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ID0118100400

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  • tocInhaltsverzeichnis
    Deutscher Bundestag — 181. Sitzung. Bonn, Donnerstag, den 13. Dezember 1951 7539 181. Sitzung Bonn, Donnerstag, den 13. Dezember 1951. Geschäftliche Mitteilungen 7541A, C, 7550 A, 7560B Eintritt des Abg. Segitz in den Bundestag . 7541A Anfrage Nr. 233 der Abg. Strauß u. Gen. betr. Freigabe der deutschen Warenzeichen in Argentinien (Nrn. 2854, 2937 der Drucksachen) 7541A Wiedergenesung des Abg. Dr. Laforet . 7541B Denkschrift des Bundesministers der Finanzen über Einsparungsmöglichkeiten im Besatzungslastenhaushalt (Nr. 2824 der Drucksachen) 7541B Ausschußüberweisung 7541B Änderungen der Tagesordnung . . 7541B, 7549D Stellungnahme des Ausschusses für Rechtswesen und Verfassungsrecht zum Verfassungsstreit der Fraktion der SPD gegen die Bundesregierung betr. Petersberger Abkommen 7541B Beschlußfassung 7541C Dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die Investitionshilfe der deutschen gewerblichen Wirtschaft (Nrn. 2450, 2758 [neu] der Drucksachen); Zusammenstellung der Beschlüsse in zweiter Beratung (Umdrucke Nrn. 391, 398, 403) . . 7541D Kurlbaum (SPD) . 7541D, 7547C, 7548B, C Etzel (Duisburg) (CDU) . . 7543D, 7548C Dr. Bertram (Z) 7545C Dr. Preusker (FDP) . . . . . . 7545D Paul (Düsseldorf) (KPD) 7546D Freudenberg (FDP) . . . . . . . 7548D Hagge (CDU) 7578 Abstimmungen 7548A, B, D, 7549A Fortsetzung der zweiten und dritte Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU, FDP, DP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes (Nr. 2830 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Rechtswesen und Verfassungsrecht (23. Ausschuß) (Nr. 2885 der Drucksachen) 7550A Kunze (CDU) 7550B Abstimmungen 7550A, B Dritte Beratung des von den Abg. Dr. Kather u. Gen. sowie der Fraktion der FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung kriegsbedingter Vermögensverluste (Nrn. 1140, 2810, zu 2810 der Drucksachen); Zusammenstellung der Beschlüsse in zweiter Beratung (Umdrucke Nrn. 390, 396, 397, 400, 401) . . . 7550D Kriedemann (SPD) . . . . 7550D, 7552C, 7555A, 7559A Wackerzapp (CDU) . . . . 7552A, 7554B Kunze (CDU) 7553A Seuffert (SPD) . . 7553C, 7557B, D, 7558C Kohl (Stuttgart) (KPD) 7556B Dr. Kather (CDU) . . 7556C, 7558B, 7559D Abstimmungen 7551D, 7552B, 7553D, 7557C, 7558D, 7560A Mitteilung betr. Bildung der Bundestagsfraktion „Föderalistische Union (Bayernpartei-Zentrum)" 7560B Zweite und dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über das Handelsabkommen vom 20. Juli 1951 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Peru (Nr. 2702 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Außenhandelsfragen (14. Ausschuß) (Nr. 2858 der Drucksachen) 7560C Lange (SPD), Berichterstatter . . . 7560C Beschlußfassung 7560D Zweite und dritte Beratung des von der Fraktion der CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes gegen unbegründete Nichtausnutzung von Einfuhrgenehmigungen (Nr. 2888 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Außenhandelsfragen (14. Ausschuß) (Nr. 2914 der Drucksachen; Umdruck Nr. 402) 7561A Bromme (SPD), Berichterstatter . 7561A Beschlußfassung 7561C Erste Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über Zulagen und Mindestleistungen in der gesetzlichen Unfallversicherung -Unfallversicherungszulagegesetz (Nr. 2934 der Drucksachen) 7541B, 7562A Ausschußüberweisung 7562A Zweite und dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die einstweilige Außerkraftsetzung von Vorschriften des Gesetzes betr. die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften (Nr. 2882 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Rechtswesen und Verfassungsrecht (23. Ausschuß) (Nr. 2938 der Drucksachen; Änderungsantrag Umdruck Nr. 405) 7541B, 7561D, 7562A Dr. Etzel (Bamberg) 7562B Abstimmungen 7562C Zweite und dritte Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ergänzung des Gesetzes über Leistungen aus vor der Währungsreform eingegangenen Renten- und Pensionsversicherungen (Nr. 2640 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Geld und Kredit (12. Ausschuß) (Nr. 2904 der Drucksachen) 7563A Dr. Hoffmann (Schönau) (FDP), Berichterstatter 7563A Beschlußfassung 7563D Zweite und dritte Beratung des von der Fraktion der SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zur Regelung der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts für Angehörige des öffentlichen Dienstes (Nr. 2832 der Drucksachen) 7564A Dr. Kleindinst (CSU) 7564A Beschlußfassung 7564C Zweite und dritte Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung der finanziellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und dem Land Berlin (Nr. 2417 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Berlin (9. Ausschuß) (Nr. 2915 der Drucksachen; Umdruck Nr. 399) 7564C Dr. 'Bucerius (CDU): als Berichterstatter 7564C als Abgeordneter '7565D Kohl (Heilbronn) (FDP) 7565B Cramer (SPD) 7565C Müller (Frankfurt) (KPD) 7566B Mellies (SPD) 7567A Abstimmungen 7565A, 7566A Zur Geschäftsordnung, Antrag auf Unterbrechung der Sitzung: Dr. Mende (FDP) 7567A Unterbrechung der Sitzung 7567B Zweite und dritte Beratung der von der Fraktion der Bayernpartei und von der Fraktion der SPD eingebrachten Entwürfe eines Gesetzes zur Änderung des Wahlgesetzes zum ersten Deutschen Bundestag und zur ersten Bundesversammlung der Bundesrepublik Deutschland (Nrn. 650, 2271, 2639 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses zum Schutze der Verfassung (5. Ausschuß) (Nr. 2905 der Drucksachen) 7567B Hoffmann (Lindlar) (Z), Berichterstatter 7567B Beschlußfassung 7568B Mitteilung über die Ergebnisse der Besprechung des Ältestenrats 7568D Zweite und dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens (Nrn. 2520, 2745 der Drucksachen); Mündlicher Bericht des Ausschusses für Rechtswesen und Verfassungsrecht (23. Ausschuß) (Nr. 2925 der Drucksachen; Umdruck Nr. 404) 7568D Dr. Besold (BP) 7569A Schuster (DPB) 7571B Bausch (CDU) 7571C Abstimmungen 7571D Erste Beratung des von der Fraktion der FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ergänzung des Art. 87 des Grundgesetzes (Nr. 2852 der Drucksachen) 7572B Dr. Zawadil (FDP), Antragsteller . 7572B Ausschußüberweisung 7573C Beratung des Mündlichen Berichts des Ausschusses für Rechtswesen und Verfassungsrecht (23. Ausschuß) über die vor dem Bundesverfassungsgericht erhobene Klage der Sozialdemokratischen Fraktion des Bundestages gegen a) den Bundestag, b) die Bundestagsfraktion der CDU/CSU, c) die Bundestagsfraktion der FDP, d) die Bundestagsfraktion der DP, wegen § 48 a der Vorläufigen Geschäftsordnung des Bundestages (Nr. 2926 der Drucksachen) 7573D Dr. Reismann (Z), Berichterstatter 7573D Dr. Mende (FDP) 7574D Dr. von Merkatz (DP) 7575B Gengler (CDU) 7575B Beschlußfassung 7575C Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der BP betr. Leistung von Vorschüssen auf festzusetzende Entschädigungsansprüche besatzungsgeschädigter Personen (Nrn. 2711, 2863 der Drucksachen) 7575C Gengler (CDU), Berichterstatter . 7575C Beschlußfassung 7576A Beratung des Mündlichen Berichts des Haushaltsausschusses (10. Ausschuß) über den Antrag der Fraktion der SPD betr. Institut für landwirtschaftliches Bauwesen und Bauforschung (Nrn. 2375, 2864 der Drucksachen) 7576B Eckstein (SPD), Berichterstatter . 7576B Beschlußfassung 7576C Beratung des Antrags der Fraktion der KPD betr. Vorlage eines Gesetzentwurfs gegen die Herstellung usw. von Kriegsspielzeug (Nr. 2890 der Drucksachen) . . 7576D Frau Thiele (KPD), Antragstellerin 7576D Ausschußüberweisung 7577C Beratung des interfraktionellen Antrags betr. Überweisung von Anträgen an die Ausschüsse (Umdruck Nr. 392) 7577C Beschlußfassung 7577C Beratung der Übersicht Nr. 44 über Anträge von Ausschüssen des Deutschen Bundestages über Petitionen (Umdruck Nr. 393) 7577C Beschlußfassung 7577C Glückwunsch zum 76. Geburtstag des Alterspräsidenten Abg. Löbe 7577D Weihnachts- und Neujahrswünsche des Präsidenten Dr. Ehlers 7577D Nächste Sitzung 7568D, 7577D Anlage: Erklärung des Abg. Hagge (CDU) zur Abstimmung über den Entwurf eines Gesetzes über die Investitionshilfe der deutschen gewerblichen Wirtschaft . . . 7578 Die Sitzung wird um 13 Uhr 30 Minuten durch den Präsidenten Dr. Ehlers eröffnet.
  • folderAnlagen
    Anlage Anlage zum Stenographischen Bericht der 181. Sitzung Erklärung des Abgeordneten Hagge (CDU) zur Abstimmung nach § 107 der Geschäftsordnung zur dritten Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die Investitionshilfe der deutschen gewerblichen Wirtschaft (Nrn. 2450, 2758 (neu), Umdruck Nr. 391): Ich bestreite dem Bundestag das Recht, ein Gesetz zu beschließen, wonach eine Person verpflichtet wird, anderen Personen Kredit zu geben. Der Bundestag kann durch Gesetze Steuern und Abgaben allgemeiner Art beschließen, aber nie eine Verpflichtung zur Hergabe von Krediten. Hinweisen möchte ich dabei auf die schlechte Liquiditätslage der allgemeinen gewerblichen Wirtschaft. Auch diese Tatsache verbietet ein solches Gesetz.
  • insert_commentVorherige Rede als Kontext
    Rede von Georg Kurlbaum


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (SPD)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (SPD)

    Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Gesetzentwurf, über den wir heute in dritter Lesung beraten, verdankt seine Entstehung der allgemein anerkannten Notwendigkeit eines schnellen Ausbaus der Grundstoffindustrien. Über dieses ursprüngliche Ziel war man sich allgemein einig. Die Gegensätze entstanden bei der Beratung über die Art der Durchführung dieser Maßnahmen. Für die Sozialdemokratische Partei ist die Grundbedingung für die Zustimmung zu diesem Gesetz erstens eine schnelle und wirksame Abhilfe und zweitens ein ausreichender Schutz der Verbraucher, also keine Gefährdung der Stabilität der Preise und keine Verschlechterung in der sozialen, Einkommensverteilung.
    Für die Koalitionsparteien scheint mir die unausgesprochene Grundbedingung vorzuliegen: unter keinen Umständen ein Eingriff in die freien Dis-


    (Kurlbaum)

    positionen der Unternehmer. Meine Damen und Herren von der Koalition, Sie scheinen gewillt zu sein, dieser Grundbedingung alle die anderen Voraussetzungen, die wir mit Recht aus volkswirtschaftlichen Gründen an diese Vorlage knüpfen, zu opfern. An Stelle dieser unausgesprochenen Bedingung der uneingeschränkten Dispositionsfreiheit der Unternehmer versuchen Sie nun der Öffentlichkeit zwei Fiktionen zu suggerieren, erstens die Fiktion von der Freiwilligkeit der Investitionsumlage und darum zweitens die Fiktion, daß es sich, wegen dieser Freiwilligkeit, um eine ureigenste Angelegenheit der aufbringenden Wirtschaft handele.
    Wir stehen aber auf dem Standpunkt, das Investitionslenkungsproblem ist ein allgemeines volkswirtschaftliches Problem, und die Sicherung der richtigen Investitionen ist eine Pflicht der Bundesregierung. Man könnte sich nach den Gesichtspunkten der Koalition ebenso gut auf den Standpunkt stellen, daß auch die Umsatzsteuer nur eine Angelegenheit der Organisationen der Unternehmungen sei.

    (Sehr gut! bei der SPD.)

    Diesen Fiktionen, meine Damen und Herren, entspricht nun allerdings auch der Gehalt dieses Gesetzentwurfes.
    Sprechen wir erst einmal von der Organisation der Investitionshilfe. Ich verweise auf das Kuratorium mit seinem Übergewicht der Unternehmerseite; ich verweise auf die Konstruktion der Kredittitel, die die Aufbringenden bekommen sollen und die der ganzen Angelegenheit mehr die Eigenschaft eines profitablen Beteiligungsgeschäftes geben sollen als die einer wirklichen Hilfe.
    Das wesentlich Schlimmere ist aber die Einwirkung der Fiktionen, von denen Sie ausgehen, auf die Durchführung der Investitionshilfe. Wir haben in der zweiten Lesung bereits ausführlich über die Beschränkung der Investitionshilfe gesprochen, die Sie durch den § 1 in Ihrer Fassung durchsetzen wollen. Sie wollen die echte Investitionsumlenkung auf 1 Milliarde und auf ein Jahr beschränken, obschon anerkannt ist, daß diese Summen völlig unzureichend sind. In letzter Minute haben Sie zwei Ersatzmaßnahmen vorgeschlagen, von denen man wirklich sagen kann, daß sie „Ersatz" im wahrsten Sinne des Wortes sind.
    Ich spreche zunächst von den steuerlich begünstigten Abschreibungen nach § 36, die auf öffentliche Verkehrsbetriebe überhaupt keine Anwendung finden können. Man läßt also das Sanierungsproblem der Bundesbahn völlig außer Betracht. Ich spreche dann von der Bestimmung über preispolitische Maßnahmen, die Sie noch in der letzten Sitzung mit dem § 36 a hineingebracht haben. Es ist noch nicht ganz klar, welche Absichten Sie bezüglich des Umfangs der Anwendung dieses § 36 a haben. Aber eins ist klar: ohne wesentliche Preiserhöhungen werden auch keine wesentlichen Investitionen vorgenommen werden können. Wenn Sie nun die Verpflichtung übernehmen, keine wesentlichen Preiserhöhungen durchzuführen, dann wird auch dieser § 36 a zu keinem wesentlichen Investitionsvolumen führen. Das brauchen wir aber gerade.
    Was ist nun die wirtschaftspolitische Folge dieser unzureichenden Konzeption? Der § 36 a kann nicht einmal eine nutzbringende Auswirkung auf die Energiewirtschaft haben, von der Bundesbahn gar nicht zu sprechen. Wir stehen also vor der einfachen Tatsache, daß auf Grund des Gesetzentwurfs, den Sie jetzt hier vorlegen, ein zureichender Ausbau der Grundstoffindustrien unmöglich ist. Dadurch, daß Sie auf einen möglichen
    schnellen Ausbau der Grundstoffindustrien verzichten, verzichten Sie auch auf eine mögliche
    Steigerung der Beschäftigtenzahlen. Sie verzichten
    auf eine mögliche Steigerung der Produktion und
    auf eine mögliche Steigerung des Lebensstandards.
    In diesem Zusammenhang möchte ich — ich nenne
    ausdrücklich nicht etwa Äußerungen aus unseren
    Kreisen — auf eine Äußerung des rheinisch-westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung hinweisen, das in den letzten Tagen festgestellt hat:
    Bei ausreichender Kohleversorgung hätte die Arbeitslosenzahl um 200 000 niedriger und das Volkseinkommen um zwei Milliarden höher sein können.

    (Hört! Hört! bei der SPD.)

    Dieser Verzicht auf einen möglichen schnellen Ausbau der Grundstoffindustrien erscheint mir besonders verhängnisvoll angesichts der bekannten großen Investitionspläne für die französischen Grundstoffindustrien und angesichts des von Ihnen empfohlenen Eintritts in die Montanunion. Dieser Verzicht bedeutet gleichzeitig einen solchen auf eine mögliche Exportsteigerung und auf eine mögliche Schließung der noch immer gefährlichen Dollarlücke. Ich weise darauf hin, daß es wichtigste Rohstoffe gibt, deren Zulieferung von der Schließung dieser Dollarlücke abhängt: USA-Kohle, Baumwolle, Zucker, Futtergetreide und anderes. Schließlich bedeutet es — und das scheint mir ein sehr wichtiger Punkt zu sein — den Verzicht auf die Möglichkeit, früher als sonst zu einer tatsächlichen Unabhängigkeit von materieller Auslandshilfe zu kommen. Ich glaube, durch einen solchen Schritt würden wir ein wichtiges Stück unserer tatsächlichen — nicht bloß fiktiven — politischen Unabhängigkeit erwerben.
    Meine Damen und Herren von der Koalition, Sie werden es in Zukunft mit den Hinweisen auf Ihre angeblichen wirtschaftspolitischen Erfolge zweifellos nicht mehr so leicht haben wie bisher, wo Sie in sehr bequemer Weise die Öffentlichkeit immer wieder auf die Fortschritte der deutschen Wirtschaft seit der Währungsreform hingewiesen haben. Diese Fortschritte sind doch im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß der Tüchtigkeit des deutschen Volkes durch die Währungsreform und durch die gleichzeitige Zulieferung ausländischer Rohstoffe zum ersten Mal eine effektive Chance gegeben worden ist.

    (Sehr richtig! bei der SPD.)

    Das verschweigen Sie immer, aber Sie werden in Zukunft vor der Aufgabe stehen. die günstigen Wirkungen ihrer Wirtschaftspolitik auf die deutsche Wirtschaft beweisen zu müssen, ohne daß so ein Deus ex machina zu Hilfe kommt.

    (Zuruf rechts: Und in England?)

    Nun die anderen ungünstigen Wirkungen dieses Gesetzes. Vorhin habe ich schon von der Wirkung auf die Bildung des Einkommens und des Privatvermögens gesprochen. Ich habe schon in der ersten Debatte darauf hingewiesen, daß durch die Preissteigerungen im Zusammenhang mit dem Korea-Konflikt der Anteil der Löhne und Gehälter am Sozialprodukt der Industrie vom ersten Halbjahr 1950 bis zum ersten Halbjahr 1951 gesunken ist. Man kann das noch anders ausdrücken und sagen: durch diese Verschiebung des Anteils am Sozialprodukt infolge der Preissteigerungen ist die Lohn- und Gehaltssumme in der deutschen In-


    (Kurlbaum)

    dustrie im ersten Halbjahr 1951 um eine Milliarde niedriger gewesen, als sie es bei gleichbleibendem Anteil am Sozialprodukt gewesen wäre.

    (Hört! Hört! bei der SPD.)

    Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, festzustellen, daß diese eine Milliarde die gleiche Summe ist, die von der Wirtschaft „freiwillig" angeboten worden ist.
    Nun zum Thema der bevorzugten Bildung von Privatvermögen durch die steuerliche Begünstigung der Abschreibungen. Man hat die Auffassung vertreten, es gebe hier ein Recht auf eine Gelegenheit zur Selbstfinanzierung, ein Recht auf Nachholung dieser unseligen Selbstfinanzierung, die wir nun Gott sei Dank eingeschränkt haben, erst sehr spät allerdings durch den späten Entschluß des Bundesfinanzministers.
    Wie sieht es aber nun mit dem anderen Argument aus, daß es sich bei der steuerlichen Begünstigung der Abschreibungen nur um eine Stundung handelt? Beim beweglichen Vermögen beträgt die zusätzliche Abschreibung 50 °/o. Das wirkt sich in der Weise aus, daß der Steuerbetrag erst in 5 bis 10 Jahren nachgezahlt werden muß. Bei unbeweglichen Vermögen wird dieser Betrag jetzt. für 30 % der Neuanlagen gestundet und muß erst in 20 bis 30 Jahren in die öffentlichen Kassen gezahlt werden. Lassen Sie mich einmal nach den heutigen mittleren Zinssätzen — ich nehme gar nicht die höchsten — eine Bewertung solcher Forderungen vornehmen. Haben Sie sie in 5 bis 10 Jahren zu zahlen, dann kommen Sie auf einen Jetztwert von der Hälfte. Wenn Sie sie aber zinslos erst nach 20 bis 30 Jahren zurückzuzahlen haben, dann kommen Sie zu dem Ergebnis, daß
    D eine solche Forderung heute einen Wert von 1/5 bis 1/io hat. Es ist also gar nicht so, wie es hier gesagt wird, daß es sich lediglich um ein Darlehen handelt. Vielmehr handelt es sich um eine Schenkung aus der Finanzkasse an die betreffenden Privatvermögen in der Größenordnung der Hälfte bis zu 9/10 dieser Steuerbeträge.
    Nun noch zu dem Thema des Ausfalls in den öffentlichen Kassen. In der letzten Diskussion über diese Frage hier im Bundestag ist die Frage aufgetreten: Welche Ausfälle werden sich für die öffentlichen Kassen durch die steuerliche Begünstigung dieser Abschreibungen ergeben? Der Herr Bundesfinanzminister hat diesen Ausfall auf 150 Millionen DM pro Jahr geschätzt. Von unserer Seite ist er auf 500 Millionen DM geschätzt worden. Der Zusammenhang ist doch eigentlich furchtbar einfach. Sehen Sie sich einmal die gesetzlichen Bestimmungen an. Aus diesen geht klar hervor, daß die Investitionen das Drei- bis Fünffache des Ausfalls für die öffentlichen Kassen ausmachen werden. Wenn man also, wie der Herr Bundesfinanzminister, den Steuerausfall auf 150 Millionen DM schätzt, kommt man zu dem Ergebnis, daß das Investitionsvolumen, das wir durch diesen Steuerausfall bekommen, auf 450 bis 750 Millionen DM beschränkt sein wird. d. h. im Durchschnitt auf 600 Millionen DM. Wir wissen alle, daß diese 600 Millionen DM für den Zweck, den wir verfolgen, völlig unzureichend sind. Wenn Sie die Schätzungen der SPD zugrunde legen, dann kommen Sie auf ein Investitionsvolumen von ungefähr 2 Milliarden DM, wie wir es für notwendig halten.
    Man kann also zu diesem § 36 a nur folgendes sagen. Entweder ergibt er die kleineren Steuerausfälle, die der Bundesfinanzminister geschätzt hat; dann ist die Folge ein völlig unzureichendes Investitionsvolumen. Oder es ergibt sich ein ausreichendes Investitionsvolumen; dann treten unerträgliche Schmälerungen des Steueraufkommens ein, und die ausgefallenen Beträge werden erst in 10 oder 20 Jahren wieder hereinkommen.
    Nun habe ich in der Debatte hier in diesem Hause vergeblich nach irgendwelchen sachlichen Gründen gesucht, die für die Ablehnung unseres § 1 angeführt werden könnten. Mir ist nicht bekannt, daß ein einziger sachlicher Grund dafür genannt worden ist, ausgenommen höchstens wiederum der Grund, daß man eben den Unternehmern das volle Dispositionsrecht über ihre Mittel allein sichern will.

    (Sehr richtig! bei der FDP.)

    Für den ausschließlichen Zweck, dieser kleinen Minderheit das alleinige Recht der Verfügung über ihre Mittel anzuvertrauen, opfern Sie die echte Investitionslenkung. Sie opfern dafür die Möglichkeit einer endgültigen Stabilisierung der Preise und Sie opfern unter Umständen die Sicherungen gegen eine weitere Verschlechterung der Einkommensverteilung. Sie nehmen weiter neue Belastungen für die öffentlichen Haushalte mit all den Folgen für die Sozialleistungen in Kauf.
    Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch kurz etwas zitieren, was die OEEC in ihren neuesten Empfehlungen zur Inflationsbekämpfung
    — Herr Dr. Preusker! — zum Deutschlandproblem gesagt hat:
    Unter diesen Bedingungen muß daß Ziel der deutschen Politik sein, Investitionen in den Grundstoffindustrien zu fördern,
    — und bitte, hören Sie zu —
    gleichzeitig aber jene in weniger wichtigen Zweigen einzuschränken.
    Das ist das, was wir verlangen, und das ist das, was auch die OEEC allgemein für eine deutsche Wirtschaftspolitik im jetzigen Zeitpunkt für notwendig hält.
    Wir werden darauf verzichten, nachher im einzelnen nochmals unsere Änderungsanträge zu begründen, weil das schon ausführlich geschehen ist. Aber es ist klar, daß wir uns mit einem Gesetz, in dem unsere Änderungsanträge nicht berücksichtigt werden, nicht einverstanden erklären können. Für uns ist dieses Gesetz ein stümperhaftes Flickwerk. Es mangelt an konstruktivem Gehalt, und dieses Flickwerk, meine Damen und Herren von der Koalition, ist ein Ausdruck der Abhängigkeit Ihrer Kreise von gewissen finanzkräftigen Unternehmerkreisen.

    (Sehr richtig! bei der SPD.)

    Es ist außerdem der traurige Ausdruck der Tatsache, daß man sich von der richtigen Idee einer echten Investitionslenkung hat abbringen lassen zugunsten restaurativer Ziele der Herstellung einer überalterten Einkommens- und Vermögensverteilung.

    (Beifall bei der SPD.)



Rede von Dr. Hermann Ehlers
  • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU)
  • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)
Das Wort hat der Abgeordnete Etzel.

  • insert_commentNächste Rede als Kontext
    Rede von Franz Etzel


    • Parteizugehörigkeit zum Zeitpunkt der Rede: (CDU/CSU)
    • Letzte offizielle eingetragene Parteizugehörigkeit: (CDU)

    Meine Damen und Herren! Gestatten Sie mir, im Rahmen einer Grundsatzaussprache über das Investitionshilfegesetz auch vom Standpunkt meiner Freunde aus noch einiges Zusätzliche zu sagen. Wir haben gerade in jüngster Zeit eine sehr interessante Studie über die


    (Etzel [Duisburg])

    Investitionen in aller Welt bekommen, und zwar in dem jüngst erschienenen Heft „Die Entwicklung der Investitionen in der Bundesrepublik" des Instituts „Finanzen und Steuern" in Bonn. Hier sind sehr wertvolle Untersuchungen über das grundsätzlich Notwendige auf diesem Gebiet angestellt worden. Nach diesen Untersuchungen sind im Kalenderjahr 1951 die Bruttoinvestitionen je Kopf der Bevölkerung in USA-Dollar nach dem amtlichen Kurs und nach der Kaufkraftparität folgende gewesen: in der Bundesrepublik Deutschland 139,84, in Großbritannien 171,84, in Frankreich 180,27, in Italien 76,51, in Schweden 173,47, in Dänemark 165,50, in den Niederlanden 180,08 und in den USA 451,99. Aus diesen Zahlen ergibt sich eine sehr interessante und eine sehr wesentliche Tatsache, daß nämlich die Gesamtinvestition — je Kopf der Bevölkerung gerechnet — in Deutschland die zweitschlechteste gewesen ist. Wir werden im Minimum nur von den Italienern übertroffen werden, und die Amerikaner — als Beispiel — haben etwa 320 % — etwa, ich habe es nicht genau ausgerechnet — mehr investiert als wir. Damit ist allerdings nicht gesagt — und das muß auch mit Deutlichkeit gesagt werden —, daß der Anteil der Bruttoinvestitionen am Bruttosozialprodukt, zu Marktpreisen gemessen, schlecht gewesen ist. Die Vergleichszahlen für das Kalenderjahr 1951 sind hier: in der Bundesrepublik Deutschland 23,65 %, in Großbritannien 15,74 %, in Frankreich 21,33 %, in Italien 23,06 %, in Schweden 18,53 %, in Dänemark 18,80 %, in den Niederlanden 26,90 % und in den USA 21,65 %. Also gemessen am Bruttosozialprodukt haben wir einen sehr hohen Anteil geleistet. Das ist etwas, was gegen Sie spricht, Herr Kurlbaum, daß nämlich die bisherigen Methoden im Rahmen der Leistungsmöglichkeit bei uns einen sehr hohen Anteil an Investierungen ermöglicht haben. Das ist ein Faktum, das nicht zu gering zu bewerten ist. Wenn die andern — absolut gesehen
    — sehr viel mehr haben investieren können, wie ich eingangs sagte, so liegt das ganz einfach daran, daß diesen anderen erhebliche weitere Finanzierungsquellen zur Verfügung gestanden haben als uns.

    (Abg. Kurlbaum: Wir diskutieren nur darüber, ob am richtigen Ort investiert worden ist!)

    — Ich habe gerade darüber diskutiert, daß wir — und zwar mit den Methoden, die bisher angewandt worden sind, die Sie ja verfluchen und von denen Sie sagen, daß sie falsch seien —, an den absoluten Möglichkeiten gemessen, zu der höchstmöglichen Quote gekommen sind. Nur die Niederlande haben es zu einer höheren Quote gebracht. So liegen wir in dieser Sicht der Dinge — im Rahmen der Möglichkeiten — an zweitbester Stelle. Das ist eine Tatsache, die gesehen werden muß.
    Richtig ist nun allerdings, daß die Grundstoffindustrien in einem besonders schlechten Maße investiert haben.

    (Abg. Kurlbaum: Na also!)

    — „Na also"? Weiß Gott, zu einem nicht kleinen Teil liegt das daran, daß die Investitionen wegen der Aufgaben auf den übrigen Gebieten hier nicht getätigt worden sind, weil gerade der Widerstand der Linken dieses Hauses verhindert hat, auch hier die Finanzierungsmethoden in Gang zu setzen, die den übrigen investitionsbedürftigen Industriezweigen weitgehend Hilfe gebracht haben.
    Wenn ich noch daran denke, wie in unserem Ausschuß bei den damals sehr minimalen Erhöhungen der Stahl- und Kohlepreise gerade Ihre Freunde von der Linken sich dagegen gewehrt haben, daß auch nur ganz bescheidene Abschreibungsmöglichkeiten, also Regenerationsmöglichkeiten der vorhandenen Produktionsmittel bewilligt wurden, dann zeigt das gerade, daß Sie in der Grundsatzfrage auf dem falschen Weg gewesen sind. Das muß an dieser Stelle noch einmal mit aller Deutlichkeit und mit aller Klarheit gesagt werden.
    Meine Damen und Herren, ich glaube, wir sind uns im Hause im Prinzip aber nicht darüber uneinig, daß Investitionen in den Grundstoffindustrien in hohem Umfang vorgenommen werden müssen. Im Bergbau haben nach dem Jahresbericht der Kreditanstalt für Wiederaufbau im Jahre 1950 anerkannte Investitionsbedürfnisse in Höhe von 735 Millionen DM bestanden. Davon konnten nur 80 Millionen DM über ECA-Mittel bewilligt werden; 655 Millionen DM sind offengeblieben. Bei Eisen und Stahl waren die entsprechenden Ziffern: Bedarf 400 Millionen DM, durch die ECA erfüllt 75 Millionen DM, offengeblieben 325 Millionen DM. Bei der Elektrizitätswirtschaft: laufend vorhandener Bedarf 330 Millionen DM, ECA 275 Millionen DM geholfen, 55 Millionen DM sind offengeblieben; und Neuvorhaben 440 Millionen DM, die in voller Höhe offen sind. Bei Gas und Wasser sind 100 Millionen DM völlig offengeblieben. Also hier sind in der Tat die wichtigsten Ziele nicht realisiert worden. Deswegen ist das Gesetz über die Investitionshilfe notwendig, damit durch eine aktive Investitionspolitik dafür gesorgt werden kann, daß die Engpässe beseitigt werden.
    Das vorliegende Gesetz sieht drei Wege vor. Der eine Weg ist im Prinzipiellen unstreitig. Ich glaube, daß auch die SPD im Grunde der Regelung betreffend die Verfügung über die eine Milliarde ihre Zustimmung gibt, weil hierdurch eine Investitionsumlenkung erzielt wird. Herr Kurlbaum hat dann auch gesagt, daß dies eine echte Investitionsumlenkung sei. Ich rede nicht darüber, ob ihm das genug oder zu wenig ist; aber ich glaube, im Prinzip ist Ihnen doch offenbar dieser Weg recht. So habe ich Sie verstanden. Die Frage ist nur: Müßte man diesen Weg über eine unbestimmte Anzahl von Jahren fortsetzen? Das ist Ihr Wunsch. Da sind Sie, glaube ich, eben in einer falschen Vorstellung über die Finanzkraft der übrigen deutschen Wirtschaft. Sie wissen, daß dieses Gesetz ursprünglich zwar von den Spitzenverbänden der gewerblichen Wirtschaft als eine Möglichkeit für die Umlenkung von Investitionen angeboten worden ist. Sie wissen auch, wie sehr, wenn ich mich mal so ausdrücken darf, die Gefolgschaftsleute dabei versagt haben. Wir können aber nun nicht sagen, das sei auf der ganzen Linie Übermut gewesen. Es sind uns doch sehr begründete Unterlagen dafür vorgelegt worden, daß die deutsche Wirtschaft zwar, wenn man es äußerstens sehen will, den Betrag in einem Jahre aufbringen könne. aber daß darüber hinaus doch sehr große Bedenken bestehen. die Wirtschaft im allgemeinen von Investitionsmitteln zu entblößen, weil dann die Gefahr bestehen könnte, daß die Produktionsgüterindustrie nicht mehr in der not- wendigen Weise versorgt wird.
    Davon ausgehend ist nach einem anderen Weg gesucht worden, vor allen Dingen, meine Freunde von der Linken. weil Sie, glaube ich, in Ihren Ansprüchen zu maßlos gewesen sind. Sonst hätte man vielleicht andere Wege finden können, das Problem einer echten Lösung zuzuführen. Hier ist nun der § 36 aufgenommen worden, der gleiche § 36, von


    (Etzel [Duisburg» dem Sie sagen, mit ihm beschreite man einen völlig unmöglichen Weg. Ich darf darauf hinweisen, daß der § 36 einen Gedanken enthält, mit dessen Anwendung wir — entsprechend den Ausführungen, die ich zu Anfang machen durfte — bisher auf weiten Gebieten im Rahmen der Produktivkraft der deutschen Wirtschaft große Erfolge gehabt haben. Es hat dort allerdings auch Fehllenkungen gegeben, die dazu geführt haben, den sogenannten Siebener-Katalog wieder zu beseitigen. Hier aber soll ja gerade eine Abschreibungsmöglichkeit nach § 36 nur bei dem Nachweis gegeben werden, daß die Abschreibungsbeträge produktionssteigernd angewandt werden, daß sie also nicht fehlinvestiert werden können. Die Erfüllung dieser Bedingung ist eine Voraussetzung für das Recht zur Abschreibung. Wenn man diese Dinge kontrolliert, sieht es allerdings wesentlich anders aus als bei dem früheren Siebener-Katalog. Das müssen Sie meines Erachtens anerkennen. Nun haben Sie, Herr Kurlbaum, meines Erachtens falsche Ziffern angegeben. Sie haben behauptet, hier würde ein Ausfall von 400 bis 500 Millionen DM entstehen. Das mag absolut gesehen stimmen. Aber Sie haben übersehen, daß, wenn die Investierungen in dieser Form vorweggezogen werden, das zunächst einmal auch eine Erhöhung der übrigen Umsätze bedeutet. Man rechnet damit, daß in diesen zusätzlichen Umsätzen eine Steuerkraft liegt, die nicht klein ist. Es kommen hier in Frage zusätzliche Umsatzsteuer und zusätzliche Lohnsteuer als sofortige Einnahmequellen; es kommen als spätere Einnahmequellen Gewerbesteuer, Einkommensteuer und Körperschaftsteuer in Frage. Nach sehr genauen Rechnungen, die das Bundesfinanzministerium auf diesem Gebiete angestellt hat — ich habe mich eben von der Richtigkeit dieser Zahlen überzeugt —, kommt praktisch ein zunächst eintretender Steuerausfall von etwa 150 Millionen DM in Frage, der, wenn die Abschreibungen vorgenommen sind, in zwei, drei Jahren natürlich auch wieder dadurch ausgeglichen wird, daß dann die entsprechenden Normalabschreibungen in der Größenordnung der getätigten Abschreibungen nicht mehr vorgenommen werden können. Ich glaube also, daß der Weg des § 36 ein vernünftiger Weg ist. § 36 a sieht vor, daß unter bestimmten Beschränkungen — und das sind sehr wesentliche Beschränkungen, nämlich Beschränkungen aus Gründen des sozialen Schutzes — weitere Abschreibungen durch Möglichkeiten finanziert werden können, die nun einmal in der Preisgestaltung liegen. Meine Damen und Herren, wir sollten uns über diesen § 36 a nicht so sehr aufregen. Wenn wir in die Montan-Union hineingehen, wird dieser § 36 a ohnehin keine große Bedeutung mehr haben, weil die Preisgestaltung dann doch von einer ganz anderen Seite kommt, und wir uns mit diesen Fragen ohnehin nicht mehr beschäftigen müssen, sondern im Rahmen der internationalen Möglichkeiten dann sowieso ein Interesse daran haben, die Preise herauszuholen, die nun einmal für die deutsche Volkswirtschaft nötig sind. Ich bin also der Meinung — insgesamt gesehen —: Investitionen sind dringend nötig. Darüber besteht kein Streit. Deutschland steht mit seinen Investitionen schlechter als alle anderen Länder der Welt mit Ausnahme von Italien. Im Verhältnis zu unserer Produktivkraft sind wir aber mit den bisherigen Mitteln hinsichtlich der vorgenommenen Investitionen bereits an die zweite Stelle gerückt. Also ist der bisherige Weg absolut kein schlechter gewesen. Der neue Weg ist eine Kombination von drei Möglichkeiten. Ich halte alle drei Möglichkeiten für geeignet, das Problem weitestgehend zu. lösen. Ich bitte Sie daher, das Gesetz im Grunde anzunehmen. Das Wort hat der Abgeordnete Dr. Bertram. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Zentrumspartei nimmt zu dem sogenannten Investitionshilfegesetz mit folgender Erklärung Stellung: Bei dem vorgesehenen Gesetz übersteigen, insbesondere infolge seines Charakters als Zwangsanleihegesetz, aie volkswirtschaftlichen Nachteile etwaige Vorteile. Das Gesetz ist auch verfassungswidrig, unter anderem, weil die Verteilung der Mittel einer parlamentarisch nicht verantwortlichen Körperschaft übertragen wird. Die Preiserhöhungen des laufenden Jahres für Kohle, Eisen und Stahl machen fast den Betrag des Gesamtvolumens der Investitionshilfe aus und haben den betreffenden Industriezweigen im ganzen stark erweiterte Investitionsund Kreditmöglichkeiten gebracht. Die belasteten Wirtschaftszweige sind willkürlich ausgewählt. Die Bemessungsgrundlage ist willkürlich, da sie • auf Liquidität und möglichen nachhaltigen Ertrag zu wenig Rücksicht nimmt. Die Verschlechterung der Liquidität seit Beginn der Erörterungen bei den belasteten Wirtschaftszweigen läßt erhebliche Störungen des Wirtschaftslebens und wegen der Notwendigkeit der Kreditaufnahme eine Aufblähung des Geldumlaufs befürchten. Eine Förderung des Spargedankens zugunsten der Grundstoffindustrien, wie sie vom Zentrum beantragt worden war, ist von der Mehrheit des Hauses abgelehnt worden. Eine Begrenzung der zusätzlichen Abschreibungsmöglichkeiten, die dieses Gesetz bringt, auf das finanzpolitisch Mögliche ist ebenfalls von der Mehrheit abgelehnt worden, so daß die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Haushaltsdefizits und damit die Notwendigkeit neuer Steuern gegeben ist. Die Übertragung der Befugnis zur Preiserhöhung auf die Exekutive ohne Kontrolle der Volksvertretung stärkt diese ohnehin nach dem Grundgesetz übermäßig mit Macht ausgestattete Staatsgewalt und entzieht wesentliche Aufgaben und Verantwortungen der Volksvertretung. Die Vorschläge der Zentrumspartei hätten ohne die gerügten Nachteile die Beseitigung der Engpässe durch Freiwilligkeit an Stelle durch Zwang ermöglicht. Zwangsanleihen müssen aber das Vertrauen in die staatliche Finanzpolitik und die Ansätze zur Bildung echten Kapitals schwer erschüttern. Nachdem die Zentrumspartei mit ihren Anträgen in der zweiten Lesung nicht durchgedrungen ist, verzichtet sie darauf, die Anträge in dritter Lesung zu wiederholen, und wird gegen dieses Gesetz als Ganzes stimmen. Das Wort hat der Abgeordnete Dr. Preusker. Meine Damen und Herren! Herr Kurlbaum hat sich vorhin gerade an mich als Vertreter der FDP-Fraktion gewandt unter Zitierung des OEEC-Berichtes, daß Deutschland durch aus erhebliche Beträge in seinen Grundstoffindustrien investieren müsse und daß diese sicherlich nur am Wege der Einschränkung bei anderen Wirtschaftszweigen aufzubringen seien. Er hat im übrigen die Auffassung ausgesprochen, daß mit diesem Gesetz und den Richtungen, die es weisen wolle, das Recht der vollen Disposition — so habe ich mir notiert — einer kleinen Minderheit gegeben und dafür die Möglichkeit einer Investitionslenkung geopfert werden solle. Wir sind durchaus Anhänger der Investitionslenkung. Wir sind auch durchaus der Meinung, daß unter Umständen gewisse Investitionen in der Volkswirtschaft erst einmal eingeschränkt werden müssen. Nur wünschen wir diese Lenkung weder durch eine kleine Minderheit, die irgendwo in der Wirtschaft sitzt, noch durch eine kleine Minderheit, die sich am grünen Tisch der Amtsstube vorstellt, wie eine Wirtschaft am Reißbrett funktionieren sollte. Denn wie so etwas nicht funktioniert, haben wir zur Genüge erlebt. Wir wünschen vielmehr, daß die Lenkung allein durch den Markt und durch die Preisbildung, die sich am Markt auf Grund von Angebot und Nachfrage vollzieht, bewirkt wird. Das ist nämlich der einzig gerechte Maßstab, bei dem man auf die Dauer in der Lage ist, Fehlinvestitionen und willkürliche Belastungen der Verbraucher auszuschließen. Daß wir jetzt in die mißliche Situation geraten sind, auf dem Gebiete der Grundstoffe ein solches Gesetz, das unseren Vorstellungen zweifellos nicht entspricht, mit beschließen zu müssen, ist eben darin begründet, daß in diesem Bereich durch eine jahrelange Reißbrettwirtschaft die Verhältnisse grundlegend verzerrt worden sind. Der eine Teil hat durch viel zu geringe Preise erhebliche Investitionen, die volkswirtschaftlich dringend geboten waren, nicht durchführen können, während der andere Teil im Genuß der zu niedrigen Preise in der Lage war, Investitionen durchzuführen, die ihm sonst zum Teil nicht möglich gewesen wären. Für uns ist es deshalb darum gegangen — es ist völlig sicher, daß wir uns hier von der Opposition diametral unterscheiden —, eine ganz eindeutige Linie in dieses Gesetz hineinzubringen. Wir haben darum gekämpft, daß wieder der Weg zu einer Entzerrung der Preise, zur Lenkung der Investitionen in der deutschen Wirtschaft über den Markt geöffnet wird, der allein als gerechter Maßstab dem einzelnen Unternehmer sagt: Bitte, du kannst investieren, weil der Markt dir das vergütet, und der andererseits den Verbraucher davor schützt, daß er Preise bezahlen muß, die weit über das hinausgehen, was bei einer vernünftigen Wettbewerbswirtschaft möglich wäre. Weil wir wünschen, daß möglichst schnell und viel wieder richtig investiert wird, ist es für uns wesentlich, weiterhin die Entzerrung auf dem Preisgebiet anzustreben. Es ist für uns mindestens genau so wesentlich, daß ohne Verzögerung alle Maßnahmen ergriffen werden — und wir werden die Bundesregierung ständig dazu auffordern und entsprechende Anträge stellen —, die geeignet sind, wieder einen funktionsfähigen Kapitalmarkt herzustellen und auch hier die Verzerrungen zu beseitigen, damit auf der Grundlage einer wiederhergestellten echten Marktwirtschaft auch das Sparkapital den Weg dorthin findet, wo es volkswirtschaftlich, nach der Rendite am dringendsten benötigt wird. Diese Forderungen, die wir hinsichtlich der Durchsetzung einer wirklichen Marktwirtschaft — die dann eine soziale ist -in unserer Volkswirtschaft erheben, sind für uns die einzige Grundlage dafür, daß wir einem solchen Gesetz, wie es die Investitionshilfe darstellt, nähertreten konnten. Wir begrüßen dieses Gesetz nicht deswegen, weil es gewisse Zwangslenkungsmöglichkeiten eröffnet — die Ihnen von der SPD noch viel zu gering sind —, sondern wir begrüßen es gerade deshalb, weil es auf der anderen Seite sicherstellt, daß mit dieser einen Milliarde der Impuls in die Volkswirtschaft hineingetragen werden kann, dank dessen es möglich ist, die Rückkehr zur Marktwirtschaft auf dem Gebiet der Grundstoffe vor der Volkswirtschaft zu verantworten. Für unsere Fraktion ist die Zustimmung zu dem Gesetz kein leichter Entschluß gewesen. Wir wagen es aber, weil wir die Überzeugung haben, daß nach den Verbesserungen, die der Entwurf erfahren hat, dieses Opfer, das für die deutsche Volkswirtschaft bestimmt nicht leicht ist, reiche Früchte tragen wird, indem die Engpässe bei Kohle, Eisen und Stahl endlich überwunden werden, die Schwarzen Märkte auf diesem Gebiet mit ihren unerfreulichen Erscheinungen verschwinden und endlich auch die Möglichkeit besteht, auf einer gewachsenen volkswirtschaftlichen Erzeugung erhöhte soziale Leistungen und einen verbesserten Lebensstandard für die gesamte Bevölkerung aufzubauen. Das Wort hat als letzter der gemeldeten Redner der Abgeordnete Paul. Meine Damen und Herren! Schon während der ersten Lesung haben wir unseren Standpunkt zu dem Investitionshilfegesetz dargelegt. Damals in der ersten Lesung hat man dem Hause noch einzureden versucht, daß dieses Gesetz zur Aufsprengung der Engpässe in der Grundstoffindustrie eingebracht worden sei, um die Deckung des Friedensbedarfs für unser Volk sicherzustellen. Ich habe bereits in der ersten Beratung dargelegt, daß wir in dem Investitionshilfegesetz ein Gesetz sehen, das dazu bestimmt ist, bestimmte Kapitalien in jene Industriezweige zu lenken, die stärker als bisher für militärische, für kriegerische Zwecke zum Einsatz kommen sollen. Unsere Auffassung wird durch die letzten Empfehlungen erhärtet, die die Marshallplanbehörde an die Bundesrepublik und an alle Atlantikpaktländer gegeben hat. In diesen Empfehlungen wird u. a. gesagt: Weniger dringliche Investitionsvorhaben sollen zurückgestellt werden, um den wirtschaftlichen und finanziellen Beitrag im Rahmen der Abmachungen des Atlantikpaktes zu leisten. Eindeutig wird damit die Richtigkeit unserer Darlegungen unterstrichen, daß es hier darum geht, mehr Mittel aus der Bedarfsgüterindustrie und mehr Steuergelder in jene Zweige der Volkswirtschaft zu lenken, die jetzt stärker in die Wiederaufrüstung und in die Vorbereitung eines dritten Weltkrieges gegen die Völker des Ostens eingeschaltet werden sollen. (Abg. Kunze: Hör doch auf! — Zuruf von der Mitte: Jetzt haben wir's wieder!)


    (Beifall in der Mitte.)