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    Deutscher Bundestag 155. Sitzung Bonn, den 13. Februar 1968 Inhalt: Amtliche Mitteilungen 7931 A Fragestunde (Drucksachen V/2564 zu V/2564) Frage des Abg. Geldner: Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Januar 1968 — Zeitungsbeilage „Zwei Männer — eine Aufgabe" Diehl, Staatssekretär . . . . . . 7931 D Geldner (FDP) . . . . . . . . . 7932 A D. Dr. Gerstenmaier, Präsident . 7932 B Mertes (FDP) 7932 C Moersch (FDP) . . . . . . . 7932 C Genscher (FDP) . . . . . . . 7933 B Frage des Abg. Schulze-Vorberg: Ausfall der zuständigen Stellen der Bundesregierung nach der Ravensburger Rede des Bundesaußenministers . . 7933 C Frage des Abg. Peiter: Anteile des Landes Rheinland-Pfalz an den Investitionsprogrammen, der Ergänzungszuweisung, der Erhöhung der Mineralölsteuer und der Senkung des Bundesanteils an der Einkommen- und Körperschaftsteuer . . . . . . . . 7934 A Frage des Abg. Opitz: Gründe für den Rückgang der Zahl der Neuabschlüsse von prämienbegünstigten Sparverträgen im Jahre 1967 Leicht, Parlamentarischer Staatssekretär 7934 A Opitz (FDP) 7934 B Ott (CDU/CSU) 7934 C Josten (CDU/CSU) 7934 C Dr. Rutschke (FDP) 7934 D Moersch (FDP) 7935 A Frage des Abg. Opitz: Auswirkung dieser Entwicklung auf die Politik der Bundesregierung Leicht, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . . 7935 B Frage des Abg. Dr. Rutschke: Möglichkeit einer vorbeugenden Gesundheitsfürsorge gegen Grippewellen Dr. von Manger-Koenig, Staatssekretär . . . . . . . . 7935 B Dr. Rutschke (FDP) . . . . . . . 7935 C Frau Stommel (CDU/CSU) . . . . 7935 D II Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 Frage des Abg. Picard: Bleizusätze im Benzin Dr. von Manger-Koenig, Staatssekretär . . . . . . . . 7936 A Picard (CDU/CSU) . . . . . . . 7936 B Fragen des Abg. Ruf: Anträge auf Befreiung von der Versicherungspflicht Katzer, Bundesminister 7936 C Ruf (CDU/CSU) 7937 A D. Dr. Gerstenmaier, Präsident 7937 B Spitzmüller (FDP) 7938 A Geiger (SPD) 7938 A Moersch (FDP) . . . . . . . 7938 B Frage des Abg. Bauer (Würzburg) : Geldleistungen des Bundes an Empfänger im Ausland 7938 D Frage des Abg. Picard: Verordnung zur Entgiftung der Autoabgase Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7939 A Picard (CDU/CSU) . . . . . . 7939 A Fragen des Abg. Jung: Verwendung von Mitteln aus dem Investitionshaushalt zum Ankauf von Holz aus dem Ausland durch die Deutsche Bundesbahn — Ausschreibung des Bundesbahn-Zentralamtes in München Börner, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . . 7939 B Frage des Abg. Ramms: Autobahn-Hinweisschilder auf nahegelegene Motels bzw. Raststätten Börner, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . 7939 D Ramms (FDP) 7939 D Kiep (CDU/CSU) . . . . . . . 7940 A Freiherr von Gemmingen (FDP) . 7940 B Frage des Abg. Ramms: Motorboot-Führerschein-Prüfungen Börner, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . 7940 C Ramms (FDP) 7940 D Frage des Abg. Ramms: Wirtschaftlichkeit im Omnibusbetrieb von Bahn und Post Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7941 A Ramms (FDP) . . . . . . . . 7941 A Frage des Abg. Dr. Schulze-Vorberg: Ortsumgehung Schwebheim im Zuge des Autobahnzubringers nach Gerolzhofen-Wiesentheid 7941 B Frage des Abg. Dr. Enders: Durchschnittlicher Verbrauch von Auftausalzen im Winterdienst auf den deutschen Straßen Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7941 C Frage des Abg. Dr. Enders: Drohende Erhöhung des Chloridgehaltes im Trinkwasser der Schürfquellen und Versalzung des Grundwassers durch Verwendung von Auftausalzen Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7941 C Dr. Enders (SPD) 7941 C Frage des Abg. Dr. Enders: Maßnahmen zur Verhinderung schädlicher Folgen von Auftausalzen Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7941 D Dr. Enders (SPD) 7941 D Dr. Müller (München) (SPD) . . . 7942 A Frage des Abg. Dr. Friderichs: Kriterien für die Auftragserteilung von Druckerzeugnissen durch Bundesministerien Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7942 C Frage des Abg. Dr. Friderichs: Auftragsvergabe von Druck und Verlegung der Broschüre „Das verkehrspolitische Programm im Spiegelbild der öffentlichen Meinung" an den „Neuen Vorwärts-Verlag Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7942 C Mertes (FDP) 7942 D Moersch (FDP) 7943 A Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 III Frage des Abg. Picard: Bau einer zweiten Main-Brücke in Hanau Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7943 A Picard (CDU/CSU) 7943 B Frage des Abg. Schmidt (Kempten) : Zahlenmaterial über die zu erwartenden Kosteneinsparungen durch Auflösung der. Bundesbahndirektion Augsburg Börner, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . . 7943 B Schmidt (Kempten) (FDP) . . . . 7943 C Ott (CDU/CSU) 7944 A Frage des Abg. Graaff: Feststellung des ADAC: Mangelhaftigkeit der Wegweisung an den Straßen der Bundesrepublik Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7944 A Graaff (FDP) 7944 B Frage des Abg. Graaff: Bundeseinheitliche Richtlinien für die Straßenbeschilderung Börner, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . . 7944 C Frage des Abg. Graaff: Aufnahme reflektierender Schilder in die Straßenverkehrsordnung Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7944 C Fragen des Abg. Balkenhol: Erhaltung des überbezirklichen Charakters der Oberen Ruhrtalbahn Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7944 D Balkenhol (CDU/CSU) 7945 A Schultz (Gau-Bischofsheim (FDP) . . 7945 B Frage des Abg. Kulawig: Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften betr. die Alsob-Tarife der Deutschen Bundesbahn zugunsten der Saarwirtschaft Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7945 C Kulawig (SPD) 7945 D Frage des Abg. Kulawig: Konsequenzen aus diesem Urteil Börner, Parlamentarischer Staatssekretär . . . . . . . 7946 A Kulawig (SPD) 7946 A Frage des Abg. Brück (Holz) : Maßnahmen der Bundesregierung nach der Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften Börner, Parlamentarischer Staatssekretär 7946 B Brück (Holz) (SPD) 7946 C Sammelübersicht 27 des Petitionsausschusses über Anträge von Ausschüssen des Deutschen Bundestages zu Petitionen (Drucksache V/2509 [neu]) 7946 D Beratung des von der Bundesregierung beschlossenen Verkehrspolitischen Programms für die Jahre 1968 bis 1972 (Drucksache V/2494) in Verbindung mit Entwurf eines Gesetzes über die Besteuerung des Straßengüterverkehrs (Drucksachen V/2494, zu V/2494) — Erste Beratung —, mit Entwurf eines Sechsten Gesetzes zur Änderung des Güterkraftverkehrsgesetzes (Drucksachen V/2494, zu V/2494) — Erste Beratung —, mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über den gewerblichen Binnenschiffsverkehr (Drucksachen V/2494, zu V/2494) — Erste Beratung —, mit Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Personenbeförderungsgesetzes (Drucksachen 2494, zu V/2494) — Erste Beratung —, mit Beratung der Anträge der CDU/CSU betr. verkehrspolitische Vorschläge (Drucksache V/2524), mit Beratung des Antrags betr. Sanierung der Deutschen Bundesbahn (Drucksache V/2524, Teil I), mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundesbahngesetzes (Drucksache V/2524, Teil II) — Erste Beratung —, mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Handelsgesetzbuches (Drucksache V/2524, Teil III) — Erste Beratung —, mit IV Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 Beratung des Antrags betr. Änderung der Eisenbahn-Verkehrsordnung (Drucksache V/2524, Teil IV), mit Entwurf eines Gesetzes über eine Straßenbenutzungsgebühr für schwere Lastfahrzeuge (Drucksache V/2524, Teil V) — Erste Beratung —, mit Beratung des Antrags betr. Beseitigung von Autobahn-Engpässen (Drucksache V/2524, Teil VI), mit Beratung des Antrags betr. Ausweitung des Sonntagsfahrverbotes (Drucksache V/2524, Teil VII), mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Güterkraftverkehrsgesetzes (Drucksache V/254, Teil VIII) — Erste Beratung —, mit Beratung des Antrags betr. Kleingutverkehr (Drucksache V/2524, Teil IX), mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Personenbeförderungsgesetzes (Drucksache V/2524, Teil X) — Erste Beratung —, mit Beratung des Antrags betr. Sanierung der Binnenschiffahrt (Drucksache V/2524, Teil XI), mit Beratung des Antrags betr. Finanzierung des Verkehrswegebaues in den Gemeinden (Drucksache V/2524, Teil XII), mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (Drucksache V/2524, Teil XIII) — Erste Beratung —, mit Beratung des Antrags betr. Anpassung der Parkordnung an die Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (Drucksache V/2524, Teil XIV), mit Beratung des Antrags betr. baldige Verbesserung der Straßenverkehrsregelung (Drucksache V/2524, Teil XV), mit Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes (Drucksache V/2524, Teil XVI) — Erste Beratung — und mit Entwurf eines Gesetzes über die Erteilung einer Erlaubnis zur Beförderung von Gütern im Werkverkehr (Abg. Haage [München] u. Gen.) (Drucksache V/2556) — Erste Beratung — D. Dr. Gerstenmaier, Präsident . . 7947 D Leber, Bundesminister . . . . . 7947 D Dr. Müller-Hermann (CDU/CSU) . . 7964 A Haage (München) (SPD) . . . . . 7972 B Dr. Imle (FDP) . . . . . . . . 7972 C Seifriz (SPD) 7977 B Lemmrich (CDU/CSU) 7982 D Dr. Mommer, Vizepräsident 7986 C Seibert (SPD) . . . . . . . 7986 D Weiland (CDU/CSU) 7990 C Schoettle, Vizepräsident 7992 D Riedel (Frankfurt) (CDU/CSU) 7992 D Ramms (FDP) . . . . . . . . 7995 A Schmidt (Braunschweig) (SPD) . . 7996 C Zoglmann (FDP) 7996 D Dr. Lenz (Bergstraße) (CDU/CSU) . 7997 D Freiherr von Gemmingen (FDP) . 7998 D Erhard (Bad Schwalbach) (CDU/CSU) 7999 C Dr. Reinhard (CDU/CSU) . . . . . 8000 C Glüsing (Dithmarschen) (CDU/CSU) . 8001 C Dr. Schwörer (CDU/CSU) . . . . 8002 B Niederalt (CDU/CSU) 8003 C Burgemeister (CDU/CSU) . . . . 8004 C Schwabe (SPD) 8004 D Nächste Sitzung 8009 C Anlagen 8011 Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 7931 155. Sitzung Bonn, den 13. Februar 1968 Stenographischer Bericht Beginn: 14.32 Uhr
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    Anlage 1 Liste der beurlaubten Abgeordneten Abgeordnete (r) beurlaubt bis einschließlich a) Beurlaubungen Dr. Apel 17. 2. Arendt (Wattenscheid) 17. 2. Dr. Arndt (Berlin/Köln) 17. 2. Auge 18.2. Bading * 15.2. Bauer (Wasserburg) 16.2. Dr. Besold 18. 2. Böhm 13. 2. Buchstaller 31. 3. van Delden 14. 2. Dr. Dittrich * 16. 2. Dröscher * 14. 2. Frau Dr. Elsner 17. 2. Eschmann 17. 2. Faller 17. 2. Felder 13.2. Flämig 13.2. Frehsee 29. 2. Dr. Frey 16.2. Gerlach * 13.2. Hamacher 6. 4. Hölzle 29.2. Illerhaus * 13.2. Jahn (Marburg) 13. 2. Frau Kalinke 17. 2. Frau Klee 17. 2. Klinker * 14. 2. Frau Korspeter 17. 2. Kriedemann * 16. 2. Krug 14.2. Freiherr von Kühlmann-Stumm 29. 2. Kunze 1.6. Lemper 13.2. Lenz (Brühl) 29. 2. Lücker (München) * 14.2. Mattick 17. 2. Mauk* 14.2. Meister 13.2. Dr. Mende 13. 2. Dr. h. c. Menne (Frankfurt) 13. 2. Dr. von Merkatz 17. 2. Michels 13.2. Missbach 13.2. Dr. h. c. Dr.-Ing. E. h. Möller 16.2. Müller (Aachen-Land) * 16.2. Petersen 13.2. Pöhler 18.2. Dr. Prassler 29. 2. Rasner 16. 2. Richarts * 14.2. Dr. Schulz (Berlin) 17. 2. Dr. Starke (Franken) 16. 2. * Für die Teilnahme an Ausschußsitzungen des Europäischen Parlaments Anlagen zum Stenographischen Bericht Abgeordnete (r) beurlaubt bis einschließlich Stingl 13.2. Vogt 13. 2. Weigl 17. 2. Frau Wessel 18. 2. Dr. Wilhelmi 13.2. Frau Dr. Wolf 29. 2. b) Urlaubsanträge Dr. Bardens 25. 2. Lemmer 6. 4. Anlage 2 Schriftliche Begründung des Abgeordneten Haage (München) (SPD) zu Punkt 8 der Tagesordnung. Das Verkehrspolitische Programm hat sich zum Ziel gesetzt, für den Straßengüterverkehr ordnende Maßnahmen durch die Beförderungssteuer und das Beförderungsverbot zu ergreifen, um weitere Transportverlagerungen von der Schiene auf die Straße zu verhindern und nicht unbedingt erforderlichen Kapazitätsausweitungen entgegenzuwirken. Die erhöhten Unfallgefahren durch zunehmende Verkehrsdichte und Straßenbelastung zwingen zu verkehrsordnenden Regelungen. Im Gegensatz zum gewerblichen Straßengüterfernverkehr unterliegt der Werkverkehr keiner Kapazitätsbeschränkung. Die Erfahrungen zeigen, daß die im Leber-Plan vorgesehene erhöhte Beförderungssteuer alleine nicht verhindern kann, den Werkverkehr in Grenzen zu halten. Auch der Vorschlag der CDU/CSU-Fraktion, eine Lizenzgebühr und ein Anhörungsverfahren einzuführen, kann nicht gewährleisten, daß am bereitstehenden Beförderungsangebot der öffentlichen und gewerblichen Verkehrsträger vorbei zusätzlicher Werkverkehr entsteht, der zu einer erhöhten Belastung des Straßennetzes führt und nicht im Interesse des Gemeinwohls liegt. Der vorliegende Gesetzentwurf, den meine Freunde und ich einbringen, hat die Einführung eines Genehmigungsverfahrens für den gesamten Werkverkehr und damit eine wirkungsvolle Kapazitätsbeschränkung zum Inhalt. Er schließt unseres Erachtens eine Lücke im Leber-Plan und bei den Vorschlägen der CDU/CSU-Fraktion. Durch dieses Gesetz könnte das Verkehrsgeschehen auf unseren Straßen geordnet werden, um den Schutz wichtiger Gemeinschaftsgüter, wie Leben und Gesundheit von Personen und die Erhaltung von vermögenswerten Sachen, zu gewährleisten. Der gesamte Straßengüterverkehr würde in eine wirkungsvolle Ordnungsfunktion einbezogen. Der Verkehrsmarkt würde überschaubarer und in seinen Kapazitäten begrenzt. Es würde sichergestellt, daß volkswirtschaftlich notwendiger, unabdingbarer Werkverkehr weiterhin bestehen bleibt. Die Inanspruchnahme eines gesteiger- 8012 Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 ten Leistungsangebotes der Bundesbahn und des gewerblichen Güterkraftverkehrs würde dadurch gewährleistet, daß die Erlaubnis für den Werkverkehr nach zwei Jahren erneuert werden muß. Im einzelnen sieht der Gesetzentwurf vor: 1. Jeder Unternehmer, der Werkverkehr betreiben möchte, bedarf einer Genehmigung, die für die Gesamttonnage erteilt wird. Lastkraftwagen bis zu einer Nutzlast von 4 t werden freigestellt. Ein Unternehmen darf jedoch nicht mehr als 50 Lkw der genehmigungsfreien Nutzlastklasse zur Beförderung einsetzen. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn der beantragte Werkverkehr mit den vorhandenen Verkehrsmitteln befriedigend bedient werden kann. 2. Zuständig für die Erteilung einer Genehmigung ist die obere Landesverkehrsbehörde. Der Antrag auf eine Genehmigung muß enthalten: — den Nachweis, daß der Antragsteller ein Gewerbe betreibt, in dessen Rahmen Werkverkehr betrieben werden soll; — die Beschreibung, in welcher Weise Werkverkehr betrieben werden soll; — die glaubhafte Begründung, warum die Beförderung nur über den Werkverkehr möglich erscheint. 3. Bei offensichtlicher Unbegründetheit des Antrages kann die Genehmigungsbehörde den Antrag sofort ablehnen. Das beantragte Beförderungsverlangen ist seinem wesentlichen Inhalt nach den Verkehrsträgern mitzuteilen. 4. Werden Angebote der Verkehrsträger eingereicht, so hat die Landesverkehrsbehörde zu prüfen, ob die Angebote in zumutbarer Weise den Erfordernissen und Bedürfnissen des Beförderungsverlangens gerecht werden. Soweit dies zutrifft, wird der Antrag ganz oder teilweise abgelehnt. Sind die abgegebenen Angebote nicht oder nur zum Teil geeignet, oder wird kein Angebot abgegeben, wird die Genehmigung ganz oder teilweise erteilt. 5. Die Erlaubnis zur Beförderung von Gütern im Werkverkehr wird für die Dauer von 2 Jahren erteilt. 6. In eilbedürftigen Sonderfällen kann die Anmietung von Fahrzeugen auf die Dauer von 3 Monaten erlaubt werden. 7. Zur Wahrung der Besitzstandrechte ist eine Übergangsregelung vorgesehen. Meine Freunde und ich sind der Auffassung, daß dieser Gesetzentwurf über ein Genehmigungsverfahren für den gesamten Werkverkehr geeignet ist, die Zielsetzungen des verkehrspolitischen Programms wirksam zu unterstützen. Es wird gewährleistet, daß von der verladenden Wirtschaft die anderen Verkehrsträger als echte Alternative für Beförderungsaufgaben gesehen werden müssen. Der Gesetzentwurf ist ein marktkonformes und wirksames Ordnungsmittel, das keine zusätzlichen Kosten verursacht. Anlage 3 Schriftliche Erklärung des Abgeordneten Schmidt (Braunschweig) (SPD) zu Punkt 6, 7 und 8 der Tagesordnung. Meine Fraktion begrüßt die im Rahmen des Verkehrspolitischen Programms für die Binnenschiffahrt vorgesehenen Maßnahmen. Mit denselben wird der Binnenschiffahrt ihre beachtliche Stellung in der Verkehrswirtschaft bestätigt. Immerhin hat sie ihre Stellung als zweitgrößter Verkehrsträger im Güterfernverkehr trotz der im Gange befindlichen strukturellen Veränderungen auf dem Verkehrsmarkt bisher in vollem Umfange behauptet. Ihr Anteil am gesamten Güterverkehr beträgt fast 30 % Damit ist sie bis zum heutigen Tage ihrer Stellung als zweitgrößter Verkehrsträger gerecht geworden. Ich halte es für angebracht, diese hohen Verkehrsleistungen der Binnenschiffahrt, die einem großen Teil der Öffentlichkeit kaum bekannt sind, besonders zu erwähnen. Bei der Betrachtung der Bedeutung der Binnenschiffahrt ist jedoch nicht zu übersehen, daß aus bestehenden Unzulänglichkeiten im tarifpolitischen und anderen Bereichen die Ertragslage der gewerblichen Wirtschaft auf einem Tiefstand angelangt ist, der es aus kaufmännischer Sicht kaum noch verantwortbar erscheinen läßt, Binnenschiffahrt als Gewerbe zu betreiben. Soweit ist es jedoch noch nicht, und es wird auch nicht dahin kommen. Solange die Wirtschaft auf billige Transporte ihrer Massengüter über größere Entfernungen angewiesen ist und der Geschwindigkeitsfaktor des Transports keine ausschlaggebende Rolle spielt, wird sie immer auf die Binnenschiffahrt zurückgreifen. Die Binnenschiffahrt kann auch selbst auf lange Sicht durch andere Verkehrsträger kaum ersetzt werden. Ihre Transportleistungen erreichen immerhin zwei Drittel der Leistungen der Eisenbahn. Die Wirtschaft wäre auch niemals bereit, ohne weiteres auf einen Verkehrsträger zu verzichten, der von ihr so niedrige Transportpreise verlangt und der einen so wirkungsvollen Frachtregulator für die gesamte Verkehrswirtschaft bildet. Gerade dieser letzte Gesichtspunkt, der der Binnenschiffahrt im Zeitalter von Kohle und Stahl zu ihrer großen Bedeutung verholfen hat, ist auch heute noch von großem Gewicht. Binnenschiffahrt und Verladerschaft müssen ihr Verhältnis neu überdenken. Die Binnenschiffahrt muß alle Möglichkeiten der Rationalisierung in Betrieb und Verwaltung ausnutzen. Die Wirtschaft muß sich darüber im klaren sein, daß das heutige Frachtenniveau aufgebessert werden muß, da man weder von den privaten Kapitalgebern der Binnenschiffahrt noch von den Steuerzahlern erwarten kann, daß sie auf die Dauer den Verkehr subventionieren. Es wird der Schiffahrt häufig vorgeworfen, daß ihr Schiffspark weitgehend überaltert ist und daß noch heute Schiffe mit dem Baujahr um die Jahr- Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 8013 hundertwende und davor in Betrieb sind. Diese Feststellung ist zum Teil zutreffend. Die von mir kurz angedeutete derzeitige schwierige Lage der Binnenschiffahrt berücksichtigt das Verkehrspolitische Programm und wird über vorgesehene Maßnahmen dazu beitragen, daß auch sie für die absehbare Zukunft ein unentbehrlicher Verkehrsträger bleibt. Die Entwicklung des Binnenschiffsverkehrs in den verschiedenen Strom- und Kanalgebieten ist keinesfalls einheitlich verlaufen. Zwischen 1960 und 1966 hat der Güterumschlag auf dem Rhein, Main und Neckar um 47 %, auf der Mittelweser 41 %, auf der Elbe um 39 %, im westdeutschen Kanalgebiet nur um 10 % zugenommen. Im Jahre 1966 ist der Verkehr auf dem Mittellandkanal trotz des bisher von der Binnenschiffahrt erreichten Höchststandes zurückgegangen. Ich bewerte dieses als ein Zeichen dafür, daß das Zonengrenzgebiet gegenüber dem Kernstück der EWG mit der Hauptverkehrsachse des Rheins stark benachteiligt ist. Zum Kapazitätsproblem der Binnenschiffahrt ist festzustellen, daß auch hier bei der Binnenschiffahrt seit langem nicht mehr die Kosten über den Preis gedeckt werden. Der Preisverfall ist viel größer als alle Rationalisierungserfolge. Eine dieser Ursachen ist das Nebeneinander von modernen und völlig veralteten Schiffen. Die letzteren werden, da sie von Großverladern nicht mehr gefragt sind, in anderen Verkehrsrelationen um jeden Preis angeboten und verursachen dadurch immer wieder neue Frachtunterbietungen. Die vordringliche Aufgabe muß daher die oft diskutierte Beseitigung des unwirtschaftlichen Schiffsraumes sein, eine Maßnahme, die durch Zahlung von Abwrackprämien an die betroffenen Eigentümer durchgeführt werden sollte. Das Verkehrspolitische Programm berücksichtigt diese Notwendigkeit. Eine durchschlagende Kapazitätsregelung von Dauer kann zwar nur auf internationaler Ebene zum vollen Erfolg führen. Da aber solche Vorhaben längere Zeit in Anspruch nehmen, sollte man sich in der Bundesrepublik wegen der großen Dringlichkeit schnellstens zu nationalen Maßnahmen entschließen. Wir unterstützen auch ,die zur Strukturbereinigung seitens des Verkehrspolitischen Programms vorgesehenen Maßnahmen. Unwirtschaftlicher und überalteter Schiffsraum ist eine Folge unterlassener Rationalisierung, die aber wegen ungenügender Erträge dieser Einheiten insbesondere bei den Partikulierern nicht durchgeführt werden konnte. Da die größeren Reedereien auch über Erträge aus anderen Bereichen ihrer Tätigkeit verfügen und daher auch ihren Schiffspark weitgehend rationalisieren konnten, hat man es fast nur noch mit einer überalterten und überschuldeten Partikulierflotte zu tun. Um nun ,die schwache Marktposition der Partikulierschiffahrt zu stärken, sollten die Schiffer-Betriebsverbände nunmehr auch in eigener Regie Ladungswerbung betreiben dürfen. Außerdem müßte ,den nicht mehr lebensfähigen Betrieben die Möglichkeit gegeben werden, sich zu wettbewerbsfähigen Betrieben zusammenzuschließen, um auch die Wünsche der Verlader zu erfüllen und auf dem Gebiet der Preisbildung verantwortlich mitwirken zu können. Auf dem Gebiet der Frachtenbildung sind Sofortmaßnahmen dringend erforderlich. Die Frachtenausschüsse sollten durch Einführung einer paritätischen Besetzung der Schiffahrt und Verladerschaft wieder arbeitsfähig gemacht werden, wobei die von ihnen festgesetzten Tarife als marktgerecht geltend und als verbindlich anerkannt werden sollten. Die wiederholt zu verzeichnen gewesenen gegensätzlichen Auffassungen zwischen .dem Bundesverkehrsministerium und dem Bundeswirtschaftsministerium bei diesem Genehmigungsverfahren haben sich nicht immer vorteilhaft ausgewirkt und die Frachtenausschüsse in letzter Zeit nahezu funktionsunfähig gemacht. Um derartige Schwierigkeiten in Zukunft ausschalten zu können, wäre es naheliegend, dem Bundeswirtschaftsministerium zu empfehlen, auf eine Mitwirkung in dieser Frage zu verzichten, die es übrigens vor 1961 auch nicht ausgeübt hat. Voraussetzung für ein Gelingen all dieser Maßnahmen sollte eine wirksame Frachtenkontrolle sein, die auf Grund bisher gemachter Erfahrungen dann aber verstärkt gemacht werden müßte. Wir begrüßen daher die in dem verkehrspolitischen Programm vorgesehene Einbeziehung der Bundesanstalt für den Güterfernverkehr in die Fragen der Frachtenkontrolle. Alle Anstrengungen der Binnenschiffahrt zur weiteren Leistungssteigerung hängen im wesentlichen auch von dem Ausbau der Verkehrswege ab. Die Rationalisierungsmöglichkeiten können aber dann erst voll ausgenutzt werden, wenn auch der Güterumschlag an den Wasserstraßen beschleunigt, die Liegezeiten der Schiffe in den Häfen verkürzt und daher der Schiffsumlauf verbessert werden könnten. Hierzu ist aber erforderlich, die Güterumschlagsvorgänge in den eigentlichen Binnenhäfen zu konzentrieren und .die .seit dem letzten Krieg eingesetzte, oft verhängnisvolle Dezentralisation durch Einrichtung einfacher, zum Teil primitiver Liegestellen zu unterbinden. Die Verpflichtung der öffentlichen Binnenhäfen zum Umschlag aller ihnen angedienten Güter, auch solcher, die dafür einen technischen Aufwand erfordern, setzt zwangsläufig auch die Vorhaltung unwirtschaftlicher Umschlaganlagen voraus, während private Ladestellen mit der Errichtung einfacher, auf den besonderen Zweck abgestimmter Geräte auskommen. Durch .diese Konkurrenzierung entstehen laufend finanzielle Einbußen der öffentlichen Binnenhäfen, die dann letztlich seitens der öffentlichen Hand ausgeglichen werden müssen. 8014 Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 Abschließend möchte ich noch einmal betonen, daß wir die im Verkehrspolitischen Programm zur Förderung der Binnenschiffahrt vorgeschlagenen Maßnahmen begrüßen. Wir sind der Meinung, daß sie geeignet sind, die bestehenden Schwierigkeiten in der Binnenschiffahrt wesentlich zu beheben. Anlage 4 Schriftliche Erklärung des Abgeordneten Burgemeister (CDU/CSU) zu Punkt 6, 7 und 8 der Tagesordnung. Ich möchte im Zusammenhang mit unseren Beratungen des „Verkehrspolitischen Programms der Bundesregierung für die Jahre 1968 bis 1972" Ihre Aufmerksamkeit auf den Teil II Ziffer 2 der Drucksache V/2494 lenken. Dieser Teil befaßt sich mit dem Ausbau der deutschen Flughäfen. Darin wird ausgeführt, daß der Bund weiterhin den Ausbau der Flughäfen Berlin (Tempelhof und Tegel), Frankfurt und Köln-Bonn im Rahmen seiner Gesellschafter-Beteiligung finanziell fördern will und seine Beteiligung an den Flughafen-Gesellschaften für Hamburg-Kaltenkirchen und München 2 anstrebt. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhange feststellen, daß der Bund zur Zeit rechtlich auch noch Gesellschafter der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH ist, allerdings seit 1964 seine Absicht erklärt hat, aus dieser Beteiligung ausscheiden zu wollen. Diese Absicht der Bundesregierung hat jedoch bisher bei den beiden anderen Gesellschaftern von Hannover-Langenhagen, nämlich dem Lande Niedersachsen und der Landeshauptstadt Hannover, keine Zustimmung gefunden, und über die finanzielle Abwicklung der aus dieser Aufgabe durch den Bund übernommenen Verpflichtungen konnte bisher eine Übereinkunft nicht erzielt werden. Ich möchte deswegen heute bei der Beratung des „Verkehrspolitischen Programms der Bundesregierung" für einen großen Teil meiner Fraktionskollegen — auch der Herr Fraktionsvorsitzende selber stimmt dem zu — ankündigen, daß wir bei den Beratungen dieses Programms und der sich daraus ergebenen Maßnahmen einen Antrag stellen werden, mit welchem die Bundesregierung verpflichtet werden soll, weiterhin Gesellschafter der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH zu bleiben und sich an den weiteren Ausbau- und Unterhaltungskosten dieses Flugplatzes zu beteiligen. Ich darf Sie, meine Damen und Herren, schon heute darum bitten, diesen unseren Antrag zu unterstützen. Wir sind der Auffassung, daß trotz der bestehenden finanziellen Sorgen der Bundesregierung eine Beteiligung an der Aufbringung der für HannoverLangenhagen erforderlichen Mittel notwendig und möglich ist. Der Flughafen Hannover-Langenhagen hat nicht nur regionale Bedeutung, er hat eine ganz besondere Aufgabe als Ausgangshafen für Flüge nach West-Berlin zu erfüllen. Diese Sonderstellung ergibt sich aus der Tatsache, daß die Entfernung Langenhagen—Berlin die kürzeste gegenüber allen anderen deutschen Flughäfen ist. Sie ist somit auch für viele Fluggäste besonders anziehend, weil auf der Strecke Hannover—Berlin die geringste Fluggebühr zu zahlen ist. Es gibt keinen Zweifel daran, daß der größte Teil aller Fluggäste, die von Westdeutschland nach Berlin oder von Berlin nach Westdeutschland fliegen, den Flugplatz Hannover-Langenhagen bevorzugen. Somit erfüllt dieser Flugplatz eine besondere gesamtdeutsche Aufgabe. Für die Erhaltung dieser günstigsten Berlin-Verbindung sollten daher auch Mittel dies Bundes zur Verfügung gestellt werden. Hier hat der Bund Hilfen zu geben, die nicht im gleichen Maße für andere Flugplätze gelten. Neben dieser sehr wichtigen Aufgabe hat Hannover-Langenhagen eine besondere Bedeutung während der jährlichen Hannover-Messe. Die Hannover-Messe ist keine einseitige Angelegenheit des Landes Niedersachsen oder der Stadt Hannover. Sie ist eine in der ganzen Welt beachtete und bekannte Messe, die sowohl dier Wirtschaft des ganzen Bundesgebietes wie auch ausländischen Firmen die Möglichkeit gibt, ihren Leistungsstand sichtbar zu machen und 'für den Absatz ihrer Produkte zu werben. Im Hinblick auf die deutschen Aussteller und damit auf die gesamte deutsche Wirtschaft ist die Hannover-Messe und in Verbindung damit der Flughafen Hannover-Langenhagen von ganz besonderer Bedeutung für die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Wir als Abgeordnete des Bundestages, aber auch die Bundesregierung in ihrer Verantwortung für das stetige Wachstum unserer Wirtschaft sollten und müssen deswegen auch alles tun, was zur Förderung der Hannover-Messe nur möglich ist. Dazu gehört aber in der heutigen Zeit auch die Bereithaltung moderner Verkehrsmöglichkeiten. Auch von daher sollte und müßte ein Bundesinteresse an der vollen Leistungsfähigkeit des Flugplatzes Hannover-Langenhagen bestehen. Die Bundesregierung kann diese Bundesaufgabe nicht allein dem Lande Niedersachsen und der Stadt Hannover überlassen. Diese beiden allein sind nicht in der Lage, die Gewährleistung für eine den Verhältnissen der Messe angepaßte Luft-Verkehrsleistung zu erbringen. Mit der Hannover-Messe hängt eine weitere ebenfalls für die gesamte Bundesrepublik sehr wichtige Schau zusammen, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, die Luftfahrt-Schau. Um diese Schau weiterhin in Hannover-Langenhagen durchführen zu können, muß dem Flughafen eine entsprechende Aufnahmemöglichkeit gegeben werden. Man könnte einwenden, daß die Luftfahrt-Schau nicht unbedingt in Hannover-Langenhagen durchgeführt werden muß und daß dafür andere Flugplätze entsprechende Aufnahmemöglichkeit haben. Aber dieser Einwand übersieht, daß diese Schau nur dadurch so weltweite Bedeutung erlangt hat, daß sie mit der Hannover-Messe gekoppelt und verbunden ist. Nur in dieser Verbindung ist sie in der Lage, ihre Leistungen weiterhin zu steigern. Auch hier sehe ich insoweit Bundesaufgaben und somit eine durchaus legale Notwendigkeit, für den Flughafen Hannover-Langenhagen auch Bundesmittel zur Verfügung zu stellen. Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 8015 Die Notwendigkeit für den weiteren Ausbau des Flughafens Hannover-Langenhagen ergibt sich aus dem Verkehrsaufkommen, das schon jetzt vorhanden und für die nächsten Jahre zu erwarten ist. Es geht bei diesem Ausbau nicht darum, HannoverLangenhagen zu einem interkontinentalen Flughafen auszubauen. Hannover-Langenhagen soll lediglich kontinentale Aufgaben erfüllen, Aufgaben aber, die aus gesamtdeutscher und gesamtwirtschaftlicher Sicht auch in der Verantwortung des Bundes stehen und für deren Sicherstellung finanzielle Leistungen des Bundes zu erbringen sind. Bereits im Jahre 1966 hat die Zahl der Fluggäste, die Hannover-Langenhagen benutzten, die Millionengrenze überschritten. Schon für die Abfertigung dieser Fluggäste reichten die Abfertigungsanlagen in Hannover-Langenhagen nicht mehr aus. Wenn davon ausgegangen werden kann, daß das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren weiter erheblich steigen wird und im Jahre 1972 mit etwa 2,5 Millionen Fluggästen, 1977 aber schon mit etwa 4 1/2 Millionen Fluggästen in Hannover-Langenhagen zu rechnen ist, so wird deutlich, daß zur reibungslosen Abwicklung derartiger Leistungen, erhebliche Ausbauleistungen zu erbringen sind. Es ist überflüssig, zu betonen, daß das Land Niedersachsen und die Landeshauptstadt Hannover allein nicht in der Lage sind, diese Leistungen aus eigener Kraft zu erbringen. Die Mithilfe des Bundes ist und bleibt unerläßlich. Hannover-Langenhagen muß aus gesamtdeutscher Verantwortung auch deswegen gesehen werden, weil für den Fall, daß andere Verbindungen nach Berlin gestört oder gesperrt werden — was ich keineswegs erwarte, was aber, wie die Erfahrung lehrt, jederzeit möglich ist —, Langenhagen der ein Pfeiler der Luftbrücke sein wird, die dann zu errichten wäre. Selbst wenn dieser Fall hoffentlich nie eintreten wird, muß uns die Verantwortung für West-Berlin die Pflicht der Vorsorge auferlegen. Diese Vorsorge gebietet, den dann am günstigsten liegenden Flughafen, nämlich Hannover-Langenhagen, so auszubauen und vorzubereiten, daß er eine derartige Versorgungsaufgabe übernehmen könnte. Auch diese Aufgabe, die allein in der Verantwortung des Bundes liegt, gebietet förmlich, daß die Bundesregierung weiterhin Gesellschafter der Flughafengesellschaft Hannover-Langenhagen bleibt und sich finanziell an der Ausgestaltung beteiligt. Ich darf Sie, meine Damen und Herren, daher nochmals bitten, unseren Antrag zu unterstützen, wenn er im Ausschuß gestellt wird. Anlage 5 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 12. Februar 1968 auf die Mündlichen Anfragen des Abgeordneten Dr. Czaja (Drucksache V/2527 Fragen 68 und 69) : Ist die Bundesregierung bereit, durch ihre eigene Initiative oder Unterstützung anderer Initiativen an der Ausarbeitung von Plänen mitzuwirken, die in verstärktem aber sinnvollem Maß den Einsatz von Überschüssen an Lebensmitteln und an Ernteerträgen zum Kampf gegen den Hunger in der Welt ermöglichen und zur Überwindung der Schwierigkeiten beitragen, die dieser Absicht wegen der Aufkauf- und Transportkosten sowie der Aufbereitung solcher Überschüsse zur sinnvollen Verwendung in Hungergebieten derzeit noch gegenüberstehen? Ist die Bundesregierung bereit, Überschüsse an Lebensmitteln und an Ernteerträgen, deren Vernichtung, Denaturierung oder Veräußerung mit erheblichen Verlusten .droht, in Gebiete mit Hungersnot nach zweckmäßiger Aufbereitung in Form unmittelbarer deutscher Hilfen für die Bekämpfung des Hungers in der Welt oder im Rahmen einer internationalen Nahrungshilfe zu leiten? Die Bundesregierung ist nicht nur bereit, eigene Initiativen im Sinne Ìhrer Fragestellung zu entwikkeln, im Gegenteil, sie wirkt bereits mit bei der Durchführung von Maßnahmen a) auf bilateraler Ebene (z. B. Katatrophenfällen) b) auf der EWG-Ebene (z. B. Nahrungsmittel-Hilfsprogramm im Rahmen des Internationalen Getreideabkommens) c) auf multilateraler Ebene (z. B. Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen). Alle diese Maßnahmen dienen dazu, landwirtschaftliche Überschüsse optimal zur Bekämpfung des Hungers in der Welt einzusetzen. Die Bundesregierung ist an Maßnahmen zur Vernichtung von Überschüssen ,an Lebensmitteln bzw. Ernteerträgen nicht beteiligt. Ich habe dies wiederholt in der Öffentlichkeit, auch vor dem Deutschen Bundestag, zum Ausdruck gebracht. Daß die Bundesregierung so handelt, liegt zweifellos auch in Ihrem Sinne. Der Begriff „Denaturierung" bedeutet keine Vernichtung von Nahrungs- und Lebensmitteln, sondern er stellt im Gegenteil ein steuerliches Schutzverfahren bei der Umformung von Nahrungsmitteln in höhere Veredlungsstoffe (z. B. tierisches Eiweiß) dar. Die Weitergabe von Nahrungs- und Lebensmitteln zur Bekämpfung des Hungers in der Welt ist natürlich nicht billiger als das eben genannte Verfahren. Im übrigen werden diese Nahrungs- und Lebensmittel den Entwicklungsländern kostenlos zur Verfügung gestellt. Anlage 6 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 12. Februar 1968 auf die Mündlichen Anfragen des Abgeordneten Ertl (Drucksache V/2527 Fragen 70 und 71): Trifft es zu, daß der Bundesernährungsminister einen Krisenplan für die deutsche Landwirtschaft ausarbeiten läßt? Welche Maßnahmen sollen im Rahmen des in Frage 70 erwähnten Planes getroffen werden? Die Bundesregierung hat nicht die Absicht einen Krisenplan für die deutsche Landwirtschaft auszuarbeiten. Ich habe jedoch mit den Bundesländern Kontakt aufgenommen, um mit diesen gemeinsam im Gedankenaustausch konzentrierte regionalwirt- 8016 Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 schaftliche, zeitlich begrenzte Maßnahmen in bäuerlichen Problemgebieten mit mangelhafter Agrarstruktur und ungenügender Infrastruktur zu erwägen. Das Wort Krisenplan entstammt einer unzutreffenden Pressemitteilung (Zeitungsente). Ich selbst pflege eine derartige Ausdrucksweise nicht. Anlage 7 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 12. Februar 1968 auf die Mündlichen Anfragen des Abgeordneten Peters (Poppenbüll) (Drucksache V/2527 Fragen 72 und 73) : Glaubt die Bundesregierung, in absehbarer Zeit Mittel für einen Krisenplan für die deutsche Landwirtschaft bereitstellen zu können? Wann ist nach Ansicht der Bundesregierung mit dem Anlaufen von Maßnahmen eines solchen in Frage 72 erwähnten Krisenplanes zu rechnen? Die Fragen 72 und 73 decken sich inhaltlich mit den Fragen Nr. 70 und 71 des Herrn Abgeordneten Ertl. Als Anlage füge ich eine 'Durchschrift der Antworten auf die Fragen 70/71 zur gefl. Kenntnisnahme bei*). Anlage 8 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 9. Februar 1968 auf die Mündlichen Anfragen des Abgeordneten Wächter (Drucksache V/2527, Frage 74, 75 und 76) : Trifft es zu, daß bei der Abgabe verbilligter Einlagerungsbutter an Kinderheime die privaten Kinderheime, in denen sich etwa 10 000 Kinder befinden, nicht berücksichtigt wurden? Welche Erklärung hat die Bundesregierung für die in Frage 74 aufgezeigte Handhabung, die vielerorts als eine Diskriminierung der privaten Einrichtungen und der in ihnen betreuten Kinder angesehen wird? Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die privaten Kinderheime noch nachträglich mit verbilligter Lagerbutter zu beliefern? Zu 1.: Die Bundesregierung war von der EWG ermächtigt worden, die Abgabe verbilligter Butter als Testaktion von 1 1/2 monatiger Dauer durchzuführen. Dabei durften die Empfänger der verbilligten Butter ihren normalen Frischbutterbezug nicht einschränken. Die Bundesregierung hat in Brüssel zu berichten, wie und mit welchem Ergebnis diese Bedingung kontrolliert wurde. Es kam darauf an, diese Aktion rasch und kontrollfähig durchzuführen. Dazu bot sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V., Bonn, an. Sie hat nicht nur Prüfungsverbände, sondern auch eine schlagkräftige Verteilungsorganisation im Wirtschaftsbund Gemeinnütziger Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands eGmbH zur Verfügung. *) Siehe Anlage 4 Auf der Beantwortung der Frage 1 ergibt sich, daß niemand an eine Diskriminierung der privaten Einrichtungen gedacht hat. Zu 4.: Die Bundesregierung wird nach Vorliegen der Prüfungsergebnisse in Brüssel Bericht erstatten. Es bleibt abzuwarten, ob solche Aktionen bei der Schaffung der Gemeinsamen Marktordnung für Milch in das allgemeine Programm der Maßnahmen zum Absatz der Buttervorräte aufgenommen werden. Die Bundesregierung steht der Frage der Verbilligungsaktion auf private Einrichtungen wohlwollend gegenüber, vorausgesetzt, daß diese Einrichtungen die von den Mitgliedstaaten der EWG aufgestellten Bedingungen erfüllen. Anlage 9 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 12. Februar 1968 auf die Mündliche Anfrage des Abgeordneten Peters (Poppenbüll) (Drucksache V/2527 Frage 77) : Wie erklärt die Bundesregierung den Widerspruch zwischen der Erklärung von Bundesminister Höcherl in der 146. Sitzung des Bundestages vom 17. Januar 1968, wonach sinkende Rinderpreise grundsätzlich auch die Schweinefleischpreise nach unten drückten, und der einen Tag später veröffentlichten amtlichen Stellungnahme des Bundesernährungsministeriums zu den jüngsten Viehzählungsergebnissen, in der es heißt, daß 1968 trotz wetter rückläufiger Schweinefleischpreise mit einer Verbesserung der Durchschnittspreise für Schlachtrinder um 3 % bis 5 % zu rechnen sei? Meine Erklärung anläßlich der 146. Sitzung des Bundestages am 17. Januar 1968 steht mit• der Verlautbarung des Bundesernährungsministeriums über das Ergebnis der Viehzählung vom 3. 12. 1967 nicht im Widerspruch. Die Verbrauchskonkurrenz zwischen Rind- und Schweinefleisch ist notorisch. Es besteht kein Zweifel, daß mit einer stärkeren Verbesserung der Durchschnittspreise für Schlachtrinder gerechnet werden könnte, wenn nicht ein Überangebot an Schweinefleisch während des ganzen Jahres 1968 vorhanden wäre. Trotzdem dürften aller Voraussicht nach die Schlachtrinderpreise im vor uns liegenden Jahr höher sein als 1967, da mit einer Nachfragesteigerung nach Rindfleisch von 2-2 1/2% gerechnet werden kann. Anlage 10 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 12. Februar 1968 auf die Mündliche Anfrage des Abgeordneten Ehnes (Drucksache V/2527 Frage 78) : Welche Entlastungsmaßnahmen wird die Bundesregierung im Hinblick auf die in der Bundesrepublik regional eingetretene Unterschreitung des Grundpreises der EWG-Schweinefleischmarktordnung und angesichts des von der EWG-Kommission und des Bundesernährungsministeriums erwarteten weiteren Preisrückgangs ergreifen und erwirken, um einen Schweinepreisverfall rechtzeitig zu vermeiden und regional schwerwiegende und ungerechtfertigte Einkommensverluste in landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben zu mindern? Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 8017 Die Entwicklung am Schweinemarkt ist gekennzeichnet durch einen absoluten Nachkriegsrekord, der in den zu erwartenden Schlachtungen mit insgesamt rd. 27,3 Mill. zum Ausdruck kommt. Dieses hohe Angebot an Schlachtschweinen ist bedingt durch die steigenden Sauenzulassungen auf Grund der sehr guten Preise für Schweinefleisch im Kalenderjahr 1966 und Anfang 1967 und wird für das ganze Jahr 1968 anhalten. Erschwert wurde die Situation auf dem Schlachtschweinemarkt dadurch, daß infolge der Rezession 1967 ein rückläufiger Verbrauch zu verzeichnen war. Auf Grund der verbesserten Wirtschaftslage kann für das laufende Jahr mit einer bescheidenen Zunahme des Verbrauchs gerechnet werden. Die Bundesregierung bleibt im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemüht, Entlastungsmaßnahmen wirksam werden zu lassen. Jeder Fachmann weiß, daß die Einlagerung von Schweinehälften sehr schwierig ist, da nach 6 Monaten eine Wälzung erforderlich wird und dies naturgemäß erhebliche Kosten verursacht. Die Bezüge von Schlachtschweinen aus der SBZ sind bereits stark eingeschränkt worden. In Anbetracht der schwierigen Situation wird eine weitere Einschränkung der Bezüge z. Z. geprüft. Auf meine Veranlassung ist die schwierige Marktlage am 8. dieses Monats mit allen beteiligten Wirtschaftskreisen beraten worden. Alle Gesprächspartner haben ihre entschiedene Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, während der nächsten Monate in fortlaufenden Aktionen gemeinsam mit dem Bundesernährungsministerium auf die günstigen Einkaufsmöglichkeiten hinzuweisen. Daneben wird die Einfuhr- und Vorratsstelle im Rahmen der normalen Wälzung der staatlichen Vorräte in den Monaten Februar bis Mai pro Woche etwa 4000 bis 5000 Schweine aufnehmen. Ferner sollen durch eine verstärkte Förderung des Exports Entlastungen auf dem Schweinemarkt herbeigeführt werden. Anlage 11 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 9. Februar 1968 auf die Mündliche Anfrage des Abgeordneten Josten (Drucksache V/2527 Frage 79) : In welcher Weise unterstützt die Bundesregierung die Aktion vieler Landkreise Ferien auf dem Land? Die Aktion Ferien auf dem Lande wird bisher seitens meines Hauses finanziell nicht gefördert. Dagegen wird von meinem Hause in Verbindung mit dem Land- und Hauswirtschaftlichen Auswertungs- und Informationsdienst, Bad Godesberg, eine intensive Beratung über Kostenkalkulationen und Feriengästebetreuung für diejenigen Bäuerinnen durchgeführt, die Fremdenzimmer an Feriengäste vermieten wollen. In den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen werden für die Einrichtung von Fremdenzimmern in Bauernhöfen Förderungsmittel aus dem jeweiligen Landeshaushalt bereitgestellt. Anlage 12 Schriftliche Antwort des Bundesministers Höcherl vom 5. Februar 1968 auf die Mündlichen Anfragen des Abgeordneten Baier (Drucksache V/2527 Fragen 82 und 83) : Wie beurteilt die Bundesregierung die Situation des deutschen Tabakbaues angesichts der Berichte über den Absatz der Inlandsernte 1967? Beabsichtigt die Bundesregierung im Interesse des deutschen Zigarrengutanbaues die ungleichen Marktverhältnisse gegenüber Italien und Frankreich durch geeignete Maßnahmen auszugleichen? Der Absatz der Tabakernte 1967 verlief sehr unbefriedigend. Nach dem abschließenden Bericht der Pflanzerorganisation wurde zwar die gesamte Ernte abgesetzt, die Preise lagen aber erheblich unter denen des Vorjahres. Die Absatzschwierigkeiten wurden zum Teil durch eine starke Bevorratung der Verarbeiter aus vorjährigen Ernten ausgelöst (insbesondere bei der Zigarettenindustrie). Auch qualitative Aspekte wurden von den Käufern für ihre geringere Kaufneigung genannt. Nicht zuletzt wirkten sich aber der stufenweise Zollabbau im Rahmen des GATT und der EWG und die Unsicherheit über eine zukünftige EWG-Regelung aus. Die Bundesregierung ist trotz der Schwierigkeiten, die in diesem Jahr sowohl bei Schneidegut- wie auch bei Zigarrenguttabaken bestanden, der Ansicht, daß eine Anbaufläche von rund 4000 ha den Marktbedürfnissen entspricht und erhalten werden sollte. Eine Ungleichheit der Marktverhältnisse gegenüber Frankreich und Italien ergibt sich daraus, daß in diesen beiden Ländern Monopole bestehen, die den Erzeugern vollen Absatz und günstige Preise sichern. Demgegenüber besteht in den anderen Mitgliedsländern der EWG ein freier Tabakmarkt. Diese Märkte wickeln sich aber unabhängig voneinander ab. An dem großen Importbedarf der deutschen tabakverarbeitenden Industrie haben italienische und französische Tabake keinen nennenswerten Anteil. Die Bundesregierung hat unter Beteiligung der drei Bundesländer, in denen der Anbau von Zigarrengut eine Rolle spielt, in den letzten Jahren Förderungsbeiträge zur Stützung des Zigarrengutabsatzes gezahlt. Sie hat die Absicht, sich an einer solchen Förderung auch für die Ernte 1967 zu beteiligen, wobei nach Ansicht der Bundesregierung die Förderungsbeiträge höher sein sollten als in den Vorjahren. Entsprechende Verhandlungen mit den genannten Ländern laufen. 8018 Deutscher Bundestag — 5. Wahlperiode — 155. Sitzung. Bonn, Dienstag, den 13. Februar 1968 Anlage 13 Schriftliche Antwort des Bundesministers Dr. Lauritzen vom 8. Februar 1968 auf die Mündliche Anfrage des Abgeordneten Jung (Drucksache V/2527 Frage 142) : In welcher Form berücksichtigt die Bundesregierung in ihrer Wohnungsbaupolitik das vom Städtebauinstitut bekanntgegebene Ergebnis einer Perspektivuntersuchung, wonach 1973 mehr als 45 % aller Zwei-Personenhaushalte in der Bundesrepublik Deutschland Rentnerhaushalte sein werden, bei den Ein-Personenhaushalten sogar 75 %? Der Bundesregierung ist bekannt, daß der Anteil der alten Menschen (65 Jahre und älter) an der Gesamtbevölkerung sehr schnell wächst. Im Jahre 1939 war nur jede 14. Person älter als 65 Jahre. 1965 traf das schon für jede 10. Person zu. Man rechnet damit, daß im Jahre 1970 jede 8. Person und 1975 sogar jede 7. Person 65 Jahre und älter sein wird. Diese Zahlen zeigen deutlich Umfang und Bedeutung des Problems. Die alten Menschen wohnten früher, als die Familien noch allgemein größer waren, bei ihren Kindern. Die kleine Familie von heute ist meist außerstande, die alten Menschen aufzunehmen und zu betreuen. Die Wohnbedürfnisse dieser alten Menschen werden durch den Bau von altengerechten Wohnungen und Wohnheimplätzen im allgemeinen sozialen Wohnungsbau berücksichtigt. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, daß diese Wohnungen im räumlichen Zusammenhang mit größeren Siedlungen — möglichst in zentraler Lage — errichtet werden. Den alten Menschen soll auf diese Weise der Kontakt mit der Umwelt erleichtert werden. Der Bund stellt für den Bau von altengerechten Wohnungen und Wohnheimplätzen zusätzliche Mittel nach Maßgabe der Richtlinien vom 23. 10. 1964 zur Verfügung. Der Bewilligungsrahmen für das laufende Jahr beträgt, wie schon in den Jahren 1966 und 1967, 40 Mio DM. Die mittelfristige Finanzplanung hält diesen Bewilligungsrahmen auch für die nächsten Jahre aufrecht. Der Bund hilft mit diesen zusätzlichen Bundesmitteln den Ländern nicht unbeachtlich bei der Lösung dieses Problems. Anlage 14 Schriftliche Antwort des Bundesministers Katzer vom 13. Februar 1968 auf die Mündliche Anfrage des Abgeordneten Bauer (Würzburg) (Drucksache V/2564 Frage 26) : Ansprüche auf Sozialversicherungsrenten können mit verbindlicher Wirkung regelmäßig nur bei Genehmigung 'des zuständigen Versicherungsamtes abgetreten werden. Wird die Genehmigung erteilt, so hat die Abtretung alle Wirkungen, die auch nach Bürgerlichem Recht einer wirksamen Abtretung zukommen; es kann insbesondere nur noch an den neuen Gläubiger geleistet werden. Solange das Versicherungsamt die Genehmigung nicht erteilt hat, ist die Abtretung unwirksam und eine Leistung an denjenigen, dem der Anspruch abgetreten werden sollte, scheidet aus. Diese Rechtslage steht in vollem Einklang mit den Grundsätzen des Bürgerlichen Rechts. Bei der Entscheidung über einen Antrag auf Genehmigung der Abtretung muß sich das Versicherungsamt vor allem vom wohlverstandenen Interesse des Berechtigten leiten lassen. Es muß dabei auch berücksichtigen, daß sich der Berechtigte möglicherweise der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzt, wenn er seine Rente ohne Genehmigung der zuständigen Stellen seines Landes abtritt. Nur eine solche Handhabung durch das Versicherungsamt kann dem Ziel dieser Bestimmungen, nämlich dem Schutz der Interessen des Versicherten, gerecht werden. Im übrigen lasse ich den konkreten Fall, der Anlaß zu Ihrer Anfrage, Herr Kollege Bauer, gegeben hat, gegenwärtig in meinem Hause prüfen. Über das Ergebnis dieser Prüfung werde ich Sie so schnell wie möglich schriftlich unterrichten.
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    Rede von Georg Leber


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

    Herr Präsident, meine Damen und Herren! Einige Wochen, nachdem ich mein Amt übernommen hatte, war mir klar, daß wir in der Lage, in der wir uns befanden, die Probleme unseres Verkehrswesens nicht mehr mit partikularen Lösungen bewältigen konnten. Die Bundesregierung hat mir dann auch bald nach der



    Bundesminister Leber
    Aufnahme ihrer Tätigkeit den Auftrag zur Vorlageeines alle Verkehrsträger umfassenden Programms gegeben. Wir waren uns bewußt, daß bei dem Viersuch einer Reform nicht nur erhebliche Allgemeininteressen im Spiele sind, sondern auch menschliche Schicksale und wirtschaftliche Existenzen berührt werden. Das verpflichtet zu Sorgfalt und zu gewissenhafter Überlegung.
    Das Programm ist nun seit September im Gespräch. Es hat die große Debatte der Verkehrsprobleme nicht nur in unserem Lande, sondern auch in Europa — das steht heute schon fest — nicht nur ausgelöst, es hat ihr auch neue Impulse gegeben. Bei der Bedeutung der Maßnahmen ist es nicht verwunderlich, daß die Auseinandersetzung auch mit Leidenschaft und mit dem finanziellen und organisatorischen Rückgrat großer und kampfkräftiger Gruppen geführt wird.
    Des Zusammenhanges wegen ist es sicher gut, wenn ich dem Hohen Haus einen kurzen Überblick über die Lage unseres Verkehrswesens gebe.
    Die Deutsche Bundesbahn hat von Jahr zu Jahr Verkehr verloren. Ihre Kapazität ist nicht ausgelastet. Viele Strecken erbringen nicht einmal einen Betrag, der die Hälfte der Kosten trägt. Die Gesamtschuldenlast betrug am 31. Dezember 1967 rund 18,5 Milliarden DM.
    Die Leistungen des Bundes an die Deutsche Bundesbahn stiegen von 882 Millionen DM 1960 auf 3095 Millionen DM im Jahre 1967. Die Ursachen für diese Entwicklung liegen in der Hauptsache erstens in den großen Strukturveränderungen unserer Wirtschaft. Die Deutsche Bundesbahn ist besonders von der Kohlenkrise betroffen und hat durch ihre eigenen Elektrifizierungsmaßnahmen subjektiv sogar dazu beigetragen. Zweitens ist die Entwicklung wesentlich begründet durch die Abwanderung vieler Leistungen auf den Lkw- und den Pkw-Verkehr auf der Straße.
    Demgegenüber hat der Straßenverkehr von Jahr zu Jahr zugenommen. Der Bestand an Personenkraftwagen stieg auf rund 11 Millionen, der Bestand an Lastkraftwagen stieg auf rund 900 000 Fahrzeuge.
    Wir haben unter den großen Nationen der Welt den Weltrekord an Unfällen und haben diesen Rekord auch 1967 wieder erhöht. Was das neben dem menschlichen Leid auch ökonomisch bedeutet —17 500 Unfalltote, 475 000 Körperschäden mit zum Teil schlimmen Folgen und 7 Milliarden DM Sachschaden pro Jahr, der durch diese Unfälle auf unseren Straßen hervorgerufen wird —, brauche ich dem Hohen Haus nicht besonders darzustellen.
    Ich vermag nicht zu glauben, daß eine solche schlimme Bilanz zuerst darin ihre Ursachen hat, daß unsere Autofahrer schlechter fahren, daß unsere Verkehrsregeln schlechter sind oder weniger beachtet werden als anderswo oder daß unsere Autos weniger gut konstruiert sind als die Kraftfahrzeuge in anderen Ländern. Was uns von anderen Ländern zuerst unterscheidet, ist die Tatsache, daß in der Bundesrepublik Deutschland über einen Kilometer Straße im Jahr rund 400 000 Fahrzeuge fahren, während sich z. B. in Frankreich nur 100 000 Fahrzeuge über die gleiche Straßenstrecke bewegen. Dabei hat die Bundesrepublik Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten neben den Vereinigten Staaten von Amerika an der Spitze aller Straßenbau treibenden Länder der Welt gelegen. Wenn man in Frankreich heute trotzdem von einer Verkehrsmisere spricht, ist das Wort „Notstand" im Verhältnis zu dem, was in Frankreich ist, zur Kennzeichnung unserer Situation sicher nicht unangemessen.
    Bei allen Vergleichen mit dem Ausland und bei aller Betrachtung unserer Maßnahmen vom Ausland her muß man diese typisch deutsche Situation, die es in keinem anderen Land so gibt, mit betrachten.
    Ich möchte das, was ich zur Lage zu sagen habe, so zusammenfassen:
    Wir leisten uns in der Bundesrepublik einen ausgesprochenen Verkehrsluxus. Auf der einen Seite haben wir leerstehende Eisenbahnkapazitäten mit hohen defizitären Auswirkungen, die durch Zuschüsse der öffentlichen Hand jährlich in Milliardengröße abgedeckt werden müssen. Auf der anderen Seite haben wir einen ständig wachsenden Güterverkehr auf unseren Straßen, der Straßenbaumaßnahmen ebenfalls in Milliardengröße auslöst, ohne daß eine Aussicht besteht, daß wir damit jemals das Problem der Ordnung auf unseren Straßen bewältigen können.
    Ich darf nun die von der Bundesregierung für notwendig erachteten, im einzelnen vorgeschlagenen Maßnahmen erläutern.
    Ein weiteres Abwarten ist angesichts der Ihnen allen bekannten Entwicklungen nicht mehr zu verantworten.

    (Beifall bei der SPD.)

    Dabei müssen wir den Güterverkehr der Eisenbahn, der Straße und der Binnenschiffahrt in seiner Problematik als eine Einheit ansehen.
    Zunächst zur Deutschen Bundesbahn. Solange die Eisenbahn nicht auf eine gesunde wirtschaftliche und finanzielle Basis gestellt ist, werden sich auf dem Binnenverkehrsmarkt geordnete Verkehrsverhältnisse nicht herausstellen. Deshalb muß einer der Schwerpunkte der zu treffenden Maßnahmen bei der Deutschen Bundesbahn liegen.
    Die Bundesregierung schlägt im einzelnen vor:
    Erstens. Bis zum Jahre 1972 wird der Personalbestand der Deutschen Bundesbahn im Vergleich zum 1. Januar 1967 um 82 000 Beschäftigte vermindert werden. Dies ist eine Zurückführung des Personalstandes, saldiert um 82 000 Personen; das heißt, in Wirklichkeit wird das, was von der Bundesbahn abzugehen hat, höher sein als 82 000, weil in den gleichen Jahren, in denen sich diese Entwicklung vollzieht, auch junge, auf die spezifischen künftigen Bedürfnisse der Bundesbahn geschulte Kräfte neu aufgenommen werden müssen. Das soll geschehen, ohne daß es zu Entlassungen kommt. Ich kann aber nicht verschweigen, daß es im Einzelfall zu Härten kommen wird und daß den Eisenbahnern Opfer zugemutet werden. Global wird die Verminderung



    Bundesminister Leber
    der Beschäftigtenzahl durch Nichtwiederbesetzung von Dienstposten, die durch Pensionierung oder Fluktuation frei werden, erreicht. Im einzelnen wird es nicht zu vermeiden sein, daß Tausenden von Beschäftigten Umsetzungen und Ortswechsel mit allen familiären Folgen zugemutet werden. Ich habe die Bundesbahn aufgefordert, bei personellen Umsetzungen Sozialpläne zu entwickeln, die mit den Personalvertretungen und den Gewerkschaften abgestimmt sind, damit auf diese Weise erreicht wird, daß soziale Härten soweit wie möglich vermieden werden.
    Die Deutsche Bundesbahn vollbringt den größten Teil ihrer Verkehrsleistungen heute auf elektrifizierten Strecken. Sie braucht also bei weitem nicht mehr alle Werkstätten, die einstmals Dampflokomotiven repariert haben. Das bedeutet, daß alle Werkstätten, die nicht mehr benötigt werden, geschlossen werden müssen.
    In der Verwaltung, in Direktionen und Ämtern sind einschneidende Maßnahmen zum Zwecke der Verringerung des Verwaltungsaufwands und der Rationalisierung erforderlich. Im Zuge einer Neueinteilung der Direktionsbereiche sollen daher von 16 Bundesbahndirektionen zunächst sechs geschlossen werden. Nach der mir vorliegenden Planung sind dies die Direktionen Augsburg, Regensburg, Mainz, Kassel, Wuppertal und Münster. Die beiden Bundesbahnzentralämter sollen zusammengelegt werden, wobei nach Auffassung der Deutschen Bundesbahn das Zentralamt Minden mit dem Zentralamt in München vereinigt wird. In diese Maßnahmen wird auch die Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn einbezogen werden.
    Neben dieser organisatorischen Konzentration soll das Netz der Deutschen Bundesbahn verkleinert werden. Auf rund 6500 km Schienenstrecke soll der Betrieb im Güter- und Personenverkehr entweder ganz oder teilweise eingestellt werden. Bei der Streckenstillegung wird das im Bundesbahngesetz vorgesehene Verfahren eingehalten.
    Im Zonenrandgebiet werden durch ein besonderes Vorgehen diejenigen Strecken ausgesondert, die, obwohl sie nie wirtschaftlich geworden sind, aus übergeordneten politischen Gründen aufrechterhalten werden müssen. Die Deutsche Bundesbahn erhält in diesen Fällen ohne den bürokratischen Vorgang der Vergangenheit die notwendigen finanziellen Ausgleichszahlungen.
    Es wird keine Strecke stillgelegt, die noch halbwegs wirtschaftlich ist. Es werden nur solche Strekken zur Stillegung vorgesehen, bei denen die Verladerschaft und die Fahrgäste selbst die Entscheidung schon heute dadurch getroffen haben, daß sie von der Bundesbahn abgewandert sind. Der Deutschen Bundesbahn verbleiben auf diesen Strecken nur spärliche Restverkehre, die ein mit hohen Kosten verbundenes Vorhalten von baulichen Anlagen, Material und menschlicher Arbeitskraft nicht länger rechtfertigen.
    Die Stillegung der Strecken vollzieht sich in drei Stufenplänen, die bis zum 31. Dezember 1968 entweder durchgeführt sind, oder für die die Stillegungsverfahren bis zu diesem Datum eingeleitet worden sind. Insgesamt sollen rund 3000 km Strekken im Reisezugverkehr und etwa 3500 km Strecken im Reisezug- und Güterverkehr stillgelegt werden. Zur Zeit sind davon bereits 1000 km stillgelegt. Leider handelt es sich dabei nicht nur um sogenannte Nebenstrecken; vielmehr sind in die Strekkenauswahl dabei auch schon verkehrsschwache Hauptstrecken miteinbezogen worden.
    Diese Maßnahmen schneiden tief in den Körper der Deutschen Bundesbahn ein. Ich bin mir bewußt, daß das, was ich hier ausspreche, eine Fülle von Veränderungen in den Lebens- und Arbeitsbedingungen, in den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten für zirka 20 000 Eisenbahner bedeutet. Ich muß alle Bediensteten der Deutschen Bundesbahn bitten zu verstehen, daß es sich nicht um eine leichtfertige und unüberlegte und vielleicht auch nicht nötige Entscheidung handelt, sondern um unabweisbare Erfordernisse, um die Deutsche Bundesbahn aus der Sackgasse, in die sie geraten ist, herauszubringen. Operationen sind nun einmal schmerzhaft, aber ohne sie gibt es keine Gesundung, auch keine Gesundung bei der Deutschen Bundesbahn.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Auf den Einwand, solche Pläne gebe es schon seit vielen Jahren und das seien zum Teil „olle Kamellen", kann ich vor dem Hohen Hause nur sagen: wenn vor fünf Jahren — oder wielange es solche Pläne gibt — solche Entscheidungen getroffen worden wären, wäre es wahrscheinlich weniger schmerzvoll gewesen, sie durchzuführen.

    (Beifall bei der SPD.)

    Solche Entscheidungen jetzt nicht treffen, heißt nicht, sie endgültig vermeiden, denn in wenigen Jahren würden sie dann unter noch viel schwieriger gewordenen Bedingungen getroffen werden müssen. Wer die Einsicht zum Handeln an diesem Punkt jetzt nicht aufbringt, riskiert eines Tages in einer unabweisbar gewordenen Lage schwarze Fahnen auf Bahnhöfen und Dienststellen unserer Eisenbahnen. Dafür gibt es Vorbilder in diesem Lande.
    Ich möchte aber nicht nur bei den Eisenbahnern, sondern ebenso nachdrücklich bei den Mitgliedern dieses Hohen Hauses, bei allen Landesregierungen und Parlamenten und bei allen Behörden um Verständnis bitten. Ich möchte Sie um aktive Mithilfe und um aktives Zusammenwirken bei der Lösung dieser Probleme bitten. Wir kommen nicht damit weiter, daß man allgemein eine Korrektur an der Deutschen Bundesbahn fordert, aber im Konkreten das, was in der eigenen Stadt, im eigenen Wahlkreis vor sich gehen soll und was das eigene Land betrifft, ablehnt und bekämpft.

    (Beifall.)

    Wenn die Eisenbahn wirtschaftlicher werden soll, muß sie sich entsprechend den veränderten Bedingungen den wirtschaftlich veränderten Tatbeständen anpassen können.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)




    Bundesminister Leber
    Ich sage das nicht allgemein, sondern aus dem Erleben der letzten Monate.
    Die letzte Strecke, für die ich vor ein paar Tagen die Genehmigung zur Stillegung gegeben habe, ist 20 km lang. Die Aufwendungen der Deutschen Bundesbahn für den Betrieb dieser Strecke betragen pro Tag 2000 DM. Die zuständige Landesregierung hat ihre Zustimmung nicht erteilt. Auf der Strecke werden in Kleinwaggons 5,6 Wagenladungen pro Tag gefahren, zum Teil Tonerde und ähnliche Produkte. Wenn ich den Wert dieser Wagenladungen ins Verhältnis setze zu den Zuschüssen der Deutschen Bundesbahn für das Fahren dieser Güter, dann habe ich den Eindruck, daß die Zuschüsse zum Teil höher sind als der Warenwert, der befördert wird.

    (Hört! Hört! in der Mitte.)

    Die Landesregierung hat nicht zugestimmt. Sie wird es daher auch leichter haben, wenn die lokale Kritik kommt, und sie wird nach Bonn zeigen können. Ich bin aber sicher, daß die gleiche Landesregierung genauso handeln würde wie die Bundesregierung und genauso handeln müßte, wie wir es tun, wenn das Defizit für den Weiterbetrieb einer so unwirtschaftlich gewordenen Strecke von dieser Landesregierung getragen werden müßte.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Ich sage das nicht mit kritischem Unterton, sondern verbunden mit der Bitte, daß wir uns bei der Lösung dieser schweren Aufgabe das Leben nicht schwer machen, sondern uns gemeinsam dabei etwas
    helfen.
    Die Deutsche Bundesbahn wird gleichzeitig ihr Leistungsangebot in kommerzieller, betrieblicher und technischer Beziehung nachhaltig verbessern. In der Auseinandersetzung um das Programm ist von manchen Seiten bewußt die Skepsis verbreitet worden, die Eisenbahn sei zu unmodern und zu unbeweglich, um die ihr zugedachten Aufgaben meistern zu können. Diejenigen, die das behaupten, dürfen dabei aber nicht übersehen, daß dieses Unternehmen durch seine hohen Modernisierungsinvestitionen in den letzten Jahren ein Leistungsangebot entwickelt hat, das an der Spitze aller europäischen Eisenbahnen steht.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Die Deutsche Bundesbahn hat sich damit meiner Auffassung nach eine relativ gute Ausgangsbasis für die weiteren Anpassungsvorgänge an die Strukturveränderungen in Wirtschaft und Verkehr geschaffen. Das erfolgt alles unter der Formel: Die Eisenbahn muß wirtschaftlicher werden; die Eisenbahn muß sich in einer Richtung entwickeln, in der sie ein nach modernen unternehmerischen Grundsätzen geführtes großes Wirtschaftsunternehmen wird.
    An diesem Punkte wird mir immer die Frage gestellt, ob man glauben und hoffen könne, daß diese Eisenbahn mit mehr als 200 000 Beamten eine solche Entwicklung an sich selbst bewirken und zu Ende führen könne. Ich möchte hier über diesen Punkt vor dem Hohen Hause ganz offen meine Meinung sagen. Ich bin der Überzeugung, daß die Eisenbahn es fertigbringt, und vertraue darauf, daß sie es zustande bringt.
    Ich habe über diesen Punkt aber auch kürzlich vor den hohen Beamten der Deutschen Bundesbahn in Frankfurt gesprochen. Ich habe den Herren gesagt, wie ich . mir die Rolle beispielsweise eines Ministerialrats in der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn vorstelle. Er hat nicht ein Unternehmen zu verwalten, wie das üblicherweise zu dem Charakteristikum einer Beamtentätigkeit gehört, sondern ich bin der Auffassung und habe das dort auch zum Ausdruck gebracht: ein Ministerialrat in der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn hat etwa die Rolle eines Prokuristen in einem großen Wirtschaftsunternehmen.

    (Beifall bei den Regierungsparteien und bei Abgeordneten der FDP. — Zuruf von der CDU/CSU.)

    Im Vorzimmer eines so hohen Beamten wird künftig kein Besucher sitzen, der mit zitternden Knien darauf wartet, vorgelassen zu werden, sondern im Vorzimmer dieses Beamten sitzt ein Kunde, auf den man zugehen muß so wie ein Unternehmer, der sich mit einem Geschäftspartner verständigen will.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Ich habe den Herren gesagt — und weiß, daß sie dabei sind, sich entsprechend zu verhalten —: Alle Führungskräfte der Eisenbahn und auch alle Beamten der Deutschen Bundesbahn haben sich nicht nur während des Dienstes, sondern vorher schon,. ehe sie ihn antreten, und nach Feierabend noch darüber Gedanken zu machen, wie ihre Firma Geld verdient. Das ist die Formel, mit der die Eisenbahn an ihre Tätigkeit herangehen soll.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Dazu gehören eine ganze Reihe von Voraussetzungen. Hierzu gehören die Einrichtungen von Generalvertretungen, die sich in erster Linie der Kundenwerbung und der Kundenbetreuung zu widmen haben. Dies erfolgt unter dem Motto: Heraus aus den Bahnhöfen und heraus aus den Ämtern, in Zivilanzügen unter die Bevölkerung dort, wo die Kundschaft sitzt, und mit ihnen sprechen und um Leistungen für die Bundesbahn werben!
    Dazu gehört eine verbesserte kaufmännische Ausbildung, vor allem der in der Werbung und im Verkauf tätigen Mitarbeiter des Unternehmens. In fünf Tagen beginnt das erste Seminar einer Verkaufsleiterakademie, in der sonst die Verkaufsleiter der Wirtschaft geschult werden. Die Bundesbahn hat das für viele Monate gemietet und wird dort ihr Verkaufspersonal künftig nach den Regeln, hinter denen Erfahrung steht, auch schulen.

    (Zurufe von. der CDU/CSU: Das wird Zeit! — Sehr notwendig!)

    Hierzu gehört eine verstärkte Förderung des Gleisanschlußverkehrs, insbesondere im Rahmen der Erschließung neuer Industriegebiete. Dies ist regionalpolitisch erforderlich.




    Bundesminister Leber
    Hierzu gehört eine Umrüstung und der Ausbau des Wagenparks und der Anlagen auf die Anforderungen des kombinierten Verkehrs.
    Die intensive Förderung des kombinierten Verkehrs ist auch im Hinblick auf die den Straßengüterfernverkehr beschränkenden Maßnahmen von besonderer Bedeutung, um der verladenden Wirtschaft mindestens gleichwertige Verkehrsdienste anbieten zu können.
    Seit einigen Tagen verbindet ein Container-Schnellgüterzug die deutschen Seehäfen Bremen und Hamburg mit den ersten Inland-Terminals in Frankfurt am Main, Ludwigsburg bei Stuttgart und Mannheim. Dieses ist nur ein erster Anfang.
    Im Investitionsplan 1968 hat die Deutsche Bundesbahn rund 200 Millionen DM für die Beschaffung von Universal-Tragwagen und Großbehältern sowie für die Errichtung der nächsten Container-Terminals in Basel, München und Nürnberg eingesetzt. Im Endzustand ist an 100 bis 150 solcher Terminals gedacht. Die Investitionsraten werden in den nächsten Jahren entsprechend dem Bedarf für diese Zwecke erheblich steigen.
    Außerdem sind 25 Umschlagplätze für den kombinierten Verkehr — das sind Containerverkehr, Wechselpritschen und Huckepackfahrzeuge — vorgesehen, die voraussichtlich im Jahre 1968 in Betrieb genommen werden, und zwar in den Städten Augsburg, Braunschweig, Bremen, Dortmund/ Bochum, Düsseldorf, Essen, Fulda, Gießen, Göppingen, Göttingen, Hagen, Hamburg, Hannover, Ingolstadt, Karlsruhe, Kassel, Köln, Lübeck, Neuwied, Osnabrück, Regensburg, Saarbrücken, Siegen, Wuppertal und Würzburg.
    Die Deutsche Bundesbahn muß sich durch wirksame kaufmännische Anreize und stärkere Bereitschaft zur Kooperation mit dem Straßenverkehrsgewerbe intensiver als bisher in den Großcontainerverkehr einschalten. Daneben wird auch der Huckepack- und der Palettenverkehr weiter auszubauen sein; dem Werkfernverkehr werden im Huckepackverkehr die gleichen Bedingungen einzuräumen sein wie dem gewerblichen Güterfernverkehr. Im ganzen kommt den verschiedenen Formen des kombinierten Verkehrs Schiene/ Straße eine zentrale Bedeutung zu. Sie sind geeignet, Straßenferntransporte ohne staatliche Zwangsmittel über die weite Strecke auf die Schiene zu bringen. Wesentlich in diesem Zusammenhang ist, daß die Deutsche Bundesbahn im kombinierten Verkehr Schiene /Straße die HausHaus-Beförderung in keinem Fall teurer als im reinen Straßenverkehr vornehmen wird. Eine schonende Beförderung der Waren während des Schienentransports kann durch Einsatz von Containertragwagen mit Stoßdämpfereinrichtung gewährleistet werden.
    Ich möchte Ihnen ein Beispiel aufzeigen für das, was hier gemeint ist: Da fährt von Düsseldorf bis nach München in jeder Woche eine Kolonne von zehn bis zwölf Fernlastzügen täglich, von einem Unternehmer betrieben. Das Ziel, das wir uns nun setzen, lautet, diese zwölf Lastzüge, die jeden Tag von Düsseldorf nach München fahren, nicht über die Straße laufen zu lassen, sondern eine Möglichkeit zu entwickeln, daß sie über die weite Strecke von der Eisenbahn gefahren werden können. Hinzu kommt ein zweites Ziel, nämlich neben der Entlastung der Straßen um diesen Verkehr und der Zuführung dieser Beförderungsleistung an die Deutsche Bundesbahn auch die wirtschaftliche Existenz des betreffenden Fuhrunternehmers zu sichern. Das gelingt dadurch, daß dieser Fuhrunternehmer, der seinen Kontrakt mit seinem Verlader hat, auch künftig der Frachtführer bleibt. Er bleibt der Auftragnehmer des Verladers. Er erhält seinen Tarif vergütet, der nach dem Reichskraftwagentarif auch bisher an ihn vergütet worden ist. Er bringt nun seine Güter, seine Sendung, in Containern im Nahverkehr auf die Schiene. Die Eisenbahn befördert diese Güter nach München. Dort gehen sie im Nahverkehr von der Schiene herunter bis zum Empfänger. Dieser Umladevorgang — das ist jetzt durchexperimentiert — dauert mit den modernen Geräten, die vorhanden sind, etwa drei bis dreieinhalb Minuten. Es ist also keine Zeitverzögerung. Und was wesentlich ist, das ist die Tatsache: Die Deutsche Bundesbahn berechnet diesem Fuhrunternehmer, der die Container auf die Schiene bringt und nicht einen, sondern 40, 50 am Tag von ihr befördern läßt, durch die Zusammenpoolung einen Preis, der identisch ist mit den Selbstkosten, die der Fuhrunternehmer hätte, wenn er mit seinem Lastzug bei Nacht und Nebel oder am Tage über die Straßen fahren würde. Die Eisenbahn muß dabei trotzdem noch einen Gewinn machen, weil sie nicht mit einem Container über die Schiene fährt, sondern 40 oder 50 Container mit einer Kraft nach München bewegt. Aus der Differenz zwischen dem, was der Fuhrunternehmer bei der Eisenbahn zu bezahlen hat, und dem Tarif, den er nach wie vor seinem Verlader berechnet, bleibt die Gewinnspanne für ihn, die er auch bisher hatte, wenn er mit Glück nach München gefahren ist. Die ganze Geschichte wird nur viel bequemer, auch für ihn. Seine unternehmerische Existenz bleibt dabei voll gesichert.
    Zur Durchführung dieser notwendigen Modernisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen hat die Deutsche Bundesbahn für die Jahre 1968 bis 1972 einen Investionsplan mit einem Volumen von jährlich 2,55 Milliarden DM aufgestellt. Die Finanzierung dieses Investitionsplans wird erfolgen durch Leistungen des Bundes im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung, jährliche Abschreibungen der Deutschen Bundesbahn in Höhe von 1,4 bis 1,5 Milliarden DM und bis zu 500 Millionen DM Anleihen, die von der Deutschen Bundesbahn auch künftig jährlich aufzunehmen sind.
    Ich habe den Vorstand der Deutschen Bundesbahn bereits am 16. November vergangenen Jahres aufgefordert, unverzüglich die Planungen und Arbeiten aufzunehmen, die erforderlich sind, um die Zielsetzungen des Programms für den Bereich der Deutschen Bundesbahn zu verwirklichen. Die am Programm geübte Kritik, die Bundesregierung habe sich gegenüber der Eisenbahn mit unverbindlichen Ab-



    Bundesminister Leber
    sichtserklärungen begnügt, trifft daher in keiner Weise zu.
    Alle Maßnahmen in den verschiedenen Sachbereichen des Unternehmens, die hier nicht in den Einzelheiten aufgeführt werden können, sind im Zusammenhang zu sehen und werden im Ergebnis zu einer Grundkonzeption für die Eisenbahn der Zukunft, für die Eisenbahn des Jahres 1980 oder des Jahres 2000 führen.
    In der Auseinandersetzung der letzten Monate ist der Bundesregierung vorgehalten worden, diese Maßnahmen reichten nicht aus; bei der Bahn müsse mehr geschehen, um sie den veränderten Strukturen anzupassen. Wir haben uns aus diesem Grunde, weil wir diese Anregung aus der Öffentlichkeit ernst genommen haben, hypothetisch mit solchen Zielvorstellungen auseinandergesetzt. Was würde geschehen, wenn man bei der Eisenbahn mehr reduzierte?
    Da gibt es die erste Überlegung: Die Deutsche Bundesbahn verkleinert ihr Netz noch weiter als vorgesehen und zieht sich auf die jetzt noch rentablen Strecken und Dienste zurück. Das würde wahrscheinlich ein Privatunternehmer tun. Das würde die Stillegung von weiteren ca. 6000 bis 8000 km Eisenbahnstrecke über das jetzige Stillegungsprogramm hinaus bedeuten. Praktisch, meine Damen und Herren, gäbe es Bahnhöfe dann nur noch in Städten über 20 000 Einwohner. Das würde bedeuten, daß sie z. B. den unrentablen Stückgutverkehr aufgeben würde.
    Die Folgen wären:
    Erstens. Damit würden die Nebenflüsse, die die Leistungen zum den Hauptströmen des Verkehrs bringen, trockengelegt, was nicht ohne Folgen auch für die Wirtschaftlichkeit der Hauptstrecken der Eisenbahn wäre.
    Zweitens. Ich habe erhebliche Zweifel, ob es politisch durchsetzbar wäre, das Netz der Deutschen Bundesbahn praktisch auf die Hälfte zu reduzieren. Es müßte mit erheblichem Widerstand aus der Bevölkerung, die auf die Eisenbahn angewiesen ist — denn nicht alle haben Personenkraftwagen —, und mit Widerstand aus der Wirtschaft, von seiten der Länder, des Verteidigungsministeriums, der Regional- und Strukturpolitiker und vieler anderer Gegenkräfte gerechnet werden.
    Drittens. Ich habe erhebliche Zweifel, ob eine so verkleinerte Eisenbahn dann im zurückgeschnittenen Zustand rentabel bliebe. Ich bezweifle, daß die Bahn nach einer solchen Selbstverstümmelung eine Chance hätte, jemals rentabel zu werden. Ein Arzt, der zuviel amputiert, amputiert damit auch die Chance, daß sich der Operierte jemals wieder selbst aus eigener Kraft erhalten kann.

    (Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten der CDU/CSU.)

    Der in Verkehrssachen bekannte Professor Predöhl hat zu dem Problem, ob man eine Eisenbahn braucht, kürzlich ausgeführt: Erstens. Der Kraftwagen kann die Eisenbahn niemals ersetzen. Also darf er sie auch nicht so stark schädigen, daß sie zur Erfüllung ihrer unentbehrlichen Funktionen in Wirtschaft und Gesellschaft unfähig oder zum dauernden Zuschußbetrieb wird. Zweitens. Die Ordnung des Verhältnisses von Eisenbahn und Kraftwagen kann niemals nach dem einen oder anderen Prinzip vor sich gehen. Eine Lösung kann nur in einem für alle Beteiligten gesunden Kompromiß bestehen.
    Der zweite Gedanke dieser Hypothese lautet — und auch das ist konkret vorgeschlagen; es liegen dem Hause solche Vorstellungen vor —: Die Deutsche Bundesbahn muß über eine Aufstockung ihres Eigenkapitals die Möglichkeit zu zusätzlichen Investitionen erhalten, um auf diese Weise wettbewerbsfähig zu werden. Das heißt praktisch, mit zusätzlichen Geldern des Staates die Bahn so wettbewerbsfähig zu machen, daß die Güter von der Straße auf die Schiene zieht und so stark wird, daß sie mit ihrer verbesserten Wettbewerbsposition alle anderen Faktoren, die gegen sie wirken, überspielen kann.
    Die Verwirklichung dieser Vorstellung würde erstens bedeuten, daß die Eisenbahn ihre Kosten durch höheren Kapitaleinsatz um etwa 8 bis 10% senken könnte. Sie würde von einem lohnintensiven zu einem kapitalintensiven Unternehmen, — eine an sich begrüßenswerte Entwicklung.
    Zweitens: Als Voraussetzung dazu wären viele Milliarden zusätzlich nötig. Damit würden aber ca. 100 000 Eisenbahner durch technische Apparaturen abgelöst. Das scheitert schon daran, daß der Bund im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung nicht dazu in der Lage ist. Die Mittel müßten außerdem zunächst ohne Zinserwartungen gegeben werden. Fremdmittel scheiden aus.
    Drittens: Auch in diesem Falle wären als Folge weitere Korrekturen am Streckennetz notwendig, was aus den Gründen, die ich schon dargelegt habe, nicht unbedenklich wäre.
    In beiden Fällen müßte mit zusätzlichen Lastkraftwagen auf der Straße, nicht nur im Schienenersatzverkehr, sondern auch auf weiten Strecken gerechnet werden; denn das, was von den Strecken auf den Lkw käme, die nun zusätzlich stillgelegt würden, würde auch nachher nicht den Hauptströmen der Eisenbahn zufließen, sondern zum großen Teil auf der Straße bleiben.
    Beide Möglichkeiten, eine halbe Demontage der Bundesbahn und eine schneller herbeigeführte Kapitalintensität, scheiden also aus.
    Es wäre auch völlig unmöglich, innerhalb der gesetzten Fünfjahresfrist zusätzlich zu den vorgesehenen 82 000 Bediensteten noch einmal 100 000 durch Entlassungen und vorzeitige Pensionierung einzusparen. Abgesehen von den Schwierigkeiten, Beamte vorzeitig zu pensionieren, wären erhebliche volkswirtschaftliche Schäden die Folge. Es ist nicht damit zu rechnen, daß diese zusätzlich freizusetzenden 100 000 Bediensteten in nennenswertem Umfang anderweitig beschäftigt werden könnten. Der Bund müßte daher in allen Fällen auch eine Antwort auf die Frage geben, wer die Pensionslasten für 100 000



    Bundesminister Leber
    zusätzlich aus den Eisenbahndiensten ausscheidende Beamte, Angestellte und Arbeiter zu tragen hätte. Das würde Lohnfortzahlungs- oder Pensionskosten auslösen, die meiner Schätzung nach — es ist nicht exakt — 700 Millionen bis 1 Milliarde DM im Jahr wahrscheinlich ausmachen würden. Wenn man diese Kosten der Bahn auflastete, wäre das eine weitere Quelle für Unwirtschaftlichkeit, und trotz höheren Kapitaleinsatzes würde die Bahn dadurch nie auf die Beine kommen.
    Aus diesen Gründen hat die Bundesregierung in ihrem Programm eine Linie verzeichnet, die so ist: Angemessener Rückzug der Eisenbahn aus der Fläche — das sind etwa 20 °/o des jetzigen Netzes —, Verringerung des Personalbestandes um 20 % plus Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen der vorhandenen und verfügbaren Mittel einschließlich Maßnahmen zur Änderung im inneren Gefüge der Eisenbahn.
    Meine Damen und Herren, gestatten Sie, daß ich an dieser Stelle folgendes feststelle. Ich weiß, das tut alles weh, nachdem ich die Prozentzahlen genannt habe, um die die Eisenbahn reduziert werden wird, daß dies für Zehntausende von Menschen die Auflage bedeutet, ihre häusliche Umgebung zu verlassen und an einer anderen Stelle bei der Eisenbahn ihre Tätigkeit aufzunehmen. Wenn die Bundesregierung mit Zustimmung des Parlaments Zehntausenden von Eisenbahnern zumutet, sich anderswo eine Tätigkeit zu suchen, und sie aus ihren persönlichen Strukturen herauslöst, und ihnen das zumutet, dann muß diese Regierung und dann muß auch der Bundestag am Ende die Bereitschaft aufbringen, 8000 oder 10 000 Fuhrunternehmern, die jetzt Fernverkehr betreiben, zuzumuten, sich auch auf etwas Zusammenarbeit mit der Eisenbahn einzustellen. Ich meine, das wäre nicht zuviel verlangt.

    (Beifall bei der SPD und bei Abgeordneten der CDU/CSU.)

    Nicht nur in unserem Lande, sondern auch bei unseren europäischen Partnern hat sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, daß der Eisenbahnkrise mit betriebsinternen Maßnahmen allein ohne komplementäre Maßnahmen beim Straßenverkehr nicht beizukommen ist. Die Engländer haben ihr Streckennetz in den letzten Jahren um mehr als 25 % reduziert und sind dabei, es noch einmal um 25% zu reduzieren, also auf 50% des Standes zu kommen, den die englischen Eisenbahnen nach dem Kriege hatten. Das Netz war genauso groß wie das der Bundesrepublik. England hat die gleiche Formation wie die Bundesrepublik, es hatte ein Streckennetz, das dem unserer Eisenbahn ähnelte, hatte genauso viele Bahnhöfe wie die Deutsche Bundesbahn, hatte eine ähnliche Personalstärke wie die Deutsche Bundesbahn. Und obwohl die Engländer diese Maßnahmen am Körper der englischen Eisenbahn durchgeführt haben, ist das Defizit heute genauso groß wie das der Deutschen Bundesbahn auch. Dies ist ein Beweis dafür, daß man mit Maßnahmen nur am Körper der Deutschen Bundesbahn, nur am Körper einer Eisenbahn nicht weiterkommt.
    Ich will Ihnen der Zeit wegen das holländische Modell nicht darstellen. Es ist genauso verlaufen wie das englische, und auch das deutsche wird nicht anders verlaufen. Das heißt: Alle Maßnahmen, die die Eisenbahn betreffen, bleiben bei dem Spielraum, der dort ist, erfolglos, wenn sie nicht durch Maßnahmen auf der Straße ergänzt werden. Im Ausland wird das zur Zeit nur noch nicht so offen ausgesprochen. Aus dieser realistischen Einsicht haben wir uns zu ergänzenden verkehrspolitischen Schritten entschließen müssen. Wir müssen durch eine Eindämmung des Straßengüterfernverkehrs, insbesondere des Werkfernverkehrs, den Wettbewerb zwischen Schiene und Straße auf eine andere Basis bringen und gleichzeitig Verkehrsfluß und auch Verkehrssicherheit auf unseren Fernstraßen erhöhen.
    Ich komme zum Straßengüterverkehr.
    Mit Einführung der Mehrwertsteuer ist am 31. Dezember 1967 die bisherige erhöhte Beförderungsteuer für den Werkfernverkehr weggefallen. Dies bedeutet, daß die Kosten des Werkfernverkehrs im Durchschnitt um 20 % sinken. Über diese Zahl sollte man nicht streiten; sie ist selbst von den Verbänden und von den Werkverkehr treibenden Unternehmen in den letzten Jahren, als es noch kein verkehrspolitisches Programm gab, immer wieder öffentlich dargestellt und behauptet worden. Bei großen Fahrzeugeinheiten ist die Kostenminderung etwas größer, bei Schnellastwagen etwas kleiner. Eine Kostenminderung in diesem Umfange, wenn diese drei Pfennige, die bis zum 31. Dezember gegolten haben, ersatzlos fortfallen, würde zu einer erheblichen Ausdehnung des Werkfernverkehrs führen. Wenn dies bisher — sie sind seit dem 31. Dezember schon fortgefallen — noch nicht geschehen ist, so ist das in der Hauptsache auf die Ankündigungswirkung der neuen Steuer für den Straßengüterfernverkehr zurückzuführen. Wir wissen, daß die entsprechenden Dispositionen schon im Gange waren und daß im Verlaufe der Automobilausstellung, als durchsickerte, die Regierung plane im Programm eine Fortsetzung dieser Beförderungsteuer, schongetätigte Bestellungen wieder annulliert worden sind.
    In Anzeigenkampagnen ist mir vorgehalten worden, das sei doch gar nichts — es steht auch heute wieder in einer sehr verbreiteten, aber sonst gar nicht so teuren Zeitung —,

    (Heiterkeit bei der SPD)

    nur 10 000 Fernlastzüge von den Straßen zu bringen. Dazu, meine Damen und Herren, habe ich zu sagen: zuerst geht es darum, zu verhindern, daß als Folge des Fortfalls der Beförderungsteuer eine Welle neuer Lastzüge auf unsere Straßen kommt.

    (Beifall bei der SPD.)

    Seit der Senkung dieser Beförderungsteuer von 5 auf 3 Pfennige hat sich der Werkverkehr erheblich vermehrt. Er würde sich bei einem Fortfall der verbliebenen 3 Pfennig noch einmal stark vermehren; denn der Fortfall der 3 Pfennige je Tonnenkilometer bedeutet eine Kostensenkung von 20%. Ein Anwachsen des Werkverkehrs auf den Straßen würde alle Maßnahmen bei der Deutschen Bundesbahn rückwirkend wieder zunichte machen, die Straßen



    Bundesminister Leber
    würden um einige zehntausend Lastzüge zusätzlich belastet. Das erste Ziel muß also sein, eine weitere Vermehrung des schweren Güterfernverkehrs auf unseren Straßen zu verhindern.

    (Beifall bei der SPD.)

    Wir haben eine weitere Ausnahme statuiert, die sehr umstritten ist: Um Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der deutschen Seehäfen zu vermeiden, soll auch der grenzüberschreitende Güternahverkehr für den deutschen Streckenabschnitt der Steuer unterliegen, weil er hinter der Grenze auf dem Weg in ausländische Häfen zum Fernverkehr wird. Außerdem ist für Import- und Exportverkehre von und zu den deutschen Seehäfen eine Steuerfreizone von 170 km festgelegt worden. Zu der Frage: warum 170 km und warum die Besteuerung des Nahverkehrs bis an die Grenze? möchte ich hier ohne Umschweife sagen: Diese 170 km sind die Strecke von Rotterdam bis nach Kaldenkirchen, auf die die Steuer auch nicht gilt. Sie ist eingeführt worden, um nicht durch die Maßnahmen, die zur Ordnung des deutschen Verkehrs nötig sind, eine zusätzliche Diskriminierung der Position unserer Häfen im Verhältnis zu anderen Häfen, vor allen Dingen in den BeneluxLändern, zu schaffen.

    (Beifall bei der SPD.)

    Als zweite Maßnahme zur Beschränkung des Straßengüterfernverkehrs ist in der Ihnen vorliegenden Novelle zur Änderung des Güterkraftverkehrgesetzes für bestimmte Massen- und Schwergüter im Fernverkehr ein Beförderungsverbot über die Nahzone hinaus vorgesehen. Dieses Verbot soll am 1. Juli 1970 in Kraft .treten. Diese relativ lange Übergangszeit ist notwendig, damit sich die Verkehrsunternehmer und die verladende Wirtschaft auf die veränderte Situation einstellen können. Bis dahin wird auch die Deutsche Bundesbahn ihr Leistungsangebot im kombinierten Verkehr so weit verbessert haben, daß diese Transporte für die weiten Entfernungen auf die Schiene übergehen können und nur im Zu- und Ablauf auf der Straße befördert werden müssen.
    Dieses Beförderungsverbot, diese Verbotsliste ist naturgemäß in der öffentlichen Diskussion am heftigsten umstritten gewesen. Ich bin der Auffassung, bei der Situation auf unseren Straßen — ich theoretisiere jetzt nicht, sondern das habe ich selbst beobachtet und weiß das auch statistisch nachzuweisen — ist es nicht nötig und auch volkswirtchaftlich nicht sinnvoll, Blockmarmor von Carrara durch Oberitalien, durch die Schweiz und durch die ganze Bundesrepublik auf Lastwagen nach .Holland zu fahren, mit einem Tempo von ungefähr 20 bis 30 km/h.

    (Beifall bei der SPD.)

    Bei dieser Situation, in der unsere Straßen sind, ist es meines Erachtens auch nicht nötig, Stammholz, das in Österreich oder der Tschechoslowakei gekauft wird, bis an die Grenze auf Eisenbahnwagen zu fahren, es an der ersten deutschen Grenzstation auf Lastwagen umzuladen und es dann nach Norddeutschland zu fahren, um es dort auf Sägewerksplätzen abzuladen, bis man es nach sechs Monaten, weil es dann getrocknet ist, verschneiden kann.

    (Abg. Dr. Müller-Hermann: Miserable Tarifpolitik! — Zuruf von der CDU/CSU: Darüber kann man streiten!)

    — Ja, darüber kann man streiten. Ich sage Ihnen nur: Bei der Situation, in der unsere Straßen sind, sind solche Verkehre erstens betriebswirtschaftlich nicht nötig, und sie sind zweitens ein volkswirtschaftlicher Unfug, denn wir wissen nicht, wo wil das Geld hernehmen sollen, um die Zerstörungen zu beseitigen, die von diesen Fahrzeugen ausgehen.

    (Lebhafter Beifall bei der SPD.)

    Ich sage Ihnen auch eines — das Haus ist ja frei, wie es entscheiden will —: Wir haben von Karlsruhe oder vom Rhein bis nach Stuttgart, bis nach Plochingen mit Hunderten von Millionen einen Kanal gebaut, und jeder, der die Strecke von Karlsruhe bis Stuttgart fährt, fährt hinter Lastzügen her, die Rheinkies und Rheinsand aus dem Rheinbett holen und nach Stuttgart fahren, mit Wassertropfen, die im Winter zu Eisflächen werden, mit den sich daraus entwickelnden Unfallgefahren. Der Kies wird viel billiger vom Rhein über den Kanal nach Plochingen gefahren und dort mit modernen Aufladegeräten im Nahverkehr auf die Baustellen gebracht.

    (Beifall bei der SPD.)

    Außerdem ist das volkswirtschaftlich vernünftiger. — Das ist die Begründung für die Verbotsliste.
    Diese Verbotsliste ist nun heftig umstritten. Es gibt zwei Einwände dagegen.
    In der Hauptsache und vor allem wird behauptet: Diese Verbotsliste bringt nichts ein, es bleibt sowieso viel Gut auf der Straße. Ich möchte dazu sagen: Erstens ist die Verbotsliste das wirksamste Mittel, solche Güter, die nicht zwingend auf der Straße sein müssen, von der Straße wegzubringen; das ist das erste Ziel. Zweitens wird auf diese Weise auch Leistungsangebot auf die Eisenbahn zukommen, und sie hat es bitter nötig, denn sie braucht von der öffentlichen Hand Geld zum Ausgleich ihres Defizits. Drittens ist diese Verbotsliste ein Respektsfaktor, der alle Beteiligten, auch den Güterferverkehr, dazu anhält, sich vernünftig mit der Eisenbahn an den Tisch zu setzen und darüber zu sprechen, ob man nicht doch im kombinierten Verkehr — Nahverkehr auf der Straße, Fernverkehr über die Schiene — eine bessere Lösung findet, die dann auch im Interesse des Allgemeinwohls vernünftig ist.
    Es wird gesagt, dieser Entlastungseffekt für die Straße sei nicht groß. Wir haben das durch unabhängige Leute untersuchen lassen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat mir gestern das Ergebnis seiner Analyse zugeschickt.
    Aus dem Gutachten des Instituts können folgende Schlußfolgerungen gezogen werden: Der Entlastungseffekt des Beförderungsverbotes beträgt unter den Bedingungen des Jahres 1966 9 % des gesamten Pkw-Verkehrs. Dies bedeutet, daß der Pkw-Verkehr etwa eineinhalb Jahre mit der gleichen Wachstumsrate wie im vergangenen Jahr ohne zusätzliche



    Bundesminister Leber
    Investitionen in Straßenbauten rechnen kann, ohne daß sich die Verkehrsverhältnisse von heute wieder verschlechtern.
    Dies ist eine ungeheuer wichtige Situation, die wir sehen müssen, meine Damen und Herren. Wir müssen, wenn unsere Wirtschaft wieder Tritt faßt, als Ausfluß einer normalen Wirtschaftstätigkeit damit rechnen, daß wir im Jahre 1980 20 Millionen Personenkraftwagen statt gegenwärtig 11 Millionen auf unseren Straßen haben werden. Mit Straßenbaumaßnahmen allein können wir es nicht so weit bringen, daß die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
    Zweitens sagt dieses Institut, der Entlastungseffekt würde nur unwesentlich geringer werden, wenn man das Beförderungsverbot auf diejenigen Gütergruppen, auf die zusammen zirka 90 % des gesamten vom Transportverbot betroffenen Verkehrs entfallen, beschränken wollte. — Also auch noch eine hohe Wirkung, wenn man einige Positionen von dieser Verbotsliste streicht.
    Meine Damen und Herren, die Deutsche Bundesbahn wird für diese Transporte im Haus-Haus-Verkehr durchgerechnete Tarife anbieten. Damit begegnet sie allen Vorwürfen, durch die Verbotsliste würden Kosten- und Unkosteneffekte in Milliardenhöhe in der Wirtschaft ausgelöst werden. Die Deutsche Bundesbahn garantiert für alle von der Verbotsliste betroffenen Güter und auch für andere, die im kombinierten Verkehr von Schiene und Straße befördert werden, einen Preis, der sich an dem Tarif orientiert, der zu zahlen gewesen wäre, wenn die Güter nur auf der Straße befördert worden wären. Sie muß also intern — dazu schafft sie die Voraussetzungen — alle Kosten verkraften, die sich aus der Umladung, aus dem Übergang von Straße auf Schiene und von Schiene auf Straße ergeben.

    (Zuruf von der CDU/CSU: Geschwindigkeit?)

    — Die Geschwindigkeit wird im Knotenpunktverkehr — die Knoten werden so eingerichtet, daß von jedem Knoten aus jeder Empfänger im Nahverkehr erreicht werden kann; das ist ja das Neue an dieser Idee bei der Deutschen Bundesbahn — mit Sicherheit so groß sein, als wenn die Güter über die Straße gingen. Sie können sich das einmal ansehen, meine Damen und Herren. Lassen Sie sich einmal die Fahrzeiten des ersten Zuges, den wir als Modellzug gedacht haben, von Hamburg und Bremen nach Ludwigsburg und nach Mannheim nennen. Es war ein Tag mit Nebel und Glatteis. Dieser Zug ist in wenigen Stunden von unseren Häfen in den mittleren und südlichen Teil der Bundesrepublik gefahren, und die Preise waren so wie die Preise für die Beförderung auf der Straße. Dies ist ein Modellfall.

    (Beifall bei der SPD.)

    Das geht nur, weil die Deutsche Bundesbahn durchgerechnete Tarife bietet. Ich gebe zu, das ist neu. Deshalb müssen Sie sich das Modell der neuen Eisenbahn ansehen. Ich nehme es niemandem übel, wenn er diese Einzelheiten noch nicht wußte und
    so in den letzten Wochen Kritik an diesen Maßnahmen bei der Eisenbahn geübt hat: Der Verkehrsminister macht der Eisenbahn nur pauschale Auflagen und drückt nur auf den Straßengüterverkehr. — Das hier sind die Neuerungen bei der Eisenbahn. Damit ist allen Vorwürfen, wie ich sie auch heute wieder gelesen habe, daß das nämlich zu erheblichen Verteuerungen führen würde, der Boden entzogen.

    (Zurufe von der Mitte: Das ist Ihre Behauptung!)

    Soweit jedoch Güter, die dem Beförderungsverbot unterliegen, in einzelnen Fällen und in bestimmten Verbindungen nicht auf die Schiene verlagert werden können, sieht der Gesetzentwurf Ausnahmeregelungen vor, durch die Härtefälle vermieden werden können. Diese Ausnahmeregelungen laufen ebenfalls auf eine Begünstigung von Betrieben hinaus, die ihren Standort in schwach strukturierten und verkehrsmäßig nicht ausreichend aufgeschlossenen Gebieten haben. Außerdem hat auch die Bundesbahn zugesichert, daß sie gerade in diesen Gebieten unter Einschaltung der Möglichkeiten des kombinierten Verkehrs eine verbesserte Verkehrsbedienung sicherstellen wird.
    Meine Damen und Herren, an diesem Punkt ist die Frage aufgetaucht, ob man, wenn Ausnahmen nötig sind — und ich weiß, daß solche Ausnahmen für periphere Gebiete, für unterstrukturierte Gebiete nötig sind auch angesichts der Tatsache, daß die Eisenbahn ihr Netz reduziert —, diese nicht jetzt schon in das Gesetz übernehmen könnte. Ich bin der Auffassung, daß man das natürlich tun kann. Aber ich halte es für besser, die Ausnahmen, wenn wir uns darüber einig sind, daß sie eingeführt werden müssen, erst im Jahre 1970 mit dem Institut der Rechtsverordnung vorzunehmen. Ich habe dafür zwei Gründe.
    Erstens. Wir werden in den nächsten zwei Jahren im Rahmen der Umorganisierung bei der Eisenbahn noch Erfahrungen machen, die wir dann bei der Rechtsverordnung nutzen können. Sonst müßten wir im Jahre 1970 ein zweites Gesetz mit Ausnahmen machen, das auch noch die Erfahrungen einschließt, die wir jetzt noch nicht haben.
    Zweitens. Ich sage es hier vor diesem Hohen Hause in aller Offenheit — ich weiß, daß es taktisch nicht das klügste ist, aber ich will hier offen und klar sagen, was ich darüber denke —: Wenn wir diese Ausnahmen für unterstrukturierte, periphere Gebiete jetzt durch Gesetz machten, dann hätten wir, davon bin ich überzeugt, mindestens unsere holländischen Nachbarn in Brüssel als Kläger, die von uns verlangten, daß durch Gesetz die gleichen Ausnahmen für die Provinz Zeeland oder wer weiß wen gemacht würden, wie sie dann vielleicht für Nordschleswig Gültigkeit hätten. Wir würden wahrscheinlich in Brüssel, nachdem wir verklagt wären, verlieren. Ich möchte deshalb diesen Weg des Gesetzes nicht gehen und nicht in Brüssel verlieren, sondern mir ist es sympathischer, mein holländischer Kollege kommt nach Bonn und besucht mich und fragt mich, ob wir nicht auch für die Holländer durch



    Bundesminister Leber
    Rechtsverordnung Ausnahmen machen können. Das
    ist mir lieber, als in Brüssel verurteilt zu werden.

    (Beifall bei der SPD.)

    Das ist das, was ich zu der Verbotsliste zu sagen hatte.
    Mit der Novelle zum Binnenschiffsverkehrsgesetz wird eine verbesserte Funktionsfähigkeit der Binnenschiffahrtsmärkte durch Übergangsmaßnahmen zur Strukturbereinigung und Umstellung des Frachtenbildungs- und Genehmigungsverfahrens angestrebt. Da für diesen Bereich in unserem Lande weitgehende Übereinstimmung mit den Vorschlägen des Programms besteht, darf ich von näheren Erläuterungen absehen. Wir müssen mit allen Kräften darauf hinwirken, daß die Lage unserer Binnenschifffahrt mit Hilfe dieser Gesetzentwürfe stabilisiert wird.
    Zum Straßenpersonenverkehr! Mit der Novelle zum Personenbeförderungsgesetz soll eine verbesserte Nahverkehrsbedienung erreicht werden. Das Personenbeförderungsgesetz von 1961 hat sich grundsätzlich bewährt. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben es jedoch als nachteilig erkennen lassen, daß die Genehmigungsbehörden keine hinreichenden Möglichkeiten besitzen, eine im öffentlichen Verkehrsinteresse gebotene Änderung oder Erweiterung vorhandener Verkehrsverbindungen oder die Einrichtung neuer Verkehrsanschlüsse von Amts wegen zu veranlassen. Ferner hat sich gezeigt, daß die im Gesetz enthaltene Regelung über die Ausgestaltungsrechte und den Besitzstand zum Schutze der vorhandenen Unternehmer in ihrer derzeitigen Form den Ermessensspielraum der Genehmigungsbehörden sehr weit einengt. Schließlich erscheint es zweckmäßig, zur weiteren Förderung systematisch ausgestalteter Verkehrsnetze im Gesetz die Möglichkeit zu eröffnen, die Verkehrsbedienung eines räumlich abgegrenzten Gebietes auf Antrag einem Unternehmen oder einer Vereinigung von Unternehmen zu übertragen.
    Zu diesem Verkehrspolitischen Programm sind eine Reihe Anregungen und sind in der deutschen Öffentlichkeit natürlich kritische Bemerkungen gemacht worden. Wir haben uns in der Antwort auf diese Kritik bisher zurückgehalten. Aber ich bin der Überzeugung, dies ist der Platz, an dem die Regierung auch zu dem Stellung zu nehmen hat, was sich in der Öffentlichkeit ergeben hat. Ich halte Kritik nicht für etwas Lästiges, sondern für einen wichtigen Bestandteil eines Gestaltungsaktes, auch dann, wenn diese Kritik unbequem ist.
    Ein Haupteinwand, der gemacht worden ist, lautet: das Programm der Regierung ist dirigistisch. Nun, meine Damen und Herren, diesen Einwand habe ich bestimmt erwartet. Dieser Vorwurf bezieht sich auf das Transportverbot und auf die Besteuerung beim Straßengüterverkehr.
    Gestatten Sie mir zunächst ein Wort zur Person. Ich gehöre zu denen, die sich zu freiheitlichen Ordnungsprinzipien in der Wirtschaft bekennen. Das habe ich schon so gehalten, als ich noch nicht auf die Regierungsbank saß. Es war gar nicht immer so leicht in manchen Jahren, das durchzuhalten. Ich habe keine Veranlassung, meine Haltung zu ändern. Sosehr ich das freie Spiel der Kräfte auf dem Markt, die ordnende und heilsame Funktion von Wettbewerb und Preismechanismus schätze — ich wünschte nur, sie würden überall funktionieren —, sosehr weiß ich, daß es keine Regel ohne Ausnahme gibt, und ich weiß eben auch, daß es leider eine deutsche Eigenart ist, aus einer nützlichen und vernünftigen Sache eine perfekte Religion zu machen.

    (Beifall bei der SPD.)

    Ich habe hier in diesem Hohen Hause einen Eid geleistet. Ich habe mich in diesem Hohen Hause verpflichtet, alles zu tun, um den Nutzen des Volkes zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Das ist das erste Gebot, dem ich mich unterwerfe. Das steht bei mir höher als Prinzipien, wie man die Wirtschaft gestalten könnte.

    (Beifall bei der SPD.)

    Wenn ich überzeugt sein sollte, wenn ich überzeugt sein muß, daß die ordnenden Kräfte des Marktes im Verkehr mit diesem Strukturproblem genausowenig fertig werden, wie sie bei der Kohle damit fertig geworden sind, dann müssen wir gemeinsam den Mut haben einzugreifen.
    Wer die marktwirtschaftliche Idee nicht diskriminieren will, der darf ihr auch nicht Aufgaben zumuten und auflasten, die sie aus eigener Kraft nicht zu lösen in der Lage ist. Den mit Anzeigen die Bevölkerung beeinflussenden Güterverkehrsunternehmern möchte ich die Frage stellen — ich stelle sie nicht polemisch, sondern ernst —: Wenn ihr mir Dirigismus vorwerft, was wollt ihr denn eigentlich? Wollt ihr marktwirtschaftliche Regeln? — Wollen die Fuhrunternehmer, daß die Kapazitäten nicht mehr vom Staat festgesetzt werden und jeder, der will, das Recht bekommt, sich einen Lastzug zu kaufen?

    (Sehr gut! bei der SPD.)

    Wollen die Fuhrunternehmer, daß der Staat nicht mehr die Tarife festsetzt, sondern daß sich die Preise nach dem vorhandenen Angebot und der Nachfrage auf dem Markt frei einpendeln?

    (Beifall bei der SPD.)

    Wenn die Herren Fuhrunternehmer die Marktwirtschaft jetzt schon wollen, dann mögen sie das bitte deutlich sagen. Vielleicht können wir uns da zu durchringen, da schon ein paar Schritte weiter zu gehen in eine Richtung, die sie dann wahrscheinlich aber nicht so sehr begrüßen werden; sie sagen das ja nur, weil sie hoffen, daß es nicht dazu kommt, daß das. jetzt schon geschieht.

    (Bravo! bei der SPD.)

    Den Interessenten, die da „Dirigismus" schreien, möchte ich in aller Klarheit sagen: Wenn Eingriffe des Staates dann für zulässig gehalten und sogar gefordert werden, wenn ein Nutzen für eine bestimmte Gruppe damit verbunden ist, dann sind sie mit Sicherheit auch nicht unzulässig, wenn es darum



    Bundesminister Leber
    geht, mit solchen Maßnahmen das Allgemeinwohl zu verbessern.

    (Beifall bei der SPD.)

    Die Formel „Soviel Dirigismus, wie mir nützlich ist, und außerdem noch soviel Freiheit, wie ich nötig habe, um Geld zu verdienen" lasse ich nicht gelten. Hier geht es um allgemeine Interessen.

    (Erneuter Beifall bei der SPD.)

    Die Herren des gewerblichen Güterfernverkehrs haben mich in den letzten Monaten nicht geschont. Wir haben geschwiegen. Wir haben nicht Millionen für Anzeigen. Das ist das Schicksal einer Regierung. Ich halte das, was sie tun, auch für legitim. Wenn sie es nicht dürften, würde ich mich dafür einsetzen, daß sie es dürften; denn sie geben ja schließlich ihr gutes Geld aus in der Absicht, ihre Interessen zu vertreten. Ich mache heute hier nur von meiner Möglichkeit Gebrauch — und das ist das Recht eines Ministers —, dort, wo es darauf ankommt, nämlich hier an diesem Platz, dazu meine Meinung zu sagen. Ich hoffe im übrigen, daß wir nach diesem Kampf, den wir miteinander haben, dann auch wieder freundschaftlich miteinander am Tisch sitzen können; denn es gibt auch Interessen des Güterfernverkehrs, die der Bundesminister für Verkehr gern vertreten wird.
    Kürzlich habe ich zu dem Komplex „dirigistisch oder nicht", soweit der Verkehr in Betracht kommt, eine treffende Aussage gelesen, die ich mit Genehmigung des Herrn Präsidenten gern, zitieren möchte. Es heißt dort:
    Man muß einfach zugeben: In diesem Bereich wird ein Grundprinzip des sogenannten Liberalismus als Regel des Handelns überaus fragwürdig. Eine Verkehrswirtschaft kann nicht mehr allein auf die Gesetze des freien und ungezügelten Wettbewerbs gegründet sein ...
    Nun, das stammt nicht von einem Anhänger von Karl Marx, sondern das hat Papst Paul VI. in seiner Enzyklika Populorum progressio geschrieben.

    (Beifall bei der SPD. — Unruhe in der Mitte.)

    — Die FDP stimmt auch zu; sie hat hier ja auch schon einmal den Papst zitiert; nur hält sie sich an die Päpste, die im vorigen Jahrhundert gelebt haben.

    (Beifall und Heiterkeit bei der SPD.)

    Nun, meine Damen und Herren, nicht nur diese Frage hat ein lebhaftes Echo in der Öffentlichkeit gefunden. Es sind mir vielmehr zu dem Programm und seinen Maßnahmen auch zahlreiche andere Stellungnahmen von Verbänden des Verkehrs, der Industrie und des Handels sowie von sonstigen Institutionen zugegangen. Die meisten zeichnen sich dadurch aus, daß sie die Maßnahmen, die den eigenen Bereich betreffen, ablehnen, dafür aber stärkere Maßnahmen bei dem anderen verlangen.
    Ich bin — das sage ich zu anderen Vorschlägen, die gemacht worden sind — weder neidisch noch eifersüchtig, wenn neben dem Regierungsprogramm auch alternative Pläne entwickelt werden. Im Gegenteil, ich habe soviel Selbstbewußtsein, daß ich sie sogar auch für eine Anerkennung und eine Ehrung der Regierungspolitik halte. Ich nehme sogar an, die Herren, die sich seit Wochen die Köpfe mit schwierigen Alternativen zermartert haben, hätten das doch gerne schon früher gemacht, wenn es ein Regierungsprogramm gegeben hätte.

    (Beifall bei der SPD.)

    Wenn in anderen Vorschlägen bessere Lösungen sind — ich sage das hier in aller Offenheit —, bin ich persönlich jederzeit bereit, mich dafür einzusetzen,

    (Abg. Niederalt: Wir nehmen Sie beim Wort!)

    — das können Sie tun — daß sie von der Regierung übernommen werden. Daß die Ziele der Politik erreicht werden, ist mir wichtiger als irgend etwas anderes. Wenn es Vorschläge sind, die mit dem, was sie bewegen, denen der Regierung gleichwertig sein sollten, werden Sie, meine Damen und Herren, einen Minister erleben, der nicht rechthaberisch auf seinen Gedanken beharrt, sondern der versucht, Courtoisie zu üben und dem anderen möglicherweise gleich Guten den Vortritt zu lassen. Wenn es sich aber um Vorstellungen handelt, die von den Zielen, die allseits für notwendig und richtig erkannt werden, weiter entfernt bleiben als die Vorstellungen der Regierung oder die gar geeignet sind, Sand in die Augen zu streuen, wird das in aller Offenheit deutlich gemacht werden müssen.

    (Beifall bei der SPD.)

    Ganz in diesem Sinne hat die Bundesregierung auch zu den verschiedenen Beschlüssen des Bundesrates Stellung genommen. Ich freue mich aber auch über das weitgehende Einvernehmen, das zwischen den Beschlüssen des Bundesrates und den Vorstellungen der Bundesregierung besteht, wie auch über diegemeinsame Einsicht, die wir in langen Beratungen gefunden haben. Diese Bereitschaft zur Verständigung gilt natürlich auch für die parlamentarische Opposition, die sich bereits zu dem verkehrspolitischen Konzept der Bundesregierung geäußert hat. Ich vermag nur leider in der Alternative der FDP nichts zu !erkennen, das unis weiterhelfen könnte. Es ist schade, nehme Herren, daß Ihr früherer Kollege von Rechenberg nicht mehr hier im Hause ist und seine Meinung sagen kann. Er verstand etwas von der Sache. Ganze Passagen seiner Reden aus dem Anfang der 50er Jahre könnte ich heute in meine Rede übernehmen.
    Die FDP spricht sich sowohl gegen die Besteuerung des Straßengüterverkehrs als auch gegen das Verbot bestimmter Schwer- und Massengüter im Fernverkehr auf dier Straße aus, ohne jedoch Vorschläge für wirksame Ersatzmaßnahmen an deren Stelle zu setzen. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich bin nicht der Meinung, daß man die wirtschaftliche Lage der Deutschen Bundesbahn mit Vorschlägen wie Angleichung der Tarife an die Kostenentwicklung, Ausgleich gemeinwirtschaftlicher Verpflichtungen und politischer Lasten und Umwandlung der Bundesbahn in eine unabhängige Körper-



    Bundesminister Leber
    schaft des öffentlichen Rechts — es geht dann noch weiter his zur Aktiengesellschaft — wesentlich verbessern kann. Die Eisenbahntarife sind heute sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr Marktpreise. Nur kann man mit Preisen für die jeweilige Verkehrsleistung, auch wenn sie den Kosten angemessen ist, nicht ausgleichen, was leerstehende Kapazitäten als Folge auf die Straße abgewanderter Leistungen an Belastungen für die Eisenbahn zustande bringen.
    Ich möchte weiter feststellen, daß die anerkannten Tatbestände gemeinwirtschaftlicher und politischer Lasten der Deutschen Bundesbahn über den Bundeshaushalt bereits seit vielen Jahren in großem Umfange abgegolten werden. Über die Vor- und Nachteile einer Änderung der Organisationsform der Deutschen Bundesbahn kann man sich erst dann unterhalten, wenn sie ihre schlimmsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden hat. Man kann das Eisenbahnproblem nicht mit Maßnahmen, die die Organisationsform betreffen, lösen, wenn nicht klar ist, daß dort die Hauptursache für die Situation ist, in der sich .die Eisenbahn befindet. Ich stelle hier fest, .daß nach dem Stand meiner eigenen Erkenntnis und Überzeugung nicht daran zu zweifeln ist, daß die Führung der Deutschen Bundesbahn ebenso wie ihr gesamtes Personal unser aller Vertrauen verdienen. Eine möglichst enge Zuusammenarbeit mit dem Bund als ihrem Eigentümer kann für .die Deutsche Bundesbahn zur Zeit nur von Vorteil .sein, denn allein kann sie ihre schwerwiegenden Probleme heute nicht mehr lösen. Das hätte sie vielleicht vor zehn Jahren auf einer anderen Basis gekonnt.
    Inzwischen sind aber von der CDU/CSU-Fraktion unter der „Stabführung" von Herrn Kollegen Dr. Müller-Hermann Vorstellungen zur Änderung und Ergänzung des Regierungsprogramms vorgelegt worden. Ich begrüße das. Ich begrüße, daß der Kollege Müller-Hermann mit den Zielen des Verkehrspolitischen Programms übereinstimmt und daß wir auch in der Einschätzung der Lage nicht unterschiedlicher Auffassung sind. Ich habe ihm persönlich meine Bereitschaft erklärt, wirksame Alternativen vorurteilslos zu prüfen und auch andere gute Gedanken aufzunehmen. In diesem Sinne verstehe ich auch die Anträge der CDU/CSU. Über einiges wird man sich unterhalten müssen. Wenn ich hier ein paar kritische Anmerkungen mache, dann nicht um Positionen für einen Streit aufzubauen, sondern weil das Parlament einen Anspruch darauf hat, daß sich die Regierung gewissenhaft mit Vorschlägen die aus dem Hohen Hause kommen, auseinandersetzt.

    (Sehr gut! in dier Mitte.)

    Wer Ziele und Ausgangssituation des Programms als realistisch anerkennt, aber wesentliche Mittel, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen, ablehnt, der muß für gleichwertigen Ersatz sorgen.
    Hier beginnen meine Sorgen und Zweifel. Lassen Sie mich das bitte ganz offen in einigen Hauptpunkten aussprechen:
    Ein Teil der Vorschläge, insbesondere hinsichtlich der finanziellen Entlastung und der Kapitalausstattung der Deutschen Bundesbahn, ist mit der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes, der im vergangenen Herbst beide Koalitionsparteien und damit die große Mehrheit dieses Hauses zugestimmt haben, nicht zu vereinbaren und sprengt ihren Rahmen. Ich weiß keine Antwort auf die Frage, woher der Bund Milliarden zusätzlich für die Bundesbahn nehmen sollte. Denn mit einigen Millionen und hundert Millionen ist überhaupt nichts getan. Eine bessere Kapitalausstattung der Deutschen Bundesbahn setzt Milliarden, die fließen, voraus.
    13. Die vorgeschlagene Straßenbenutzungsgebühr und die Lizenzabgabe erreichen nicht annähernd die Wirksamkeit der von der Bundesregierung in Aussicht genommenen Maßnahmen. Sie entfernen sich von dem anerkannten Ziel und stellen lediglich eine Belastung dar, ohne daß dabei ein verkehrspolitischer Effekt entsteht. Wir haben das umgerechnet, Computer trügen nicht, sie haben auch keine Gefühle und nehmen nicht Rücksicht; das haben wir alle schon oft erlebt.

    (Abg. Wendelborn: Die sind falsch gefüttert worden!)

    — Nein, die sind richtig gefüttert worden; darauf können Sie sich verlassen. Der Computer rechnete uns vor, Herr Kollege Müller-Hermann, daß wir da, wo wir 1, 2, 3, 4 oder 5 Pf nehmen, bei Ihrer Straßenbenutzungsgebühr, umgerechnet auf einen 38-t-Zug, auf 0,22 Pf je Tonnenkilometer kommen, bei einem 30-t-Sattelzug auf 0,23 Pf. Ich bin davon überzeugt, daß das Verkehrsgewerbe dies weiter verkraftet; das ist eine kleine Schmälerung. Das Verkehrsgewerbe wird die Ausweichlösung schon finden und auf der Straße bleiben.
    14. Sie sind darüber hinaus mit rechtlichen Folgerungen verbunden. Die Straßenbenutzungsgebühr setzt eine Änderung des Grundgesetzes voraus, oder aber wir müßten hoffen, daß elf Länder solche Gesetze verabschieden. Die Lizenabgabe wird in dieser Höhe und als jährlich wiederkehrende Gebühr rechtlich nicht realisierbar sein. Denn Behörden dürfen nur Gebühren für Verwaltungsakte, die sie vollziehen, nehmen, und zwar nur in der Höhe der Leistungen, die sie durch Verwaltungsakte vollbringen. Es geht nicht an, daß eine Lizenz hergegeben wird und dafür nicht nur einmal, bei der Hergabe der Lizenz, sondern laufend jährlich 2000 oder 2500 DM genommen werden. Auch das würde verfassungsrechtlich neu abzusichern sein. Ich stelle das nur dar.
    Wenn Sie, Herr Kollege Müller-Hermann, in der Öffentlichkeit erklärt haben: „Der Leber-Plan reicht nicht aus, er reicht nicht aus zur Sanierung der Bundesbahn und zur Entlastung der Straßen", darf ich Ihnen hier in aller Freundschaft sagen: Wenn das, was wir an Maßnahmen angesetzt haben, nicht ausreicht, dann reicht noch weniger noch weniger aus.

    (Heiterkeit.)

    Darüber sollten wir noch einmal ein bißchen nachdenken. Wir kommen nicht daran vorbei, meine Damen und Herren: Wenn wir eine Verschlechterung verhindern und eine Verbesserung erreichen



    Bundesminister Leber
    wollen, müssen wir zur Verhinderung der Verschlechterung einen Damm errichten und Wege finden — ich würde am liebsten sagen: Kanäle bauen; aber dann werde ich wieder mißverstanden zur Verbesserung führen. Das geht nicht, ohne daß spürbare Belastungen ausgelöst werden. Ich bin mir im klaren darüber, daß eine Politik, die auch die Zustimmung aller Interessenten erstrebt, am Ende wirkungslos ist.

    (Zustimmung bei der SPD.)

    Die Herren wollen fahren und noch mehr fahren und mit dem Fahren Geld verdienen. Sie werden gegen alles sein, was sie daran hindert, in Zukunft mit Lastwagen auf den Straßen mehr und mehr zu fahren und dabei Geld zu verdienen.

    (Zustimmung bei der SPD.)

    Ich habe mich auf etwas anderes eingelassen. Wir standen vor der Frage: Sollen wir ein Programm machen, das alle begrüßen? Das habe ich abgelehnt. Das braucht man nicht. Das führt zu nichts. Das ist nur Arbeit. Sollen wir ein Programm machen; das einige wenige hart betrifft und andere dafür schont? Auch das habe ich abgelehnt. Ich habe mich auf etwas anderes eingelassen. Wenn es gelingt, ein Programm zu erstellen, bei dem alle Betroffenen gleichermaßen laut schreien, weil man ihnen gleichermaßen fest auf die Füße tritt, dann ist das nach meiner Auffassung nicht nur gerecht, sondern auch wirtschaftlich richtig angelegt.

    (Heiterkeit bei der SPD.)

    Das ist hier geschehen. Sie können die ganze Breite aller Interessenten sehen. Die sind alle gegen das Programm. Das spricht eigentlich für die Qualität des Programms und dafür, daß es in sich auch ausgewogen ist.

    (Beifall bei der SPD und vereinzelt in der Mitte.)

    Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages — ich zähle den Handelstag nicht zu den Pressure groups und nicht zu den Interessenten — hat mir in den letzten Tagen einen Brief geschrieben, aus dem ich trotz mancher unterschiedlicher Meinung im Detail nicht diesen Gruppenegoismus, sondern Sinn und Verantwortungsbewußtsein auch gegenüber der Gesamtheit erkenne. Herr Präsident, wenn Sie erlauben, lese ich einige Sätze aus diesem Brief vor. Es heißt dort:
    Bei grundsätzlicher Anerkennung der mitteloder auch langfristigen Ziele des verkehrspolitischen Programms fühlt sich der Deutsche Industrie- und Handelstag jedoch verpflichtet, einerseits nach dessen Erfolgsaussichten und andererseits nach den Belastungen zu fragen, die sich für die Wirtschaft im Zuge seiner Realisierung ergeben würden. Die Frage nach dem verkehrspolitischen Erfolg steht dabei jedoch eindeutig im Vordergrund, weil wohl niemand ernsthaft damit rechnen kann, daß sich die Schwierigkeiten auf dem Gebiet des Verkehrs ohne höhere Lasten für die Wirtschaft und die Verbraucher oder die Steuerzahler schlechthin beheben lassen werden. Unser betontes Interesse am Erfolg
    des verkehrspolitischen Programms — vornehmlich der Sanierung der Bundesbahn und der Bereinigung der Verkehrsverhältnisse auf den Straßen — läßt uns besorgt fragen, ob die Bundesregierung nicht die Größenordnung der Probleme und der zu ihrer Lösung erforderlichen Mittel unterschätzt.
    Das ist jedoch nicht Kampf gegen ein Programm, das zu hart vorgeht, sondern die Sorge des Deutschen Industrie- und Handelstages — das heißt seines Präsidenten —, ob das, was vorgesehen ist, ausreicht, ob es fest genug ist, um die Probleme tatsächlich zu lösen und die Ziele zu erreichen. Das ist etwas ganz anderes als leichte Kritik an einem Vorschlag der Regierung.
    Lassen Sie mich bitte noch zu der Kritik Stellung nehmen, die sich auf die Auswirkungen der Maßnahmen im Straßengüterverkehr konzentriert. Es ist gesagt worden, das verkehrspolitische Programm und besonders die Maßnahmen zur Beschränkung des Straßengüterfernverkehrs widersprächen der Konjunkturpolitik der Bundesregierung, da sie die verladende Wirtschaft mit erheblichen zusätzlichen Kosten belasteten. Darauf ist zu erwidern: Die Gesamtmehrbelastung der Wirtschaft aus dem vorgesehenen Beförderungsverbot bestimmter Massengüter und der Straßengüterverkehrsteuer beläuft sich nach unseren Berechnungen auf höchstens 430 Millionen DM im Jahr. Bei zur Zeit rund 16,7 Milliarden DM Frachtwert — nicht Warenwert, sondern Frachtwert — der Beförderungsleistungen sind dies rund 2,4 0/o des Frachtwertes, ein Prozentsatz, von dem weder eine Gefährdung der Preisstabilität noch der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ausgehen kann.
    Demgegenüber müssen auch die Impulse berücksichtigt werden, die das verkehrspolitische Programm zugunsten der deutschen Wirtschaft auslöst. Dies gilt insbesondere für die Investitionen im Bereich des kombinierten Verkehrs Schiene/ Straße, z. B, Container, Fahrgestelle, Umladegerät und vieles andere mehr. Darüber hinaus sei darauf hingewiesen, daß nicht zuletzt durch die Maßnahmen des Programms die Deutsche Bundesbahn in die Lage versetzt wird, einer der größten öffentlichen Auftraggeber für die deutsche Wirtschaft zu bleiben. Allein im Jahre 1968 wird sie Aufträge in Höhe von 3,76 Milliarden DM erteilen. Hierdurch werden zwischen 140 000 und 180 000 Arbeitsplätze gesichert. Allein die Stahlaufträge, die sich aus dem verkehrspolitischen Programm ergeben, hat der Vorstand der Deutschen Bundesbahn auf 1,2 Milliarden DM beziffert.
    Die Kritiker, die eine Belastung der Wirtschaft von mehreren Milliarden DM behaupten, haben ihre Globalzahlen bisher nicht belegt. Aber es ist recht interessant, festzustellen, wie diese Zahlenangaben sich langsam einer realistischen Größenordnung nähern. Während der Bundesverband des gewerblichen Güterfernverkehrs wenige Tage nach Veröffentlichung des Programms im September noch von 3 Milliarden DM zusätzlicher Lasten sprach und der Bundesverband der Deutschen Industrie wenige



    Bundesminister Leber
    Wochen später immerhin noch einen Betrag von 2 Milliarden DM nannte, haben die in der ,Aktionsgemeinschaft Rationeller Verkehr" zusammengeschlossenen Verbände die zusätzliche Kostenbelastung aus dem Transportverbot mit rund 450 Millionen DM angegeben. Zusammen mit der zusätzlich entstehenden Steuerlast von etwa 240 Millionen DM sind das insgesamt rund 700 Millionen DM, ein Betrag, der sich den Zahlenwerten der Bundesregierung schon weithin nähert. Wie man gestern den Zeitungen .entnehmen konnte, ist der Bundesverband der Deutschen Industrie inzwischen auch bei 350 bis 400 Millionen DM Mehrkosten aus dem Transportverbot angelangt. Die Herren haben gründlich und gewissenhaft gerechnet, und wir sind uns schon sehr nahe gekommen.
    Es ist weiter gesagt worden, daß die mit dem Verkehrspolitischen Programm beabsichtigte Verlagerung des Straßengüterfernverkehrs auf die Schiene nicht in dem erwarteten Umfang das Straßennetz entlasten würde; die Verlagerung von Ferntransporten müsse vielmehr durch den notwendig werdenden Nahverkehr von und zu den Bahnhöfen zu zusätzlichen Belastungen des Straßennetzes führen. Die Verlagerung der Transporte von den Fernstraßen auf die Schiene wird, insgesamt gesehen, zu keinen zusätzlichen Belastungen des gemeindlichen Straßennetzes führen. Schon bisher haben sich die Ausgangs- und Endphasen der Straßenferntransporte innerhalb der Ballungsgebiete und Ortschaften abgespielt. Hieran wird sich auch künftig nichts ändern. Soweit die Güter künftig von bzw. zu den Bahnhöfen gefahren werden, wird durch die Auswahl der dafür geeigneten Verladebahnhöfe und eine gut organisierte Ausgestaltung des kombinierten Verkehrs auf die Entlastung der innerstätdtischen Straßen und der Stadtstraßen in Randgebieten hingewirkt werden.
    Natürlich wird der Straßengüternahverkehr mit stetigem Wirtschaftswachstum weiter zunehmen. Wir werden uns auf diese Zunahme einstellen müssen. Leistungen des Straßengüternahverkehrs sind durch andere Verkehrsmittel nicht zu ersetzen. Dabei wird es in Deutschland den kommunalen Stellen obliegen — ich sage das hier einmal mit aller Deutlichkeit —, die Stadtzentren vom Schwerlastverkehr möglichst freizuhalten. Sie haben dazu auch die rechtliche Möglichkeit in der Hand. Sie sollen nicht nur immer nach Bonn sehen, was von dort kommt, sondern sie sollen von ihren rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch machen. In Paris sieht man am Tag auch keinen Fernlastwagen, und die 8 oder 10 Millionen Menschen dort leben und arbeiten auch. Das geht auch auf andere Weise. Das geht auch in unserem innerstädtischen Bereich, in unseren eigenen Städten.

    (Beifall bei der SPD.)

    Bei der Würdigung des Verkehrspolitischen Programms und der zu seiner Durchführung vorgesehenen Gesetze müssen wir auch die Reaktion unserer EWG-Partner berücksichtigen, d. h. wir dürfen nicht darauf verzichten, uns hier mit ihr auseinanderzusetzen. Man hatte sich nachgerade daran gewöhnt, daß sich die gemeinsame Verkehrspolitik, zu der sich die Sechs im EWG-Vertrag verpflichtet haben, seit Jahren auf der Stelle befand. Wir wollen hier nicht darüber rechten, wer schuld an diesem bedauerlichen Stillstehen war.
    Dieselben Kreise nun, die jahrelang in Brüssel jeden Sachfortschritt in der gemeinsamen Verkehrspolitik durch die Überbetonung ihrer nationalen verkehrspolitischen Interessen verhindert haben, erblicken in der verkehrspolitischen Initiative .der Bundesregierung eine willkommene Chance, ihr die Verantwortung dafür zuzuschieben, daß auch in Zukunft in Brüssel im verkehrspolitischen Bereich kein Fortschritt erzielt wird.
    Unter diesen Auspizien trafen die Verkehrsminister der Sechs am 13./14. Dezember ,des vergangenen Jahres nach einer Pause von 14 Monaten unter meinem Vorsitz in Brüssel zusammen. Was niemand zu hoffen gewagt hatte, wurde Wirklichkeit. Die sechs Verkehrsminister der Gemeinschaft einigten sich auf ein realistisches Programm, das schon für das erste Halbjahr 1968 entscheidende Fortschritte in dem für die Bundesrepublik besonders wichtigen Bereich der Angleichung der Startbedingungen vorsieht. Der Ratsbeschluß vom 14. Dezember 1967 ist allseits begrüßt worden, und das erfreulicherweise nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in anderen Ländern der Gemeinschaft.
    Mein französischer Kollege hat besonders hervorgehoben, daß der Plan seines deutschen Kollegen das Verdienst gehabt habe, die Rolle eines neuen Antriebs zu spielen. In gleichem Sinne hat sich auch mein niederländischer Kollege geäußert.
    Ich glaube, sagen zu dürfen, daß auch die Europäische Kommission den Ratsbeschluß vom 14. Dezember 1967 mit Befriedigung und Erleichterung aufgenommen hat. Ich meine, man muß in diesem Lichte auch die Empfehlung sehen, die die Kommission am 31. Januar zu den vier Verkehrsgesetzen verabschiedet hat. Solche Empfehlungen, in denen nationale Gesetzesvorhaben der Mitgliedstaaten unter allen erdenklichen juristischen und verkehrspolitischen Gesichtspunkten sorgfältig gewürdigt werden, sind durchaus nichts Außergewöhnliches. Entscheidend ist, daß die Kommission die verkehrspolitischen Ziele der Bundesregierung voll billigt. Damit hat sie sich auch festgelegt. Sie hat wörtlich erklärt:
    Die Kommission stimmt der deutschen Regierung darin zu, daß die ernste Lage der Verkehrswirtschaft des Landes schnelle und wirksame Maßnahmen erfordert. Sie erkennt an, daß das Programm .ein geschlossenes Ganzes bildet, das darauf gerichtet ist, die gegenwärtigen Verhältnisse zu verbessern. Die Kommission verkennt nicht, daß die Ziele richtig sind, welche die deutsche Regierung mit den verschiedenen Maßnahmen ihres Programms zur Gesundung des Verkehrs verfolgt.
    Aus der Drucksache zu V/2494 wissen Sie, daß die Kommision gegen einzelne der in den Verkehrsgesetzen vorgesehenen Maßnahmen Bedenken anmeldet, die teils rechtlicher, teils verkehrspolitischer Natur sind. Wesentliche rechtliche Bedenken richten

    Bundesminister Leber
    sich gegen die steuerlichen Maßnahmen im Bereich des Straßengüterfernverkehrs.
    Das kommt für uns nicht unerwartet. Die Bundesregierung hat sich damit bereits in der Begründung des Gesetzes über die Besteuerung des Straßengüterverkehrs auseinandergesetzt. Die Antwort auf die Empfehlung von Brüssel, meine Damen und Herren, steht in Ihren eigenen Unterlagen, in der Begründung für das Steuergesetz: Sollte sich herausstellen, daß einzelne der vorgesehenen Maßnahmen nach dem Inkrafttreten der Mehrwertsteuer in der Gemeinschaft am 1. Januar 1970 Bedenken begegnen, so wird die Bundesregierung rechtzeitig die erforderlichen Schritte einleiten, um mit Rat und Kommission Einvernehmen über eine zumindest vorläufige Beibehaltung der Straßengüterverkehrssteuer zu erreichen. Die übrigen rechtlichen Bedenken der Kommission richten sich gegen Teilaspekte einzelner Gesetze. Sie werden mit der nötigen Sorgfalt zu prüfen sein. Das gleiche gilt, soweit die Kommission Unvereinbarkeiten mit der verkehrspolitischen Konzeption in Brüssel kritisiert.
    Die Europäische Kommission hat sich in gewiß guter Absicht nicht darauf beschränkt, Unvereinbarkeiten festzustellen. Sie hat der Bundesregierung zugleich Vorschläge für Alternativvorschläge unterbreitet, die den Bereich der Wegekosten, den Straßenbau und die Deutsche Bundesbahn betreffen.
    Dazu habe ich folgendes anzumerken:
    Ein deutscher Alleingang auf dem Gebiet der Wegekosten würde den in Brüssel seit langem in Gang befindlichen außerordentlich schwierigen Arbeiten im Ergebnis vorgreifen. Auch in Brüssel weiß noch niemand, wie hoch die Wegekosten eigentlich wären, wenn man alle Kosten jetzt in Ansatz brächte. Es wäre gut, wenn man uns von dort nicht Ratschläge geben würde mit Fragen, die man auch in Brüssel noch nicht beantworten kann. Denn wir sind auch nicht gescheiter als die Herren in Brüssel.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Die Empfehlung, das deutsche Straßennetz den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen anzupassen, berücksichtigt nicht, daß selbst eine Verstärkung der hohen deutschen Straßenbauleistungen nach dem Kriege nicht ausreichen würde, um der drohenden Überlastung der deutschen Straßen zu begegnen. Es gibt kein Land in Europa, das in den letzten zwanzig Jahren auch nur annähernd soviel Straßen gebaut hat wie die Bundesrepublik Deutschland. Deshalb sind wir auf solche Empfehlungen nach noch mehr Straßenbau eigentlich gar nicht angewiesen, weil wir selbst soviel bauen, wie wir finanziell verkraften können. Und trotzdem sind die Straßen bei uns so überlastet wie nirgendwo sonst in Europa. Ich möchte mir bei all der Kritik — ich weiß um die rechtliche und die politische Bedeutung einer Empfehlung auf eine Konsultation — in diesem Hohen Hause einmal erlauben zu sagen: Ich bin überzeugt davon: Wenn diese besondere Verkehrssituation nicht die Deutschen hätten, sondern die Franzosen, die würden weniger zimperlich auf die Empfehlungen der EWG-Kommission schauen, sondern das tun, was in Frankreich nötig wäre. Daran
    sollten wir bei Gelegenheit auch einmal denken.

    (Beifall bei der SPD.)

    Die von der Kommission im Hinblick auf die Deutsche Bundesbahn gemachten Vorschläge sind bereits weitgehend durchgeführt worden. Der Erfolg entspricht leider nicht den Vorstellungen der Kommission. Das zeigt übrigens auch das Beispiel der Niederländischen Eisenbahnen. Die Niederländer haben ja ein hohes Interesse an dem Konsultationsvorgang in Brüssel gehabt. In Holland ist seit langem verwirklicht, was die Kommission im Hinblick auf die Deutsche Bundesbahn fordert. Gleichwohl wachsen die finanziellen Schwierigkeiten der Niederländischen Eisenbahnen derart, daß sie denen der Deutschen Bundesbahn weitgehend ähnlich sind. Dies beweist, daß den gegenwärtigen Schwierigkeiten der Deutschen Bundesbahn nur mit einschneidenden Eingriffen auf dem gesamten Verkehrsgebiet beizukommen ist.
    Ich möchte mit allem Nachdruck unterstreichen, daß das Verkehrspolitische Programm der Bundesregierung nicht gegen Europa und gegen die europäische Entwicklung gerichtet ist. Es ist eine Maßnahme, die auch deswegen nötig ist, weil die europäische Verkehrspolitik noch nicht so weit fortgeschritten ist, daß sie uns helfen kann. Wenn die gemeinsame Verkehrspolitik eines Tages Realität geworden ist, dann werden die nationalen verkehrspolitischen Maßnahmen der Bundesrepublik an die gemeinschaftlichen Regelungen angepaßt werden müssen. Die Bundesrepublik wird auch künftig mit aller Intensität an der Verwirklichung der gemeinsamen Verkehrspolitik in Brüssel mitarbeiten. Wir können nur nicht darauf warten, ob tatsächlich in einigen Jahren von dort etwas Wirkungsvolles geschieht.

    (Zustimmung bei der SPD.)

    Beim Ringen um die Antwort auf die Konsultation durch die Europäische Kommission haben selbstverständlich auch nationale Verkehrsinteressen anderer Länder mitgespielt. Das ist natürlich. Die Fürsorge geht sogar so weit — wenn meine Informationen nicht ganz trügen —, daß die holländische Kammer, das holländische Parlament, darum gebeten hat, man möge sich in Brüssel beeilen mit dem Abschluß des Konsultationsverfahrens, damit der Deutsche Bundestag die Empfehlungen noch rechtzeitig vorliegen hätte. Ich bin überzeugt, daß der holländische Vertreter in der EWG-Kommission den Empfehlungen der Kommission zugestimmt hat. Er hätte das bestimmt nicht getan, wenn nationale holländische Interessen durch die Empfehlungen verletzt worden wären. Wir sollten dabei in aller Freundschaft auch an. unsere Interessen denken. Das Ergebnis liegt Ihnen vor. Alles in allem hat die französische Zeitung „Le Monde" — auch eine liberale Zeitung — treffsicher und nicht ohne Humor die weisen Empfehlungen der Kommission so charakterisiert:
    Es ist, wie das manchmal vor einem Militärgericht vorkommt; ein kühner Beschuldigter,
    der sich nicht genau an die Spielregeln hält,



    Bundesminister Leber
    wird zwar bestraft, aber man sagt ihm auch zugleich eine Beförderung zu.
    Die Zeitung sagt weiter:
    Viele Sachen werden dem deutschen Plan verziehen — in dem Moment, in dem die Sechs endlos über die Verdienste einer ultraliberalen Transportpolitik oder über eine organisierte Zwangspolitik diskutieren —, da der deutsche Plan den Finger auf eine Situation gelegt hat, die, so denkt man in Brüssel, als unhaltbar von jedermann angesehen werden muß.
    Im Zusammenhang mit den internationalen Fragen möchte ich noch kurz ein Wort zu der Situation unserer Seehäfen sagen. Die Bundesregierung hat hier besonders aktiv gewirkt. Zur Beseitigung der Wettbewerbsverzerrungen, die zwischen .den deutschen Seehäfen und vor allem den Rheinmündungshäfen bestehen, sind folgende Schritte unternommen worden:
    1. Senkung der Treibstoffmenge von 100 auf 50 1 im grenzüberschreitenden Güterkraftverkehr;
    2. eine straffere Überwachung der Einhaltung der bilateralen Kontingente durch Anwendung einer entsprechenden EWG-Richtlinie. Die Holländer hatten im September nach unserer Zählung, die mit ihrer Zählung übereinstimmt; rund 2300 Lastzüge in der Bundesrepublik pro Tag. Sie stellten sich die Genehmigungen dafür selbst aus. Die Lösung, die wir gefunden haben, lautet: Ab 1. April wird die Lizenz von der Bundesregierung ausgestellt. Es kommt kein Fahrzeug über die Grenze, das nicht im Besitz einer in Deutschland ausgestellten Lizenz ist. Es werden 1950 Genehmigungen — einschließlich des Transitverkehrs — ausgegeben. Ich bin froh, daß wir ,das in Freundschaft mit der holländischen Regierung hingebracht haben;
    3. Aufhebung der einseitigen Rückerstattung bei der Kraftfahrzeugsteuer im Rahmen einer EWG-Regelung;
    4. Neutralisierung der geplanten Straßengüterverkehrsteuer für Fahrten zu und von ,den deutschen Seehäfen durch eine 170-km-Freigrenze;
    5. Einbeziehung des grenzüberschreitenden Güternahverkehrs in die Besteuerung.
    Außerdem ist wichtig, ,daß in Brüssel vorgesehen ist, solange es noch .keine Angleichung der Kostenelemente gibt, das sogenannte Territorialitätsprinzip anzuwenden. Das heißt, jedes Kraftfahrzeug zahlt im Güterkraftverkehr die Steuer des Landes, in dem es gegenwärtig ist, und bekommt zurückerstattet, was es in dem Land, das es verlassen hat, bereits gezahlt hat.
    Ich habe vor allem unsere niederländischen Partner auf die Unhaltbarkeit der bestehenden Wettbewerbsverzerrungen durch konkrete Schritte hingewiesen. In den letzten Monaten habe ich intensive Verhandlungen mit meinem niederländischen Kollegen geführt. Es konnte auch schon eine Annäherung der Standpunkte erreicht werden. Die Atmosphäre der bisherigen Gespräche mit den Niederlanden war real, war zum Teil hart, aber im ganzen auch freundschaftlich. Nicht zuletzt diese Verhandlungen haben zu dem unerwartet guten Ausgang der Ministerratstagung vom 14. Dezember beigetragen.
    Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluß. Meine Aufgabe war es, das Programm der Regierung in seinen wichtigen, vor allem auch in den umstrittenen Punkten zu erläutern und zu der in der Öffentlichkeit sichtbar gewordenen Kritik Stellung zu nehmen.
    Ich glaube, daß ich die öffentlich geführte Diskussion der letzten Monate und alles, was an Beiträgen dazu geleistet worden ist, richtig deute, wenn ich hier feststelle, daß die Ziele, die im Verkehrspolitischen Programm gesetzt sind, von niemandem angefochten, sondern von allen bejaht werden. Das ist, glaube ich, am Anfang eine der wichtigsten Feststellungen.
    Die zweite Feststellung, die ich nach der bisherigen Auseinandersetzung treffen darf, ist die.: Es handelt sich um ein Gesamtprogramm, das eine Fülle von Maßnahmen enthält, die zum überwiegenden Teil auch in der öffentlichen Diskussion bisher nicht bestritten worden sind. Der größte Teil des Programms ist unbestritten. Es wird nur über das geredet, was strittig ist. Churchill hat einmal gesagt: Über 80% aller Dinge sind sich alle Engländer einig; aber die 20% genügen, daß wir in Streit miteinander geraten. So scheint es mir auch hier bei diesem Programm zu sein. Der Streit konzentriert sich in der Hauptsache auf die Frage, ob die Maßnahmen bei der Bundesbahn ausreichend sind — ich hoffe, daß ich das heute etwas aufhellen konnte —, und auf die Maßnahmen im Bereich des Straßengüterfernverkehrs, nämlich die Steuern und die Verbotsliste.
    Meine Damen und Herren, das Programm ist ein Ganzes! Das heißt, wenn die Einschnitte bei der Eisenbahn nicht zusammen mit ebenso klaren Einschnitten im Straßengüterverkehr erfolgen, gerät die Eisenbahn trotz aller Modernisierungsmaßnahmen in einen immer tieferen Strudel der Unwirtschaftlichkeit, wie es bei der Kohle geschehen ist, und unser Volk müßte sich darauf einrichten, ständig mit wachsenden Defiziten bei der Eisenbahn zu leben. Oder man müßte sich, weil man auf der Straße nicht zupacken will, praktisch zu einer Demontage. der Eisenbahn entschließen. Daran mitzuwirken habe ich persönlich keine Veranlassung. Vor dieser großen Entscheidung stehen wir in Wirklichkeit.
    Herr Kollege Müller-Hermann, ich darf mir erlauben, Sie an diesem Punkt persönlich anzusprechen. Sie haben am 9. Juli 1954 in der Debatte um die Verkehrspolitik folgende Ausführungen gemacht, die ich mit der freundlichen Erlaubnis des Herrn Präsidenten zitieren darf. Sie haben damals gesagt:
    Noch ein dritter Tatbestand hat zu der heutigen Situation auf dem Gebiete des Verkehrs mit beigetragen. Das sind die Auswirkungen, aber zum Teil auch die Fehler der Verkehrs-, Steuer- und Tarifpolitik der letzten Jahre. Ich frage



    Bundesminister Leber
    mich, meine Damen und Herren, warum wir eigentlich nicht, bevor wir jetzt so einschneidende, starre Maßnahmen wie eine Verbotsgesetzgebung ergreifen, zuerst einmal daran gehen, den Versuch zu machen, durch eine Berichtigung der bisher falschen Steuer-, Tarif- und Verkehrspolitik das gleiche Ziel zu erreichen, und erst, wenn das nicht möglich ist, als Ultima ratio den Versuch machen — wenn es dann noch notwendig sein sollte —, mit Verbotsmaßnahmen zu arbeiten, die einfach nicht in unsere allgemeine politische und wirtschaftspolitische Landschaft passen.

    (Zuruf von der CDU/CSU: Heute noch gültig!)

    Ich hoffe, ich habe korrekt zitiert, Herr Kollege Müller-Hermann.
    Der jetzige Vorsitzende der SPD-Fraktion, ich sehe ihn leider nicht hier sitzen, der Herr Kollege Helmut Schmidt, hat in der damaligen Debatte die gleiche Auffassung vertreten wie Sie. Meine Herren, ich verhehle Ihnen nicht, ich habe Ihnen Beifall gezollt, denn ich habe diese Auffassung damals auch für richtig gehalten. In der Zwischenzeit, meine Damen und Herren, sind 14 Jahre vergangen, in denen versucht worden ist, mit marktadäquaten Mitteln das Verkehrswesen in Ordnung zu bringen. Die Bilanz ist diese:
    1954 waren auf unseren Straßen 53 000 Fernlastzüge, ihre Zahl stieg auf 105 000 im Jahre 1967. 1954 waren auf unseren Straßen 1,4 Millionen Personenkraftwagen, Ende des Jahres 1967 waren es einschließlich der kleinen Kombiwagen 11,3 Millionen.
    Die Leistungen des Bundes an die Adresse der Deutschen Bundesbahn betrugen 1954 500 Millionen DM, 1967 waren es 3095 Millionen DM. Versechsfacht!
    Herr Kollege Müller-Hermann,' Sie haben gesagt: den Versuch machen, es so in Ordnung zu bringen. Ich muß Sie bitten, meine Herren, Herr Kollege Müller-Hermann, mir zu gestatten, daß ich hier in aller Freundschaft folgendes frage: Wollen wir weiter prinzipientreu, wie wir Deutschen nun einmal sind, mit marktadäquaten Versuchen das Problem so groß werden lassen, bis sich nachher, wie bei der Kohle jetzt, niemand mehr auch nur darüber unterhält, welche Mittel angewendet werden?
    Ich frage weiter Herrn Kollegen Schmidt und Herrn Kollegen Müller-Hermann: Ist jetzt die Stunde da, in der wir — um mit Ihren Worten von damals zu reden — zur damals noch verweigerten Ultima ratio, nämlich zu härteren Mitteln, greifen müssen, oder Sie der Meinung, daß wir es weiter ohne diese Mittel versuchen müssen, bis wir — wie im Kohlebergbau — die große Eisenbahnkrise vor uns haben, bei der dann niemand mehr fragt, ob wir marktadäquate Mittel einsetzen oder dirigistisch handeln?
    Heute sind die gleichen Leute im Kohlebergbau — ich habe das auch in diesem Hohen Hause erlebt, die sich 1958/59, als die damalige Regierung überlegte, ob sie schärfer eingreifen solle oder nicht, gegen dirigistische Eingriffe gewehrt haben, bereit, den Kohlebergbau mit Mann und Roß und Wagen zu sozialisieren. Danach fragt kein Mensch mehr. Den Zustand werden wir auch im Verkehr bekommen, wenn wir jetzt nicht den Mut haben, einzugreifen.

    (Beifall bei der SPD.)

    Es ist noch Zeit.
    Ich bin froh darüber, ,daß wir über die anzustrebenden Ziele keine Meinungsverschiedenheiten haben. Es ist auch gar nicht schlecht, wenn mehrere Schützen das gleiche Ziel anvisieren. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, .daß es getroffen wird, um so größer. Gestatten Sie mir bei diesem Bild nur eine kleine Anmerkung: Wenn unter den vielen Schützen, .die es .da gibt, auch solche sein sollten, die unterschiedlich viel Pulver in ihren Patronen haben, dann knallt das zwar .genauso; aber auch dann, wenn sie in die richtige Richtung zielen und der Knall laut hörbar ist, wird die Kugel nie ihr Ziel erreichen, weil nicht genug Pulver dahinter war.
    Ich war 1951 einmal auf einem Kongreß; damals ging das mit .der Stenographie noch nicht so gut, und ,da .sagte ein Redner: Meine Damen und Herren, wenn ich so zurückblicke, dann muß sich sagen, wir sind Sünder .allzumal; ich persönlich müßte an meine Brust klopfen und sagen: Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa! Der Stenograph hatte das falsch verstanden, und im Protokoll hieß es dann: Mehr Pulver, mehr Pulver, mehr Pulver!

    (Heiterkeit.)

    Ich glaube, über dieses nette Erlebnis sollten wir alle gemeinsam einmal nachdenken. Es muß genügend Pulver hinter den Maßnahmen sein, sonst treffen sie nicht ihr Ziel.
    Im übrigen: Wir werden .ein Programm, wenn es helfen soll, nicht zustande bringen, ohne uns mit harten widerstreitenden Interessen auseinanderzusetzen. Dieses Parlament muß souverän seine Entscheidungen treffen. Ich bin nicht dafür, .daß wir den Versuch machen, auf einem Korb voll frisch gelegter Interessenteneier zu tanzen, ohne eines dabei kaputtzumachen.

    (Heiterkeit.)

    Ich darf wiederholen: über die Wege zu den allseitig anerkannten Zielen können wir uns in den Ausschüssen noch unterhalten. Sie müssen aber tatsächlich zu den Zielen führen.
    Wir haben bisher versucht, ,die Propagandaaktionen großer und mächtiger Gegenkräfte mit Gelassenheit durchzustelien. Dieser Strom der Beeinflussung, meine Damen und Herren, wird sich von jetzt ab bis zu einer Flut in die Postfächer der Abgeordneten verstärken. Der Aufruf, in jeder Versammlung die Abgeordneten zu stellen, ist bereits öffentlich ergangen. So legitim das alles in der Demokratie ist — wenn das nicht sein dürfte, müßten wir uns dafür einsetzen, daß es erlaubt ist, daß man es uns unbequem macht —: unser Volk verlangt aber ieine klare politische Führung. Da sind wir an-



    Bundesminister Leber
    gesprochen. Wir werden alle miteinander in den nächsten Monaten viel Kraft nötig haben, wenn wir bei unseren Entscheidungen nicht von Pressionen hin- und hergeschüttelt werden wollen. Das werden wir auch auf anderen Gebieten noch erleben. Wenn diese Regierung und dieses Parlament diese Standfestigkeit nicht aufbringen, vermöchten wir gemeinsam auf keinem Gebiet eine Reform zustande zu bringen, die unser Volk so dringend nötig hat.

    (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.)



Rede von Walter Scheel
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)
Das Wort zur Begründung der Anträge der Fraktion der CDU/CSU hat der Herr Abgeordnete Dr. Müller-Hermann.

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Ernst Müller-Hermann


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist ungewöhnlich, daß dem Hohen Hause zu einer Materie zwei so umfassende Vorlagen zur Verfügung stehen. Das ist allerdings bei Verkehrsdebatten im Laufe der Jahre wiederholt geschehen, und man ist etwas versucht, zu meditieren sowohl über die Langlebigkeit von Konzeptionen wie auch über die Langlebigkeit bestimmter Auffassungen innerhalb bestimmter Ministerien. Ich meine aber, die Tatsache, daß wir zwei umfassende Vorlagen zur Verfügung haben, ist zugleich eine Gewähr dafür, daß die zweifellos sehr komplizierte Materie bei uns unter allen Aspekten sorgfältig geprüft wird.
    Sehr verehrter Herr Bundesverkehrsminister, Sie werden Verständnis dafür haben, daß bei meinen Ausführungen auch einige kritische Bemerkungen fallen werden, wie das umgekehrt auch geschehen ist. Aber gerade deshalb möchte ich am Anfang ein ausdrückliches Wort der Anerkennung aussprechen. Was Sie über die Bundesregierung uns zugeleitet haben, ist zweifellos ein mutiger Versuch zur Lösung der verkehrspolitischen Probleme aus einer volkswirtschaftlichen Gesamtschau.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)

    Sie haben dafür ja auch — was völlig legitim ist — das nötige Maß an Publizität eingehandelt. Aber Ihre Vorlage, die Vorlage der Bundesregierung, enthebt natürlich uns alle nicht der Pflicht, ebenfalls über die Probleme nachzudenken. Das scheint mir ohnehin eine der ganz wesentlichen positiven Seiten des sogenannten Leber-Plans zu sein, daß nicht nur dieses Haus, sondern auch die breite Öffentlichkeit genötigt worden ist, sich mit sehr schwierigen Problemen der Verkehrspolitik gründlich auseinanderzusetzen.
    Ich möchte als ein weiteres Positivum ausdrücklich festhalten, daß sicherlich dieser Vorstoß auch dazu beigetragen hat, die sehr schläfrige gemeinsame Verkehrspolitik auf der EWG-Ebene wieder in Schwung zu bringen.
    Schon diese Bemerkungen machen deutlich, meine Damen und Herren, daß in den Kreisen meiner Fraktion nun nicht etwa der Wunsch bestanden hat, Alternativen um jeden Preis zu entwickeln. Im Gegenteil: es gibt ja, wie Sie, Herr Minister, es selber gesagt haben, weite, weite Teile, in denen völlige Übereinstimmung besteht. Ich denke etwa an das, was im Regierungsprogramm bezüglich des Ausbaus eines einheitlichen Verkehrswegenetzes, bezüglich der Luftfahrt, bezüglich der Seeschiffahrt, insbesondere auch der Seehäfen, vorgeschlagen ist.
    Auch die Zielsetzung kann man nur bejahen. Wir müssen etwas tun, um unsere Bundesbahn auf ein gesundes wirtschaftliches Fundament zu stellen, und wir müssen etwas tun, um mit den Folgewirkungen der Motorisierung auf den deutschen Straßen fertig zu werden.
    Unsere Bedenken richten sich einmal gegen die Verfahren und Mittel, die Sie anwenden wollen, um zu diesen Zielen zu kommen. Zum anderen haben wir die Sorge — das wiederhole ich trotz Ihrer sehr optimistischen Aussagen, die Sie soeben hier ge-. macht haben —, daß die von Ihnen vorgeschlagenen Verfahren nicht ausreichen werden, um gerade diese von uns gemeinsam vertretenen Ziele wirklich zu erreichen. Es gibt z. B., was die Bundesbahn anbetrifft, Zahlenunterlagen, die von dem Unternehmen selbst kommen, die praktisch besagen, daß das, was der Bundesbahn an Mehrverkehr zuwächst, nicht einmal ausreichen wird, um das aufzufangen, was sich aus den Personalkostensteigerungen ergibt. Wir haben auch — ich glaube, das kann ich freimütig sagen — etwas mehr Vertrauen in den Marktmechanismus.
    Ich möchte also wiederholen, Herr Bundesverkehrsminister: Unsere Bedenken richten sich nicht gegen Herrn Leber — völlig ohne persönliche Vorurteile, im Gegenteil, außerordentlicher Respekt! —, sondern sie richten sich gegen eine Regierungsvorlage. Ich wiederhole auch, was Sie von mir bereits gehört haben: Wir bedauern es etwas, daß die -Bundesregierung in der neunmonatigen Zeit der Vorbereitung keine Gelegenheit gesucht hat, sich mit den beiden Koalitionsfraktionen und dem Parlament vorbereitend abzustimmen. Ich frage mich auch: Wozu besteht eigentlich ein wissenschaftlicher Beirat bei einem Ministerium, wenn er bei einer so schwierigen Materie nicht einmal vorher gehört wird?

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Wir fühlen uns in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hier völlig frei, unsere Meinung zu sagen, und es gibt ja auch sehr bemerkenswerte Aussprüche unseres Kollegen Helmut Schmidt von der SPD, der einmal gesagt hat: „Wir wollen durchaus nicht alles widerspruchslos schlucken, was die Herren in der Bundesregierung unter sich ausmachen", und: „Die Regierung hat zu tun, was das Parlament beschließt."
    Um es kurz zu machen: Ich glaube, es ist gut gerade auch unter politischen Gesichtspunkten und in den Zeiten der Großen Koalition, daß dieses Hohe Haus deutlich macht, wie sehr es sich selbst legitimiert und auch qualifiziert fühlt, eigene Vorstellungen zu entwickeln, wo das im Interesse der Sache not tut.

    (Sehr wahr! bei der CDU/CSU.)

    Unser Wunsch ist aber, die Bundesregierung bei der Lösung der Probleme zu unterstützen, ihr dabei zu helfen.



    Dr. Müller-Hermann
    Auch eine kurze Bemerkung an die Adresse des Bundesrates, der sich natürlich immer in einer schwierigen Situation befindet, wenn er sich in einer sehr knappen Zeit mit einem solchen Paket von Problemen beschäftigen muß. Ich habe etwas die Sorge, daß durch die Anregungen der Länder im Grund schon Ihre Konzeption, Herr Bundesverkehrsminister, wesentlich durchlöchert worden ist und man bei einigen Ländern unter der Parole: „rette sich, wer kann!" jeden Bonbon aufgegriffen hat in der Hoffnung, dabei noch einige eigene Interessen wahren zu können.
    Ich sagte, Herr Bundesminister, wir müssen auch wechselseitig Kritik gelten lassen, und ich komme einfach nicht daran vorbei, eine gewisse Widersprüchlichkeit hinsichtlich der Zielsetzung der Bundesregierung festzuhalten. Es ist natürlich peinlich, wenn der Herr Bundeswirtschaftsminister etwa bei der Eröffnung der Automobilausstellung im vergangenen Herbst sagt: „Keine Steuererhöhungen!" und wenn zwei Tage später bekannt wird, was der Herr Bundesverkehrsminister der Wirtschaft an Zusatzbelastung zumutet.

    (Zuruf von der FDP: Konzertierte Aktion!)

    Auch bei dem, was Sie, Herr Bundesverkehrsminister, über die mittelfristige Finanzplanung und die Orientierung an dieser Finanzplanung gesagt haben, sollen wir doch das eine festhalten: Sie ist ja, so gut sie in ihrer Tendenz ist, kein unabänderliches, fixes Datum, sondern sie soll und muß Jahr für Jahr den veränderten Verhältnissen angepaßt werden. Ich glaube, es besteht schon heute völlige Klarheit darüber, daß weder Ihre Pläne noch das, was wir uns als Gesundung der Bundesbahn vorstellen, mit dem, was in der mittelfristigen Finanzplanung an Zahlenangaben enthalten ist, zurechtkommen können. Es ist doch gar kein Zweifel, Herr Verkehrsminister, daß die Ziele der Bundesregierung, Wachstum und Stabilität zu gewährleisten, mit dem Verkehrspolitischen Programm in Kollision geraten. Ich warne auch davor, zu sagen: Was sich nach Ihren Vorstellungen und wahrscheinlich auch nach anderen Vorstellungen an Zusatzbelastungen für das einzelne Produkt ergibt, bedeutet nur einen Bruchteil von Prozenten. Man muß natürlich auch die vorausgegangenen indirekten Transportkosten mit in die Rechnung einbeziehen, und dann kommen eben doch auch für das einzelne Produkt sehr hohe Prozentzahlen hinzu.
    Wir sind uns — sicherlich mit der Regierung — auch darüber im klaren, daß unsere Wirtschaft Ruhe für langfristige Dispositionen braucht. Das ist mit ein Grund, weswegen wir sicherlich sehr bald Klarheit über das schaffen müssen, was auf dem Gebiete der Verkehrspolitik zu tun nötig ist. Was uns aber natürlich ganz besonders Sorgen macht, ist, daß die Zielsetzungen des Verkehrspolitischen Programms in einen ganz entschiedenen Widerspruch zu dem, was die Bundesregierung selbst auf dem Gebiete der Regionalpolitik und der Raumordnung anstrebt, geraten.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Wir können nicht auf der einen Seite alles tun, um die wirtschaftlich schwachen und revierfernen Gebiete „aufzurüsten" und „aufzuforsten", und diese Gebiete auf der anderen Seite dadurch, daß die Bundesbahn sich zweifellos in diesen Gebieten in besonderem Maße zurückziehen muß, über eine Verteuerung der Straßentransporte schlechter bedienen als in der Vergangenheit.
    In diesem Zusammenhang müssen wir auch die Probleme sehen, die sich für die Agrarstruktur und die durch die EWG-Marktordnung gebundenen Preise im Agrarbereich ergeben.
    Meine sehr verehrten Damen und Herren! Unsere Überlegungen gehen davon aus, daß man für die Verkehrspolitik und für die Lösung der verkehrspolitischen Probleme nicht länger eine eigene Verkehrsphilosophie entwickeln darf. Das hat uns schon allzu lange — über Jahrzehnte, möchte ich sagen — in die Irre geführt. Verkehrspolitik ist ein Teil dier Wirtschaftspolitik.

    (Zustimmung in der Mitte.)

    Verkehrspolitik und Wirtschaftspolitik müssen in Zielen und Mitteln harmonisieren. Das Verkehrswesen ist im Grunde ein Teil der Wirtschaft, nicht nur ein Diener, wie das so lange gemeint wurde, dem sich alles unterzuordnen hat. Es ist ein Teil der Wirtschaft, und es müssen auch im Verkehrswesen grundsätzlich ökonomische Maßstäbe gelten. Dazu steht nicht im Widerspruch, daß auch nach unserer Auffassung in bestimmten Bereichen gesellschaftspolitische, raumordnungspolitische, sozialpolitische Erwägungen über den ökonomischen Dingen zu stehen haben. Aber auch dort, wo Verkehrsleistungen unter besonderen Umständen angeboten werden, müssen ökonomische Kriterien walten, und die öffentliche Hand, die Politik müssen mit allen Folgen die Verantwortung übernehmen, wo preislich und in der Qualität im Widerspruch zur Eigenwirschaftlichkeit Angebote gemacht werden sollen.
    Sie ersehen daraus schon, daß der Ausgangspunkt aller unserer Überlegungen leine gesamtwirtschaftliche Betrachtungsweise ist, abseits aller Spezial- und Sonderinteressen. Meine Damen und Herren, wir müssen damit rechnen, daß unsere Wirtschaft, die sich heute schon in einem harten internationalen Wettbewerb befindet, sich auf einen weiter verstärkten internationalen Wettbewerb wird einrichten müssen, einen Wettbewerb, der noch mehr als bisher weltweites Ausmaß annehmen wird. Denken Sie etwa an die immer größer werdenden Schiffstypen, die heute zu billigsten Preisen Güter über den Atlantik transportieren, die früher als Konkurrenzangebot auf dem europäischen Kontinent gar nicht in Erscheinung treten konnten. Auch dier Luftverkehr wird hier noch zusätzliche große Veränderungen hervorrufen. Wir werden uns also auf nationaler, EWG- und Weltebene auf eine Intensivierung der Arbeitsteilung einrichten müssen.
    Meine Damen und Herren, ein Zweites kommt hinzu. Unsere Wirtschaft stellt sich mehr und mehr auf eine verringerte Lagerhaltung um, weil jede Lagerhaltung natürlich das knappe Kapital in un-



    Dr. Müller-Hermann
    produktiver Weise bindet. Sehen wir aber diese Zusammenhänge, dann werden eben die Transportkosten ein immer entscheidenderer Kostenfaktor für unsere ganze Wirtschaft. Auch die Ansprüche an die Qualität der Verkehrsbedienung werden ständig wachsen. Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Vermeidung von Umladungen sind Anforderungen, die in ständig wachsendem Maße an das Verkehrswesen gestellt werden.
    Herr Bundesverkehrsminister, Sie sagen in Ihren Ausführungen selber, man müsse es erreichen, daß Straßenferntransporte ohne staatliche Zwangsmittel über weite Strecken auf die Schiene gebracht werden können. Dem können wir sehr gut zustimmen. Dann verstehen wir nur nicht, warum Sie für Ihre Zielsetzungen nun das Mittel von Transportverboten einsetzen wollen. Wir müssen natürlich alles daransetzen, daß aus Kostenersparnisgründen Umladungen vermieden werden. Daher auch jede mögliche Förderung für den Container-Verkehr, Behälterverkehr, Haus-Haus-Verkehr, für Gleisanschlüsse, kombinierten Verkehr und Kooperation der Verkehrsträger. Aber gerade aus dieser Sicht kommen wir nicht an der Feststellung vorbei, daß der sogenannte Leber-Plan in der Praxis zu einer Verschlechterung und auch zu einer Verteuerung .der Verkehrsbedienung führen muß.
    Ich weiß nicht, Herr Bundesverkehrsminister, ob der Mut ganz legitimiert ist, mit dem Sie hier aussprechen, daß bei der Durchführung ,der Beförderungsverbote und unter Anwendung der prohibitiv gedachten Beförderungsteuer die Bundesbahn bei durchgerechneten Tarifen zu gleichen Preisen anbieten kann, wie es heute der Straßenverkehr tun kann, — wenn Sie unterstellen, daß zweifache Umladungen in der Regel damit verbunden sein müssen.
    Wir müssen zunächst einmal davon ausgehen, daß mit den Beförderungsverboten der Zwang zu Umladungen gegeben ist, zu mehrfachen Umstellungen, daß wirtschaftlich unsinnige Umwege gemacht werden müssen. Heute schon spricht man davon, daß Fernverkehrsunternehmer oder Unternehmen, die auf Fernverkehr eingerichtet sind, mit Zwischenstationen sich nun auf Nahverkehr umstellen, um Ihre Verbotsliste und die prohibitiven Steuern zu umgehen. Das alles spricht doch dafür, daß wir Gefahr laufen, bei der Durchsetzung Ihres Programms — volkswirtschaftlich gesehen — in erheblichem Umfange Fehlinvestitionen in die Wege zu leiten und Produktivkräfte fehlzuleiten. Alle diese Folgerungen müssen sich meines Erachtens zwangsläufig mit besonderer Härte für die wirtschaftlich schwachen und revierfernen Gebiete ergeben.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Sie haben selber mit Recht auf 'die Vergleichbarkeit Verkehr /Bundesbahn und die Situation der Kohle hingewiesen. Aber, Herr Bundesverkehrsminister, ich würde den Vorwurf, daß dieser Struktur wandel zu spät angepackt worden ist, nicht an die Adresse der Kräfte des Marktes richten. Vielmehr müssen wir uns in diesem Hohen Hause — aber nicht nur hier — allesamt ,an die Brust schlagen und bekennen, daß wir den dynamischen Kräften des Marktes und der Wirtschaft immer wieder in die Quere gekommen sind,

    (Zustimmung bei der CDU/CSU)

    sowohl auf dem Gebiete der Energiepolitik als auch auf dem Gebiete der Verkehrspolitik. Das ist die Ursache dafür, daß dieser Strukturanpassungsprozeß sich so zögernd und in ungenügender Weise entwickelt hat.
    Ich glaube, daß wir, Herr Bundesverkehrsminister, im Grunde auch völlig übereinstimmen: wenn wir der deutschen Wirtschaft, dem Verkehrswesen und der Bundesbahn helfen wollen, dann dürfen wir nicht konservieren, was durch ,die technische Entwicklung überholt ist, sondern wir müssen die Anpassungsvorgänge fördern, damit sie sich möglichst organisch schnell und reibungslos vollziehen.
    Bei der Bundesbahn selbst dürfte mittlerweile auch die Einsicht gewachsen sein, daß die vielfältigen Abschirmungsversuche, die man im Laufe der letzten Jahre oder Jahrzehnte unternommen hat, .ihr selbst gar nicht geholfen haben. Im Gegenteil, die Bundesbahn ist viel zu lange gefesselt gewesen und gehindert gewesen, sich im Wettbewerb durchzusetzen, ein kaufmännisches Management zu entwickeln und dort ihre volle Leistungsüberlegenheit zur Geltung zu bringen, wo sie kraft ihrer Struktur sowohl der Binnenschiffahrt als auch dem Güterkraftverkehr überlegen ist.
    Ich bedaure etwas — aber das ist auch ein Vorwurf, den wir an uns selbst richten müssen —, daß die vielfältigen sehr konstruktiven Vorschläge, die schon 1960 mit dem Brand-Bericht und 1966 von der Deutschen Revisions- und Treuhand-AG der Bundesbahn und uns vorgelegt worden sind, allzu lange unberücksichtigt geblieben sind. Heute erleben wir — eine Erfahrung, die auf dem Energiesektor genauso gemacht werden mußte —, daß sich eben dort im Konjunkturrückschwung all die Strukturprobleme besonders bemerkbar machen, die wir allzu lange vor uns hergeschoben haben. Also Grundtendenz: die Lösung der Anpassungsprobleme auch im Bereich des Verkehrs nicht aufhalten, sondern sie im Gegenteil fördern.
    Nun kann man sich natürlich — das ist jetzt an unseren Koalitionspartner gerichtet, aber auch an die neue Opposition — müßigerweise über Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit unterhalten. Ich glaube, daß ich mir ebenso wie der Kollege Schmidt (Hamburg) zugute halten kann, hier oft wie ein Rufer in der Wüste dagestanden zu haben. Aber lassen wir das; sprechen wir nicht über die Vergangenheit, sondern richten wir unseren Blick nach vorn!
    Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Bundesverkehrsminister, daß Sie bei Ihren heutigen Ausführungen über die Zukunft der Bundesbahn doch etwas konkreter gewesen sind, als das zunächst im Verkehrspolitischen Programm der Fall war. Wir sehen, sicherlich in völliger Übereinstimmung auch mit der Bundesregierung, die Bundesbahn als die tragende, ausgleichende und verbindende Mitte des Gesamtverkehrs an, und das wird sie auch in Zukunft



    Dr. Müller-Hermann
    bleiben. Aber die Bahn der Zukunft wird eben anders aussehen müssen als die heutige Bundesbahn, deren Schienennetz zum Teil noch aus dem vorigen Jahrhundert stammt.
    Wir müssen anerkennen — mit einem ausdrücklichen Lob an die Bediensteten der Bundesbahn, das ja in diesem Hause wiederholt ausgesprochen worden ist —, daß erhebliche Anstrengungen zur Modernisierung und zum Personalabbau gemacht worden sind. Aber wir kommen eben leider auch nicht an der Feststellung vorbei, daß alle bisherigen Anstrengungen nicht ausgereicht haben. Man darf das nicht allein auf die Konkurrenzsituation zurückführen, obwohl das sicherlich auch ein Problem ist dem wir nicht ausweichen dürfen, sondern es liegt eben auch viel an dem, was bei der Bundesbahn selbst gemacht oder nicht gemacht worden ist. Die Zahlen etwa über die Personalkostenentwicklung im Verhältnis zur Produktionsentwicklung sind angesichts der umfangreichen Investitionen, die über lange Jahre getätigt worden sind, nicht gerade beruhigend, sondern im Grunde deprimierend. Auch die Verschuldung der Bundesbahn mit einem jährlichen Tilgungsbedarf von anderthalb Milliarden DM ist im Grunde für uns eine sehr ernste Mahnung, uns über dieses Problem Gedanken zu machen.
    Aber wir helfen der. Bundesbahn und ihren Bediensteten nicht damit, daß wir ihnen zum Munde reden und so tun, als ob nichts zu tun wäre. Vielmehr müssen wir die Dinge beim Namen nennen und den Fakten Rechnung tragen, d. h. wir müssen auch sehen, daß sich die Änderung in der allgemeinen Wirtschaftsstruktur leider sehr stark zu Lasten der Bundesbahn entwickelt hat und voraussichtlich auch teilweise zu ihren Lasten weitergehen wird. Daraus ist der Bundesbahn kein Vorwurf zu machen. Ich denke etwa an die Entwicklung der Verkehrsströme, an die Folgen der Teilung Deutschlands, an den natürlichen Rückgang des Massengutverkehrs als Folge der Kohleentwicklung, der Umstellung auf Pipelines und der Verstromung. Es bleibt eben nichts anderes übrig, als daß sich die Bundesbahn der sich verändernden Nachfrage und der auf sie zukommenden Veränderung der Marktlage anpaßt; denn es geht ja nicht, daß sich die Marktlage den Interessen der Bundesbahn anpaßt. Das wäre illusorisch.
    Ich bin Ihnen deshalb sehr dankbar, Herr Bundesverkehrsminister, daß Sie so deutlich ausgesprochen haben, wie sehr sich das Verwaltungsdenken der Bundesbahn, das leider immer noch in bestimmten Bereichen vorherrscht, umwandeln muß in kaufmännisches Management. Wenn sich die Bundesbahn im Wettbewerb behaupten will, muß sie ihre Dienstleistung verkaufen, muß sie sich bemühen, daß sie ihre Ware — sprich: Dienstleistung — auf dem Markt los wird.
    Aber auch hier ein Wort zugunsten der Bundesbahn: Sie ist bis heute für diesen Umstellungsprozeß weder in der Institution noch in ihrer kapitalmäßigen Situation genügend ausgerüstet; im Gegenteil, sie ist durch die Politik bisher weitgehend behindert worden.
    Meine sehr verehrten Damen und Herren, nach unseren Auffassungen hat eine Sanierung der Bundesbahn zwei wesentliche Voraussetzungen. Einmal muß der Eigentümer, das ist der Bund, selbst wissen und der Bundesbahn sagen: Wie soll denn nun eigentlich dieses Unternehmen in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren aussehen? Auf welche Nachfrage nach Verkehrsleistungen — soweit das überhaupt vorauskalkulierbar ist — soll sich dieses Unternehmen einstellen? Die Bundesregierung als der Repräsentant des Eigentümers hat der Bundesbahn zunächst einmal ganz klare Ziele zu setzen.
    Und das zweite, meine Damen und Herren: Der Bund muß sich selbst in Pflicht nehmen, der Bund, repräsentiert durch die Bundesregierung, den Bundesrat und den Bundestag; denn nur durch ein starkes politisches Engagement werden wir diesen längst fälligen Anpassungs- und Strukturverbesserungsprozeß über die Bühne ziehen, weil allenthalben, sowohl innerhalb des Betriebes als auch in der Öffentlichkeit, meine Damen und Herren, menschlich verständliche, aber eben sehr partielle Widerstände sich dem Nötigen entgegenstellen.
    Herr Bundesverkehrsminister, wir wollen bei unseren Zielvorstellungen — und ich hoffe, daß wir da zu einer gewissen Übereinstimmung kommen — erreichen, daß man in Zukunft bei der Bundesbahn zwischen dem Wettbewerbsbereich, in dem die Bundesbahn Anspruch auf gleiche Startbedingungen hat, und dem Bereich, in dem die Bundesbahn öffentliche Dienste anbietet, etwa im Personenverkehr oder bei der Aufrechterhaltung von Strecken in Aufbaugebieten und Zonenrandgebieten, unterscheidet.
    Zum anderen muß sich die Bundesbahn meines Erachtens auf den Knotenpunktverkehr konzentrieren. Wie groß die Zahl der Knoten ist — Sie haben vorhin einige Zahlen genannt —, was volkswirtschaftlich vernünftig ist, darüber muß man sich unterhalten, denn dieser Knotenpunktverkehr hat natürlich nur dann einen Sinn, wenn diese Knoten auch technisch so ausgestattet sind, daß dort eine kostensparende Umladung möglich ist, und wenn durch eine Neuorganisation des Flächenverkehrs sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr und den Kleingutverkehr vorgesorgt ist, damit die betroffenen Flächengebiete in ihrer Verkehrsversorgung nicht schlechter, sondern eher besser als bisher gestellt sind.
    Dazu gehört dann aber auch, Herr Bundesverkehrsminister, eine auf die Produktivitätssteigerung ausgerichtete Investitionsplanung. Ich weiß eben nicht, ob wir ganz klug daran tun, ob auch Sie der Sache wirklich einen Dienst erweisen, wenn wir uns immer wieder in den engen Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung einpressen lassen und so tun, als ob da überhaupt kein Spielraum mehr wäre. Wir
    wissen, daß die mittelfristige Finanzplanung in der jetzigen Form Korrekturen erforderlich machen wird, und wir wissen auch, daß die für die Bundesbahn benötigten Finanzmittel eben nicht nur aus dem öffentlichen Haushalt kommen können, sondern daß wir sie zu einem großen Teil auf dem Kapitalmarkt beschaffen müssen. Wir bekommen aber auf




    Dr. Müller-Hermann
    dem Kapitalmarkt Gelder für diese Sanierung, die die Bundesbahn braucht, nur dann, wenn wir zugleich eine Gewähr dafür bieten können, daß die eingesetzten Mittel auch wirklich zu einer Verbesserung der Produktivität und Rentabilität des Unternehmens beitragen.
    Meine Damen und Herren, ich glaube auch, daß wir durch eine Novelle zum Bundesbahngesetz eine gewisse institutionelle Sicherung dafür treffen müssen, daß die kaufmännische Geschäftsführung wie ein Management arbeiten kann. Nach unseren Vorstellungen soll eben der Vorstand der Bundesbahn, ähnlich wie ein Vorstand in einem Handelsunternehmen, ausschließlich nach eigenwirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten, und nur dort, wo die öffentliche Hand aus übergeordneten Gründen von der Bahn Leistungen verlangt, die dem Prinzip der Eigenwirtschaftlichkeit entgegenstehen, hat sie einen Anspruch auf Abgeltung, wenn ihr vom Bund dementsprechende Auflagen gemacht werden. Dazu gehört natürlich dann auch eine sehr eindeutige sogenannte Normalisierung der Kosten, und es gehört nach unseren Vorstellungen auch ein Schiedsverfahren dazu, das rechtsgültig entscheidet, wenn zwischen dem Eigentümer Bund und der Unternehmensleitung Bundesbahn über die Abgeltung unterschiedliche Meinungen bestehen.
    Wir hoffen jedenfalls, Herr Bundesverkehrsminister, daß wir im Zuge der Ausschußberatungen von Ihnen auf Grund unseres Wunsches, daß die Bundesregierung drei aufeinander abgestimmte Vierjahrespläne entwickeln möge, die nötigen Auskünfte bekommen, die uns in die Lage versetzen, der Bundesbahn die Hilfe zu geben, die sie politisch braucht, wenn sie wirtschaftlich zurechtkommen will.
    Natürlich, Herr Bundesverkehrsminister, entstehen bei der Bundesbahn auch eine Fülle von sozialen Problemen. Aber man löst auch sie nicht dadurch, daß man sie totschweigt, sondern wir müssen uns ihnen stellen. Soziale Probleme ergeben sich gerade nach Ihren Vorstellungen ja nicht nur für die Eisenbahner, auch nicht nur für einige selbständige Unternehmer. Mit den Existenzvernichtungen, die sich etwa als Folge der Verbotsliste ergeben, werden auch eine Reihe von sozialen Problemen für Arbeitnehmer und Abhängige oder für ganze Familien erwachsen.

    (Beifall in der Mitte.)

    Ich weiß ohnehin nicht, Herr Bundesverkehrsminister, ob es ganz glücklich ist, wenn man den zwangsläufig bei der Bundesbahn notwendigen Personalabbau, .der ja ohne soziale Härten vor sich gehen soll und möglichst auf dem Wege des natürlichen Abgangs, auf eine Ebene mit der Vernichtung selbständiger Existenzen stellt, für die eben kein Netz besteht.

    (Beifall bei der CDU/CSU und der FDP.)

    Ich glaube auch, daß wir bei allem Bemühen, die bei der Bundesbahn notwendigen Personaleinsparungen auf dem Wege des natürlichen Abgangs und ohne soziale Härten durchzusetzen, auch den Eisenbahnern die einer modernen Industriegesellschaft adäquate Mobilität abverlangen müssen.
    Nun haben wir uns nach unseren Vorstellungen natürlich auch Gedanken darüber. gemacht, ob wir Vorschläge machen sollten, die eine Änderung des Rechtsstatus der Bundesbahn zur Folge haben. Wir haben dies bewußt nicht getan. Ich würde auch vor der Meinung warnen, die von großen Organen der Wirtschaft oder auch in diesem Hohen Hause vertreten werden könnte, daß man mit rein institutionellen Vorschlägen die aktuellen Probleme der Bundesbahn einer Lösung zuführen könnte. Alles zu seiner Zeit! Auch über diese Frage kann man zum geeigneten Zeitpunkt sprechen.
    Ich bin auch sicher, daß die Bundesbahn kraft ihrer Größe und Bedeutung eine natürliche Sonderstellung im Verkehrswesen behalten wird. Aber sie darf natürlich umgekehrt im Wettbewerbsbereich nicht für sich eine Sonderstellung in Anspruch nehmen wollen. Wir sind jedenfalls der Überzeugung, daß durch die Vielzahl der Vorschläge, die aus unserer Fraktion gemacht worden sind, der bei der Bundesbahn notwendige Strukturwandel leichter durchgezogen werden kann und die Position der Bundesbahn im Wettbewerb gestärkt wird.
    Der nächste Punkt, zu dem ich etwas sagen möchte, ist die Frage der gleichen Startbedingungen im Wettbewerb. Wir gehen in unseren Überlegungen auf einen möglichst starken Wettbewerb aus. Aber Wettbewerb hat natürlich angenäherte Startbedingungen zur Voraussetzung. Das betrifft zunächst einmal das Verhältnis zwischen Schiene und Straße. Da kommen wir einfach an der Feststellung nicht vorbei, daß der deutsche Straßenverkehr schon heute innerhalb der EWG die höchste Steuerlast trägt. Alle Maßnahmen, die darauf abgestimmt wären, der deutschen Kraftverkehrswirtschaft zusätzliche Steuerlasten aufzubürden, ohne daß ihre internationale Straßenkonkurrenz in gleicher Weise betroffen würde, würden nur zu Lasten der gesamten deutschen Verkehrs- und Volkswirtschaft gehen.

    (Sehr richtig! bei der CDU/CSU.)

    Mit Recht haben Sie gesagt, Herr Bundesverkehrsminister: Der Ausgangspunkt für die Angleichung der Startbedingungen ist das Wegekostenproblem. Hier muß ich .ein sehr offenes Wort sprechen. Das Thema ist so interessant — und offensichtlich werden die Gutachten, die dafür nötig sind, auch so gut honoriert —, daß wir noch eine ganze Weile warten können, bis hier konkrete Arbeitsergebnisse vorliegen, die es 'den Politikern erlauben, daraus Schlußfolgerungen zu ziehen. Deshalb bleibt gar nichts anderes übrig, als hier eine politische Entscheidungen zu treffen, von der man wissen muß: Sie ist nicht ideal; sie ist auch nicht das letzte Wort; sie ist korrekturfähig und muß natürlich vor allem angepaßt werden, wenn auf EWG- Ebene Entscheidungen getroffen werden.
    Herr Bundesverkehrsminister, Sie haben nicht ganz zu Unrecht gesagt, daß unser Vorschlag einer Straßenbenutzungsgebühr auch seine verfassungsrechtliche Problematik hat. Aber ich gebe das gleich retour. Ihre Beförderungsteuer ist natürlich sowohl steuersystemwidrig als auch EWG-widrig und wird — davon bin ich fest überzeugt —, zumindest was



    Dr. Müller-Hermann
    den Werkverkehr anlangt, beim Bundesverfassungsoder Bundesverwaltungsgericht enden. Wir haben uns aus allen diesen Gründen — diese Operation war nicht ganz leicht — auf eine Straßenbenutzungsgebühr für schwere Lastwagen verständigt. Ich glaube, sie ist auch sehr systemklar. Sie betrifft den Nah- und den Fernverkehr, sie betrifft die In- und die Ausländer, und sie kommt meines Erachtens dem EWG-Vorschlag einer Sättigungsabgabe in der Konzeption sehr nahe.
    Ich habe eben die Sorge, daß gerade durch die Folgewirkung Ihrer Beförderungsteuer, Herr Bundesverkehrsminister, der Straßenentlastungseffekt sehr gering sein wird, im Gegenteil, daß gerade in den Ballungsgebieten eine Straßenzusatzbelastung provoziert werden dürfte. Wir schlagen vor — was sich mit dem Charakter einer Gebühr durchaus verträgt, ja fast folgerichtig ist —, daß die Einnahmen aus den Gebühren von Bund und Ländern — wir können nur für den Bund entscheiden — für Straßenverkehrsinvestitionen zur Engpaßbeseitigung eingesetzt werden.
    Hier kann ich mir auch eine kleine Bemerkung nicht verkneifen, Herr Bundesverkehrsminister. Nach Ihren Berechnungen werden sich aus der Beförderungsteuer Mehreinnahmen von rund 400 Millionen DM ergeben. Aus unseren Vorschlägen wird sich bei der Straßenbenutzungsgebühr — nach den Feststellungen und Rechnungen des Bundesfinanzministeriums — ein Aufkommen von rund 250 Millionen DM und aus der Lizenzierungsgebühr für den Werkverkehr, über die noch zu sprechen sein wird, ein Aufkommen von rund 125 oder 130 Millionen DM ergeben. Das heißt, daß die gesamte Zusatzbelastung bei uns — man muß sagen: ohne Tränen geht das Ganze nicht ab — nicht sehr viel geringer ist als bei Ihnen. Aber wir vermeiden unter allen Umständen die Beförderungsverbote, die eben durch die Umladungszwänge eine unnötige und meines Erachtens auch unzumutbare Belastung für die Volkswirtschaft darstellen.
    Lassen Sie mich noch ein Wort zum Werkfernverkehr sagen. Wenn man bei Unternehmern der gewerblichen Verkehrswirtschaft, bei der Binnenschifffahrt oder bei der Bundesbahn spricht und auf den Werkfernverkehr schimpft, dann ist man des Beifalls des Publikums sicher. Hier besteht eine seltsame Solidarität mit sehr vielen Vorurteilen. Wenn der Werkfernverkehr sich auch in der Zeit, als er die von Herrn Leber jetzt wieder geforderte höchste Last der Beförderungsteuer getragen hat, so ausgeweitet hat, dann doch nicht deshalb, weil einige Unternehmer aus der Industrie oder aus dem Handel ihre Fahrzeuge auf den deutschen Straßen spazierenfahren lassen wollen, sondern einfach, weil die Qualität und die preisliche Elastizität der öffentlichen Verkehre den Bedürfnissen der Wirtschaft nicht adäquat waren.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Darüber müssen wir uns im klaren sein: die fahren weiter im Werkfernverkehr, wenn wir nicht in diesen Punkten — Qualität und Elastizität — etwas ändern; und das, was dem Werkfernverkehr an Zusatzbelastung aufgeknallt wird, geht mit Sicherheit irgendwo in den Preisen weiter.
    Ich darf hier, Herr Bundesverkehrsminister, auch einmal die EWG-Stellungnahme zitieren, wo es heißt: „unter keinen Umständen eine ungleiche Behandlung des gewerblichen und des Werkverkehrs." Bei Ihnen wird eine fünffache Steuerbelastung für Teile des Werkfernverkehrs abverlangt.
    Wir möchten durch unsere Vorschläge auch zu einer Eindämmung des Werkfernverkehrs kommen, aber auf eine organische Weise, mit einer Lizenzierung nach einer Verhandlung am runden Tisch, mit der man in den Niederlanden durchaus gute Erfahrungen gemacht hat, und durch eine Verbesserung des Leistungsangebots bei den gewerblichen und öffentlichen Verkehren, einmal durch eine Teilbarkeit der Tonnage beim gewerblichen Güterfernverkehr und die Ermöglichung von Sonderabmachungen bei Bahn- und Güterkraftverkehr und durch Branchentarifabkommen bei der Binnenschiffahrt.
    Dazu kommt eine Lizenzierungsgebühr. Sie haben nicht ganz zu Unrecht verfassungsmäßige Zweifel angemeldet, wenn diese Gebühr jährlich wieder erhoben wird. Wir beziehen uns auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, daß bei einer solchen Gebühr auch die Interessen des Veranlassers mit berücksichtigt werden können. Wenn diese Gebühr nach der Meinung mancher Leute relativ niedrig ist, dann vergessen sie leider dabei, daß die Straßenbenutzungsgebühren nach unseren Vorstellungen auch für Leerfahrten erhoben werden. Da der Werkfernverkehr in der Regel ohne Rückfrachten fährt, werden diese Unternehmen in der Regel mit der Straßenbenutzungsgebühr doppelt belastet sein.
    Einige Worte zur Binnenschiffahrt. Die Ursachen für den ruinösen Wettbewerb liegen auch hier im Strukturwandel, dem man sich nicht angepaßt hat, und in den Überkapazitäten. Es ist ja irgendwie kurios, daß wir jahrelang den Bau von Binnenschiffen steuerlich gefördert haben und jetzt wieder das Abwracken steuerlich fördern und daneben noch zu gleicher Zeit auch heute noch über das Berlinhilfegesetz die Anlage neuer Schiffstonnage steuerlich fördern. Hier muß ja einmal eine klare Linie hereingebracht werden. Wir glauben auch, daß dieses Problem nicht allein auf nationaler Ebene lösbar sein wird. Man muß sicherstellen, daß die Abwrackaktion international durchgeführt wird, zumindest gemeinsam von den Niederländern und den Deutschen, die über 80 % der Rheintonnage verfügen, und daß die stillgelegte Tonnage auch tatsächlich verschrottet und nicht wieder auf Umwegen auf den Markt gebracht wird. Wir wollen auch versuchen, eine Vorfinanzierung der Abwrackaktion durch die Einschaltung privater Kreditinstitute sicherzustellen. Mir scheint, daß da ein Weg ist, der zu einer beschleunigten Anpassung des Angebots an die Nachfrage führen kann.
    Ein paar Worte zu dem Thema Straßenentlastung. Es besteht sicherlich völlige Übereinstimmung in diesem Hohen Hause, daß auch in der Verkehrspolitik der Mensch im Mittelpunkt aller Überlegungen steht und daß uns das Thema Unfalltote, Unfallverletzte ständig beschäftigt. Ich würde auch



    Dr. Müller-Hermann
    meinen, es lohnte sich, wenn wir einmal in diesem Hohen Hause in einer besonderen Debatte oder besonderen Sitzung uns dieses Themas annehmen.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Aber meines Erachtens ist das Problem wirklich zu ernst, als daß man den Versuch machen sollte, es mit Emotionen oder Illusionen einer Lösung zuzuführen.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Wir wollen auch nicht so tun, meine Damen und Herren, als ob die Straßenbelastung und die Unfallsituation ausschließlich oder auch nur vorrangig ein Lkw-Problem wäre.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Herr Bundesverkehrsminister, bestenfalls, was ich aber noch anzweifle, wird durch Ihre Verbotsliste und die Beförderungsteuer bis 1975 die Zahl der Lastwagen um 10 000 Einheiten verringert werden, während sich in der gleichen Zeit die Zahl der Personenkraftwagen um mindestens 5 Millionen erhöhen wird.
    „Der Gedanke der Straßenentlastung durch Verbote ist schon im Ansatz falsch." Dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von Helmut Schmidt aus dem Jahre 1957. Aber er ist meines Erachtens auch heute noch so wahr wie gestern.

    (Beifall bei der CDU/CSU.)

    Leider ist die Unfallhäufigkeit, — — Herr Kollege Schmidt, ich habe Sie gerade zitiert. Aber das ist nicht das erstemal heute. Sie geben so gute Bonmots von sich, Herr Kollege Schmidt, daß man sie sehr häufig zitieren kann.

    (Heiterkeit und Beifall bei der SPD.)

    Die Unfallhäufigkeit ist weitgehend ein Problem des Individualverkehrs, d. h. ein Problem des menschlichen Versagens. Der Pkw-Verkehr wächst eben überproportional, während sich der Lkw-Verkehr in den Zuwachsraten sehr, sehr vorsichtig verhält. Wir haben aus all diesen Überlegungen auch in unserem Gesetzgebungskatalog oder Vorschlagskatalog unser Augenmerk sehr stark auf den innerstädtischen Verkehr gerichtet. Ich will das hier nicht vertiefen. Wir werden uns damit noch intensiv zu beschäftigen haben.
    Wir stehen einfach vor dem Problem, meine Damen und Herren, wie wir zur gleichen Zeit auch im innerstädtischen Bereich sowohl ,die freie Wahl des Verkehrsmittels aufrechterhalten wollen als auch die Lebens- und Funktionsfähigkeit unserer Städte. Dieses Problem ist auch des Schweißes der Edlen wert, und wir werden bei anderer Gelegenheit darauf zu sprechen kommen.
    Wir meinen, daß man zu einer Straßenentlastung im Fernverkehr nur kommen kann, indem man den Straßenbau intensiviert und den Verkehrsfluß verbessert. Wir hoffen, durch die Zweckbindung der Straßenbenutzungsgebühr dazu auch einen Beitrag zu leisten. Wir wollen, daß man den Autobahnausbau in Zukunft sechsspurig plant und durchführt. Wir hoffen auch durch die Ausweitung des Sonntagsfahrverbots auf Samstag, 13 Uhr, im Wochenendverkehr zu einer Entlastung der Straßen kommen zu können. Im übrigen, meine ich, soll man auch nicht unterschätzen, daß die von uns vorgeschlagene, nach dem Achsdruck und der Jahresfahrleistung bernessene Straßenbenutzungsgebühr ein Anreiz für eine straßenschonende Bauweise und zur Vermeidung von Leerfahrten sein wird. Da die Leerfahrten eben auch gebührlich erfaßt werden, wird allein diese Tatsache zu einer natürlichen Reduzierung des LkwVerkehrs beitragen.
    Nun zum Abschluß noch ein Wort zu der Stellungnahme der EWG-Kommission. Sehr verehrter Herr Bundesverkehrsminister, ich will es hier aussprechen, obwohl es im Grunde selbstverständlich 'ist. Diese Stellungnahme ist für uns in keiner Weise etwa Anlaß zu irgendwelcher Schadenfreude. Diese Stellungnahme muß auch bei den Beratungen in den Ausschüssen ihren gebührenden Platz haben. Aber, Sie haben es auch angedeutet — ich kann, da ich nicht Regierungsmitglied bin, eis vielleicht noch etwas deutlicher aussprechen —: Selbstverständlich stecken zum Teil hinter der Stellungnahme der EWG-Kommission sehr eindeutige nationale Interessen anderer Mitgliedstaaten, die mit im Spiel sind. Das ist legitim.

    (Zuruf von der SPD: Vorwiegend!)

    Aber wenn man uns, der Bundesrepublik, auch im Zusammenhang mit Ihren Vorschlägen, den Vorwurf von Diskriminierungen macht, nicht laut, aber sehr deutlich, dann heißt das leider in vielen Fällen eben auch, daß man sich anderenorts bemüht, bestehende Diskriminierungen zu deutschen Lasten aufrechtzuerhalten. Die Bundesregierung, auch Sie selbst, dürfen sich der vollen Unterstützung meiner Fraktion bewußt sein, wenn Sie sich entschieden darum bemühen, bestehende, zu unseren Lasten gehende Diskriminierungen abzustellen. Ich halte es auch für völlig legitim, daß man nationale Vorstöße unternimmt, wenn die EWG selbst mit ihren Organen Lösungen verzögert oder mit ihnen nicht zu Rande kommt. Wir haben uns aber, darauf lege ich ebenso Wert, bei den Überlegungen in meiner Fraktion sehr bewußt darum bemüht, bei unseren Vorschlägen in Übereinstimmung mit Geist und Inhalt des Vertrages zu bleiben und in allen Fällen unter Aufrechterhaltung der freien Konsumwahl dem Gedanken eines redlichen Wettbewerbs Rechnung zu tragen.
    Ich habe an die Bundesregierung nur die Empfehlung zu geben, daß sie die Stellungnahme der EWG- Kommission unter keinen Umständen nur zu einer reinen Rechtsfrage machen sollte. Wir haben einige Beispiele aus diesem Hohen Hause gehabt, wo Initiativen aus dem Kollegenkreis Maßnahmen vorschlagen wollten, die in den EWG-Bereich hineinreichen, wo ihnen von seiten der Regierung gesagt wurde: Abwarten, wir müssen EWG-konform bleiben.