Rede:
ID1512203700

insert_comment

Metadaten
  • sort_by_alphaVokabular
    Vokabeln: 10
    1. \n: 2
    2. Das: 1
    3. Wort: 1
    4. hat: 1
    5. nun: 1
    6. der: 1
    7. Kollege: 1
    8. Dr.: 1
    9. Wolfgang: 1
    10. Gerhardt,DP-Fraktion.\n: 1
  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 15/122 Tagesordnungspunkt 6: (Haushaltsgesetz 2005) (Drucksache 15/3660) . . . . . . . . . . . . . . . . b) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Finanzplan des Bundes 2004 bis 2008 (Drucksache 15/3661) . . . . . . . . . . . . . . . . in Verbindung mit Einzelplan 04 Bundeskanzleramt Michael Glos (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Schröder, Bundeskanzler . . . . . . . . . Dr. Guido Westerwelle (FDP) . . . . . . . . . . . . Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/ Zweite und dritte Beratung des von der Bun- desregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Ausfüh- rungsgesetzes zum Chemiewaffenüberein- kommen (CWÜAGÄndG 1) (Drucksachen 15/3447, 15/3592, 15/3684) . . Joseph Fischer, Bundesminister AA . . . . . . . Dr. Wolfgang Schäuble (CDU/CSU) . . . . . . . Joseph Fischer (Frankfurt) (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ludger Volmer (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gernot Erler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Wolfgang Gerhardt (FDP) . . . . . . . . . . . . 11078 A 11078 A 11078 B 11085 B 11093 B 11126 C 11126 D 11131 B 11133 C 11134 B 11137 A 11139 A Deutscher B Stenografisch 122. Sitz Berlin, Mittwoch, den 8 I n h a l Nachruf auf den Abgeordneten Dr. Günter Rexrodt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Begrüßung der neuen Abgeordneten Hellmut Königshaus, Angela Schmid und Artur Auernhammer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Glückwünsche zum Geburtstag des Bundes- ministers Otto Schily sowie der Abgeordne- ten Barbara Wittig und Hans-Peter Uhl . . . Benennung der Abgeordneten Marianne Tritz als Schriftführerin . . . . . . . . . . . . . . . . . Tagesordnungspunkt 1 (Fortsetzung): a) Erste Beratung des von der Bundesregie- rung eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes über die Feststellung des Bundeshaus- haltsplans für das Haushaltsjahr 2005 F S A D J B E A i 11077 A 11077 D 11077 D 11077 D DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Angela Merkel (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . 11097 D 11102 C undestag er Bericht ung . September 2004 t : ranz Müntefering (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . teffen Kampeter (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . nja Hajduk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . r. Gesine Lötzsch (fraktionslos) . . . . . . . . . oachim Poß (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ernhard Kaster (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . inzelplan 05 uswärtiges Amt n Verbindung mit 11110 C 11118 C 11120 B 11121 B 11123 D 11125 B Uta Zapf (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Rainer Stinner (FDP) . . . . . . . . . . . . . . 11141 B 11142 C II Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 122. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 8. September 2004 Dr. Gerd Müller (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Gernot Erler (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Petra Pau (fraktionslos) . . . . . . . . . . . . . . . . . Gert Weisskirchen (Wiesloch) (SPD) . . . . . . . Michael Stübgen (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . Günter Gloser (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 14 Bundesministerium für Verteidigung Dr. Peter Struck, Bundesminister BMVg . . . . . . . . . . . . . . . Dietrich Austermann (CDU/CSU) . . . . . . . . . Rainer Arnold (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Günther Friedrich Nolting (FDP) . . . . . . . . . . Winfried Nachtwei (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christian Schmidt (Fürth) (CDU/CSU) . . . . . Verena Wohlleben (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Thomas Kossendey (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Dr. Elke Leonhard (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . Helmut Rauber (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin BMZ . . . . . . . . . . . . . . . Rudolf Kraus (CDU/CSU) . . . . . . . . . . . . . . . Thilo Hoppe (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Markus Löning (FDP) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) . . . . . . . . . . Detlef Dzembritzki (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) . . . Karin Kortmann (SPD) . . . . . . . . . . . . . . . . . Peter Weiß (Emmendingen) (CDU/CSU) . . . Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 11143 C 11145 A 11146 A 11147 A 11149 A 11150 B 11152 C 11154 B 11155 D 11158 C 11161 A 11162 D 11164 B 11166 C 11168 A 11169 C 11171 B 11172 B 11175 A 11176 C 11178 B 11179 C 11181 C 11183 B 11184 C 11185 B 11185 D 11187 A Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 122. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 8. September 2004 11077 (A) ) (B) ) 122. Sitz Berlin, Mittwoch, den 8 Beginn: 9.0
  • folderAnlagen
    Deutscher Bundestag – 15. Wahlperiode – 122. Sitzung. Berlin, Mittwoch, den 8. September 2004 11187 (A) (C) (B) (D) Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten * für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung des Europarates ** für die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Ver- sammlung der NATO Abgeordnete(r) entschuldigt biseinschließlich Deittert, Hubert CDU/CSU 08.09.2004* Dr. Guttmacher, Karlheinz FDP 08.09.2004 Lintner, Eduard CDU/CSU 08.09.2004* Raidel, Hans CDU/CSU 08.09.2004** Sauer, Thomas SPD 08.09.2004 Schauerte, Hartmut CDU/CSU 08.09.2004 Schmidt (Fürth), Christian CDU/CSU 08.09.2004 Schöler, Walter SPD 08.09.2004 Schösser, Fritz SPD 08.09.2004 Schreck, Wilfried SPD 08.09.2004 Wimmer (Neuss), Willy CDU/CSU 08.09.2004 Dr. Wodarg, Wolfgang SPD 08.09.2004* Abgeordnete(r) entschuldigt biseinschließlich 122. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 8. September 2004 Inhalt: Redetext Anlage zum Stenografischen Bericht Anlage
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. h.c. Gernot Erler


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)


    Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die

    deutsche Außenpolitik und die gesamte internationale
    Politik der Bundesrepublik Deutschland genießen im
    Augenblick weltweit ein bisher nicht da gewesenes An-
    sehen.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Herr Kollege Schäuble, ich bedauere es schon, dass Sie
    ein weiteres Mal nicht die Kraft hatten, dies auch nur an-
    nähernd zur Kenntnis zu nehmen, sondern dass Sie er-
    neut Ihre kleinkarierten Anmerkungen zu Einzelfragen
    vorgetragen haben und diesem Hause und der deutschen
    Öffentlichkeit eine Auskunft über die großen Linien der
    Außen- und Sicherheitspolitik Ihrer Fraktion wieder
    schuldig geblieben sind.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Man muss sich schon über Ihren Mut wundern, das
    Thema Türkei anzusprechen. Die kürzeste Formel für
    die Position Ihrer Fraktion zur Türkei lautet: Mit Volker
    Rühe und Friedbert Pflüger für und gegen die EU-Mit-
    gliedschaft der Türkei.


    (Heiterkeit des Abg. Dr. Ludger Volmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Das müssen Sie erst einmal in Ordnung bringen, bis Sie
    zu diesem Thema etwas Glaubwürdiges sagen können.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Ich habe von dem hohen Ansehen der deutschen Au-
    ßenpolitik in der internationalen Politik gesprochen. Das
    hat seinen Grund in der konsequenten Haltung der Bun-
    desregierung in der Irakfrage, die sich mit unserem gro-
    ßen und nachhaltigen Engagement in Afghanistan und
    vor allem auf dem Balkan verbindet. Kein Land außer
    den Vereinigten Staaten hat mehr Verantwortung in Af-
    ghanistan übernommen als Deutschland mit 2 250 Sol-
    daten, unseren zwei regionalen Wiederaufbauteams und
    mit großen Anstrengungen für den zivilen Wiederaufbau
    vor Ort. Kein Land hat so viel Verantwortung in der Bal-
    kanregion übernommen wie Deutschland mit 4 600 Sol-
    daten im Kosovo und in Bosnien-Herzegovina, mit unse-
    rer Unterstützung des Stabilitätspaktes, der SAA, also
    des Assoziierungsprozesses, und mit Wiederaufbaumaß-
    nahmen in den einzelnen Ländern.

    Deutschland setzt sich nach wie vor ganz entschieden
    für den Nahostfriedensplan, niedergelegt in der Road-
    map, ein. Gerade das Engagement des deutschen Außen-
    ministers Joschka Fischer in dieser Frage findet weltweit
    außerordentlich große Anerkennung.

    Dies alles sind die Gründe für das gestiegene Anse-
    hen Deutschlands in der internationalen Politik.

    a
    B
    F
    k
    d
    D
    g

    w

    I
    ti

    r
    li
    h
    d
    d
    w
    g
    s
    h
    r
    D

    n
    ti
    M
    s
    m
    w
    s
    b
    d
    S
    e
    I
    e
    d
    d
    u

    A
    in
    b
    E
    T
    w
    P
    v

    (C (D (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Sichtbar geworden ist dieses gestiegene Ansehen
    uch an zwei so nicht erwarteten Einladungen an den
    undeskanzler. Er wurde eingeladen, an der 60-Jahr-
    eier des D-Day in der Normandie und an dem Geden-
    en des Aufstandes von Warschau teilzunehmen und
    ort zu sprechen. Ich muss für meine Fraktion sagen:
    er deutsche Bundeskanzler hat diese beiden Einladun-
    en in überzeugender Weise genutzt und zu beiden An-
    ssen kluge und einfühlsame Worte gefunden, denen
    eltweit hoher Respekt gezollt wurde.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    ch möchte ihm ausdrücklich auch im Namen der Koali-
    on für das danken, was er dort getan hat.
    Die letzten Monate waren auch von einer anderen He-

    ausforderung für die Weltöffentlichkeit geprägt, näm-
    ch von der menschlichen Tragödie in Darfur. Auch hier
    at es ein ungewöhnlich intensives Engagement der
    eutschen Politik durch den Bundesaußenminister und
    ie Staatsministerin Frau Müller sowie durch die Ent-
    icklungsministerin Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul
    egeben. Der Letzteren möchte ich herzlich für die Lö-
    ung der nicht einfachen Aufgabe danken, anlässlich des
    undertjährigen Gedenkens des Hereroaufstands die
    ichtigen Worte vor Ort zu finden. Ihr gilt dafür unser
    ank und unsere Anerkennung.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)


    Herr Kollege Schäuble, nur weil es dieses internatio-
    ale Ansehen der deutschen Politik gibt, ist es realis-
    sch, sich im Augenblick ernsthaft um eine ständige
    itgliedschaft im Weltsicherheitsrat zu bemühen. Das

    ollte eigentlich auch Ihre Unterstützung finden. Sie
    üssen einmal der deutschen Öffentlichkeit erklären,
    elche Position Sie eigentlich vertreten. Auch Sie wis-
    en, dass sich der Sicherheitsrat in einem Reformprozess
    efindet. Das Wahrscheinlichste wird sein, dass die Zahl
    er Mitglieder auf 24 oder 25 festgelegt wird. Wollen
    ie dann ernsthaft sagen, dass es für Europa ausreicht,
    inen einzigen Sitz unter 25 zu haben? Das kann nicht
    hre Position sein. Bei einer Erweiterung ist es in der Tat
    in internationaler Wunsch, dass Deutschland auch für
    ie Inhalte der eigenen Politik mehr Verantwortung in
    en Vereinten Nationen übernehmen soll. Es ist völlig
    nverständlich, dass das nicht Ihre Unterstützung findet.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Wir haben Fortschritte erzielt – diese tragen auch zum
    nsehen der deutschen Politik bei – und konnten unsere
    haltlichen Vorstellungen von Politik in der EU voran-
    ringen. Ich rede hier vor allen Dingen von dem großen
    rfolg einer gemeinsamen EU-Strategie unter dem
    itel „Ein sicheres Europa in einer besseren Welt“, in der
    ir viele unserer inhaltlichen Überzeugungen mit dem
    rimat von präventiver Politik, mit dem Primat von
    orausschauender Friedenspolitik wiederfinden. Wir






    (A) )



    (B) )


    Gernot Erler

    werden uns weiter mit Zustimmung vieler anderer Län-
    der dafür einsetzen, dass sich die internationale Politik
    auf starke Weltorganisationen, insbesondere auf eine
    starke UN, stützt und sich auf die Geltung und Verteidi-
    gung des internationalen Rechts konzentriert. Dabei geht
    es um die Abwehr von Gefahren und um das Festhalten
    an internationalen Verträgen und an internationaler Ver-
    tragspolitik und natürlich auch um die konkrete Lösung
    von gefährlichen regionalen Konflikten.

    Damit komme ich zu den aktuellen Ereignissen in
    der Russischen Föderation und in Beslan. Die russi-
    sche Gesellschaft hat in der Tat in den letzten Tagen eine
    Eruption von Gewalt erlebt und eine bisher noch nicht da
    gewesene Serie von brutalsten Anschlägen ertragen
    müssen. Innerhalb von einer Woche wurden zwei Flug-
    zeuge zum Absturz gebracht, dabei gab es 90 Tote. Bei
    einem Selbstmordattentat mitten in Moskau wurden
    11 Menschen getötet. Das Grauen von Beslan hat min-
    destens 335 Tote gefordert, davon sind mehr als die
    Hälfte Kinder. Es ist kein Zufall, dass sich diese Serie
    von Attentaten um den Tag der tschetschenischen Präsi-
    dentschaftswahl gruppiert hat.

    Die russische Gesellschaft steht unter Schock und ist
    traumatisiert. Es ist dort ein Gefühl von Verlassensein
    verbreitet. Für uns besteht jetzt das Wichtigste darin, für
    die betroffenen Menschen vor Ort eine Demonstration
    der tätigen und sichtbaren Unterstützung und Solidarität
    auf die Beine zu stellen. Dazu sind jede Form von Hilfe,
    jede medizinische und psychologische Unterstützung
    und menschliche Kontakte notwendig.

    Das Gefährlichste und Falscheste wäre jetzt eine Ein-
    igelung Russlands als Reaktion auf diesen Schock. Wir
    haben die Absage des Deutschlandbesuchs des russi-
    schen Präsidenten mit Bedauern zur Kenntnis genom-
    men. Wir haben in dieser Lage aber auch Verständnis da-
    für. Wir werden jedoch die Chance nutzen, die sich in
    den nächsten zwei Tagen mit dem 4. Petersburger Dialog
    in Hamburg bietet, um mit unseren Partnern sowie unse-
    ren Kolleginnen und Kollegen aus Russland intensive
    Gespräche zu führen.

    Jeder von uns wird in den nächsten Tagen und auch in
    den nächsten Wochen und Monaten nicht mit erhobenem
    Zeigefinger, sondern mit ausgestreckter Hand in diese
    Gespräche gehen. Die richtige Form, auf diese Situation
    zu reagieren, ist die, dass wir versuchen, gemeinsame
    und richtige Antworten in dieser bedrohlichen Situation
    zu finden.

    Ausgangspunkt dabei müssen unsere gemeinsamen
    Sorgen sein, die in diesen Tagen zunehmend auch in der
    russischen Gesellschaft formuliert werden. Wir müssen
    darüber sprechen, wie realistisch die bisherigen Erfolgs-
    meldungen der russischen Regierung in Sachen Lösung
    des Konflikts, die so genannte Tschetschenisierung des
    Konflikts, gewesen sind. Wir brauchen in Wirklichkeit
    eine ehrliche Bestandsaufnahme als Ausgangspunkt für
    alle weitere Zusammenarbeit in diesem Feld.

    Es muss geklärt werden, was eine politische Lösung,
    zu der sich auch der russische Präsident wiederholt be-
    kannt hat, eigentlich bedeutet. Natürlich kann das nicht

    h
    f
    m

    z
    r
    w
    d
    D
    n
    s
    k
    K

    d

    s
    z
    u
    P
    d
    d
    n
    d

    M
    v
    w
    s

    u
    f
    w
    g
    s
    G
    k
    r
    t
    w
    s

    P

    F

    (C (D eißen, Verhandlungen mit feigen Kindermördern zu ühren. Es gibt aber andere Elemente, die man erörtern uss, um Beispiel warum die Basis dieser gewaltbereiten Teroristen nicht kleiner, sondern offensichtlich größer ird, immer wieder nachwächst, und welche Rolle dabei ie anhaltende Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, die rangsalierung der Zivilbevölkerung in Tschetscheien spielt, teilweise durchgeführt – das muss man leider agen – durch korrupte Teile der russischen Sicherheitsräfte, aber auch durch diese Milizen des Herrn adyrow, die so genannten Kadyrowsy, (Dr. Gerd Müller [CDU/CSU]: Da liegen Sie richtig! Sie sollten einmal im Kanzleramt vortragen! Ich glaube nicht, dass Herr Schröder das auch so sieht!)


    (Dr. Wolfgang Gerhardt [FDP]: Richtig!)


    ie illegal gegen die eigene Bevölkerung vorgehen.
    Weiterhin ist zu klären, welche Rolle bei der politi-

    chen Lösung eine glaubwürdige ökonomische und so-
    iale Perspektive für die tschetschenische Bevölkerung
    nd die ganze Region des Nordkaukasus spielt. Es war
    räsident Putin selber, der sich im Mai bei einer Reise in
    ie Region davon überzeugen konnte, dass die Milliar-
    en Rubel, die dort investiert werden, offensichtlich gar
    icht dort ankommen, wo sie hin sollen. Das trägt zu
    ieser Hoffnungslosigkeit vor Ort bei.
    Diese Verbindung von fehlender Perspektive und
    enschenrechtsverletzungen rechtfertigt keine Form
    on Gewalt. Es ist aber wichtig zu erkennen, dass sie
    omöglich für dieses Nachwachsen der Gewaltbereit-
    chaft mit Verantwortung trägt.
    Ingesamt sind wir davon überzeugt: Unser Nachbar

    nd Partner Russland braucht jetzt viel Kraft, um die
    urchtbaren Prüfungen zu bestehen und um klug und
    irksam zu reagieren und sich nicht in Hass- und Rache-
    efühlen zu verlieren. Wir sind bereit, dabei Partner zu
    ein. Wir sind aber auch überzeugt, dass nur eine offene
    esellschaft die Kraft, die dort benötigt wird, aufbringen
    ann, eine Gesellschaft, die eine transparente Regie-
    ungspolitik öffentlich diskutiert. Diese Kraft, die benö-
    igt wird, um mit diesen Herausforderungen fertig zu
    erden, kann nur von einer funktionierenden Zivilge-
    ellschaft aufgebracht werden.


    (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)


    In diesem Sinne sind wir bereit, in dieser Situation
    artner von Russland zu sein.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN sowie des Abg. Dr. Guido Westerwelle [FDP])




Rede von Dr. Norbert Lammert
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

Das Wort hat nun der Kollege Dr. Wolfgang Gerhardt,

DP-Fraktion.






(A) )



(B) )



  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Wolfgang Gerhardt


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)


    Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und

    Herren! Ich will mit dem ersten Teil meines Beitrages an
    die Worte des Kollegen Erler anknüpfen. Herr Erler, ich
    habe Ihnen zugehört und stimme Ihnen zu. Ich war mir
    aber sehr bewusst, dass diese Differenziertheit, dieser
    moralische Kompass beim deutschen Bundeskanzler
    nicht so sehr vorhanden war, als er sich zu den Wahl-
    vorgängen in Tschetschenien geäußert hat. Das muss
    mit aller Klarheit gesagt werden.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Gerd Müller [CDU/CSU]: So ist es! – Gernot Erler [SPD]: Unterschätzen Sie das nicht!)


    Trotz der großen Entfernung ist uns die Differenziert-
    heit, die ethnische Problematik, die historische Proble-
    matik im Kaukasus – für manchen auch aus den Ge-
    schichtsbüchern – völlig präsent. Aber wir haben uns
    nicht vorstellen können, dass die sich langsam öffnende
    russische Führung und die russischen Eliten, die eigent-
    lich auf dem Weg waren, sich – jedenfalls zum Teil –
    von ihrem alten imperialen Größendenken zu verab-
    schieden, immer wieder eindimensional reagiert haben.
    Immer wieder wurde die Zentralmacht durch Terroris-
    mus herausgefordert. Immer wieder erfolgte die
    Anwendung militärischer Gewalt. Es gab überhaupt
    keine multiple Annäherung an Konfliktlösungen.

    Natürlich hat der Bundeskanzler Recht, dass man mit
    diesen Terroristen nicht verhandeln kann. Aber jedem,
    der – auch im befreundeten Russland – politische Füh-
    rungsverantwortung hat, muss klar sein, dass solche Kri-
    sen Inkubationszeiten haben und schon vorher Warn-
    signale aussenden. Man hätte sich rechtzeitig um ein
    Netzwerk bemühen müssen, das einem vielleicht Ver-
    handlungssituationen gestattet hätte.

    Wir müssen Russland unsere ausgestreckte Hand zei-
    gen. Darüber gibt es keinen Streit. Aber das offene Wort
    darf deshalb nicht unter den Tisch fallen. Wir wollen die
    Kräfte in Russland stärken – dafür gibt es im Bundestag
    eine deutliche Mehrheit –, die sich international orientie-
    ren und öffnen wollen. Dazu gibt es überhaupt keine Al-
    ternative.

    Es gibt, wie der Bundesaußenminister gesagt hat,
    auch im „wider middle east“ keine Konfliktlösung ohne
    Russland. Aber Russland wird nur dann zu einem welt-
    weiten Beitrag fähig sein, wenn es sich öffnet, sich
    Transparenz gibt, nicht nur nach einem innenpolitischen
    Reaktionsmuster verfährt und keine selektiv motivierte
    politische Justiz hat. Chodorkowski ist doch nicht der
    einzige Oligarch, der gegen Gesetze verstoßen hat. Dort
    kommt es zu einem völligen Gleichschalten des russi-
    schen Fernsehens: Der eine Kanal wird in einen seichten
    Kanal umgewandelt, der andere mit Geldern, die aus
    Energiereserven stammen, mal eben aufgekauft.

    Neulich schrieb ein Journalist, gegen Realpolitik
    wolle man ja nicht wettern. Ich wäre der Letzte, der das
    täte; denn ich weiß, was außenpolitisch notwendig ist.
    Aber die deutsche Bundesregierung dürfte schon ein
    bisschen klarer ihren moralischen Kompass zeigen. Das
    will ich hier doch sagen.

    ß
    B
    F
    s
    s
    F
    n

    s
    d
    d
    m
    m
    i
    r
    l
    B
    k

    m
    d
    w
    r
    m
    a
    f
    m
    m
    D

    t
    a
    l
    s
    E
    Ü
    d
    u
    ü

    z
    m
    e
    g
    w
    k
    m
    g
    G
    a
    w
    z
    f

    (C (D (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Ein völlig unbestrittener Punkt, den der Bundesau-
    enminister angesprochen hat, ist das transatlantische
    ündnis. In dieser Hinsicht braucht die Fraktion der
    DP gar keine Hinweise. Für uns gehört es zur Staatsrä-
    on der Bundesrepublik Deutschland, und das ist immer
    o gewesen. Aber dann muss Deutschland in Europa
    ührungsverantwortung übernehmen und darf sich nicht
    eben oder hinter Frankreich verstecken.


    (Zuruf von der SPD: Das hat niemand getan!)

    Seit dem Irakkrieg gibt es einen Verlust der politi-

    chen Führungsfähigkeit Deutschlands. Früher war jeder
    eutsche Bundeskanzler fähig, willens und in der Lage,
    as transatlantische Bündnis zu wahren, Frankreich
    öglichst nah dabei zu halten und in Europa zusammen
    it Frankreich die Motorfunktion zu übernehmen. Das
    st nicht mehr in ausreichendem Maße der Fall. Aber ge-
    ade Deutschland ist auf eine funktionierende und hand-
    ungsfähige Europäische Union und auf Amerika als
    ündnispartner angewiesen. Daran gibt es überhaupt
    einen Zweifel.
    Wenn man einen Sitz im Sicherheitsrat anstrebt,
    uss man wissen, dass er reichlich unbequem ist und
    ass man dieser Führungsverantwortung auch gerecht
    erden muss. Die Diskussion über einen solchen Sitz
    eicht nicht aus; man muss dann auch dafür sorgen, dass
    an über die politischen Führungsfähigkeiten und vor
    llem über die militärisch-strategischen Fähigkeiten ver-
    ügt. Wir sind kein „Enfant chérie“ des Kalten Krieges
    ehr. Wir können in Situationen kommen, in denen wir
    it anderen zusammen sehr hart reagieren müssen.
    ann müssen wir auch gemeinsame Risiken tragen.


    (Zuruf von der SPD: Das tun wir doch!)

    Aber auf vielen Feldern sind wir, was unsere interna-

    ionale Reaktionsfähigkeit betrifft, schon heute praktisch
    m Ende. Ich habe mich neulich sehr von einer Mittei-
    ung des Bundesverteidigungsministers überraschen las-
    en, in der er sich spielerisch über einen militärischen
    insatz in Afrika äußerte, während wir bisher – meiner
    berzeugung nach zu Recht – dauernd die Erklärungen
    er Bundesregierung gehört haben, dass wir bezüglich
    nserer Wehrstruktur und unserer Streitkräftesituation
    berhaupt kein entsprechendes Volumen mehr haben.
    Schon bei den bisherigen Einsätzen sind wir an Gren-

    en angelangt; darauf will ich jetzt einmal kommen. Wir,
    eine Fraktion, die FDP, haben den meisten Auslands-
    insätzen zugestimmt. Wir wissen, dass wir gegenwärtig
    ar keine Alternative haben, etwa auf dem Balkan. Aber
    ir dürfen doch einmal legitimerweise, ohne in den
    leinkarierten innenpolitischen Schlagabtausch zu kom-
    en, nachfragen, was denn das bisherige politische Er-
    ebnis des Einsatzes deutscher Soldaten ist. Denn im
    runde genommen sind wir an einem Punkt angelangt,
    n dem Soldaten als Politikersatz in Regionen entsandt
    orden sind, ohne dass durchschlagende politische Kon-
    epte erkennbar sind, die dort zu politischen Lösungen
    ühren.






    (A) )



    (B) )


    Dr. Wolfgang Gerhardt


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

    Das habe ich jetzt einmal zitiert, das sagt Ihnen und der
    Bundesregierung Christoph Bertram von der „Stiftung
    Wissenschaft und Politik“. Sie haben doch selbst alle ge-
    merkt, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch aus den
    Regierungsfraktionen: Es hat ein kleiner Funke genügt
    und im Kosovo entzündete sich innerhalb weniger Stun-
    den wieder der Hass, der diese Region seit zig Jahrzehn-
    ten prägt.

    Ich will jetzt nicht über die militärische Führung re-
    den; man muss dem genauer nachgehen, was dort viel-
    leicht an strategischen Fehlern gemacht worden ist. Die
    Kernfrage ist, ob denn während der Zeit der Stationie-
    rung von Militär die politischen Lösungsansätze mit
    Kraft weiterbetrieben worden sind. Der Bundesverteidi-
    gungsminister hat gestern, zum ersten Mal wohl, gesagt:
    Na ja, „Standard vor Status“ – das wird so nicht mehr zu
    halten sein. Und er hat dargelegt, dass es doch eigentlich
    ohne Ergebnis ist, wenn man mit hohem Milliardenein-
    satz Dörfer wieder aufbaut – Eurozusagen pro Haus –,
    aber nur eine ältere Bevölkerung einzieht und man nur
    kleine Enklaven schützt, ohne dass sich dort mentalitäts-
    mäßig etwas bewegt.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Das hinterfrage ich auf Dauer und da interessiert mich
    bei der Verlängerung von Mandaten schon, wo denn
    politisch etwas bewerkstelligt werden könnte.


    (Dr. Gerd Müller [CDU/CSU]: Und da ist Herr Fischer sprachlos!)


    Herr Bundesaußenminister, Stichwort Afghanistan;
    ich wiederhole meine Fragestellung an Sie. Kunduz ist
    bisher für mich, meine Fraktion, meine Kollegen, weiter
    eine Stecknadel im Heuhaufen. Es ist nicht die Vielzahl
    von Nationen mit Provincial Reconstruction Teams und
    der Abdeckung und der Sicherung hinzugekommen, wie
    es damals erklärt worden ist.


    (Joseph Fischer, Bundesminister: Doch!)

    Sie haben eine Zellteilung gemacht, gehen jetzt noch
    nach Faizabad. Aber andere sind nicht dabei.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Dr. Gerd Müller [CDU/CSU]: Drei Schweizer sind dazugekommen!)


    Ich meine ja nicht, dass wir jetzt leichtfertigerweise
    sagen sollten: Wir führen das nicht weiter. Aber ich er-
    laube mir doch die Frage, was Sie denn am Ausgang ei-
    nes solchen Engagements sehen, wenn andere nicht da-
    zukommen. Die Bundesregierung hat am Anfang
    vorgetragen, wer bei Kunduz dazukommt. Das stimmt
    bis heute nicht. Afghanistan ist ein Riesenland, und wir
    haben in der Fläche nicht ein Mindestmaß an Durchset-
    zung von Staatsautorität. Sie sind der Außenminister,
    Herr Fischer. Wenn ich es wäre, würde ich hierher treten
    und dazu etwas erklären.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    S
    t
    m

    G
    d
    l
    a
    d
    d
    n
    d
    m
    r

    D
    t

    d
    g
    U
    P
    d
    b
    m
    t

    W
    z
    s
    n
    z
    b
    l
    H
    f
    s
    l
    D
    m
    a
    l
    a
    B
    m
    a

    n
    n
    t
    I
    g
    v

    I
    g

    (C (D ie haben damals die Erklärung abgegeben und ein breies Spektrum von Nationen genannt, das so jetzt nicht ehr zutrifft. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir an der renze angekommen sind, was die Verteilung von Solaten anbetrifft, und dass wir mehr gegenwärtig nicht eisten können. Wenn wir von einem Parlamentsheer usgehen, hat dieser Bundestag einen Anspruch darauf, ass er bei Mandatsverlängerung immer nicht nur ausrücklich die neuen Kontingente genannt bekommt, die eue Verteilung, die neue Zahl, die neue Führung, sonern dass auch eine klare Unterrichtung stattfindet, was an damit politisch und in welchem Zeitabschnitt zu ereichen gedenkt. as steht aus. Sie sind in dem Bereich gegenwärtig poliisch nur sehr bescheiden auskunftsfähig. In einem weiteren Punkt haben wir keine Kritik an er Außenpolitik, aber doch ernsthafte Nachfragen: Wie eht es, auch mit der Beteiligung der Europäischen nion, weiter in dem Quartett bezüglich Israel/ alästina? Sie, Herr Bundesaußenminister, haben sich abei immer besonders engagiert; das will ich gar nicht estreiten. Aber wahr ist, dass wir in dieser Region imer noch einen Status haben, der für die Menschen unerräglich ist. (Zuruf von der SPD: Das liegt aber nicht an der Bundesregierung!)


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)


    ir hatten damals vorgeschlagen, einen ähnlichen Pro-
    ess in die Wege zu leiten, wie die KSZE bzw. der Hel-
    inki-Prozess es für Europa gewesen ist. Ich kann mich
    och sehr genau an Ihre Miene erinnern: Das war Ihnen
    u leicht. Ich habe der Sicherheitskonferenz in München
    eigewohnt und hörte dann zu meinem Erstaunen einen
    ängeren Vortrag, der diesen gedanklichen Ansatz hatte.
    aben Sie ihn auf der internationalen Bühne weiterver-
    olgt? Ist daraus etwas geworden? Was ist aus den politi-
    chen Ansätzen des Quartetts hinsichtlich Israel und Pa-
    ästina geworden? Wird dort noch ein diplomatischer
    ruck auf beide Seiten ausgeübt? Begnügt man sich jetzt
    it dem Abzug aus dem Gaza-Streifen? Wie sieht man
    m Ende die Siedlungspolitik, die auch einer Beschluss-
    age der Vereinten Nationen unterliegt? Wird das offen
    usgetauscht? Glauben Sie, mit einem solchen deutschen
    eitrag in der internationalen Arrondierung dort etwas
    it bewerkstelligen zu können? Haben Sie die Hoffnung
    ufgegeben oder sehen Sie neue Perspektiven?
    Das alles interessiert ein Parlament; das ist kein in-

    enpolitischer Schlagabtausch. Wir haben keine Mei-
    ungsunterschiede darüber, dass Deutschland einen Bei-
    rag gegen die Unebenheiten in der Welt leisten muss.
    hre Bescheidenheit, dass Sie sich mit dem gegenwärti-
    en Status zufrieden geben, unterscheidet Sie dann doch
    on uns.


    (Lothar Mark [SPD]: Als ob wir uns zufrieden geben!)


    ch würde mich als Bundeskanzler nicht damit begnü-
    en, hier zu erklären, dass wir unsere Beiträge an die






    (A) )



    (B) )


    Dr. Wolfgang Gerhardt

    Vereinten Nationen zahlen, dass wir unsere Soldaten ent-
    senden, was wir selbst bezahlen, und dass wir in der Er-
    füllung internationaler Pflichten sehr korrekt sind. Nein,
    die deutsche Außenpolitik muss auch außenpolitische
    Ziele haben. Die strategischen Entwürfe müssen eine
    Annäherung an diese Ziele begründen. Deshalb war mir
    das, was Sie ausgedrückt haben, zu bescheiden. Ihren
    Problemhorizont bezogen auf „wider middle east“ habe
    ich auch.


    (Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)


    Wir beurteilen auch die Lage in Russland nicht unter-
    schiedlich. Dass wir Realpolitiker sind und dass wir das
    im Laufe der deutschen Geschichte mühsam lernen
    mussten, unterscheidet uns nicht. Die Bescheidenheit Ih-
    rer Auskünfte über politische Lösungen der deutschen
    Außenpolitik überrascht mich aber doch. Wir sind eine
    der großen Volkswirtschaften der Welt und haben ein
    stabiles demokratisches Parlament. Wenn die Regierung
    Mandate verlängert haben will, mit denen wir deutsche
    Soldaten entsenden, dann muss sie uns schon mehr sa-
    gen. Das kann kein Politikersatz sein.


    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Dr. Ludger Volmer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich habe Sorge, dass Sie sich überheben!)


    Zum Abschluss verknüpfe ich meine Ausführungen
    noch einmal mit dem Punkt, über den man sich streitig
    unterhalten kann, ob man nämlich im Sicherheitsrat ei-
    nen Sitz für die Europäische Union oder einen Sitz für
    Deutschland anstrebt. Wir wissen auch, dass die Charta
    geändert werden müsste, dass bisher nur Staaten Mit-
    glied im Sicherheitsrat sein können und dass es auch dort
    Varianten gibt. Mich stört auch nicht, dass unsere italie-
    nischen Nachbarn sagen, dass es nicht so gut wäre, wenn
    wir einen Sitz anstreben würden. Wenn Deutschland ei-
    nen Sitz anstrebt, dann muss es sich in seiner Außen-
    und Sicherheitspolitik auch die entsprechende Struktur
    und den entsprechenden Gestaltungswillen geben und
    dies durch Führungsverantwortung innerhalb der Gesell-
    schaft auch vermitteln. Wenn es das nicht tut, dann nutzt
    die Diskussion über einen Sitz allein nichts.

    Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU – Lothar Mark [SPD]: Sehr bescheidener Beitrag!)