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ID1306702100

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Plenarprotokoll 13/67 Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 67. Sitzung Bonn, Mittwoch, den 8. November 1995 Inhalt: Erweiterung und Abwicklung der Tagesordnung 5727 A Absetzung des Punktes III j von der Tagesordnung 5727 B Nachträgliche Ausschußüberweisung . 5727 B Begrüßung des Außenministers von Costa Rica, Herrn Dr. Fernando Naranjo, und einer Delegation 5796 D Tagesordnungspunkt I: Fortsetzung der zweiten Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 1996 (Haushaltsgesetz 1996) (Drucksachen 13/2000, 13/2593) 5727 C Einzelplan 04 Bundeskanzler und Bundeskanzleramt (Drucksachen 13/2604, 13/2626) . . . 5727 C in Verbindung mit Einzelplan 05 Auswärtiges Amt (Drucksachen 13/2605, 13/2626) 5727 D in Verbindung mit Einzelplan 14 Bundesministerium der Verteidigung (Drucksachen 13/2614, 13/2626) . . . 5727 D Günter Verheugen SPD 5728A, 5751 B Rudolf Seiters CDU/CSU 5732 D Gerd Poppe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5736 A Dr. Wolfgang Gerhardt F.D.P 5737 B Hans Büttner (Ingolstadt) SPD . . . 5739 B Dr. Klaus Kinkel, Bundesminister AA . 5741 B Heidemarie Wieczorek-Zeul SPD . . . 5743 D Eckart Kuhlwein SPD 5744 B, 5751 C Dr. Erich Riedl (München) CDU/CSU . . 5746 D, 5751B, 5751 D Eckart Kuhlwein SPD 5747 B Dr. Wolfgang Weng (Gerlingen) F.D.P. 5749 D Joseph Fischer (Frankfurt) BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN 5752B, 5757 B Dr. Otto Graf Lambsdorff F.D.P. . . . . 5756 D Dr. Helmut Haussmann F.D.P 5758 B Gerhard Zwerenz PDS 5759 D Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler . . . 5761 B Antje Hermenau BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5769 D Rudolf Scharping SPD 5770 B Dr. Wolfgang Schäuble CDU/CSU . . 5778B Günter Verheugen SPD 5779 B Ingrid Matthäus-Maier SPD 5781 B Angelika Beer BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5784 A Ina Albowitz F.D.P. 5785 A Joseph Fischer (Frankfurt) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5785 C Dr. Gregor Gysi PDS 5786 D Volker Rühe, Bundesminister BMVg . 5790B Ernst Kastning SPD 5792A, 5799 B Paul Breuer CDU/CSU 5792 D Jürgen Koppelin F.D.P 5793 C Dr.-Ing. Paul Krüger CDU/CSU 5796 D Jürgen Augustinowitz CDU/CSU . . . 5798D Stephan Hilsberg SPD 5799 C Eckart Kuhlwein (Erklärung nach § 31 GO) . . . . . . . . . . . . . . . . . 5800C Dr. Peter Struck (Erklärung nach § 31 GO) 5801 A Namentliche Abstimmungen . . 5800B, 5801 C Ergebnisse 5802A, 5807 A Tagesordnungspunkt III: Überweisungen im vereinfachten Verfahren a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über die Errichtung eines Umweltbundesamtes (Drucksache 13/2687) . . . 5804 B b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 20. März 1995 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über den Autobahnzusammenschluß sowie über den Bau und den Umbau einer Grenzbrücke im Raum Forst und Erlenholz (Olszyna) (Drucksache 13/2688) 5804 B c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 20. März 1995 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über die Erhaltung der Grenzbrücken im Zuge der deutschen Bundesfernstraßen und der polnischen Landesstraßen an der deutsch-polnischen Grenze (Drucksache 13/2689) 5804 C d) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 20. März 1995 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über den Zusammenschluß der deutschen Bundesstraße B 97 und der polnischen Landesstraße 274 sowie über den Bau einer Grenzbrücke im Raum Guben und Gubinek (Drucksache 13/2690) . . . . . . . . . . . 5804 C e) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des AGB-Gesetzes (Drucksache 13/2713) . . . 5804 D f) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Verlagerung des Sitzes des Bundesverwaltungsgerichts von Berlin nach Leipzig (Drucksache 13/2714) 5804 D g) Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und F.D.P. eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Fleischhygienegesetzes (Drucksache 13/2904) 5804 D h) Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Einwilligung gemäß § 64 Abs. 2 der Bundeshaushaltsordnung zur Veräußerung der von den britischen Streitkräften freigegebenen bundeseigenen Wohnsiedlung in Werl (Drucksache 13/2650) 5805 A i) Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Einwilligung gemäß § 64 Abs. 2 der Bundeshaushaltsordnung in die Veräußerung der bundeseigenen Liegenschaft in Leipzig, Essener Straße 1-3, an den Freistaat Sachsen (Drucksache 13/2678) . . . . . . . . 5805 A Zusatztagesordnungspunkt i: Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes des Verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes und des Beruflichen Rehabilitierungsgesetzes (Drucksache 13/2838) 5805A b) Antrag der Gruppe der PDS: Grundrechte für die in der Europäischen Union lebenden Menschen (Drucksache 13/2457) 5805B Tagesordnungspunkt IV: Abschließende Beratungen ohne Aussprache a) Zweite und dritte Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Bundeswasserstraßengesetzes (Drucksachen 13/192, 13/1583) 5805C b) Zweite Beratung und Schlußabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Internationalen Kaffee-Übereinkommen von 1994 (Drucksachen 13/1667, 13/2648) 5805 C e) Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wirtschaft zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht der Bundesregierung zum Filmförderungsgesetz (Drucksachen 13/1666, 13/1899 Nr. 2, 13/2647) . . . 5806 C f) Beschlußempfehlung und Bericht des Finanzausschusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht über die Erfahrungen mit der befristeten umsatzsteuer- lichen Übergangsregelung und den Auswirkungen auf den innergemeinschaftlichen Warenverkehr sowie über den Stand der Bemühungen, zu einer endgültigen Umsatzsteuer-Regelung im europäischen Binnenmarkt zu kommen zu dem Bericht der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament: Funktionieren der MwSt-Übergangsregelung für den innergemeinschaftlichen Handelsverkehr (Drucksachen 12/8221, 13/725 Nr. 62, 13/1097, 13/ 1096 Nr. 2.1, 13/2673) 5806C g) Beschlußempfehlung und Bericht des Haushaltsausschusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Überplanmäßige Ausgaben bei Kapitel 11 13 Titel 646 11 - Erstattung des Sozialzuschlags für Rentenempfänger in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet (Drucksachen 13/2096, 13/2275 Nr. 1.6, 13/2762) . . 5806 C h) bis i) Beschlußempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 73 und 74 zu Petitionen (Drucksachen 13/2765, 13/2766) 5806D Einzelplan 23 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Drucksachen 13/2620, 13/2626) . . . 5809B Dr. Emil Schnell SPD . . . . . . . . . 5809 C Michael von Schmude CDU/CSU . 5812A, 5817B Dr. R. Werner Schuster SPD 5814 B Wolfgang Schmitt (Langenfeld) BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5814 D Armin Laschet CDU/CSU 5816 C Roland Kohn F.D.P. 5817D Dr. Willibald Jacob PDS 5819C Dr. Uschi Eid BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN . . . . . . . . . . . . . . . 5820B Carl-Dieter Spranger, Bundesminister BMZ 5820D Dr. R. Werner Schuster SPD 5822 C Einzelplan 06 Bundesministerium des Innern (Drucksachen 13/2606, 13/2626) 5823D in Verbindung mit Einzelplan 33 Versorgung (Drucksachen 13/2624, 13/ 2626) 5823 D Uta Titze-Stecher SPD 5824 A Hartmut Schauerte CDU/CSU . . . 5826 D Dr. Klaus-Dieter Uelhoff CDU/CSU . . 5828 B Uta Titze-Stecher SPD 5831 A, 5831 C Dr. Wolfgang Weng (Gerlingen) F D.P. . 5832A Rezzo Schlauch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5832 B Dr. Burkhard Hirsch F D P. 5834 B Cem Özdemir BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5836 C Dieter Wiefelspütz SPD 5836 D Ulla Jelpke PDS 5837 C Carl-Detlev Freiherr von Hammerstein CDU/CSU 5839A Günter Graf (Friesoythe) SPD 5839 D Erwin Marschewski CDU/CSU 5842 B Manfred Kanther, Bundesminister BMI 5843 B Peter Dreßen SPD 5845 A Günter Graf (Friesoythe) SPD . . . 5845 D Einzelplan 17 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Drucksachen 13/2617, 13/2626) 5846 C Siegrun Klemmer SPD 5846 D Peter Jacoby CDU/CSU 5850 D Margot von Renesse SPD 5852 B Rita Grießhaber BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5853 A Heinz Lanfermann F.D.P. . . . . 5854B, 5857 B Heidemarie Lüth PDS 5855 D Matthias Berninger BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 5856 D Maria Eichhorn CDU/CSU 5858 A Claudia Nolte, Bundesministerin BMFSFJ 5859A Nächste Sitzung 5861 C Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten . 5862* A 67. Sitzung Bonn, Mittwoch den 8. November 1995 Beginn: 9.00 Uhr
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    Anlage Liste der entschuldigten Abgeordneten Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Beck (Bremen), BÜNDNIS 08. 11. 95 Marieluise 90/DIE GRÜNEN Behrendt, Wolfgang SPD 08. 11. 95 * Dr. Dobberthien, SPD 08. 11.95 Marliese Fischer (Unna), Leni CDU/CSU 08. 11. 95 * Hafner, Gerald BÜNDNIS 08. 11. 95 90/DIE GRÜNEN Dr. Hauchler, Ingomar SPD 08. 11. 95 Hörsken, Heinz-Adolf CDU/CSU 08. 11. 95 Meißner, Herbert SPD 08. 11. 95 Möllemann, Jürgen W. F.D.P. 08. 11.95 Anlage zum Stenographischen Bericht Abgeordnete(r) entschuldigt bis einschließlich Nickels, Christa BÜNDNIS 08. 11.95 90/DIE GRÜNEN Odendahl, Doris SPD 08. 11.95 Dr. Scheer, Hermann SPD 08. 11.95 Schoppe, Waltraud BÜNDNIS 08. 11.95 90/DIE GRÜNEN Steindor, Marina BÜNDNIS 08. 11. 95 90/DIE GRÜNEN Terborg, Margitta SPD 08. 11.95 Vogt (Düren), Wolfgang CDU/CSU 08. 11. 95 * für die Teilnahme an Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Dr. Klaus Kinkel


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)

    Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Am Montag hat die Welt in Jerusalem Yitzhak Rabin, einen großen Staatsmann, zu Grabe getragen. Uns Deutsche berührt diese Tragödie in besonderer Weise. Wir fühlen für das Schicksal des israelischen Volkes Verantwortung.
    „Genug der Tränen, genug des Leids", das waren die Worte von Yitzhak Rabin bei der Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung im Weißen Haus am 13. September 1993. Frieden und Versöhnung, das ist sein Vermächtnis. Daß dies in Erfüllung geht, wünschen wir in diesen Tagen von Herzen Israel, dem palästinensischen Volk und allen arabischen Nachbarn.

    (Beifall im ganzen Hause)

    Einige von uns waren bei der bewegenden Trauerfeier in Jerusalem dabei. Wir spürten bei aller tiefen Trauer: Diese schreckliche Mordtat hat die Hoffnung auf Frieden nicht zerstören können. Shimon Peres, dem Freund, wünschen wir, wünsche ich viel Glück.

    (Beifall im ganzen Hause)

    Auch für das ehemalige Jugoslawien besteht erstmals eine realistische Friedenschance. In Ohio sitzen sich die Präsidenten Tudjman, Izetbegovic und Milosevic zum erstenmal direkt gegenüber. Für eine Prognose über Dauer und Erfolg dieser Verhandlungen ist es noch zu früh. Ich hatte gestern unseren Verhandlungsführer, den Politischen Direktor des Auswärtigen Amtes, Ischinger, zum Bericht gebeten. Ein ganz wichtiger und guter Schritt war die auf deutsche und amerikanische Initiative hin erzielte Vereinbarung zur Rückkehr von kroatischen und bosnischen Vertriebenen in ihre Heimatorte. Vertrauen schaffen ist jetzt mit weitem Abstand das Wichtigste.
    Entsetzliches ist geschehen. Der Haß, die Entfremdung war und ist übergroß. Es ist außerordentlich schwierig, Brücken zu schlagen und sich die Hand zu reichen. Aber ist es nicht ein Fortschritt, daß wenigstens jetzt weitgehend die Waffen schweigen? Ist es nicht ein Fortschritt, daß die Menschen in Sarajevo, Bihac und Gorazde wieder frei atmen und zumindest mit dem Nötigsten versorgt werden können? Gewiß, dort ist alles noch sehr fragil. Aber es muß einfach gelingen, noch vor Weihnachten zu einer Friedensvertragsregelung zu kommen.

    (Beifall bei der F.D.P. und CDU/CSU)

    Wir Deutschen werden dazu beitragen, was wir nur können.
    Was muß - Herr Verheugen, Sie haben die Frage gestellt - geschehen? Es geht zunächst um die Aushandlung der territorialen Frage. Es geht um Verfassungsfragen. Sie haben gefragt, wer hilft: Der deutsche Verfassungsrechtler und frühere Verfassungsrichter Professor Steinberger ist in Ohio dabei. Es geht um Rüstungskontrolle. Das ist unser ganz besonderes deutsches Anliegen. Es geht um die Flüchtlingsfrage, an der wir mit am meisten interessiert sind; denn wir haben mehr als doppelt soviel Flüchtlinge wie alle anderen Europäer zusammen in der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen, über 400 000. Es geht um die Wiederaufbauproblematik, an der wir uns beteiligen wollen. Ja, Herr Verheugen, auch die Serben sollen und müssen ihren Platz in Europa wieder finden. Aber dafür sind natürlich Voraussetzungen notwendig. Menschen- und Minderheitenrechte müssen anerkannt werden. Und: Gewalt darf sich nicht gelohnt haben.

    (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

    Es hat keinen Sinn - dazu ist es zu früh -, hier über alle Einzelheiten zu sprechen. Ich habe jedenfalls die Hoffnung, daß es uns - mit entscheidender deutscher Hilfe - gelingt, noch vor Weihnachten zu einer Lösung zu kommen.
    Zur militärischen Absicherung eines Friedensschlusses - das ist nun leider einmal notwendig - hat das Kabinett am 24. Oktober 1995 den deutschen Beitrag in seinen Grundzügen festgelegt. Wir haben uns für die leidgeprüften Menschen in Bosnien entschieden, für unsere Partnerschaftsfähigkeit. Aber wir wollen das mit Augenmaß tun. Ich freue mich, daß die SPD und ein kleiner real existierender Teil der Grünen jetzt auf unsere Politik eingeschwenkt sind. Besser spät als nie.
    Die positive, unaufgeregte Reaktion in der Öffentlichkeit zeigt im übrigen, daß die Bevölkerung ein völlig anderes, ein besseres Gefühl hat. Manchmal reagiert sie besser, ruhiger, gelassener und richtiger als mancher Politiker.

    (Beifall bei der F.D.P.)


    Bundesminister Dr. Klaus Kinkel
    Die Bürger spüren, daß man sich nicht wegdrehen kann, wenn die Menschenrechte um uns herum mit Füßen getreten werden. Sie sind zu intelligent, um auf den Popanz, der im Hinblick auf Militarisierung aufgebaut wird, hereinzufallen. Schließlich sehen sie auch, welch großes Vertrauen sich die Bundeswehr mit ihren bisherigen Leistungen bei Friedensmissionen erworben hat. Vierzig Jahre Bundeswehr sind ein ganz wichtiger Beitrag zum Frieden in Europa und der Welt, auf den wir stolz sein können. Wir brauchen unsere Soldaten auch in Zukunft, um deutsche Außen- und Sicherheitspolitik so zu gestalten, wie es unseren deutschen Interessen entspricht: verläßlich, berechenbar, wert- und bündnisorientiert.
    Unsere Soldaten dienen dem Frieden und nicht dem Krieg. Sie sind bereit, dafür notfalls Leib und Leben einzusetzen. Dafür sind wir ihnen Dank und Achtung schuldig.

    (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)

    Deshalb ist es zwingend und dringend notwendig, daß wir uns vor sie stellen, wenn sie für ihre Pflichterfüllung auch noch angegriffen und verunglimpft werden. Ich habe noch die „Mörder, Mörder! "-Rufe im Hofgarten im Ohr. Sie waren leider unüberhörbar.

    (Michael Glos [CDU/CSU]: Keine Unionsanhänger! )

    Es mag sein, daß in einem liberalen Rechtsstaat, den wir haben und auf den wir stolz sind, solche Ausschreitungen eines Pöbels vielleicht nicht zu verhindern sind. Um so mehr gilt aber dann, daß unsere Soldaten vor Verunglimpfungen geschützt werden müssen, auch von unseren Gerichten.

    (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)

    Unsere Soldaten sind kein Freiwild für Verhöhnung!
    Meine Damen und Herren, die europäische Integration - Herr Verheugen, ich habe mich über das gefreut, was Sie heute dazu gesagt haben - bleibt ein Schlüssel für eine gute Zukunft unseres Landes. Allerdings scheint die SPD nach ihrem Rückzug beim Thema Bosnien jetzt ein neues sozialdemokratisches Experimentierfeld für den Alleingang aufmachen zu wollen. Herr Scharping, wer von Europa als irgendeiner Idee spricht,

    (Rudolf Scharping [SPD]: Wenn Sie wenigstens korrekt zitieren würden!)

    wer wie Herr Schröder, der sowieso alles und jedes mit großen Luftnummern auf- und angreift und dann meist schnell wieder zurückziehen muß, darin endlich ein „großes nationales Thema" für die SPD sieht, der ist wirklich von allen europapolitischen guten Geistern verlassen.

    (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)

    Sie haben - es ist heute morgen schon einmal gesagt
    worden - dem Vertrag von Maastricht hier doch zugestimmt. Darauf waren Sie stolz; das haben Sie
    heute morgen extra gesagt. Was gilt nun eigentlich? Ich frage Sie: Wer spricht für die SPD?

    (Günter Verheugen [SPD]: Was ist denn mit dem CDU-Beschluß?)

    Ist es Herr Schröder? Ist es Herr Scharping? Ist es Frau Wieczorek-Zeul, oder ist es Herr Hänsch, der als Präsident des Europaparlaments vor „nationalistischem Stammtischgeschwätz" - das wirft er Ihnen vor - gewarnt hat?

    (Zuruf von der CDU/CSU: Zu Recht! Völlig zu Recht!)

    Glauben Sie denn wirklich, daß es sich beim Wähler auszahlt, wenn Sie Ängste und Sorgen entfachen? Ich glaube das nicht! Dafür ist Ihre Suche nach einem vordergründigen Thema zu populistisch und zu billig.

    (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU)



Rede von Dr. Rita Süssmuth
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)
Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Wieczorek-Zeul?

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Dr. Klaus Kinkel


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (FDP)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (FDP)

    Nein, ich möchte meine Ausführungen zu Ende bringen.
    Der Schaden, den Sie in Europa anrichten, steht jedenfalls in keinem Verhältnis dazu. Für unsere Nachbarn ist das, was Sie betreiben, ein klarer D-MarkNationalismus. Sie schaden damit unseren Bürgern und unserem Land, was unser Ansehen in Europa anbelangt.

    (Beifall bei der F.D.P. sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

    Wir haben uns zu Maastricht doch nicht verpflichtet, weil wir anderen einen Gefallen tun wollen, sondern weil wir eine stabile, gemeinsame europäische Währung haben wollen, und diese werden wir zustande bringen. Da werden auch Sie zustimmen; da bin ich sicher.
    Während Sie europapolitisches Porzellan zerschlagen - ich höre es ja draußen, wieviel Porzellan durch Ihre Bemerkungen zerschlagen worden ist; Sie hören es leider nicht so -, bereiten wir zusammen mit Frankreich eine gemeinsame Position für die Regierungskonferenz 1996 vor. Sie wird solide sein, und auf sie wird Verlaß sein.
    Herr Verheugen, ich möchte zu dem, was Sie heute morgen gesagt haben, noch eine Anmerkung machen. Sie wollten uns jagen, wenn ich das richtig verstanden habe. Noch vor kurzem haben Sie im „Vorwärts" großspurig angekündigt, Sie wollten die deutsche Außenpolitik in Frage stellen. Sie waren - das muß ich Ihnen leider entgegenhalten - der Geist, der stets verneint.

    (Zustimmung bei der CDU/CSU)


    Bundesminister Dr. Klaus Kinkel
    Sie waren immer destruktiv und nicht konstruktiv.

    (Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Sie sollten Faust mal fertig zitieren!)

    Von Ihrer Kritik ist nicht viel übriggeblieben.

    (Bundesminister Dr. Theodor Waigel: Das weiß der doch gar nicht! Erneuter Zuruf des Abg. Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

    - Sie, Herr Fischer, sollten Ihre Pirouetten in der Zirkuskuppel drehen, um Ihr Bündnis in die Richtung zu bringen, wo Sie es gerne hätten. Sie wollen mich ja ablösen. Dazu müssen Sie allerdings in der Außen- und Sicherheitspolitik noch ein bißchen bündnisfähiger werden und noch ein bißchen drauflegen.

    (Beifall bei der F.D.P. und der CDU/CSU Joseph Fischer [Frankfurt] [BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN]: Sie sind nicht ablösbar, Sie lösen sich auf!)

    Meine Damen und Herren, wer die Konflikte unserer Zeit von Bosnien über den Nahen Osten bis nach Algerien verfolgt, stößt immer wieder auf eine Frage, die bei uns in der Außenpolitik zu sehr vernachlässigt wird: unser Verhältnis zum Islam. Deshalb halte ich es für eine der wichtigsten politischen Aufgaben, zu den islamischen Völkern, zu der Religion, zu der Kultur von 1,2 Milliarden Menschen - 23 Prozent der Menschheit - eine Brücke des' Vertrauens und des Dialogs zu schlagen.
    Das ist das Ziel der Konferenz am 15./16. November 1995, zu der ich sieben Außenminister aus islamischen Ländern und rund 250 Islamexperten nach Bonn eingeladen habe. Ein solcher Dialog heißt nicht - das sage ich mit Nachdruck -, daß wir falsche Rücksicht nehmen oder womöglich unsere Grundüberzeugungen in Frage stellen. Toleranz ist keine Einbahnstraße; das habe ich bei der Einweihung der KönigFahd-Akademie in Bonn sehr deutlich gemacht. Die Freiheit des Wortes, der Schutz des Lebens oder das Verbot von Folter ist nicht verhandelbar.
    In Deutschland leben wir mit über 2 Millionen Muslimen friedlich zusammen, die meisten von ihnen türkischer Herkunft. Die Türkei ist unser Freund. Ihre Probleme lassen uns nicht los. Wir müssen die Zollunion erreichen. Wir müssen aber auch sehen, wenn in der Türkei Fortschritte gemacht werden. Es hat ein paar Fortschritte gegeben. Art. 8 des Antiterrorgesetzes ist geändert worden. Immerhin sind 77 Personen freigelassen worden - zuwenig, viel zuwenig. Aber wir sollten sehen, daß die Bemühungen bei der türkischen Regierung vorhanden sind. Wir müssen der Türkei helfen, aus ihrer Bedrängnis herauszukommen.