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ID1411201900

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Metadaten
  • insert_drive_fileAus Protokoll: 14112

  • date_rangeDatum: 30. Juni 2000

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    Begrüßung des ersten und letzten frei gewähl- ten Ministerpräsidenten der DDR, Herrn Lothar de Maizière . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10600 D Tagesordnungspunkt 19: Wahlvorschlag der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wahl eines Mitgliedes des Parlamentarischen Kon- trollgremiums gemäß §§ 4 und 5 Abs. 4 des Gesetzes über die parlamentarische Kon- trolle nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes (Kontrollgremium – PKGrG) (Drucksache 14/3663) . . . . . . . . . . . . . . . 10593 A Wahl des Abgeordneten Hermann Bachmaier als Mitglied des Parlamentarischen Kontroll- gremiums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10593 B Ergebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10596 D Tagesordnungspunkt 17: Vereinbarte Debatte anlässlich des zehnten Jahrestages derWirtschafts-, Währungs- und Sozialunion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10593 C Sabine Kaspereit SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10593 D Dr. Theodor Waigel CDU/CSU . . . . . . . . . . . 10596 D Oswald Metzger BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10601 A Dr. Günter Rexrodt F.D.P. . . . . . . . . . . . . . . . 10603 C Dr. Christa Luft PDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10605 D Rolf Schwanitz, Staatsminister BK . . . . . . . . 10607 D Dr. Kurt Biedenkopf, Ministerpräsident (Sachsen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10611 A Dr. Mathias Schubert SPD . . . . . . . . . . . . . . . 10614 D Zusatztagesordnungspunkt 14: Aktuelle Stunde betr. besserer Schutz der Bevölkerung – insbesondere von Kindern – vorAngriffen von Kampfhunden . . . . . . 10618 A Dr. Guido Westerwelle F.D.P. . . . . . . . . . . . . . 10618 B Hartmuth Wrocklage, Senator (Hamburg) . . . 10619 B Wolfgang Bosbach CDU/CSU . . . . . . . . . . . . 10620 B Cem Özdemir BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10621 B Dr. Gregor Gysi PDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10622 C Rolf Stöckel SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10623 D Dr. Hans-Peter Uhl CDU/CSU . . . . . . . . . . . . 10624 D Ulrike Höfken BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10626 A Klaus Haupt F.D.P. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10627 A Günter Graf (Friesoythe) SPD . . . . . . . . . . . . 10628 B Beatrix Philipp CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . 10629 A Otto Schily, Bundesminister BMI . . . . . . . . . 10630 B Erwin Marschewski (Recklinghausen) CDU/ CSU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10631 B Harald Friese SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10632 A Hartmuth Wrocklage, Senator (Hamburg) . . . 10633 A Otto Schily, Bundesminister BMI . . . . . . . . . 10633 C Dr. Hans-Peter Uhl CDU/CSU . . . . . . . . . . . . 10633 D Tagesordnungspunkt 20: Antrag der Abgeordneten Dr.-Ing. Rainer Jork, Katherina Reiche, weiterer Abge- ordneter und der Fraktion CDU/CSU: Lehrstellenmangel Ost mit wirksamen Regelungen angehen (Drucksache 14/3185) . . . . . . . . . . . . . . . 10634 A Plenarprotokoll 14/112 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 112. Sitzung Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 I n h a l t : Dr.-Ing. Rainer Jork CDU/CSU . . . . . . . . . . . 10634 B Ingrid Holzhüter SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10636 A Dr.-Ing. Rainer Jork CDU/CSU . . . . . . . . . 10637 A Cornelia Pieper F.D.P. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10637 D Antje Hermenau BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10639 A Gerhard Jüttemann PDS . . . . . . . . . . . . . . . . . 10640 B Edelgard Bulmahn, Bundesministerin BF . . . 10640 D Cornelia Pieper F.D.P. . . . . . . . . . . . . . . . . 10641 D Tagesordnungspunkt 22: Antrag der Fraktion PDS: Erleichterte und erweiterte Rehabilitierung und Ent- schädigung für Opfer der politischen Verfolgung in der DDR (Drucksache 14/2928) . . . . . . . . . . . . . . . 10643 D in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 12: Erste Beratung des von den Abgeordneten Günter Nooke, Ulrich Adam, weiteren Ab- geordneten und der Fraktion CDU/CSU ein- gebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Bereinigung von SED-Unrecht (Drittes SED-Unrechtsbereinigungsgesetz) (Drucksache 14/3665) . . . . . . . . . . . . . . . 10643 D in Verbindung mit Zusatztagesordnungspunkt 13: Antrag der Abgeordneten Günter Nooke, Ulrich Adam, weiterer Abgeordneter und der Fraktion CDU/CSU: Den jenseits von Oder und Neiße Verschleppten wirksam und dauerhaft helfen (Drucksache 14/3670) . . . . . . . . . . . . . . . 10643 D Petra Pau PDS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10644 A Günter Nooke CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . . . 10644 D Barbara Wittig SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10646 C Jürgen Türk F.D.P. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10648 C Hans-Christian Ströbele BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10649 A Tagesordnungspunkt 24: Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, Rainer Funke, weiteren Abgeordneten und der Fraktion F.D.P. eingebrachten Entwurfs eines Geset- zes zur Reform der Juristenausbildung (Drucksache 14/2666) . . . . . . . . . . . . . . . 10650 C Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10650 C Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten . . . . . 10651 A Anlage 2 Namensverzeichnis der Mitglieder des Deut- schen Bundestages, die an der Wahl eines Mit- gliedes des Parlamentarischen Kontrollgremiums gemäß §§ 4 und 5 des Gesetzes über die parla- mentarische Kontrolle nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes (Kontrollgremium – PKGrG) teilgenommen haben (Tagesordnungs- punkt 19) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10652 B Anlage 3 Zu Protokoll gegebene Reden zum Entwurf ei- nes Gesetzes zur Reform der Juris- tenausbildung – JurAusbReformG – (Tagesordnungspunkt 24) 10654 B Norbert Röttgen CDU/CSU . . . . . . . . . . . . . . 10654 B Joachim Stünker SPD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10655 C Hans-Christian Ströbele BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10657 B Dr. Edzard Schmidt-Jortzig F.D.P. . . . . . . . . . 10658 C Dr. Evelyn Kenzler PDS . . . . . . . . . . . . . . . . . 10659 B Dr. Eckhart Pick, Parl. Staatssekretär BMJ . . . 10659 D Anlage 4 Amtliche Mitteilungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10660 C Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000II Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000
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    Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 Hans-Christian Ströbele 10650 (C) (D) (A) (B) 1) Anlage 3 Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10651 (C) (D) (A) (B) Altmaier, Peter CDU/CSU 30.06.2000 Becker-Inglau, Ingrid SPD 30.06.2000 Behrendt, Wolfgang SPD 30.06.2000* Bernhardt, Otto CDU/CSU 30.06.2000 Dr. Böhmer, Maria CDU/CSU 30.06.2000 Dr. Bötsch, Wolfgang CDU/CSU 30.06.2000 Brudlewsky, Monika CDU/CSU 30.06.2000 Brüderle, Rainer F.D.P. 30.06.2000 Bühler (Bruchsal), CDU/CSU 30.06.2000* Klaus Buwitt, Dankward CDU/CSU 30.06.2000* Carstens (Emstek), CDU/CSU 30.06.2000 Manfred Deß, Albert CDU/CSU 30.06.2000 Doss, Hansjürgen CDU/CSU 30.06.2000 Eichhorn, Maria CDU/CSU 30.06.2000 Fischer (Frankfurt), BÜNDNIS 90/ 30.06.2000 Joseph DIE GRÜNEN Follak, Iris SPD 30.06.2000 Friedhoff, Paul K. F.D.P. 30.06.2000 Friedrich (Bayreuth), F.D.P. 30.06.2000 Horst Friedrich (Altenburg), SPD 30.06.2000 Peter Fromme, Jochen-Konrad CDU/CSU 30.06.2000 Dr. Fuchs, Ruth PDS 30.06.2000 Gebhardt, Fred PDS 30.06.2000 Dr. Götzer, Wolfgang CDU/CSU 30.06.2000 Haack (Extertal), Karl SPD 30.06.2000* Hermann Freiherr von Hammerstein, CDU/CSU 30.06.2000 Carl-Detlev Hauser (Rednitz- CDU/CSU 30.06.2000 hembach), Hansgeorg Dr. Haussmann, Helmut F.D.P. 30.06.2000 Hedrich, Klaus-Jürgen CDU/CSU 30.06.2000 Heyne, Kristin BÜNDNIS 90/ 30.06.2000 DIE GRÜNEN Hintze, Peter CDU/CSU 30.06.2000 Dr. Höll, Barbara PDS 30.06.2000 Hörster, Joachim CDU/CSU 30.06.2000* Dr. Hornhues, Karl-Heinz CDU/CSU 30.06.2000* Hornung, Siegfried CDU/CSU 30.06.2000* Jünger, Sabine PDS 30.06.2000 Dr. Kahl, Harald CDU/CSU 30.06.2000 Kampeter, Steffen CDU/CSU 30.06.2000 Dr. Kolb, Heinrich F.D.P. 30.06.2000 Leonhard Dr. Krogmann, Martina CDU/CSU 30.06.2000 Lintner, Eduard CDU/CSU 30.06.2000* Lippmann, Heidi PDS 30.06.2000 Lüth, Heidemarie PDS 30.06.2000 Maaß (Wilhelmshaven), CDU/CSU 30.06.2000* Erich Marquardt, Angela PDS 30.06.2000 Prof. Dr. Meyer (Ulm), SPD 30.06.2000 Jürgen Michels, Meinolf CDU/CSU 30.06.2000 Mosdorf, Siegmar SPD 30.06.2000 Neumann (Gotha), SPD 30.06.2000* Gerhard Dr. Pflüger, Friedbert CDU/CSU 30.06.2000 Ronsöhr, CDU/CSU 30.06.2000 Heinrich-Wilhelm Dr. Schäfer, Hansjörg SPD 30.06.2000 Dr. Schäuble, Wolfgang CDU/CSU 30.06.2000 Schmitz (Baesweiler), CDU/CSU 30.06.2000 Hans Peter von Schmude, Michael CDU/CSU 30.06.2000* Feiherr von CDU/CSU 30.06.2000 Schorlemer, Reinhard entschuldigt bisAbgeordnete(r) einschließlich entschuldigt bisAbgeordnete(r) einschließlich Anlage 1 Liste der entschuldigten Abgeordneten Anlagen zum Stenographischen Bericht Schröder, Gerhard SPD 30.06.2000 Schüßler, Gerhard F.D.P. 30.06.2000 Dr. Solms, Hermann F.D.P. 30.06.2000 Otto Sothmann, Bärbel CDU/CSU 30.06.2000 Steen, Antje-Marie SPD 30.06 .2000 Steinbach, Erika CDU/CSU 30.06.2000 Uldall, Gunnar CDU/CSU 30.06.2000 Wettig-Danielmeier, SPD 30.06.2000 Inge Wieczorek-Zeul, SPD 30.06.2000 Heidemarie Wiese (Hannover), SPD 30.06.2000 Heino Wimmer (Neuss), Willy CDU/CSU 30.06.2000 Dr. Wodarg, Wolfgang SPD 30.06.2000* Dr. Wolf, Winfried PDS 30.06.2000 Zierer, Benno CDU/CSU 30.06.2000* * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versamm- lung des Europarates Anlage 2 Namensverzeichnis der Mitglieder des Deutschen Bundestages, die an der Wahl eines Mitgliedes des Parlamentari- schen Kontrollgremiums gemäß §§ 4 und 5 des Gesetzes über die parlamentarische Kontrolle nachrichtendienstlicher Tätigkeit des Bundes (Kontrollgremium – PKGrG) teilgenommen ha- ben (Tagesordnungspunkt 19) Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10652 (C) (D) (A) (B) SPD Brigitte Adler Gerd Andres Ingrid Arndt-Brauer Rainer Arnold Hermann Bachmaier Ernst Bahr Doris Barnett Dr. Hans Peter Bartels Eckhardt Barthel (Berlin) Klaus Barthel (Starnberg) Ingrid Becker-Inglau Wolfgang Behrendt Dr. Axel Berg Friedhelm Julius Beucher Petra Bierwirth Rudolf Bindig Lothar Binding (Heidelberg) Kurt Bodewig Klaus Brandner Anni Brandt-Elsweier Willi Brase Dr. Eberhard Brecht Bernhard Brinkmann (Hildesheim) Rainer Brinkmann (Detmold) Hans-Günter Bruckmann Edelgard Bulmahn Ursula Burchardt Dr. Michael Bürsch Hans Martin Bury Hans Büttner (Ingolstadt) Marion Caspers-Merk Wolf-Michael Catenhusen Dr. Peter Danckert Dr. Herta Däubler-Gmelin Christel Deichmann Karl Diller Peter Dreßen Rudolf Dreßler Detlef Dzembritzki Dieter Dzewas Dr. Peter Eckardt Sebastian Edathy Ludwig Eich Marga Elser Peter Enders Gernot Erler Petra Ernstberger Annette Faße Lothar Fischer (Homburg) Gabriele Fograscher Norbert Formanski Rainer Fornahl Hans Forster Dagmar Freitag Lilo Friedrich (Mettmann) Harald Friese Anke Fuchs (Köln) Arne Fuhrmann Prof. Monika Ganseforth Iris Gleicke Günter Gloser Uwe Göllner Renate Gradistanac Günter Graf (Friesoythe) Angelika Graf (Rosenheim) Dieter Grasedieck Monika Griefahn Kerstin Griese Achim Großmann Wolfgang Grotthaus Karl Hermann Haack (Extertal) Hans-Joachim Hacker Klaus Hagemann Manfred Hampel Christel Hanewinckel Alfred Hartenbach Anke Hartnagel Klaus Hasenfratz Nina Hauer Hubertus Heil Reinhold Hemker Frank Hempel Rolf Hempelmann Dr. Barbara Hendricks Gustav Herzog Monika Heubaum Reinhold Hiller (Lübeck) Stephan Hilsberg Gerd Höfer Jelena Hoffmann (Chemnitz) Walter Hoffmann (Darmstadt) Iris Hoffmann (Wismar) Frank Hofmann (Volkach) Ingrid Holzhüter Eike Hovermann Christel Humme Lothar Ibrügger Barbara Imhof Brunhilde Irber Gabriele Iwersen Renate Jäger Jann-Peter Janssen Ilse Janz Prof. Dr. Uwe Jens Volker Jung (Düsseldorf) Johannes Kahrs Ulrich Kasparick Sabine Kaspereit Susanne Kastner Hans-Peter Kemper Klaus Kirschner Marianne Klappert Siegrun Klemmer Hans-Ulrich Klose Walter Kolbow Fritz Rudolf Körper Karin Kortmann Anette Kramme Nicolette Kressl Volker Kröning Angelika Krüger-Leißner Horst Kubatschka Ernst Küchler Helga Kühn-Mengel Ute Kumpf Konrad Kunick Dr. Uwe Küster Werner Labsch Christine Lambrecht Brigitte Lange Christian Lange (Backnang) Detlev von Larcher Christine Lehder Waltraud Lehn Robert Leidinger Klaus Lennartz Dr. Elke Leonhard Eckhart Lewering Götz-Peter Lohmann (Neubrandenburg) Christa Lörcher Erika Lotz Dr. Christine Lucyga Dieter Maaß (Herne) Winfried Mante Dirk Manzewski Tobias Marhold Lothar Mark Ulrike Mascher Christoph Matschie Heide Mattischeck Markus Meckel Ulrike Mehl Ulrike Merten Angelika Mertens Prof. Dr. Jürgen Meyer (Ulm) Ursula Mogg Christoph Moosbauer Siegmar Mosdorf Michael Müller (Düsseldorf) Jutta Müller (Völklingen) Christian Müller (Zittau) Franz Müntefering Andrea Nahles Volker Neumann (Bramsche) Gerhard Neumann (Gotha) Dr. Edith Niehuis Dr. Rolf Niese Dietmar Nietan Günter Oesinghaus Eckhard Ohl Leyla Onur Manfred Opel Holger Ortel Adolf Ostertag Kurt Palis Albrecht Papenroth Prof. Dr. Martin Pfaff Georg Pfannenstein Johannes Pflug Prof. Dr. Eckhart Pick Joachim Poß Karin Rehbock-Zureich Dr. Carola Reimann Margot von Renesse Renate Rennebach Bernd Reuter Reinhold Robbe Gudrun Roos René Röspel Dr. Ernst Dieter Rossmann Michael Roth (Heringen) Birgit Roth (Speyer) Gerhard Rübenkönig Marlene Rupprecht Thomas Sauer Dr. Hansjörg Schäfer Gudrun Schaich-Walch Rudolf Scharping Bernd Scheelen Dr. Hermann Scheer Siegfried Scheffler Horst Schild Otto Schily Dieter Schloten Horst Schmidbauer (Nürnberg) Ulla Schmidt (Aachen) Dagmar Schmidt (Meschede) Wilhelm Schmidt (Salzgitter) Regina Schmidt-Zadel Heinz Schmitt (Berg) Carsten Schneider Dr. Emil Schnell Walter Schöler Olaf Scholz Karsten Schönfeld Fritz Schösser Ottmar Schreiner Gisela Schröter Dr. Mathias Schubert Richard Schuhmann (Delitzsch) Brigitte Schulte (Hameln) Reinhard Schultz (Everswinkel) Volkmar Schultz (Köln) Ewald Schurer Dr. R. Werner Schuster Dietmar Schütz (Oldenburg) Dr. Angelica Schwall-Düren Rolf Schwanitz Bodo Seidenthal Erika Simm Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast Wieland Sorge Wolfgang Spanier Dr. Margrit Spielmann Jörg-Otto Spiller Dr. Ditmar Staffelt Ludwig Stiegler Rolf Stöckel Rita Streb-Hesse Reinhold Strobl (Amberg) Dr. Peter Struck Joachim Stünker Joachim Tappe Jörg Tauss Jella Teuchner Dr. Gerald Thalheim Wolfgang Thierse Franz Thönnes Uta Titze-Stecher Adelheid Tröscher Hans-Eberhard Urbaniak Rüdiger Veit Simone Violka Ute Vogt (Pforzheim) Hans Georg Wagner Hedi Wegener Dr. Konstanze Wegner Wolfgang Weiermann Reinhard Weis (Stendal) Matthias Weisheit Gunter Weißgerber Gert Weisskirchen (Wiesloch) Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker Jochen Welt Dr. Rainer Wend Hildegard Wester Lydia Westrich Inge Wettig-Danielmeier Dr. Margrit Wetzel Dr. Norbert Wieczorek Jürgen Wieczorek (Böhlen) Helmut Wieczorek (Duisburg) Heidemarie Wieczorek-Zeul Dieter Wiefelspütz Heino Wiese (Hannover) Klaus Wiesehügel Brigitte Wimmer (Karlsruhe) Engelbert Wistuba Barbara Wittig Dr. Wolfgang Wodarg Verena Wohlleben Hanna Wolf (München) Waltraud Wolff (Zielitz) Heidemarie Wright Uta Zapf Dr. Christoph Zöpel Peter Zumkley CDU/CSU Ulrich Adam Ilse Aigner Dietrich Austermann Norbert Barthle Dr. Wolf Bauer Günter Baumann Brigitte Baumeister Meinrad Belle Dr. Sabine Bergmann-Pohl Hans-Dirk Bierling Dr. Joseph-Theodor Blank Renate Blank Dr. Heribert Blens Dr. Norbert Blüm Friedrich Bohl Sylvia Bonitz Jochen Borchert Wolfgang Börnsen (Bönstrup) Wolfgang Bosbach Dr. Wolfgang Bötsch Klaus Brähmig Dr. Ralf Brauksiepe Paul Breuer Georg Brunnhuber Hartmut Büttner (Schönebeck) Cajus Caesar Manfred Carstens (Emstek) Leo Dautzenberg Wolfgang Dehnel Hubert Deittert Renate Diemers Thomas Dörflinger Marie-Luise Dött Rainer Eppelmann Ilse Falk Dr. Hans Georg Faust Albrecht Feibel Ingrid Fischbach Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) Dr. Gerhard Friedrich (Erlangen) Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof) Erich G. Fritz Hans-Joachim Fuchtel Dr. Jürgen Gehb Norbert Geis Dr. Heiner Geißler Georg Girisch Michael Glos Peter Götz Hermann Gröhe Manfred Grund Horst Günther (Duisburg) Gottfried Haschke (Großhennersdorf ) Gerda Hasselfeldt Norbert Hauser (Bonn) Klaus-Jürgen Hedrich Helmut Heiderich Ursula Heinen Siegfried Helias Hans Jochen Henke Ernst Hinsken Klaus Hofbauer Martin Hohmann Klaus Holetschek Josef Hollerith Hubert Hüppe Susanne Jaffke Georg Janovsky Dr.-Ing. Rainer Jork Bartholomäus Kalb Dr.-Ing. Dietmar Kansy Irmgard Karwatzki Volker Kauder Eckart von Klaeden Ulrich Klinkert Dr. Helmut Kohl Manfred Kolbe Norbert Königshofen Eva-Maria Kors Hartmut Koschyk Thomas Kossendey Rudolf Kraus Dr.-Ing. Paul Krüger Karl Lamers Dr. Karl A. Lamers (Heidelberg) Dr. Norbert Lammert Helmut Lamp Dr. Paul Laufs Karl-Josef Laumann Vera Lengsfeld Peter Letzgus Ursula Lietz Walter Link (Diepholz) Eduard Lintner Dr. Klaus W. Lippold (Offenbach) Dr. Manfred Lischewski Dr. Michael Luther Erwin Marschewski (Recklinghausen) Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) Wolfgang Meckelburg Dr. Michael Meister Dr. Angela Merkel Friedrich Merz Hans Michelbach Dr. Gerd Müller Bernward Müller (Jena) Elmar Müller (Kirchheim) Bernd Neumann (Bremen) Günter Nooke Franz Obermeier Friedhelm Ost Eduard Oswald Norbert Otto (Erfurt) Dr. Peter Paziorek Anton Pfeifer Beatrix Philipp Ronald Pofalla Marlies Pretzlaff Hans Raidel Dr. Peter Ramsauer Helmut Rauber Christa Reichard (Dresden) Katherina Reiche Erika Reinhardt Hans-Peter Repnik Klaus Riegert Dr. Heinz Riesenhuber Franz Romer Hannelore Rönsch (Wiesbaden) Dr. Klaus Rose Kurt J. Rossmanith Adolf Roth (Gießen) Norbert Röttgen Dr. Christian Ruck Volker Rühe Anita Schäfer Heinz Schemken Karl-Heinz Scherhag Gerhard Scheu Norbert Schindler Bernd Schmidbauer Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10653 (C) (D) (A) (B) Christian Schmidt (Fürth) Dr.-Ing. Joachim Schmidt (Halsbrücke) Andreas Schmidt (Mülheim) Birgit Schnieber-Jastram Dr. Andreas Schockenhoff Dr. Rupert Scholz Dr. Erika Schuchardt Wolfgang Schulhoff Diethard Schütze (Berlin) Clemens Schwalbe Dr. Christian Schwarz- Schilling Wilhelm-Josef Sebastian Horst Seehofer Heinz Seiffert Rudolf Seiters Bernd Siebert Werner Siemann Johannes Singhammer Carl-Dieter Spranger Wolfgang Steiger Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten Andreas Storm Dorothea Störr-Ritter Max Straubinger Matthäus Strebl Thomas Strobl (Heilbronn) Michael Stübgen Dr. Rita Süssmuth Dr. Susanne Tiemann Edeltraut Töpfer Dr. Hans-Peter Uhl Arnold Vaatz Angelika Volquartz Dr. Theodor Waigel Peter Weiß (Emmendingen) Gerald Weiß (Groß-Gerau) Annette Widmann-Mauz Heinz Wiese (Ehingen) Hans-Otto Wilhelm (Mainz) Klaus-Peter Willsch Bernd Wilz Matthias Wissmann Werner Wittlich Aribert Wolf Elke Wülfing Wolfgang Zeitlmann Wolfgang Zöller BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN Gila Altmann (Aurich) Marieluise Beck (Bremen) Volker Beck (Köln) Angelika Beer Matthias Berninger Grietje Bettin Annelie Buntenbach Ekin Deligöz Dr. Thea Dückert Franziska Eichstädt-Bohlig Dr. Uschi Eid Hans-Josef Fell Andrea Fischer (Berlin) Katrin Dagmar Göring- Eckardt Rita Grießhaber Antje Hermenau Ulrike Höfken Michaele Hustedt Monika Knoche Dr. Angelika Köster-Loßack Steffi Lemke Dr. Helmut Lippelt Dr. Reinhard Loske Oswald Metzger Kerstin Müller (Köln) Winfried Nachtwei Christa Nickels Cem Özdemir Simone Probst Claudia Roth (Augsburg) Christine Scheel Irmingard Schewe-Gerigk Rezzo Schlauch Albert Schmidt (Hitzhofen) Werner Schulz (Leipzig) Christian Simmert Christian Sterzing Hans-Christian Ströbele Jürgen Trittin Dr. Ludger Volmer Sylvia Voß Helmut Wilhelm (Amberg) Margareta Wolf (Frankfurt) F.D.P. Ina Albowitz Hildebrecht Braun (Augsburg) Ernst Burgbacher Jörg van Essen Ulrike Flach Gisela Frick Rainer Funke Dr. Wolfgang Gerhardt Hans-Michael Goldmann Joachim Günther (Plauen) Dr. Karlheinz Guttmacher Klaus Haupt Ulrich Heinrich Birgit Homburger Dr. Werner Hoyer Ulrich Irmer Dr. Klaus Kinkel Gudrun Kopp Jürgen Koppelin Ina Lenke Sabine Leutheusser- Schnarrenberger Dirk Niebel Günther Friedrich Nolting Hans-Joachim Otto (Frankfurt) Detlef Parr Cornelia Pieper Dr. Günter Rexrodt Dr. Edzard Schmidt-Jortzig Dr. Irmgard Schwaetzer Marita Sehn Dr. Max Stadler Carl-Ludwig Thiele Dr. Dieter Thomae Dr. Guido Westerwelle PDS Dr. Dietmar Bartsch Maritta Böttcher Eva-Maria Bulling-Schröter Roland Claus Heidemarie Ehlert Dr. Heinrich Fink Dr. Klaus Grehn Dr. Gregor Gysi Uwe Hiksch Ulla Jelpke Gerhard Jüttemann Dr. Evelyn Kenzler Rolf Kutzmutz Ursula Lötzer Dr. Christa Luft Kersten Naumann Rosel Neuhäuser Petra Pau Dr. Uwe-Jens Rössel Christina Schenk Dr. Ilja Seifert Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10654 (C) (D) (A) (B) Entschuldigt wegen Übernahme einer Verpflichtung im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in den Parlamentarischen Versammlungen des Europarates und der WEU, der Parlamentarischen Versammlung der NATO, der OSZE oder der IPU Abgeordnete Bühler, Klaus, CDU/CSU Buwitt, Dankward CDU/CSU Hornhues, Dr., Karl-Heinz, CDU/CSU Hornung, Siegfried CDU/CSU Hörster, Joachim CDU/CSU Maaß (Wilhelmshaven), Erich, CDU/CSU Michels, Meinolf, CDU/CSU von Schmude, Michael CDU/CSU Zierer, Benno, CDU/CSU Anlage 3 Zu Protokoll gegebene Reden Zum Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Ju- ristenausbildung – JurAusbReformG(Tagesord- nungspunkt 24) Norbert Röttgen (CDU/CSU): Die Juristenausbil- dung in ihrer heutigen Grundkonzeption ist 200 Jahre alt. Seither wird über ihre Reform diskutiert, ohne dass sich bedeutende Änderungen wirklich haben durchsetzen kön- nen. Dennoch besteht Verbesserungsbedarf. Wenn sich die nunmehr erneut geführte Debatte dadurch von frühe- ren unterscheiden soll, dass sie zu Ergebnissen führt, ist es unerlässlich, drei Fragen klar zu beantworten: Erstens. Was sind die Reformgründe, also die Missstände in der gegenwärtigen Ausbildung? Zweitens. Was sind die Re- formziele? Drittens. Was sind die geeigneten Instru- mente? Ich komme zum ersten Punkt, den Reformgründen. Vier Probleme belasten die gegenwärtige Juristenausbil- dung in unserem Land. Als Erstes ist zu nennen, dass es sich bei dem gegenwärtigen Jurastudium um ein Mas- senstudium mit einem inakzeptablen Missverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden handelt. Dieses Ver- hältnis liegt bei 1:120 und muss zu einer abnehmenden Qualität der Ausbildung führen. Das zweite Problem liegt darin, dass die Studenten es im Studium und in den Examina mit einer Stofffülle zu tun haben, die praktisch kaum noch zu bewältigen ist. Tech- nisierung, Digitalisierung und Internationalisierung ma- chen nicht nur die Wirklichkeit komplex, sondern führen auch zu einem enormen Umfang und einer enormen Kom- plexität der juristischen Stofffülle. Zusammen mit der feh- lenden Verzahnung von Studien- und Prüfungsinhalten führt diese Stofffülle zu einer den wissenschaftlichen An- spruch des Studiums aushöhlenden Examensfixierung seitens der Studenten. Das dritte Problem der gegenwärtigen juristischen Ausbildung besteht darin, dass sie am Bedarf des Arbeits- marktes vorbeigeht. Leidtragende der weit über den Be- darf hinausgehenden Ausbildung ist insbesondere die An- waltschaft. Drei von vier Absolventen werden Rechtsan- walt, viele, weil sie diesen Beruf ergreifen wollen, viel zu viele mangels Alternative. Der vierte gravierende Mangel der gegenwärtigen Aus- bildung besteht darin, dass sie nach Art und Gesamtdauer dazu führt, dass die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Juristen abnimmt, obwohl sie wegen der In- ternationalisierung des Rechtsverkehrs immer wichtiger wird. Was sind angesichts dieser Missstände die Reformziele und die zu ihrer Verwirklichung nötigen Reformschritte? Die Ausbildung verbessern und nicht verbilligen ist mei- nes Erachtens die oberste Maxime. Wer sich diesem Ziel anschließt, muss im Hinblick auf das von der Justizminis- terkonferenz mehrheitlich befürwortete Einphasen-Mo- dell feststellen, dass es auf dem bisherigen Kostenniveau ohne Qualitätseinbußen nicht realisierbar ist. Wer also das Einphasen-Modell befürwortet und gleichzeitig sparen möchte, greift die Qualität der juristischen Ausbildung an. Ein positives Reformziel besteht darin, das Studium an die Universität zurückzuholen. Im Zentrum steht dabei die Einführung einer Universitätsprüfung als Studienab- schluss. Damit würde endlich die Verbindung geschaffen zwischen universitärer Ausbildung und Prüfung. Univer- sitätsprüfung heißt, dass diejenigen, die lehren, auch prü- fen, und dass das, was gelehrt wurde, auch geprüft wird. Das Studium würde dadurch eine angemessene Aufwer- tung erfahren. Weiterhin ist eine Universitätsprüfung die unerlässliche Voraussetzung für effektive Zwischenprü- fungen während des Studiums. Diese sind zwingend nötig, wenn das Problem der Massen nicht erst am Ende, sondern sinnvollerweise am Anfang der Ausbildung an- gegangen werden soll. Hierfür muss aber das Eigeninte- resse der Professoren begründet werden. Das juristische Studium bedarf weiterhin einer Er- neuerung auch im Hinblick auf die Studieninhalte. Nötig ist eine neue Definition einerseits von Kernkompetenzen, die jeder Jurist beherrschen muss und die die Grundlagen, Strukturen und die Methodik des Rechts und der Rechts- anwendung betreffen, sowie von Spezialkompetenzen, die für einzelne Rechtsgebiete Detailwissen beinhalten. Im Zusammenhang mit dieser Diskussion muss sicherlich auch über eine Modernisierung der Studieninhalte geredet werden. Dies bedeutet etwa, dass wir zumindest bereit sein müssen, darüber zu diskutieren, ob das Strafrecht, das in der Berufspraxis relativ weniger Juristen eine Rolle spielt, als a priori wichtiger angesehen werden muss als etwa das alle Lebens- und Rechtsbereiche durchdringende Europarecht. Schließlich ein weiterer Reformvorschlag: Die Uni- versitätsprüfung sollte als berufsqualifizierender Ab- schluss mit Ausnahme der Rechtspflegeberufe konzipiert sein. In den anderen Fällen fehlt dem Referendariat als staatlich finanzierte Ausbildung nämlich nicht nur die Rechtfertigung, sondern in weiten Teilen die Eignung. Das Rechtspflegereferendariat kann dabei kürzer sein als das heutige Referendariat und würde auf diese Weise auch einen Beitrag zur notwendigen Verkürzung der juristi- schen Ausbildung leisten. Insgesamt möchte ich für die CDU/CSU-Bundestags- fraktion feststellen: Auch wenn die Diskussion um die ju- ristische Ausbildung alt ist und vielleicht niemals beendet wird, müssen wir einen neuen, beherzten Reformversuch unternehmen. Oberstes Ziel muss eine Verbesserung der Qualität und der Konkurrenzfähigkeit der juristischen Ausbildung sein. Dies wird nur auf der Grundlage eines offenen und sachlichen Dialoges innerhalb des Bundesta- ges und zwischen Bundestag und Bundesrat möglich sein. Die CDU/CSU-Fraktion wird hierzu konstruktive, kon- zeptionell gute und realistische Vorschläge einbringen. Joachim Stünker (SPD): Bei allem sonstigen Streit in der Rechtspolitik, in einem sind sich im Grunde alle Akteure einig: Ob Sie sich in der juristischen Berufspra- xis, im rechtswissenschaftlichen Bereich, bei den Studie- renden oder unter Justizpolitikerinnen und Justizpoliti- kern erkundigen, eine grundlegende Reform der Juristen- ausbildung wird von allen für dringend notwendig erachtet. Insofern rennen die Kolleginnen und Kollegen von der F.D.P. mit ihrem Gesetzentwurf offene Türen ein: In diversen Arbeitsgruppen, Landesjustizministerien und Universitätszirkeln wird intensiv an realisierbaren Kon- zepten gearbeitet. Und auch die Regierungsfraktionen haben in der Koalitionsvereinbarung im Kapitel „Justiz- reform“ vereinbart – Zitat –: „Die Aus- und Fortbildung der Juristinnen und Juristen werden wir unter Berück- sichtigung der Anforderungen einer modernisierten Rechtsordnung reformieren.“ Die Bundesjustizministerin hat ebenfalls öffentlich bekräftigt, dass die Reform der Juristenausbildung auf der rechtspolitischen Agenda der Bundesregierung stehe. Eine solche Reform ist auch bitter nötig: Juristische Fa- kultäten leiden seit Jahren an Überfüllung, darunter leidet die Qualität der Ausbildung. Zurzeit studieren genauso viele junge Menschen Jura wie Juristen in den traditio- nellen Berufen arbeiten. Starke Inanspruchnahme der Re- petitorien zeigt problematisches Auseinanderfallen von Ausbildungsinhalten und Prüfungsanforderungen. Exa- menfixiertes Lernen, eingepauktes Einzelwissen statt übergreifendes Verständnis; Anforderungen durch Eu- ropäisierung des Rechts; Referendariat bisher zu staats- und justizorientiert, obwohl überwiegend spätere Berufs- tätigkeit in anderen Feldern, zum Beispiel Rechtsgestal- tung fehlt; unzureichende Vorbereitung auf die juristische Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10655 (C) (D) (A) (B) Praxis. Die Berufssituation erfordert erweitere Fähigkei- ten: betriebswirtschaftliche Kenntnisse, soziale Kompe- tenzen, Teamfähigkeit. Die hohe Misserfolgsquote im Examen nach Jahren der Ausbildung ist Auszubildenden gegenüber nicht verantwortbar. Wartezeiten im Referen- dariat von bis zu weit über 12 Monaten sind jungen Men- schen nicht zumutbar und volkswirtschaftlich unverant- wortlich. Wie gesagt, offene Türen also! Der von der F.D.P.-Fraktion mit dem vorliegenden Ge- setzentwurf eingeschlagene Weg ist allerdings kein taug- liches Mittel zur Unterstützung dieses Reformprozesses. Die Initiierung eines Bundesgesetzes zum jetzigen Zeit- punkt wirkt den Einigungsbestrebungen im Rahmen der Justizministerkonferenz des Bundes und der Länder ent- gegen und ist insofern kontraproduktiv. Wie Sie wissen, hat es hier in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung gegeben. Nach dem Appell des so genannten Ladenburger Kreises, einer Gruppe von Hochschullehrern um den ehemaligen Bundesverfas- sungsrichter Professor Dr. Bockenförde, zu einer grund- legenden Reform der juristischen Ausbildung im Jahr 1997 ist das Thema Juristenausbildung endlich wieder auf die rechtspolitische Agenda gesetzt worden. Am 5. No- vember 1998 haben sich die Justizministerinnen und Jus- tizminister auf ihrer Herbstkonferenz nach intensiver Dis- kussion mit breiter Mehrheit im Grundsatz für eine ein- phasige Ausbildungskonzeption nach dem Modell der praxisintegrierten universitären Juristenausbildung aus- gesprochen. Nach diesem Modell sollen die praktischen Ausbil- dungselemente in das Studium integriert und das Refe- rendariat sowie das zweite Staatsexamen abgeschafft wer- den. Das Studium soll in Grund- und Vertiefungsstudium mit Zwischenprüfung sowie einem einjährigen Praxis- block getrennt werden und direkt berufsqualifizierend sein. Gleichzeitig soll das Verhältnis zwischen Studieren- den und Lehrenden deutlich verbessert werden, um ver- mehrt in Seminaren und Kleingruppen ausbilden zu kön- nen – eine echte Qualitätssteigerung also, zu der die Kul- tusministerkonferenz schon ihre Zustimmung erteilt hat. In den konkreten Berufen sollen die Absolventen dann in einer berufsspezifischen Einarbeitungsphase nach dem Prinzip von Traineeprogrammen in Verantwortung der je- weiligen Arbeitgeber vorbereitet werden, allerdings ohne erneute Prüfung am Ende. Leitbild dieser Konzeption ist mit einer treffenden Formulierung des Ladenburger Ma- nifestes „der rechtsgelehrte, allseits einarbeitungsfähige Jurist, der über juristische Urteilskraft verfügt“. Diese Konzeption einer einphasigen praxisintegrierten universitären Juristenausbildung ist am 10. November 1999 auf der Herbst-Justizministerkonferenz erneut be- stätigt worden. Gleichzeitig ist eine Arbeitsgruppe unter der Federführung Baden-Württembergs beauftragt wor- den, das Modell weiterzuentwickeln und konkrete Ver- handlungen mit der Innenministerkonferenz sowie den Wissenschafts- und Finanzressorts über die Umsetzung zu führen. Die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen begrüßen diesen Einigungsprozess ausdrücklich. Die Ju- ristenausbildung ist zu wesentlichen Teilen Ländersache. Insbesondere für den wichtigen Bereich des Universitäts- studiums sind bundesgesetzlich allenfalls Rahmensetzun- gen unter anderem über das deutsche Richtergesetz mög- lich. Wir unterstützen deshalb die Bemühungen der Jus- tizministerkonferenz und sind zuversichtlich, dass es dort in nächster Zeit – eventuell schon im Rahmen der Herbst- Konferenz – zu einer endgültigen Einigung kommen wird. Auf der Grundlage einer solchen Einigung sollte dann ein zwischen Bund und Ländern abgestimmter Ge- setzgebungsprozess erfolgen. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: Im Rahmen der von uns angestrebtem großen Justizreform kommt insbesondere auch der Juristenausbildung eine große Bedeutung zu. Die grundlegende Reform sollte des- halb meines Erachtens noch in dieser Legislaturperiode legislativ zum Abschluss gebracht werden. Sollte sich herausstellen, dass es im Rahmen der Justizministerkon- ferenz nicht zur Einigung kommen kann, wird eine Ge- setzesinitiative in diesem Hohen Hause unerlässlich sein. Zum jetzigen Zeitpunkt aber sehen wir noch gute Chan- cen für eine Einigung und lehnen daher ein bundesge- setzliches Vorpreschen ab. Hinzu kommt, dass der hier vorgelegte Gesetzentwurf auch inhaltlich nicht auf der Höhe der Zeit ist und mir ehr- lich gesagt auch nicht besonders durchdacht erscheint. Ich will die wesentlichen Kritikpunkte kurz umreißen: Erstens. In der Fachdiskussion ist unstrittig, dass eine grundlegende Reform der Juristenausbildung gut abge- stimmt die Bereiche Universitätsstudium und Praxisaus- bildung umfassen muss. Nur so können die nötige Ver- besserung der Gesamtausbildung und die Verzahnung von Theorie und Praxis erreicht werden. Eine Reform, die sich nicht beiden Ausbildungsteilen widmet, wird notwendig Stückwerk bleiben. In dem Gesetzentwurf fehlt jedoch der Bereich der zukünftigen Gestaltung des Universitäts- studiums völlig. Sie widmen sich ausschließlich der Ab- schaffung bzw. Umgestaltung des Referendariats und greifen damit einfach zu kurz. Zweitens. Mit dem Entwurf verfolgt die F.D.P. die Ab- kehr von der Ausbildung zum Einheitsjuristen. Darin sehe ich einen schwerwiegenden Fehler. Das Modell des Ein- heitsjuristen bietet unbestreitbare Vorteile, um die uns viele Länder beneiden: So treten bei uns in weit geringe- rem Maße zum Beispiel Entfremdung und Gegensätze zwischen den juristischen Fachprofessionen auf als in an- deren Ländern. Niemand wird gezwungen, sich für oder gegen eine bestimmte Berufssparte zu entscheiden, bevor er sie kennengelernt hat. Die große Bandbreite der Aus- bildung bietet eine bessere berufliche Perspektive für Absolventinnen und Absolventen. Gerade im Zuge der Europäisierung des Rechts wird eine gute juristische All- gemeinausbildung immer wichtiger, da für jede Speziali- sierung ein Überblick über die gesamte Rechtsordnung erforderlich ist. Außerdem garantiert das Modell des Ein- heitsjuristen jedermann ohne Rücksicht auf Einkommen, Stand oder persönliche Beziehungen den Erwerb einer einheitlichen Zugangsberechtigung für jeden juristischen Beruf. Drittens. Sie halten zumindest für den Bereich von An- waltschaft, Justiz und öffentlicher Verwaltung an einem zweistufigen Ausbildungsmodell fest. Damit stehen Sie in Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10656 (C) (D) (A) (B) Widerspruch zu den Beschlüssen der Justizministerkonfe- renz und der überwiegenden Auffassung in der bundes- weiten Reformdiskussion. Es besteht inzwischen weitge- hend Zustimmung zum Modell einer praxisintegrierten universitären einphasigen Juristenausbildung. Viertens. Weiterhin sehe ich bei der vorgesehenen feh- lenden gesetzlichen Konkretisierung des Umfangs der Ausbildungszeit bei einem Rechtsanwalt und deren Ver- gütung die Gefahr des Fehlens einer ausreichenden Zahl von Ausbildungsplätzen bzw. der Vergabe von knappen Plätzen nach sachfremden Kriterien. Wenn wir sehen, wie sich die Situation im Bereich der Medizin bei Assistenz- ärzten darstellt, halte ich dies nicht für einen erstrebens- werten Zustand. Fünftens. Gerade bezüglich der Ausgestaltung des von Ihnen vorgeschlagenen Anwaltsvorbereitungsdienstes wäre der unumgängliche Einfluss des Staates nicht mehr gegeben. Dieser ist meines Erachtens aber für die Ausbil- dung des Rechtsanwalts als unabhängiges Organ der Rechtspflege unabweisbar geboten. Sechstens. Zu guter Letzt halte ich den Entwurf für in sich nicht stimmig. Sie wollen den Einheitsjuristen aus grundsätzlichen Erwägungen abschaffen. Für den Bereich von Anwaltschaft, Justiz und öffentlicher Verwaltung bleibt er aber im Ergebnis völlig aufrechterhalten. Sie führen zwar separate Spartenausbildungen mit Abschluss- prüfungen ein, im Ergebnis berechtigt jedoch jeder Spar- tenabschluss auch zum Berufszugang für alle anderen Sparten. Wie dies mit der Kritik an fehlender Spezialisie- rung und Verbesserung der Praxisausbildung zu vereinba- ren sein soll, ist mir unverständlich. Im Ergebnis hinterlässt Ihr Entwurf daher den Ein- druck: Der Anwaltschaft soll die Möglichkeit eingeräumt werden, den Zugang zum Anwaltsberuf durch das „Na- delöhr“ eines besonderen Vorbereitungsdienstes zu steu- ern und zu begrenzen. Das kann aber nicht Maßstab einer verantwortbaren Reform der Juristenausbildung sein. Die Einführung eines berufsqualifizierenden juristi- schen Abschlusses bereits am Studienende halte ich zwar grundsätzlich für begrüßenswert. In ihrem Vorschlag er- folgt sie aber ohne Absicherung der notwendigen Stär- kung der Praxisorientierung und weiterer qualitativer Ver- besserungen des Studiums und dient nur dazu, eine Zu- gangsbegrenzung für die Spartenausbildungen als Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder Verwaltungsbe- amter zu ermöglichen. Abschließend kann ich nur feststellen, dass Ihr Ent- wurf entgegen der Überschrift keine echte „Reform der Juristenausbildung“ darstellt, sondern ein Herumdoktern an Symptomen und damit nur Stückwerk. Halten Sie sich lieber an die Justizministerkonferenz und Ihren Partei- freund Goll aus Baden-Württemberg. Dessen Ideen und Vorschläge passen besser zum Titel „Reform“ und hätten uns heute eine bessere Debatte beschert. Hans-Christian Ströbele (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN): Einigkeit besteht darüber, dass die Ausbildung der Juristinnen und Juristen reformbedürftig ist; diese Not- wendigkeit ist im Entwurf der F.D.P. auch eindrucksvoll dargelegt. Allerdings stellt der F.D.P.-Entwurf aus vielen Gründen nicht die Lösung des Problems dar: Erstens. Die Abschaffung des obligatorischen ersten Staatsexamens wird in der Realität dazu führen, dass die- jenigen Absolventinnen und Absolventen ohne Staatsexa- men als Juristinnen und Juristen zweiter Klasse eingestuft werden. Nach bisherigem Stand werden mindestens sie- ben Bundesländer die ausschließlich universitäre Prüfung nicht mitmachen. Die „Universitätsabschlussjuristinnen und -juristen“ werden sowohl bei der Vergabe der Ausbildungsplätze für den Vorbereitungsdienst als auch als Bewerberinnen und Bewerber auf dem Arbeitsmarkt erheblich schlechtere Chancen haben als die „Staatsexamensjuristinnen und -ju- risten“. Einheitlichkeit, Vergleichbarkeit und Chancen- gleichheit sind mit diesem Modell nicht gewahrt. Die Beibehaltung des obligatorischen ersten Staatsexa- mens ist deshalb dringend geboten; allerdings sollte der Bundesgesetzgeber den Prüfern der jeweiligen Univer- sitäten mehr Einfluss auf die Prüfungen ermöglichen, zum Beispiel die Federführung bei der Auswahl der Aufgaben den Hochschullehrern zu überlassen. Zweitens. Entschieden abzulehnen ist die Eingangs- prüfung für den Vorbereitungsdienst. Abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken – Art. 12: entweder ist die universitäre Abschlussprüfung die Qualifikation für den Vorbereitungsdienst oder nicht –, ist dies der un- taugliche Versuch, die nicht gegebene Einheitlichkeit der Abschlussprüfungen nachträglich auf Kosten der Uni-Ab- solventinnen und -Absolventen herzustellen. Was sollen diejenigen tun, die diese Prüfung nicht be- stehen? Wer bereitet auf diese Prüfung – wahrscheinlich mit bis zu diesem Zeitpunkt nur unzulänglich vermittel- tem Praxiswissen gespickt – vor? Bei der Eingangsprü- fung für den Anwaltsvorbereitungsdienst droht die Gefahr einer Bedarfsprüfung. Drittens. Zwar ist die Dreiteilung des Vorbereitungs- dienstes zu begrüßen. Allerdings sollen die heikelsten Punkte – Gestaltung der Ausbildungssituation, Finanzie- rung des Anwaltsvorbereitungsdienstes und Besetzung der Prüfungsorgane per Rechtsverordnung des BMJ im Benehmen mit der Bundesrechtsanwaltskammer unter Zustimmung des Bundesrates geregelt werden. Als zentrale Ausbildungsstelle wird als Ort eine An- waltsakademie vorgeschlagen, die es noch zu gründen gelte. Dabei wird verschwiegen, dass es bundesweit be- reits Fortbildungsakademien für Anwälte gibt, für deren Seminare hohe Gebühren gezahlt werden müssen. Nicht gesagt wird, wer in welcher Höhe den Anwalts- vorbereitungsdienst finanzieren soll. Viertens. Die im Rahmen der Kosten aufgeführten Ein- schätzungen, dass die Landesjustizhaushalte entlastet und der Zuwachs bei den Wissenschaftshaushalten zur Ver- besserung der universitären Ausbildung kaum ins Ge- wicht fallen würden, gehen in mehrfacher Hinsicht an der Realität vorbei. Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10657 (C) (D) (A) (B) a) Die Entlastungen bei den Landesjustizhaushalten werden wahrscheinlich nicht in dem erhofften Maße eintreten, weil sowohl für den Justizvorbe- reitungs- als auch den Verwaltungsvorbereitungs- dienst Vorhaltekosten entstehen. Mit der Abschaf- fung der bisher obligatorischen Staatsanwalt- schaftsstation wird der staatsanwaltschaftliche Sitzungsdienst auf Amtsgerichtsebene, der bisher überwiegend von Rechtsreferendarinnen und -re- ferendaren wahrgenommen wird, bundesweit zu- sammenbrechen. Der Sitzungsdienst muss dann von neu eingestellten Staatsanwältinnen und Staatsanwälten wahrgenommen werden. Da eine Praxisphase – wo auch immer verortet – unerläss- lich ist, muss diese auch finanziert werden. Die Finanzierung sollte nicht mehr, wie bisher, im Rahmen eines starren Beamtenverhältnisses auf Widerruf erfolgen, sondern flexibler als Angestell- tenverhältnis ausgestaltet werden. Auch die Höhe der Bezüge bzw. des Gehalts muss bei einem allein stehenden Referendar nicht unbedingt circa 2 000 DM brutto betragen; allerdings erfordert eine sozialverträgliche Ausgestaltung des Vorbe- reitungsdienstes ein Mindestgehalt von 1 700 DM brutto; von einer Entlastung der Justizhaushalte kann also keinesfalls die Rede sein. b) Die Einschätzung, dass der Zuwachs der Mittel für die universitäre Ausbildung kaum ins Gewicht fal- len werde, ist entschieden zu verneinen. Abgesehen davon, dass aus den oben genannten Grün- den kaum Mittel aus den Justizhaushalten an die Univer- sitäten zu verteilen sein werden, sind für eine studentin- nen- und studentengerechte universitäre Ausbildung strukturelle – insbesondere personelle – Veränderungen der bisherigen Lehrkörper an den Universitäten ebenso erforderlich, wie eine erheblich bessere Finanzausstat- tung der ausbildenden Institute: Ohne den kostenintensiven Ausbau bzw. die Neuschaf- fung eines im Verhältnis zu den bisherigen Lehrstuhlin- haberinnen und -inhabern und im Rahmen der Institute unabhängigen sowie eigenständigen akademischen Mit- tel- und Oberbaus, der unabhängig von Forschungsinte- ressen und -verpflichtungen die Studentinnen und Stu- denten mit didaktisch modernen Lehrmethoden kontinu- ierlich und systematisch Theorie und Praxis miteinander verzahnend ausbildet, ist jede Ausbildungsreform zum Scheitern verurteilt. Im Unterschied zu heute müssen die Lehrstuhlinha- ber/Dozentinnen und Dozenten keine akademische Lauf- bahn an der Universität einschlagen. Die Qualitätskontrolle der Lehre erfolgt durch eine echte Evaluierung, wie sie bei Privatakademien schon bis- her üblich ist. Diese strukturelle und personelle Neuerung wird die Landeswissenschaftshaushalte für die 38 deutschen Uni- versitätsstandorte mit rechtswissenschaftlichen Fakultä- ten Milliarden kosten. Es gäbe noch weitere Kritikpunkte, die ich aus Zeit- gründen leider nicht mehr ansprechen kann. Eines ist jedenfalls klar, das Modell der F.D.P. kann so nicht unsere Zustimmung finden. Die Koalition wird nach Diskussion und Abstimmung mit den Justizministerien der Länder einen eigenen Vorschlag vorlegen. Die Juris- tenausbildung muss der Änderung der Gesellschaft und des Berufsbildes der Juristen angepasst werden. Sie darf nicht zur Heranbildung von „Fachidioten“ des Rechts führen, sondern muss interdisziplinärer werden und Juris- tinnen und Juristen bilden, die gewohnt sind, über den Tellerrand des Juristischen zu blicken und gesellschaftli- che Zusammenhänge zu begreifen und in ihre Arbeit ein- zubeziehen. Die Juristenausbildung muss aber auch für alle, die diese wollen, offen bleiben, unabhängig von eigenem Ein- kommen und Vermögen und den finanziellen Verhältnis- sen der Eltern. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig (F.D.P.): Mit der heuti- gen ersten Lesung des von uns eingebrachten Entwurfs ei- nes Gesetzes zur Reform der Juristenausbildung kommt endlich das parlamentarische Verfahren zu einem wirklich überfälligen Modernisierungsprojekt in Gang. Schon seit vielen Jahren wird die Malaise der überkommenen Juris- tenausbildung beklagt. Das Studium ist längst aus ver- nünftigen Kanalisierungen ausgebrochen. Die Stofffülle ist zu groß, die wissenschaftlichen Lehrmethoden halten mit einer Effektivitätsausrichtung längst nicht mehr Schritt, die betreffenden Fakultäten und Fachbereiche sind unzureichend ausgestattet und die faktische Studien- zeit ist nach wie vor zu lang. Natürlich sind hierfür letzt- lich die Länder zuständig. Aber der Bund gibt über seine Zulassungsregeln zum Richter- und Anwaltsberuf sowie zum höheren Verwaltungsdienst die maßgeblichen Richt- werte vor. Erst recht der zum vollen Qualifikationsausweis uner- lässliche Referendardienst – samt Zweitem Staats- examen – ist in seinem heutigen Zuschnitt total veraltet und ineffektiv. Wirtschaft und Anwaltschaft kritisieren schon seit langem, dass er schwerpunktmäßig auf den Richterberuf ausgerichtet ist, obwohl nur noch knapp 3 Prozent der jungen Juristen in diese Berufssparte und die Staatsanwaltschaft gelangen. Auch soll der „normale“ Nachwuchsjurist natürlich stärkere Fremdsprachenkom- petenz erwerben, sich in Ökonomie, Politik und Sozialem auskennen und am Ende schließlich nicht wesentlich älter sein als seine Konkurrenten aus den anderen EU-Staaten auf dem zunehmend europäischen Berufsmarkt. Das alles erbringt die überkommene Referendarausbildung in kei- ner Weise. Dass die Länder zudem über die hohen Refe- rendariatskosten klagen, die insgesamt bei rund 1 Milli- arde DM liegen dürften und die ohnehin strapazierten Justizhaushalte belasten, kann immerhin die Reformbe- reitschaft voranbringen. Eine Antwort auf die drängenden Forderungen des Er- neuerungsbedarfs sollte allemal beherzt statt halbherzig ausfallen. Sie muss den Realitäten gewandelter juristi- scher Berufsziele, begrenzter berufsplanerischer Lernzeit und staatlicher Finanzausstattung ebenso Rechnung tra- gen wie den gewandelten Anforderungsbedingungen, der fortgeschrittenen Spezialisierung und dem europäischen Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10658 (C) (D) (A) (B) Angleichungsdruck. Und sie muss tunlichst nicht nur die herkömmliche zweite Phase der Juristenausbildung, also das Referendariat, reformieren, sondern auch die erste, die Studienphase mit einbeziehen. Insgesamt jedenfalls sind nicht Nivellierung und Qualitätsabstriche die Devise, sondern Konzentration, inhaltliches Durchparieren und Qualitätssteigerung. Der von der F.D.P.-Fraktion vorgelegte Gesetzentwurf sieht demzufolge vor, dass das gestraffte, reorganisierte und verbesserte Studium mit seiner betreffenden Ab- schlussprüfung die allgemeine Berufsqualifikation als Ju- rist erbringt. Lediglich die spezifischen Juristenberufe, für die der Staat Verantwortung trägt, brauchen dann noch eine zusätzliche, praktische Ausbildung, zu welcher die Bewerber nunmehr nach entsprechend qualitativer Aus- wahl zugelassen werden. Ein allgemeines Referendariat, das zum Regelwerdegang gehört und auf dessen Absol- vierung jeder Bewerber nach dem Ersten Staatsexamen einen Anspruch hat, wird es also nicht mehr geben. Die spezifische Zusatzausbildung findet in drei Sparten statt – daher die Bezeichnung „Neptunmodell“ – nämlich einem Justiz-, einem Verwaltungs- und einem Anwaltsvorberei- tungsdienst, zwischen denen volle Durchlässigkeit si- chergestellt wird. Die selektierte Zusatzausbildung endet jeweils mit einer bereichsspezifischen Staatsprüfung, die den beiden Nachbarexamen qualitativ gleichwertig ist. Über die Einzelheiten wird in den Ausschussberatungen hoffentlich noch ausführlich diskutiert. Das vorgeschlagene Modell hat gegenüber dem von den meisten Ländern wohl favorisierten Konzept einer Einstufigkeit den Vorteil, dass es den notwendigen Re- form- und Straffungsbedarf nicht mit Qualitätsabstrichen erkauft, sondern inhaltlich durchstarten will. Deshalb sollte es im Weiteren die definitive Richtung angeben. Denn nur gut ausgebildeter und vorbereiteter Nachwuchs kann in Zukunft den hohen Qualitätsanforderungen des rechtswissenschaftlich geschulten, europäisch orientier- ten Juristenbedarfs genügen. Die F.D.P.-Fraktion hofft dringend, dass damit die notwendige politische Erörte- rung des Komplexes nun endlich vorankommt. Dr. Evelyn Kenzler (PDS): Gleich welche Stellung- nahme man zur gegenwärtigen Juristenausbildung in Deutschland einholt, sie sind sich alle in ihrem Urteil ei- nig: reformbedürftig! Untersuchungen zeigen, dass die bislang immer wieder versuchten Reformen weniger aus inhaltlichen Gründen gescheitert sind. Sie scheiterten meist an der unzureichenden Gesetzesvorbereitung. Wenn es also eine zentrale Erfahrung gibt, dann ist es diese: Es muss von der Rechtspolitik ein Forum für die Konsens- findung aller Akteure bereitgestellt werden, auf dem die Leitbilder und Profile moderner Juristenberufe erarbeitet werden können, bevor dann das Gesetzgebungsverfahren eingeleitet wird. Und genau das ist das Problem des vor- liegenden Entwurfs. Der Gesetzentwurf enthält Richtiges und Wichtiges, genügt aber letztlich nicht dem, was die F.D.P. zumindest ansatzweise als Herausforderungen an eine moderne Juris- tenausbildung selbst benennt. Bedauerlicherweise ist der Entwurf maßgeblich von dem Gedanken der Entlastung der Landesjustizhaushalte getragen, statt konsequent von den inhaltlichen Erfordernissen einer modernen Juristen- ausbildung in Gänze auszugehen. Die für den juristischen Vorbereitungsdienst als zu hoch empfundenen Kosten dürfen nicht die zentrale Überlegung bei der Ausbildung der Fachleute sein. Ich bin für Kosteneinsparungen dort, wo sie Sinn machen und nicht zulasten der zukünftigen Juristengeneration gehen. Doch man sollte hier nicht das Pferd von hinten aufzäumen. Es geht in erster Linie um Qualität und Dauer und dann um die Kosten. Im Mittelpunkt des vorliegenden Entwurfs steht die Trennung der Vorbereitungsdienste speziell für die Justiz, die Anwaltschaft und die Verwaltung. Dies würde ohne Zweifel eine verbesserte Vorbereitung auf das Berufsle- ben bedeuten. Doch kann man sich damit begnügen? Ein Juristenausbildungsreformgesetz, das sich im Wesentli- chen in einer Spezifizierung der Vorbereitungsdienste er- schöpft, reicht angesichts des von manchen als miserabel bezeichneten Zustands der juristischen Ausbildung insge- samt nicht aus. Theorie und Praxis müssen so frühzeitig wie möglich verzahnt werden, weshalb eine praxisinte- grierte universitäre Juristenausbildung von vornherein sinnvoll ist. Das bedeutet für mich keinen Abschied vom rechtswissenschaftlichen Studium, zu dem ich nicht zu- letzt auch die Beibehaltung einer rechtsphilosophischen, soziologischen und historischen Ausbildung zähle. Sowohl an der Struktur und als auch den Inhalten des Studiums müssen Veränderungen vorgenommen werden. Darauf näher einzugehen reicht die Zeit nicht. Deshalb nur so viel: Solange das juristische Repetitorium – außer- halb der Universitäten mit den damit verbundenen Kos- ten – für die Mehrzahl der Studenten unverzichtbar zum Bestehen des Examens ist, ist für mich das Jura-Studium nicht in Ordnung. Der Vorschlag, das Studienabschlus- sexamen in die Verantwortung der Universitäten zurück- zugeben, ist nicht nur deshalb zu begrüßen. Aber alles in allem möchte ich, dass der F.D.P.-Entwurf in einen größe- ren Wurf zur Neugestaltung der juristischen Ausbildung einfließt. Dr. Eckart Pick, Parl. Staatssekretär beim Bundesmi- nister der Justiz:Die Juristenausbildung gilt allgemein als reformbedürftig. Als erstes Argument für eine Reform wird meist darauf hingewiesen, dass die gegenwärtige Ju- ristenausbildung in ihrer Grundkonzeption seit 200 Jah- ren besteht. Dies gilt auch für die Begründung des Ent- wurfs der F.D.P.-Fraktion. Wenn wir über eine Ausbil- dungsreform diskutieren, dürfen wir aber gerade nicht außer Acht lassen, dass wir im Kern über Strukturen spre- chen, die über diesen langen Zeitraum gewachsen sind und sich auch zu einem großen Teil bewährt haben. Ich möchte damit nicht die Reformbedürftigkeit außer Rede stellen. Jedoch kann die lange Tradition allein kein Argu- ment für eine Reform sein. Auch ich bin der Ansicht, dass es an der Zeit ist, die Ju- ristenausbildung zu reformieren. Die Anforderungen an den Juristen von heute müssen angepasst werden. Ich bin jedoch für eine durchdachte und ausgereifte Lösung. Schnellschüsse helfen niemandem, am wenigsten den jungen Menschen, die ein Recht auf eine arbeitsmarktge- rechte, aber auch gründliche Ausbildung haben. Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10659 (C) (D) (A) (B) Der vorliegende Entwurf kann nicht überzeugen. An- statt Lösungen für die drängende Frage, wie die Juristen- ausbildung in Zukunft ausgestaltet werden kann, anzubie- ten, wirft der Entwurf mehr Probleme auf, als es bisher zu bewältigen gilt. Wird einerseits eine Spezialisierung der Juristen ange- strebt, bleibt völlig unklar, wie diese aussehen soll. Eben- falls offen bleibt die genauere Ausgestaltung des vorge- schlagenen Anwaltsvorbereitungsdienstes. Aber genau um diese Frage müsste es doch gehen! Die Durchlässig- keit zwischen den einzelnen Berufssparten gilt es in Zu- kunft zu erhalten. Da stimme ich dem Anliegen des Ent- wurfs zu. Aber einerseits werden die Ausbildungsgänge getrennt und sollen zu einer Spezialisierung führen, um dann andererseits doch einen faktisch voraussetzungslo- sen Übergang in einen anderen juristischen Beruf zuzu- lassen. So lässt sich die Schaffung von drei verschiede- nen, organisatorisch getrennten Vorbereitungsdiensten nicht rechtfertigen. Schließlich bleibt eine zentrale Frage völlig ungeklärt, nämlich wie der Zugang zu den einzelnen Vorbereitungs- diensten geregelt wird. Hieran schließt sich die für die Kandidaten wichtige Frage an, ob ihnen trotz eines Uni- versitätsabschlusses ein Zugang verwehrt werden kann, und für die Länder bleibt unklar, welcher Finanzierungs- bedarf sich tatsächlich ergibt. Es dürfen nicht allein fiskalische Gründe ausschlagge- bend sein, wenn über eine Reform der Juristenausbildung gesprochen wird. Dieser Entwurf lädt jedoch geradezu dazu ein. Es soll vielleicht auch über die finanziellen Mit- tel die Zahl der Absolventen der Vorbereitungsdienste und so mittelbar die der Juristen insgesamt beschränkt werden. Die Juristenausbildung ist die ureigene Domäne der Länder. Sie sind es daher auch, die für ihre Reform zu sor- gen haben. Die Länder haben sich des Themas zwar an- genommen, bisher allerdings ohne greifbaren Erfolg. Bereits 1996 hat die Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister über verschiedene Grundmodelle dis- kutiert. Ein konkretes Reformmodell wurde intensiv wei- terentwickelt. Dann sind die Reformbestrebungen der Länder allerdings ins Stocken geraten. Auch auf der Ju- stiz-ministerkonferenz im vergangenen Mai konnten die Reformüberlegungen trotz langer Diskussionen nicht fi- nalisiert werden. Ich bedaure das sehr, war dieses Thema aufgrund von Analysen doch sehr gründlich vorbereitet worden. Die Verunsicherung, die diese lang andauernden, zum Teil inhaltlich kontroversen Überlegungen für die an- gehenden Juristen bewirken, ist erheblich. Ich spüre dies regelmäßig an der Zahl der Anfragen verunsicherter Exa- menskandidaten. Dies muss nun bald ein Ende haben. Ich unterstütze deshalb nachdrücklich die Initiative der Rechtspolitikerinnen und Rechtspolitiker der Koalitions- fraktionen, im Herbst hier einen Schwerpunkt der Bera- tungen zu bilden. Dabei wird das wichtigste Anliegen sein, eine Reform der Juristenausbildung zu begleiten, die durchdacht und ausgereift ist. Die Bedürfnisse der jun- gen, in der Ausbildung befindlichen Juristen sind wesent- lich zu beachten. Die Interessen von Justiz, Verwaltung, Anwaltschaft und Wirtschaft werden Berücksichtigung finden müssen. Gerade aber auch die Belange des Recht suchenden Publikums dürfen hierüber nicht vergessen werden. Anlage 4 Amtliche Mitteilungen ohne Verlesung Der Bundesrat hat in seiner 752. Sitzung am 9. Juni 2000 beschlossen, den nachstehenden Gesetzen zuzu- stimmen, bzw. einen Antrag gemäß Artikel 77 Absatz 2 Grundgesetz nicht zu stellen: – Gesetz zur Sicherstellung der Rentenauszahlung im Vormonat (Rentenauszahlungsgesetz) – Zweites Gesetz zur Fortentwicklung der Alters- teilzeit – Gesetz zur Änderung von Vorschriften über die Tätigkeit der Steuerberater (7. StBÄndG) – Zehntes Gesetz zur Änderung des Arzneimittel- gesetzes – Gesetz zur Neuordnung seuchenrechtlicher Vor- schriften (Seuchenrechtsneuordnungsgesetz– SeuchRNeuG) – Gesetz zu der Vierten Änderung des Überein- kommens über den Internationalen Währungs- fonds (IWF) – Gesetz zu den Übereinkommen vom 19. Dezember 1996 über den Beitritt des Königreichs Dänemark, der Republik Finnland und des Königreichs Schweden zum Schengener Durchführungsüber- einkommen und zu dem Übereinkommen vom 18. Mai 1999 über die Assoziierung der Republik Island und des Königreichs Norwegen – Gesetz zu dem Protokoll vom 9. September 1998 zur Änderung des Europäischen Übereinkom- mens vom 5. Mai 1989 über das grenzüberschrei- tende Fernsehen – Gesetz zu dem Vertrag vom 5. November 1998 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Antigua und Barbuda über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen – Gesetz zu dem Vertrag vom 25. August 1998 zwi- schen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Mexikanischen Staaten über die För- derung und den gegenseitigen Schutz von Kapi- talanlagen – Gesetz zur Änderung; und Ergänzung des Straf- verfahrensrechts – Strafverfahrensänderungsge- setz 1999 (StVÄG 1999) – Einundzwanzigstes Gesetz zur Änderung des Abgeordnetengesetzes und Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Europaabgeordnetengesetzes – Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung von Stiftungen Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10660 (C) (D) (A) (B) – Gesetz über Fernabsatzverträge und andere Fragen des Verbraucherrechts sowie zur Umstel- lung von Vorschriften auf Euro – Viertes Gesetz zur Änderung des Futtermittelge- setzes Die Fraktion der SPD hat mit Schreiben vom 28. Juni 2000 den Koalitionsantrag „25 Jahre KSZE/OSZE“ – Drucksache 14/3399 – zurückgezogen. Die Vorsitzenden der folgenden Ausschüsse haben mit- geteilt, dass der Ausschuss gemäß § 80 Abs. 3 Satz 2 der Geschäftsordnung von einer Berichterstattung zu der nachstehenden Vorlage absieht: Innenausschuss – Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Wahlkreiskommission für die 14. Wahlperi- ode des Deutschen Bundestages gemäß § 3 Bundeswahl- gesetz (BWG) – Drucksachen 14/2597, 14/3084 Nr. 1 – Ausschuss für Arbeit und Sozialordnung – Unterrichtung durch die Bundesregierung Erfahrungsbericht der Bundesregierung zu den Auswir- kungen des im Jahre 1996 in Kraft getretenen Ände- rungsgesetzes zum Ladenschlussgesetz – Drucksachen 14/2489, 14/2736 Nr. 2 – Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union – Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Bundesregierung über ihre Bemühungen zur Stärkung der gesetzgeberischen Befugnisse des Europä- ischen Parlaments 1999 – Drucksachen 14/2835, 14/2947 Nr. 1.3 – Die Vorsitzenden der folgenden Ausschüsse haben mitgeteilt, dass der Ausschuss die nachstehenden EU- Vorlagen bzw. Unterrichtungen durch das Europäische Parlament zur Kenntnis genommen oder von einer Bera- tung abgesehen hat. Auswärtiger Ausschuss Drucksache 14/2817 Nr. 1.3 Drucksache 14/2817 Nr. 1.9 Innenausschuss Drucksache 14/2952 Nr. 2.6 Drucksache 14/2952 Nr. 2.22 Drucksache 14/3050 Nr. 2.18 Drucksache 14/3050 Nr. 2.20; Finanzausschuss Drucksache 14/3341 Nr. 2.5 Drucksache 14/3341 Nr. 2.15 Drucksache 14/3341 Nr. 2.40 Ausschuss fürWirtschaft und Technologie Drucksache 14/3146 Nr. 2.3 8 Drucksache 14/3207 Nr. 1.1 Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Drucksache 14/3428 Nr. 2.5 Ausschuss für Arbeit und Sozialordnung Drucksache 14/2952 Nr. 1.3 Drucksache 14/2952 Nr. 2.1 Drucksache 14/2952 Nr. 2.2 . Ausschuss für Verkehr, Bau und Wohnhngswesen Drucksache 14/2104 Nr. 2.23 Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenab- schätzung Drucksache 14/3146 Nr. 2.34 Drucksache 14/3146 Nr. 2.35. Drucksache 14/3146 Nr. 2:36 Drucksache 14/3146 Nr. 2.37 Drucksache 14/3341 Nr. 2.8 Drucksache 14/3341 Nr. 2.14 Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Drucksache 14/2952 Nr. 2.15 Drucksache 14/2952 Nr. 2.26 Drucksache 14/3146 Nr. 1.2 Drucksache 14/3146 Nr. 2.5 Deutscher Bundestag – 14. Wahlperiode – 112. Sitzung. Berlin, Freitag, den 30. Juni 2000 10661 (C) (D) (A) (B) Druck: MuK. Medien-und Kommunikations GmbH, Berlin
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von: Unbekanntinfo_outline


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: ()
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: ()


    Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Her-
    ren! Auch ich habe diese freundlichen Erinnerungen.

    Ich finde es gut, dass sich der Bundestag entschieden
    hat, am heutigen Tag der zehnjährigen Wiederkehr des
    Eintritts in die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
    zu gedenken, die mit dem 1. Juli 1990 vollzogen wurde.

    Der Mauerfall hat den Weg zur Einheit unwiderruflich
    geöffnet. Die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion
    hat die Einheit Realität werden lassen. Mit dem 3. Okto-
    ber 1990, mit dem Einigungsvertrag, mit der Entstehung
    der ostdeutschen Länder, mit dem Beitritt der DDR zur
    Bundesrepublik Deutschland, beschlossen am 23.August,
    war die Einheit vollendet.

    Nach zehn Jahren kann man feststellen: Die nationale
    Einheit hat sich in der nationalen Solidarität bewährt.


    (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der F.D.P.)


    Bei allen Problemen, die auch heute in der Debatte
    wieder angesprochen worden sind, finde ich: Wenn man
    nach zehn Jahren einen allgemeinen Rückblick und eine
    allgemeine Bewertung vornimmt, ist es wichtig, die Pro-
    portionen richtig zu setzen. Kein Mensch – jedenfalls ich
    nicht – hätte geglaubt, dass die deutsche Solidarität über
    zehn Jahre so selbstverständlich werden würde. Es hat in
    den letzten zehn Jahren keinen Versuch gegeben, den
    Westen unter Gesichtspunkten der Solidarität gegen den
    Osten auszuspielen. Es hat keinen politisch wirksamen
    Versuch gegeben – von keiner politischen Partei –, durch
    Neid- oder andere Argumente in Westdeutschland gegen
    die Solidarität Stimmen zu gewinnen. Die Solidarität war
    trotz eines gewissen Maulens – wer mault nicht, wenn er
    Steuern zahlen muss? – eigentlich eine Selbstverständ-
    lichkeit. Diejenigen, die uns von außen betrachten, wissen
    das sehr viel besser als wir selbst. Sie sind beeindruckt
    von dieser Solidarität und von ihrer Kontinuität.


    (Vo r s i t z : Vizepräsidentin Petra Bläss)

    Deutschland hat den Aufbau und die Erneuerung des

    östlichen Teils Deutschlands angepackt. Das Ergebnis
    kann sich sehen lassen.

    Die zweite Feststellung. Die bundesstaatliche Ord-
    nung hat sich bewährt. Unmittelbar nach dem 3. Ok-
    tober – Kollege Waigel hat schon auf das Zusammen-
    kommen der Ministerpräsidenten im Jahre 1947 in Mün-
    chen hingewiesen, dem einzigen Versuch, nach dem ver-
    lorenen Krieg die Einheit der Deutschen noch einmal zu
    demonstrieren; im Übrigen mit zum Teil dramatischen
    Konsequenzen auch für ostdeutsche Ministerpräsidenten,
    insbesondere für den sächsischen – trat am 9. November
    der Bundesrat in Berlin zum ersten Mal mit allen 16 Län-
    dern zusammen. Ich muss gestehen, das war für mich als
    Neuankömmling in dieser Runde ein persönlich bewe-
    gender Augenblick.

    Die bundesstaatliche Ordnung hat sich aber auch in der
    Integration der Länder bewährt. Von Anfang an war es
    selbstverständlich, dass sie dazugehörten. Im Unterschied
    zu Herrn Kollegen Schwanitz haben wir nicht immer von

    „Ostdeutschland“ gesprochen, sondern von „Sachsen,
    Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern,
    Berlin und Brandenburg“. Ich komme darauf gleich noch
    einmal zurück.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. – Dr. Uwe Küster [SPD]: Sie haben aber lange gesucht, um ein Haar in der Suppe zu finden!)


    – Ich suche keine Haare in der Suppe. Das überlasse ich
    Ihnen, Herr Kollege.


    (Heiterkeit bei der CDU/CSU – Dr. Uwe Küster [SPD]: Die Suppe haben Sie serviert!)


    Außerdem bin ich kein Suppenesser.
    Drittens. Die europäische Integration hat sich be-

    währt. Wir haben den Aufbau Ost so, wie wir ihn in den
    letzten zehn Jahren vollziehen konnten, auch mit beacht-
    licher Unterstützung und Hilfe der Europäischen Union
    vollzogen. Ich möchte hier ausdrücklich an Jacques
    Delors erinnern, der vier- oder fünfmal in der Zeit seiner
    Amtstätigkeit mit den Ministerpräsidenten der ostdeut-
    schen Länder zusammengetroffen ist, um mit ihnen über
    die Notwendigkeiten des Aufbaus dieses Teils Deutsch-
    lands zu diskutieren, seine Hilfe anzubieten und vor allem
    die Probleme zu verstehen. Da gibt es bis heute Verstän-
    digungsschwierigkeiten. Das will ich gerne zugeben.

    Hier ist schon viel über die Entscheidung gesprochen
    worden, die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion
    kurzfristig zu verwirklichen. Ich möchte noch einmal da-
    ran erinnern, dass der Sachverständigenrat zur Begut-
    achtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am
    20. Januar der Bundesregierung empfohlen hatte, die
    D-Mark gewissermaßen als Krönung, als Schlusspunkt
    der Entwicklung einzuführen, zunächst einmal in der
    DDR die Marktwirtschaft zu verwirklichen, dann der
    DDR Zeit zu lassen, bis sie dahin kommt, dass sie eine
    Konvertibilität zwischen der Ostmark und der D-Mark
    herstellen kann, und dann, wenn sich diese Konvertibilität
    bewährt haben sollte, die D-Mark einzuführen. Selten
    habe ich von Sachverständigen so viel Unverstand gele-
    sen wie in diesem Gutachten.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)


    Gleichwohl war es dann, wie ich meine, eine mutige Ent-
    scheidung der Bundesregierung unter Führung von
    Helmut Kohl, wenige Wochen nach der Vorlage dieses
    Gutachtens, das – ich empfehle Ihnen die Lektüre in den
    Archiven – von weiten Teilen positiv aufgenommen
    wurde, genau das Gegenteil zu beschließen. Es ist hier ge-
    sagt worden, das sei vorrangig eine politische Ent-
    scheidung gewesen. Das ist zweifellos richtig. Zweifellos
    haben auch die Wanderbewegungen der Übersiedler von
    Ost nach West eine wichtige Rolle gespielt. Aber ich
    möchte ausdrücklich feststellen: Die Entscheidung war
    auch ökonomisch richtig. Denn unterstellen wir einmal,
    es wäre möglich gewesen, die Bürgerinnen und Bürger in
    der damaligen DDR dazu zu überreden, dort zu bleiben,
    wo sie sind, und zunächst einmal zu versuchen, mit einer
    gewissen Hilfe aus dem Westen ihre Probleme selbst zu






    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    lösen – es gibt doch hier in diesem Haus niemand, der
    glaubt, dass das funktioniert hätte


    (Zuruf von der CDU/CSU: Doch, Frau Luft!)

    – gut; lassen wir das –: Die Folgen für Westdeutschland
    wären ökonomisch viel katastrophaler gewesen. Denn
    wenn der Zeitpunkt gekommen wäre, zu dem die wande-
    rungswilligen Teile der Bevölkerung der damaligen DDR,
    nämlich diejenigen, die sich Berufschancen in West-
    deutschland ausrechnen konnten, also die Facharbeiter,
    die Ingenieure, die Techniker und andere, die ja über eine
    exzellente Ausbildung und außerdem über die in West-
    deutschland völlig abhanden gekommene Fähigkeit zur
    Improvisation verfügten,


    (Heiterkeit)

    gewandert wären und die Summe der zurückbleibenden
    Arbeitskräfte unterhalb einer kritischen Masse gelegen
    hätte, dann wäre der Aufbau in Ostdeutschland unmöglich
    gewesen. Dann, aber nur dann wäre es zu einer dauerhaf-
    ten Alimentationssituation gekommen. Diese Alimentati-
    onssituation wäre nicht nur mit großen politischen, son-
    dern auch mit enormen ökonomischen Kosten verbunden
    gewesen, und zwar weitgehend ohne Aussicht auf Verän-
    derung. Deshalb war die Entscheidung richtig.

    Es ist schon von Herrn Kollegen Waigel gesagt
    worden, dass die Anregung, die sich jetzt beim DIW wie-
    derholt, einen anderen Umrechnungskurs zu wählen,
    schlicht an der Wirklichkeit vorbeiging.


    (Dr. Theodor Waigel [CDU/CSU]: Wohl mehr!)

    Das Einkommensniveau in der DDR lag zwischen 700
    und – das waren Höchsteinkommen, aber nur in ganz
    seltenen Fällen – 3 000 Ostmark. Der Industriearbeiter hat
    zwischen 900 und 1 100 Ostmark verdient. Eine Umstel-
    lung im Verhältnis von nur 1:3 hätte bedeutet, dass er ein
    Zehntel dessen verdient hätte, was sein westdeutscher
    Kollege verdient hat. Es ist eine völlig abwegige Vorstel-
    lung, dass man bei den Einkommen anders als 1:1 hätte
    umstellen können.


    (Beifall des Abg. Dr. Günter Rexrodt [F.D.P.])

    Ich möchte daran erinnern, dass die 1:1-Umstellung

    dazu geführt hat, dass wir im Herbst 1990 beim Aufbau
    des öffentlichen Dienstes mit 35 Prozent der Westgehäl-
    ter angefangen haben. Es war gar nicht so einfach, gute
    Leute für dieses Geld zu halten. Wir mussten Aus-
    nahmeregelungen schaffen, um den unbedingt erforderli-
    chen westdeutschen Sachverstand dazu bewegen zu
    können – notwendige Voraussetzung war ohnehin der Ide-
    alismus –, nach Osten zu kommen. Wir haben diese Son-
    derregelungen geschaffen. Dass der öffentliche Dienst
    inzwischen, nach zehn Jahren, 86 Prozent verdient – das
    ist immer noch mehr als das, was durchschnittlich in der
    Wirtschaft verdient wird –, zeigt den relativ langen Weg
    des Aufbaus der Einkommen.

    Die Entscheidung war richtig. Aber mindestens ebenso
    wichtig ist mir die Feststellung, dass die Bundesrepublik
    Deutschland diese Entscheidung eindrucksvoll verkraftet
    hat.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang nur zwei Daten
    nennen: Es geht zunächst um die Schätzung der Kosten.
    Die Schätzung der Kosten, so wird gesagt, sei weitgehend
    verkehrt gewesen. Ich darf diejenigen, die sich schon
    1990 im Bundestag befunden haben, daran erinnern, dass
    wir am 7. Februar 1990 eine Aktuelle Stunde zur Frage der
    Einführung der Wirtschafts- und Währungsunion hatten.
    Das ganze Haus hat meiner Feststellung, die Kosten der
    Einheit seien kalkulierbar und sie würden nicht höher sein
    als der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts bei angemes-
    senem Wachstum, zugestimmt. Der Zuwachs des Brut-
    toinlandsprodukts bei angemessenem Wachstum lag,
    nicht inflationsbereinigt, sondern nominal, bei ungefähr
    4,5 Prozent. 4,5 Prozent waren damals rund 100 Milliar-
    den DM. Der Einzige, der damals mitgerechnet hatte, hat
    einen Zuruf gemacht. Das war Graf Lambsdorff. Er hat
    gesagt, das sei ziemlich viel. Aber keiner hat sich daran
    gestört.

    In den letzten zehn Jahren haben wir pro Jahr eine
    durchschnittliche Transferleistung von 4,5 Prozent des
    Bruttoinlandsprodukts gehabt. Wir haben diesen Ein-
    bruch in der gesamtdeutschen Leistungsfähigkeit inner-
    halb von wenigen Jahren überwunden. Das Bruttoin-
    landsprodukt pro Kopf der Bevölkerung – einschließlich
    Ostdeutschland – hat im Jahre 1997 wieder das Niveau
    von 1990 erreicht und liegt heute wesentlich höher. Es
    entwickelt sich wieder genau parallel und im Übrigen mit
    dem gleichen Abstand zum durchschnittlichen Brutto-
    inlandsprodukt pro Einwohner der 14 anderen EU-Staaten
    und liegt an der Spitze.

    Aus Sicht zum Beispiel der Botschafter, die diese Zah-
    len kennen, heißt das: Deutschland hat, was das Bruttoin-
    landsprodukt pro Kopf der Bevölkerung angeht, innerhalb
    von sieben Jahren die Integration von 17 Millionen Men-
    schen, eines Drittel seines Territoriums und einer bank-
    rotten Wirtschaft verkraftet. Das ist das eigentlich Ent-
    scheidende.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. sowie des Abg. Werner Schulz [Leipzig] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Im Zusammenhang mit dem Bruttoinlandsprodukt pro
    Erwerbstätigen, also der gesamtwirtschaftlichen Arbeits-
    produktivität, ist die Sache noch eindrucksvoller. Hier hat
    die Bundesrepublik Deutschland innerhalb von fünf Jah-
    ren das Niveau von 1990 erreicht und eilt inzwischen im
    Durchschnitt mit steil ansteigender Kurve wieder in dem
    alten Abstand vor den anderen 14 EU-Staaten nach oben.

    Das heißt, wir haben keinerlei Anlass, zu sagen, dass
    uns die Kosten der deutschen Einheit dauerhaft beschä-
    digt hätten. Was wir getan haben, ist: Wir haben dreimal
    auf den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts verzichtet.
    Aber wir haben keine Nettobeeinträchtigung, jedenfalls
    nicht beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölke-
    rung. Dass die Zuwächse, soweit sie nach Ostdeutschland
    transportiert werden mussten, von der Bevölkerung getra-
    gen werden mussten, davon war hier schon die Rede. Ge-
    nau das macht im Übrigen die solidarische Leistung aus.

    Lassen Sie mich zum Schluss auf einige Fehler und
    Schwierigkeiten, die uns in Zukunft weiter beschäftigen




    Ministerpräsident Dr. Kurt Biedenkopf (Sachsen)

    10612


    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    werden, aber auch auf einige wichtige Aussichten hin-
    weisen. Ehe ich das tue, habe ich die Bitte, sich mit der
    Begrifflichkeit zu befassen. Herr Kollege Schwanitz hat
    so oft von „Ostdeutschland“ und von den „Regionen“ ge-
    sprochen, dass ich ihn im Verdacht habe, eine Länder-
    neugliederung zu planen.


    (Heiterkeit bei der SPD – Dr. Emil Schnell [SPD]: Das ist aber auch überfällig!)


    Es gibt dieses Ostdeutschland vielleicht geographisch,
    aber nicht politisch. Die Präsidentin der Sächsischen Kir-
    chenleitung hat mir auf dem letzten Treffen erzählt, sie
    habe ihren heute 20-jährigen Sohn gefragt, ob er sich als
    Ostdeutscher oder als Deutscher empfinde. Die Antwort
    dieses jungen Mannes sei gewesen: Er fühle sich als Deut-
    scher und dann, wenn er mit einem Bayern zusammen-
    komme, als Sachse.


    (Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und der F.D.P.)


    Ich bin ziemlich sicher, dass die Menschen in Thürin-
    gen, in Mecklenburg-Vorpommern, in Brandenburg und
    insbesondere natürlich in Berlin


    (Dr. Günter Rexrodt [F.D.P.]: Richtig!)

    ein ähnliches Selbstverständnis im Hinblick auf ihre Iden-
    tität haben, weswegen, Herr Kollege Schwanitz, ich nicht
    glaube, dass das Suchen nach einem ostdeutschen Selbst-
    verständnis und einem ostdeutschen Leitbild zu den wich-
    tigsten Aufgaben gehört, die uns gestellt sind.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. – Sabine Kaspereit [SPD]: Das ist schon nötig, Herr Biedenkopf!)


    Zum Zweiten sollten wir uns irgendwann einmal abge-
    wöhnen, von „den neuen Bundesländern“ zu reden.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)


    Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker
    hat bei seinem ersten Besuch in Sachsen in einer Rede im
    Rathaus zum Ausdruck gebracht, Sachsen gehöre zu den
    ältesten Bundesländern in Deutschland und sei deshalb ei-
    gentlich nicht als „neues Bundesland“ zu bezeichnen. Da
    kann ich ihm nur Recht geben. Wir sollten daher anfan-
    gen, so wie wir selbstverständlich in Westdeutschland dif-
    ferenzieren, auch in Ostdeutschland zu differenzieren.
    Die Dinge sind verschieden, aber nicht notwendigerweise
    besser oder schlechter. Diese Verschiedenheit ist für die
    Menschen wichtig. Gerade wenn wir ihnen das Gefühl ei-
    ner eigenen Identität geben wollen, die sie auch in den
    letzten zehn Jahren erarbeitet haben, sollten wir diese
    nicht immer wieder mit unserer Begrifflichkeit relativie-
    ren.

    Die wichtigste Aufgabe liegt – das ist keine Frage –
    nach wie vor im Arbeitsmarkt, wobei wir eine zuneh-
    mende Diskrepanz zwischen einer hohen und wachsen-
    den Zahl von Langzeitarbeitslosen und einem ebenfalls
    wachsenden Mangel an Facharbeitern haben. Wenn es uns
    nicht gelingt, diese Entwicklung in den Griff zu bekom-
    men, ist vorhersehbar, dass nicht der Mangel an Geld,
    sondern der Mangel an Facharbeitern – an Ingenieuren

    und Technikern in allen Bereichen, vor allen Dingen aber
    an Facharbeitern – die eigentliche Wachstumsbremse bei
    einem weiteren Aufbau der Länder im Osten Deutsch-
    lands wird.

    Deshalb begrüße ich, dass die Bundesregierung jetzt
    auf experimentelle Weise versucht, neue Wege im Bereich
    der Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zu finden. Wir be-
    teiligen uns im Freistaat Sachsen an diesen Versuchen.
    Wir haben sie 1998 angeregt. Unser Vorschlag war, Ar-
    beitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammenzuführen, weil
    wir glauben, dass die Instrumente, so wie sie jetzt gestal-
    tet sind, nicht geeignet sind, die Probleme zu lösen, mit
    denen wir es gerade in diesem Bereich zu tun haben.

    Die zweite wirklich große Herausforderung wird die
    demographische Entwicklung sein. Die nächsten zehn
    Jahre müssen vor allem der Frage gewidmet werden, wie
    wir mit den Konsequenzen der demographischen Ent-
    wicklung in Deutschland fertig werden. Dieses Problem
    ergibt sich in der Tat aus den Folgen der deutschen Ein-
    heit, insbesondere aus dem Geburtenverhalten der Ost-
    deutschen. Wir haben im Vergleich zu 1991 heute noch
    etwa 50 Prozent der Grundschüler an unseren Schulen.
    Dieser Rückgang der Zahl der jungen Menschen wird sich
    jetzt durch das ganze Schulsystem ziehen und in zehn, elf
    Jahren die Universitäten erreichen. Es ist vorhersehbar,
    was es gerade im Blick auf den von Herrn Schwanitz an-
    gedeuteten und von uns seit Jahren nachhaltig betriebenen
    Aufbau von neuen wissenschaftlichen Kompetenzen be-
    deutet, wenn wir hier an der Knappheit von geeigneten
    Frauen und Männern, die bereit sind, sich in diese Rich-
    tung auszubilden, scheitern sollten. Hier liegt in Zukunft
    eine der wirklich großen Herausforderungen für die wei-
    tere Entwicklung in ganz Deutschland.

    In diesen Zusammenhang gehört eine sachgerechte
    Anschlussregelung für den Solidarpakt. Alle ostdeut-
    schen Länder haben im letzten Jahr die Sachverhalte zur
    Vorbereitung der Verhandlungen zusammengetragen. Wir
    haben den Eindruck, dass wir in Bezug auf diese Sach-
    verhalte inzwischen einen weitgehenden Konsens haben
    und dass wir aufbauend auf diesen Konsens in fruchtbare
    Verhandlungen treten können.

    Ich begrüße es ausdrücklich, dass die letzte Zusam-
    menkunft der Ministerpräsidenten mit der Bundesregie-
    rung zu der gemeinsamen Feststellung geführt hat, dass
    wir diese Anschlussregelung noch in dieser Legislaturpe-
    riode verwirklichen wollen.


    (Beifall bei der SPD sowie bei Angeordneten der CDU/CSU und des Abg. Oswald Metzger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    Es wäre verhängnisvoll – lassen Sie mich Ihnen dies von
    der Länderseite sagen –, wenn wir es nicht schafften, eine
    solche Anschlussregelung vor Herbst 2002 in trockene
    Tücher zu bringen. Das würde nämlich bedeuten, dass wir
    Mitte 2003 erneut mit Verhandlungen beginnen müssten
    und dass alle Länder im Osten, die einen Doppelhaushalt
    haben, ihre Haushalte nicht beraten und beschließen
    könnten, weil sie nicht wüssten, wo sie im Jahr 2005 ste-
    hen werden. Wir müssen das also zwei, drei Jahre vorher
    wissen; daher brauchen wir einen Beschluss vor der Bun-
    destagswahl. Meine Bitte an dieses Hohe Haus ist, uns ge-
    rade in dieser Frage zu unterstützen.




    Ministerpräsident Dr. Kurt Biedenkopf (Sachsen)


    10613


    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    Da ich heute Morgen aus Breslau, einer Stadt, die heute
    auch aus Sicht der Polen eine deutsche Stadt ist, gekom-
    men bin – dort hat Kurt Masur gestern Abend aus Anlass
    der 1000-Jahr-Feier ein wunderschönes Konzert gege-
    ben – und hier verschiedentlich die „blühenden Land-
    schaften“ zitiert worden sind, möchte ich mir eine Be-
    merkung dazu erlauben. Ich habe Helmut Kohl immer an-
    ders verstanden, nämlich so, dass es im Vergleich zu
    anderen Regionen der Erde, insbesondere Europas,
    blühende Landschaften werden.


    (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Lachen bei der SPD)


    Verehrte Frau Kollegin Kaspereit, das habe ich im Frei-
    staat Sachsen von Anfang an gesagt und dafür habe ich
    immer Mehrheiten bekommen.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)

    Vielleicht hätten Sie dies in anderen ostdeutschen Län-
    dern, insbesondere in Sachsen, auch so deutlich sagen sol-
    len.


    (Sabine Kaspereit [SPD]: Der Kanzler hat es anders gesagt!)


    Wie gesagt, ich bin auf die blühenden Landschaften ge-
    kommen, weil ich gerade aus Breslau komme. Und wenn
    man aus Tschechien oder aus Polen nach Sachsen zurück-
    kehrt, dann weiß man, was blühende Landschaften sind.


    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)

    Wenn man dagegen davon ausgeht – dies sage ich, um
    Ihren Unmut aufzunehmen –, dass man 40 Jahre Rück-
    stand in zwei oder drei Jahren aufholen kann, dann ist dies
    eine Illusion. Und dies hat Helmut Kohl den Ostdeutschen
    ebenso wenig vorgetragen wie ich.


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der F.D.P.)


    Zum Schluss möchte auch ich einen Dank ausspre-
    chen. Theo Waigel hat einer ganzen Reihe von Persön-
    lichkeiten gedankt. Ich schließe mich neben dem Dank an
    Helmut Kohl, dessen Leistung im Zusammenhang mit der
    deutschen Einheit unbestritten ist und unbestritten bleiben
    wird, auch dem Dank an Lothar de Maizière an;


    (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der F.D.P. und des Abg. Werner Schulz [Leipzig] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])


    denn er hat mir sehr geholfen hat, die Probleme in Ost-
    deutschland kennen zu lernen.

    Vor allen Dingen aber möchte ich den Menschen dan-
    ken, die in den letzten zehn Jahren eine unglaubliche Leis-
    tung erbracht haben, eine Leistung, die man sich im Wes-
    ten nicht vorstellen kann. Da liegt in der Tat ein
    signifikanter Unterschied. Diese Menschen nämlich ha-
    ben praktisch all ihre bisherigen Sozialisierungserfahrun-
    gen aufgeben müssen. Nichts von dem, was sie gewohnt
    waren, ist geblieben. All das, was gekommen ist, war völ-
    lig neu. Wenn ein Chemiker im Alter von 55 Jahren auf-
    steht und fragt: Wofür braucht man Eigentum?, dann spie-
    gelt sich darin diese ganze Dramatik wider. Er konnte dies
    nicht lernen, denn es gab kein Eigentum, jedenfalls kein

    wirtschaftlich relevantes. Ein Mann, der auf dem Gebiet
    der Naturwissenschaften gebildet war, wusste nicht, was
    Institutionen leisten müssen, damit eine freie markt-
    wirtschaftliche Ordnung gewährleistet ist. Er musste dies
    erst einmal begreifen. Das war ein unglaublicher Lern-
    prozess.

    80 Prozent aller Arbeitsplätze haben sich verändert.
    Am Anfang betrug die Arbeitslosigkeit 40 Prozent. Trotz-
    dem gab es keine blockierten Autobahnen, keinen Auf-
    stand und keine sozialen Demonstrationen. Es gab den
    Willen der Menschen, mit der Hilfe, die ihnen die West-
    deutschen gewährt haben, vor allem aber mit dem Glau-
    ben an ihre eigene Leistungsfähigkeit mit dieser Situation
    fertig zu werden. Und in der großen Mehrheit sind sie da-
    mit fertig geworden. Sie werden auch mit den Problemen
    fertig werden, die noch vor uns stehen; davon bin ich
    überzeugt. Es wird immer einige geben, die verlieren.
    Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und unsere Un-
    terstützung. Die große Mehrheit aber hat gewonnen und
    sie sieht dies auch so. Für diese Leistung möchte ich
    heute, nach zehn Jahren, besonders danken.

    Vielen Dank.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P. sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/ DIE GRÜNEN)




Rede von: Unbekanntinfo_outline
Letzter Redner in die-
ser Debatte ist der Kollege Dr. Mathias Schubert, SPD-
Fraktion.


  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Mathias Schubert


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

    Frau Präsidentin!
    Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in den
    letzten zwei Stunden versucht, mit Blick auf einen sym-
    bolträchtigen Tag, den 1. Juli 1990, als Beginn der
    Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion eine kritische,
    partiell auch selbstkritische Zwischenbilanz der Nach-
    wendezeit zu ziehen. Zehn Jahre sind eine historisch
    kurze Zeitspanne; im Leben der Menschen im Osten sind
    diese zehn Jahre jedoch ein bedeutender Teil.

    Weil Herr Ministerpräsident Biedenkopf dies ange-
    sprochen hat, will ich doch einmal definieren, was ich un-
    ter „Osten“ verstehe. Ich meine also die Länder Branden-
    burg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-An-
    halt, Sachsen und Thüringen, und zwar in all ihren
    historischen und politischen Besonderheiten sowie wirt-
    schaftlichen und regionalen Differenzierungen, die sie
    auch innerhalb der letzten zehn Jahre erfahren haben.

    Die Bewertung „Erfolg gegen Misserfolg“ hing – so
    auch bei dieser Debatte hier – stark von der Perspektive
    des jeweiligen Betrachters ab: auf der einen Seite dieses
    „Toll, was wir in zehn Jahren geschaffen haben!“ und auf
    der anderen Seite dieses „Schade, dass wir nicht mehr er-
    reicht haben!“ Die Wertung all dessen, was schief gelau-
    fen ist oder als großer Wurf gefeiert werden kann, ist
    natürlich auch eine Frage des zeitlichen und des qualitati-
    ven Maßstabs, sicher auch der eigenen politischen Posi-
    tion. Insofern war die Debatte, die bisher hier zu diesem
    Thema geführt worden ist, ausgesprochen konstruktiv.




    Ministerpräsident Dr. Kurt Biedenkopf (Sachsen)

    10614


    (C)



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    (B)


    Aber eines, Frau Kollegin Luft, möchte ich dann doch
    sagen: Sie erwecken – zumindest in dem ersten Teil Ihrer
    Rede klang das zwischen den Zeilen an – den Eindruck,
    als sei der Osten das Jammertal und der ehemalige Sozia-
    lismus der Heilsbringer für Deutschland. Das ist falsch.


    (Dr. Christa Luft [PDS]: Eine richtige Floskel!)


    Mir liegt Gelingen mehr als Scheitern. So bin ich froh
    über jedes überwundene kleine oder große Problem des
    deutschen Transformationsprozesses. Aber ich weigere
    mich, an einem Tag wie diesem alte oder neue Probleme
    schönzureden wie ein dazu bestellter Sonntagsredner.
    Auch wenn im Alltag die Erinnerungen an Geschehnisse
    und Stimmungen aus der Wendezeit zu verblassen begin-
    nen, manchmal weit entfernt scheinen durch die Fülle der
    Ereignisse, die dazwischengetreten sind, gönne ich mir
    zunächst eine ganz persönliche Bemerkung. Dieser 1. Juli
    1990 – vielleicht teilen Sie meinen Eindruck –, das war
    ein Tag: ein Volk, eine Währung, der sichere Wechsel auf
    die gemeinsame Zukunft!


    (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Dr. Theodor Waigel [CDU/CSU])


    Ich gebe gerne zu, dass ich an diesem Sonntag ebenso
    fröhlich und mit den gleichen feuchten Händen wie meine
    Nachbarn im beschaulichen brandenburgischen Mark-
    grafpieske den Geldtransporter vor unserem Dorfpostamt
    begrüßte. Ja, diese Stimmung gehörte auch dazu. Dieser
    Augenblick hatte natürlich auch etwas Symbolisches: Er
    brachte ein Stück Freiheit, sich endlich im Westen bewe-
    gen zu können ohne dieses Unbehagen, sich dauernd ali-
    mentiert fühlen zu müssen, und gleichzeitig die Gewiss-
    heit, sein eigenes Einkommen fortan in D-Mark zu erhal-
    ten.

    Auch ich habe – zumindest an diesem Tag – der weit-
    verbreiteten Illusion einer schmerzfreien, mindestens
    aber einer schmerzarmen Einfügung der DDR in die Bun-
    desrepublik angehangen. Diese Illusion nährte sich aus
    zweierlei: einer Unterschätzung der Wirtschaftskrise der
    DDR und – das sage ich ganz offen – einer gewissen
    Überschätzung der Wirtschaftskraft der Bundesrepublik.
    Das hatte – dies erkennt man im Rückblick der Jahre –
    auch damit zu tun, dass die damalige Koalition mit Illu-
    sionen erfolgreich Politik machen konnte. Denn unmittel-
    bar wirksam wurden im Sommer 1990 nicht nur der Geld-
    umtausch und die erforderlichen Abschluss- und Eröff-
    nungsbilanzen der Unternehmen, wirksam wurden auch
    grundlegende Richtungsentscheidungen im Rahmen der
    Wirtschafts- und Sozialunion.

    Wirtschaftsunion hieß trotz aller Ungleichheiten der
    Chancen und Bedingungen gemeinsamer Markt. Sozial-
    union hieß ebenso konsequent Übernahme des westdeut-
    schen Sozialgesetzbuches und damit angesichts absehba-
    rer flächendeckender Massenarbeitslosigkeit eine ex-
    treme Belastung der öffentlichen Haushalte wie der
    Sozialhaushalte über die Jahre hinweg.

    Wie konkret dieses Gespenst werden konnte, war spä-
    testens klar, als der Umrechnungskurs auf 1:1 bzw.
    1:2 festgelegt worden war. Durch diese schlagartige Auf-

    wertung verloren die gesamten DDR-Betriebe im produ-
    zierenden Gewerbe alle Chancen auf neue Märkte und
    verloren natürlich auch heftigst auf ihren alten traditio-
    nellen Ostmärkten.

    Die damalige Bundesregierung war sich der drohenden
    Brüche und Schmerzen durchaus bewusst. Kollege
    Wolfgang Schäuble beschreibt diese Situation auch ganz
    offen in seinem Buch „Der Vertrag“, aus dem ich einige
    wenige Sätze zitiere. Er schreibt:

    Es war Lothar de Maizière genauso klar wie
    Tietmeyer und mir, dass mit der Einführung der
    Westwährung DDR-Betriebe nicht mehr konkur-
    renzfähig sein würden. Wir konnten uns auch aus-
    malen, in welch dramatischer Weise dieser Eingriff
    sichtbar würde. Also ging es darum, wie wir verhin-
    dern konnten, dass dieser Teil Deutschlands zusam-
    menbrach.

    Einige Seiten weiter:
    Tietmeyer und ich wussten, dass auf Finanzminister
    Theo Waigel schwere Zeiten zukamen: Wie hoch die
    Hilfe ausfallen würde, darüber vermochten wir nur
    zu spekulieren.

    So weit Wolfgang Schäuble.

    (Michael Glos [CDU/CSU]: Wo er Recht hat, hat er Recht!)

    Jeder Wirtschaftspraktiker, jede ökonomische Theorie

    musste deshalb 1990 eigentlich anraten, der DDR-Regie-
    rung viel Zeit für eine zunächst selbstständige Entwick-
    lung zu geben. Doch in der Praxis – das wissen wir alle –
    gab es diese Alternative in Wirklichkeit nie. Haupt-
    grund war aber nicht der ostdeutsche Ruf „Kommt die
    D-Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr“, wie es damals auf
    den Plakaten häufig zu lesen war. Hauptgrund war ein an-
    derer: Kein verantwortlicher Politiker und natürlich auch
    keine verantwortliche Politikerin in Ost wie in West
    konnte die Wiedererrichtung von Zoll- und Währungs-
    grenzen in Deutschland vertreten. Ich glaube, auch kein
    Bürger, weder in West noch in Ost, hätte dies geduldet.

    Wenn wir heute über den Vereinigungsprozess urteilen,
    müssen wir zwei Tatsachen betrachten: Einerseits war die
    DDR ungeeignet, in so kurzer Frist integrierter Teil einer
    der wettbewerbsfähigsten westlichen Marktdemokratien,
    nämlich der alten Bundesrepublik, zu werden. Und doch
    war andererseits in der Realität diese sofortige Integra-
    tion unausweichlich. Die schwerwiegenden Folgen der
    schnellen Vereinigung im Rahmen der Wirtschafts-,
    Währungs- und Sozialunion waren also ebenso voraus-
    sehbar wie unvermeidlich.

    Ich will jetzt nicht weiter auf den 10 Jahre danach er-
    neut hochkochenden Streit der Wissenschaftler und der
    Finanzpolitiker zu diesem Thema eingehen. Wir sollten
    uns auch hüten, über das vereinte Deutschland vorwie-
    gend unter finanziellen Gesichtspunkten zu reden: Was
    kostet die Einheit? Wer bezahlt sie? Wer hat sie bezahlt
    und wer wird sie weiter bezahlen?

    Gleichwohl erleben wir, dass 10 Jahre nach dem
    In-Kraft-Treten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozial-
    union die Gestaltung der Vereinigung häufig genug zu




    Dr. Mathias Schubert

    10615


    (C)



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    (B)


    einem reinen Belastungsdiskurs gemacht worden ist: zu
    wenig Hilfe für die einen, zu viel an Belastungen für die
    anderen. Die Verantwortung für diese bedrückende Ent-
    wicklung liegt vorwiegend bei Ihnen, liebe Kolleginnen
    und Kollegen auf der rechten Seite des Hauses. Das muss
    ich schon sagen. Sie haben es damals versäumt, den Men-
    schen in Ost- und Westdeutschland die Wahrheit zu sagen.
    Ob Sie die Wahrheit gewusst haben oder ob Sie sich ge-
    irrt haben, mag offen bleiben.


    (Michael Glos [CDU/CSU]: Was ist denn die Wahrheit?)


    Darüber will ich auch nicht urteilen.
    Fest steht, dass Sie den Menschen im Osten ein schnel-

    leres Erreichen der viel beschworenen blühenden Land-
    schaften versprochen haben, und zwar in einer anderen In-
    terpretation und in einem anderen Verständnis, als Sie,
    Herr Biedenkopf, es eben gesagt haben.


    (Hartmut Büttner [Schönebeck] [CDU/CSU]: Was Sie erzählen, ist dummes Zeug!)


    Denen im Westen wurde versprochen, dass die Steuern
    nicht erhöht werden müssten, um die Kosten der Einheit
    zu finanzieren. Es ist erstaunlich, wie schnell Sie verges-
    sen wollen und wahrscheinlich auch müssen. Beide Ver-
    sprechen waren falsch, konnten nicht eingehalten, muss-
    ten gebrochen werden.


    (Hartmut Büttner [Schönebeck] [CDU/CSU]: Sie hätten dies alles gewusst?)


    Wenn das DIW bei aller Kritik, die man an diesem Be-
    richt üben muss, in seiner 10-Jahres-Bilanz die Wirt-
    schafts-, Währungs- und Sozialunion als ein Musterbei-
    spiel dafür bezeichnet, dass für den Primat der Politik über
    die Ökonomie oft ein hoher Preis zu zahlen ist, dann ist
    dem zwar uneingeschränkt zuzustimmen, aber es gab
    eben keine Alternative zu dem, was gemacht worden ist.


    (Michael Glos [CDU/CSU]: Jetzt widersprechen Sie sich aber!)


    Ich kann den früheren Bundesbankpräsidenten Karl
    Otto Pöhl verstehen, wenn er gestern in der „Süddeut-
    schen Zeitung“ in einem ausführlichen Interview von sei-
    ner tiefen Brüskierung spricht und die Einführung der
    Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion als eine „Panik-
    reaktion aus der Hüfte geschossen“ beschreibt.


    (Hartmut Büttner [Schönebeck] [CDU/CSU]: Quatsch!)


    Aber auch da gilt: Es gab keine Alternative. – Urteilen Sie
    doch, nachdem Sie mich haben aussprechen lassen und
    nicht vorher!

    Ich hätte mir schon gewünscht, dass diese kritischen
    Stimmen bereits in der Deutlichkeit 1990 zu hören gewe-
    sen wären, und zwar nicht gegen die Wirtschafts-,
    Währungs- und Sozialunion, sondern gerade weil sie po-
    litisch notwendig und unausweichlich war. Da die
    Währungsunion konsequent mit politischer Symbolik
    verknüpft wurde, wurden die kritischen Stimmen, die
    durchaus Richtiges über die belastenden Folgen dieser
    Entscheidung ausgesagt hatten, schnell als Einheitsgeg-

    ner abgemahnt. Das ist die Hypothek, die Sie zu tragen ha-
    ben.


    (Hartmut Büttner [Schönebeck] [CDU/CSU]: Ihr müsst doch einmal klatschen!)


    Die Weitsichtigsten auch bei Ihnen – ich habe den Kol-
    legen Schäuble vorhin zitiert – wussten um die Unaus-
    weichlichkeit der Notwendigkeit und der Probleme der
    Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Aber sie haben
    sie öffentlich nicht benannt. Die offizielle Version, die
    Portokasse finanziert die Einheit, war aus wahltaktischen,
    das heißt aus machttaktischen Gründen selbstverständlich
    erfolgreich. Für das Zusammenwachsen aber wurden da-
    durch Ressentiments begründet, die zwischen Ost und
    West bis heute wirken.

    Politische Verantwortung darf sich nicht in Illusionen
    und Machttaktik erschöpfen. Die Folgen dafür haben alle
    zu tragen. Wir werden das Thema noch einmal behandeln,
    wenn wir über den Solidarpakt 2 reden, zu dem ich nach-
    her kurz noch ein paar Bemerkungen machen werde.

    Zur Beschreibung des ostdeutschen Transforma-
    tionsprozesses gehört es auch, über die Befindlichkeiten,
    über die Erfahrungen und das Selbstverständnis der Ost-
    deutschen einige Gedanken zu äußern. Der wirklich ent-
    scheidende, der substanzielle Wandel musste sich bei den
    Menschen vollziehen.

    Günter de Bruyn formulierte seine Momentaufnahme,
    die vermutlich uns allen oder zumindest vielen bekannt
    ist, damals so:

    Also hat die Nation schlechte Laune. Sie ist wieder
    vereint, aber nicht glücklich.

    Richard Schröder, unser erster SPD-Fraktionsvor-
    sitzender in der Volkskammer und früherer Kollege im
    Bundestag, hat für dieses Gefühl der Zerknirschtheit eine
    scheinbar plausible Erklärung:

    Der Maßstab, an dem wir die innere Einheit messen,
    ist der Jubel der Nacht der Maueröffnung.

    Doch nicht einmal temperamentvollere Menschen als die
    Deutschen – Brasilianer oder Spanier vielleicht – können
    sich Tag für Tag in den Armen liegen und „Wahnsinn“
    schreien.

    Ich glaube, die Bilanz der Einheit kann sich zumindest
    in einem weiteren, nicht ganz unwichtigen Punkt, auf den
    auch hingewiesen werden muss, sehen lassen. Während
    zum Beispiel Korsen für ihre Unabhängigkeit kämpfen,
    während eine Lega Nord in Italien marschiert, um den ar-
    men Süden abzuschütteln – wir könnten noch viele andere
    Beispiele aufführen –, käme niemand bei uns, weder in
    West- noch in Ostdeutschland, darauf, für die Unabhän-
    gigkeit zu kämpfen. Ich hoffe, dass es auch die reichen
    Südstaatler in Deutschland nicht so weit treiben werden.

    Im Vergleich zu anderen Völkern sind wir Deutschen
    uns doch recht einig. Der Vorrat an Gemeinsamkeiten in
    Ost und West ist groß genug, um die Unterschiede auszu-
    halten, zu benennen und wenn nötig, natürlich auch im
    Streit miteinander auszutragen.


    (Beifall bei der SPD)





    Dr. Mathias Schubert
    10616


    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    Wir sollten ganz im Sinne der fünf bzw. sechs Länder
    und im Sinne von deren wachsendem Selbstbewusstsein
    versuchen, von der verbliebenen Vielfalt zu profitieren,
    und nicht Walter Ulbrichts Ideale von der Menschenge-
    meinschaft – er meinte natürlich eine sozialistische – un-
    ter dem Etikett der inneren Einheit neu aufleben lassen.

    Wir sollten von der Politik nicht fordern, sie solle ein
    Gemeinschaftsgefühl herstellen. Politik, die Gefühle pro-
    duzieren oder provozieren will, ist mir immer noch un-
    heimlich. Die Politik kann dafür allenfalls Voraussetzun-
    gen schaffen.

    Ministerpräsident Biedenkopf hat einmal in realisti-
    scher Weise formuliert, der Vollzug der deutschen Einheit
    stelle ein gesamtdeutsches Reformwerk dar. Dabei ha-
    ben die Reformerfahrungen, die die Ostdeutschen für den
    umfassenden Reformbedarf in Westdeutschland und in
    Europa mitbringen, einen Prozess in Richtung auf ein
    neues Selbstbewusstsein angestoßen.

    Die politischen und ökonomischen Prozesse im Ver-
    lauf der Transformation hatten zunächst – wir wissen das
    alle – häufig zu biografischen Entwertungserfahrungen
    geführt. Alltägliche Verhaltensmuster, berufliche Kennt-
    nisse, soziale Erfahrungen und politische Überzeugungen
    hatten ihren Bezug auf ein völlig anderes System mit völ-
    lig anderen Werten und Zusammenhängen. Ich bin mir si-
    cher, dass sich diese notwendigen und oft schmerzvollen
    Transformationserfahrungen in der Zukunft als ein wich-
    tiger Vorteil erweisen werden.

    Die schwierigen neuen Bedingungen haben ein solches
    Maß an Flexibilität, Mobilität und Anpassungsbereit-
    schaft abverlangt, wie es kaum eine Generation zuvor er-
    lebt hat. Genau daraus entwickelt sich ein Selbstbewusst-
    sein, das sich aus dem Gefühl eigener Leistung und eines
    selbst erarbeiteten Erfahrungsvorsprungs ableitet: Wir
    sind gut, wir sind zum Teil besser als manche Westdeut-
    sche, mobiler, flexibler und kreativer.


    (Beifall bei Abgeordneten der SPD)

    Auch soziologische Studien belegen diesen Trend. Ge-

    genwärtig finden deshalb – das ist kein Zufall, sondern
    hängt mit dieser Entwicklung zusammen – in vielen Be-
    reichen, etwa der ostdeutschen Wirtschaft, Selbstorgani-
    sationsprozesse zur Bündelung der Kräfte, der Innovati-
    onsfähigkeit und zur Organisation eines offensiven, glo-
    balen Marktzugangs statt. Dabei setzen wir vor allem auf
    die zukunftsfähigen Wirtschaftsbranchen, wie etwa die
    Werkstoffentwicklung, die Biotechnologie oder die Infor-
    mationstechnologie. Dieser innovative und konsequente
    organisierte Selbstorganisationsprozess findet unter ande-
    rem unter dem Stichwort der Regionalisierung statt. Man
    könnte daher sagen, dass unter denjenigen, die sich daran
    beteiligen ein regelrechter Aufbruch auch des eigenen
    Selbstbewusstseins stattfindet. – Das ist der eine Aspekt.

    Es gibt aber auch noch einen anderen Aspekt, nämlich
    den der neuen Qualität des Transformationsprozesses.
    Einer der Kernpunkte dabei wird sein – hierin hat Kollege
    Schwanitz Recht –, das Ziel dieses Prozesses neu zu be-
    stimmen. Darüber müssen wir einmal an einer ganz ande-
    ren Stelle reden. Bisher hieß eines der Ziele „Anpassung
    der Lebensverhältnisse Ost an West“. Anpassung oder

    Angleichung sind im Übrigen teilweise irreführende
    Begriffe. Angleichung ist nur insofern richtig, als dieser
    Begriff in der Verfassung steht und einen Anspruch der
    Ostdeutschen legitimiert. Er verlangt zum Beispiel, dass
    sich der Staat um annähernd gleiche Lebensverhältnisse
    zu bemühen hat. Er legitimiert unter anderem, dass So-
    zialhilfeansprüche im Osten in gleicher Weise wie im
    Westen gelten.

    Doch bedeutet Angleichung wirklich den gleichen Pro-
    Kopf-Verbrauch an Spreewaldgurken in Ost und West?
    Heißt Angleichung wirklich, dass neben Hansa Rostock
    und Energie Cottbus auch der VfB Leipzig in der Bun-
    desliga spielt? Sind wir dann gleich, wenn die Westdeut-
    schen genauso viel Rotkäppchen-Sekt trinken wie die
    Ostdeutschen? Oder ist das etwa dann der Fall, wenn in
    Sachsen genau so viele die PDS wählen wie in Baden-
    Württemberg?


    (Dr. Gregor Gysi [PDS]: Umgekehrt!)

    – Nein, Herr Gysi, Sie werden mir zugestehen müssen,
    dass ich den Vergleich selbstverständlich so herum ge-
    bracht habe.

    Ich meine schon, dass der Begriff Angleichung völlig
    falsch gewählt wurde, wenn man darunter die Anwendung
    gleicher Instrumente der Politik für ungleiche Verhält-
    nisse versteht. Eine andere Lage verlangt andere Instru-
    mente.

    Ich befürchte, dass wir das mit den Mitteln und Me-
    thoden, die wir bislang zur Verfügung hatten, nie schaffen
    werden. Denn das künftige Ziel der Transformation wird
    nicht mehr die Angleichung, sondern die Entwicklung
    neuer Formen der Bündelung wirtschaftlicher Kräfte,
    neuer Inhalte der aktiven Arbeitsmarktpolitik, insbeson-
    dere auf den Feldern der Aus- und Weiterbildung, zu-
    kunftsfähiger Formen der sozialen Sicherungssysteme,
    nicht nur für den Osten, sondern eben auch für West-
    deutschland, sein. Diese gesellschaftlichen und politi-
    schen Innovationspotenziale wachsen – das behaupte
    ich hier einmal sehr ungeschützt von dieser Stelle aus –
    zurzeit, wenn ich das richtig sehe, im Osten stärker als im
    Westen.

    Das ist unsere gemeinsame Chance. Deshalb bin ich
    mir sicher, dass wir aus ostdeutscher Erfahrung Anstöße
    für gesamtdeutsche Reformen geben müssen. Ich habe
    mit Freude festgestellt, dass sowohl Kollege Metzger als
    auch Kollege Rexrodt gerade im Blick auf die Entwick-
    lung der Wirtschaft sehr klar und sehr konkret darauf hin-
    gewiesen haben, dass hier neue Möglichkeiten und Me-
    thoden – hoffentlich im Konsens hier im Hause – ent-
    wickelt werden müssen.

    Insofern wird der Solidarpakt 2 eben auch eine ge-
    samtgesellschaftliche Aufgabe für West wie für Ost sein,
    eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ohne Ideologien,
    ohne Illusionen und natürlich auch ohne Machttaktik. Sie
    ist zum einen eine Herausforderung an den Westen, näm-
    lich noch einmal die Bereitschaft zu einem großen solida-
    rischen Werk zu zeigen, und sie ist zum anderen eine
    Herausforderung an den Osten, nämlich mit Realitätssinn
    und mit flexiblen Reaktionen auf die Situation bei uns bei
    den Forderungen und neuen Überlegungen zu diesem




    Dr. Mathias Schubert

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    (C)



    (D)



    (A)



    (B)


    Förderprogramm, insbesondere im Bereich Wissenschaft
    und Forschung, Kooperationen, Innovationen usw., zu
    reagieren.


    (Beifall bei der SPD)

    Der Solidarpakt 2 – das ist vielleicht auch eine Mög-

    lichkeit, eine solche Rede abzuschließen – ist die Fort-
    führung und vielleicht sogar – das werden wir allerdings
    erst in zehn oder noch mehr Jahren wissen – die Voll-
    endung dessen, was mit der Wirtschafts-, Währungs- und
    Sozialunion begonnen hat.


    (Beifall bei der SPD)

    Auch aus diesem politischen Grund scheint er mir so nötig
    zu sein, wie die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion
    zum 1. Juli 1990 nötig gewesen ist.


    (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)