Rede:
ID1203810800

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    Plenarprotokoll 12/38 Bundestag Deutscher Stenographischer Bericht 38. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 5. September 1991 Inhalt: Bestimmung der Abg. Anke Fuchs als ordentliches Mitglied des Gemeinsamen Ausschusses an Stelle der ausgeschiedenen Abg. Ingrid Matthäus-Maier 3121A Bestimmung der Abg. Gudrun Weyel als stellvertretendes Mitglied des Gemeinsamen Ausschusses an Stelle der zum ordentlichen Mitglied bestimmten Abg. Anke Fuchs . . 3121A Wahl des Abg. Harald B. Schäfer (Offenburg) als ordentliches Mitglied in den Vermittlungsausschuß an Stelle der ausgeschiedenen Abg. Ingrid Matthäus-Maier . . . 3121 B Wahl des Abg. Gunter Huonker als stellvertretendes Mitglied in den Vermittlungsausschuß an Stelle des zum ordentlichen Mitglied gewählten Abg. Harald B. Schäfer (Offenburg) 3121 B Tagesordnungspunkt 1: Fortsetzung der a) ersten Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 1992 (Haushaltsgesetz 1992) (Drucksache 12/1000) b) Beratung der Unterrichtung durch die Bundesregierung Der Finanzplan des Bundes 1991 bis 1995 (Drucksache 12/1001) Jürgen W. Möllemann, Bundesminister BMWi 3121C, 3145C Wolfgang Roth SPD 3125 B Michael Glos CDU/CSU 3128C Ingrid Matthäus-Maier SPD . . 3129D, 3212C, 3217B, 3226A Werner Zywietz FDP 3132 D Werner Schulz (Berlin) Bündnis 90/GRÜNE 3134 C Bernd Henn PDS/Linke Liste 3136B Klaus Wedemeier, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen 3138B Michael Glos CDU/CSU 3138C Dr. Wolfgang Weng (Gerlingen) FDP . 3141C, 3219 D Bernd Neumann (Bremen) CDU/CSU . . 3142C Manfred Richter (Bremerhaven) FDP . . 3144 C Matthias Wissmann CDU/CSU 3146A Wolfgang Roth SPD 3148C Dr. Norbert Blüm, Bundesminister BMA 3148D Rudolf Dreßler SPD 3152A, 3159A Dr. Heiner Geißler CDU/CSU 3158D Dieter-Julius Cronenberg (Arnsberg) FDP 3159B Christina Schenk Bündnis 90/GRÜNE . . 3159D, 3200 B Dr. Alexander Warrikoff CDU/CSU . . . 3161 B Petra Bläss PDS/Linke Liste . . . 3163D, 3196A Dr. Klaus-Dieter Uelhoff CDU/CSU . . . 3166C Ottmar Schreiner SPD 3168A, 3172B Volker Kauder CDU/CSU 3172 A Ina Albowitz FDP 3172 D Gerda Hasselfeldt, Bundesministerin BMG 3176B Horst Jungmann (Wittmoldt) SPD . . 3177 C Klaus Kirschner SPD 3180A Dr. Dieter Thomae FDP 3183 B Arnulf Kriedner CDU/CSU 3184 D Ottmar Schreiner SPD 3185B Dr. Angela Merkel, Bundesministerin BMFJ 3186D Hanna Wolf SPD 3189B Dr. Edith Niehuis SPD 3190A II Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode — 38. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 5. September 1991 Ingrid Becker-Inglau SPD 3190 C Susanne Jaffke CDU/CSU 3194 B Dr. Gisela Babel FDP 3198B Maria Michalk CDU/CSU 3202 A Margot von Renesse SPD 3204 D Irmgard Karwatzki CDU/CSU 3207 D Konrad Weiß (Berlin) Bündnis 90/GRÜNE 3209 B Norbert Eimer (Fürth) FDP 3211A Hannelore Rönsch, Bundesministerin BMFuS 3212 B Irmgard Karwatzki CDU/CSU 3212D Ingrid Becker-Inglau SPD 3213D Hans Peter Schmitz (Baesweiler) CDU/CSU 3215D Dr. Peter Struck SPD 3218 C Dietrich Austermann CDU/CSU . . . 3220 A Dr. Klaus Rose CDU/CSU 3220 D Carl-Ludwig Thiele FDP 3224 A Dr. Ulrich Briefs PDS/Linke Liste . . . 3227 B Dr. Klaus Rose CDU/CSU 3229 B Ingrid Matthäus-Maier SPD 3232 B Dr. Theodor Waigel, Bundesminister BMF 3233 D Dr. Hans-Jochen Vogel SPD (Erklärung nach § 30 GO) 3238 A Friedrich Bohl CDU/CSU 3239 B Friedrich Bohl CDU/CSU (zur Geschäftsordnung) 3239D Vizepräsident Dieter-Julius Cronenberg 3176B Nächste Sitzung 3240 D Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . . 3241* A Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode — 38. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 5. September 1991 3121 38. Sitzung Bonn, den 5. September 1991 Beginn: 9.00 Uhr
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    Deutscher Bundestag - 11. Wahlperiode - 38. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 5. September 1991 3241* Anlage zum Stenographischen Bericht Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Bargfrede, Heinz-Günter CDU/CSU 05. 09. 91 Berger, Johann Anton SPD 05. 09. 91 Blunck, Lieselott SPD 05. 09. 91 * Bühler (Bruchsal), Klaus CDU/CSU 05. 09. 91 * Eppelmann, Rainer CDU/CSU 05. 09. 91 Erler, Gernot SPD 05. 09. 91 Fischer (Unna), Leni CDU/CSU 05. 09. 91* Francke (Hamburg), CDU/CSU 05. 09. 91 Klaus Gröbl, Wolfgang CDU/CSU 05. 09. 91 Jung (Düsseldorf), Volker SPD 05. 09. 91 Koltzsch, Rolf SPD 05. 09. 91 Dr.-Ing. Laermann, FDP 05. 09. 91 Karl-Hans Dr. Lammert, Norbert CDU/CSU 05. 09. 91 Marten, Günter CDU/CSU 05. 09. 91 * Dr. Mertens (Bottrop), SPD 05. 09. 91 Franz-Josef Dr. Müller, Günther CDU/CSU 05. 09. 91 * Niggemeier, Horst SPD 05. 09. 91 Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Nitsch, Johannes CDU/CSU 05. 09. 91 Dr. Probst, Albert CDU/CSU 05. 09. 91* Reddemann, Gerhard CDU/CSU 05. 09. 91 * Rempe, Walter SPD 05. 09. 91 Repnik, Hans-Peter CDU/CSU 05. 09. 91 Roitzsch (Quickborn), CDU/CSU 05. 09. 91 Ingrid Schäfer (Mainz), Helmut FDP 05. 09. 91 Scharrenbroich, Heribert CDU/CSU 05. 09. 91 Dr. Scheer, Hermann SPD 05. 09. 91* Schulhoff, Wolfgang CDU/CSU 05. 09. 91 Dr. Soell, Hartmut SPD 05. 09. 91* Dr. Sperling, Dietrich SPD 05. 09. 91 Terborg, Margitta SPD 05. 09. 91* Verheugen, Günter SPD 05. 09. 91 Vogt (Düren), Wolfgang CDU/CSU 05. 09. 91 Weisskirchen (Wiesloch), SPD 05. 09. 91 Gert Wieczorek-Zeul, SPD 05.09.91 Heidemarie Zierer, Benno CDU/CSU 05. 09. 91 * * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Arnulf Kriedner


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Er kann ja anschließend eine Intervention machen.

    (Dr. Peter Struck [SPD]: Das wird doch überhaupt nicht auf Ihre Redezeit angerechnet! Haben Sie doch keine Angst!)

    — Habe ich hier schon Angst gezeigt? Auch vor Ihnen habe ich keine!

    (Dr. Peter Struck [SPD]: Dann lassen Sie ihn doch die Zwischenfrage stellen!)

    Meine Damen und Herren, ich will aber als Abgeordneter aus einem östlichen Bundesland ganz bewußt auch ein paar kritische Akzente setzen. Ich lese z. B. in diesem Haushaltsentwurf, daß es für die epidemiologischen Untersuchungen bei AIDS sechs Stellen gibt, die sich allesamt in den alten Bundesländern befinden: in Berlin, in Frankfurt am Main, in Hamburg, in Köln, in München und in Nürnberg-Erlangen. Ich erwarte, Frau Hasselfeldt, daß Ihr Ministerium darüber nachdenkt, wann denn endlich etwas zum Ausgleich in Richtung Osten getan wird, d. h. wann wir Stellen solcher Art auch im Osten schaffen können. Denn wir können mit der jetzigen Struktur natürlich nicht die Zukunft im Gesundheitswesen gestalten. Deshalb erwarte ich, daß auf diesem Gebiet etwas geschieht.
    Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, noch etwas zur vorhergehenden Haushaltsdebatte sagen, um den Haushalt 1991, die ja nicht so sehr weit zurückliegt. Da hat die Opposition geradezu apokalyptische Bilder über die Zustände des Gesundheitswesens im Osten gemalt. Diese Apokalypse ist genau-sowenig eingetreten wie die, die Sie bei den Arbeitslosenzahlen gemalt haben. All das, was jetzt zu registrieren ist, ist das Ergebnis eines Prozesses eines halben Jahres, eines Dreivierteljahres. Sie haben schweigen müssen. Im Grunde genommen, Herr Kirschner, haben Sie dazu gar nichts ausgesagt. Sie haben zwar behauptet, es sei nicht alles so gelaufen, wie erwartet. Aber ich hätte Sie einmal hören wollen, wenn es so gelaufen wäre, wie Sie bei der letzten Haushaltsdebatte hier erklärt haben.
    Im Osten hat die Umorientierung des Gesundheitswesens zweifellos positiv gewirkt. Das wissen Sie genau so gut wie ich, weil Sie dort drüben schon Besuche gemacht haben. Wenn Sie sich vor Ort einmal anschauen, wie Arztpraxen laufen, wie die Umstellung von den Polikliniken auf die Allgemeinkrankenhäuser vonstatten geht, dann müssen Sie doch zugeben, daß das weit entfernt von den von Ihnen hier vorgetragenen Bildern ist.

    (Beifall bei der CDU/CSU)

    Sie sollten doch wenigstens einmal in einer solchen Debatte den Mut haben

    (Zuruf von der CDU/CSU: Die Größe!)

    — die Größe, jawohl —, einzuräumen, daß etwas gut gelaufen ist, von dem Sie vorher behauptet hatten, es würde überhaupt nicht laufen. Aber ich glaube, ich wende mich da an die Falschen.

    (Klaus Kirschner [SPD]: Lesen Sie doch im Protokoll, was ich gesagt habe!)

    — Das können wir gerne nachlesen. — Sie sind nicht in der Lage, so etwas einzuräumen.
    Einer Ihrer Redner — ich glaube, Sie waren es selber, Herr Kirschner — hat vom Trappistenkloster gesprochen. Man kann viel Schlechtes über die SPD sagen, aber eins muß man feststellen: Zu den Trappisten gehören Sie nicht, meine Damen und Herren.

    (Gerd Andres [SPD]: Das war eine sehr gehaltvolle Bemerkung!)

    Sie erzählen meistens sehr viel mit sehr wenig Inhalt. Sie erzählen eigentlich das Typische, was eine Opposition sagen muß. Sie sind nicht bereit, irgend etwas Positives anzuerkennen.
    Aber weil auch in der Opposition manchmal etwas Richtiges gesagt wird,

    (Klaus Kirschner [SPD]: Was heißt „manchmal"? Fast nur!)

    nehme ich ein Wort auf, das der jetzt nicht mehr anwesende Kollege Dreßler heute morgen gebraucht hat. Das war übrigens das einzige, was, wie ich fand, an seiner Rede richtig war. Er hat nämlich gesagt: Das Bessere ist der Feind des Guten.

    (Bundesminister Dr. Theodor Waigel: Das ist aber nicht neu!)

    — Das ist zwar nicht neu, das hat schon oft jemand benutzt, aber weil dieser Satz richtig ist, bleiben wir ganz im Sinne dieses Satzes dabei: Uns ist ein Theo Waigel lieber als ein Dreßler.

    (Beifall bei der CDU/CSU)

    Uns ist ein Theo Waigel lieber als eine Frau Matthäus-Maier.

    (Gerlinde Hämmerle [SPD]: Sie können doch Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, einen Mann nicht mit einer Frau!)

    Es ist uns auch ein Blüm lieber . . .

    (Gerd Andres [SPD]: Blüm ist doch der Minister auf Abruf!)

    — Ich denke dabei immer an Ihre personellen Alternativen, meine Damen und Herren. Wir bleiben bei diesem Spruch. Deshalb behalten wir auch diese Regierung, die alles in allem, auch in der Gesundheitspolitik, die richtige Linie aufzeigt: kein lautes Geschrei, kein ständiges An-die-Decke-Malen einer Apokalypse, sondern eine ruhige, sachliche und richtige Gesundheitspolitik.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)


    (Vorsitz: Vizepräsident Helmuth Becker)



Rede von Helmuth Becker
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)
Frau Minister, wir machen hier einen fliegenden Wechsel, aber Sie haben trotzdem das Wort. Bitte sehr.

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Angela Merkel


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (None)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Ich muß fast sagen: Meine Herren Präsidenten! Meine Damen und Herren! Der Haushalt 1992 sieht für das Bundesministerium für Frauen und Jugend 2,56 Milliarden DM vor. Das sind 1,2 Milliarden DM weniger als 1991. Dies ist aber kein Zeichen von weniger frauen- und jugendpolitischen



    Bundesministerin Dr. Angela Dorothea Merkel
    Aktivitäten, wie es von der Opposition wider besseres Wissen behauptet wird.

    (Zuruf von der SPD: Sie sind die bescheidenste Ministerin aller Zeiten!)

    Diese Entwicklung hat sehr einfache Gründe. Im Grund kennen Sie sie, und es ist traurig, daß ich sie hier noch einmal aufführen muß.
    Erstens. Der Zuschuß des Bundes für die Sicherung der Kinderbetreuungseinrichtungen in den neuen Bundesländern in Höhe von 1 Milliarde DM war bis zum 30. Juni 1991 begrenzt.

    (Zuruf von der SPD: Und hätte vernünftigerweise verlängert werden müssen!)

    — Wir brauchen die Verfassungsdiskussionen und die Zuständigkeiten von Ländern und dem Bund heute, glaube ich, nicht zu erörtern.
    Zweitens. Die Zahl der Zivildienstleistenden in den neuen Bundesländern wird 1992 geringer sein, als angenommen. Hier werden nach den heutigen Schätzungen 230 Millionen DM weniger benötigt. Falls sie doch benötigt werden, werden wir sie auch bekommen.
    Der Haushalt 1992 ist jetzt so angelegt, daß er dem Ministerium für wichtige frauen- und jugendpolitische Vorhaben neue Spielräume eröffnet. So stehen für frauenpolitische Maßnahmen jetzt 20 Millionen DM zur Verfügung statt wie im vorigen Jahr 15 Millionen DM. Damit haben sich die Mittel für die frauenpolitischen Maßnahmen um über 30 % erhöht. Ich denke, das findet auch Ihre Zustimmung.
    Es findet bestimmt auch Ihre Zustimmung, daß aus dem Sonderprogramm mit 5 Millionen DM im nächsten Jahr, 1992, reguläre Mittel in den Haushalt eingebracht werden können, die uns zu einer kontinuierlichen Arbeit ermutigen.

    (Inge Wettig-Danielmeier [SPD]: Das ist der gleiche Ansatz, nicht mehr!)

    — Sie kennen ja das Ende der Haushaltsberatungen in diesem Jahr noch nicht.
    Wir haben sichergestellt, daß die Hilfe für Frauen in den neuen Bundesländern, der Aufbau von Organisationen, die Information und Beratung auch 1992 fortgesetzt werden kann.

    (Anhaltende Zurufe von der SPD) — Wollen wir nicht einander zuhören?

    Das diesjährige Sonderprogramm mit 3,8 Millionen DM zum Aufbau von Frauenverbänden und -gruppen sowie 1,2 Millionen DM als Anschubfinanzierung von Frauenhäusern hatte eine große Resonanz. Wir haben über 1 400 Anträge für die Frauenverbandsarbeit und über 90 Anträge für Frauenhäuser erhalten. Das Gesamtantragsvolumen betrug damit 50 Millionen DM und ist zehnmal so hoch wie die zur Verfügung stehende Summe.
    Ich denke, wir ersehen daraus ganz eindeutig, daß die Frauen in den neuen Bundesländern beginnen, sich zu organisieren, daß sie sich zusammenschließen und daß wir auf einem guten Weg zu einer pluralen Frauenverbandsstruktur sind. Wir ersehen daraus ferner, daß natürlich in den neuen Bundesländern in
    Zukunft gerade auch für frauenpolitische Themen verstärkt Anstrengungen unternommen werden müssen.
    Eine deutliche Erhöhung und damit auch mehr Bewegungsfreiheit wird es im Bereich der Jugendpolitik geben. Die Mittel für den Bundesjugendplan werden von 180 Millionen DM auf 203 Millionen DM angehoben. Die zusätzlichen Mittel in Höhe von 20 Millionen DM werden wir für ein neues Aktionsprogramm der Bundesregierung gegen Aggressivität und Gewalt unter Jugendlichen einsetzen. Ich denke, wir sind uns alle darüber einig, daß dies ein wirklicher Schwerpunkt unserer Arbeit im Bereich der Jugendpolitik sein sollte.
    Die Zunahme der Gewalttätigkeit, insbesondere im rechtsradikalen Spektrum, unter Jugendlichen hat in den neuen Bundesländern ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Wir müssen uns intensiv nach den Gründen dieser Entwicklung fragen und danach, was wir tun können. Untersuchungen zeigen: Jugendliche sind am ehesten bereit, sich radikalen Gruppierungen anzuschließen, wenn sie aus vertrauten Lebenszusammenhängen herausgerissen werden. Wenn sie plötzlich mit neuen, sehr komplizierten Verhältnissen konfrontiert werden, dann sind sie besonders empfänglich für einfache Antworten. Aber die Zeit der einfachen Antworten, die es in dem einfachen, aber brutalen System des SED-Staates gab, ist vorbei. Eine freie, eine demokratische Gesellschaft kann auf komplexe Fragen keine einfachen Antworten geben. Wir müssen unseren Beitrag dazu leisten, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in dieser vielfältigeren und komplexeren Welt zurechtzufinden.
    Wir erarbeiten deshalb zusammen mit den Ländern ein Konzept gegen Aggression und Gewalt Jugendlicher. Neben konkreten Projekten in besonders betroffenen Gebieten, wie beispielsweise in der Region Dresden, werden wir auch entsprechende Forschungsvorhaben und vor allen Dingen Fortbildungsangebote und Aufklärungsmaßnahmen einplanen.
    Ganz entscheidend dafür, daß Jugendliche Chancen für sich und ihr weiteres Leben sehen, ist, daß es uns gemeinsam gelingt, allen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz anzubieten. Ich denke, wir wissen heute, daß alles für den Erfolg dieser Bemühungen spricht. Damit findet die Lehrstellenkatastrophe, die lange von seiten der Opposition angekündigt war, nicht statt. Das ist auf die großen Anstrengungen von Industrie und Handwerk aber auch auf die Lehrstellenoffensive der Bundesregierung zurückzuführen, die dafür ja 250 Millionen DM bereitgestellt hat.
    Es kann allerdings nicht übersehen werden, daß es junge Frauen auf dem Lehrstellenmarkt schwerer haben als junge Männer. Sie werden weniger vermittelt, sind mehr in überbetrieblichen Ausbildungsstätten und suchen sich häufiger in den westlichen Bundesländern einen Ausbildungsplatz.
    Von dieser Stelle muß ich noch einmal an die Betriebe appellieren. Ich habe das bereits in einem Brief insbesondere an die Banken und Sparkassen getan. Ich muß auch noch einmal darauf hinweisen, daß es ein EG-Anpassungsgesetz gibt, in dem ganz deutlich



    Bundesministerin Dr. Angela Dorothea Merkel
    wird, daß Mädchen gegenüber Jungen nicht benachteiligt werden dürfen.
    In den neuen Bundesländern sind zahlreiche soziale Initiativen auf allen Ebenen entstanden. Sie kümmern sich, wie z. B. die Projektgruppe zur Einrichtung von Frauenhäusern, solidarisch um diejenigen, die Hilfe am notwendigsten brauchen. Sie haben zum Ziel, Probleme, vor denen sie stehen, selbst in die Hand zu nehmen. Vor allem wollen sie die Vertretung ihrer Interessen nicht länger anderen, beispielsweise dem Staat überlassen.
    Ich denke, hier entsteht eine neue soziale und politische Kultur, der wir als Politiker Hilfe zur Selbsthilfe geben müssen. Hier sehe ich auch den wichtigsten Beitrag des Frauen- und Jugendministeriums.
    Aber wir müssen natürlich unser Augenmerk auch auf die Entwicklung in Europa insgesamt richten. Das, was wir modellartig in den beiden Teilen Deutschlands erleben, vollzieht sich auf europäischer Ebene ja jetzt noch einmal. Wir haben es in den letzten Tagen und Wochen in voller Dimension erlebt. Ich erinnere hier nur z. B. an die Länder des Baltikums. Viele Menschen gerade in den baltischen Staaten empfinden die Umwälzungen als weitaus gravierender, als sie von den Menschen in den neuen Bundesländern empfunden wurden, weil sie nämlich niemanden haben, der ihnen automatisch helfen wird und auf dessen Hilfe sie immer rechnen können. Ich denke, wir sollten deshalb diesen Dingen auch in unserer Jugendpolitik Rechnung tragen, z. B. im Bereich des internationalen Jugendaustauschs.

    (Zustimmung bei der CDU/CSU und der FDP)

    In diesem Jahr fand der „Sommer der Begegnung" statt. Ich denke, bei allen unseren Begegnungsmaßnahmen in den nächsten Jahren sollten wir darauf achten, daß Jugendliche aus anderen Ländern, insbesondere aus den osteuropäischen Staaten und hier wiederum aus dem Baltikum, teilnehmen können.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

    Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei den Verbänden für den „Sommer der Begegnung " bedanken. Dieser „Sommer der Begegnung" war, glaube ich, ein großer Erfolg. Er hat sehr große Anforderungen an die Verbände gestellt,

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)

    denn sie mußten ihre Anträge innerhalb sehr kurzer Zeit abgeben. 80 000 Jugendliche hatten in diesem Sommer auf diese Art und Weise die Möglichkeit, in Ost und West einander zu begegnen und Gespräche miteinander zu führen. Ich glaube, das ist wirklich ein Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands.

    (Dr. Jürgen Rüttgers [CDU/CSU]: Eine ganz prima Sache!)

    Ein großes Problem ist natürlich die Frauenarbeitslosigkeit. Wir wissen, daß Frauen heute immer noch überproportional von der Arbeitslosigkeit betroffen sind. Wir haben in unserer Arbeit auf frauenpolitischem Gebiet deshalb vor allem darauf Wert gelegt, daß Frauen entsprechend ihrem Anteil an der Arbeitslosigkeit an den Umschulungs-, Qualifizierungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beteiligt werden.
    Wir müssen allerdings sagen, daß es bei den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen noch große Defizite gibt. Nur etwa 35 % der Frauen sind an den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beteiligt, und das bei einer Frauenarbeitslosigkeit von 58 %. Ich habe mich deshalb an die Treuhandanstalt gewendet mit dem Ziel, daß bei der Schließung von Betrieben auch darauf geachtet wird, daß typische Frauenbetriebe nicht häufiger geschlossen werden, als das bei Männerbetrieben der Fall ist.

    (Ingrid Becker-Inglau [SPD]: Was hat sie geantwortet?)

    — Die Trauhandanstalt hat gesagt, daß sie sich darum kümmern werde. Ich habe auch mit den Gewerkschaften gesprochen. Ich habe gesagt, daß die Branchengewerkschaften der frauentypischen Berufe mindestens so intensiv wie die IG Metall für die Belange ihrer Mitglieder kämpfen sollten. Der Parlamentarische Staatssekretär in meinem Hause, Herr Hintze, hat im Juli alle Landesarbeitsämter in den neuen Bundesländern besucht. Dabei wurde Übereinstimmung erzielt, daß mehr arbeitsmarktpolitische Projekte für Frauen in Angriff genommen werden. Wir werden uns das bei weiteren Reisen im Herbst noch einmal ansehen und darauf achten, ob auf diesem Gebiet wirklich gehandelt wird.
    Ich möchte sagen, daß ich in diesem Zusammenhang den Erlaß der Bundesanstalt für Arbeit vom 26. August ausdrücklich begrüße. In ihm wird nämlich der Vorrang der Frauen bei der Vermittlung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen festgelegt. Danach kann ein Zuschuß bis zu 100 % der Lohnkosten gewährt werden, wenn in der Maßnahme überwiegend arbeitslose Frauen beschäftigt werden.

    (Beifall bei der CDU/CSU)

    Ich wiederhole an dieser Stelle trotzdem noch einmal meinen Appell an die Bürgermeister, an die Landräte, an die Arbeitsverwaltung und an die kommunalen Frauenbeauftragten in den neuen Bundesländern: Unterstützen Sie die Einrichtung von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Frauen, und zwar vor allem in den Regionen und den Branchen, in denen Frauen stark vertreten sind!
    Ich möchte an dieser Stelle noch einmal sagen, daß ich glaube, daß die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eine ganz wichtige Einrichtung in der Zeit des Übergangs von der Planwirtschaft zur Sozialen Marktwirtschaft ist. Wir können auf die AB-Maßnahmen nicht verzichten. Wir werden sie mindestens noch ein weiteres Jahr brauchen. Wir wissen alle, daß es vorrangig natürlich um die Schaffung neuer Arbeitsplätze geht, wir wissen aber auch, daß dies in vielen Bereichen eine gewisse Zeit braucht.
    Frauen auf ihrem schwierigen Weg in die neue Gesellschaft zu begleiten, sie zu informieren und zu beraten, das ist eine wesentliche Aufgabe für die Beratungsstellen. Solche Beratungsstellen werden wir in allen neuen Bundesländern einrichten. Sie werden im September oder Anfang Oktober in den neuen Bundesländern eröffnet werden.



    Bundesministerin Dr. Angela Dorothea Merkel
    Frauen haben einen Anspruch auf berufliche Tätigkeit und auf größere Chancen im Beruf. Das gilt sowohl für die Frauen in den westlichen Bundesländern als auch für die Frauen in den östlichen Bundesländern.

    (Zustimmung bei der CDU/CSU)

    Ich denke, das Hauptproblem, das dem immer noch im Wege steht, ist das Problem, wie man Beruf und Familie besser vereinbaren kann. Wir werden die Rolle der Frauen in der Berufs- und Arbeitswelt bei der Vorbereitung eines Gleichberechtigungsgesetzes berücksichtigen, das im nächsten Jahr eingebracht werden soll und an dem wir schon jetzt intensiv arbeiten. Wir werden mit diesem Gesetz die Frauenförderung in der Bundesverwaltung auf eine gesetzliche Grundlage stellen. Wir werden die Mitwirkungsrechte der Betriebs- und Personalräte bei der Frauenförderung festschreiben. Wir wollen sichern, daß die Position von Frauen durch die Novellierung des arbeitsrechtlichen EG-Anpassungsgesetzes verbessert und gesichert wird. Wir werden für mehr Gerechtigkeit bei der Berufung von Männern und Frauen in Gremien, auf deren Besetzung die Bundesregierung einen Einfluß hat, sorgen.

    (Zuruf von der SPD: Quote!)

    Weil es auch für die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen wichtig ist, halte ich an meinem Ziel fest, den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz gesetzlich zu verankern. Insbesondere die ostdeutschen Bundesländer haben hier eine Vorreiterrolle übernommen. Ihre finanziellen Anstrengungen und die Unterstützung des Bundes über ABM und das Gemeinschaftswerk „Aufschwung Ost" haben dazu geführt, daß die von der Opposition erwartete völlige Schließung der Kindereinrichtungen ausgeblieben ist.

    (Zurufe von der SPD)

    — Auch in diesem Herbst sind ausreichend Kindergartenplätze vorhanden, und Sie haben etwas ganz anderes prognostiziert.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

    Stehen Sie doch dazu! Wir haben heute in drei von fünf neuen Bundesländern Gesetze, in denen der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz festgeschrieben ist. Was haben Sie uns nicht alles im Frühjahr erzählt!