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    Plenarprotokoll 12/104 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 104. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 10. September 1992 Inhalt: Tagesordnungspunkt 1: Fortsetzung der a) ersten Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 1993 (Haushaltsgesetz 1993) (Drucksache 12/3000) b) Beratung der Unterrichtung durch die Bundesregierung Der Finanzplan des Bundes 1992 bis 1996 (Drucksache 12/3100) Wolfgang Thierse SPD 8847 B Dr. Günther Krause (Börgerende) CDU/CSU 8849 D Wolfgang Thierse SPD 8850 A Ingrid Matthäus-Maier SPD . 8850C, 8854 C Wolfgang Roth SPD 8852 B Uwe Lühr F D P. 8856B Dr. Fritz Schumann (Kroppenstedt) PDS/ Linke Liste . . . . . . . . . . . . . 8859 B Werner Schulz (Berlin) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 8861 B Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 8861C Dr. Günther Krause (Börgerende) CDU/ CSU 8862 B Jürgen W. Möllemann, Bundesminister BMWi 8864A, 8888B Wolfgang Roth SPD , . . 8868 B Jürgen W. Möllemann F.D.P. 8870B Michael Glos CDU/CSU 8872A Dr. Klaus Zeh, Minister des Landes Thüringen 8875 A Norbert Otto (Erfurt) CDU/CSU . 8876 A Ursula Schmidt (Aachen) SPD 8877 A Dr. Reinhard Meyer zu Bentrup CDU/ CSU 8877 D Johannes Nitsch CDU/CSU . . . . . . 8879 B Dr. Klaus-Dieter Feige BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 8879 D Kurt J. Rossmanith CDU/CSU 8881 D Dr. Theodor Waigel, Bundesminister BMF 8883B, 8887 C Ingrid Matthäus-Maier SPD 8887 A Anke Fuchs (Köln) SPD (Erklärung nach § 30 GO) 8888 A Dr. Klaus Töpfer, Bundesminister BMU . 8888B Marion Caspers-Merk SPD 8892 A Dr. Sigrid Hoth F.D.P. . . . . . . . . 8893D Klaus Lennartz SPD 8895C, 8898 B Dr. Klaus W. Lippolt (Offenbach) CDU/ CSU 8897 D Dr. Klaus-Dieter Feige BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN . . . . . . . . . 8898C, 8935 A Dr. Klaus Töpfer CDU/CSU 8899 D Dr. Ulrich Briefs fraktionslos 8901 A Dr. Dagmar Enkelmann PDS/Linke Liste 8903A, 8932 C Ulrich Junghanns CDU/CSU , . . . . . 8903 D Horst Sielaff SPD . . . . . . . . . . 8905D Georg Gallus F D P 8907 A II Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode — 104. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 10. September 1992 Jan Oostergetelo SPD . . 8907B, 8909 D Bartholomäus Kalb CDU/CSU 8907 D Ignaz Kiechle, Bundesminister BML 8908 D Horst Sielaff SPD . . . . . . . . . 8909C Dr. Heinz Riesenhuber, Bundesminister BMFT . . . . . . . . . . . . . . . 8910 A Siegmar Mosdorf SPD 8911B Josef Vosen SPD 8912 C Dietrich Austermann CDU/CSU . . . 8914A Josef Vosen SPD 8916A, 8928 A,B Dr.-Ing. Karl-Hans Laermann F.D.P. 8916C Achim Großmann SPD 8917D, 8925 B Dieter Pützhofen CDU/CSU 8920 D Carl-Ludwig Thiele F.D.P. . . . . . . 8922 D Dr. Ilja Seifert PDS/Linke Liste 8924 A Hans Peter Schmitz (Baesweiler) CDU/CSU 8925 C Dr. Irmgard Schwaetzer, Bundesministerin BMBau 8925 D Albrecht Müller (Pleisweiler) SPD . . . 8928 D Wilfried Bohlsen CDU/CSU 8930 C Ernst Waltemathe SPD . . . . 8931C, 8932 D Werner Zywietz F.D.P. 8934 A Manfred Kolbe CDU/CSU 8935 C Albrecht Müller (Pleisweiler) SPD . . 8935 D Elke Ferner SPD 8937 C Manfred Kolbe CDU/CSU 8939 B Dr. Christian Schwarz-Schilling, Bundesminister BMPT . . . . . . . . . . . . . 8940 D Peter Paterna SPD 8942 C Hannelore Rönsch, Bundesministerin BMFuS 8943 B Anke Fuchs (Köln) SPD . . . . . . . . 8946A Ursula Männle CDU/CSU 8949 B Dr. Edith Niehuis SPD . . . . . . . . 8951 B Maria Michalk CDU/CSU 8953 B Dr. Dietmar Keller PDS/Linke Liste . 8954 C Petra Bläss PDS/Linke Liste 8955 D Christina Schenk BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 8957 C Dr. Angela Merkel, Bundesministerin BMFJ . . . . . . . . . . . . . . . . 8959B Marianne Birthler, Ministerin des Landes Brandenburg 8962 A Dr. Norbert Blüm, Bundesminister BMA 8964 C Ottmar Schreiner SPD 8967 C Dr. Norbert Blüm CDU/CSU 8969 C Dr. Gisela Babel F.D.P. 8972 A Dr. Heiner Geißler CDU/CSU . . . . . 8974 D Anke Fuchs (Köln) SPD 8975 A Renate Jäger SPD 8976 C Cornelia Schmalz-Jacobsen F.D.P. . . . 8977 D Dr. Dietmar Keller PDS/Linke Liste . . 8979 B Dr. Rainer Ortleb, Bundesminister BMBW 8980 B Doris Odendahl SPD 8981 B Dr. Margret Funke-Schmitt-Rink F.D.P. . 8983 A Dr. Wolfgang Weng (Gerlingen) F.D.P. (Erklärung nach § 32 GO) . . . . . . . . . 8984 A Nächste Sitzung 8984 C Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . 8985* A Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode — 104. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 10. September 1992 8847 104. Sitzung Bonn, den 10. September 1992 Beginn: 9.00 Uhr
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    Anlage zum Stenographischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Adler, Brigitte SPD 10. 09. 92**** Antretter, Robert SPD 10. 09. 92* Berger, Johann Anton SPD 10. 09. 92 Dr. Blank, CDU/CSU 10. 09. 92*** Joseph-Theodor Böhm (Melsungen), CDU/CSU 10. 09. 92* Wilfried Brandt, Willy SPD 10. 09. 92 Clemens, Joachim CDU/CSU 10. 09. 92 Dr. Fell, Karl H. CDU/CSU 10. 09. 92 Fischer (Unna), Leni CDU/CSU 10. 09. 92**** Friedrich, Horst F.D.P. 10. 09. 92 Fuchtel, Hans-Joachim CDU/CSU 10. 09. 92**** Gattermann, Hans H. F.D.P. 10. 09. 92 Göttsching, Martin CDU/CSU 10. 09. 92 Haschke CDU/CSU 10. 09. 92 (Großhennersdorf), Gottfried Hinsken, Ernst CDU/CSU 10. 09. 92 Hollerith, Josef CDU/CSU 10. 09. 92 Dr. Holtz, Uwe SPD 10. 09. 92**** Jaunich, Horst SPD 10. 09. 92 Dr. Kahl, Harald CDU/CSU 10. 09. 92 Dr. Leonhard-Schmid, SPD 10. 09. 92 Elke Lummer, Heinrich CDU/CSU 10. 09. 92* Dr. Müller, Günther CDU/CSU 10. 09. 92**** Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Oesinghaus, Günther SPD 10. 09. 92 Opel, Manfred SPD 10. 09. 92*** Dr. Pfennig, Gero CDU/CSU 10. 09. 92 Dr. Pinger, Winfried CDU/CSU 10. 09. 92 Pofalla, Ronald CDU/CSU 10. 09. 92 Dr. Probst, Albert CDU/CSU 10. 09. 92** Reddemann, Gerhard CDU/CSU 10. 09. 92* Regenspurger, Otto CDU/CSU 10. 09. 92 Rempe, Walter SPD 10. 09. 92 Sauer (Salzgitter), CDU/CSU 10. 09. 92*** Helmut Schäfer (Mainz), Helmut F.D.P. 10. 09. 92 Scharrenbroich, Heribert CDU/CSU 10. 09. 92**** Dr. Schöfberger, Rudolf SPD 10. 09. 92 Schulte (Hameln), SPD 10. 09. 92*** Brigitte Schuster, Hans F.D.P. 10. 09. 92 Sehn, Marita F.D.P. 10. 09. 92 Dr. Stercken, Hans CDU/CSU 10. 09. 92**** Dr. Warnke, Jürgen CDU/CSU 10. 09. 92 Weyel, Gudrun SPD 10. 09. 92**** Dr. Wieczorek, Norbert SPD 10. 09. 92 * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates ** für die Teilnahme an Sitzungen der Westeuropäischen Union *** für die Teilnahme an Sitzungen der Nordatlantischen Versammlung **** für die Teilnahme an der Jahreskonferenz der Interparlamentarischen Union
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    Rede von Josef Vosen


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

    Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Ich habe gerade dem Forschungsminister zugehört. Er war wie immer

    (Brigitte Baumeister [CDU/CSU]: Er war gut!)

    euphorisch, optimistisch; heile Welt, Wachstum, Zuwachs der Wissenschaft; die Position der Industrie ist gut usw., usw. Selbst die Spanne in der Vergangenheit, 2 500 Jahre zurück, ist ihm gelungen. Nur, die Spanne in die Zukunft sehe ich etwas anders. Die sieht nämlich in der Wahrheit anders aus.
    Ich kann, nachdem ich ihm zugehört habe, verstehen, warum die Forschungspolitik immer weniger Geld hat. Wer in Gegenwart von Haushältern, die aufs Geld achten, so eine heile Welt darstellt, dem kann man doch was abnehmen. Und das macht er seit vielen Jahren. Seit 1984 haben wir immer weniger Geld bekommen, unter Berücksichtigung des Wachstums des Haushalts. Auch jetzt sind wir bei 2,8 % des Haushalts eingefroren. Wir sparen, wir entlassen. In allen Großforschungseinrichtungen werden Stellen abgebaut. In den wissenschaftlichen Einrichtungen in den ostdeutschen Ländern ist die Zahl der Forscher von 25 000 auf 10 000 zurückgegangen. In der Industrie, in den Kombinaten ist alles zerschlagen worden. Dort arbeiten kaum noch Menschen. Die neuen deutschen Länder werden zur verlängerten Werkbank der westdeutschen Konzerne.
    Das alles hat er nicht erzählt. Er redet von einer heilen Welt, und mir sträuben sich die Haare. Ich mache dieses Spiel ja schon viele, viele Jahr mit. Jedesmal ist das Ergebnis, daß auch unsere Haushälter — selbst die SPD-Haushälter! — das glauben. Ich muß sie dann immer mühsam überzeugen, daß es gar nicht so ist, wie der Minister es sagt. Wir müssen dann wenigstens unsere eigenen Leute bei der Stange halten, wenn es darum geht, Geld für den Forschungshaushalt zu bekommen.

    (Eduard Oswald [CDU/CSU]: Das scheint nicht nur hier so zu sein!)

    So sieht es wirklich aus, Herr Minister.
    Ich sage Ihnen: Es ist eine schlechte Strategie, immer alles in den schillerndsten Farben zu schildern. Das geht jetzt nicht mehr, denn die Wahrheit sieht anders aus. — Ich muß jetzt frei reden; ich habe mein Konzept beiseite gelegt. Es ist zu schön, Ihnen zu antworten.

    (Heiterkeit — Dietrich Austermann [CDU/ CSU]: Es war gut, daß er -das Konzept weggeworfen hat!)




    Josef Vosen
    Es ist ja so, daß Sie eine völlige Fehlentwicklung zugelassen haben. In der Grundlagenforschung wird immer mehr gemacht, aber die Verbindung von der Grundlagenforschung zur Anwendung funktioniert leider nicht. Wir haben jetzt einen Anteil an der Förderung Grundlagenforschung von 40 %; dieser Anteil hat sich in Ihrer Amtszeit entwickelt. Es waren einmal 28 % zu Zeiten der SPD.

    (Brigitte Baumeister [CDU/CSU]: Die Grundlagenforschung ist aber gut!)

    Der Anteil der projektorientierten Forschungsförderung ist kontinuierlich zurückgegangen. Mein Kollege Lenzer, den ich sehr schätze,

    (Christian Lenzer [CDU/CSU]: Womit habe ich das verdient?)

    fordert ja in seiner heutigen Pressestellungnahme, daß wir wieder mehr bekommen.
    Sie haben die strategischen Technologien erkannt, und Sie haben sie auch beschrieben: Mikrosystemtechnik, Verkehr, Basistechnologien der Informationstechnik, Materialforschung, Biotechnologie. Das alles haben Sie selber gesagt. Wir stimmen Ihnen zu: Das sind die Felder, auf die es ankommt. Aber für diese Felder haben Sie in den vergangenen Jahren kaum etwas getan mit der Folge, daß wir in diesen Bereichen der Technologie weltweit abgefallen sind, besonders gegenüber Japan. Wir sind in allen Technologiebereichen weg vom Fenster.
    Jetzt sind auch noch unser Maschinenbau und unser Fahrzeugbau in Gefahr, also Technologien, von denen wir im Export leben. Auch andere Bereiche, in denen wir stark sind, sind mit dieser neuen Technologie der Mikroelektronik konfrontiert. Diese Technologie wird leider von Japan dominiert. Wir haben den Anschluß verloren. Das sind die Fakten.
    Wenn wir nicht mitgearbeitet hätten — Forschungsminister in der Übergangsregierung war ein Sozialdemokrat, Professor Terpe —, wäre die Akademie der Wissenschaften noch mehr ausgeschlachtet worden. Man hat Übergangsfristen geschaffen; ansonsten wäre der Wissenschaftsrat zu keiner vernünftigen Beurteilung gekommen, weil er keine Zeit gehabt hätte. Das haben wir Gott sei Dank gesichert. So haben es Sozialdemokraten — auch mit Unterstützung der Kollegen von der CDU; das will ich nicht verschweigen — zusammen mit dem Wissenschaftsrat geschafft, wenigstens das Schlimmste zu verhindern. Ich will anerkennen, daß das eine gemeinsame Leistung war; aber nicht Ihre. Das sage ich ganz ausdrücklich.
    Wir Sozialdemokraten sagen jetzt nicht: Wir wollen den Forschungshaushalt aufblähen. Wir wissen, daß kein Geld da ist. Das sollten Sie einmal sagen. Deswegen werden wir Umschichtungen im Rahmen der vorhandenen Mittel vorschlagen, und zwar zunächst im Bereich der Kernenergie; das sagen wir ganz klar, denn da ist es nicht mehr nötig. Ich denke auch, daß die Elektrizitätsversorgungsunternehmen Geld genug haben, das sie von unseren Leuten hier kassiert haben, und sie werden es auch weiter tun.

    (Beifall bei der SPD)

    Sie sollten in diesen Bereich eintreten und Mitverantwortung für Sicherheitsforschung, aber auch für andere Bereiche — auch für alternative Energien — übernehmen. Sie sollten einmal mit zur Kasse gebeten werden.

    (Beifall bei der SPD)

    Ich denke, das ist ein Weg, den Sie mit uns gemeinsam gehen sollten.
    Ich halte es auch für sinnvoll, im Bereich der Raumfahrt einzusparen. Wir wollen diesen Etat, den Sie ja nach Chip-Chip-Hurra-Manier als Vorsitzender des Ministerrats federführend vorangetrieben haben und aus dem Sie jetzt praktisch austeigen müssen, auf 15 % des gesamten Forschungsetats beschränken.

    (Beifall bei der SPD) Das, meine ich, ist die Ausgangsbasis.

    Sie wissen, daß Hermes keine Chance mehr hat, daß Columbus keine oder nur noch eine kleine Chance hat, daß also ein ganzer Bereich wegbricht, der unter Ihrer Federführung international verabredet worden ist. Dazu sollten Sie sich auch bekennen.
    Ich glaube, daß die Förderung der neuen deutschen Länder mehr als bisher Platz greifen muß. Was dort passiert, habe ich eingangs geschildert. Das ist eine schlimme Entwicklung. Ich glaube, daß diesbezüglich auch Ihrerseits viel zu sehr schöngefärbt worden ist. Das kann man so nicht stehenlassen.
    Für die nichtnukleare Energieforschung brauchen wir Geld. Ich setze hier nicht einseitig auf die Solarenergie. Die nichtnukleare Energieforschung ist vielschichtig.

    (Helmut Esters [SPD]: Hermann Scheer sagt etwas anderes!)

    — Der Hermann Scheer ist mein Freund. Er hat teilweise recht, aber die nichtnukleare Energieforschung umfaßt ein breites Spektrum. Da muß sehr viel geschehen. Wir sind bereit dazu; nur, die Mittel fehlen. Da ist sehr zurückgefahren worden.
    In den wichtigen Bereichen Informationstechnik und Gesundheitsforschung — davon habe ich nichts gehört — muß mehr getan werden. Die ökologische Forschung ist in Ihren Ausführungen gar nicht vorgekommen. Sie haben immer nur von der Gründung von Instituten gesprochen. Aber die Inhalte, nach denen mein Kollege Mosdorf gefragt hat, haben Sie nicht formuliert. Ich glaube, daß Ihnen die Inhalte abhanden gekommen sind. Es kann nach einer zehnjährigen Amtszeit passieren, daß man nicht mehr genau weiß, was man überhaupt noch machen soll, weil in den ganzen Jahren ja sowieso fast nichts richtig geklappt hat.
    Daher bieten wir Ihnen, Herr Riesenhuber, an, in der Zeit des Mangels — es hat ja jetzt keinen Zweck, auf Konfrontation zu machen —, dem sich auch die Forschungspolitik ausgesetzt sieht, von dem sie wie alle anderen Ressorts betroffen ist, uns zusammenzufinden und gemeinsam zu überlegen, wie wir auf den Feldern, über die ja Übereinstimmung besteht, nämlich in den Zukunftstechnologien, vorankommen können.



    Josef Vosen
    Ich will noch etwas zu nachwachsenden Rohstoffen sagen, weil dieses Thema soeben von den Landwirten angesprochen worden ist. Auf diesem Gebiet kann man ja forschen. Aber ich sage allen, die in dieser Beziehung zu große Hoffnungen wecken: Es wird Hoffnungslosigkeit eintreten. Die Landwirte werden mit solchen Dingen hinters Licht geführt. Es werden falsche Hoffnungen geweckt, die nicht erfüllt werden können. Das geht jetzt noch nicht. Sie können mir das abnehmen. Deswegen meine ich, daß wir das hier offen sagen sollten.

    (Helmut Esters [SPD]: Da ist Hermann Scheer anderer Meinung!)

    Wir wissen, daß diese Regierung in großer Not ist; auch der Forschungsminister. Das müssen Sie einfach zugestehen. Ich denke, daß in Zeiten großer Not ja die Menschen betroffen sind.

    (Gerlinde Hämmerle [SPD]: Sehr richtig!)

    Wenn es um Menschen geht, dann werden sich Sozialdemokraten nicht verweigern. Sie werden mit Ihnen gemeinsam arbeiten, damit für die Menschen das Beste erreicht wird.
    Herzlichen Dank.

    (Beifall bei der SPD)



Rede von Helmuth Becker
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)
Ich erteile unserem Kollegen Dietrich Austermann das Wort.

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    Rede von Dietrich Austermann


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Man hat dem Kollegen Vosen angemerkt, daß er aus einer Region kommt, wo gern und oft — bei ihm wahrscheinlich besonders oft — Karneval gefeiert wird.

    (Josef Vosen [SPD]: Das ist richtig! Das sollten auch Sie tun!)

    Wenig von dem, was er vortrug, stimmt. Es stimmt nicht einmal die hier im Hause sicher weit verbreitete Unterstellung, daß es die Haushälter mit den Einzeletats immer nicht gut meinten. Da muß ich den Minister in Schutz nehmen.
    Wenn man sich die Zahlen aus den zehn Jahren der Amtszeit des Ministers anguckt, dann stellt man fest, daß der Forschungsetat in dieser Zeit um 40 % gewachsen ist. Wenn man sich dann die Jahresplanung anguckt, dann stellt man fest, daß er — im Vergleich zu anderen Etats — weithin ungeschoren aus den Haushaltsberatungen herausgekommen ist, ja, daß wir vom Haushaltsausschuß sogar Mittel draufgelegt haben, da die Notwendigkeit, zu helfen und etwas für Forschung, für neue Arbeitsplätze zu tun, auch unter den Haushaltspolitikern völlig unbestritten ist.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)

    Dies muß man feststellen. Man muß dabei erkennen, daß wir natürlich auch die Aufgabe sehen, in den neuen Bundesländern viel zu erreichen. Unser heutiges Thema ist ja eigentlich, wie wir die Sicherung des Standorts Deutschland und die Aufarbeitung der Probleme in den neuen Bundesländern miteinander in Einklang bringen können. In den neuen Bundesländern muß die Forschungsstruktur weiter entschlossen reorganisiert und ausgebaut werden. In den alten Bundesländern muß unter klarer Schwerpunktsetzung die Förderung zukunftszugewandter Technologien Vorrang vor der Bewahrung alter Strukturen haben.
    Da der Kollege Vosen kritisiert hat, der Minister habe angeblich keine Ziele genannt, hätte ich mir gewünscht, daß er dem nun eigene Ziele gegenübergestellt hätte. Aber er mußte offensichtlich von seiner Rede abweichen, wahrscheinlich nachdem ein anderer sie kritisch gelesen und ihm gesagt hat: Jupp, laß das lieber.

    (Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU)

    Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Deutschland ist ein guter Forschungsstandort. Das gilt für die Arbeit unserer Naturwissenschaftler in Ost wie in West. Sie sind in weiten Bereichen erstklassig. Aber es gibt natürlich für die Wirtschaft relevante Gebiete, in denen vor allem die anwendungsbezogene Forschung eindeutig besser für die Zukunft gerüstet werden muß. Forschung heute heißt Patente morgen und Arbeitsplätze übermorgen. Deshalb leistet die Forschung einen guten Beitrag für den Standort Deutschland.
    Wenn wir uns unseren Haushalt angucken und die Frage stellen, was ist denn überhaupt finanziell möglich und machbar, dann stellen wir fest, daß eine Vielzahl von Projekten, die zu Zeiten von SPD-Forschungsministern angefangen worden sind, heute den Haushalt in Form von Altlasten begleiten, weil sie sich weitgehend in der Energiepolitik auf Blockaden festgelegt haben.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)

    Es gibt darüber hinaus natürlich auch andere Probleme. In den neuen Bundesländern mußte und muß kräftig aufgebaut werden. Wir sind dabei ein ganzes Stück vorangekommen. Das reicht weit über den Forschungsetat hinaus.
    Ich will die Debatte, die heute morgen begonnen hat, ein bißchen mit aufnehmen. Lassen Sie mich das am Beispiel der Mikroelektronik deutlich machen. Nicht nur der Forschungsetat leistet Gewaltiges für die Forschung in den neuen Bundesländern. In der DDR war die Mikroelektronik unter dem Dach der Kombinate Carl-Zeiss-Jena, Robotron und PTC ein Hätschelkind der Regierungspolitik. 140 000 Beschäftigte waren in den drei Kombinaten tätig.
    In den letzten Tagen wurde eine Teilbilanz eröffnet. Von 40 000 Arbeitsplätzen der PTC wurden inzwischen 30 000 abgebaut. Ein dramatischer und gewaltiger Aderlaß in zwei Regionen unseres Vaterlandes. Das zeigt, welche Anstrengungen erforderlich sind.
    Die Treuhand hat hier, wie es die SPD ja immer wieder fordert, gewaltige Beträge investiert. 2 Milliarden DM werden erforderlich sein, um allein einen Teil dieser Industriestruktur zu liquidieren, weitere 500 Millionen DM, um zwei Käufern die Möglichkeit zu schaffen, aus Einzelbereichen für die Herstellung von ASICs in Erfurt und Dresden wieder etwas zu machen.
    Mit der Betrachtung einhergehen muß aber auch, was in der Hochschullandschaft in den letzten zwei Jahren entstanden ist: die Umwandlung der wissen-



    Dietrich Austermann
    schaftlichen Einrichtungen der AdW der DDR und der teilweisen Ausgliederung der Industrieforschung aus den Betrieben. Hier sind wir ein großes Stück vorangekommen. Der Aufbau der Forschung in den neuen Bundesländern kostet uns im nächsten Jahre 1,75 Milliarden DM. Ich glaube, daß dies deutlich macht, was erreicht worden ist und was wir im nächsten Jahr zu tun vorhaben. Das Gerüst neuer Institute steht. Im Forschungsetat für das kommende Jahr stehen allein 27 neue Institute in den neuen Bundesländern, davon drei Großforschungseinrichtungen, die allein 265 Millionen DM ausgeben können.
    Übrigens, um einmal mit einem weitverbreiteten Vorurteil aufzuräumen: Die Forschungspolitiker der Koalition haben sich dagegen gewendet, daß man rigoros einfach mit einer ganz bestimmten Meßlatte bei den Forschungseinrichtungen in den alten Bundesländern streicht. Auch die Großforschungseinrichtungen in den alten Bundesländern werden im nächsten Jahr — wenn auch einen geringen, aber doch — einen finanziellen Zuwachs zu verzeichnen haben.
    Lassen Sie mich einen weiteren Punkt erwähnen: die Stärkung und Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen steht neben der Förderung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Der BDI hat heute eine Aufstellung vorgelegt, die deutlich macht, daß es 25 neue Technologiezentren und 146 innovative Unternehmen in den neuen Bundesländern gibt, die bereit sind, neue Dinge anzupacken im mittelständischen Bereich. Wir werden dies im nächsten Jahr — wir haben es auch schon bisher getan — mit Mitteln für den Technologietransfer in einer Größenordnung von 187 Millionen DM unterstützen.
    Die Bilanz der Ausgaben nach zehn Jahren neuer Politik für Forschung und Entwicklung der alten Bundesrepublik kann sich sehen lassen. 1982 wurden 42 Milliarden DM für Forschung in Deutschland ausgegeben, in diesem Jahr werden es 70 Milliarden DM sein. Damit stehen wir mit den Japanern und den USA weltweit an der Spitze. Dies gilt übrigens auch für Mittel für Vorsorgeforschung und andere Bereiche.
    Ich will bloß einmal einen ganz kleinen Bereich nehmen, der ja nun ständig in der Diskussion ist und der auch den Umweltetat betroffen hat. Zu Zeiten von Forschungsminister Hauff, glaube ich, gab es noch nicht einmal ganze 4 Millionen DM für Klimaforschung. Im nächsten Jahr werden es in unserem Haushalt 165 Millionen sein.
    Diese Bilanz wird durch die richtige Politik fortgesetzt. Dabei müssen selbstverständlich immer wieder Schwerpunkte überprüft werden. Wir sagen ganz klar, daß wir folgende Schwerpunkte in den nächsten Jahren in den Vordergrund rücken: Informationstechnik und Mikroelektronik, Materialforschung und Fertigungstechnologie, Biotechnologie und Medizin, Energietechnik und Umwelttechnologie, Verkehrstechnik und auch Raumfahrt- und Schiffahrttechnik. Ich glaube, daß diese fünf Schwerpunkte in der nächsten Zeit ganz erhebliche zusätzliche Bedeutung bekommen.
    In der Informationstechnik sind wir weiter, als Sie gesagt haben. Sie haben beklagt, daß Deutschland zurückgefallen sei. Das gilt natürlich für bestimmte Bereiche, hängt aber auch damit zusammen, daß die Industrie immer wieder zu kurzfristig denkt — vielleicht von Hauptversammlung zu Hauptversammlung —, so daß sich manche strategische Entscheidung aus den 70er Jahren heute in ganz schlimmer Form rächt. Es sind nicht nur fehlende Entscheidungen des Staates in den 70er Jahren — obwohl es sie auch gegeben hat — gewesen. Heute geben wir für Informationstechnik 1 Milliarde DM aus. Trotzdem wird es wohl kein 64-Megabit-Chip aus deutscher Produktion geben. Aber wir werden im Bereich der ASICs mit neuen Instituten in Dresden, Itzehoe und Hannover wesentliche neue Akzente setzen.
    Die Energieforschung hat dazu beigetragen, daß der Wirkungsgrad von Kraftwerken vorangebracht werden konnte. Wenn dies der Fall ist, dann können wir, glaube ich, sagen: Soweit die Forschung erfolgreich gewesen ist, muß jetzt die Industrie und müssen jetzt die Energieversorgungsunternehmen die zukünftige Arbeit übernehmen. Wenn wir tatsächlich für Energieforschung oder für die Anwendung der Energie noch Geld ausgeben, dann kann dies meines Erachtens eigentlich nur bei ausgestandenen Technologien in den neuen Bundesländern als Regionalpolitik der Fall sein. Aber für neue Kohlekraftwerke im Westen sehe ich eigentlich keinen Raum.
    Ein Schwerpunkt muß künftig auch die Vermeidung von CO2, also die Hinwendung zu erneuerbaren Energien sein. Wir haben hier in der Tat Beeindrukkendes erreicht. Wir sind europaweit Spitze. Daß der Haushaltsentwurf jetzt einen zu kleinen Betrag enthält, darüber sind wir uns einig. Wir werden das im Laufe der Beratungen korrigieren. Aber trotzdem führt, glaube ich, kein Weg daran vorbei: Ohne neue Kernkraftwerke werden wir den Abbau der CO2-Belastung von immerhin 1 Milliarde t im Jahr aus der Bundesrepublik alleine nicht schaffen.

    (Beifall bei der CDU/CSU)

    Ich glaube, daß man sich auch noch einmal wird unterhalten müssen über das Thema nachwachsende Rohstoffe. Die Bundesregierung hat recht getan, die Voraussetzungen dafür zu schaffen und eine neue Agentur dafür einzurichten. Meines Erachtens muß dies in einem der neuen Bundesländer passieren, weil dort die Agrarstruktur eine andere ist. Ich bin aber dafür, daß diese Agentur dann auch in der Federführung des Forschungsministeriums bleibt, und meine, daß wir darüber noch einmal reden sollten.

    (Abg. Josef Vosen [SPD] meldet sich zu einer Zwischenfrage)

    — Den Kollegen Vosen drängt es offensichtlich, etwas zu fragen, was er bisher nicht weiß.