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ID1703002400

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/30 2705 B Dr. Frank-Walter Steinmeier (SPD) . . . . . . . . Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin . . . . . . . Dr. Gregor Gysi (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Renate Künast (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Birgit Homburger (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Volker Kauder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Barbara Hendricks (SPD) . . . . . . . . . . Bernd Scheelen (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Drucksachen 17/605, 17/623) . . . . . . . . . Klaus Brandner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister AA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE) . . . . . . . . . Herbert Frankenhauser (CDU/CSU) . . . . . . . Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klaus Brandner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Kerstin Müller (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. h. c. Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . Dr. Rainer Stinner (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . 2705 D 2711 A 2720 A 2725 A 2730 B 2734 C 2734 D 2735 B 2736 B 2739 A 2749 C 2749 C 2754 B 2756 C 2758 B 2759 A 2759 B 2761 A 2761 C 2763 D Deutscher B Stenografisc 30. Sit Berlin, Mittwoch, d I n h a Tagesordnungspunkt I (Fortsetzung): a) Zweite Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundes- haushaltsplans für das Haushaltsjahr 2010 (Haushaltsgesetz 2010) (Drucksachen 17/200, 17/201) . . . . . . . . . b) Beschlussempfehlung des Haushaltsaus- schusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2009 bis 2013 (Drucksachen 16/13601, 17/626) . . . . . . . 9 Einzelplan 04 Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt (Drucksachen 17/604, 17/623) . . . . . . . . . 2705 A 2705 B Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof) (CDU/CSU) . . . Petra Merkel (Berlin) (SPD) . . . . . . . . . . . . . . 2740 D 2743 B undestag her Bericht zung en 17. März 2010 l t : Wolfgang Börnsen (Bönstrup) (CDU/CSU) Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) . . . . . Reiner Deutschmann (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Tabea Rößner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Siegmund Ehrmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Namentliche Abstimmung . . . . . . . . . . . . . . . Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Einzelplan 05 Auswärtiges Amt 2744 C 2745 C 2746 B 2747 C 2748 C 2749 B 2752 C Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. h. c. Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . 2764 B 2764 C II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 30. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. März 2010 Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. h. c. Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Rolf Mützenich (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Philipp Mißfelder (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Andrej Konstantin Hunko (DIE LINKE) . . . . Sven-Christian Kindler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Herbert Frankenhauser (CDU/CSU) . . . . . Marina Schuster (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Roth (Heringen) (SPD) . . . . . . . . . . . Michael Stübgen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Ute Granold (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . Rüdiger Kruse (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . 11 Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung (Drucksachen 17/613, 17/623) . . . . . . . . . Bernhard Brinkmann (Hildesheim) (SPD) . . . Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Johannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klaus-Peter Willsch (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Inge Höger (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. h. c. Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . . . . Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alexander Bonde (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Kahrs (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. h. c. Jürgen Koppelin (FDP) . . . . . . . . Henning Otte (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Michael Brand (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Thomas Silberhorn (CDU/CSU) . . . . . . . . . . 2764 D 2765 C 2767 A 2767 C 2768 A 2769 C 2771 B 2772 D 2773 B 2774 C 2775 C 2777 A 2778 D 2780 B 2781 A 2781 B 2783 A 2784 B 2785 D 2786 C 2786 C 2788 C 2789 B 2791 D 2793 A 2794 D 2795 B 2795 B 2796 A 2796 D 2798 C 2800 C 2801 D Tagesordnungspunkt III: a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes zur Abschaffung des Finanzpla- nungsrates (Drucksache 17/983) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Antrag der Fraktion DIE LINKE: Men- schenrechte in Kolumbien auf die Agenda setzen – Freihandelsabkommen EU-Ko- lumbien stoppen (Drucksache 17/1015) . . . . . . . . . . . . . . . c) Antrag der Fraktion DIE LINKE: Den Schie- nenverkehr als sichere Verkehrsform er- halten und stärken (Drucksache 17/1016) . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt IV: a) Erste Beschlussempfehlung des Wahlprü- fungsausschusses: zu Einsprüchen ge- gen die Gültigkeit der Wahl der Abge- ordneten des Europäischen Parlaments aus der Bundesrepublik Deutschland am 7. Juni 2009 (Drucksache 17/1000) . . . . . . . . . . . . . . . b) – l) Beschlussempfehlungen des Petitionsaus- schusses: Sammelübersichten 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59 und 60 zu Peti- tionen (Drucksachen 17/909, 17/910, 17/911, 17/912, 17/913, 17/914, 17/915, 17/916, 17/917, 17/918, 17/919) . . . . . . . . . . . . . . 12 Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Drucksachen 17/619, 17/623) . . . . . . . . . Dr. Bärbel Kofler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Harald Leibrecht (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Niema Movassat (DIE LINKE) . . . . . . . . . Lothar Binding (Heidelberg) (SPD) . . . . . Priska Hinz (Herborn) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Christian Ruck (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Barbara Hendricks (SPD) . . . . . . . . . . . . Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dirk Niebel, Bundesminister BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2803 D 2803 D 2804 A 2804 A 2804 B 2805 B 2805 C 2807 B 2808 B 2809 D 2810 D 2811 B 2812 B 2814 B 2816 A 2818 A 2818 A 2818 B Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 30. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. März 2010 III Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Lothar Binding (Heidelberg) (SPD) . . . . . . Niema Movassat (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Holger Haibach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Holger Haibach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Lothar Binding (Heidelberg) (SPD) . . . . . . . . Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dirk Niebel, Bundesminister BMZ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jürgen Klimke (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Dr. Sascha Raabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Heike Hänsel (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Volkmar Klein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Ute Koczy (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Link (Heilbronn) (FDP) . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 2819 B 2820 A 2820 C 2821 D 2823 B 2823 C 2823 D 2825 A 2826 A 2826 C 2827 C 2828 B 2828 D 2829 B 2829 D 2830 D 2831 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 30. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. März 2010 2705 (A) (C) (D)(B) 30. Sit Berlin, Mittwoch, d Beginn: 9
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 30. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 17. März 2010 2831 (A) (C) (D)(B) Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Barchmann, Heinz- Joachim SPD 17.03.2010 Bellmann, Veronika CDU/CSU 17.03.2010 Brinkhaus, Ralph CDU/CSU 17.03.2010 Burchardt, Ulla SPD 17.03.2010 Cramon-Taubadel, Viola von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.03.2010 Götz, Peter CDU/CSU 17.03.2010 Dr. Götzer, Wolfgang CDU/CSU 17.03.2010 Golze, Diana DIE LINKE 17.03.2010 Körper, Fritz Rudolf SPD 17.03.2010 Kramme, Anette SPD 17.03.2010 Möller, Kornelia DIE LINKE 17.03.2010 Pflug, Johannes SPD 17.03.2010 Roth (Esslingen), Karin SPD 17.03.2010 Schäfer (Bochum), Axel SPD 17.03.2010 Dr. Schäuble, Wolfgang CDU/CSU 17.03.2010 Scharfenberg, Elisabeth BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.03.2010 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Hempelmann, Rolf SPD 17.03.2010 Hoppe, Thilo BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.03.2010 Koch, Harald DIE LINKE 17.03.2010 Dr. Steffel, Frank CDU/CSU 17.03.2010 Trittin, Jürgen BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 17.03.2010 Werner, Katrin DIE LINKE 17.03.2010 30. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 17. März 2010 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Volker Kauder


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Wenn Sie diesen Unterschied nicht verstehen, dann

    sollten Sie wirklich einmal zu mir zur Nachhilfe kom-
    men. Diese Nachhilfe will ich Ihnen gerne geben.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Es ist ganz klar und deutlich festgelegt, welche Rolle der
    Bundespräsident in unserem Land hat. Er hat nicht die
    Aufgabe, Helfer der Opposition in tagespolitischen Aus-
    einandersetzungen zu sein. Das ist der Unterschied zwi-
    schen dem, was Frau Merkel und Herr Oppermann ge-
    macht haben.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Wir waren bei dem Thema, wie wir Wachstum her-
    vorrufen. Wachstum wird dadurch erreicht, dass wir Ar-
    beitsplätze schaffen und erhalten. Dafür wird mit diesem
    Bundeshaushalt die Voraussetzung geschaffen. Es wird
    ein Zuschuss an die Bundesagentur gegeben, der es er-
    möglicht, die Beiträge, die wiederum der Bundesagentur
    zugutekommen, stabil zu halten. Damit sorgen wir dafür,
    dass Menschen in Arbeit bleiben können. Dafür werden
    13 Milliarden Euro ausgegeben. In diesem Bundeshaus-
    halt werden auch die Voraussetzungen dafür geschaffen,
    dass ein entsprechender Bundeszuschuss im Gesund-
    heitsbereich geleistet wird. Die Beiträge bei der Arbeits-
    losenversicherung bleiben in diesem Nochkrisenjahr bei
    2,8 Prozent. Das entlastet Arbeitnehmerinnen und Ar-
    beitnehmer und eröffnet der Wirtschaft Chancen. Dies
    ist eben nur durch diesen Bundeshaushalt und durch die
    Politik dieser Regierungskoalition möglich geworden.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Wir eröffnen natürlich auch Perspektiven für diejeni-
    gen, die Löhne und Gehälter im unteren oder mittleren
    Einkommensbereich beziehen, und vor allem für unsere
    Familien. Ich muss Ihnen eines sagen: Es war immer
    Politik christlich-demokratischer und christlich-sozialer
    Demokraten, vielfach in Koalition mit der FDP, sich um
    die zu kümmern, die Hilfe brauchen bzw. sich aus eige-
    ner Kraft nicht helfen können. Die allermeisten sozialen
    Gesetze sind unter der Regierungsverantwortung der
    Union in diesem Land entstanden, nicht unter der der
    Grünen. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

    Die Menschen fragen mich doch nicht: Was tut ihr da-
    für, dass es mir mit Hartz IV möglichst gut geht? Sie
    fragen vielmehr: Was tut ihr dafür, damit ich aus
    Hartz IV wieder in normale Arbeit hineinkommen kann? –
    Dafür müssen wir etwas tun.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Es gehört zum christlich-liberalen Denken, dass man sel-
    ber für sich sorgen kann, dass man nicht auf die Hilfe
    von Ämtern angewiesen ist, dass man nicht als Bittstel-
    ler auftreten muss; denn das hat etwas mit der Würde des
    Einzelnen zu tun. Deswegen reden wir darüber, was wir
    tun können, damit an der Schnittstelle von Hartz IV und
    normaler Arbeit immer häufiger Menschen ihrer Würde
    entsprechend wieder in Arbeit kommen und nicht in
    Hartz IV bleiben müssen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Bettina Hagedorn [SPD]: Deswegen die 900-Millionen-Euro-Sperre!)


    Deswegen werden wir natürlich auch über die Frage re-
    den: Wie kann Hinzuverdienst neu organisiert werden?


    (Bettina Hagedorn [SPD]: Das ist die falsche Frage!)


    Das ist keine ganz einfache Aufgabe. Es geht nämlich nicht
    ausschließlich darum, ob den Menschen statt 100 Euro
    150 Euro bleiben; denn dann werden die Arbeitsverhält-
    nisse danach organisiert. Vielmehr ist die Frage zu stel-
    len: Wie kann der Anreiz größer werden? Darauf werden
    wir eine Antwort geben.

    In diesem Zusammenhang, Herr Kollege Gysi, haben
    wir auch Fälle wie den des Mädchens, den Sie angespro-
    chen haben, im Auge. In ordnungspolitischer Hinsicht ist
    es außerordentlich problematisch, hier einen Hinzuver-
    dienst in einer bestimmten Größenordnung für zulässig
    zu erklären, in anderen Fällen aber nicht. Ich möchte,
    dass ein junger Mensch, der in einer Familie lebt, die





    Volker Kauder


    (A) (C)



    (D)(B)

    Hartz IV bekommt, und der nichts dafür kann, dass es so
    ist, die Erfahrung machen kann, dass es sich lohnt, zu ar-
    beiten.


    (Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Dann mach! Mach! – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Dann muss man doch was tun!)


    Hinter dem Ziel, jungen Menschen eine solche positive
    Erfahrung zu ermöglichen, muss die Ordnungspolitik
    zurücktreten. Wir werden noch vor der nächsten Som-
    merpause dazu eine Regelung finden.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Wir nehmen Sie beim Wort!)


    In diesem Haushalt bildet sich auch an einem anderen
    Thema eine neue Politik ab, nämlich am Thema Afgha-
    nistan. Wir machen Politik in Verantwortung für die
    Entwicklung in Afghanistan. Das hat wieder etwas mit
    dem christlich-liberalen Wertekorsett zu tun. Wir wollen
    mit unserer Arbeit in Afghanistan dafür sorgen, dass die
    Menschen in Frieden und Freiheit leben können und dass
    sie nicht von Terroristen unterdrückt werden. Die Frei-
    heit, sich selber um seine Anliegen kümmern zu können,
    ist ein wesentliches Element der Würde des Einzelnen,
    die wir in Afghanistan für alle Afghaninnen und Afgha-
    nen durchsetzen wollen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Deswegen sind wir dort aktiv. Wir wollen noch mehr da-
    für tun, dass die afghanische Regierung in eigener Ver-
    antwortung die Sicherheit in diesem Land gewährleisten
    kann. Dabei hat die Entwicklungszusammenarbeit eine
    besondere Bedeutung. Ich bin dankbar dafür, dass darauf
    ein Schwerpunkt gelegt worden ist. Aber eines ist auch
    klar – das muss immer wieder gesagt werden –: Ohne
    die Sicherheit durch die Bundeswehr und andere Ein-
    richtungen wäre die von uns gewünschte Entwicklung in
    diesem Umfang gar nicht möglich. Entwicklung und
    neue Chancen in Afghanistan und das Sicherheitsgerüst
    durch die Bundeswehr sind zwei Seiten derselben Me-
    daille.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)


    Dafür haben wir die Voraussetzungen geschaffen.

    Ich habe vor zwei Monaten an diesem Platz davon ge-
    sprochen, dass zur Entwicklungszusammenarbeit und
    zur Außen- und Sicherheitspolitik auch das Thema Reli-
    gionsfreiheit gehört. Wir machen uns Sorgen darüber,
    dass die Christen die am stärksten verfolgte Glaubens-
    gruppe sind. Ich bin außerordentlich dankbar, dass der
    Bundesaußenminister vor dem Menschenrechtsrat in
    Genf vor einigen Tagen genau diesen Punkt aufgegriffen
    und erklärt hat, dass Religionsfreiheit ein Teil unserer
    wertegeleiteten Politik ist. Er hat in diesem Zusammen-
    hang auf die Lage der Christen hingewiesen. Das verste-
    hen wir unter einer wertegeleiteten Außenpolitik.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

    Wenn wir über die Entwicklung unseres Landes re-
    den, dann schauen wir einen Tag vor dem 20. Jahrestag
    der ersten freien Volkskammerwahlen natürlich auch auf
    die Entwicklung in den neuen Ländern. Wir sehen,
    dass sich dort unheimlich viel getan hat. In einer groß-
    artigen Gemeinschaftsleistung von West und Ost bzw.
    von Ost und West haben wir in den vergangenen 20 Jah-
    ren dafür gesorgt, dass dieses Land zusammenwächst.
    Da ist noch einiges zu tun – überhaupt keine Frage. Es
    geht natürlich darum, durch Arbeitsplätze Chancen zu
    schaffen. Es geht auch darum, entsprechende Prozesse
    voranzutreiben.

    Ich bin froh über diese gute Entwicklung. Sie hat na-
    türlich auch etwas mit uns, mit der Union, zu tun. Unser
    Wahlbündnis hat damals 48 Prozent der Stimmen be-
    kommen. Die Menschen haben sich dann für die deut-
    sche Einheit entschieden. Sie haben sich auch deswegen
    für die deutsche Einheit entschieden, weil einer ihr Ver-
    trauen gewonnen hat. Deswegen will ich heute sagen:
    Herzlichen Dank, Helmut Kohl, dem Kanzler der Ein-
    heit, der bald seinen 80. Geburtstag feiert.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Wir haben in den neuen Ländern neue Entwicklungen
    vorangebracht, und das wird auch in Zukunft der Fall
    sein. Das Deutsche BiomasseForschungsZentrum ist in
    Leipzig, also in den neuen Ländern, angesiedelt. Wir
    sorgen dafür, dass die Energiegewinnung aus Kohle in
    den neuen Ländern durch moderne Technologien wie
    das CCS-Verfahren möglich wird.

    Wir haben gesagt, wir steigen in das Zeitalter der
    erneuerbaren Energien ein. Das machen wir. Das be-
    deutet aber, dass das Geld, das wir von den Menschen
    – dieses Geld kommt nicht vom Staat – zur Förderung
    erneuerbarer Energien verlangen, in einem ausgewoge-
    nen Verhältnis zum Ergebnis stehen muss.


    (Beifall bei der CDU/CSU)


    Deshalb ordnen wir die Solarförderung neu. Wenn ich
    durch das Land fahre, habe ich manchmal den Eindruck,
    dass die Meinung vorherrscht, die Bundesregierung und
    diese Koalition wolle die Solarförderung auf null setzen.
    Absoluter Quatsch! Wir wollen nur, dass nicht 80 Pro-
    zent der Förderung in eine Energie gehen, die nur einen
    Anteil von 1 oder 2 Prozent hat. Wir müssen bei der
    Energieversorgung breit aufgestellt sein; dafür sorgen
    wir. Die Solarenergie wird sich auch in Zukunft rechnen.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP – Joachim Poß [SPD]: Er lobt gar nicht den Umweltminister!)


    Frau Künast, ich finde es ein bisschen billig, dass Sie
    hier nur fordern, die Entwicklung bei den erneuerbaren
    Energien solle vorangehen. Selbst wenn in einigen Jah-
    ren die erneuerbaren Energien einen Anteil von 40 Pro-
    zent haben – was mehr als eine Verdopplung bedeutet –,
    ist unbestritten, dass noch eine Lücke in der Versorgung
    der Menschen und der Wirtschaft mit Strom bleibt. Es ist
    doch richtig, ja notwendig, dass die Bundesregierung ein
    Szenarium rechnen lässt, das aufzeigt, wie es weitergeht,
    wenn die erneuerbaren Energien einen bestimmten Anteil





    Volker Kauder


    (A) (C)



    (D)(B)

    – das können beispielsweise 40 Prozent sein – haben. Es
    gehört zur Wahrhaftigkeit, zu sagen: Wir werden noch
    auf absehbare Zeit auf einen Energiemix angewiesen
    sein. Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie. Ge-
    nauso brauchen wir noch die Kohlekraftwerke. Wie lang
    die Brücke wird, hängt von den verschiedenen Szenarien
    ab. Aber in der Auseinandersetzung so zu tun, als ob
    man auf absehbare Zeit auf Kohle und Kernenergie ver-
    zichten kann, ist unwahrhaftig und nicht anständig.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch der Abg. Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Sie können sich hier nicht einfach hinstellen und so
    tun, als wenn Sie das, was in der Endlagerfrage jetzt ge-
    macht wird, nichts angehe.


    (Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bitte?)


    Ich kann nur sagen: Was Rot und Grün gemacht haben,
    ist verantwortungslos. Sie haben immer gegen jede Form
    von Endlagerung polemisiert. Aber wer aus der Kern-
    kraft aussteigen will, der braucht ein Endlager. Sie tun
    so, als wäre die Beantwortung dieser Frage bei dem von
    Ihnen geforderten Ausstieg aus der Kernenergie nicht
    mehr notwendig. Sie ist aber zwingend nötig. Bei Ihnen
    gibt es in der Energiefrage nur Ideologie und keine wirk-
    liche Erkenntnis.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und das ist christlich? – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lasst uns doch einfach in Baden-Württemberg Standorte untersuchen!)


    Wir werden uns dieser schwierigen Aufgabe stellen.

    Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich will
    noch etwas anderes sagen. Mir macht die Art und Weise
    des Umgangs miteinander Sorge. Ich bin wirklich nicht
    zart besaitet.


    (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt! Da hat er recht!)


    Ich bin nicht zart besaitet; das weiß jeder.


    (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmt auch in der Wiederholung!)


    Ich selbst war über ein Jahrzehnt lang Generalsekretär
    und habe ausgeteilt und hingenommen. Aber ich sage Ih-
    nen: Das hat alles irgendwo eine Grenze.


    (Dr. Barbara Hendricks [SPD]: Das stimmt!)


    Ich bin sehr dafür, dass man auch einmal pointiert for-
    muliert. Ich bin sehr dafür, dass man in der Sache hart
    miteinander umgeht. Aber was ich in den letzten Tagen
    an Attacken auf Außenminister Guido Westerwelle er-
    lebt habe, ist nicht akzeptabel.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Wer hat denn angefangen?)

    Wenn wir bei abgeschalteten Kameras beieinanderste-
    hen, höre ich aus allen Fraktionen, aus allen Parteien die
    Klage darüber, welches Bild wir in der Öffentlichkeit ab-
    geben und wie die Menschen über uns reden.


    (Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Eben! Genau!)


    Wenn wir aber nicht mit etwas mehr Respekt übereinan-
    der und über unsere Arbeit hier im Bundestag reden,
    braucht sich niemand zu wundern, wenn die Menschen
    so über uns reden.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Dr. Dagmar Enkelmann [DIE LINKE]: Haltet den Dieb!)


    Deswegen erwarte ich ein bisschen mehr Grips und In-
    telligenz.


    (Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber dafür müsste man ein bisschen Intelligenz haben!)


    Es darf nicht nach dem Motto gehen: Die absolute
    Frechheit siegt. – Das gilt für diejenigen auf der linken
    Seite dieses Hauses in besonderer Weise, damit das auch
    einmal ausgesprochen ist.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    Meine sehr verehrten Damen und Herren, diese Bun-
    desregierung zeigt mit dem vorliegenden Bundeshaus-
    halt, dass sie den Menschen auf ihre konkreten Fragen
    Antworten gibt, dass sie ihre Sorgen und Ängste ernst
    nimmt. Wir sorgen dafür, dass es in diesem Land voran-
    geht. Wir wissen, dass die Bewältigung der Krise nicht
    in einem Jahr möglich ist. Wir wissen, dass wir dafür ei-
    nen längeren Atem brauchen. Diesen Atem haben wir.
    Mit diesem Haushalt müssen wir noch einmal auf die Fi-
    nanz- und Wirtschaftskrise reagieren.

    Ab dem nächsten Haushalt müssen wir die Schulden-
    bremse berücksichtigen. Dann wird es im Hinblick auf
    die Beiträge der Opposition in der Haushaltsdebatte
    hochinteressant werden, zu sehen, ob Sie wissen, dass
    die Schuldenbremse bedeutet, dass wir nicht Milliarden
    mehr, sondern mindestens 10 Milliarden Euro weniger
    als in diesem Haushalt ausgeben können.


    (Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber erst noch mal Schulden machen! Wir sollen dann Ihr Neuschuldenproblem lösen!)


    Ich kann Ihnen sagen: Wir nehmen diese Verantwor-
    tung ernst. Das, was ich von Ihnen gehört habe, lässt
    mich aber daran zweifeln, dass Sie diesen Weg mit uns
    mitgehen.

    Herzlichen Dank.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Bettina Hagedorn [SPD]: Und das machen Sie mit Steuersenkungen?)







    (A) (C)



    (D)(B)



Rede von Dr. h.c. Wolfgang Thierse
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

Das Wort hat nun der Abgeordnete Bernd Scheelen

für die SPD-Fraktion.


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Bernd Scheelen


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Her-

    ren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe hier eine
    Einladung für den 22. April 2010. An diesem Tag wird
    dem Kollegen Kauder der Titel des Botschafters des Bie-
    res 2010 zuerkannt. Es ist eben deutlich geworden, wa-
    rum Sie diesen Titel verdient haben, Herr Kollege
    Kauder.


    (Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Das deutsche Bier unterliegt dem Reinheitsgebot. Ich
    fände es besser, wenn auch Sie Ihre Reden vorher einem
    Reinheitsgebot unterziehen würden; denn ich finde es
    unverschämt und frech von Ihnen, zu behaupten, die Op-
    position in ihrer Gänze würde die Kirchen bekämpfen.
    Für die SPD-Fraktion weise ich diesen Vorwurf ent-
    schieden zurück.


    (Beifall bei der SPD – Wolfgang Zöller [CDU/ CSU]: Das hat er gar nicht gesagt! – Volker Kauder [CDU/CSU]: Ich habe Frau Künast angesprochen!)


    – Sie haben die Opposition in Gänze angesprochen. Für
    die SPD-Fraktion habe ich diesen Vorwurf zurückgewie-
    sen. Wir wissen um die Bedeutung der Kirchen, aber
    man wird über Strukturen in Kirchen und weltlichen
    Einrichtungen doch wohl noch diskutieren dürfen.

    Herr Kauder, ich habe volles Verständnis dafür, dass
    Sie das Thema Schwarz-Gelb so vehement in den Vor-
    dergrund stellen; denn schwarz-gelb ist die Farbkombi-
    nation der Giftfässer mit Atommüll.


    (Widerspruch bei der CDU/CSU und der FDP – Lars Lindemann [FDP]: Wissen Sie, dass darauf alles Rot geschrieben wird?)


    Dass Sie damit nicht in einen Topf geworfen werden
    wollen, kann ich verstehen, aber Ihr verzweifelter Ver-
    such, schwarz-gelb durch die Formulierung christlich-li-
    beral zu ersetzen, wird nicht funktionieren.


    (Claudia Roth [Augsburg] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt!)


    Es hat sich bei den Menschen festgesetzt: Schwarz-gelb
    ist mittlerweile ein Etikett für Pleiten, Pech und Pannen.


    (Beifall bei der SPD)


    Es geht heute darum, nach 140 Tagen Schwarz-Gelb
    Bilanz zu ziehen. Die 100-Tage-Bilanz ist noch nicht so
    lange her. Deswegen darf ich Ihnen ein Zitat der Leipzi-
    ger Volkszeitung vortragen, die zur 100-Tage-Bilanz von
    Schwarz-Gelb geschrieben hat: Die Bilanz hat „Stärken
    und Schwächen“. Sie führt weiter aus: „Schwarz-Gelb
    hat schwach angefangen und dann stark nachgelassen.“


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)

    Es ist ein vernichtendes Urteil, das die Presse und die
    Menschen in Deutschland über Sie gefällt haben.

    Betrachtet man die ersten 140 Tage schwarz-gelbes
    Kabinett Merkel, dann stellt man sich die Frage: Was ist
    in den 140 Tagen passiert? Was haben Sie bisher bewegt?
    Was haben Sie auf die Schiene gesetzt? Immerhin sind
    15 Minister am Werke und etliche Dutzend Staatssekre-
    täre. Was ist in diesem Hohen Hause in den 140 Tagen he-
    rausgekommen? Ganze zwei Gesetze. Was für ein Auf-
    wand für zwei Gesetze! Hinzu kommt, dass das zwei
    Gesetze sind, die Sie besser hätten sein lassen. Das wäre
    für die Republik deutlich besser gewesen;


    (Beifall bei der SPD)


    denn mit diesen Gesetzen verteilen Sie Steuergeschenke
    auf Pump und treiben damit die Schuldenstände auf neue
    Rekordhöhen.

    Gestern hatte Kollege Barthle – er telefoniert gerade –
    auch noch die Frechheit, sich hier hinzustellen und das
    Ganze als ein Gesamtkunstwerk zu preisen. Er sagte:
    Der Haushalt sei ein Gesamtkunstwerk.


    (Lachen bei der SPD – Nicolette Kressl [SPD]: Das war peinlich!)


    Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und im Brock-
    haus nachgeschlagen, was ein Gesamtkunstwerk ist. Da-
    rüber gibt es lange Abhandlungen. Ein Beispiel wurde
    genannt: Eine politische Utopie könne ein Gesamtkunst-
    werk sein. Der Haushalt, den Sie vorlegen, ist keine poli-
    tische Utopie, sondern eine politische Bankrotterklä-
    rung.


    (Beifall bei der SPD)


    Sie treiben mit diesem Haushalt nicht nur die Bundes-
    schulden in die Höhe, Sie ruinieren gleichzeitig auch
    noch die Länderhaushalte und vor allen Dingen die
    Kommunalhaushalte. Die Städte und Gemeinden sind
    in einer schwierigen Situation. Das wird von Dr. Gerd
    Landsberg – er ist der Hauptgeschäftsführer des Deut-
    schen Städte- und Gemeindebundes – wie folgt zusam-
    mengefasst: Die Lage der Kommunen ist nicht schlecht;
    sie ist katastrophal. Er hat recht. Christian Ude, der
    Oberbürgermeister von München, sagt: Unsere Städte
    bluten aus. Die Oberbürgermeisterin von Frankfurt/Main
    und Präsidentin des Deutschen Städtetages sagt: Die
    Städte liegen auf der Intensivstation. Das sind Äußerun-
    gen von wichtigen Kommunalpolitikern, nachdem die
    beiden Gesetze von Ihnen mit schwarz-gelber Mehrheit
    durch den Bundestag gebracht wurden, die dazu führen,
    dass den Kommunen in diesem Jahr und auch in den
    kommenden Jahren deutlich weniger Geld zur Verfü-
    gung steht.

    Zum sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz.
    Die Kanzlerin hat vorhin ausgeführt, dieses Gesetz würde
    den Namen zu Recht tragen. Das Gesetz trägt den Namen
    nicht zu Recht. Das Einzige, was beschleunigt wird, ist
    das Wachstum der Schulden. Es ist ein Schuldenwachs-
    tumsbeschleunigungsgesetz.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)






    Bernd Scheelen


    (A) (C)



    (D)(B)

    Das sind für die Kommunen jedes Jahr 1,6 Milliarden
    Euro an Mindereinnahmen. Wenn man davon ausgeht,
    dass die Länder ihren Anteil an den Defiziten ebenfalls
    weitergeben, dann sind es 2,5 Milliarden Euro. Dasselbe
    gilt für das Gesetz, das Sie zur Entlastung von Unterneh-
    men gemacht haben, damit diese ihre Gewinne nun
    leichter ins Ausland verlagern können. Hier geht es um
    weitere 700 Millionen Euro minus. Das macht unter dem
    Strich 2,5 bis 3 Milliarden Euro, die die Kommunen al-
    lein durch Ihre aktuelle Gesetzgebung weniger zur Ver-
    fügung haben, und das in einer Situation, in der es den
    Kommunen eh schlecht geht; denn sie leiden natürlich
    wie alle staatlichen Ebenen unter der Finanz- und Wirt-
    schaftskrise. Das, was weniger zu Buche schlägt, sorgt
    dafür, dass aus dem positiven Saldo der Kommunen von
    knapp 8 Milliarden Euro in 2008 in diesem Jahr ein De-
    fizit von 12 Milliarden Euro wird. Das ist nur zur Hälfte
    der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Der Rest ist
    durch Gesetzgebung staatlich verordnet. Daran müssen
    wir arbeiten. Da muss angesetzt werden. Da müssen wir
    den Kommunen Beistand leisten.


    (Beifall bei der SPD)


    Statt 8,5 Milliarden Euro für das sogenannte Wachs-
    tumsbeschleunigungsgesetz auszugeben, hätten Sie bes-
    ser ein Konjunkturpaket III aufgelegt und damit das
    fortgesetzt, was wir mit dem Konjunkturpaket II begon-
    nen haben. Geben Sie das Geld den Kommunen. Die le-
    gen es sinnvoll an. Die sorgen für Wachstum vor Ort.
    Die sorgen dafür, dass Kindertagesstätten gebaut werden
    können, dass Schulen und Hochschulen energetisch sa-
    niert werden können. Da ist das Geld deutlich besser an-
    gelegt als auf den Konten von Hotelbesitzern und rei-
    chen Erben.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Die Geschenke, die Sie verteilen, müssen die Men-
    schen in Städten, Gemeinden und Kreisen bezahlen. Das
    ist die große Ungerechtigkeit. Wenn demnächst, in Berg-
    kamen zum Beispiel, die Menschen in ihr Schwimmbad
    gehen, werden sie zwar froh sein, dass sie noch eines ha-
    ben, aber sie werden, da die Wassertemperatur deutlich
    abgesenkt ist, hautnah spüren, wie kalt Ihre Politik den
    Kommunen gegenüber ist.


    (Beifall bei der SPD – Volker Kauder [CDU/ CSU]: Es soll doch gar nicht geheizt werden! Wegen Öko!)


    In Oberhausen werden die jungen Menschen verstehen,
    was für eine Politik Sie betreiben, wenn die Stadtverwal-
    tung ihnen sagt: Wir können euch nicht mehr ausbilden.
    Das ist uns verboten worden, weil wir pleite sind. – In
    Wuppertal wird das Schauspielhaus sehr wahrscheinlich
    geschlossen. Das Wuppertaler Schauspiel hat Weltruhm
    erlangt durch Namen wie Pina Bausch. Der kulturelle
    Abstieg in Wuppertal ist Folge Ihrer Politik.

    Aber ich habe auch ein positives Beispiel gefunden:
    In der Gemeinde Güntersleben – das ist eine kleine Ge-
    meinde mit etwa 4 000 Einwohnern in der Nähe von
    Würzburg – hat es am Wochenende einen Einbruch ins
    Rathaus gegeben. 3 500 Euro sind aus der Rathauskasse
    gestohlen worden. Jetzt ist auch diese Gemeinde pleite.


    (Birgit Homburger [FDP]: Wir waren es nicht!)


    Die Kommunen, meine sehr geehrten Damen und
    Herren, sind das Fundament der Demokratie und nicht
    das Kellergeschoss. Wenn das Fundament Risse be-
    kommt, dann bekommt auch das Haus Risse, und die
    Menschen, die darin wohnen, bekommen Angst.


    (Lars Lindemann [FDP]: Mein Gott! Wie verzweifelt muss man in Ihrer Fraktion sein!)


    Die Bundeskanzlerin hat die Vertreter der kommunalen
    Spitzenverbände zu sich ins Kanzleramt gebeten. Nach-
    her war zu lesen, es sei ein anregender Gedankenaus-
    tausch gewesen. Das ist nicht das, was die Kommunen
    brauchen. Die Kommunen brauchen Hilfe. Sie brauchen
    keine Kaffeekränzchen.


    (Beifall bei der SPD)


    Ein letztes Wort zu Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, und
    zur Gewerbesteuer, die Sie abschaffen wollen. Das ist
    Ihr ganz persönlicher Wortbruch. Sie haben vor dem
    Deutschen Städtetag in Bochum und anschließend vor
    dem Kongress der deutschen Kommunen Folgendes ge-
    sagt – das darf ich noch eben verlesen –:

    Das, was ich Ihnen heute zusagen kann, ist, dass
    wir keinem Druck nachgeben werden, wenn es um
    die Frage geht, ob wir an die Gewerbesteuereinnah-
    men herangehen werden.

    Das war in Bochum, am 13. Mai 2009. Am 26. Mai
    2009 haben Sie in Berlin gesagt:

    Ich habe auf dem Deutschen Städtetag eine Zusage
    gemacht, die wir auch halten werden. Die Gewerbe-
    steuer bleibt unangetastet.

    Das ist Wortbruch. Über Ihrer Koalitionsvereinbarung
    sollte nicht wie im ersten Satz des Johannesevangeliums
    „Am Anfang war das Wort“, sondern „Am Anfang war
    der Wortbruch“ stehen.

    Herzlichen Dank.


    (Beifall bei der SPD)