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ID1600500100

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    1. \n: 1
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 16/5 Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) . . . . . . . 200 A Antrag der Abgeordneten Cornelia Behm, Dr. Thea Dückert, Ulrike Höfken, weiterer Abge- ordneter und der Fraktion des BÜNDNIS- SES 90/DIE GRÜNEN: Hongkong als Zwi- schenschritt einer fairen und entwicklungs- orientierten Welthandelsrunde (Drucksache 16/86) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rainer Brüderle (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ludwig Stiegler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Oskar Lafontaine (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Dr. Thea Dückert (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Reinhard Loske (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ulrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marie-Luise Dött (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ina Lenke (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nicolette Kressl (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jörn Wunderlich (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Johannes Singhammer (CDU/CSU) . . . . . . . Sibylle Laurischk (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . 173 D 174 A 177 C 180 B 182 C 185 A 201 C 203 D 205 C 207 C 209 C 210 C 212 A 213 A 214 C 215 D Deutscher B Stenografisch 5. Sitzu Berlin, Donnerstag, den I n h a l Glückwünsche zum Geburtstag des Abgeord- neten Dr. Heinz Riesenhuber und der Abge- ordneten Dr. Petra Sitte . . . . . . . . . . . . . . . . . Begrüßung des neuen Abgeordneten Hermann Josef Scharf . . . . . . . . . . . . . . . . . Abwicklung der Tagesordnung . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 1: Fortsetzung der Aussprache zur Regierungs- erklärung der Bundeskanzlerin . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 2: A T ( A D b b ( S M K 173 A 173 B 173 C 173 D Laurenz Meyer (Hamm) (CDU/CSU) . . . . . . Dr. Rainer Wend (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 B 189 A undestag er Bericht ng 1. Dezember 2005 t : Dirk Niebel (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nnette Faße (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . agesordnungspunkt 4 in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1): ntrag der Fraktion des BÜNDNISSES 90/ IE GRÜNEN: Den Klimawandel wirksam ekämpfen – Deutschland muss Vorreiter leiben Drucksache 16/59) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . igmar Gabriel, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit . . . . . . ichael Kauch (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . atherina Reiche (Potsdam) (CDU/CSU) . . . 190 D 191 B 192 C 192 C 196 A 198 A Christel Humme (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Diana Golze (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . . 216 D 218 C II Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 Tagesordnungspunkt 5 (in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1): a) Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschrän- kung der Verlustverrechnung im Zu- sammenhang mit Steuerstundungsmo- dellen (Drucksache 16/107) . . . . . . . . . . . . . . . . . b) Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Abschaf- fung der Eigenheimzulage (Drucksache 16/108) . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 3: Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und der SPD eingebrachten Ent- wurfs eines Gesetzes zum Einstieg in ein steuerliches Sofortprogramm (Drucksache 16/105) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 4: Antrag der Abgeordneten Oskar Lafontaine, Dr. Barbara Höll, Dr. Axel Troost und der Fraktion der LINKEN: Hedgefondszulas- sung zurücknehmen (Drucksache 16/113) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Peer Steinbrück, Bundesminister der Finanzen Dr. Hermann Otto Solms (FDP) . . . . . . . . . . . Dr. Michael Meister (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Barbara Höll (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . Christine Scheel (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Joachim Poß (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Hermann Otto Solms (FDP) . . . . . . . . Dr. Axel Troost (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . Steffen Kampeter (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Anja Hajduk (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bartholomäus Kalb (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung . . . . . . . . . . . . . . . Cornelia Pieper (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jörg Tauss (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Petra Sitte (DIE LINKE) . . . . . . . . . . . . . K R I D T ( a b U D W D B E H A Z ( A D F c ( H H W D U U 219 B 219 C 219 C 219 D 219 D 224 C 227 B 230 B 231 C 233 B 234 B 236 A 237 A 238 D 240 A 241 D 243 D 245 D 247 B rista Sager (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ené Röspel (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . lse Aigner (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Ernst Dieter Rossmann (SPD) . . . . . . . . . agesordnungspunkt 6 in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1): ) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über den Ausgleich von Arbeitgeber- aufwendungen und zur Änderung wei- terer Gesetze (Drucksache 16/39) . . . . . . . . . . . . . . . . . ) Erste Beratung des vom Bundesrat einge- brachten Entwurfs eines Gesetzes über den Arbeitgeberausgleich bei Fortzah- lung des Arbeitsentgelts im Fall von Krankheit und Mutterschaft (Lohnfort- zahlungsausgleichsgesetz) (Drucksache 16/46) . . . . . . . . . . . . . . . . . lla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . aniel Bahr (Münster) (FDP) . . . . . . . . . . . . olfgang Zöller (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . r. Martina Bunge (DIE LINKE) . . . . . . . . . irgitt Bender (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . lke Ferner (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Bahr (Münster) (FDP) . . . . . . . . . einz Lanfermann (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . nnette Widmann-Mauz (CDU/CSU) . . . . . . usatztagesordnungspunkt 7 in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1): ntrag der Fraktion des BÜNDNISSES 90/ IE GRÜNEN: Konsequenzen aus den leischskandalen: Umfassende Verbrau- herinformation und bessere Kontrollen Drucksache 16/111) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . orst Seehofer, Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz . . . ans-Michael Goldmann (FDP) . . . . . . . . . . altraud Wolff (Wolmirstedt) (SPD) . . . . . . r. Kirsten Tackmann (DIE LINKE) . . . . . . . lrike Höfken (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . lrich Kelber (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 D 250 C 251 D 253 C 255 B 255 B 255 C 257 C 258 D 260 C 262 A 263 A 263 D 264 D 266 A 268 A 268 A 270 B 271 B 272 D 274 B 275 D Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 III Peter Bleser (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) . . . . . . . . Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD) . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 7 (in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1): Erste Beratung des vom Bundesrat einge- brachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ände- rung des Verkehrswegeplanungsbeschleu- nigungsgesetzes (Drucksache 16/45) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Tiefensee, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung . . . . . . Horst Friedrich (Bayreuth) (FDP) . . . . . . . . . Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof) (CDU/CSU) Dorothee Menzner (DIE LINKE) . . . . . . . . . . Winfried Hermann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dirk Fischer (Hamburg) (CDU/CSU) . . . . . . Stephan Hilsberg (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . tion des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN: Abrissmoratorium für den Palast der Re- publik (Drucksache 16/60) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 6: Antrag der Abgeordneten Petra Pau, Dr. Gesine Lötzsch, Dr. Hakki Keskin, weite- rer Abgeordneter und der Fraktion der LINKEN: Abriss des Palastes der Republik stoppen (Drucksache 16/98) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bernd Neumann, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hans-Joachim Otto (Frankfurt) (FDP) . . . . . . Monika Griefahn (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Lukrezia Jochimsen (DIE LINKE) . . . . . Grietje Bettin (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wolfgang Börnsen (Bönstrup) (CDU/CSU) 276 D 278 D 279 D 281 B 281 C 284 A 285 D 287 C 288 D 290 D 292 A 295 A 295 A 295 B 296 D 298 B 300 C 301 D 303 A Arnold Vaatz (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Zusatztagesordnungspunkt 5 (in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 1): Antrag der Abgeordneten Hans-Christian Ströbele, Anna Lührmann, Volker Beck (Köln), weiterer Abgeordneter und der Frak- S N A L 294 A iegmund Ehrmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . ächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nlage iste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 304 D 306 C 307 A Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 173 (A) ) (B) ) 5. Sitzu Berlin, Donnerstag, den Beginn: 9.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 307 (A) (C) (B) (D) Anlage zum Stenografischen Bericht Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bollen, Clemens SPD 01.12.2005 Ernstberger, Petra SPD 01.12.2005 Dr. Fuchs, Michael CDU/CSU 01.12.2005 Kipping, Katja DIE LINKE 01.12.2005 Kossendey, Thomas CDU/CSU 01.12.2005 Nachtwei, Winfried BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 01.12.2005 Dr. Schäuble, Wolfgang CDU/CSU 01.12.2005 Schily, Otto SPD 01.12.2005 Schmidt (Nürnberg), Renate SPD 01.12.2005 * für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung des Europarates Wächter, Gerhard CDU/CSU 01.12.2005 Dr. Wodarg, Wolfgang SPD 01.12.2005* 5. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Norbert Lammert


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)


    Die Sitzung ist eröffnet.


    (Ludwig Stiegler [SPD]: Guten Morgen, Herr Präsident!)


    Einen wunderschönen guten Morgen!

    Ich habe gleich zu Beginn eine besonders erfreuliche
    Mitteilung zu machen. Der Kollege Dr. Heinz
    Riesenhuber feiert heute seinen 70. Geburtstag.


    (Beifall)


    Er ist nicht nur einer der mit weitem Abstand dienstältes-
    ten, sondern darüber hinaus auch einer der nettesten und
    beliebtesten Kollegen im Hause.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD, der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Diese Kombination ist schon aus statistischen Gründen
    besonders selten. Deswegen möchte ich ihm zu diesem
    besonderen Anlass meine persönlichen Glückwünsche
    und gleichzeitig die Gratulation des ganzen Hauses aus-
    sprechen.

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    Redet
    Bevor wir in die Tagesordnung eintreten – – Die Ver-
    waltung ist Gott sei Dank schnell genug, um übersehene
    Ereignisse rechtzeitig nachzuholen. Ich werde nämlich
    gerade darauf aufmerksam gemacht, dass die Kollegin
    Petra Sitte ihren 65. Geburtstag feiert.


    (Beifall – Zurufe)


    – Entschuldigung, es ist der 45. Geburtstag.


    (Heiterkeit)


    Frau Kollegin Sitte, wir werden ein geeignetes Verfahren
    finden, um diesen Fauxpas wieder auszugleichen, zumal
    dafür Wahlgänge nicht erforderlich sind.

    Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, b
    den Kollegen Hermann Josef Scharf sehr he
    gestern für den ausgeschiedenen Kollegen Pe

    (C (D ng 1. Dezember 2005 0 Uhr ie Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erworben at. Ich möchte noch auf eine Änderung des zeitlichen blaufs der heutigen Tagesordnung aufmerksam ma hen. Interfraktionell ist vereinbart, den Themenbereich ultur mit den Themenbereichen Ernährung, Landwirt chaft und Verbraucherschutz zu tauschen, (Ute Kumpf [SPD]: Verbinden! – Volker Kauder [CDU/CSU]: Esskultur!)


    (Beifall)


    emäß der berühmten brechtschen Parole: „Erst kommt
    as … “ – Sie wissen schon – „und dann die Moral.“ –
    ch sehe, Sie sind mit dieser Vereinbarung einverstan-
    en. Dann verfahren wir so.

    Wir setzen die Aussprache zur Regierungserklärung
    er Bundeskanzlerin fort und ich rufe daher Tagesord-
    ungspunkt 1 auf:

    Regierungserklärung der Bundeskanzlerin
    mit anschließender Aussprache

    Ich erinnere daran, dass wir gestern für die heutige
    ussprache zehn Stunden vereinbart haben. Wir begin-
    en heute mit dem Bereich Wirtschaft.

    ext
    Außerdem rufe ich den Zusatzpunkt 2 auf:

    Beratung des Antrags der Abgeordneten Cornelia
    Behm, Dr. Thea Dückert, Ulrike Höfken, weiterer
    Abgeordneter und der Fraktion des BÜNDNIS-
    SES 90/DIE GRÜNEN

    Hongkong als Zwischenschritt einer fairen
    und entwicklungsorientierten Welthandels-
    runde
    – Drucksache 16/86 –
    Überweisungsvorschlag:
    Ausschuss für Wirtschaft und Technologie (f)

    Auswärtiger Ausschuss

    für Ernährung, Landwirtschaft und
    erschutz
    für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
    für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
    ng
    egrüße ich
    rzlich, der
    ter Müller

    Ausschuss
    Verbrauch
    Ausschuss
    Ausschuss
    Entwicklu

    174 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005


    (A) )



    (B) )


    Präsident Dr. Norbert Lammert
    Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort zu-
    nächst dem Bundesminister für Wirtschaft und Techno-
    logie, Michael Glos.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und
    Technologie:

    Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
    Herren! Das Ziel der Bundesregierung für diese Legisla-
    turperiode ist eindeutig: Wir wollen, dass wieder mehr
    Menschen Arbeit in Deutschland haben. Dazu brauchen
    wir wirtschaftliches Wachstum. Um wirtschaftliches
    Wachstum zu erzeugen, brauchen wir geeignete Rah-
    menbedingungen und vor allen Dingen wieder mehr Zu-
    versicht bei den Menschen. Nur Wachstum, das über die
    Beschäftigungsschwelle hinausgeht – wir hoffen, dass
    die Beschäftigungsschwelle durch die Maßnahmen, die
    die Bundesregierung insgesamt trifft, auf 1 Prozent ge-
    senkt wird –, bringt neue Arbeitsplätze.

    Wir müssen also dem Trend sinkender Wachstums-
    raten entgegentreten. Mit einem durchschnittlichen
    Wachstum von 1 Prozent in den vergangenen fünf Jahren
    sind wir nur halb so schnell gewachsen wie der OECD-
    Durchschnitt. Unser Ziel ist es, das aufzuholen.

    Das reicht natürlich nicht, um den Arbeitsmarkt ins-
    gesamt wieder flottzumachen. Wir müssen darüber hi-
    naus Maßnahmen ergreifen. Diese werden wir auch im
    Laufe der Legislaturperiode nacheinander angehen.
    Nicht nur das, was im Koalitionsvertrag steht, wird ge-
    macht. Ich hoffe vielmehr, dass das gute Klima, das sich
    zwischen den großen politischen Kräften entwickelt hat,
    dazu beiträgt, dass man mehr machen kann, und zwar
    insbesondere dort, wo es kein Geld kostet.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Die größte Hypothek, gegen die wir ankämpfen müs-
    sen, ist die Tatsache, dass es bei uns im Land Zukunfts-
    pessimismus gibt. Diesen Zukunftspessimismus müssen
    wir überwinden. Es geht auch darum, die öffentlichen
    Haushalte zu sanieren. Denn wenn wir der jungen Gene-
    ration immer mehr Schulden hinterlassen, dann schafft
    das nicht Optimismus, sondern Pessimismus.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Ich bin, wie selten ein Wirtschaftsminister zu Beginn
    seiner Amtszeit, in der glücklichen Lage, dass ich heute
    sagen kann: Wenn das stimmt, was mir auf den Tisch ge-
    weht worden ist, dann haben wir das erste Mal seit zehn
    Jahren einen November, der eine steigende Erwerbstä-
    tigkeit und keine Zunahme der Arbeitslosigkeit mit sich
    gebracht hat.


    (Dr. Thea Dückert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Na so was! Da haben Sie aber schnell gearbeitet!)


    – Natürlich arbeiten wir schnell, gnädige Frau.


    (Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)


    Es hilft nichts; das müssen wir auch.

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    (C (D Jetzt könnte ich zwar sagen: Dieses Ergebnis lag an em günstigen Wetter im November, in dem es sonst oft chon kalt ist. Aber ich erinnere mich an die Zeit nach er ersten Wahl der rot-grünen Koalition, als der Buneskanzler sagte, der Aufschwung, der ein Vierteljahr orher eingesetzt hatte, sei sein Aufschwung. Jetzt haben ir eine breite Regierungsmehrheit. Seitdem gibt es im and auch einen Aufschwung. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Wir müssen insgesamt eine verlässliche Politik ge-
    talten. Nur mit einer verlässlichen Politik, mit immer
    ieder konkreten Schritten lässt sich unser Land sanie-

    en und reformieren. Dann wird auch wieder investiert.
    as hat gestern auch Frau Bundeskanzlerin Merkel in ih-

    er Regierungserklärung dargelegt.

    Wir brauchen wieder eine solide finanzielle Basis.
    ir müssen die öffentliche Neuverschuldung 2007

    nter die 3-Prozent-Grenze des Maastricht-Vertrages
    rücken. Das wirkt natürlich darauf, welches Vertrauen
    nserem Land entgegengebracht wird und wie sich zum
    eispiel die Zinsen bzw. das Rating deutscher Anleihen
    ntwickeln. Auch das ist ungeheuer wichtig für unsere
    ukunft.

    Sanieren allein reicht zur Stärkung der Wachstums-
    räfte nicht aus. Wir brauchen auch Reformen der sozia-
    en Sicherungssysteme. Wir müssen also weiter an der
    lexibilisierung und Verbesserung der wirtschaftlichen
    ahmenbedingungen arbeiten und dabei verstärkt Maß-
    ahmen ergreifen, die keine zusätzlichen Haushaltsmit-
    el binden, sondern da reformieren, wo es nichts kostet.

    Schließlich brauchen wir wieder mehr Investitionen.
    ur so werden wir es schaffen, die internationale Wett-
    ewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft zu stärken. Um die
    achstumsschwäche zu überwinden bzw. die Wachs-

    umskräfte zu stärken, haben wir uns auf ein 25-Milliar-
    en-Euro-Investitionspaket für die neue Legislatur-
    eriode verständigt. Ich hoffe, dass es zu den privaten
    nvestitionen, die wir wieder anregen wollen, hinzu-
    ommt und dass wir damit insgesamt einen Aufschwung
    rreichen.

    Schon ein halbes Prozent mehr Wachstum würde zu
    öheren Steuereinnahmen von 2,5 Milliarden Euro und
    u Mehreinnahmen von 2,3 Milliarden Euro jährlich bei
    en Sozialversicherungssystemen führen. Hier zeigt sich
    lso der Zusammenhang von Wachstum und öffentlichen
    innahmen.

    Wir müssen schauen, dass die Investitionen ansprin-
    en. Deswegen enthält die Koalitionsvereinbarung steu-
    rpolitische Anreizmaßnahmen wie zum Beispiel die
    nhebung der degressiven Abschreibung von derzeit
    0 auf 30 Prozent. Das Ganze wird dann zum 1. Januar
    008 von einer Unternehmensteuerreform abgelöst, die
    ie Rahmenbedingungen für investierende Unternehmen
    nsgesamt verbessern soll.

    Wir werden die Verkehrsinvestitionen in dieser Le-
    islaturperiode um 4,3 Milliarden Euro erhöhen und ver-
    tetigen. Damit verbessern wir nicht nur die Leistungsfä-

    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 175


    (A) )



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    Bundesminister Michael Glos
    higkeit unserer Verkehrssysteme, sondern stärken auch
    die Nachfrage und sichern Arbeitsplätze in der Bauwirt-
    schaft, die sich ungeheuer schwer tut.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)


    Insgesamt erreichen wir eine Senkung der Lohnzu-
    satzkosten um 1 Prozentpunkt. Ich glaube, das ist ein
    wichtiger und richtiger Schritt.

    Natürlich wollen wir die mittelständischen Unter-
    nehmen ins Zentrum unserer Wirtschaftspolitik rücken.
    Deshalb starten wir eine breite Mittelstandsoffensive, die
    sich, wie ich meine, sehen lassen kann.

    Wir werden durch eine Änderung des Erbschaft-
    steuer- und Schenkungsteuerrechts die Unterneh-
    mensnachfolge erleichtern. Für jedes Jahr der Unterneh-
    mensfortführung soll die Erbschaftsteuerschuld für das
    übertragene Unternehmen reduziert werden. Wenn das
    Unternehmen mindestens zehn Jahre fortgeführt wird,
    entfällt die Steuer ganz. Ich halte das für ungeheuer
    wichtig, um einem Konzentrationsprozess entgegenzu-
    wirken. Es macht keinen Sinn, wenn wir mittelständi-
    sche Firmen, die oft hoch innovativ sind, bzw. deren An-
    teilseigner aufgrund der Schmälerung der Kapitalbasis
    durch die Erbschaftsteuer zum Verkauf zwingen. Die
    großen, international tätigen Konzerne oder Fonds, die
    diese Firmen dann kaufen, tun dies oft nur wegen der
    Marktzugangskanäle und des Know-hows. Die Arbeits-
    plätze landen aber letztlich anderswo. Deswegen ist der
    Mittelstand immer noch der beste Garant für möglichst
    viel Beschäftigung im Inland.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)


    Um auch etwas für die kleineren Unternehmen zu tun,
    werden wir im Rahmen einer Sofortmaßnahme die
    Umsatzgrenze für die Istbesteuerung in den alten
    Bundesländern von 125 000 Euro auf 250 000 Euro jähr-
    lich anheben. In den neuen Bundesländern werden wir
    die entsprechende Regelung über das Jahr 2006 hinaus
    verlängern.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Wir wollen vor allen Dingen investitionshemmende
    Kapitalengpässe aus dem Weg räumen, indem wir das
    Angebot an Beteiligungskapital für den breiten Mittel-
    stand weiter ausbauen. Wir haben gestern Abend im Mit-
    telstandsrat der Kreditanstalt für Wiederaufbau intensiv
    darüber diskutiert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau
    wird entsprechende Programme dafür anbieten.

    Ich meine auch, dass es ein wichtiger Schritt ist, Auf-
    wendungen für Erhaltungs- und Modernisierungsmaß-
    nahmen im Privathaushalt bei der Einkommensteuer
    künftig begrenzt absetzbar zu machen. Wir hoffen, dass
    dies zu Beschäftigung insbesondere im Handwerk und
    bei den haushaltsnahen Dienstleistungen führt.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


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    (C (D Ein Punkt, den wir in dieser Legislaturperiode vertärkt angehen müssen – das taucht immer wieder auf ie das Ungeheuer von Loch Ness; trotzdem muss man tetig dagegen anarbeiten –, ist der Abbau der Büroratie. Wenn kleine Unternehmen zwischen 4 und Prozent ihres Umsatzes für Bürokratie ausgeben müs en und dieses Geld dann nicht für Investitionen oder als ewinn zur Verfügung steht, dann läuft da etwas falsch. eswegen müssen die Entbürokratisierungsmaßnahmen erstärkt werden. ir müssen die wachsende Überregulierung bekämpfen. azu jetzt Einzelheiten auszuführen würde zu weit füh en. Ich freue mich, dass dieser Bereich direkt beim Buneskanzleramt angesiedelt sein wird, um entsprechend ruck auf alle Ressorts ausüben zu können. Das Wirt chaftsministerium wird seinen Teil dazu beitragen. Wir wollen ein einfacheres und moderneres Vergabeecht. Dabei werden wir insbesondere auf die mitteltandsgerechte Ausgestaltung achten, zum Beispiel auf ie Aufteilung der Lose, um die Mittelständler nicht zu nterauftragnehmern großer Konzerne zu machen, die en Rahm bereits abgeschöpft haben. Wir werden, wie es neudeutsch so schön heißt, Onetop-Anlaufstellen schaffen, bayerisch ist es nicht; aber in Bayern können wir zum eil auch Englisch –, damit Existenzgründer nicht länger urch den Behördendschungel entmutigt werden, bevor ie überhaupt ihre Geschäftsideen verwirklichen können. Wir wollen vor allen Dingen auch, dass die Jugendlihen wieder mehr Chancen bekommen. Deswegen weren wir den Ausbildungspakt, den mein Vorgänger, Miister Clement, angeregt hat, weiter ausbauen und erstärken. Denn es gibt nichts Schlimmeres, als in der ugend, am Beginn des Erwerbslebens, arbeitslos zu ein. or allen Dingen wollen wir natürlich vermeiden, dass ann ansonsten staatliche Maßnahmen einsetzen. Das ostet wieder nur Geld, verursacht Bürokratie und bringt m Prinzip keinen weiteren Ausbildungsplatz. Kreativität und Innovation, das sind zentrale Stichorte für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Deshalb erden wir den Anteil der Ausgaben für Forschung und ntwicklung bis 2010 in kontinuierlichen Schritten auf indestens 3 Prozent des Bruttosozialproduktes anhe en. Bisher sind wir bei zweieinhalb Prozent. Auch das st eine gewaltige Anstrengung in Zeiten, in denen die ffentlichen Mittel sehr knapp sind. Ich glaube, das ist anz wichtig. Ein erster Aufgabenbereich, bei dem dies zur Anwenung gebracht werden soll, kommt schon am Wochennde auf mich zu – Frau Bulmahn hat das Ganze noch in ie Wege geleitet; inzwischen liegt die Raumfahrt in der uständigkeit des Wirtschaftministers –: Es ist die ESA 176 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 Bundesminister Michael Glos Konferenz. Für die, die es nicht wissen: Das heißt European Space Agency. – Schauen Sie, wir Bayern können Englisch. (Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    (Ute Kumpf [SPD]: Das ist bayerisch!)


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    (A) )


    (B) )


    (Ute Kumpf [SPD]: Danke!)


    Außerdem bin ich Franke.

    Das ist ein Beispiel für die Verpflichtungen, die zu er-
    füllen sind. Dies umfasst vielleicht ein paar kleine neue
    Beteiligungen an Hochtechnologieprogrammen, die wir
    als Europäer nicht nur den Amerikanern oder Chinesen
    überlassen dürfen. Dass es überhaupt wieder möglich
    wird, etwas zu zeichnen, hängt damit zusammen, dass
    wir natürlich die Erhöhung der Forschungsmittel einpla-
    nen, die dann nicht nur dem Forschungsministerium,
    sondern auch dem Wirtschaftsministerium zugute kom-
    men.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Es geht nicht um Ressortegoismus, sondern es geht da-
    rum, unser Land insgesamt weiterzubringen.

    Wir brauchen auch Leuchtturmprojekte, die die in-
    ternationale Wettbewerbsfähigkeit des Technologie-
    standortes –


    (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bayern!)


    – Herr Kuhn, ich nehme Ihren Zwischenruf gleich auf –
    Deutschland und damit auch Bayern stärken. Ich freue
    mich, dass Herr Kuhn immer wieder auf Bayern hin-
    weist. Er hat Angst, ich würde es vergessen. Aber ich bin
    deutscher Wirtschaftsminister und habe mich natürlich
    in allererster Linie um die deutsche Wirtschaft zu küm-
    mern. Die Bayern sind so tüchtig, dass sie das immer
    schon selber getan haben.


    (Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Ich sprach über Leuchtturmprojekte. Damit habe ich
    nicht nur den bayerischen Wirtschaftsminister gemeint,
    sondern den Bau einer Referenzstrecke des Transrapid.
    Die Bayern sollen nicht alle nach China fliegen müssen,
    um ein Stück im Transrapid zu fahren, so wie ich das in
    Schanghai einmal getan habe.

    Wir wollen die Brennstoffzellentechnologie weiter-
    entwickeln und wir wollen vor allen Dingen auch die
    Entwicklung von konventionellen, hocheffizienten
    Kraftwerken mit dem Ziel der Nullemission vorantrei-
    ben. Ich glaube, das ist gerade in einem Land, in dem
    sehr viele Kohle verstromt wird, sehr wichtig.

    Wir werden insbesondere in den Bereichen Bio- und
    Gentechnik, Informations- und Kommunikationstechno-
    logie, Chemie, Medizin und Pharmazie sowie Energie
    und Verkehr die Rahmenbedingungen innovations-
    freundlicher gestalten. Es muss Schluss damit sein, dass
    durch Technikfeindlichkeit Forschung und Arbeitsplätze
    aus Deutschland in Konkurrenzländer vertrieben wer-
    den.

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    (C (D (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)


    Wir wissen auch, dass junge und besonders innovative
    echnologieunternehmen oft nicht über die ausreichen-
    en Sicherheiten verfügen, um ihre Ziele zu verwirkli-
    hen. Deswegen müssen wir Anreize für Risikokapital
    chaffen, um dies zu unterstützen. In der Koalitionsver-
    inbarung steht, dass wir diese verbessern werden. Daran
    ird rasch gearbeitet. Auch die Kreditanstalt für Wieder-

    ufbau hat zugesagt, sich hier einzubringen.

    Lassen Sie mich noch ein Wort zur Energiepolitik sa-
    en. Die jüngste Entwicklung auf den Energiemärk-
    en hat uns drastisch vor Augen geführt, wie eng die
    erbindung zwischen Energie und Wachstum ist. Wir
    issen auch, dass hohe Energiepreise die realen Ein-
    ommen reduzieren, dass sie die Möglichkeiten für an-
    ere Ausgaben einschränken und dass sie vor allen Din-
    en ein Produktionskostenfaktor für die Wirtschaft sind.
    uch die Energiepolitik muss sich insbesondere diesem
    achstumsziel, das wir erreichen wollen, anpassen. Wir

    etzen große Hoffnungen in die neu erfolgte Regulierung
    es Strom- und Gasmarktes, um auf die Netzentgelte
    nd damit auch auf die Preise Druck zu ermöglichen.

    Ich werde in der kommenden Woche nach Russland
    eisen, um beim ersten Spatenstich für die neue Erdgas-
    ipeline dabei zu sein, die gebaut werden muss, weil wir
    nsere Rohstoffversorgung auch langfristig sichern müs-
    en. Das Erdgas aus Russland gehört ganz sicher dazu.
    nsofern gibt es auch ein Stück Kontinuität in der Politik
    it Russland.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)


    um Beispiel habe ich meinen russischen Kollegen Gref
    uch schon in Hamburg getroffen, wo sich EADS be-
    üht, auch Russland in die Airbus-Kooperation einzu-

    eziehen.

    Ich bin besonders dankbar, dass ich jetzt wieder für
    ie Luft- und Raumfahrt und somit auch für Airbus zu-
    tändig bin. Denn am Beginn meiner parlamentarischen
    aufbahn stand die Berichterstattung für das Wirt-
    chaftsministerium im Haushaltsausschuss und die
    urchsetzung der Entscheidung für die ersten Airbusse.
    ann einmal ein solches Flugzeug, einen Airbus wie den
    380, zu sehen und zu erleben, das war für mich schon

    in bewegender Augenblick, wenn ich das einmal sagen
    arf.


    (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha!)


    ir müssen bei solchen Projekten vorne mit dabei sein;
    ft haben sie ja erst nach Jahren oder Jahrzehnten zur
    olge, dass in Deutschland neue Arbeitsplätze entstehen.

    Vor allen Dingen wollen wir auch unsere Außenwirt-
    chaftspolitik vorantreiben, mit den Zielen der Schaf-
    ung weltweit offener Märkte und der Herstellung von
    hancengleichheit für deutsche Unternehmen im inter-
    ationalen Wettbewerb. Das dient auch dem Ziel, den
    ntwicklungsländern weiterhin zu helfen. Deswegen
    offe ich, dass auf der WTO-Konferenz in Hongkong

    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 177


    (A) )



    (B) )


    Bundesminister Michael Glos
    entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Dafür
    werde ich mich gemeinsam mit vielen Kolleginnen und
    Kollegen einsetzen, auch wenn ich persönlich leider
    nicht so lange dort bleiben kann.

    Natürlich ist es auch sehr wichtig, dass wir die Ex-
    portkreditgarantien für deutsche Lieferungen und die
    Garantien für deutsche Investitionen im Ausland dort
    weiterführen, wo sie – dadurch, dass wir Kunden gewin-
    nen – bei uns für Beschäftigung sorgen.

    In Europa gibt es ungeheuer viel zu tun. Es ginge zu
    weit, jetzt über die Dienstleistungsrichtlinie zu diskutie-
    ren. Dieses Thema haben wir im Koalitionsvertrag nie-
    dergelegt; es wird noch sehr intensive Arbeit erfordern.
    Allerdings denke ich, dass wir bei der Zusammenarbeit
    zwischen dem Wirtschaftsministerium und dem Um-
    weltministerium – hierfür bedanke ich mich beim Kolle-
    gen Gabriel – auf erste Erfolge verweisen können.

    Ich glaube, dass wir im Zusammenhang mit der Che-
    mikalienrichtlinie REACH, nachdem sich an einem Tag
    der Wirtschaftsminister und am nächsten Tag der Um-
    weltminister darum gekümmert haben, auf einem sehr
    guten Weg sind, um eine Lösung zu finden, die sowohl
    dem berechtigten Interesse an Verbraucherschutz als
    auch der Wettbewerbsfähigkeit unserer Chemieunter-
    nehmen dient. Auch hier wird es, wenn die britische Prä-
    sidentschaft dieses Vorhaben noch vorantreibt, bald zu
    einem guten Abschluss kommen.

    Zum Schluss möchte ich Folgendes sagen: Wir müs-
    sen die Eigeninitiative stärken und den Ordnungsrah-
    men, der unsere Wirtschaftspolitik in Sachen soziale
    Marktwirtschaft von Beginn an getragen hat, wieder aus-
    bauen, damit in viele Vorhaben, die anstehen, Ordnungs-
    politik hineingetragen wird. Dazu möchte ich gerne bei-
    tragen.

    Ganz zum Schluss möchte ich darum bitten – dazu
    fordere ich auch die Verbände der Wirtschaft und die
    Manager auf –, unser Land nicht nur schlecht zu reden
    und so zu tun, als stünden immer Tarifverhandlungen an.


    (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wissen, wovon Sie reden, Herr Glos! Sie sind ja Spezialist für das Schlechtreden!)


    Je schlimmer man eine Lage darstellt, desto besser – so
    wird es erwartet – soll letztlich der Abschluss sein, je
    nachdem, für welche Seite.


    (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass Sie da nicht rot werden!)


    Abschließend möchte ich – das wird mir noch gestat-
    tet sein – den Bundespräsidenten zitieren. Ich habe ges-
    tern eine Agenturmeldung gelesen, nach der er unter an-
    derem gesagt hat, das Motto der Koalitionsvereinbarung
    „Gemeinsam für Deutschland – mit Mut und Mensch-
    lichkeit“ solle alle angehen. Er hat vor allen Dingen da-
    rauf hingewiesen, dass er von den Wirtschaftsführern
    das notwendige Einfühlungsvermögen erwarte, wo der
    verdiente Lohn des Tüchtigen ende und wo die pure Gier
    beginne, und hat gesagt, das solle man sich – man darf
    den Bundespräsidenten ja zitieren; ich hätte mich das gar

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    (C (D icht so zu sagen getraut – auch einmal hinter die Ohren chreiben. Wenn wir alle wieder zusammenhalten – und mit alle“ meine ich die Großen und die Kleinen, die Starken or allen Dingen, aber auch die Schwächeren –, damit nser Land insgesamt wieder weitergebracht wird, dann ird diese Koalition Erfolg haben. Danke schön. Ich erteile das Wort dem Kollegen Rainer Brüderle, DP-Fraktion. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zunächst öchte ich Ihnen, Herr Minister Glos, zu Ihrer Ernenung zum Bundeswirtschaftsminister gratulieren und im nteresse des Landes alles Gute und viel Erfolg wünchen. Ich schätze Sie persönlich sehr. Aber Koalitionsertrag, Regierungserklärung und Ihre Ausführungen erordern klare Worte der Opposition. Zunächst einmal zu den Arbeitsmarktzahlen. Die ahl der Arbeitslosen ist gegenüber dem Vormonat um 5 000 gesunken, gegenüber dem Vorjahr aber um 74 000 gestiegen. Hier hat sich eine Tradition fortgeetzt; die Sozialdemokratisierung geht weiter: Die Statisik wurde geändert und fünf Tage vorgezogen, sodass as schlechte Wetter nicht berücksichtigt wird. Von Entpannung oder Tendenzwende kann also keine Rede ein. Im Übrigen kann ich Ihnen sagen, dass das Wachstum m dritten Quartal ein Stück besser war. Das war die Peiode, wo wir faktisch keine Regierung hatten. araus resultiert der Hinweis: Halten Sie sich raus aus er Wirtschaft, geben Sie der Wirtschaft eine Chance, ich entfalten zu können! Es stellt sich die Frage: Wo ist das wirtschaftspolitiche Leitmotiv dieser Regierung? Es ist weit und breit ichts zu sehen; es muss ja mehr sein als die Konkurserwaltung von Rot-Grün. Rot-Grün hat bewiesen, dass ie es nicht können. Will es die CDU jetzt ebenfalls beeisen? (Fritz Kuhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie kann es besser als die FDP!)


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


    (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)


Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

(Beifall bei der FDP)

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Rainer Brüderle


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)


    (Beifall bei der FDP)


    (Heiterkeit und Beifall bei der FDP)


    (Beifall bei der FDP)


    Die Regierung bekennt sich in ihrem Koalitionsver-
    rag dazu, die Fundamente der sozialen Marktwirtschaft
    u stärken. Das ist lobenswert; nur so kommen wir zu
    ehr Wachstum und Beschäftigung. Doch die Vorstel-

    ungen, die die Regierung äußert, zeigen deutlich: Diese

    178 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005


    (A) )



    (B) )


    Rainer Brüderle
    Absichtserklärung ist ein Lippenbekenntnis. Im Wahl-
    kampf hat Frau Merkel die deutsche Maggie Thatcher
    gespielt; jetzt spielt sie die Frau Holle, die überall weiße
    Flocken auf die Problemfelder streut.


    (Heiterkeit und Beifall bei der FDP)


    Wenn der Inhalt des Koalitionsvertrags umgesetzt wird,
    wird die Marktwirtschaft nicht gestärkt, im Gegenteil:
    Sie wird geschwächt. Die geplanten Steuererhöhungen
    entspringen einer übertriebenen Staatsgläubigkeit. Haus-
    haltssanierung ist nicht zu beanstanden, im Gegenteil:
    Sie ist dringend notwendig. Aber die Bundesregierung
    sollte auf der Ausgabenseite sparen, statt zusätzliche
    Steuern wie die so genannte Reichensteuer zu erfinden.
    Damit leistet sie nur der Kapitalflucht ins Ausland Vor-
    schub. Das Geld brauchen wir aber in Deutschland, es
    muss hier investiert werden.


    (Beifall bei der FDP)


    Es gab doch einen ganz primitiven Kuhhandel: Gibst du
    mir meine Mehrwertsteuer, bekommst du deine Reichen-
    steuer; schluckst du meine Kröte, schluck ich deine.
    Aber das ist keine Strategie für mehr Wachstum. Mehr
    Steuern ist immer ein Weniger an Freiheit: weil ich we-
    niger über die Verwendung dessen, was ich mir selbst
    hart erarbeite, entscheiden kann, sondern andere an mei-
    ner Stelle entscheiden, was damit geschieht. Das ist ein
    Abbau von Freiheit und nicht ein Mehr an Freiheit!


    (Beifall bei der FDP)


    Trotz der derzeitigen Staatsquote in Deutschland
    maßt sich der Staat erneut an, dem Bürger tiefer in die
    Tasche zu greifen. Wir müssten weniger statt mehr
    Staatseingriffe haben. Die Erhöhung der Mehrwert-
    steuer ist das Gegenteil. Herr Glos sprach von einer Of-
    fensive für den Mittelstand. „Offensive“ bedeutet An-
    griff – und das klingt nicht nur so: Die Erhöhung der
    Mehrwertsteuer ist ein Angriff auf den deutschen Mittel-
    stand.


    (Beifall bei der FDP)


    Über die Verteilungswirkung der Mehrwertsteuer ist
    viel gesagt worden; aber einen Aspekt hat man bisher
    ausgeblendet, nämlich die Wirkung einer Mehrwertsteu-
    ererhöhung auf die Preisstabilität und die Beschäftigung.
    Wenn die Unternehmen die Steuererhöhung auf die
    Preise aufschlagen können, handeln wir uns Zweitrun-
    deneffekte ein: Die Gewerkschaften haben schon ange-
    kündigt, höhere Löhne zu fordern, um kommende Preis-
    erhöhungen zu kompensieren. Schon die Erwartung
    einer höheren Inflation heizt Preissteigerungen an. Eine
    Folge davon sind letztlich auch höhere Zinsen.


    (Beifall bei Abgeordneten der FDP)


    Ich kann, so wie Herr Juncker, die Bundesregierung nur
    davor warnen, zu versuchen, Druck auf die Europäische
    Zentralbank auszuüben.

    Hält die gegenwärtige Konsumflaute an – das ver-
    mute ich –, dann können die Unternehmen die Mehr-
    wertsteuererhöhung nicht auf die Abnehmer abwälzen.
    Dadurch verschlechtert sich die Gewinnsituation der Un-
    ternehmen. Der Mittelstand hat aber keine Polster, über

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    (C (D ie er das abfangen und so verkraften könnte. Die Steuerrhöhung wird, da sie die Gewinne mindert, zum Abbau on Arbeitsplätzen führen. Diese Mehrwertsteuererhöung wird zu einer stärkeren Preiserhöhung und weniger eschäftigung führen. Das ist also kein Programm für ehr Wachstum und Beschäftigung, das ist ein Pro ramm zur Verhinderung von Wachstum und Beschäftiung. ie Schätzungen seitens der OECD bezüglich des Preisffekts schwanken zwischen 0,6 Prozent bis 2 Prozent. as ist jedenfalls kein Beitrag, um Deutschland voran ubringen. Sie wagen ein sehr gefährliches Experiment. Sie areiten, salopp formuliert, ein Jahr nach Keynes, greifen lso nicht ein – schließlich stehen ja auch acht Wahlen n –, und danach nach Brüning. Das kann keine erfolgeiche Strategie sein. Wir haben in Deutschland im Kern trukturelle Probleme. Diese kann man nicht mit einem eynesianischen Ansatz bewältigen. Sie legen eine oadmap vor, die ein Strohfeuer entfachen, aber nicht ur Überwindung unserer Probleme beitragen wird. Die Japaner haben 1997 etwas Ähnliches gemacht ie das, was Sie jetzt vorhaben. Damals hat die Regie ung Hashimoto kräftig die Mehrwertsteuer erhöht, um en Haushalt zu sanieren. Die Folge waren Jahre der tagnation. Es folgte eine der schlechtesten Phasen für ie japanische Volkswirtschaft. as kann nicht das Vorbild sein. Im Gegenteil: Das muss bschrecken. Sie sollten Ihre Strategie überdenken, erst it Ansätzen nach Keynes anzufangen, um dann mit nsätzen nach Brüning den Haushalt zu sanieren. Es gibt im Koalitionsvertrag kein Kapitel über Subentionsabbau. Stattdessen findet sich dort ein Beenntnis zur Fortsetzung der Steinkohlesubventionen. 5 Milliarden Euro echte Einsparungen und 150 Milliaren Euro zusätzliche Steuererhöhungen bis 2009 bedeuen alles andere als eine Stärkung der Marktwirtschaft, lles andere als mehr Freiheit. Es bedeutet das Gegenteil avon. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    (Beifall bei der FDP)


    (Dr. Wolfgang Gerhardt [FDP]: So ist es!)


    (Dr. Wolfgang Gerhardt [FDP]: So war es!)


    Die Freiheit der Unternehmen zu stärken, hieße,
    üter- und Faktormärkte zu flexibilisieren, vor allem
    en Arbeitsmarkt. Was Sie im Bereich des Kündigungs-
    chutzes machen, ist Augenwischerei. Schon bisher
    onnte die Probezeit bis zu 24 Monate dauern. Jetzt ge-
    en Sie dem einen neuen Titel. Das ist faktisch keine
    eränderung.

    Die Philosophie dieser Regierung ist eher, Märkte ab-
    uschotten, anstatt sie zu liberalisieren. Die Entsende-
    ichtlinie auf Gebäudereiniger auszudehnen, ist ein Bei-
    piel dafür. Die europäische Dienstleistungsrichtlinie
    st der Koalition suspekt. Der europäische Binnenmarkt
    önnte ja zu mehr Wettbewerb führen. Der SPD wäre

    Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005 179


    (A) )



    (B) )


    Rainer Brüderle
    eine Dienstleistungsverhinderungsrichtlinie lieber, sie
    könnte auch gleich eine Wirtschaftsverhinderungsrichtli-
    nie fordern. Als Exportweltmeister sind wir auf offene
    Weltmärkte angewiesen. Diese nutzen wir gern. Wir
    können uns aber nicht mit einer Dienstleistungsrichtlinie
    von den Dienstleistungsmärkten abschotten.

    Ebenso suspekt sind der Bundesregierung unter-
    schiedliche Steuersätze in Europa. Gegenüber Län-
    dern, die das marktwirtschaftliche Prinzip verstanden
    haben, den Vorwurf des Steuerdumpings zu erheben, ist
    absurd. Statt selbst besser zu werden, sollen andere
    schlechter werden. Nein, wir müssen bei uns die Dinge
    in Ordnung bringen, damit wir bessere Wettbewerbs-
    chancen haben.


    (Beifall bei der FDP)


    Dies alles atmet den Geist von Mindestlöhnen, Regle-
    mentierung, Abschottung und Unfreiheit. Marktwirt-
    schaft ist etwas anderes. Mehr Freiheit zu wagen, wie
    die Bundeskanzlerin angekündigt hat, sieht anders aus.
    Aber ihr fehlt es offenbar an marktwirtschaftlichen
    Ideen. Für Anfang 2006, rechtzeitig vor den drei Land-
    tagswahlen, wird ein Energiegipfel angekündigt; das ist
    wahrscheinlich ein Beitrag zum Wahlkampf.

    Wettbewerb ist anstrengend. Deshalb ist dieses
    Thema im Koalitionsvertrag wohl auch mit keinem Ka-
    pitel bedacht. Dass die CDU, die sich so oft auf Ludwig
    Erhard beruft, darauf verzichtet, wundert mich. Mit dem
    Bekenntnis zum Wettbewerb ist es im Koalitionsvertrag
    nicht weit her. Wenn Sie von Wettbewerb sprechen, dann
    meinen Sie Industriepolitik und Markteingriffe. Das gilt
    für erneuerbare Energien, für den europäischen Binnen-
    markt und natürlich für die Lex Telekom. Ich halte es für
    skandalös, wenn der Telekom im Koalitionsvertrag ver-
    sprochen wird, die vorhandenen und die noch zu erstel-
    lenden Breitbandtelekommunikationsnetze für einen ge-
    wissen Zeitraum aus der Regulierung herauszunehmen.
    Dadurch wird ein Sonderkartellrecht geschaffen. Wo
    sind wir denn? Bekommt jeder nach Hausmannsart was
    gebacken? Morgen wird dem Nächsten eine Sonderposi-
    tion von dieser Regierung gewährt.


    (Beifall bei der FDP)


    Die Bundesregierung leidet an einer Machbarkeits-
    illusion. Sie glaubt, sie könne den Erfolg für die Wirt-
    schaft machen. Sie wissen offenbar genau, welche Bran-
    chen Zukunftsbranchen sind, in denen künftig mehr
    Geld verdient werden kann. Sie reden von den Leucht-
    turmprojekten und hoch innovativen Bereichen. Das
    muss über den Markt ermittelt werden. Das weiß der
    Staat nicht besser als die Wirtschaftsunternehmen, die
    jeden Tag draußen an der Front sind.

    Sie sind auch nicht konsequent. Bei dem 25-Milliar-
    den-Euro-Investitionsprogramm geht es in weiten Tei-
    len um ganz andere Bereiche und kaum um Technologie-
    förderung. Es geht um die steuerliche Absetzbarkeit von
    Handwerkerrechnungen und haushaltsnahen Dienstleis-
    tungen sowie um Gebäudesanierungsprogramme. Das ist
    kein Beschäftigungsprogramm, das ist ein Besänfti-
    gungsprogramm, um die Wirkung der katastrophal ho-

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    (C (D en Steuererhöhung zu verdecken. Damit kommen wir uch nicht voran. (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der LINKEN – Dr. Rainer Wend [SPD]: Zeig es uns!)


    Wir brauchen mehr Investitionen. Die staatliche In-
    estitionslenkung passt nicht in den Instrumentenkasten
    iner Marktwirtschaft. Monopole und Kartelle stehen
    icht im Ruf, besonders innovativ zu sein. Im Bereich
    er Energiewirtschaft hat Rot-Grün die Fusion von Eon
    nd Ruhrgas genehmigt, deren Marktanteil nun 87 Pro-
    ent beträgt. Dann beklagte sich der frühere Kanzler
    uch noch darüber, dass die Gaspreise steigen! Bereits in
    er zweiten Stunde der Einführung in die Volkswirt-
    chaft wird an der Volkshochschule in Mainz-Süd ge-
    ehrt, dass Monopolpreise höher als Wettbewerbspreise
    ind. Hier liegt ein Teil der Schwierigkeiten. Die Mono-
    olisierung und Kartellierung der deutschen Wirtschaft
    ind falsche Wege; auf diesen kommen wir nicht voran.


    (Beifall bei der FDP)


    Wir leben nämlich nicht primär von den Großkonzer-
    en, sondern vom Mittelstand.

    Sie wollen die Abschreibungsbedingungen für zwei
    ahre verbessern. Das belebt die Konjunktur doch nicht
    angfristig. Damit werden die Ausgaben jetzt von diesem
    ns nächste Jahr geschoben und im nächsten Jahr vorge-
    ogen. Das alles haben wir schon gehabt. Das ist doch
    eine dauerhafte Politik. Das sind keine verlässlichen
    ahmenbedingungen. Das ist auch kein Beitrag zum Ab-
    au von Bürokratie, das ist ein Zuwachs an Bürokratie,
    ine Verkomplizierung. Man muss über Zuschüsse und
    bschreibungen strategisch entscheiden, anstatt nüch-

    ern rechnen zu können. Das ist Ihr Fehler.


    (Beifall bei der FDP)


    Auch der Sachverständigenrat sagt, dass eine umfas-
    ende Unternehmensteuerreform, durch die Freiräume
    eschaffen werden – nicht erst 2008, sondern jetzt –,
    ine Reform des Arbeitsmarktes und die Umstrukturie-
    ung der sozialen Sicherungssysteme nötig wären. Hier
    achen Sie nichts. Zeitmangel war es nicht. Sie sind

    ich nicht einig und wissen nicht, was Sie gemeinsam
    ollen. Ich kann mir auch nur schlecht einen Kompro-
    iss zwischen der Bürgerversicherung und der Kopf-

    auschale vorstellen. Am besten wäre es, Sie würden un-
    er Modell des Wettbewerbs nehmen, aber ich fürchte,
    ass Sie dazu nicht den Mut haben.


    (Beifall bei der FDP)


    Herr Minister Glos, Aufgabe eines Wirtschaftsminis-
    ers ist es, das ordnungspolitische Gewissen einer Regie-
    ung zu sein. Ludwig Erhard hat betont: Der Wirtschafts-
    inister muss Mut zum Widerstand haben. Herr
    inister Glos, diesen Mut werden Sie gegenüber Ihren
    abinettskollegen ausgiebig gebrauchen müssen, wenn

    hnen die deutsche Wirtschaft am Herzen liegt. Wenn
    ie mutig sind, sind wir an Ihrer Seite. Als Girlande ei-
    er falschen Politik geben wir uns nicht her. Ordnungs-
    olitisch müssen Sie klotzen und nicht kleckern, sonst
    leiben Sie unter der Aufbruchschwelle.

    180 Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 1. Dezember 2005


    (A) )



    (B) )


    Rainer Brüderle
    Das merkelsche Trippelschritttheorem ist falsch.
    Seit Paracelsus weiß man: Wenn die Dosierung nicht
    stimmt, gibt es keine Wirkung. Deutschland darf kein
    Versuchskaninchen für Trippelschritte sein, sondern be-
    nötigt eine mutige Politik, durch die die Situation verän-
    dert wird, damit sich die Wachstumsgeschwindigkeit er-
    höht.

    Unsere Probleme sind seit Jahren bekannt. Sie werden
    nicht angepackt. Diese minimale Konsenslösung der
    großen Koalition aus einer sozialdemokratischen Frak-
    tion und einer sozialdemokratisierten Fraktion führt na-
    türlich nicht dazu, dass es zu einem neuen Denken
    kommt. Sie setzen die falsche Politik ein bisschen modi-
    fiziert und rhetorisch breit gestärkt fort. Wenn wir nicht
    den Mut zu Veränderungen haben, kommen wir nicht
    voran.