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ID0116607200

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Deutscher Bundestag — 166. Sitzung. Bonn, Mittwoch, den 10. Oktober 1951 6768 166. Sitzung Bonn, Mittwoch, den 10. Oktober 1951. Geschäftliche Mitteilungen . . . . 6765A, 6817C Eintritt der Abg. Dr. Meitinger (BP) und Odenthal (SPD) in den Bundestag . . . 6765B Glückwunsch zum 70. Geburtstag des Abg. Sander 6765B Glückwunsch zum 65. Geburtstag des Abg. Gengler .. . . 6765B Beschlußfassung des Deutschen Bundesrats zum Gesetz über die Errichtung von Bundesdienststrafgerichten 6765C Gesetz zur Förderung des Bergarbeiterwohnungsbaus im Kohlenbergbau . . 6765C Gesetz zur Ergänzung und Änderung des Gesetzes über Hilfsmaßnahmen für Heimkehrer .. . . . 6765C Anfrage Nr. 203 der Fraktion der KPD betr. Aufstellung von Stammrollen im Bundesministerium des Innern (Nrn. 2524, 2625 der Drucksachen) 6765C Anfrage Nr. 204 der Abg. Frau Dr. Steinbiß u. Gen. betr. Ärzte und Krankenkassen (Nrn. 2545, 2654 der Drucksachen) . . . 6765C Anfrage Nr. 206 der Fraktion der DP betr. Vermittlung deutscher Arbeitnehmer im Ausland (Nrn. 2561, 2652 der Drucksachen) 6765C Anfrage Nr. 207 der Abg. Dr. Jaeger, Strauß u. Gen. betr. Abtransport deutschen Kunstbesitzes nach Österreich (Nrn. 2562, 2653 der Drucksachen) . . . 6765C Bericht des Bundesministers für Arbeit betr. Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes (Nr. 2629 der Drucksachen) 6765D Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der KPD betr. Entwurf eines Gesetzes über die Abgeltung von Besatzungsleistungen und Besatzungsschäden (Nrn. 2568, 978 der Drucksachen) 6765D zur Geschäftsordnung: Renner (KPD) 6765D, 6766C Schoettle (SPD) 6766B Ausschußrücküberweisung 6766D Beratung der Interpellation der Fraktion der SPD betr. Gewährung von Blinden-geldern an Zivilblinde (Nr. 2435 der Drucksachen) in Verbindung mit der Beratung des Antrags der Fraktion der KPD betr. Blindenpflegegeld-Gesetz (Nr. 2556 der Drucksachen) . 6766D Frau Döhring (SPD), Interpellantn . 6766D Renner (KPD), Antragsteller 6768A, 6770A Bleek, Staatssekretär im Bundes- ministerium des Innern 6769B Ausschußüberweisung 6769D, 6770B Erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die Abkommen über die soziale Sicherheit der Rheinschiffer und über die Arbeitsbedingungen der Rheinschiffer nebst Schlußprotokoll (Nr. 2574 der Drucksachen) . 6770B Ausschußüberweisung 6770C Erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich über Sozialversicherung nebst Schlußprotokoll (Nr. 2575 der Drucksachen) 6770C Ausschußüberweisung 6770C Beratung des Mündlichen Berichts des Ausschusses für Beamtenrecht (25. Ausschuß) über den Antrag der Abg. Dr. Tillmanns u. Gen. betr. Neubesetzung im öffentlichen Dienst (Nrn. 2583, 1513 der Drucksachen) .. 6770C Dr. Kleindinst (CSU), Bericht- erstatter 6770D Beschlußfassung . 6771A Beratung des Mündlichen Berichts des Ausschusses für Beamtenrecht (25. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der BP betr. Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Beamte, Angestellte, Arbeiter und Versorgungsempfänger öffentlich-rechtlicher Körperschaften (Nrn 2584, 2444 der Drucksachen) 6771A Dr. Kleindinst (CSU), Bericht- erstatter 6771B Beschlußfassung .. 6771B Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag des Abg. Schmitt (Mainz) betr. Wiederaufbau der Kaiserbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden (Nrn 2567, 2152 der Drucksachen) 6771C Heiland (SPD), Berichterstatter . . 6771C Beschlußfassung 6771D Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der CDU/CSU betr. Gewährung von Mitteln für die durch das Erdbeben am 14. März 1951 schwer betroffenen Kreise Schleiden und Euskirchen, den Antrag der Abg. Herrmann, Dr. Zawadil, Nickl, Dr. Etzel (Bamberg), Tichi u. Gen. betr. Hilfeleistung für die Unwetterschäden vom 18. Juni 1951 in Bayreuth und Umgebung, den Antrag der Abg. Stücklen u. Gen. betr. Hilfeleistung für Unwetterschäden in Bayern am 23. und 24. Juni 1951 und den Antrag der Abg. Sassnick, Rahn, Dr. Wellhausen, Reindl u. Gen. betr. Hilfeleistung für die Opfer der Explosionskatastrophe in Nürnberg (Nrn. 2569, 2065, 2369, 2393, 2335 der Drucksachen) 6771D Schoettle (SPD), Berichterstatter . 6772A Beschlußfassung . . . . .. . . . . . 6772C Beratung des Mündlichen Berichts des Ausschusses für das Besatzungsstatut und auswärtige Angelegenheiten (7. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der SPD betr. Errichtung eines SchiffsreparaturDockbaubetriebes (Nrn. 2576, 2329 der Drucksachen) 6772C Beschlußfassung .. 6772D Beratung des Antrags der Abg. Dr. Gerstenmaier, Dr. Schmid (Tübingen), Dr. Freiherr von Rechenberg, Dr. Mühlenfeld, Dr. Seelos u. Gen. betr. Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland am Cultural Exchange Program der USA (Nr. 2487 der Drucksachen) 6772D, 6773C Arndgen (CDU) 6772D Dr. Gerstenmaier (CDU), Antragsteller 6773C Hennig (SPD) 6774B Dr.-Ing. Decker (BP) 6775A Müller (Frankfurt) (KPD) . . . . .6775B Dr. Richter (Niedersachsen) (Fraktionslos) 6775D Beschlußfassung 6775D Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Abg. Sabel u. Gen. betr. Gewährung von Weihnachtszuwendungen an die Bediensteten der Bundesbehörden (Nrn. 2455, 390 der Drucksachen) . . . . 6773A Dr. Leuchtgens (DP), Berichterstatter 6773A Beschlußfassung 6773C Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Abg. Kuntscher, Tobaben, Dannemann u. Gen. betr. Erhöhung der Mittel für den Küstenschutz und den Schutz küstenbedingter Gebiete (Nrn 2456, 1944 der Drucksachen) 6776A Frühwald (FDP), Berichterstatter 6776A Beschlußfassung . . . . .. . . . . . 6776B Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der SPD betr. Finanzhilfe für Schleswig-Holstein, den Antrag der Fraktion der BP betr. Wohnungsbaudarlehen an Besatzungsverdrängte, den Antrag der Fraktion der KPD betr. Entlassung des Bundespressechefs Dr. Brand und den Antrag der Fraktion der BP betr. Benutzung von Dienstwagen zu parteipolitischen Zwecken durch Mitglieder des Bundeskabinetts (Nrn. 2457, 582, 1407, 1445, 1610 der Drucksachen) 6776B Eckstein (CDU), Berichterstatter . 6776C Beschlußfassung 6776C Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Abg. Degener, Dr. Bärsch, Ahrens, Dr. Bertram u. Gen. betr. Ausbau der Bundesstraßen 51 und 54 (Nrn 2458, 2121 der Drucksachen) 6776C Dr. Krone (CDU), Berichterstatter . 6776D Beschlußfassung 6776D Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion des Zentrums betr. Bürgschaften für langfristige Kredite für Kriegsgeschädigten - Betriebe (Nrn. 2506, 1387 [neu] der Drucksachen) 6776D Wacker (CDU), Berichterstatter . . 6777A Beschlußfassung 6777A Zweite Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Rechnungsjahr 1951 (Nr. 2500 der Drucksachen); Mündliche Berichte des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß): Einzelplan VIII — Haushalt des Bundesministeriums der Finanzen -- (Nr. 2609 der Drucksachen, Umdruck Nr. 324) 6777B, 6807D Seuffert (SPD), Berichterstatter . . . 6808A Dr. Gülich (SPD) 6809C, 6815C Dr. Wellhausen (FDP) 6810D Dr. Bertram (Z) . 6812D Schäffer, Bundesminister der Finanzen 6814A, 6815D Müller (Frankfurt) (KPD) 6816A Neuburger (CDU) 6817A Abstimmung 6817A Einzelplan XXI — Haushalt der Bundes- schuld — (Nr. 2616 der Drucksachen) . 6777C Wacker (CDU), Berichterstatter . . . 6777C Einzelplan VI — Haushalt des Bundesministeriums des Innern — (Nr. 2607 der Drucksachen) in Verbindung mit der Beratung des Antrags der Fraktion der KPD betr. Kredite und Zuschüsse an Zeitungen und Zeitschriften aus dem GARIOA-Sonderkontingent (Nr. 2555 der Drucksachen) 6777A, C Steinhörster (SPD), Berichterstatter 6777D Müller (Frankfurt) (KPD), Antragsteller 6779D Dr. Dr. h. c. Lehr, Bundesminister des Innern . . . . 6781A, 6786C, 6792A Schoettle (SPD) 6781B Renner (KPD) 6782A, 6795A Dr. Menzel (SPD) 6782C Dr. Bergstraeßer (SPD) 6789D Frau Dr. Rehling (CDU) . 6792D Hennig (SPD) 6794A von Thadden (Fraktionslos) 6798A Dr. von Merkatz (DP) . 6799B Mellies (SPD) (zur Geschäftsordnung) 6800D Strauß (CSU) (zur Geschäftsordnung) 6801A Neumayer (FDP) 6801B Dr. Wellhausen (FDP) .6802D Dr. Jaeger (CSU) 6803B Dr. Ehlers (CDU) . 6806A Dr. Mende (FDP) 6806D Abstimmungen . . . . .. . 6782C, 6807D Nächste Sitzung 6817C Die Sitzung wird um 13 Uhr 33 Minuten durch den Präsidenten Dr. Ehlers eröffnet.
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    Rede von Dr. Robert Lehr


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Meine Damen und Herren! Gestatten Sie mir vorerst ein kurzes Wort zu den sachlichen Ausführungen des Herrn Berichterstatters. Alle die Wünsche, die Sie im Haushaltsausschuß vorgebracht haben, haben wir berücksichtigt. Soweit das in diesem Etat noch nicht verwirklicht ist, wird es in dem Nachtragshaushaltsplan geschehen, den der Herr Bundesfinanzminister gegenwärtig noch bearbeitet. Wir haben in allen diesen Fällen Ihre Anträge auf Erhöhungen gern aufgegriffen. Ich kann Ihnen heute schon mitteilen, daß unser Antrag bezüglich der Mittel für den Bundesjugendplan eine Verdoppelung der bisherigen Voranschläge vorsieht. Ob es bei der gespannten Finanzlage des Bundes möglich ist, diese Wünsche zu erfüllen, entzieht sich im Augenblick meiner Kenntnis. Aber seien Sie sicher, daß die Wünsche, die der Haushaltsausschuß geäußert hat, von uns im Innenministerium mit Nachdruck vertreten werden.
    Bezüglich der Frage einer eigenen Druckerei möchte ich entsprechend meiner kommunalen Herkunft vor Ihnen das Bekenntnis ablegen, daß ich nicht für bundeseigene wirtschaftliche Einrichtungen bin, sondern mich am liebsten der vorhandenen Einrichtungen des öffentlichen und privaten Lebens bediene. Ich möchte in dem Bereich meines Ministeriums keine eigene Druckerei haben. Es schwebt auch nur die Frage einer eigenen Druckerei für das Bundeskriminalamt aus gewissen Sicherungsgründen. Ich werde aber auf Grund der heutigen Debatte nochmals selber nachprüfen, ob diese Sicherungsgründe so durchschlagend sind, daß die Einrichtung einer eigenen Druckerei wirklich geboten ist. Ich möchte mich, wenn es irgend geht, der Bundesdruckerei bedienen.
    Nun lassen Sie mich einmal etwas ausführlich zu den Beanstandungen des Herrn Kollegen Menzel Stellung nehmen. Zunächst möchte ich Ihnen das in die Erinnerung zurückrufen, was ich am


    (Bundesinnenminister Dr. Dr. h. c. Lehr)

    15. Februar dieses Jahres vor Ihnen ausgeführt habe; das kann von mir heute nur noch einmal wortwörtlich wiederholt werden. Die Opposition hat damals wie heute gewisse Bedenken dagegen erhoben, daß die Bundesgrenzschutzbehörden in Bereitschaften zusammengefaßt werden sollten. Erinnern Sie sich bitte daran, daß im vorigen Herbst die Konferenz der Außenminister in New York aus Gründen unserer inneren Sicherheit von sich aus zu dem Ergebnis kam, es müßten kasernierte Polizeitruppen in Stärke von 30 000 Mann geschaffen werden.

    (Abg. Renner: Amerika befiehlt wieder einmal! — Zurufe von der Mitte und rechts: Ruhe!)

    — Ach, das ist j a nur ein Bruchteil dessen, was Sie längst drüben mit den schwersten Waffen und unter Einsatz von T 34-Panzern exerzieren.

    (Zurufe: Sehr richtig! — Lebhafte Zurufe von der KPD.)

    Meine Damen und Herren, ich erinnere Sie daran, daß mein Vorschlag dahin ging, diese 30 000 kasernierten Mannschaften in drei Gruppen aufzugliedern, in 10 000, die als Länderbereitschaftspolizeien bei den Ländern ausgebildet werden sollten, in 10 000 als bundeseigener Grenzschutz, als Bundesgrenzschutzbehörden, und 10 000 Mann als bundeseigene Bereitschaftspolizei. Es ist richtig, wenn Herr Kollege Menzel sagt, ich hätte bei meinen Ausführungen über diese Vorschläge selbst erklärt, daß mir die Verwirklichung bundeseigener Bereitschaftspolizeien aus politischen Gründen sehr unwahrscheinlich und zeitraubend erschiene. Die Entwicklung hat mir recht gegeben. Wir sind bis zur Stunde noch nicht ganz einig geworden, ob der Bund wirklich bundeseigene Bereitschaftspolizei haben soll. Infolgedessen war ich genötigt, zunächst diesen Gedanken zurückzustellen, weil ich hier eine Mehrheit im Hause nicht finden konnte, und habe deshalb den ganzen Nachdruck auf die Entwicklung des Bundesgrenzschutzes gelegt.

    (Abg. Renner: Hört! Hört!)

    Schon bei der ersten Lesung des Entwurfs habe ich darauf hingewiesen, daß Bundesgrenzschutzbehörden wenig Sinn hätten, wenn sie nur aus Büropersonal und Schreibmaschinenkräften bestünden. Es gehöre also zu dem Begriff eines Grenzschutzes, daß die mit seiner Wahrnehmung betrauten Behörden auch mit Exekutivbeamten ihren Dienst an der Grenze verrichten.

    (Sehr richtig! rechts.)

    Es würde aber dem Sinn des Grundgesetzes widersprechen, wenn man diesen Grenzschutz nun in Einzelgänger auf die 4700 km langen Bundesgrenzen auflöste. Bedenken Sie doch bitte, daß angesichts dieser Länge unserer Grenzen bei einem dreischichtigen Arbeitswechsel im Rahmen der jetzt vorhandenen Kräfte auf 11/2 km nur ein Mann kommt. Ich war deshalb von Anfang an genötigt, Sie darauf hinzuweisen, daß ich es nicht verantworten könne, den Schutz der Grenzen einem weiträumig verzettelten Einzeldienst zu überlassen und daß wir — das war j a auch die Meinung der Außenminister in New York bei der Bewilligung dieser Truppe — gewisse Zusammenfassungen vornehmen müßten. Sie haben in diesem Jahr auch bereits die Kraftprobe gesehen bei den massierten Grenzübertrittsversuchen aus Anlaß der

    (Lachen bei der KPD) „Weltjugendspiele". Es sind einzelne bei der Länge der Grenze durchgekommen.


    (Lachen und Zurufe bei der KPD.)

    — Aber, Herr Kollege Renner, es sind bei uns nicht so viele durchgekommen, wie umgekehrt bei Ihnen in derselben Zeit Millionen vom Osten nach dem Westen gelaufen sind.

    (Zurufe: Sehr gut! — Heiterkeit. — Abg. Renner: Sie halten die deutsche Jugend nicht auf, die die Einheit will, Sie nicht, mit Ihrer ganzen Polizei nicht!)

    — Nun darf ich vielleicht mit den Beanstandungen von Herrn Kollegen Menzel fortfahren. Er hat zunächst einmal in den Eingangsworten gemeint, auf neofaschistische Vorgänge hinweisen zu sollen. Ich gebe Ihnen jetzt vollen Aufschluß. Die erste Erscheinung war der von ihm genannte Braunschweiger Fall. Ich darf ihn mit einem kurzen Wort kritisieren: Eine Anzahl Kraftfahrer der dortigen Abteilung hat mit vier jungen Grenzjägern eine Trinkwette abgeschlossen, und es entwickelte sich eine „betrunkene Angelegenheit", in deren Verlauf dann, wie es bei Alkohol üblich ist, auch gesungen worden ist. Ich habe unverzüglich den Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung I nach Braunschweig geschickt. Der verantwortliche Abteilungskommandeur, der diesen Unfug zehn Minuten geduldet hat, ist unverzüglich entlassen worden. Die beiden Hauptwachtmeister, die älteren Leute, die die jungen hätten erziehen müssen und das nicht getan haben, sind unverzüglich entlassen worden. Sämtliche übrigen Beteiligten sind zu anderen Abteilungen strafversetzt worden. Außerdem hat das gerichtliche Verfahren stattgefunden. Nun, das Gericht hat in seiner Untersuchung dasselbe Urteil gefällt wie ich: „eine betrunkene Angelegenheit", hat die beiden Wachtmeister mit je 50 DM bestraft und die vier jungen Grenzjäger, die hier eine schmerzliche Erfahrung für ihr Leben gemacht haben, mit 30 DM.

    (Abg. Schoettle: Komisch nur, daß sie im besoffenen Zustand nicht Volkslieder singen, sondern das Horst-Wessel-Lied! Das steckt doch sehr tief!)

    — Ich gebe Ihnen vollständig recht, daß das keineswegs in Ordnung war. Aber an dem Maß dieses Eingreifens, an dieser Schärfe können Sie sehen, daß ich das vollständig mißbilligt habe.
    Der zweite Fall hat sich eben in Niedersachsen ereignet und wird zur Zeit mit aller Strenge und derselben Schärfe untersucht. Bitte, bedenken Sie einmal: wenn ich in wenigen Monaten 10 000 Leute neu einstelle, in eine ganz neue Formation, dann besteht immer die Möglichkeit, daß der eine oder der andere hineingerutscht ist; den man nicht drinbehalten will. Was dort nicht hineingehört, wird sehr schnell ausgesiebt werden; es wird die Spreu vom Weizen gesondert werden. Aber Fehlmöglichkeiten sind bei einer so großen Anzahl von Menschen immer gegeben.
    Der eine Fall, den Sie zuletzt nannten, ist mir im Augenblick nicht so gegenwärtig. Er hat sich hier bei Bonn abgespielt, draußen in Hangelar. Da ist auch abends nach Alkoholgenuß gesungen worden. Ich habe die Sache — das kann ich aus der Erinnerung so sagen — unverzüglich aufgegriffen und bin strafend eingeschritten. Die Einzelheiten sind mir nicht geläufig; ich kann die Klarstellung aber unverzüglich nachholen. Ich hatte damals ge-


    (Bundesinnenminister Dr. Dr. h. c. Lehr)

    glaubt, den Vorfall als unbeachtlich mit meinen eigenen Rügen erledigen zu können. Soviel zu den neofaschistischen Vorgängen.

    (Abg. Renner: „Unbeachtlich"!)

    — Nein, fassen Sie das Wort nicht falsch auf, meine Herren! Wenn ein einzelner Mann oder ein paar Mann am Abend einige Flaschen Bier zuviel getrunken haben und lärmend geworden sind, so ist das zunächst noch keine Haupt- oder Staatsaktion.

    (Sehr richtig! in der Mitte und rechts.)

    Für Sie ist nur wichtig, festzustellen, wie ich mich nach einem solchen Vorgang verhalten habe. Habe ich mit der nötigen Schärfe durchgegriffen, dann stehe ich auch vor Ihnen gerechtfertigt da. Aber bei meinem großen Ministerium kann ich nicht von vornherein die Hand dafür ins Feuer legen, daß unter 12 000 Menschen nicht der eine oder andere sich einmal unkorrekt verhält. Aber bitte, solange ich Ihnen dafür geradestehe, daß ich solche Dinge mit Nachdruck beseitige, solange muß das Verhältnis zwischen Ihnen und mir in Ordnung sein.

    (Sehr richtig! bei den Regierungsparteien. — Zuruf des Abg. Dr. Greve.)

    Meine Herren, nun ein Zweites, und das trifft mich schon etwas mehr: ich hätte Zusagen nicht eingehalten, und der Bundesgrenzschutz habe eine Entwicklung genommen, die Sie von Anfang an nicht erwartet hätten. Meine Damen und Herren, ich habe den Bundesgrenzschutz auch nicht in einer Beziehung anders behandelt als die landeseigenen Bereitschaftspolizeien. Er wird nach genau demselben Muster uniformiert, ausgebildet und bewaffnet. Es besteht kein Unterschied in der Ausbildung und dem ganzen Stand zwischen den einzelnen Ländern und uns mit der einzigen Ausnahme, daß es bei den Ländern langsamer geht, daß die Länder ihr gesamtes Kontingent, wenn sie viel Glück haben, bis zum Ende des Jahres auf etwas mehr als die Hälfte ihres Sollbestandes gebracht haben werden, während der Bundesgrenzschutz heute bereits fertig dasteht.

    (Abg. Renner: Und wie er dasteht!)

    Ich darf Ihnen weiterhin sagen: Ich habe mit allen Ländern Verträge abgeschlossen, nur mit Niedersachsen ist zu meinem größten Bedauern ein Vertrag bisher nicht zustande gekommen. Damit möchte ich nicht sagen, daß ein solcher Vertrag nicht doch noch abgeschlossen werden kann. Ich habe gerade vor etwa einem Monat mit meinen Herren vereinbart, die Fäden mit Niedersachsen noch einmal aufzunehmen. Es ist auch bereits ein Schreiben von mir mit einem neuen Vorschlag an den Herrn Landesinnenminister von Niedersachsen ergangen, und ich habe vor 14 Tagen den Herrn Kollegen telefonisch an die Beantwortung dieses meines Vorschlages erinnert. Es liegt mir sehr viel daran, genau wie mit den anderen Ländern mich auch mit Niedersachsen zu verständigen. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, meine Herren von der Opposition, daß ich auf Ihren Wunsch hin als einen meiner Hauptkommandeure einen Vertreter der niedersächsischen Landespolizei in mein Ministerium berufen habe, so werden Sie daraus das Bestreben erkennen, der Opposition den von ihr gewünschten Überblick über den inneren Werdegang des Bundesgrenzschutzes und auch die Möglichkeit zu geben, durch Ihren Vertreter jederzeit mit mir Fühlung zu nehmen. Ich bitte auch Sie, Herr Kollege Menzel, wenn Sie solche Einzelfälle haben, doch zu mir zu kommen, wie wir es auch früher gemacht haben, und diese Dinge mit mir zu besprechen.

    (Abg. Dr. Menzel: Das habe ich Ihnen doch schon im Sommer gesagt!)

    Es ist sehr schwer, meine Herren, aus dem Handgelenk auf solche Fälle einzugehen.

    (Abg. Dr. Menzel: Vor Monaten habe ich Ihnen das schon gesagt!)

    — Ich antworte auf diese Einzelfälle auch, denn ich habe das Material hier vor mir liegen. Aber bitte, zaubern Sie nicht ein Gespenst herauf, als ob hier irgendwo eine reaktionäre Truppe erschiene.

    (Zurufe links: Na, na!)

    Bitte, denken Sie an das, was ich Ihnen früher sagte: Der Art. 91 des Grundgesetzes, der mir die Befugnis gibt, in Fällen äußerster Gefahr für den Bestand der Bundesrepublik auch über die Polizeikräfte eines Landes zu verfügen, gibt mir, logisch gesehen, auch die Befugnis, die bundeseigenen Polizeikräfte genau so einzusetzen wie die Länderpolizeien im einzelnen, wenn dieser dringende Notstand für den Staat besteht.

    (Abg. Dr. Menzel: Wo steht das? Das steht nicht im Gesetz!)

    — Das steht in Art. 91! Es wäre ja sinnlos, wenn ich über Länderpolizeien verfügen dürfte, aber, wenn das Haus brennt, meine eigene Polizei als Feuerwehr nicht einsetzen dürfte!

    (Abg. Dr. Menzel: Wir können ja die Verfassung ändern!)

    — Meine Herren, wenn Sie meinen, ich hätte unrecht, — wir haben ja jetzt ein Bundesverfassungsgericht, das diese Frage sehr einfach klären könnte.

    (Sehr gut! in der Mitte.)

    Es ist für mich selbstverständlich, daß ich aus jedem Erkenntnis des Bundesverfassungsgerichts die erforderliche Konsequenz ziehe.
    Meine Damen und Herren, ich muß Ihnen dann noch etwas sagen zu zwei Fällen, die hier vorgetragen worden sind. Der eine ist der Fall Edelbluth. Herr Kollege Maier von der SPD hat dringend gebeten, den früheren Oberwachtmeister der Schutzpolizei und späteren Landespolizeidirektor von Saarbrücken Heinrich Edelbluth beim Bundesgrenzschutz unterzubringen. Ich habe angesichts der vorbildlichen Zusammenarbeit meines Hauses mit dem Ausschuß für Angelegenheiten der inneren Verwaltung Auftrag gegeben, diesem Wunsch ganz besonders nachzugehen. Es bestanden erhebliche Bedenken, weil Edelbluth nicht Polizeioffizier war und keine Erfahrung in der Führung motorisierter Verbände besaß, für die ich Bedarf hatte. Außerdem war er im Zeitpunkt seiner Vorstellung nicht voll polizeidienstfähig. Ich habe ihn trotzdem zunächst einmal eingestellt, und zwar in die Stelle, für die ich eine Besetzung suchte, eine Leutnantsstelle. Nach einiger Zeit kam eine Beschwerde des Herrn Edelbluth, er werde von Offizieren des Bundesgrenzschutzes des Grenzschutzkommandos Süd, dessen stellvertretender Kommandeur der Oberstleutnant im Bundesgrenzschutz Höffner ist, wegen seiner politischen Einstellung und seiner Emigration vom Saargebiet nach Frankreich geschnitten. Ich habe unverzüglich Besprechungen in meinem Ministerium veranlaßt. Diese Besprechungen haben mit allen Beteiligten eine volle Bereinigung der Angelegenheit ergeben, und Edelbluth hat meinem Beauftragten bestätigt, daß der stellvertretende Kommandeur sich absolut korrekt verhalten habe, und daß er während seiner Ausbildung in Amberg durchaus kameradschaftlich behandelt worden sei.


    (Bundesinnenminister Dr. Dr. h. c. Lehr)

    Der zweite Fall ist der des Herrn Dr. Klaus Hornig. Es ist mir der Vorwurf gemacht worden, ich habe die Verwendung eines im nationalsozialistischen Staat verfolgten ehemaligen Polizeioffiziers deswegen abgelehnt, weil er bei seiner Vorstellung einen nervösen Eindruck gemacht habe. Meine Damen und Herren, wer meine eigene Lebens- und Leidensgeschichte im nationalsozialistischen Staat kennt,

    (Zurufe links)

    weiß, daß ich solche Behandlungen im nationalsozialistischen Staat wohl richtig zu würdigen
    weiß. Andererseits sollte hier die volle Eignung
    des Bewerbers geprüft werden. Ich habe eben
    zwischendurch flüchtig die Akten durchgesehen.
    Die Herren meines Ministeriums hatten von dem
    Bewerber nicht in, vollem Umfang den Eindruck
    gewinnen können, daß er eingestellt werden könnte.
    Ich möchte aber peinlich korrekt sein und sage
    Ihnen hiermit zu, daß ich diesen Fall noch einmal
    überprüfen werde. Ich werde feststellen lassen, ob
    der Eindruck berechtigt war, daß er wegen Nervosität nicht voll einsatzfähig sei. Ich gebe Ihnen in
    Kürze den Bescheid über meinen eigenen Eindruck.

    (Zurufe von der SPD.)

    — Meine Herren, ich selbst habe den Fall ja nicht überprüft; das kann ich auch nicht.

    (Zuruf von der SPD: Überprüfen Sie die Herren gleich mal mit!)

    — Ich werde das veranlassen.

    (Abg. Dr. Greve: Ihre Umgebung ist ja viel schlechter als Sie denken, Herr Minister!)

    Aber von einer Behauptung, meine Herren, — ich war immerhin auf einiges gefaßt — bin ich wirklich überrascht gewesen. Es wird behauptet, in meinem Hause sei gesagt worden, es bestehe keine Aussicht auf Einstellung, wenn nicht der Betreffende bei der Wehrmacht und mindestens Major im Generalstab gewesen sei. Bitte, verehrter Herr Kollege Menzel, nennen Sie mir Roß und Reiter, und dann wollen wir sehen!

    (Zurufe von der SPD.)

    Es ist überflüssig, vor Ihnen zu betonen, daß ein derartiges Prinzip von mir nicht eingeführt worden ist.
    Nun etwas Wichtiges: der Prozentsatz derer, die aus der Wehrmacht und derer, die aus der Polizei kommen. Bitte, bedenken Sie einmal eins. Ein großer Prozentsatz körperlich fähiger und im Polizeidienst erfahrener Beamter wurden im Laufe des letzten Weltkrieges — ob sie wollten oder nicht — zur Wehrmacht eingezogen.

    (Sehr richtig! in der Mitte.)

    Infolgedessen finden Sie überall die Bezeichnung „Wehrmachtsoffizier". Das sind aber zum großen Teil aus der Polizei hervorgegangene Offiziere. Es gibt auch andere darunter. Bedenken Sie immer, daß bei dieser Aufstellung eines an Zahl verhältnismäßig kleinen Bundesgrenzschutzes sehr viel Wert gelegt wurde auf die technische Vervollkommnung, auf die Motorisierung, auf den Nachrichtenübermittlungs- und Funkdienst. Ich brauchte qualifizierte Offiziere, die diese Gebiete beherrschen.

    (Abg. Dr. Greve: Die zackig sind!)

    Deshalb haben sich hier auch eine Anzahl Wehrmachtsoffiziere gefunden, die diesen Voraussetzungen entsprechen.
    Und nun, meine Herren, eine Schauergeschichte über das soziologische Milieu. Ich habe inzwischen feststellen können, daß keiner der Fragebogen, die aus meinem Hause herausgehen, die Nachfrage nach Urahne, Großmutter, Mutter und Kind enthält — auch, Herr Menzel, nicht einmal nach dem Schwiegervater—,sondern daß diese Untersuchung, die Sie mit Recht beanstanden, ohne mein Wissen und ohne meinen Willen von einem Soziologen in Bad Ems aus eigenen Stücken bei der dortigen Hundertschaft angestellt worden ist,

    (Hört! Hört! bei der SPD)

    der sich erkundigen wollte, wie es eigentlich stand.

    (Abg. Mellies: Wer hat ihm denn das erlaubt? — Abg. Renner: Aus welchem Titel wird denn der Soziologe bezahlt? — Heiterkeit.)

    — Wenn ich in Bad Ems gewesen wäre, hätte es nicht stattgefunden.

    (Abg. Mellies: Sagen Sie nur, wer es war!)

    — Das werde ich tun; und ich werde auch sagen, daß die Nachfrage nach Urahne, Großmutter, Mutter und Kind nicht erlaubt ist.

    (Abg. Mellies: Ich sage Ihnen: Lassen Sie sich einen guten politischen Berater in Ihrem Ministerium geben!)

    — Gern, soweit ich den Rat nicht unmittelbar von Ihnen beziehen kann, werde ich das tun.

    (Heiterkeit bei den Regierungsparteien. — Abg. Mellies: Sie sind von Ihren Beamten politisch sehr schlecht beraten!)

    Meine Herren, ich komme auf das Schlußwort des Kollegen Menzel zurück, ich solle Polizei schaffen und nicht Soldaten. Sehen Sie sich diese Truppe an! Sie ist rein polizeilichen Charakters.

    (Lachen bei der KPD.)

    Bitte, blicken Sie einmal um sich! Sehen Sie einmal nach Italien, das etwa 70 000 Mann solcher Polizeitruppen besitzt und im vorigen Jahr über 7000 Einsätze gegen die Kommunisten erfolgreich durchgeführt hat.

    (Lachen und Zurufe bei der KPD.)

    Bitte, sehen Sie einmal nach Japan, das neben einer vollen Armee 120 000 Mann solcher Polizei besitzt! Sehen Sie über die Grenze hinüber auf die Volkspolizei und beachten Sie ihre Ausstattung und ihre Zahl, und Sie werden sagen, daß diese 10 000 Grenzschutzleute weder eine Armee sind, noch jemals die Aussicht haben, eine solche zu werden.

    (Beifall bei den Regierungsparteien.)



Rede von Dr. Hermann Schäfer
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)
Das Wort hat der Abgeordnete Dr. Bergstraeßer.

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    Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zu den Aufgaben des Bundesministeriums des Innern gehört auch das, was man unter dem Wort „Verfassungsschutz" zusammenzufassen pflegt. Mir scheint nun, daß im Ministerium und auch bei dem Herrn Minister selbst eine klare Begriffsbestimmung, was eigentlich Verfassungsschutz sein soll, fehlt. Das Grundgesetz spricht mehrfach von „verfassungsmäßiger Ordnung". Von diesem Begriff der verfassungsmäßigen Ordnung wird z. B. in dem Art. 143 gesprochen. Es handelt sich um den Artikel, der von der Möglichkeit handelt, gewaltsam die Regierung zu stürzen und eine andere Staatsform einzuführen. Dieser Art. 143 findet nun seine Auslegung in dem Art. 28; denn


    (Dr. Bergstraeßer)

    0 dieser Art. 28 sagt, daß die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes entsprechen müsse. Was heißt das? Über den Begriff „sozial" können wir uns wahrscheinlich schwer einigen. Es ist sehr umstritten. Manche halten die soziale Marktwirtschaft für sozial, und andere halten sie eben nicht für sozial. Der Begriff „demokratisch" ist in diesem Hohen Hause vor vierzehn Tagen sehr deutlich geklärt worden: „Frei gewählte Volksvertretung, die die Regierung bestellt". Der dritte Begriff „republikanisch" ist so einfach, daß er eigentlich gar nicht falsch verstanden oder gedeutet werden kann. Das heißt, daß jede Art von Einzelherrschaft, auch die Monarchie, vollständig ausgeschlossen ist. Der Bonner Kommentar sagt dies und spricht weiter aus, es bestehe auch für die Länder — um so weniger natürlich für die Bundesrepublik — keinerlei Möglichkeit, von diesem Grundsatz der Republik abzuweichen und die Monarchie einzuführen.
    Meine Damen und Herren, ich habe diese Erörterung nicht etwa aus Gründen irgendwelcher theoretischer Liebhabereien vorausgeschickt, sondern sie sollen als Grundlage zur Behandlung eines besonderen Falles dienen, der das Bundesministerium des Innern berührt und der im Bundesministerium des Innern spielt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat kürzlich einmal eine Debatte mit Leserbriefen usw. über die Frage der Monarchie veranstaltet. Unter diesen Leserbriefen erschien ein Leserbrief, der mit „Walter Bargatzky in Bonn" unterzeichnet war. Dieser Leserbrief sprach sich sehr deutlich für die Monarchie aus. In ihm wurde behauptet, daß im Jahre 1945 und nach 1945 die Frage der Monarchie nicht diskutiert worden sei, weil die Republikaner dem Diskutieren dieser Frage ausgewichen seien. Nun, ich habe noch die Verhandlungen des Parlamentarischen Rates mitgemacht. Im Parlamentarischen Rat ist diese Frage offenbar deswegen nicht erörtert worden, weil jedermann es für selbstverständlich hielt, daß sie nicht erörtert zu werden braucht. Gedrückt vor dieser Diskussion hat sich wahrlich niemand. Der Schreiber des Briefes redet dann weiter davon, daß es notwendig sei, die Frage zu untersuchen, ob Monarchie oder Republik besser sei.
    Ich will dem Herrn auf diesem Wege nicht weiter folgen. Das wäre eine theoretische Frage, über die sich auch die Historiker nicht einig sind. Wichtiger ist, die Frage zu stellen: Wer ist Herr Bargatzky? Nun, Herr Bargatzky ist Ministerialrat im Bundesministerium des Innern,

    (Hört! Hört! links)

    und zwar in der Abteilung für öffentliche Sicherheit!

    (Erneute Zurufe links: Hört! Hört!)

    Wie aus einem Schreiben des Ministeriums des In-
    nern an meine Fraktion hervorgeht, ist er nach dem
    Zeitpunkt Ministerialrat geworden, zu dem meine
    Fraktion den Herrn Bundesminister des Innern
    auf diese Angelegenheit aufmerksam gemacht hat.

    (Zurufe links: Hört! Hört!)

    Ich bin loyal genug, zu erwähnen, daß er schon vorher zu dieser Beförderung eingereicht worden ist.
    Herr Bargatzky ist also ein Beamter, ein Angehöriger des öffentlichen Dienstes, und nach Art. 33 der Bundesverfassung stehen die Angehörigen des öffentlichen Dienstes in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis. Es gibt sogar einen Art. 5 Abs. 3 in dieser Bundesverfassung, in dem die Freiheit der Lehre stipuliert ist. Dort heißt es, daß die Freiheit der Lehre nicht von der Treue zur Verfassung entbindet. Was ist nun Treue zur Verfassung? Ich habe in dem Lehrbuch des Verwaltungsrechts von Peters nachgeschlagen. Soviel ich weiß, ist Peters Professor in Köln. Das Lehrbuch ist aus dem Jahre 1949; es dürfte also ungefähr das Letzte sein, was darüber gesagt worden ist. Darin steht ausdrücklich, daß sich die Treuepflicht auf Staat und Staatsidee erstreckt. Ferner ist gesagt, daß jeder Angestellte im öffentlichen Dienst verpflichtet ist, staatsgefährdende Umtriebe, auch wenn sie ihm nur privat zur Kenntnis kommen, dienstlich zu melden. Also hätte der Herr Bargatzky wohl auch dienstlich melden sollen, daß er für die Monarchie eintritt. Er hat das nicht getan. Er hat gar nicht einmal mit seinem vollen Titel und „Dr." unterschrieben, sondern er hat in einer merkwürdigen Zurückhaltung sonst nichts als seinen Vor- und Nachnamen gesagt.
    Meine Fraktion hat darauf aufmerksam gemacht, und der Herr Minister hat geantwortet, daß er keinen Grund zu einem Disziplinarverfahren sehe.

    (Hört! Hört! links.)

    Das hat derselbe Herr Minister gesagt, der im Augenblick betont hat: „Ich habe durchgegriffen und ich werde durchgreifen!"

    (Zurufe von der Mitte.)

    Er hat aber eben auch das merkwürdige Wort „unkorrekt" gebraucht.

    (Zuruf von der SPD: Er ist eben schlecht beraten!)

    Dieses Wort ist mir sehr charakteristisch. Dieses selbe Wort „unkorrekt" kommt auch — soviel ich mich erinnere — in der Antwort des Herrn Ministers oder seines Ministeriums an meine Fraktion vor. Es gibt in derartigen Dingen nichts Unkorrektes, sondern es gibt hier nur einen ganz klaren Tatbestand, und dieser Tatbestand sagt, daß dieser Beamte sich gegen die Bundesverfassung virtuell vergangen hat.

    (Zuruf von der SPD: Und jetzt vom Minister gedeckt wird!)

    Wir verlangen erstens einmal, daß der Minister derartige Beamte nicht irgendwie deckt, indem er es auf Korrektheit oder Unkorrektheit schiebt, sondern wir verlangen von einem Beamten der Republik, daß er aktiv für die Staatsordnung eintritt, die da ist,

    (Sehr gut! bei der SPD)

    und daß er sie nicht bekämpft, auch nicht auf irgendwelche irgendwie verklausulierte Arten.
    Meine Damen und Herren! Wir tun das nicht aus irgendwelcher Marotte; wir tun das auch nicht aus irgendwelchem Ressentiment, sondern wir tun es aus voller staatspolitischer Verantwortung. Der Herr Minister kennt genau so wie ich — wir sind ja aus demselben Jahrgang 1883 —

    (Heiterkeit — Hört! Hört! rechts)

    die Verhältnisse der Weimarer Republik. Der Herr Minister war zwar, als die Weimarer Republik begann, noch nicht im Schwabenalter; aber da er kein Schwabe ist, so ist ja anzunehmen, daß seine Erkenntnis schon etwas vor dem 40. Lebensjahr lag. Wir haben diese Zeit miterlebt, und nichts hat so sehr zur Erschwerung der Politik der Weimarer Republik beigetragen wie die monarchistische Hetze der Deutschnationalen Volkspartei,

    (Sehr richtig! bei der SPD)



    (Dr. Bergstraeßer)

    eine unverantwortliche Hetze, vollgespickt mit allen möglichen völlig falschen Angaben.

    (Abg. Dr. von Metkatz: Das war etwas ganz anderes! — Gegenrufe von der SPD: Nichts anderes!)

    — Sie müssens wissen; ich habe diese Zeiten genau mitgemacht, verehrter Herr Kollege, vom ersten bis zum letzten Tage. Diese verantwortungslose Hetze der Deutschnationalen Volkspartei hat ja für die beteiligten monarchistischen Kreise dann zu einer ganz merkwürdigen Entwicklung geführt, nämlich dazu, daß man wohl sagen kann: Niemand ist in der Geschichte jemals so geprellt worden wie diese Kreise!

    (Sehr richtig! bei der SPD.)

    Wir wußten, was wir von Hitler zu erwarten hatten; aber die deutschnationalen Kreise — sowohl Herr Hugenberg wie der Herr Reichspräsident von Hindenburg — wußten es eben nicht,

    (Zurufe rechts)

    sondern ihnen hat Hitler vorgeschwindelt, er sei auch für die Monarchie. Aber das ist ja nicht wichtig; wichtig ist: auch heute ist die Bundesrepublik Deutschland — wir werden uns hier in diesem Hause alle darüber einig sein — nicht etwa das, was man einen vor Krisen und in seiner Entwicklung gesicherten Staat nennen könnte, sondern auch heute liegen schwere Aufgaben der Außen-und Innenpolitik vor uns. In einer derartigen Zeit halten wir es für geradezu frivol, wenn jemand neue innerpolitische Streitfragen aufrühren will, statt sie liegen zu lassen.

    (Abg. Dr. Jaeger: Alte!)

    Das ist eine Gefährdung der Politik. — Sie sagen: alte! Wir haben es nicht getan, sondern ein Mitarbeiter des Herrn Bundesministers hat es getan. Wir wollen nicht, daß derartige Dinge einreißen. Wir wollen es deswegen nicht, weil es einfach unmöglich ist, eine geradlinige Entwicklung zu sichern, wenn derartige Dinge vorkommen. Herr Kollege Dr. Jaeger, Sie sind noch verhältnismäßig jung; ich beneide Sie darum, aber ich darf Ihnen deswegen doch sagen: Wer diese Entwicklung der Weimarer Zeit mitgemacht hat, der weiß, daß durch dieses Dulden von Unkorrektheiten und ähnlichen Vorkommnissen die Autorität der Staatsregierung sehr gelitten hat und zum Teil, möchte ich fast sagen, zerbrochen ist.
    Ich möchte noch einen schönen Satz erwähnen, der bei Herrn Bargatzky vorkommt:
    Wer sich heute den Kopf zerbricht über Thronprätendenten, würde sich mit Recht lächerlich machen.
    Ich erwähne diesen Satz deswegen, weil er so deutlich zeigt, daß dieser Herr Bargatzky von Politik eben doch offenbar nichts weiß und unberührt ist; denn ein politisch denkender Mensch wird sich erst einmal Gedanken darüber machen, was eigentlich möglich ist. Dann wird er vielleicht zu irgendwelchen Theorien zurückkehren. Wir haben ja augenblicklich — und deswegen haben wir diese Dinge offen besprechen wollen — einen gewissen Trend zur Monarchie. Sie brauchen ja nur in die illustrierten Zeitschriften zu sehen, in denen so viel von monarchischen Dingen die Rede ist. Wir verurteilen es deswegen durchaus, weil wir eine Gefahr für den Bestand unseres Staates sehen, wenn auch andere Männer in verantwortlicher Stellung — ich meine in diesem Augenblick nicht Beamte — derartige Dinge wenigstens indirekt
    unterstützen. Warum hat — ich nehme an, daß die I Pressenotiz richtig war — das Bundesministerium einen Vertreter zu der Beerdigung des Kronprinzen, des sogenannten Kronprinzen geschickt?

    (Zuruf rechts: Das war doch hochanständig!)

    — Nein, das ist nicht hochanständig, sondern es ist hochdumm,

    (Abg. Arnholz: Sehr wahr! — Beifall bei der SPD — lebhafte Gegenrufe rechts)

    und zwar deswegen ist es hochdumm und geradezu völlig unsinnig, weil dieser Herr genau so —

    (erneute anhaltende Zurufe rechts)

    — ich rede jetzt, Sie können ja nachher auch noch sprechen — ein Privatmann wie jeder andere war und gar nichts anderes.

    (Beifall bei der SPD.)

    Wir verbitten es uns, daß derartige Dinge geschehen, die weiter nichts sind als lächerliche Entgleisungen.

    (Abg. Arnholz: Auch des Herrn Bundesministers für den Bundesrat!)

    Ich möchte deswegen noch etwas anderes erwähnen. Wenn auch zwei andere Minister — sie sind in diesem Falle ja auch nicht Beamte — es für nötig befunden haben, in Hannover an einer Fürstenhochzeit teilzunehmen, so finden wir das zumindest geschmacklos;

    (Abg. Arnholz: Sehr wahr!)

    denn sie haben es ja nicht als Privatpersonen getan, sondern sie sind eben Bundesminister, und man soll daraus seine bestimmten Konsequenzen ziehen.

    (Abg. Arnholz: Wenn sie Monarchisten sind, sollen sie nicht den Eid auf die Verfassung leisten!)

    Wenn nun von der Deutschen Partei noch eine Resolution gefaßt worden ist, daß nur die Monarchie geeignet sei, den Charakter der Jugend usw. zu stärken,

    (Lachen bei der SPD)

    so ist das etwas sehr Seltsames. Sehen Sie, woher kommt denn dieser monarchistische Trend der öffentlichen Meinung oder von .Teilen der öffentlichen Meinung?

    (Zuruf von der SPD: Aus dem Ministerium!)

    — Herr Bargatzky behauptet, daß Bauern und Arbeiter diese Frage vielfach erörterten. Nun, ich kenne durch meine politische Tätigkeit sehr viele Arbeiter; doch ich habe von ihnen solche Erörterungen nicht gehört. Es ist aber etwas anderes. Heute liegt in diesen monarchistischen Bestrebungen und und Velleitäten genau derselbe Illusionismus, genau dasselbe Sich-selbst-nicht-beteiligen und Die-Verantwortung-auf-andere-abwälzen-wollen, die wir schon längst kennen. Die Monarchie ist der neueste Doktor Eisenbart, wie ihn sich manche Kreise vorstellen, und zwar die bürgerlichen Kreise, die es immer abgelehnt haben, selbständig und selbsttätig am öffentlichen Leben teilzunehmen.

    (Sehr gut! bei der SPD.)

    Wir sind durchaus nicht der Meinung, daß die Verfassungsschutzgesetzgebung das A und O, daß sie ein unbedingt wirksames Mittel ist. Es gibt andere. Es muß positive Mittel geben; und zu diesen positiven Mitteln gehört es, daß wir die Faulheit und Feigheit in einem Teil unserer Bevölkerung bekämpfen. Dazu gehört es vor allen Dingen, daß


    (Dr. Bergstraeßer)

    wir dafür sorgen, daß unsere Jugend mehr zur politischen Verantwortung erzogen wird als bisher. Das ist das Wichtige. Aber wenn sie Vorbilder haben wie dieses Vorbild eines Ministerialrats, dann kann sich jedermann darauf berufen, dann entsteht Unsicherheit auch in der Staatsleitung, und dann ist dieser Staat gefährdet. Staatspolitisch ist das untragbar. Ob die Juristen des Bundesministeriums anderer Meinung sind oder nicht, ist mir in diesem Augenblick vollkommen gleichgültig; es ist keine juristische, es ist eine im ernstesten Sinne politische Frage, Herr Minister!

    (Lebhafter Beifall bei der SPD.)