sich einen schlanken Fuß, indem
    Sie sagen: Die demografische Entwicklung findet zwar
    statt, aber unsere populistische Antwort lautet: Das, was
    beschlossen wurde, ist nicht notwendig. Das ist keine
    verantwortungsbewusste Antwort auf die Fragen der Zu-
    kunft, sondern das ist purer Populismus und Opportunis-
    mus. Dafür werden Sie in Deutschland keine Zustim-
    mung bekommen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Mit unserem Ansatz liegen wir richtig, um auch inter-
    national deutlich zu machen – Herr Schäuble hat es ge-
    sagt: Man soll nicht nur anderen kluge Ratschläge ge-
    ben, sondern man sollte selbst mit gutem Beispiel
    vorangehen, sowohl was den Stabilitäts- und Wachstums-
    pakt als auch die Einhaltung der selbst gesetzten Schul-
    denbremse betrifft –: Die Schuldenbremse und der Sta-

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    (C (D ilitätsund Wachstumspakt sind kein Selbstzweck. Es eht nicht darum, einen Selbstzweck zu erfüllen, sonern dahinter steht das Ziel einer nachhaltigen Finanzpoitik, die sowohl im nationalen wie im internationalen echt kodifiziert worden ist. Darum muss es uns gehen, nd zwar nicht nur, um Gesetze einzuhalten, vielmehr nterziehen wir uns diesen Anstrengungen, um das Ziel iner nachhaltigen Finanzpolitik zu erreichen. Wir schlaen einen Mix aus wachstumsfördernden Maßnahmen nd Ausgabenkonsolidierung vor. Wir verzichten desalb konsequent auf die Erhöhung von Ertragsteuern; enn eine Erhöhung von Ertragsteuern würde dazu fühen, dass wir die wirtschaftliche Belebung zerstören. Dait wäre die von uns für die Konsolidierung benötigte innahmebasis nicht mehr vorhanden. Deshalb ist die orderung der SPD, das Problem über eine Ertragsteuerrhöhung zu lösen, ein Signal, das in die Irre führt. Sie st kein Beitrag zur Lösung des Problems, sondern sie eht am Thema vorbei. Ich glaube nicht, dass wir eine soziale Schieflage haen. Ich habe eingangs erwähnt, wie hoch die Aufwenungen für den sozialen Bereich sind, die wir derzeit icht nur im Bundeshaushalt, sondern auch auf anderen benen beispielsweise bei den Kommunen haben. Das st die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Meaille ist, dass man immer überlegen muss, wer diese Soialaufwendungen zahlt. Dazu möchte ich zwei Hineise geben. Erstens. Ob der Demografie wird die Zahl der Beiragszahler in Deutschland zukünftig zurückgehen, das eißt, weniger Menschen werden mehr Leistungen schulern müssen. Deshalb müssen wir uns die Frage stellen: ie können wir Strukturen schaffen, damit die notwendien Aufgaben erledigt werden können? Das ist die erste ufgabe, die vor uns liegt. Die zweite Aufgabe: Wir dürfen die Leistungsfähigsen nicht überfordern. Wir müssen einfach sehen, dass ie oberen 10 Prozent der Steuerzahler die Hälfte der teuern in diesem Land zahlen. (Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Das stimmt doch gar nicht!)


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    atürlich klingt es toll, wenn man sagt: Man muss die
    elastung hochfahren. – Das kann man locker fordern,
    ber man muss sich auch die Frage stellen, wie die Re-
    ktionen darauf ausfallen. Wird das tatsächlich dazu füh-
    en, dass unser Staat in seiner Gesamtheit leistungsfähig
    leibt?


    (Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Die meisten Steuern kommen aus der Umsatzsteuer! Ihre Rechnung stimmt doch nicht!)


    ch glaube das nicht. Ich glaube, dass das zu Reaktionen
    ührt, die den Armen und Ärmsten in unserem Land
    icht helfen.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)






    Dr. Michael Meister


    (A) )


    )(B)

    Lassen Sie mich eine letzte Bemerkung machen. Wir
    alle wollen Klimaschutz. Darüber sind wir uns einig;
    darüber gibt es in diesem Haus keinen Streit. Man muss
    sich überlegen, wie man das so umsetzt, dass es wirt-
    schaftspolitisch vernünftig ist, dass wir wettbewerbsfä-
    hig bleiben und im Bereich Klimaschutz in Zukunft
    möglicherweise Exporterfolge erzielen können. Auf der
    anderen Seite muss man sich die Frage stellen: Wie kann
    die Wirtschaft die Auswirkungen verkraften, und wie
    können die Energiepreise – das ist die soziale Dimension –
    für die Menschen bezahlbar bleiben? Ich glaube, dass
    die Bundesregierung ein wegweisendes Konzept vorge-
    legt hat, das die Punkte Klimaschutz, soziale Energie-
    preise, wirtschaftspolitisch vertretbare Energiepreise und
    Versorgungssicherheit in vernünftiger Weise zusammen-
    bringt. Deshalb ist das nicht nur eine Veränderung unse-
    rer energiepolitischen Ausrichtung; es geht nicht nur um
    das Erreichen von Klimaschutzzielen. Vielmehr ist es
    auch ein Beitrag zur Sozialpolitik und zur Arbeitsmarkt-
    politik in diesem Land. Auch das steckt in diesem Kon-
    zept.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Deshalb bitte ich Sie, sich nicht zu verweigern, son-
    dern mitzumachen. Das ist notwendig, wenn Sie Ihre
    Aussagen zu einer wirklich sozialen Politik für die Men-
    schen in diesem Land selbst ernst nehmen. Ich glaube,
    wir sollten uns in aller Ruhe und Gelassenheit den Bera-
    tungen des Haushalts zuwenden. Wir sind offen für alle
    inhaltlichen Anregungen, die uns auf dem Weg aus der
    Krise weiterbringen, die dazu beitragen, Deutschland
    besser zu positionieren. Die Kollegen aus der Koalition
    sind sehr aufgeschlossen.

    Dem Bundesfinanzminister will ich für die Vorberei-
    tungen danken. Das, was uns vorliegt, ist aus meiner
    Sicht eine sehr gute Grundlage, auf der wir unsere Auf-
    gabe in 2011 und den Folgejahren angehen können.

    Vielen Dank. Ich freue mich auf die Haushaltsbera-
    tungen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)




Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

Die Kollegin Dr. Gesine Lötzsch ist die nächste Red-

nerin für die Fraktion Die Linke.


(Beifall bei der LINKEN)



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Gesine Lötzsch


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (None)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (DIE LINKE.)


    Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine sehr geehrten

    Damen und Herren! Sie, die Mitglieder der Bundesregie-
    rung, haben in Ihrem Amtseid geschworen, dem Land zu
    dienen und Schaden von ihm abzuwenden. Aber genau
    das Gegenteil geschieht. Jüngstes Beispiel: Im Wind-
    schatten der Sarrazin-Debatte werden der Hypo Real Es-
    tate 40 Milliarden Euro neue Bürgschaften in die Hand
    gedrückt. Dass die Bundesregierung kein Interesse daran
    hat, die Finanzkrise aufzuarbeiten, ist inzwischen allge-
    mein bekannt. Aber dass auch die zuständigen Abgeord-
    neten ihre Kontrollaufgaben nicht wahrnehmen, das ist
    mehr als erklärungsbedürftig.

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    (C (D Einzig und allein der Vertreter der Linken im Finanzarktgremium, Roland Claus, hat im Sommer immer ieder Sitzungen des Gremiums gefordert. Dreimal urde abgesagt, und zwar mit der Begründung – die ollte man sich gut merken –: … da die erforderliche indestzahl von drei Mitgliedern, die eine Sitzung wün chen, nicht erreicht wurde. Das heißt, weder Vertreter er Regierungsfraktionen noch der beiden anderen Opositionsfraktionen hatten Zeit und Lust, sich im ommer über die skandalösen Vorgänge bei der HRE zu nformieren. (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist Unfug, und das wissen Sie! Nehmen Sie es zurück, Kollegin!)


    (Beifall bei der LINKEN)


    arum fordern wir als Linke: Endlich ein Ende der Ge-
    eimpolitik dieser Bundesregierung! Denn diese Ge-
    eimpolitik widerspricht den Grundregeln der Demokra-
    ie.


    (Beifall bei der LINKEN – Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn Sie nicht mit Unwahrheiten eingeleitet hätten, wäre es gut gewesen!)


    Es ist doch absurd, dass die Koalition hier in größter
    elbstzufriedenheit auf die Konjunktur schaut und die
    DP schon wieder Steuersenkungen verspricht. Die
    irtschafts- und Finanzkrise hat riesige Löcher in die

    aushalte des Bundes und der Länder gerissen, sodass
    chulen nicht saniert, Kitas nicht gebaut, Straßen nicht
    epariert und Bibliotheken geschlossen werden. Das ist
    as Gegenteil von Generationengerechtigkeit und Nach-
    altigkeit.


    (Beifall bei der LINKEN – Norbert Barthle [CDU/CSU]: Das ist nur da so, wo Die Linke regiert!)


    Der größte Skandal ist allerdings, dass diese Regie-
    ung die Haushaltslöcher wieder nicht mit dem Geld der
    anker und Spekulanten stopfen will, sondern mit dem
    eld der normalen Steuerzahler. Ich kann Ihnen das
    anz einfach erklären: Schaut man sich den Haushalt an,
    tellt man fest, dass er in zwei Teile zerfällt, in einen
    obbyteil und in einen Kürzungsteil. Wenn Sie, Herr
    chäuble, hier die Einschnitte für Empfänger von Ar-
    eitslosengeld mit dem Lohnabstandsgebot begründen
    ollen, dann kann ich Ihnen nur sagen: Es gibt ein ande-

    es, viel besseres Mittel: Führen Sie endlich den gesetzli-
    hen Mindestlohn in Deutschland ein! Dann haben wir
    uch keine Diskussionen mehr über das sogenannte
    ohnabstandsgebot.


    (Beifall bei der LINKEN – Norbert Barthle [CDU/CSU]: Das löst Grundproblem nicht, Frau Kollegin, das wissen auch Sie!)


    Ich werde Ihnen einige Beispiele zu den Kürzungen
    ennen, damit Sie in aller Deutlichkeit hören, was Sie in
    en Haushalt geschrieben haben. Nach Ihren Planungen
    uss zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter mit ei-

    em Kind mit Einkommenseinbußen von bis zu
    2 Prozent rechnen. Stellen Sie sich einmal vor, Herr





    Dr. Gesine Lötzsch


    (A) )


    )(B)

    Ackermann müsste auf 32 Prozent seines Einkommens
    verzichten. Jede Regierung, die das vorschlagen würde,
    würde mit Großanzeigen aus dem Amt gefegt werden.
    Wir sind ja in unseren Forderungen bescheidener. Wir
    fordern nur eine fünfprozentige Vermögensabgabe für
    Millionäre, und zur Finanzierung der Krisenkosten for-
    dern wir außerdem eine Finanztransaktionsteuer und
    eine Bankenabgabe. Die Bundesregierung hat es zwei
    Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise immer noch
    nicht geschafft, die Banken und Spekulanten zur Kasse
    zu bitten. Ich denke, eigentlich wollen Sie das nicht. Wir
    haben da eine andere Auffassung: Die Verursacher der
    Krise müssen zur Kasse gebeten werden und nicht die
    normalen Menschen.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Wir sehen ja, dass diejenigen die Krise bezahlen sol-
    len und müssen, die noch nie am Tisch der Bundeskanz-
    lerin gesessen haben und dort auch nie sitzen werden.
    Das Elterngeld für Arbeitslose soll ersatzlos gestrichen
    werden. Der befristete Zuschlag für Arbeitslosengeld-II-
    Empfänger soll genauso ersatzlos wegfallen wie die
    Rentenversicherungsbeiträge für Langzeitarbeitslose.
    Die Forderung, den Heizkostenzuschuss für Wohngeld-
    empfänger auf die Streichliste zu setzen, ist nach dem
    letzten langen, harten Winter besonders zynisch und
    zeigt Ihre Politik in aller Deutlichkeit. Dieser stellen wir
    uns entgegen.


    (Beifall bei der LINKEN – Lothar Binding [Heidelberg] [SPD]: Christlich!)


    Um die Zahlen einmal ein bisschen ins Verhältnis zu
    setzen: In der Summe sind das knapp 2,6 Milliarden
    Euro, die die sogenannte christlich-liberale Koalition
    den Menschen nimmt, die nun wirklich keine Schuld an
    der Finanzkrise tragen. Ich setze eine andere Zahl dage-
    gen: Allein die Commerzbank bekam von der Bundesre-
    gierung in Form von verschiedenen Unterstützungsmaß-
    nahmen das Zehnfache der genannten Kürzungssumme.
    Das ist eine Schieflage, die wir nicht lange hinnehmen
    können. Darum fordern wir als Linke die Rücknahme
    aller Sozialkürzungen und endlich eine Aufstockung
    des Arbeitslosengeld-II-Satzes, zuallererst für Kinder, so
    wie es das Bundesverfassungsgericht vorgeschrieben
    hat.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Ich komme jetzt zum Lobbyteil des Haushaltes.


    (Lachen bei Abgeordneten der FDP – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Da werden Sie munter, ja?)


    Dieser Lobbyteil des Haushaltes besteht aus Luftbu-
    chungen. Eingeplant ist eine Summe in Höhe von
    2,3 Milliarden Euro für die Kernbrennstoffsteuer. Ich
    sage Ihnen: Das ist eine Luftbuchung. Eingeplant haben
    Sie eine Energiesteuer für stromfressende Industrie.
    Auch das ist eine Luftbuchung. Sie haben eine Finanz-
    transaktionsteuer eingeplant. Auch diese wird nicht um-
    gesetzt werden. Das ist nach einem Jahr so gut wie ge-
    wiss. Das alles sind Luftbuchungen. Der Finanzminister
    hat gegen die Lobby verloren. Ich habe allerdings den

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    (C (D indruck, er hat nicht einmal wirklich gekämpft. In dieem Land regiert die Lobby; nicht die Regierung oder as Parlament bestimmen. Diesen Zustand müssen wir m Sinne der Demokratie endlich beenden. Doch darüber wollen Sie von der Regierung nicht erne diskutieren. Sie palavern lieber über die Entmünigung armer Kinder und ihrer Eltern. Ich finde, die Disussion über die Chipkarten ist mehr als zynisch. Ich age Ihnen: Alle Kinder in diesem Land könnten ein Muikinstrument lernen, in einem Sportverein Flickflack ernen oder Wasserball spielen, wenn die Bundesregieung die Kommunen nicht systematisch aushungern lasen würde. Wenn wir eine Bankenabgabe nach dem bama-Modell in Deutschland einführen würden, hätten ir jährlich 12 Milliarden Euro mehr in der Kasse, die ir den Kommunen zur Verfügung stellen könnten. Das äre doch ein guter Vorschlag. Viele, die hier gern für ie Kommunen sprechen, könnten dem doch sofort zutimmen. (Beifall bei der LINKEN – Norbert Barthle [CDU/ CSU]: Das war jetzt ein Flickflack!)


    (Beifall bei der LINKEN)


    Das Haushaltsprinzip dieser Regierung lautet: Vor
    en Lobbys einknicken, nach oben katzbuckeln und
    ach unten treten. Für diese Politik sind Sie nicht beauf-
    ragt. Wir als Linke werden dieses Prinzip niemals ak-
    eptieren.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Die Linke will aber nicht nur die Krisenverursacher
    ur Kasse bitten, sondern wir sehen auch große Einspar-
    otenziale im Haushaltsentwurf der Bundesregierung.

    Ich komme zu einem Beispiel. Der Verteidigungsmi-
    ister hat eine Bundeswehrreform vorgeschlagen, die
    achweislich kein Geld spart, dafür aber – das bitte ich
    enauer zu beachten – klar regelt, wer in Zukunft auf
    en Schlachtfeldern sterben soll. Herr zu Guttenberg
    ill aus der Bundeswehr eine Freiwilligenarmee ma-

    hen, um angeblich die Wehrungerechtigkeit zu beseiti-
    en. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Bundeswehr
    ird zu einer Hartz-IV-Armee umgebaut. Wer sich Stu-
    iengebühren leisten kann, der darf studieren. Wer ar-
    eitslos ist, darf weltweit sein Leben aufs Spiel setzen.
    as ist ein Verständnis von Wehrgerechtigkeit, das wir
    icht teilen, meine Damen und Herren.


    (Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der CDU/CSU: Das ist ungeheuerlich! – Thomas Oppermann [SPD]: Schlichter geht es nun wirklich nicht! Sieht Herr Ernst das auch so?)


    Richtig Geld sparen kann man nur, wenn man die gro-
    en Rüstungsprojekte streicht. Beispiele haben wir im-
    er wieder vorgetragen, und immer mehr Menschen

    timmen dem auch zu. Ich denke an den Eurofighter, den
    ransporter A400M und an das völlig überalterte und
    icht funktionierende Raketensystem MEADS. Außer-
    em denken wir natürlich auch an den milliardenschwe-
    en Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.





    Dr. Gesine Lötzsch


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    Meine Damen und Herren, dieses Geld wäre als Ent-
    wicklungshilfe besser angelegt. Doch genau da wollen
    Sie merkwürdigerweise streichen. Sie wollen Geld zur
    Bekämpfung von HIV/Aids und Malaria streichen. Das
    ist zynisch. Das ist keine Hilfe. Das ist eine Beleidigung
    der Menschen.


    (Beifall bei der LINKEN)


    Fazit. Diese Regierung wird immer mehr von mächti-
    gen Lobbyisten der Atom-, Rüstungs- und Pharmaindus-
    trie gesteuert. Augenscheinlich sind Sie auch noch stolz
    darauf. Sie haben jedes Gefühl für die Menschen und die
    Beziehungen zu ihnen verloren. Diese Regierung setzt
    nicht darauf, gemeinsam mit dem Großteil der Bevölke-
    rung etwas zu erreichen und zu verbessern, sondern sie
    setzt auf Ausgrenzung und auf die Privilegierung einer
    Handvoll von Superreichen. Das – damit komme ich
    zum Anfang zurück – widerspricht eklatant dem Amts-
    eid, den Sie alle vor dem deutschen Parlament geschwo-
    ren haben. Erfüllen Sie Ihren Eid, und brechen Sie ihn
    nicht, meine Damen und Herren!


    (Anhaltender Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der FDP: Bei der Linken ist wieder Karneval!)