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ID1700412300

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Metadaten
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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 17/4 Zusatztagesordnungspunkt 3: Antrag der Abgeordneten Sabine Zimmermann, Klaus Ernst, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Folgen der Krise für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab- mildern – ALG I befristet auf 24 Monate verlängern (Drucksache 17/22) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 4: Antrag der Abgeordneten Diana Golze, Klaus Ernst, Matthias W. Birkwald, weiterer Abge- Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister BMU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marie-Luise Dött (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Marco Bülow (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Horst Meierhofer (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dorothée Menzner (DIE LINKE) . . . . . . . . . 179 C 147 A 150 B 151 B 152 D 153 D 155 C 157 A 157 D 158 D 160 A Deutscher B Stenografisc 4. Sitz Berlin, Mittwoch, den I n h a Tagesordnungspunkt 1: Fortsetzung der Aussprache zur Regierungs- erklärung der Bundeskanzlerin . . . . . . . . . Arbeit und Soziales in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 2: Antrag der Abgeordneten Jutta Krellmann, Klaus Ernst, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Förderung der Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit fortführen (Drucksache 17/21) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit 127 A 179 B ordneter und der Fraktion DIE LINKE: Anhe- bung und bedarfsgerechte Ermittlung der Kinderregelsätze (Drucksache 17/23) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 C undestag her Bericht ung 11. November 2009 l t : Rainer Brüderle, Bundesminister BMWi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) . . . . . . . . Kerstin Andreae (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hermann Otto Solms (FDP) . . . . . . . . . . . Ulla Lötzer (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Joachim Pfeiffer (CDU/CSU) . . . . . . . . . Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 127 B 129 A 133 B 136 A 137 B 139 D 141 A 142 A 144 B 145 D Josef Göppel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Frank Schwabe (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161 A 161 D II Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 11. November 2009 Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister BMVBS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Florian Pronold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Patrick Döring (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heidrun Bluhm (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dirk Fischer (Hamburg) (CDU/CSU) . . . . . . Uwe Beckmeyer (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Götz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . Sabine Leidig (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Sören Bartol (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Franz Josef Jung, Bundesminister BMAS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . . . Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . . . Klaus Ernst (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Markus Kurth (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Karl Schiewerling (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Hubertus Heil (Peine) (SPD) . . . . . . . . . . . Elke Ferner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Vogel (Lüdenscheid) (FDP) . . . . . . Katja Kipping (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Max Straubinger (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Anton Schaaf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) . . . . . . . . . . . . Volker Beck (Köln) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister BMI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Olaf Scholz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gisela Piltz (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Olaf Scholz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jan Korte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD) . . . . . . . . . . Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . 163 B 165 D 167 A 169 C 170 D 172 C 174 A 175 C 176 C 178 A 179 C 181 C 183 D 186 B 187 C 189 B 189 D 190 D 192 C 194 D 196 A 197 A 198 A 198 D 199 B 200 A 202 C 204 C 206 A 206 C 207 D 209 A 209 D Dr. Hans-Peter Uhl (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD) . . . . . . . . . . . . Hartfrid Wolff (Rems-Murr) (FDP) . . . . . . . . Ulla Jelpke (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . . Reinhard Grindel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Dagmar Ziegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin BMJ . . . . . . . . . . . . . . . Olaf Scholz (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Günter Krings (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . Raju Sharma (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . Jerzy Montag (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christian Ahrendt (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Christine Lambrecht (SPD) . . . . . . . . . . . . . . Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU) . . . . . . Jens Petermann (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Daniela Raab (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Halina Wawzyniak (DIE LINKE) . . . . . . . . . Dr. Annette Schavan, Bundesministerin BMBF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dagmar Ziegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Patrick Meinhardt (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . Krista Sager (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Kretschmer (CDU/CSU) . . . . . . . . . Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) . . . . . . . . . Dr. Martin Neumann (Lausitz) (FDP) . . . . . . Albert Rupprecht (Weiden) (CDU/CSU) . . . . Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin BMFSFJ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dagmar Ziegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Miriam Gruß (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jörn Wunderlich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ingrid Fischbach (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Caren Marks (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sibylle Laurischk (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . Johannes Singhammer (CDU/CSU) . . . . . . . 210 D 212 B 213 B 214 B 215 A 216 C 217 D 219 C 221 D 225 B 226 A 227 D 228 C 230 D 232 B 233 B 234 D 235 D 238 A 240 B 241 D 243 D 245 C 247 B 249 A 250 B 251 B 253 B 254 D 256 C 258 D 260 C 262 C 263 D 265 A Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 11. November 2009 III Sönke Rix (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Fricke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michaela Noll (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 266 C 267 A 268 B 269 D 271 A/C Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 11. November 2009 127 (A) (C) (B) (D) 4. Sitz Berlin, Mittwoch, den Beginn: 9
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 4. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 11. November 2009 271 (A) (C)Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Glos, Michael CDU/CSU 11.11.2009 Lafontaine, Oskar DIE LINKE 11.11.2009 Mattheis, Hilde SPD 11.11.2009 Özoğuz, Aydan SPD 11.11.2009 Dr. Westerwelle, Guido FDP 11.11.2009 Zapf, Uta SPD 11.11.2009 (D) (B) 4. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 11. November 2009 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Olaf Scholz


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Herr Minister, zunächst einmal von mir alles Gute für

    Ihr neues Amt. Wir haben in der Vergangenheit in ande-
    ren Funktionen gut zusammengearbeitet, und das wer-
    den wir auch in Zukunft schaffen, wenn auch in einer
    anderen Rollenverteilung: als Regierung und als Opposi-
    tion. Aber auch da ist ja Zusammenarbeit erforderlich.

    Meine Damen und Herren! Wenn man sich den Koali-
    tionsvertrag anschaut und sich bemüht, eine Linie in der
    künftigen Innenpolitik zu entdecken, gelingt einem das
    nicht.


    (Gisela Piltz [FDP]: Das liegt daran, dass Sie sich nicht richtig damit beschäftigt haben!)


    Auch wer soeben die Rede verfolgt hat, ist nicht schlauer
    geworden, was die zukünftige Linie der Koalitionsfrak-
    tionen in der Innenpolitik sein soll.

    Der Koalitionsvertrag ist eine eigenwillige Konstruk-
    tion mit vielen Details, bei denen man sich fragt: Warum
    gehört dies in einen Koalitionsvertrag, warum hat dies
    kein Verwaltungsbeamter als Vorlage für den Amtschef
    aufgeschrieben? Aufgrund welchen persönlichen Ste-
    ckenpferds es als würdig erachtet wurde, die Zuverläs-
    sigkeitsprüfung für Privatpiloten zu einer öffentlichen
    Aufgabe zu machen, hat sich mir bis heute nicht er-
    schlossen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Ich will gerne noch ergänzen. Da kommen Union und
    FDP nun zusammen. Die FDP hat in den letzten elf Jah-
    ren vieles an den Innenministern der SPD und der CDU
    kritisiert. Was kommt nun aber heraus?


    (Hartfrid Wolff [Rems-Murr] [FDP]: Was Gutes! Sehen Sie doch!)


    Wenn man sich den Koalitionsvertrag anschaut, dann
    wird man unversehens an das berühmte Buch von
    Giuseppe Tomasi di Lampedusa Der Leopard erinnert.
    Da unterhält sich der Fürst mit seinem Neffen, der bei
    Garibaldi mitmacht, und fragt, was das alles soll. Die
    Antwort lautet: Es muss sich alles ändern, damit alles
    bleibt, wie es ist. – Genau das ist das Ergebnis des
    Koalitionsvertrages. Wir sind nicht beeindruckt.


    (Beifall bei der SPD – Dr. Hans-Peter Friedrich [Hof] [CDU/CSU]: Das ist ein Fehler! – Reinhard Grindel [CDU/CSU]: Dazu ist ein Koalitionsvertrag auch nicht da!)







    (A) (C)



    (B) (D)


    Olaf Scholz
    Es wird evaluiert, ausgewertet, abgewartet und über-
    prüft. Dann kommen noch ein paar Scheinaktionen
    hinzu, die die öffentliche Debatte möglicherweise be-
    gleiten sollen. Man fragt sich nur, wieso. Was beispiels-
    weise vorher Richter an anderen Gerichten gemacht ha-
    ben, soll jetzt ein BGH-Richter tun. Das kann man
    machen, das kann man auch lassen. Es ändert gar nichts.
    Es ist vielleicht das Kennzeichen dieses Koalitionsver-
    trages: An dieser Stelle hat sich nichts weiterentwickelt.
    Es lohnt weder, sich aufzuregen, noch eine spezifische
    Debatte zu führen, was man alles da hineingeheimnissen
    kann. Es ist keine Fortentwicklung erkennbar. Elf Jahre
    Opposition der FDP waren jedenfalls in dieser Hinsicht
    vergeblich.


    (Beifall bei der SPD)


    Da gibt es noch etwas, was zwar in dem Koalitions-
    vertrag nicht sehr sorgfältig ausformuliert wird, was hier
    aber angesprochen werden muss. Es gibt Entscheidun-
    gen in Bezug auf die innere Sicherheit in unserem
    Lande. Diese stehen aber nicht in erster Linie im Kapitel
    über die innere Sicherheit. Denn die 24 Milliarden Euro,
    die im Zuge der Steuerentlastung dem Bund, den Län-
    dern und den Gemeinden fehlen, werden sich massiv auf
    die innere Sicherheit auswirken. Niemand soll sagen, es
    sei nicht die Schuld dieser Regierung gewesen, wenn in
    den Bundesländern demnächst bei der Polizei gespart
    wird. Das waren Sie. Was Sie machen, ist falsch.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Es findet sich auch eine Passage über den Extremis-
    mus, der bekämpft werden muss. Das ist gut, vernünftig
    und richtig. Was die Bekämpfung des Rechtsextremis-
    mus angeht, wurden unter der letzten Regierung und
    auch davor gute Programme entwickelt. Ich nenne bei-
    spielsweise „Vielfalt tut gut“, „Xenos“ und „Kompetent
    für Demokratie“. Das sind gute und wichtige Pro-
    gramme gewesen. Warum diese spezielle Form der Ex-
    tremismusbekämpfung – sie ist ausgerichtet auf die Be-
    kämpfung einer Variante des Extremismus – nun auf alle
    Varianten des Extremismus ausgedehnt werden soll,
    ohne dass die Mittel aufgestockt werden, ist mir nicht
    begreiflich. Man muss befürchten, dass die Mittel für die
    bestehenden Projekte gekürzt werden zugunsten anderer.
    Richtig wäre es, alle Projekte zu unterstützen. Das haben
    Sie versäumt.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)


    Es gibt in dem Koalitionsvertrag noch Punkte, bei de-
    nen man sich fragt, wie sie da hineingekommen sind und
    ob man nicht etwas länger hätte nachdenken können. Ich
    meine zum Beispiel den Vorschlag, die Pflicht zum Er-
    scheinen vor der Polizei neu zu regeln. Niemand braucht
    diese Neuregelung. Es gibt schwerwiegende verfas-
    sungsrechtliche Bedenken.


    (Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Allerdings!)

    Hätten Sie nicht etwas länger nachdenken können, bevor
    Sie diese wenigen Sätze in den Koalitionsvertrag hinein-
    geschrieben haben?


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Ein großes Thema der Innenpolitik – auch das haben
    Sie eben gesagt; damit bin ich sehr einverstanden – muss
    die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Migra-
    tion und Zuwanderung sein. Da liegen noch viele uner-
    ledigte Aufgaben vor uns. Deshalb müssen wir in diesem
    Bereich etwas zustande bringen, damit viele Migranten
    in unserem Lande ihre Potenziale und Fähigkeiten ent-
    falten können. Ich bin froh, dass es uns zumindest gelun-
    gen ist, eine Diskussion über die Frage zu beginnen, ob
    es über die Fachkräftezuwanderung hinaus, die wir ge-
    rade in der letzten Zeit ausgeweitet haben, noch eine zu-
    sätzliche Potenzialzuwanderung geben soll.


    (Beifall bei der SPD)


    Aber belassen Sie es in den nächsten Jahren nicht bei
    den verschämten Formulierungen. Es muss etwas Kon-
    kretes dabei herauskommen.


    (Beifall bei der SPD)


    Was wir dringend brauchen, um die vielen Menschen,
    die in diesem Lande ihre Talente entfalten wollen, zu
    stärken und zu unterstützen, ist ein Anerkennungsgesetz,
    mit dem es einen Rechtsanspruch darauf gibt, die Quali-
    fikationen, die man irgendwo auf der Welt erworben hat,
    auch in diesem Lande einsetzen zu können.


    (Beifall bei der SPD)


    Die Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch. Ich bin froh,
    dass die Vorschläge des sozialdemokratischen Arbeits-
    ministers der letzten Legislaturperiode nun im Koali-
    tionsvertrag ihren Widerhall gefunden haben. Denn
    anders als bisher geht es jetzt tatsächlich um ein Aner-
    kennungsgesetz mit einem Rechtsanspruch, um ein Bun-
    desgesetz. Das ist nämlich zulässig. All das, was darun-
    terbleibt, ist zu wenig. Wir werden Sie daran messen, ob
    Sie so gut sind, wie Sie es angekündigt haben.


    (Beifall bei der SPD)


    Es ist richtig, etwas beim Bleiberecht derjenigen zu
    tun, die jetzt, am 31.12., gerade wegen der Wirtschafts-
    krise nicht in der Lage sind, die Voraussetzung zu erfül-
    len, um ihren Aufenthaltsstatus zu sichern. Wir brauchen
    jetzt schnell eine Regelung. Machen Sie das, schieben
    Sie es nicht auf! Schade, dass wir nicht schon fertig sind.
    Denn alle Bemühungen der SPD-Fraktion und der so-
    zialdemokratischen Minister wurden von der Union auf
    die Zeit nach der Wahl verschoben. Jetzt ist nur noch
    kurze Zeit; aber es geht noch. Werden Sie noch vor dem
    Jahresende damit fertig!


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Ich bin froh, dass es endlich möglich ist, darüber zu
    diskutieren, dass wir ein Rückkehrrecht für diejenigen
    brauchen, die als Opfer von Zwangsheirat in eine
    schwierige Lage gekommen sind. Das war bisher nicht






    (A) (C)



    (B) (D)


    Olaf Scholz
    möglich. Wir werden Sie dabei unterstützen, wenn es et-
    was wird. Aber beschließen Sie bitte nicht nur eine
    Überschrift, sondern tatsächlich etwas, was die Lebens-
    lage der betroffenen Frauen verbessert!


    (Beifall bei der SPD)


    Wir brauchen eine Verbesserung der Situation derje-
    nigen, die illegal in diesem Lande leben. Wir brauchen
    sie nicht deswegen, weil wir die Illegalität für richtig
    halten, und nicht deswegen, weil es richtig ist, dass ille-
    gale Zuwanderung nach Deutschland stattfindet – da
    sind wir uns alle einig –, sondern deswegen, weil es
    nicht sein kann, dass jemand, der eine Schule besuchen
    soll, dadurch in eine schwierige Lage kommt und der
    Schulbesuch deshalb unterbleibt. Es ist richtig, dass hier
    die Übermittlungspflichten neu geregelt werden. Aber
    wir sollten dies nicht nur auf die Schule beschränken. Es
    geht zum Beispiel auch um die Besuche von Ärzten.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Meine Damen und Herren, wir müssen beim Staats-
    angehörigkeitsrecht etwas voranbringen. Wir müssen
    die Situation derjenigen verbessern, die in den letzten
    Jahren wegen der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts
    durch die rot-grüne Regierung zwei Staatsbürgerschaf-
    ten hatten. Diese Regelung hatte einen kleinen Haken,
    den wir wegen der damaligen Mehrheitsverhältnisse ak-
    zeptieren mussten, nämlich die Situation, dass man op-
    tieren muss.


    (Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So klein ist der gar nicht!)


    Diese Sache muss geändert werden.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Diese Optionsregelung muss endlich abgeschafft wer-
    den. Wir wollen, dass die jungen Leute, die deutsche
    Staatsbürger sind, ihre deutsche Staatsbürgerschaft ohne
    Wenn und Aber behalten können und nicht in eine
    schwierige Lage gebracht werden.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Alles zusammen: Es gibt viele Aufgaben, die wir in
    Angriff nehmen müssen. Ich finde, es wäre interessant
    gewesen, mehr zu tun als das, was im Koalitionsvertrag
    steht. Letztendlich ist nicht sehr viel Konkretes geregelt
    worden. Konkrete Aufgaben liegen aber vor uns.

    Schönen Dank.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)




Rede von Dr. Hermann Otto Solms
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)

Das Wort hat die Kollegin Gisela Piltz von der FDP-

Fraktion.


(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Gisela Piltz


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)


    Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!

    Herr Scholz, vielleicht liegt – Sie brauchen nicht mit mir
    zu reden; das können wir in den nächsten vier Jahren
    auch anders machen –


    (Olaf Scholz [SPD]: Ich rede auch nicht! Sie reden!)


    Ihre Aussage, dass Sie im Koalitionsvertrag keine klare
    Linie in der Innenpolitik gefunden haben, daran, dass
    Sie ein Neuling in der Innenpolitik sind. Ganz ehrlich
    – ich darf das Kompliment zurückgeben –, auch ich habe
    in Ihrer Rede keine klare Linie der SPD zur Innenpolitik
    erkennen können.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    Sie haben davon gesprochen, dass zum Beispiel bei
    der Polizei gekürzt worden ist. Dazu kann ich Ihnen nur
    eines sagen: Dort, wo die FDP in Deutschland mitre-
    giert, ist ganz im Gegenteil Geld investiert worden, sind
    neue Polizisten eingestellt worden. Schauen Sie in die
    von Ihnen regierten Länder. Beim nächsten Mal können
    wir gerne darüber reden.


    (Sebastian Edathy [SPD]: In Niedersachsen zum Beispiel? – Weitere Zurufe von der SPD)


    – Das stimmt natürlich. Die Verantwortung in den Län-
    dern ist gering. Aber dort, wo die FDP mitregiert, versu-
    chen wir, neue Polizisten einzustellen.


    (Zurufe von der SPD: Oh!)


    Das sollten Sie sich einmal anschauen.


    (Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir prüfen das!)


    Das, was Sie hier gemacht haben, ist einfach unredlich.


    (Beifall bei der FDP)


    Elf lange Jahre – das meine ich heute, am
    11. November, überhaupt nicht karnevalistisch; ich bin
    im Rheinland geboren – stand im Mittelpunkt der Innen-
    politik in diesem Hohen Hause vor allen Dingen eines:
    neue Befugnisse für die Behörden und das Sammeln
    von immer mehr Daten von Bürgerinnen und Bürgern.


    (Mechthild Dyckmans [FDP]: So ist es!)


    Abschaffung des Bankgeheimnisses, Einführung der
    Steuer-ID, Vorratsdatenspeicherung, Fluggastdatenüber-
    mittlung, Luftsicherheitsgesetz, Ausweitung der DNA-
    Speicherung – das alles, Herr Wieland, haben Sie mit zu
    verantworten. Das alles ist aus Ihrer Zeit.


    (Beifall bei der FDP – Hartfrid Wolff [RemsMurr] [FDP]: Rot-Grün!)


    In der letzten Legislaturperiode sind auch das BKA-Ge-
    setz mit heimlichen Onlinedurchsuchungen, das BSI-
    Gesetz, das Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz,
    Internetsperren und die Bundesabhörzentrale beschlos-
    sen worden. Das haben Sie, die Kolleginnen und Kolle-
    gen von SPD, Grünen und CDU schon eingeführt, alles
    ohne uns, gegen unsere Stimmen.






    (A) (C)



    (B) (D)


    Gisela Piltz
    Das alles und noch viel mehr ist das Erbe, das wir
    vorgefunden haben. Nun könnte man jetzt natürlich sa-
    gen, dass man ein Erbe ausschlagen könne, wenn es
    überschuldet ist. Genau diese Überschuldung zulasten
    der Bürgerrechte ist in den letzten Jahren erfolgt.


    (Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie hätten ja einen Schuldenabbau machen können! Abbau von Maßnahmen! Einfach wegnehmen! So versprochen in Ihrem Wahlprogramm!)


    Aber wir sehen es als unsere Pflicht an, nicht nur zu tö-
    nen, sondern auch den Auftrag unserer Wählerinnen und
    Wähler anzunehmen und dieses Erbe anzutreten.