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    Plenarprotokoll 10/239 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 239. Sitzung Bonn, Freitag, den 17. Oktober 1986 Inhalt: Erweiterung der Tagesordnung 18469 C Aktuelle Stunde betr. Haltung der Bundesregierung zur Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Brokdorf Frau Hönes GRÜNE 18453 B Austermann CDU/CSU 18454 A Duve SPD 18455 B Beckmann FDP 18456 C Dr. Wallmann, Bundesminister BMU . 18457 B Kuhbier, Senator der Freien und Hansestadt Hamburg . . . 18459B, 18467 A Gerstein CDU/CSU 18461 A Heyenn SPD 18462 A Baum FDP 18462 D Frau Roitzsch (Quickborn) CDU/CSU . 18463 C Lennartz SPD 18464 C Uldall CDU/CSU 18465 C Schäfer (Offenburg) SPD 18467 B Schmidbauer CDU/CSU 18468 D Beratung der Großen Anfrage der Abgeordneten Roth, Dr. Jens, Rapp (Göppingen), Bernrath, Daubertshäuser, Ibrügger, Dr. Klejdzinski, Kretkowski, Dr. Kübler, Müller (Schweinfurt), Oostergetelo, Pfuhl, Ranker, Stahl (Kempen), Dr. Schwenk (Stade), Frau Weyel, Wolfram (Recklinghausen), Dr. Vogel und der Fraktion der SPD Benachteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen — Drucksachen 10/5784, 10/6089 — in Verbindung mit Beratung der Großen Anfrage der Abgeordneten Doss, Hauser (Krefeld), Wissmann, Hinsken, Landré, Dr. Unland, Pohlmann, Kraus, Hinrichs, Schulze (Berlin), Frau Will-Feld, Lenzer, Austermann, Bayha, Dr. Becker (Frankfurt), Dr. Blank, Bohlsen, Borchert, Dr. Bugl, Carstensen (Nordstrand), Dr. Czaja, Eigen, Engelsberger, Feilcke, Fellner, Funk, Frau Geiger, Dr. Götz, Haungs, Freiherr Heereman von Zuydtwyck, Frau Dr. Hellwig, Herkenrath, Höffkes, Dr. Hoffacker, Frau Hoffmann (Soltau), Hornung, Dr. Hüsch, Jäger (Wangen), Jagoda, Dr. Jobst, Jung (Lörrach), Kalisch, Dr.-Ing. Kansy, Keller, Dr. Kunz (Weiden), Dr. Lammert, Lattmann, Dr. Laufs, Linsmeier, Löher, Louven, Lowack, Frau Männle, Milz, Dr. Möller, Müller (Wadern), Niegel, Dr:Ing. Oldenstädt, Frau Pack, Rode (Wietzen), Dr. Rose, Rossmanith, Ruf, Sauer (Stuttgart), Sauter (Epfendorf), Sauter (Ichenhausen), Schartz (Trier), Schemken, Schmidbauer, Schreiber, Dr. Schroeder (Freiburg), Schulhoff, Schwarz, Dr. Schwörer, Dr. Freiherr Spies von Büllesheim, Spilker, Dr. Stark, Stockhausen, Straßmeir, Strube, Susset, Frau Verhülsdonk, Graf von Waldburg-Zeil, Wilz, Wimmer (Neuss), Frau Dr. Wisniewski und der Fraktion der CDU/CSU sowie der Abgeordneten Grünbeck, Dr. Graf Lambsdorff, Bredehorn, Dr. Solms, Gattermann, Dr. Feldmann, Dr. Haussmann, Frau Seiler-Albring, Frau Dr. Adam-Schwaetzer, Dr. Weng (Gerlingen), Cronenberg (Arnsberg) und der Fraktion der FDP II Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 239. Sitzung. Bonn, Freitag, den 17. Oktober 1986 Lage und Perspektiven des selbständigen Mittelstandes in der Bundesrepublik Deutschland — Drucksachen 10/5812, 10/6090 — Roth SPD 18470A Hauser (Krefeld) CDU/CSU 18472 D Tatge GRÜNE 18476 A Grünbeck FDP 18478 A Rapp (Göppingen) SPD 18481 A Grüner, Parl. Staatssekretär BMWi . . 18483 C Doss CDU/CSU 18486 A Dr. Jens SPD 18487 D Hinsken CDU/CSU 18489 D Erste Beratung des Antrags der Fraktionen der CDU/CSU und FDP Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über die Internationale Rechtshilfe in Strafsachen und des Asylverfahrensgesetzes — Drucksache 10/6151 — Lowack CDU/CSU 18492 D Bachmaier SPD 18493 C Kleinert (Hannover) FDP 18494 B Ströbele GRÜNE 18495A Nächste Sitzung 18496 C Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten 18497* A Deutscher Bundestag — 10. Wahlperiode — 239. Sitzung. Bonn, Freitag, den 17. Oktober 1986 18453 239. Sitzung Bonn, den 17. Oktober 1986 Beginn: 8.00 Uhr
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    Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Dr. Abelein 17. 10. Amling 17. 10. Frau Augustin 17. 10. Breuer 17. 10. Brunner 17. 10. Büchner (Speyer) * 17. 10. Carstensen (Nordstrand) 17. 10. Cronenberg (Arnsberg) 17. 10. Frau Dann 17. 10. Eickmeyer 17. 10. Ewen 17. 10. Dr. Faltlhauser 17. 10. Fischer (Bad Hersfeld) 17. 10. Franke (Hannover) 17. 10. Frau Fuchs (Köln) 17. 10. Dr. Geißler 17. 10. Dr. Götz 17. 10. Haase (Fürth) 17. 10. Dr. Häfele 17. 10. Handlos 17. 10. Hanz (Dahlen) 17. 10. Frau Dr. Hartenstein 17. 10. Hauff 17. 10. Freiherr Heereman von Zuydtwyck 17. 10. Helmrich 17. 10. Hettling 17. 10. Höpfinger 17. 10. Ibrügger 17. 10. Jansen 17. 10. Jaunich 17. 10. Jung (Düsseldorf) 17. 10. Junghans 17. 10. Kiechle 17. 10. Anlage zum Stenographischen Bericht Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Klein (Dieburg) 17. 10. Dr. Köhler (Duisburg) 17. 10. Dr. Kreile 17. 10. Kroll-Schlüter 17. 10. Linsmeier 17. 10. Dr. Müller * 17. 10. Müller (Wadern) 17. 10. Nagel 17. 10. Nelle 17. 10. Niegel 17. 10. Reuschenbach 17. 10. Sander 17. 10. Schartz (Trier) 17. 10. Dr. Scheer ** 17. 10. Schlatter 17. 10. Schmidt (Hamburg) 17. 10. Schröer (Mülheim) 17. 10. Freiherr von Schorlemer 17. 10. Schulte (Menden) 17. 10. Schulte (Unna) 17. 10. Dr. Solms 17. 10. Dr. Freiherr Spies von Büllesheim 17. 10. Stobbe 17. 10. Stücklen 17. 10. Frau Dr. Timm 17. 10. Dr. Voss 17. 10. Dr. Waigel 17. 10. Werner (Ulm) 17. 10. Wiefel 17. 10. Frau Dr. Wisniewski 17. 10. Frau Will-Feld 17. 10. Wissmann 17. 10. Frau Zeitler 17. 10. Dr. Zimmermann 17. 10. * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates ** für die Teilnahme an Sitzungen der Westeuropäischen Union
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Klaus Beckmann


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)

    Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir hatten in der letzten Sitzungswoche ausreichend und zeitlich in großem Rahmen viel Gelegenheit, über die gesamte Energiepolitik zu diskutieren. Sie, meine Damen und Herren von den GRÜNEN, haben diese Diskussion wieder einseitig auf die Kernenergie verengt, und Sie, meine verehrten Kollegen von der SPD, haben sich bei dem leider mißlungenen Auftritt Ihres Kanzlerkandidaten überwiegend mit der Kohle beschäftigt. Die geplante Inbetriebnahme von Brokdorf war auch in der vorigen Sitzungswoche schon bekannt. Sie wurde von Ihnen allenfalls mit einem Nebensatz bedacht. Damals hätten Sie bereits Gelegenheit gehabt, alles in einem Gesamtzusammenhang darzustellen. Dann wäre aber auch zugleich deutlich geworden, daß Ihre einfältigen energiepolitischen Gedankenspielereien vorn und hinten nicht aufgehen.
    Im übrigen ist die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Brokdorf so aktuell und überraschend nun auch wieder nicht. Schließlich wurde ja seit Baubeginn darauf hingearbeitet. Daß daraus letztlich zehn Jahre wurden, wirft wieder einmal ein ganz bezeichnendes Licht auf die Schwierigkeiten der Durchführung von Großbauvorhaben in unserem Lande. Es ist aber auch ein deutlicher Beweis dafür, daß ein derartiges Vorhaben nach Recht und Gesetz durchzuführen ist. Wenn die entsprechenden Anforderungen erfüllt sind, dann ist auch eine Betriebsgenehmigung zu erteilen. Das mußte auch der Hamburger Senat anerkennen, der vor wenigen Wochen ja beschlossen hat, bis 1995 aus der Kernenergie auszusteigen. Wegen der außerordentlich geringen Erfolgsaussichten sieht er nunmehr von einer Klage gegen die Inbetriebnahme von Brokdorf ab.
    Da die GRÜNEN sonst immer so eifrig bei der Beantragung von Aktuellen Stunden sind, ist es um so verwunderlicher, daß sie keine Aktuelle Stunde einberufen haben, als der Block I in Tschernobyl wieder in Betrieb genommen wurde. Von der Bauart her gleicht er nämlich dem Unglücksreaktor. Es ist nicht zu erkennen, ob dort inzwischen Nachrüstungen vorgenommen wurden. Das kann auch in der Kürze der Zeit nicht viel gewesen sein. Dieses Ereignis ist Ihnen wohl kaum der Erwähnung wert. Hier offenbart sich wieder einmal Ihre Doppelzüngigkeit.
    Meine Damen und Herren, mit der Inbetriebnahme von Brokdorf erfolgt zugleich ein Einstieg in eine neue Phase der Vorsorge in bezug auf kerntechnische Sicherheit. Aufbauend auf den Empfehlungen der Enquete-Kommission des 8. Deutschen Bundestages

    (Zuruf von der SPD)

    — Herr Kollege Schäfer, das möchte ich hier noch einmal betonen, denn Sie wissen es ja besonders gut —, die einstimmig erfolgten, wurden auf Initiative und auf der Grundlage der Vorschläge des Betreibers Vorkehrungen getroffen, um auch bei schweren Schäden am Reaktorkern oder bei Kern-



    Beckmann
    schmelzen Auswirkungen auf die Umgebung weitgehend auszuschließen.

    (Zuruf von den GRÜNEN: Mein Gott, sind Sie naiv!)

    Solche Auswirkungen sind mit diesen Maßnahmen und mit der Vorsorge im Hinblick auf irgendwelche Ereignisse nach ingenieurtechnischem und menschlichem Ermessen nicht möglich. Wir werden auch weiterhin dafür eintreten, daß alle Möglichkeiten der Technik und der wissenschaftlichen Forschung genutzt werden, um die Schäden von eigentlich ausschließbaren Unfällen in der Anlage zu begrenzen.
    Meine Damen und Herren von der SPD, das Kernkraftwerk Brokdorf war für Ihre Genossen in Hamburg der erste Anlauf, um aus der Kernenergie auszusteigen, gegen die Politik der damaligen sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt. Herr Duve, diese Erinnerung an eigenes, vorhergegangenes Tun habe ich bei Ihrem Ausflug in die niederdeutsche Literatur ein wenig vermißt. Es ist ja auch bezeichnend für die augenblickliche energiepolitische Diskussion in der SPD, daß hier als erster Redner der SPD kein Energiefachmann spricht, sondern ein Literat.

    (Lachen bei der SPD — Zuruf von der SPD: Unverschämt!)

    Im übrigen, meine Damen und Herren, hat wegen Brokdorf schon ein Bürgermeister seinen Abschied genommen. Aber auch der neue Bürgermeister ist über Ankündigungen und Pläne nicht hinausgekommen. Wie weit sich die Genossen von der Energiepolitik ihrer Parteifreunde entfernt haben, zeigt übrigens auch die Absicht von Bürgermeister von Dohnanyi, den Kernenergiestrom durch Strom aus Importkohle zu ersetzen.
    Lassen Sie mich schließen mit den Worten: Nicht die Regierungskoalition entfernt sich aus der gemeinsamen Kohlepolitik, wie der Ministerpräsident Rau es hier am vergangenen Sitzungsfreitag dargestellt hat, sondern, meine Damen und Herren von der SPD, es sind auch einige SPD-regierte Länder selbst. Wir, die Koalition, lassen uns von dem Verbund Kohle/Kernenergie nicht abbringen. Dazu gibt es gegenwärtig keine energiepolitische, wirtschaftspolitische und umweltpolitische Alternative.
    Vielen Dank.

    (Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)



Rede von Heinz Westphal
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)
Das Wort hat der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

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    Rede von: Unbekanntinfo_outline


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (None)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: ()

    Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das atomrechtliche Genehmigungsverfahren ist für Brokdorf abgeschlossen worden, nachdem seit der Antragstellung vom 12. März 1974 inzwischen zwölf Jahre vergangen sind. Das Kernkraftwerk Brokdorf ist also bis zum Jahre 1982 bereits acht Jahre lang auch in der bundesaufsichtlichen Prüfung gewesen und ist übrigens zu Zeiten der von der SPD geführten Bundesregierung bundesaufsichtlich niemals in irgendeiner Weise in Zweifel gezogen worden.

    (Dr. Laufs [CDU/CSU]: So ist es! — Dr. Schierholz [GRÜNE]: Es gibt auch Leute, die dazulernen!)

    Jetzt, meine sehr verehrten Damen und Herren von der SPD, soll der Eindruck erweckt werden, nach dem schweren Unfall in Tschernobyl müßten die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden.

    (Zuruf von den GRÜNEN: Das haben wir auch schon vorher gesagt!)

    Darum geht es doch im Kern. Es wird also behauptet, die Kernkraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland seien in gleicher Weise gefährlich wie die in der Sowjetunion.

    (Rusche [GRÜNE]: Mindestens! — Dr. Schierholz [GRÜNE]: Wie viele Störfälle hatten Sie denn im letzten Jahr?)

    Dafür sind bis jetzt an keiner Stelle — ich wiederhole es: an keiner Stelle — irgendwelche Beweise oder Begründungen vorgetragen worden; es ist nicht einmal der Versuch gemacht worden.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP — Kuhlwein [SPD]: Sie warten also auf den ersten GAU?)

    Ich stelle auch heute noch einmal fest, daß das Kernkraftwerk Brokdorf wie auch alle anderen deutschen Kernkraftwerke sicherheitstechnisch mit der Anlage in Tschernobyl in gar keiner Weise vergleichbar ist. Der Reaktor in Tschernobyl ist grundsätzlich instabil; die Reaktoren in der Bundesrepublik Deutschland sind grundsätzlich inhärent sicher.

    (Schäfer [Offenburg] [SPD]: Das ist nicht wahr! — Frau Blunck [SPD]: Das stimmt doch gar nicht!)

    — Auf Ihren Zwischenruf hin sage ich Ihnen: Wer sagt „Tschernobyl ist überall", ist nicht nur unredlich, sondern sagt etwas, was er bei der geringsten Überprüfung vor sich selbst nicht verantworten kann.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

    Das Kernkraftwerk Brokdorf kann in Betrieb genommen werden, weil die Sicherheit gewährleistet ist. Diese Feststellung beruht auf dem sachverständigen Urteil nationaler wie internationaler Experten. Nicht verschwiegen werden darf in diesem Zusammenhang, daß nicht nur die Genehmigungsbehörde des Landes Schleswig-Holstein und das Bundesumweltministerium der Auffassung sind, daß dieses Kernkraftwerk Brokdorf auf Grund der sicherheitstechnischen Voraussetzungen in Betrieb genommen werden kann; auch die ÖTV ist der Auffassung, daß auf die Inbetriebnahme dieses Kernkraftwerkes nicht verzichtet werden darf.
    Das Kernkraftwerk Brokdorf entspricht höchsten Sicherheitsanforderungen. Ich weise noch einmal darauf hin, daß seit Beginn der Planung bis zur Fertigstellung sorgfältige Untersuchungen und Bewer-



    Bundesminister Dr. Wallmann
    tungen durch die Reaktorsicherheitskommission und auch durch die Strahlenschutzkommission vorgenommen worden sind. Am 19. März 1986 ist eine abschließende — ich füge hinzu: man glaubte seinerzeit eine abschließende — und detaillierte Empfehlung an den damals zuständigen Bundesinnenminister gegeben worden. Darin wird festgestellt, daß das sicherheitstechnische Konzept des Kernkraftwerkes Brokdorf allen Anforderungen genügt und daß alle einschlägigen Sicherheitskriterien, kerntechnischen Regeln sowie alle Leit- und Richtlinien erfüllt sind.
    Dann geschah das schwere Unglück in Tschernobyl, und deswegen wurde die Reaktorsicherheitskommission noch einmal beauftragt, auch an Hand der neuesten Erkenntnisse über den Unfall in Tschernobyl zu prüfen und zu berichten, ob und gegebenenfalls welche Konsequenzen sich für die in der Bundesrepublik Deutschland in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke, also auch im Hinblick auf das Kernkraftwerk Brokdorf, ergeben.

    (Mann [GRÜNE]: Wallmannsche Sicherheitsventile!)

    Die Reaktorsicherheitskommission hat am 17. September 1986 noch einmal ausführlich Stellung genommen. Sie bekräftigt noch einmal die schon in der Empfehlung vom 19. März 1986 enthaltene Feststellung, daß keinerlei sicherheitstechnische Bedenken gegen die Inbetriebnahme, gegen den Betrieb des Kernkraftwerkes Brokdorf bestehen.

    (Dr. Schierholz [GRÜNE]: Das hatten Sie bereits erzählt!)

    Deswegen habe ich am 26. September 1986 in Ausübung der Bundesaufsicht über das atomrechtliche Genehmigungsverfahren der zuständigen Landesbehörde in Kiel mitgeteilt, daß gegen die Erteilung der Betriebsgenehmigung für Brokdorf keine Bedenken bestehen.

    (Werner [Westerland] [GRÜNE]: Meine Bedenken bestehen noch!)

    Diese Zustimmung habe ich allerdings an die Erfüllung einer Reihe von Anforderungen und Berichtsauflagen geknüpft.

    (Dr. Schierholz [GRÜNE]: Oh, warum das denn?)

    Die Genehmigungsbehörde des Landes Schleswig-Holstein hat danach die Betriebsgenehmigung mit den ausgesprochenen Auflagen erteilt.
    Ich will in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, meine Damen und Herren, daß im Kernkraftwerk Brokdorf zum erstenmal eine Möglichkeit zur kontrollierten und gefilterten Druckentlastung des Reaktorsicherheitsbehälters geschaffen worden ist.

    (Vogel [München] [GRÜNE]: Teekesselprinzip! — Weitere Zurufe von den GRÜNEN)

    — Meine Damen und Herren, ich kenne das von Ihnen. Sie sind — verzeihen Sie — deswegen nicht ernst zu nehmen, weil immer dann, wenn über die Sache gesprochen wird, Sie sich dagegen wehren.
    Sie wollen lediglich Panik machen, Angst schüren, Sie sind nicht imstande zu einer rationalen Diskussion. Das ist das Entscheidende.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP — Kuhlwein [SPD]: Weiter so, Wallmann! — Zuruf von der SPD: Scharfmacher! — Weitere Zurufe von den GRÜNEN)

    Ich füge im übrigen hinzu, weil der Herr Kollege Duve von der Sprache gesprochen hat: Wer in dieser Weise von der Sprache spricht und einen Super-GAU einführt, der muß sich sagen lassen, daß er die Grundregeln der deutschen Sprache nicht begriffen hat; denn der größte anzunehmende Unfall kann nicht gesteigert werden. Er ist der Superlativ. Weil wir dieses so ernst nehmen, überprüfen wir alle Fragen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben und zu stellen sind.

    (Senfft [GRÜNE]: Noch nicht einmal das haben Sie kapiert! — Kuhlwein [SPD]: Es reicht schon, daß Sie Frankfurt kaputtgemacht haben! — Weitere Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)

    Die Nachdenklichkeit, meine sehr verehrten Damen und Herren, enthebt niemanden von der Notwendigkeit zur Entscheidung dort, wo die Entscheidung geboten ist. Nachdenklichkeit bedeutet, unvoreingenommen an Probleme heranzugehen, bedeutet abzuwägen, sorgfältig zu prüfen.

    (Jungmann [SPD]: Und dann für die Kernenergie entscheiden!)

    Nachdem das geschehen ist, Diskussion also stattgefunden hat, Gegenpositionen zur Kenntnis genommen worden sind, muß die Entscheidung getroffen werden. Politiker sind nicht dazu da, nur ständig Fragen zu stellen,

    (Beifall bei der CDU/CSU — Lachen bei der SPD und den GRÜNEN — Senfft [GRÜNE]: Jetzt kommt es raus: Augen zu und durch!)

    sondern sie haben Fragen aufzunehmen, zu stellen und dann zu entscheiden.
    Meine Damen und Herren, es handelt sich also bei der Auflage um eine Maßnahme, die zusätzliche Sicherheit und zusätzlichen Schutz gewährleistet im Kernkraftwerk Brokdorf.

    (Frau Blunck [SPD]: Herr Wallmann, wie kann man prüfen, wenn man keine Fragen stellt?)

    Wir gehen damit über die nach dem Atomgesetz erforderliche Schadensvorsorge hinaus. Ich lege auf diese Feststellung großen Wert. Heute wird die Reaktorsicherheitskommission in einer Pressemitteilung darüber berichten, was nach Meinung der Reaktorsicherheitskommission zusätzlich zu geschehen hat.

    (Frau Hönes [GRÜNE]: Was sind denn diese Herren? Lobbyisten, alles geschmiert!)

    Es handelt sich um spezielle Filter, die gewährleisten, daß bei einem wenn auch noch so unwahr-



    Bundesminister Dr. Wallmann
    scheinlichen Fall eines Kernschmelzens die aerosolförmigen Spaltprodukte nahezu vollständig zurückgehalten werden können und gleichzeitig eine Zerstörung der Sicherheitshülle verhindert wird. Ich kann daher feststellen, daß das Kernkraftwerk Brokdorf höchsten Anforderungen an die Sicherheit genügt. Bundes- wie Landesregierung haben ihre Entscheidung zur Inbetriebnahme von Brokdorf nach sorgfältigster und gründlicher Überprüfung getroffen, auch und gerade unter Berücksichtigung der Erkenntnisse nach dem Unfall von Tschernobyl.
    Die Bundesregierung wird auch künftig dafür Sorge tragen, daß nur solche Kernkraftwerke in Betrieb gehen und in Betrieb bleiben, die unseren hohen Sicherheitsanforderungen in vollem Umfang entsprechen. Wir haben damit eine Entscheidung getroffen, die im Interesse unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger, unserer Umwelt, der ökonomischen und der sozialen Notwendigkeiten unseres Staates liegt.
    Ich danke Ihnen.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP — Dr. Schierholz [GRÜNE]: Wir danken Ihnen nicht! — Weitere Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)